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<rss version="2.0"><channel><title>Newsmeldungen: Newsmeldungen</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/?d=6</link><description>Newsmeldungen: Newsmeldungen</description><language>de</language><item><title>Monitor - 8x11: Konflikte</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-8x11-konflikte-r10330/</link><description><![CDATA[<center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/Cover_8x11.jpg"><br><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_76498.html">Hier</a> geht es zur Episode!<br><br>Dieses Mal bei Star Trek – Monitor:<br><br>Schwierige Zeiten für John Lewinski.<br><br>[John Lewinski läuft durch eine vulkanische Wüste]<br>Lewinski (voiceover): „Ich will nicht aufgeben… aber es macht keinen Sinn mehr.“<br><br>Schwierige Zeiten für alle.<br><br>[Die Offiziere der Monitor haben sich im Bereitschaftsraum versammelt]<br>[Bruce Land und ein Gast treten ein]<br>Price (entrüstet): „Nein, nicht er!“<br>[Wir erkennen Jeroen McMor]<br>McMor (lässig): „Hi.“<br><br>Und eine schwierige Mission.<br><br>[Die Monitor tarnt sich]<br>Land (voiceover): „Die oberste Direktive verbietet uns ein Einmischen in die inneren politischen Angelegenheiten der Talarianer.“<br>[Auf der Karte im Bereitschaftsraum ist ein romulanischer Warbird zu sehen]<br>McMor: „Scheinbar wird die Allianz von Talar vom Romulanischen Sternenreich mit Waffen versorgt.“<br>Land: „Unsere Aufgabe, meine Damen und Herren, ist es diese Waffenlieferung aufzuhalten!“ <br><br>Die das Fass zum Überlaufen bringt.<br><br>[Eine Explosion ist auf dem Bildschirm zu sehen]<br>Price (wutentbrannt): „Sie Schwein! Sie haben uns benutzt und ausgetrickst.“<br>[Price stürmt wütend auf McMor zu und prügelt auf ihn ein]<br><br>[Land und Price sprechen miteinander]<br>Land: „Matt, ich mache mir sorgen um Dich.“<br>[Price sieht ihn hilfesuchend an]<br>Land: „Ich denke, ein Tapetenwechsel würde dir sehr gut tun.“<br><br>Die Achte Staffel<br>Star Trek – Monitor: „Konflikte“<br>Nur auf TREKNews.de </center>]]></description><guid isPermaLink="false">10330</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 8x10: Leben</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-8x10-leben-r10245/</link><description><![CDATA[<center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/Cover_8x10.jpg"><br><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_76447.html">Hier</a> geht es zur Episode!<br><br>Dieses Mal bei Star Trek – Monitor:<br><br>Ein beruflicher Anlass.<br><br>[John Lewinski steht auf einer Bühne]<br>[Er spricht zum Publikum, Vulkaniern]<br>Parul (voiceover): „Sie haben eine gute Figur abgegeben“<br><br>Doch das Private holt ihn ein.<br><br>[Eine ältere Vulkanierin tritt zu ihm]<br>Vulkanierin: „Captain Lewinski, erkennen Sie mich?“<br>[Lewinski sieht entgeistert zum Schirm]<br>Lewinski: „Natürlich.“<br>Vulkanierin: „Captain, Sie müssen unbedingt herkommen.“<br><br>Auf eine schmerzliche Art und Weise<br><br>[Lewinski sitzt am Bett eines alten Vulkaniers]<br>Vulkanier (voiceover, schwach): „Captain, es ist schön Sie hier zu sehen.“<br>[Eine Flöte ist zu hören, sie spielt ein melancholisches Lied]<br>Lewinski (voiceover): „Danke für so viele Jahre Freundschaft.“<br><br>Die Achte Staffel<br>Star Trek – Monitor: „Leben“<br>Nur auf TREKNews.de </center>]]></description><guid isPermaLink="false">10245</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 8x09: Doppeltes Spiel</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-8x09-doppeltes-spiel-r10200/</link><description><![CDATA[<center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/Cover_8x09.jpg"><br><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_76396.html">Hier</a> geht es zur Episode!<br><br><b>Heute auf TREKNews.de<br><br>Ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. </b><br><br>[John Lewinski sitzt Arsani Parul gegenüber]<br>Parul: „Was kann ich für Sie tun?“<br>Lewinski: „Ich möchte Sie als meinen Wahlkampfleiter engagieren.“<br>[Parul sieht ihn entgeistert an]<br><br><b>Ein Auftrag, den er nicht ablehnen kann. </b><br><br>[Ardev steht in LaToyas Büro]<br>LaToya: „Commander, ich habe einen Auftrag für Sie.“<br>[Ardev sieht sie verwirrt an]<br>Ardev: „Welche Art von Auftrag.“<br>LaToya: „Eine Außenmission. Boliviana.“<br>[Ardev wird bleich als er das Wort hört]<br><br><b>Alte Erinnerungen werden wach. </b><br><br>[Ardev läuft durch die Straßen einer Stadt]<br>[Er nähert sich einem Bolivianer, General Fasar]<br>Fasar: „Sie sind also mein Kontaktmann.“<br>[In einer schwarz/weiß Einblendung sehen wir wie ein jüngerer Ardev von Fasar geschlagen und gefoltert wird]<br><br><b>Und neue Herausforderungen zeigen sich. </b><br><br>[Lewinski wird auf eine Bühen begleitet]<br>[Im hellen Scheinwerferlicht sieht er sich um]<br>[Der große Hörsaal einer Universität ist bis auf den letzten Platz besetzt]<br>Moderator (voiceover): „Herzlich Willkommen zur ersten Fernsehdebatte rund um die anstehenden Wahlen zum Präsidenten der Vereinigten Föderation der Planeten.“<br>[Lewinski sieht neben sich Jellico und die Präsidentin der Födertion locker in die Menge lächeln]<br><br><b>Mit ungewissem Ausgang. </b><br><br>[Ardev und Fasar besprechnen sich]<br>Fasar: „Sie trauen mir wohl immer noch nicht.“<br>[Ardev blickt ihn ernst an]<br>Ardev: „Nicht für eine einzige Sekunde.“<br><br><b>Die Achte Staffel<br>Star Trek – Monitor: „Doppeltes Spiel“<br>Nur auf TREKNews.de</b></center>]]></description><guid isPermaLink="false">10200</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 8x08: Schatten der Vergangenheit</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-8x08-schatten-der-vergangenheit-r10163/</link><description><![CDATA[<center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/Cover_8x08.jpg"><br><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_76384.html"><i>Hier</i></a> geht es zur Episode!<br><br><b>Dieses Mal bei Star Trek: Monitor</b><br><br><b>Ein leeres Leben. </b><br><br>[John Lewinski verlässt das Gefängnis]<br>[John Lewinski steht alleine am Grab seines Vaters]<br>[Er streicht durch seine leere Wohnung]<br><br><b>Ohne Perspektive. </b><br><br>[Frustriert verlässt Lewinski ein Büro]<br>Professor: „Dann wäre da noch das Problem in ihrem Lebenslauf.“<br>[Lewinski sitzt dem Professor gegenüber und blickt ihn verwirrt an]<br>Professor: „Sie waren im Gefängnis.“<br>Lewinski: „Glauben Sie etwa nicht an Resozialisation?“<br><br><b>Ein Mord. </b><br><br>[Wir sehen den Mars]<br>[In einem Shuttle liegt eine erstochene menschliche Leiche]<br>Bird: „Was haben Sie für mich, Doktor?“<br><br><b>Mit Überraschung. </b><br><br>[Der Doktor sieht zu Bird auf]<br>Doktor: „Das Opfer ist ein Romulaner.“<br>[Bird sieht die Leiche fragend an]<br>Bird: „Was macht ein Romulaner mitten in der Föderation, der zudem noch wie ein Mensch aussieht?“<br><br><b>Beides Mal mit rätselhaften Besuchen. </b><br><br>[Wir sehen ein Reihenhaus in einer Vorstadt]<br>[Die Tür wird von dem toten Romulaner in Menschengestalt geöffnet]<br>[Vor der Tür steht ein Talarianer]<br><br>[Lewinski öffnet die Tür seines Hauses]<br>[Vor der Tür steht Jellico]<br>Jellico (übertrieben freundlich): „Captain Lewinski…“<br>Lewinski (genervt): „Wenn Sie förmlich werden wollen… Dr. Lewinski.“<br><br><b>Die Achte Staffel<br>Star Trek – Monitor: „Schatten der Vergangenheit“<br>Nur auf TREKNews.de</b></center>]]></description><guid isPermaLink="false">10163</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 8x07: Blaues Herz</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-8x07-blaues-herz-r9666/</link><description><![CDATA[<center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/Monitor_8x07_Cover.jpg"><br><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_76058.html"><i>Hier</i></a> geht es zur aktuellen Episode!<br><br>Dieses Mal auf TREKNews.de<br><br>Eine dunkle Ecke des Universums.<br><br>[Wir sehen einen Mond neben einem Gasriesen]<br>[Die Kamera zoomt näher hin]<br>[Wir erkennen, dass es sich um Andoria handelt]<br><br>Die er schon zu den Akten gelegt hatte.<br><br>[Ardev tritt aus einem Shuttle, er trägt Zivilkleidung]<br>Ardev (voiceover): „Ich will mit dem ganzen Clan nichts zu tun haben. Was meinst du wohl, wieso ich abgehaut bin?“<br>[Ein Andorianer begrüßt Ardev überfreundlich]<br>[Auch Ardev lächelt, als er ihn erkennt]<br><br>Aber die Vergangenheit holt ihn ein.<br><br>[Wir sehen eine unterirdische andorianische Großstadt]<br>[Mit wehmütigem Blick sieht Ardev zu einem Hauseingang]<br>Andorianer (voiceover): „Das sind die Fakten, Tala ist verschwunden!“<br>[Nachdem Ardve eintritt steht er vor einer großen andorianischen Sippschaft, die ihn erwartungsvoll anblickt]<br><br>[Ardev sitzt mit einem Andorianer und einer Andorianerin in einem Büro]<br>Ardev: „könnte es nicht sein, dass sie einfach abgehauen ist und nicht gefunden werden will?“<br>[Die Andorianerin sieht ihn mit einem bösen Blick an]<br>Andorianerin: „Denke nicht einmal für einen Moment daran, dass sie zu etwas ähnlichem wie du in der Lage wäre. Sie ist keine Verräterin und keine Betrügerin und kein Abschaum wie du.“<br>[Ardev seufzt]<br>Ardev: „Ich hatte beinahe vergessen, wie sehr ich hier verabscheut werde.“<br><br>Und stellt Fragen für seine Zukunft.<br><br>[Ardev betritt sein Quartier auf der Monitor]<br>[Arena Tellom erwartet ihn]<br>Ardev: „Ich habe viel an Dich gedacht... und darüber, was wir noch voneinander haben.“<br>Tellom: „Ich habe dir doch oft genug gesagt, dass ich mir nichts sehnlicher Wünsche als dich wieder hier bei mir zu haben.“<br>Ardev: „Und ich wünsche mir das auch. Doch der Fakt ist: jedes Mal, als ich das sagte, war ich auf der Erde. Weit weg von...“<br>Tellom: „Von mir?“<br>[Beide blicken sich traurig an]<br><br>Die Achte Staffel<br>Star Trek – Monitor: „Blaues Herz“<br>Nur auf TREKNews.de<br></center>]]></description><guid isPermaLink="false">9666</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 8x06: Einsame Entscheidungen</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-8x06-einsame-entscheidungen-r9596/</link><description><![CDATA[<center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/Monitor_Cover_8x06.jpg"><br><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_76049.html"><i>Hier</i></a> geht es zum Download!<br><br>Heute auf TREKNews.de<br><br>Das Leben in der Sternenflotte<br><br>[Die Monitor tarnt sich]<br><br>kann sehr einsam sein.<br><br>[Bruce Land sitzt einsam an seinem Schreibtisch im Bereitschaftsraum]<br>[Price sitzt mit müdem Blick an der Steuerkonsole]<br>[John Lewinski sitzt nachdenklich in seiner Gefängniszelle]<br><br>Aber nicht auf der Monitor.<br><br>[Auf dem Bildschirm ist ein kleines Schiff zu sehen]<br>Kensington (voiceover): „Ein erster Kontakt?“<br>[Alle Offiziere auf der Brücke sehen fasziniert zum Schirm]<br><br>Land: „Hier spricht Captain Bruce Land von der USS Monitor, wir erforschen das All in friedlicher Absicht.“<br>[Stille auf der Brücke, kein Ton ist zu hören]<br>Land: „Haben Sie unsere Nachricht empfangen?“<br>Kensington (laut): „Energieanstieg bei den Waffen...sie feuern!“<br><br>Ein erster Kontakt scheint außer Kontrolle zu geraten.<br><br>Land: „Wir müssen jedwede Chance nutzen, um einen diplomatischen oder gar militärischen Konflikt zu verhindern.“<br>[Die Brückencrew steht bei der Lagebesprechung]<br>[Land blickt ernst in die Runde]<br>Land: „Aus diesem Grund werde ich erneut den Versuch einer Kontaktaufnahme starten. Um nicht als Bedrohung zu erscheinen, werde ich allein mit einem Shuttle zum fremden Schiff reisen.“<br><br>Price (voiceover):„Nur um in die Fußstapfen von John Lewinski zu schlüpfen, brauchst Du nicht so einen waghalsigen Stunt abzuziehen.“<br>[Land fliegt mit einem Shuttle zu dem fremden Schiff]<br>[Durch das Fenster beobachtet er genau das fremde Schiff aus der Nähe]<br><br>Die Achte Staffel<br>Star Trek – Monitor: „Einsame Entscheidungen“<br>Nur auf TREKNews.de</center>]]></description><guid isPermaLink="false">9596</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 8x05: Gute Gespr&#xE4;che</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-8x05-gute-gespr%C3%A4che-r9529/</link><description><![CDATA[<p style="text-align: center"><a href="http://downloads.scifinews.de/file_76026.html"><img alt="Star Trek Monitor" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/20090511_Monitor_8x05_Cover.jpg" width="340" height="475"><br>Neue Folge jetzt herunterladen!</a></p><br><br><center>Heute auf TREKNews.de<br><br>Sein Weg nach oben<br><br>[Wir sehen einen Mann eine Krawatte anlegen]<br><br>Sein Weg nach unten. <br><br>[Wir sehen Woil durch eine Eiswüste auf Talar laufen]<br><br>Sind gepflastert mit Tod und Leid. <br><br>[Wir sehen wie Jellicos Familie hingerichtet wird]<br>[Wir sehen wie Stelle Tanner in einer Explosion umkommt]<br><br>Beiden bieten sich neue Chancen. <br><br>[Jellico steht vor der Presse an einem Pult]<br>Jellico: „Ich habe mich dazu entschlossen, für das Amt des Präsidenten zu kandidieren.“<br>[Woil liegt in einem Krankenhaus und sieht sich verwirrt um]<br>Klingonischer Arzt: „Glückwunsch, Ihre Abhängigkeit von Ketracel-White ist beendet.“<br>[Woil sieht den Arzt verwirrt an]<br><br>Beide werden sich wieder sehen. <br><br>[Woil sieht auf eine Zeitung in der Jellico abgebildet ist]<br>[Wut und Rache blitzen in seinen Augen auf]<br>[Jellico trifft sich mit einem seiner Berater]<br>Berater: „Haben Sie sich schon entschieden, wie unsere Organisation in diesem Wahlkampf tätig werden soll?“<br>[Jellico nickt verschwörerisch mit einem Grinsen im Gesicht]<br><br>Die Achte Staffel<br>Star Trek – Monitor: „Gute Gespräche“<br>Nur auf TREKNews.de<br></center>]]></description><guid isPermaLink="false">9529</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 8x04: &#xDC;berzeugungsarbeit</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-8x04-%C3%BCberzeugungsarbeit-r9448/</link><description><![CDATA[<center><a href="http://downloads.scifinews.de/file_75406.html"><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/Cover_8x04.jpg" border="0"><br><br>Hier geht es zum Download</a><br><br><b>Diesen Samstag auf TREKNews.de<br><br>Ardev stellt sich neuen Herausforderungen.</b><br><br>LaToya: „Ich habe da etwas für Sie.“<br>[Ardev sieht LaToya fragend an]<br>LaToya: „Es wird Zeit, dass Sie wieder echte Feldarbeit machen.“<br><br><b>Und trifft auf Erinnerungen.</b><br><br>[Wir sehen einen Planeten aus dem Orbit]<br>Ardev (voiceover): „Guten Abend, Ben.“<br>[Ardev tritt aus dem Schatten eines Hauses]<br>[Vor ihm zeigt sich Ben Travis, Gouverneur Beta-Candors]<br>Ben Travis: „Das darf doch nicht wahr sein!“<br>[Sie nehmen sich in die Arme]<br><br><b>Und macht Angebote,</b><br><br>[Ardev und Travis sitzen beim Essen]<br>Ardev: „Ich habe ein Angebot für Dich.“<br>[Travis beugt sich interessiert vor.]<br>Ardev: „Die Föderation bietet an, die Exporte zu erhöhen. Damit könnten weitere Arbeitsplätze geschaffen und der Wirtschaftsstandort Beta-Candor gestärkt werden. Euer wirtschaftlicher Wohlstand würde weiter zunehmen.“<br>Travis: „Wo ist der Haken?“<br>Ardev: „Natürlich haben diese Föderationsfirmen ein gewisses Sicherheitsbedürfnis.“<br>Travis: „Ihr wollt die Sternenflotte auf Beta-Candor stationieren?“<br>[Ardev nickt]<br><br><b>Die man annehmen sollte.</b><br><br>[Travis und Ardev treffen sich bei Nacht auf der Straße]<br>Ardev: „Ich bin hier, um dich nach deiner Entscheidung zu befragen.“<br>Travis: „Ich muss euer Angebot ausschlagen. Der Preis ist einfach zu hoch.“<br>[Ardev stellt sich nahe vor Travis und beobachtet ihn ernst]<br>Ardev (kalt): „Du weißt, ich könnte dich festnehmen.“<br>Travis: „Drohst Du mir etwa mit dieser Festnahme?“<br>Ardev: „Wir können dich auch einfach so verschwinden lassen.“<br><br><b>Die Achte Staffel<br>Star Trek – Monitor: „Überzeugungsarbeit“<br>Nur auf TREKNews.de</b></center>]]></description><guid isPermaLink="false">9448</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 8x03: Pakt mit dem Teufel</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-8x03-pakt-mit-dem-teufel-r9354/</link><description><![CDATA[<center><center><center><a href="http://downloads.scifinews.de/file_74915.html"><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/Cover_8x03.jpg" border="0"><br><br>Hier geht es zum Download</a>!<br><br><b>Diesen Samstag auf TREKNews.de<br><br>Ihr Leben wird auf den Kopf gestellt. </b><br><br>[Wir sehen John Lewinski, der aus seiner Gefängniszelle geführt wird]<br>[Price steht in seinem Bereitschaftsraum und sieht ungläubig aus]<br>[Jellico steht auf der Aussichtsplattform des Eiffelturms]<br><br><b>Und hält neue Entscheidungen parat. </b><br><br>[Die Crew der Monitor steht in Galauniform in einem Korridor]<br>[Alle blicken sehr überrascht zu einer Person…]<br>Bruce Land (lächelnd): „Sie wirken alle recht überrascht!“<br><br>[John Lewinski sitzt an einem Tisch einem verschwörerisch aussehenden Mann gegenüber]<br>Mann: „Mein Name ist Bill.“<br>Lewinski: „Bill ist tot.“<br>Mann: „Wir brauchen Sie für eine Geheimmission auf Talar.<br>[Wir sehen in kurzen Einblendung die Talarianische Eiswüste]<br>Mann: „Einer unserer Agenten ist dort gewesen und inhaftiert worden“<br>Lewinski: „Ich habe kein Interesse!“<br>Mann: „Es handelt sich um Jeroen McMor.“<br>[Lewinski blickt fasziniert zu seinem Gegenüber]<br>Mann: „Was halten sie von einer Strafverkürzung, Captain Lewinski?“<br><br>[Jellico spricht zu seinem Attache]<br>[Beide tun so, als würden sie Paris beobachten]<br>Jellico (kalt): „Leiten Sie die nächste Phase ein.“<br><br><b>Und keine bleibt ohne Folgen. </b><br><br>[Price betritt wütend das Casino]<br>Land (voiceover): „Matt, ich weiß, wie schwierig das für dich sein muss. Nun bin ich der neue Captain. Ausgerechnet ich, der früher dein erster Offizier gewesen ist.“<br>[Währenddessen richten sich alle Blicke auf Price]<br>Price: „Verlassen sie den Raum. Alle.“<br><br>[In schneller Reihenfolge sehen wir, wie Lewinski…]<br>[… durch das Eis Talars läuft]<br>[… er aus einer Deckung eine Explosion beobachtet]<br>[… sich durch ein Gebäude schleicht]<br>[… einen Soldaten außer Kraft setzt]<br>[… um eine Ecke rennt und dort in die Mündung von 10 Gewehren blickt]<br>McMor: „Das ist ja nun nicht gerade optimal gelaufen.“<br><br><b>Die Achte Staffel<br>Star Trek – Monitor: „Der Pakt mit dem Teufel“<br>Nur auf TREKNews.de</b><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s8_promo_land_8x03.jpg"></center></center></center>]]></description><guid isPermaLink="false">9354</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 8x02: Armageddon</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-8x02-armageddon-r9290/</link><description><![CDATA[<center><center><a href="http://downloads.scifinews.de/file_74749.html"><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/Monitor_Cover_8x02.jpg" border="0"><br><br>Hier geht es zum Download</a>!<br><br><b>Dieses Mal bei Star Trek: Monitor</b> <br><br>[Wir sehen das herrliche Paris]<br><br><b>Sie leben in einem Paradies</b><br><br>[Ardev setzt sich in einem Cafe an einen Tisch]<br>[Ihm gegenüber sitzt Danny Bird]<br><br><b>Und denken, das Schlimmste überstanden zu haben</b><br><br>Bird: „Wie läuft die Reha?“<br>Ardev: „So gut wie abgeschlossen. Und bei dir?“<br>[Bird blickt glücklich auf die Skyline der Stadt]<br>Bird: „Ich denke, die Sternenflotte und ich werden in Zukunft getrennte Wege gehen.“<br><br><b>Doch manche Entscheidungen… </b><br><br>[Ein Klingone geht nachts eine Straße lang]<br>[Ein Schatten verfolgt ihn, panisch dreht sich der Klingone um]<br>Klingone: „Was in Kahless´ Namen geht hier vor?“<br>[Der Klingone geht zu Boden]<br>[Eine dunkle, unbekannte Gestalt nähert sich ihm]<br>Bird (voiceover): „Man fordert unsere Hilfe an?“<br><br><b>… liegen nicht bei Ihnen.</b><br><br>[Bird befindet sich in der Zentrale des SFCID]<br>[Er redet mit seinem Vorgesetzten, Commander Reyes]<br>Reyes: „Nein, nicht unsere. Ihre.“<br><br>[Bird geht über die Straßen Paris, einem Polizisten entgegen]<br>Polizist: „Mr. Bird.“<br>[Wir sehen am Boden eine Person, die mit einem Leichentuch zugedeckt ist]<br>Bird: „Ist es das, was ich denke?“<br>[Bird blickt entsetzt zu der Leiche]<br>Polizist (voiceover): „Sie waren dabei, als es das letzte Mal einen Mord auf der Erde gegeben hat.“<br>[Bird sieht erschrocken zu einer nahen Wort]<br>[Dort steht mit dem Blut des Opfers geschrieben: Armageddon]<br><br><b>Die Achte Staffel<br>Star Trek – Monitor: „Armageddon“<br>Nur auf TREKNews.de</b></center></center>]]></description><guid isPermaLink="false">9290</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 8x01: Neue Leben</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-8x01-neue-leben-r9216/</link><description><![CDATA[<center><a href="http://downloads.scifinews.de/file_74708.html"><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/Monitor_Cover_8x01.jpg" border="0"><br><br>Hier geht es zum Download</a>!<br><br><center><b>Diesen Samstag auf TREKNews.de</b><br><br>[Die Monitor fliegt aus einem Dimensionsriss heraus]<br><br><b>6 Monate sind vergangenen</b><br><br>[Jellico kniet über dem erschossenen Präsidenten]<br>[Woil fliegt in einem Shuttle davon, während hinter ihm zwei Raumschiffe kollidieren]<br>[Danny Bird sieht zu, wie die schwangere Janine Talley abgeführt wird]<br>[Frasier und Price lösen sich aus einem Kuss, Price geht]<br>Price (voiceover): „Bitte versteh, dass ich dich nicht mitnehmen kann.“<br>[Arena Tellom sitzt an Ardevs Krankenbett]<br>[Lewinski streicht sich die Uniform glatt und verlässt seinen Bereitschaftsraum]<br>Lewinski (Voiceover): „Sobald diese Krise überwunden ist werde ich mich stellen.“<br><br><b>Was sie erlebt haben, hat ihr Leben verändert. </b><br><br>[Lewinski sitzt in einer Gefängniszelle und ist in ein Buch vertieft]<br>[Price sitzt demotiviert im Bereitschaftsraum und blickt auf einige Padds]<br><br>[Danny Bird sitzt im Gefängnis Janine Talley gegenüber]<br>Bird: „Brauchst du irgendwas?“<br>Talley (genervt): „Ja, einen Freispruch.“<br><br><b>Und die Reise geht weiter.</b><br><br>[Die Präsidentin der Föderation sieht zu Jellico]<br>Präsidentin: „Was kann ich für meinen Vizepräsidenten tun?“<br>Jellico: „Sind Sie nicht der Meinung, dass wir das kommissarisch langsam mal ändern sollten?“<br>Präsidentin: „Dazu müssten wir Neuwahlen abhalten. Dies halte ich ehrlich gesagt nicht für nötig.“<br>Jellico: „Haben Sie etwa Angst vor einer Niederlage?“<br><br>[Price sitzt am Schreibtisch und öffnet eine Nachricht]<br>[Wir können lesen: Nehmen Sie Kurs auf Starbase 67 zwecks Aufnahme von neuem Kommandanten]<br><br>[Jellico steht auf der obersten Plattform des Eiffelturms und schaut auf das nächtliche Paris]<br>[Sein Adjutant Max nähert sich]<br>Jellico: „Wir müssen unseren Alternativplan in Gang setzen.“<br>Max: „Welche Intensität?“<br>Jellico: „Es genügt die Schwache.“<br>[Jellico grinst schelmisch]<br>Jellico: „Die Präsidentin soll den Zusammenhang nicht erkennen.“<br><br><b>Der Start der Achten Staffel am 6.März<br>Star Trek – Monitor: „Neue Leben“<br>Nur auf TREKNews.de</b><br><br><center><b>NEUE LEBEN</b><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for TREKNews NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producers NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>written by NADIR ATTAR<br>TM &amp; Copyright © 2008 by TREKNews Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center><br><br></center></center>]]></description><guid isPermaLink="false">9216</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 5x11: Das Chaos aller Zeiten</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-5x11-das-chaos-aller-zeiten-r8532/</link><description><![CDATA[<center><a href=http://downloads.scifinews.de/file_12894.html><IMG SRC=/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0511.jpg></a></center><br><br>Was? Sie kennen mich nicht? Unmöglich. Aber nichts desto trotz möchte ich mich Ihnen Vorstellen. Denn sie wollen ja nicht dumm Sterben? Mein Name ist Q. Ich bin Allmächtig und Allwissend. Aber natürlich werden sie sich sagen. Das kann nur Q sein. Doch kann ich es immer sein? Allmächtig und Allwissend? Für gewöhnlich würde ich mit Ja antworten. Doch ich muss gestehen das auch ich hin und wieder leider in Situationen gerate die nicht einmal ich vorhersehen kann. Und das bereitet mir immer wieder Magenschmerzen. Magenschmerzen! Ein absurder Begriff für jemanden der nicht auf Nahrung angewiesen ist. Aber hin und wieder gebe ich mich auch diesen Genüssen hin. Auch meine Nähe zu den primitiven Menschen hat mich wohl etwas im Niveau heruntergezogen. Dabei Faszinieren mich Exemplare wie Jean Luc Picard, Benjamin Sisko, Kathryn Janeway und dann noch zwei weitere Herren. <br>Der eine ist John Lewinski. Er kommandiert ein Raumschiff der Defiant-Klasse, das Monitor heißt. Ein wackeres Kerlchen, das mal etwas mehr aus sich herauskommen sollte. Und Edward Jones. Er kommandiert die Independence. Das größte bisher gebaute Raumschiff der Sternenflotte. Auch er ist ein Bursche, den man mit Vorsicht genießen sollte. Jene beiden Individuen sind es, denen ich meine weitere Existenz zu verdanken habe. Obwohl ich das ungern zugebe, bin ich von den beiden sehr beeindruckt.<br><br><br>Doch nun genug von mir. Sie möchten wohl gerne wissen, wieso ich die Hilfe dieser Männer brauchte und weshalb es dazu kam? Nichts leichter als das. In Geschichten erzählen kann mir nur sowieso nur Lady Q das Wasser reichen. Sie ist die einzige, die es schafft, die Fragen unseres q im Keim zu ersticken, bevor man zu Tode gefragt wird. Sie können wohl nicht glauben, dass man jemanden zu Tode fragen kann. Doch! Die Bewohner des Planeten Amalason Prime haben dies zu einer perfekten Waffe umgewandelt, indem.... Aber das werde ich nicht ihnen auf die Nase binden. Nun gut. Hier beginnt die Geschichte, die beinahe das Ende aller Existenzen, aller Zeiten, aller Dimensionen bedeutet hätte. <br><br><br><br><br><br><br>USS Monitor Unterwegs in den Badlands :<br><br><br><br>Zurzeit herrschte Nachtschicht auf der Monitor. Das Licht auf der Brücke war gedämpft, um die Nachtphase zu simulieren. Nur die Hälfte der Stationen war besetzt und Lieutenant Ardev hatte das Kommando. Der Andorianer hatte es sich sichtlich gemütlich im Kommandosessel des Geheimdienstschiffes gemacht. Oh ja. Der Auftrag, verlassene Basen des Marquis aufzuspüren und zu Versiegeln hatte was herrlich Ruhiges. Seit dem Dominion-Krieg waren diese Orte in Vergessenheit geraten. Der Marquis existierte nicht mehr. Die Cardassianer waren geschlagen. Endlich würde sich auf Cardassia eine Demokratie etablieren die es den Cardassianern ermöglichen würde wieder friedlich mit den anderen Völkern zusammenzuleben. Nur die Bajoraner hegten immer noch Misstrauen gegen ihre ehemaligen Besatzer, was Ardev ihnen auch nicht verübeln konnte. Nun sah er zu, wie Fähnrich Alcazar die Monitor durch die Plasmastürme navigierte und ihnen geschickt auswich. „Lieutenant Ardev?“ Der Andorianer drehte sich in die Richtung aus der die Anfrage kam. <br>„Ja, Crewman?“ <br>„Sir, eine Meldung von DS9. Wir sollen unsere Mission einstellen und zur Station zurückkehren. Die Defaint wird unseren Auftrag übernehmen.“ <br>„Verstanden. Teilen sie der Station mit, das ich es Captain Lewinski melden werde.“ <br>„Aye, Sir.“<br>Ardev stand nun auf, ging einen Schritt auf den Hauptschirm zu. Dann berührte er seinen Kommunikator. <br>„Ardev an Lewinski.“ <br>Das Interkom riss den Captain der Monitor unsanft aus dem Schlaf. Murrend und im Dunkeln tastend, suchte er nach der Interkom-Ruftaste. <br>„Lewinski hier.“ <br>„Sir. DS9 hat uns aufgefordert zurückzukehren. Die Defaint soll unsere Mission fortsetzen. Mehr hatte man uns auch nicht mitgeteilt.“ <br>„Verstanden Lieutenant. Setzen sie einen Kurs. Ich bin dann auf der Brücke. Lewinski Ende.“ <br><br><br> Mit voller Impulskraft schoss die Monitor nun in Richtung Bajor davon. Matthew Price wollte sich gerade an Arena Tellom wenden, als plötzlich ein Lichtblitz durch die Brücke fegte. Price drehte sich in die Richtung des Lichtblitzes.<br> „Oh, habe ich sie gestört, Commander?“, fragte ein Mann mit einem jungenhaften Lächeln im Gesicht. Er Trug eine Uniform wie man sie zu Zeiten Napoleon Bonapart getragen haben musste. Price berührte den Kommunikator. <br>„Captain Lewinski auf die Brücke. Sicherheit, ein Team auf die Brücke schicken.“<br>Dabei lies Price den Besucher keinen Moment aus den Augen. <br>„Was haben sie Commander? Mache ich ihnen etwa Angst?“ Matt antwortete nicht. Stattdessen bohrten sich seltsamer weise seine Augen wie Quantum Torpedos in das Gesicht des Unbekannten. Nun betrat Lewinski die Brücke. Auch bei ihm zog sich die Stirn in Falten, als er den Gast sah. Ardev stellte sich schützend vor Arena und auch sein Gesicht zeugte nicht gerade vor Freude. <br>„Oh sie scheinen mich mit meinem Vetter Q zu verwechseln. Sein sie versichert, ich bin nicht Q.“ <br>„Sondern?“, fragte Lewinski. <br>„Trelane.“, stellte sich der Mann vor und  verbeugte sich recht tief. Wieder ein erhellte ein  Lichtblitz die Brücke des Geheimdienstschiffes. Dieses mal eine Frau mit roten Haaren die bis zur Hüfte reichten und zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden sind. Auch bei ihr konnte man sich sicher sein, es mit einer Q zu tun zu haben. <br>„Trelane. Du sollst noch nicht hier sein.“, zischte sie Trelane an, der darauf sie nur Angrinste. Damit brachte er wohl nicht nur Menschen in Rage, dachte Lewinski zufrieden. Dann wandte sich Lady Q an Lewinski und ihr Gesichtsausdruck wurde etwas weicher.<br> „Captain John Lewinski. USS Monitor. Ich habe sie mir etwas kleiner vorgestellt.“<br>John wölbte eine Braue. So das es schon vulkanisch wirkte. <br>„Das ist richtig, M´am. Und Sie sind?“ <br>„Lady Q. Lassen Sie sich nicht von diesem Kind hier abbringen nach DS9 zu fliegen. Ich werde mich um Trelane kümmern.“ <br>„Zu Gütig Lady Q.“, murmelte John. Darauf verschwanden Lady Q, Trelane und Lewinski in einem Lichtblitz.<br>„Wo hat sie den Captain?“, fragte Bird besorgt. <br>„Ich weis es nicht Lieutenant. Halten sie die Augen offen. Wenn die Q ihre Finger im Spiel haben, würde es mich nicht wundern, dass Ferengi Wohltätig werden.“<br>Bird nickte auf die Worte des ersten Offiziers. Lewinski fand sich nun auf der Brücke eines Raumschiffes der Constitution-Klasse wieder. Doch er war nur mit Lady Q und Trelane allein hier. Langsam drehte er sich um. Er saß im Kommando Sessel der Brücke. Dann entdeckte er die Plakette. Es stand tatsächlich Enterprise drauf. Ob es sich hier um die echte Enterprise des legendären James Kirk handelte, war sich John nicht sicher. Genauso gut hätte es auch eine von den Q erschaffene Illusion sein können. Doch nun sah er wieder in das grinsende Gesicht von Trelane, was in Lewinski den Drang erweckte ihm einen Kinnhaken zu verpassen. <br>„Also was ist los? Haben sie etwa mit dem hier.....“ <br>„….zu tun?“, vollendete ein anderer Mann den Satz. John sah nun nach links. Es war Q. Sein Gesicht wirkte ebenso düster und besorgt. Außerdem trug er die gleiche Uniform wie Lewinski selber. <br>„Ich versichere ihnen Captain, das haben wir nicht. Die Q sind eher die letzte Verteidigungslinie.“<br>„Wie meinen sie das?“, fragte Lewinski.<br>„Sie scheinen zu glauben, sie werden mit allem fertig. Wie den Borg, Spezies 8472 usw. Doch glauben sie mir, sogar wir Q haben Todfeinde.“ <br>„Sie meinen es gibt noch andere Wesen die mächtiger als die Q sind?“<br>Q nickte nur als Antwort. John bekam nun einen Schweißausbruch.<br> „Und wie können wir ihnen dabei helfen, Q? Wenn sogar sie nichts ausrichten können?“ „Fliegen sie nach DS9, Johnny. Dort werden sie die ersten Antworten finden. Selbst uns Q ist der Ausgang dieser Sache nicht bekannt. Und dieser Umstand, John Lewinski, ist für die Q eine Katastrophe. Und für sie Menschen und den Rest des Universums kann es das Ende bedeuten, wenn wir nicht die Sache in den Griff bekommen.“ <br>„Dann sagen sie mir, um wenn es sich konkret handelt?“ <br>„Wir wissen nur, dass sie sich S nennen.“ <br>„S? “ <br>„Ja, mon Captain.“ <br>„Sie Wollen mir doch nicht weis machen, das es Wesen gibt, die das ganze Alphabet abrunden?“ <br>„Wie naiv sind den sie Mensch? Die Buchstaben dienen nur, um ihnen die Namen für euch verständlich zu machen. Also wie gesagt. Wenn es Zeit wird, werden sie alle nötigen Informationen erhalten. Kehren sie nun wieder auf die Monitor zurück, Johnny.“<br>Mit einem Fingerschnippen beförderte Q Lewinski auf die Monitor zurück. <br>„Und was dich betrifft, Trelane.“Q´s Stimme braute sich zu einem unheimlichen Poltern zusammen.<br>„Du hättest ihnen später die Informationen zukommen lassen sollen.“ <br>„Aber was ist Q, wenn es genau das Richtige ist. Immerhin wissen wir, dass es hier begann. Zu diesem Zeitpunkt.“, antwortete Trelane erstaunlich ruhig. <br>„Klingt plausibel Q. Selbst für Trelane.“, kommentierte Lady Q. Q legte seine Stirn in Falten. Dann wölbte er eine Braue.<br>„Wollen wir nur hoffen, das es Klappt.“ <br>„Hoffen? Q du warst zu lange bei den Menschen.“ <br>„Mag sein, aber. Sie können einem immer wieder Überraschen. Für Primitive Lebensformen sogar enorm…“ <br><br><br><br>Brücke der Monitor :<br><br><br>In einem Lichtblitz erschien Lewinski wieder auf der Brücke der Monitor. Alle Besatzungsmitglieder starrten ihn Besorgt an. <br>„Captain, alles in Ordnung?“,fragte Arena Tellom.<br> „Nein, nichts ist in Ordnung, Lieutenant. Matt, liegt der Kurs auf DS9 noch immer an?“<br> „Ja, Captain.“ <br>„Dann erhöhe auf Warp 9,8.“ <br>„Aye, Sir.“antwortete Price erstaunlich förmlich. Man war es geradezu nicht gewohnt von ihm, das er nicht auf seine so sonst lockere Art antwortete.<br> „Konferenz aller Führungsoffiziere in 10 Minuten in meinem Büro. Matt du hast die Brücke. Ich bin in meinem Büro.“Danach verschwand Lewinski in seinem Büro. „Chief warten Sie.“Woil drehte sich um. Um die Ecke des Korridors kam Denise Smith gerannt. Die junge Frau kam keuchend vor dem antosianischen Chefingenieur zum stehen. Woil wölbte eine Braue. <br>„Haben wir einen Warpkernbruch?“<br> „Wie meinen?!“<br> „Na, weil sie mich fast umgerannt haben, um mich zu erreichen Denise.“ Denise Smith musste noch mal tief Luft holen um auch nur gerade stehen zu können. <br>„Stimmt es?“ <br>„Stimmt was? Das die Borg nie jemanden auf einer Single-Party abbekommen und alle deshalb aus Frust assimilieren?“<br> „Nein, Sir.“Woil blickte verwirrt drein. „Das wir nach Deep Space Nine fliegen.“<br> „Ach das.“brummte Woil gespielt erleichtert. Er hatte es sich zu einem Spaß gemacht, seine Stellvertreterin ein wenig zu ärgern. Das wusste sie auch. Denn sie machte sich auch einen Spaß daraus, Woil hin und wieder in die irre zu führen. Doch beide brachen dann immer an dem Punkt ab, wo es für das Schiff hätte gefährlich werden können. Im ins geheimen mochten die beiden sich sehr. <br>„Ja, Chief.“Denise sah ihn mit ihren braunen Augen erwartungsvoll an. <br>„Ja es stimmt Denise. Wir Fliegen nach Deep Space Nine. Aber mehr weis ich nicht.“ <br>„Jaaa!“<br> „Wie habe ich das zu verstehen?“ „Oh, Chief. Seien sie nicht so begriffsstutzig. Die Independence Dockt dort seit drei Tagen.“ <br>„Ach ihr großer Bruder. Er ist doch erster Offizier an Bord des Schiffes?“<br> „Stimmt. Ich habe ihn seit 3 Monaten nicht mehr gesehen.“ <br>„Dann freuen sie sich ja wie ein Sack deltanischer Kicherflöhe darauf ihn wieder zu sehen.“ „So ist es. Darf ich Fragen, ob…“ <br>„Sie frei bekommen können während wir auch an der Station docken? Hm. Hillerman muss noch Einiges abarbeiten. Er kommt immer zu spät zur Schicht und es gibt dann wenig zu tun, so dass nur ein Mann dies erledigen könnte.“, er zwinkerte sie an. <br>„Nehmen sie sich frei und besuchen sie ihren Bruder Denise. Sie haben es sich verdient.“ Denise herzte den Antosianer und gab ihn aus Freude einen Kuss auf die linke Wange. „Danke Chief. Verzeihung aber ich muss los.“ <br>“Bitte Denise.“Woil sah ihr bedeppert nach, als sie wieder um die Ecke flitzte und beinahe mit Dr. Fraiser zusammen gestoßen wäre. <br>Er hörte nur noch ein: „Sorry Doc“ Kopfschüttelnd ging er nun in Richtung Büro des Captains. <br><br>Besorgt sah Colonel Kira auf ihren Monitor, als sie die Aufnahme des Wurmlochs sah. Jenes Phänomen, das den Alpha- mit dem Gamma Quadranten der Milchstraßen Galaxie verband, spielte seit Tagen verrückt. In unregelmäßigen abständen Öffnete es sich und blieb offen bis es sich wieder plötzlich schloss. Ein geregelter Transit war schon daher seit 2 Wochen nicht mehr möglich. Kira wurde bei diesem Anblick daran erinnert, wie einst die Flotte des Dominions hier einflog, um sich bei den Cardassianern festzusetzen. Daher wurden alle Schiffe der Sternenflotte, die hier im Sektor operierten, zur Station gerufen. Darunter die Independence. Das Schiff der neuen Atlas-Klasse dockte an einem der oberen Andockmasten. Dieses Schiff war auch mit der Modernsten Sensoren Phalanx der Sternenflotte ausgestattet. Doch bisher konnten auch deren Wissenschaftsoffiziere nichts herausfinden. Bis man auf etwas stieß, das sogar einem Klingonen das Blut in den Adern gefrieren lassen könnte. Gerade als Das Wurmloch sich wieder öffnete, betrat Lieutenant Ro Laren das Büro. Besorgt und Neugierig zugleich sah sie die Stationskommandantin an.<br> „Gibt es was neues Laren?“ <br>„Nein Nerrys. Es sein denn, sie interessiert eine Schlägerei zwischen Nausicaaner und Orionier, die das Quarks mal wieder in seine Bestandteile zerlegt haben.“ <br>„Nicht wirklich. Dax ist noch mit Julian an Bord der Independence. Die Monitor ist nun zu uns unterwegs. „<br> „Was es wohl dieses mal sein mag?“fragte Ro Laren. In letzter Zeit verhielten sich die Propheten recht unruhig. Wie, wenn sie eine Gefahr erkennen würden, derer nicht mal Sie gewachsen sind. Beide Frauen sahen nun, wie das Wurmloch sich ausdehnte und wieder um das dreifache sich zusammenzog bevor es wieder sich schloss. Vorsichtig näherte sich Ezri Dax mit einem Tricorder einem Wrackteil das auf dem Boden des Frachtraums 4 an Bord der Independence lag. Neben ihr scannte Commander Maurice Jackson, der zweite Offizier des Schiffes, ebenfalls das Trümmerstück. Der 2 Meter 15 große Afrikaner schüttelte den Kopf als er auf das Display sah. Dax sah ebenfalls nochmals auf den Tricorder bevor sie das Gerät abschaltete. <br>„Sie scheinen es wohl nicht glauben zu wollen, was das hier ist, Commander.“begann Dax. „Richtig Lieutenant. Und ich kann nicht glauben, das es so alt ist.“antwortete Jackson. <br>„Ist es aber wohl, Sir. Die Untersuchungen lassen keine Zweifel daran bestehen.“Jackson nickte als er den Kommunikator berührte.<br>„Jackson an Captain Jones.“<br> „Hier Jones.“antwortete die Stimme des Captains der Independence aus den Lautsprechern. „Sir, wir haben nun die Ergebnisse vorliegen. Es wäre wohl besser, wenn sie hier herkommen würden und es sich ansehen.“<br> „Verstanden, Commander. Bin gleich bei ihnen. Jones Ende.“<br>Jackson kniete nun auf dem Boden, um sich das Wrackteil besser betrachten zu können. Hierbei handelte es sich um eine Duraniumplatte die ziemlich mitgenommen aussah. Jackson berührte sie und schien sie mit den Augen nochmals zu Prüfen. <br>„Es wird nicht anders, nur weil Sie es sich genauer betrachten Commander.“murmelte Dax. „Ich weis Ezri. Aber... wie soll man so was erklären?“<br> „Am Besten wir versuchen, das zunächst beim Captain.“, kommentierte Dax. Jackson nickte und stand auf. <br><br><br>„Captain, die Monitor ist soeben unter Warp gegangen und wird in einer Minute in Transporterreichweite...“meldete Lieutenant Commander Keiko Onaka, Jones als er gerade sein Büro verlies. Jones nickte knapp. <br>„In Ordnung Keiko. Sagen sie der Monitor, dass sich ihr Captain und ihr erster Offizier sofort zu uns an Bord beamen sollen. Ich werde sie von Transporterraum 3 abholen. Councelor T´Phal sie begleiten mich.“Beide Frauen nickten.<br><br> „Sie sind Nervös Captain.“sagte die Vulkanierin, während der Turbolift durch die Independence jagte. Jones nickte nur leicht. Er kannte diese Frau seit er in der Sternenflotte ist. <br>„Richtig T´Phal. Ich habe nur die Befürchtung, das nun bestätigt wird, was wir vor einer Woche schon vermutet haben.“, antwortete ihr der Texaner nachdenklich. Währenddessen hatte der Turbolift auf Deck 7 halt gemacht. Beide verließen nun den Turbolift in Richtung Transporterraum 3.<br><br><br> „Alles in Ordnung, Sir?“, fragte Matt Price John Lewinski. Auch der Canadier bedachte seinem ersten Offizier mit einem Stirnrunzeln.<br> „Seit unser Abberufung keine weiteren Informationen mehr.“ <br>„Ich weis Captain. Das frustriert ungemein.“ <br>„Eine Untertreibung Matt.“stimmte Lewinski zu. Beide bogen nun um die letzte Kurve im Korridor, bevor sie den einzigen Transporterraum der Monitor erreichten. Chief Woil stand an den Kontrollen und nickte den beiden Offizieren zu.<br>„Was ich mich noch frage Captain, ist.“ Lewinski sah seinen Stellvertreter aufmerksam an. „Warum können wir das selbst nicht Untersuchen. Warum muss man das Schiff hierzu stilllegen?“ <br>„Wenn ich das wüsste, wäre ich schon längst...“ <br>„Q?“,ergänzte Matt grinsend. Lewinski hingegen wölbte nur argwöhnisch eine Braue und stellte sich auf die Transferfläche.<br>„Bloß nicht.“antwortete er knapp und gab Woil das Zeichen den Transfer einzuleiten. Wenige Augenblicke später fanden sie sich im Transporterraum 3 der Independence wieder. Dieser war gut und gerne 6-mal größer als der der Monitor. John Lewinski erkannte Jones sofort. Im Dominion-Krieg hatten sie oft zusammengearbeitet. Auch die Vulkanierin in der blauen Starfleet Uniform war ihm keine Unbekannte. Er begrüßte Jones mit einem herzlichen Handschlag während er T´Phal mit dem vulkanischen Gruß begrüßte. <br>„Willkommen an Bord John.“ <br>„Danke Eddy. Wollte dich sowieso auf deinem neuen Schiff besuchen.“entgegnete Lewinski erfreut. <br>„Darf ich vorstellen? Mein erster Offizier, Commander Matthew Price.“Matt nickte den beiden Offizieren höflich zu. <br>„Angenehm Commander. John, am Besten ich zeige dir gleich, was dein Hiersein erforderlich macht.“ „Ich ahnte schon, dass du das sagen würdest.“<br>Jones führte die kleine Gruppe aus dem Transporterraum hinaus. Bis zu diesem Zeitpunkt beobachtete ich die Menschen. Lewinski und Jones waren befreundet. Kannten sich seit der Akademie und ihre Freundschaft festigte sich dann noch mehr im Dominion-Krieg, wo sich beide als hervorragende Strategen und Kommandeure erwiesen. Ich muss zugeben, dass ich als Q mich recht leicht beeindrucken lasse. Aber den Unkenrufen meiner Artgenossen zum trotz, finde ich das die Menschen ein riesiges Potential haben. Das sie es sogar noch auf unsere Ebene schaffen könnten. Diese Ansicht bereitet vielen im Kontinuum enorme Bauchschmerzen. Wie dem auch sei. Während Lewinski von Jones die Trümmerteile gezeigt bekam, wandte ich mich anderen Dingen zu. Die S schienen wieder zuzuschlagen. Manipulierten die Struktur des Multiversums enorm. Wir Q haben seit geraumer Zeit die Kontrolle verloren und versuchen uns in Guerilla-Taktiken, das Multiversum noch zu erhalten. Viele von uns waren nicht mehr da. Sind verschwunden oder vernichtet worden. Ich vergewisserte mich noch schnell, dass Lady Q und unser kleiner q noch in meiner Nähe waren. Trelane, dieses Kind, trieb sich unerlaubt auf der Monitor rum. Doch mit ihm mussten die Menschen selber fertig werden. Dann erschien ich vor dem Kontinuum. Die Gesichter die mich ansahen wirkten zerfurcht, müde und dem Tode nahe. Dieser Anblick jagte mir einen gewaltigen Schrecken ein, der aber nur kurz anhielt.<br> „Es beginnt.“, sagte ich nur und wartete auf eine Reaktion des Kontinuums. Diese schauten mich an und nickten sanft. <br>„Wir wissen dies Q. Kümmere dich auch weiterhin darum, das die Menschen Erfolg haben.“ „Das werde ich.“antwortete ich leise. Der Boden auf dem ich stand begann zu erbeben. Ein Donnern hallte von Überall her. <br>„Die S. Sie nähern sich. Verlasse uns Q. Jeder von uns muss sich selbst und das Multiversum retten. „ <br>„Ich weis, Freunde.“, darauf verschwand ich wieder. Das Beben und Donnern nahm dabei gewaltig zu. Soweit ich es erkennen konnte hatten die S 3 Universen auf dem Gewissen. Billarden von Lebewesen waren für immer ausgelöscht. Für alle Zeiten. Ihre Wünsche, Träume Gedanken und Pläne. Alles war Null und nichtig geworden. Jetzt ging es ums nackte Überleben. Dennoch war ich nicht bereit aufzugeben. Wenn mir eines diese primitiven Menschen gezeigt haben, dann das, das man niemals die Hoffnung aufgeben soll. Daher beschloss ich auch, dies nicht zu tun. Die Menschen hatten sich schon oft vor der eigenen Vernichtung gerettet. Also warum sollten wir Q das auch nicht können? Sie werden sich fragen, warum allmächtige Wesen damit Schwierigkeiten haben, gegen die Vernichtung des Multiversums anzugehen? Für Milliarden von Jahren hielten wir Q uns für die größte Macht im Multiversum. Doch vor weniger als 65 Millionen Jahren Traten die S zum ersten Mal auf. Zunächst hielten wir sie für Witzbolde, bis sie uns zeigten, dass dem nicht so ist. Sie ermordeten einen von uns, und zwar sehr grausam. Sie machten ihn sterblich und schickten ihn auf die Erde. Dort kam er bei dem Aufprall des Asteroiden um, der die Dinosaurier auslöschte. Zwar versuchten wir unseren Mann zu retten. Aber wir waren so machtlos gegen die S, wie es die Menschen gegen uns Q sind. Das hatte uns für Jahrtausende frustriert. Seither haben wir von den S nichts mehr gehört. So als gäbe sie es nicht und die erste Begegnung wäre nur ein schlechter makaberer Scherz gewesen. Doch das waren sie nicht. Das erste sichtbare Zeichen für ihre Rückkehr war, als das Wurmloch bei Bajor begann verrückt zu spielen. Dabei war es nur ein dezentes Anklopfen der S gewesen. Darauf zerstörten sie drei Universen. In einem gab es auch eine Föderation der Vereinigten Planeten. Doch sie alle merkten nicht, dass sie vernichtet worden sind. Andere wiederum wurden noch mit Galaktischen Katastrophen gequält, bevor man sie erlöste. Doch das konnten wir Q nicht länger hinnehmen. Wir sind die erste und letzte Verteidigungslinie des Multiversums. Daher kam ein Versagen gar nicht erst in Frage. Daher war es mein Plan, die S auf eine ebene zu Zwingen die sie verletzlich macht. Aber dies zu erreichen war sehr schwierig.<br><br><br><br><br> John Lewinski kniete vor dem Trümmerteil im Frachtraum 4 der Independence nieder. Er legte seine Stirn in Falten als er Dax und Jackson ansah. Jones nickte den beiden Wissenschaftsoffizieren zu, worauf Dax begann die Ergebnisse der Untersuchungen zu erläutern. <br>„Die Trümmer die sie hier sehen, stammen zum großen Teil von einem Klasse 9 Frachter, der unter Ferengi Lizenz unterwegs war. Dieser wurde von einem Schiff zerstört, der sie mit einem Klasse 5 Disruptor unter Beschuss nahm.“<br> „Aber deswegen haben sie mich nicht gerufen.“, antwortete Lewinski. <br>„Ganz Recht, Captain.“brachte sich Jackson ein. <br>„Was unsere Aufmerksamkeit erregte, war, was der Frachter mit an Bord hatte. Und zwar das hier.“Jackson hob die Platte an. Auf der anderen Seite kamen Schriftzeichen zum Vorschein. Lewinski und Price traten näher heran und ihre Augen wurden größer.<br> „NCC 75001 USS Monitor. Vereinte Föderation der Planeten Shuttle 2.“, lass Lewinski vor. Ungläubig sahen die Offiziere der Monitor Jackson und Dax an. <br>„Lewinski an Monitor.“sagte John, nachdem er den Kommunikator berührt hatte. „Hier Monitor, Sir.“antwortete Danny Bird.<br> „Befindet sich Shuttle zwei bei uns noch im Hangar?“ <br>Jones konnte sich gerade bildlich vorstellen, wie der Sicherheitschef der Monitor verblüfft auf der Brücke des Defaint Schiffes umsah. <br>„Alle Fähren befinden sich an Bord Captain.“, antwortete Birds Stimme. <br>„Danke Lieutenant. Lewinski Ende.“<br>John sah so aus, als ob er einem Gespenst begegnet wäre. Nun gab es zweimal das Shuttle 2 der Monitor. Eines, das ohne einen Kratzer im Hangar der Monitor stand und das andere, das in Einzelteilen auf dem Frachtraumboden der Independence lag. Geborgen aus den Trümmern eines Ferengi Frachters. <br>„Das war aber noch nicht alles, Sir.“brachte sich Dax wieder ein. Jones nickte ihr zu weiterzumachen.<br>„Das Shuttle wurde von einer Materie-Antimaterie-Explosion vernichtet, die in unmittelbarer Nähe der Fähre stattgefunden haben muss. Das Shuttle hatte zu dem Zeitpunkt keine Schilde, sonst wäre der Rumpf noch erhalten geblieben.“<br>Dax machte eine kurze Pause und atmete tief ein. <br>„Erschwerend kommt hinzu, dass wir feststellten, dass die Trümmer über 350 Jahre alt sind.“ „Was die Frage aufwirft, wie kommt das Shuttle in die Vergangenheit und was für ein Schiff wird neben ihm zur Explosion kommen.“führte Price den Satz zu Ende.<br> „Gab es Überlebende von der Frachter Crew?“Fragte Lewinski. <br>„Ja die gab es. Wir fanden keine 2 Millionen Kilometer vom Trümmerfeld eine Rettungskapsel. Darin befanden sich 2 Ferengi die sich nun in der Arrestzelle befinden. Wie es der Zufall wollte, handelt es sich bei den Beiden um sehr gesuchte Waffenhändler und Betrüger, die sogar von der Ferengiallianz steckbrieflich gesucht werden.“,ergänzte Jones. <br><br><br><br><br>Elizabeth Fraiser gehörte zu den ersten Gruppen, die die Monitor verlassen haben. Die 85 Crewmitglieder der Monitor hatten ihr Schiff relativ schnell verlassen, das nur noch von einer Rumpfbesatzung vom Stationspersonal in Schuss gehalten wurde. Nun strömten die Crewmitglieder des Defiant-Klasse Schiffes quer durch die Station zum anderen Andockmast der gegenüber der Monitor lag. Zurzeit herrschte Hochbetrieb auf dem Promenadendeck der Station. Vertreter aus 87 verschiedenen Spezies gaben sich hier nun die Ehre. Fraiser versuchte sich durch die Massen zu Schlängeln. Bepackt mit drei großen Taschen und einem Rucksack verschaffte sie sich ohnehin ihren nötigen Platz zum weiterkommen. Mit einem recht respektablen Tempo erreichte sie ihren Turbolift am anderen Ende der Station. Außer Atem gab sie ihr Ziel an und atmete erleichtert aus als dieser sich dann in Bewegung setzte. Der Captain und Matt waren seit geraumer Zeit auf der Independence. In der Zwischenzeit koordinierte Danny Bird und Ardev die Abschaltung der Monitor. Diese war bereits bis auf die Lebenserhaltung und künstliche Gravitation schon Stillgelegt. Viele Crewmitglieder fragten sich, warum man dies machen müsse. Die Monitor ist noch keine 10 Jahre alt und zeigte nicht eine einzige Schwachstelle die der Crew hätte gefährlich werden können. Da der Befehl von <font >Starfleet Command</font> kam wurde natürlich auch noch die Gerüchteküche angeheizt, die auf einem kleinen Schiff wie der Monitor schon richtig am Sprudeln war. Fraiser konnte nur den Kopf über die wildesten Vermutungen schütteln wie: Das man einem neuen Schiff eventuell einem neuen Prototyp zugeteilt wurde. Oder das die Monitor für eine sehr geheime Mission gar eine komplett neue Crew bekam. Und noch vieles mehr. Doch das war ihr im Moment nur egal. Sie wollte erst einmal auf der Independence ihr Gepäck in ihrem neuen Quartier ablegen und sich dann auf der Krankenstation umsehen. Die Independence hatte ihr einen Textfile zukommen lassen, dass sie sich dort so schnell wie möglich einfinden soll. Was ihr nur Recht sein konnte. Die Arbeit in einem geräumigen Labor war ihr lieber, als durch die Leute hier in Eisbrecher-Manier durchzubrechen. Nun stapfte sie wieder Vollbeladen durch die Schleuse in die Independence. Wie es der Zufall wollte, befand sich auf diesem Deck auch ihr Quartier. Ein Fähnrich der Sicherheit begleitete sie zu ihrem neuen Quartier, nebenher nahm der junge Mann ihr noch mindestens 2 Taschen ab. Weitere 10 Minuten später war sie erneut unterwegs. Und zwar zur Krankenstation. Als Fraiser aus dem Turbolift trat, fand sie sich plötzlich in einem Tropischen Urwald wieder. Die Turbolift schotten waren verschwunden. Hastig blickte sie sich um. „Was zum Geier geht hier vor?“fragte sie sich und aktivierte ihren Tricorder den sie steht’s bei sich trug. Das Gerät piepste nun energisch und zeigte ihr zwei weitere Lebensformen an. Mit einem grimmigen Gesicht machte sich die Ärztin der Monitor daran, sich durch 56 Meter unwegsamen Dschungel zu Kämpfen. Auch Jones und Lewinski, ebenso die anderen Offiziere die sich im Frachtraum 4 befanden sahen sich erschrocken um. Inner halb einer Sekunde befanden sie sich auch in einem Regenwald. Jackson und Dax zückten ihre Tricorder erneut um die Umgebung abzutasten.<br> „Wo sind wir?“Fragte Jones. <br>„Ähm, Eddy. Ich habe noch was vergessen zu erwähnen.“sagte Lewinski Kleinlaut.<br> „Ich hatte heute früh eine Begegnung mit Q. Besser gesagt mit Dreien und mich überrascht diese Situation nun kein bisschen dadurch.“, fügte Lewinski etwas verlegen und verärgert hinzu. <br>„Das würde allerdings einiges erklären, Captain Lewinski. Laut meinem Tricorder sind wir aber nicht allein. Vier humanoide Lebensformen. Sie befinden sich etwa 200 Meter in südwestlicher Richtung.“, meldete der zweite Offizier der Independence. <br>Jones und Lewinski sahen sich kurz an. <br>„In Ordnung Commander. Schauen wir uns mal an wer das ist.“,sagte Jones und ging voran. <br><br><br><br>„Seltsam. Ich habe gerade daran gedacht, mal wieder Urlaub im Grünen zu machen. Aber dies hier ist lächerlich.“, murmelte Bashir mit einem nicht zu überhörenden Sarkasmus. Er und Dr. Samantha Murphy fanden sich ebenfalls in dem Regenwald wieder. <br>„Das mag sein Julian, aber wie sind wir hierher gekommen?“, fragte die junge Frau und drehte sich einmal komplett um. <br>„Keine Ahnung.“antwortete der Arzt ruhig. Das Gebüsch hinter den beiden begann nun sehr stark zu rascheln und sich zu bewegen. Beide beobachteten nun, wie eine Frau in blauer Starfleet Uniform sich durch das Geäst regelrecht Grub.<br>„Doktor Bashir? Doktor Murphy?“fragte die Frau vorsichtig.<br> „Ja das sind wir. Doktor Fraiser?“ <br>„Ganz recht. Könnten sie mir...“ <br>„Natürlich. Wir helfen ihnen da raus.“, sagte Bashir. Er und Murphy holten Fraiser schnell heraus. Nachdem sie sich die Äste von der Uniform geklopft hatte, sah sie ihre Kollegen an. „Ich nehme an, sie wissen ebenfalls nicht, wem wir diese Ehre zu verdanken haben.“, fragte Fraiser. Murphy und Bashir nickten. Bashir sah nun wieder auf seinen Tricorder und justierte ihn erneut. <br>„Es nähern sich uns noch mehr Personen.“<br> „Wie viele?“ „Ich orte 6 Lebenszeichen.“ <br><br><br>Sie können sich nicht vorstellen was für eine Demütigung es für mich als Q war ohne dass ich es wollte hier zu erscheinen. Ohne meine Allmacht wohlgemerkt. Ich verspürte zunächst etwas Angst. Denn dieser Planet war nicht gerade für seine Gastfreundschaft bekannt. Sie fragen sich nun, auf welche Welt es unsere Helden verschlagen hat. Sie werden Lachen. Lange Zeit wusste es nicht mal Ich selbst. Ich Q wohlgemerkt wusste etwas nicht. Das war eine Premiere. Eine auf die ich zu gerne verzichtet hätte. Also entschloss ich mich, meine neuen Freunde aufzusuchen. In der Nähe konnte ich schon ihre Stimmen vernehmen. Also bahnte ich meinen Weg durch die grüne Wand, die sich vor mich aufbaute. Es ist erstaunlich, was alles auf einem Quadratmeter alles leben kann. Das war aber im Vergleich zu anderen Welten nichts. Jeder Meter den ich voran kam war mühsam erkauft. Als ich die letzten Äste beiseite schob, erwarteten mich 6 Menschen mit grimmigen Gesichtern. Matt Price ging als erster vor, als er die Stimmen weiter vorne vernahm. Er drückte einen Ast beiseite und erkannte das Ärzte-Trio. <br>„Oh, wie ich sehe, hat es sie auch nach einem Ausflug ins Grüne verlangt.“sagte Price grinsend.<br> „Man sollte wirklich darauf achten, was man sich wünscht.“, kommentierte Fraiser. <br>„Geht es ihnen allen gut?“,fragte Bashir sofort, als alle sich nun versammelt hatten. Jeder beantwortete diese Frage mit einem <br>„Ja“. Doch dann raschelte das Gebüsch erneut. <br>„Also heute scheint im Dschungel echter Stoßverkehr zu herrschen.“, sagte Jones. <br>„In der Tat Eddy. Mich überrascht heute sowieso gar nichts mehr. Selbst wenn Jellico hier auftauchen würde.“ <br>„Es kommt von dort.“,sagte Councelor T´Phal. In dem Moment sah man Q wie er seinen Kopf aus dem Gebüsch herausstreckt. <br>„Bevor sie mich beschuldigen, das ich sie hier her gebracht habe.“, begann Q und befreite sich von einer Liane.<br>“Ich wurde ebenfalls gegen meinen Willen hierher gebracht.“<br> „Soll ich es nun glauben oder nur lachen?“, fragte sich Jones in einem unüberhörbaren Sarkasmus. <br>„Glauben sie was sie wollen, Captain Jones.“, antwortete Q etwas leicht beleidigt. <br>„Es wäre aber ratsam, wenn sie alle auf mich hören würden. Ihr Überleben hängt davon ab.“fügte Q hinzu. <br>„Könnten sie uns wieder zurückbringen Q?“fragte Dax. Q rollte mit den Augen. Dann klatschte er kurz in die Hände. <br>„Bravo Lieutenant Dax. Das war die beste Frage, die ich heute gestellt bekommen habe. Momentan bin ich meiner Kräfte wieder einmal beraubt worden. Glauben sie etwa, ich würde mich so derart durch die Wildnis hier quälen, wenn ich eine andere Möglichkeit hätte?“, sichtlich verärgert sah sich Q in der Runde um. Plötzlich blitzte es wieder auf. Nur noch Q und die Captains der Independence und der Monitor waren da. <br><br><br>„Q unsere Leute.“sagte Lewinski und drehte sich um. <br>„Ich weis nicht was passiert ist Johnny. Aber vermutlich hat es ein anderer Q geschafft sie heraus zu holen.“antwortete Q. <br>„Ich hoffe in ihrem Interesse Q, das dem auch so ist.“, drohte Jones. Seine Augen spießten Q regelrecht auf.<br> „Wir haben nun andere Probleme meine Herren.“entgegnete Q. Jones und Lewinski steckten die Köpfe zusammen und begannen sich zu beraten. <br><br>„Sollen wir ihm trauen John?“ <br>„Haben wir eine Wahl?“<br> Wieder blickten sie Q an. <br>„Was soll’s. Mehr als tiefer im Schlamassel stecken konnten wir ohnehin nicht mehr.“, murmelte Lewinski. <br>„In Ordnung Q. Was haben sie nun vor?“, fragte Lewinski. Q lächelte als er die letzten Äste von seiner Uniform Klopfte. <br><br><br><br><br>12 vermummte Gestalten näherten sich schnell der angedockten Monitor. Zielstrebig und dennoch unauffällig schienen sie ihr Ziel zu erreichen. Zwei bajoranische Sicherheitsoffiziere standen an der Schleuse Wache. Doch diese schienen kein Hindernis für die Fremden zu sein. Zwei schnelle grell orangene Licht Impulse ließen die beiden Männer zusammenbrechen, Die Fremden packten die bewusstlosen Sicherheitsleute und nahmen sie mit auf die Monitor. Schnell teilten sich die Fremden auf. Vier von ihnen erreichten schnell den Maschinenraum, während der Rest sich auf die Brücke begab. Schnell erwachte die Monitor zum Leben. Und ehe jemand eingreifen konnte lösten sich die Andockklammern der Station und die Monitor tarnte sich sofort. <br><br><br><br><br>Commander Smith, erster Offizier der Independence, und Lieutenant Danny Bird, der im Moment der ranghöchste Offizier von der Monitor war, befanden sich zurzeit im Büro von Colonel Kira. Nachdem man das Verschwinden der Offiziere von der Independence und der Monitor bemerkt hatte, berief Kira eine Besprechung ein, um die Suchaktion zu koordinieren. Nun durchsuchten etwa 500 Sicherheitsleute die Station nach den vermissten. <br>„Die Suchtrupps haben immer noch nichts gefunden, Colonel.“, berichtete Ro Laren, als sie ebenfalls das Büro betrat. <br>„Die Independence wurde ebenfalls mehrmals gründlich durchsucht, Colonel. Ohne Ergebnis.“ <br>“In Ordnung Commander Smith. Wenn Q seine Hände im Spiel hat ist alles möglich.“<br>Smith nickte Kira zu. Bird sah frustriert ins Leere. Alle vier schreckten nun auf, als der Sicherheitsalarm ertönte. Mit großen Schritten erreichten Kira, Smith, Bird und Ro die Ops. „Was ist Passiert?“fragte Kira. Ardev blickte von einer der Konsolen auf. Auch Arena Tellom wandte sich der Stations-Kommandeurin zu. <br>„Colonel, jemand hat die Monitor gekapert. Wir konnten es nicht verhindern.“, erklärte der Andorianer sichtlich verärgert. <br>„Wo ist die Monitor jetzt?“, fragte Smith.<br> „Sie hat sich nachdem sie frei von der Station war getarnt.“,antwortete Arena. Kira begann mit ihren Kiefern zu mahlen. <br>„Commander Smith. Ihr Schiff verfügt über die Ausrüstung ein Defaint Klasse Raumschiff aufzuspüren, wenn es getarnt ist.“ <br>„Wir werden gleich die Verfolgung aufnehmen.“<br>Smith gab ein Zeichen worauf sich alle anwesenden Offiziere der Independence und der Monitor sich zur Transferfläche begaben, die sich ebenfalls auf der Ops befand. Wenige Minuten später beschleunigte das Schiff der Atlas Klasse auf Maximum Warp.<br><br><br><br><br> Mit einem leichten Schädelbrummen erwachte Matt Price in der Messe der Monitor. Etwas verwirrt sah er sich um. Der Schädel brummte ohne Unterlass.<br> „Wo sind wir? Auf der Defaint?“, fragte Dax und hielt sich die Stirn. Matt schüttelte den Kopf. <br>„Nein, das ist die Monitor und das Schiff fliegt mit Warp, hören sie?“, flüsterte Price. Dax nickte, als sie das typische brummen des Warpantriebes vernahm, der durch den Raum zu hören war. <br>„Ich dachte, die Monitor wäre stillgelegt worden.“, sagte T´Phal während sie sich aufrichtete. „Das war sie auch. Entweder der Befehl wurde aufgehoben oder...“ <br>„Die Monitor wurde gekapert.“,vollendete Commander Jackson den Satz für Price. <br>„Ich würde auf Letzteres tippen. Wo befinden sich hier die Waffenschränke?“, fragte Jackson. „Nicht weit von hier ist einer. Dort können wir uns gut eindecken. Danach wollen wir mal in Erfahrung bringen, wer so freundlich war, uns mitzunehmen.“<br>Mit leisen Sohlen verließ Price die Messe, gefolgt von den anderen. Die Person die auf dem Kommandosessel der Monitor saß legte die Kapuze ab. Es war eine Frau mit roten Haaren. Diese waren zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Auch die anderen entledigten sich ihrer Kapuzen. <br>„Q an Maschinenraum.“,sagte sie, als sie die Interkom-Taste drückte.<br> „Hier Maschinenraum. Alles Unter Kontrolle. Die Tarnung und der Warpantrieb sind stabil.“ „Ausgezeichnet. Brücke Ende. Werden wir verfolgt?“<br>Diese Frage richtete Lady Q an den anderen Q der an der Wissenschaftsstation saß. <br>„ Ja. Die Independence hat sofort die Verfolgung aufgenommen.“ <br>„Das ist Gut. Wir können Verstärkung gut gebrauchen. Dennoch bleiben wir bis Agilon 3 getarnt.“<br>Der andere Q nickte leicht. Mit letzter Kraft konnte Lady Q die Menschen bis auf zwei hierher transferieren. Die anderen Beiden sollen ihrem Mann beistehen. Denn auch sie und ihre Kameraden waren ihrer Allmacht beraubt worden. Dieses Schicksal ereilte immer mehr Q. Die S würden bald ohne Konkurrenz das ganze Multiversum umkrempeln können. Das musste verhindert werden. Und wenn sie alle mit ihrem Leben dafür garantieren müssen. „Was machen unsere Gäste?“fragte sie.<br> „Die sind schon Unterwegs.“, sagte der Q an der Sicherheitskonsole. <br>„Das war auch zu erwarten.“antwortete sie trocken. <br><br><br>In der Zwischenzeit hatte Jones einen Tricorder gezückt, den er anscheinend immer bei sich trug. Damit untersuchte er nun die Gegend. Nach kurzer zeit schien er in Richtung Süden zu stoppen. <br>„Ich Orte eine große metallische Masse. Entfernung 3 Kilometer.“, sagte er. Dabei zeigte er in die entsprechende Richtung. <br>„Wenn das ein Schiffswrack sein sollte, könnte noch ein Subraumemitter an Bord sein, den man bestimmt auch zum Laufen bringen kann.“meinte Lewinski euphorisch. Jones nickte. Nur Q schien entnervt nach oben zu Blicken. <br>„Sie greifen wohl nach jedem Strohhalm was?!“ <br>„Sie können ja hier bleiben Q. Oder mitkommen. Wie sie sich entscheiden ist ihre Sache. Aber hier zu bleiben macht keinen Sinn. Also kommen sie mit oder schmollen sie hier weiter. Wir gehen jetzt.“stellte Jones Q vor die Wahl. Danach gingen die beiden Captains einfach los. Eine Minute später hatte es sich Q überlegt und hastetet den beiden hinterher. Die drei Kilometer erwiesen sich so anstrengend wie 30 Kilometer. Die drei Männer mussten sich durch dichtes Grün durchkämpfen. Bekamen es einige Male auch mit der hier heimischen Tierwelt zu tun. Jedoch verliefen diese Begegnungen mehr oder weniger ereignislos. Nur ging Q den beiden erfahrenen Offizieren allmählich auf die Nerven, weil er alle 200 Meter nach einer Pause verlangte. Nach etwa 2,7 Kilometer brachte dies Q einen ausgewachsenen Anschiss des Texaners ein. Dieser hatte eine solche Wirkung, das Q für den Rest des Weges schwieg. Was Lewinski, der erstaunt seinen Kollegen und Freund ansah, auch recht war. Nach weiteren 10 Minuten stoppte das Trio vor einem Hügel, der etwas unnatürlich aussah. Jones justierte das Gerät erneut. „Laut Tricorder besteht der Hügel vor uns aus Duranium.“<br>Lewinski zuckte mit den Schultern. Beide gingen nun an den Hügel heran. <br>„Das Duranium befindet sich etwa einen halben Meter unterhalb der Erde hier und… Oh mein Gott.“<br>Jones und Lewinski sahen nach oben. Etwas Metallisches Glänzte in der Sonne. Beide kletterten nun nach oben, während Q schmollend vor dem Hügel stehen blieb. Aber auch er schien sich für das Gebilde zu interessieren. Neugierig sah er den Beiden zu. <br>„Also von den Konturen her könnte das ein Schiff der Sternenflotte sein.“, sagte Lewinski. Beide machten nun eine Fläche frei. Was Lewinski zu Lesen bekam verschlug ihm den Atem. Auf der Hülle stand in verblassten Buchstaben: USS Monitor NCC 75001. <br><br><br>An den Gesichtern der beiden erkannte ich, dass sie einem Gespenst aus der Vergangenheit begegnet sein mussten. Ich entschied mich nun hochzuklettern und mir ebenfalls dies anzusehen. Als ich es sah wurden meine schlimmsten Befürchtungen gestärkt. Unser Plan, das Multiversum zu retten, konnte schon gescheitert sein bevor er überhaupt angelaufen war. Das konnte und wollte ich nicht akzeptieren. Jones und Lewinski mussten meine Reaktion beobachtet haben. Trotz des Schreckens, den sie erfuhren, waren sie erstaunlich professionell geblieben. <br>„Wir sollten in die Monitor reingehen. Vielleicht können wir den Subraumemitter wieder in Gang bekommen.“, sagte Lewinski. Sein Vorschlag war im Moment der Beste den man machen konnte. Doch ich hatte Angst vor dem was uns erwartete. Und das war nun wirklich nicht mein Stil. Dennoch gingen wir zu der oberen Notausstiegsluke, die über der Brücke der Monitor lag. Lewinski schaffte es, sie nach drei Minuten knarrend zu öffnen. Ein Schwall aus miefiger Luft kam uns entgegen. <br>„Auf der Brücke haben wir auch noch Lampen im Waffenschrank. Wenn wir Glück haben, sind die Zellen noch aufgeladen.“, sagte Lewinski. Jones nickte und kletterte als erster hinein. Danach Lewinski. Ich hingegen zögerte noch.<br> „Kommen sie nun endlich Q. Oder wollen sie da draußen Wurzeln schlagen?“kam es von Jones aus der Monitor. Ich zuckte mit den Schultern und kam der Aufforderung nach. Langsam ließ ich mich durch die Luke hinab. Die Luft roch regelrecht abgestanden. So als ob sie seit Jahrhunderten nicht mehr bewegt worden wäre. Alle Anzeigen und Displays waren schwarz. Wirkten aber immer noch so wie, wenn man sie jederzeit einschalten könnte. Jones und Lewinski waren nun an einem Schrank, der sich im hinteren Teil der Brücke der Monitor befand. Tatsächlich funktionierten die Lampen noch. Auch holten sie zwei Funktionstüchtige Typ I Phaser heraus. Ich bekam nur eine Lampe. <br>„Hier muss noch Woil einen Energiekonverter für Notfälle verstaut haben.,“sagte Lewinski. Jones nickte und leuchtete die Brücke erneut ab. <br>„Dort Drüben.“ Murmelte er und ging nach vorne, neben dem Hauptschirm war eine Verblendung die er entfernte und dort war tatsächlich ein Energiekonverter. Eines musste man diesem Antosianer lassen. Als Chefingenieur lies er sich nicht lumpen. Wenige Minuten später hatten Jones und Lewinski den Konverter an der Wissenschaftsstation angeschlossen. Mürrisch erwachte diese zum Leben. Einige Elemente der Konsole flackerten schwerfällig aber es funktionierte. Das Logbuch dieser Monitor lies sich abrufen. Ich näherte mich den Beiden an der Konsole. Und lass ebenfalls die letzten Eintragungen. <br><br><br>Da die Tarnvorrichtung auf der Monitor ein noch älteres Modell war, konnte Subcommander Selana die Sensoren so Modifizieren das die Monitor auf dem Schirm sichtbar wurde. Die Independence Flog mit Warp 8, um nicht zu nah an die Monitor ran zu kommen aber dennoch nicht den Kontakt zu ihr zu verlieren. Wenn die Entführer der Monitor keine gänzlichen Dummköpfe waren, so mussten sie inzwischen wissen, dass die Sternenflotte ihnen im Nacken saß und schon ihren Atem im selbigen von ihr spüren.<br> „Commander ich habe ihr Ziel gefunden.“Smith drehte sich zu Ardev um. Er erhob sich vom Kommandosessel und ging zur Wissenschaftsstation. <br>„Auf unseren Kurs liegen vier Systeme und nur in einem Existiert eine Klasse M Welt.“<br> „Was befindet sich in der Nähe?“fragte Smith. <br>„Nur eine Denobulanische Forschungsstation. Etwa 4 Lichtjahre vom Planeten entfernt. Der Name des Systems lautet Agilon.“ <br>„In Ordnung. Bleiben sie dran Lieutenant.“ <br>„Aye, Sir.“<br><br><br><br> Plötzlich viel das Licht auf der Monitor Brücke aus. Dann zuckten gezielte Phaserimpulse aus Kompressionsgewehren durch den Raum und betäubten die Q auf der Brücke. Als das Licht wieder aktiviert war, standen Price, Jackson und Dax auf der Brücke. Die anderen befanden sich nun auf dem Maschinendeck. <br>„Price an T´Phal. Wir haben die Brücke wieder zurück.“ <br>„Hier T´Phal, Commander. Der Maschinenraum ist wieder in unserer Hand.“antwortete die Vulkanierin. Price begab sich zum Pilotensitz und überprüfte die Anzeigen. Jackson und Dax währenddessen schleppten die bewusstlosen Q von den Stationen weg. Dann fesselten die Beiden die Q.<br> „Sie haben Kurs auf Agilon genommen. Und die Tarnung aktiviert. Außerdem ist uns die Independence auf den Fersen.“<br>Jackson und Dax begaben sich zu Price. <br>„Dann sollten wir sie rufen.“, schlug Dax vor. Daraufhin öffnete Price einen Kanal zur Independence.<br> „Hier spricht Commander Matthew Price, erster Offizier des Raumschiffs Monitor. Wir haben das Schiff wieder unter unsere Kontrolle. Wiederhole, die Monitor ist wieder unter unserer Kontrolle.“Price lies die Sendetaste los. <br>„Hier ist die Independence. Monitor wie haben sie Verstanden. Bitte schalten sie ihre Tarnvorrichtung ab.“<br> „Verstanden Independence. Schalten Tarnvorrichtung jetzt ab.“<br>Nach diesen Worten begab sich Dax zur entsprechenden Konsole und deaktivierte die Tarnvorrichtung. Die Monitor erschien nun flackernd an Steuerbord der Independence. „Independence an Monitor. Befinden sich Captain Jones und Captain Lewinski bei ihnen an Bord?“ <br>„Negativ Independence. Die Entführer haben Kurs auf Agilon 3 genommen.“<br> „Verstanden Monitor. Behalten sie Kurs und Geschwindigkeit bei. Wir erreichen den Planeten in einer Stunde.“ <br>„Verstanden Independence. Monitor Ende.“ <br><br><br><br>Leider waren die letzten Logbucheintragungen nur noch unverständliche Textfiles. Dies musste wohl eine Folge des beschädigten Computerkerns dieser Monitor sein. Daher hielten sich die beiden Captains nicht lange damit auf und versuchten nun die Sensorlogbücher abzurufen. Doch auch sie waren unglücklicherweise sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Doch ein Bild konnte Lewinski herausfiltern. Es war ein recht großer Ring im All. Er schien aus Sandfarbenen Metall zu bestehen. Ich versuchte angestrengt mich zu erinnern wo ich so was schon mal gesehen habe. Aber ich kam nicht darauf. In diesem kleinen menschlichen Gehirn konnte ich nicht alles Speichern. Oder hatte ich es einfach Verdrängt? Councelor Deana Troi hätte bestimmt eine erstaunliche Möglichkeit wieder parat gehabt. Daher konzentrierte ich mich wieder auf das Bild. <br>„Wollen mal sehen, ob die Sensoren noch was hergeben. Die Sekundäre Phalanx sollte den Crash überstanden haben.“sagte Lewinski, während Jones nur zustimmend brummte. Lewinskis Hände flogen über die Tastatur und das Display wechselte nun auf eine schematische Darstellung der Monitor. „Also die Warpgondeln wurden bei dem Crash abgerissen, ebenso die Hauptdeflektorschüssel. Die Decks 4 und 5 Wurden zusammengepresst und bilden nun mehr Deck 3.“ <br>„Ist nicht viel vom Schiff übrig geblieben John.“<br>Lewinski nickte leicht niedergeschlagen. Immerhin war dies sein Schiff sein Zuhause, sein Leben. Und nun fand er es als ein Wrack auf einer einsamen Welt mitten im Dschungel vor. Nun fingen die Kommunikatoren von Jones und Lewinski an zu Piepsen. Eines muss ich den Menschen lassen. Sie beherrschen ihr Timing perfekt. <br><br><br><br>Mit vollem Impuls rasten die Defaint, Prometheus, Galaxy und die Hood DS 9 entgegen. Das Wurmloch hatte sich geöffnet und die Öffnung war 20-mal größer als sonst. Nun wurden die Station und sämtliche Materie in der unmittelbaren Umgebung in das Wurmloch gesaugt. Colonel Kira hielt sich an einer der Konsolen auf der Ops fest. Die Station bebte nur noch. Die äußere Hülle begann sich schon knarrend zu lösen. <br>„Nog , Status der Hülle?“bellte die Bajoranerin zu dem jungen Ferengi. <br>„Hülle nur noch zu 34 % intakt. Die Stationstriebwerke sind durchgebrannt Colonel.“<br>„Wie lange noch?“<br>„4 Minuten. Danach wird die Station buchstäblich auseinander gerissen werden. „Kira nickte Nog zu, während sie sich zu Ro Laren vorarbeitete. <br>„Wann wird die Evakuierung der Station abgeschlossen sein?“<br>„In 3 Minuten und 40 Sekunden Nerrys. Es wird verteufelt knapp werden.“<br>Plötzlich explodierte eine Konsole. Feuer brach auf der Ops aus. Die Löschsysteme waren schon lange ausgefallen. <br>Die Stationsbewohner eilten zu den Sammelpunkten, wo sie von dort aus auf die Starfleet Schiffe sowie auf drei klingonische und vier bajoranische Schiffe transportiert wurden. Auch die Runaboats der Station wurden mit Menschen überladen bevor sie die Hangars verließen. <br>„Vaughn an Kira. Zeit zugehen, Colonel.“dröhnte die Stimme von Kiras Erstem Offizier aus den Lautsprechern der Ops. Kira sah sich um. Es gab nichts mehr zu tun. Die letzten Menschen wurden an Bord der hier anwesenden Schiffe gebracht. <br>„In Ordnung Elias. Wir sind hier fertig. 8 zum Beamen.“<br>„Verstanden. Energie.“Kira und die 7 Offiziere auf der Ops lösten sich im Transporterstrahl der Defaint auf. Mehrere Explosionen traten aus der Station aus. Trümmer flogen davon. Der erste Andockmast Knickte ein und brach ab. Die Defaint verließ als letztes die Station. In einem gewaltigen Feuerball Explodierte DS9 nun endgültig. <br>Kira und die anderen materialisierten  auf der Brücke der Defaint. Auf dem Hauptschirm war die rückwärtige Sicht zu sehen. Die Trümmer der Station flogen nun in die riesige Öffnung des Wurmloches. <br>„Diese Station hat eine Invasion des Dominion überstanden und nun dieses Ende.“murmelte Kira leise. <br>„Und es könnte noch schlimmer kommen. Bajor könnte auch bald in den Sog des Wurmloches geraten.“, berichtete Vaughn. Kira sah in besorgt an. Die Schiffe flogen mit den Überlebenden nach Bajor. Und das Wurmloch verschlang immer noch alles was sich vor seinen Schlund wagte. <br><br><br>Inzwischen befanden sich nun 90 Crewmitglieder der Independence am Wrack der Monitor. Dies hatten nun begonnen mit Spezialgerät die Monitor Freizulegen. Dabei wurden die klaffenden Wunden sichtbar, die das Schiff erlitten hatte. Der Computerkern der Monitor wurde auf die Independence gebeamt. Dieser befand sich nun auf Shuttlerampe 1 der Independence, worauf sich Technikerteams daran machten die Datenbanken aus dem Kern zu extrahieren. <br>Chief Woil, Lieutenant Ardev und Bird machten sich ebenfalls an den Kern heran. <br>„Also die Isolinearen Chips kann man in die Tonne treten. Die haben sich buchstäblich aus dem Staub gemacht.“brummte Woil. <br>„Und diese?“fragte Bird und deutete auf einen noch erhaltenen Chip. Woil ergriff seine Hand. <br>„Nicht anfassen Danny. Ein falscher Pups und das war’s mit dem Chip. Wir müssen die Daten einzeln kopieren. Es reicht ja schon, dass 63 % der Datenbank  zerstört sind.“sagte Woil ernst. Bird schluckte leicht. Er sah sich eine Schnittstelle genauer an und runzelte die Stirn. <br>„Chief.“Woil drehte sich wieder in Birds Richtung. <br>„Ja Danny.“<br>„Da ist was in der Schnittstelle.“Woil leuchtete mit einer kleinen Lampe in die Schnittstelle. Dann holte er eine kleine Zange hervor mit der er ein Metallfragment herausholte. <br>„Das ist erstaunlich. Diese.“Woil wendete das Fragment im Licht.“Chips hier ist vor einer Woche auf der Monitor getestet worden. „<br>„ Schaut noch gut aus Chief.“<br>„Ja Ardev. Verwahren sie ihn sicher. Falls sich jemand was gedacht hat. Dann hat derjenige uns eine Botschaft auf dem Chip hinterlassen. „<br>Bird holte nun ein Portables Lesegerät hervor. Woil legte den Datenträger ein. <br>„Codiert. Aber der Schiffscomputer der Independence dürfte ein leichtes Spiel damit haben.“sagte Woil.<br><br><br>Im Konferenzraum hinter der Brücke der Independence hatten sich Jones, Lewinski, Smith, Bashir, Murphy, Fraiser, Dax und Q eingefunden. Nachdem Jones am rechten Tischende Platz genommen hatte, begannen Bashir und Murphy mit dem Bericht. <br>„Nun die Zellreste die wir in den Wrackteilen des Monitor Shuttles gefunden haben, konnten wir nun Zuordnen. „Die drei Kommandooffiziere sahen Bashir gespannt an. <br>„Es war ein Q.“Die restlichen Teilnehmer klappte die Kinnlade nach unten. <br>„Wie ist das möglich?“fragte Lewinski. <br>„Wie denn wohl Captain. Dadurch das der arme Kerl menschlich geworden ist.“Mischte sich Q ein. <br>„Ähm, nicht ganz. Wir konnten ebenfalls noch herausfinden das es sich um die Überreste einer Frau handelt.“ergänzte Bashir. Q lief es eiskalt den Rücken hinunter. Unter den Q die die Monitor entführt hatten befand sich nur eine weibliche Q. Seine Frau, Lady Q. <br>Jones wollte zu einer Antwort ansetzen, als ein Lichtblitz durch den Raum fegte. Ein „junger“Q erschien nun Blutüberströmt. Er atmete sehr schnell und hatte einen gehetzten Blick. <br>„Sie sind hinter mir her Q. Sie haben Tausende von uns getötet Q, Hilf mir…“Ein weiterer Lichtblitz. Eine düstere Gestalt, deren Gesicht man nicht wahrnehmen konnte, erschien im Raum. Bevor noch jemand eingreifen konnte zuckte ein Energiestrahl in den Rücken des jungen Q. Dieser Brach in einem gurgelnden Schrei zusammen. Rauch stieg aus der Wunde auf. Danach blickte die Gestalt Q an. <br>„Bald wirst du sein Schicksal Teilen Q. Ebenso diese Primitiven Einzeller die sich der <br>Illusion hingeben, uns aufhalten zu können. Es gibt kein Entkommen vor den S, Q.“In einem Lichtblitz verschwand die Gestalt. Murphy und Fraiser knieten neben dem Leichnam. Fraiser schüttelte den Kopf. <br>„Wenigstens musste er nicht lange Leiden. „stammelte Q leise. Q sah nun in Jones und dann in Lewinskis Augen. Trauer zeigte sich auf seinen Gesicht. <br>„Erst meine Frau, „er stockte, war den Tränen Nahe. Wut und Trauer kochten in ihm hoch.<br>“Und nun mein Sohn.“Q wandte den Blick ab. <br>„Doktor.“sagte Lewinski und legte Hoffnung in die Stimme. <br>„Reanimation nicht möglich. Der Energiestrahl hat das Rückenmark, das Herz und die Lungen vaporisiert. Er war augenblicklich Tod, Sir. Mein Beileid Q.“sagte Murphy. Q nickte nur und verlies den Raum. <br>„Ich werde das Oberkommando benachrichtigen. Diese Bedrohung können wir nicht mehr länger ignorieren.“Lewinski nickte zustimmend.<br><br><br>Q lief schweigend durch die Korridore, als er einen weiteren Lichtblitz bemerkte. Er drehte sich um und sah wieder diese Gestalt. Alles in Q drängte diesem S an die Gurgel zu springen und seine Familie und seine Freunde zu Rächen. Doch der S hielt ihn zurück. <br>„Das Spiel möge beginnen Q. Du hast es schon einmal verloren und wirst es auch dieses Mal. Nur, das hier die letzte Runde ist, Q.“Q schnappte nach Luft. Er spürte, dass nun sich ein Unheil anbahnte, wie tausendmal zuvor.<br>In einem Lichtblitz verschwindet nicht nur S, sondern auch die Monitor . Kurz darauf eilte Q wieder zur Brücke. <br><br><br>Lieutenant Garek riss die Augen auf, als er die Monitor auf dem Hauptschirm aufblitzen und danach an deren Stelle nur noch leeren Raum sah. <br>„Fähnrich, sofort einen Langstrecken scan ausführen. Versuchen sie die Monitor zu Orten.“Die junge Frau an der Wissenschaftsstation schüttelte unsicher den Kopf, was bei dem ersten Cardassianer, der in der Sternenflotte diente, ein Stirnrunzeln heraufbeschwöre. <br>„Tut mir Leid, Sir. Die Monitor ist nicht mehr in unserem Erfassungsbereich...“<br>Garek stieß einen derben cardassianischen Fluch aus. Dann berührte er seinen Kommunikator. <br>„Roter Alarm für alle Decks. Captain Jones und Captain Lewinski auf die Brücke.“Als beide Kommandanten herein kamen, stürmte auch Q auf die Brücke. <br>„Die S haben die Monitor entführt Captain.“Lewinski hatte das Gefühl neben sich zu stehen. Sein Schiff ist nun zum zweiten Mal an einem Tag entführt worden. Doch dieses Mal wird sich eine Verfolgung als recht schwierig und umfangreich erweisen. <br>„Q!“stieß Lewinski aus. <br>„Johnny. Beruhigen sie sich. Die S wollen uns demütigen. Sie wollen, dass wir die Monitor retten und dabei versagen. Aber ich verspreche ihnen Johnny, dieses Mal werde ich nicht versagen. Sie werden ihr Schiff und ihre Crew wiederbekommen, so war ich Q bin.“Darauf verschwanden Q und Lewinski in einem Lichtblitz.<br><br><br>Q und Lewinski erschienen nun auf der Brücke der Monitor. Roter Alarm heulte auf. Matt Price sah zu seinem Kommandanten erschrocken auf. Dann bemerkte Lewinski das Matt Angst hatte. Ein Blick auf den Hauptschirm offenbarte auch weswegen. 300 Borgkuben waren dabei innerhalb von Sekunden die Monitor zu passieren. <br>„Mr. Alcazar. Volle Wende, Maximum Warp.“bellte Price. Der junge Spanier nickte und seine Hände rasten über die Steuerkontrolle. Die Monitor neigte sich derart nach Steuerbord das Lewinski seinen Halt beinahe verlor. Dann hörte man, wie das Warptriebwerk geradezu kreischend zum Leben erwachte. Doch die unheimliche Borg Armada war keine 1000 Kilometer hinter ihnen. Langsam kamen die Kuben immer näher an das Kleine Schiff. Jeder rechnete damit, in der nächsten Minute schon eine Drohne zu sein. <br>„Und ich dachte, die wären erledigt.“murmelte Lewinski. <br>„So kann man sich irren, Sir.“kommentierte Price. Die ersten Kuben überholten die Monitor, dabei wurde sie nicht mal von ihnen behelligt. Doch dann tauchte das nächste Problem auf. Die ersten Kuben Explodierten auf einmal.<br>„Captain. Eine Barriere hat sich vor uns Aufgebaut. Aufprall in 20 Sekunden. Ein stopp ist nicht mehr möglich.“, rief Alcazar. Lewinski hielt sich an dem Kommandosessel fest. Wenige Augenblicke später Kollidierte die Monitor mit der Barriere.<br><br><br>Im Konferenzraum der Independence hatten sich die Führungsoffiziere beider Schiffe eingefunden. Jones stand am Tischende. <br>„Vor 5 Minuten hat mich <font >Starfleet Command</font> informiert, dass Deep Space Nine vernichtet worden ist.“<br>Jones ließ einige Momente verstreichen.<br>“Das Wurmloch hatte seine Öffnung um das 20fache erweitert und alles was in seiner Nähe war reingesaugt. Seither hat es sich nicht mehr geschlossen und die Öffnung wächst weiter an. Starfleet will, das wir uns für eine Evakuierung von Bajor bereithalten.“<br>Es herrschte eine unheimliche Stille im Raum. <br>„Und was ist mit der Monitor?“fragte Bird. <br>„Starfleet hat uns eine Galgenfrist von 24 Stunden gewährt. Danach müssen wir die Monitor aufgeben und mit maximal Geschwindigkeit nach Bajor fliegen.“<br>Jones sah die Offizier der Monitor verständnisvoll an.<br>“Seien sie versichert Lieutenant, das ich alles tun werde, um die Monitor und ihre Crew wieder zu finden.“<br>Bird nickte nur. Ardev´s Fühler zuckten erregt hin und her. Er konnte verstehen dass diese Situation sie frustrieren musste. <br>„Was haben wir aus dem Datenkern der Monitor herausholen können, Chief?“<br>Der Antosianer befeuchtete sich die Lippen. <br>„Nun Sir, was der Monitor widerfahren ist, sollte eigentlich dem Shuttle passieren, dass man in dem Ferengi Frachter gefunden hat.“<br>„Erklären sie das genauer, Chief.“, sagte Jones. <br>„Ganz einfach, Sir. Die Anwesenheit der Independence ist ein Faktor der bei dieser Monitor nicht gegeben war. Da sie in den Logbüchern keine Erwähnung bei dieser Mission findet. Daher, könnte es gut sein das in einem neuen Zeitrahmen, dann das Wrack der Independence dort unten finden könnte.“ <br>Alle Anwesenden blickten den Antosianer verblüfft an. <br>„Auch fanden wir in den Logbüchern Hinweise, dass dies schon mehrere male passiert sein musste, aber mit dem gleichen Ergebnis. Die Q hatten bei ihrer Verteidigung versagt.“ergänzte Ardev.<br>„Das würde bedeuten, dass die S ein perverses Vergnügen daran haben die Q zu quälen und zu Tode zu ängstigen. Das klingt so, als ob man die Q mit sich selbst konfrontiert hätte.“meldete sich Smith zu Wort. <br>„Allerdings nur das zu deren Unterschied man sagen muss, dass die Q niemals eine Spezies ernsthaft in ihrer Existenz gefährdet haben. Zumindest nicht aus eigenen Antrieb heraus. Doch die S machen nun Ernst. Dieses Mal, wenn es zu Ende geht, dann ist es wirklich vorbei.“schloss Woil ab.<br>Jones nickte nachdenklich. <br>„Was hat es mit diesem unbekannten Ring auf sich, der in den Monitor Aufzeichnungen erwähnt wird?“<br>„Nun dieser scheint eine Art Verbindung zu der Existenzebene herstellen zu können, wo das Shuttle und nun auch die Monitor hin transferiert worden sind. In den Sensor Logs wurde sogar angegeben, wie man dieses Tor aktiviert. Dafür müsste man die Deflektorschüssel modifizieren, um ein spezielles Subraumsignal zu senden.“antwortete Timothy McKenzie, der Chefingenieur der Independence. <br>„Ausgezeichnet Commander. Nehmen sie die Modifizierungen vor. Wo liegt dieser Ring nun Genau?“fragte Jones. <br>„Etwa 4 Lichtjahre von hier. Bei der Denobulanischen Station.“antwortete Tellom sofort. Jones nickte. <br>„In Ordnung. Dann an die Arbeit.“<br><br><br><br>Was soll ich sagen? Dieser Antosianer hatte Recht. Die S meinten es nach Abertausend malen der Pein nun ernst und wollten alles Auslöschen was ihnen nicht in den Kram passte. Nachdem nun die Monitor mit der Barriere zusammengestoßen war, fanden wir uns in einem Laubwald wieder. Als ich aufblickte, konnte man in der Nähe eine Lichtung erblicken. Der Geruch von einem Meer stieg mir in die Nase. Da hörte ich ein Aufstöhnen. John Lewinski stemmte sich neben mir an einem Baum in die Höhe und hielt sich mit einer Hand den Kopf. Eine gewaltige Beule zierte seine Stirn. <br>„Mir ist so, als ob ich gegen einen Baum geflogen bin.“stöhnte er. Dann sah er die dicke Buche vor ihm und der Schmerz vergrößerte sich sichtlich. <br>„Q?“<br>Ich rollte mit den Augen. <br>„Ich bin genauso ein Opfer wie sie Johnny. Wann wollen sie mir das endlich Glauben?“<br>„Ich werde ihnen es sagen, wenn ich soweit bin.“<br>„Na dann bin ich beruhigt.“<br>In der unmittelbaren Umgebung erwachten die restlichen Crewmitglieder der Monitor. Viele von ihnen hatten wie ihr Captain Kopfschmerzen, die sich aber recht schnell verflüchtigten. <br>Doch Kopfschmerzen sollten sich bald als unser geringstes Problem erweisen. <br>„Meinen sie Jones kommt mit seinem Schiff ebenfalls hier her?“,fragte ich. Lewinski sah mich noch mit einem getretenen Blick an. <br>„Da bin ich mir sicher, Q. Edward Jones würde sich sogar durch die gesamte Galaxie Prügeln um uns hier herauszuholen.“<br>„Na dann wollen wir hoffen, das er es schafft. Wir Kriegen Gesellschaft.“<br>Wieder einmal bewegte sich das Gebüsch. Ja man kann behaupten, das an dem Tag einfach was im Busch lag. Auch Lewinski war nicht zu beneiden. 3-mal an einem Tag hatte er sein Schiff verloren. Was in der Flotte zweifelsohne als Rekord erachtet werden darf. Ein Rekord auf den Johnny Boy zu gerne verzichtet hätte. Doch aus dem Busch kam… Lady Q. Meine Güte war ich froh sie zu sehen. Sie war das Schönste, was ich mir in diesem Moment nur vorstellen konnte. <br>„Hallo mein Gemahl. Hör auf dämlich zu grinsen und hilf mir hier raus.“raunzte sie leicht genervt. Ja das war sie in der Tat. Immer einwenig missgelaunt. Aber man gewöhnt sich nach einigen hunderttausend Jahren gut daran. Also half ich ihr aus dem Busch, während sie sich sauber klopfte, musterte Lewinski abermals die Gegend. <br>„Dort.“Lewinski ging etwas näher an den Waldrand. Die Lichtung lag am Fuße eine sanften Hügels, Lewinski sah nach Westen. Dort hatte er in der tat ein großes Gebäude erspäht. <br>„Vielleicht sollten wir da mal klopfen und nach dem Weg fragen.“witzelte der Kanadier. Ich hingegen lächelte nur leicht. Was konnte uns schon noch passieren?<br><br><br><br>Langsam glitt das mächtige Schiff der Atlas Klasse an die Denobulanische Forschungsstation heran. Tiefe Krater zogen sich über die Hülle der Station. Kein Licht war zu sehen. Die Raumstation war Tod. <br>„Bericht!“<br>Jones Augen musterten die Station auf dem Schirm. <br>„Wir sind zu Spät, Sir. Kein Lebenszeichen au der Station. Aber da ist noch was….“Jones drehte sich zu Jackson um. <br>„Der Computerkern….alles was in der Lage auf der Station war Informationen zu Speichern und zu Archivieren wurde herausgerissen.“<br>„Seltsam.“, sinnierte Jones. Als er aufstand um zum Schirm vorzugehen Blitze es auf der Brücke wieder auf. Trelane war erschienen. Er hatte einen recht traurigen Gesichtsausdruck. Wirkte nicht länger Kindlich sondern eher wie ein Mensch der zu viel Elend gesehen hatte. <br>„Captain, gut das sie hier sind.“Begann Trelane.“Sie fragen sich wohl was mit den Denobulanern hier geschehen ist. Glauben sie mir sie werden es noch früh genug erfahren. Doch deren Schicksal ist im Moment nicht von belang für unsere Mission.“<br>Jones wölbte eine Braue. <br>„Wieso nicht?“, fragte Jones. <br>„Glauben sie mir Captain. Sie werden diese Spezies die dafür verantwortlich ist noch früh genug kennen lernen . Im Moment sind sie ihnen noch haushoch Überlegen. Aber bald werden sie wenigstens einen Status qou mit ihnen erreichen. Aber Jetzt das wäre der Untergang aller Zivilisation in dem Teil der Galaxis. Doch nun…..“Trelane atmete tief durch. <br>„Sie haben Zweifellos dieses Ringartige Gebilde geortet.“ Jones nickte. <br>„Gut. Setzen sie einen Kurs auf das Gebilde. Es ist ein Tor, um Schiffe von dieser Dimension in die Ebene der Q zu geleiten. Diese Transferstationen sind seit Jahrmillionen in Vergessenheit geraten. Ein Überbleibsel der Q als sie noch so Körperlich waren wie es die Menschen und viele andere Spezies waren. Dies ist unsere einzigste Möglichkeit dorthin zu gelangen, um nicht unnötig die Aufmerksamkeit der S zu erregen. „<br>„Heißt das dass die Monitor und Captain Lewinski sich dort befinden?“, f ragte Bird. <br>„Ja mein junger Freund. Sie sind dort und erfreuen sich bester Gesundheit. Doch wenn wir uns nicht beeilen wird dieser Zustand bedauerlicherweise nicht mehr lange vorhalten. Mit ihrer Erlaubnis Captain werde ich ihrem Steuermann die Koordinaten in den Navigationscomputer eingeben.“Jones nickte Garek zu. Trelane trat an die Konsole heran und tippte vorsichtig die Koordinaten ein. <br>„Halbe Impuls Kraft dürfte Genügen. Und Captain erschrecken sie nicht bei dem was nun gleich Geschieht. Sie Müssen nun mir Vertrauen. Egal was passiert. Wehren sie sich nicht dagegen. Energie Lieutenant.“<br>„Sir?“<br>„Beschleunigen Garek.“ Sagte Jones. Die Independence legte sich sanft nach Steuerbord und flog mit halber Impuls Kraft dem Ring entgegen. Als dieser nur noch 2000 Kilometer entfernt war wurde die Independence von vier kräftigen Traktorstrahlen erfasst. <br>„Captain wir konnten keinen Energieanstieg verzeichnen. Die Traktorstrahlen waren einfach da.“, rief  Jackson durch den tosenden Lärm. Der Rumpf des Atlas Klasse Raumschiffs begann zu Ächzen. <br>„Trelane?“<br>„Wie gesagt, Captain. Wehren sie sich nicht dagegen. Es ist alles In Ordnung. Vertrauen sie mir“ , antwortete Trelane dem Texaner. <br>„Könnten wir uns Überhaupt Wehren?“, fragte Jones Keiko Onaka. <br>„Nein Sir die Waffen würden nur Wirkungslos verpuffen und selbst wenn wir bei vollem Impuls auf Schubumkehr gehen würden würde das die Independence in Stücke reisen.“<br>„Verstehe. In Ordnung Trelane. Uns Bleibt keine Wahl als ihnen zu Vertrauen.“<br>„Eine Kluge Entscheidung Captain. „<br>Langsam wurde die Independence nun herangezogen bis sie sich in einer Art Wurmloch befand. Der Flug hindurch wurde immer Holpriger. <br>„Bericht.“, sagte Jones während er sich in seinem Sessel festhielt. <br>„Bisher können wir das Schiff in einem Stück halten. Außerdem haben wir bald das andere Ende allem Anschein nach erreicht, Sir.“<br>„Na hoffentlich.“<br><br><br><br>In einer Explosion aus blauem Licht erschien die Independence nun wieder im normalen Raum. <br>„Sir, wir sind nun wieder frei.“Meldete Garek während er die Navigationssensoren Prüfte. Jones erhob sich aus dem Kommandosessel und trat nach vorne zum Hauptschirm. <br>„Registrieren die Sensoren eine Spur von der Monitor?“Fragte Jones. <br>„Ja, Sir. Sie war vor weniger als 5 Stunden hier.“Antwortete Jackson. Trelane richtete sich ebenfalls wieder auf. Seltsamerweise waren seine Haare zerzaust. Jones wollte zu einer Frage ansetzen als erneut wieder der Sensoren Alarm aufheulte. <br>„Captain. Eine Flotte des Dominion hält auf uns zu. Laut Sensoren handelt es sich um 70 Kriegskreuzer der Jem´Hadar sowie 900 Jäger.“Brummte Smith. <br>„Captain. Tun sie nichts. Die Jem´Hadar sind keine Gefahr für uns.“sagte Trelane beschwichtigend. Jones wusste nur zu gut, dass die Jem´Hadar alles andere als harmlos waren. <br>„Trelane….“<br>„Vertrauen sie mir Captain. Das ist nur eine List der S. Sie wollen uns nur Provozieren. Doch diesen Gefallen habe ich denen nicht getan. Daher Lebe ich noch. Und sie werden ebenfalls Überleben wenn sie tun was ich sage.“Trelane sah fest in Jones Augen. In diesem Moment passierte der erste Schwarm Jäger die Independence. Jeder auf der Brücke stellte sich darauf ein, dass gleich ein Dutzend Jem´Hadar auf die Brücke beamen würden. Doch... es passierte nichts. Die Schiffe ignorierten die Independence vollkommen. Nach wenigen Minuten war die Armada abgezogen. <br>„Das hätten wir also Überstanden.“Sagte Jones etwas erleichtert. <br>„Nicht so voreilig Captain. Die Jem´Hadar fliegen auf eine energetische Barriere zu die ihnen entgegen kommt. Und sie wird sie auch in weniger als eine Minute erreicht haben.“Meldete Jackson.<br>Auf dem Schirm konnte man die ersten Explosionen erkennen. Alle Schiffe der Jem´Hadar zerplatzten an der Barriere wie eine Seifenblase. Jones begannen siech die Nackenhaare aufzustellen. <br>„Trelane.“<br>„Sie kennen meine Antwort Captain. Haben sie Vertrauen.“Kurz darauf wurde die Independence in ein gleißendes Licht getaucht. <br><br><br>Jones Augen Schmerzten immer noch als sich das Licht Normalisierte. Überall flackerten die Konsolen. Die meisten Crewmitglieder auf der der Brücke waren noch Benommen und richteten sich ebenfalls auf. Doch wo war Trelane? Der Captain der Independence sah sich schnell um. <br>„Hier bin ich Captain.“Stöhnte Trelane. <br>„Das haben sie gut gemacht. Doch nun werde ich ihnen nicht mehr viel Helfen können. Sie haben von meiner Anwesenheit Kenntnis genommen. Ich muss wieder Fliehen.“<br>„Trelane ich…“<br>„Nein Captain. Helfen sie Q und den anderen. Nur die weitere Existenz des Multiversums zählt. Sie werden ihre Leute und die Monitor sehr bald gefunden haben. „<br>Trelane´s Gestallt begann zu flackern und löste sich in einem schwerfälligen Lichtblitz auf. <br>„Captain wir haben die Monitor auf den Sensoren. Sie treibt 400 Kilometer an Steuerbord voraus. „<br>Meldete sich der cardassianische Steuermann. <br>„Lebenszeichen?“<br>„Keine, Sir. Die Sensoren haben noch einen Planenten der M Klasse in 20 Millionen Kilometer Entfernung geortet. Dort Orten die Sensoren Menschliche Lebenszeichen.“<br>Jones trat an Jackson heran. <br>„Der Anzahl nach könnten das unsere Leute sein. Garek einen Kurs setzen. Voller Impuls.“<br>„Aye Sir. „<br><br><br><br>Wie ein Dumpfer Schlag Spürte ich Trelane´s Angst. Dann verblasste das Gefühl sehr schnell. Entweder hatte es Trelane geschafft noch Rechtzeitig zu Fliehen oder die S haben auch ihn vernichtet. Aber mehr konnte ich nicht mehr vernahmen. Daher beschloss ich mich auf die uns nun vorliegende Aufgabe zu Konzentrieren. Das Gebäude vor uns, das wir nach etwa einer Stunde Fußmarsch erreicht haben war eine riesige Fensterlose Betonkuppel. Nur ein massives Metalltor war als einzigste Öffnung zu erkennen. <br>Seit wenigen Minuten Überprüften einige Monitor Crewmitglieder das Tor mit den Tricordern. Doch bisher ließ sich kein Öffnungs-Mechanismus finden. <br>„Q kommt ihnen dieses Gebäude etwa bekannt vor?“,fragte mich Lewinski. <br>In der Tat verspürte ich einen hauch davon das ich anscheinend Wissen müsste was in diesem Gebäude sich vor uns hier befand. Doch ich konnte mich nicht erinnern. <br>„Ich weis es nicht Captain.“<br>Nun versuchte ich es mit Gewalt mich daran zu Erinnern. Schließlich könnte unser aller Überleben davon abhängen. Und dann….überfiel mich eine Wand aus Licht. Ich nahm nur noch Lewinski kurz wahr als er mich anscheinend versuchte Aufzufangen. Und dann war ich vollkommen von gleißenden Licht umgeben.<br><br><br>„Verdammt. Q Wachen sie auf.“Brummte Lewinski. Matt Price Kniete neben ihm. <br>„Sein Puls ist kaum noch zu Fühlen, Captain.“In diesem Moment Piepsten die Kommunikatoren der beiden Offiziere. Die Independence war mit der Monitor im Schlepptau im Orbit dieser Welt angekommen.<br><br><br>Als ich zu mir kam war ich auf einem Podest von einem Wütenden Mob umgeben. Ganz allein blickte ich mich in dieser Szene um. Viele dieser Kreaturen waren humanoide Gestalten in zerfetzten Kleidungsstücken die stark nach Schweiß und Urin Stanken. Von oben wurde ein recht grelles Licht aus einer einzigen Lichtquelle abgestrahlt. Langsam versuchte ich zu Registrieren wo ich mich Überhaupt befand. Die Meute die sich etwa 4 Meter unter mir an mich belustigte wurde immer Lauter. In vielen Sprachen die man in der Galaxie fand wurde ich mit recht Derben Ausdrücken bedacht. Ich hatte nur einen abwertenden Blick für diese Gestalten übrig. Dennoch versuchte ich auch vertraute Gesichter in der Menge zu finden. Vor Allen dingen nach vielen meiner Widersacher. Mich würde es nicht wundern wenn diese mich an die S für ein Butterbrot verkauft hätten. Dennoch sah ich keinen von ihnen. Ich musste eher Feststellen das man kein Gesicht erkennen konnte. Eines glich dem anderen, außer der Tatsache das die Fratzen die sich einem Boten das ganze Spektrum dessen abdeckten wozu Gesichtsmuskeln nur in der Lage waren sich zu verformen. <br>„So sieht man sich wieder Q.“, donnerte mir eine Stimme entgegen die mir auf unangenehme Art und Weise bekannt vorkam. <br>„Und ich wünschte Sie würden für immer uns In Ruhe lassen S.“, entgegnete ich Mutig. <br>„Oh Q….Haben sie wirklich gedacht das diese Amöben die sich Menschen nennen ihnen tatsächlich aus dieser Lage helfen können?“<br>Ich Dachte überhaupt nicht nach. <br>„Ja das Dachte ich S.“, brachte ich in einer Pose dar, die Jean Luc nicht besser hingekriegt hätte. <br>„Diese Amöben haben es immerhin bis hier her geschafft S.“. fügte ich trotzig hinzu. Die Menge begann nun über mich zu Lachen. Glauben sie mir. Kein wahrlich schönes Geräusch in diesem Moment. Da die Stimme von S von Überall herkam konnte ich mich nicht an eine Spezielle Richtung wenden. <br>„Was verlangst du vom Multiversum S? Was genau? Wieso Zerstörst du es einfach?“ <br>Ich rechnete eher mit Spot als mit einer Ernsthaften Antwort. <br>„Weil wir das Multiversum für ein gescheitertes Experiment halten. Es sind viel zu viele Spezies anwesend die das Potential haben auf unser Niveau zu kommen. „<br>Ich Schluckte Kräftig vor der nächsten Antwort. <br>„Nur weil du Konkurrenz fürchtest.“<br>Ich vollführte mit den Händen eine dramatisch anmutende Geste. <br>„Vernichtest du jeden der euch S ebenbürtig sein könnte? In etwa einigen Milliarden Jahren? Wie Töricht von dir.“ <br>Damit hatte S nun nicht gerechnet. Er hätte wohl damit gerechnet das ich um Gnade Winsle. Doch diesen Gefallen tat ich ihm nicht. Oh Nein. Wenn schon ich und die anderen Untergehen mussten. Dann wenigstens Kämpfend. <br>„Was schlägst du vor Q?“<br>Interessant. Er schenkte mir ernsthaft gehör. <br>„Das ich und die beiden Captains der Sternenflotte dir beweisen das dass Multiversum würdig ist sich weiter zu entwickeln.“<br>„So sei es Q. Die Menschen und du haben diese Kuppel auf dem Planeten entdeckt. Lüfte ihr Geheimnis und du Rettest das Multiversum Q.“, donnerte S. <br>„Das ist alles?“Rutschte es mir aus dem Mund. <br>„Du hast nicht viel Zeit. Glaube ja nicht das es einen Waffenstillstand gibt Q. Die Vernichtung läuft weiter. Dir läuft zum ersten Mal seit deiner Existenz als Q die Zeit davon.“Bevor ich zu einer Antwort ansetzen konnte. Wurde die Meute unter mir wieder zunehmend Lauter. So Laut das ich mit aller Kraft Brüllen konnte und dennoch mich niemand vernahm. Als nächstes erwachte ich wieder und sah direkt in die Gesichter von zwei besorgten Captains der Sternenflotte.<br>Auch war ich nicht mehr auf dem Planeten. Ich befand mich auf der Krankenstation der Independence. Langsam richtete ich mich auf. Atmete einige male tief durch bis ich Spürte dass meine Allmacht wieder da war. <br>„Q alles In Ordnung mit ihnen?“fragte Jones. Ich Schnippte mit dem Finger und trug wieder die Unform eines Captains der Sternenflotte. <br>„Ich nehme an das heißt ja.“, fügte Lewinski hinzu. Im Moment gestattete ich mir ein leichtes Schmunzeln bevor ich wieder realisierte was vor kurzen geschah. Denn S hatte mir einen guten Angriffs Punkt geliefert. Und diesen wollte ich auf jeden fall ausnutzen. Also Berichtete ich den beiden Männern was ich von S Erfahren habe und was wir nun zur Rettung der Alge tun konnten. <br>„Und sie meinen das S sich auch daran hält?“, fragte Lewinski. Ich konnte ihm seine Zweifel an der Sache nicht verübeln. <br>„Er geht davon aus das wir Scheitern werden. Aber meine Herren.“<br>Ich richtete mich nun etwas auf. <br>„Wir werden S somit mit seinen eigenen Waffen schlagen. Wir werden Gewinnen.“<br><br><br>Gebannt sah Kira Nerrys auf das Wurmloch das Überdimensional in allen Farben hinter dem transparenten Aluminium der Beobachtung`s Lounge der Galaxy Flackerte. Die Öffnung hatte sich in der Zwischenzeit nochmals um 8 % erweitert. Wie ein riesiges Monster saugte es jedes Staubkorn in seiner Umgebung auf. Noch war Bajor weit genug entfernt. Aber bald würde der Planet Gefahr laufen seine Atmosphäre Abgesaugt zu bekommen. Die bajoranische Raumflotte wurde nach Bajor gerufen. Bald würden 400 Schiffe hier im Orbit sein die mit 45 Raumschiffen der Sternenflotte, 33 Schiffen der Klingonen und etwa 20 Schiffen der Romulaner die Bevölkerung von Bajor Evakuieren sollen.<br>Nun erkannte sie dass sich noch jemand im Fenster des Raumes spiegelte. Ihr erster Offizier Elias Vaughn hatte sich zu ihr gesellt. <br>„Glauben sie an Wunder Elias?“fragte Nerrys ihren Stellvertreter. Dieser zuckte leicht mit den Schultern. <br>„Nach allem was ich in meiner Zeit bei der Flotte erlebt habe. Nein. Es gibt keine Wunder. Entweder man hat Glück, oder nicht. „<br>Nachdenklich Kratzte sich Vaughn am Bart. <br>„Aber ich kenne Jones sehr gut. Er könnte fast mein Sohn sein Nerrys. Ein Kluger Bursche. Er wird Bajor nicht im Stich lassen.“<br>„Ich hoffe es sehr Elias. Wir haben die Cardassianer Überlebt, das Dominion. Und nun wollen uns die Propheten ebenfalls auf die Probe stellen.“<br>„Bajor wird auch dies meistern Nerrys. Da bin ich mir sehr Sicher.“<br>Kira nickte Vaughn zu. Dennoch bereitete es ihr Sorgen das man nichts mehr von der Monitor und der Independence mehr gehört hat.<br>In Gedanken hielt sie ein Gebet.<br>Abgesandter. Wenn sie uns hören. So stehen sie uns und den Besatzungen der Independence und der Monitor bei. Wir brauchen sie nun mehr denn je an unserer Seite.<br><br><br>Donnernd Pulsierte der Warpkern der Independence in dem gigantischen Maschinenraum der sich über 5 Decks erstreckt. John Lewinski, Edward Jones, Chief Woil , Lieutenant Commander McKenzie, Commander Price, Commander Smith und seine Schwester Denise standen an der Primären Konsole . Alle sahen nun gespannt auf das Display das in die Konsole eingelassen war. <br>„Meine Dame , meine Herren.“Begann McKenzie.<br>“Die Sensoren haben vor wenigen Minuten diese Struktur etwa 45 Millionen Kilometer von unserer gegenwärtigen Position geortet.“<br>Auf dem Display wurde ein weiteres Gate sichtbar. <br>„Interessant. Konnten die Sensoren feststellen ob es noch aktiv ist?“, fragte der antosianische Chefingenieur der Monitor. <br>„Nein das können wir nicht mit absoluter Gewissheit feststellen. Wir wurden ja auch bei unserem unfreiwilligen Transfer Überrascht. antwortete Jones trocken. <br>„Und wir haben keine Ahnung wohin uns das Ding dann bringen würde.“Ergänzte Smith. <br>„Nun das ist aber noch nicht alles Captain.“Brachte sich Denise ein.“Die Sensoren haben eine kaum Wahrnehmbare Subraum Trägerwelle geortet die vom Gate zum Planeten gesendet wird. Und dreimal dürfen Sie Raten wohin genau das Signal auf dem Planeten Übertragen wird.“<br>„Die Kuppel.“<br>„Richtig Captain. Wir vermuten eine Art Hausalarm falls jemand versuchen sollte die Kuppel zu öffnen.“<br>Denise blickte kurz zu ihrem älteren Bruder. <br>„Wir vermuten das bei Aktivierung der Sicherung wahrscheinlich Damals ein Schiff gerufen wurde das dann durch das Gate kam oder das Gate blockierte.“fuhr Woil fort. <br>„Können wir in die Kuppel hinein beamen? „Fragte Smith. <br>„Ja das können wir. Nur muss der Materiestrom stark gebündelt werden. So das wir nie mehr als eine Person Beamen können.“Erklärte Denise Smith ruhig. <br>„Das würde bedeuten dass die Vorrichtung auch diesen Fall vorgesehen hat.“Sinnierte Lewinski. <br>„Und wenn wir die Schiffsphaser einsetzen würden, um ein Loch in die Wand zu schneiden?“, fragte Price. <br>„Keine Gute Idee Commander. Das Gebäude besteht aus Neutronium. Nur an bestimmten Stellen ist die Dichte soweit abgeschwächt das sie autorisierte Transporte Durchlassen aber einen Phaser daran verpuffen lassen.“Stellte Woil fest. <br>„Alleine das wir ungebeten hinein beamen ist schon ein recht großes Risiko.“Ergänzte Woil nach einer kurzen Pause. <br>„In Ordnung. Um Sicher zu gehen werden wir die Monitor am Gate Postieren. Falls jemand ungebetenes eintrifft wird die Monitor ihn Gebührend Empfangen. Die Independence bleibt im Orbit und hält hier die Stellung. Dann werden wir mit Q hinunter beamen. Und der Sache ein Ende machen.“, erklärte Jones.<br>„Einverstanden. Matt du hast das Kommando über die Monitor. Gehe mit dem Schiff beim Gate in Stellung.“<br>„Ja, Sir.“, antwortete der halb Betazoide leise. <br>„Will. Sie haben dann auch das Kommando über die Independence. Falls wir in 48 Stunden uns nicht Melden sollten verschwinden beide Schiffe von hier. Kehren sie nach Bajor zurück und Berichten sie von all dem hier. „<br>„Verstanden Captain.“, antwortete der junge Afrikaner, wobei ihm jedes Wort im Halse stecken blieb. Jones sah es seinem ersten Offizier an das er es Hasste seinen Captain im Stich lassen zu müssen. <br><br><br>„Klingt Interessant.“, sagte Dax Nachdenklich. <br>„Die Vorstellung das diese Gates Verbindungen zu anderen Universen herstellen und darüber Hinaus…….. Einfach Gigantisch.“, fuhr sie fort. Julian Bashir, Maurice Jackson, Ardev und Arena Tellom nickten zustimmend als sie sich das Display der Wissenschaftsstation auf der Brücke der Independence ansahen. <br>„Wie es scheint ist in jedem Universum und in jeder nur erdenklichen Dimension ein Gate installiert worden. Schon alleine dies stellt eine Mammut Aktion dar.“, sinnierte Ardev. <br>Julian Bashir sah sich das Display genauer an. Er schien was aus dem Datenpaketen herausdeuten zu wollen. <br>„Sehen sie diese Subraumträgerwelle. Sie ähnelt unseren Transporterstrahlen sehr.“<br>„Sie meinen Doktor das dies eine Transferstation für Personen ist die mit dem Gate gekoppelt ist?“<br>„Ja Commander. Das wäre die wahrscheinlichste Möglichkeit.“, sagte Bashir. <br>„Also so was wie interstellares Beamen.“, brachte sich Arena Tellom ein. <br>„Richtig Lieutenant. Eine sehr bequeme und schnelle Art zu Reisen. Aber diese Anlagen scheinen schon seit sehr langer Zeit nicht benutzt worden zu sein.“<br>„Sie meinen dass auch Fehlfunktionen sich inzwischen eingeschlichen haben könnten Doc?“, fragte Ardev. <br>„Das kann man nicht mit Gewissheit sagen. „<br>„Zumal unsere Sensoren nicht ins Innere Durchdringen können.“<br>„Wie wäre es wenn wir die Subraumträgerwelle als Interface zu den Systemen in der Kuppel benutzen? Die Frequenzen sind bis auf wenige Ausnahmen mit unseren Protokollen Konform.“, schlug Dax vor. <br>„Klingt nicht Schlecht. Wir kommen sozusagen zur Hintertür herein.“<br>„Richtig Commander Jackson.“Kommentierte Bashir. <br>„Jackson an Captain Jones. “<br>„Hier Jones.“<br>„Sir, ich Glaube wir haben etwas gefunden.“<br>„Schon Unterwegs Commander.“<br><br><br><br><br>„Doktor?“fragte Q. Samantha Murphy rührte sich plötzlich überhaupt nicht mehr. Mitten in der Bewegung schien sie Eingefroren zu sein. <br>„Doktor ich weis eine ruhige Hand zu Schätzen aber sie Übertreiben es mal wieder. „Q sah sich auf der Krankenstation um. Im hinteren Bereich konnte er jemanden Aufstöhnen hören.<br>Q richtete sich auf und ging auf das Geräusch zu. Es war Trelane der sich an ein Biobett gelehnt hatte. <br>„Du sahst schon mal wesentlich Besser aus mein Freund.“<br>„Kann ich mir Denken Q.“<br>„Du hast also die Zeit angehalten.“<br>„Ja, Q. Das habe ich. Sie wollen über die Subraumträgerwelle die Systeme der Kuppel Überlisten.“<br>„Kein Üble Idee für so Primitive Wesen.“, grinste Q. <br>„In der tat Q. Ich habe Schlechte Nachrichten.“<br>„Was anderes hätte mich Erstaunt Trelane.“<br>„Sie sind wieder da Q. Die S haben sie aus ihrem Exil herausgeholt.“<br>„Die Goald?“<br>„Ja Q. Genau die. Ich wollte es nur nicht Aussprechen.“<br>„Ich kann es nicht Fassen.“Q wandte sich kurz ab. <br>„Q, Das Wurmloch bei Bajor. Es wird für einen Dimensionswechsel vorbereitet. Für eine Invasion der halben Goald Flotte.“<br>!“Die mindestens aus 800 000 Schiffen besteht. Die Milchstraßen Galaxie wäre dem niemals gewachsen. Selbst wenn alle Raum fahrende Völker sich zu einer Gigantischen Armada vereinigen würden.“<br>„Richtig Q. Sie sind hier. Ich habe die Zeit angehalten um uns noch Luft zu verschaffen.“<br>„Du weist was das bedeutet Trelane.“<br>„Ja wir müssen das Gate System für immer vernichten um den Goald zumindest eine Zeit lang hier Festzusetzen. Die Föderation wird sich mit Sicherheit eines Tages gegen die Goald zu verteidigen Wissen. Aber nicht Heute.“<br>„In Ordnung Trelane. Ich habe eine Idee wie wir das System zerstören und dennoch den Goald hier entkommen können.“Q sah sich noch mal um. <br>„Wo ist Lady Q?“<br>„Sie ist nach Bajor zurückgekehrt um mit den Wurmlochwesen in Kontakt zu treten. Sie sollen und Helfen den Goald das Eintreffen in diese Galaxis so Teuer wie möglich zu gestalten.“<br>„Das Hoffe ich doch sehr Trelane. Aber keine Sorge. Das wird auch nicht nötig sein.“<br>„Beeile dich Q. Die Goald sind nur noch weniger als 2 Flugstunden bei Maximum Warp entfernt.“Q nickte. Trelane lehnte sich zurück als Q in einem Lichtblitz verschwand. <br><br><br><br><br>Mattes blaues Licht durchzog das innere der Kuppel als Q und die beiden Captains in einem Lichtblitz erschienen. <br>„Die Lage ist Ernst meine Herren. Wir haben so gut wie keine Zeit mehr.“Q drehte sich um. beide Männer sahen ihn Ratlos und erstaunt an. Also entschloss sich Q die Beiden auf den aktuellen stand zu bringen. Als er fertig war, wurden die Gesichter von Lewinski und Jones sehr Ernst. <br>„Wie lautet ihr Plan Q?“, fragte Jones. <br>„Wir müssen das Gate System Zerstören. Dabei müssen wir einen massiven Energieimpuls durch das System schicken das alle anderen Transferstationen Kurzschließt und derart beschädigt das eine Reparatur so gut wie unmöglich ist. Danach muss die Station bei dem Planeten und die in der Milchstraßen Galaxie Zerstört werden. Wenn wir das geschafft haben, dann haben wir einige Zeit vor diesen Goald Ruhe.“<br>„In Ordnung Q. Was sollen wir tun um das System zu Überlasten?“<br>„Gehen sie an die Konsole dort drüben. Ich werde sie beide instruieren. „Jones und Lewinski nickten. <br>„John. Das sieht so aus, wie wenn die Iconianer diese Station gebaut hätten.“Lewinski trat näher heran. Er hatte auf der Akademie von den Iconianern gehört. Er versuchte sich daran zu Erinnern. <br>„Ja du hast Recht. Das Design ist iconiansch. „<br>„Dieses Station ist in der tat ein Werk der Iconianer.“, bestätigte Q. <br>„Ich werde es ihnen später erklären. Uns läuft die Zeit davon.“<br><br><br>Gleißendes Licht umgab nun Lady Q. Suchend sah sie sich um. Sie konnte die Unruhe und Panik der Wurmloch-Wesen, den Propheten, wie sie von den Bajoranern genannt werden, spüren. In alle dem Chaos konnte sie eine Starke Präsenz erkennen die mal einst menschlich gewesen sein musste. Wenige Sekunden später stand Benjamin Sisko vor ihr. <br>„Wer sind Sie?“, fragte Sisko mit seiner tiefen Stimme. <br>„Lady Q. und Sie?“<br>„Benjamin Sisko. Was wollen die Q hier?“<br>„Ich nehme an sie haben schon bemerkt das Unheil im Anmarsch ist.“<br>„Ja das haben wir.“<br>„Dann bitte ich sie darum alles zu tun um die Tür solange wie möglich zu zuhalten. Wir brauchen zeit um die Goald aufzuhalten.“<br>„Ich Verstehe.“<br>„Ich Danke ihnen Mr. Sisko.“Sisko nickte und verschwand. Lady Q hingegen Seufzte auf. Hoffentlich reicht das auch aus. Die Tür ist nämlich so gut wie Aufgestoßen. Q Beeile dich!<br><br><br>„Alles ist nun fertig.“Sagte Q. nun drehte er sich zu den beiden Männern um. <br>„Nur hat die Sache einen hacken. Jemand muss bis zum Schluss hier bleiben und die Kontrollen Überwachen. Das werde ich Übernehmen. Sie beide Sorgen dafür das die Kuppel und das Gate beim Planeten hier zerstört werden.“<br>„Verstanden Q. Am besten sie Bringen mich auf die Monitor und Eddy auf sein Schiff.“Sagte Lewinski. <br>„Einverstanden. Viel Erfolg meine Herren.“Q Schnippte mit dem Finger und beide Captains verschwanden in einem Lichtblitz. <br><br><br>„Erschrocken sah Matt Price auf als sein Captain unverhofft auf der Brücke der Monitor erschien. <br>„Für Erklärungen haben wir wenig Zeit Commander. Kurs auf das Gate setzen. Danny eine Sonde und drei Quantum Torpedos scharf machen. Wir zerstörten das Gate. Danach müssen wir mit Maximum Warp zum anderen Gate und es Passieren bevor wir hier Gesellschaft kriegen.“Alle angesprochenen Offiziere nickten und bestätigten ihre Befehle. Eigentlich wollten sie damit beginnen nach ihrem Kommandanten zu Suchen nachdem er Spurlos von der Independence verschwunden war.<br><br><br>„Keine Zeit für Erklärungen Nummer Eins. Wir müssen schnell handeln. Sobald die Kuppel einen massiven Energieimpuls sendet, diese mit Tricobalt-Torpedos zerstören, maximale Ladung, „Onaka bestätigte den Befehl des Captains. <br>„Mr. Garek. Danach verlassen wir den Orbit und fliegen zum anderen Tor zurück und werden es mit der Monitor gemeinsam Passieren. Danach werden wir mit weiteren Tricobalt-Torpedos das Gate in unserer Galaxie zerstören. „Der cardassianische Steuermann nickte und gab den Kurs ein. <br>„Captain unsere Sensoren haben eine Flotte von 50 Schiffen unbekannter Herkunft geortet.“<br>„Ich weis Will. Und wenn die hier sind. Dann sollen die außer Trümmern hier nichts mehr vorfinden. Wie weit sind diese noch Entfernt?“<br>„Noch etwa 55 Flugminuten bei Warp 9.“Jones Wölbte die Augenbrauen<br>„Das wird knapp Sir, wir alleine brauchen bei Maximaler Geschwindigkeit 50 Minuten.“Antwortete ihm sein erster Offizier besorgt.<br><br><br>Q unterdessen, sah sich noch mal in der Kuppel um. <br>„Oh“brummte er. Wir kriegen Gesellschaft. Dann wollen wir mal.“<br>Q begab sich zur Primären Konsole und drückte zweimal auf Bernstein, einmal blau und dreimal rot. Die Generatoren der Kuppel begannen nun zu Rumoren. Eine Iconianische Computerstimme begann einen Countdown in der alten längst vergessenen Sprache herunter zu zählen. Das Rumoren steigerte sich zu einem Kreischen. Ein gewaltiger blauer Lichtimpuls rast aus der Kuppel und erreicht das Gate, worauf sich ein Wurmloch etablierte, und wieder sich verschloss.<br><br>Die Monitor raste nun mit vollem Impuls auf das Gate zu. <br>„Danny die Sonde jetzt.“Brüllte Lewinski. Die Sonde Schoss nun aus der Torpedoabschussrampe des Defaint Klasse Raumschiffs. Wieder öffnete sich das Wurmloch und erfasste die Sonde mit den Traktorstrahlen. <br>„Die Torpedos jetzt abfeuern.“Bellte Lewinski. Drei Quantum Torpedos zuckten aus dem Rumpf der Monitor in den blauen Schlund des Wurmlochs. Wenige Sekunden später explodierte das Wurmloch, danach gleich das Gate in einem gigantischen Feuerball. <br>„Matt zum anderen Gate. Maximum Warp, Energie.“Die Monitor legte sich Ruckartig nach Steuerbord und beschleunigte kraftvoll auf Warpgeschwindigkeit. <br><br>„Jetzt Keiko.“Bellte Jones. Die Tricobalt-Torpedos Schossen aus der Independence heraus und zerfetzten die Kuppel auf den Planeten augenblicklich. Nur noch ein gewaltiger Krater blieb übrig. <br>„Mr. Garek. Beschleunigen.“<br>„Aye, Captain. Verlassen Orbit.“Bestätigte der junge Cardassianer sofort. Nun beschleunigte ebenfalls die Independence.<br><br><br><br>Nicht einmal die Hälfte der Zeit die ein Wimpernschlag benötigt verschwand ich vor der Explosion, die die Kuppel vernichtete. Die Monitor und die Independence waren zum anderen Gate unterwegs. Ich hingegen wollte mich mal bei unseren neuen Freunden umsehen. Die kleine Flotte der Goald Schiffe sah den Schiffen des Dominion etwas ähnlich. Nur das die Rümpfe schwarz waren und mehr von Dornen Durchsetzt sind. Ich erforschte ihr Potential. Und sie waren erschreckend gut Bewaffnet. Doch dann verspürte ich eine weitere Präsenz. <br>„Hallo S.“, brachte ich mit Sarkasmus hervor. <br>„Ich habe gewonnen.“<br>„Nicht so voreilig Q. Noch sind sie nicht zurück.“<br>„Sie werden es schaffen da bin ich mir sehr sicher.“S machte einen recht beleidigten Eindruck. Ich hingegen konnte mir ein gewinnendes Grinsen nicht verkneifen.<br><br><br>„Captain Jones.“Jones begab sich zu Commander Jackson. <br>„Wir haben ein neues Problem. Noch mehr der fremden Schiffe sind auf Abfangkurs.“<br>„Wo genau Maurice?“<br>„Am Gate. Es wird verdammt Knapp werden Sir.“<br>„Zeitfenster?“<br>„20 Sekunden.“<br>„Das muss genügen. Teilen sie der Monitor mit das wir Durchbrechen werden. Wir bleiben solange auf Warp wie es irgendwie nur möglich ist. Keiko die Achter Torpedoabschussrohre mit Tricobalt-Torpedos laden. Wenn wir das Gate passiert haben und wir wieder in unserer Galaxis sind dann zerstören wir auch dieses Gate.“<br>„Aye Captain.“Bestätigte die Japanerin den Befehl.<br><br><br>Beide Starfleet-Schiffe rasten dem Gate entgegen. Kurz davor gingen sie unter Warp und aktivierten sofort die Traktorstrahlen des Gates. Keine 20 Sekunden später erreichten sie das andere Ende der Verbindung. Das Goald Schiff hatte ebenfalls die Verbindung passiert und war nur noch 10 Sekunden hinter ihnen. Kaum hatte die Independence als letztes das Gate verlassen zuckten erneut Tricobalt-Torpedos aus dem Heck des Schiffes in das Wurmloch und in das Gate. Das Goald Schiff wurde in der zusammenbrechenden Verbindung zermalmt. Gespannt sah Jones auf den Hauptschirm. <br>„Status?“<br>„Das Wurmloch ist für immer versiegelt worden Captain. Und das Gate vernichtet.“Antwortete Jackson.<br><br>„Die Goald sind beim Zusammenbrechen der Verbindung ebenfalls vernichtet worden.“, berichtete Arena Tellom als Lewinski diese Frage gestellt hatte. Lewinski nickte. <br>„Matt einen Kurs setzen.“<br>„Captain. Das Wrack der anderen Monitor.“begann Ardev aufgeregt. <br>„Es ist verschwunden, Sir. Dort wo es war befindet sich laut Sensoren nur noch Urwald.“Lewinski musste kurz lächeln. <br>„Dann ist unsere Zukunft wieder ungeschrieben. So wie es sein sollte.“, sagte John Lewinski. <br><br>Wenige Minuten später waren beide Schiffe wieder nach Bajor Unterwegs. Lewinski saß in seinem Büro und Sprach mit Jones. <br>„Ardev hat vermutet das in der alternativen Zeitlinie die die andere Monitor hervorgebracht hat, das Schiff beim Zerstören von unserem Gate selber beschädigt worden sein musste.“<br>„Das Stimmt John. Wir konnten aus dem Computerkern noch einiges Retten. Demnach waren die Schilde dieser Monitor ausgefallen und die Wucht der Explosion hat sofort alle Antriebssysteme Zerstört. Der Schwung reichte aber aus um das Schiff in den Orbit des Planeten zu Schleudern und diese Monitor zum Absturz zu bringen. Dabei hat kein Crewmitglied Damals Überlebt. Wie das Schiff John ist auch der Computerkern und das andere Shuttle 2 dieser Monitor verschwunden.“ Lewinski musste leicht Grinsen. <br>„Ich werde diesen Teil der Geschichte auch nicht vermissen.“<br>Dann Prostete er seinem Kollegen mit einer Tasse Kaffee zu.<br><br><br>Kira Nerrys und Elias Vaughn standen Stumm auf der Brücke der Defaint da, als sich das Wurmloch wieder Schloss. Es hatte einfach Aufgehört. Im Moment waren noch Schiffe dabei im Orbit von Bajor einzutreffen um gleich mit der Evakuierung des Planeten zu beginnen. Vor wenigen Minuten hatte Kira die Nachricht erhalten das die Independence und die Monitor wieder auf dem Rückweg waren. Gerade wollte Vaughn den Wissenschaftsoffizier anweisen einen Scan durchzuführen als ein Lichtblitz auf dem Schirm Sichtbar wurde. <br>„Das muss ein Werk der Propheten sein.“, stammelte Kira. DS9 war wieder erschienen. Und schien nicht einen einzigen Kratzer abbekommen zu haben. <br>„Lieutenant.“<br>„Die Sensoren funktionieren einwandfrei. Die Station ist wieder da.“<br>„Steuermann. Einen Kurs auf die Station setzen. Ro ein Außenteam. Ich will erstmal alles erkunden bevor ich wieder einen Fuß auf die Station setzte.“<br>„Aye, Sir.“Sagte Ro. <br><br><br><br><br><br><br><br><br>5 Stunden später<br>Die Raumstation war nun wieder in Betrieb. Die Bewohner und Besatzung zurück an Bord und die Independence und die Monitor Dockten wieder an ihr an. Kira, Jones, Lewinski, Vaughn, Price und Smith saßen im Konferenzraum der Station. <br>„Unglaublich. Wir sind heute wieder einmal unserem Untergang entkommen.“, bemerkte Vaughn. <br>„Nein, Commander. Er wurde nur aufgeschoben. Die Goald werden kommen. Früher oder später werden wir alle ihnen uns Stellen müssen. Denn sie Wissen nun von uns.“, ergänzte Jones nachdem er seinen Bericht über die Ereignisse der letzten 17 Stunden beendet hatte.<br>„Interessant ist auch die Iconianische Datenbank die Q uns noch zur Independence Transferiert hatte. Sie Auszuwerten wird Experten für Jahre wenn nicht Jahrzehnte beschäftigen.“, sagte Smith. <br>„In dieser Datenbank sind auch viele Informationen über die Goald enthalten. Und was wir herausgefunden haben. Dagegen ist das was wir in den letzten 200 Jahren begegnet sind nur eine harmlose Ansammlung von Chorknaben. Sie Übertreffen sogar die Borg.“, fügte Smith hinzu.<br>„Noch sind wir ihnen technisch Hoffnungslos Unterlegen. Ich habe vor einer Stunde mit Admiral Janeway gesprochen. Ihr Offiziersstab hat schon nachdem sie die Daten erhalten haben eine Berechnung angestellt. Wie lange die Sternenflotte einer Invasion standhalten könnte. Sie kamen zu dem Schluss dass wir keine 10 Minuten Überleben würden. Die Goald<br>werden von den Iconianern als unerbittlich und grausam beschrieben. Wir haben sprichwörtlich in letzter Sekunde die Tür zu geschlagen.“, schauderte Lewinski. <br>„Dann wäre noch das Schicksal der Denobulanischen Station.“,warf Vaughn ein. <br>„Da haben wir auch keine gute Neuigkeiten. Die Station wurde bereits ein Opfer der Goald. Wir vermuten das ein Scout Schiff in unsere Galaxis eingedrungen sein musste um sich Informationen über uns zu beschaffen.“<br>Die anderen zuckten zusammen als Lewinski dies Aussprach. <br>„Genau das habe ich befürchtet.“, sagte Vaughn betroffen. <br>„Ich kann ihnen alle versichern dass die Goald erst in 100 bis 150 Jahren wieder kommen werden. Bis dahin müssen sie eine Verteidigungsstrategie haben.“, brachte sich Q ein. Er stand am Fenster und blickte ins All. <br>„Nur so können sie den Untergang der Milchstraßen Galaxie verhindern. Ansonsten drohen 95 % der Zivilisation in der Galaxis die Auslöschung. „<br>„Soweit wird es nicht kommen Q. Wir sind nun gewarnt.“<br>„Bei dem was ich heute gesehen habe Eddy Glaube ich es ihnen auch. Sie werden es schaffen. Davon bin ich Überzeugt.“Q verschwand in einem Lichtblitz.<br><br><br>Büro von Captain Lewinski auf der Monitor<br><br><br>John Lewinski und Edward Jones saßen in dem kleinen Büro des Captains auf der Monitor. Beide hatten sich einen saurianischen Brandy auf den Schrecken der letzten Stunden gegönnt. <br>„Sie werden also tatsächlich kommen?“, fragte Jones. <br>„Ich Denke schon Eddy. Es ist nur eine Frage der Zeit. „<br>„Und dieses mal war es nicht einmal das Werk von Q. Sondern von einem noch Wahnsinnigeren Wesen das Allmacht besitzt. Ich kann nur hoffen das wir das letzte mal von S gehört haben.“, sagte Jones und nippte an seinem Brandy. Lewinski nickte nur und Prostete ihm zu.<br><br><br>Wieder war ich in diesem Saal wo der Mob Tobte. Doch in diesem Fall war es ruhiger. Es war mehr ein enttäuschtes Murren. Mit einem grinsen sah ich mich um. <br>„Q.“, hörte ich aus allen Richtungen. Es klang wie jemand den ich zutiefst enttäusch habe. Was mir auch recht war. <br>„Sie haben versagt S. was wird das S Kontinuum mit ihnen anstellen? Verbannung?. Wenn ja dann kann ich ihnen viele Ratschläge erteilen. Denn das Exil aus der Allmacht regt einem zum Nachdenken an S.“, kam es recht giftig über meine Lippen. <br>„Du hattest nur Glück Q. Unglaubliches Glück.“<br>„Nein ich hatte Menschen an meiner Seite die Mut haben, Courage und den Sinn für Gerechtigkeit.“<br>„Gewäsch. Sie sind mit einem blauen Auge davon gekommen was die Goald angeht.“<br>„Das mag zwar sein S. Aber sie sind gewarnt. Sie werden bereit sein wenn die Zeit gekommen ist S.“<br>Ich hörte es regelrecht wie S mit den Zähne zu Knirschen begann. <br>„Diese Schlacht hast du gewonnen Q. Aber der krieg ist noch nicht gewonnen.“<br>„Ich habe keine Angst vor dir S. Ich werde da sein wenn du wieder kommen solltest.“<br>Danach verschwand der Saal nun wieder.<br><br><br><br><br><br>„Die Gefahr ist gebannt.“, sagte ich als ich wieder vor dem Q Kontinuum erschien. <br>„Aber nur vorübergehend Q . Die Goald werden wieder kommen, die S werden ihren Mann nicht lange im Zaun halten können. Er wird sich Rächen.“<br>„Und wieder Scheitern.“<br>„Du Klingst Überzeugt Q.“<br>„Ja von den Menschen bin ich Überzeugt. Sie haben Potential.“<br>„Zweifellos Q. Wollen wir hoffen das deine Entscheidung Weise war.“<br>„Gab es jemals Zweifel?“ <br>Der in der Mitte sitzende Q wölbte eine Braue. <br>„Auf bald Q.“<br>Ich verneigte mich als die drei in Roben gekleideten Q wieder ins Dunkle entschwanden. Dieses Mal hatten wir Glück. Das steht fest. Aber nun ist die Menschheit gewarnt. Und wird sich zur gegeben zeit zu Verteidigen Wissen. Mit einem Schmunzeln wandte ich mich wieder anderen Dingen zu. Wie wäre es mit einem Besuch auf Amalason Prime?<br><br><center><b>Ende</b><br><br><b><u>DAS CHAOS ALLER ZEITEN</b></u><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for TREKNews NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>producer SEBASTIAN OSTSIEKER lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers CHRISTIAN GAUS & THOMAS RAKEBRAND and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by JÖRG GRAMPP<br>TM & Copyright © 2004 by TREKNews Network. All Rights Reserved. <br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!<br><br>]]></description><guid isPermaLink="false">8532</guid><pubDate>Wed, 03 Sep 2008 13:46:49 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - Season 7</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-season-7-r6613/</link><description><![CDATA[<center><b>Diese Episode als PDF-Datei downloaden:</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_63785.html"><img border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s7_bundle_cover_b.jpg"></a><br><b>"Monitor Season 7"<br>Größe 2,59 mb</b></center><br><br>Die siebte Staffel der hauseigenen Fanfiction Serie Star Trek Monitor ist vor kurzem zu Ende gegangen. Erstmals hingen dabei alle Episoden zusammen. Grund genug, um diese Staffel noch einmal als Komplettpaket zu veröffentlichen. Damit kann man nun den gesamten langen Tag an einem Stück lesen und noch stärker in die Handlung eintauchen. Viel Spaß! <br><br><center><u><b>MONITOR SEASON 7</b></u><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for TREKNews NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producers NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>TM &amp; Copyright © 2005 by TREKNews Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center>]]></description><guid isPermaLink="false">6613</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 7x12: ...es endet </title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-7x12-es-endet-r6582/</link><description><![CDATA[<center><b>Diese Episode als PDF-Datei downloaden:</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_63734.html"><img border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/7x12_cover.jpg"></a><br><b>Monitor 7x12 "...es endet"</b></center><br><br><center><u>Das letzte Mal in 7x11 „Kampf“:</u></center><br><i>Was hatte er nur getan?<br>Dies hatte sich der Innenminister im Verlaufe des Abends immer wieder gefragt. Gegenwärtig riskierte er seine gesamte politische Karriere und wollte einen Misstrauensantrag gegen den Präsidenten durchbringen. Weil er der Überzeugung war das Richtige zu tun. Doch während er nun vor dem Tisch stand und darauf wartete, dass jeder einzelne Minister seine Stimme abgab, überkamen ihn Zweifel. Der Präsident war ein guter Mann. Nicht nur ein fähiger Politiker und Präsident, sondern auch ein wunderbarer Mensch. Ein ehrenwerter Mann, für den es nichts Wichtigeres gab als das Wohl der Bürger. Sogar seine Familie war nur an zweiter Stelle gekommen, dies hatte seine Frau, die ihn bedingungslos unterstützte, immer gewusst. Eigentlich hatte der Föderation nichts Besseres passieren können als dieses Staatsoberhaupt.<br>Nun jedoch versuchte der Minister für innere Angelegenheiten eine Ereigniskette in Gang zu setzen, die letztendlich diese Präsidentschaft beenden sollte. Manchmal, während die Abstimmung lief, trafen sich die Blicke des Präsidenten und die seinigen. Dann bemühte er sich eine Reaktion in den Augen des Präsidenten zu sehen oder zu erahnen, ob er nun in seinen Augen ein Verräter war. Doch der Staatschef starrte ihn nur kurz an, bevor er sich wieder anderen Dingen widmete. Sollten sich die Kabinettsmitglieder gegen einen Amtsenthebungsantrag entscheiden, was würde dann aus dem Innenminister geschehen? Vermutlich wäre er nicht mehr in der Lage ein Amt in dieser Administration zu bekleiden. Für diesen Fall hatte er sich schon mental auf seinen Rücktritt von seinem Amt als Innenminister vorbereitet. Zu diesem Opfer, dem Ende seiner Karriere, war er immer noch ohne zu zögern bereit. Er glaubte an die Richtigkeit seines Tuns, auch wenn er sich inzwischen fragte, ob er den richtigen Weg gewählt hatte. <br>Es handelte sich um eine öffentliche Abstimmung. Ein Minister nach dem anderen konnte sich für oder gegen den angestrebten Antrag entscheiden. Niemand musste sich für seine Meinung schämen. Manche der Minister begründeten ihre Entscheidung mit einigen Worten an den Präsidenten, der diese nickend zur Kenntnis nahm, andere beschränkten sich auf eine knappe Wahlentscheidung. Minister für Minister wurden die Stimmen abgegeben, bis am Ende das Ergebnis fest stand.<br>„Wir haben ein Unentschieden!“<br>Die Erklärung des Innenministers löste, sehr zu seinem Erstaunen, ein freudiges Raunen im Saal aus. <br>„Damit wäre die Sache wohl beendet“, meinte der Präsident und machte Anstalten sich von seinem Platz an den Tischenden zu erheben. Doch leider freute er sich zu früh.<br>„Tut mir leid, Mr. President, “ erklärte der Innenminister und bedeutete ihm noch einen Moment sitzen zu bleiben. „Eine Stimme fehlte noch.“<br>Wie aufs Stichwort öffnete sich die Tür zu dem Konferenzraum und Edward Jellico betrat den Raum. Überrascht blickte der Präsident den Justizminister an und erkannte dann seinen Rechenfehler. Als Mitglied des Kabinetts war er natürlich auch stimmberechtigt.<br>„Schön, dass Sie noch kommen konnten, Edward“, begrüßte ihn der Innenminister mit einem Lächeln. „Ich denke, Sie sind über die bisherige Abstimmung auf dem Laufenden?“<br>Seltsam nervös nickte der ehemalige Admiral und nästelte an seinem Anzug herum.<br>„Mir ist bekannt, dass es gegenwärtig ein Unentschieden gibt.“<br>„Dies ist richtig. Ihre Stimme ist die letzte, die fehlt…Sie geben den Ausschlag darüber, ob ein Misstrauensantrag gegen den Präsidenten der Föderation gestellt wird.“<br>Verstehend nickte Jellico und blickte kurz dem Präsidenten. Dieser fiel aus allen Wolken. Edward Jellico, der ihm vor zwei Stunden in den Rücken gefallen war, hielt nun die Zukunft seiner Präsidentschaft in den Händen. Für das Staatsoberhaupt gab es keinen Zweifel darüber, wie sich der Justizminister entscheiden würde. Auch Jellico hatte seine Entscheidung getroffen und öffnete den Mund, um sie zu verkünden…</i><br><br><center><u>Und nun die Fortsetzung…</u></center><br>„Ich bin gegen einen solchen Antrag.“<br>Die Entscheidung Jellicos fiel überraschend aus. Nicht nur für die anwesenden Minister des Kabinetts, sondern vor allem auch für den Präsidenten selbst. Während der gesamten Abstimmung hatte er so gut wie keine Regung gezeigt, sich einfach nur auf die Ergebnisse konzentriert und dabei versucht einen selbstsicheren Eindruck zu machen. Nun, nachdem Edward Jellico scheinbar den Spieß herumgedreht hatte, konnte er nicht anders, als den Justizminister ungläubig anzustarren. Fast wäre ihm noch die Kinnlade heruntergeklappt, doch dies konnte das Oberhaupt aller Föderationsvölker gerade noch verhindern. <br>Auch der wortführende Innenminister konnte nur schwerlich seine Überraschung verbergen. Schließlich fasste er sich wieder und verkündete:<br>„Die Abstimmung ist hiermit beendet. Es wurde sich also gegen einen Misstrauensantrag entschieden.“<br>Langsam, ja geradezu unsicher, erhob sich der Innenminister und schritt auf den Präsidenten zu. Auch dieser erhob sich der Höflichkeit halber und wurde schon zum zweiten Male innerhalb kürzester Zeit überrascht. Sein Kontrahent reichte ihm eine zittrige Hand, welche der Staatschef ergriff.<br>„Ich gratuliere Ihnen, Mr. President“, erklärte der Innenminister mit fast schon flüsternder Stimme. „Das Kabinett steht hinter Ihnen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um Ihnen mitzuteilen, dass ich noch morgen früh mein Rücktrittsgesuch bei Ihnen einreichen werde.“<br>Für einen scheinbar unendlich langen Moment blickte der Präsident seinem Gegenüber in die Augen. Aus diesen wollte er das Wesen des Mannes ergründen, der ihn vor knapp zwei Stunden herausgefordert hatte. Dabei kam er zu dem Schluss, dass der Innenminister kein schlechter Mensch war. Im Glauben das richtige zu tun hatte er zwar falsch gehandelt, doch an seinen hehren Absichten bestand kein Zweifel. In den vergangenen Jahren hatte sich der Minister für innere Angelegenheiten als exzellenter Kollege und auch Freund erwiesen. Genau aus diesem Grund war dieser scheinbare Aufstand, der innerhalb kürzester Zeit mit friedlichen Mitteln wieder niedergeschlagen worden war, völlig überraschend gekommen.<br>Doch der Präsident glaubte an ihn, genauso wie an jedes andere Mitglied des Kabinetts. Außer an Jellico.<br>„Ich akzeptiere Ihren Rücktritt nicht“, entgegnete der Präsident und wendete seinen Blick vom verdutzten Innenminister ab, schaute stattdessen zu seinem Kabinett. „Am heutigen Tage sind viele schreckliche Dinge geschehen. Seit Jahrzehnten, wenn nicht gar Jahrhunderten, hatte sich die Erde nicht mehr in einer solchen Gefahr befunden. Die Menschen auf den Straßen sind verängstigt und brauchen Zuspruch. Wir benötigen nun eine starke Regierung, die eine harmonische Einheit bildet. Es gilt nun an einem Strang zu ziehen, um dem Chaos Herr zu werden. Auch wenn mich diese Sitzung hier überrascht und offen gesagt auch gekränkt hat, glaube ich an ihre guten Absichten. Wir alle müssen uns nun gegenseitig bestärken!“<br>Die Überraschung in den Gesichtern der anwesenden Minister wich Zuversicht und Freude. Spontan erhoben sich die Kabinettsmitglieder und begannen zu klatschen. Der Applaus galt nicht nur dem Staatsoberhaupt, sondern in gewisser Weise auch sich selbst. Einmal mehr hatte er sich überaus weltmännisch verhalten. <br>Noch bevor der Jubel abgeklungen war, machte sich der Präsident auf den Rückweg in seinen Amtsitz. Dabei würdigte er Edward Jellico, obwohl dieser ihm gerade die Präsidentschaft gerettet hatte, keines einzigen Blickes. Stattdessen trottete der Justizminister dem Regierungschef hinterher. Auch diese Krise war also abgewendet worden. <br><br>Der Monitor flog auf den Dimensionsübergang zu, der sie wieder in ihr eigenes Universum bringen sollte. Ihre Mission, sowohl die Gefangennahme des klingonischen Regenten als auch die Rettung von Lieutenant Bird, war erfolgreich beendet worden. Nun galt es nur noch das brutale Spiegeluniversum zu verlassen, um endlich diesen grauenvollen Tag hinter sich bringen zu können.<br>Auf der Brücke des Schwesterschiffes Defiant stand ihr Kommandant Bruce Land und haderte mit sich selbst. Gerade in diesem Moment fragte sich der Mann, ob er nicht das Feuer auf das Sternenflottenschiff eröffnen sollte. Am Anfang schien ihr Plan so eindeutig gewesen zu sein: nachdem man sich in einer gemeinsamen Aktion den Regenten geschnappt hätte,  wollte man die Monitor kapern. Ein zweites Schiff dieser Klasse würde die Schlagkraft der Rebellenflotte, die sich eines übermächtigen Feindes erwehren musste, massiv erhöhen. Die Mannschaft würde man vor die Wahl stellen, sich entweder freiwillig der Rebellion anzuschließen oder in Gefangenschaft zu geraten. Auf jede mögliche Eventualität hatte man sich vorbereitet.<br>Alle, bis auf eine.<br>Bruce Land hatte plötzlich Gewissensbisse. Was der Grund dafür war, konnte er nicht mit Bestimmtheit sagen. Möglicherweise hatte ihn am meisten die Begegnung mit Captain John Lewinski beeinflusst, dem Kommandanten der USS Monitor. Dieser hatte ihn von einem anderen Leben in einem anderen Universum erzählt. Einem, in dem sie beide die besten Freunde waren. Im Spiegeluniversum war dies undenkbar. Hier war der Name Lewinski mit dem Makel des Verrats beschmutzt und immer noch hatte Martin Lewinski mit den Nachwirkungen der Taten, welche sein älterer Bruder begangen hatte, zu kämpfen. <br>Eben jener Martin Lewinski war es nun auch, der am heftigsten protestierte, dicht gefolgt von Jozarnay Woil, dem taktischen Offizier des Schiffes. <br>„Die Monitor kehrt in wenigen Sekunden in ihr eigenes Universum zurück“, wütete der als Navigator eingesetzte Martin Lewinski. „Bruce, wir müssen jetzt das Feuer eröffnen.“<br>Doch Bruce Land zögerte immer noch. Er flehte alle Götter, deren Namen er kannte, um Beistand an, doch er erhielt keine Antwort. Nur er alleine würde die Entscheidung treffen.<br>Wutentbrannt wirbelte Martin herum und deutete mit einem Finger auf Woil. Wieso war er so erpicht seinen Bruder, auch wenn dieser aus einem anderen Universum stammte, in Gefahr zu bringen?<br>„Woil, erfass die Antriebe der Monitor und warte auf meinen Feuerbefehl.“<br>„NEIN!“<br>Lands Stimme durchschnitt die Brücke und ließ alle zusammenzucken. Urplötzlich hatte sich der Engländer aus der Lethargie gerissen, denn nun endlich hatte er eine Entscheidung getroffen. Doch Martin konnte nicht glauben, was er da eben gehört hatte.<br>„Du willst sie also wirklich laufen lassen und mit ihnen ein Schiff, welches wir im Moment dringend gebrauchen können?“<br>„Ja, genau dies habe ich vor!“ bestätigte Land. „Wir werden nicht auf dieses Schiff feuern. Sie haben uns bei der Gefangennahme des Regenten geholfen und daher werden wir ihnen die Rückkehr gestatten.“<br>„Woil, erfass das Schiff,“ wiederholte der Navigator seine Anweisung, so als ob er seinem Kommandanten gar nicht zugehört hätte. <br>Daraufhin schlug Land mit der flachen Hand wütend auf die Armlehne seines Kommandantenstuhls.<br>„Ich bin der Captain auf diesem Schiff und bestimme, was wir tun und was nicht,“ erklärte er mit einer Stimme, aus der man erkannte, dass er keinen Widerspruch duldete. „Wir werden die Monitor ziehen lassen. Basta!“<br>Martin Lewinski setzte zu einer weiteren Erwiderung an, doch dann verschwand die Monitor durch den dimensionalen Riss, der sich auch im nächsten Moment sofort schloss. Lewinskis Gesicht, und nicht nur das seinige, versteinerten daraufhin. Man sah deutlich ihre Enttäuschung und wie sie ihre Hoffnung verloren. Damit war ihr so akribisch vorbereiteter Plan fehlgeschlagen. Während Martin eine große Leere und Enttäuschung spürte, war Bruce mehr als stolz auf sich. Er hatte die moralisch richtige Entscheidung getroffen. Denn egal wie verzweifelt ihr Kampf um Freiheit und Überleben auch sein mochte, sie durften auf keinen Fall ihre ethischen Grundsätze vergessen. Die Dinge, die sie überhaupt zu Menschen machten und sie von der Allianz unterschieden. Dies musste die Menschheit noch lernen, wenn sie nicht wieder zurück in die alten Zustände des Terranischen Imperiums fallen wollten. Wenn sie wahrlich frei sein wollten.<br><br>T’Nol hatte sich mit Menek in der Krankenstation eingefunden. Gegenüber Woils Biobett – der dort im übrigen friedlich schlief – nahe dem kleinen Büro des Arztes standen die beiden vor einer Wand aus Monitoren. Auf einem der Bildschirme beobachtete T’Nol angewidert das Foto von der entstellten Leiche.<br>Wie sollte, konnte er das dem imperialen Kommando erklären? Zwei furchtbare Morde auf seinem Schiff. Geschehen während der ersten beiden Stunden seiner Kommandantur. Und wenn er es nicht schaffte, diese Krise zu bewältigen würden dies auch die letzten beiden Stunden werden. Denn das imperiale Kommando duldete keine Schwäche. Besonders nicht, wenn es um Führungskräfte ging und das Reich in Gefahr war. <br>Gefahr. Ja, so hatte es begonnen. Telk wollte sich mit ihm treffen und einige Berichte durchgehen. Einige Berichte aus der Föderation. T’Nol hasste es, wenn er keine Ahnung von dem hatte, was um ihn herum geschah. So wie jetzt. Als schien ein gigantisches Fragezeichen über der ganzen Situation zu schweben.<br>„Wer war sie?“, wollte er wissen und versuchte, seine Gedanken mal wieder auf die üblichen Bahnen und diesen Mord zu lenken.<br>„Corporal Nerel. Es war ihre erste Mission.“<br>„Wie konnte das geschehen?“ T’Nol deaktiviert den Bildschirm und lehnte sich an das nahe Biobett. Seiner Stimme waren deutlich Anspannung und Nervosität anzuhören.<br>„Ihre Schichte war eben zu Ende gegangen. Sie wollte sich nur kurz umziehen um zu einer der Übungen zu kommen, die Sie befohlen hatten. Als sie nicht erschien, ließ R’Quam sie suchen. Er fand sie schließlich... so zugerichtet.“<br>„Hat er mit den Ermittlungen bereits begonnen?“<br>„Natürlich... aber Sir, das wird nicht reichen.“<br>T’Nol blickte mit großen Augen zu Menek. „Wie meinen Sie das, Doktor?“<br>„Die Crew braucht einen starken Captain. Sie braucht Führung. Sie müssen handeln und aus der Defensive heraus kommen.“<br>„Wir müssen den Täter finden!“, platzte es aus T’Nol heraus. „Das hat oberste Priorität.“ Menek konnte sich des Eindrucks nicht verwehren, dass T’Nol nur nach Floskeln und einer Ausrede suchte, bis er wusste, was zu tun war. „Das wird das Einzige sein, dass die Crew wieder motivieren wird, wieder motivieren kann.“<br>„Der Täter hat bereits zwei mal auf grauenvolle Weise zugeschlagen. Ohne Spuren zu hinterlassen. Die Crew fühlt sich von einem Gespenst verfolgt.“<br>Menek versuchte T’Nol aus seiner Lethargie herauszureißen, doch er vermochte es nicht. Der stellvertretende Kommandant hatte sich bereits in sich selbst zurück verkrochen, so wie andere auch.<br>„Gespenster – Humbug! Die Crew ist rational und professionell genug diesen Schauermärchen keinen Glauben zu schenken. R’Quam wird der Sache Herr werden.“ T’Nol blickte zum schlafenden Woil. Er seufzt. Als schien der Anblick Woils ihn daran zu erinnern, dass es ihn auch noch gab. Ihn – ein weiteres großes Fragezeichen. „Wie geht es ihm?“<br>„Stabil. Seine Lebensfunktionen stabilisieren sich. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, wieso.“ Menek blickte ahnungslos düster drein. „Mal davon abgesehen, dass ich noch nie einen Antosianer behandelt habe... habe ich auch keine Daten um seine Werte zu vergleichen.“<br>„Rufen Sie mich, wenn es etwas Neues gibt. Egal ob von ihm oder von... der Autopsie.“ T’Nol atmete schwer, wollte noch etwas sagen, schluckte das aber runter und verschwand so schnell er konnte von der Krankenstation.<br><br>Die Gesichter der Brückenoffiziere der Monitor hellten sich merklich auf, als sie den Riss passierten und innerhalb einer Sekunde wieder in ihrem eigenen Universum waren. Angesichts der Tatsache, dass ihre Reise mehr als ungewöhnlich war, gestaltete sich der Transfer zwischen den Universen abermals als reichlich unspektakulär. Weder verspürten sie Erschütterungen, Schwindel oder gar eine Art von Orientierungslosigkeit. Es war fast so, als wären sie von einem Raum in den anderen gegangen. Doch die Gefühle, welche die Besatzung empfand, waren auch so schon überwältigend genug. <br>Eine Welle der Erleichterung durchströmte Captain Lewinski, als der Wandschirm wieder die gewohnte Erde zeigte. Nicht die verwüstete Erde des Spiegeluniversums, die von der Allianz vernichtet worden war, sondern die gewohnte Wiege der Menschheit. Der Planet, den sie am heutigen Tage erfolgreich gerettet hatten. <br>Wie wunderschön sie doch ist.<br>Es war also endlich vorbei. Mit der Rettung von Danny Bird hatten sie die letzte Hürde genommen, die ihnen am heutigen Tage in den Weg gestellt worden war. Nun endlich konnten sie diese grauenvolle Sache abschließen. Der Captain las aus den Gesichtern seiner Offiziere deutlich heraus, dass diese ähnlich empfanden. Von ihnen war heute viel verlangt worden und sie hatten in der Tat außergewöhnliches geleistet. Am liebsten würde Lewinski allen einzeln die Hand schütteln und ihnen für ihre herausragenden Taten gratulieren. Doch derzeit war dies leider noch nicht möglich, denn es galt einige letzte Maßnahmen zu treffen. Nachdenklich blickte der Kommandant den eben geretteten Danny Bird an. Auch dieser blickte fasziniert auf die Erde und schien für einen kurzen Moment seinen schmerzenden Körper zu vergessen. John fragte sich, was dem jungen taktischen Offizier wohl durch den Kopf gehen mochte. Drei Monate lang hatten sie ihn nicht mehr gesehen und es war deutlich die Freude der Crew zu erkennen, dass Danny wieder an Bord war. Auch ihm selbst hatte der Lieutenant gefehlt. Nun endlich war die Familie der Monitor wieder komplett. Bis auf Ardev, der noch immer im Sternenflottenkrankenhaus lag. Und Miguel Sanchez, der heute sein Leben lassen musste. <br>„Sir, wir werden vom Geheimdienstoberkommando gerufen,“ meldete Arena Tellom ihm, die trotz der schweren Verletzungen ihres Mannes konzentriert weitergearbeitet hatte.<br>„Leiten Sie es in mein Büro weiter. Bereiten Sie außerdem eine Schaltung zum Präsidenten vor. Ich möchte ihn persönlich informieren, was geschehen ist,“ befahl Captain Lewinski und begab sich ohne Umschweife in seinen Bereitschaftsraum. Noch wollte er sich keine Pause oder gar eine Auszeit gönnen.<br>Matt Price schwenkte die Monitor in die Umlaufbahn der Erde ein und lehnte sich danach ebenfalls erleichtert in seinem Stuhl zurück. Er drehte sich auf seinem Platz herum und sein Blick traf sich mit dem von Danny Bird. Beide Männer nickten sich zu und wussten instinktiv, was der andere sagen wollte. Es bedurfte keiner überflüssigen Worte. Bis auf die entscheidenden:<br>„Ich danke Ihnen allen!“<br>Die Offiziere und Freunde nickten dem Lieutenant zu. Sie alle wussten, dass seine Worte ehrlich gemeint waren und von Herzen kamen. Sie alle hatten ihr Leben aufs Spiel gesetzt und hatten eine einzigartige Reise angetreten, um ihn aus der Gefangenschaft zu befreien. Diese Großtat würde er ihnen niemals vergessen. Ob er jemals in der Lage war seine Schuld begleichen zu können?<br><br>Auch wenn dank der modernen Transportertechnologie der Rückweg vom Innenministerium in den Amtssitz des Präsidenten nur Sekunden dauerte, kam es dem Präsidenten wie eine kleine Ewigkeit vor. Der Grund dafür war Edward Jellico, der sich mit ihm hatte zurückbeamen lassen. Am liebsten hätte das Staatsoberhaupt den ehemaligen Admiral sofort von seinen Pflichten entbunden und nach Hause geschickt. Doch dies konnte er im Moment nicht. Zu sehr benötigte er noch die Fähigkeiten Jellicos, der tief in die Abwicklungen des heutigen Tages verstrickt war. Einfach so den Justizminister zu entmachten war derzeit unmöglich. Was den Präsidenten jedoch am meisten störte, war der Umstand, dass Jellico nichts sagte. Während des gesamten Rückwegs in das Büro des Präsidenten schwieg der ehemalige Verschwörer von Sektion 31 und machte keinerlei Anstalten irgendwie zu den vorangegangenen Ereignissen Stellung zu beziehen. Seufzend ließ sich der Präsident, nachdem er in seinem Büro angekommen war, in den Ledersessel fallen und betrachtete Jellico. Noch immer schweigend betrachtete dieser das Staatsoberhaupt, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Unbewusst hatte er damit die Haltung eines Sternenflottenoffiziers angenommen, der er ja auch mal gewesen war. Ratlos erwiderte der Präsident den Blick. Wieso hatte er dies nur getan?<br>Diese Frage schoss ihm immer und immer wieder durch den Kopf. Erst hatte ihm Jellico die geheime Sitzung des Kabinetts verschwiegen; scheinbar, um ihn aus dem Amt zu hebeln. Als es Edward Jellico jedoch in der Hand hatte seine Präsidentschaft zu beenden, hatte sich der ehemalige Admiral anders entschieden und gegen den Misstrauensantrag gestimmt. Nicht nur der Präsident selbst, sondern auch alle anderen Minister waren über dieses Ereignis mehr als überrascht gewesen. Doch was war der Auslöser für diese Entscheidung gewesen? <br>„Haben Sie noch irgendwelche Anweisungen?“ fragte Edward Jellico schließlich und durchbrach damit das unangenehme Schweigen.<br>Abermals trat eine längere Phase der Stille ein, als der Präsident darüber nachdachte, was er nun antworten sollte. Inzwischen hatte er wieder seine emotionslose Miene aufgesetzt, die ihm in so vielen Debatten geholfen hatte. Innerlich brodelte er zwar, doch sein äußeres Auftreten ließ keine Rückschlüsse auf seine Empfindungen zu. <br>„Warum haben Sie das getan?“ fragte der Präsident schließlich.<br>Für einen kurzen Moment hatte Jellico überlegt den Unwissenden zu spielen, sich herauszuwinden und das Thema zu wechseln. Doch dann entschied er sich (ungewohnterweise) für die Wahrheit.<br>„Ich wollte nicht, dass Ihre Präsidentschaft endet,“ antwortete der ehemalige Admiral.<br>Daraufhin folgte abermals eine längere Phase des Schweigens. Beide Männer schienen zu überleben, wie sie nun reagieren sollten. In gewisser Weise erinnerte das ganze an eine Schlacht zweier Strategen, die jeden weiteren Schritt gegeneinander abwogen.<br>„Genau das ist es jedoch, was mich irritiert,“ erklärte der Präsident schließlich und blinzelte während des gesamten Gesprächs nicht ein einziges Mal. „Vor drei Stunden wollten Sie mir nichts über die geheime Sitzung meines Kabinetts sagen, so dass ich mich nicht vorbereiten konnte und damit Gefahr lief mein Amt zu verlieren. Eine mögliche Konsequenz, die scheinbar Ihr Ziel gewesen ist. Dann jedoch, als Sie die Gelegenheit hatten meiner Ära ein Ende zu setzen, entschieden Sie sich gegen den Misstrauensantrag. Wieso?“<br>Auch Edward Jellico zeigte keine Regung, während er die misstrauischen Worte des Staatschefs vernahm. Abermals ließ er sich sehr lange Zeit für seine Antwort. Der Grund dafür war, dass der Justizminister selbst nicht so recht wusste, wie er seine Entscheidung begründen sollte. Es war eine reine Bauchentscheidung gewesen. Viel hatte er nicht darüber nachgedacht, sondern war einfach nur seiner inneren Stimme gefolgt.<br>„Ich wollte nicht, dass Ihre Präsidentschaft endet,“ wiederholte Jellico und verwirrte damit den Präsidenten nur noch mehr. Doch er gab seine Bemühungen auf. Scheinbar würde er am heutigen Tage keine befriedigenden Antworten von dem ehemaligen Admiral erhalten. Möglicherweise sogar niemals. <br>Die Gedanken des Präsidenten wurden jäh unterbrochen, als Commander Elena Kranick sein Büro betrat. Sie wirkte aufgeregt und für einen winzigen Augenblick befürchtete der Präsident, dass sie eine neue Schreckensnachricht zu verkünden hatte. Doch dann erkannte er ihren freudigen Gesichtsausdruck und er entspannte sich innerlich.<br>„Die Monitor ist in unser Universum zurückgekehrt,“ meldete Kranick ihm. „Ihnen ist es gelungen sowohl Commander Kranick als auch Janine Talley zurückzuholen.“<br>„Und James Talley?“ <br>„Darüber weiß ich leider nichts. Aber Captain Lewinski wartet auf einer Komleitung. Er wurde uns direkt vom Sternenflottenkommando durchgestellt.“<br>Endlich gute Nachrichten. Sofort ließ der Präsident seine Zweifel fallen und konzentrierte sich stattdessen auf das nun folgende Gespräch. <br><br>Captain Lewinski hatte sich in die Ruhe seines Bereitschaftsraums zurückgezogen und wartete darauf, dass eine Kommunikationsverbindung zum Präsidenten hergestellt wurde. Obwohl er noch mehr als genug Dinge zu erledigen hatte, fühlte sich der Kanadier zum ersten Mal seit fast vierundzwanzig Stunden befreit. Eine große Last war ihm von den Schultern genommen worden. Erstmals konnte er Dinge erledigen, ohne den nagenden Zahn der Zeit zu spüren. Ohne das Wissen, dass jede Verzögerung Menschenleben kosten könnte.<br>Endlich wurde das Symbol des Präsidenten auf dem Bildschirm durch das Gesicht des Staatschefs ersetzt. Dieser saß wie so oft hinter seinem Schreibtisch, hatte die Hände vor sich gefaltet auf dem Tisch abgelegt und blickte so neutral wie möglich in die Kamera. Doch auch bei ihm Zeichen der Erschöpfung zu erkennen. An keinem war dieser Tag spurlos vorbeigegangen. Lewinski erkannte jedoch noch etwas an anderes in den Gesichtszügen des Oberhauptes aller Föderationsvölker. Es dauerte einen Moment, dann konnte er jedoch dieses Ausdruck näher bestimmen: es war die Hoffnung darauf, dass nun endlich vorbei war. Dass Captain Lewinski ihm nun freudige Nachrichten überbrachte und John wollte ihm nur zu gerne diesen Wunsch überbringen.<br>„Mr. President, wir haben unseren Auftrag beendet,“ erklärte der Kommandant ihm. „Wir haben Lieutenant Bird und Janine Talley aus dem Spiegeluniversum herausgeholt.“<br>Die Miene des Präsidenten hellte sich auf und für einen kurzen Moment schaute er zu einer Person außerhalb von Lewinskis Blickfeld. Wahrscheinlich seinen Beratern; sogar Edward Jellico.<br>„Was ist mit James Talley?“ fragte der Staatschef.<br>„Er war schon tot, als wir Bird und seine Tochter aufgegriffen haben. Scheinbar wurde er von denselben Menschen ermordet, die ihn zu Beginn unterstützt haben.“<br>Nun zögerte der Präsident, blinzelte zweimal und seufzte.<br>„Ist es also vorbei?“<br>Dies war die entscheidende Frage gewesen, auf die jeder so lange gewartet hatte. Nun war endlich auch John Lewinski bereit sich ein kleines Lächeln zu gönnen, als er antwortet:<br>„Ja, Sir, es ist vorbei. Es gibt keine Anzeichen, dass die Föderale Befreiungsarmee noch weitere Aktionen geplant hat.“ <br>Natürlich hatte John schon länger dies vermutet, doch diese Worte über die Lippen zu bringen, löste eine neue Welle an Erleichterung, ja sogar Euphorie, in ihm aus. So lange hatte er diesen Moment herbeigesehnt und nun war es endlich soweit. Natürlich würde es noch einiges an Aufräumarbeiten geben, doch das Gröbste hatten sie endlich hinter sich gebracht.<br>„Von wem wurden sie denn nun unterstützt?“ wollte der Präsident wissen.<br>„Scheinbar hat die Allianz, die dominante politische Macht im Spiegeluniversum, die Organisation bei ihrem Anschlag auf die Erde unterstützt. Ich werde dazu noch einen detaillierten Bericht schreiben, der sich vor allem auf die Aussagen von Lieutenant Bird stützen wird.“<br>Neue Sorgen durchströmten den Präsidenten. Ob dem Captain bewusst war, welche Implikationen seine Aussagen mit sich brachten? Immerhin bedeuteten diese, dass sich eine Macht aus einem fremden Universum in ihre Welt einmischte. Mehr noch, sie hatte versucht das Zentrum der Föderation zu vernichten. Der Staatschef erschauderte bei dem Gedanken, welche neue Gefahren und Gegner die Zukunft möglicherweise für sie bereithalten würde.<br>„Ich möchte diesen so schnell wie möglich erhalten,“ wies er den Captain der Monitor an. „Und übermitteln Sie Lieutenant Bird meinen aufrichtigsten Dank.“<br>„Dies werde ich tun,“ antwortete John und beide Männer schwiegen. <br>Der Captain kannte den Grund dafür. Nun, wo diese Krise endlich ausgestanden, jede Schlacht geschlagen worden war, gab es nur noch eine letzte Sache zu erledigen. Ein unangenehmes Versprechen musste noch eingelöst werden. Während der vergangen Stunden hatte er nicht mehr an seine Schuld gedacht, die er noch einlösen musste. Vergessen hatte er sie bei weitem noch nicht. Obwohl so vieles inzwischen geschehen war, erinnerte er sich nur zu deutlich an nahezu jedes einzelne Wort: <br><i>„Stellen Sie umgehend eine Verbindung zum Präsidenten her,“ befahl John und setzte sich wieder in seinen Stuhl. „Er muss umgehend über die neuesten Erkenntnisse informiert werden.“<br>Endlich zeigte sich wieder ein Hoffnungsschimmer am Horizont; endlich konnte sie selbst agieren statt zu reagieren. <br>Die Kommunikationsverbindung zum Präsidenten herzustellen hatte nicht lange gedauert. Immerhin hatte dieser die ganze Zeit vor dem Computer nur darauf gewartet über die neuesten Entwicklungen in Sachen Captain Lewinski informiert zu werden. Diesen nun auf dem Bildschirm zu erblicken war gelinde gesagt eine Überraschung.<br>„Ich hoffe Sie sind nun bereit sich uns zu übergeben,“ sagte der Präsident anstelle einer Begrüßung und starrte seinen Gegenüber an.<br>„Leider muss ich Sie da enttäuschen, Mr. President, denn die Community hat ihren Anflug abgebrochen.“<br>„Was?“<br>In den Worten des Staatsoberhauptes spiegelten sich Fassungslosigkeit, Sprachlosigkeit und Wut wieder. Scheinbar riss die Kette an seltsamen Ereignissen derzeit nicht ab.<br>„Sie wissen nicht, was Captain Kyle und ich nun wissen,“ erklärte John und legte seine gesamte Überzeugungskraft in seine Worte. Nun galt es den Präsidenten für seinen Plan zu gewinnen und das schnell. „Vor wenigen Minuten haben wir den Aufenthaltsort der Waffe feststellen können. Wir sind nur noch wenige Schritte vom Ziel entfernt. Mr. President, bitte hören Sie mich an: lassen Sie mich diese Mission zu Ende bringen und im Anschluss werde ich mich der Justiz übergeben, die dann über meine Taten richten soll.“<br>Für einen kurzen Moment schwiegen die beiden Männer und der Präsident überlegte, was er von diesem Angebot halten sollte. Flüchtig blickte er zu dem hinter ihm stehenden Jellico, wurde sich jedoch schnell klar, dass er diese Entscheidung treffen musste.<br>„Ist Ihr Angebot ehrlich gemeint?“ fragte der Präsident noch einmal nach.<br>„So war ich hier stehe,“ bestätigte John Lewinski. „Sobald diese Krise überwunden ist werde ich mich stellen. Derzeit jedoch sehe ich keinen anderen, der befähigter wäre diese Mission zu erfüllen als meine Crew und mich. Geben sie mir die Möglichkeit diese Fährte zu verfolgen und ich werde sie nicht enttäuschen. Jede Minute zählt jetzt!“<br>Das Angebot hatte in der Tat einen gewissen Reiz. Schnell ging der gewählte Führer der Föderation seine Handlungsalternativen durch. Konnte man John Lewinski vertrauen? Normalerweise hätte man diese Frage mit einem klaren Ja beantworten können, doch in den letzten Stunden hatte sich der Captain so irrational benommen, dass man sich bei ihm nicht mehr sicher sein konnte, woran man war. Jedoch hatte Lewinski recht, er war derzeit der einzige, der alle Erkenntnisse über die Waffe besaß. Jemand anderen einzuweisen würde Stunden dauern. Eine Zeitspanne, die sie absolut nicht besaßen.<br>„Also gut,“ erklärte sich der Präsident bereit und faltete seine Hände auf dem Tisch. „Sie haben auch weiterhin das Kommando über diese Mission, bis diese abgeschlossen worden ist. Im Anschluss werden sie sich gegenüber der Militärjustiz verantworten müssen.“</i><br>Es handelte sich um eine bindende Zusage, die John nicht umgehen wollte. Ihm war völlig klar, dass er Gesetze gebrochen hatte, um das seiner Meinung nach richtige zu tun. Dafür wollte er gerichtet werden.<br>„Ich werde noch einige letzte Dinge hier zum Abschluss bringen,“ erklärte Lewinski mit fast schon monotoner Stimme. „Im Anschluss werde ich die Sternenflottensicherheit kontaktieren und mich in deren Gewahrsam übergeben.“<br>Bedächtig nickte der Präsident. Er wusste, dass Lewinski nicht fliehen oder andere Dummheiten versuchen würde. Nach allem, was dieser Mann mit seiner Crew am heutigen Tage geleistet hatte, wollte er ihm noch etwas Zeit geben.<br>„Ich erwarte dann Ihren Bericht, Captain!“ entgegnete der Präsident und beendete die Verbindung. <br>Noch einige Minuten starrte John auf den nun schwarzen Bildschirm. Den ganzen Tag über hatten sie gegen die Zeit gekämpft und waren in höchster Eile gewesen. Nun lief die Uhr abermals erbarmungslos, nun jedoch gegen ihn selbst. Wenn man musste, dass man nur noch wenige Stunden in Freiheit hatte, was tat man dann als erstes? Früher hatte sich John in der Schule mit dieser philosophischen Frage befasst. Dass er sich jedoch jemals in der Realität mit ihr auseinandersetzen musste, war ihm niemals in den Sinn gekommen. <br><br>Über Schmerz waren sowohl Woil, als auch Ke’ler schon lange hinweg. Inzwischen fristeten sie nur noch ihre Zeit ab. Bewegungsunfähig wurden sie festgehalten, ihre Willen waren gebrochen worden. Ihre Leben hatten sich an diesem Tag auf so grundlegende Weise verändert – es würde nie wieder dasselbe sein.<br>Ke’ler war die Nummer Zwei einer geheimen Mission gewesen. So geheim, dass nicht einmal sie wusste, welches Ziel diese Mission verfolgte. Inzwischen hatte sie die Zügel übernommen um das romulanische Imperium vor dem Untergang zu bewahren. Eine Intrige hatte nun das Aus für ihr Unterfangen bedeutet.<br>Woil hatte schon das Ende seines Lebens in dieser Zelle gesehen. Halluzinationen quälten ihn den ganzen Tag über, zwangen sein Schicksal mehrere Male in neue Bahnen. Seine Flucht in die talarianische Eiswüste, der Angriff des Talarianers, seine „Rettung“ durch die Romulaner, die Verhöre durch Ke’ler und die harsche Behandlung von ihr. Und über allem thronte der Verlust der Liebe seines Lebens und die Blutrache an Edward Jellico.<br>Dieser Tag hatte diesen beiden Personen, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können, einige Gemeinsamkeiten aufgedrängt. Gemeinsamkeiten, die sie nie hätten teilen wollen, die sie nie erfahren wollten.<br>In diesem Moment kam eine weitere dazu.<br>Vor ihren Augen schien sich nämlich das Schiff aufzulösen. Nein, dies stimmte nicht genau. Das Licht flackerte, der Boden schwankte. Nur kurz, beinah unmerklich, wenn es bei diesem einen Einzelfall geblieben wäre. Doch dem war nicht so. Es geschah erneut. Und da wurde das Schiff auch schon von einem schrillen Alarm durchflutet und Aufmerksamkeit erregende Lichter begannen zu blinken. Sie verliehen dem Schiff eine neue Stimmung, eine neue Atmosphäre. Eine Atmosphäre aus Spannung und Angst.<br>Auf der Brücke erreichte die Spannung ihren Höhepunkt. T’Nol blickte entsetzt zu seinem Sicherheitschef R’Quam. Die beiden kleinen Erschütterungen hatten es zwar nur vermocht, ein kurzes Flackern der Lichter zu verursachen, doch selbst ein solches war schon ein Zeichen für Probleme.<br>„Was war das?“, fragte T’Nol.<br>R’Quam betätigte alle möglichen Tasten an seiner Konsole. Die Blicke der gesamten Brückencrew hatten sich nun auf diesen Mann vereinigt und warteten gespannt auf den Bericht des Sicherheitschefs. „Zwei Verteilerknoten sind implodiert. Die Hauptenergie ist um 5% gefallen. Wir haben Schwankungen im Tarn- und Warpfeld.“<br>„Wodurch wurde das verursacht?“, fragte T’Nol in Richtung eines Technikers, der – logischerweise – an der technischen Station stand.<br>„Ich kann keine Fehlfunktionen im Schiffsbetrieb erkennen.“ Der junge Mann wirkte noch etwas nervös. Etwas Grün hinter den Ohren. Vermutlich war es auch seine erste Mission. Vielleicht war er mit Corporal Nerel beim letzten Zwischenstopp an Bord gekommen. Sie waren noch Kinder. Sie hatten keine Ahnung, was sie erwartete.<br>„Ich habe eine Antwort“, platzte es aus R’Quam heraus. Alle lauschten nun wieder dem Sicherheitschef. „Die Tal Shiar Agenten sind aus ihren Quartieren ausgebrochen. Es werden Kämpfe vom ganzen Schiff gemeldet.“<br>Der Schock saß tief. Am Härtesten traf es den Kommandanten selbst. Mit versteinerter Miene und schweren Gliedern schleppte er sich zum Captainsstuhl und ließ sich in ihn hineinfallen.<br>R’Quam drängte zu einer Lösung. „Sir, was sollen wir tun?“<br>Als käme die Frage überraschend, drehte sich T’Nol zum Sicherheitschef um und blickte ihn mit großen Augen an. Dann sah er zum Wandschirm und den dort vorbeiziehenden Warpsternen.<br>„Versuchen Sie... Halten Sie sie auf. Mit allen Mitteln“, wies T’Nol an.<br>Stumm, mit einem knappen Kopfnicken, nahm sich R’Quam einen Disruptor aus einem nahen Waffenschrank und verließ die Brücke.<br>Als sich dir Tür wieder hinter ihm schloss, wurde das Schiff erneut von einer Explosion – genauer: Implosion, erschüttert. Dieses mal mit schwerwiegenderen Konsequenzen. Der Warpantrieb versagte seinen Dienst. Ebenso wie das Tarnfeld.<br>In diesem Moment vergrub T’Nol sein Gesicht in seinen Händen. Während der ersten Stunden seines Kommandos hatte es so viele Katastrophen gegeben. Niemals würde er dieses Kommando behalten dürfen. Er musste wohl froh sein, wenn er nicht unehrenhaft aus der Flotte entlassen wurde. Dies war sein Ende. Noch bevor seine Karriere überhaupt angefangen hatte, kam sie zu einem Ende. Ein Scherbenhaufen lag vor ihm. Und ein Tribunal würde sich dann um das letzte bisschen Stolz kümmern.<br>In diesem Moment konnte es unmöglich schlimmer kommen. Doch natürlich kommt es immer anders. Und immer anders, als man denkt.<br>Sein Blick fiel auf den Hauptschirm. Dort erkannte T’Nol ein sich enttarnendes Raumschiff. Den Schiffstyp selbst hatte er noch nie gesehen. Die Konfiguration erinnerte ihn jedoch schwer an ein Schiff der Sternenflotte.<br>Und dieses feuerte eine Salve Torpedos ab.<br><br>In seinem Innersten hätte er natürlich wissen müssen, dass er in der Krankenstation auf Elisabeth Frasier treffen würde. Dennoch zuckte Danny Bird für einen winzigen Moment zusammen, als er die Chefärztin sah. Drei Monate lang hatte er die Frau, die er einst geliebt hatte, nicht mehr gesehen. Nun jedoch stand sie leibhaftig vor ihm und untersuchte die Frau, die er nun liebte. Janine Talley saß traurig auf einer Pritsche und blickte nur kurz auf, als ihr Freund herein getreten war. Im Hintergrund hielt sich eine Wache auf, die sich jedoch diskret zurückgezogen hatte.<br>Auch Elisabeth zögerte für einen kurzen Moment, als sie Danny erblickte. Dann legte sie die Untersuchungsgeräte beiseite, trat auf den taktischen Offizier zu und umarmte ihn. Natürlich war auch sie voller Sorge um ihn gewesen und der Lieutenant wusste diese Geste sehr wohl zu schätzen. Auch wenn er niemals mit der Ärztin zusammengekommen war, so fühlte er dennoch eine gewisse Vertrautheit mit ihr. <br>„Ich bin so froh, dass du wieder da bist,“ flüsterte Elisabeth und die Umarmung schien fast einen Moment zu lange zu dauern.<br>„Danke,“ war die schlichte Erwiderung Dannys, der sich schließlich aus der Umarmung löste und dann auf Janine zutrat, die die beiden Umarmenden überrascht gemustert hatte. Auch Janine war deutlich die Müdigkeit anzusehen und die dunkelhäutige Frau hatte Hunger. Kurz strich sie sich über ihren Bauch, so als würde sie das kleine Leben, welches in ihr heranwuchs, schon jetzt spüren. Danny konnte noch immer nicht so recht fassen, dass er Vater wurde. Das ganze grenzte für ihn an ein Wunder, welches er unbedingt erleben wollte.<br>„Wie geht es dir?“ fragte er Janine.<br>„Es geht,“ murmelte die junge Frau und nun war es Danny, der sie an sich drückte. Noch immer zitterte sie am ganzen Leib. Sie hatte den Verlust ihres Vaters noch immer nicht verkraftet.<br>Bird schaute zu der Ärztin und Elisabeth erklärte freundlich:<br>„Ihr fehlt nichts. Sie ist etwas dehydriert, aber ansonsten geht es Ihr gut.“<br>„Und das Baby?“<br>„Es ist gesund und wohlauf.“<br>Elisabeth wollte gar nicht fragen, wer der Vater des Kindes ist. Sie konnte es sich ohnehin denken. Die zärtlichen Gesten, die Bird und Talley austauschten, waren Beweis genug. Es war ohnehin nicht an ihr über diese Beziehung zu urteilen. Niemand konnte sich vorstellen, was Danny in den vergangenen drei Monaten hatte durchmachen müssen. Es war wohl nur natürlich gewesen, dass er sich in dieser Zeit nach Nähe und Zärtlichkeit gesehnt hatte.<br>„Schön zu hören,“ entgegnete der Lieutenant und war in der Tat erleichtert. „Kannst du uns für einen Moment allein lassen?“<br>Verstehend nickte die Chefärztin und zog sich zu dem Wachmann in den Hintergrund zurück, um dem Paar Gelegenheit zum Reden zu geben.<br>„Was werdet ihr mit mir machen?“ fragte Janine. In ihrer Stimme konnte man eine Mischung aus Verbitterung und Angst erkennen.<br>Missmutig betrachtete Danny die Frau, die für ihn der schönste Mensch der Welt war. Natürlich war ihm der klassische Fehler aller Undercoveragenten unterlaufen und er hatte eine persönliche Beziehung zu einem Feind hergestellt. Doch wer konnte sich anmaßen über ihn zu richten? Drei Monate lang war er allein gewesen, hatte sich immer wieder in Todesgefahr befunden und hatte Dinge tun müssen, die ihn anwiderten. Der grauenvollste Moment war am heutigen Morgen gewesen, als er Nelson getötet hatte. <br><i>Der Anruf seitens James Talley hatte in Danny Bird eine innere Unruhe entfacht, die sich schon lange bei ihm aufgestaut hatte. Während der vergangenen zwei Stunden hatte er mit der Angst leben müssen, dass der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee ihn enttarnt hatte und bald beseitigen würde. Seit ihm zum ersten Mal dieser Verdacht gekommen war hatte Danny alles versucht, um diese Schuld von sich abzulenken. Vor wenigen Minuten hatte James nun ihm eine Nachricht zukommen lassen, dass er unbedingt in den Garten des prächtigen lunaren Anwesens kommen sollte. Danny hatte wieder einmal seinen teuren Anzug angelegt, den er meistens bei Treffen mit Talley trug und hatte sich auf den Weg gemacht. Flüchtig blickte der Lieutenant auf die Uhr. Es war kurz vor sechs, auch auf dem Mond würde bald der Morgen grauen. Kurz fragte sich der Agent, wie lange er schon nicht mehr geschlafen hatte. Mehr als eine kurze Pause war ihm nicht vergönnt gewesen.<br>Und auch wenn es der Sicherheitsoffizier der Monitor nicht zugeben wollte, er hatte Angst. Angst davor, dass er gerade seine letzten Schritte als lebende Person machen und schon in wenigen Minuten tot sein würde. Was hatte er nicht alles in diese Mission investiert! <br>Seit drei Monaten befand er sich unter diesen Leuten, versuchte ihren teuflischen Plänen auf die Schliche zu kommen und gleichzeitig nicht von ihnen vereinnahmen zu lassen. Seit dem Beginn dieser Mission hatte Bird nicht mehr seine Freunde an Bord der Monitor gesehen, die er so sehr vermisste. Es war ihm nie bewusst gewesen, wie viel ihm die anderen bedeuteten. Möglicherweise war es nun zu spät, um ihnen dies jemals mitzuteilen.<br>Dannys Laune steigerte sich nicht gerade, als er in den garten des Anwesens kam. In dem von einigen Laternen erleuchteten Areal befand sich ein großer Teil des Führungszirkels der Untergrundarmee, inklusive Janine. Diese blickte ihn kurz an, als er die Treppen herunterstieg, schlug jedoch im Anschluss sofort ihren Blick nieder. Mit zusammengepressten Lippen musterte ihr Vater Danny, schien seine Gedanken oder Intentionen abschätzen zu wollen. Das ganze hatte irgendwie eine gespenstische Atmosphäre, beklemmend und unheimlich.<br>„Endlich bist du auch da!“ begrüßte James ihn mit ernster Stimme, nachdem sich Danny Bird in den Kreis der Anwesenden gestellt hatte, und trat selbst in die Mitte. Der Anführer atmete tief ein und aus, bewunderte einmal mehr das Wunder des Terraforming. Dass Menschen hier mal Sauerstoff atmen konnten, hätte noch vor einigen Generationen niemand für möglich gehalten. „In wenigen Minuten wird die Sonne aufgehen und damit auch ein neuer Tag anbrechen. Ein Neuanfang für jeden Bürger, der sich auf ein Neues daran macht in seinem Leben nach Glück zu streben. Die Altlasten des vorherigen Tages werden abgeworfen und man konzentriert sich auf die Zukunft. Genau dasselbe habe ich auch vor,“ erklärte James Talley und grinste fast schon freundlich. Beiläufig zupfte er an seinem Sack, strich seine Krawatte glatt und blickte dann zu Danny. Dieser hatte alle Mühe, um nicht instinktiv zurückzuweichen.<br>„In den letzten Stunden ist einiges passiert, meine Herren. Die Jagd nach einem potentiellen Verräter hat uns allen den Atem stocken lassen und mir vor allem eine schlaflose Nacht bereitet… genauso wie ihnen. Allein die Vorstellung, dass sich jemand gegen die Ziele unserer Gruppe stellt, ist für mich einfach nur widerlich und unfassbar. Dennoch hat es dieses Subjekt gegeben.“<br>Jetzt sagt er es, dachte Danny und gab sich alle Mühe keine Regung in seinem Gesicht zu zeigen, jetzt enttarnt er mich!<br>„Und nach langer Suche,“ erklärte James und hob nun seine Stimme an, so dass man ihn quer durch den Garten hören konnte, „haben wir endlich den Verräter in unseren Reihen gefunden.“<br>Danny wartete nur auf den Finger von James Talley, der in fast altmodischer Manier auf ihn zeigen sollte, doch stattdessen wandte sich der Anführer einer anderen Person zu: Nelson.<br>Dieser wich erschrocken zurück und blickte sich zu seinen Kollegen um, die ihn ebenfalls überrascht musterten.<br>„Ich?“ fragte das Führungsmitglied der Föderalen Befreiungsarmee ungläubig. „James, du glaubst ich würde dich verraten?“<br>„Ich glaube es nicht… ich weiß es!“<br>Rein äußerlich zeigte Danny Bird absolut keine Regung, innerlich jedoch fiel ihm ein Stein vom Herzen. Hatte es also tatsächlich geklappt, hatte er in der Tat den Verdacht auf Nelson lenken können? Die ganze Idee war eiligst zusammengeschustert worden und hatte kaum Aussicht auf Erfolg gehabt, doch scheinbar hatte der Lieutenant ganze Arbeit geleistet. <br>Abwehrend hob Nelson seine Hände, bemühte sich nicht noch einen weiteren Schritt nach hinten zu machen und eine selbstsichere Stimme zu haben, was ihm jedoch nur leidlich gelang. Der Vorwurf traf ihn dermaßen aus heiterem Himmel, dass er nicht in der Lage vernünftig zu reagieren.<br>„Wie kannst du mir dies nur vorwerfen, James? Wir kennen uns seit Jahren und verfolgen die gemeinsamen Ziele! Verdammt, ich habe diese Organisation mit dir aufgebaut und nun soll ich sie verraten? Denk doch mal vernünftig darüber nach!“<br>Doch in James´ Stimme war eine Kälte und Selbstsicherheit, die jeden im Garten, selbst seine Tochter, erschaudern ließ.<br>„Ich habe die Beweise in meinem Büro. Es hat mir das Herz gebrochen zu erfahren, dass du es warst, der Timo verraten hat. Wie konntest du nur? Wieso hintergehst du mich so?“<br>Nelson öffnete seinen Mund, als wollte er etwas sagen, doch es fiel ihm nichts ein. Instinktiv versuchte er zu fliehen, wurde jedoch von seinem rechten und linken Nebenmann festgehalten.<br>„Ich dulde keinen Verrat,“ raunte James und holte einen Phaser hervor. Es bestand absolut kein Zweifel daran, was er damit vorhatte. Doch überraschenderweise wandte er sich an Bird.<br>„Töte ihn!“ befahl der Anführer und streckte ihm die Waffe entgegen. <br>Verwirrt musterte der Lieutenant seinen Gegenüber.<br>„Wie bitte?“<br>„Töte den Verräter,“ forderte James und drückte ihm die Waffe in die Hand. „Beseitige ihn und nimm im Anschluss seinen Platz in unserem Zirkel ein.“<br>Egal was er vorgehabt hatte, diese Dinge hatte Danny ganz gewiss nicht im Sinn gehabt. Nelson zu erschießen war ganz sicher nicht das, was er wollte. Doch scheinbar gab es keinen Ausweg. Irritiert betrachtete Danny die Waffe und stellte überflüssigerweise fest, dass sie auf Töten eingestellt war.<br>„Muss das sein?“ fragte Danny und versuchte die ganze Angelegenheit in eine andere Richtung zu lenken. „Lass uns ihn einsperren und verhören. Vielleicht können wir so mehr über seine Auftraggeber erfahren!“<br>„Nein. Auf Verrat steht bei uns der Tod. Töte ihn nun oder stell dich neben ihn!“<br>James´ Aussage war ernst gemeint. Verloren blickte Danny zu Janine, die jedoch seinen Blick nicht erwiderte. Von ihr oder den anderen im Garten konnte er keine Hilfe erwarten. Musste es also darauf hinauslaufen? Musste er einen Unschuldigen, auf den er die Beweise gelenkt hatte, töten? Drei Monate lang hatte Danny sich bemüht nichts Verbotenes oder gar Unmoralisches zu tun und nun das?<br>Langsam trat der Lieutenant vor und richtete den Phaser auf Nelson, der zu Boden gedrückt wurde. Der vermeintliche Verräter kniete vor seinem Henker und blickte ihm starr in die Augen. Am liebsten hätte Danny weggeschaut, als er abdrückte, doch er konnte nicht. <br>Er musste gegenüber den anderen eine Härte demonstrieren, die er nicht besaß. Aus dem Phaser löste sich der Energieimpuls und traf Nelson im Herzen. Das Geräusch seines auf dem Boden aufschlagenden Körpers hallte scheinbar noch minutenlang durch den großen Garten.</i><br>Danny hatte Nelson nie gemocht. Tatsächlich war es sogar davon ausgegangen, dass wenn einer seine wahre Identität aufdecken würde, es Nelson wäre. Zu konträr waren ihre Ansichten gewesen, zu groß der Neid Nelsons über den schnellen Aufstieg von Danny Bird innerhalb der Organisation. Doch nie im Leben hatte er ihn ermorden wollen. Der Lieutenant hatte damit gerechnet ihn möglicherweise in Notwehr töten zu müssen, doch niemals auf so kaltblütige Art und Weise. Allein für das Aufzwingen dieser Tat hasste er James Talley und doch empfand er ein widerliches Gefühl von Trauer in Bezug auf den alten Mann, der wie ein Ersatzvater für ihn gewesen war. Oder empfand er nur so, weil er Janines Schmerz erkannte? Es würde lange dauern, bis sich Bird von diesem Einsatz erholt hatte. Im schlimmsten Fall würde es nie wieder so sein wie früher.<br>„Ich werde das Kind behalten,“ murmelte Janine schließlich.<br>Die Worte waren leise ausgesprochen worden, doch für Danny stellten sie eine Erleichterung dar. Immer wieder hatte er sich in Gefangenschaft gefragt, ob seine Freundin nicht etwas unternommen würde, um die Geburt zu verhindern. Doch diese Zweifel wurden nun glücklicherweise in alle Winde zerstreut. Erleichtert ergriff Danny ihre Hand und streichelte sie.<br>„Danke,“ antwortete er und lächelte sie an.<br>„Wirst du mir helfen?“<br>„Ich werde immer für dich da sein.“<br>Janine merkte sofort, dass seine Worte ernst gemeint waren. Natürlich hatten sie schon während der Gefangenschaft ein wenig darüber geredet, doch oftmals gestalteten sich Dinge außerhalb dieser Krisensituationen etwas anders. <br>Einmal mehr bekräftigte Danny seinen Entschluss:<br>„Ich werde die Sternenflotte verlassen, um für dich und das Kind da zu sein.“<br>Elisabeth Frasier hatte die Worte aus dem Hintergrund vernehmen können und zuckte innerlich zusammen, verzichtete jedoch auf eine Antwort. Dies war nicht der richtige Zeitpunkt, um über seine möglicherweise überstürzten Entscheidungen zu sprechen.<br>Der Lieutenant, der nun so glücklich wirkte, winkte die Ärztin wieder heran und sie setzte ihre Diagnosen fort. Dabei wich Danny Bird die gesamte Zeit über nicht von der Seite seiner Freundin.  <br><br>Immer noch saß Captain John Lewinski in seinem Büro und starrte das gegenüberliegende Schott an. Zuerst hatte er begonnen einen Bericht über den heutigen Tag zu schreiben. Dann jedoch, schon nach wenigen Zeilen, hatte er seine Arbeit abgebrochen. Irgendwie war ihm derzeit nicht danach, einen trockenen Report zu verfassen. Zu viele Gedanken schwirrten ihm im Kopf. Nicht über Paragraphen oder Protokelle, sondern über Menschen. Zivilisten und Crewmitglieder, die heute unglaubliches geleistet haben. Und die heute ihr Leben lassen mussten.<br>Das Türsignal erklang und Lewinski bat die beiden Besucher, die er schon sehnsüchtig erwartet hatte, herein. Es handelte sich um die Lieutenants Alex Bolder und Salma Halek.<br>„Wir melden uns wie befohlen, Sir!“ erklärte Bolder und beide Offiziere stellten sich vor dem Schreibtisch des Kommandanten auf. <br>Doch John war nicht nach einer formellen Atmosphäre. Daher deutete er mit einer Hand auf das an der Wand stehende Sofa und bedeutete den beiden Gästen sich zu setzen. Etwas irritiert, aber durchaus dankbar, nahmen Bolder und Halek das Angebot an. Captain Lewinski setzte sich auf eine Tischkante und verschränkte die Arme vor der Brust. Wie sollte er nur den Einstieg in ein solches Gespräch finden?<br>„Wissen Sie, wieso ich Sie beide zu mir bestellt habe?“ fragte der Captain schließlich.<br>„Wir können es uns denken,“ gab Lieutenant Halek zu. „Aber ich möchte keine wilden Spekulationen anfangen.“<br>Eine kurze Pause trat ein, dann schmunzelte John verschmitzt und erklärte:<br>„Ich wollte einen Bericht über die heutigen Ereignisse verfassen. Ich muss auch etwas zum Tod von Lieutenant Sanchez schreiben. Dabei ist mir aufgefallen, wie wenig ich eigentlich über den Lieutenant weiß. Sicherlich, ich könnte in seine Personalakte schauen und mir von dort die benötigten Informationen holen. Doch dies möchte ich nicht. Stattdessen will ich mir von Ihnen etwas über Miguel Sanchez erzählen lassen. Ein Mann, von dem ich weiß, dass er Ihr Freund gewesen ist.“<br>Nun blickten sich Bolder und Halek verstehend an. Ob sie beide das richtige vermutet haben, war nicht ersichtlich, aber sie freuten sich über diese Möglichkeit. Überwunden hatten sie den Tod des Chefingenieurs bei weitem noch nicht, dies würde seine Zeit dauern. <br>„Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll?“ meinte Bolder schließlich.<br>„Nun ja, beginnen Sie doch einfach mit seiner Herkunft,“ schlug Captain Lewinski zu.<br>Nun hellte sich das Gesicht des Transporterchefs auf, als er einen Anknüpfungspunkt fand.<br>„Ja, dies wäre in der Tat sinnvoll!“ fand Alex Bolder. „Ich könnte damit anfangen, dass er eigentlich gar kein Spanier ist, wie alle denken.“<br>„Ach nein?“ fragte der Kommandant und wölbte überrascht die rechte Augenbraue.<br>„Nein, er ist in Buenos Aires geboren worden, aber schon relativ früh mit seinen Eltern nach Spanien gezogen. Er ist also, wenn man es genau nimmt, Argentinier.“<br>Dies hatte Lewinski in der Tat nicht gewusst. Scheinbar hatte sich in Sanchez´ Personalakte ein Fehler eingeschlichen, denn dort wurde Spanien als Geburtstort angegeben. <br>„Und weiter?“<br>„Wir beide kennen…kannten Miguel seit der Akademie,“ fuhr Salma Halek mit den Erzählungen fort. „Für ihn gab es nie etwas anderes, als Offizier in der Sternenflotte gewesen. Es hatte sich dabei um seinen Lebenstraum gewandelt. Miguel war es auch gewesen, der uns überredet hat sich nach dem erfolgreichen Abschluss der Akademie beim Geheimdienst der Sternenflotte zu bewerben.“<br>„Ohne ihn wären wir jetzt nicht hier,“ bestätigte Bolder. „Auch wenn er scheinbar nur ein Ingenieur war, so faszinierte ihn die Aura des Geheimnisvollen, die mit dieser Arbeit einhergeht. Nachdem er sein erstes Ziel erreicht hatte, verfolgte er mittelfristig sein zweites Lebensziel.“<br>„Das da gewesen wäre?“<br>„Chefingenieur dieses Schiffes zu werden,“ erklärte Salma Halek und begann zu schluchzen. Bolder nahm sie in den Arm, drückte sie an sich und spendete ihr Trost. Verständnisvoll wartete Captain Lewinski einige Sekunden lang, bis die junge Frau von selbst fort fuhr. „Er hatte so viel von Chief Woil gehalten und von ihm gelernt. Dabei hatte er unbedingt auf der Monitor Chefingenieur werden wollen.“<br>Vor allem der Satz mit dem Chief überraschte John. Immerhin hatte es in den letzten Wochen vor Woils Dienstzeitende massive Probleme zwischen dem Antosianer und Lieutenant Sanchez gegeben. Scheinbar hatte jedoch der erste Eindruck getäuscht.<br>„Ich frage mich,“ murmelte Halek, „wieso er sterben musste.“<br>„Das frage ich mich auch,“ entgegnete Lewinski traurig und blickte zu Boden. Im Laufe seiner Karriere beim Geheimdienst und vor allem während des Krieges hatte er zahlreiche Briefe an Hinterbliebene schreiben und sein Beileid bekunden müssen. Gewöhnen konnte man sich daran nie, aber vielleicht sollte man dies auch niemals. Der nicht natürliche Tod eines Menschen, vor allem eines so jungen wie Lieutenant Sanchez, war immer eine Katastrophe.<br>„Gab es eine Familie, von der nichts in den Akten stand? Eine Freundin möglicherweise?“ fragte Lewinski. <br>„Nein, so was gab es nicht. Miguel hat nur für seinen Beruf gelebt,“ antwortete Alex Bolder und in seiner Stimme schwang ein seltsamer Unterton mit. Möglicherweise erkannte er, dass es mehr im Leben gab als nur den Beruf. Dass es sich sehr wohl lohnte, eine eigene Familie zu gründen. Für John Lewinski war es dafür schon zu spät. Der Captain hatte jede Hoffnung auf die Liebe seines Lebens aufgegeben. Doch diese beiden jungen Menschen hatten noch Hoffnung auf ein erfülltes Familienleben. <br>„Miguel hat heute seinen Beitrag geleistet,“ erklärte John Lewinski schließlich. „Und auch wenn meine Worte schal oder sogar pathetisch klingen mögen, er starb als Held; für den Schutz der uns unterstellten Menschen und der Erde. So schmerzhaft sein Verlust auch sein mag, wir dürfen sein Opfer nie vergessen.“<br>Die beiden jungen Offiziere nickten verstehend. Verstanden sie jedoch wirklich? Im Moment überwog die unbändige Trauer und Wut über den Verlust eines geschätzten Freundes. Aber sie würden darüber hinwegkommen, davon war Lewinski überzeugt. Unwillkürlich fragte sich Lewinski, ob Lieutenant Halek, die besonders schwer getroffen zu sein schien, in Miguel Sanchez verliebt gewesen war. Er verzichtete jedoch auf die Stellung dieser Frage, da diese wahrscheinlich zu indiskret gewesen wäre.<br>Schließlich bedankte sich der Captain und die beiden Lieutenants traten an ihre Stationen zurück. Auch wenn das Gespräch nicht zu lange gedauert hatte, so war er um einige wichtige persönliche Informationen reicher. Nun fühlte er sich in der Lage weiter an seinem Bericht zu schreiben. Möglicherweise dem letzten seiner Karriere.<br><br>Das unbekannte Sternenflottenschiff barg einige Geheimnisse. Und auf der Brücke des vermeintlichen Sternenflottenschiffs herrschte Ruhe. Beinahe unheimlich war der Kontrast im vergleich zu dem manövrierunfähigen romulanischen Scoutschiff. Der Bildschirm offenbarte den Ausgang der ersten Attacke in seiner ganzen Tragödie. Das romulanische Schiff trieb ziellos umher, wie ein Stück Treibgut auf offener See.<br>Das vermeintliche Sternenflottenschiff, obwohl mit Sternenflottenoffizieren bemannt, gehörte weder zur Sternenflotte, noch zur Föderation. In einem grauen Winkel der unzähligen Föderationsgesetze gehörte es einer Abteilung eines Geheimdienstes an. Offiziell war es der militärische Abschirmdienst. Inoffiziell Sektion 31. Doch dies war nur wenigen Menschen überhaupt bekannt. Einer von diesen Menschen heißt Roger Mannox. Der direkte Vorgesetzte des Schiffes.<br>Die Tarnvorrichtung stammte aus geheimen Abkommen mit den Klingonen. Geborgen aus einem Wrack während des Dominion Krieges. Die verbesserten Sensoren: eine Weiterentwicklung von Borgtechnologie, die die Voyager aus dem Delta Quadranten mitgebracht hatte. Die Verfolgung und Enttarnung eines kleinen romulanischen Schiffes – vereinfacht durch die verbesserten Sensoren und die rebellierenden Romulaner, eine Kleinigkeit.<br>Der Captain des Schiffes, das inoffiziell den Namen Schatten trug, war ein Vulkanier. Sein Haar war grau, sein Gesicht gezeichnet durch das Jahrhundert, das er schon für die Flotte Dienst tat.<br>„Feuern Sie, brechen Sie durch die Schilde. Und holen Sie den Antosianer“, wies der Vulkanier an. Seine Brückencrew begann zu arbeiten. Ruhig, konzentriert und völlig professionell.<br>Die Mission war nun ein Kinderspiel. Ihr Zielobjekt hatten Sie schnell gefunden, jetzt mussten sie es unter ihre Kontrolle bringen, Jozarnay Woil finden und ihn an Bord holen. Sie mussten herausfinden, was er den Romulanern bisher erzählte. Und dann oblag ihnen die Befugnis entsprechend zu handeln. <br>Noch nie hatten sie versagt. Auch dieses Mal würden sie es nicht.<br><br>Auch der erste Offizier des Schiffes konnte sich endlich um seine privaten Angelegenheiten kümmern, die er so lange hatte aufschieben müssen. Genau wie Arena Tellom hatte er versucht seinen Schmerz und seine Sorgen zu verdrängen, um sich auf die Aufgabe im Spiegeluniversum zu konzentrieren. Nun hatten sie Danny Bird herausgeholt, eine Katastrophe auf der Erde vereitelt und zumindest eine Urheberin des heutigen Attentats festnehmen können. Nun befand sich Commander Matthew Price in seinem kleinen Quartier und dachte nach. Der Halbbetazoid hatte sich auf seine Pritsche gesetzt, dachte über den schrecklichsten Moment seines Lebens nach, der erst wenige Stunden alt war. Immer wieder ging ihm dieses furchtbare Gespräch durch den Kopf, welches sein gesamtes Leben verändert hatte:<br><i>Auf dem Bildschirm erschien das Gesicht eines Rigellianers, der nach menschlichen Maßstäben um die dreißig Jahre alt sein musste.<br>„Guten Tag, ich bin Detective Jol von der rigellianischen Polizei. Spreche ich mit Commander Matthew Price?“<br>„Mit dieser Annahme liegen Sie richtig,“ entgegnete der erste Offizier auf seine typisch flapsige Art und Weise. <br>„Sind Sie der Sohn von Birgit Price, die in Rigel City wohnt?“ war die nächste Frage des Beamten.<br>Die ganze Sache kam Matt nun sehr seltsam vor. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn und daher antwortete er argwöhnisch:<br>„Ja, das bin ich… Detective, wir haben hier momentan sehr viele Dinge zu tun und meine Zeit ist leider nur begrenzt. Kann ich Sie daher bitten mir den Grund ihres Anrufs zu verraten?“<br>Der Polizist stockte für einen kurzen Moment, schien nach den richtigen Worten zu suchen. Offenbar war ihm diese Sache sehr unangenehm und instinktiv wusste Price, dass etwas Schreckliches geschehen sein musste. Eine Sache noch furchtbarer als alles, was sie heute erlebt hatten. Ein letztes Mal räusperte sich der Beamte, bis er schließlich einsah, dass er irgendwann die Wahrheit erzählen musste. Ihre Blicke trafen sich kurz und in den Augen des Rigellianers zeigte sich eine Anteilnahme, die man üblicherweise nur in einem speziellen Fall antraf. Fast schon zerriss es Matt vor Neugierde, dann erklärte Detective Jol schließlich:<br>„Mr. Price, es ist leider meine traurige Aufgabe Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Mutter Birgit tot in ihrer Wohnung aufgefunden worden ist.“<br>Die ganze Welt um Matthew herum schien in sich zusammenzufallen. Alles drehte sich, dem Halbbetazoiden fiel es schwer nur einen klaren Gedanken zu fassen. Irgendwann, der erste Offizier wusste nicht, wie lange es gedauert hatte, fing er sich wieder und stammelte:<br>„Wie…wie?“<br>Dem Detective war deutlich das Unbehagen anzusehen, welches er beim Übermitteln dieser Nachricht empfand. Nicht zum ersten Mal hatte er dies tun müssen und es wurde einfach nicht leichter.<br>„Eine Nachbarin hat uns alarmiert“ erklärte der Polizist, „nachdem sie mehrfach versucht hatte ihre Mutter zu erreichen. Nachdem sie keine Antwort von ihr erhalten hatte, brach sie die Tür auf und fand ihre Mutter leblos am Boden liegen.“<br>Price versuchte sich das Bild, welches im geschildert wurde, vorzustellen, jedoch war diese ganze Situation viel zu abwegig, als dass er sie sich im Geiste ausmalen konnte. <br>„Haben Sie schon eine Spur, wer für diese Tat verantwortlich sein könnte?“<br>„Mr. Price… ich weiß, es wird schwer für Sie sein dies zu akzeptieren, aber ihre Mutter hat Selbstmord begangen!“<br>„Selbstmord?“<br>Wieder begann sich die Welt um den Commander zu drehen. In der Tat konnte er nicht glauben, was er da eben gehört hatte.<br>„Ihre Mutter Birgit hat sich die Pulsadern aufgeschnitten. Sie verblutete in ihrer eigenen Wohnung.“<br>Die restlichen Worte des Polizisten gingen in den Ohren des ersten Offiziers unter. Detective Jol sprach von Ergründen der Selbstmordumstände, von Ermittlungen, doch für Price waren dies alles nur schale Worte.<br>Seine Mutter war tot.</i><br>Seine Mutter, der Mensch, der ihn großgezogen hatte, war tot. Einfach so von der Welt gegangen, von einem Moment auf den anderen. Natürlich war Matt im Laufe seines Berufes desöfteren mit dem Tod konfrontiert worden und diese Erlebnisse waren ihm immer wieder nahe gegangen. <br>Doch nun seine eigene Mutter verloren zu haben, war ein furchtbares Gefühl, welches er niemals beschreiben konnte. Erfolglos versuchte Price seine Tränen zurückzuhalten, doch er konnte nicht. Er, der oftmals so cool und gelassen wirkte, weinte bitterlich über diesen grauenvollen Verlust. Wie sollte er sich nur jemals an diesen Verlust gewöhnen? Konnte man dies überhaupt jemals?<br>Erst vor einem knappen Jahr hatte er seinen leiblichen Vater kennen gelernt oder besser gesagt ihn wieder gefunden. Dafür hatte er nun seine geliebte Mutter verloren. Im ersten Moment hatte er Arsani Parul die Schuld am Tod Birgits gegeben. Immerhin hatte seine Mutter niemals aufgehört den ehemaligen Sonderbotschafter der Föderation zu lieben. Zwar hatte sie dies niemals zugegeben, doch Matt hatte dies spüren können. Was für Parul eine Affäre gewesen war, hatte für seine Mutter die große Liebe dargestellt. Eine Liebe, die von Beginn an zum Scheitern verurteilt gewesen war, denn Arsani Parul war schon verheiratet gewesen. Nach Bekannt werden dieser Affäre hatte der Betazoid Parul alles verloren: seine Familie, seinen Beruf, seinen Ruf und nun auch seine Geliebte. Nun erst bemerkte Matt endgültig, wie unfair seine Ablehnung gegenüber seinem Vater war. Er hatte ihm die Schuld für den Selbstmord seiner Mutter gegeben. Möglicherweise war dies auch so, aber Parul litt genauso sehr wie sein Sohn. Im Moment litten beide Männer bitterlich. In diesem Moment brachten gegenseitige Schuldzuweisungen nichts; was sie nun brauchten, war ihre gegenseitige Unterstützung. Genau aus diesem Grund wählte Matt Price die Nummer von Arsani Paruls Hotelzimmer. Er wollte mit ihm sprechen, hier und jetzt. <br>Doch der Verbindungsaufbau dauerte. Der Commander blickte auf den Bildschirm und wartete darauf, dass das Gesicht seines Vaters erschien. Doch niemand antwortete.<br>Price wartete.<br>Eine Minute. Zwei Minuten. Die dritte Minute brach an.<br>Dann begann sich der Halbbetazoid Sorgen zu machen und Angst erfasste ihn. Es war eine irrationale Panik, die er nicht so recht erklären konnte. Aus irgendeinem Grund machte er sich auf einmal Sorgen, dass sein Vater gar nicht mehr ran gehen würde. Dass er ebenfalls sein Leben aus Frust beendet hatte!<br>Mit zittrigen Händen betätigte Matthew die Rufwiederholungstaste, wieder und wieder. Nun erst wurde Price gänzlich bewusst, wie niedergeschlagen der ehemalige Botschafter bei ihrem letzten Gespräch gewesen war. Price hatte sich so sehr auf seinen eigenen Schmerz konzentriert, dass er die Warnzeichen gar nicht erkannt hatte. Hatte Parul etwa auch seinem Leben ein Ende gesetzt? Hatte er keinen Sinn mehr in seiner Existenz gesehen, nachdem er nun alles verloren hatte?<br>Dann endlich verschwand die Schwärze des Bildschirms und Price fürchtete, dass nun abermals die Polizei am anderen Ende der Leitung erschien, um ihm erneut eine grauenvolle Nachricht zu überbringen. Doch dem war nicht so. Statt eines Unbekannten blickte er in die traurige Miene seines Vaters.<br>„Matt!“ frohlockte Parul und sein Gesicht hellte sich merklich auf. <br>„Gott sei Dank!“ entgegnete der Commander und tausend Steine schienen ihm vom Herzen zu fallen. „Ich dachte schon….es dauerte so lange…“<br>Price brauchte nichts Weiteres zu sagen, denn beide Männer verstanden. Es war eine Ironie des Universums, dass in diesem Moment der Trauer die beiden Männer eine Vertrautheit empfanden, die sie so lange vermisst hatten. Endlich waren sie Vater und Sohn.<br>„Nein, es ist alles in Ordnung. Mir geht es gut,“ beruhigte Parul seinen unehelich geborenen Sohn. „Was kann ich für dich tun?“<br>„Ich möchte vorbeikommen…nach Rigel.“<br>Damit hatte Price alles gesagt. Sein Vater nickte verstehend und schien sich trotz der überwältigenden Trauer sogar zu freuen. Sie würden also gemeinsam die Bestattung von Birgit Price durchführen und so dieser Frau die letzte Ehre erweisen. Möglicherweise würde sich dabei auch die Gelegenheit bieten einige Dinge zu klären. Endlich eine Familie sein.<br>„Ich freue mich darauf,“ erklärte Parul und Price lächelte dieses Mal. Zwar brannten die Tränen, die er immer noch vergoss, heiß in seinem Gesicht, aber er sah auch Hoffnung am Horizont. Das Leben würde weitergehen. Es musste weitergehen. <br><br>Nachdem die Krisen bewältigt worden waren, hatte Arena Tellom endlich die Möglichkeit ihren Mann ein weiteres Mal im Sternenflottenkrankenhaus zu besuchen. Die Terellianerin hatte sich sofort nach der Rückkehr vergewissert, dass keine weiteren Aufgaben mehr anstanden und sich dann nach San Francisco begeben. Eigentlich hatte sie ihn erst vor wenigen Stunden das letzte Mal gesehen, doch in jener Zeit war unglaublich viel geschehen. Nur mit Mühe hatte sie sich während ihres Aufenthalts im Spiegeluniversum konzentrieren können. Immer wieder waren ihre Gedanken zu Ardev abgedriftet, der schwer verletzt im Krankenhaus lag.<br>Als sie endlich sein Zimmer betrat, in dem er aus Sicherheitsgründen alleine lag, blickte er aus müden Augen zu ihr auf. Fast sein ganzer Körper war bandagiert, um die erlittenen Verbrennungen zu mildern. Vor Jahrhunderten wäre sein Körper für den Rest seines Lebens entstellt gewesen, doch dank der Medizin des 24. Jahrhunderts würde es nur wenige Wochen bis zu seiner Rekonvaleszenz dauern. Bis dahin würde Arena nicht mehr von seiner Seite weichen. Sie wollte zum schnellstmöglichen Moment Urlaub einreichen und dann nur noch ihren andorianischen Ehemann bei seiner Heilung unterstützen.<br>„Hey,“ begrüßte Ardev seine Frau mit schwacher Stimme, als er sie im Eingang erkannte. Er war noch etwas benebelt von den Anästhetika, die man ihm zur Schmerzlinderung gegeben hatte. <br>„Hallo du,“ erwiderte Arena die Begrüßung, schnappte sich einen Stuhl und setzte sich neben sein Bett.<br>Lieutenant Ardev brachte ein schwaches Lächeln zustande, hustete und murmelte dann:<br>„Schön, dass du wieder da bist. Es war langweilig gewesen, ohne dich.“<br>Arena konnte nicht anders, als über diese Aussage zu schmunzeln und nur mit Mühe konnte sie ihre Tränen unterdrücken. Da lag ihr Mann, der nur mit viel Glück dem Tod entronnen war, vollkommen in Bandagen gehüllt und sprach von Langeweile. Es waren diese winzigen Momente, die sie einmal mehr daran erinnerten, wieso sie ihn liebte. <br>„Jetzt bin ich ja wieder da!“ flüsterte die Terellianerin und drückte seine blaue Hand.<br>„Was habt ihr erlebt?“<br>„Nicht besonderes,“ winkte Tellom an. Derzeit wollte sie nicht über die Zeit im Spiegeluniversum reden. Im Moment hatte sie nur das Bedürfnis in seiner Nähe zu sein. Schließlich rückte sie dennoch mit einer wichtigen Information heraus. „Danny ist wieder da.“<br>Für einen kurzen Moment zögerte der Andorianer, so als hätte er vergessen, wer Danny Bird war. Dann schien er sich zu erinnern und lächelte einmal mehr.<br>„Das ist schön.“<br>Zu wissen, dass sein bester Freund wohlbehalten wieder zurück war, freute ihn ungemein. Leider konnte er diese Empfindungen derzeit nicht allzu deutlich zeigen. Aber irgendwann würde er in der Lage sein Danny in den Arm zu schließen.<br>Mehr sagten die beiden Ehepartner nicht; brauchten sie auch gar nicht. Es war die große Liebe zwischen den beiden Offizieren. Sie brauchten keine unnötigen Worte zu verlieren, um sich gegenseitig Beistand zu geben. Jeder war für den anderen da und dies machte die Ehe zwischen diesen Angehörigen zweier so unterschiedlicher Völker so einzigartig. Mit jedem Tag liebten sich die beiden Lieutenants mehr und mehr. Diese Ehe, dies schoss sowohl Ardev als auch Arena in diesem Moment, war ein Geschenk. Egal welche Probleme sie in der Vergangenheit gehabt haben mochten, welche (wenigen) kleinlichen Streitereien sie gehabt haben mochten, beide waren füreinander bestimmt. Bis ans Ende ihres Lebens. <br>my immortal<br><center><i>I’m so tired of being here<br>suppressed by all of my childish fears<br>and if you have to leave<br>I wish that you would just leave<br>because your presence still lingers here<br>and it won't leave me alone <br><br>these wounds won't seem to heal<br>this pain is just too real<br>there's just too much that time cannot erase<br><br>when you cried I’d wipe away all of your tears<br>when you'd scream I’d fight away all of your fears<br>and I’ve held your hand through all of these years<br>but you still have all of me<br><br>you used to captivate me<br>by your resonating light<br>but now I’m bound by the life you left behind<br>your face it haunts my once pleasant dreams<br>your voice it chased away all the sanity in me<br><br>these wounds won't seem to heal<br>this pain is just too real<br>there's just too much that time cannot erase<br><br>when you cried I’d wipe away all of your tears<br>when you'd scream I’d fight away all of your fears<br>and I’ve held your hand through all of these years<br>but you still have all of me<br><br>I’ve tried so hard to tell myself that you're gone<br>and though you're still with me<br>I’ve been alone all along</i></center><br><br>Jozarnay Woil hielt sich aufrecht, so gut er konnte. Er stolperte durch die dunklen Korridore. Die Energie des romulanischen Schiffes war ausgefallen. Somit auch die Energie für das ihn festhaltende Kraftfeld um das Biobett auf der Krankenstation. Diese Chance konnte er nicht ungenutzt lassen.<br>Immer wieder musste der Antosianer einigen Crewmitgliedern ausweichen. Zumeist reichte es, wenn er sich in einigen dunklen Winkeln versteckte. Disruptorblitze zuckten hier und da durch das Schiff. Ihn wunderte nur, dass es Romulaner waren. Sie bekämpften sich gegenseitig!<br>Schnell setzte er seine Hoffnungen auf diesen Umstand. Vielleicht war er der lachende Dritte dieser Situation.<br>Die Luft roch muffig, abgestanden. Schreie erfüllten die Luft, verbranntes Fleisch und Tod kamen hinzu. Das Schiff wurde von Einschlägen erschüttert. Anscheinend musste sich der Kommandant dann nicht nur mit Rebellen innerhalb seines Schiffes auseinandersetzen, nein, Hilfe kam somit auch von außen. Doch die Kommandofrage interessierte Jozarnay Woil herzlich wenig. Er beließ es bei einer Suche nach einem Fluchtweg.<br>Ziellos lief er umher. Sollte er versuchen, sich ein Shuttle zu schnappen? Dazu musste er die Shuttlerampe finden. Wie nur auf einem ihm unbekannten Raumschiff? Er konnte ja nicht mal den Computer benutzen ohne sich zu verraten. Mal davon abgesehen, dass der Computer aufgrund der Schäden wohl nicht funktionierte. Also hieß es für ihn sich auf sein Wissen und seine Spürnase zu verlassen.<br>Schritte... sie näherten sich schnell. Woil sah sich um. Es war keine Ecke, kein Versteck zu sehen. Also wandte er sich an die Tür zu seiner Rechten. Zum Glück bot die romulanische Architektur genügend Möglichkeiten Türen auch ohne Kraftanstrengungen oder irgendwelche Geräte zu öffnen.<br>Gerade als die Romulaner um die Ecke des Korridors kamen – und dabei auf einige Romulaner hinter ihnen feuerten – huschte Woil in den Raum und die Tür fiel hinter ihm zu. Die Ruhe hier drin überraschte ihn. Überall sonst war es keine Sekunde lang ruhig gewesen. Doch hier drin schien man in einer eigenen Welt zu sein.<br>Und obwohl diesen Raum noch nie betreten, geschweige denn von ihm gewusst hatte, erkannte er ihn sofort. Es war der Raum neben dem Verhörraum. Und dieser war durch eine große Scheibe zu sehen. Und in diesem Raum saß Ke’ler. Festgekettet auf dem Stuhl, auf dem er vor noch nicht allzu langer Zeit gesessen hatte.<br>Woil taumelte erschrocken zurück, bis er an die Rückwand des kleinen Nebenraumes stieß. Und trotz der vielen qualvollen Stunden, die er in diesem Raum verbringen musste, schaffte er es nicht, den Blick von Ke’ler abzuwenden. Sie bekam offensichtlich nicht mit, was im Moment auf dem Schiff geschah. Abgesehen von den vielen Erschütterungen, die natürlich auch hier zu spüren waren. <br>Ke’ler schrie etwas. Hier drin war es jedoch nicht zu hören, so gut war dieser Raum isoliert. Und Woil tat etwas, was er nie für möglich gehalten hatte. Er betrat den Verhörraum – völlig freiwillig.<br>Die Tal Shiar Agentin Ke’ler bemerkte natürlich sofort, dass jemand den Raum betreten hatte. Sie hörte die zögerlichen Schritte und das leise Atmen.<br>„Sind Sie das... T’Nol? Wieso so... ängstlich?“, fragte sie mit soviel Verachtung, wie es ihr gebrochener Körper zuließ.<br>Woil erschrak. Ke’ler sah grauenhaft aus. Mit ihr war man nicht so „gut“ umgegangen wie mit ihm. „Was hat man mit Ihnen gemacht?“<br>„Woil?“, verwundert versuchte sie den Antosianer im Dunkel des Raumes auszumachen. Der Raum war nun noch dunkler. Denn die ansonsten sehr helle Lampe war ausgefallen und ein grünes Notlicht ersetzte es.<br>Der Angesprochene kam näher und nun konnte auch Ke’ler ihn sehen. „Was machen... Sie hier?“<br>„Die Crew bekämpft sich gegenseitig und das Schiff wird angegriffen.“<br>Ke’ler lachte. „Wissen Sie... dass das... die erste... Frage ist... die Sie mir... beantworten?“<br>Leicht beschämt blickte Woil zu Boden, natürlich hatte er keinen Grund dazu, doch er tat es trotzdem. Denn gerade stachen seine Kopfschmerzen erneut zu. Er musste mehrere Male kräftig durchatmen, bis sie wenigstens ein wenig abklangen.<br>„Ich muss los“, sagte er<br>„Sie... sterben.“<br>Jozarnay blieb stehen. „Ich weiß“, antwortete er nüchtern. „Ich bin schon tot.“<br>„Ihre Sucht... wird Sie... dahin raffen.“<br>„Ich weiß.“<br>„Ich kann... helfen.“<br>Woil drehte sich nun doch um und sah in Ke’lers Augen? Konnte er ihr trauen? Konnte sie ihm wirklich helfen?<br>Ihr Körper war aufs übelste zugerichtet. Er würde sich revanchieren müssen? Wollte sie mit ihm mitkommen? „Wie?“<br>„Ketracel Blau... so gut wie... Weiß. In meinem... Quartier“, antwortete sie bereitwillig.<br>„Wo ist das? Ihr Quartier?“<br>Ke’ler deutete auf ihre Fesseln. „Befreien... Sie mich.“<br>„Wieso sollte ich Ihnen vertrauen? Wieso sollte ich Sie befreien?“ Den Antosianer war kurz davor den Raum zu verlassen. Er verschwendete hier doch nur seine Zeit. Doch seine Sucht hielt ihn an Ort und Stelle.<br>„Die Shuttles... sind ein... Deck tiefer. Zwei Sektionen... in diese... Richtung“, Ke’ler legte ihren Kopf in eine bestimmte Richtung, um ihre Aussage zu bekräftigen.<br>Nun stellte sich die interessanteste Frage für Woil. War diese Antwort ein Vertrauensbeweis? Oder doch nur eine Lüge und Ausrede, damit sie fliehen konnte?<br>Dies konnte keine Kopfentscheidung werden. Sein Kopf war im Moment eh nur da, damit es nicht in ihn hineinregnete. Die Schmerzen steigerten sich jede Sekunde. Also, musste Woil auf seinen Bauch horchen. Und dieser hatte die Entscheidung längst getroffen.<br><br>Immer noch war Danny Bird nicht von der Seite seiner sich inzwischen in Gefangenschaft befindenden Freundin befunden. Dr. Frasier untersuchte sie weiterhin gründlich, wollte auf besonderen Wunsch Dannys jedwede mögliche Krankheit oder Verletzung ausschließen. Die Chefärztin erfüllte ihm diesen Wunsch einer so intensiven Untersuchung ohne zu Murren. Nicht nur, weil der Lieutenant ein Freund war, sondern auch, weil Elisabeth die bedingungslose Liebe des taktischen Offiziers erkennen konnte. Natürlich war sie etwas irritiert über diese Verbindung, doch es war nicht an ihr zu urteilen. Wer konnte denn auch nur erahnen, was Danny in den letzten drei Monaten durchgemacht hatte? Wahrscheinlich hatte er sich allein gefühlt und verlassen. Diese Frau, auch wenn sie eine Terroristin war, hatte wahrscheinlich seinen einzigen Halt bei diesem gefährlichen Einsatz dargestellt. <br>Für einen winzigen Moment erinnerte sich die Ärztin an einen Moment vor zwei Jahren zurück, als sie gemeinsam mit dem Lieutenant auf einer Mission gewesen war. Damals hatten sie sich als Ehepaar ausgeben müssen und in einem stillen Moment hatte Bird ihr quasi seine Liebe gestanden. Zu jenem Zeitpunkt war Elisabeth völlig konsterniert gewesen. Nicht nur, weil sie schon zu diesem Zeitpunkt Commander Price geliebt hatte, sondern auch weil dieses Geständnis völlig unerwartet gewesen war. Nur mit großem Schmerz hatte sie Danny erwidern können, dass sie seine Gefühle nicht erwiderte. Manchmal, in stillen Momenten, hatte sie deswegen so etwas wie ein schlechtes Gewissen gehabt. <br>Vorsichtig trat sie an Danny heran und sagte:<br>„Kann ich Sie einen Moment sprechen, Lieutenant?“<br>Der taktische Offizier nickte fast schon geistesabwesend, drückte Janine die Hand und ging<br>dann zu der Ärztin.<br>„Ich habe, wie du es dir gewünscht hast, sie ein zweites Mal von oben bis unten untersucht,“ erklärte die Bordärztin mit müder Stimme. „Auch dieses Mal gilt: weder ihr noch dem Kind fehlt etwas. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen.“<br>„Danke für deine Bemühungen,“ antwortete Danny und nahm auch weiterhin nicht seine Augen von der jungen Frau. <br>Für wenige Minuten schwiegen die beiden Menschen, dann fragte Elisabeth:<br>„Wie stellst du dir das vor?“<br>„Was meinst du?“ war die Gegenfrage Birds.<br>„Das Kind groß zu ziehen…für sie beide da zu sein.“<br>„Ich werde die Sternenflotte verlassen.“<br>Die Aussage kam einem Schock gleich. Ungläubig blinzelte Frasier zwei Mal und brauchte einen Moment, um diese Information zu verarbeiten.<br>„Das kann nicht dein ernst sein.“<br>„Doch, das ist es,“ flüsterte Danny fast schon trotzig und sein Tonfall ließ erkennen, dass er seine Entscheidung längst getroffen hatte. „Ich werde die Sternenflotte schnellstmöglich verlassen.“<br>„Wegen ihr?“<br>Nun endlich blickte Danny zum ersten Mal die Ärztin direkt an. Trotz der deutlich erkennbaren Müdigkeit in seinen Augen erkannte sie eine Sicherheit und Zuversicht, die sie in diesem Moment nicht bei dem Lieutenant erwartet hätte.<br>„Nicht nur…aber auch,“ gestand Lieutenant Bird wehmütig. „Drei Monate war ich weg. In ständiger Gefahr und Angst. Wofür?“<br>„Ohne dich hätten wir niemals den heutigen Anschlag vereiteln können. Du bist ein Held,“ versuchte Elisabeth ihn aufzumuntern, doch dies gelang ihr nur leidlich. <br>„Ich mag Orden kriegen, Belobigungen oder irgendetwas anderes. Aber mein Leben werde ich nie zurückerhalten…wenn ich überhaupt jemals eines gehabt habe.“<br>In den Worten Dannys lag eine Schwermut, die Elisabeth so bei ihm noch nie gesehen hatte. Dabei schien er jedes einzelne Wort, was er sagte, Ernst zu meinen. Dachte er erst seit den vergangenen drei Monaten so oder hatte er schon seit längerem diese Empfindungen? Früher hatte sie nie dieses Verhalten bei ihm beobachtet.<br>„Du solltest nicht überstürzt handeln,“ riet sie Danny. „Möglicherweise bist du einfach nur ausgebrannt.“<br>„Ich weiß, was mit mir los ist…ich möchte ein Leben.“<br>„Der Sternenflottengeheimdienst wird dich niemals gehen lassen.“<br>„Chief Woil durfte auch.“<br>„Der war aber nicht in dem Maße an Geheimoperationen beteiligt wie du,“ erklärte die Ärztin fast schon verzweifelt. „Überleg doch nur, was du in den vergangenen Jahren getan hast. Wenn dich eine fremde Macht in die Hände kriegen würde…“<br>Irgendwie bemerkte Elisabeth, wie sie immer mehr nach Gründen suchte, um Danny zum Bleiben zu überreden. Doch wieso tat sie dies? Möglicherweise hatte auch sie in den vergangenen Monaten, in denen er nicht da gewesen ist, bemerkt, wie sehr er auch ihr gefehlt hatte. Der Gedanke, dass er nun für immer gehen wollte, behagte ihr nicht. Er zu sehr Bestandteil dieser Crew, um nun einfach so gehen zu dürfen.<br>„Ich habe der Sternenflotte mein Leben geopfert,“ meinte Danny nachdenklich und schien sich seine Gedanken von der Seele reden zu wollen. „Freunde, Familie, ein eigenes Privatleben, all das habe ich zurückgestellt. Nun erwartet eine Frau, von der ich weiß sie ist eine Terroristin, mein Kind und ich frage mich, wie nun meine Prioritäten im Leben gesetzt werden sollen.“<br>„Du bist ein guter Mensch, Danny!“<br>„Gute Menschen werden nicht wahrgenommen,“ murmelte Bird traurig. <br>Elisabeth öffnete den Mund, wollte noch etwas sagen. Diese schwermütigen Empfindungen kannte sie gar nicht von dem taktischen Offizier. Scheinbar waren die letzten Monate noch härter gewesen, als es sich irgendjemand ausmalen konnte. Sie wollte noch etwas sagen, kam jedoch nicht dazu, denn Fähnrich Kensington betrat die Krankenstation der Monitor. Die Stellvertreterin des Lieutenants warf einen geringschätzigen Blick zu Janine Talley, erspähte dann Bird und trat auf ihn zu. Die ganze Zeit über hatten Elisabeth und Danny miteinander geflüstert und so wirkte die nun mit normaler Zimmerlautstärke sprechende Kensington so, als würde sie brüllen:<br>„Ist die Gefangene bei guter Gesundheit?“<br>„Die Gefangene hat einen Namen,“ raunte Danny und warf der Frau, die er damals eigenhändig als seine Vertreterin ausgesucht hatte, einen zornigen Blick zu.<br>„Ihr fehlt nichts,“ erklärte Dr. Frasier und versuchte mit ihrer ruhigen Stimme die Situation etwas zu entschärfen, was ihr jedoch nur leidlich gelang.<br>„Dann werde ich sie nun mitnehmen!“ erklärte Fähnrich Kensington mit einer Selbstsicherheit, die fast schon an Überheblichkeit grenzte.<br>„Nein, das werden Sie nicht,“ widersprach Danny ihr, nutzte dabei nun jedoch einen deutlich kühleren Tonfall. „Sie ist noch nicht in der Verfassung, um transportiert zu werden.“<br>Samira Kensington schaute kurz zu der Bordärztin, die betreten zu Boden blickte. Für den Fähnrich war dies Antwort genug.<br>„Dr. Frasier und ich sehen dies aber anders,” erklärte Kensington. „Ich werde nun Janine Talley der terranischen Bundespolizei übergeben, wo man sie schnellstmöglich ihrer Verbrechen anklagen wird.“<br>„Sie werden gar nichts machen, Fähnrich,“ erklärte Danny Bird grollend. „Das ist ein Befehl.“<br>„Die Order kommt direkt vom Oberkommando. Sie können mir also gar nichts gegenteiliges befehlen, Lieutenant,“ entgegnete Kensington und für einen Sekundenbruchteil meinte Danny in ihrer Stimme so etwas wie Befriedigung zu hören. Es war nichts, was er so richtig belegen konnte, mehr ein Gefühl. Doch dieses reichte ihm.<br>Blitzschnell stieß der Lieutenant vor und verpasste dem Fähnrich einen gezielten Schlag, der sie taumeln ließ. Zwar wollte er zu einem weiteren Hieb ansetzen, doch zu seinem Entsetzen wurde er ausgerechnet von Elisabeth Frasier zurückgehalten. Sie packte ihn an den Armen und trotz seiner rudernden Bewegungen konnte er sich nicht von ihr losreißen.<br>Langsam fing sich Fähnrich Kensington wieder, fuhr sich mit der Hand durch das Gesicht und stellte erleichtert fest, dass weder etwas gebrochen war, noch das sie blutete.<br>„Scheinbar verstehe ich nun,“ raunte Kensington verächtlich, „wieso Sie sich so gut unter die Talleys mischen konnten.“<br>Im Anschluss gab sie dem Sicherheitsmann, der sich bisher ruhig in der Krankenstation aufgehalten hatte, ein Zeichen und dieser legte Janine Handfesseln an. Die Freundin Dannys ließ es einfach geschehen, übernahm gar nicht den Versuch sich zu wehren. Am heutigen Tage hatte sie alles verloren. Ihren Ideale, ihre Freiheit und nicht zuletzt ihren Vater.<br>Schließlich schaffte Danny sich loszureißen und gab Janine einen letzten Kuss, bevor man sie in den Transporterraum brachte. Nur zu gerne hätten sich die beiden Liebenden etwas gesagt, doch ihnen fielen keine passenden Worte für einen solchen Moment ein. Gab es überhaupt welche? <br>Noch lange starrte Danny auf das Schott, welches Janine verschluckt hatte wie ein gewaltiges Ungeheuer. Der junge Mensch schwor sich seine Freundin nicht aufzugeben. Er würde für sie und ihr gemeinsames Kind da sein. Koste es, was es wolle! <br><br><center><i>Did I disappoint you or let you down?<br>Should I be feeling guilty or let the judges frown?<br>'Cause I saw the end before we'd begun,<br>Yes I saw you were blinded and I knew I had won.<br>So I took what's mine by eternal right.<br>Took your soul out into the night.<br>It may be over but it won't stop there,<br>I am here for you if you'd only care.<br>You touched my heart you touched my soul.<br>You changed my life and all my goals.<br>And love is blind and that I knew when,<br>My heart was blinded by you.<br>I've kissed your lips and held your head.<br>Shared your dreams and shared your bed.<br>I know you well, I know your smell.<br>I've been addicted to you.<br><br>Goodbye my lover.<br>Goodbye my friend.<br>You have been the one.<br>You have been the one for me.<br><br>I am a dreamer but when I wake,<br>You can't break my spirit - it's my dreams you take.<br>And as you move on, remember me,<br>Remember us and all we used to be<br>I've seen you cry, I've seen you smile.<br>I've watched you sleeping for a while.<br>I'd be the father of your child.<br>I'd spend a lifetime with you.<br>I know your fears and you know mine.<br>We've had our doubts but now we're fine,<br>And I love you, I swear that's true.<br>I cannot live without you.<br><br>Goodbye my lover.<br>Goodbye my friend.<br>You have been the one.<br>You have been the one for me.<br><br>And I still hold your hand in mine.<br>In mine when I'm asleep.<br>And I will bear my soul in time,<br>When I'm kneeling at your feet.<br>Goodbye my lover.<br>Goodbye my friend.<br>You have been the one.<br>You have been the one for me.<br>I'm so hollow, baby, I'm so hollow.<br>I'm so, I'm so, I'm so hollow. </i></center><br><br>Die Brücke war ein Trümmerhaufen. Und der König des Trümmerhaufens, T’Nol, stand in der Mitte und bediente die taktische Konsole. Feuer stoben aus einigen Lecks, Rauch und Gas verminderte die Sicht so sehr, dass T’Nol nicht einmal mehr die Steuerfrau sehen konnte, geschweige denn den Hauptbildschirm. Was ihnen auch nichts ausmachte, da dieser schon von der ersten Salve zerstört worden war, mussten sich die beiden einzigen Überlebenden schon seit geraumer Zeit auf die Sensordaten und ihr Gespür verlassen.<br>T’Nol hatte seine Karriere als Sicherheitschef begonnen. Seine schnellen Beförderungen errang er aufgrund seiner hervorragenden Taktiken. Im Dominion Krieg hatte er sich zweier imperialer Tapferkeitsorden verdient gemacht. Soviel waren seit einem Jahrhundert keinem Offizier mehr zugestanden worden. In der letzten Stunde kam er jedoch an seine Grenzen. Die Kommandantur eines Schiffes verlangte von ihm Fähigkeiten ab, die er nicht besaß. Führung lag ihm nie. Torpedos und Disruptoren waren leicht zu befehligen. Die gehorchten auf einen simplen Tastendruck.<br>Eine Crew hingegen bedurfte einer totalen Hingabe, einer 27-stündigen Vollverpflegung durch den Kapitän.<br>Vor einem Jahr war er Telks Ruf gefolgt. Das Imperium hatte T’Nol etwas vernachlässigt. Nach dem Eingeständnis der romulanischen Regierung, den Krieg gegen Talar aufgrund gefälschter Informationen geführt zu haben, waren Krieger wie er nicht mehr in Mode. Diplomatie hieß das Stichwort. Ein Prätor, der nur seinen Pflichtdienst in der Flotte geleistet hatte, übernahm die Kontrolle der Regierung. Nur die älteren Mitbürger konnten sich an einen Prätor erinnern, der ähnlich wenig Erfahrung im Militärdienst gesammelt hatte. Ein Skandal!<br>T’Nol hatte die Zeichen der Zeit erkannt. Also, entschloss er sich, Führungsaufgaben wahr zu nehmen. Hier, unter Telks Kommando hoffte er, die so genannten Soft Skills zu entwickeln, die mehr Macht versprachen.<br>Doch diese Hoffnungen starben mit Telk.<br>Das Schiff stand am Rande der Zerstörung, aufgrund seiner Schwächen.<br>Dass das Schiff noch nicht zerstört war, eine Leistung T’Nols persönlicher taktischer Überlegenheit.<br>Doch die Zerstörung war unausweichlich. Denn das Sternenflottenschiff glänzte noch und feuerte unablässig.<br>Eine weitere Salve traf das Schiff. Eine Explosion direkt auf der Brücke riss T’Nol den Boden unter den Füßen weg. Er wurde an die nahe Wand geschleudert. Er spürte einige Knochen brechen und sank dabei auf den Boden zurück.<br>Er sah eine große Platzwunde an seinem Arm. Blut quoll heraus. Viel Blut.<br>Vor seinen Augen verschwammen die Umrisse und Konturen.<br>Stille kehrte ein, das Sternenflottenschiff feuerte nicht mehr.<br>„Sie haben uns... geentert.“<br>T’Nol sah Ke’ler. Sie kam näher. Sie, die ihn – den doppelten Tapferkeitsordenträger – beschuldigt hatte, nichts über das Imperium zu wissen. Sie, die Telk getötet hatte, seinen Mentor. Sie, die diese Mission verkompliziert hatte, das Schiff und diese Crew auf dem Gewissen haben würde.<br>„Das ist alles Ihre Schuld!“, zischte T’Nol wie eine Kobra.<br>„Oh... nein“, antwortete Ke’ler leise, sammelte ihre Kräfte und rammte ihm ihre Hand entgegen.<br>Vollkommen perplex sah T’Nol dieser Bewegung nach und fand in ihrer Hand ein großes Trümmerstück, das nun in seiner Brust steckte. Sie hatte gut gezielt. Er spürte das. Mit dem flachen Metallstück hatte sie den Raum zwischen zweier Rippen genau getroffen, hatte genau die richtige Stelle über seinem Herzen anvisiert und die Aorta durchtrennt.<br>Sein Tod trat nicht auf der Stelle ein. Es würde einige Zeit dauern. Er würde miterleben, wie ihm die Kräfte versagen würden und voller Schmerzen sein, bis sein Gehirn aufgrund des Sauerstoffmangels erstickte.<br>T’Nol musste Ke’ler ein Kompliment machen. Sie hatte gewonnen und sie hatte ihm die Schmerzen heimgezahlt, die er ihr zugefügt hatte.<br>Ke’ler gab noch einige Befehle in die Konsolen ein und verließ die Brücke.<br>Den sterbenden T’Nol würdigte sie keines Blickes. Er fand alleine sein Ende.<br><br>Nachdem er mit seinem Vater gesprochen hatte, hatte Commander Price alles für seine Abreise vorbereitet. Innerhalb weniger Minuten war seine Tasche zusammengepackt und der Urlaubsantrag an den Captain abgeschickt. Sorgen hatte er sich kurzzeitig um Elisabeth gemacht. Würde sie seinen Wunsch der Abreise verstehen oder sich quer stellen? <br>Matt war auf die Krankenstation gegangen, kurz nachdem Janine Talley unter wütenden Protesten von Danny Bird zum Transporterraum gebracht worden war. Schließlich hatte sich der taktische Offizier dazu entschlossen seine Freundin zu begleiten und so befand sich nur noch Price mit Frasier auf der Krankenstation. Für einen kurzen Moment zweifelte der Halbbetazoid daran, ob nun überhaupt der richtige Zeitpunkt für dieses Gespräch sei. Dann sah der erste Offizier ein, dass es wohl niemals die richtige Gelegenheit dafür gäbe. <br>„Hast du einen Moment Zeit?“ fragte Price und streichelte seine Freundin behutsam am Oberarm. <br>„Jetzt ja,“ entgegnete die Ärztin und blickte ihn aus müden Augen an. <br>War es wirklich schon fast 24 Stunden her, dass sie beide bei einem gemütlichen Abendessen gesessen und sich ihre gegenseitige Liebe bezeugt hatten? So viel war inzwischen geschehen. Vieles würden beide am liebsten schnellstmöglich vergessen, doch so einfach machte es ihnen das Leben nicht. Von nun an mussten sie mit den heutigen Ereignissen und deren Konsequenzen leben.<br>„Ich werde nun nach Rigel fliegen,“ erklärte Price direkt. „Mein Schiff wird schon in zwei Stunden aufbrechen. Der Captain hat meinem Urlaubsgesuch stattgegeben. Bitte versteh, dass ich dich nicht mitnehmen kann.“<br>Einige Sekunden lang musterte Elisabeth Frasier den Mann, den sie liebte, ohne etwas zu sagen. Price fürchtete Zorn oder Ablehnung bei ihr zu erkennen, doch stattdessen empfand sie Verständnis.<br>„Es ist kein Problem,“ erklärte sie mit ruhiger Stimme.<br>„Ich werde mich auf Rigel mit Arsani Parul treffen…“<br>Mehr brauchte Price nicht zu sagen. Die Chefärztin wusste, dass diese Sache eine Angelegenheit zwischen Vater und Sohn war. So gerne sie ihrem Liebsten in dieser Situation Beistand geleistet hätte, so sehr wusste sie auch, dass er diese schwierige Reise alleine antreten musste. Es ging nicht nur darum seiner Mutter, die er über alles geliebt hatte, die letzte Ehre zu erweisen. In gewisser Weise konnte das Ende seiner Mutter einen Neuanfang für die Beziehung zwischen Matt und Arsani Parul darstellen. Daher drückte Elisabeth ihn, küsste Price ein letztes Mal zärtlich und ließ ihn dann ziehen. <br>Der Halbbetazoid war dankbar dafür, eine so verständnisvolle Frau an seiner Seite zu haben. Auch wenn sie nun nicht mit ihm nach Rigel reiste, so würde sie immer bei ihm sein. Elisabeth hatte sogar freiwillig die Aufgabe übernommen Selina Kyle zu informieren und sich in der Zeit seiner Abwesenheit etwas um Yasmin zu kümmern. Es war also alles geregelt. Was nun noch fehlte, war sich von Captain Lewinski zu verabschieden. Matt betätigte den Türsummer zu dessen Bereitschaftsraum und unverzüglich wurde er hereingebeten. Der Captain brütete noch über einigen Berichten, die er zu verfassen hatte. Wie bei jedem anderen auch zeigten sich bei Lewinski deutlich die Spuren der Erschöpfung. <br>Auch sie beide waren heute einen langen Weg gegangen. Nie zuvor hatten sie so intensiv zusammengearbeitet und auch niemals zuvor war ihre Freundschaft so nahe der Katastrophe gewesen. Nur zu deutlich erinnerte sich Price daran, was am heuten Morgen geschehen war:<br><i>Alles deutete auf eine Eskalation der Situation hin. Fähnrich Kensington hatte den Finger schon über dem auslösenden Knopf und wollte diesen gerade betätigen, um so die gesamte todbringende Energie des Raumschiffs Monitor zu entfesseln. Doch sie kam nicht dazu. <br>Wie ein Blitz schreckte Matt Price von seinen Navigationskontrollen hoch, wirbelte herum und richtete einen Phaser auf den taktischen Offizier. Die Waffe hatte er eben aus der versteckten Halterung hervorgeholt, welche sich für gewöhnlich an genau jenem Platz unter der Konsole befand. Jedoch war dieses Versteck für ganz andere Situationen angelegt worden als die Waffe auf die eigenen Leute zu richten.<br>„Rühren Sie den Auslöser auf keinen Fall an,“ rief Matt Price und im Gegensatz zu sonst schien seine Stimme regelrecht zu zittern. Deutlich war ihm die Anspannung anzusehen, die diese Situation auslöste.<br>Sowohl Captain Lewinski als auch Captain Kyle, die immer noch die Geschehenisse auf der Brücke der Monitor via Bildschirm mitverfolgen konnte, stockte der Atem. <br>„Matt…,“ versuchte der Kommandant seinen ersten Offizier zu beruhigen, „du begehst gerade einen ganz großen Fehler.“<br>„Nein, du tust es!“ Trotz der Angst in seiner Stimme war deutlich erkennbar, dass es dem Halbbetazoiden ernst war. „Ich werde nicht zulassen, dass du auf ein anderes Sternenflottenschiff feuerst. Schon gar nicht das, wo meine kleine Tochter an Bord ist.“<br>Beschwichtigend hob John die Hände. Verdammt, die Zeit lief ihnen davon! Mit einer Meuterei seines ersten Offiziers hatte er beileibe nicht gerechnet. Natürlich waren seine Maßnahmen hart, vielleicht sogar extrem, doch John hatte auf die Loyalität aller seiner Besatzungsmitglieder gehofft. Eine Hoffnung, die wohl oder übel enttäuscht werden musste.<br>„Bitte, Matt, die Zeit läuft uns davon!“<br>„Denk doch mal nach, John! Es muss einen anderen Weg geben als diesen. Denk an Yasmin!“<br>Die Community kam immer näher und würde ihr Schiff in wenigen Sekunden abgefangen haben. Im Geiste suchte John Lewinski nach einer Lösung, die er jedoch nicht fand. <br>Fähnrich Kensington versuchte auf eigene Art und Weise die Situation zu lösen. Auch sie wollte nach dem Phaser greifen, welcher unter ihrer Konsole festgemacht war, überschätzte dabei jedoch ihre eigene Geschwindigkeit. Noch bevor sie ansatzweise in die Nähe der Strahlenwaffe gelangt war, schoss Price einen Phaserstrahl auf die junge Frau, die betäubt zusammenbrach. Wenn es überhaupt noch einen Zweifel an der Entschlossenheit des ersten Offiziers gab: dieser war nun ausgeräumt!<br>„Ich denke die ganze Zeit über nur an Yasmin,“ versuchte John seinen Freund und Vertrauten zu beruhigen. „Die ganze Zeit über denke ich an all die Kinder, die wir versuchen zu retten. Wir dürfen auf keinen Fall zulassen, dass diese Biowaffe auf der Erde eingesetzt wird. Deswegen tue ich dies doch alles nur… der Kinder zuliebe!“<br>Schmerz und Ratlosigkeit spiegelte sich in den Augen des Halbbetazoiden wieder, als er seine Handlungsalternativen durchging. Die Augen der gesamten Brückenbesatzung ruhten auf ihm und selbst seine Imzadi Selina Kyle konnte die gesamte Szennarie nur angespannt beobachten. <br>Dann jedoch wurden sie erlöst. Nicht von der Einsicht des Commanders, sondern durch ein piepsendes Geräusch, welches von der Konsole Lieutenant Ardevs erklang. Schnell checkte der Andorianer die Anzeigen, warf einen prüfenden Blick zu dem hinter ihm stehenden Martin Lewinski und verkündete dann aufgeregt:<br>„Wir haben den Aufenthaltsort der Biowaffe ausfindig machen können!“<br>Aufgeregt wirbelte der Kopf John Lewinskis herum und er fragte:<br>„Wie exakt sind die Daten?“<br>„Bis auf den Meter genau, Captain! Wir haben die Schweinehunde!“<br>Ohne seinen ersten Offizier weiter zu würdigen blickte der Kommandant der Monitor zum Wandschirm und hoffte in diesem Moment instinktiv auf die Einsicht der anderen Kommandantin. Hoffentlich erkannte sie in dieser Sache dieselbe Möglichkeit wie er.<br>„Captain Kyle,“ flehte John fast schon, „sie haben es eben gehört und ich weiß sie sind eine vernünftige Frau. Wir haben eben eine exakte Spur zu der biologischen Waffe gefunden. Schon in dieser Stunde könnten wir die Krise überwinden und die größte Bedrohung für die Erde seit dem Krieg beseitigen. Ich bitte sie, brechen sie ihren Abfangkurs ab und geben sie mir die Möglichkeit meine Arbeit zu beenden. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung, dies verspreche ich ihnen!“<br>„Aber die Befehle des Präsidenten sind eindeutig.“<br>Die Worte der Frau sprachen für sich. Unter normalen Umständen waren die Anweisungen des gewählten Staatsoberhauptes auch für Captain Lewinski Gesetz, doch in diesem Falle mussten sie ignoriert werden.<br>„Ich kann sie nur bitten mir in dieser Sache zu vertrauen… bitte geben sie mir die Zeit.“<br>Tausende von Gedanken gingen Selina Kyle durch den Kopf. Wie sollte sie nun reagieren? Vor wenigen Minuten wollte John Lewinski noch das Feuer auf ihr Schiff eröffnen, nun sollte sie ihn quasi laufen lassen und damit gegen die direkten Befehle des Präsidenten verstoßen.<br>Nun hieß es die richtige Entscheidung zu treffen. Sie wägte das Für und Wider ab, sich wohl bewusst, dass nur wenig Zeit blieb.<br>„Abfangkurs abbrechen und in stabilen Orbit zurückkehren,“ befahl sie schließlich ihrem Navigator und jedem an Bord der beiden Schiff fiel mindestens ein Stein vom Herzen.<br>„Danke,“ entgegnete John und meinte dies ehrlich.<br>„Schnappen Sie sich die Schweine,“ war die einzige Erwiderung der Frau, bevor sie mit einem letzten Blick zu Matt Price die Verbindung beendete.<br>Der erste Offizier ließ die Waffe geschafft sinken und war froh, dass diese Situation gemeistert worden war. Diese ganze Sache musste so schnell wie möglich hinter sich gebracht werden. Zu viel war in den vergangenen Stunden geschehen, war niemals hätte passieren dürfen.<br>„Es tut mir leid.“<br>Die Entschuldigung des Commanders war ernst gemeint, dies wusste John. Und dennoch durfte er einen solchen Verrat nicht ungestraft lassen. Zu viel stand derzeit auf dem Spiel. <br>Er musste sich der Loyalität aller gewiss sein, ansonsten würden sie die gegenwärtige Situation nicht schaffen.<br>„Rufen Sie Dr. Frasier, Sie soll sich umgehend um Fähnrich Kensington kümmern. Lieutenant Ardev!“<br>„Sir?“<br>„Bringen sie Mr. Price in die Arrestzelle.“<br>Für einen kurzen Moment zögerte der Andorianer, war sich nicht sicher, ob er das eben gesagte richtig verstanden hatte. Dann blickte er zu seiner Frau, welche ihm zunickte und erhob sich dann. Sanft griff er den Halbbetazoiden am Arm und brachte ihn von der Brücke. Price war nicht in der Lage seinem Captain in die Augen zu schauen.</i><br>Schlussendlich hatte Captain Lewinski ihn wieder freigelassen, denn man hatte nicht auf die Fähigkeiten des ersten Offiziers verzichten können. Doch hatte ihm sein Vorgesetzter auch seine Taten verziehen?<br>Andererseits gab es in den Augen Matts nichts zu verzeihen. Weiterhin blieb er davon überzeugt das richtige getan zu haben. Dass er sich dabei gegen einen Mann stellen musste, den er sehr bewunderte, tat ihm zwar weh, war jedoch notwendig gewesen. <br>Erwartungsvoll blickte ihn Captain Lewinski an.<br>„Ich wollte mich bei dir abmelden!“ erklärte Price und stemmte seine Hände in die Hüften, so als ob er nichts mit ihnen anzufangen wüsste. <br>„Alles erledigt?“ <br>Lewinskis Frage war eher rhetorischer Natur gewesen, denn er konnte sich auf seinen ersten Offizier verlassen.<br>„Ja, ich habe all meinen Papierkram erledigt; die Tasche ist gepackt und ich habe mich von Elisabeth verabschiedet.“<br>„Wie lange wirst du weg sein?“ fragte Lewinski mit fast schon flüsternder Stimme.<br>„Ich weiß es nicht,“ gestand der Halbbetazoid ehrlich. „Eine Woche, vielleicht zwei…“<br>„Nimm dir die Zeit, die du brauchst.”<br>Als ein Mensch, der schon beide Elternteile verloren hatte, wusste John wie schwierig diese Situation war. Er wollte seinen ersten Offizier zu nichts drängen. Was nun an erster Stelle stand, war nicht der Dienst, sondern die Bewältigung seiner Trauer über einen solch unfassbaren Verlust.<br>„Danke,“ entgegnete Price und machte Anstalten den Bereitschaftsraum zu verlassen. Bevor sich jedoch das Schott vor ihm öffnete, drehte sich der Commander ein letztes Mal herum. Er wollte nicht etwas sagen, etwas loswerden, was ihm sehr am Herzen lag.<br>„John, es…“<br>Doch der Captain winkte ab, brachte sogar ein schwaches Lächeln zustande.<br>„Ist schon gut.“<br>Mehr musste nicht gesagt werden. Nun fühlte sich Price deutlich besser. Er wusste, dass wenn er zurück an Bord kommen würde, die Differenzen zwischen ihm und John beigelegt wären. Diese einfachen drei Worte hatten genügt, um jedwede Befürchtungen in ihm zu zerstreuen. Einmal mehr wurde so die besondere Beziehung deutlich, die zwischen ihnen beiden bestand. Hatten sie sich ganz zu Beginn eher weniger leiden können, so waren sie in den letzten Jahren zu Kameraden und Freunden zusammengewachsen. Zu Offizieren, die voneinander lernten und sich aufeinander verlassen konnten. Daran konnte selbst ein Tag wie der heutige nichts ändern. <br>Ohne ein weiteres überflüssiges Wort zu verlieren verließ Matt das Büro des Captains und begab sich zum Transporterraum, um seine Reise anzutreten. Eine Reise, um seiner Mutter das letzte Geleit zu geben. <br><br><center><i>Where'd you go? <br>I miss you so, <br>Seems like it's been forever, <br>That you've been gone. <br><br>She said "Some days I feel like shit, <br>Some days I wanna quit, and just be normal for a bit," <br>I don't understand why you have to always be gone, <br>I get along but the trips always feel so long, <br>And, I find myself tryna stay by the phone, <br>'Cause your voice always helps me when I feel so alone, <br>But I feel like an idiot, workin' my day around the call, <br>But when I pick up I don't have much to say, <br>So, I want you to know it's a little fucked up, <br>That I'm stuck here waitin', at times debatin', <br>Tellin' you that I've had it with you and your career, <br>Me and the rest of the family here singing "Where'd you go?" <br><br>I miss you so, <br>Seems like it's been forever, <br>That you've been gone. <br>Where'd you go? <br>I miss you so, <br>Seems like it's been forever, <br>That you've been gone, <br>Please come back home... <br><br>You know the place where you used to live, <br>Used to barbeque up burgers and ribs, <br>Used to have a little party every Halloween with candy by the pile, <br>But now, you only stop by every once in a while, <br>Shit, I find myself just fillin' my time, <br>Anything to keep the thought of you from my mind, <br>I'm doin' fine, I plan to keep it that way, <br>You can call me if you find you have somethin' to say, <br>And I'll tell you, I want you to know it's a little fucked up, <br>That I'm stuck here waitin', at times debatin', <br>Tellin' you that I've had it with you and your career, <br>Me and the rest of the family here singing "Where'd you go?" <br><br><br>I miss you so, <br>Seems like it's been forever, <br>That you've been gone. <br>Where'd you go? <br>I miss you so, <br>Seems like it's been forever, <br>That you've been gone, <br>Please come back home... <br><br>I want you to know it's a little fucked up, <br>That I'm stuck here waitin', no longer debatin', <br>Tired of sittin' and hatin' and makin' these excuses, <br>For while you're not around, and feeling so useless, <br>It seems one thing has been true all along, <br>You don't really know what you got 'til it's gone, <br>I guess I've had it with you and your career, <br>When you come back I won't be here and you'll can sing it... <br><br>Where'd you go? <br>I miss you so, <br>Seems like it's been forever, <br>That you've been gone. <br>Where'd you go? <br>I miss you so, <br>Seems like it's been forever, <br>That you've been gone, <br>Please come back home... <br>Please come back home... <br>Please come back home... <br>Please come back home... <br>Please come back home... </i></center><br><br>Mit der Kollision hatte die Schatten nicht gerechnet. Ke’lers erstklassiges taktisches Manöver veränderte die Lage fundamental. Aus der Niederlage für die Romulaner wurde ein Unentschieden. Keiner der beiden Geheimdienste gewann vertrauliche Informationen hinzu, keiner der Geheimdienste zog einen Vorteil aus diesem Konflikt.<br>Die Trümmer schwebten im herrenlosen Raum, in irgendeiner uninteressanten Region, die nur hin und wieder beflogen oder durchkreuzt wurde. Wahrscheinlich würden die Trümmer irgendwann von Raumnomaden aufgesammelt. Irgendwelche intakten Systeme fand man immer.<br>Einige Millionen Kilometer entfernt von Trümmerfeld, von den stummen Zeugen eines Konflikts, der in keinen Berichten auftauchen würde, schwebte ein kleines Objekt. Es trieb nicht, es flog. Es hatte einen Kurs.<br>In dem kleinen Objekt, einer Rettungskapsel, saß Ke’ler. Sie hatte Kurs auf den Romulus gesetzt. Nur mit Manövriertriebwerken ausgestattet, dauerte die Reise beinahe Jahrtausende. Doch Hilfe war schon unterwegs.<br>Ein anderes romulanisches Schiff hatte ihr Notsignal bereits empfangen.<br>So wurde sie zum zweiten Mal an diesem Tag gerettet. Zum zweiten Mal an diesem Tag hatte sie ein Unglück angerichtet. Eines in der talarischen Eiswüste, eines in der Hitze einer Weltraumschlacht.<br>In ihrem Geiste formulierte sie bereits ihre Aussage vor dem Tribunal, welches sie erwartete. Sie musste es geschickt anstellen. Felsenfest war sie davon überzeugt die Natur ihrer Mission, an der sie heute morgen noch beteiligt war, zu kennen.<br>Jozarnay Woil hatte ihr die entscheidenden Hinweise gegeben. Doch seine Antworten brachten nur noch mehr Fragen auf. Diese galt es zu beantworten.<br>Ke’ler stellte sich die Mission vor, die sie zu vollenden gedachte. Eine Undercover Mission auf der Erde. Selbst Tal Shiar Agenten wurde diese Ehre nur äußerst selten zu teil. Doch sie musste die Rätsel, die ihr dieser Tag aufgab, lösen.<br>Sie wusste, dass das Reich nur so zu beschützen, nur so zu retten war.<br>Subcommander Ke’ler, eine der fähigsten Agentinnen des Tal Shiar, eine der großen Nachwuchshoffnung, hatte keine Ahnung wie falsch sie lag.<br>Denn der wahre Grund ihrer Mission befand sich in dieser Rettungskapsel.<br>Und er war schrecklicher als sie es sich je vorstellen konnte.<br><br>Woil hatte die letzten Minuten im Rausch verbracht. Ein Schuss Ketracel Blau in seinen Adern hatte ihn weiter gebracht. Es hatte ihn überlebensgroß gemacht. Er konnte sich nicht erinnern, wie er es geschafft hatte. Die Decks hinunter, an Dutzenden Romulanern und ebenso vielen „Sternenflottenoffizieren“ vorbei. Es geschah wie immer Zeitraffer.<br>Doch er machte sich keine Gedanken – denn keine Sekunde hatte er allein verbracht. Mit seinen Augenwinkeln konnte er sie immer noch erkennen. Die Personen, die sein Schicksal geformt hatten. Er sah Stella Tanner, die ihn am Leben gehalten hatte. Er sah Edward Jellico, der ihn für immer wegsperren wollte. Er sah John Lewinski. Den Captain, den Menschen, dem einzigen Menschen, dem er bisher so etwas ähnliches wie Respekt entgegengebracht hatte. John Lewinski hatte ihn nicht gerettet. Der Vorsatz keinen Offizier zurück zu lassen galt wohl nicht für Unteroffiziere wie ihn.<br>Seine Finger huschten über die Tasten des Shuttles.<br>Das Shuttle selbst besaß keine Tarnvorrichtung. Also erwartete er jede Sekunde einen Transporterstrahl oder das Einsetzen eines Beamvorgangs.<br>Doch anscheinend schienen die beiden Schiffe zu sehr mit sich beschäftigt zu sein.<br>Jozarnay Woil ahnte nicht, wie viel Glück er gehabt hatte. Er ahnte nicht, dass es Ke’ler noch auf die Brücke geschafft hatte. Er wusste nicht, dass sie es mit einer geschickten Explosion eines Torpedos geschafft hatte, die Sensoren der Schatten für einige Sekunden lang zu blenden.<br>Dies waren die Sekunden seiner Flucht.<br>Dies waren die Sekunden, während denen das romulanische Schiff, dessen Namen Woil nicht kannte, Kurs nahm auf das feindliche Schiff, das Woil nicht einmal angesehen hatte.<br>Gerade, als er den Warpantrieb des Shuttles aktivierte, kollidierten die beiden Schiffe.<br>Woil hingegen kannte nur ein Ziel: Föderationsgebiet. <br>Um genauer zu sein hatte er Kurs genommen auf Edward Jellico, der ihm soviel Leid zugefügt hatte, und auf John Lewinski, der es nicht verhindert hatte... der noble Captain hätte ihn retten müssen. Nicht irgendwelche wildfremden Romulaner!<br>Er nahm einen tiefen Atemzug und roch Stellas Parfum. Er spürte ihre Liebe und ihre Unterstützung.<br>Dann versprach er sich, nicht mehr anzuhalten. <br>Er versprach sich, nicht zurückzuschauen.<br>Er versprach sich, die beiden Männer leiden zu lassen.<br><br><center><i>First they ignore you<br>Then laugh at you and hate you<br>Then they fight you – then you win<br>When the truth dies, very bad things happen<br>They’re being heartless again<br><br>I know it’s coming<br>There’s going to be violence<br>I’ve taken as much, as I’m willing to take<br>Why do you think we should suffer in silence?<br>When a heart is broken, there’s nothing to break<br><br>You’ve been mixing<br>With some very heavy faces<br>The boys have done a bit of bird<br>They don’t kill their own, they all love their mothers<br>But you’re out of your depth son, have a word<br><br>I know it’s coming<br>There’s going to be violence<br>I’ve taken as much, as I’m willing to take<br>Why do you think, we should suffer in silence?<br>When a heart is broken, there’s nothing to break<br><br>All is wonderful in this life<br>Dreaming of the sun she warms<br>You should see me in the afterlife<br>Picking up the sons of dust<br><br>When you think we’re lost, we’re exploring<br>What you think is worthless I’m adoring<br>You don’t want the truth, truth is boring<br>I got this fever need to<br>Leave the house leave the car<br>Leave the bad men where they are<br>Leave a few shells in my gun<br>And stop me staring at the sun<br><br>I know it’s coming<br>There’s going to be violence<br>I’ve taken as much as I’m willing to take<br>Why do you think we should suffer in silence?<br>When a heart is broken, there’s nothing to break</i></center><br><br>Und Captain Lewinski? Dieser hatte alle Arbeiten, die er sich vorgenommen hatte zu erledigen, abgeschlossen. Sämtliche relevanten Abschlussberichte waren geschrieben worden und zusätzlich hatte er einen Beileidsbrief an die Familie von Miguel Sanchez verfasst. Zu einem späteren Zeitpunkt würde er den Eltern persönlich zu dem Verlust ihres Sohnes kondolieren, doch nicht jetzt. Aus eigener Erfahrung wusste John, dass sie beim Empfang der Todesnachricht nicht in der Lage sein würden all zu viele Informationen aufzunehmen. <br>Nun, wo er alles erledigt hatte, starrte John die gegenüberliegende Wand an und dachte nach. Es herrschte eine gespenstische Stille im Bereitschaftsraum und im kompletten Schiff. Nur das monotone Surren der Umweltanlagen war zu vernehmen. Nach der ganztätigen Hektik und Anspannung hatte sich die Monitor nun in so etwas wie einen Ort der Ruhe verwandelt. Lewinski versuchte noch etwas zu finden, was er tun konnte, doch ihm fiel nichts ein. Stattdessen musste sich der Captain eingestehen, dass er nur das Unvermeidliche hinauszögern wollte. Irgendwann musste er sich seinem Versprechen stellen und sich den örtlichen Behörden übergeben, damit man ihn wegen Befehlsverweigerung anklagen konnte.<br>Plötzlich piepte sein Komterminal. Jemand versuchte ihn zu erreichen, jedoch war kein Anrufer angegeben und es kam auch nur als Audiosignal herein. John fragte sich, wer dies wohl sein mochte, dann nahm er das Gespräch entgegen. Ob dies der Präsident oder gar Edward Jellico war, die ihn an sein Versprechen erinnerten?<br>„Hallo John!“<br>Doch zu seiner Überraschung vernahm er eine ganz andere Stimme: die seines Bruders Martin! Ein Lächeln zauberte sich auf Johns Gesicht. Scheinbar endete dieser Tag doch noch mit einer guten Nachricht für ihn.<br>„Martin! Bist du es tatsächlich?“ fragte John und konnte seine Freude nur schwerlich verbergen. Seitdem er seinen Bruder die Freiheit geschenkt hatte, begleitete den Captain die Frage, ob Martin die Seuche in Emden überlebt hatte.<br>„Ja, ich bin es,“ erklärte die Stimme. „Verzeih die Audioübertragung, aber du dürftest selbst am besten wissen, wie vorsichtig man sein muss.“<br>John wusste dies nur zu gut. Nachdem er nun seit einigen Stunden ein freier Mann war, wollte Martin sicherlich nicht sofort wieder von der Sternenflottensicherheit geschnappt werden. <br>„Natürlich tue ich dies. Ich bin so froh von dir zu hören. Ist alles in Ordnung bei dir?”<br>Das Schicksal hatte ihm wahrlich einen seltsamen Tag beschert. Erst hatte John seinen Bruder aus dem Gefängnis befreit, nur um ihn dann wieder laufen zu lassen. Dann hatte er zwar Martin wieder getroffen, doch in seiner Spiegelinkarnation, die sich so sehr vom Waffenhändler Martin Lewinski unterschieden hatte. Nun jedoch hörte er wieder die Stimme seines leibhaftigen Bruders. Martin und er waren nach dem Tod ihrer Eltern die letzten beiden Lewinskis und würden es aller Wahrscheinlichkeit nach auch bleiben. Dies schien ihr Schicksal zu sein.<br>„Ja, bei mir ist alles in Ordnung,“ entgegnete Martin und schien für einen kurzen Moment nicht zu wissen, was er sagen sollte. Solche Gefühle zu artikulieren schien ihm noch fremder als John zu sein. „Ich wollte mich einfach nur noch einmal melden. Sagen, dass es mir gut geht; du dir keine Sorgen machen brauchst.“<br>„Das ist schön zu hören.“<br>Trotz der schweren Entscheidungen am heutigen Tage war John glücklich. Er mochte zwar zahllose Menschenleben heute gerettet haben, doch am meisten interessierte ihn das seines Bruders.<br>„Danke dir.“<br>Danach wurde die Verbindung beendet. Mehr musste nicht gesagt werden. John nahm den Dank wohlwollend entgegen und hoffte, dass nun möglicherweise sein Bruder einen vernünftigeren Weg einschlug. Er hatte so viele Talente, die er durchaus im legalen Bereich verwenden konnte. Einmal mehr betrauerte Captain Lewinski die Zeit, die er nicht mit seinem Bruder hatte verbringen können. Nun würde es einmal mehr wieder zu spät sein. <br>Langsam erhob sich John von seinem Stuhl. Ob es das letzte Mal war, dass er seinen Bereitschaftsraum, sogar sein Schiff sah? Kurz überlegte der Captain, ob er sich bei jemandem verabschieden sollte, bevor er sich den Behörden überstellte. Doch bei wem hätte er dies tun sollen?<br>Matt Price war auf dem Weg nach Rigel. Danny Bird bei seiner Freundin Janine auf der Erde. Arena Tellom und Ardev befanden sich im Sternenflottenkrankenhaus. Nur Dr. Frasier war noch hier und die hielt im Moment Absprechen mit den Seuchenbeauftragten der Erde in Bezug auf das Biovirus. <br>Er war quasi allein, denn auch Martin war verschwunden und an einem ihm unbekannten Ort. <br>Captain Lewinski schüttelte den Kopf. Nein, er wollte einen stillen Abschied. Am Ende würde ihn seine Crew noch als Held oder dergleichen feiern und dies wollte er auf keinen Fall. Er hatte getan, was seiner Ansicht nach getan werden musste. Mehr nicht. Wem Dank gebührte war seine Crew, die ihn so tapfer unterstützt hatte.<br>Mit einer ruhigen Bewegung strich Captain John Lewinski seine Uniform glatt. Dann verließ er mit einem mulmigen Gefühl seinen Bereitschaftsraum. Und die USS Monitor. <br><br><center><i>Show me the meaning of being lonely <br>So many words for the broken heart <br>It's hard to see in a crimson love <br>So hard to breathe <br>Walk with me, and maybe <br>Nights of light so soon become <br>Wild and free I could feel the sun <br>Your every wish will be done <br><br>They tell me... <br><br>Show me the meaning of being lonely <br>Is this the feeling I need to walk with <br>Tell me why I can't be there where you are <br>There's something missing in my heart <br><br>Life goes on as it never ends <br>Eyes of stone observe the trends <br>They never say forever gaze <br>Guilty roads to an endless love <br>There's no control <br>Are you with me now <br>Your every wish will be done <br>They tell me <br><br>Show me the meaning of being lonely <br>Is this the feeling I need to walk with <br>Tell me why I can't be there where you are <br>There's something missing in my heart <br><br>There's nowhere to run <br>I have no place to go <br>Surrender my heart' body and soul <br>How can it be you're asking me to feel the things you never <br>show <br><br>You are missing in my heart <br>Tell me why I can't be there where you are <br><br>Show me the meaning of being lonely <br>Is this the feeling I need to walk with <br>Tell me why I can't be there where you are <br>There's something missing in my heart</i></center><br><br>Unzählige Male war Edward Jellico an diesem Tag de Korridor zum Büro des Präsidenten entlanggelaufen. Dies würde aber nun definitiv das letzte Mal sein. Es war kurz vor zwölf, dieser schreckliche Tag neigte sich dem Ende zu. Auch die schrecklichsten Tage enden einmal.<br>Und dieser Tag stand in seiner persönlichen Top Ten ziemlich weit oben. Soeben hatte er auch noch eine Nachricht von Roger bekommen. Der Kontakt zur Schatten war abgebrochen. Nicht unbedingt ein gutes Zeichen. Wahrscheinlich mussten sie jetzt auch noch ein weiteres Schiff dorthin schicken um die Gründe dafür in Erfahrung zu bringen. Die Geheimhaltung dieses Vorfalls wurde schwieriger und schwieriger. Und falls die Schatten tatsächlich zerstört worden war musste jemand die Fragen der Angehörigen beantworten.<br>So wie es aussah erwartete den Justizminister auch morgen eine Menge Arbeit. Er musste die unzähligen Fäden, die sich an diesem Tag ineinander verstrickt hatten wieder entwirren. Er hoffte nur, keinen gordischer Knoten aufzufinden.<br>Der Korridor endete, auch mit geschlossen Augen hätte er den Weg zum Büro des Präsidenten gefunden. Vorbei an den Wachen des Secret Service, am inzwischen verwaisten Vorzimmer. Die große Holztür stand offen. Trotzdem blieb Edward Jellico stehen und richtete ein letztes Mal den Kragen seines Anzuges, bevor er das Büro des Präsidenten betrat. Das Staatsoberhaupt hatte ihn völlig überraschend zu sich bestellt, ohne dass der Justizminister der Grund dafür kannte. <br>Der Präsident saß wie erwartet an seinem Schreibtisch, die Hände gefaltet vor sich abgelegt und starrte den Besucher an. Er erweckte den Eindruck, als hätte er sich lange auf diesen Moment vorbereitet.<br>Jellico schloss die Tür, trat auf den Präsidenten zu und blieb vor dem Schreibtisch stehen, ohne sich hinzusetzen. „Sie wollten mich sprechen, Sir?“, fragte er.<br>„Ich erwarte Ihren Rücktritt noch vor Ende der Woche“<br>Die Worte waren geradeheraus und ehrlich gemeint, dies war dem ehemaligen Admiral völlig klar. Dabei hatte der Präsident keine Miene verzogen. War dies also der Lohn dafür, dass Jellico den Mann an der Macht gelassen hatte?<br>Doch diesen Gedanken sprach der Justizminister selbstverständlich nicht aus.<br>„Sind Sie sich sicher?“ fragte er stattdessen.<br>„Sie haben in dieser Administration nichts mehr verloren,“ erläuterte der Präsident seine Entscheidung, ohne dabei irgendeine Gefühlsregung zu zeigen. „Wenn Sie glauben, dass ich erpressbar sei, nur weil Sie der Ansicht sind mir vor wenigen Stunden geholfen zu haben, so irren Sie sich. Ich gebe Ihnen noch eine Woche ihre Dinge zu ordnen und die Übergabe Ihrer Amtsgeschäfte vorzubereiten. Für den Grund ihres Rücktritts können Sie sich eine adäquate Ausrede überlegen, die wir der Presse präsentieren können.“<br>Jellico verzichtete auf eine Antwort, starrte seinen Gegenüber einfach nur an. Sollte nun seine politische Karriere enden? Ohne sein Zutun wäre dieser Mann gar nicht mehr Präsident der Föderation und so wurde es ihm gedankt? <br>Verdammt, was erlaubte sich dieser Mann überhaupt? Je länger Jellico darüber nachdachte, desto mehr war er von seiner Sicht der Dinge überzeugt. Vor nicht einmal fünf Stunden hatte der Präsident mit dem Rücken zur Wand gestanden, seine Präsidentschaft war aufgrund seiner katastrophalen Fehlentscheidungen zu gut wie beendet gewesen. Wenn man es recht bedachte, dann wäre ohne Jellicos Hilfe diese Präsidentschaft schon viel früher beendet gewesen. Immerhin war es Edward Jellico gewesen, der heute einen Großteil der Ideen gehabt hatte. Der den Präsidenten mit seiner Erfahrung unter die Arme gegriffen hatte. Ohne den Justizminister wäre dieser heutige Tag in einer Katastrophe geendet. <br>Überraschenderweise wurde die Tür zu dem Büro geöffnet und Commander Elena Kranick trat herein. Sie sah seltsam aus, ihr Gesicht zeigte einen seltsamen Ausdruck. Erst nach einigen Sekunden bemerkte Jellico, dass die Frau kreidebleich war. Auch der Präsident schaute sorgenvoll zu dem Verbindungsoffizier der Sternenflotte und fragte:<br>„Commander, ist alles in Ordnung mit Ihnen?“<br>Eine Antwort sollte der Staatschef nie erhalten. Ohne eine weitere Sekunde zu zögern holte die Frau einen Phaser hervor, welchen sie an den Agenten des Secret Service vorbeigeschmuggelt hatte, und schoss auf den Präsidenten. Entsetzt musste Jellico mit ansehen, wie der Getroffene von der Wucht des Phaserimpulses zu Boden gerissen wurde. Im nächsten Augenblick fasste er sich wieder und wollte sich auf die Angreiferin stürzen, doch auch dieses Mal war Commander Elena Kranick schneller. Nachdem sie ihr Werk vollendet hatte, hielt sie die Waffe in einer fließenden Bewegung an ihre Schläfe und drückte ab. Die ganze Aktion, die aus heiterem Himmel gekommen war, hatte nicht länger als zwei Sekunden gedauert. Die hereinstürmenden Leibwächter des Präsidenten kamen zu spät. Sofort fiel Jellico auf alle viere und krabbelte zu dem am Boden liegenden Präsidenten. Doch seine vor Schreck aufgerissenen Augen ließen schreckliches erahnen. Ein kurzes Tasten nach dem Puls brachte die schreckliche Gewissheit.<br>Der Präsident der Föderation war tot.<br>Jellico wusste nicht, was er sagen sollte. Ihm war noch nicht einmal klar, wie er empfinden sollte. Es gab jedoch nur eine Gewissheit:<br>am Ende hatte die Föderale Befreiungsarmee doch noch gewonnen. <br><br><center><u><b>ENDE SEASON 7</b></u><br><br>...ES ENDET<br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for TREKNews NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producers NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>TM &amp; Copyright © 2005 by TREKNews Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center><br><br><br><br><br>]]></description><guid isPermaLink="false">6582</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 7x11: Kampf</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-7x11-kampf-r6558/</link><description><![CDATA[<center><b>Diese Episode als PDF-Datei downloaden:</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_63735.html"><img border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/monitor_7x11_cover.jpg"></a><br><b>Monitor 7x11 "Kampf"</b></center><br><br><center><u>Das letzte Mal in 7x10 „Zusammenkunft“:</u></center><br><i>Irgendwann hatte sich die Intendantin dazu aufgerafft etwas zu unternehmen. Sie fühlte sich durch den Auftritt des neuen Regenten in ihrem Stolz gekränkt. Was glaubte dieser Martok eigentlich, wer er war und mit wem er sprach? Immerhin hatte sie schon viele Jahre der Allianz treue Dienste geleistet und Bajor von einer kleinen Welt zu einem wichtigen Faktor innerhalb des Bündnisses gemacht. Nun stampfte dieser grobschlächtige Klingone in ihr Zimmer, störte ihre Ruhe und wollte Forderungen stellen? <br>Nein, dies ließ Kira Nerys nicht mit sich machen. Diese gesamte Operation war doch ihre Idee gewesen. Während alle nur untätig herumgesessen hatten, hatte sie sich der Gefahr durch die Menschen im Spiegeluniversum angenommen. Es war sie gewesen, die in lange Verhandlungen mit James Talley getreten war. Die ihm Material und Mittel zur Verfügung gestellt und die diese Operationsbasis aufgebaut hatte. Niemand hatte an den Erfolg dieser Operation geglaubt, bis auf sie. Natürlich hatten sie ihr Ziel nur teilweise erreicht, doch jeder tote Terraner war doch die Sache wert gewesen, zumindest sah sie dies so! Sie ließ sich nicht die Butter vom Brot nehmen, wie das die verdammten Menschen auszudrücken pflegten. Daher begann Kira sich schnell anzukleiden, suchte ihre wichtigsten Sachen zusammen und machte sich auf den Weg in die Arrestzellen. <br>Dort angekommen fand sie immer noch ihre beiden Gefangenen vor. Krachend öffnete sie die Zellentür und vernahm sofort den strengen Geruch der Leiche von James Talley. Verdammt, sie hatte tatsächlich vergessen diese wegzuräumen. Überrascht von ihrer Besucherin sprangen sowohl Janine als auch Danny Bird auf, die bis eben noch in der Ecke geschmust hatten. Diese Geste verursachte ein Lächeln bei der Intendantin. Beziehungen waren so leicht zu durchschauen. Nur zu gerne hätte sie noch etwas die Dynamik dieser Liebschaft beobachtet, doch alles musste einmal ein Ende haben. Immerhin musste Kira irgendwie den neuen Regenten ärgern und ihr fiel keine bessere Methode als diese ein. Außerdem wurde sie langsam der Gefangenen überdrüssig, was wohl mal wieder am Besten mit ihrer geringen Aufmerksamkeitsspanne zu erklären war.<br>„Was wollen sie?“ fauchte Danny sie an, obwohl er sich nur mit Mühe auf den Beinen halten konnte.<br>„Ich beende diese Farce“, erklärte die Bajoranerin und bedeutete den beiden Wachen in die Zelle einzutreten. „Alles hat einmal ein Ende. Das ihrige ist nun gekommen.“<br>Martok würde rasen vor Zorn, wenn sie ohne sein Wissen und vor allem ohne sein Einverständnis die beiden Menschen exekutiert hätte. Genau dies war Kiras Absicht. Bird und Talley waren schon längst unwichtig in diesem Machtkampf zwischen der Intendantin und dem Regenten geworden.  <br>Wie aufs Stichwort hoben die beiden Wachen ihre Gewehre und legten sie auf die beiden Gefangenen an. Ein mulmiges Gefühl überkam Danny Bird nun. Obwohl er sich die letzten Stunden mit der durchaus realistischen Chance seines Todes auseinandergesetzt hatte, wirkte es immer noch unwirklich auf ihn. Doch scheinbar war nun der Zeitpunkt gekommen, wo sein Leben endete. Gespannt wartete der Lieutenant darauf, dass sein Leben an ihm vorbeizog, wie man das aus zahlreichen Filmen und Büchern kannte, doch irgendwie geschah dies nicht. Er sah einfach nur das Gewehr vor sich, welches auf ihn gerichtet war. Danny spürte, wie Janine langsam seine Hand griff. Also würde auch diese Liebesgeschichte für ihn unglücklich enden; mit dem einzigen Unterschied, dass mit ihr auch alles andere endete. Zu schade, dass er niemals seinen Sohn aufwachsen sehen konnte. So würde also die gesamte Familie Bird ausgelöscht sein. Seine Eltern starben bei einem Angriff der Borg und er kam nun in einem ganz anderen Universum ums Leben. Scheinbar war keinem Bird ein natürlicher Tod vergönnt. <br>Obwohl er seinen bevorstehenden Tod noch nicht so recht verarbeiten konnte, hatte Danny keine Angst. Die Sekunden schienen sich zu Minuten zu dehnen, als er völlig ruhig und entspannt einen letzten Blick auf Janine warf. Die Frau, die er liebte und die dennoch nicht gut für ihn war. Auch dies war scheinbar sein Schicksal, sich nämlich immer wieder in die falschen Frauen zu verlieben.<br>Genauso sehr schien der Verrat Danny Schicksal zu sein. Es grenzte eigentlich an Zynismus, dass man ausgerechnet ihn für diese Mission ausgewählt hatte. <br>Er, der Verräter an der Föderation! Der Mann, der die Planetenallianz während des Krieges an das Dominion verraten hatte und deswegen eine Persönlichkeitsveränderung unterzogen worden war. Damals hatte er also die Föderation verraten, nun hatte er sich gegen die Föderale Befreiungsarmee und die Talleys gestellt. Nun also würde er sterben. Auch wenn Danny nicht an Religion oder ein übernatürliches Wesen glaubte, so fragte er sich doch, ob er nun nicht die gerechte Strafe für seine Taten erhielt. Zwar verspätet, aber immerhin. Schon einmal hatte er im letzten Jahr daran gedacht sich für seine Taten selbst zu richten, es dann jedoch unterlassen. Scheinbar hatte er nur ein Leben auf Raten genossen. Hatte ihn deswegen vielleicht die Sternenflotte für entbehrlich gehalten? Würde man seinen Tod, sollte man ihn überhaupt je erfahren, zu würdigen wissen? <br>Genervt rollte die Intendantin die Augen.<br>„Ich verliere langsam die Lust“, erklärte Kira Nerys genervt und war ihren Kopf theatralisch in den Nacken. „Tötet beide.“<br>Die Finger der beiden Wachmänner bewegten sich in Richtung Abzug, dies konnte Danny ganz deutlich sehen. Es war fast wie eine Zeitlupensequenz, als er sich seines Endes bewusst wurde.<br>Das war es also wohl.<br>Doch scheinbar hatte irgendjemand andere Pläne mit den beiden. Entsetzt musste die Intendantin mit ansehen, wie sich die beiden Gefangenen in einer schimmernden Transportersäule auflösten. Sie wurden vor ihren Augen weggebeamt.<br>„NEIN!“ kreischte die Frau, die Tausende von Leben auf dem Gewissen hatte.<br>Im nächsten Moment begann das Bombardement der Klingonen…</i><br><br><center><u>Und nun die Fortsetzung…</u></center><br>Nichts war beständiger als der Wechsel. Wie zutreffend dieses Sprichwort war, hatte Lieutenant Danny Bird am heutigen Tage schon häufig erleben müssen und auch dieses Mal änderte sich die Situation grundlegend. Eben noch hatte er mit seinem Leben abgeschlossen, als er in die Mündungen von bajoranischen Gewehren geblickt hatte. Nun materialisierte er jedoch gemeinsam mit Janine an einem gänzlich anderen Ort. Desorientiert von dem unerwartete Transfer und immer noch von Schmerzen überwältigt, sank Danny keuchend zu Boden. Angesichts der Beleuchtung, den Gerüchen und den Lauten, die er um sich herum vernahm, erkannte der taktische Offizier der Monitor, dass er sich an Bord eines klingonischen Schiffes befand. Benommen blickte sich Danny um und stellte zu seiner Erleichterung fest, dass auch Janine an Bord gebeamt worden war. Also war auch sie der Exekution durch die Intendantin entkommen. Die Frage war jedoch, wie lange sie nun dem Ende ihres Lebens entronnen waren. Als nächstes erhaschte der immer noch am Boden liegende einen Blick auf den Wandschirm des klingonischen Schiffes (demzufolge musste er sich also auf der Brücke befinden). Zu sehen war der Mond und, wie mehrere rote Objekte, augenscheinlich Torpedos, auf die Oberfläche des Erdtrabanten zurasten. Explosionen ereigneten sich auf dem Mond, scheinbar wurde er von der im Orbit befindlichen klingonischen Schiffe beschossen. Das Ziel der Angriffe war für Bird sofort ersichtlich: offenkundig wurde der Bunker, in dem sich die Intendantin aufhielt, bombardiert.<br>Zwei ruppige Hände ergriffen Bird an den Schultern und hievten ihn auf seine Beine, so dass er dem Klingonen, der mit ihm sprach, in die Augen blicken konnte. Wie erwartet handelte es sich bei seinem Retter um den Regenten. Nur zweifelte der Lieutenant an den lauteren Absichten von Martok. <br>„Wollen Sie mir nicht danken, ehrloser Hund?“ fragte ihn Martok und verzog sein Gesicht zu einem widerlichen Grinsen. „Immerhin habe ich Sie vor der Hinrichtung durch die Intendantin gerettet.“<br>„Wieso habe ich nur das Gefühl, dass Sie dies nur getan haben, um diese Freude selbst übernehmen zu können?“<br>Mit dieser Aussage bewegte sich Bird auf dünnem Eis, doch er hatte nichts mehr zu verlieren. Für ihn waren sein Tod sowie der von Janine unausweichlich. Selbst seinem noch ungeborenen Baby rechnete er nicht gerade große Überlebenschancen zu. Jetzt ging es nur noch darum diese Welt anständig und aufrecht zu verlassen. <br>„Sie sind wirklich klug, Lieutenant!“ bestätigte Martok seine Befürchtungen. „Natürlich wollte ich mir nicht den Spaß nehmen lassen sie zu exekutieren. Doch alles zu seiner Zeit. Erst einmal werden wir zur Heimatwelt fliegen. Mal sehen, welche Informationen wir noch von ihnen erhalten können.“<br>Danny erstarrte, nachdem er diese Worte vernommen hatte. Diese Aussicht war noch schlimmer als der Tod. Nach Qo´nos gebracht zu werden, wo man ihn erbarmungslos foltern würde, war keine angenehme Vorstellung. Viel schlimmer war noch, dass man  Informationen über die Föderation aus ihm herausholen wollte. Egal, wie sehr man sich verweigerte, irgendwann brach jeder Mensch bei Folter, dies wusste der Lieutenant. Schon während der Gefangenschaft auf dem Mond hatte er fast seine Grenze gesehen und die Klingonen würden sicherlich noch darüber hinausgehen. Angesichts dieser Drohung war ein Freitod die fast schon bessere Alternative.<br>Mit einer einfachen Handbewegung bedeutete der Regent seinen Brückenoffizieren die beiden Gefangenen in die Zellen zu bringen. Gegenwärtig wollte er sich noch an der Vernichtung des Bunkers und dem damit verbundenen Tod der Intendantin ergötzen. Immerhin sollte man eine Freude nach der anderen genießen.  <br><br>All die Planung war umsonst gewesen. Gemeinsam mit dem Bruce Land von der Spiegel-Defiant hatte er innerhalb kürzester eine ausgeklügelte Aktion ausgetüftelt, die nun völlig umsonst war. Gerade als die beiden Schiffe ihre Tarnung aktiviert und Kurs auf den Mond genommen hatten, begannen die Klingonen mit der Bombardierung der Oberfläche. Mit dieser Wendung der Ereignisse hatte niemand gerechnet. Ungläubig, ja geradezu entgeistert blickte die Brückencrew auf den Wandschirm der Monitor. Explosionen, ausgelöst durch den Beschuss mit Photonentorpedos, züngelten über die Oberfläche. Alles, was vormals dort gewesen war, wurde dem Erdboden gleich gemacht.  Die Vorstellung, dass sie zu spät kamen und Danny Bird nun in einem Hagel aus Torpedos ums Leben gekommen war, trieb Captain Lewinski fast in den Wahnsinn. Nur mit größter Mühe konnte er sich zwingen den Blick vom Wandschirm zu nehmen und fragte Lieutenant Tellom:<br>„Arena, können sie mit den Sensoren irgendein Anzeichen von Danny finden?“<br>Auch die Terellianerin brauchte einen Moment, um ihren Blick zu lösen und wandte sich dann den Kontrollen ihrer Wissenschaftsstation zu. Ihre Finger flogen über die Tasten, sie scannte das gesamte Gebiet und analysierte die gewonnen Daten. Doch es dauerte zu lange.<br>„Verdammt, Lieutenant, was ist nun?“<br>Nicht nur die übrigen Brückenmitglieder, auch Lewinski selbst zuckte unter der Lautstärke der Worte zusammen. An ihnen allen nagten die Müdigkeit, der Stress und die Sorge um einen geschätzten Freund. John rügte sich selbst für seine überzogene Reaktion, entschuldigte sich jedoch noch nicht. Dies konnte bis nach der Krise warten.<br>Schließlich schüttelte die Ehefrau von Ardev den Kopf.<br>„Aufgrund des Bombardements gibt es zahlreiche Interferenzen, doch ich kann keine menschlichen Lebenszeichen entdecken.“<br>Lewinski war so überrascht von dieser Nachricht, dass er einen Schritt auf ihre Station zutrat.<br>„Sind sie da sicher?“<br>„Absolut, Sir. Auf dem Mond befinden sich nur bajoranische Lebenszeichen. Nicht einmal menschliche Sklaven sind da unten.“<br>„Wo sind sie dann?“ fragte der Captain und es schien, als hätte er mit sich selbst, denn mit Lieutenant Tellom gesprochen.<br>„Ich denke, ich weiß es!“ platzte Lieutenant Alex Bolder, der den abwesenden Ardev an der Einsatzstation vertrat, dazwischen. „Parallel zu Lieutenant Tellom habe ich das klingonische Flaggschiff gescannt…ich orte dort zwei menschliche Lebenszeichen!“<br>„Nur zwei?“ Für einen kurzen Moment keimte neue Hoffnung in John auf, doch die Zahl der georteten Lebenszeichen gefiel ihm ganz und gar nicht. „Können Sie sie identifizieren?“<br>„Nicht auf diese Entfernung und schon gar nicht bei aktivierter Tarnvorrichtung. Alles was ich sagen kann ist, dass es sich um einen Mann sowie eine Frau handelt!“<br>Commander Price drehte sich von seiner Navigationskonsole weg und blickte seinen Kommandanten an. Sein Blick sprach Bände und Captain Lewinski empfand genauso. Woher sollten sie wissen, ob es sich bei diesem männlichen Lebenszeichen um Danny handelte? Vielleicht war es ja auch James Talley, der gemeinsam mit seiner Tochter entkommen konnte und vorher Lieutenant Bird getötet hatte. Leider schien es keine Möglichkeit zu geben eine definitive Auskunft zu erlangen. Intensiv blickten sich Matt und John an. Es bedurfte keiner Worte zwischen den beiden, nach all den Jahren verstanden sie sich blind. Die Meinungsverschiedenheiten, die es heute Morgen noch zwischen ihnen gegeben hatte, sogar die versuchte Meuterei des Halbbetazoiden, all das war nun vergessen. Sie funktionierten wieder als Team, in dem sich jeder auf den anderen verlassen konnte. Ohne auf einen weiteren Befehl zu warten, wandte sich Price wieder seinen Flugkontrollen zu und programmierte einen Abfangkurs auf das klingonische Schiff. Captain Lewinski wies Bolder an, einen Kommunikationskanal zur Defiant zu öffnen. Schon im nächsten Moment erschien das Gesicht seines scheinbaren alten Freundes Bruce Land auf dem Schirm. Abermals musste sich der Kanadier daraufhin in Gedächtnis rufen, dass es sich bei diesem Land um eine gänzlich andere Person handelte. <br>„Ich gehe davon aus“, sagte sogleich Land, dem natürlich dieselben Daten wie der Monitor zur Verfügung standen, „dass sich unsere Pläne geändert haben.“<br>„Nur unwesentlich“, entgegnete Captain Lewinski und fiel unbeabsichtigt wieder in das vertraute Du zurück. „Wir haben uns darauf eingestellt die Aktion auf dem Planeten durchzuführen. Nun muss sie eben an Bord des klingonischen Schiffes stattfinden. Bist Du noch dabei?“<br>Überrascht runzelte Bruce Land die Stirn und blickte sich kurz zu einigen Menschen um, die außerhalb des Erfassungsbereichs der Kamera waren.<br>„Das ist eine ganze klingonische Armada!“<br>„Wenn ich richtig informiert bin, habt Ihr euch schon schlimmerem gegenüber gestellt“, versuchte ihn Lewinski zu überzeugen. „Mit beiden Schiffen haben wir eine Chance. Wir fliegen koordinierte Angriffe auf das klingonische Flaggschiff und nutzen dabei unsere Tarnvorrichtung aus. Alles was wir tun müssen, ist eine kleine Lücke in die Schilde zu schießen, damit wir unsere Trupps reinbeamen können. Ich gehe nicht davon aus, dass die Klingonen noch lange in diesem System bleiben werden, also schlage ich vor, dass du eine Entscheidung triffst!“<br>Abermals zögerte Land und blickte nun zu seinem Navigator, der pikanterweise Martin Lewinski war. Dieser nickte ihm zu. Eine solche Chance, den Regenten noch einmal gefangen zu nehmen, bekamen sie nie wieder. Es galt diese nun beim Schopfe zu ergreifen.<br>„Also gut“, erklärte sich Bruce Land schließlich einverstanden. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“<br>Das alte menschliche Sprichwort zauberte ein Lächeln auf das Gesicht von Captain Lewinski. Sie hatten eine realistische Chance, dies wusste er. Optimistisch ließ er die Monitor auf Abfangkurs gehen. Die entscheidende Schlacht stand ihnen nun bevor.<br><br>Gesättigt und äußerst zufrieden legte der Präsident der Vereinigten Föderation der Planeten die Serviette beiseite, mit der er sich eben noch den Mund abgeputzt hatte. Das Abendessen, welches er mit seinen am heutigen Tage wichtigsten Beratern eingenommen hatte, war exzellent gewesen. Auch Edward Jellico und Commander Elana Kranick war deutlich die Begeisterung über das Essen anzusehen. In gewisser Weise war es wie eine Belohnung für den furchtbaren heutigen Tag gewesen. Noch konnten sie sich nicht ausruhen, denn es gab noch jede Menge abschließender Maßnahmen zu erledigen. Doch ein Ende war endlich in Sicht und diese Aussicht machte Hoffnung.<br>„Ich hoffe, es hat Ihnen gut geschmeckt“, hoffte der Präsident und trank sein Glas leer.<br>„Es war wundervoll. Wenn ich schon früher gewusst hätte, wie gut Sie jeden Tag speisen, dann hätte ich mich schon viel früher zum Verbindungsoffizier machen lassen, “ scherzte Commander Kranick. <br>Auch der Justizminister stimmte ihr zu, verzichtete jedoch auf einen Kommentar. Seinem Gesichtsausdruck war auch so deutlich zu entnehmen, dass er ähnlich begeistert war.<br>Unerwartet trat ein junger Agent des Secret Service in den Speisesaal ein und beugte sich zum Präsidenten herunter.<br>„Verzeihen Sie die Störung, Sir, “ erklärte der junge Agent, „aber der Innenminister würde gerne mit Ihnen sprechen!“<br>„Der Innenminister?“<br>Irritiert blickte Jellico von seinem Platz auf. Der ehemalige Admiral hatte sich schon gefragt, wann diese Sache ins Rollen kam. Dass die übrigen Kabinettsmitglieder jedoch so schnell zur Tat schritten, überraschte selbst ihn. <br>Der Präsident entschuldigte sich bei seinen beiden Tischgenossen und erhob sich, um in sein Büro zu gehen. Dort angekommen wartete der Innenminister, dessen Gesicht auf dem Kombildschirm zu sehen war, schon auf den Präsidenten. Dabei musste das Staatsoberhaupt überrascht zur Kenntnis nehmen, dass nicht nur der Innenminister auf der anderen Seite der Leitung wartete, sondern auch der gesamte Rest des Kabinetts. <br>„Es tut mir leid, dass ich Sie auf diese Art und Weise belästigen muss, Sir“, entschuldigte sich der Innenminister. „Aber ich und die anderen Mitglieder ihres Kabinetts sahen leider keine andere Möglichkeit mehr.“<br>Bevor er zu einer Antwort ansetzte, versuchte der Präsident in die Minen derjenigen Personen zu schauen, die er aus seinem Blickwinkel ausmachen konnte. Ausnahmslos alle, selbst der Gespräch führende Innenminister, wirkten fast schon beschämt aufgrund dieser Situation. Doch ebenso sehr war eine gewisse Standhaftigkeit zu erkennen. Was immer sein Kabinett von ihm auch wollte, offenbar war es ihnen überaus Ernst.<br>„Ist schon gut“, erwiderte der Präsident und hob beschwichtigend seine Hände. „Jedoch bin ich offen gesagt etwas irritiert über ihre Versammlung, von der ich gar nichts weiß. Immerhin hätte eine solche auch im Parlamentsgebäude oder hier stattfinden können.“<br>Fast schon beschämt blickte der Innenminister angesichts dieser Worte zu Boden.<br>„Der Grund dafür ist der, dass Sie das Diskussionsthema sind, Mr. President.“<br>Verdutzt runzelte der Angesprochene die Stirn.<br>„Wie meinen sie dies?“<br>„Hat Ihnen den Justizminister Jellico nichts gesagt?“<br>„Was hätte er denn sagen sollen?“<br>Verstehend nickte der Innenminister und blickte kurz zu seinen Kollegen. Edward Jellico hatte also nicht das Ultimatum an den Präsidenten ausgerichtet, sondern sich stattdessen in Schweigen gehüllt. War der ehemalige Admiral der Sternenflotte etwa weitaus weniger loyal gegenüber dem Präsidenten, als er vorgab zu sein?<br>„Mr. President, eigentlich sollte Edward Jellico Ihnen ausrichten, dass wir nicht ganz zufrieden mit der Art und Weise Ihrer Führung am heutigen Tage sind. Natürlich haben Sie diese Krise bewältigt und durch Ihr Handeln wurde eine große Katastrophe abgewendet, doch der Umstand, wie Sie dies getan haben, gefällt uns Ministern nicht. Daher wollten wir Ihnen die Möglichkeit einer Stellungnahme bieten, doch unser Anliegen schien wohl nicht an Sie weiter getragen worden zu sein.“<br>Der Präsident wusste nicht, was er angesichts dieser obskuren Situation sagen sollte und noch viel mehr entsetzte ihn die Tatsache, dass Edward Jellico von diesem Treffen des Kabinetts gewusst hatte, ohne um etwas davon zu sagen. Allein dieser Umstand war ungeheuerlich!<br>„Was genau, “ fragte der Staatschef und bemühte sich dabei um einen bedächtigen Tonfall, „werfen Sie mir vor?“<br>Kurz senkte der Innenminister den Blick, als er scheinbar auf ein Padd oder ähnliches blickte.<br>„Wir haben eine provisorische Liste an Tatsachen aufgestellt, die uns im Laufe des heutigen Tages aufgefallen sind. Ich übersende Ihnen diese Liste unverzüglich.“<br>„Und was soll ich Ihrer Meinung nach tun, nachdem ich Ihre Vorwürfe empfangen habe?“<br>Der Ton in diesem Gespräch verschärfte sich, dies bemerkten beide Männer deutlich. Nun galt es diese Situation auf keinen Fall eskalieren zu lassen.<br>„Wir würden Sie gerne hierher bitten, um von Angesicht zu Angesicht mit ihnen über diese Punkte zu sprechen.“<br>„Soll dies ein Verhör werden? Oder ein Gerichtsverfahren?“<br>„Um Himmels Willen, nichts dergleichen!“ winkte der Innenminister entsetzt ab. Auf keinen Fall wollte er, dass ein falscher Eindruck entstand. <br>„Für mich sieht es aber danach aus, wenn der Präsident von seinen Ministern herzitiert wird!“<br>„Mr. President, wir wollen Sie nicht zitieren oder zu uns befehlen. Doch als demokratisch legitimierte Vertreter des Volkes müssen wir die Wahrung der Gesetze und der Vorschriften überwachen. Unserer Meinung nach wurde der Demokratie heute durch Ihr Vorgehen massiver Schaden zugefügt, der in einem Vertrauensverlust durch die Bürger resultieren kann.“<br>Immer mehr verfinsterte sich der Blick des Präsidenten.<br>„Werfen sie mir Despotismus vor?“ fragte er zornig.<br>„Ich bitte Sie, Sir, lesen Sie das Dokument und kommen Sie dann bitte in mein Ministerium. Damit wir die angesprochenen Dinge aus der Welt schaffen können.“<br>„Ich überlege es mir.“<br>Ohne jedes weitere Wort der Verabschiedung beendete der Präsident die Verbindung. Was er in den letzten fünf Minuten gehört hatte, war für ihn unfassbar. Die Minister taten sich zusammen und schienen gegen ihn zu konspirieren. Noch schlimmer war der Umstand, dass Edward Jellico von allem gewusst und ihn dennoch nicht informiert hatte. Scheinbar wurde sein Vertrauen bitter enttäuscht. <br>Dennoch musste eine Lösung für dieses Problem gefunden werden. Daher öffnete der Präsident das digitale Dokument und begann sich die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben wurden, durchzulesen…<br><br>Ke’lers Körper war geschunden worden. Ohne Pause hatte T’Nol sein Werk vollbracht und dabei nichts ausgelassen. <br>Er hatte keine Fragen gestellt. <br>Wozu auch? Die Antworten interessierten ihn nicht. Ke’ler hatte während der letzten Stunden immer gegen Telk intrigiert. Selbst er, der während der letzten Stunden keinen Dienst gehabt hatte, hatte die wilden Spekulationen gehört, die Gerüchte über die Tal Shiar Agentin, die gegen Telk ihre Mission durchziehen wollte. Die jeden Befehl im Munde des Kommandanten umgedreht hatte, bis er ihren Anforderungen genügte. Mit welchem Ergebnis? Das Schiff hatte doppelt so viele Passagiere an Bord, wie es eigentlich aushielt. Und nun musste die Hälfte der Leute eingesperrt werden. Die ganzen Agenten, die bis vor wenigen Stunden noch auf Talar Dienst taten, die von den angreifenden Föderationsmitgliedern gerettet wurden, saßen nun, eingesperrt und ahnungslos, in viel zu kleinen Quartieren und Frachträumen.<br>Zweifel. Zweifel hatten weder T’Nol noch Ke’ler je in ihrem Leben gehabt. Das System hatte sie indoktriniert, unterwürfig gemacht, zu perfekten Kriegern. Willenlos und intelligent, ausdauernd und skrupellos.<br>Ke’ler hatte ebenso geschwiegen. Sie wusste, dass sie nichts hätte sagen können um ihre Situation zu verbessern. Die Wahrheit wäre bei ihm auf taube Ohren gestoßen – eine Lüge hätte ihn nur noch mehr angestachelt.<br>Zwischendurch verlor sie hin und wieder das Bewusstsein. In irgendeiner dieser fehlenden Minuten war T’Nol gegangen – und der Arzt Menek hatte den Raum betreten. Er scannte sie mit seinem Tricorder. Sie erschrak kurz über die plötzlich Anwesenheit des Mediziners. Doch sie war schon seit geraumer Zeit nicht mehr die Herrin über ihren Körper. Er zeigte keine adäquaten Reaktionen für ihre Gefühle mehr.<br>„Es tut mir leid, wenn ich Sie aufgeweckt oder erschreckt habe...“, entschuldigte sich Menek. Natürlich konnte er bis zu einem gewissen Grad erkennen, was sie fühlte. Solange er ihre Adrenalin Werte ablas, war er in der Lage zu erkennen, ob Sie Angst hatte oder sich anspannte.<br>„Sie... sind... so... freundlich...“, murmelte Ke’ler. Soweit es ihr zumindest möglich war, ihren gebrochenen Kiefer zu bewegen.<br>Menek schüttelte den Kopf. „Ich bin nicht freundlich. Ich erfülle nur einen Eid. Und ich werde wegen Ihnen nicht zu einem schlechten Arzt.“<br>„Menek...“, flüsterte sie und der Arzt lehnte sich noch ein Stück näher an die Festgekettete Agentin heran, um sie besser zu verstehen. „Ich... war... es... nicht.“<br>Seufzend, aber ansonsten stumm, zog sich Menek wieder zurück und fuhr mit seinen Untersuchungen fort. Ke’ler sah es seinen Augen an, dass er ihr keinen Glauben schenkte.<br>Der Arzt atmete einmal tief durch. „T’Nol wird bald wieder hier sein. Sie sollten kooperieren – ansonsten kann ich Ihre sichere Heimkehr nicht mehr garantieren.“<br>Ke’ler antwortete nicht.<br>Menek deaktivierte seinen Tricorder und packte seine Sachen zusammen.<br>„Wissen Sie, was am traurigsten an dieser Sache ist?“, fragte der Arzt rhetorisch. „Ich wäre zum Abendessen gekommen. Ich habe mich sogar darauf gefreut. Aber so...“<br>Ohne weitere Worte verließ Menek den Raum und ließ Ke’ler allein zurück. Nicht nur ihr Körper war es nun.<br><br>Bevor er das Büro des Föderationspräsidenten betrat, strich Edward Jellico ein letztes Mal seinen Anzug glatt, um einen vernünftigen Eindruck zu machen. An sich eine überflüssige Geste. Nicht nur, weil eine Kleidung angesichts des Tages schon völlig zerknittert war, auch war ihm vollkommen klar, wieso er sich bei dem Präsidenten melden sollte und der Grund hierfür war alles andere als erfreulich. Innerlich haderte der Justizminister mit sich, wie er nun mit der Situation umgehen sollte. Wahrscheinlich brachte es nichts etwas abzustreiten, denn sein Part in dieser Sache war allzu deutlich.<br>„Sie wollten mich sprechen, Mr. President?“ fragte der ehemalige Admiral, nachdem er das Büro betreten hatte. Überall lagen Padds mit Berichten herum, sowie ausgetrunkene Flaschen und Gläser, welche man noch nicht weggeräumt hatte. Die Spuren eines anstrengenden Tages. Der Präsident blickte von dem Padd auf, welches er aufmerksam studierte, und musterte den Neuankömmling. In seinen Augen war vor allem eins zu erkennen: Enttäuschung.<br>„Ich denke mal“, meinte der Präsident mit emotionsloser Stimme, „Sie können sich denken, wieso Sie nun hier sind.“<br>Kurz überlegte Edward, ob er nicht alles abstreiten sollte, entschied sich dann jedoch dagegen.<br>„Ja, dies kann ich. Es geht um die Angelegenheit mit dem Kabinett.“<br>Besonnen nickte der Staatschef. Er hatte mit dieser Antwort gerechnet.<br>„Eine Angelegenheit, von der Sie gewusst und mir dennoch nichts gesagt haben“, murrte der Präsident.<br>„Ich dachte, es gäbe noch mehr Zeit und ich wollte auf den richtigen Moment warten.“<br>Wütend schlug der Präsident mit der flachen Hand auf seinen Schreibtisch und fixierte sein Gegenüber mittels seines Blickes. Für einen kurzen Moment hatte er die Fassung verloren, doch sofort gewann er die Kontrolle zurück. <br>„Dies ist eine Lüge und dies wissen Sie. Der Innenminister hat Sie mit der Benachrichtigung meiner Person beauftragt und Sie haben dies versäumt. Ich will den Grund dafür wissen.“<br>Jellico überlegte, ob er die Wahrheit sagen sollte. Er entschied sich jedoch für Schweigen. Doch der Präsident ließ sich nicht so einfach abspeisen. Zornig erhob er sich von seinem Stuhl und trat an Edward heran, so dass er ihm in die Augen sehen konnte. Zwar war der Präsident kleiner als er, doch diesen Größenunterschied glich er durch sein Charisma und selbstsicheres Auftreten aus.<br>„Sie wünschen sich das Ende meiner Präsidentschaft“, flüsterte das Staatsoberhaupt fast, ohne dabei Jellico aus den Augen zu lassen. „Nachdem Sie heute den ganzen Tag in meiner Nähe verbracht und damit unmittelbar am präsidialen Geschehen beteiligt waren, haben Sie Blut geleckt. Sie haben Gefallen an der Macht gefunden und wollen mehr davon.“<br>„Wenn Sie das so sehen…“ erwiderte Jellico mit fast schon gelangweilter Stimme.<br>„Sie wollen das Ende meiner Präsidentschaft, was unwiderruflich Neuwahlen zur Folge hätte. Ich kenne ihren Ruf bei den Kabinettsmitgliedern; Sie hätten die mögliche Unterstützung, um sich für eine eventuelle Präsidentschaftswahl aufstellen lassen zu können. Daher haben Sie mir nichts von alledem erzählt. Aber Ihr Plan wird scheitern, ich habe mich auf diese aberwitzigen Anschuldigungen vorbereitet.“<br>Der ehemalige Admiral der Sternenflotte schwieg immer noch, während der Präsident zu dem Padd griff, welches er eben noch gelesen hatte, und es in die Höhe hielt.<br>„Zu viele alleinige Entscheidungen…zu geringe Auswahl an Beratern…Einsetzen der Sternenflotte, ohne das Kriegsrecht zu verhängen…das Laufen lassen von Captain Lewinski…, “ zitierte der Präsident den Inhalt, die einer Anklageschrift gleichkam. „Diese Vorwürfe sind haltlos.“<br>Endlich brach Edward sein Schweigen und meinte:<br>„In einer Demokratie gibt es Regeln.“<br>„Erzählen sie mir nichts von Regeln und Demokratie! Es ist doch keine fünf Jahre her, da saßen sie selbst noch wegen Verschwörung und Mitgliedschaft bei Sektion 31 im Gefängnis!“<br>„Gerade deswegen glaube ich nun an die Werte, die unseren Staat ausmachen oder zweifeln Sie meine Läuterung an?“<br>Dem Präsidenten lag eine spitze Antwort auf der Zunge, doch er sprach sie nicht aus. Für einen solchen Kleinkrieg hatte er nun keine Zeit.<br>„Ich werde mich nun auf den Weg zum Kabinett machen. Sie werden an Ort und Stelle verbleiben, denn leider Gottes brauche ich Sie noch. Derzeit kann ich keinen neuen Mann in die gegenwärtige Lage einweisen. Doch wenn dies alles beendet ist, werden Sie sich verantworten müssen.“<br>Ob diese Aussage eine Drohung oder eine Tatsache war, wusste Jellico nicht. Klar war ihm jedoch, dass das Tuch zwischen ihm und dem Präsidenten zerschnitten war. Scheinbar würden sie in Zukunft getrennte Wege gehen. <br><br>Es war so weit, die beiden Schiffe der Defiant-Klasse, die von so unterschiedlichen Besatzungen bedient wurden, machten sich zum Angriff bereit. Zwar stand ihnen eine fast schon gigantische klingonische Flotte im Weg, doch sie besaßen einige unbestreitbare Vorteile. Zum einen war da das Überraschungsmoment; ein Faktor, der selbst im 24. Jahrhundert noch eine entscheidende Rolle spielte. Die Klingonen rechneten nicht damit so tief im Raum der Allianz von den Rebellen angegriffen zu werden. Innerlich schauderte Lewinski, als er über seinen eigenen Ausdruck nachdachte. Immerhin war dies das Sol-System und mit ihr die Erde, der Ursprung der Menschheit. Doch der Heimatplanet war schon seit einem Jahrhundert nur noch eine radioaktive Wüste und der gesamte Sektor wurde von der Allianz beansprucht.  <br>Der Überraschungseffekt wurde nicht zuletzt durch die Tarnvorrichtung unterstützt. Eine Technologie, die den Völkern des Spiegeluniversums fast unbekannt war. Zumindest waren sie bisher nicht in der Lage gewesen, selbst die Tarntechnologie zu entwickeln. Eigentlich ein Umstand, der jeden stutzig machen musste. Immerhin gab es nichts, was die Entwicklung der Technik mehr Auftrieb gab als ein kriegerischer Konflikt. Doch obwohl das Spiegeluniversum seit hunderten von Jahren durch Kriege erschüttert wurde, war ihnen die Entwicklung des Tarnfeldes nicht gelungen. Vor einigen Jahren hatte die Allianz versucht ein Gerät aus dem Föderationsuniversum zu stellen, scheiterten jedoch. Dieses Tarngerät war nun in die Spiegel-Defiant eingebaut worden und leistete den Rebellen bei ihren Kämpfen, die sie immer in Unterzahl austrugen, nützliche Dienste. <br>Doch die Rebellen hatten weiterhin Probleme an Boden zu gewinnen. Zu stark waren die Kräfte der Allianz, zu unerschöpflich schien ihr Vorrat an Schiffen und Soldaten. Erfolge waren zu erkennen, dies war unbestreitbar, doch sie erfolgten in zu geringem Maße. Würde der Konflikt auf diesem Niveau weitergehen, so würde er noch Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte dauern. <br>Da die Allianz in diesem Universum also nicht über eine Tarntechnologie verfügte, kannten sie auch keinerlei Möglichkeiten, um sich gegen diese zu schützen. Taktiken wie z.B. ein Tachyonendetektionsgitter waren ihnen völlig unbekannt und konnten dazu beitragen, dass sich die beiden Schiffe nur dem klingonischen Flaggschiff stellen mussten. Einem aufgeregten Bienenschwarm gleich würden sowohl die Defiant als auch die Monitor sich abwechselnd auf den Gegner stürzen, bis seine Schilde zusammenbrachen. Wenn sie das ganze richtig anstellten, würden anderen Schiffe der klingonischen Armada gar nicht zur Erwiderung des Feuers gelangen. Nun galt es die volle taktische Erfahrung der Monitor-Crew auszuspielen.<br>„Lieutenant Bolder, übermitteln Sie die Daten des Angriffsplans Alpha-4 an die Defiant. Sie sollen sich an dieses Schema halten, “ wies der Captain den Einsatzoffizier an. <br>„Sofort, Sir!“<br>„Matt, beginnen Sie mit den Anflugvektoren gemäß des Angriffsplans. Fähnrich Kensington, erfassen Sie die Triebwerkssektion des klingonischen Negh´Var-Schiffs!“<br>Beide Offiziere, sowohl Price als auch Kensington, wandten sich unverzüglich ihren Konsolen zu und begannen mit ihrem Handwerk. Sich auf den Wandschirm konzentrierend, strich der Captain über seine beiden Armlehnen und sehnte die Entscheidung herbei. Unbemerkt von den anderen klingonischen Schiffen näherten sich die beiden getarnten Schiffe dem Flaggschiff. Der Regent konnte auf keinen Fall ahnen, was nun auf ihn zukam. Alle Offiziere konzentrierten sich auf ihren Aufgabenbereich und warteten nur noch auf den Angriffsbefehl, den der Captain erteilen musste. Inzwischen hatte sich die Monitor so nahe an das klingonische Flaggschiff heranbewegt, dass dessen Heck den gesamten Wandschirm ausfüllte. Lewinski zögerte keine weitere Sekunde.<br>„Feuer!“ <br>In diesem Moment zeigte sich nicht nur die hochwertige Ausbildung der Crew, sondern auch deren Erfahrung, die nicht zuletzt auf den Erlebnissen während des Dominion-Krieges basierte. Der Kommandant hatte sich immer wieder dafür eingesetzt, dass seine Mannschaft nur geringfügig ausgetauscht wurde. Es war immer sein Bestreben gewesen, eine eingespielte Besatzung zu haben und dieses zahlte sich nun aus. Die Tarnvorrichtung der Monitor wurde deaktiviert. Zwar war eine Feuereröffnung nicht unverzüglich möglich, dennoch waren die Klingonen zu überrascht, um das Geschehen zu begreifen. Sobald ihr dies möglich war, eröffnete Fähnrich Kensington mittels der Impulsphaser das Feuer und jagte noch zwei Quantentorpedos hinterher, die mit gewaltigen Explosionen an den Schilden des Negh´Var zerstoben. Noch bevor die Torpedos ihr Ziel erreichten, hatte die Monitor wieder ihre Tarnung aktiviert und war weitergeflogen. Die ganze Aktion hatte nicht länger als fünf Sekunden gedauert. Bei dieser Taktik kam es vor allem auf das Moment der Bewegung an. In der Akademie wurde sie (auf Englisch) als „Hit and Run“ beschrieben. Die Monitor entfernte sich mit hoher Geschwindigkeit vom Gegner und begann eine Schleife zu drehen, um sich in Angriffsposition zu bringen. Während sie dies tat, enttarnte sich die Defiant ihrerseits und eröffnete das Feuer, nur um im Anschluss ebenfalls zu entschwinden. So glichen die beiden Schiffe zwei wütenden Hornissen, die ihr Opfer immer wieder piesacken wollte. <br>Man durfte sich keinen Illusionen hingeben: auf eine solche Art und Weise hätte man niemals das klingonische Flaggschiff zerstören können, doch dies war auch gar nicht das Ziel dieser Aktion. Vielmehr sollte einfach nur eine Lücke in die Schilde des Gegners geschossen werden. Wichtig war jedoch nur keine Angriffsfläche für die restlichen Begleitschiffe der Armada zu bilden, in dem man zu langsam war und immer wieder dieselben Anflugvektoren flog. Zwar hatte die Crew der Defiant nicht die Erfahrung einer jahrelangen taktischen Ausbildung durch die Akademie, dennoch waren sie Kampf erfahren und vor allem lernwillig. Zudem hatten sie die angestrebten Manöver durch ihr Schwesterschiff übermittelt bekommen und mussten diese nur so gut wie möglich befolgen. Dabei musste Captain Lewinski überrascht feststellen, wie gut die Angriffe der Defiant waren. Aber eigentlich erwartete er nichts anderes bei einem Kommandanten wie Bruce Land. Und bei seinem Bruder als Navigator. <br>Schnell schob der Captain diese ablenkenden Gedanken beiseite, als sie einen neuerlichen Angriff flogen. Abermals entlud sich die destruktive Energie ihrer Waffen und zehrte an den Regenrationskräften der klingonischen Schilde.  <br><br>Der Angriff der beiden getarnten Schiffe kam für den klingonischen Regenten völlig unerwartet. Martok sonnte sich gerade in seinem eigenen Glanz und lobte sich dafür, dass er der Intendantin der Strafe zugeführt hatte, die sie als Versagerin verdiente. Unwissentlich strahlte er dabei jene Selbstzufriedenheit und vor allem –Verliebtheit aus, die er bei Worf immer kritisiert hatte. Eben noch hatte er Lieutenant Bird und Janine Talley hinterher geblickt, die nun in ihre Zellen gebracht wurden, dann hatte er sich wieder dem Sichtschirm zugewandt, welcher ihm das gnadenlose Bombardement des Mondes zeigte. Inzwischen musste sich der ehemalige imperiale Bunker in einen radioaktiven Schlackehaufen verwandelt haben. Es war nahezu ausgeschlossen, dass Kira Nerys dieses Bombardement überlebt haben könnte. Nun konnten sich die Klingonen also auf den Rückweg machen, wo er dann schließlich die beiden Menschen verhören und im Anschluss hinrichten würde. Zufrieden rieb sich der Regent die Hände. Zwei so wertvolle Tötung innerhalb kurzer Zeit, dies war für Martok ein freudiges Ereignis. Ein gelungener Beginn seiner Regentschaft, die hoffentlich noch lange andauern würde.<br>Im nächsten Moment wurde sein Flaggschiff von Detonationen erschüttert. Nur mit Mühe konnte sich Martok auf den Beinen halten, während um ihn herum Alarmsirenen losheulten und die Brückenoffiziere aufgeregt nach der Ursache des Problems suchten.<br>„Was ist hier los?“ fauchte der neue Regent.<br>„Mein Regent, wir werden beschossen“, stammelte ein mehr als überraschter Klingone an der Sensorstation. „Scheinbar ist ein Schiff aus dem Nichts aufgetaucht und hat das Feuer eröffnet. Nun ist es jedoch wieder fort.“<br>„Aus dem Nichts?“ Martok kombinierte sofort. „Es muss die Defiant sein.“<br>Mehrfach schon war der Klingone auf das wichtigste Schiff der Rebellenflotte gestoßen, ohne es jedoch vernichten zu können. Daher wusste er um seine Kampfkraft und vor allem um die einzigartige Technologie, die es verschwinden lassen konnte. Scheinbar mussten sie sich schon längere Zeit hier aufgehalten haben. Abermals erzitterte das Schiff unter starkem Beschuss.<br>„Sir!“ rief der Techniker, dieses Mal jedoch noch überraschter. „Ein zweites Schiff hat sich enttarnt und das Feuer eröffnet. Schilde bei 72 Prozent und fallend…es hat sich wieder getarnt!“<br>Ein zweites Schiff? Martok konnte nicht glauben, was er da eben gehört hatte. Besaß die Rebellenflotte nun etwa ein zweites Schiff dieser Bauart, welches sich zudem ebenfalls tarnen konnte? Sofort gab er den Befehl zum Erwidern des Feuers, doch auch das zweite Schiff konnte nicht getroffen werden. Allzu viel ärgern konnten sich die Klingonen darüber nicht, denn schon im nächsten Moment begann ein erneuter Angriff. Die Eskortschiffe versuchten verzweifelt das Flaggschiff des Regenten zu schützen, ihnen gelangen jedoch höchstens Zufallstreffer.<br><br>Nicht nur den neuen klingonischen Regenten trafen diese Angriffe unerwartet, sondern vor allem auch die beiden Wachen, die die entführten Menschen in ihre Zellen bringen sollten. Noch immer gelang es Danny Bird nur leidlich sich auf den Beinen zu halten. Wie hätte es ihm auch besser gehen sollen, wenn ihm nirgends die Möglichkeit zur Regeneration gegeben wurde. Langsam begann sein gesamter Körper gegen diese Dauerbelastung zu rebellieren. Während sie durch die unglaublich düsteren Gänge des klingonischen Schiffes schritten, blickte der Lieutenant zu seiner Begleiterin. Janine blickte starr vor sich auf den Boden, schien völlig in ihren Gedanken versunken zu sein. Eine absolut nachvollziehbare Reaktion, wenn man bedachte, dass ihr Vater vor wenigen Stunden ums Leben gekommen war. Wie schnell sich doch alles geändert hatte. Zu Beginn des Tages waren sie noch ein scheinbar unbeschwertes junges Paar gewesen, nun wusste sie von seiner Funktion als Spion und ihm war nun ihre Schwangerschaft bekannt. <br>Im nächsten Moment, völlig unerwartet, erzitterte das Schiff unter einigen Erschütterungen. Das Licht flackerte für einen kurzen Moment, während Alarmsirenen losheulten. Scheinbar, dies wusste Lieutenant Bird aus seiner jahrelangen Erfahrung als taktischer Offiziere, wurden sie angegriffen. Die Sekunden schienen sich zu dehnen, als Danny zu einer Entscheidung gezwungen wurde. Für einen winzigen Augenblick wankten ihre beiden klingonischen Wachen, waren verwirrt und desorientiert. Obwohl Birds Körper immer noch unter zahlreichen Schmerzen litt, war ihm klar, dass sich hier möglicherweise ihre letzte Chance bot. Unter Aufbietung seiner letzten Kraftreserven rammte der Mensch einer Wache die Faust ins Gesicht. Eine Aktion, die aufgrund der Schädelplatten des Klingonen äußerst schmerzhaft war, ihre Wirkung jedoch nicht verfehlte. Danny hatte die einzig sich ihm bietende Möglichkeit genutzt und die Wache mit einem gezielten Schlag ausgeknockt. Ob Janine auch begriffen und ihre Chance genutzt hatte? Ängstlich sah sich Danny um und stellte fest, dass sich seine Freundin in einem Gerangel mit der anderen Wache befand. Zwar hatte auch sie sofort auf die veränderte Situation reagiert, doch ihr hatten das Glück und nicht zuletzt die Kraft gefehlt, um ebenfalls zum Erfolg zu gelangen. Entsetzt musste Danny mit ansehen, wie Janine gewürgt wurde. Wenn sie nicht schnell Herr der Lage wurden, dann wäre der Klingone in der Lage Alarm zu schlagen und dann wäre ihre letzte Chance auf Flucht vergebens gewesen. Ohne lange nachzudenken schnappte sich Bird den Dolch, der sich am Gürtel der niedergeschlagenen Wache befand, und schleuderte ihn auf die andere. Es war beileibe kein blinder Wurf, doch sorgfältig gezielt hatte der Lieutenant auch nicht. Der Einsatz einer Phaserwaffe kam in diesem Fall nicht in Frage, da sie sofort von den internen Sensoren geortet worden wäre. Inständig hoffte Danny, der eigentlich keine rechte Erfahrung mit diesen klingonischen Stichwaffen hatte, nicht zufällig seine Freundin zu treffen, doch zu seiner Erleichterung wurde die Wache durch seinen Wurf niedergestreckt. Während das Schiff unter weiteren Angriffen erzitterte, sank der Klingone röchelnd zu Boden. <br>Sofort griffen sich die beiden Menschen die Phaser der Wachen und überlegten, was sie nun tun sollten.<br>„Was nun?“ fragte Janine keuchend. Sie wusste, wie knapp sie gerade dem Tode entronnen war.<br>„Keine Ahnung“, gestand Danny freimütig. „Bloß weg hier.“<br>Gesagt, getan. Beide Menschen schlichen durch die Gänge, immer darum bemüht nicht von irgendjemandem entdeckt zu werden. Schließlich einigten sie sich auf die Shuttlerampe als Ziel. Ein eigenes Raumschiff in ihre Gewalt zu bringen schien die einzige Möglichkeit zu sein, um von hier zu entkommen.  <br><br>Der Präsident hatte sich dazu entschieden nicht allzu viel Aufhebens um das Treffen zu machen. Nur begleitet von zwei Agenten des Secret Service, die wie immer nicht von seiner Seite wichen, ließ er sich in das Innenministerium beamen, von wo aus er direkt in den Konferenzraum gebracht wurde. Die Architekten der politischen Gebäude auf der Erde schienen ein Faible für das Altmodische besessen zu haben, denn auch wie das Präsidentengebäude war das Innenministerium voller Holztüren und anderen zeitlosen Gegenständen. Als eine dieser Holztüren ihm geöffnet wurden, erblickte der Präsident sein Kabinett, welches an dem großen ovalen Tisch Platz genommen hatte. Zwei Minister waren per Video zugeschaltet worden, weil sie aus diplomatischen Gründen auf anderen Welten weilten. Mehr als einem war dabei deutlich das Unbehagen darüber anzusehen, wie man den Präsidenten der Föderation hierher gebeten hatte. Insgeheim wünschte sich der Innenminister ebenfalls, dass es einen anderen Weg gegeben hätte. Zwar sah er sich immer noch im Recht und wollte unbedingt eine Klärung seiner Vorwürfe erreichen, doch aus Respekt gegenüber dem Staatschef hätte er sich eine andere Abfolge der Ereignisse gewünscht. Doch nun war es zu spät. Der Präsident war nun hier und wollte sich zu den Vorwürfen äußern. Alle Anwesenden im Raum erhoben sich respektvoll und warteten, bis das Staatsoberhaupt den ihm angestammten Platz am Kopfende des Tischs einnahm. Im Anschluss setzte sich auch das restliche Kabinett, bis auf den Innenminister. Immerhin hatte er dieses Treffen in die Wege geleitet, also wollte er sich auch als Wortführer betätigen.<br>„Mr. President“, begrüßte er seinen Vorgesetzten höflich, „vielen Dank, dass Sie gekommen sind, um mit uns einige wichtige Punkte zu erörtern. An dieser Stelle möchte ich mich ebenfalls für das unverzeihliche Verhalten von Minister Jellico entschuldigen, welches ich nicht gutheiße.“<br>„Ich habe lange überlegt, ob ich diesem Treffen beiwohnen sollte. Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass ich und diese Regierung noch mehr als genug zu tun haben. Die gegenwärtige Krise ist noch nicht beigelegt und wir müssen zahllose koordinatorische Maßnahmen treffen, “ entgegnete der Präsident. Zwar klang er nicht unhöflich, dennoch versuchte er den Eindruck einer gewissen Gereiztheit entstehen zu lassen, was ihm ja auch zustand. Immerhin war er das gewählte Oberhaupt aller Föderationsbürger und ließ sich von niemandem hierher zitieren.<br>Alle Augen richteten sich wieder auf den Minister des Inneren und die Anwesenden fragten sich, wie er auf diesen unterschwellig geäußerten Vorwurf reagieren würde.<br>„Wir alle sind uns des gegenwärtigen Stresses bewusst, unter dem Sie stehen, Sir. Auch wir Minister mussten uns extra für dieses Treffen frei machen und unsere Aufgaben an die Staatssekretäre abtreten. Ich habe bewusst diesen späten Zeitpunkt für diese Aussprache gewählt, um so nicht mit Angelegenheiten der nationalen Sicherheit zu kollidieren. Wollen wir beginnen?“<br>„Bringen wir diese Farce hinter uns“, erklärte der Präsident gelangweilt.<br>Kurz räusperte sich der Innenminister und überlegte, wie er die Sache beginnen sollte. Dann entschied er sich für den direkten Weg, denn immerhin handelte es sich hier nicht um eine offizielle Sitzung. Keine Kameras waren zugegen und der gesamte Inhalt würde vertraulich bleiben. Außerdem hatte nicht nur er ein Interesse daran die Sache so schnell wie möglich hinter sich zu bringen.<br>„Mr. President, verehrte Kabinettsmitglieder, ihnen allen dürften die Kritikpunkte bekannt sein, die wir erörtern wollen. Generell sind wir nicht gänzlich mit der Art und Weise einverstanden, wie der Präsident heute mit einigen Dingen umgegangen ist. Zudem zweifeln wir Ihre Entscheidung an, sich nur von zwei Personen am heutigen Tage beraten zu lassen. Ferner haben Sie am heutigen Tage einige Entscheidungen gefällt, die mindestens fragwürdig, im schlimmsten Falle sogar gesetzeswidrig waren.“<br>Für einen kurzen Moment ging ein Raunen durch die Reihen der Anwesenden und der per Videokonferenz zugeschaltete Außenminister räusperte sich sogar. Zwar waren Anwesenden die Kritikpunkte bekannt, doch diese so offen vorgetragen zu hören, wirkte für die meisten dennoch befremdlich. <br>„Welchen Punkt wollen Sie zuerst abarbeiten?“ fragte der Präsident, wobei er jedoch schon die Antwort kannte.<br>„Wieso ließen Sie sich am heutigen Tage nur von Commander Kranick und Justizminister Jellico beraten?“ fragte der Innenminister erwartungsgemäß. „Als diese Krise begann, hatten Sie uns alle zu einem Treffen geladen und auf unsere volle Konzentrationsfähigkeit gepocht. Dann jedoch ließen Sie die meisten von uns außen vor!“<br>„Dies hat mehrere Gründe. Commander Kranick wurde mir vom Sternenflottenoberkommando geschickt und besaß alle wichtigen Informationen über die vom Sternenflottengeheimdienst durchgeführte Operation, die letztendlich die am heutigen Tage stattgefundene Aktion aufgedeckt hat... Bei der Auswahl ihrer Person hatte ich kein Mitspracherecht, ich akzeptierte den Commander jedoch, da sie mich als kompetente und arbeitsfähige Frau überzeugen konnte, “ erklärte das Oberhaupt aller Föderationsvölker gelassen. „Edward Jellico bezog ich aus mehreren Gründen ein. Zum einen war er sofort verfügbar. Zum anderen ist er ein ehemalige Admiral der Sternenflotte und daher ebenfalls mit dem Prozedere dieses Apparates vertraut. Zudem konnte er mich als Justizminister über mögliche Gesetzesimplikationen beraten, die mit einigen meiner getroffenen Entscheidungen einhergehen würden. Und zu guter letzt hatte sich der Justizminister in den letzten Jahren als ausgezeichnete Quelle in Sachen Sektion 31 hervor getan. Da ich, wie viele andere auch, am Anfang diese Organisation als Drahtzieher des heutigen Anschlags vermutete, wollte ich Informationen aus erster Hand bezüglich Sektion 31 erlangen können.“<br>Verstehend nickte der Innenminister und ordnete seine Notizen. Auch wenn er sich im Recht sah, so fühlte er sich nun, wo das Gespräch tatsächlich stattfand, mehr als schlecht. Eigentlich bewunderte er den Präsidenten, hatte ihn in der Vergangenheit immer unterstützt. Ihn nun an den Pranger stellen zu müssen schmerzte ihn, doch er tat es zum Wohle der Demokratie. Mit einer weltmännischen Geste deutete der Minister auf die anderen Anwesenden im Raum, bevor er erklärte:<br>„Tut mir Leid, Mr. President, aber wenn ich mich in diesem Raum so umsehe, so sehe ich fast zwei Dutzend hoch kompetenter und fähiger Minister ihres Kabinetts, welche Sie ebenfalls hätten beraten können. Mehr noch, die meisten von uns haben im Laufe dieses Tages Ihre Anweisungen buchstabengetreu umgesetzt, ohne am tatsächlichen Entscheidungsprozess beteiligt gewesen zu sein. Dabei hätten es manche verdient gehabt. Ich spreche da nicht nur von mir, sondern auch von den Ressorts Verteidigung, Äußeres, Gesundheit und viele andere. Wir hätten gerne unsere Expertise zur Verfügung gestellt!“<br>Bedächtig hob der Präsident eine Hand, wollte so die Diskussion für einen kurzen Moment unterbrechen.<br>„Bevor ich diese Frage beantworte“, fragte er und blickte gespannt seinen Kontrahenten an, „was sind eigentlich diese Konsequenzen des Gesprächs?“<br>Auf diese Frage hatte der Innenminister in der Tat gewartet, auch wenn er sie gefürchtet hatte. Doch es gab keinen Weg, sie zu umgehen, also antwortete er ehrlich:<br>„Wir behalten uns das Recht vor einen Antrag auf Amtsenthebung in das Parlament einzubringen.“<br>Diese Worte hätten eigentlich einen Schock darstellen müssen, doch das Staatsoberhaupt ließ sich äußerlich nichts anmerken. Er machte auch weiterhin keinen Hehl daraus, dass er in der ganzen Sache kaum mehr als eine Komödie sah. Doch er war weit entfernt davon, die Angelegenheit auf die leichte Schulter zu nehmen. <br>„Ich weiß sehr wohl“, beantwortete der Präsident schließlich den eingebrachten Punkt, „dass sie alle über ein großes Wissen und an politischer Erfahrung verfügen. Sie alle haben heute erstaunliches geleistet und durch das Umsetzen meiner Anweisungen sowie durch eigenständiges Handeln sehr zur Bewältigung der heutigen Krise beigetragen. Dass ich nicht in dem Maße auf ihren Rat zurückgegriffen habe, wie auf den von Edward Jellico, hat einen anderen Grund.“<br>„Der da wäre?“ fragte der Landwirtschaftsminister ungeduldig.<br>„Heute mussten Entscheidungen schnell getroffen werden. Oftmals blieben mir nur wenige Augenblicke, um auf vorhandene Katastrophen zu reagieren. Aus diesem Grund konnte ich mir keine zeitraubenden Diskussionen leisten. Dennoch habe ich sie bei unserer ersten Sitzung vor knapp zwanzig Stunden über die grundlegenden Fakten informiert und ihre Ministerien wurden laufend über die aktuellen Ereignisse in Kenntnis gesetzt. Ich habe mich auf die Erfahrung von Minister Jellico verlassen und darauf basierend meine Anordnungen gegeben. Mir wäre es angesichts der schieren Zahl an heutigen Ereignissen nicht möglich gewesen jeden Punkt mit ihnen durchzusprechen. Und letzten Endes, “ schloss der Präsident ab, „bin ich der Präsident der Vereinigten Föderation der Planeten. Die Bürger von über 150 Welten haben mich in dieses Amt gewählt, um sie durch solche Krisen zu führen.“<br>Der Hinweis auf seine demokratisch gestützte Legitimität war seine Trumpfkarte gewesen, die die beabsichtige Wirkung erzielte. Beschämt blickten einige Kabinettsmitglieder zu Boden, während andere bedächtig nickten. Nur wenige schienen sich durch diese Worte nicht begeistern zu lassen. <br>„An Ihrer demokratischen Legitimität besteht kein Zweifel“, gestand der Innenminister offen ein. „Aber wenn Sie das Schlagwort der Demokratie einbringen, dann muss ich Sie daran erinnern, dass auch wir bzw. unsere Parteien durch Wahlen in unsere politischen Ämter gehievt wurden. Nicht zuletzt haben Sie uns zu ihren Ministern ernannt, um Ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Kurz gesagt: das Volk möchte auch unsere Beteiligung an diesen Prozessen.“<br>„Es ging mir um eine Entschlackung der Befehlsstruktur.“<br>„Eine solche Entschlackung der Struktur, wie Sie sie bezeichnen, sieht unsere Verfassung jedoch nicht vor!“ erklärte der Innenminister vehement seinen Standpunkt. „Nun gut, lassen wir diesen allgemeinen Punkt und wenden wir uns spezielleren Aspekten des heutigen Tages zu.“<br>Kurz überlegte der Präsident, ob er genervt mit den Augen rollen sollte. Doch eine solche Geste wäre mit Sicherheit falsch interpretiert worden. Natürlich nahm er die gesamte Diskussion ernst, denn letzten Endes ging es hier um das mögliche Ende seiner politischen Karriere. Doch das Problem war einfach die fehlende Zeit! Sie vergeudeten wertvolle Minuten und Stunden damit sich gegenseitig Vorwürfe zu machen, anstatt nun an einem Strang zu ziehen. Nur zu gerne hätte der Präsident nun gewusst, was es neues gibt. Wie war die Lage in Emden? War die Monitor inzwischen aus dem Spiegeluniversum zurückgekehrt? All diese Fragen blieben für ihn derzeit ungeklärt. <br>Statt des Innenministers ergriff nun der Außenminister, der derzeit auf Cardassia weilte, das Wort. Auf keinen Fall sollte der Eindruck entstehen, dass der Innenminister allein der Initiator dieses Ereignisses war. <br>„Mr. President, gewähren Sie mir bitte die Frage, wieso Sie die USS Monitor mit dieser Mission beauftragt haben. Wäre da nicht die Starfleet Criminal Investigation Division oder gar eine zivile Bundesbehörde geeigneter gewesen?“<br>In der Tat musste der Staatschef zugeben, dass dies eine durchaus berechtigte Frage war. Jedoch keine, die er nicht hätte beantworten können. Bedächtig legte er seine gefalteten Hände vor sich auf dem ovalen Tisch ab und erklärte:<br>„Der Grund ist sehr wohl nachvollziehbar. Zum einen war die Infiltration der Föderalen Befreiungsarmee durch den Geheimdienst der Sternenflotte durchgeführt worden und daher hielt ich es für angebracht die Angelegenheit weiterhin in den Händen dieser Organisation zu belassen. Zum anderen war mir klar, dass die Lösung der heutigen Krise nicht nur Ermittlungs- sondern auch Kampfkraft erfordern würde, was nur ein Raumschiff gewährleisten kann. Die Monitor gehört zu den besten Schiffen des SFI und ist mit ihrer Erfahrung, vor allem im Umgang mit Sektion 31, mehr als prädestiniert für diese Aufgabe. Der SFCID ist eine planetengebundene Abteilung, die nur wenige Raumschiffe besitzt und daher nicht für eine solche Operation zur Verfügung stand. Und letztendlich war die Monitor gerade in der Nähe.“<br>Sehr zu seiner Überraschung nickte der Außenminister, dem scheinbar diese Erklärung einleuchtete. Immerhin hatte dieser keine Fragen mehr und lehnte sich interessiert zurück, um jemand anderem das Gesprächsfeld zu überlassen. Daraufhin fühlte sich der Innenminister dazu berufen, das Wort wieder an sich zu reißen. Kurz blickte er auf das Padd, auf dem die lange Liste von Vorwürfen notiert war, und suchte sich den nächsten Punkt heraus. <br>„Heute morgen hat Captain Lewinski mit seiner Crew in einer illegalen Aktion seinen Bruder Martin aus dem Hochsicherheitstrakt Alpha befreit, wobei ein Wachmann ums Leben kam“, fuhr der scheinbare Ankläger fort. „Dabei handelt er ausdrücklich gegen ihren Willen, Mr. President. Er drohte sogar das Feuer auf ein anderes Sternenflottenschiff zu eröffnen, um seinen Willen durchzusetzen. Sie ließen ihn daraufhin gewähren.“<br>„Sie verdrehen die Tatsachen!“<br>Der Präsident hatte sich lange zurückgehalten, doch nun war ihm deutlich die Wut anzusehen. Was er da eben vernommen hatte, waren gelinde gesagt haltlose Vorwürfe, die jedweder Grundlage entbehrten. In gewisser Weise war er froh, dass dies nun zur Sprache gebracht wurde, denn so konnte er zumindest in dieser Hinsicht reinen Tisch machen.<br>„Ich habe keinesfalls Captain Lewinski gewähren lassen“, erklärte der Präsident und bemühte sich dabei wieder zu einem sachlichen Tonfall zurückzukehren. „Ja, es stimmt: der Captain hat gegen meine ausdrücklichen Anweisungen gehandelt. Er verstieß gegen meine direkten Befehle und war zu schlimmen Taten bereit. Doch angesichts des Umstandes, dass sein Bruder die einzig bekannte Spur darstellte, stellte ich die Strafverfolgung zurück. Der Captain selbst erklärte sich dazu bereit, sich nach dem Ende der heutigen Krise einem Tribunal zu stellen und sich für seine Taten zu verantworten. Was hätte mir eine unverzügliche Verhaftung Lewinskis gebracht? Immerhin hatten wir einen Anschlag mit biologischen Waffen auf die Erde zu vereiteln und dank der Crew der Monitor ist uns dies auch gelungen!“<br>„Heißen Sie also seine Maßnahmen gut?“<br>„Nein, auf keinen Fall! Wenn die Monitor zurückgekehrt ist und wir uns sicher sind, dass der heutige Tag endlich bewältigt wurde, wird sich der Captain den Behörden übergeben.“<br>Abwartend blickte der Präsident in die Runde und versuchte aus den Gesichtern herauszulesen, ob er mit seiner Argumentation den richtigen Nerv getroffen hatte. Wenn doch nur diese unsinnige Debatte bald vorbei wäre!<br>Mit Wut im Bauch dachte er für einen kurzen Moment an Edward Jellico und daran, wie ihn der Justizminister belogen hatte. Wie hatte er sich in einem Menschen nur so täuschen können? <br>Die Gedanken des Staatsoberhauptes wurden unterbrochen, als man mit der Arbeitung der Liste an Vorwürfen fortfuhr. Langsam begannen die einzelnen Punkte ineinander zu verschwimmen. Der Präsident machte sich auf einen sehr langen Abend gefasst… <br><br>In der Umlaufbahn der Erde, jedoch in einem anderen Universum, zog die USS Community ihre Bahnen. Ihr Captain hatte das Kommando an den ersten Offizier abgegeben und sich in ihren Bereitschaftsraum zurückgezogen. Selina Kyle war nervös. Auch wenn sie sich dies nur ungern eingestehen konnte, sie machte sich Sorgen um die Monitor und ganz besonders um Matthew Price. Ihrem Imzadi; dem Vater ihres Kindes. <br>Matt hatte seine ganze Karriere aufs Spiel gesetzt, als er sich geweigert hatte den Feuerbefehl Captain Lewinskis auszuführen. Selina hatte alles via Videoübertragung mitbekommen und war geschockt gewesen. Jedoch geschockt in einem positiven Sinne, denn selbst von dem Rebellen Matt Price hatte sie nicht erwartet, dass er sich gegen seinen Kommandanten stellen würde. Der Halbbetazoid hatte ihr immer wieder erzählt, wie sehr er zu John Lewinski aufblickte und er ihm vertraute. Es war schon eine seltsame Wendung der Ereignisse gewesen. Normalerweise war Price nie jemand gewesen, der anderen vertraut hatte und gegenüber Autoritäten war er immer misstrauisch gewesen. Auch waren die ersten Monate an der Seite von Captain Lewinski alles andere als harmonisch verlaufen. Doch im Laufe der vergangenen Jahre hatten sich die beiden so starrköpfigen Männer zusammengerauft und ein kompetentes Team abgegeben. <br>Dennoch hatte sich Matt gegen ihn gestellt, als es um seine Tochter ging. Diese Geste hatte Selina beeindruckt. Er hatte Yasmin schon einige Zeit nicht mehr gesehen und manchmal zweifelte Kyle sogar an seinen Fähigkeiten als Vater. Immerhin war ihre Beziehung von komplizierter Natur und nur alle paar Monate gelang es dem Halbbetazoiden etwas Zeit mit seiner Tochter zu verbringen. Den Großteil seines Lebens war Matt ohne Vater aufgewachsen und Selina Kyle hatte Angst gehabt, dass er dem schlechten Beispiel von Arsani Parul folgen würde. Doch nun war sie mehr denn je überzeugt, dass sie mit ihrer Einschätzung falsch gelegen hatte. Sogar zu Befehlsverweigerung und Meuterei war Price willens gewesen, um seine Tochter vor Schaden zu bewahren. Und seine Imzadi. <br>Ihre gemeinsame Zeit mochte zwar schon lange vorüber sein, doch das Band zwischen ihnen existierte immer noch. Sie würden für den Rest ihres Lebens auf diese bestimmte, kaum näher zu definierenden Art und Weise miteinander verbunden sein, so viel stand fest. Inzwischen war Selina bereit Matt an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Als Freund.<br>Unruhig darüber, wo nun die Monitor steckte, wanderte Captain Kyle auf und ab. Das letzte, was sie gehört hatte, war die Sichtung der Monitor-Crew in der Stadt Emden. Doch inzwischen hatte sie die letzten Stunden gar nichts mehr von dem Schiff gehört. Ein Umstand, der sie besorgte. Nach reiflicher Überlegung ließ sie sich auf einem Dringlichkeitskanal zum Büro des Präsidenten durchstellen. Überraschenderweise war die Wartezeit recht kurz und schon bald erschien das Gesicht von Commander Kranick auf dem Bildschirm.<br>„Commander Kranick, ich bin Captain Kyle von der Community“, stellte sich die Kommandantin fest. „Ich hoffe, dass Sie mir mit einer Auskunft weiterhelfen können.“<br>„Es tut mir leid, Captain, aber Sie rufen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt an“, versuchte der Verbindungsoffizier ihren Gegenüber abzuwimmeln, doch Selina fiel nicht auf diese Finte herein.<br>„Ich möchte wissen, wo sich die Monitor befindet und zwar auf der Stelle!“<br>Überrascht weitete Elena Kranick die Augen. Sie konnte nicht glauben, was sie da eben gehört hatte.<br>„Es tut mir leid, aber diese Information ist geheim.“<br>Bedrohlich trat Selina einen Schritt näher an den Bildschirm heran, um ihrer Anfrage mehr Nachdruck zu verleihen. Ihr war es ernst, soviel stand fest.<br>„Hören sie, Commander Price ist an Bord des Schiffes und ich muss wissen, wie es ihm geht. Deswegen rufe ich Sie an. Ist die Monitor gegenwärtig in Gefahr?“<br>„Ich wüsste nicht, was Sie das angeht.“<br>„Matthew Price ist der Vater meiner Tochter!“ gestand Selina schließlich ein, die nun eine andere Taktik verwendete. Statt mit Härte aufzutreten hoffte sie nun auf etwas Mitgefühl seitens der Frau, die zwar älter war, im Rang jedoch unter ihr stand. „Ich möchte doch nur wissen, ob es ihm gut geht.“<br>Natürlich hatte Commander Kranick über diese Vaterschaft bescheid gewusst. Sie kannte alle Akten der Monitor-Führungsmitglieder. Doch den sorgenvollen Blick des Captains zu sehen erweichte ihr Herz. Elena seufzte und antwortete schließlich:<br>„Es geht ihm gut, keine Angst. Er wird sich sicher bald melden.“<br>Eigentlich war diese Aussage eine glatte Lüge gewesen. Wahrscheinlich ging es dem Schiff gerade nicht gut, das Spiegeluniversum war ein gefährlicher Ort. Doch der Commander hatte das Bedürfnis Selina Kyle zu beruhigen und genau dies schien ihr zu gelingen.<br>„Sind Sie sich sicher?“ fragte die Imzadi noch einmal nach.<br>„Natürlich kann ich Ihnen nichts genaures sagen, aber es gibt keinen Grund zur Sorge“, beschwichtigte Kranick noch einmal die Kommandantin. „Ich muss nun leider mit meiner Arbeit fortfahren. Wir halten Sie jedoch auf dem Laufenden.“<br>Ob Kranick dieses Versprechen halten würde, wusste Selina nicht. Doch fürs erste reichte es ihr zu hören, dass Matt nicht in ernsthafter Gefahr war. Hoffentlich würde er sich bald bei ihr melden und über die vergangenen Ereignisse reden wollen. Seine Tochter vermisste ihn…und Selina auch. <br><br>Edward Jellico hasste es. Er hasste es, wenn man ihn zappeln ließ. Der Präsident behandelte ihn wie einen Wurm am Haken. Und das schlimmste war, dass er sich selbst in diese Lage gebracht hatte. Seine Pläne lagen nun in den Händen des wichtigsten Mannes des Quadranten. Wie ironisch. Wie zynisch!<br>Gerade der Mann, dessen Posten er so sehr avancierte, hatte nun den Vorteil seines geheimen Planes in seinen Händen.<br>Vor einer halben Ewigkeit war der Präsident zur Krisensitzung mit seinem Kabinett aufgebrochen. Besser gesagt, hatte aufbrechen müssen.<br>Edward konnte nur warten. Es gab Zeiten in denen man vertrauen haben musste. Beinahe einen Glauben haben musste. Man musste an seinen Plan glauben. An die Fähigkeit alles, bis auf letzte Detail geplant zu haben. Dies war jedoch ein Ding der Unmöglichkeit. Die unüberschaubaren und unkontrollierbaren Elemente dieser Situation waren die Kabinettsmitglieder. Individuen mit starken und nahezu unbeugsamen Willen. Charaktere so gefestigt wie er selbst. Zweifellos brachte man es in einer so großen und gewaltigen Allianz, wie der Föderation, nur mit diesem Eigenschaften zu etwas.<br>Inzwischen war die Nacht angebrochen und Jellico konnte die Sterne über Paris betrachten. Einen Moment lang geriet er ins Schwärmen. Unzählige, vermutlich Tausende Lichtjahre, hatte er an Bord verschiedener Raumschiffe inmitten dieser Sterne verbracht. Nie war ihm die Schönheit dieser winzigen Giganten so bewusst wie heute. Als junger Mann hatte er die Sterne viel zu wissenschaftlich, viel zu selbstverständlich genommen. Doch dies waren sie keineswegs. Wenn er eins gelernt hatte an diesem Tag, dann, wie zerbrechlich alles um ihn herum ist. Nein, mehr sogar. Jeder menschliche Körper ist zerbrechlich und fragil. Somit auch seiner.<br>Sein Terminal zirpte und riss ihn aus seinen Träumen. Wieder öffnete sich an diesem Tag eine geheime Verbindung. Schnell nahm er das Gespräch an. Auf dem Bildschirm war daraufhin ein Mann seines Alters zu sehen. <br>„Roger, schön dich zu sehen...“, begann Edward und begrüßte seinen alten Freund Admiral Roger Mannox aufs herzlichste.<br>„Eigentlich hatte ich mit diese geheimen Treffen schon vor langer Zeit abgeschlossen...“ Die Müdigkeit war deutlich in Roger Mannox Stimme zu hören. Er hatte das Oberteil seiner Uniform nur leger über seinen Oberkörper gezogen. Ein Pyjama war darunter zu erkennen. Offenbar hatte Edward ihn geweckt. „Ich weiß, ich weiß...“, legte Mannox nach, bevor Jellico auch nur ein Wort sagen konnte. „Die Sektion aber nicht mit mir.“<br>„Hast du tun können, um was ich dich gebeten hab?“<br>Mannox nickte. „Ja, in spätestens einer Stunde sollte eine Erfolgsmeldung vorliegen.“<br>Jellico grinste zufrieden. Endlich einmal wieder gute Nachrichten.<br>„Ich danke dir Roger.“<br>„Ich bin stets zu Diensten. Und nun, werd ich mich noch ne Runde hinlegen – wenn du nichts dagegen hast natürlich...“<br>Jellico war diese Spitze egal. Unter Freunden waren ironische Bemerkungen Gang und Gebe und wurden schon erwartet. „Nicht im Geringsten“, antwortete er daher und schloss den Kanal.<br>Zumindest dieser Teil seines Planes klappte. Auch wenn er nun wieder warten musste, würde er in knapp einer Stunde ein Problem weniger haben. Ein Problem namens Jozarnay Woil.<br><br>Einem Schwarm aufgescheuchter Hornissen gleich stießen sich die beiden Schiffe der Defiant-Klasse immer wieder auf ihren Gegner, versetzten ihm empfindliche Nadelstiche. Unklar blieb, für wen diese Angriffstaktik die größere Herausforderung darstellte: für den taktischen Offizier oder den Navigator. Der Person an der Waffenkonsole blieben nur Sekunden, um das richtige Ziel zu erfassen und es dann zu bekämpfen. Der Pilot hingegen musste waghalsige Flugmanöver fliegen, um nicht ein allzu leichtes Ziel für die anderen Klingonen zu bieten. <br>Einmal mehr tauchte die Spiegel-Defiant unter einer Salve des Gegners hinweg, kassierte zwar einige Treffer, die jedoch nicht all zu schlimm waren. Bruce Land war stolz auf seine bunt zusammen gewürfelte Besatzung von Individuen, die sich alle dem Kampf für die Rebellion verschrieben hatten. Auch für ihn war es ein höchst merkwürdiger Tag gewesen. Er hatte als reine Aufklärungsmission begonnen und endete nun in einem kleinen Gefecht. Noch seltsamer war die Begegnung mit dem anderen Schiff gewesen. Einem Schwesterschiff, welches aus einem anderen Universum stammte und nun mit ihnen zusammenarbeitete. Die Monitor schien augenscheinlich keine Probleme zu haben ihre Angriffe zu fliegen, doch Bruce Land und seiner Crew stand nicht die jahrelange Ausbildung der Sternenflotte zur Verfügung. Auch wenn sie Anweisungen von Captain Lewinski erhalten hatten, musste Martin oft genug bei seinen Anflugschneisen improvisieren, was ihm jedoch unerwartet gut gelang. Martin hatte sich früher aufgrund seiner Verwandtschaft zu John Lewinski mit vielen Anfeindungen auseinandersetzen müssen. Langsam gelang es ihm jedoch sich unter den Menschen einen gewissen Ruf aufzubauen, was nicht zuletzt an seinen unbestreitbaren fliegerischen Fähigkeiten lag.<br>Mehrere klingonische Phaserimpulse trafen die Defiant und ließen einige unbedeutende Relais durchbrennen. Viel dramatischer war jedoch die Erkenntnis, dass die Klingonen langsam ihr Angriffsmuster durchschauten. Lange würden sie nicht mehr diese Taktik fahren können. Doch dies war zum Glück nicht nötig gewesen. Aufgeregt meldete Jozarnay Woil, der an Bord der Defiant als taktischer Offizier fungierte: „Wir konnten eine Lücke in die klingonischen Schilde schießen und die Monitor meldet die Ausschaltung des feindlichen Antriebs. Sie bereiten sich nun auf das Hinüberbeamen ihres Enterkommandos vor!“<br>Aufgeregt erhob sich Land von seinem Kommandantenstuhl und imitierte damit unbemerkt die Gestik von Captain Lewinski.<br>„Dann denke ich“, entschied der Brite, der niemals sein Heimatland zu Gesicht bekommen hatte, „dass wir dem in Nichts nach stehen sollten. Jozarnay, begib dich auf der Stelle in den Transporterraum und beam dich hinüber.“<br>Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verließ der Antosianer die Brücke und eilte zu seinem Team. Martin Lewinski brauchte indes keine weiteren Anweisungen. Er wusste, dass, sobald die Enterkommandos an Bord waren, sich die Defiant und Monitor außer Schussweite bringen mussten. Hoffentlich ging die Aktion schnell genug von statten, als dass sich die klingonischen Schilde zu stark regenerieren konnten. Zumindest konnte das Flaggschiff nicht mehr entkommen. Ihre Eskorte stellte jedoch immer noch eine beträchtliche Bedrohung dar. <br>Ansonsten hatte ihr Plan wunderbar funktioniert. Durch koordiniertes und zielstrebiges Vorgehen hatten sie in nicht einmal fünf Minuten die Lücke in das feindliche Schildsystem geschossen, die sie für den Transfer benötigten. Hoffentlich blieb ihnen Fortuna auch weiterhin hold. <br><br>Schimmernd materialisierten die beiden Enterkommandos an Bord des klingonischen Schiffes der Negh´var-Klasse. Für einen winzigen Moment befürchtete Fähnrich Kensington inmitten einer hungrigen Menge von Klingonen gebeamt worden zu sein, doch dieser Gedanke stellte sich glücklicherweise als Trugschluss heraus. Zwar hatten sie es geschafft, sich durch die kleine Lücke in den Schilden hinüber zu beamen, doch sie hatten sich nicht direkt auf die Brücke oder den Maschinenraum transferieren lassen können. In zwei getrennten Teams waren die Crewmitglieder der Defiant und der Monitor an Bord gelangt und würden sich nun die letzten Meter bis zum Ziel durch das Schiff schlagen müssen. Mit einem routinierten Blick stellte Samira Kensington die Vollzähligkeit ihres Teams fest, dann schnappte sie sich ihren Tricorder, auf dem der Lageplan des Schiffs eingezeichnet worden war. Alle Mitglieder ihres vierköpfigen Team trugen Transportblockierer an ihrem Körper, die ein Hinausbeamen seitens der Klingonen verhindern sollte, sowie Phasergewehre, Phaser und Tricorder. Für alle Fälle hatte der Fähnrich zudem Sprengstoff mitnehmen lassen. Der Tricorder zeigte ihnen deutlich zwei menschliche Lebenszeichen an, die durch das Schiff irrten. Es handelte sich um einen Mann und eine Frau. Sie alle konnten nur hoffen, dass es sich dabei um Lieutenant Bird handelte. Beide schienen durch das Schiff zu schleichen, denn anhand ihrer Bewegungsmuster konnte man erkennen, dass sie klingonischen Besatzungsmitgliedern auswichen. <br>Die junge Frau wusste, dass die meisten, inklusive der Captain, von ihr dachten, sie wolle am liebsten den Lieutenant gar nicht zurückbringen. Immerhin war er ihr Vorgesetzter und in den vergangenen drei Monaten hatte sie ihn als taktischer Offizier vertreten. Doch mit dieser Einschätzung täuschte sich die Besatzung. Natürlich war Samira ehrgeizig, wollte in ihrer Karriere vorankommen und selbstverständlich hatte sie die letzten drei Monate als taktischer Offizier der Monitor genossen. Dennoch war sie pflichtbewusst und wollte ihre Mission erfüllen. Dieses Mal war Danny Bird die Mission und sie beabsichtigte nicht zu scheitern. Nicht nach alldem, was heute geschehen war. Innerhalb der letzten fast vierundzwanzig Stunden war dies der dritte Außeneinsatz für den jungen Fähnrich. Sie hatte mitgeholfen Martin Lewinski auf Befehl des Captains aus dem Hochsicherheitsgefängnis zu befreien und dabei den Schuss abgegeben, der einen Wachmann tödlich getroffen hatte. Bisher hatte Kensington noch nicht allzu viele Gedanken an dieses Dilemma verschwendet, doch ihr war bewusst, dass sie sich eines Tages dieser Sache stellen musste. <br>Auch war sie in Emden dabei gewesen, als dort das Chaos durch die Infizierten verbreitet worden war. In ihrem gesamten (zugegebenermaßen noch recht kurzen) Leben hatte sie noch nie etwas so grauenvolles gesehen oder gar erlebt. Jedes Mal, wenn sie einen der Angreifenden erschossen hatte, hatte sie es als Erlösung für den Infizierten betrachtet. Doch diese Sichtweise änderte nichts daran, dass Fähnrich Kensington am heutigen Tage viele Menschen getötet hatte. Zum ersten Mal in ihrem Leben, da der Dominion-Krieg vor ihrer Zeit bei der Sternenflotte gewesen war, hatte sie Leben genommen. <br>Während die Erschießung des Wachmanns ein Versehen gewesen war, waren diese mit vollem Bewusstsein geschehen. Samira hatte ihr Gewehr in Anschlag gebracht und abgedrückt. Wieder und wieder. Zu jenem Zeitpunkt hatte sie dabei nichts empfunden. Würde dies noch kommen? Und wenn diese Gefühle ausblieben, was bedeutete dies? Eigentlich glaubte Samira nicht von sich, dass sie ein gefühlskalter Mensch war, auch wenn dies manche von ihr annehmen mochten. Viele hatten einen falschen Eindruck von ihr, dies wusste sie. Allen voran Commander Price, mit dem sie sich mehr als einmal heute in die Haare gekriegt hatte. Jetzt, in diesem denkbar ungeeigneten Moment an Bord des klingonischen Schiffes, sah Samira ihre Fehler ein, denn möglicherweise waren ihre kleinen Streitereien völlig banal gewesen. Vielleicht wäre eine Aussprache am Ende dieses verdammten Tages angebracht. <br>Wie auch immer, gegenwärtig galt es sich auf die vor ihr liegende Mission zu konzentrieren. Die drei Sicherheitsleute, die sie ausgewählt hatte, gehörten zu den besten des Schiffes. Sowohl Bird als auch sie selbst hielten große Stücke auf sie und in Kensingtons Augen gab es keinen Zweifel, dass sie zügig ihr Missionsziel erreichen konnten. Ohne weitere Zeit zu verlieren machte sich das Team auf den Weg. Dabei huschten sie unter gegenseitiger Deckung durch die Gänge der Klingonen und versuchten Crewmitgliedern, die aufgeregt durch die Korridore huschten, zu entgehen. Sie hatten sich dagegen entschieden die Wartungsröhren zu benutzen. Zwar waren diese sicherer, jedoch hätte ein Vorankommen deutlich länger gedauert. Um nicht von den Klingonen sofort mittels der internen Sensoren geortet zu werden, wandte sich eines der Teammitglieder der erstbesten Computerstation zu, die sie fanden und speiste einen Computervirus in das System ein. Dieser würde den Gegnern noch mehr Probleme bereiten. Zwar würde er es nicht schaffen eventuell abgefeuerte Waffen zu maskieren, aber die Biosignale wurden deutlich abgeschwächt.<br>Nachdem dies erledigt war, marschierten sie weiter. Dabei verzichteten sie völlig auf Kommunikation, verständigten sich stattdessen per Handzeichen, die jedem Mitglied des Sicherheitskommandos bekannt waren. Danny Bird hatte sie damals eingeführt. Es waren dieselben Gesten, die auch bei den Rangern benutzt wurden. Jener Spezialeinheit, in der der Lieutenant auch Mitglied war.  Sie waren nicht allzu weit von den beiden menschlichen Lebenszeichen entfernt. Leider konnten sie sich jedoch mit ihnen nicht verständigen, was ein unkontrolliertes Davonrennen der beiden zur Folge hatte. Für das Außenteam kam es nun darauf an die beiden Menschen so schnell wie möglich einzuholen. Ihr Vormarsch wurde jedoch jäh gestoppt, als sie urplötzlich in die Hände eines klingonischen Technikers rannten. Dieser schien genauso überrascht über die Eindringlinge zu sein wie das Außenteam selbst und überlegte für den Bruchteil einer Sekunde, was er nun tun solle. Diese Zeitspanne reichte Fähnrich Kensington jedoch, um das Problem aus der Welt zu schaffen. Mit einer fließenden Handbewegung ergriff sie das am Knöchel befestigte Kampfmesser, wirbelte um den Klingonen herum und schlitzte ihm die Kehle auf. Das rosa Blut spritzte in einer grauenvollen Fontäne aus der Ader heraus und ließ den so stolzen Krieger röchelnd zu Boden sinken. Samira zwang sich dazu den Sterbenden anzublicken. Sie war verantwortlich für dessen Ende, dies wollte sie sich ins Bewusstsein brennen. Kein Toter, selbst ihre Feinde, durften vergessen werden. Der Fähnrich konzentrierte sich wieder auf die vor ihnen liegende Aufgabe. Schritt und Schritt holten sie die beiden Menschen ein, wichen dabei den Klingonen aus, auf die sie trafen. Glücklicherweise mussten sie keine weiteren Besatzungsmitglieder töten, was die Wahrscheinlichkeit ihrer Entdeckung zwangsweise erhöht hätte. Kensington wollte ihre Phaserwaffen als letzte Trumpfkarte behalten. <br>Zwar besaßen die Klingonen über zahlreiche Kraftfelder, doch da sie die fremden Lebenszeichen nicht orten konnten, konnten sie diese nicht aktivieren. Natürlich wäre es ihnen möglich gewesen alle Kraftfelder zu aktivieren und damit jede Sektion abzuriegeln, doch damit hätten sie den Betrieb des Schiffes, vor allem während einer Kampfsituation, völlig unmöglich gemacht. <br>Zischend öffnete sich das Schott und das Einsatzteam stürmte in den nächsten Korridor. Vor ihnen konnten sie endlich, im Halbdunkel, zwei Rücken erkennen, die zweifelsohne menschlich waren. Samira strengte ihre Augen an, um die beiden Schemen zu identifizieren. Die eine Person war wie erwartet eine dunkelhäutige junge Frau, die zweifelsohne Janine Talley sein musste. Die andere Person war ein Mann, jung und vor allem weiß. Ja, dies musste er sein!<br>„Lieutenant!“ wisperte Fähnrich Kensington ihrem Vorgesetzten zu und dieser wirbelte erschrocken herum, die Phaserpistole auf das Einsatzteam gerichtet. Fast schon musste Samira erschrocken zusammenzucken, als sie den üblen Zustand des Offiziers erkannte. Überall hatte er Abschürfungen, offene Wunden und ein blaues Auge. Wahrscheinlich sah der Rest seines Körpers ähnlich schlimm aus. Auch die anderen Mitglieder des Einsatzteams wirkten ähnlich geschockt. Doch auch der Lieutenant selbst musste für einen Moment erstaunt den Mund aufreißen. Hier draußen, auf einem klingonischen Schiff im Spiegeluniversum, hatte er beileibe nicht damit gerechnet auf Besatzungsmitglieder der Monitor zu stoßen. Die letzten Minuten war er durch die Korridore gestolpert, um ein Shuttle zu finden, welches sie in Sicherheit bringen konnte. Wie er dann wieder in sein Universum zurückgekehrt wäre, war ihm bis dato noch unbekannt gewesen, doch Danny hatte sich inzwischen darauf beschränkt von Fall zu Fall zu denken. <br>Nun jedoch stand Fähnrich Kensington leibhaftig vor sich. Sprachlos ließ er die Waffe sinken und bedeutete auch Janine mit einer Geste ihre Waffe zu senken. Es war also geschafft.<br>„Sir, wir müssen uns beeilen“, mahnte ihn Samira an. „Die Monitor wartet nur auf unserer Rückkehrsignal. Ich werde es auf der Stelle senden. Jedoch müssen wir zu unserem Abholpunkt gelangen. Sehen Sie sich dazu in der Lage?“<br>Gedankenverloren nickte Danny und versuchte die eben erhaltenen Informationen zu ordnen. Also war die Monitor doch hier. War etwa die gesamte Crew zu seiner Rettung ausgerückt? <br>„Wo ist James Talley?“ fragte der Fähnrich, konnte sich anhand der Reaktionen der beiden jedoch die Antwort ausmalen. Der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee war also tot. <br>Geistesgegenwärtig schubste Danny Fähnrich Kensington zur Seite. Die gegen die Wand Taumelnde wollte sich im ersten Moment über diese ruppige Behandlung beschweren, doch im nächsten Moment begriff sie die Geistesgegenwart dieser Rettungstat, als ein grünlicher Phaserimpuls an ihr vorbeirauschte. Blitzschnell rissen die Mitglieder des Einsatzteams ihre Gewehre hoch und schossen auf die beiden Klingonen, die sie in diesem kurzen Moment der Unachtsamkeit von hinten überrascht hatten. Von den Gewehrschüssen getroffen sanken die beiden Hünen bewusstlos zu Boden.<br>„Wir müssen uns beeilen“, stimmte Danny zu und ergriff Janine bei der Hand. Gemeinsam rannte das Außenteam durch die gleichen Korridore zurück. Sie mussten den Abholpunkt erreichen, von wo aus sie wieder zurück an Bord gebeamt werden würden. Hoffentlich hatte die Monitor das Signal erhalten und befand sich inzwischen auf dem Rückweg. Nun wurde die Klasse der Sicherheitsleute deutlich. Wie ein gut geöltes Uhrwerk schritt das Team mit den beiden Geretteten durch die Gänge, schossen jeden auftauchenden Klingonen nieder und ließen gar keinen Raum für eventuelle Hinterhalte. Bird hielt sich bei dieser Aktion zurück, bemühte sich stattdessen mit seiner Freundin Schritt zu halten. <br>Es war bemerkenswert, wie mühelos das Einsatzteam sich seinem Ziel näherte. Offenkundig handelte es ich bei ihnen allen um Profis, die für einen solchen Moment trainiert hatten. In vielen Holofilmen ging in solchen Momenten noch etwas schief; eine Komplikation trat ein. Doch hier nicht, dazu waren sie alle zu eingespielt. Endlich erreichten sie ihren Zielort und Fähnrich Kensington sendete noch einmal das Signal. Nun hieß es zu hoffen, dass die Monitor rechtzeitig eintraf. Das Team ging rundherum in Stellung, stellten sich auf alle möglichen Eventualitäten ein, falls das Schiff sich verspäten sollte. Bird presste sich mit seiner Freundin gegen eine Wand und atmete tief durch. Hoffentlich war dies endlich das Ende des Martyriums. Nach drei Monaten der Undercoverarbeit, der Gefahr und der Angst sehnte sich der Lieutenant um etwas Frieden.  <br><br>Für den Geschmack des Regenten waren dies nun etwas zu viele schlechte Nachrichten auf einmal. Die beiden aufgetauchten Schiffe, die sie immer wieder angegriffen hatten, waren Ärgernis genug und nun waren zwei Enterkommandos an Bord gebeamt worden. <br>„Was soll das heißen, Sie können die Angreifer nicht lokalisieren?“ fauchte Martok den Sensortechniker an?<br>„Die Eindringlinge haben einen Virus in unser System eingespeist. Ich kann ihn entfernen, doch dies wird Zeit benötigen.“<br>So hatte sich Martok den Beginn seiner Regentschaft nicht vorgestellt. Er war nicht einmal einen halben Tag im Amt und schon schien alles schief zu gehen.<br>„Ich will, dass die Eindringlinge sofort gefasst und exekutiert werden!“ befahl Martok, besann sich jedoch eines anderen. „Halt! Lassen Sie einen am Leben; wir können so wichtige Informationen beziehen.“<br>Zwei Brückenoffiziere nickten und machten Anstallten das Kommandodeck zu verlassen, doch so weit kamen sie gar nicht. Zischend öffnete sich das Schott zur Brücke und das Enterkommando der Defiant, angeführt von Jozarnay Woil, stürmte herein. Das Vorgehen dieses Teams war bei weitem nicht so taktisch versiert und lautlos gewesen wie das von der Sternenflotte, doch die Spiegeluniversumcrew hatte dafür einen deutlich geringeren Weg zurückzulegen gehabt. Sie hatten gleich auf das Kommandodeck gebeamt werden können und hatten daher nur einige wenige Schotts zu durchschreiten. <br>Durch Woils Körper wurde Adrenalin gepumpt und er fühlte sich fast schon wieder wie zu jener Zeit, als er drogenabhängig gewesen war. Damals hatte er Stimuli gebraucht, um genau dieses Gefühl erzeugen zu können. Ein Adrenalinrausch, nach dem er süchtig geworden war. Fast wäre der Antosianer an den Drogen zu Grunde gegangen, bis man ihn für die Sache der Rebellion gewinnen konnte. Die ständigen Gefechte, im Weltraum oder am Boden, waren besser als jede Droge und vor allem sauberer. Gut, es bestand natürlich immer die Chance bei solchen Aktionen ums Leben zu kommen, doch nichts war ohne Risiko. Berauscht von der körpereigenen Droge wünschte sich Woil schon fast einen Klingonen töten zu können. Die meisten Rebellen kämpften aus persönlichen Gründen gegen die Allianz, weil sie Angehörige, Freunde oder ganze Welten verloren hatten. Der Antosianer kämpfte um des Kämpfens willen. Solange dies zu akzeptablen Resultaten führte, war Bruce Land, Julian Bashir oder gar Smiley O´Brien dies egal. <br>Die beiden Offiziere, die gerade die Brücke verlassen wollten, wurden von dem eindringenden Außenteam ohne zu Zögern erschossen. Die ganze Aktion war eine Angelegenheit von Sekunden. Sie durften den Klingonen keine Möglichkeit zur Gegenwehr geben und daher streckten sie auch die restlichen drei Offiziere, die sich auf der Brücke befanden, nieder. Die stolze Kriegerrasse hätte sich ohnehin niemals ergeben und wählte fast schon den Freitod. Kein einziger konnte schnell genug seine eigene Waffe ziehen, um das Feuer zu erwidern. Die ganze Sache lief schon fast zu gut.<br>Fassungslos musste Martok mit ansehen, wie um ihn herum jeder Klingone starb. Der ehemalige Captain bereitete sich ebenfalls auf das Ende auf seines Lebens vor und hoffte, dass seine Seele Eingang ins Sto´vo´kor fand. Doch die Eindringlinge, drei Menschen und ein Antosianer, schienen ihm nicht das Leben nehmen zu wollen. Zwar bedrohten sie ihn mit ihren Waffen, doch sie drückten nicht ab. Nein, sie wollten ihn doch nicht etwa lebend?<br>„Wo ist der Regent?“ fragte Woil, der sehr wohl wusste, dass Worf der gegenwärtige Machthaber der Klingonischen Konföderation war. Vor ihm stand ein Mann, gewandet in den Umhang des Staatsoberhauptes, doch dabei handelte es sich auf keinen Fall um Worf.<br>„Er steht vor Ihnen!“ erwiderte Martok selbstsicher und versuchte heimlich nach dem Dolch an seinem Gürtel zu greifen, was ihm misslang.<br>„Nicht so hastig, Freundchen!“ raunte ihm Woil zu.<br>„Wieso?“ entgegnete der Klingone grinsend. „Ich weiß ganz genau, dass Sie ihre primitiven Waffen nicht auf Betäubung stellen können.“<br>„Diese hier aber schon!“<br>Blitzschnell holte Woil einen Sternenflottenphaser, der ihm vor der Mission von Fähnrich Kensington übergeben war, hervor und betäubte Martok. Mit klingonischer Innenpolitik kannte sich der Antosianer nicht aus. Was er jedoch wusste war, dass Worf scheinbar nicht an Bord war und dieser jemand, der den Regentenmantel trug, schien ihn zu vertreten. Er würde sicherlich eine ebenso gute Geisel abgeben. <br>„Los, weg hier!“ befahl Woil, der so schnell wie möglich die Brücke verlassen wollte, bevor klingonische Verstärkung eintraf. Die gesamte Erstürmung der Brücke hatte eine Minute gedauert, was eine exzellente Zeit darstellte. Hoffentlich war das Außenteam der Monitor, die eine ungleich schwierigere Aufgabe hatte, genauso erfolgreich. Schon im nächsten Moment bereute Jozarnay schon fast seine Entscheidung Martok betäubt zu haben, denn der Bewusstlose war unglaublich schwer. Nach einigen gescheiterten Versuchen packten sie den scheinbaren Regenten zu viert und marschierten in Richtung Abholpunkt. Hoffentlich trafen sie nun auf keine Wachen, denn ansonsten hätten sie keine Möglichkeit sich zu wehren.  <br><br>Jozarnay Woil erwachte aus einem kurzen, traumlosen, unruhigen und alles andere als erholsamen Schlaf. Kopfschmerzen hatten ihn geplagt und das Weiß entzog ihm seine Kräfte, langsam, aber stetig.<br>Die Minuten kamen ihm wie Stunden, die Stunden wie Tage vor. Also suchte er sich andere Beschäftigungen. Bewegen konnte er sich nicht. Mit einem Kraftfeld hinderte man ihn daran, sich zu bewegen. Daher beobachtete er die Decke der kleinen Krankenstation. Zählte die Karos in dem dunklen, kalten Metall. Ließ sich nicht von der indirekten Beleuchtung stören, übersprang Luftfilter und ähnliches. Hin und wieder hörte er leise Gespräche vom anderen Ende der Krankenstation. Doch seine Ohren konnten ihn da auch vielleicht täuschen. Ab und zu schaute Menek bei ihm vorbei. Er schaute ihn immer kurz an, nur für den Bruchteil einer Sekunde, ertastete den Puls an seinem Handgelenk und warf dabei einen schnellen Blick auf den Bildschirm über dem Bett. Mit einem andeutungsweise freundlichen Lächeln verabschiedete er sich dann auch so schnell wieder, wie er gekommen war.<br>Auf jeden Fall viel zu schnell für die ins Stocken geratene Reaktionszeit des Antosianers.<br>Also tat er etwas, dass er schon sehr lange nicht mehr getan, versucht, gewagt hatte.<br>Herr gib mir die Kraft, den Versuchungen zu widerstehen, Herr gib mir die Weisheit, das Gute zu erkennen, Herr gib mir die Hoffnung um deinem Weg zu folgen. Herr gib mir die Wachsamkeit, um meine Familie zu beschützen. Denn du bist der Anfang und das Ende. Geheiligt sei Dein Name, geschützt sei Dein Haus, gesegnet unsere Reise zu Dir.<br><i>Woil beruhigte sich. Sein Herzschlag wurde regelmäßiger, seine Lungen füllten sich mit ein wenig mehr Sauerstoff. Der göttliche Atem. Die Erinnerungen kehrten zurück. Wie hatte er nur von seinem Glauben abfallen können? <br>Er erinnerte sich an mehr. So etwa an seine Gefangennahme durch Edward Jellico. Eine Schmach, die seines gleichen suchte.</i><br>„Wie… haben sie uns… gefunden?“ fragte der ehemalige Chefingenieur atemlos.<br><i>Auf diese Erklärung freute sich der Verschwörer Edward Jellico am meisten, denn sie würde Woil nur noch mehr die Tragweite seines Versagens bewusst machen.<br>„Sie hätten mich damals töten soll, als Sie die Gelegenheit dazu hatten. Auf der Erde gab es den perfekten Moment und Sie haben es dennoch nicht hinter sich bringen können. Dachten sie etwa, ich würde Sie laufen lassen?“ Die Frage Jellicos schien eher rhetorischer Natur zu sein. „Ich habe an Ihnen bzw. Ihrem Raumschiff einen Sender platziert, ohne dass Sie es gemerkt haben. So haben Sie mich direkt zu Stella und ihrem Versteck geführt. Einige Monate lang ließ ich Sie in Sicherheit wiegen und wartete den perfekten Moment ab. Und welcher Augenblick war besser als kurz vor ihrem Triumph?“ Zynisch grinste Edward und bedeutete den Wachen mit einer einfachen Handbewegung den Gefangenen wegzubringen. Er hatte heute ein gefährliches Spiel gespielt und in allen Punkten gewonnen. Nun war der Weg endgültig frei für ihn. „Schafft ihn mir aus den Augen.“ Jellico wandte sich von seinem neuen Gefangenen ab und widmete sich wieder dem Hauptbildschirm. Als gäbe es nichts Interessanteres als Warpsterne zu beobachten.<br>Die beiden Wachen packten Woil an seinen Unterarmen und zogen ihn mit sich. Strampelnd und zappelnd versuchte er sich gegen die beiden Männer zu wehren – vergebens.<br>„Ich werde schweigen! Nie im Leben werden Sie mich zum Reden bekommen!“<br>Amüsiert drehte sich Jellico noch ein letztes Mal herum, um zu sehen, wie Woil von der Brücke geschleppt wurde.<br>„Nichts anderes erwarte ich von Ihnen, Mr. Woil, während Sie in ihrer Zelle verrotten.“<br>Dann schloss sich das Schott der Brücke. Dies war das letzte Mal, dass Woil Edward Jellico gesehen hatte.</i><br>Wie lange mochte dies her sein? Vier, fünf Wochen höchstens.<br>Seither hatte er eine Ewigkeit in Einsamkeit verbracht. Ab und zu wurde ihm Essen gebracht, Hin und wieder eine kleine Dosis Weiß um seinen Sucht am Leben zu erhalten. Was war sonst noch gewesen? Nichts. Es gab keine Verhöre, keine Folterungen. Nur eine erniedrigende Behandlung, die ihn manchmal glauben ließ, ein Tier zu sein.<br>Die fellartige Körperbeharrung und den erbarmungslosen Gestank hatte er zumindest schon.<br>Er erinnerte sich an die Geschehnisse dieses Tages. Es kam ihm vor, als wären es Wochen gewesen, soviel war geschehen – verglichen mit den vorhergegangenen.<br>Und nun, am Ende dieses Tages, war er wieder gefangen. Etwas würdiger behandelt, doch nichtsdestotrotz ein Gefangener. Und die Frage, ob es besser war ein Gefangener der Menschen oder der Romulaner zu sein, bekam er nicht aus seinem Kopf.<br>Was sollte nun geschehen? Was mochten sie mit ihm anstellen? <br>Hoffentlich würden sie bald eine Entscheidung fällen. Die Ungewissheit erdrückte ihn schon geradezu. <br>Gehörte das zu ihrer Strategie? Wollte sie ihn noch ein Weilchen schmoren lassen, bevor sie ihn weiterhin mit Fragen quälte. Fragen, für die er keine Antworten hatte. An den Flug zum Talar konnte er sich beim besten Willen nicht erinnern. Er war einfach eingesperrt gewesen in einer Arrestzelle des kleinen klingonischen Bird-of-Prey. Dann, irgendwann, nach einem zweiwöchigen Flug – ohne, dass man mit ihm geredet, ihn verhört, gefoltert oder auf irgendeine andere Art malträtiert hatte – wurde er von dieser Zelle in eine andere gebeamt. Was hätte er in dieser Zeit doch nur für einen Hauch frische Luft getan?<br>Frische Luft hatte er an diesem Tag jedoch schon genug bekommen. Mehr als ihm lieb war.<br>Beschweren konnte er sich dabei doch wahrlich nicht. Hier hatte man ihm nicht wehgetan, ihm Essen gebracht, ihn medizinisch versorgt.<br>Er erinnerte sich auch noch an eine andere Sache. Er erinnerte sich an Stelle Tanner. Auch die Visionen von ihr waren weg. Getilgt aus seiner Wahrnehmung.<br>Seltsamerweise überraschte ihn das Gefühl, das er empfand, während er an die Liebe seines Lebens dachte. Die Frau, für die er durch die Hölle und wieder zurückgegangen wäre.<br>Er empfand Rache.<br>Und dieses Gefühl wuchs immer stärker in ihm heran. Er konnte nicht anders. Plötzlich sammelten sich seine Gedanken auf diesen einen Punkt.<br>Er musste dieses Gefühl stillen. Er musste runter von diesem Schiff. <br>Egal wie.<br><br>Nachdem die beiden Enterkommandos ihre Arbeiten erledigt hatten, begann die dritte Phase des Aktionsplans. In getarntem Zustand rasten abermals die beiden Schiffe der Defiant-Klasse auf die klingonische Flotte zu. Nachdem sie sich in der ersten Phase wespengleich auf das klingonische Flaggschiff gestürzt hatten, veränderte sich nun ihre Taktik. Dieses Mal wollten sie mit vereinten Kräften zuschlagen. Schnell und hart. Captain John Lewinski saß immer noch auf seinem Kommandantenstuhl und blickte auf den Wandschirm, der die schnell näher kommende klingonische Flotte zeigte. Bisher lief alles so wie geplant. Hoffentlich hielt dieser Zustand auch an, denn irgendwie hatte John ein ungutes Gefühl bei der Sache. Am heutigen Tage war so vieles schief gegangen, dass er einfach nicht mehr die Möglichkeit einer fehlerlosen Aktion in Betracht ziehen konnte. Aber vielleicht hatten sie ja dieses eine Mal Glück, gewährte ihnen das Schicksal einen kleinen Erfolg.<br>„Haben uns die Klingonen entdeckt?“ fragte Lewinski in Richtung Tellom, die nun die Aufgaben des Einsatzoffiziers übernommen hatte, nachdem sich Lieutenant Bolder in den Transporterraum begeben hatte. Seine Erfahrung als Transporterchef des Schiffes wurde nun mehr denn je gebraucht.<br>„Nein, das haben sie nicht“, antwortete die Ehefrau von Ardev. „Es herrscht Verwirrung innerhalb der Flotte und ehrlich gesagt weiß ich nicht, wieso sie nicht verschwinden, aber sie haben weder uns noch die Defiant entdeckt!“<br>Dies war genau die Antwort, die Captain Lewinski hören wollte.<br>„Dies ist ein Indiz für unsere Schlagkraft!“ erklärte der Kommandant. „Scheinbar war unser Angriff gut genug geplant und wir haben die klingonische Brücke schnell genug gestürmt. Außerdem sind Klingonen die letzten, die sich von einem Schlachtfeld zurückziehen…gerade wenn sie deutlich in der Überzahl sind.“<br>„Wenn das so ist, dann demütigen wir die Klingen heute ganz schön“, feixte Matte Price und konzentrierte sich dann wieder gänzlich auf den Anflug. Es war gut zu sehen, dass er für einen kurzen Moment die Trauer über seine verstorbene Mutter vergessen hatte und sich wieder auf einer Aufgabe widmen zu können.<br>Dann war es endlich soweit. Vorhin hatten sie das Skalpell genutzt, um die Außenteams hinüber zu beamen, nun benutzten sie für das Rückholen den Rammbock. Auf ein von Captain Lewinski gegebenes Kommando enttarnten sich die beiden Schiffe, die in einer engen Formation flogen, und eröffneten mit allen Waffen, welche ihnen zur Verfügung standen, erneut das Feuer auf das Negh´Var-Schiff. Dieses Mal hatten die Klingonen scheinbar ihre Rückkehr erwartet, denn augenblicklich erwiderten die Begleitschiffe das Feuer auf die Angreifer. Heftig wurde die Defiant durchgeschüttelt, doch ihre Schilde hielten dem Beschuss stand. Auch diese Aktion verlief einfach zu schnell, als dass eines der beiden Schiffe ernsthaft zu Schaden kommen konnte. Während sie auf das Flaggschiff feuerten, behielten sowohl Monitor als auch Defiant ihren Kurs bei und schossen in geringem Abstand über ihr Ziel hinweg. Ihr massiver Beschuss hatte dieselbe Lücke in den Schilden aufgerissen, die sie schon für den ersten Transfer genutzt hatten.<br>„Lewinski an Bolder“, ließ sich der Captain den Transporterraum durchstellen. „Jetzt!“ <br>Der junge Lieutenant verzichtete auf eine Erwiderung, fokussierte sich stattdessen voll und ganz auf seine Aufgabe. Er musste den Transfer für beide Schiffe durchführen, denn bei dieser immensen Geschwindigkeit und der technisch unerfahrenen Crew traute man der Defiant einen sicheren Transfer einfach nicht zu. Schon frühzeitig hatte Bolder die betreffenden Lebenszeichen erfasst und nur darauf gewartet das Startsignal zu erhalten. Als die klingonischen Schilde abermals eine Lücke aufwiesen und der Captain den Befehl gab, führte Alex Bolder den Beamvorgang durch. Ihm blieb wenig Zeit, denn das Schiff raste weiter und verließ schnell den Erfassungsbereich, um nicht zur Zielscheibe zu werden. Während sich die beiden Schiffe nach dem erfolgreichen Angriff tarnten, begannen die Transportplattformen bläulich zu schimmern. Einer nach dem anderen materialisierte scheinbar aus dem Nichts, bis schließlich wieder alle an Bord waren.<br>„Captain, hier Bolder: beide Außenteams sind wieder auf ihren Schiffen; inklusive Lieutenant Bird und seiner Begleiterin.“<br>Zwar sagte niemand etwas, doch deutlich konnte man auf der Brücke spüren, wie allen ein Stein von Herzen fiel. John blickte kurz an die Decke und dankte allen Göttern, die ihm einfielen. Endlich hatten sie Danny wieder zurück.<br>„Dann nichts wie weg hier!“ befahl er seinem Navigator und befahl die Aktivierung des Rückholsignals. Er wollte keine Sekunde länger als nötig in diesem Universum bleiben. <br><br>Wie erwartet hatte sich die Debatte zu einer anstrengenden und vor allem langen Sache entwickelt. Bemerkenswert war, wie gut das Kabinett scheinbar über seine Aktionen am heutigen Tag informiert gewesen waren. So gut wie jede noch so kleine Entscheidung des Präsidenten wurde durchdiskutiert und mehr als einmal hatte das Staatsoberhaupt das Gefühl, dass er sich für seine Taten rechtfertigen musste. Dabei stellte dieses ganze Treffen für ihn eine Farce dar. Er stand zu dem, was er zu Beginn gesagt hatte: die Bürger des interstellaren Völkerbundes hatten ihn in dieses Amt gewählt, damit er sie durch Zeiten wie diese führen konnte. Dass ihm nun dieses Recht durch seine eigenen Minister abgesprochen wurde, empfand er als Unding. Was glaubten die Kabinettsmitglieder mit dieser Sitzung erreichen zu können? <br>Natürlich hatte er Verständnis für ihre Sorgen und Ängste. Er war sogar bereit zuzugeben, dass er sich heute die Ratschläge von mehr als nur einem Berater hätte anhören müssen. Insbesondere in den Angelegenheiten des Inneren, als er die polizeilichen Maßnahmen in Emden angeordnet hatte, wäre eine detaillierte Rücksprache mit dem Innenminister von Nöten gewesen, doch aus Zeitgründen hatte er darauf verzichtet. Der Präsident wusste, dass der Minister des Inneren kein schlechter Mensch war. Keineswegs führte er diese Veranstaltung aus Karrieregründen durch, ihm lag tatsächlich das Wohl der Regierung am Herzen. Seine Absichten zur Wahrung der demokratischen Grundsätze waren ehrenhaft, in diesem Falle jedoch fehlgeleitet. Das einzige, was das Kabinett mit diesem Treffen bewirkte, war ein Zeitverlust. Dabei waren die Krisen des heutigen Tages bei weitem noch nicht bewältigt und es würde noch mindestens eine Woche dauern, bis alle entsprechenden Dinge geregelt worden wären. Kurzzeitig fragte sich das Staatsoberhaupt, wo er die Kraft für die kommenden Tage und Aufgaben hernehmen sollte. Er fühlte sich ausgelaugt, müde und kraftlos. Das opulente Abendessen hatte nur eine kurze Abwechslung und Stärkung angesichts der schlechten Nachricht dargestellt, die er schon im nächsten Moment gefolgt war. <br>Der Verrat Edward Jellicos hatte ihn hart getroffen, sowohl politisch als auch menschlich. Während des gesamten Tages hatten sie so gut zusammengearbeitet und trotz einiger weniger Meinungsverschiedenheiten hatte er den professionellen Rat des Justizministers zu schätzen gewusste. Gemeinsam mit Commander Elena Kranick hatte er ein bemerkenswertes Team zum Krisenmanagement abgegeben. Doch hätte er nicht einen solchen Dolchstoß seitens Jellico erwarten müssen? Immerhin war der ehemalige Admiral, auch wenn man so etwas in der politischen Landschaft schnell zu vergessen schien, früher ein Mitglied von Sektion 31 und damit ein Feind des Systems gewesen. Natürlich musste man eingestehen, dass man ohne die Hilfe Jellicos niemals so viele Mitglieder der Geheimorganisation innerhalb der Föderation aufgedeckt hätte, doch der derzeitige Minister für Justizangelegenheiten hatte sehr wohl seinen Nutzen aus diesen Dingen gezogen. Jellico gehörte laut Meinungsumfragen immer noch zu den beliebtesten Politikern, da man ihm die Bevölkerung am ehesten die Lösung von Problemen zutraute. Doch verfolgte er dabei nicht auch seine eigene Agenda? Zum ersten Mal fragte sich der Staatschef, ob Jellico nicht vielleicht sogar selbst Interesse am Präsidentenamt hatte. War dies möglicherweise der Grund für sein Schweigen gewesen? Wollte er sich selbst eine Tür zu diesem Amt öffnen? Egal wie diese Sache hier auch ausgehen mochte, er würde sich mit Edward Jellico befassen müssen. <br>Müde blickte der Präsident auf seine Uhr. Es war halb zehn. Ob nun endlich ein Ende dieser sinnlosen Debatte in Aussicht war?<br>„Wieso haben Sie der Monitor gestattet in das Spiegeluniversum zu reisen“, fragte der Innenminister und brachte damit einen weiteren Punkt zur Sprache. Es war bei weitem nicht so gewesen, dass er allein im Verlaufe der Diskussion gesprochen hatte, doch die meiste Zeit über hatte er sich als Wortführer herauskristallisiert.<br>„Um ihren Offizier Lieutenant Danny Bird zu retten, der in das parallele Universum entführt worden ist“, antwortete der Präsident mit betont neutraler Stimme. <br>„Finden Sie diese Entscheidung nicht gefährlich?“<br>„Inwiefern?“<br>„Ein ganzes Schiff mittels eines experimentellen Gerätes in ein uns unbekanntes und feindliches Universum zu entsenden, um einen Offizier zu retten? Fast achtzig Sternenflottler werden ausgeschickt, um einen einzigen Offizier zu retten…ist dies nicht eine Fehlkalkulation?“<br>„Ich wusste gar nicht“, entgegnete der Präsident mit diesmal fast gereizter Stimme, „dass es Politik dieser Regierung geworden ist Leben gegeneinander aufzurechnen.“<br>„Dies ist sie beileibe nicht. Dennoch zweifle ich am Nutzen dieser Expedition. Sicherlich, der Lieutenant hat sich als unschätzbarer Vorteil am heutigen Tage herausgestellt…“<br>„Ohne Lieutenant Bird“, unterbrach ihn das Staatsoberhaupt, „wüssten wir gar nichts von dem Bioanschlag. Er hätte uns ohne Vorwarnung getroffen. Danny Bird ist ein Held und hat es verdient als solcher behandelt zu werden. Er muss gerettet werden. Zudem ist die Monitor ebenfalls aus dem Grund in das Spiegeluniversum aufgebrochen, um die Urheber des Attentats festzunehmen, denn James Talley und seine Tochter Janine sind dorthin geflohen.“<br>Beide Männer blickten sich angestrengt an und jeder wartete auf eine Reaktion des anderen, ohne dass eine solche jedoch erfolgte. Punkt um Punkt hatte der Innenminister, der in seinem Auftreten fast einem Ankläger vor Gericht gleichgekommen war, vorgebracht und bisher hatte der Präsident zu jedem einzelnen eine sinnvolle und logische Erwiderung von sich gegeben. Aus seiner Sicht hatte der Präsident dieses kleine Machtspiel gewonnen.<br>Geschafft nahm der Innenminister einen Schluck Wasser zu sich und blickte in die Gesichter der anderen Kabinettsmitglieder. Jedoch schien keiner Interesse an weiteren Fragen zu haben und so erklärte der Wortführer:<br>„Ich denke wir sollten eine kurze Pause machen, bevor wir zur Abstimmung über die Einbringung eines Misstrauensvotums kommen.“<br>Alle schienen mit der Entscheidung einverstanden zu sein und erhoben sich von ihren Plätzen. Auch der Präsident nutzte die Chance und schnappte, flankiert von den beiden Agenten des Secret Service, nach frischer Luft. Während der gesamten fünfzehnminütigen Pause versuchten die Minister dem Präsidenten nicht zu nahe zu kommen. Ob aus Furcht oder Scham war unklar.<br><br>Fast mit Lichtgeschwindigkeit entfernten sich die beiden Schiffe von der klingonischen Flotte, die immer noch nicht so recht wusste, was geschehen war. Inzwischen musste sich an Bord des Flaggschiffs die Nachricht herumgesprochen haben, dass der Regent entführt worden war. Aber es bestand überhaupt nicht die Möglichkeit seiner Befreiung. Monitor als auch Defiant hatten ihre Tarnvorrichtungen aktiviert und waren dadurch für die feindliche Flotte unauffindbar. Ohnehin hatten sich die beiden Schiffe inzwischen so weit entfernt, dass die Klingonen ohnehin nicht wüssten, wo sie mit der Suche beginnen sollten. Gegenwärtig befand sich die Monitor auf den Weg in die äußeren Bereiche des Sonnensystems und warteten auf die Öffnung eines weiteren Dimensionstores, um die Rückkehr in das eigene Universum einzuleiten. Auch wenn sie nicht daran geglaubt hatten, war ihnen die Befreiung Bird gelungen. Und nicht nur das, auch der Regent der Klingonen befand sich nun in Gewahrsam der Rebellen. Captain Lewinski konnte es noch gar nicht so recht glauben. War es das endlich gewesen? <br>Zischend öffneten sich die Schotts zur Brücke und eine Person, die sie schon lange nicht mehr gesehen hatten, betrat die Kommandozentrale. Ausnahmslos alle schauten zu Danny Bird, der selbst noch gar nicht so recht fassen konnte, dass er an Bord seines Schiffes war. Ein ganzes Quartal war er fort gewesen, ohne jeglichen Kontakt zu seinen Kameraden und Freunden. Atemlos blickte der Lieutenant jeden einzelnen von ihnen an. Mehrfach am heutigen Tage hatte Danny nicht mehr damit gerechnet, dass er sie jemals wieder sehen würde. Doch sie waren zu seiner Rettung geeilt, hatten sich unter Lebensgefahr in das Spiegeluniversum begeben und ihn, sowie Janine gerettet. Wie sollte er jemals seine Schuld begleichen? Hoffentlich war keines der Crewmitglieder bei der Befreiungsaktion ums Leben gekommen.<br>Captain Lewinski erhob sich von seinem Stuhl und trat auf seinen taktischen Offizier zu. Auch der Kommandant konnte nicht ein beruhigtes Lächeln unterdrücken. Danny sah furchtbar aus und gehörte dringend auf die Krankenstation, wo sich Dr. Frasier um ihn kümmern würde. Doch erst einmal galt es das verloren geglaubte Familienmitglied willkommen zu heißen.<br>„Willkommen an Bord, Danny“, meinte der Captain fröhlich.<br>Bird erwiderte das Lächeln, spürte jedoch dabei neue Wellen von Kopfschmerzen durch seinen Schädel rasen. <br>„Danke“, stammelte der Lieutenant und wusste nicht so recht, was er nun sagen sollte.<br>Doch er brauchte nichts mehr zu sagen. Völlig überraschend umarmte der Captain Bird und drückte ihn an sich. Nun konnte der taktische Offizier nicht mehr seine Gefühle zurückhalten. Nach all den Strapazen, nach all den grauenvollen Dingen, die er heute erlebt hatte, fing Danny an zu weinen. Leise schluchzte er vor sich hin und konnte noch gar nicht sein Glück fassen. <br>Matt Price blickte Arena Tellom an. Sie erwiderte den Blick und lächelte zurück. Auch wenn sie sich noch immer berechtigte Sorgen um ihren Mann machte, so empfand sie für einen Moment tiefe Freude darüber, dass sie einen Freund gerettet hatten. In wenigen Minuten würde sich das Dimensionstor öffnen und sie wieder zurück nach Hause bringen. Zurück zu Ardev.<br>Lieutenant Bird löste sich von seinem Kommandanten und blickte noch einmal die einzelnen Brückenoffiziere an.<br>„Danke“, sagte er schließlich. „Ich weiß nicht, wie ich jemals diese Schuld begleichen soll. Danke euch allen!“<br>Mehr konnte und brauchte der Lieutenant nicht zu sagen. Jeder verstand, was er meinte und so machte er sich endlich auf den Weg in die Krankenstation, um sich untersuchen zu lassen. Janine würde dort schon auf ihn warten. Die Frau, die ihr gemeinsames Kind gebären würde. <br><br>Auch auf der Brücke der Defiant herrschte Feierlaune. Bruce Land war nicht minder davon überrascht, wie großartig der gemeinsame Plan funktioniert hatte. Insbesondere wenn man den Umstand betrachtete, dass seine Crew nicht über die jahrelange Erfahrung wie die Sternenflottenbesatzung verfügte. Doch seine Leute hatten ihre Arbeit sehr gut gemacht. Land freute sich schon auf das Gesicht von Smiley O´Brien, wenn er ihm die Nachricht von der Gefangennahme des Regenten überbrachte. Scheinbar hatte es heute einen Machtwechsel innerhalb der Klingonischen Konföderation gegeben, denn statt Worf (von dem jede Spur fehlte) hatten sie einen gewissen Martok in Gewahrsam genommen. Wer auch immer nun der aktuelle Regent war, den Rebellen war in jedem Fall ein großer Wurf gelungen. Vielleicht schaffte Land es mit diesem Erfolg sogar aus dem Schatten von Julian Bashir herauszutreten, der in der Gunst von O´Brien immer noch vor ihm stand. Auch bei der Rebellenflotte ging es nicht zuletzt auch um Prestige.<br>Laut zeternd und in Ketten wurde der Regent auf die Brücke gebracht. Wie eben bei Danny Bird auf der Monitor blickten sich auch hier alle Brückenoffiziere zu den Neuankömmling an. Während Bird jedoch freundlich von seinen Freunden aufgenommen wurde, begegnete man dem Oberhaupt der Klingonen mit blankem Hass. In den Gesichtern der meiste war ein gewaltiger Hass zu erkennen, den man nun auf den Regenten projizierte. Land erhob sich von seinem Kommandantenstuhl und baute sich vor dem Hünen auf. Er war gute zwei Köpfe kleiner als der Regent, doch gegenwärtig fühlte er sich selbstbewusster als je zuvor.<br>„Willkommen an Bord der Defiant“, begrüßte Bruce den Gefangenen zynisch. „Ich bin mir sicher, Worf hat ihn schon einmal von diesem Schiff erzählt und insbesondere dem Aufenthalt hier.“<br>Der Gefangengenommene machte einen trotzigen Eindruck und blickte den Kommandanten hochnäsig an.<br>„Dafür werdet ihr zahlen, Menschen!“ zischte Martok voller Hass. „Sobald ich wieder frei bin, werde ich dich und dein Besatzung mit meiner Klinge aufschlitzen. Es gibt keinen Ort, an dem sie sicher sein werden!“<br>„Aus diesem Grund werden Sie niemals wieder frei sein“, entgegnete Bruce lapidar und ließ den Regenten von Jozarnay Woil zurück in die Zelle bringen. Der Klingone schleuderte Ihnen noch einige unangenehme Flüche nach, doch niemand ließ sich von seinen Phrasen beeindrucken. Derzeit gab es ohnehin wichtigeres. <br>Noch eine Sache, eine Aktion, stand am Ende dieses Tages aus. Jetzt, wo es anstand, fühlte sich Bruce Land gar nicht wohl in seiner Haut. Während des Kampfes gegen die Klingonen hatte er alle Gedanken an diesen Geheimplan verdrängt, doch nun musste er sich diesem inneren Dämon stellen. <br>„Manövrier uns hinter die Monitor“, forderte Land seinen Navigator auf und Martin Lewinski führte den Befehl unverzüglich aus. Die Defiant  positionierte sich hinter dem Sternenflottenschiff und brachte sich in eine gute Schussposition.<br>Ausgerechnet Martin Lewinski war es gewesen, der den Plan am vehementesten durchgesetzt hatte. Der Mann, der seinen Bruder verloren und nun wieder entdeckt hatte, schien dieser Schlag am wenigsten auszumachen. War er jedoch wirklich so gefühlskalt, wie er immer tat, wenn man auf das Thema John zu sprechen kam?<br>„Wir sind in Position“, meldete der Navigator und blickte sich zu seinem Kommandanten an.<br>„Die wissen gar nicht, was auf sie zukommt“, murmelte Chefingenieur William Riker und betrachtete die Monitor, deren Heck deutlich via Wandbildschirm zu sehen war. „Seid ihr sicher, dass wir das durchziehen sollen?“<br>Der unerwartete Meinungsumschwung irritierte einige der Brückencrewmitglieder, vor allem Martin Lewinski. <br>„Wie könnt ihr jetzt zögern? Immerhin haben wir das doch alles schon besprochen!“ ereiferte Martin, der nun sehr nervös wirkte. „Mit zwei Schiffen dieser Klasse haben wir viel größere Chancen im Kampf gegen die Allianz. Freiwillig werden uns die Sternenflottler die Monitor aber nicht übergeben.“ <br>Lands Blick wechselte zwischen dem Wandschirm und seinem Navigator hin und her. Er hatte sich vor kurzem noch so sicher gefühlt, doch nun zögerte er. Auch Martin erkannte den veränderten Gesichtsausdruck und mahnte zur Eile:<br>„In Kürze wird die Monitor durch das aufgebaute Transferfenster verschwinden. Wir müssen uns beeilen. Sollen wir das Feuer eröffnen?“<br>Dies war genau die Frage, die sich Bruce Land nun stellte. Sollte er das Feuer auf das Föderationsraumschiff eröffnen?<br><br>T’Nol setzte sich auf einen Stuhl, den er gerade selbst mitgebracht hatte. Sein muskulöser Körper verlor sich in dem Dunkel, das außerhalb des kleinen Lichtkegels herrschte. Nur sein leises Atmen war zu hören. Die Anstrengungen, die er in der letzten Stunde vollbracht hatte, waren ihm noch immer deutlich anzuspüren. Sein Körper schrie nach einer Pause. Doch seine Wut, sein Herz, sein Adrenalin, puschten ihn weiter.<br>„Da sind... Sie ja wieder...“, röchelte Ke’ler. Noch immer müde, gebrochen, entkräftet. „Sind Ihnen... noch ein paar... neue Schläge... eingefallen?“, fragte sie ihn herausfordernd.<br>Und, als hätte T’Nol es erwartet, antwortete er mit einem weiteren Haken in Richtung ihrer Nase. Einige alten Wunden platzen auf und frisches grünes Blut rann über ihr Gesicht.<br>„Machen Sie das gerne?“, fragte T’Nol verzweifelt.<br>„Was... meinen Sie?“<br>„Das hier“, antwortete T’Nol leise. „Sie verbreiten Qual... Eine Grabesstimmung. Zu welchem Zweck? Arbeiten wir nicht für das gleiche Ziel?“<br>„Und... das... wäre?“<br>„Ein starkes und großes Reich.“ T’Nol´s Antwort kam wie aus der Pistole geschossen.<br>Ke’ler lächelte andeutungsweise. „Wie gut... kannten Sie... Telk?“<br>„Ich bin seit einem Jahr sein Erster Offizier.“<br>„Das war... nicht meine... Frage“, hakte sie nach.<br>„Wir haben... hatten ein sehr gutes Professionelles Verhältnis.“<br>„Telk wusste... wie das Reich... ist.“ Ke’ler hustete und verbreitete so nur noch mehr Blut auf ihrem Körper. Ihrer Uniform war sie inzwischen entledigt worden. Sie saß nur noch in ihrer Unterwäsche da. „Er hat... schon dafür... gekämpft... getötet. Seine Seele... verloren. Wie ich.“ Sie musterte T’Nol mit strengem Blick. „Sie haben... keine Ahnung... wenn es um... das Reich geht.“<br>T’Nol schüttele den Kopf. „Telk und ich sind vom gleichen Schlag. Wir beide sind bereit alles zu geben für die Bewahrung des Reiches. Ich lasse Sie nicht daran weiter arbeiten, gute Männer zu töten.“<br>„Ob jemand... gut ist... entscheidet... die Geschichte. Nicht wir.“<br>T’Nol seufzte, griff in eine Seitentasche und holte ein kleines Gerät hervor. Traurig beobachtete er dies. Beobachtete, wie das kühle Licht sich darin spiegelte. Beobachtete, wie sein Gesicht darin aussah. Verzerrt, wie eine Fratze.  So wie er sich im Moment fühlte.<br>Auch Ke’ler schaffte es, einen Blick auf das kleine Gerät zu werfen. Natürlich erkannte sie es.<br>„Wie ich sehe, haben wir unterschiedliche Ansichten vom Reich.“<br>Die Gefesselte antwortete nicht.<br>T’Nol stand auf, stellte sich hinter Ke’ler, legte ihren Kopf in den Nacken und das Gerät auf ihre Stirn.<br>Sie begann schneller zu atmen – panisch. „Ich war... es nicht“, platzte es aus ihr heraus. Wieso wusste sie nicht. Sie hatte sich geschworen ihm diese Genugtuung nicht zu geben. Sie hatte sich geschworen keine Schwäche zu zeigen. Und doch war es nun soweit gekommen.<br>Der stellvertretende Kommandant nickte. „Das ist wohl das Schlimmste an dieser Situation.“<br>Ohne zu zögern aktivierte er das Gerät. Einige kleine Lichter begannen zu leuchten, ein schriller, leiser Ton zeugte von der Bereitschaft des kleinen Geräts.<br>Dreimal betätigte T’Nol dieselbe Taste. Der Ton wurde etwas lauter, die Lichtintensität stieg. Ke’ler kniff ihre Augen zusammen. Sie erwartete den Schmerz.<br>Dieses Gerät war in der Lage, jede einzelne Blutzelle eines Körpers ein wenig vibrieren zu lassen. Es mochte unbemerkbar sein, wenn eine Zelle vibrierte. Doch wenn Abermillionen dies taten – Ke’ler bereitete sich auf das Schlimmste vor.<br>Sie hörte sich selbst hecheln. Sie spürte in der Tat eine Träne auf ihrer Wange.<br>T’Nol hatte Stufe 3 aktiviert. Ein ziemlich hohes Niveau und wenn man dabei noch ihren geschwächten Körper berücksichtigte – tödlich.<br>„Halt! Stoppen Sie das!“ Plötzlich dröhnte Meneks Stimme durch den Raum.<br>Erschrocken sah sich T’Nol um und zog seine Hand zurück, die bereits den Auslöser gesucht hatte. Und auch Ke’ler hatte nicht erwartet die Stimme des Arztes noch einmal zu hören.<br>Da trat er auch schon aus dem Schatten heraus und drängte T’Nol von der Agentin weg. Nicht, dass er doch noch auf die Idee käme, den Knopf zu betätigen.<br>„Was ist denn Doktor?“, fragte der Erste Offizier ungeduldig.<br>„Es ist etwas passiert.“<br>„Was denn?“<br>Menek zögerte, warf einen flüchtigen Blick auf Ke’ler und entschied dann, dieses Thema an einem anderen Ort zu klären. „Kommen Sie bitte mit mir.“<br>Der Arzt ließ ihm keine andere Wahl. Er zog in beinah aus dem Verhörraum. Erst, als sie auf dem Korridor waren schaffte es T’Nol sich aus dem Griff des Arztes zu befreien.<br>„Ke’ler ist unschuldig.“<br>„Glauben Sie ihr etwa?“, fragte T’Nol genervt nach.<br>„Nein... ich glaube Fakten. Und Fakt ist, dass wir einen weiteren Toten haben. Der wahre Täter muss noch hier unter uns sein – er kann unmöglich in diesem Verhörraum sitzen.“<br>Wortlos und mit weit aufgerissenen Augen folgte T’Nol dem Chefmediziner. Die Tal Shiar Agenten waren alle eingesperrt. Wenn es sich tatsächlich in beiden Fällen um denselben Killer handeln sollte, dann musste er sich in der eigenen Crew befinden!<br>Und dann befanden Sie sich in einer größeren Gefahr als er bisher dachte. Vermutlich stand T’Nol nun der größten Gefahr, der größten Prüfung seines Lebens bevor.<br><br>Was hatte er nur getan?<br>Dies hatte sich der Innenminister im Verlaufe des Abends immer wieder gefragt. Gegenwärtig riskierte er seine gesamte politische Karriere und wollte einen Misstrauensantrag gegen den Präsidenten durchbringen. Weil er der Überzeugung war das Richtige zu tun. Doch während er nun vor dem Tisch stand und darauf wartete, dass jeder einzelne Minister seine Stimme abgab, überkamen ihn Zweifel. Der Präsident war ein guter Mann. Nicht nur ein fähiger Politiker und Präsident, sondern auch ein wunderbarer Mensch. Ein ehrenwerter Mann, für den es nichts Wichtigeres gab als das Wohl der Bürger. Sogar seine Familie war nur an zweiter Stelle gekommen, dies hatte seine Frau, die ihn bedingungslos unterstützte, immer gewusst. Eigentlich hatte der Föderation nichts Besseres passieren können als dieses Staatsoberhaupt.<br>Nun jedoch versuchte der Minister für innere Angelegenheiten eine Ereigniskette in Gang zu setzen, die letztendlich diese Präsidentschaft beenden sollte. Manchmal, während die Abstimmung lief, trafen sich die Blicke des Präsidenten und die seinigen. Dann bemühte er sich eine Reaktion in den Augen des Präsidenten zu sehen oder zu erahnen, ob er nun in seinen Augen ein Verräter war. Doch der Staatschef starrte ihn nur kurz an, bevor er sich wieder anderen Dingen widmete. Sollten sich die Kabinettsmitglieder gegen einen Amtsenthebungsantrag entscheiden, was würde dann aus dem Innenminister geschehen? Vermutlich wäre er nicht mehr in der Lage ein Amt in dieser Administration zu bekleiden. Für diesen Fall hatte er sich schon mental auf seinen Rücktritt von seinem Amt als Innenminister vorbereitet. Zu diesem Opfer, dem Ende seiner Karriere, war er immer noch ohne zu zögern bereit. Er glaubte an die Richtigkeit seines Tuns, auch wenn er sich inzwischen fragte, ob er den richtigen Weg gewählt hatte. <br>Es handelte sich um eine öffentliche Abstimmung. Ein Minister nach dem anderen konnte sich für oder gegen den angestrebten Antrag entscheiden. Niemand musste sich für seine Meinung schämen. Manche der Minister begründeten ihre Entscheidung mit einigen Worten an den Präsidenten, der diese nickend zur Kenntnis nahm, andere beschränkten sich auf eine knappe Wahlentscheidung. Minister für Minister wurden die Stimmen abgegeben, bis am Ende das Ergebnis fest stand.<br>„Wir haben ein Unentschieden!“<br>Die Erklärung des Innenministers löste, sehr zu seinem Erstaunen, ein freudiges Raunen im Saal aus. <br>„Damit wäre die Sache wohl beendet“, meinte der Präsident und machte Anstalten sich von seinem Platz am Tischende zu erheben. Doch leider freute er sich zu früh.<br>„Tut mir leid, Mr. President“, erklärte der Innenminister und bedeutete ihm noch einen Moment sitzen zu bleiben. „Eine Stimme fehlte noch.“<br>Wie aufs Stichwort öffnete sich die Tür zu dem Konferenzraum und Edward Jellico betrat den Raum. Überrascht blickte der Präsident den Justizminister an und erkannte dann seinen Rechenfehler. Als Mitglied des Kabinetts war natürlich auch er stimmberechtigt.<br>„Schön, dass Sie noch kommen konnten, Edward“, begrüßte ihn der Innenminister mit einem Lächeln. „Ich denke, Sie sind über die bisherige Abstimmung auf dem Laufenden?“<br>Seltsam nervös nickte der ehemalige Admiral und nestelte an seinem Anzug herum.<br>„Mir ist bekannt, dass es gegenwärtig ein Unentschieden gibt.“<br>„Dies ist richtig. Ihre Stimme ist die letzte, die fehlt… Sie geben den Ausschlag darüber, ob ein Misstrauensantrag gegen den Präsidenten der Föderation gestellt wird.“<br>Verstehend nickte Jellico und blickte kurz zu dem Präsidenten. Dieser fiel aus allen Wolken. Edward Jellico, der ihm vor zwei Stunden in den Rücken gefallen war, hielt nun die Zukunft seiner Präsidentschaft in den Händen. Für das Staatsoberhaupt gab es keinen Zweifel darüber, wie sich der Justizminister entscheiden würde. Auch Jellico hatte seine Entscheidung getroffen und öffnete den Mund, um sie zu verkünden…<br><br><center><u><b>Fortsetzung folgt</b></u><br><br>KAMPF<br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for TREKNews NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producers NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>TM &amp; Copyright © 2005 by TREKNews Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center><br>]]></description><guid isPermaLink="false">6558</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 7x10: Zusammenkunft</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-7x10-zusammenkunft-r6531/</link><description><![CDATA[<center><b>Diese Episode als PDF-Datei downloaden:</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_61921.html"><img border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/monitor_7x10_cover.jpg"></a><br><b>Monitor 7x10 "Zusammenkunft"</b></center><br><br><center><u>Das letzte Mal in 7x09 „Machtwechsel“:</u></center><br><i>Das Ergebnis der Jagd gefiel Captain Martok ganz und gar nicht. Vor allem verstand er nicht, wieso sie das fremde Schiff nicht hatten zerstören können. Die klingonischen Schiffe hatten die Terraner quasi schon in die Ecke gedrängt, doch bevor sie ihnen den Todesstoß hatten versetzen können, war ein zweites Schiff aufgetaucht. Nun waren beide Schiffe verschwunden und Martok ratlos.<br>Bei dem eben aufgetauchten Schiff musste es sich um die Defiant handeln, das stärkste Kampfschiff der Rebellenflotte. Das zweite war scheinbar baugleich mit ihr. Ihr Auftauchen konnte alles verändern. Im Laufe der letzten Jahre hatte die Defiant den Schiffen der Allianz beträchtlichen Schaden zugefügt. Dieses Schiff war zu einer Art Phantom geworden, welches nicht zu fassen gewesen war. Wenn es nun ein weiteres Schiff dieser Bauart gab, so stellte dies eine beträchtliche Bedrohung dar. Es galt beide Schiffe so schnell wie möglich zu stellen und zu vernichten. Auch wenn das fremde Raumschiff von ihren Sensoren verschwunden war, aufgrund seiner Beschädigungen musste es noch im Sol-System sein und stellte daher eine leichte Beute dar.<br>Die Schotts zur Brücke öffneten sich und der klingonische Regent betrat die Brücke. Worf hatte den gelangweilt-gleichgültigen Blick aufgesetzt, der ihm so eigen war. Scheinbar schien sich der Führer der Klingonischen Konföderation mal wieder nicht für das Tagesgeschehen zu interessieren, sondern schwelgte in seinen eigenen Machtphantasien. Allein für die Art und Weise, wie er auf die Brücke stolzierte, hasste Martok ihn. Der Captain hatte sein gesamtes Leben in den Dienst der Flotte gestellt und in zahlreichen Kämpfen gesiegt. Zudem gehörte er zu den wenigen Kommandanten, die lebend von einer Expedition in das Romulanische Sternenreich zurückgekehrt waren. Dennoch war ihm die politische Anerkennung verwehrt gewesen. Man hatte ihn damit belohnen wollen, der Captain des klingonischen Flaggschiffes zu sein, der direkt dem Regenten unterstellt war, doch in seinen Augen kam diese Aufgabe einer Strafe gleich. Schon immer hatte er wenig von Worf gehalten, doch seitdem er in seiner unmittelbaren Nähe diente, hasste er ihn. <br>„Bericht,“ forderte Worf ein und ließ sich wie selbstverständlich in den Stuhl fallen, der eigentlich Martok als Kommandant vorbehalten war. <br>„Wir haben das fremde Schiff nicht zerstören können,“ erwiderte Martok mit grollender Stimme.<br>„Sie haben nicht?“<br>„Nein, es bekam Unterstützung von einem weiteren Schiff, welches, wie ich vermute, die Defiant ist. Beide Schiffe verstecken sich wahrscheinlich nun unter Ausnutzung ihrer Tarnvorrichtung.“<br>Worf blickte Martok lange an und ließ die eben gehörten Worte auf sich wirken. Ob er nun Martok auf der Stelle wegen seines Versagens töten würde? Eigentlich wäre es für einen klingonischen Krieger die angemessene Strafe. Dabei würde Martok zumindest seine Ehre und damit die Chance auf den Einzug ins Sto´vo´kor behalten. Innerlich schloss der Captain mit seinem Leben ab und dachte ein letztes Mal an seine Frau, die er über alles liebte.<br>Doch zu seiner Überraschung wandte sich der Regent mit seinem Blick ab und erhob sich aus seinem Stuhl.<br>„Wie dem auch sei, wir werden uns zu geeigneter Zeit mit diesem Thema befassen. Es ist nun an der Zeit unsere menschlichen Gefangenen hinzurichten.“<br>Keiner der Brückenoffiziere, schon gar nicht Captain Martok, konnte glauben, was der Regent da eben gesagt hatte. Selbst in den Augen des einfachsten Matrosen war dies als klarer Fehler zu erkennen.<br>„Mein Regent,“ widersprach Martok mit zorniger Stimme, „das fremde Schiff ist beschädigt und kann das System nicht verlassen. Wir sollten uns auf die Suche machen und es vernichten.“<br>„Dies hat Zeit. Ich möchte mich stattdessen unserer Gefangenen entledigen. Ich werde ihrer langsam überdrüssig.“<br>Diese geschwollene, unkriegerische Sprache machte Martok nur noch wütender. <br>„Ein zweites Schiff, welches mit der Defiant identisch ist, stellt eine immense Gefahr für unsere Flotte dar, Sir. Jetzt, wo das Schiff angeschlagen ist, müssen wir unsere Chance nutzen!“ erklärte Martok mit fast schon zittriger Stimme.<br>Worf und er starrten sich mehrere Sekunden lang an; jeder von ihnen den nächsten Schritt abwägend. Dann wandte sich Worf ab (ein Zeichen der Schwäche für den Captain) und wollte die Brücke verlassen. <br>In diesem Moment fragte sich der Kommandant, was ihm seine Karriere und sein Leben wert war. War er bereit für seine Ansicht, die er als richtig ansah, alles aufzugeben? Bei seiner Argumentation ging es ihm nur um das Wohl der Allianz. Wahrscheinlich würden sie nie wieder die Gelegenheit bekommen einen so wichtigen Schlag gegen die Rebellenflotte zu erlangen! <br>Worf hatte schon fast das Schott erreicht, als Martok seine Stimme erhob und erklärte:<br>„Regent, ihre Entscheidung ist falsch!“<br>Langsam, fast schon in Zeitlupe, drehte sich Worf um und blickte Martok fest in die Augen. Er wollte zu einer Erwiderung ansetzen, doch der klingonische Captain kam ihm zuvor:<br>„Ich denke, sie führen ohne Ehre und fehlerhaft. Es ist meine Pflicht als Klingone sie herauszufordern.“<br>Entsetzt blickten die Brückenoffiziere erst zu Martok und dann zu Worf. Dieser lächelte.<br>„Sie wollen ein Duell?“ fragte der Regent grinsend und schien sich über diese Gelegenheit zu freuen. „Wie sie wollen.“<br>„Es geht mir um die Zukunft unseres Volkes,“ entgegnete Martok und zückte seinen Dolch. <br>Der Kampf um die Herrschaft der Klingonischen Konföderation hatte begonnen…</i><br><br><center><u>Und nun die Fortsetzung…</u></center><br>Die Zeit mochte ungünstig sein, doch die Entscheidung musste jetzt gefällt werden. Schon länger hatte Martok hinter verschlossenen Türen über die Möglichkeit einer Absetzung des Regenten nachgedacht. Vorsichtig hatte er Gleichgesinnte um sich gescharrt, die ebenso unzufrieden wie er mit Worfs Führungsstil waren. Jedoch so schnell ihn herauszufordern, kam selbst für den klingonischen Captain überraschend. Es hatte sich einfach aus der Situation heraus ergeben. Die anwesenden Brückenoffiziere wandten sich von ihren Stationen ab, drehten sich in Richtung Brückenmitte. Vor dem Wandschirm, wo es einen größeren freien Bereich gab, wurde ein Ring gebildet, in den sich Worf und Martok stellten. Die Klingonen begannen damit Schlachtengesänge anzustimmen und jubelten ihrem jeweiligen Favoriten zu. Hier kam ein Jahrhunderte altes klingonisches Ritual ins Rollen, welches die Jahrhunderte überdauert hatte. Worf ließ sich seinen schweren Mantel abnehmen und griff ebenfalls zu seinem Dolch.<br>„Mir war schon länger klar, dass sie sich eines Tages gegen mich auflehnen würden“, grollte Worf und lachte finster.<br>„Es geschieht alles zum Wohle des Reiches“, erwiderte Martok und ging im Geiste seine Angriffstaktik durch. Auch wenn er Worf für einen nur mäßigen politischen Führer hielt, so waren seine kämpferischen Qualitäten unbestritten. Hinzu kam sein deutlich jüngeres Alter, welches ihm eine höhere Agilität bescherte. Der Captain musste sich auf seine Erfahrung verlassen und den richtigen Moment abpassen.  <br>Beide Männer begannen sich gegenseitig zu umkreisen, während sie von den sie umringenden Klingonen angefeuert wurden. Worf versuchte ihn mit mehreren Finten aus der Reserve zu locken, doch der Herausforderer fiel nicht darauf ein. Stattdessen wartete er auf seine richtige Chance. Martok machte einen schnellen Vorstoß, versuchte einen eher schlecht platzierten Hieb, der mühelos von Worf abgewehrt wurde. Deutlich war die Konzentration der beiden Männer zu spüren. Die Welt um sie herum existierte nicht mehr, stattdessen gab es nur noch Martok und Worf. Jeder lauerte auf seine Chance. Mehrfach kreuzten sich ihre Klingen, ohne dass sie nennenswerten Schaden anrichteten. Der Kampf dauerte länger als beabsichtigt, was ein deutliches Zeichen für die Qualitäten der beiden Kämpfer war. Beide schenkten sich nichts, pflegten jedoch einen ausgesprochen defensiven Kampfstil. Niemand von ihnen wollte zu früh sein Pulver verbrauchen. <br>Dann, plötzlich, erkannte Martok eine Lücke in der Verteidigung des Regenten und preschte vor. Doch obwohl seine Technik exzellent, sein Hieb platziert war, konnte Worf dem Angriff ausweichen und setzte zu einem Konter an. Sein Dolch verfehlte nur um Zentimeter Martoks Schlagader, versetzte ihm stattdessen eine Risswunde an der rechten Wange. Er würde diese Narbe eines Tages mit Stolz tragen, soviel stand für den Captain fest. Die Menge grölte aufgrund dieses fast gelungen Angriffs und wähnte den Regenten als Sieger. Martok wusste, dass er nicht die Ausdauer besaß, um den Kampf noch ewig so weiterlaufen zu lassen. Immerhin war es ein Duell auf Leben und Tod. Möglicherweise galt es alles auf eine Karte zu setzen. Martok hatte keine Angst vor dem Tod. Wenn er starb, dann zumindest in dem Gewissen das Richtige getan zu haben. Der alte Klingone sammelte all seine Kraft, stürmte vor und rammte Worf zu Boden. Diese Attacke verlief so schnell, in ihrer Planlosigkeit so unerwartet, dass der Regent sie nicht abwehren konnte. Wie besessen stach Martok immer wieder auf ihn ein und der Regent hatte alle Mühe die Dolchstöße abzuwehren. Die Brückenoffiziere hielten den Atem an, denn sie witterten das Ende des Kampfes. Martok schwitzte aus allen Poren, keuchte aufgrund der Anstrengung, doch er hörte nicht mit seinen  Angriffen auf. Einer Salve gleich hieb er immer und immer wieder zu, um so Worf die Gelegenheit eines Aufstehens zu nehmen. Schließlich schlug er Worfs Dolch zur Seite, welcher scheppernd einer Ecke landete.<br>Entsetzt weitete der Regent seine Augen, als er sich seiner Niederlage bewusst wurde. In diesem Moment lief wirklich ein letztes Mal sein gesamtes Leben an ihm vorbei, so wie man es in den Mythen behauptete  <br>„Für das Wohl unseres Volkes“, raunte Martok und stach den Dolch in das Herz des Regenten.<br>Vor Schmerzen fast ohnmächtig weitete Worf seine Augen, doch er gab sich nicht die Blöße eines Schreis. Stattdessen trug er sein Ende so weit es ging mit Fassung. Das Leben entwich aus ihm fast geräuschlos. Um Martok herum herrschte Stille. Die Brückenoffiziere, selbst die, die zu ihm hielten, hatten nicht mit diesem Ausgang des Kampfes gerechnet. Der Regent, der Führer der Klingonischen Konföderation, war in einem Duell geschlagen worden. <br>Vor Erschöpfung schwer atmend sank Martok zu Boden und öffnete die Augenlider des Regenten, damit seine Seele den Weg ins Sto´vo´kor antreten konnte. Auch wenn er Worf für einen schwachen Anführer gehalten hatte, so wollte er ihm die letzte Ehre erweisen. Im Anschluss stimmte er das Totengeheul an, um die Krieger im Himmel zu warnen, dass ein weiterer Klingone auf dem Weg zu ihnen war. <br>Der zweite Offizier des Schiffes trat vor, nahm den Mantel des Regenten an sich und erklärte:<br>„Erweist dem neuen Regenten des klingonischen Volkes die Ehre: Martok! Martok! Martok!“<br>Mit einer weltmännischen Geste wurde Martok der Mantel umgelegt und die anderen Offiziere stimmten in den Chorus mit ein. Alle riefen sie Martoks Namen, preisten ihn als neuen Führer. Dieser konnte noch immer nicht so ganz fassen, was geschehen war. Noch vor wenigen Minuten war er ein Captain der klingonischen Verteidigungsstreitkräfte gewesen. Nun war er der Regent der Klingonischen Konföderation! Ein unglaubliches Glücksgefühl durchströmte ihn, denn ein neues Zeitalter hatte begonnen!  <br><br>Von Glücksgefühlen war die Crew der USS Monitor weit entfernt. Im Schutze des Tarnschirms von ihrem Schwesterschiff flogen sie zum Pluto, dem am weitesten entfernten Planeten des Sol-Systems und versteckten sich in dessen Atmosphäre. Hier würde die Allianz es schwer haben sie zu finden; vor allem schon aus dem Grund, weil die Klingonen keine Ahnung hatten, wo sie überhaupt suchen sollten. Die Monitor erzitterte kurz, als Commander Price sie in der Atmosphäre parkte, doch er passte sofort den Kurs an und die Vibrationen verschwanden.<br>„Wir sind nun in Sicherheit…denke ich“, erklärte Matt Price und fuhr sich durch die schweißnassen Haare.<br>Auch Captain Lewinski kam nicht umhin, als tief auszuatmen. Unwissentlich hatte er die letzte Passage der Reise über die Luft angehalten. Nun, wo sie nicht mehr dem Beschuss der Klingonen ausgesetzt waren, blickte sich der Kommandant auf seiner Brücke um und was er dort sah, gefiel ihm ganz gar nicht. Mehrere Brände waren in Folge durchgebrannter Relais ausgebrochen, die von den automatischen Brandbekämpfungssystemen gelöscht worden waren. Die Deckenbeleuchtung war teilweise ausgefallen und lief nur noch über Notstrom. Selbiges galt für die Umweltkontrollsysteme, denn es war unglaublich heiß auf der Brücke. Zwei Sanitäter wuselten auf der Brücke hin und her, behandelten Verwundete. Dr. Frasier selbst hatte sich inzwischen auf die Krankenstation zurückgezogen, um weitere verletzte Crewmitglieder zu behandeln. Auch Fähnrich Kensington nutzte die Ruhepause, um ihre Stirn behandeln zu lassen. Manche mochten sich durch ihren übertriebenen Ehrgeiz angegriffen fühlen, doch die junge Frau war ein exzellenter taktischer Offizier und ein mehr als würdiger Ersatz für Danny Bird. Lieutenant Tellom hatte inzwischen selbstständig begonnen erste Schadenskontrollteams einzuteilen, die sich an die Arbeit machten. Die Entwicklung der jungen Terellianerin war bemerkenswert. John konnte sich noch ganz genau an die Zeit erinnern, als sie noch ein junger Fähnrich war. Schüchtern und zurückhaltend; eine Person, die sich und ihren Platz auf dem Schiff erst noch finden musste. Aus dieser Person war ein zielstrebiger Lieutenant geworden, der nun selbstständig Führungsverantwortung übernahm. Auch Arena stand eine große Zukunft bevor, davon war Captain Lewinski überzeugt.<br>„Schadensberichte kommen herein“, meldete Lieutenant Bolder, der die Einsatzstation übernommen hatte. „Mehrere Hüllenbrüche auf Deck 5. Zerstörung der hinteren Phaserbänke und Torpedorampen, vordere Bänke sowie Rampen reparabel. Auf allen Decks explodierte Leitungen und Durchgeschmorte Relais. Zwei Tote, 14 Verletzte.“<br>Niedergeschlagen senkte John seinen Blick. Zwei Tote also. Weitere Personen, die am heutigen Tage in Ausübung ihrer Pflicht ums Leben gekommen waren. Wer die beiden Crewmitglieder waren, darüber konnte der Captain derzeit nur spekulieren. Im Moment mussten sie sich auf andere Dinge konzentrieren.<br>Price´ Konsole piepte und mit einem überraschten Gesichtsausdruck sagte er:<br>„Das andere Schiff ruft uns!“<br>Fast schon war er so sehr in Gedanken versunken gewesen, dass John das seltsame Schwesterschiff vergessen hätte. Doch hier war es nun, live und in Farbe. Ohne dieses wären sie niemals heil aus dem Beschuss herausgekommen.<br>„Auf den Schirm!“ befahl Lewinski und abermals tauchte auf dem Projektionsschirm das Gesicht seines besten Freundes Bruce Land auf. Noch immer konnte der Captain es nicht fassen. Doch dieser Bruce sah anders aus als der Mann, den er das letzte Mal auf der USS Voyager gesehen hatte. Statt der Sternenflottenuniform trug er einige lumpige Zivilsachen, ein Vollbart zierte sein Gesicht und auch das Haupthaar war etwas länger, als es ein Offizier tragen würde. Diese äußerlichen Unterschiede verdeutlichten, dass es sich bei diesem Bruce Land um eine gänzlich andere Persönlichkeit handelte.<br>Da die Mission im Spiegeluniversum quasi spontan und daher nicht von langer Hand vorbereitet worden war, hatten die Crewmitglieder nur wenige Gedanken an die Möglichkeit verschwendet, dass man möglicherweise bekannte Figuren hier wieder entdecken konnte. Viele Rückkehrer aus der Welt hinter dem Spiegel hatten von den Verwirrungen berichtet, die mit den Treffen der Doppelgänger einhergingen. Mehr als einmal war betont worden, dass ein Freund im eigenen Universum in der Spiegelrealität möglicherweise ein erbitterter Gegner sein konnte. <br>„Captain Lewinski“, begrüßte Land den Kommandanten der Monitor. „Ist alles in Ordnung bei ihnen?“<br>Kurz räusperte sich John, legte sich seine Worte zurecht und antwortete:<br>„Ja, wir haben mit der Sichtung und Beseitigung von Schäden begonnen. Wir danken ihnen für ihre Hilfestellung. Ohne sie wären wir vermutlich zerstört worden.“<br>„Kein Problem. Die Zeit war etwas zu knapp gewesen, um sich vorzustellen. Mein Name ist…“<br>„Bruce Land“, unterbrach Lewinski ihn und sein Gegenüber nickte, erkannte sofort die gegenwärtige Situation.<br>„Ich befehlige die Defiant, ein Schiff der terranischen Rebellion. Mir scheint, dass sie und ihre Crew von einem Ort kommen, der als Spiegeluniversum bekannt ist.“<br>„Das ist richtig. Darf ich ein Treffen vorschlagen, um dies von Angesicht zu Angesicht zu besprechen? Mir scheint, wir haben möglicherweise gemeinsame Interessen.“<br>Nur kurz dachte Land über das Angebot nach, erklärte sich dann zum Treffen bereit.<br>„Ich gehe mal davon aus, dass sie im Moment ihr Schiff nicht räumen wollen, Captain. Also werde ich zu ihnen an Bord beamen. Benötigen sie einige Ersatzteile? Möglicherweise haben wir etwas Material dabei, welches ihnen dienlich sein könnte.“<br>Erleichtert akzeptierte John das Angebot. So könnten die Reparaturen möglicherweise schneller vonstatten gehen. Zudem, auch dies musste er zugeben, brannte er auf ein Treffen mit diesem anderen Bruce Land. Trotz allem war sein Drang nach Forschung immer noch nicht erloschen.<br><br>Auf der Brücke der Spiegel-Defiant herrschte ebenfalls Tumult. Nicht so sehr wegen Schäden, denn die hatte das Schiff nur wenig davon getragen, sondern viel mehr aufgrund des bevorstehenden Besuchs.<br>„Sicher, dass dies eine gute Idee ist?“ fragte Jozarnay Woil, der taktische Offizier des Schiffs in Richtung seines Kommandanten.<br>„Nein, sicher bin ich mir nicht. Aber wir dürfen uns diese Chance nicht entgehen lassen, “ erwiderte Bruce Land und erhob sich aus seinem Stuhl. „Dieses Schiff kommt definitiv aus dem Spiegeluniversum und könnte uns daher mit einigen taktischen Informationen weiterhelfen. Nicht zu vergessen eventuelle technische Updates, die uns weiterhelfen könnten.“<br>„Wieso sollten wir die kriegen? Zudem wird das Schiff von John Lewinski kommandiert. Ich denke, wir müssen da vorsichtig sein.“<br>Plötzlich mischte sich eine weitere Stimme in die Diskussion ein. Es war die des Steuermanns der Defiant:<br>„Keine Sorge, dieser John Lewinski wird gänzlich anders sein“, meinte Martin Lewinski und begab sich ebenfalls mit in den Transporterraum. <br><br>Edward Jellico schlug den Kragen seines Mantels hoch, als ihm eine Windböe entgegenschlug. Die Nacht schien kalt zu werden, ganz besonders hier im Stadtpark von Paris. Wie von den meisten Stellen der Innenstadt konnte man auch von diesem wunderschönen Platz den Eiffelturm sehen. Auch Notre Dame war nicht allzu weit entfernt und bot einen wundervollen Anblick. Doch für diese historischen Sehenswürdigkeiten hatte der Justizminister dieses Mal keine Zeit. Er ging etwas auf und ab, um sich während des Wartens die Zeit zu vertreiben.<br>Dann endlich trat die Person, auf die er gewartet hatte, auf ihn zu und begrüßte ihn mit einem Handschlag.<br>„Edward, schön, dass du hier bist“, meinte der Innenminister und bedeutete seinem Gegenüber, sich mit ihm auf die Parkbank zu setzen. „Danke für dein rasches und vor allem so kurzfristiges Erscheinen!“<br>Der Justizminister machte eine wegwerfende Handbewegung.<br>„Nun ja, du hast ja betont, dass es sich um eine dringliche Angelegenheit handelt. Also, hier bin ich! Worum geht es? Du musst verstehen, ich habe leider nur wenig Zeit.“<br>„Du sprichst damit schon genau das richtige Thema an“, erläuterte der Innenminister und faltete seine Hände. „Du hast derzeit viel zu tun, weil der Präsident fast alle Entscheidungen selbst trifft. Unterstützt wird er dabei nur durch deine Expertise?“<br>„Soll das etwa heißen, mein Rat sei nicht gut genug?“ fragte der ehemalige Admiral fast schon gekränkt. <br>„Meine Güte, natürlich nicht! Selbstverständlich kannst du eine beträchtliche Kompetenz aufweisen. Dennoch muss ich dir in diesem Gespräch, ganz inoffiziell, die Unzufriedenheit des Kabinetts mitteilen!“<br>Verstehend nickte Edward Jellico. Er hatte sich schon gefragt, wann dieses Thema am heutigen Tage aufkommen würde. Dennoch tat er unwissend.<br>„Unzufriedenheit wieso?“<br>„Nun, bei meiner letzten Lektüre der Verfassung der Föderation ist mir ein Absatz ins Auge gesprungen, dass wir ein demokratisches System haben, dessen Entscheidungen von einer Mehrheit getroffen werden müssen. Leider fühle ich mich, und auch andere Minister, von den wichtigen Entscheidungen des heutigen Tages ausgeschlossen. Über die Beugung bestimmter Gesetze am heutigen Tage möchte ich gar nicht erst sprechen!“<br>Beruhigend legte Edward Jellico seine Hand auf die Schulter des Innenministers. Er empfand für ihn tiefsten Respekt und wollte die Situation jetzt nicht eskalieren lassen. Sein gesamtes diplomatisches Geschick war daher nun gefragt.<br>„Natürlich konnten wir euch nicht an den heutigen Entscheidungen beteiligen, zumindest nicht gänzlich. Wir hatten es hier mit einer Krisensituation zu tun, die eine schnelle Problemlösung verlangte. Daher war der Präsident im Laufe des Tages gezwungen einige schnelle Aktionen einzuleiten und Entscheidungen zu treffen!“<br>„Dass der Präsident Entscheidungen trifft steht gar nicht zur Debatte. Dazu hat ihn das Volk schließlich zum Staatsoberhaupt bestimmt. Genauso wurden unsere Parteien und auch wir selbst vom Volk gewählt, um ihre Interessen zu vertreten und sie zu schützen. Aus diesem Grund bin ich etwas unzufrieden damit, nur in die Rolle eines ausführenden Organs gedrängt worden zu sein.“<br>„Ist es also das, was dich stört?“ fragte der Justizminister seinen Kollegen frei heraus. „Du möchtest mehr in die politischen Aktionen involviert sein?“<br>„Nein, das ist es nicht. Aber wieso befindest du dich im unmittelbaren Umkreis des Präsidenten, während er auf unseren Rat verzichtet? Obgleich unsere Ressorts und damit auch wir selbst viel wichtiger für die Beilegung der heutigen Krise sind.“<br>Natürlich wusste Jellico, worauf sein Gegenüber hinaus wollte. Dennoch spielte er den Eingeschnappten. Beleidigt sprang er von der Bank auf, steckte seine Hände in die Manteltaschen und grummelte:<br>„Haben sie mich deswegen abends in den Park gebeten? Um mir mitzuteilen, dass sie mehr Macht und Entscheidungsgewalt haben wollen?“<br>Auch der Innenminister erhob sich, um Jellico in die Augen blicken zu können.<br>„Nein, ich habe die Demokratie im Sinn. Selbst in einer Situation wie dieser, die schnelle Aktionen verlangt, muss sich der Präsident von mehreren Ministern beraten lassen…nicht nur von dir.“<br>„Und was hast du nun vor?“<br>„Erst einmal bitte ich dich, mit dem Präsidenten darüber zu sprechen und ihm unsere Bedenken kund zu tun. Das wäre ein Anfang.“<br>„Was wäre die Alternative?“<br>„Darüber möchte ich noch keine Worte verlieren“, erklärte der Minister. „Ich denke es genügt, wenn ich sage, dass es Konsequenzen geben würde. Bitte versteh dies jedoch nicht als Drohung!“<br>Jellico starrte den Innenminister einige Sekunden lang an, dann nickte er lächelnd. <br>„Gut, ich werde sehen, was ich tun kann!“<br>Auch der Innenminister lächelte angesichts dieser aus seiner Sicht schnellen Problemlösung<br>„Vielen Dank“, erklärte er. „Mehr verlange ich auch gar nicht von dir.“<br>„Kein Problem. Wenn du mich nun entschuldigen würdest…es gibt noch viel zu tun.“<br>„Selbstverständlich! Wann kann ich mit einer Antwort des Präsidenten rechnen?“<br>„So schnell wie möglich“, entgegnete Jellico, schüttelte die Hand seines Kabinettskollegen und verließ den Park umgehend. In seinem Kopf suchte er dabei fieberhaft nach einer Lösung, die ihm ebenfalls zu Gute kommen würde.<br><br>Sie ließ nicht von ihm ab. Wieder und wieder quälte sie ihn mit denselben Fragen. Doch Jozarnay Woil schaffte es nicht, sich lang genug zu konzentrieren. Wieder und wieder fiel seine Aufmerksamkeit auf ein anderes Detail. Sei es die Farbe ihres Haares, sei es das Muttermal über ihrem Auge, sei es das Muster ihrer Uniform. In einem andere Leben, ja, da hatte er einmal gewusst, was das Muster bedeutete. Da hätte er gewusst, dass er sich vor diesem Muster mehr hätte fürchten müssen, als vor seiner mangelnden Konzentration. <br>Apropos: sie... wie hieß sie eigentlich? Hatte sie sich ihm überhaupt vorgestellt? Unablässig donnerte sie ihm die Fragen an den Kopf. Und sie schien dessen nicht müde zu werden. Mit einer Engelsgeduld fuhr sie fort.<br>„Sie ist deiner nicht würdig!“ Stella Tanners Stimme huschte wie ein Schatten durch den kleinen Verhörraum des romulanischen Schiffes. In der Tat nahm Woil eine Verdunkelung des Raums war. Er schob dies auf Stella Tanners „Präsenz“, tatsächlich lag dies aber an der nachlassenden Wirkung des Weiß.<br>„Sie werden nie wieder auch nur einen Fuß aus dieser Zelle setzen.“ Jellicos Stimme schien von allen Seiten auf ihn einzudröhnen. Und sie war dabei so laut, dass sie in Woils Ohren schmerzte und er verkrampft sein Gesicht verzog.<br>„Machen Sie, dass es aufhört“, beschwor Woil flehend.<br>Verwirrt blickte Ke’ler auf und musterte die wahllos umherirrenden Augen Woils. Sie schienen Alles und Nichts zu fixieren und keine Minute still zu stehen. Woil war im Grunde das genaue Gegenteil zur kühlen, planenden Romulanerin. Sie saß still auf dem Stuhl, schien keinen Muskel zu bewegen, sah Woil immer direkt an und legte jedes ihrer Worte zurecht. Ihr gegenüber saß ein mit der Welt fertiger, klatschnasser, geistig verwirrter Mann.<br>Ke’ler ließ sich nicht abbringen: „Wie kamen sie auf den Talar?“<br>„Ich kann nicht mehr“, antwortete Woil mit zusammengekniffenen Augen. Als verstecke er sich vor der Realität – was auch den Tatsachen entsprach.<br>„Wieso hat man Sie verfolgt?“<br>„Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr...“, murmelte er weiter vor sich hin.<br>„Jozarnay Woil, Sie müssen nur meine Fragen beantworten. Dann werden wir Sie wieder behandeln.“<br>Woil senkte seinen Kopf. Ke’ler konnte nicht ahnen, was er durchmachte. Im Moment versuchte er sich zu verschließen. Er wollte die Stimmen und Geister in seinem Kopf wegsperren. Er wollte sich wegsperren. Doch damit schloss er sich in seine eigene Verdammnis.<br>„Du wirst mir zuhören. Du wirst mir ewig zuhören, du wirst ewig mir gehören.“, flüsterte Stella, leise wir ein Wind raschelndes Blatt, laut wie ein Donnerschlag.<br>„Machen Sie, dass es aufhört!“, schrie Woil inbrünstig.<br>„Das kann Sie nicht, niemand wird dir je wieder so nahe sein wie ich. Nur ich verstehe ich dich. Nur ich.“<br>Woil konnte Stellas Atems spüren, roch ihren Duft, fühlte ihr Haar, erlebte die Gänsehaut, die ihre Berührung auslöste. Zuerst konnte er ihre Worte nicht verstehen. Wie so oft hatte sie den Überblick – und die Kontrolle.<br>Hoffnungsvoll blickte Woil zu Ke’ler. Nie hätte er auch nur in seinen kühnsten Träumen angenommen, dass eine Romulanerin seine Hoffnung war. Nun war dem so.<br>Die Sekunden verstrichen wie Jahre, bis Ke’ler den Mund öffnete. Zu hören – war nur ein schriller Pfeifton, der den gesamten Raum zu füllen und Woil jede Hoffnung zu leben, zu nehmen schien.<br> <br>Kira Nerys war gelangweilt. Dies passierte der Intendantin recht häufig. Vermutlich lag es an ihrer nur geringen Aufmerksamkeitsspanne. Schnell verlor die Bajoranerin Interesse selbst an den wichtigsten Dingen, sie neigte zu Banalisierung von vielen Dingen. Selbst die gegenwärtige Situation, eigentlich brisant, rang ihr derzeit nur ein müdes Lächeln ab. Derzeit räkelte sie sich auf dem Bett in ihrem kargen Raum, starrte an die Decke und seufzte. Kurzzeitig überlegte die Intendantin, ob sie sich einem ausgedehnten Liebesspiel hingeben sollte. Jedoch scheiterte diese Idee an ihrer Unentschlossenheit, ob sie sich einen Liebhaber oder eine Konkubine bestellen sollte. Beides hatte sie sich in ausreichender Anzahl in den lunaren Mondbunker mitgebracht, doch sie konnte sich zu keiner Entscheidung durchringen. Also tat sie das, was sie immer tat: Kira verlor das Interesse. Im Anschluss daran wanderten ihre Gedanken weiter zu den nunmehr nur noch zwei Gefangenen ab, die noch in ihrer Zelle darbten. James Talley, dies hatte sie von einer der Wachen gehört, war vor wenigen Minuten seinen Verletzungen erlegen. Der wievielte Mensch es gewesen war, der durch ihre Hand ums Leben gekommen war, wusste die Bajoranerin nicht. Für sie waren Menschen sowie die anderen Völker des ehemaligen Terranischen Empires ohnehin keine vollwertigen Lebewesen. Diese Völker hatten andere, darunter auch die Bajoraner, Jahrzehnte, manches Mal sogar Jahrhunderte lang geknechtet. Wenn sie nun selbst dieses Schicksal ereilte, so hatten sie selbst Schuld. Es war doch nur natürliche Auslese! Die starken Spezies erhoben sich über die schwachen. Überall kam dies in der Natur vor, wieso sollte dies also auch nicht für Humanoide gelten? <br>Die Tür zu Kira Nerys Zimmer flog auf und ein wutschnaubender Klingone betrat den Raum. Im ersten Moment hielt Kira den aufdringlichen Besucher für Worf, doch diese Person trug seinen Mantel, ohne selbst Worf zu sein. Irritiert sprang Kira von ihrem Bett auf und bedeckte ihre Blöße. Immerhin hatte sie ihre Lederuniform gegen ein bequemes Nachthemd ausgetaucht, um sich etwas zu entspannen.<br>„Was machen sie denn hier?“ kreischte die Intendantin und erkannte dann Martok als ihren Besucher. „Captain Martok, was wollen sie und wieso tragen sie den Mantel des Regenten?“<br>Der ehemalige Kommandant baute sich vor der Bajoranerin auf und machte so deutlich, dass er nahezu zwei Köpfe größer war also sie.<br>„Die korrekte Anrede lautet Regent Martok“, grollte der Klingone.<br>„Was soll das denn werden? Wo ist Worf?“<br>„Worf ist tot.“<br>Nur mit Mühe konnte die Intendantin verhindern, dass ihre Kinnlade herunterklappte. Das alles ging ihr nun etwas zu schnell.<br>„Tot? Seit wann?“<br>„Seit einer knappen halben Stunde“, erklärte Martok und strich sich kurz über die Narbe, die ihm sein Kontrahent zugefügt hatte. „Er wurde in einem ehrenhaften Duell getötet.“<br>„Duell? Ehrenhaft? Von wem?“<br>„Von mir!“<br>Entsetzt rollte Kira mit den Augen, als sie langsam verstand, wovon sie gerade Zeuge wurden.<br>„Oh je, Klingonen und ihre Tradition! Wollen sie mir etwa gerade sagen, dass aufgrund eines lächerlichen Rituals sie Worf herausgefordert und ihn dann getötet haben?“<br>Erbost über diese Aussage schlug Martok der Frau mit der flachen Hand ins Gesicht und meinte drohend:<br>„Maßen sie sich ja nicht an die Kultur meines Volkes zu beurteilen oder gar herabzusetzen. Sie dekadentes Wesen haben gar nicht das Recht dazu! Getreu den Gesetzen und Traditionen der Klingonischen Konföderation habe ich Worf in einem Kampf getötet und somit die Regentschaft übernommen. Ich bin nun ihr Ansprechpartner, wenn sie mit dem klingonischen Volk verhandeln wollen.“<br>Genervt stemmte die Bajoranerin die Hände in die Hüften und blickte an die Decke. Schon wieder verlor sie das Interesse an diesem in ihren Augen sinnlosen Gespräch. Wenn sich die Klingonen gegenseitig abmetzeln wollten, na fein. Was hatte dies jedoch mit ihnen zu tun.<br>„Und jetzt?“ fragte sie provokant, was sie jedoch besser nicht hätte tun sollen. Martoks Laune verschlechterte sich von Mal zu Mal. Für einen kurzen Moment überlegte die Frau, ob sie nicht ihre Reize einsetzen sollte, um den neuen Regenten mildtätig zu stimmen. Jedoch entschied sie sich dagegen, da Martok niemand von den Männern war, der auf solche Avancen hereinfiel. In dieser Hinsicht hatte er etwas mit Worf gemeinsam. <br>„Was jetzt geschieht, kann ich ihnen ganz klar sagen. Die Zeit, in der wir nur die willfährigen Handlanger für sie waren, ist vorbei. Wir werden wieder den uns angestammten Platz innerhalb der Allianz annehmen, der uns als Gründungsmitglied zusteht. Der Einfluss ihres Volkes ist in den letzten Jahren zu groß geworden und hat uns an den Rand der Niederlage gegen die Rebellen gebracht. Dies ist nun vorbei.“<br>„Gut zu wissen. Was gedenken sie nun zu tun?“<br>Martok überlegte, ob er ein weiteres Mal die Frau schlagen sollte, entschied sich jedoch dagegen. Er würde sich noch früh genug mit der Intendantin befassen.<br>„Zuerst werde ich die politischen Dinge, die mit meiner Machtübernahme einhergehen, in Ordnung bringen. Darauf folgend werden wir uns umgehend unseren Gefangenen widmen und sie exekutieren. Wir alle haben schon zu viel Zeit mit ihnen verschwendet!“<br>Ohne auf eine weitere Antwort zu warten, stolzierte der neue Regent aus dem Raum und ließ die Intendantin ratlos zurück. In ihrer Borniertheit war sie sich vermutlich gar nicht den Implikationen dieses Machtwechsels klar. <br><br>Schimmernd erwachte die Transporterplattform der USS Monitor zum Leben und ließ vier Personen erscheinen, die Captain Lewinski bestens bekannt waren. Im ersten Moment konnte er nicht anders, als seine Gegenüber einfach nur verblüfft anzustarren. Vor ihm standen Bruce Land, Jozarnay Woil, Martin Lewinski und William Riker. Sie alle vor sich stehen zu sehen und dennoch zu wissen, dass es sich nicht um dieselben Personen handelte, die er kannte, war einfach nur unglaublich. Bruce Land war der erste, der von der Plattform herunterstieg und ihm die Hand reichte.<br>„Captain Bruce Land vom terranischen Schiff Defiant, “ stellte sich der Mann vor.<br>Es war einfach nicht zu fassen. Seine Haut mochte sich etwas rauer anfühlen, aber es war tatsächlich ins kleinste Detail der Land, den John immer gekannt hatte. Seinen besten Freund Bruce Land, also aus dem „normalen“ Universum, hatte er schon seit längerer Zeit nicht mehr gegenübergestanden. <br>„Captain John Lewinski vom Föderationsraumschiff Monitor, “ entgegnete er perplex und zwang sich dazu die ihm dargebotene Hand wieder loszulassen.<br>Der andere Land schien wahrscheinlich zu spüren, was John gerade durch den Kopf ging, denn er lächelte nachsichtig. Im Anschluss deutete er auf seine Begleiter und stellte sie vor:<br>„Mein taktischer Offizier Jozarnay Woil, mein Chefingenieur William Riker und mein Pilot…Martin Lewinski.“<br>Die Wunder schienen am heutigen Tage nicht abzureißen. Noch vor wenigen Stunden hatte John seinen Bruder in Emden ziehen lassen, um ihm so die Freiheit zu schenken. Zu diesem Zeitpunkt hatte er befürchtet ihn nie wieder zu sehen und nun stand Martin leibhaftig vor ihm!<br>Abermals jedoch musste der Captain sich bremsen; nur mit Mühe konnte er den Versuch einer familiären Umarmung unterlassen. Auch hierbei handelte es sich nicht um den Martin Lewinski, den er gewohnt war. Zumindest schienen dem Äquivalent seines Bruders die gleichen Probleme zu planen, denn auch er wusste nicht so recht, wie er mit der Situation umgehen sollte.<br>Und dann war da noch Jozarnay Woil! Wie lange hatte John Lewinski seinen ehemaligen Chefingenieur schon nicht mehr gesehen, nachdem dieser die Sternenflotte verlassen hatte? Mehr als einmal hatte sich der Captain schon gefragt, wie es dem Antosianer ergangen war. Zumindest in diesem Universum schien er seinen Platz wieder gefunden zu haben.<br>„Sehr erfreut“, erklärte John schließlich. „Wir alle hier an Bord danken ihnen für ihre Hilfe. Ohne sie wären wir wahrscheinlich schon längst alle tot.“<br>„Keine Ursache“, entgegnete Land lapidar und blickte dann in Richtung Deckenbeleuchtung, die immer noch flackerte. „Ich schlage vor, wir verlagern unser kennen lernen auf ihren Bereitschaftsraum, während meiner Männer bei der Reparatur ihres Schiffes behilflich sind. Wir sind auch in der Lage einige Ersatzteile herüber zu beamen. Zwar können wir nur wenige entbehren, doch dies ist besser als nichts!“<br>„Wir sind auch für das wenige dankbar! Der Vorschlag macht Sinn. Ich nehme mal an, ich muss keinem von ihnen den Weg erklären?“<br>Statt einer Antwort machten sich die Besucher auf den Weg und versuchten überall dort zu helfen, wo ihnen dies möglich war. Land und Lewinski gingen währenddessen in den Bereitschaftsraum des Captains. Überall an Bord wurde Land von Crewmitgliedern überrascht angeschaut und auf der Brücke hörte man einige Offiziere aufgeregt dessen Namen murmeln. Dieser Besuch sorgte in der Tat für einigen Wirbel an Bord. Endlich erreichten die beiden Kommandanten den Bereitschaftsraum und John setzte sich an seinen Schreibtisch. Der Raumkampf hatte zahlreiche Padds im Büro verstreut; es würde eine Ewigkeit dauern, bis sie wieder sortiert wären. Bruce Land nahm ihm gegenüber Platz.<br>„Ihr Schiff gleicht der Defiant wirklich bis aufs kleinste Detail“, meinte Land.<br>„Das sollte es auch. Immerhin beruht es auf unseren Konstruktionsplänen, die ihr Benjamin Sisko entwendet habt.“<br>Nachdem er von Lewinski geduzt worden war, blickte Bruce Land etwas verwirrt drein.<br>„Kennen wir uns?“<br>„Ja…na ja, eigentlich nicht. Zumindest kenne ich den Bruce Land in meinem Universum recht gut, “ gestand John Lewinski fast schon peinlich berührt angesichts dieser grotesken Verwechslungskomödie. „Wir sind beste Freunde.“<br>„Ach ja.“<br>„Kennen wir uns denn? In diesem Universum, meine ich.“<br>„Ja, flüchtig“, antwortete Bruce Land auf eine ausweichende Art und Weise, die John sofort auffiel. Doch für den Moment verzichtete er darauf weiter nachzuhaken. Derzeit gab es wichtigeres zu tun.<br>„Was habt ihr hier gemacht?“ fragte der Kommandant der Monitor, was seinem Besucher ein flüchtiges Lächeln entlockte.<br>„Was wir hier gemacht haben? Viel eher sollte ich sie danach fragen. Immerhin befinden sie sich in unserem Universum und noch dazu mit einem ganzen Schiff! Uns war gar nicht bekannt, dass ein Transfer dieses Ausmaßes überhaupt möglich ist.“<br>„Glaub es mir, bis vor wenigen Stunden wusste ich es auch noch nicht“, schnaufte John und schallt sich selbst einen Narren, weil er Land immer noch duzte. „Wir sind hier auf einer Rettungsmission.“<br>„Und wenn wollen sie retten?“<br>„Einen meiner Offiziere. Ich denke, der Name dürfte ihnen bekannt sein: Lieutenant Danny Bird.“<br>Überrascht weitete Bruce Land seine Augen.<br>„Nicht nur der Name ist mir ein Begriff, sondern auch die Person. Lieutenant Bird war schon einmal zu Gast in unserem Universum.“<br>„Ja, er erwähnte es in einem Bericht. Er wird von einer Untergrundorganisation festgehalten, die in das Spiegeluniversum geflüchtet ist. Daher sind wir zu seiner Rettung hier.“<br>„Tja, hätten sie besser geplant, dann wären sie nicht in eine Armada voller klingonischer Schiffe geflogen. Nun weiß die Allianz, dass sie hier sind und die Rettung von Lieutenant Bird wird dadurch deutlich schwieriger. Außerdem haben die Klingonen ihren Transfer bemerkt. Sie könnten nun reges Interesse an der Technologie haben, die den Sprung zwischen den Universen ermöglicht.“<br>„Die besitze ich nicht“, erklärte John lapidar.<br>„Das ist denen egal“, war die nicht minder lässige Erwiderung seines Gastes. „Die Klingonen würden sie liebend gerne aufspüren und umbringen, einfach des Sports wegen.“<br>„Nun ja, da ihr uns schon einmal aus der Patsche geholfen habt, dachte ich an die Möglichkeit einer Kooperation.“<br>Nicht gerade überrascht über das Aufbringen dieses Themas lehnte sich Bruce Land in seinem Sessel zurück und blickte kurz an die Decke, bevor er antwortete:<br>„Wir sind von Captain O´Brien mit einem strikten Beobachtungsauftrag hierhin befohlen worden. Unsere Aufgabe ist es den Regenten bei seinem Treffen mit der Intendantin auszuspähen, nicht ihn anzugreifen.“<br>Verstehend nickte John. Irgendwie musste er dennoch die Crew der Defiant auf seine Seite ziehen.<br>„Dieser Auftrag galt jedoch zu dem Zeitpunkt, als sie nur ein Schiff zur Verfügung hatten. Nun besitzt ihr zwei Raumschiffe der Defiant-Klasse, was die Situation verändert.“<br>Statt zu antworten blickte Bruce Land ihn einfach nur stumm an, was Captain Lewinski als Aufforderung nahm weiter zu reden:<br>„Außerdem böte sich so die Gefangennahme des Regenten. Ich weiß zwar nicht, wer er ist oder was er sein soll, doch es klingt wichtig.<br>„Der Regent ist der Führer der Klingonen und wir hatten ihn schon einmal gefangen genommen, bevor er uns entwischt ist!“<br>„Ein Grund mehr, es noch einmal zu versuchen!“<br>Sorgsam dachte Bruce Land über diese Worte nach. Sie entbehrten nicht einer gewissen Logik. So schnell würden sie nicht wieder die Gelegenheit bekommen der Allianz einen vernichtenden Schlag zuzufügen. Der Bau des zweiten Defiant-Schiffes verlief immer noch schleppend und mit der Monitor besaßen sie eine realistische Chance.<br>„Wenn wir ihnen bei der Befreiung ihres Lieutenants helfen, “ sagte Land langsam, „dann können wir mit ihrer Unterstützung bei der Festnahme des Regenten oder sogar der Intendantin rechnen?“<br>Da musste John kein zweites Mal drüber nachdenken.<br>„Ja. Alles, was wir tun müssen, ist die Monitor wieder gefechtsbereit zu kriegen und einen Plan auszuarbeiten.“<br>Nun endlich lächelte Bruce. Scheinbar war er mit den Bedingungen einverstanden und erklärte:<br>„Dann lassen sie uns mal besser keine Zeit verschwenden!“<br><br>Edward Jellico betrat wieder sein provisorisches Büro in Paris, warf den Mantel achtlos auf das Sofa und setzte sich an den Schreibtisch. Er legte seine Füße auf dem Tisch ab und dachte nach. Für den Weg zurück hatte er sich viel Zeit gelassen, denn Tausende von Gedanken gingen ihm durch den Kopf.<br>Auch wenn der Ton zwischen ihnen freundschaftlich gewesen war, so konnte man die Aussagen des Innenministers ganz klar als Kampfansage verstehen. Unglücklicherweise wusste Edward, dass er die Sache auch auf seine Kappe nehmen musste. Im Verlaufe des Tages hatte er nur wenige Gedanken an die anderen Mitglieder des Kabinetts verschwendet, die tatsächlich zu einer Art Befehlsempfängern degradiert worden waren. Er selbst war so sehr mit dem Bewältigen der Krise beschäftigt gewesen, jedwede andere Dinge waren aus seinem Sichtfeld geraten. Hinzu kam ein Grund, den er sich nur schwerlich eingestehen wollte: er hatte es genossen so direkt am Schaltzentrum der Macht mitwirken zu können. Das Gefühl an essentiellen Entscheidungen teilhaben zu können war so berauschend gewesen, am liebsten würde er diese Möglichkeit gar nicht mehr abgeben wollen. Hier zeigte sich nun seine Machtgier am deutlichsten, welche ihn seine gesamte Karriere über begleitet und ihn schließlich in die Arme des Präsidenten getrieben hatte. <br>Nun musste sich der Justizminister fragen, was die klügste Vorgehensweise war. Eigentlich hatte er seinem Kollegen versprochen den Präsidenten auf die Sache anzusprechen. Doch irgendetwas in seinem Innersten hinderte ihn daran diese Bitte in die Tat umzusetzen. Stattdessen saß Jellico weiterhin vor seinem Schreibtisch und dachte nach. Offensichtlich hatte er hier zwei Optionen. Die erste bestand darin mit dem Präsidenten über die Ängste der anderen Minister zu sprechen und diese notfalls aus dem Weg räumen zu lassen. Dies würde ihm einige weitere Pluspunkte in Sachen Vertrauen beim Präsidenten einbringen und seine gegenwärtige Position noch weiter festigen. <br>Es gab jedoch noch eine zweite Option! Diese bestand darin einfach gar nichts zu tun. Wenn der ehemalige Admiral einfach hier verharrte, so würde auf kurz oder lang der Innenminister seine Drohung in die Tat umsetzen und die anderen Minister um sich scharren. Dann würde eine Maschinerie in Gang gesetzt werden, die dem Präsidenten immensen Schaden infolge des Vertrauensverlustes durch sein Kabinett zufügen würde. Im schlimmsten Falle würde sich der Präsident von einer solchen Schlappe nie wieder erholen können. Ein solcher Disput im inneren Zirkel der Föderationsführung würde auch niemals geheim gehalten werden können. Früher oder später würde die Presse davon erfahren und es an die Bevölkerung weiter tragen, was sicherlich bei der nächsten Wahl Konsequenzen haben würde. Möglicherweise würde diese Affäre sogar in einer Wahlniederlage des derzeitigen Amtsinhabers resultieren, was Platz schaffen würde für einen neuen Mann an der Spitze.<br>Einen neuen Präsidenten.<br>In Jellicos Kopf begann es zu arbeiten. Er ging die beiden Optionen durch, wog sie gegeneinander ab und versuchte zu einer Entscheidung zu kommen. Innerlich jedoch hatte er schon längst seine Entscheidung getroffen. Die Tür zu dem provisorischen Büro ging auf und Commander Elena Kranick steckte ihren Kopf herein. Sie sah genauso müde aus wie Jellico, vielleicht sogar noch mehr. Im Gegensatz zum Justizminister hatte sie sich eigentlich keine freie Minute gegönnt, sondern immer wieder die Aktionen der Sternenflotte koordiniert. Auch sie hatte heute eine beträchtliche Leistung an den Tag gelegt. <br>„Verzeihen sie die Störung, Minister, “ meinte Kranick und strich sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht, „ich wollte sie nur fragen, ob sie gemeinsam mit mir und dem Präsidenten etwas zu Abend essen möchten. Es ist endlich einmal Zeit dafür!“<br>Jellico lächelte, als er seine Entscheidung getroffen hatte.<br>„Sehr gerne, ich komme gleich mit!“<br>Beschwingt stand er auf und folgte dem Commander durch die Gänge des Präsidentenpalastes. Gemeinsam betraten sie das Esszimmer des Gebäudes, welches ähnlich opulent wie die anderen Räume gestaltet war, ohne jedoch zu protzig zu wirken. Stattdessen wurde man der immensen Geschichte dieses Hauses und seiner Amtsinhaber gewahr.  Vor einem dezent gedeckten Esstisch stand der Präsident und lächelte, als seine beiden wichtigsten Berater am heutigen Tage eintraten.<br>„Ich freue mich, dass sie beide meiner bescheidenen Einladung zum Essen gefolgt sind. Bitte setzen sie sich, “ begrüßte das Staatsoberhaupt sie und deutete auf die freien Sitzplätze. Sogleich nachdem sie Platz genommen hatte, brachten die Kellner eine Suppe als Vorspeise, die exzellent schmeckte.<br>„Meine Komplimente an den Koch“, erklärte Commander Kranick beeindruckt und tupfte sich mit einer Serviette den Mund ab. „Diese Suppe ist einfach köstlich.“<br>„Warten sie erst einmal auf die Hauptspeise, diese wird sie noch mehr begeistern!“ frohlockte der Präsident und blickte in Richtung seines Justizministers. „Sind sie zufrieden, Edward?“<br>„Allerdings, Mr. President. Ich muss sagen, so gut habe ich nicht mehr gegessen, seit meine Frau für mich gekocht hat.“<br>Angesichts dieser wehmütigen Worte nickte der Präsident und erhob sein Weinglas. Auch die anderen beiden Tischgäste taten es ihm gleich und er sprach einen Toast:<br>„Auf die gelungene Bewältigung dieser Krise und die Rettung der Erde. Ich danke ihnen!“<br>„Zum Wohl!“ bestätigten Kranick und Jellico, nippten im Anschluss an dem Wein. Auch dieser war von außerordentlicher Qualität und, das merkten die beiden sofort, kein Synthehol. <br>„An dieser Stelle denke ich, dass mir nun diese Worte gestattet sind,“ gestand der Präsident offen und ehrlich, während der Hauptgang serviert wurde, „ich habe manchmal nicht an einen glücklichen Ausgang der Sache geglaubt.“<br>„Da waren sie weiß Gott nicht der einzige“, stimmte Jellico zu.<br>„Möglicherweise sollten wir uns noch nicht zu früh freuen“, mahnte Commander Kranick<br>an. „Immerhin befindet sich die Monitor noch immer auf einer heiklen Mission, um die Urheber des Anschlags zu fassen und Lieutenant Bird zu befreien. Ihm haben wir einen Großteil der heutigen Erfolge zu verdanken.“<br>„Er wird dafür auch belohnt werden, keine Sorge“, beruhigte das Staatsoberhaupt den Sternenflottenoffizier. „Dennoch denke ich, dass wir uns nach all dem Stress auch etwas Erholung in Form einer kleinen Siegesfeier gönnen können.“<br>Sowohl Jellico als auch Kranick nickten und machten sich über die nicht minder köstliche Hauptspeise her. Scheinbar hatte der Präsident wirklich die besten Köche des Quadranten um sich gesammelt, anders war die immens hohe Qualität des Essens nicht zu erklären.<br>„Ich frage mich, was James Talley zu diesem Schritt bewogen hat“, murmelte Commander Kranick schließlich. Fast schon schien sie mehr zu sich selbst als zu den anderen Anwesenden gesprochen zu haben.<br>„James Talley kannte ich schon, als er noch ein Abgeordneter des Parlaments war“, erklärte der Präsident nachdenklich und trank einen weiteren Schluck Wein. „Schon damals waren seine Ansichten…unkonventionell, aber niemals radikal. Irgendetwas muss ihn verändert haben.“<br>„Möglicherweise der Tod seiner Frau“, spekulierte Jellico, der es wohl selbst am besten wissen musste.<br>„Was veranlasst einen Mann zu denken, dass der Tod von Tausenden, ja Millionen, seiner Sache dienlich sein könnte?“ stellte Commander Kranick die berechtigte Frage.<br>„Ob wir es jemals erfahren werden?“ mutmaßte der Präsident, ohne dass jemand seine Frage beantworten konnte. „Sonst noch etwas wichtiges in letzter Zeit vorgefallen?“<br>Bei dieser Frage blickte der Staatschef ausgerechnet in die Richtung Jellicos und er ehemalige Admiral schauderte. Ob der Präsident etwas ahnte? Wusste er von seinem Treffen mit dem Innenminister? Nein, unmöglich, das konnte nicht sein!<br>„Nein, sonst gibt es keine neuen Meldungen, abgesehen von den Berichten aus Emden“, antwortete der Justizminister schließlich. Auch der Präsident nickte angesichts dieser Worte und aß weiter. Nichts ahnend.<br>„Und von der Monitor?“ wollte der Staatschef wissen.<br>„Auch da haben wir noch keine neuen Informationen. Wir müssen wohl weiterhin warten, bis die Crew aus dem Spiegeluniversum zurückkehrt, “ erklärte Edward Jellico missmutig. <br>Commander Elena Kranick hatte lange damit gewartet, ein ganz bestimmtes Thema zur Sprache zu bringen. Doch in ihren Augen musste nun darüber gesprochen werden. Vorher hatte es einfach zu viel zu tun gegeben, nun bot sich jedoch die erhoffte Verschnaufpause.<br>„Wie gedenken sie mit Captain Lewinski zu verfahren, wenn dieser Tag endlich vorbei ist?“ fragte Kranick direkt.<br>Überrascht legte der Präsident sein Besteck nieder. In der Tat schien er wirklich nicht damit gerechnet zu haben nun über dieses Thema zu sprechen. Während der vergangenen Stunden war so viel geschehen, dass er kaum noch an den aufsässigen Sternenflottencaptain gedacht hatte. <br>„Wie meinen sie das?“ beantwortete der Präsident die Frage mit einer Gegenfrage.<br>„Nun ja, wir alle sind heute Zeuge geworden, wie Captain Lewinski mehr als ein Gesetz am heutigen Tage gebrochen und sich sogar direkt gegen sie gestellt hat, Mr. President,“ erklärte Commander Kranick ihre Gedanken. „Dennoch ist es ihm als auch seiner Crew zu verdanken, dass die Krise so glimpflich ausgegangen ist.“<br>„Der Zweck heiligt jedoch nicht die Mittel!“ warf Edward Jellico ein.<br>„Dies wollte ich auch nicht aussagen. Unbestreitbar jedoch hat Captain Lewinski heute gemeinsam mit seiner Crew die Erde gerettet. Soll er dennoch für seine Taten bestraft werden?“<br>Ein interessantes Dilemma, wie der Präsident fand. Natürlich hatte John Lewinski am heutigen Tage einige falsche Dinge getan, doch andererseits war ihm zu einem Großteil die Rettung der Erde zu verdanken. Wie sollte man mit einem solchen Mann umgehen und wie würde die Öffentlichkeit auf die Nachricht reagieren, dass ein Held ins Gefängnis gesteckt wurde?<br>„Ich denke“, meinte der Präsident schließlich, wobei er jedes seiner Worte sorgsam abwog, „dass die Gesetze für jeden gelten. Und jederzeit.“<br>„Aber dies sind außergewöhnliche Zeiten gewesen!“<br>„Die meisten der heutigen Gesetze entstanden in außergewöhnlichen Zeiten, “ argumentierte Jellico, „und gelten ebenso für außergewöhnliche Zeiten. Ich halte sie für unabänderlich.“<br>„Ich bin ebenfalls dieser Ansicht“, pflichtete der Präsident seinem Justizminister bei. „Auf keinen Fall sollen die Taten von Captain Lewinski und seiner Crew zur Bewältigung der heutigen Ereignisse vergessen werden. Aber dennoch muss sich der Captain vor einem Gericht verantworten und wie ich John kenne, möchte er es auch gar nicht anders. Captain Lewinski ist ein Mann der Ehre, auch wenn einige seiner Aktionen heute fragwürdig gewesen sein mögen. Sicherlich werden seine Taten ihm als strafmildernd angerechnet werden.“<br>Verstehend nickte Commander Kranick. Zwar sah sie die ganze Sache anders, doch auch die Argumentation des Staatsoberhauptes war schlüssig. An seinem demokratisch legitimierten Führungsanspruch durfte kein Zweifel bestehen. John Lewinski hatte sich über seinen obersten Befehlshaber hinweggesetzt und musste dafür nun mal die Konsequenzen tragen. <br>„Ich bin erstaunt“, meinte der Präsident nach einer kurzen Phase des Schweigens und wechselte das Thema, „dass Sektion 31 nicht hinter dem ganzen steckt.“<br>„Mich ebenfalls, “ pflichtete Jellico ihm scheinheilig bei. „Scheinbar steckt jedoch nicht hinter jedem Übel diese Organisation.“<br>„Auch wenn ihre Beteiligung an diesem Tag nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann“, fand Commander Kranick und erntete dafür Zustimmung vom Präsidenten.<br>„Ja, wir müssen dies im Auge behalten“, stimmte er ihr zu.<br>„Werden sie eigentlich ihre Familie zurück auf die Erde bringen lassen?“ fragte Edward Jellico vorsichtig nach. <br>„Nein, ich ziehe es vor sie bis zur endgültigen Bewältigung des heutigen Tages von der Erde fern zu halten…nur als Sicherheitsvorkehrung.“<br>Jellico nickte, verstand er doch die Beweggründe des Staatsoberhauptes. <br><br>Beeindruckt blickte sich Jellico noch einmal in dem wunderschönen Speisesaal um. Alles daran begeisterte ihn. Die Architektur, die Geschichte, der Baustil, die Dekorierung und die Möbel. Möglicherweise würde schon bald ein neues Staatsoberhaupt hier einziehen müssen…<br><br>Ke’ler tat, was sie die letzten Stunden über am häufigsten getan hatte. Sie beobachtete Jozarnay Woil. Dieses Mal stand sie jedoch im kleinen Beobachtungsraum und trank eine Tasse Tee.<br>Die Tür öffnete sich und Doktor Menek trat herein. „Es ist, wie ich vermutete...“, begann er sogleich ohne Umschweife. „Er ist viel zu süchtig um vernommen zu werden. Die Überdosis Weiß hat seinen Hypothalamus befallen. Einzelne Nervenstränge beginnen bereits sich zu degenerieren.“<br>„Er hat den Bezug zur Realität schon vor langer Zeit verloren. Hören Sie auf, das mir anzukreiden“, verteidigte sich Ke’ler.<br>„Das ist reine Spekulation.“<br>„Dann steht wohl Spekulation gegen Spekulation.“ Ke’ler zeigte sich wie immer unbeeindruckt von der Meinung des Arztes. Sie würdigte ihn keines Blickes.<br>Seufzend aktivierte Menek einige der Bildschirme und überprüfte Woils Lebenszeichen. Dieser döste im Moment. Zur Ruhe kam er nicht. Irgendetwas hielt seine Gedanken auf Trab.<br>„Ich kann die Degeneration verlangsamen. Ein kleiner Gamma Strahlen Emitter in seiner Schädeldecke sollte die Stränge stabil halten.“<br>„Bilden die Gamma Strahlen nicht Krebszellen?“, wunderte sich die Geheimagentin.<br>„Höchstwahrscheinlich. Jedoch werden die für ihn erst in etwa 20 Jahren zum Problem. Vorher hat er keine Nervenstränge mehr, wenn ich nichts unternehme“, antwortete der Mediziner. „Zudem sollten Sie sich eher Gedanken darüber machen, wie Sie die Entzugserscheinungen in den Griff bekommen wollen. Wir haben nämlich kein Ketracel Weiß mehr an Bord.“<br>„Ich kann einige Zutaten replizieren...“<br>„Ketracel Weiß ist unreplizierbar.“<br>„Ich sagte auch, ich kann einige Zutaten replizieren.“<br>„Woher nehmen Sie den Rest?“<br>Ke’ler nippte an ihrem Tee und fokussierte ihren Blick auf Woil, der seinen Augen plötzlich aufriss und die Romulanerin durch die dunkle Scheibe hindurch anzublicken schien.<br>„Was ich replizieren kann muss reichen“, gestand sie offen.<br>Menek schüttelte den Kopf. „Was Sie replizieren wird Ketracel Weiß nicht mal im Ansatz nahe kommen.“<br>„Der Tal Shiar ist inzwischen einen Schritt weiter, als es die Öffentlichkeit vermutet. Wird sind in der Lage Ketracel Blau zu synthetisieren.“<br>Menek hörte zum ersten Mal davon. Sein Blick offenbarte dies glasklar.<br>„Sie sind ja noch wahnsinniger als ich gedacht hatte.“<br><i>Ich bin wahnsinniger als Sie es sich überhaupt vorstellen können</i>, dachte sie.<br>„Wahrscheinlich ist Woil sogar noch der geistig gesündere von ihnen beiden“, fuhr der Arzt fort.<br>Ke’ler blickte lächelnd zu Menek. Es war allerdings kein ansteckend fröhliches Lächeln. Im Gegenteil, Menek begann bei diesem Anblick zu frösteln.<br>„Ich mag Sie Doktor. Sie halten mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. Leute von ihrem Schlag sind selten geworden im Imperium.“<br>Wieder einmal hatte Ke’ler es geschafft, Menek mit einer gekonnten Bemerkung zu verunsichern. Was zur Hölle, meinte sie damit?<br>„Wann können Sie ihm den Emitter implantieren?“<br>„Ich muss den Emitter noch auf die antosianische Gehirnfrequenz programmieren. Vielleicht...“ Menek grübelte nach und war wieder ganz Arzt. „Eine halbe Stunde.“<br>„Gut, machen Sie sich an die Arbeit.“<br>Menek tippte noch etwas in die Geräte ein, an denen er bis gerade eben noch gearbeitet hatte und stand dann auf.<br>„Und Doktor...“<br>„Ja, Subcommander?“<br>„Falls Sie heute Abend noch nichts vorhaben würde ich mich über ihre Gesellschaft sehr freuen. Abendessen in meinem Quartier?“<br>Kopfschüttelnd verließ Menek den Beobachtungsraum. „Diese Frau...“<br><br>Die Pietätlosigkeit in diesem Universum war einfach nur widerlich. Oder handelte es sich dabei einfach um bloße Achtlosigkeit? Noch immer waren Lieutenant Bird und Janine Talley gezwungen auf den Leichnam zu blicken. Inzwischen hatten sie in gemeinsamer Anstrengung James etwas würdevoller arrangiert. Sie hatten ihn an die Wand gelegt, ihn so gut es ging aufgebahrt und seine Hände gefaltet. Am liebsten hätte Danny eine Decke über den Toten gelegt, schon allein aus dem Grund, damit Janine ihn nicht die ganze Zeit über anstarrte. Leider gab es in dieser Zelle nichts dergleichen und auch kein Hemd oder eine Jacke war in Griffweite. Inzwischen hatte die Totenstarre eingesetzt und die Haut verlor ihre Farbe. Zumindest sah James Talley nun friedlich aus. So gut es ging hatten sie mit ihren Taschentüchern das Blut abgewischt, doch ihre Bemühungen waren umsonst gewesen. Die Zelle war derzeit am ehesten als Saustall zu bezeichnen. Glücklicherweise waren die beiden Gefangenen inzwischen zu abgestumpft, um sich allzu sehr über den Schmutz und das Blut aufzuregen. Die Allianz war wirklich ein grauenhaftes und despotisches System. Scheinbar starben in ihren Händen tagtäglich zahllose Menschen, denn anders war die Ignoranz aller in Bezug auf den Toten nicht zu erklären. Sogar die Wachen hatten sie einmal gerufen und diese um Hilfe gebeten, jedoch war ihr Flehen überhört worden. Nicht mal ein kurzes Gebet hatte der Bajoraner aufgesagt, obwohl dieses Volk normalerweise für seine Spiritualität bekannt war. Scheinbar jedoch nicht in diesem Universum, denn Danny hatte noch keinen Bajoraner gesehen, der den typischen Ohrschmuck als sichtbares religiöses Zeichen getragen hatte.<br>Nun hatten sich beide Gefangenen in die andere Ecke des Raums gekauert. Der Lieutenant hatte Janine in den Arm genommen, spendete ihr so Trost und Wärme. Als Nebeneffekt versuchte er so zu verhindern, dass die junge Frau nicht immer wieder zum Leichnam ihres Vaters blickte. Zärtlich streichelte er ihr Haar, gewann dadurch selbst an Kraft und Zuversicht. Unglaublich, dass es mal auf der Erde eine Zeit gegeben hatte, wo eine Beziehung zwischen ihr und Janine unmöglich gewesen wäre und das allein wegen ihrer Hautfarbe. Glücklicherweise spielte so etwas nun keine Rolle mehr! <br>Noch immer schmerzte sein Körper an zahllosen Stellen, er fühlte sich schlapp und sehnte am meisten ein gemütliches Bad herbei. Doch solche Tagträume, geschweige denn Selbstaufgabe, waren der gegenwärtigen Situation nicht gerade zuträglich. Zwar starb die Hoffnung zuletzt, aber inzwischen musste Danny mit jeder Faser seines Lebens gegen die aufkeimende Mutlosigkeit ankämpfen. Aber wie standen denn nun tatsächlich ihre Chancen? Er selbst war bis in die Bewusstlosigkeit geprügelt worden, Janine war augrund des Todes ihres Vaters völlig aufgelöst und James tot. Sie beide waren in einem gänzlich anderen Universum gefangen und Hoffnung auf Rettung gab es nicht. Durch wen auch? Immerhin wusste wohl keiner, dass sie sich hier befanden. <br>Als Danny diese Mission vor mehr als drei Monaten angenommen hatte, war ihm sehr wohl die Wahrscheinlichkeit seines Todes bewusst gewesen. Natürlich hatte er sich schon öfters in brenzligen Situationen befunden. Dies ging nun mal einher mit seiner Position als Sicherheitsoffizier der Sternenflotte. Jedoch hatte es bisher immer einen Ausweg gegeben. Wo war der Ausweg jedoch dieses Mal? Bird sah ihn nicht. Manchmal war das Leben schon unfair. Da hatte er die Liebe seines Lebens gefunden (etwas, woran er nach der Sache mit Elisabeth Frasier nicht mehr geglaubt hatte), doch sie hatte sich als Terroristin herausgestellt. Zwar bekam er endlich ein Kind, sogar einen Sohn, aber wahrscheinlich würde er ihn niemals aufwachsen sehen. Erst jetzt, wo er eine Familie im Aufbau besaß, merkte er erst, wie wichtig ihm das ganze war. Scheinbar war so was jedoch nicht mit einem Leben beim Sternenflottengeheimdienst vereinbar. <br>„Sollten wir hier jemals herauskommen“, flüsterte Danny seiner Geliebten zu, „dann möchte ich unseren Sohn aufwachsen sehen.“<br>Allein die Vorstellung dieser Sache zu überleben, war aberwitzig. Dennoch ließ sich Janine auf diesen Gedanken ein, versuchte aus ihm Kraft zu schöpfen.<br>„Wie soll das funktionieren? Du wirst wahrscheinlich wieder auf deinem Raumschiff dienen oder wo immer du auch eingesetzt bist und ich werde im Gefängnis sein.“<br>Entsetzt richtete Danny sich auf, um so seiner Freundin in die Augen blicken zu können. <br>„Du gibst dich doch schon nicht etwa vorher auf?“<br>„Ich weiß nicht…wie ich es allein schaffen soll!“<br>„Aber du wirst nicht allein sein“, beschwor der Lieutenant sie. „Ich werde dir zur Seite stehen und wir werden eine Familie sein. Aus diesem Grund werde ich mich auf die Erde versetzen lassen.“<br>Eigentlich war es unklug über die Zeit danach zu spekulieren, wenn man die Krise noch nicht bewältigt hatte. Dennoch musste das Thema zur Sprache gebracht werden. Irgendwie schöpfte Bird aus dem Gedanken neuen Mut.<br>„Es ist genug“, fuhr Bird fort und schien sich in seiner Meinung nun sehr sicher zu sein. „Ich habe nun fast mein gesamtes Leben beim Geheimdienst der Sternenflotte verbracht. Was hat es mir gebracht? Ich habe keine Familie, nur wenig Freunde und schon gar kein Privatleben. Möglicherweise wäre es an der Zeit sich etwas Neues zu suchen.“<br>„Meinst du das ernst?“ fragte Janine und blickte auf.<br>„Das ist mein voller Ernst. Die Sternenflotte kann ich nicht verlassen, weil ich schon zu lange beim Geheimdienst war und an sensibles Material gelangt bin. Aber ich kann sicherlich etwas anderes tun. Ein Posten auf der Erde, wie gesagt.“<br>Janines Augen strahlten, als sie diese Worte vernahm. Allein die blanke Vorstellung war gegenwärtig absolut unrealistisch, dennoch klammerten sie beide sich an diese Worte.<br>Danny stand jedoch zu seinem Wort. Er hatte nun auch eine kleine Familie, für die er bereit war zu kämpfen. Für Janine und für seinen kleinen Sohn!<br>„Wenigstens sind nicht alle Pläne meines Vaters heute gescheitert. Ein kleines Ziel erreichen wir dennoch, “ murmelte Janine und kuschelte sich wieder an ihren Freund. Was sie damit meinte, konnte Danny derzeit nicht einordnen und eigentlich war es ihm auch egal. Im Moment musste er sich um wichtigeres kümmern!<br><br>Noch musste die Politik auf Qo´nos warten, denn es galt erst einmal Herr anderer Dinge zu werden. Zielstrebig wanderte Regent Martok in den Maschinenraum seines Flaggschiffes, auf der Suche nach einer ganz bestimmten Person. Dabei hatte er auf die Begleitung einer Leibwache verzichtet. Diese Sache wollte er allein klären, unter Kriegern. Die anwesenden Techniker verneigten sich vor ihm, als sie den neuen Regenten erblickten und machten ihm ehrfürchtig Platz. Martok genoss diesen neuen Respekt, auch wenn er nicht allzu viel Wert darauf legte. Immerhin war er nicht Führer aller Klingonen geworden, um sich huldigen lassen. Stattdessen wollte er etwas bewegen, einen Umschwung herbeiführen. <br>Endlich erreichte er sein Ziel, fand die Person vor, mit der er sprechen wollte: der Chefingenieur des Schiffes. Ein erfahrener Soldat, der auf eine lange Dienstzeit in den klingonischen Streitkräften zurückblicken konnte und mit dem Martok an zahlreichen Schlachten teilgenommen hatte. Ein treuer Weggefährte. Bis jetzt.<br>„Was kann ich für sie tun, mein Regent?“ fragte der Chefingenieur, nachdem er von einer seiner Diagnosekonsolen aufgeblickt hatte. Im Hintergrund summte auf fast schon beruhigende Art und Weise der Warpkern.<br>„Ich denke sie wissen genau, weswegen ich gekommen bin?“<br>Die beiden erfahrenen Männer starrten sich gut eine Minute lang an, dann schüttelte der Ingenieur den Kopf.<br>„Mir ist nicht klar, wovon sie reden.“<br>Der neue Regent machte einen weiteren Schritt vor, hielt aber immer noch genügend Distanz, um diese Geste nicht aggressiv wirken zu lassen. Hier war Fingerspitzengefühl gefragt. Martok wandte sich in Richtung der anderen Techniker, die ihr kleines Gespräch mithörten und grollte:<br>„Gehen sie. Alle!“<br>Sofort ließen die Techniker alles stehen und liegen, verließen eilig den Maschinenraum und der letzte schloss das Schott hinter sich. Nun waren beide Männer gänzlich allein, ungestört.<br>„Wir haben gemeinsam in vielen Schlachten gekämpft“, fuhr Martok fort und beobachtete seinen Gegenüber ganz genau. „Sie sind ein ehrenwerter Soldat mit einer langen Dienstzeit in den Streitkräften. Ihre Akte ist beeindruckend.“<br>„Ich weiß, was ich geleistet habe“, entgegnete der Ingenieur und schien auf Zeit spielen zu wollen. Oder verstand er wirklich nicht, worauf der Regent hinaus wollte? „Was wollen sie von mir?“ <br>„Meiner Ansicht nach haben sie keine Zukunft mehr an Bord dieses Schiffes“, erklärte der Regent direkt.<br>„Und wie kommen sie zu dieser Ansicht?“<br>Martok wählte seine Worte mit Bedacht. Es war nicht seine Absicht einen Kampf heraufzubeschwören. In seinen Augen gab es auch andere Wege, um dies zu klären.<br>„Sie sind bekanntermaßen ein Unterstützer von Worf und seiner Regentschaft gewesen. Unter normalen Umständen wäre mir dies egal gewesen. Jeder Klingone soll frei sein in der Unterstützung des Hauses, welches ihm am meisten zusagt. Doch sie sind anders. Sie engagieren sich politisch und sind daher zu viel mehr bereit.“<br>„Was wäre das denn in ihren Augen?“<br>„Ein Sturz meinerseits“, fuhr Martok mit fester Stimme fort. „Sie sind der Typ Klingone, der sich über das normale Maß hinaus politisch engagiert. Sie wären zu einem Sturz meinerseits bereit, um die alte Ordnung wiederherzustellen.“<br>Verächtlich schnaubte der Chefingenieur.<br>„Sie haben in einem regulären Zweikampf Worf getötet und damit die Regentschaft übernommen. Es ist nicht an mir dies anzuzweifeln.“<br>„Ich weiß und dennoch tun sie es. Daher bin ich hier, um ihnen zu sagen, dass ich einen Umsturz niemals zulassen werde. Möglicherweise, vielleicht sogar ganz sicher, haben sie die ersten Schritte in Richtung Stürzung meiner Person eingeleitet. Dem muss ich zuvorkommen.“<br>Ohne zu zögern zückte Martok seinen Dolch. Für einen kurzen Moment ging der Chefingenieur in eine Verteidigungshaltung, erkannte dann jedoch, dass er nicht angegriffen werden würde. Stattdessen hielt ihm der Regent seinen Dolch entgegen.<br>„Ich gebe ihnen die Chance eines ehrenhaften Todes“, erklärte Martok mit fast schon väterlicher Stimme. „Ein ritueller Selbstmord, bei dem die Integrität ihres Hauses gewahrt bleiben wird.“<br>„Wenn ich mich weigere?“<br>„Werde ich sie wegen revolutionärer Versuche einsperren und hinrichten lassen.“<br>„Sie wissen doch nicht einmal“, zischte der Kontrahent, „ob ich etwas plane.<br>„Ich weiß es. Glauben sie mir.“<br>„Selbst wenn ich etwas plane“, fragte der Ingenieur daraufhin, „wieso sollte mein Tod es verhindern? Vielleicht gibt es ja andere, die sie ebenfalls beseitigen wollen?“<br>„Weil sie der Motor sind. Mit ihrer Erfahrung und ihrem unzweifelhaften Mut können sie die Männer mitziehen. Ohne eine Führungspersönlichkeit wie die ihre wird es keine Auflehnung gegen mich an Bord dieses Schiffes geben!“<br>Abermals lieferten sich die beiden Männer ein Blickduell. Aufrichtig hoffte Martok, dass der Mann sein Angebot annehmen würde. In seinen Augen war es großzügig und ehrlich. Der Selbstmord war der Erschießung durch einen Disruptor ganz klar vorzuziehen. <br>Beide Klingonen versuchten im jeweils anderen zu erkennen, was der andere dachte. Für einen kurzen Moment rechnete sich der Ingenieur seine Chancen aus. Würde es reichen sich den Dolch zu schnappen und ihn gegen seinen Besitzer zu wenden? Doch das Überraschungsmoment war nicht auf seiner Seite; er würde es so nie schaffen Martok zu erledigen. Nein, er musste sich eingestehen, der neue Regent war ihm zuvorgekommen. In diesem Spiel um Macht hatte er ganz klar verloren und musste sich dies nun eingestehen. <br>Schließlich nahm sich der Chefingenieur den Dolch und rammte ihn sich, ohne zu zögern, in den Bauch. Röchelnd, aber ohne Schrei, sank er zu Boden und starb. Er hatte sich für die Ehre entschieden, was Martok nur begrüßen konnte. Er würde diesen Leichnam genauso ehrenvoll bestatten wie den von Worf. Der Ingenieur hatte es sich durch seine mutige Entscheidung mehr als verdient. Damit konnte Martok sich endlich den wirklich wichtigen Dingen zuwenden.  <br><br>William T. Riker war ein starker Mann. Wie viele andere Menschen war auch er als Sklave aufgewachsen, hatte unter einfachsten Bedingungen leben und für seine Existenz unter der Fuchtel der Allianz kämpfen müssen. Irgendwann hatte er sich der Rebellion angeschlossen, als diese noch in den Kinderschuhen gesteckt hatte. Zahllose Schlachten hatte er überlebt, sowohl Raumkämpfe als auch Bodengefechte, und manchmal hatte es schon sehr knapp ausgesehen. Doch immer wieder hatte es geschafft sich aus scheinbar ausweglosen Situationen zu befreien. Seit einiger Zeit war er nun Chefingenieur der Defiant und hatte sich als dieser ein gewisses Ansehen verdient. Eifrig hatte er die Baupläne studiert, jedes Detail in sich aufgesogen und war zu einem echten Experten auf dem Gebiet geworden. Nun half er im Maschinenraum der Monitor, um das Schiff wieder flott zu kriegen.<br>Was er jedoch nicht ertragen konnte, war das ständige Gestarre der anderen Menschen. Egal was er tat, selbst jetzt, als er unter eine Energieleitung gekrochen war, beobachteten die Techniker ihn. Bis ihm irgendwann der Kragen platzte.<br>„Können sie verdammt noch mal aufhören mich so anzuglotzen?“ fauchte er durch den Maschinenraum und sofort drehten sich alle weg, so als hätten sie nie etwas getan. Genervt fuhr sich Riker durch das schüttere Haar.<br>„Sie müssen das verstehen, Sir“, erklärte Lieutenant Bolder ihm, der derzeit im Maschinenraum aushalf. „Die meisten von uns kennen sie – also ihr Äquivalent aus unserem Universum – etwa von persönlichen Begegnungen oder von Bildern. Sie nun hier stehen zu sehen, ist seltsam!“<br>„Ich bin nicht diejenige Person“, grummelte Riker und las sich ein Diagnosepadd durch. Was er dort lesen musste, gefiel ihm ganz und gar nicht. „Wo ist der Chefingenieur?“<br>Betreten blickte Bolder zu Boden und auch einige Techniker, die dies gehört hatten, erstarrten. Instinktiv wusste Riker, was geschehen war.<br>„Lieutenant Sanchez ist tot“, erklärte Bolder niedergeschlagen.<br>„Starb er bei dem Gefecht?“ fragte Riker. Seine Stimme klang herzlos, auch wenn er nicht so empfand. Es war einfach so, dass er sich schon viel zu sehr an den Tod von Menschen gewöhnt hatte. <br>„Nein, er kam heute Morgen bei einem anderen…Zwischenfall ums Leben.“<br>In Bolders Stimme war immer noch deutlich die Trauer über diesen Verlust zu hören. Ganz sicher nicht der einzige, der heute ums Leben gekommen ist.<br>„Sind sie denn seine Vertretung?“ fragte Riker und kletterte wieder unter die Leitung.<br>„Nein, ich bin der Einsatzoffizier.“<br>„Und wer ist nun die Vertretung von Lieutenant Sanchez?“<br>„Fähnrich Mutobo…der ist leider auch tot.“<br>Riker schreckte so heftig hoch, dass er sich den Kopf fast an der Energieleitung stieß. <br>„Haben sie etwa eine Pechsträhne im Maschinenraum?“<br>„Ich weiß es nicht. Der Fähnrich starb bei dem Gefecht mit dem Klingonen. Damit haben wir weder Offiziere noch erfahre Unteroffiziere, mit denen wir im Maschineraum aufwarten können, sondern nur Mannschaften. Daher soll ich ihnen zur Seite stehen.“<br>„Verstehen sie denn etwas von Technik?“ fragte Riker herausfordernd, der sich nun endlich wieder an die Arbeit machen wollte.<br>„Ich verstehe zumindest genug, um zu wissen, dass sie an dieser Leitung nicht weiter herumschrauben sollten“, erwiderte Alex Bolder keck. „Die Merkmale unserer Spannungsleitungen haben sich nämlich im Vergleich zu denen ihn bekannten verändert.“<br>Sofort ließ Riker alles stehen und liegen. Vielleicht war es ja doch gar nicht so schlecht, wenn er etwas Hilfe in Anspruch nahm.<br><br>William T. Riker war nicht der einzige, der sich mit unerwarteter Prominenz herumschlagen musste. Auch Jozarnay Woil wurde überall an Bord „wieder erkannt“ und musste sich zahllosen Fragen stellen, die ihn von der Arbeit abhielten. Gemeinsam mit Fähnrich Kensington, die er seit dem ersten Moment nicht leiden konnte, versuchte er die Tarnvorrichtung wieder in Gang zu bringen. Schwieriger gesagt, als getan, denn das System war äußerst komplex und die Zeit knapp. Beide standen, begleitet von mehreren Technikern, in der Tarnvorrichtungsanlage: ein gewaltiger, dunkler Raum, in dessen Mitte das wohl wichtigste Objekt des Raums stand. Normalerweise schimmerte es, ähnlich dem Warpkern, wenn es funktionsbereit war, aber derzeit war das romulanische Gerät einfach nur tot.<br>„Das ist keine menschliche Technologie“, stellte Woil schnell fest.<br>„Richtig. Es handelt sich um romulanisches Material, “ erklärte Fähnrich Kensington und schlug die Spezifikationen in ihrem Padd nach.<br>„Ich fürchte, dafür haben wir keine Ersatzteile an Bord, “ war der lapidare Kommentar des Antosianers.“<br>„Dann müssen wir uns halt mit dem zufrieden geben, was wir haben. Wird ne schöne Flickerei.“<br>Gemeinsam gingen sie die Bestandslisten der beiden Schiffe durch, auf der Suche nach jedwedem Material, was ihnen bei der Reparatur der Tarnvorrichtung behilflich sein konnte. Dies ging einige Minuten so, bis Woil schließlich die Stille mit einer Frage durchbrach:<br>„Haben sie ihn schon einmal getroffen? Den Woil ihres Universums, meine ich?“<br>Müde rieb sich Samira den Schweiß von der Stirn. Auch hier unten waren die Umweltsysteme gestört und verursachten eine zu große Hitze.<br>„Nein. Als ich an Bord kam, hatte Woil die Sternenflotte schon vor einem halben Jahr verlassen. Ich kenne den ehemaligen Chief nur von Bildern und Berichten.“<br>Nun hatte ihn doch die Neugierde gepackt. Die gesamte Zeit über hatte er sich gegen den Gedanken gesperrt, doch nun wollte er doch mehr erfahren.<br>„Und was können sie mir von ihm erzählen?“<br>Kurz blickte Kensington an die Ecke. Sie dachte nach, kramte die wenigen Informationen, die sie besaß, aus ihrem Langzeitgedächtnis heraus.<br>„Na ja, er sah halt aus wie sie. Bis auf seine Haare, die waren kurz.“<br>„Was hat er an Bord gemacht?“<br>„Er war der Chefingenieur.“<br>Angesichts dieser Worte schnaubte Woil irritiert.<br>„Sie wollen mir sagen, dass ihr Jozarnay Woil ein ausgebildeter Ingenieur war?“<br>„Ja, wieso nicht?“<br>„Weil ich absolut keine Ahnung von dieser Materie habe“, erklärte der Spiegel-Woil mit einem Grinsen. „Technik ist nichts für mich. Ehrlich gesagt habe ich schon Probleme ihnen bei dieser Sache hier zu helfen. Ich kann kämpfen; daher bin ich der taktische Offizier der Defiant.“<br>Angesichts dieser Informationen musste auch Fähnrich Kensington lächeln. Ein kleiner Spaß angesichts der derzeit brenzligen Lage.<br>„Zumindest zeigt dies, dass, nur weil sich die Personen ähneln, ihre Schicksale nicht vorherbestimmt sind“, fand Kensington und machte sich wieder an die Arbeit. „Für jeden Genetiker wäre diese Erkenntnis im höchsten Maße faszinierend.“<br>So machten sich die beiden wieder an die Arbeit, ohne ein weiteres Wort über das Thema zu verlieren. Derzeit gab es einfach wichtigeres zu tun.<br><br>Die einzige Person, die eigentlich nicht an Kommunikation interessiert war, war Commander Matthew Price. Schwitzend lag er unter seiner Navigationskonsole und versuchte einige kleine Reparaturarbeiten daran durchzuführen. Unterstützt wurde er dabei vom möglicherweise interessantesten Charakter unter den Besuchern, nämlich Martin Lewinski. Jedoch hatte der Halbbetazoid absolut kein Interesse an einer Konversation. <br>„Reichen sie mir mal das Diagnosegerät“, bat Price und untersuchte einige Gelpacks auf ihre Tauglichkeit. Sollten sie noch einmal in einen Kampf geraten, und Price zweifelte an diesem Umstand in keinster Weise, dann wollte er mit unter den optimalsten Bedingungen arbeiten. <br>Martin Lewinski betrachtete Price eine Zeit lang bei seinen stummen Arbeiten, dann fragte er ihn schließlich:<br>„Wollen sie denn gar nichts sagen?“<br>„Ich wüsste nicht, was es zu sagen gäbe“, entgegnete Matt und ächzte, als er wieder unter der Konsole hervorkrabbelte. <br>„Na kommen sie! Überall an Bord stellt man uns Tausend Fragen und wundert sich, dass wir nicht so sind, wie die Personen ihres Universums. Sie müssen doch auch interessiert sein.“<br>„Bin ich nicht“, raunte Price und suchte nach einem ganz bestimmten Werkzeug, welches er jedoch nicht in der Box vorfand.<br>„Und wieso?“<br>„Geht sie das was an?“<br>Abwehrend wich Martin Lewinski einen Schritt zurück und hob demonstrativ die Hände.<br>„Hey, “ schmollte er, „wieso sind sie denn so grob?“<br>„Weil vor ein paar Stunden meine Mutter gestorben ist??“ schrie Price ihn an, warf den Werkzeugkasten frustriert in die Ecke und trat gegen seinen Stuhl. Entsetzt blickten ihn alle Brückenoffiziere an, nur Martin Lewinski schien keine Gefühlsregung zu zeigen.<br>„Ich habe meine Eltern nie kennen gelernt“, erklärte der jüngere Bruder ohne jedwedes Gefühl in seiner Stimme.<br>„Toll für sie!“ fauchte Price ihn an und begann das verstreute Werkzeug wieder aufzusammeln, um es in die Box einzuräumen. „Was bringt mir das jetzt?“<br>„Keine Ahnung. Ich kann ihnen jedoch nicht bei der Bewältigung ihres Schmerzes helfen und so sehr ich es auch möchte, derzeit haben wir dringendere Sorgen. Ich schlage also vor, dass sie ihre Gefühle beiseite räumen und ihre Arbeit machen.“<br>Angewidert blickte Price Martin an, überlegte sich, was er machen sollte. Dieser jüngere Lewinski war anscheinend genauso ein Schwein wie das Pendant aus seinem Universum. Für einen kurzen Moment ballte Matt eine Faust, konzentrierte sich dann jedoch wieder auf seine Arbeit. Scheinbar war dies die einzige Art und Weise, wie er sich derzeit ablenken konnte.<br>Zischend öffnete sich das Brückenschott und Captain Lewinski betrat das Kommandodeck des Schiffes. Er kam eben von der Krankenstation, wo er sich von Dr. Frasier über den Verwundetenstand hatte informieren lassen. Traurig hatte Elisabeth ihm die beiden Toten gezeigt, die bei dem Angriff der Klingonen ums Leben gekommen waren. Fähnrich Mutobo und Crewman Xerex hatten den Angriff nicht überlebt.<br>„Sie sind noch so jung“, murmelte Lewinski und Frasier hatte nichts anderes tun können, als stumm zu nicken. So viele waren am heutigen Tage gestorben, angefangen mit Timo Gruber. Wie viele mussten noch sterben, bis dieser furchtbare Tag endlich zu Ende war.<br>„Es ist nicht ihre Schuld, Captain“, versuchte die Chefärztin ihren Kommandanten aufzumuntern. „Sie haben nicht diese Toten auf dem Gewissen.<br>„Doch, mindestens einen“, erwiderte John und dachte an den Wachmann, der bei der Befreiung seines Bruders ums Leben gekommen war. „Kennen sie sich mit den tirrionischen Bestattungsritualen aus?“<br>Xerex war Tirrione und Captain Lewinski wollte ihm ein würdiges Begräbnis ermöglichen. Leider kannte er sich mit der Kultur seines Volkes so gut wie gar nicht aus. <br>„Darüber sollten sie sich nun keine Gedanken machen, Sir. Es gibt nun wichtigeres, “ meinte Elisabeth Frasier mit leiser Stimme. Leider schien ihr Hinweis auf taube Ohren zu stoßen.<br>„Was bitteschön kann es denn wichtigeres geben als die Toten?“ fragte Lewinski, ohne dabei den Blick von den Leichen zu lösen.<br>„Dass weitere Crewmitglieder ums Leben kommen.“<br>Diese Antwort des Doktors hatte John wieder zur Besinnung gebracht. Langsam hatte er sich wieder auf den Weg zur Brücke gemacht, nur um dort auf Martin zu stoßen. Eine Person, von der er angenommen hatte, dass er sie für eine lange Zeit nicht mehr sehen würde; im schlimmsten Falle sogar nie wieder. Nun stand sie jedoch vor ihm, in Fleisch und Blut.<br>„Kann ich dich mal sprechen?“ fragte John und Martin folgte ihm in den Bereitschaftsraum. <br>Beide Lewinskis blickten sich an. Auch Martin rang mit sich selbst, dies war zu erkennen. Jedoch spürte John eine gewisse Distanz zwischen ihnen beiden.<br>„Ich dachte“, begann der Captain der Monitor schließlich, „ich sähe dich nie wieder.“<br>„Dasselbe könnte ich auch von mir behaupten.“<br>Es war schon seltsam. Sie waren beide wirklich Brüder, jedoch nur auf genetischer Ebene. Denn in Wahrheit hatten diese beiden Männer nie etwas miteinander zu tun gehabt.<br>„Wie meinst du das?“ fragte John irritiert.<br>„Du lebst in diesem Universum nicht mehr“, war die freimütige Antwort seines Bruders. Wie alle anderen Besucher war auch er durch das harte Leben in diesem Universum mit Narben und ungepflegtem Aussehen gebrandmarkt. <br>„Ich starb also in der Sklaverei?“<br>„Du wurdest wegen Verrat hingerichtet.“<br>Die Antwort kam so schnell und wurde so emotionslos vorgetragen, dass John schlucken musste. Er konnte nicht so recht glauben, was er da eben gehört hatte.<br>„Wegen Verrat?“<br>„Ja. Smiley O´Brien war dein Henker.“<br>Verwirrt fuhr sich John durch das Gesicht. Die ganze Sache wurde einfach immer abenteuerlicher.<br>„Ich und Verrat…schon seltsam.“<br>„Es war hart den Namen unserer Familie wieder rein zu waschen“, erklärte Martin und immer noch behielt er dieselbe Tonlage bei. „Jahrelang musste ich um das Vertrauen der anderen Menschen ringen. Erst die Teilnahme an einer schwierigen Geheimmission hat die Sache wieder in Ordnung gebracht.“<br>„In meinem Universum bist du die kriminelle Figur unserer Familie.“<br>Nun endlich zeigte auch Martin einen Anflug von Überraschung.<br>„Ist dies so?“ fragte er.<br>„Ja. Du bist Waffenhändler.“<br>„Wurde ich geschnappt?“<br>Fast schon fürchtete sich John diese Antwort zu geben, dann rang er sich doch zu ihr durch:<br>„Ich habe dich festgenommen…also ihn.“<br>Doch Martin war wieder zu seiner Emotionslosigkeit zurückgekehrt, die in ihrer Stoischkeit schon fast vulkanisch wirkte.<br>„Nun, von meiner Seite aus soll kein böses Blut zwischen uns sein“, schlug der Navigator der Defiant vor.<br>„Einverstanden.“<br>Daraufhin wollte sich Martin schon an das Verlassen des Bereitschaftsraumes machen. Doch bevor er gehen konnte, meinte John:<br>„Es ist schön, dich wieder zu sehen.“<br>Und zu seiner Überraschung erwiderte Martin, ohne sich umzudrehen:<br>„Ich freue mich auch, dich wieder zu sehen!“<br><br>Der Innenminister der Vereinigten Föderation der Planeten hatte geduldig gewartet. Ohne Hast war er nach dem Gespräch in sein eigenes Ministerium zurückgekehrt. Natürlich würde er nicht sofort eine Antwort erhalten, dies war ihm klar gewesen und es hatte auch kein Grund zur Eile bestanden. Er hatte etwas liegen gebliebene Arbeit erledigt, zu Abend gegessen und anschließend gewartet. Jedoch hatte der Innenminister umsonst gewartet. Eine Minute nach der anderen war verstrichen, dennoch hatte ihn keine Antwort seitens Jellico oder gar des Präsidenten erreicht. Inzwischen war auch genügend Zeit vergangen, also hatte der Justizminister genügend Gelegenheiten gehabt, um das Anliegen an den Staatschef weiter zu tragen.  Daraufhin ließ sich der Innenminister mit dem Büro Jellicos verbinden, wurde jedoch von dessen Mitarbeitern vertröstet. Derzeit sei der Justizminister nicht zu erreichen. <br>Zwar hatte er kein Ultimatum gesetzt, doch der Innenminister war der Ansicht lang genug gewartet zu haben. Scheinbar war der Präsident an Gesprächen mit seinem Kabinett nicht interessiert. Frustriert und persönlich stark enttäuscht setzte der Innenminister also die nächste Phase seines Plans in Gang und begann seine Kabinettskollegen nacheinander zu kontaktieren. Natürlich fragte er sich dabei insgeheim, ob er hier nicht den größten Fehler seines Lebens beging. Obwohl er sich nur ungern als Berufspolitiker bezeichnen ließ, hatte er sein ganzes Leben in den Dienst am Volke gestellt. Er blickte auf eine fast zwanzigjährige Karriere zurück, die er als kleiner Abgeordneter im Parlament begonnen hatte. Noch immer erinnerte er sich voller Stolz daran, wie er das erste Mal den gewaltigen Plenarsaal betreten und von der schieren Größe beeindruckt gewesen war. Ebenfalls in frischer Erinnerung hatte er seine erste Rede vor den Repräsentanten der Föderationsvölker, als er mit schlotternden Knien das Podium betreten und seine Meinung Kund getan hatte. Es war ein kurzer und wahrscheinlich auch unbedeutender Beitrag zum Thema „Handelsabkommen mit der Tsenketi-Republik“ gewesen, dennoch hatte dies einen großen Tag für ihn dargestellt. Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte hatte er sich langsam nach oben gearbeitet, dabei das Vertrauen sowie den Respekt zahlreicher anderer Politiker gewonnen. Selbst ein Parteiwechsel hatte seinem Aufstieg nicht geschadet. Nun war er bereit alles aufgrund seiner Überzeugung zu opfern. Nur zu gerne hätte er auf diesen Schritt verzichtet, doch es ging nicht anders. Hier ging es ihm einzig und allein um die Wahrung der Demokratie. Er selbst betrachtete den Präsidenten als guten Freund, dem er jederzeit das Vertrauen ausgesprochen hätte. Jedoch waren am heutigen Tage Fehlentscheidungen getroffen worden; dies durfte man nicht unter den Teppich kehren. Aus diesem Grund mussten die gegenwärtigen Geschehnisse <br>untersucht und eine Entscheidung gefällt werden. Zum Wohle aller Bürger der Föderation.<br><br>Jozarnay Woil bekam von dem kleinen Eingriff nichts mit. Sein Dämmerzustand erlaubte es ihm nicht mehr, zwischen realen und eingebildeten Schmerzen zu unterscheiden. Zu sehr hatte er sich an den Schmerz, an die Enttäuschung, an das Versagen seines Körpers gewohnt.<br>Die einsetzende Gamma Strahlung, die sich prompt bemerkbar machte, riss ihn aus seinem Dämmerschlaf. Sie versetzte der Umgebung neue, schärfere Konturen. Klarerer Töne und beißende Gerüche.<br>Schritte, ein Pfeifen im Hintergrund. Menek hatte den Verhörraum verlassen und begab sich in den Nebenraum. Nun waren es wieder Ke’ler und Woil, die den Raum mit ihren unterschiedlichen Charakteristika ausfüllten.<br>Im Nebenraum traf Menek auf Subcommander Telk. Argwöhnisch beobachtete er das Verhör.<br>„Sie haben Ke’ler doch im Auge, nicht wahr?“, fragte der Kommandant.<br>„Natürlich, Sir.“<br>„Ich muss mich um einige Nachrichten kümmern. Anscheinend ist irgendwas in der Föderation im Gange. Auf jeden Fall gibt’s ordentlich Traffic im Subraum. Die letzte Übermittlung kam nur zerstückelt bei uns an.“<br>„Plant die Föderation etwas?“, fragte Menek.<br>Telk runzelte die Stirn. „Ich weiß es nicht – bei der Föderation weiß man nie. Ich denke jedoch nicht, dass Sie etwas planen, solange eine ihrer Delegationen mit ihrem Vizepräsidenten auf dem Romulus ist.“<br>„Und dann sollen wir einen Föderationsbürger in deren Nähe bringen?“, fragte Menek, während er auf Woil blickte.<br>„Der Vizepräsident wird schon lange weg sein, bis wir ankommen“, antwortete Telk. „Seit wann stellen Sie denn die Befehle des Oberkommandos in Frage?“<br>Schweigend blickte Menek zu Telk, der mit einem leichten Grinsen auf den Lippen zum Arzt sah.<br>„Ich werde ein Auge auf Ke’ler haben, Sir“, antwortete Menek und hoffte dadurch die Situation – für sich – zu lockern.<br>„Sie müssten die Wirkung schon spüren.“ Ke’lers Stimme drang durch die Lautsprecher. Sie begann mit einer weiteren Runde ihres Verhörs.<br>Zum ersten Mal nahm Woil Ke’ler wahr. Sie hatte gottverdammt recht. Er spürte die Wirkung. Die Gamma Strahlung brannte in seinem Gehirn. Als brenne jede einzelne Zelle in seinem Kopf.<br>„Was haben Sie mit mir gemacht?“, fragte er.<br>„Wann haben Sie das letzte Mal Ketracel-White zu sich genommen?“<br>Woil überlegte. Die Antwort lag eine halbe Ewigkeit zurück. Seine Gedanken rasten, regten die Gamma Strahlung zu noch mehr „Feuer“ an. Blinzelnd sah er sich um und versuchte Orientierung zu bekommen. Einen Punkt zum Festhalten. Doch der wurde ihm nicht geboten. Alles in diesem Raum war im selben, eintönigen Schwarz gehalten.<br>Ein Schimmernder Punkt auf Ke’lers Uniform gab ihm das Stichwort das er benötigte. Zum ersten Mal seit Stunden, hatte er wieder etwas, auf das es sich zu fixieren lohnte. Natürlich bemerkte auch Ke’ler Woils Blick. Sie bemerkte, dass sich sein Körper etwas anspannte.<br>Zufrieden lächelte die Romulanerin. Das wirkliche Verhör begann jetzt. Die erste Runde ihres Katz und Maus Spiels wurde eingeläutet.<br>Woil erinnerte sich wieder an das andere Leben, das er einst geführt hatte. Ein geordnetes Leben, ein voll gepacktes Leben. Ein Leben ohne private Momente. Ein Leben, das er versucht hatte, hinter sich zu lassen. Doch dieses Leben schien ihn nicht los lassen zu wollen.<br>Tal Shiar.<br>„Wie ich sehe, kehrt ihre Erinnerung zurück“, erkannte Ke’ler. „Lassen Sie mich einige Dinge klarstellen. Einige Dinge, an die Sie sich vielleicht erinnern. Und an einige Dinge, die Sie nicht miterlebt haben.“ Sie befeuchtete ihre Lippen und veränderte ihre Standposition. Und sie legte sich die Worte zurecht, die sie preisgeben wollte. Ihr war bewusst, ein ausgebildetes Mitglied des Sternenflottengeheimdiensts durfte niemand unterschätzen. Selbst wenn dieses Mitglied seine Fähigkeiten nicht auffrischen konnte, durfte kein Wort zu viel verraten werden. Denn jenes konnte sofort gegen sie selbst verwendet werden. „Wir fanden Sie auf dem Talar. Beinahe tot.“<br>Ein Blitzlicht brachte die Erinnerung zu Woil zurück. Dieser freundliche Talarianer hatte versucht ihn zu töten. War ihm dies nicht gelungen?<br>„Wie ich sehe kehrt die Erinnerung zurück. Wir haben Sie versorgt und vor dem Tod bewahrt. Danach wurden wir angegriffen und sahen uns gezwungen Talar zu verlassen. Hier habe ich Ihnen eine... hohe Dosis Ketracel Weiß verabreicht. Lassen Sie sich nicht täuschen. Die Drogen wirken immer noch und halten Sie am Leben. Und Ihnen wird klar sein, was geschieht, wenn Sie keine weitere Dosis Weiß bekommen.“<br>Ohne eine Gefühlsregung nahm Woil die Worte auf. Wann war dies alles geschehen? Wurde er vor Tagen, Wochen, Monaten vom Talar gerettet? Wo war er jetzt, wenn sie sagte, dass sie Talar verlassen hatten?<br>„Wieso waren Sie auf Talar?“, fragte Ke’ler.<br>Woil schüttelte alles ab. Während seine Gedanken in seinem schmerzenden Kopf rasten, entspannte sich sein Körper. Oft genug hatte er in seiner Karriere solche Situationen durchmachen müssen. Woil ging die ihm nun offen stehenden Möglichkeiten wie in einem Kartenspiel durch. Was wusste Ke’ler? Was durfte sie von seiner Situation wissen? Sollte er ihr alles erzählen? Doch würde man ihm glauben? Welche Konsequenzen ergäben sich? Und vor allem: was hatte sie mit ihm vor? Jozarnay Woil war klar, dass er keine Chance gegen eine Tal Shiar Agentin hatte. Nicht auf Dauer zumindest. Er musste nur lange genug durchhalten bis... bis...<br>„Es wird niemand kommen.“ Ke’ler sprach den Gedanken aus, den Woil nicht zu denken wagte. „Die Monitor weiß nicht, wo Sie sind. Niemand weiß, wo Sie sind.“<br>Woils Fassade begann zu bröckeln. Ihm hätte klar sein müssen, dass dem Tal Shiar sein Name vertraut war. Schließlich hatte er schon mit genug Romulanern an der Tarnvorrichtung der Monitor gearbeitet. Doch nun hatte er sich verraten. Ke’ler wusste, dass sie seine Gedanken erraten, gelesen hatte, dass sie seine Gedanken kannte, noch bevor Woil sich deren selbst bewusst war.<br>„Sie sind allein. Und Sie werden in den nächsten Stunden unerträgliche Schmerzen leiden. Das Weiß wird sich aus ihren Adern brennen, Ihr geschundener Körper wir rebellieren. Ihre Kopfschmerzen werden nicht weichen.“<br>Woil spürte plötzlich jedes einzelne „Wehwehchen“. Jede einzelne Zelle schien aufzuschreien unter den Belastungen des Tages. Seine Wunde am Bauch brannte. Zwar hatten die Romulaner die Einstichwunde regeneriert und geheilt, doch ein Körper musste sich an eine so schnelle Heilung erst gewöhnen.<br>Ke’ler hatte die Angel ausgeworfen und der „Wurm“ Woil war direkt auf den Haken gesprungen.<br>„Ich habe Zeit... Ihnen läuft Sie davon.“<br>Ke’ler war während ihres kleinen Vortrags immer näher heran gerückt. Und nun verpuffte die erdrückende Spannung im Nichts, indem sie sich in den Schatten des Verhörraums zurückfallen ließ. Woil hörte in die Schatten hinein. Hörte in die Stille. War sie überhaupt noch da?<br>Als er sich beinahe sicher war, dass er allein war, dass er allein schmorte auf seinem elektrischen Stuhl, hörte er in sich hinein.<br>Er hörte niemanden. Und dies ängstige ihn – bis auf die Knochen.<br><br>Innerhalb der kleinen klingonischen Flotte, die den Mond umkreiste, war der neue Regent schon hinlänglich bekannt. Aber auch zur Heimatwelt musste die Kunde von dem neuen Anführer getragen werden. Aus diesem Grund hatte sich Martok in seine privaten Gemächer zurückgezogen und eine Verbindung zum hohen Rat herstellen lassen.<br>Der Begriff seine Gemächer war dabei noch etwas ungewohnt, denn noch vor einer Stunde waren es die Räume von Worf gewesen. Doch auch dies gehörte zu den Gesetzen des Duells: der Sieger übernahm ebenfalls den Nachlass des Verstorbenen.<br>Endlich erschien der hohe Rat von Qo´nos auf dem Bildschirm. Der Vorsitzende der Versammlung, der alle zwei Monate wechselte und mit einem Sprecher für die Delegierten zu vergleichen war, weitete überrascht die Augen, als er Martok erkannte:<br>„Captain Martok, was ist hier los? Wo ist der Regent?“<br>Gewinnend lächelte der Klingone und lehnte sich in dem bequemen Polstersessel zurück. <br>„Der sitzt genau vor ihnen.“<br>Aufgeregtes Getuschel war von den anderen Ratsmitgliedern zu hören, welches durch eine einfache Handbewegung des Vorsitzenden zum Verstummen gebracht wurde.<br>„Ich denke sie schulden uns eine Erklärung!“<br>„Diese sollen sie auch bekommen“, entgegnete Martok und betätigte einige Tasten, um ein Datenpaket an die Heimatwelt zu senden. „Vor einer Stunde habe ich, gemäß den Traditionen und Gesetzen unseres Volkes, den Regenten Worf zu einem Duell aufgefordert, aus dem ich siegreich hervorgegangen bin. Den Gesetzen entsprechend habe ich damit die Regentschaft übernommen.“<br>Abermals weiteten sich die Augen des weißhaarigen Vorsitzenden, dieses Mal jedoch noch weitaus mehr als noch zu Beginn.<br>„Sie haben was?“ fragte er, so als ob er den restlichen Teil der Aussage gar nicht gehört hätte. <br>Auch die restlichen Ratsmitglieder blickten sich irritiert angesichts dieser neuen Lageentwicklung an.<br>„Tun sie nicht so, als hätten sie mich nicht schon beim ersten Mal verstanden: ich habe Worf in einem gesetzmäßigen Zweikampf getötet und bin nun der neue Regent der Klingonischen Konföderation!“<br>Wieder schwoll das Getuschel der Ratsmitglieder an. Dieses Mal waren ihre Stimmen deutlicher zu vernehmen und Martok erkannte eine Mischung aus Zustimmung und Entsetzen. Worf hatte es in der Zeit seiner Herrschaft nie verstanden alle Häuser des hohen Rates hinter sich zu stellen. Einigen kam dieser Machtwechsel durchaus gelegen. <br>„Dies erfolgt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt“, echauffierte sich der Vorsitzende, hatte dabei jedoch Mühe die anderen Ratsmitglieder zum Verstummen zu bringen.<br>Martok wusste, dass er nun ein Machtwort sprechen musste. Mit der Faust schlug er auf den Tisch und grollte:<br>„Es war genau der richtige Zeitpunkt! Worfs Führung war schwach, dies müssen selbst seine Förderer einsehen. Unter seiner Regentschaft hat unser Volk massiv an Einfluss innerhalb der Allianz verloren. Dem musste ich ein Ende setzen!“<br>Abermals brüllten die Ratsmitglieder ihre Meinung und scheinbar gewannen die Worf-Kritiker die Oberhand. Mehrere Klingonen reckten gar ihre Fäuste in die Höhe und skandierten den Namen des neuen Regenten.<br>„Ich werde nun einige letzte Dinge im Sol-System erledigen“, verkündete Martok und ließ mittels seiner Tonlage keinen Zweifel daran, dass er keine Widerworte duldete. „Im Anschluss werde ich mich auf den Weg zu unserem Heimatplaneten machen, um die dortigen Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Vereinbaren sie einen Termin mit cardassianischen Offiziellen der Allianz! Ich muss mit ihnen neue Sondierungsgespräche führen!“<br>Für einen kurzen Moment wirkte es, als wollte der Offizielle zu einer weiteren Erwiderung ansetzen, ließ es stattdessen. Er nickte und erklärte:<br>„Wie sie wünschen, mein Regent!“<br>Martok lächelte und beendete die Verbindung. Nun, wo auch dies erledigt war, konnte er sich nun endlich der Intendantin zuwenden… <br><br>Ein historischer Moment stand bevor. Zum ersten Mal würden zwei Raumschiffcrews aus verschiedenen Universen eine gemeinsame Operation durchführen. Doch derzeit war die Crew der Monitor einfach zu müde, um zu viele Gedanken an die geschichtlichen Implikationen dieses Ereignisses zu verschwenden. Die Führungsoffiziere beider Schiffe hatten sich im Casino eingefunden. Captain Lewinski und Bruce Land standen neben einem Wandterminal, der ihren Plan illustrieren sollte. Sorgenvoll blickte John seine Offiziere an. Jetzt, wo die meisten von ihnen ein paar Minuten tatenlos auf ihren Plätzen sitzen sollten, hatten sie Mühe die Augen offen zu halten. Die einzige, die noch halbwegs wach zu sein schien, war Arena Tellom. Ob es ihre Sorge um Ardev war, die die Terellianerin so standhaft<br>Bleiben ließ?<br>Wie auch immer, es galt keine unnötige Zeit zu verschwenden und daher begann Captain Lewinski mit seiner Einweisung:<br>„Captain Land und ich haben uns auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt, da wir die selben Ziele verfolgen. Er hilft uns mit bei der Rettung von Danny Bird, im Gegenzug unterstützen wir bei der Festnahme des klingonischen Regenten.“<br>„Was ist mit James Talley sowie seiner Tochter?“ wollte Matt Price wissen. <br>„Sollte sich die Gelegenheit ergeben, so werden wir uns diese selbstverständlich auch schnappen“, erklärte Captain Lewinski und fügte hinzu: „Priorität hat in diesem Falle jedoch Danny.“<br>Die anwesenden Offiziere nickten. Sie alle waren mit dieser Einschätzung mehr als einverstanden.<br>„Die Monitor und Defiant werden unter Ausnutzung unserer Tarnvorrichtungen abwechselnd Angriffe auf die klingonischen Schiffe fliegen“, fuhr nun Bruce Land mit der Missionseinweisung fort. „Dabei werden wir uns keiner Konfrontation stellen, sondern wie Wespen immer wieder gezielt zustechen, um uns so dem Mond anzunähern. Da die Defiant das intaktere Schiff ist, werden wir hauptsächlich die Angriffe durchführen. Die Monitor wird versuchen in den Umlaufbahn des Mondes einzuschwenken und ein Einsatzteam hinunter beamen.“<br>„Womit haben wir es zu tun?“ fragten Jozarnay Woil und Fähnrich Kensington. Eine Sache, die beiden ein Lächeln abnötigte.<br>„Es handelt sich um einen alten imperialen Bunker aus der Zeit Kirks“, erklärte Land. „Wir haben die Baupläne studiert und werden diese natürlich noch an die taktischen Teams weitergeben. Wir haben mehrfach beobachtet, dass sich der Regent zu Gesprächen mit der Intendantin auf den Mond beamt. Wenn er dies das nächste Mal tut, so schlagen wir zu und schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe!“<br>Ein letztes Mal blickten die beiden Kommandanten in die Runde. Optimismus war, trotz der Müdigkeit, in den Gesichtern der Offiziere zu erkennen. Einmal noch anstrengen, dann würde es endlich geschafft sein und sie konnte die lang ersehnte Heimreise antreten.<br>„Wie ist der Status der Monitor?“<br>William Riker und Alex Bolder blickten sich kurz an, dann erklärte der bärtige Mann:<br>„Schilde sind nun bei 23 Prozent. Die Tarnung funktioniert wieder, aber die hinteren Waffensysteme können sie vergessen. Allerdings glaube ich eh nicht, dass sie vor dem Feind weglaufen wollen.“<br>„Mehr konnten sie nicht reparieren?“ fragte Lewinski mit einem Stirnrunzeln. Was er da eben gehört hatte, gefiel ihm immer weniger,<br>„Tut uns leid, Sir“, erklärte Lieutenant Bolder. „Aufgrund der mangelnden Zeit und den nicht vorhandenen Zeit war dies das Beste, was wir machen konnten.“<br>Verstehend nickte John. Mehr war einfach nicht zu machen. Er wollte einfach nur endlich diesen verdammten Tag hinter sich bringen und daher ließen beide Kommandanten ihre Offiziere wegtreten. Sobald die Spiegel-Crew wieder auf ihrem Schiff war, würde der Angriff beginnen. Es galt immerhin keine Zeit zu verlieren.<br>„Viel Glück“, wünschte er Bruce Land und drückte ihm die Hand. Etwas irritiert erwiderte Bruce die Geste und ging in den Transporterraum.<br>Auf dem Weg zur Brücke holte Matt Price seinen Captain noch ein. Gemeinsam stiegen sie in den Turbolift und John sah ihm nur zu deutlich an, dass er etwas sagen wollte.<br>„Was gibt es, Matt?“<br>„Hast du dir eigentlich mal Gedanken über die erste Direktive gemacht?“ fragte der Halbbetazoid gerade heraus.<br>„Wie meinst du das?“<br>„Immerhin mischen wir uns hier in einen internen Konflikt ein.“<br>Kurz blickte John an die Decke. Mit dieser Frage hatte er gerechnet, dennoch hatte er sie der Bequemlichkeit halber erst einmal von sich geschoben.<br>„Die erste Direktive greift bei anderen, möglicherweise unterentwickelten, Völkern. Dies ist jedoch hier nicht gegeben. Es handelt sich stattdessen um Menschen. Unsere Brüder quasi.“<br>„So einfach machst du dir das?“<br>Ganz deutlich war zu erkennen, dass sich Matt mit dieser Antwort nicht zufrieden gab.<br>„Siehst du es denn anders?“ fragte ihn sein Captain herausfordernd.<br>„Allerdings, dies tue ich.“<br>Zischend kam der Lift zum Stillstand und die Schotts öffneten sich, so dass beide den Weg zur Brücke fortsetzen konnten. <br>„Matt, hör mal, dies ist unsere einzige Chance, wie wir Danny da herausholen können. In unserem Zustand hätten wir allein nie eine Chance gegen diese klingonische Armada. Außerdem habe ich heute schon so viele Gesetze gebrochen, wenn ein Anklagepunkt mehr hinzukommt, ist dies auch nicht mehr so schlimm!“<br>Eigentlich wollte Matt noch etwas erwidern, doch die Aussage seines Vorgesetzten war so fatalistisch, dass es seinen Atem stocken ließ. Mittels seiner empathischen Fähigkeiten spürte er zudem, dass sich John schon selbst aufgegeben hatte. Um diesen Tag zu überstehen, war er bereit alle Schuld auf sich zu laden. Die Crew musste dankbar für einen solchen Vorgesetzten sein!<br>Die beiden Offiziere erreichten die Brücke und nahmen ihre Stationen ein. Nun endlich kam es zum hoffentlich finalen Kampf. Noch einmal hieß es sich anstrengen und alles zu geben, dann würde dieser Alptraum endlich vorbei sein. Die Crew hatte am heuten Tage großartiges geleistet, so viel stand fest. Hoffentlich besaß sie noch etwas Kraft, um das letzte Stück dieses Marathons erfolgreich zu beenden.<br>John ließ sich in seinen Kommandantenstuhl fallen und wusste nicht, zum wievielten Mal am heutigen Tage er dies schon getan hatte. Nahe an der Leistungsgrenze fuhr er sich durchs Gesicht und blickte dann ein letztes Mal jeden einzelnen seiner Brückenoffiziere an. Sie hatten heute wahrlich unglaubliches geleistet und nun würde er hoffentlich das letzte Mal alles von ihnen abverlangen. Zahllose müde Augen erwiderten seinen Blick, doch jeder von ihnen wollte Danny Bird wieder an Bord holen. Auch wenn er schon so lange nicht mehr hier gewesen war, er war immer noch ein Teil der Crew und er konnte sich auf sie alle verlassen. In den letzten Jahren war aus ihnen mehr als nur Kollegen und Freunde geworden; sie waren eine Familie. Dies war John immer wieder heute klar geworden und dennoch freute ihn diese Erkenntnis. <br>„Ist das taktische Team bereit?“ fragte er in Richtung von Samira Kensington.<br>Die Frau hatte sich heute einmal mehr als würdige Vertretung von Danny erwiesen, auch wenn es zu Anfang einige Querelen gegeben hatte. Es würde zweifelsohne schwer für sie werden ins zweite Glied zurückzutreten, wenn Bird erst einmal wieder an Bord war. <br>„Das Einsatzteam wartet im Transporterraum“, erklärte Fähnrich Kensington und führte eine letzte Überprüfung der Zielerfassung durch. „Sobald wir bereit zum Beamen sind, werde ich zu dem Team stoßen.“<br>Mehr brauchte John nicht zu wissen. Ihr Einsatzteam würde parallel zum Außenteam der Spiegel-Defiant agieren und damit möglichst viele Kräfte der Allianz binden.<br>Alle anderen signalisierten ihm durch seine Blicke, dass ihre Stationen bereit waren. Noch einmal dachte er über die seltsame Schützenhilfe nach, die sie im Moment erhielten. Ein ganzes Schiff voller Doppelgänger, von dem einer sogar sein Bruder war! Wie seltsam doch diese Begegnung war. Wie hatte sich in diesem Universum Martin zu einem idealistischen Mann entwickeln können, während der andere ein skrupelloser Waffenhändler war? Genauso gut konnte man sich fragen, wieso der John Lewinski des Spiegeluniversums ein Verräter an der eigenen Spezies war. Möglicherweise war ihm dieser Mann jedoch nicht so fern, wie er am Anfang vermutete. Immerhin hatte John am heutigen Tage mehrere Gesetze gebrochen und sich sogar gegen den Präsidenten gestellt. In gewisser Weise war auch er heute zum Verräter geworden. Genie und Wahnsinn lagen scheinbar nah beieinander. <br>„Also gut“, meinte Captain Lewinski schließlich, „holen wir Danny zurück nach Hause. Alle Mann auf die Kampfstationen!“<br>Die Sirenen heulten zum unzähligsten Mal am heutigen Tage auf und die roten Lampen blinkten auf allen Decks auf. Neuerliches Adrenalin durchströmte ihre Körper. Die letzte Herausforderung stand ihnen bevor. Eine Szene aus Shakespeare kam ihm in den Sinn; es handelte sich um das Stück König Heinrich der Fünfte, welches er damals in der Schule hatte aufführen müssen. Obwohl diese Worte zahlreiche Jahre zurücklagen, hatte er sie bis zum heutigen Tage nicht vergessen und schienen nun zur gegenwärtigen Situation zu passen:<br><center><i>Noch einmal stürmt, noch einmal, lieben Freunde!<br>Sonst füllt mit toten Englischen die Mauer!<br>Im Frieden kann so wohl nichts einen Mann<br>Als Milde und bescheidne Stille kleiden,<br>Doch bläst des Krieges Wetter euch ins Ohr,<br>Dann ahmt dem Tiger nach in seinem Tun;<br>Spannt eure Sehnen, ruft das Blut herbei,<br>Entstellt die liebliche Natur mit Wut,<br>Dann leiht dem Auge einen Schreckensblick<br>Und lasst es durch des Hauptes Bollwerk spähn<br>Wie ehernes Geschütz; die Braue schatt es<br>So furchtbarlich, wie ein zerfressner Fels<br>Weit vorhängt über seinen schwachen Fuß,<br>Vom wilden, wüsten Ozean umwühlt.<br>Nun knirscht die Zähne, schwellt die Nüstern auf, <br>Den Atem hemmt, spannt alle Lebensgeister<br>Zur vollen Höh! - Auf, Englische von Adel!<br>Das Blut von kriegbewährten Vätern hegend, <br>Von Vätern, die, wie so viel Alexander, <br>Von früh bis Nacht in diesem Lande fochten, <br>Und nur, weil Stoff gebrach, die Schwerter bargen!<br>Entehrt nicht eure Mütter; nun bewährt,<br>Dass, die ihr Väter nanntet, euch erzeugt,<br>Seid nun ein Vorbild Menschen gröbern Bluts<br>Und lehrt sie kriegen! - Ihr auch, wackres Landvolk,<br>In England groß gewachsen, zeigt uns hier<br>Die Kraft genossner Nahrung; lasst uns schwören,<br>Ihr seid der Pflege wert, was ich nicht zweifle;<br>Denn so gering und schlecht ist euer keiner,<br>Dass er nicht edlen Glanz im Auge trüg.<br>Ich seh euch stehn wie Jagdhund' an der Leine, <br>Gerichtet auf den Sprung; das Wild ist auf, <br>Folgt eurem Mute, und bei diesem Sturm<br>Ruft: «Gott mit Heinrich! England! Sankt Georg!»</i></center><br>Die Namen, Länder oder Orte mochten sich geändert haben, doch noch immer steckte in diesen Worten unglaublich viel Wahrheit. Der Kanadier ließ sich von diesen Zeilen inspirieren, versuchte durch sie neue Kraft und neuen Mut zu schöpfen. Lieutenant Bird, ihr taktischer Offizier und Freund, brauchte sie. Die Crew würde ihn nicht im Stich lassen! <br><br>Aber auch der Captain der Defiant musste sich noch seinen Offizieren stellen. Nachdem die vier wieder an Bord ihres Schiffes gebeamt worden waren, zögerte Martin Lewinski keine Sekunde und fragte Land:<br>„Du hast ihnen doch nichts vom Tantalus-Gerät erzählt, oder?“<br>Überrascht blickte Bruce seinen Navigator an und stellte fest, dass auch die anderen Männer des Außenteams ihn anstarrten. Scheinbar wollten sie alle eine Antwort auf diese Frage haben.<br>Auch Martin Lewinski war, auch wenn er dies nicht allzu sehr zeigen wollte, mehr als irritiert über die Ereignisse der letzten Stunden. Seinem tot geglaubten Bruder wieder gegenüberzustehen, war mehr als seltsam gewesen. Natürlich war es nicht sein richtiger Bruder gewesen, aber dennoch waren sie miteinander verwandt. John war schon fünf Jahre tot und eigentlich hatte Martin schon längst mit dem Thema abgeschlossen. Diese andere Inkarnation jedoch wieder zu treffen hatte schmerzhafte Gefühle in ihm geweckt. Denn auch wenn John Lewinski in diesem Universum ein Verräter war, so handelte es sich bei ihm immer noch um seinen Bruder. Er hatte einen anderen John gekannt; den fürsorglichen Bruder, mit dem man viel Lachen und Spaß haben konnte. Was den älteren Lewinski zum Verrat bewogen haben konnte, wusste Martin bis heute nicht. <br>Dieser Captain John Lewinski war so anders gewesen als sein Bruder und dennoch hatte er viele Parallelen zu ihm entdeckt. Zu gerne hätte Martin noch etwas mehr Zeit mit ihm verbracht. Wahrscheinlich hätten sie sich aufgrund ihrer beiden unterschiedlichen Leben nicht allzu viel zu erzählen gehabt, doch einfach nur wieder in der Nähe seines Bruders zu sein, wäre lohnenswert genug gewesen. Diese kurze Begegnung der beiden, bei der Martin so abweisend getan hatte, hatte ihm nur umso deutlicher gemacht, wie sehr er seinen Bruder und die gesamte Familie vermisste. Martin war der letzte Lewinski, er hatte keine Frau und wenn er in diesem Krieg fiel, so wäre die gesamte Linie der Lewinskis beendet. Es war schon schwierig genug den Namen der Familie durch seine Taten wieder rein zu waschen und trotz seiner zahlreichen Belobigungen spürte Martin, dass immer noch viele andere Menschen auf Distanz blieben. Auch aus diesem Grund war es schwierig für ihn eine Frau zu finden.<br>Auch Captain John Lewinski schien dieses Schicksal zu teilen, zumindest hatte Martin keinen Ehering an dessen Finger gesehen. Scheinbar verband diese beiden Männer mehr, als sie beide auch nur ahnen konnten. Wie hatten sich die Lewinski-Brüder in den beiden Universen nur so unterschiedlich entwickeln können? Kurz vor seiner Rückkehr zur Defiant hatte er sich alle verfügbaren Daten zu der Familie Lewinski aus dem Föderationsuniversum geben lassen. Er war schon gespannt darauf diese Daten zu sichten und einen Einblick darauf zu gewinnen, wie sein Leben in einem anderen Universum hätte aussehen können. Doch das Schicksal hatte es anders gewollt. Doch für solche schwermütigen Gedanken blieb nun keine Zeit mehr. Nun war höchste Konzentration erforderlich.<br>„Nein,“ erklärte Bruce Land schließlich. „Von Tantalus weiß die Crew der Monitor gar nichts. Diese Trumpfkarte möchte ich mir für den Notfall aufbewahren!“<br><br>Alle zusammenzurufen hatte weitaus weniger Zeit in Anspruch genommen, als der Innenminister befürchtet hatte. Scheinbar waren seine Kabinettskollegen auf dem Sprung gewesen. Zwar hatte er Abstand davon genommen sie schon im Vorfeld über seine Pläne einzuweihen, doch jedermann hatte spüren können, dass etwas nicht stimmte. Ohnehin war das Ministerialviertel ein Ort der kurzen Wege, was durchaus so beabsichtigt war. Den zahlreichen Mitarbeitern und Diplomaten sollte so die Möglichkeit gegeben werden auch ohne einen Transporter innerhalb kürzester Zeit ihr Ziel zu erreichen. Und bei einem gemütlichen Spaziergang ließen sich oftmals heikle Beschlüsse fassen, die in stickigen Büros so manchmal nicht möglich gewesen wären. <br>Als Ort der Zusammenkunft hatten sie alle sich für das Innenministerium entschieden. In einem abhörsicheren Raum saßen nun die einzelnen Minister an einem wundervollen ovalen Tisch aus vulkanischer Eiche, der fast so teuer wie das gesamte restliche Gebäude war. Die meisten Kabinettsmitglieder, natürlich bis auf Edward Jellico, waren der Einladung gefolgt. Einige wenige mussten via Videokonferenz hinzugeschaltet werden, da sie sich entweder gerade auf anderen Welten oder auf Reisen befanden. Rechts vom Kopfende des Tischs saß der Innenminister. Den Stuhl am Kopfende selbst ließ er frei, denn dieser war laut Protokoll dem Vizepräsidenten vorbehalten, der aus diplomatischen Gründen gerade auf Romulus weilte. Leider konnte er noch nicht mittels einer Videoschaltung teilnehmen, da er sich gerade in wichtigen politischen Gesprächen mit dem romulanischen Prätor befand. Ein letztes Mal blickte sich der Innenminister in den Reihen seiner Kollegen und Freunde um. Die meisten wirkten ahnungslos, einige wenige jedoch konnten sich den Grund ihrer Zusammenkunft denken. <br>Der Innenminister räusperte sich kurz, um sich Gehör zu verschaffen, und begann mit seiner Einleitung. Dabei verzichtete er darauf sich von seinem Platz zu erheben; solche Formalitäten waren nun nicht von Nöten.<br>„Meine Damen und Herren, verehrte Kollegen, ich freue mich, dass sie alle so zahlreich meiner Einladung gefolgt sind. Ganz besonders glücklich bin ich über unsere Amtskollegen, die aus diplomatischen Gründen auf anderen Welten weilen und uns dennoch zugeschaltet sind.“<br>Die angesprochenen Minister, welche auf den Schirmen zu sehen waren, nickten kurz und bedankten sich so für die Erwähnung.<br>„Leider wird der Vizepräsident noch einige Zeit abwesend sein“, fuhr der Innenminister fort, „denn er befindet sich derzeit in einer Sitzung mit dem romulanischen Prätor. Ich denke es dürfte jedem klar sein, dass dies angesichts der gegenwärtigen politischen Lage im Quadranten absoluten Vorrang hat.“<br>Auch hier nickten die Anwesenden zustimmend. Die Agrarministerin nutzte jedoch die kurz entstandene Pause, um die Frage zu stellen, die allen auf der Zunge lag:<br>„Wann wird der Präsident zu unserer Runde stoßen?“<br>Alle Augen richteten sich auf den gastgebenden Innenminister, der nun etwas betreten zu Boden blickte. Er wusste auch nicht so recht, wie er dies nun deutlich machen sollte, also wählte er den direkten Weg:<br>„Dies wird heute Abend eine geschlossene Sitzung sein.“<br>„Geschlossen für den Präsidenten der Vereinigten Föderation der Planeten?“ fragte die Gesundheitsministerin entsetzt und aufgeregtes Getuschel brandete im Raum auf. Beschwichtigend hob der Innenminister seine Hände, bat so um Ruhe.<br>„Bitte, lassen es mich erklären! Die Nichtteilnahme des Präsidenten erfolgt nicht aufgrund von Respektlosigkeit durch mich, sondern einzig und allein deswegen, weil er der Gegenstand unserer Debatte sein wird. Natürlich wird dem Präsidenten die Möglichkeit gegeben werden sich zu meinen Vorwürfen zu äußern, aber zuerst möchte ich ihnen meine Punkte vorlegen, damit wir ein gemeinsames Vorgehen beschließen können.“<br>Der Verteidigungsminister, der sich derzeit auf Cardassia befand, beugte sich sichtbar vor und fragte über Interkom:<br>„Und wieso wird der Präsident Gegenstand der heutigen Sitzung sein?“<br>„Weil ich denke“, erklärte der Innenminister und musste bei seinen Worten selbst schlucken, „dass der Präsident am heutigen Tage nicht nur einige grundlegende Gesetze gebrochen, sondern auch die Grundsätze unserer Demokratie missachtet hat und falschen Ratgebern gefolgt ist.“<br>Nun war der Vorwurf ausgesprochen. Die nächsten Stunden würden sicherlich aufregend werden, so viel stand fest!<br><br>Die Kopfschmerzen wurden unerträglich, die Augen brannten aufgrund des hellen Lichtes, das von oben herab direkt auf ihn schien. Zudem schien es in dem Raum sowohl warm als auch kalt zugleich zu sein.<br>Die Ketten, die ihn an den Stuhl gefesselt hielten schnitten sich in das ausgemergelte Fleisch. Keinen Millimeter rührten sie sich. Taubheit setzte in seinen Händen, seinen Füßen und seinem Po ein. Auch sein Magen meldete sich mal wieder. Seit Tagen hatte er wohl nichts mehr gegessen. Und seine Kehle war so staubtrocken wie die Sahara.<br>Schlimmer noch als all dies war jedoch, dass die Halluzinationen zurückgekehrt waren. Langsam, unmerklich hatten sie sich wieder in seinen Verstand gedrängt. In sein Gehör und nun auch schon wieder in sein Sichtfeld. Wie Schatten huschten sie um ihn herum.<br>Doch Jozarnay Woil hatte beschlossen standhaft zu bleiben. Nichts anderes hatte er in den letzten Jahren gelernt. Niemals dem Feind nachzugeben. Und dieses Mal kämpfte er an zwei Fronten. Die ihm nun wieder gegenüberstehende Ke’ler war ihm dabei die kleinste Sorge. Diese sondierte ihn nur mit ihren stummen Blicken. Das eine oder andere Mal hatte er sich sogar schon gefragt, ob sie eine lebensgroße Wachsfigur war, so selten bewegte sie sich.<br>„Sie sind ihr Leben lang ein Mitglied der Sternenflotte Chief.“<br>Immer erkannte Woil die Stimme seines Captains. Auch diesmal erkannte er sie. Obgleich er nicht ausmachen konnte, wo Lewinski stand, hörte er ihn zu sich sprechen.<br>„Sie dürfen Ihr nicht nachgeben. Sie wird nicht halt machen, bis Sie über jedes Detail ihres Lebens Bescheid weiß. Und dann wird sie Sie fertig machen.“<br>„Sie haben ihre Situation nicht gerade verbessert“, kommentierte Jellico diese Situation lakonisch. „Da hatten Sie es in meinem Gefängnis deutlich bequemer.“<br>„Hilf mir Jozarnay“, erklang Stellas Stimme aus weiter Ferne. Überrascht und geschockt zugleich versuchte Woil herauszufinden, woher ihre Stimme kam. Im nächsten Moment brachte er sich wieder unter Kontrolle. Zumindest soweit es ihm möglich war. Er durfte nicht auf die Stimmen eingehen. Er musste sie verdrängen um sich zu schützen.<br>„Hilf mir Jozarnay, sie tötet mich!“, wieder Stellas Stimme. Markerschütternd.<br>„Entscheide dich Jozarnay Woil. Es liegt bei dir“. Eine himmlische Stimme erstickte alle anderen Stimmen, die um ihn herum auf ihn einflüsterten. Die einkehrende Stille kam einem Segen gleich.<br>So gern er es auch täte, er konnte den Romulanern nichts von Jellico erzählen ohne die Föderation zu beschädigen. Er konnte Stellas Tod nicht rächen, ohne den Quadranten in einen Krieg der totalen Zerstörung zu stürzen. Die Romulaner würden seinen Schmerz nicht verstehen. Nie täten sie das. Niemals würden sie das Ausmaß seiner Qual erkennen.<br>Woil wünschte sich nichts sehnlicher als Jellicos Blut an seinen Händen kleben zu sehen.<br>Seine Vendetta würde hier jedoch nicht in Erfüllung gehen können.<br>Vielleicht ließ sie – sein weiblicher Folterknecht – sich aber auf einen Handel ein... Nein, ausgeschlossen, sie wollte die Gründe für seine Anwesenheit auf Talar erfahren. Dazu musste er ihr zuviel preisgeben.<br>Doch musste dies die Wahrheit sein?<br>Vielleicht ließ sie sich durch ein Märchen dazu bringen Jellico zur Strecke zu bringen ohne die Föderation mit hinein zu ziehen... War dies möglich? Wahrscheinlich?<br>Woil freundete sich mit diesem Gedanken an. Jedoch musste er dazu ein Haus aus Lügen bauen. Und dies konnte er nicht, wenn er diese Schmerzen litt. Er musste ihr einen Happen zuwerfen. Eine Interna, die den Romulanern unbekannt war. Eine Interna, die sie leicht nachprüfen konnten. Eine Interna – Woils Fuß in der Tür zu seiner Blutrache. Eine Wahrheit, ein kleiner Verrat. Vielleicht sogar eine veraltete Information. Vielleicht die Schildfrequenz der Monitor? Nein, die wird zu oft geändert, das wissen sogar die Romulaner. Vielleicht die Signatur der Warpspur...<br>Eine weitere Person riss Woil aus seinen Gedankenspielen. Aus der Dunkelheit des Verhörraums heraus traten drei weitere Romulaner auf Ke’ler zu. Zwei von Ihnen hielten Disruptoren in ihren Händen.<br>Woil schoss ein Gedanke in den Kopf: Exekution. Hatte er zulange geschwiegen?<br>Ke’ler erkannte alle drei Romulaner natürlich. Es waren der Arzt Menek, der Erste Offizier T’Nol und der Sicherheitschef R’Quam. Diese beiden waren es auch, die die Disruptoren bei sich trugen. Seltsamerweise hatten sie diese nicht auf Woil gerichtet. Nein, im Gegenteil, sie zielten auf Ke’ler.<br>„Was geht hier vor?“, fragte sie wütend.<br>T’Nol blickte zu Menek. „Bringen Sie den Antosianer auf die Krankenstation. Sichern Sie ihn dort und behandeln Sie seine Wunden.“<br>Menek ging dem Befehl stumm nach. Er öffnete die Handschellen und entfernte auch die anderen Fesseln an Woils Beinen und seinem Brustkorb. Dann hievte er den Ingenieur im Ruhestand aus dem Stuhl heraus und brachte ihn aus dem Verhörraum hinaus, wo auch schon ein Sanitäter Team wartete und Woil unter hohem Sicherheitsaufwand in die Krankenstation brachte.<br>„T’Nol... was soll das?“, fragte Ke’ler wieder.<br>„Setzen Sie sich Subcommander“, der Angesprochene bedeutete der Geheimagentin auf dem Verhörstuhl Platz zu nehmen.<br>Angewidert blickte Ke’ler diesen an. Schweiß, Blut und Urin Woils klebten noch an diesem.<br>Mit einigem Stirnrunzeln sah Ke’ler zu dem Ersten Offizier. „Ist Ihnen klar, was Sie sich da antun?“<br>T’Nol ließ sich nicht beeindrucken. Erneut wies er mit seinem Disruptor auf den leeren Stuhl. „Ihnen ist klar, wozu Sie mich zwingen?“<br>Ke’ler konnte nichts in T’Nols Blick erkennen. Steinhart erwiderte er ihre Musterung. Also streifte sie ihre Gefühle ab und hüllte sich in einen Kokon aus Professionalität. Sie setzte sich auf den Stuhl. R’Quam begann sofort die Handschellen und Fesseln festzuzurren. Es macht ihm dabei sichtlich Spaß, die Fesseln etwas fester zu schnüren als es notwendig wäre. Das kalte Metall schnitt in Ke’lers Haut ein. Doch die Agentin war bereist in der Lage ihre Gefühle zu verbergen. Sie spürte nichts.<br>R’Quam hatte seine Arbeit beendet und stellte sich neben T’Nol. Beide steckten ihre Waffen zurück in die Halfter.<br>„Lassen Sie mich mit... unserem Gast... einen Moment lang allein“, bat T’Nol und Sicherheitschef R’Quam kam der Aufforderung sofort nach. Er verabschiedete sich mit einem stummen Nicken in Richtung des Ersten Offiziers.<br>Kühl blickte Ke’ler auf. „Und was erwarten Sie nun von mir?“<br>Wie ein Donnerschlag hallte es durch den Raum, als T’Nol ausholte und seine Faust ins Gesicht der groß gewachsenen und daher imposant anmutenden Frau donnerte. Grünes Blut spritzte zu Boden und in die dunklen Ecken des Raums. Ein zweiter Schlag folgte sogleich. Und dann ein dritter. Ke’ler spürte, wie ihre Nase brach, ihr Jochbein. Zudem fehlte ihr schon ein Backenzahn.<br>„Ich erwarte, dass Sie so leiden wie er es getan hat“, antwortete T’Nol mit gequältem Gesichtsausdruck, bitterer Miene und Wut in seinen Augen. Daraufhin schlug er seine Fäuste zwei Mal in Ke’lers Brust.<br>Ke’ler verwirrte diese Aussage. Wer hatte gelitten? Für wen sollte sie büßen? <br>Der Erste Offizier jedoch, machte keine Anstalten, die Frage zu beantworten. Er ließ seine Fäuste sprechen – und das nicht zu knapp. Ke’ler stellte ihre Neugier hinten an. Zumeist provozierte man noch mehr Hiebe, wenn man sich Unwissend stellte. Auch wenn man es war.<br>Nach einigen weiteren Schlägen (nach drei angebrochene Rippen, drei gebrochene Finger, zwei ausgeschlagenen Zähnen), setzte sich T’Nol auf den Boden vor ihr ab und holte Luft. Er hatte sich total verausgabt und musste erst wieder verschnaufen. Er musste auch seine Gedanken neu sammeln. Die Schläge hatten seine Verwirrtheit nicht legen können. Zumindest nicht so, wie er es vermutet hatte.<br>„Nie hätte ich gedacht, dass Sie dazu auch wirklich imstande wären“, kommentierte T’Nol.<br>Ke’ler blieb stumm. Sie würde schon früh genug erfahren, was ihr denn nun genau vorgeworfen wurde. Stumm legte sie ihren Kopf zur Seite und blickte in Richtung des Verhörraums. Der Erste Offizier sah, in welche Richtung Sie blickte.<br>„Machen Sie sich nichts vor – da ist niemand. Was hier geschieht... geschieht außerhalb des Protokolls und jedweder Erfassung.“<br>T’Nol stand auf und stellte sich direkt vor sie. Ke’ler vermied es direkten Augenkontakt herzustellen, also senkte sie ihren Kopf zum Boden.<br>Da hielt ihr Folterknecht ihr ein PADD unter die Nase. Ein Foto war darauf zu sehen. Und Ke’ler musste es geschockt anblicken. Mit einem Mal wurde ihr klar, wieso ihr Gegenüber so wütend war. Sie musste angeekelt erkennen, auf welch dramatische Weise sich ihre Situation verschlechtert hatte.<br>Auf dem PADD sah sie die beinah bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leiche Subcommander Telks...<br><br>Irgendwann hatte sich die Intendantin dazu aufgeregt etwas zu unternehmen. Sie fühlte sich durch den Auftritt des neuen Regenten in ihrem Stolz gekränkt. Was glaubte dieser Martok eigentlich, wer er war und mit wem er sprach? Immerhin hatte sie schon viele Jahre der Allianz treue Dienste geleistet und Bajor von einer kleinen Welt zu einem wichtigen Faktor innerhalb des Bündnisses gemacht. Nun stampfte dieser grobschlächtige Klingone in ihr Zimmer, störte ihre Ruhe und wollte Forderungen stellen? <br>Nein, dies ließ Kira Nerys nicht mit sich machen. Diese gesamte Operation war doch ihre Idee gewesen. Während alle nur untätig herumgesessen hatten, hatte sie sich der Gefahr durch die Menschen im Spiegeluniversum angenommen. Es war sie gewesen, die in lange Verhandlungen mit James Talley getreten war. Die ihm Material und Mittel zur Verfügung gestellt und die diese Operationsbasis aufgebaut hatte. Niemand hatte an den Erfolg dieser Operation geglaubt, bis auf sie. Natürlich hatten sie ihr Ziel nur teilweise erreicht, doch jeder tote Terraner war doch die Sache wert gewesen, zumindest sah sie dies so! Sie ließ sich nicht die Butter vom Brot nehmen, wie das die verdammten Menschen auszudrücken pflegten. Daher begann Kira sich schnell anzukleiden, suchte ihre wichtigsten Sachen zusammen und machte sich auf den Weg in die Arrestzellen. <br>Dort angekommen fand sie immer noch ihre beiden Gefangenen vor. Krachend öffnete sie die Zellentür und vernahm sofort den strengen Geruch der Leiche von James Talley. Verdammt, sie hatte tatsächlich vergessen diese wegzuräumen. Überrascht von ihrer Besucherin sprangen sowohl Janine als auch Danny Bird auf, die bis eben noch in der Ecke geschmust hatten. Diese Geste verursachte ein Lächeln bei der Intendantin. Beziehungen waren so leicht zu durchschauen. Nur zu gerne hätte sie noch etwas die Dynamik dieser Liebschaft beobachtet, doch alles musste einmal ein Ende haben. Immerhin musste Kira irgendwie den neuen Regenten ärgern und ihr fiel keine bessere Methode als diese ein. Außerdem wurde sie langsam der Gefangenen überdrüssig, was wohl mal wieder am Besten mit ihrer geringen Aufmerksamkeitsspanne zu erklären war.<br>„Was wollen sie?“ fauchte Danny sie an, obwohl er sich nur mit Mühe auf den Beinen halten konnte.<br>„Ich beende diese Farce“, erklärte die Bajoranerin und bedeutete den beiden Wachen in die Zelle einzutreten. „Alles hat einmal ein Ende. Das ihrige ist nun gekommen.“<br>Martok würde rasen vor Zorn, wenn sie ohne sein Wissen und vor allem ohne sein Einverständnis die beiden Menschen exekutiert hätte. Genau dies war Kiras Absicht. Bird und Talley waren schon längst unwichtig in diesem Machtkampf zwischen der Intendantin und dem Regenten geworden.  <br>Wie aufs Stichwort hoben die beiden Wachen ihre Gewehre und legten sie auf die beiden Gefangenen an. Ein mulmiges Gefühl überkam Danny Bird nun. Obwohl er sich die letzten Stunden mit der durchaus realistischen Chance seines Todes auseinandergesetzt hatte, wirkte es immer noch unwirklich auf ihn. Doch scheinbar war nun der Zeitpunkt gekommen, wo sein Leben endete. Gespannt wartete der Lieutenant darauf, dass sein Leben an ihm vorbeizog, wie man das aus zahlreichen Filmen und Büchern kannte, doch irgendwie geschah dies nicht. Er sah einfach nur das Gewehr vor sich, welches auf ihn gerichtet war. Danny spürte, wie Janine langsam seine Hand griff. Also würde auch diese Liebesgeschichte für ihn unglücklich enden; mit dem einzigen Unterschied, dass mit ihr auch alles andere endete. Zu schade, dass er niemals seinen Sohn aufwachsen sehen konnte. So würde also die gesamte Familie Bird ausgelöscht sein. Seine Eltern starben bei einem Angriff der Borg und er kam nun in einem ganz anderen Universum ums Leben. Scheinbar war keinem Bird ein natürlicher Tod vergönnt. <br>Obwohl er seinen bevorstehenden Tod noch nicht so recht verarbeiten konnte, hatte Danny keine Angst. Die Sekunden schienen sich zu Minuten zu dehnen, als er völlig ruhig und entspannt einen letzten Blick auf Janine warf. Die Frau, die er liebte und die dennoch nicht gut für ihn war. Auch dies war scheinbar sein Schicksal, sich nämlich immer wieder in die falschen Frauen zu verlieben.<br>Genauso sehr schien der Verrat Danny Schicksal zu sein. Es grenzte eigentlich an Zynismus, dass man ausgerechnet ihn für diese Mission ausgewählt hatte. <br>Er, der Verräter an der Föderation! Der Mann, der die Planetenallianz während des Krieges an das Dominion verraten hatte und deswegen eine Persönlichkeitsveränderung unterzogen worden war. Damals hatte er also die Föderation verraten, nun hatte er sich gegen die Föderale Befreiungsarmee und die Talleys gestellt. Nun also würde er sterben. Auch wenn Danny nicht an Religion oder ein übernatürliches Wesen glaubte, so fragte er sich doch, ob er nun nicht die gerechte Strafe für seine Taten erhielt. Zwar verspätet, aber immerhin. Schon einmal hatte er im letzten Jahr daran gedacht sich für seine Taten selbst zu richten, es dann jedoch unterlassen. Scheinbar hatte er nur ein Leben auf Raten genossen. Hatte ihn deswegen vielleicht die Sternenflotte für entbehrlich gehalten? Würde man seinen Tod, sollte man ihn überhaupt je erfahren, zu würdigen wissen? <br>Genervt rollte die Intendantin die Augen.<br>„Ich verliere langsam die Lust“, erklärte Kira Nerys genervt und war ihren Kopf theatralisch in den Nacken. „Tötet beide.“<br>Die Finger der beiden Wachmänner bewegten sich in Richtung Abzug, dies konnte Danny ganz deutlich sehen. Es war fast wie eine Zeitlupensequenz, als er sich seines Endes bewusst wurde.<br>Das war es also wohl.<br>Doch scheinbar hatte irgendjemand andere Pläne mit den beiden. Entsetzt musste die Intendantin mit ansehen, wie sich die beiden Gefangenen in einer schimmernden Transportersäule auflösten. Sie wurden vor ihren Augen weggebeamt.<br>„NEIN!“ kreischte die Frau, die Tausende von Leben auf dem Gewissen hatte.<br>Im nächsten Moment begann das Bombardement der Klingonen…<br><br><center><u><b>Fortsetzung folgt</b></u><br><br>ZUSAMMENKUNFT<br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for TREKNews NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producers NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>TM &amp; Copyright © 2005 by TREKNews Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center><br><br>]]></description><guid isPermaLink="false">6531</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 7x09: Machtwechsel</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-7x09-machtwechsel-r6506/</link><description><![CDATA[<center><b>Diese Episode als PDF-Datei downloaden:</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_61778.html"><img border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/7x09_cover.jpg"></a><br>Monitor 7x09 "Machtwechsel"<br>Dateityp: zip<br>Größe: 0.36 MB</center><br><br><center><u>Das letzte Mal in 7x08 „Suche“:</u></center><br><i>Allein und ratlos saß James Talley in seinem Raum, der genauso schmucklos war wie die anderen in diesem Bunker. Dies schien nun sein neues Leben zu sein. Noch vor einigen Stunden hatte er in einer großen Villa auf dem Mond gelebt, mit zahllosen Räumen und sogar Bediensteten, die ihm und seiner Tochter jeden Wunsch von den Lippen ablasen. Nun befand er sich in einem kargen militärischen Gebäude, welches selbst die einfachsten Annehmlichkeiten vermissen ließ. Zum ersten Mal überhaupt fragte sich der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee, ob er das richtige getan hatte. Jahrelang hatte er den heutigen Tag vorbereitet und alle Energie in ihn investiert.  Zeit, Geld und Ressourcen hatte er aufgewendet, nur um am Ende zu scheitern.<br>Müde fuhr sich der dunkelhäutige Mann durch das Gesicht. Was würde nun aus ihm werden? Er hatte immer das Ziel gehabt eine lebenswerte Welt für seine Tochter zu schaffen. Eine, in der die Macht beim Volk lag und wahre Demokratie herrschte. Früher, als seine wunderbare Frau Jessica noch gelebt hatte, hatte er auf normalem Wege versucht dieses Ziel zu erreichen. Einmal hatte er sogar für eine Legislaturperiode im Parlament gesessen, doch erreicht hatte James nichts. Zu festgefahren waren die Strukturen gewesen, zu verkrustet das System. Also hatten er und seine Frau sich dafür entschieden in die Opposition zu gehen. Sie hatten Demonstrationen veranstaltet, Flugblätter verteilt und Aufrufe gestartet. Doch auch diese waren erfolglos geblieben. Als Jessica starb wurde James klar, dass ihnen die Zeit davon lief. Die Änderungen mussten schnellstmöglich geschehen, damit er und viele andere Bürger sie noch zu Lebzeiten mitprägen konnten. Nur aus diesem Grund wurde die von ihm gegründete Föderale Befreiungspartei zur Föderalen Befreiungsarmee. Nur wenige Wochen später wurde die Organisation vom Verfassungsgericht verboten. Ein weiterer, deutlicher Beweis für James, dass das Establishment ihn blockieren wollte. Daher ging er mit seiner Organisation in den Untergrund, um dort mit seiner nun erwachsenen Tochter weiter an ihren gemeinsamen Zielen zu arbeiten. Der heutige Anschlag hätte eigentlich die Wende einläuten und sie ihrem politischen Ziel ein gehöriges Stück weiterbringen sollen.<br>Doch nun, wo er in diesem kargen Raum saß, zweifelte James an seinen Taten. Er hatte geplant die Wiege der Menschheit zu entvölkern. Millionen, ja sogar Milliarden wären fast gestorben und er wäre dafür verantwortlich gewesen. Wie hätte sein Erbe ausgesehen? Man hätte wohl von James dem Schlächter gesprochen. Wer weiß, vielleicht war dies ja sogar das Bild, welches die Öffentlichkeit von ihm hatte. So vieles hatte er für seine Tochter und die Erde aufgegeben; nun fragte er sich, ob er die richtigen Entscheidungen getroffen hatte. Sollten seine Tochter und er nun den Rest ihres Lebens im Spiegeluniversum verbringen; einem Ort, in dem Menschen nicht mehr als Sklaven waren? <br>Plötzlich fragte sich James, was wohl seine verstorbene Frau zu all dem sagen würde. Hätte sie seine Taten unterstützt, ihm dabei geholfen und sähe sie in ihm nun auch einen Kriminellen? Einen, der Freunde wie Nelson ebenso bereitwillig opferte wie die gesamte Erde und sich mit erklärten Feinden der Menschheit einließ. Sowohl die Intendantin Kira als auch die gesamte restliche Allianz machten ihm Angst. Bisher war er immer glücklich und dankbar für ihre Unterstützung gewesen. Ohne ihr Geld, ihre Mittel, hätte niemals die heutige Operation durchgeführt werden können. Doch wie stark interessierte sich die Allianz für seine Ziele? Möglicherweise musste James einsehen, dass er nur ein Mittel zum Zweck gewesen war. Eines, welches versagt hatte und dadurch entbehrlich geworden war. <br>James traf seine Entscheidung. Nicht seinetwillen, sondern wegen Janine. Sie verdiente ein gutes Leben. Sie verdiente überhaupt ein Leben!<br>Erstaunlich selbstsicher erhob sich James und ging in das Nebenzimmer, in dem sich seine Tochter befand.<br>„Was ist los? Was hast du?“ fragte Janine, doch ihr Vater griff sie nur am Arm und zerrte sie nach draußen.<br>„Stell bitte nicht so viele Fragen. Wir haben kaum Zeit!“ entgegnete James und wollte sich mit ihr in Richtung Transporterraum machen. Janine begriff sofort, was ihr Ziel war und riss sich von ihrem Vater los, um in die andere Richtung zu rennen.<br>„Wo willst du hin?“ fragte James und rannte ihr nach.<br>„Wir können nicht alleine gehen“, flüsterte Janine und ihrem Vater war sofort klar, was sie mit dieser Aussage meinte. Sie wollte Danny nicht zurücklassen. Auch wenn er sie verraten hatte, so war er immer noch der Vater ihres Kindes. Innerhalb weniger Sekunden waren sie bei der Zelle angekommen, vor der ein Bajoraner wartete. Ohne eine Sekunde zu zögern rammte Janine dem Wachmann ihren Ellbogen in das Gesicht und schlug ihn bewusstlos, bevor sie mit dessen Schlüsselkarte die Zelle öffnete. Dort saß der Lieutenant auf einem Stuhl, schlafend und aus zahllosen Wunden blutend. Der Anblick zerriss Janine und sogar James das Herz. Die junge Frau öffnete die Fesseln des Gefangenen.<br>„Danny!“ rüttelte sie ihn wach. „Steh auf, wir verschwinden von hier!“<br>Bird verstand zwar nicht so ganz, wieso sie auf einmal flohen, der er reagierte instinktiv und erhob sich von dem Metallstuhl. Jedoch musste er von James gestützt werden, so übel war er zugerichtet worden. So schnell es ihnen möglich war humpelten die drei zum nächsten Transporterraum. Von dort aus wollten sie sich zurück in ihr eigenes Universum transferieren. <br>Und dann? James war sich noch nicht so sicher, doch alles, sogar eine Haft, war besser als das Leben hier!<br>Doch sie erreichten nicht ihr Ziel. Als sie um die letzte Ecke bogen, die sie noch von ihrem Ziel trennten, blickten sie in die Mündungen von mehreren Phasergewehren. Bajoranische Wachen hatten sie ins Visier genommen, angeführt wurden sie von einer feixenden Intendantin Kira Nerys.<br>„Mr. Talley, “ meinte sie grinsend, „ich hatte schon erwartet, dass unsere Zusammenarbeit nicht so lange halten würde, wie wir vielleicht gehofft hatten. Doch Verrat hätte ich nicht erwartet.“<br>Mit einem mulmigen Gefühl blickte James zu seiner Tochter und Danny. Scheinbar hatten nun die letzten Sekunden ihres Lebens begonnen…</i><br><br><center><u>Und nun die Fortsetzung…</u></center><br>Am ehesten konnte man die Gefühle, die die Flüchtenden überkamen, mit Schock bezeichnen. Alle drei starrten gebannt die bajoranischen Wachen an, die ihre Waffen auf sie richteten. In den meisten der Gesichter war Zorn zu erkennen, so als hegten sie einen persönlichen Groll gegen die Menschen. Obwohl die meisten von ihnen niemals die Gräueltaten des Terranischen Empires miterlebt hatten, waren sie in dem Glauben an die natürlich Bosheit der Spezies Mensch aufgewachsen. Die Menschen, Vulkanier und alle anderen Völker des ehemaligen Empires stellten für sie den Erbfeind dar, den es erbarmungslos zu bekämpfen galt.<br>„Sie sind es doch, die Verrat begeht“, entgegnete James Talley kühl. Ihm war sehr wohl bewusst, dass womöglich in den nächsten Momenten das Ende seines Lebens eintreten würde. Dennoch wollte er zumindest in verbaler Hinsicht der Intendantin Paroli bieten. „Glauben sie etwa mir sei nicht bewusst geworden, dass sie gemeinsam mit dem Regenten meine Absetzung planen? Ihr Misstrauen gegenüber Menschen ist einfach zu groß, als dass sie an eine ehrliche Partnerschaft geglaubt hatten.“<br>Dannys Augen blickten wild zwischen der Intendantin auf der einen und James auf der anderen Seite hin und her. Noch immer dröhnte sein Schädel von den Schlägen, noch immer schmerzte sein Körper am gesamten Leib. Jetzt jedoch durfte er sich nicht von dem Schmerz übermannen lassen, wenn er noch heil aus dieser Situation herauskommen wollte.<br>„Oh, ich habe schon an eine fruchtbare Zusammenarbeit geglaubt“, erklärte Kira Nerys und lächelte auf die sadistische Art und Weise, die ihr eigen war. „Jedoch denke ich, dass wir unterschiedliche Ziele verfolgten. Diesen Umstand nehme ich voll und ganz auf meine Kappe. Ihr Ziel dieser Operation war es die Regierung der Föderation zu stürzen. Möglicherweise hätte ich ehrlich zu ihnen sein und ihnen erzählen sollen, dass mein Ziel es war die Invasion der Erde vorzubereiten.“<br>Entsetzt weiteten sich die Augen Janines, während ihr Vater außerordentlich ruhig blieb. Auch der jungen Frau wurde nun schlagartig der Fehler dieser unheilvollen Allianz bewusst. Was sie mit guten Absichten (in ihren Augen) begonnen hatten, konnte nun in einer Katastrophe enden.<br>„Die Invasion der Erde? Aber wieso?“ kreischte die schwangere Frau und schien sich nur mit Mühe unter Kontrolle zu halten.<br>„Ist es nicht offensichtlich? Zwar haben wir die Terraner in unserem Universum unter Kontrolle gebracht, doch noch immer stiften Menschen Unruhe. Unruhe, die von ihrem Universum ausgeht. Auch diese Gefahr muss die Allianz schnellstmöglich eliminieren, bevor die gesamte Allianz zu Grunde geht.“<br>„Sie sind wahnsinnig!“ war die laute, aber nichtsdestotrotz nutzlose Erwiderung der jungen Frau.<br>Danny wusste nicht, was er tun sollte. Am liebsten hätte er etwas in der Art von ich habe es doch gesagt oder dergleichen von sich gegeben, doch dies wäre ihrer Situation alles andere als zuträglich gewesen. Immerhin stand das Ende seines Lebens und das der Frau bevor, welches die Mutter seines Kindes sein sollte. Doch der Lieutenant konnte nichts machen. Selbst wenn man ihn nicht zusammengeschlagen, zahllose Knochen gebrochen und ihn gedemütigt hätte, so wären seine Chancen gegen die zahlreichen bewaffneten Wachen gleich Null gewesen.    <br>Was also sollte er tun? Dem unvermeidlichen Ende seines Lebens ins Auge sehen? <br>Solche Momente waren weitaus weniger heroisch, als es sich Literatur und Film vorstellten. Statt Stolz und Männlichkeit spürte der taktische Offizier der Monitor einfach nur eine große Hoffnungslosigkeit und Leere. In einem anderen Universum zu sterben, ohne dabei wohl die Chance auf ein würdiges Begräbnis zu bekommen, war nicht gerade die Vorstellung von seinem Tod gewesen, die Danny immer gehabt hatte.<br>Die Intendantin Kira, die völlig Sinnloserweise noch diesen Titel trug, da sie den bajoranischen Sektor an die Terraner verloren hatte, griff sich eine Phaserpistole von einer der Wachen und legte sie auf den Kopf James´ an. Abermals lächelte sie sadistisch.<br>„Ich habe lange überlegt, ob ich sie nicht einfach auf der Stelle hinrichten lassen sollte“, erklärte die zweifelsohne attraktive Frau. „Aber dann habe ich mich daran erinnert, dass Leid manchmal eine viel interessantere Erfahrung sein kann!“<br>Ohne einen weiteren Moment zu zögern senkte die Bajoranerin die Waffe herab und schoss einen Energieimpuls in den Bauch von James Talley. Dieser fiel zu Boden und krümmte sich stöhnend, hielt sich dabei mit beiden Händen eine klaffende Bauchwunde. Entsetzt beugten sich sowohl Janine als auch Danny über den getroffenen Mann.<br>„Diese Bauchverletzung wird sie noch lange quälen“, erklärte Kira lachend und gab der Wache ihre Waffe zurück. „Sie werden langsam, aber sich ausbluten. Dies soll der Preis für ihren Verrat an mich sein. Bringen sie die Gefangenen in eine Zelle.“<br>Die drei Menschen wurden an ihren Armen gepackt und in eine dunkle Zelle geschleift. Sie war zwar ähnlich der, in der Danny die letzten beiden Stunden verbracht hatte, jedoch war es nicht dieselbe. Krachend fiel die schwere Tür ins Schloss und ließ eine wimmernde Janine Talley zurück, die tränenüberströmt ihren vor Schmerz stöhnenden Vater im Arm hielt. Vielleicht wäre der Tod doch eine bessere Option gewesen.   <br><br>„Wecken Sie ihn auf.“<br>„Bitte?“<br>„Wecken Sie ihn auf!“, verlangte Ke’ler erneute, langsamer dieses Mal, dafür mit so viel Nachdruck, dass sich das kleine Büro des Arztes, das direkt an die Krankenstation angrenzte, damit zu füllen schien.<br>Doktor Menek erhob sich aus seinem Stuhl um Ke’lers imposanter Erscheinung etwas entgegensetzten zu können – doch sie ließ sich nicht aufhalten: „Ich muss mit dem Antosianer reden. Unverzüglich.“ <br>„Der Antosianer ist zu schwer verletzt um ihn jetzt aufzuwecken. Ich bin ja froh, ihn nicht in ein künstliches Koma legen zu müssen.“<br>Ke’ler packte den Mediziner an seinem Kragen, zog diesen fest zu und schaffte es sogar den überraschten Mann ein klein wenig hochzuheben. Hechelnd und mit ängstlichem Blick sah er die Tal Shiar Agentin an. „Doktor, ich gebe Ihnen hiermit den ausdrücklichen Befehl, den Antosianer aufzuwecken.“<br>Doch genauso, wie Ke’ler die Angst in Meneks Augen sah, erblickte er Verzweiflung in den ihrigen.<br>„Damit ich wie Sie vor einem Tribunal lande?“, fragte er so herausfordernd, wie es ihm mit zugeschnürter Kehle möglich war.<br>„Ich warne Sie Doktor... Einen Tiger, der an der Wand steht, sollte man nicht provozieren.“ Ke’ler zog ihren Griff fester. „Vor dem Tribunal steh ich schon... auf eine Anklage mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an.“<br>Diese Aussage ließ Meneks Adrenalin hoch kochen. Bluffte Ke’ler? Oder meinte sie es todernst? Gerade als er nachgeben wollte, wurde ihm die Entscheidung abgenommen. Ke’lers Geduldsfaden riss. Mit einem lauten Schrei ließ sie Menek los und er fiel wie ein nasser Sack zu Boden. Während er versuchte wieder zu Atem zu kommen ging sie hinüber zu Woil.<br>„Dann mache ich es eben ohne Sie...“, hörte der Arzt Ke’ler noch vor sich hin murmeln.<br>Es dauerte zwei, drei Atemzüge, bis er begreifen konnte, was sie vorhatte. Er rappelte sich auf und versuchte zu sprechen. „Was haben Sie vor?“, brachte er krächzend heraus.<br>Schwankend begab sich Menek in den Behandlungsraum und sah, wie Ke’ler an Woils Biobett stand. In ihrer Hand: ein Hypospray!<br>„Was tun Sie da?!“, rief der Mediziner geschockt. Schnell setzte er die sich gerade regenerierenden Beine in Bewegung und versuchte Ke’ler das Spray aus der Hand zu schlagen. <br>Er kam jedoch zu spät, die Flüssigkeit ergoss sich aus dem Hypospray in Woils Adern. Und dieser reagierte sofort. Auf dem Bildschirm über dem Biobett begannen alle Lichter zu blinken und alle Warnsignale ertönten. Woils Atemfrequenz schnellt in die Höhe.<br>Ke’ler trat einen Schritt zurück und ließ den Arzt seine Arbeit machen. Er scannte den Antosianer mit einem Handscanner.<br>„Verdammt, was haben Sie ihm injiziert?“<br>„Ketracel Weiß, intravenös...“<br>Menek traute seinen Ohren nicht. Was hörte er da? „Sind Sie verrückt?“<br>Eine Antwort erwartete er gar nicht. Schnell füllt er ein weiteres Hypospray und verabreichte den Inhalt Woil. In der Hoffnung, seinen gestiegenen Puls und seine beinah schon Hyperventilierende Atmung wieder in den Griff zu bekommen. Das Medikament entfaltete sogleich seine Wirkung. Jedoch nicht wie erhofft.<br>Mit einem Ruck setzte sich Woil auf. Das Atmen fiel ihm noch schwer, ebenso das Wachsein. Er blickte sich verängstigt um. Es schien beinah so, als sei er nicht mehr darauf gefasst gewesen, etwas zu sehen.<br>Ke’ler lachte zufrieden bis über beide Backen. Der erst Schritt war getan.<br>„Menek an Brücke, Subcommander, Sie sollten sofort hier her kommen“, wies der Arzt an, während er zu der Frau blickte, die dies alles verursacht hatte. „Und bringen Sie ein paar Sicherheitsoffiziere mit.“<br>„Ich bin schon unterwegs Doktor“, erklang Telks Stimme über die Lautsprecher in der Decke.<br>Der Arzt sah zur Geheimagentin und spürte, wie sich plötzlich jedes Haar an seinem Körper aufstellte. Ke’ler erkannte diesen Blick. Schon oft hatte sie ihn gesehen und gespürt. Sie war trainiert worden, diesen Blick zu erzeugen. Diesen Blick, der jeden gefügig macht.<br>„Ich erreiche immer mein Ziel Doktor... das dürfen Sie nie vergessen.“<br><br>Glücklicherweise musste die Crew der Monitor nicht all zu lange warten. Es verging nur eine knappe halbe Stunde, in der sie auf die Ankunft von Projekt Zeichen warten mussten. In dieser Zeit sprach man auf der Brücke nur wenig. Die meisten vertieften sich in ihre Arbeitsstationen, versuchten sich von der Anspannung und dem Schlafmangel abzulenken. Auch John Lewinski war übermüdet, doch das Adrenalin hielt ihn wach, zumindest die meiste Zeit über. Wenn er, so wie jetzt, nichts anderes machen als warten konnte, lief er permanent Gefahr in seinem Stuhl einzuschlafen. Damit dies nicht geschah, dachte der Kommandant der Monitor nach. Die meisten seiner Gedanken kreisten um seinen ersten Offizier. Inständig hoffte John, dass Matt Price mit der Belastung fertig wurde. Zwar hatte dieser glaubhaft versichert an der Mission teilnehmen zu können, doch dem Captain blieben Zweifel. Er selbst hatte auch schon beide Elternteile verloren und wusste ganz genau, welch schweren Verlust dies darstellte. Der Tod seines Vaters hatte ihn in ein tiefes Loch fallen lassen. Lange hatte John mit dem Schicksal gehadert, sich gefragt, wieso das Universum einen so guten Menschen wie seinen Vater mit Krebs bestraft hatte. Schließlich hatte er es geschafft mit dem Kapitel abzuschließen. Noch immer beschlich ihn ein Gefühl der Trauer, wenn er an Luke Lewinski zurückdachte, doch inzwischen konnte er mit diesen Momenten umgehen. <br>Es war schon seltsam. John hatte beide Elternteile verloren. Commander Price hatte zwar noch einen Vater, sich aber scheinbar mit ihm zerstritten, da er ihn für den Selbstmord seiner Mutter verantwortlich machte. Ob und wie viel Einfluss Arsani Parul wirklich auf den Tod von Birgit Price hatte, dies wusste John beim besten Willen nicht und er zweifelte auch stark daran, dass Matthew dazu etwas sagen konnte. Scheinbar fokussierte er derzeit seine ganze Trauer und den ganzen Frust über den offenkundig sinnlosen Tod seiner Mutter auf Arsani Parul. Betazoiden war ein, genauso wie Menschen, sehr emotionales Volk und obwohl Price nur zur Hälfte diesem Volk angehörte, fühlte er sich mehr denn je dieser Spezies zugehörig. Derzeit befand sich noch Dr. Frasier auf der Brücke, die hoffentlich eine beruhigende Wirkung auf ihren Freund hatte. Es war gut, dass sie sich in seiner Nähe befand und ihm so auf einfachste Art und Weise Trost spenden konnte. Später, wenn dieser furchtbare Tag endlich vorbei wäre, könnten sie alle ihren Schmerz und ihre Trauer aufarbeiten. Nicht nur um Birgit Price, sondern auch um Ardev, Sanchez und all die anderen, die durch den heutigen Tag zu Schaden gekommen waren.  <br>„Drei Schiffe nähern sich unserer Position,“ meldete Lieutenant Tellom plötzlich und riss den Captain damit aus der Lethargie. Auch die Terellianerin war natürlich immer noch in Sorge über ihren im Krankenhaus liegenden Ehemann, doch dieser war inzwischen über den Berg und würde sich von seinen Verletzungen erholen. Nur zu gerne hätte der Kommandant Ardev bei dieser Sache dabei gehabt, doch sie alle mussten nun auf den beliebten Andorianer verzichten. Sie würden es auch so schaffen müssen.<br>„Identifikation?“ fragte Lewinski.<br>„Es handelt sich um Sternenflottenschiffe, jedoch gehören sie zu einer uns unbekannten Klasse. Solche Konfigurationen habe ich noch nie gesehen!“ erläuterte Arena und blickte konzentriert auf die Sensordaten.<br>„Auf den Schirm!“<br>Das Bild auf dem Projektor wechselte und zeigte die drei Schiffe, die nur entfernt an Sternenflottenraumschiffe erinnerten. Abgesehen von den typischen Warpgondelkonstruktionen wirkten sie seltsam fremd, fast schon experimentell. Hierbei musste es sich um Schiffe handeln, die von Projekt Zeichen geführt wurden.<br>„Wir werden gerufen.“<br>Auf dem Sichtschirm erschien nun das Gesicht von Captain Hu-Lin Radisson. Dieser hatte immer noch die Manifestation eines Seemannes gewählt und daher war ihnen kein Blick auf die Brücke seines futuristischen Schiffes vergönnt. Stattdessen zeigte sich hinter dem altertümlichen Kapitän weiterhin die Kulisse eines alten Segelschiffes.<br>„Captain Lewinski“, begrüßte Radisson ihn, „wie sie sehen können habe ich mein Versprechen eingehalten. Ich präsentiere ihnen die Schroedinger, die Heisenberg und die Ericksson, die neuesten Schiffe unserer Organisation.“<br>„Sie sind in der Tat beeindruckend. Ich nehme nicht an, dass sie uns einige ihrer faszinierenden Spezifikationen verraten können?“ fragte Lewinski und kannte schon die Antwort.<br>Radisson lachte und antwortete:<br>„Natürlich nicht, Captain. All dies hier ist streng geheim. Eigentlich hätte keiner von ihnen diese Schiffe jemals sehen dürfen. Nur ihrer Überzeugungskraft allein ist es zu verdanken, dass ich mich zu dieser Sache habe überreden lassen. Ich denke es versteht sich von selbst, dass sie am Ende alle Daten bezüglich dieses Treffens aus ihrem Computersystem löschen werden.“<br>„Selbstverständlich“, bestätigte John und konnte die enttäuschten Gesichter seiner Brückenoffiziere erkennen. Alle hätten sich am liebsten intensiver mit den hochinteressanten Schiffen beschäftigt. „Wie wird nun das weitere Vorgehen sein?“<br>„Dies ist ganz einfach, zumindest aus meiner Sicht: wir werden unsere drei Schiffe nutzen, um ihnen einen Übergang in das Spiegeluniversum zu ermöglichen. Dazu wird jedoch einige Zeit von Nöten sein. Ich bitte sie daher sich in Geduld zu üben.“<br>Statt einer weiteren verbalen Antwort nickte John nur und das Gesicht Radissons verschwand vom Hauptschirm. Dieser zeigte nun wieder die drei Schiffe von Projekt Zeichen, die eine seltsame Dreieckformation annahmen.<br>„Ich registriere einen Energieanstieg bei den drei Schiffen“, meldete Commander Price und tatsächlich schien sich so etwas wie ein Energiestrahl an den Deflektorschilden aufzubauen. Unmittelbar im Anschluss schoss ein blendender Energiestrahl zwischen den Schiffen hin und her, ließ ein energetisches Dreieck entstehen. Auf eine entfernte Art und Weise erinnerte es dabei an ein tholianisches Netz.<br>„Was machen die da?“ fragte Dr. Frasier.<br>„Ich denke, wir werden schon bald die Antwort erhalten“, murmelte John und blickte fasziniert auf dem Wandschirm.<br><br>Die kurze Flucht hatte also die Situation für Danny nicht gerade verbessert. Ihr Ausbruch war jäh gestoppt worden und nun befand er sich abermals in einer Gefängniszelle, wo er auf sein wahrscheinliches Ende warten musste. Der einzige Unterschied war, dass er sich nun nicht mehr allein diesem Raum befand, sondern gemeinsam mit Janine und James Talley hier auf den Tod warten musste; wobei der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee wohl am nächsten an diesem finalen Zustand dran war. Es war schon seltsam. Was die Föderation monatelang versucht hatte, war der Allianz des Spiegeluniversums innerhalb weniger Stunden gelungen: die Zerschlagung dieser Terrorgruppe.<br>Immer noch mit den aus der Folter resultierenden Schmerzen kämpfend, lehnte Lieutenant Bird an der Zellenwand und betrachtete Janine, die tränenüberströmt ihren am Boden liegenden Vater im Arm hielt. Immer noch strömte Blut aus seiner Bauchwunde. Scheinbar hatte die Waffe ein Antigerinnungsmittel hinterlassen, die eine Heilung ohne die entsprechenden Medikamente und eine Operation unmöglich machten. James stand ein langer und vor allem schmerzhafter Tod bevor. Obwohl es sich eigentlich um eine fast schon biblische Gerechtigkeit handelte, dass der Mörder Hunderter Menschen selbst mit dem Leben zahlen musste, tat er Danny leid. Hatte er sich etwa schon zu sehr mit diesen Menschen, die er eigentlich ausspionieren sollte, identifiziert? Nein, dem war nicht so. Viel mehr waren es genau diese Empfindungen, die Danny von James unterschieden. Er hatte Mitleid mit anderen, selbst wenn es sich dabei um seinen Feind handelte. <br>Und der bedauerte Janine. Die Frau, in die er sich verliebt hatte und die Mutter seines Kindes sein würde. Noch wusste der taktische Offizier nicht, dass er einen Sohn bekommen würde. Doch dieses Wissen war derzeit nur sekundär.<br>Weinend kauerte die junge Frau am Boden und deutlich war ihr ihre Verzweiflung anzusehen. Sie fühlte sich hilflos, war nicht in der Lage ihrem Vater zu helfen. Ihre Mutter hatte sie schon vor langer Zeit verloren, nun lag auch ihr geliebter Vater im Sterben. Alle ihre Ziele, die gesamte Mission war nun für Janine vergessen. Ihre gesamte Welt drehte sich nun nur noch um den verletzten Vater.<br>„Wie konnte dies alles nur passieren?“ fragte Janine, wobei nicht sicher war, ob sie diese Frage ihrem Vater oder sich selbst gestellt hatte. Es war ein Ausruf der Verzweiflung.<br>„Bitte weine nicht“, ächzte ihr Vater und versuchte seiner Tochter Mut zu machen, was ihm jedoch nur leidlich gelang. Zu besorgniserregend war sein Zustand.<br>„Ich soll nicht weinen?“ kreischte Janine und drückte einmal mehr ihren Vater an sich, wobei ihre Kleidung noch mehr von seinem Blut getränkt wurde. „Was kann ich nur tun, um dir zu helfen?“<br>James wollte zu einer Erwiderung ansetzen, blickte dann jedoch zu dem in der Ecke stehenden Danny Bird.<br>Dieser verstand die Geste, trat zu seiner Geliebten und legte ihr vorsichtig eine Hand auf die Schulter. Die Geste sollte Mut und Kraft spenden, blieb jedoch weitestgehend wirkungslos.<br>„Janine…,“ räusperte sich Danny und musste erst einmal selbst einen dicken Kloß herunterschlucken. „Du kannst deinem Vater nicht mehr helfen!“<br>Doch die junge Frau wollte diesen Umstand nicht wahr haben. Sie verdrängte die Wahrheit, so wie es normal für Menschen in ihrer Situation war. Alles drehte sich für sie nur noch um ihren im Sterben liegenden Vater. Die Gefangenschaft, die Allianz, eine mögliche Exekution, all diese Dinge waren in weite Ferne gerückt und nicht mehr wichtig. <br>„Wie kannst du nur so etwas sagen?“ fragte Janine aufgebracht und schlug Birds Hand beiseite. „Irgendetwas müssen wir doch tun können!“<br>„Ohne medizinische Hilfe ist dein Vater verloren! Er hat eine schwere Schusswunde im Bauch erlitten. Sein Blut kann nicht gerinnen, er hat schon mehrere Liter verloren.“<br>Dannys Aussage war korrekt. Man musste nur James blasse Gesichtsfarbe betrachten, um den Ernst der Lage zu erkennen. Selbst der Anführer der Föderale Befreiungsarmee hatte sein Ende erkannt.<br>„Wir müssen um medizinische Hilfe bitten!“ flehte Janine und drückte einmal mehr ihren Vater.<br>„Die Allianz wird uns nicht helfen“, röchelte James. „Sie wollten doch meinen Tod!  Sieh es endlich ein, Janine!“<br>Doch Janine Talley wollte es nicht einsehen. So, als ob sie seine Worte nicht gehört hatte, versuchte sie abermals mit ihrem zerrissenen Pullover die Blutung zu stoppen, scheiterte jedoch erwartungsgemäß. Auch Danny war ratlos. Sie hatten nun einmal die Flucht versucht, waren dabei gescheitert. Ein zweites Mal würde die Allianz sie nicht so leicht entwischen lassen. Nicht nur James Talleys Tod stand unmittelbar bevor; möglicherweise musste er auch schon bald mit seinem eigenen Ende rechnen!<br><br>Wie ein gestürzter Riese saß Jozarnay Woil auf dem Biobett der romulanischen Krankenstation. Etwas abseits standen Telk, Ke’ler und Menek. Eine Wache stand nur wenige Schritte von Woil entfernt. Immer mit dem Disruptorgewehr drohend.<br>Zufrieden beobachtete Ke’ler ihr Werk und hörte gar nicht auf die Reihe von Beschwerden, die Telk schon seit 10 Minuten vorbrachte. Ihre Ignoranz schien ihn jedoch nur noch weiter aufzustacheln.<br>„... Sie hätten ihn umbringen können! Eine doppelte Dosis Weiß...  das hätte ja sogar einen Klingonen zur Strecke gebracht. Ich sollte sie hinrichten lassen, hier auf der Stelle. So eine verantwortungslose Person wie Sie es sind, ist mir schon lange nicht mehr untergekommen.“<br>„Atmen Sie auch zwischendurch?“, fragte Ke’ler.<br>Sprachlos blickte Telk zu Menek. Der versuchte jedoch ausweichend zur Decke zu blicken.<br>„Sie müssen nerven wir Drahtseile haben!“<br>„Und Sie das Hirn einer Hügelratte!“, erwiderte sie.<br>Eine kurze Stille folgte, die Menek dazu nutzte, sich unter einem fadenscheinigen Vorwand davon zu machen.<br>„Sie sollten sich schon mal an unsere Arrestzelle gewöhnen. Denn die wird das einzige sein, das sie während des Fluges noch zu Gesicht bekommen.“<br>„Dann sollten Sie bessere Nachforschungen anstellen. Dieser Mensch, den ich Ihnen beschrieben hab, ist ein Techniker, angeheuert bei den Schiffswerften von Sol IV. Dieser Antosianer“, Ke’ler deutete auf den Angesprochenen  „Jozarnay Woil – war bis vor einem Jahr der Chefingenieur des Schiffes Monitor. Diese zwei Menschen treffen wir auf Talar. Haben Sie auch nur den Hauch einer Ahnung, was da dahinter stecken könnte?“<br>„Das ist nicht mein Befehl und auch nicht mein Auftrag. Ich sollte das Schiff eigentlich leer zur Vertron Kolonie bringen. Randvoll mit Tal Shiar Agenten und einem von den Toten auferstandenen Antosianer muss ich jetzt erst den Romulus ansteuern. Das kostet mich Wochen“, wich Telk aus.<br>„Was, wenn die Föderation plant den Talar einzunehmen? Eine zentrale Welt. Dies könnte ihr einen größeren taktischen Vorteil verschaffen als all ihre so genannten friedlichen Bemühungen – die multiplanetare Allianz, die Friedensgespräche mit unserer Regierung, der Austausch von Geheimdienstmaterial – zusammen. Die Föderation war und bleibt eine korrupte Scheindemokratie, die nur die Expansion im Blick hat, damit ihr verschwenderischer Luxus irgendwie bezahlt werden kann.“<br>„Das sind alles unbelegte Hirngespinste. Ihr Agenten seid doch alle gleich. Durch eure Ausbildung wurdet ihr zu paranoid für die Wirklichkeit. Denn allein die Aufrechterhaltung des alten Feindbilds ist doch eure Existenzberechtigung. Und wenn das nicht mehr genügt, erfindet ihr Gegner.“<br>„Ihr dürft nicht auf die Föderationspropaganda und die Testament-Lüge hereinfallen“, wandte Subcommander Ke’ler ein.<br>Telk erwiderte ihren Blick trocken. „Für ein einstudiertes Dementi wirkte das ziemlich unglaubwürdig.“<br>„Ich habe mein Leben dem Erhalt des Imperiums gewidmet. Sie werden mich nicht daran hindern“, stellte sie klar.<br>„Aber ich kann Sie daran hindern, einen Gefangenen hinzurichten.“<br>„Sie haben von Schuld gesprochen, erinnern Sie sich? Als ich vorhin in Ihrem Quartier war. Vielleicht klebt tatsächlich das Blut meiner gefallenen Kollegen an meinen Händen. Hier sitzt meine Chance meine Hände rein zu waschen.“<br>„Dann geht es jetzt also um ihr Ego? Und nicht mehr um die Sicherheit des Imperiums.“<br>Ke’ler schüttelte den Kopf. „Sein Zustand war kritisch. Er hätte auf dem Weg zu einem ordentlichen Krankenhaus, zu einer ordentlichen Krankenstation sterben können. Unser Rückflug zum Romulus dauert noch Wochen mit diesem kleinen Schiff. Was, wenn es bis dahin zu spät ist?<br>Was, wenn bis dahin weitere Romulaner ihr Leben haben lassen müssen? Dann lieber Subcommander, dann wird das Blut dieser Romulaner an ihren Händen kleben.“<br>Der Zorn packte Telk. Er stampfte mit seinem künstlichen Fuß auf und wenn Blicke töten könnte, wäre Ke’ler nur viergeteilt an irgendwelche Raubtiere verfüttert worden.<br>Dann traf der abgehalfterte Kriegsveteran, der mit dem Kommando eines kleinen Frachters auf die Seite geschoben und nicht mal zum Commander befördert worden war, die wohl wichtigste Entscheidung seiner Karriere. Er widerstand dem Drang, Ke’ler an den Hals zu springen, er widerstand dem inneren Drang nach einem Urschrei.<br>„Na schön. Sie dürfen ihn befragen. Aber der Doktor wird die ganze Zeit über anwesend sein. Und – Sie werden ihm kein Haar krümmen. Ich will ihn in einem Stück und lebend zum Romulus bringen.“<br>Wieder lächelte Ke’ler. „Sie werden es nicht bereuen.“<br><br>Immer noch bauten die drei Schiffe von Projekt Zeichen das Energiefeld auf. Es war eine lange und schwierige Operation, soviel konnte die Crew der Monitor erahnen. Aufgeregt blickten die meisten Brückenoffiziere abwechselnd auf den Wandschirm und dann wieder auf ihre Anzeigegeräte. Gerade weil sie die Informationen wieder löschen mussten, wollten sie so viel Wissen wie möglich aufsagen, um sich ein Bild von den aktuellen Ereignissen machen zu können. Immerhin versuchten sie hier etwas, was noch nie zuvor jemand probiert hatte: den Transfer eines ganzen Raumschiffs in das Spiegeluniversum. <br>Endlich erschien Captain Radisson wieder auf dem Sichtschirm. Einmal mehr fragte sich John Lewinski, ob Radisson nun ein Mann oder eine Frau war. Oder ob diese Person überhaupt tatsächlich existierte.<br>„Das Feld ist aufgebaut worden“, erklärte der Leiter von Projekt Zeichen. „Ihr Transfer in das Spiegeluniversum kann nun beginnen.“<br>In der Tat schien sich im All ein dreieckiger, leuchtender Riss gebildet zu haben, der den Blick auf weitere Sterne ermöglichte. Scheinbar die erste Sicht auf ein anderes Universum.<br>„Ich danke ihnen für ihre Hilfe“, entgegnete Lewinski und atmete tief durch.<br>„Ich habe ihnen einen Code übermittelt, den sie bei Bedarf aktivieren können. Dieser sendet ein verschlüsseltes Signal zu uns. Im Anschluss werden wir wieder das Feld generieren, um ihnen eine Rückkehr zu ermöglichen.“<br>„Werden sie in der Lage sein das Signal zu empfangen?“<br>„Es ist transdimensional“, erklärte Radisson mit einem Lächeln. „Leider werden sie, um den Transfer durchführen zu können, sowohl ihre Tarnvorrichtung als auch ihre Schilde deaktivieren müssen. Es gibt leider keine andere Möglichkeit.“<br>Natürlich gefiel John dies ganz und gar nicht, doch er hatte keine andere Wahl, als sich dieser Empfehlung zu fügen. Dennoch ließ er die gesamte Besatzung sich auf Kampfstation begeben. Der Umstand, dass sie nicht wussten, was sie auf der anderen Seite erwartete, machte sie alle nervös. Daher wollte er auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Wabernd erschien die Monitor zwischen den drei anderen Schiffen, nachdem sie ihre Tarnvorrichtung deaktiviert hatte. <br>„Ich wünsche ihnen alles Gute“, meinte Captain Radisson und verschwand ohne jede weitere Verabschiedung vom Bildschirm.<br>Ein letztes Mal blickte Captain Lewinski seine Brückenoffiziere an. Price, Frasier, Tellom, Halek, Kensington, sie alle wusste nicht, was sie nun erwarten würde. Jedoch vertrauten sie voll und ganz dem Urteil ihres Captains. Es würde schon alles gut werden.<br>„Sind die Waffen geladen?“ fragte Lewinski ein letztes Mal nach.<br>„Ja, sowohl Phaser als auch Torpedos sind voll einsatzbereit“, erklärte Fähnrich Kensington und ließ ihre Arbeitsstation nicht aus den Augen. <br>Nun war es also soweit. Zum ersten Mal in der Geschichte der Föderation, vielleicht sogar des Quadranten würde ein ganzes Raumschiff in ein anderes Universum wechseln. Was sie wohl auf der anderen Seite erwarten würde?<br>„Bring uns durch die Öffnung“, befahl Lewinski in Richtung Price, „ein Viertel Impuls.“<br>Die Finger des Halbbetazoiden flogen über die Steuerkonsole und langsam steuerte das Schiff auf die Öffnung hinzu. Das Spiegeluniversum rückte immer näher und schließlich passierten sie das transdimensionale Tor. Sicherlich arbeiteten die Sensoren der drei Schiffe von Projekt Zeichen mit Hochdruck, um so viele Daten wie möglich über den Transfer aufzuzeichnen. Das Ergebnis schien jedoch weitaus weniger spektakulär zu sein, als manch einer vermutet haben dürfte. Captain Lewinski hatte gerechnet irgendwelche Auswirkungen des Transfers in das Spiegeluniversum zu verspüren, vielleicht Schwindel, Benommenheit oder Übelkeit, jedoch trat nichts davon ein. Hätte er es nicht auf dem Wandschirm gemerkt, ihm wäre der Transfer in das Spiegeluniversum gar nicht bewusst geworden. <br>Da dies jedoch der erste Transfer eines Schiffes in das Spiegeluniversum war, wusste keiner um die begleitenden Umstände einer solchen Reise. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass niemand von den Sensorstörungen wusste, die mit diesem Dimensionssprung einhergingen. Sämtliche externen Sensoren fielen aus und ermöglichten daher keinen Blick mehr in das sie umgebende All. <br><br>Auf der Brücke des klingonischen Flaggschiffs, welches immer noch den Mond umkreiste, wurde ein Alarm ausgelöst, der umgehend von Captain Martok geprüft wurde. Schon seit geraumer Zeit hatten die Klingonen irritiert das interstellare Phänomen, nämlich den transdimensionen Riss, beobachtet und waren aus ihm nicht schlau geworden. Wissenschaft war noch nie eine Stärke dieser Spezies gewesen und daher hatten sie nicht die Natur dieser Anomalie feststellen können. Was sie nun jedoch zweifelsfrei bemerkten, war ein aus dem Riss auftauchendes Schiff. Martok schnaubte und rief den Regenten, der sofort aus seinen Privaträumen auf die Brücke stürmte.<br>„Was ist los?“ schrie Worf, der offensichtlich ungehalten über die Störung war. Immerhin wollte er sich etwas mit einer Konkubine entspannen; ein Plan, der nun durchkreuzt worden war. <br>„Mein Gebieter“, erklärte Martok und eilte zu dem Regenten, der sich mit einem lauten Knall in seinen Sessel hatte fallen lassen, „vor einer knappen halben Stunde haben wir eine Anomalie im Orbit der Erde entdeckt. Aus diesem ist nun ein Schiff aufgetaucht, welches von den Spezifikationen der Defiant gleicht.“<br>„Wie meinen sie das? Ist es nun das Rebellenschiff oder nicht?“<br>Martok blickte zu seinem Offizier an der Sensorstation, der jedoch energisch den Kopf schüttelte.<br>„Das Schiff ähnelt der Defiant, weißt jedoch einige Unterschiede auf.“<br>Der Regent schaute den Raumschiffkommandanten mit einem Blick an, der töten konnte. Ihm missfielen die wagen und ungenauen Aussagen von dem Captain, der ihm schon lange ein Dorn im Auge war.<br>„Wollen sie mir damit etwa sagen, dass die rebellischen Terraner über ein zweites Schiff dieser Klasse verfügen?“<br>Auch Martok hielt nichts von dem Führer der Klingonischen Konföderation, doch dies spielte derzeit keine Rolle. Was zählte, war das Auftauchen eines offenkundig menschlichen Schiffes. Laut ihren eigenen Anzeigen war dieses Schiff derzeit sprichwörtlich blind, was an der Anomalie liegen musste. Diese Gelegenheit mussten sie nutzen.<br>„Gebieter, ich schlage umgehend einen Angriff vor!“<br>„Dann tun sie das!“ schrie Worf und ballte seine Hände zur Faust. Ein zweites Schiff, ähnlich der Defiant, konnte eine große Bedrohung darstellen, welche auf der Stelle beseitigt werden musste. Am besten sofort!“<br>Der Raumschiffkommandant beschloss keine weitere Zeit zu verlieren, sondern eilte zur Kommunikationsstation und befahl einem Schiff der K´Vort-Klasse sowie mehreren Bird of Preys aus der Formation auszuscheren und das Feuer zu eröffnen.<br><br>Lebendig wirkte Jozarnay Woil wahrhaftig nicht. Schlaff hingen seine Arme von seinem Körper herab, es fehlte ihm sogar die Kraft, den Kopf zu heben. In dem kleinen dunklen Verhörraum, der nur von einem Licht direkt über Woil, einigermaßen erhellt wurde, sollte das Verhör stattfinden.<br>Soeben hatte der letzte Sicherheitsoffizier den Raum verlassen, nachdem Woil an den Stuhl gekettet war, der in der Mitte des Raums unter der Lichtquelle stand. Nun war er allein mit Ke’ler.<br>Im Nebenzimmer hielt sich Doktor Menek auf und beobachtete die medizinischen Daten Woils, die auf einem Bildschirm eingeblendet wurden. Die Sicherheitsoffiziere, die eben noch im Verhörraum waren betraten nun das Nebenzimmer und warteten dort. Durch eine große Scheibe konnten sie von hier aus alles beobachten, was im Verhörraum geschah. Die Scheibe war dabei so gut maskiert, dass sie von der anderen Seite aus überhaupt nicht zu erkennen war.<br>Ke’ler sammelte ihre Gedanken. Jedes Verhör lief anders. Die Bahnen waren zwar immer dieselben, doch der Verlauf änderte sich andauernd. Dies war der Nervenkitzel bei Verhören. Zudem hat jeder Befragte eine andere Redeschwelle. Und die muss erst erkundet werden.<br>Die Luft war zum Zerreißen gespannt. Zumindest für die wenigen Zuschauer. Ke’ler war die Ruhe selbst und Woil war noch zu benommen um auch nur erahnen zu können, was mit ihm geschah.<br>Sorgfältig legte sich Ke’ler ihre Strategie zu Recht. Der Einstieg war immer ein wichtiger. Schließlich musste dieser schon heftig, aber noch steigerbar sein.<br>Sie öffnete den Mund, holte tief Luft und... hielt inne. Jozarnay murmelte etwas. Da sie es nicht genau verstehen konnte, trat sie einen Schritt näher und ging sogar in die Knie.<br>„Herr gib mir die Kraft, den Versuchungen zu widerstehen, Herr gib mir die Weisheit, das Gute zu erkennen, Herr gib mir die Hoffnung um... um...“<br>Ke’ler seufzte, richtete sich wieder auf und begann ihr Verhör. „Mr. Woil, Sie wurden sterbend auf einem sterbenden Planeten gefunden. Was machten Sie da?“<br>„Herr, gib mir die Hoffnung um...“, langsam wiederholte er diese Zeile. Ihm schienen die nächsten Worte nicht mehr einzufallen. Ihn beschäftigte das mehr als alles andere.<br>„Wissen Sie, wo Sie sind?“<br>Woil antwortete nicht. Er begann schwerer zu atmen. Dann legte er seinen Kopf zurück. Als würde ein großer Druck auf seinen Schultern lasten, hoffte er an der Decke eine Erleichterung zu finden.<br>„Ich muss Sie warnen, Sie leiden an einem Ketracel Weiß Schock. Die Dosis wird eine Weile anhalten, jedoch werden die Nachwirkungen danach unberechenbar sein.“ Sie versuchte so eindringlich wie möglich zu Woil zu sprechen. Sie hatte jedoch keine Ahnung, ob sie überhaupt zu ihm durchdrang. „Wir wissen nicht, ob sie in einigen Stunden überhaupt noch sprechen können, geschweige denn leben.“<br>„Nein, das finde ich nicht!“, schrie Woil plötzlich so laut, dass Ke’ler zusammenzuckte vor Überraschung.<br>Wut zeichnete sich plötzlich im Gesicht des Gefangenen ab. Konnte sie das ausgelöst haben? Woil versuchte seine Augen zu schließen, er wollte sich abwenden von irgendetwas.<br>Ke’ler beschloss, sich davon nicht abhalten zu lassen. Vielleicht war es noch zu früh. Vielleicht war der Weiß-Spiegel in seinem Blut einfach noch zu hoch um ein gutes Verhör durchführen zu können.<br>„Lass mich doch endlich in Ruhe!“, schrie Woil erneut, ohne jedoch die Romulanerin zu beachten. Es war ihr unklar, ob sie ihm überhaupt schon aufgefallen war.<br>Energisch packte sie seinen Kopf und hielt ihn so, dass er ihr in die Augen sehen musste. „Was haben Sie auf Talar gemacht?“<br>Jozarnay Woil atmete schneller. Panik war in seinen weit aufgerissenen Augen zu sehen. Der Schweiß bedeckte sein Gesicht beinah vollständig. Und doch schien seine Haut kalt und warm gleichzeitig zu sein.<br>„Neeeeeeeeeiiiiiiiiiiin!!“, schrie Woil.<br>Und als wäre es ein Hilfeschrei gewesen, betrat Telk in den Raum und bedeutete Ke’ler nur mit einem stummen Blick aufzuhören.<br>Sie lies auch sofort von ihm ab.<br>„Lassen Sie ihm noch etwas Zeit. Die Drogen müssen erst etwas abklingen.“<br>Resigniert blickte die Geheimagentin zu Woil. „So schnell werden Sie mich nicht los.“<br>Dann gingen die beiden Romulaner und ließen den Antosianer in seinem dunklen Kerker.<br>„Da geht sie dahin... “ Stella Tanner tänzelte um Woil herum und hatte eine bemerkenswert gute Laune.<br>„Hast du diesen knackigen Po gesehen? Ganz nach deinem Geschmack. Sie scheint auch annähernd so viel Temperament wie ich zu haben. Du bräuchtest dich nicht zu schämen, wenn du etwas für sie empfindest.“<br>„Lass mich in Ruhe“, forderte er, ruhiger dieses Mal. „Ich will mit dir nichts mehr zu tun haben.“<br>„So, das hast du also beschlossen? Und ich werde nicht mehr dazu gefragt, oder?“<br>„Ich bin dem falschen Pfad zu lange gefolgt. Dieses Leben soll hinter mir sein.“<br>„Wie kommst du denn so plötzlich auf diesen Irrsinnigen Gedanken, ich wäre der falsche Pfad?“ Stella schien ihm diesen plötzlichen Vertrauensbruch nicht übel zu nehmen. Dann begann sie plötzlich lauthals zu lachen. „Oh nein, du hast doch nicht etwa zu deinem Glauben zurückgefunden? Hat dich der alte Herr etwa mit leerem Gesülze über Liebe und Vertrauen zugeschüttet? Nun, du warst an der Schwelle zum Tod. Kein Wunder, du hättest da wohl jeder Stimme geglaubt, die zu dir geflüstert hätte. War es so?“<br>Stumm nickte Jozarnay.<br>„Aber wer hat dich zurückgeholt? Wessen Liebe kannst du dir sicher sein? Ich habe dich aus deinem Verlies heute Morgen befreit, nicht dein Gott!“<br>„Lass mich in Ruhe...“, flehte er.<br>„Und wenn nicht?“, konterte Stella. „Du weißt, dass mich die meisten Menschen schon nicht zur Freundin haben wollen und erst recht nicht zur Feindin“, flüsterte sie ihm ins Ohr. Woil begann verzweifelt zu weinen. „Ich bin in der Lage dich dein Leben lang mit meiner Liebe zu überhäufen. Und genau so bin ich in der Lage schlimmer als dein schlimmster Albtraum zu sein.“<br>Jozarnay war nicht in der Lage zu antworten. Er weinte inzwischen wie ein Schlosshund. Als hätte er noch nie in seinem Leben geweint, entlud sich die endlose Hoffnungslosigkeit des Tages in diesen Tränen. In Tränen der Selbsttäuschung. In Tränen des Schmerzes. In Tränen der Lügen, der Liebe, des Verlusts, der Hoffnung, der Endlichkeit, der Unendlichkeit.<br>In diesem Moment war Jozarnay zum ersten Mal an diesem Tag bereit sein Leben her zu geben. Oft war er schon sehr nah dran gewesen, doch nun fehlte ihm das letzte bisschen Kraft, das ihn bisher hatte überleben lassen.<br><br>Das erste, was die Crew der Monitor vom Spiegeluniversum sah, war der entsetzliche Anblick der Erde. Eben noch hatten sie einen strahlenden blauen Planeten, mit riesigen Ozeanen und fruchtbarer Landmasse gesehen, nun erblickten sie eine fahle Kugel, ausgestorben und trostlos. Das Bild wirkte wie die Manifestation eines Albtraums für Captain Lewinski. Wie die meisten anderen war er zum ersten Mal im Spiegeluniversum. Natürlich hatte er auch die Berichte von Offizieren gelesen, die hier gewesen waren und er hatte sich oftmals mit Danny über seine wenigen Aufenthalte in diesem Universum unterhalten. Jetzt aber selbst die Erde so verwüstet zu sehen, ließ ihn stocken. Auch für die restliche Brückenbesatzung schien die Zeit stehen zu bleiben, als sie alle den gewaltigen Planeten betrachteten. Selbst Fähnrich Kensington, die eigentlich auf die ausgefallenen Sensoren achten sollte, ließ sich zu einem langen Blick hinreißen. Noch vor wenigen Stunden hatten sie das Ende der Erde verhindert; nun erblickten sie eine vernichtete Wiege der Menschheit. Ob die Erde in ihrem Universum auch so ausgesehen hätte, wenn sie nicht das Virus hätten eindämmen können? Die ganze Zeit über hatten sie in Gedanken über eine verwüstete Erde spekuliert, über einen Planeten ohne Leben. Nun sahen sie ihn vor sich und der Anblick war grausamer als alles, was sie sich jemals hätten erträumen können. Gott sei Dank hatten sie eine solche Welt verhindern können. Dieser nur wenige Sekunden dauernde Blick auf eine zerstörte Erde war ihnen allen Lohn genug für diesen langen Tag. <br>Heftige Erschütterungen rissen sie alle aus ihren Gedanken. Alarmsirenen heulten auf, Leitungen und Konsolen explodierten aufgrund von Überlastungen.<br>„Bericht!“ schrie Lewinski gegen den Lärm an und musste sich an seinem Stuhl festhalten.<br>„Jemand hat das Feuer auf uns eröffnet“, meldete Kensington überflüssigerweise und endlich, viel zu spät, gingen die Sensoren wieder online. „Wir werden von vier klingonischen Schiffen beschossen!“<br>„Klingonen hier draußen?“ rief Price in das Chaos hinein und versuchte der gewaltigen Feuersalve auszuweichen. <br>„Das wie und wieso ist nun egal, “ entgegnete Lewinski und nun erschienen auf dem Bildschirm die klingonischen Schiffe, die sie abgefangen hatten. Scheinbar befand sich hier eine Flotte, die schon länger auf sie gewartet hatte.<br>„Schilde und Tarnung sind ausgefallen“, rief Arena Tellom. „Hintere Phaserbänke defekt, wir verzeichnen Hüllenbrüche!“<br>„Ausweichmanöver Beta-4“, befahl Lewinski und überlegte fieberhaft, wie sie sich aus dieser Situation befreien konnten. Jetzt zählte nur noch das Überleben!<br>In allerletzter Sekunde tauchte die Monitor unter einer weiteren Salve von Phaserimpulsen und Torpedos hinweg, vollführte eine Rolle, die die Trägheitsdämpfer an ihre Belastungsgrenzen brachte und schlug einen Fluchtkurs ein. Gleichzeitig feuerte das Schiff vier Quantentorpedos ein, die einen Bird of Prey so stark beschädigten, dass dieser die Verfolgung aufgeben musste. Machte noch drei Schiffe, die sich an ihre Fersen geheftet hatten. Auf dem Wandschirm kam die verwüstete Erde immer näher.<br>„Was hast du vor?“ fragte Lewinski seinen Steuermann<br>„Vertrau mir einfach!“ bat der Halbbetazoid und konzentrierte sich voll und ganz auf seine Kontrollen. Dem Captain blieb nichts anderes übrig, als dem Urteil seines Steuermanns zu vertrauen. Die Klingonen, wo immer sie auch hergekommen waren, hatten sie auf dem falschen Fuß erwischt. Die Brückenbeleuchtung flackerte, überall heulten Sirenen und mehrere Konsolen rauchten. Immer wieder schlugen feindliche Treffer in dem kleinen Schiff ein, verlangsamten es so und machten eine Flucht fast unmöglich. Ein weiterer Photonentorpedo traf das Schiff und die taktische Konsole explodierte in einem ohrenbetäubenden Knall, der Lewinski für einen Moment taub werden ließ. Mit fassungslosem Entsetzten konnte er fast in Zeitlupe beobachten, wie Fähnrich Kensington von der explodierenden Konsole fortgeschleudert wurde und mit einem Krachen auf dem Boden aufschlug. Für einen winzigen Augenblick fürchtete der Captain ein weiteres Opfer beklagen zu müssen, dann rappelte sich die junge Frau wieder auf und setzte sich wieder an ihre Station. Sie hatte nur eine kleine Schürfwunde an der Stirn, war ansonsten unverletzt.<br>„Alle Waffen sind ausgefallen“, meldete der Fähnrich und wirkte nun mehr als besorgt. <br>Mehr konnte sie jedoch nicht sagen, als alle Augen sich überrascht auf Matt Price am Steuer richteten, der die Monitor in einen gewaltigen Sturzflug brachte: das Schiff raste nun direkt auf die Erde zu! <br>All der Schmerz über den Verlust der Mutter hatte der Commander nun verdrängt, denn es galt sich auf das Flugmanöver zu konzentrierten. Im letzten nur möglichen Moment riss er das Steuer hoch und ließ die Monitor in den Orbit des Planeten einrasen. Seine Absicht war es zumindest den klingonischen Kreuzer abzuschütteln, der ihnen nicht in die Atmosphäre des Planeten folgen konnte. Zwar konnte das Föderationsschiff ebenfalls keine Atmosphäreflüge durchführen, doch die ablative Panzerung sollte ihnen zumindest für einige Minuten Schutz bieten. Gesetz dem Fall diese war durch den starken Beschuss noch nicht zu stark beschädigt worden. Ein gewaltiges Summen schwoll auf der Brücke an. Sie rührte nicht nur von den heulenden Trägheitsdämpfern, sondern auch von den atmosphärischen Reibungen, die das Schiff über sich ergehen lassen musste.<br>„Ich hoffe dein Plan funktioniert!“ rief Captain Lewinski gegen den Lärm an und presste sich in seinen Stuhl, da das Schiff immer mehr unter dem Druck erzitterte.<br>„Das hoffe ich auch“, murmelte Price und behielt die Anzeigen im Auge. Er durfte jetzt keinen Navigationsfehler machen.<br>„Hüllenintegrität nur noch bei 40 Prozent!“ meldete Lieutenant Tellom mit sorgenvoller Miene. „Wir sollten schleunigst wieder aufsteigen!“<br>„Noch nicht“, erwiderte der Steuermann und navigierte das rot glühende Schiff durch den Himmel der Erde. <br>Wie erwartet folgten ihnen die beiden noch verbliebenen Bird of Preys, waren aber aufgrund des rasanten Fluges nicht in der Lage eine Zielerfassung einzuleiten. Zwar versuchten sie einige manuelle Schüsse, diese verfehlten die Monitor jedoch deutlich. Der klingonische Kreuzer hatte inzwischen die Verfolgung aufgegeben und war zum Rest der Flotte zurückgekehrt.<br>„Hüllenintegrität bei 21 Prozent!“<br>Mehr musste Price nicht mehr hören. Sofort steuerte er die Monitor aus der Atmosphäre. Für einen winzigen Moment fürchtete er nicht mehr aufsteigen zu können, dann hörte das Zittern auf, als das Schiff wieder ins All vorstieß. Lewinski wollte eine schnelle Flucht anordnen, doch das brauchte er gar nicht erst. Mit voller Impulsgeschwindigkeit raste die Monitor auf den Saturn zu, immer noch verfolgt von den beiden klingonischen Schiffen.<br>„Gute Arbeit“, meinte John, stand von seinem Stuhl auf und klopfte seinem ersten Offizier auf die Schulter.<br>„Wir haben leider nur Zeit gewonnen“, dämpfte Fähnrich Kensington etwas die Stimmung, „die klingonischen Schiffe werden uns bald wieder einholen.“<br>„Bis dahin haben wir Saturn schon erreicht. Dann sehen wir weiter, “ entgegnete Price lapidar.<br>Sie alle hatten eine kleine Verschnaufpause erhalten!<br><br>„Wie konnte das Schiff nur entkommen?“ <br>Der klingonische Regent tobte vor Wut. Am liebsten hätte er seinen Dolch gezückt und Martok erstochen. Doch dies war derzeit keine Option. Sicherlich würde er den Captain noch später bestrafen können, doch derzeit mussten sie das fremde Schiff aufhalten.<br>„Zwei Schiffe sind den Terranern auf den Fersen“, erklärte Martok, der selbst nur schwerlich seinen Zorn zügeln konnte. „Wir werden sie beim Saturn stellen und dort vernichten. Ihre Verteidigungskapazitäten sind fast Null, ihr Warpantrieb ausgefallen. Ihre Vernichtung ist nur noch eine Frage der Zeit!“<br>Worf starrte Martok an, wollte noch etwas sagen, ließ es dann jedoch. Stattdessen eilte er von der Brücke, um sich an anderer Stelle auszutoben. <br>Martok blickte ihm noch lange nach, nur mit Mühe seinen Zorn dämpfend. Mit jedem neuen Tag wuchs sein Hass auf den Führer der Klingonischen Konföderation. Wie lange noch musste er diesen ehrlosen Schwachsinnigen ertragen, der das klingonische Volk verkauft hatte?<br><br>Auf der Erde, im Zentralkrankenhaus der Sternenflotte in San Francisco, lag Lieutenant Ardev in seinem Bett und starrte die Decke an. Soeben war er mal wieder aus dem Schlaf erwacht. Immer noch fühlte er sich schwach und schläfrig, was nicht weiter verwunderlich angesichts seines Gesundheitszustands war. Immerhin hatte er eine schlimme Explosion und eine schwere Operation hinter sich, an die sich eine lange Rehabilitation anschließen würde. Der Andorianer verharrte für einen Moment, horchte in sich und die Welt hinein. Hier war es seltsam still und ruhig, ganz anders als in Emden. Ob die Menschen hier sich des Chaos bewusst waren, welches in einem anderen Teil der Erde gerade tobte? In den Nachrichten war über die Katastrophe berichtet worden. Über die Medien hatte Ardev auch von der Bewältigung der Krise und dem Erfolg der Monitor gehört. Letzteres war natürlich nicht in den Nachrichten erschienen, aber der Einsatzoffizier wusste nur zu gut, wem die Rettung zu verdanken war. Sie alle hatten es geschafft das Virus einzudämmen.<br>Doch was hatte es gekostet? Noch immer hatte Ardev das Bild vor Augen, wie er und Sanchez in die konspirative Wohnung gingen. Das letzte, was er von dem jungen Chefingenieur gesehen hatte, waren dessen Arme gewesen, die ihn fort stießen.<br>„Raus hier!“ hatte der Lieutenant geschrieen, bevor er Ardev das Leben gerettet und sein eigenes geopfert hatte.<br>Lieutenant Miguel Sanchez war mit dem Phaser im Anschlag in die Wohnung gestürmt, nur um als erster zu sterben. Hätte Ardev nur ein paar Meter woanders gestanden, so wäre er nun tot und Miguel am Leben. Ob es seine Schuld war, dass der Chefingenieur ums Leben gekommen war? Diese Gedanken, dies wusste Ardev, waren unsinnig und würden von jedem Councellor als „Schuld des Überlebenden“ bezeichnet werden, doch er konnte diese Gedanken nicht abstellen. Fakt war, dass Sanchez bei dieser Mission ums Leben gekommen war. Ein junger Mann, der erst vor kurzem zum Chefingenieur der Monitor aufgestiegen war und eine lange Zeit an Bord des Schiffes gedient hatte. Miguel hatte noch ein ganzes Leben vor sich gehabt. Oftmals hatte er davon gesprochen eine Familie ähnlich wie Ardev gründen zu wollen. Sanchez war ein Romantiker gewesen; jemand, der noch an das Gute im Menschen geglaubt hatte. Nichtsdestotrotz oder gerade wegen seiner altmodischen Sicht der Liebe hatte er bisher niemals das große Glück gefunden und nun würde er dies niemals können. Seufzend sank Ardev in sich zusammen und konnte nur mit Mühen einige Tränen zurückhalten. Es war nichts daran zu ändern, er fühlte sich schuldig.  <br>Jedoch wusste er, dass er nun stark sein musste. Nicht nur um seiner selbst und der Rekonvaleszenz willen, sondern vor allem auch für seine Frau. Er konnte sich nicht hängen lassen, musste für sie stark bleiben. Gemeinsam würden sie diese schwere Zeit schon hinter sich bringen. <br>Vorsichtig betastete Ardev die Verbände, welche um sein Gesicht gewickelt waren. Instinktiv fragte er sich, wie er wohl darunter aussehen würde. Wahrscheinlich bot er einen furchtbaren Anblick, den er nicht einmal seiner Frau zumuten wollte. Sofort verdrängte er die aufkommende Frage in seinem Kopf, ob ihn seine Frau noch attraktiv finden würde. So oberflächlich war Arena Tellom nicht. Sie war eine wunderbare Frau, die ihm zur Seite stehen würde. Sie war keine Person, die sich von Äußerlichkeiten leiten ließ. Auf sie konnte er sich verlassen, dies wusste Ardev.<br>Sie war die Art von Ehefrau, die sich auch Miguel Sanchez gewünscht hätte…<br><br>An einem gänzlich anderen Ort, nämlich in einem Hotelzimmer auf Rigel, saß Arsani Parul. Völlig niedergeschlagen hatte er sich auf sein Bett gesetzt und den Kopf in den Händen vergraben. Am liebsten hätte er an gar nichts gedacht, doch seine Gedanken kreisten nur um Birgit Price. Die Frau, die er mal geliebt hatte und die nun tot war. Oder war es die Frau, die er immer noch liebte?<br>Arsani Parul war ein mächtiger Mann gewesen. Einer der wichtigsten Diplomaten der Föderation, der einige der kompliziertesten Verträge des 24. Jahrhunderts ausgehandelt hatte. Jemand mit großen Ansehen unter der Bevölkerung. Doch all dies endete, als er öffentlich eine Affäre und seinen unehelichen Sohn bekannt gemacht hatte. Für sich genommen hätten diese Dinge nicht gereicht, um ihn zu stürzen. Jedoch einen inzwischen erwachsenen Sohn jahrelang zu verheimlichen, dafür hatte niemand beim diplomatischen Korps und schon gar nicht die Bürger der Föderation Verständnis gehabt. In gewisser Weise konnte Arsani Parul, zweifach promovierter Politologe, seine Absetzung verstehen. Wenn es doch der einzige Schicksalsschlag gewesen wäre. Doch auch seine Frau ließ sich von ihm scheiden, nachdem sie von der schon lange zurückliegenden Affäre gehört hatte. Auch für dieses Verhalten hatte der Betazoid absolutes Verständnis. Möglicherweise hätte er in einer vergleichbaren Situation genauso reagiert. Seine anderen Kinder hatten ihren Kontakt fast gänzlich zu ihm abgebrochen. All das, weil er ihnen die Existenz eines Halbbruders verschwiegen hatte.<br>Dennoch war Parul Stolz auf Matthew Price. So stolz, wie ein Vater auf seinen Sohn nur sein konnte. <br>Das letzte Jahr über war Arsani Parul ziellos durch die Föderation gestreift. Ab und an hatte er für ein Zeitungsinterview zur Verfügung gestanden, zudem hatte er mit dem Schreiben einer Autobiographie begonnen. Doch die meiste Zeit über hatte er nichts getan. Für den ehemaligen Sonderbotschafter der Föderation war es eine mehr als seltsame Situation gewesen. Noch nie zuvor war er arbeitslos gewesen, immer hatte sein Leben ein Inhalt gehabt. <br>Der einzige Inhalt seines Lebens war nun Matt gewesen. Und Birgit. Wahrscheinlich deswegen, weil er sich einsam gefühlt hatte, hatte er die Mutter seines unehelichen Sohnes aufgesucht. Lange hatte er mit sich gerungen, ob er nach Rigel fliegen sollte. Seit ihrer Affäre vor über dreißig Jahren hatte er diesen Planeten nicht mehr betreten. Als er den Raumhafen verlassen und die Stadt betreten hatte, fühlte es sich fast wie eine Heimkehr an. Obwohl er es gewesen war, der die kurze Beziehung zu Birgit beendet hatte, empfand er diesen Ort als Zuhause. War dies möglicherweise der Grund für seine Rückkehr gewesen?<br>Eigentlich hatte er nur mit Birgit reden wollen. Seit der Entdeckung der Existenz Matts durch die Medien und dem Ende seiner Ehe war viel geschehen, nur mit der Mutter seines Sohnes hatte er nicht geredet. In seinen Augen hatte es in dieser Hinsicht dringend Bedarf gegeben.<br>Als sie ihre Tür für ihn geöffnet hatte, war ein Sturm der Gefühle in ihm losgetreten worden. So lange Jahre hatte Arsani sie nicht mehr gesehen, jedoch war sie in seinen Augen immer noch so schön wie am ersten Tag gewesen. Es war gleich zu Beginn gewesen, als er gemerkt hatte, dass er Birgit immer noch geliebt hatte. Seine Zuneigung zu ihr war nicht erloschen, nur verdrängt worden. Lange hatten sie miteinander gesprochen. Über Matt, über die Vergangenheit, über sich. Arsani hatte sich zum ersten Mal seit Jahren wieder geborgen gefühlt und instinktiv, auch ohne seine empathischen Fähigkeiten zu nutzen, wusste er, dass Birgit genauso empfand. Als sie sich voneinander verabschiedeten, hoffte der ehemalige Botschafter auf ein weiteres Treffen. Eine Hoffnung, die nun enttäuscht werden musste.<br>Wenn er sie doch nur wenigstens geküsst hätte, ein letztes Mal! Jetzt war es zu spät und diese Gelegenheit würde er nie wieder haben. Arsani hatte nun alles verloren. Er konnte nur noch hoffen, dass Matt tatsächlich eines Tages in der Lage war ihm zu verzeihen. Er verstand seinen Zorn, konnte ihm dafür keinen Vorwurf machen. Möglicherweise war ihr letztes Gespräch ein Schritt in die richtige Richtung gewesen.<br>So saß Arsani Parul weiter allein auf seinem Bett und dachte nach. In völliger Einsamkeit. Genauso wie Birgit Price, kurz vor ihrem Selbstmord…<br><br>Immer noch warteten die drei Gefangenen auf das unvermeidliche Ende. Wie viel Zeit vergangen war, konnte Danny unmöglich sagen. Ob es sich um Stunden oder nur Minuten gehandelt hatte, konnte er nicht einschätzen. Der Lieutenant hatte schon längst jegliches Zeitgefühl verloren. Der Zustand James Talleys hatte sich noch weiter verschlechtert. Sein Tod war nur eine Frage der Zeit. Die einzige, die dies nicht wahr haben wollte, war Janine. Noch immer sperrte sie sich mit jeder Faser ihres Lebens gegen diesen Fakt. Immer noch ächzend lag James in seinem eigenen Blut und spürte das Ende auf sich zukommen. Ob er nun über sein Leben und vor allem über seine Fehler nachdachte? Zu gerne hätte Bird eine Antwort auf diese Frage erhalten, doch er traute sich nicht diese zu stellen. Nach allem, was er durchgemacht, was ihm angetan worden war, verspürte Danny eine verquere Zuneigung zu dem Mann. Ein seltsames Gefühl, welches er jedoch nicht abzustellen vermochte. <br>Plötzlich und Unerwartetherweise flog die Tür zu der Zelle auf und ein hünenhafter Klingone, begleitet von zwei Wächtern, betrat den kleinen Raum. Janine schenkte dem Besucher nur wenig Beachtung, widmete sich weiterhin nur ihrem Vater, doch Danny erkannte den Klingonen sofort: es handelte sich um Worf, den klingonischen Regenten. Einem Mann, den er schon einmal getroffen hatte und auch Worf selbst schien sich an ihre letzte Begegnung zu erinnern.<br>„Lieutenant Bird, wie ich sehe erkennen sie mich wieder“, grollte der Klingone und trat einen weiteren Schritt vor, wobei die Orden an seinem schweren Umhang klimperten. Mit diesem kleinen Besuch wollte er sich von der misslungenen Jagd auf das menschliche Schiff ablenken.  „Unsere letzte Begegnung ist schon einige Jahre her.“<br>„Das ist sie, in der Tat“, entgegnete Danny und bemerkte, dass sein Kiefer immer noch von den Schlägen schmerzten. <br>„Ich habe sie ganz und gar nicht vergessen“, sagte Worf und grinste auf diabolische Art und Weise, als beide Männer sich an ihr Treffen vor knapp fünf Jahren erinnerten:<br><i>Der junge Mensch, der trotz der vielen furchtbaren Erlebnisse ein geradezu paradiesisches Leben im Vergleich zu dem hier geführt hatte, tobte vor Wut. Er war außer sich, frustriert, empört, mitgenommen von der Arbeit UND den Eindrücken einer Welt, die ihm pervers und verdreht vorkam. Kinder, die in Baracken hausten. Menschen, die an längst ausgestorbenen Krankheiten litten. Ein System, dass Billionen Lebewesen unterdrückte. Danny Bird konnte dies nicht wieder rückgängig machen. Doch einmal, nur ein einziges Mal, wollte er einen dieser Personen sehen, die zu so etwas fähig waren. Und um jene Person zu treffen, musste er sich in den Arrestbereich von Terok Nor begeben. Er nickte dem Aufseher, ein Indianer namens Chakotay, dessen Tätowierung wenigstens ein wenig Würde verschaffte, zu und stellte sich breitschultrig, mit verschränkten Armen vor dem einzige Gefangenen auf Terok Nor hin. Seit Monaten musste der Gefangene, ein Klingone, auf engstem Raum leben, mit einem Minimum an Wasser und Essen. Danny empfand kein Mitleid für ihn. Einst war dieser Klingone womöglich ein aufrechter, stolzer Mann gewesen, doch nun war er ungepflegt, unrasiert, ungewaschen. Nur die schlecht sitzende Uniform erinnerte an seine alte Stellung innerhalb der Allianz. <br>„Hallo, Regent.“ Danny schien den Titel geradezu auszuspucken.<br>Worf erhob sich und blickte den Menschen finster an. Auch in seinen Augen spiegelte sich Hass. Zumindest eine Sache, die sie teilten.<br>„Wer bist du, Mensch?“ fragte Worf und trat kurz vor, doch das knisternde Kraftfeld ließ ihn wieder leicht zurückgehen. In seinem Universum, dem richtigen (egal wie es andere bezeichnen wollten), war Worf ein Mann von Ehre und Mut gewesen, ein Beispiel für jeden Offizier. Hier war er nur ein verspielter Despot gewesen, ein Mörder, der über hunderte von Welten, inklusive der Klingonischen Konföderation und mit ihr die Allianz herrschte. <br>„Merk dir meinen Namen. Danny Bird, Lieutenant.“<br>Der junge Mann hatte sich nicht der Illusion hingegeben, dass sein furchtloses Auftreten ihm irgendeinen Respekt gegenüber dem ehemaligen Herrscher einbringen würde. Doch immerhin hatte er seinen Gegner überrascht, was sich an den weit aufgerissenen Augen des Klingonen zeigte. <br>„Ein Draufgänger was“, rief der Regent und klopfte sich auf die Brust, „ich wette, du bist nicht Manns genug, um dich mir zu stellen!“<br>Bird ging nicht auf diese Provokation ein, wartete stattdessen einige Minuten ohne etwas zu sagen. Schließlich setzte sich Worf auf die kleine Pritsche, die die einzige Annehmlichkeit in seiner kleinen Zelle war. <br>„Nun, Mensch, was ist der Grund für deinen Besuch?“<br>„Ich wollte den Mann sehen, der für so viel Leid verantwortlich ist.“<br>Nun waren die Worte ausgesprochen, der Vorwurf hing in der Luft. Danny hielt dem Blick Worfs stand, was dem klingonischen Regenten ein Lächeln abrang. <br>„Ich bin nur einer von vielen in der ruhmreichen Geschichte der Allianz. Wieso sollte ich dafür verantwortlich sein?“<br>„Ruhmreich? Ist es ruhmreich, Völker zu dezimieren, sie jeden Tag aufs Neue zu demütigen, sie zu foltern, ihren Kindern weh zutun? Ist das eine ruhmreiche Zivilisation? Ist das ehrenvoll, Klingone?“<br>Er hatte einen Nerv getroffen. Worf sprang auf und wollte sich auf ihn stürzen, doch der plötzliche Ausschlag des Kraftfeldes ließ ihn zurücktaumeln. Leichte Verbrennungen zeigten sich nun auf dem Gesicht des Regenten, doch er schien diese gar nicht zu bemerken. <br>„Erzähl du mir nichts von Ehre, Mensch! Ihr wart eine schreckliche Rasse, ehr- und respektlos! Jahrhunderte lang habt ihr den Quadranten beherrscht, mit eiserner Faust. Ihr wart keinen Deut besser als wir, sogar schlimmer. Wir sind nur euer Produkt.“<br>„Das ist hundert Jahre her. Wäre es nicht an der Zeit, den Leuten Freiheit zu schenken?“<br>Worf lachte laut auf. <br>„Freiheit? Sie sind frei! Frei von Entscheidungen, die sie gar nicht treffen könnten. Die Allianz ist die größte Macht in dieser Galaxis, wir herrschen über den Alpha- und Beta-Quadranten und dank der freundlichen Hilfe ihres Doktor Bashir werden wir auch bald das Dominion dazu zwingen, unsere Größe anzuerkennen. Nicht einmal die Borg haben eine Chance gegen uns. Nein, wir können hier nicht aufhören. Ohne uns würde der Quadrant im Chaos versinken. Aber so sind wir vereint...“<br>„Vereint im Hass.“<br>„Ja, im Hass auf euch Terraner“, fauchte Worf und sprang abermals von der Pritsche auf, „ich erinnere mich noch genau, im großen Befreiungskrieg gegen das Empire. Es war der größte Konflikt, den diese Galaxie jemals erlebt hat. Praktisch alle Völker waren im Krieg, alle, die unter der Tyrannei des Empires gelitten haben. Mein Vater war während der Invasion von Trill<br>von Captain Decker gefangen genommen worden. Doch der Terraner Decker achtete nicht die Vereinbarung von Organia, die wir so respektierten und folterte meinen Vater zu ehre. Mogh starb ohne Ehre, alleine, der Weg nach Sto-vo-kor blieb ihm verwehrt. Als das Empire besiegt worden war, habe ich persönlich Decker ausfindig gemacht und ihn getötet. Ich war 12 Jahre alt und es war das erste Wesen, das ich getötet habe. Verstehst du, Mensch? Wir töten euch nicht, weil es uns Spaß macht, sondern weil nur so unsere Sicherheit garantiert wird.“<br>Danny blickte mit wütenden Augen auf den Regenten. Alle möglichen Varianten des Zornes brodelten in ihm. Word rechtfertigte ethnische Säuberungen im großen Stil. Er wollte Danny provozieren. Er wollte, dass er gegen das Kraftfeld hämmerte und dadurch zeigte, dass die Menschheit immer noch so barbarisch war wie ihre Vorfahren während des Empires. Doch diese Genugtuung wollte er Worf nicht geben. Langsam drehte sich Bird um. Bevor er die Arrestzellen verließ, blieb er noch einmal stehen und sprach mit ruhiger Stimme:<br>„Eines Tages wird sich das Universum gegen euch erheben. Seien es die Romulaner, die sich bisher nur versteckt haben, das Dominion, die Rebellen, die ihre Freiheit wollen oder eine andere Macht... Noch nie in der Geschichte hat ein totalitäres System für ewig gehalten. Einen schönen Tag noch....Regent.“<br>Als die Schotts sich schlossen, schienen sie einem Donnerschlag gleich.</i><br>„Wie sich doch die Situationen gleichen“, sagte Worf ironisch. „Nur sind sie nun in einer Zelle und ich ihr Wärter. Scheinbar gibt es doch noch Gerechtigkeit in diesem Universum.“<br>„Wenn es Gerechtigkeit gäbe“, entgegnete Danny mit drohender Stimme, „dann wären sie schon längst tot, gestorben für ihre Verbrechen an der Menschheit.“<br>Eine der Wachen machte einen drohenden Schritt nach vorn, doch Worf gab ihr mit einem Handzeichen zu verstehen, dass sie nicht einschreiten solle.<br>„Sie sollten vorsichtig mit ihren Äußerungen sein, Lieutenant. Immerhin sind schon einmal fast zu Tode gefoltert worden. Es wäre ein leichtes für mich die Arbeit meiner Vorgänger zu beenden.“<br>„Dann tun sie es doch. Hier und jetzt!“<br>Erst jetzt blickte Janine auf, schien sich für den Inhalt des Gespräches zwischen den beiden Männern zu interessieren. Eine gespannte Atmosphäre lag in der Luft. In der Tat spielte Danny gerade mit seinem Leben, doch es war ihm egal. Aus seiner Sicht war sein Tod schon beschlossene Sache und er hatte nicht vor als Feigling, um sein Leben winselnd, zu sterben. Wenn schon sterben, dann aufrecht und mit Stolz.<br>Doch Worf schüttelte den Kopf und lachte dabei schallend. Er ging nicht auf die Provokation des Menschen ein.<br>„Nein, jetzt ist noch nicht der richtige Zeitpunkt. Außerdem sollen sie beide ja noch miterleben, wie Mr. Talley hier zu Tode siecht.“<br>Worf hatte diesen Satz völlig ruhig ausgesprochen, doch in ihm lag eine solche Bosheit, dass Danny Bird ein kalter Schauer über den Rücken lief. Worf war nicht so wie der Sternenflottenoffizier, denn Danny aus seinem Universum kannte. Der Regent war eiskalt, auf Macht fixiert und getränkt vom Hass auf Menschen. Beide Personen waren überhaupt nicht miteinander zu vergleichen. Unwillkürlich fragte sich Danny, wie viel von dem Regenten Worf in dem Sternenflottenoffizier Worf steckte. <br>Angesichts dieser Worte sprang Janine auf, wollte sich auf den Klingonen werfen, doch dieser schubste sie mühelos in eine Ecke. Die zierliche Frau stellte keine Gefahr für ihn dar.<br>„Sie Bastard!“ schrie sie ihn an, weinte dabei bitterlich und widmete sich im Anschluss wieder ihrem Vater. <br>„Viel Spaß beim Sterben“, raunte Worf und verließ die Zelle. „Wir sehen uns noch, Lieutenant Bird!“<br>Die Verabschiedung klang wie eine Drohung, doch irgendwie hoffte Danny, dass es zu einer weiteren Begegnung kam. Seine Hassphantasien überraschten den Menschen, doch waren angesichts ihrer Situation durchaus verständlich. Hass war derzeit die einzige Motivation, an die er sich noch klammern konnte!<br><br>Im Nebenzimmer hatten sich Telk, Ke’ler und Menek versammelt. Durch die Scheibe beobachteten sie Woil, der gerade weinend auf dem Stuhl einen Nervenzusammenbruch erlitt.<br>„Er ist abwesen, desorientiert, schizophren“, fasste Ke’ler zusammen. <br>„Vermutlich eine Wirkung des Ketracel Weiß“, gab Menek bissig zurück und wunderte sich eine Sekunde lang selber über seinen Mut in Anwesenheit der zwei ranghöchsten Offiziere an Bord des Schiffes, eine solch zynische Bemerkung abzulassen.<br>„Ich versuch’s in einer Stunde noch einmal. Dann dürfte sich der Weiß-Spiegel gesenkt haben, hoch genug um ein ordentliches Gespräch zu führen und noch nicht so niedrig sein um Entzugserscheinungen auszulösen.“<br>„Sie spielen ein gefährliches Spiel“, meinte Kommandant Telk.<br>„Ich tu was nötig ist.“ Mit einem flüchtigen Blick bedachte sie den Kriegsveteranen. „Woil wird reden, früher oder später. Wenn Sie mir freie Hand ließen – früher.“<br>„Folter ist ebenfalls nur ein Relikt einer Vergangenheit, die nie wieder sein wird. Die wahre Herausforderung, die Wahrheit an sich – lieg in der Konfrontation.“<br>Ke’ler zog einen Mundwinkel hoch, zu einem verächtlichen Lächeln. „Sie haben wohl gegen zuviel Klingonen gekämpft.“<br>„Eher mit zu vielen...“ Telk wandte sich von seinen beiden Kollegen ab und ging zur Tür. „Ich war immer loyal dem Imperium gegenüber“, begann er, als er in der offenen Tür stand und nochmals kurz inne hielt. „Der Flottenkommandant gab mir den Befehl den Gefangenen lebend zum Romulus zu bringen. Und ich werde diesen Befehl nicht brechen – haben Sie mich verstanden?“<br>Ke’ler nickte.<br>Telk nickte seufzend. Als hätte ich nicht schon genug Probleme.<br>Menek packte ebenfalls seine Sachen zusammen. „Ich werde mal wieder auf der Krankenstation nach dem Rechten sehn. Holen Sie mich wieder, wenn Sie fortfahren.“<br>Auch dieses Mal nickte Ke’ler stumm und Menek verließ das Nebenzimmer.<br>„Damit wären es wieder nur wir beide. Und wenn ich Telk beiseite geschafft habe – dann hab ich dich ganz für mich Jozarnay...“<br><br>Die Monitor humpelte quasi zum Saturn, immer noch verfolgt von den beiden klingonischen Bird of Preys. Der Ring aus Asteroiden, der den Planeten umgab, rückte immer näher und damit auch die erhoffte Rettung. Die Bilanz des Sternenflottenschiffs war verheerend. Ein Großteil der Systeme, darunter die Waffen, war ausgefallen und die Hauptenergie war auf fünfzig Prozent gesunken. Von allen Decks wurden Verletzte gemeldet; ob es Tote gab, war noch nicht klar. <br>Matt Price konzentrierte sich inzwischen nur noch auf seine Aufgabe als Pilot. Konzentriert blickte er wechselweise auf seine Anzeigen und dann wieder den Hauptschirm. Niemand, nicht einmal der Captain, wagte ihn anzusprechen. <br>„Wir treten nun in den planetaren Ring ein“, meldete der erste Offizier schließlich. Alle an Bord hielten fast den Atem an, als ein riesiger Asteroid scheinbar nur wenige Meter an ihnen vorbeizischte. Hier wurde das Navigieren zur Kunst und ihre einzige Chance, um den beiden klingonischen Schiffen zu entkommen. Gierig, wie die Bird of Preys waren, folgten sie ihnen natürlich in dieses sprichwörtliche Minenfeld. Price holte nun das letzte aus dem Schiff raus, flog waghalsige Kurven und Manöver, welche sie nur um Haaresbreite an Asteroiden vorbeirauschen ließen. Mehrere Male wurden sie dabei durch Disruptorfeuer der Klingonen getroffen, doch die meisten der Schüsse verfehlten ihr Ziel. Scheinbar waren ihre Angreifer in diesem Feld nicht in der Lage eine vernünftige Zielerfassung einzuleiten. Die Monitor selbst hatte schon längst ihre Fähigkeit zur Selbstverteidigung verloren. Fähnrich Kensington arbeitete fieberhaft mit einigen Technikern zusammen, um die Waffensysteme schnellstmöglich in Gang zu bringen.<br>In diesem irrationalen Moment, wo eigentlich höchste Konzentration von Nöten gewesen wäre, wünschte sich Lewinski Lieutenant Sanchez zurück. Oder am besten Chief Woil! Wie lange hatte er schon nichts mehr von dem Antosianer gehört?  Nur zu gerne hätte der Kanadier gewusst, wie es dem ehemaligen Besatzungsmitglied ging. Zu Jozarnay Woil war inzwischen jeglicher Kontakt abgebrochen und ehrlich gesagt musste John zugeben, dass er in letzter Zeit auch nicht versucht hatte ihn zu erreichen. Er hatte einfach zu viel um die Ohren gehabt, so dass er den Chief einfach vergessen hatte.<br>Wie auch immer, derzeit fehlten der Monitor einfach diese beiden Ingenieure, die ihnen bei der dringend benötigten Reparatur der Systeme hätten helfen können. <br>Ein Asteroid genau vor ihnen zerstob durch Waffenfeuer, welches das Schiff nur knapp verfehlte und Price flog eine enge Rechtskurve, um den kleineren Asteroidenstücken, die entstanden waren, auszuweichen. Ein gewagtes Flugmanöver, welches das Schiff abermals an seine Belastungsgrenze brachte. Der erste Bird of Prey hatte nicht so viel Glück, wurde stattdessen von einem Felsgestein getroffen. Sie gerieten ins Trudeln und rasten in einen anderen Asteroiden, wo sie in einer Explosion detonierten. Erleichtert atmeten die Offiziere auf der Brücke auf. Nun hatten sie sich nur noch eines Angreifers zu stellen. Dieser wollte scheinbar nicht den Fehler seines Kameraden wiederholen und ging nun auf etwas mehr Abstand. Dennoch feuerte er weiterhin aus allen Rohren. Sporadisch wurde das Sternenflottenschiff getroffen, doch die Treffer verursachten nur minimale Schäden. Die meisten der Systeme waren ohnehin schon beschädigt, was hätte also auch kaputt gehen sollen?<br>„Wir kriegen die Waffensysteme einfach nicht repariert!“ meinte Fähnrich Kensington und werkelte weiterhin hektisch an ihrer Konsole. „Zumindest nicht in dieser Zeit!“<br>„Arbeiten sie weiter daran!“ lautete die lapidare Erwiderung des Captains. Was hätte er auch sonst schon sagen sollen? <br>Einmal mehr heulten die Trägheitsdämpfer, als Commander Price in ein brutales Sinkmanöver ging. Ob das Schiff während seiner Erprobungsphase auch so starken Belastungen ausgesetzt worden war?<br>„Dieser klingonische Pilot ist gut“, raunte Price und tippte wild neue Steuerbefehle in seine Konsole ein. „Er macht nicht den Fehler wie sein Kollege und bleibt auf genügend Abstand. Ich schaffe es nicht ihn abzuschütteln!“<br>„Du schaffst das schon!“ versuchte John seinen ersten Offizier zu ermutigen, doch dieser schüttelte den Kopf.<br>„Ich habe die Monitor schon jetzt an seine Grenzen geführt. Wenn ich nicht aufpasse, dann brennen uns die Relais durch und ich verliere die Kontrolle über das Schiff!“<br>Als ob er es bestätigen wollte, wich Price einer Salve Photonentorpedos aus, die krachend einem direkt vor ihnen liegenden Asteroiden detonierten. Die Flugkurve des Schiffes war so brutal, dass für einen Moment die Trägheitsdämpfer ausfielen und sie aus ihren Sitzen geschleudert wurden. Wären sie nicht sofort wieder angesprungen, die Brückenoffiziere wären aufgrund der Gravitationskräfte an den Wänden zermalmt worden.<br>„Siehst du, was ich meine?“ rief Price.<br>Natürlich wusste Captain Lewinski um die Gefahr, in der sie alle schwebten. Jedoch fiel ihm beim besten Willen kein Weg ein, wie sie der Lage Herr werden sollten. War es etwa ihr Schicksal in diesem Universum zu sterben, unendlich weit von ihren Familie und Angehörigen entfernt? <br>„Ein Schiff enttarnt sich hinter uns!“ rief Arena Tellom schließlich mit mutloser Stimme. Scheinbar wollten die Klingonen ihnen nun den Todesstoß versetzen und hatten ein zweites Schiff ausgesandt. „Es ist….ein Schiff der Defiant-Klasse!“<br>Wie dies möglich war, wusste keiner. Die Darstellung des Sichtschirms wechselte und sie sahen ganz deutlich, wie ihr Schwesterschiff mit einer gewaltigen Salve das klingonische Schiff vernichtete. Die Klingonen waren zu überrascht über das Auftauchen des fremden Schiffs, als dass sie hätten reagieren können. Vorsichtig brachte Price das Schiff zum Stehen und wartete auf Anweisungen seines Kommandanten. Dieser wusste nicht so recht, was er tun sollte.<br>„Wir werden vom anderen Schiff gerufen!“<br>„Auf den Schirm.“<br>John traute seinen Augen nicht, als die sie rufende Person auf dem Wandschirm erschien. Es handelte sich ganz unzweifelhaft um seinen alten Freund Bruce Land. Er mochte zwar unrasierter sein, etwas längere Haare haben, dennoch war er es. Auch Land selbst weitete für einen winzigen Moment seine Augen, als er erkannte, mit wem er sprach. Wenn auch aus ganz anderen Gründen, als es sich Lewinski vorstellen mochte. <br>„Terranisches Schiff, wir werden unser Tarnfeld auf sie ausdehnen und dann verstecken wir uns im Orbit des Pluto, einverstanden?“<br>Lewinski nickte und sah, wie sich Price zu ihm umdrehte.<br>„Ich habe die Koordinaten“, erklärte der Halbbetazoid und bereitete den Abflug vor.<br>Arena Tellom gab ebenfalls einige Spezifikationen in ihre Konsole ein, um die Tarnung vorzubereiten. Da ihre eigene Tarnvorrichtung ausgefallen war, dehnte das fremde Schiff seine „Tarnblase“ so weit aus, dass auch die Monitor unter diesen schützenden Schirm schlüpfen konnte. Wahrscheinlich wunderten sich gerade die Klingonen, die noch im Orbit des Mondes schwebten, über das Verschwinden des fremden Schiffs.<br>„Tarnfeld aufgebaut“, meldete Tellom schließlich und ganz deutlich war die Erleichterung in ihrer Stimme zu hören.<br>„Bruce, wie ist das möglich…“<br>Lewinski wollte gerade zu einer ganzen Reihe an Fragen ansetzen, wurde jedoch von seinem scheinbaren alten Freund unterbrochen.<br>„Wir haben nun keine Zeit dafür, Captain Lewinski“, erklärte der Engländer. „Zuerst einmal müssen wir uns in Sicherheit bringen und ihr Schiff herrichten. Antworten werden zu gegebener Zeit folgen.“ <br>Verstehend nickte John. Derzeit gab es in der Tat dringlicheres zu erledigen. Gemeinsam rasten die beiden Schiffe schnellstmöglich zum Pluto, um dort weitere Maßnahmen einzuleiten. <br><br>Sein Dahinsiechen hatte lange gedauert. Nun jedoch konnte sich James Talley seines Endes sicher sein. Sein Blutverlust war dermaßen dramatisch, dass er inzwischen, trotz seiner dunklen Hautfarbe, kalkweiß war und am gesamten Körper zitterte. Die gesamte Zeit über hatte er gegen die aufkommende Müdigkeit, die nichts anderes als ein Vorbote seines Todes war, angekämpft; nun drohte er jedoch diesen Kampf zu verlieren.<br>Nachdem der Regent die Zelle verlassen hatte, waren sie von niemandem belästigt worden. Bird fragte sich jedoch, ob nicht die Intendantin, der Regent oder wer auch immer über einen Videomonitor ihr Treiben in der Zelle beobachteten. Was diese Personen wohl angesichts des drohenden Todes von einem ehemaligen Geschäftspartner dachten? Scheinbar hielt sich, wenn man die Worte des Regenten zugrunde legte, ihr Mitgefühl in Grenzen. Vermutlich war James Talley ein weiterer toter Mensch, der sich in die Reihe weiterer Opfer einfügen würde. Doch für Janine und auch Danny war dieser Mann weit mehr als das. In diesem Moment verlor Janine Talley ihren Vater, ihren einzigen und letzten Halt in ihrem Leben. Nach dem Tod der Mutter war James für sie die einzige Bezugsperson gewesen. Was auch immer man von seinen politischen Ansichten halten mochte, er war ein guter und vor allem aufopferungsvoller Vater gewesen. Dies hatte Danny während seiner Infiltration mehr als einmal festgestellt. Abermals wurde er sich seiner viel zu großen Nähe zu den Zielpersonen bewusst. Obwohl James sein Ziel gewesen war, verspürte er so etwas wie Respekt für den alten Mann. Mehr als einmal hatten sie während lauer Sommerabende auf dem Balkon des Talley-Anwesens gesessen und sprichwörtlich über Gott und die Welt gesprochen. In jenen raren Momenten hatte Lieutenant Bird beinahe vergessen, dass James ein gefährlicher Terrorist war, der die Erde zerstören wollte.<br>„Es geht zu Ende, Janine“, stammelte James und blickte aus glasigen Augen seine Tochter an. Diese hatte inzwischen aufgehört zu weinen, schaute stattdessen nur noch traurig ihren Vater an. Scheinbar hatte sie das unvermeidliche Ende eingesehen.<br>„Sag so etwas nicht“, flüsterte die schwangere Frau und strich ihrem Vater durch das kurze Haar. „Es wird alles wieder gut werden.“<br>„Es tut mir so leid“, röchelte der Verwundete und wurde durch einen Hustenkrampf unterbrochen. „Ich wollte nicht, dass dies alles passiert. Wieso habe ich dich da nur reinziehen müssen?“<br>„Ich habe dich bei deinen Plänen unterstützt, weil ich an sie geglaubt habe. Es war meine freie Entscheidung und ich bereue sie nicht, “ entgegnete Janine und blickte kurz zu Danny. Bis vor wenigen Stunden hatte sie angenommen, dass Danny ebenso empfand wie sie selbst. Nun jedoch, wo sie von seiner Arbeit als Agent wusste, hatte sie keine Ahnung mehr, woran sie noch glauben sollte. Eigentlich musste sie den Erzeuger ihres Kindes für seinen Verrat hassen, doch derzeit konnte sie dies nicht. All ihre Gefühle drehten sich nur noch um ihren Vater.<br>„Meine Absicht war es immer nur gewesen dir ein guter Vater zu sein“, erklärte James und versuchte einmal mehr seine Tochter anzusehen, was ihm jedoch misslang. „Der Tod deiner Mutter war ein schwerer Rückschlag gewesen.“<br>„Du bist ein guter Vater“, beruhigte Janine den Sterbenden und unterdrückte die wieder aufkommenden Tränen. „Ich hätte mir keinen besseren wünschen können!“<br>„Doch, dies hättest du! Einen Vater, der dich nicht in eine solche Situation gebracht hätte. Oh Janine, es ist alles nur meine Schuld.“<br>Dann drehte der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee seinen Kopf in Richtung Danny und sprach zu ihm.<br>„Versprich mir, dass du Janine hier herausbringst“, flüsterte James fast. „Du bist der einzige, der meine Tochter noch retten kann. Sie hat ein besseres Leben verdient.“<br>Tausende von möglichen Antworten und Widersprüchen gingen Danny in diesem Moment durch den Kopf, doch er entschied sich einfach nur zu einem Nicken.<br>„Das werde ich“, versprach Bird und zweifelte noch im selben Moment an der Einlösung dieses Versprechens.<br>„Es tut mir leid, dass ich die Geburt meines Enkels nicht miterleben kann“, sagte James und brachte sogar ein schwaches Lächeln zustande.<br>„Sag so etwas nicht“, forderte ihn seine Tochter auf, „du wirst die Geburt deines Sohnes erleben!“<br>Zwar erfuhr Danny erst jetzt das Geschlecht seines Kindes, doch angesichts der gegenwärtigen Situation konnte er sich derzeit nicht mit dieser Nachricht beschäftigen. Viel zu sehr war er von seinen eigenen Gefühlen irritiert: er empfand Trauer angesichts des nahen Todes von James Talley.<br>„Sei eine gute Mutter“, war James´ letzter Wunsch, bevor seine Existenz endete. Der Glanz verschwand aus seinen Augen und er hörte auf zu atmen. Alles geschah ganz leise, ohne Zuckungen oder Schreie. Der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee schied lautlos aus dem Leben.<br>Noch einige Minuten lang betrachte Janine den Leichnam ihres Vaters, dann drückte sie den langsam erkaltenden Körper fest an sich. Es war die möglicherweise letzte Umarmung, die sie jemals durchführen konnte. Tröstend legte Danny eine Hand auf ihre Schulter und musste selbst eine Träne von seiner Wange wischen. Nur zu gern hätte er nun etwas Tröstendes gesagt, doch es fielen ihm keine passenden Worte ein. Die Situation war einfach nur hoffnungslos.<br>„Du weißt nicht, was für ein guter Vater er gewesen ist“, kommentierte Janine schließlich, ihre Augen weiterhin nur auf den Leichnam gerichtet.<br>Danny antwortete nicht, wusste nicht so recht, was er sagen sollte.<br>Dies musste er auch gar nicht, denn die junge Frau fuhr ungerührt fort. Es schien als spräche sie mehr mit sich selbst als mit ihrem Freund.<br>„Für dich mag er nur ein größenwahnsinniger Terrorist gewesen sein. Aber ich habe einen anderen James Talley gekannt: einen liebevollen Vater und guten Ehemann, der mich wundervoll erzogen hat. Auch war ein ganz normaler Mensch gewesen: nicht das Monster, welches du erwartest.“<br>Ob sie diese Rede hielt, um sich selbst zu beruhigen? Danny wusste es nicht. Er selbst hatte schon seine Eltern schon in jungen Jahren verloren. Sie waren bei einem Angriff der Borg auf seine Heimatkolonie ums Leben gekommen. Natürlich war er wegen des Verlusts traurig gewesen, doch als Kind war man nicht zu sehr in der Lage den Verlust als solchen zu begreifen. Der Lieutenant konnte nur erahnen, wie sich seine Freundin nun fühlte. Noch einige zeit lang starrten sie beide den Toten an. Möglicherweise oder sogar aller Wahrscheinlichkeit nach würden sie beide ihm schon bald ins Jenseits folgen.  <br><br>Auf der Erde, im Innenministerium der Föderation, welches in San Francisco beheimatet war, saß der Innenminister in seinem Büro und ging die zahllosen Berichte durch, die seit dem Beginn der Krise eintrudelten. Sich müde die Augen reibend ließ sich der Minister in seinen Sessel sinken und seufzte. Lesen, lesen, lesen, nichts anderes schien er in den letzten Stunden getan zu haben. Auf der Erde gab es den verheerendsten Anschlag seit dem Angriff der Xindi vor zweihundert Jahren und er, der eigentliche Verantwortliche für alles, was auf der Erde von statten gehen sollte, las Berichte. Irgendetwas, dies war dem Innenminister klar, konnte da nicht stimmen und er wusste ganz genau, woran es lag:<br>seit dem Beginn der Krise hatte er so gut wie nichts zu ihrer Lösung beigetragen. Alle wichtigen Entscheidungen, wurden einzig und allein vom Präsidenten und Edward Jellico getroffen. Dass der Präsident in einer Krisenzeit schnelle Entscheidungen im Alleingang treffen musste, dies war sein gutes recht. Dabei jedoch nur einen einzigen Minister zu Rate zu ziehen, der sich nur mit dem Ressort Justiz befasste, war jedoch etwas seltsam. Ineffektiv obendrein. In den letzten Stunden hatte der Innenminister mit mehreren seiner Amtskollegen gesprochen, um sich zu erkundigen, ob es vielleicht nur ihm so ging. Doch sowohl der Verteidigungs-, als auch der Katastrophenschutzminister waren bei dieser Angelegenheit nur Befehlsempfänger gewesen. Ihnen war, genauso wie ihm selbst, die Rolle des Ausführenden zugefallen. Doch dies reichte dem Minister nicht; er wollte stattdessen ebenfalls Teil des Führungsprozesses sein. Nicht aus Machtgier oder falschem Ehrgeiz, sondern weil es das demokratische System so vorsah. Die Bürger der Föderation hatten ihn als Stellvertreter für innere Angelegenheiten in dieses Amt gewählt und ihm so das Vertrauen zugesprochen. Jedoch war er derzeit nicht in der Lage seinen politischen Verpflichtungen nachzukommen. Statt selber Vorschläge zu machen, musste er Anweisungen umsetzen. Dabei hatte er nicht das Gefühl, dass alle Ideen vom Präsidenten stammten. Ein Großteil der Befehle stammte wohl direkt aus der Feder von Edward Jellico. <br>Damit kein falscher Eindruck verstand, er hatte kein Problem mit dem Justizminister. Eigentlich verband ihn eine sehr gute Beziehung zu Jellico, die einer Freundschaft schon sehr nahe kam. Natürlich hatte ihn der schnelle Aufstieg eines ehemaligen Kriminellen überrascht, doch er hatte dem ehemaligen Admiral eine faire Chance gegeben. Dennoch war die gegenwärtige Handlungsweise falsch. Selbst oder gerade im Falle einer Krise sollten alle Mitglieder des Kabinetts zusammenarbeiten, um zu einer möglichst optimalen Problemlösung zu gelangen. Alleinentscheidungen, egal wann sie geschahen, waren undemokratisch. <br>Aus diesem Grund ließ sich der Innenminister mit dem Büro von Edward Jellico verbinden. Es galt über die Situation zu reden, bevor er sich zur Einleitung weiterer Maßnahmen entschied. <br><br>Das Ergebnis der Jagd gefiel Captain Martok ganz und gar nicht. Vor allem verstand er nicht, wieso sie das fremde Schiff nicht hatten zerstören können. Die klingonischen Schiffe hatten die Terraner quasi schon in die Ecke gedrängt, doch bevor sie ihnen den Todesstoß hatten versetzen können, war ein zweites Schiff aufgetaucht. Nun waren beide Schiffe verschwunden und Martok ratlos.<br>Bei dem eben aufgetauchten Schiff musste es sich um die Defiant handeln, das stärkste Kampfschiff der Rebellenflotte. Das zweite war scheinbar baugleich mit ihr. Ihr Auftauchen konnte alles verändern. Im Laufe der letzten Jahre hatte die Defiant den Schiffen der Allianz beträchtlichen Schaden zugefügt. Dieses Schiff war zu einer Art Phantom geworden, welches nicht zu fassen gewesen war. Wenn es nun ein weiteres Schiff dieser Bauart gab, so stellte dies eine beträchtliche Bedrohung dar. Es galt beide Schiffe so schnell wie möglich zu stellen und zu vernichten. Auch wenn das fremde Raumschiff von ihren Sensoren verschwunden war, aufgrund seiner Beschädigungen musste es noch im Sol-System sein und stellte daher eine leichte Beute dar.<br>Die Schotts zur Brücke öffneten sich und der klingonische Regent betrat die Brücke. Worf hatte den gelangweilt-gleichgültigen Blick aufgesetzt, der ihm so eigen war. Scheinbar schien sich der Führer der Klingonischen Konföderation mal wieder nicht für das Tagesgeschehen zu interessieren, sondern schwelgte in seinen eigenen Machtphantasien. Allein für die Art und Weise, wie er auf die Brücke stolzierte, hasste Martok ihn. Der Captain hatte sein gesamtes Leben in den Dienst der Flotte gestellt und in zahlreichen Kämpfen gesiegt. Zudem gehörte er zu den wenigen Kommandanten, die lebend von einer Expedition in das Romulanische Sternenreich zurückgekehrt waren. Dennoch war ihm die politische Anerkennung verwehrt gewesen. Man hatte ihn damit belohnen wollen, der Captain des klingonischen Flaggschiffes zu sein, der direkt dem Regenten unterstellt war, doch in seinen Augen kam diese Aufgabe einer Strafe gleich. Schon immer hatte er wenig von Worf gehalten, doch seitdem er in seiner unmittelbaren Nähe diente, hasste er ihn. <br>„Bericht“, forderte Worf ein und ließ sich wie selbstverständlich in den Stuhl fallen, der eigentlich Martok als Kommandant vorbehalten war. <br>„Wir haben das fremde Schiff nicht zerstören können“, erwiderte Martok mit grollender Stimme.<br>„Sie haben nicht?“<br>„Nein, es bekam Unterstützung von einem weiteren Schiff, welches, wie ich vermute, die Defiant ist. Beide Schiffe verstecken sich wahrscheinlich nun unter Ausnutzung ihrer Tarnvorrichtung.“<br>Worf blickte Martok lange an und ließ die eben gehörten Worte auf sich wirken. Ob er nun Martok auf der Stelle wegen seines Versagens töten würde? Eigentlich wäre es für einen klingonischen Krieger die angemessene Strafe. Dabei würde Martok zumindest seine Ehre und damit die Chance auf den Einzug ins Sto´vo´kor behalten. Innerlich schloss der Captain mit seinem Leben ab und dachte ein letztes Mal an seine Frau, die er über alles liebte.<br>Doch zu seiner Überraschung wandte sich der Regent mit seinem Blick ab und erhob sich aus seinem Stuhl.<br>„Wie dem auch sei, wir werden uns zu geeigneter Zeit mit diesem Thema befassen. Es ist nun an der Zeit unsere menschlichen Gefangenen hinzurichten.“<br>Keiner der Brückenoffiziere, schon gar nicht Captain Martok, konnte glauben, was der Regent da eben gesagt hatte. Selbst in den Augen des einfachsten Matrosen war dies als klarer Fehler zu erkennen.<br>„Mein Regent“, widersprach Martok mit zorniger Stimme, „das fremde Schiff ist beschädigt und kann das System nicht verlassen. Wir sollten uns auf die Suche machen und es vernichten.“<br>„Dies hat Zeit. Ich möchte mich stattdessen unserer Gefangenen entledigen. Ich werde ihrer langsam überdrüssig.“<br>Diese geschwollene, unkriegerische Sprache machte Martok nur noch wütender. <br>„Ein zweites Schiff, welches mit der Defiant identisch ist, stellt eine immense Gefahr für unsere Flotte dar, Sir. Jetzt, wo das Schiff angeschlagen ist, müssen wir unsere Chance nutzen!“ erklärte Martok mit fast schon zittriger Stimme.<br>Worf und er starrten sich mehrere Sekunden lang an; jeder von ihnen den nächsten Schritt abwägend. Dann wandte sich Worf ab (ein Zeichen der Schwäche für den Captain) und wollte die Brücke verlassen. <br>In diesem Moment fragte sich der Kommandant, was ihm seine Karriere und sein Leben wert war. War er bereit für seine Ansicht, die er als richtig ansah, alles aufzugeben? Bei seiner Argumentation ging es ihm nur um das Wohl der Allianz. Wahrscheinlich würden sie nie wieder die Gelegenheit bekommen einen so wichtigen Schlag gegen die Rebellenflotte zu erlangen! <br>Worf hatte schon fast das Schott erreicht, als Martok seine Stimme erhob und erklärte:<br>„Regent, ihre Entscheidung ist falsch!“<br>Langsam, fast schon in Zeitlupe, drehte sich Worf um und blickte Martok fest in die Augen. Er wollte zu einer Erwiderung ansetzen, doch der klingonische Captain kam ihm zuvor:<br>„Ich denke, sie führen ohne Ehre und fehlerhaft. Es ist meine Pflicht als Klingone sie herauszufordern.“<br>Entsetzt blickten die Brückenoffiziere erst zu Martok und dann zu Worf. Dieser lächelte.<br>„Sie wollen ein Duell?“ fragte der Regent grinsend und schien sich über diese Gelegenheit zu freuen. „Wie sie wollen.“<br>„Es geht mir um die Zukunft unseres Volkes“, entgegnete Martok und zückte seinen Dolch. <br>Der Kampf um die Herrschaft der Klingonischen Konföderation hatte begonnen…<br><br><center><u><b>Fortsetzung folgt</b></u><br><br>MACHTWECHSEL<br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for TREKNews NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producers NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>TM &amp; Copyright © 2005 by TREKNews Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center><br>]]></description><guid isPermaLink="false">6506</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 7x08: Suche</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-7x08-suche-r6468/</link><description><![CDATA[<center><b>Diese Episode als PDF-Datei downloaden:</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_59608.html"><img border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/7x08_cover.jpg"></a><br>Monitor 7x08 "Suche"<br>Dateityp: zip<br>Größe: 0.31 MB</center><br><br><br><center><u>Das letzte Mal in 7x07 „Feinde“:</u></center><br><i>In der Zwischenzeit hatte sich Commander Matthew Price in den Stuhl des Captains in seinem Bereitschaftsraum gesetzt und den Tischcomputer aktiviert. Er hatte absolut keine Ahnung, wieso er nun einen Anruf von Rigel bekam, dem Wohnort seiner Mutter und seine ehemalige Heimat. Dem Ort, an dem er aufgewachsen war. <br>So vieles war heute schon geschehen, der Tag hatte sich als Wechselbad der Gefühle erwiesen und es wurde ganz sicher nicht besser, soviel schien für den Commander fest zu stehen.<br>Auf dem Bildschirm erschien das Gesicht eines Rigellianers, der nach menschlichen Maßstäben um die dreißig Jahre alt sein musste.<br>„Guten Tag, ich bin Detective Jol von der rigellianischen Polizei. Spreche ich mit Commander Matthew Price?“<br>„Mit dieser Annahme liegen sie richtig,“ entgegnete der erste Offizier auf seine typisch flapsige Art und Weise. <br>„Sind sie der Sohn von Birgit Price, die in Rigel City wohnt?“ war die nächste Frage des Beamten.<br>Die ganze Sache kam Matt nun sehr seltsam vor. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn und daher antwortete er argwöhnisch:<br>„Ja, das bin ich… Detective, wir haben hier momentan sehr viele Dinge zu tun und meine Zeit ist leider nur begrenzt. Kann ich sie daher bitten mir den Grund ihres Anrufs zu verraten?“<br>Der Polizist stockte für einen kurzen Moment, schien nach den richtigen Worten zu suchen. Offenbar war ihm diese Sache sehr unangenehm und instinktiv wusste Price, dass etwas Schreckliches geschehen sein musste. Eine Sache noch furchtbarer als alles, was sie heute erlebt hatten. Ein letztes Mal räusperte sich der Beamte, bis er schließlich einsah, dass er irgendwann die Wahrheit erzählen musste. Ihre Blicke trafen sich kurz und in den Augen des Rigellianers zeigte sich eine Anteilnahme, die man üblicherweise nur in einem speziellen Fall antraf. Fast schon zerriss es Matt vor Neugierde, dann erklärte Detective Jol schließlich:<br>„Mr. Price, es ist leider meine traurige Aufgabe ihnen mitzuteilen, dass heute ihre Mutter Birgit tot in ihrer Wohnung aufgefunden worden ist.“</i><br><br><center><u>Und nun die Fortsetzung…</u></center><br>Die ganze Welt um Matthew herum schien in sich zusammenzufallen. Alles drehte sich, dem Halbbetazoiden fiel es schwer nur einen klaren Gedanken zu fassen. Irgendwann, der erste Offizier wusste nicht, wie lange es gedauert hatte, fing er sich wieder und stammelte:<br>„Wie…wie?“<br>Dem Detective war deutlich das Unbehagen anzusehen, welches er beim Übermitteln dieser Nachricht empfand. Nicht zum ersten Mal hatte er dies tun müssen und es wurde einfach nicht leichter.<br>„Eine Nachbarin hat uns alarmiert“ erklärte der Polizist, „nachdem sie mehrfach versucht hatte ihre Mutter zu erreichen. Nachdem sie keine Antwort von ihr erhalten hatte, brach sie die Tür auf und fand ihre Mutter leblos am Boden liegen.“<br>Price versuchte sich das Bild, welches im geschildert wurde, vorzustellen, jedoch war diese ganze Situation viel zu abwegig, als dass er sie sich im Geiste ausmalen konnte. <br>„Haben Sie schon eine Spur, wer für diese Tat verantwortlich sein könnte?“<br>„Mr. Price… ich weiß, es wird schwer für Sie sein dies zu akzeptieren, aber ihre Mutter hat Selbstmord begangen!“<br>„Selbstmord?“<br>Wieder begann sich die Welt um den Commander zu drehen. In der Tat konnte er nicht glauben, was er da eben gehört hatte.<br>„Ihre Mutter Birgit hat sich die Pulsadern aufgeschnitten. Sie verblutete in ihrer eigenen Wohnung.“<br>Die restlichen Worte des Polizisten gingen in den Ohren des ersten Offiziers unter. Detective Jol sprach von Ergründen der Selbstmordumstände, von Ermittlungen, doch für Price waren dies alles nur schale Worte.<br>Seine Mutter war tot.<br>Die Person, die ihn geboren und großgezogen hatte. Der einzige Mensch, dem er bedingungslos vertraut hatte und die immer für ihn da gewesen war. Nun war Birgit Price viel zu früh vom Antlitz dieser Welt verschwunden. Für einen kurzen Moment wollte Matt sich der Realität verweigern, den Tod seiner Mutter einfach nicht akzeptieren und so weiterzuleben, als ob nichts vorgefallen wäre. Doch dies stellte keine Option dar. Das Gesicht Jols verschwand vom Schirm des Computers, scheinbar hatte der Polizist die Kommunikationsverbindung beendet. Price hatte davon nichts mitbekommen. Er befand sich in einer Traumwelt, in der niemand anderes außer ihm selbst Zugang befand. Alles fühlte sich so an, als wäre er in einen Wattebausch gehüllt worden. Er sah wie durch einen Schleier hindurch, die Geräusche der Außenwelt drangen nur gedämpft zu ihm durch. Irgendwie, der Halbbetazoid wusste nicht wie, hatte er die Brücke betreten und blickte in das Gesicht seines Captains. John musterte seinen Stellvertreter und wusste instinktiv, dass etwas Furchtbares geschehen sein musste. <br>Lewinskis Lippen bewegten sich, schienen eine Frage zu formulieren, die Matt Price jedoch nicht verstand. Ob sich der Kommandant nach seinem Befinden erkundigte? Nein, Moment, er wusste ja gar nicht, was vorgefallen war.<br>„Ist alles in Ordnung, Matt?“ fragte Lewinski noch einmal und musste lange auf eine Antwort warten. Auch die restliche Brückenbesatzung blickte zu dem ersten Offizier, der einfach nur furchtbar aussah. In seinem tiefsten Innersten wusste John, was mit seinem Stellvertreter war. Diesen Gesichtsausdruck, diese Leere in den Augen hatte er schon einmal gesehen und zwar bei sich selbst, als sein Vater vor drei Jahren an antallianischem Krebs gestorben war. Der bis heute immer noch schlimmste Tag im Leben Captain Lewinskis, der scheinbar nun auch Commander Price widerfahren war. <br>„Nein…,“ stammelte Price fast schon geistesabwesend, „es ist nichts in Ordnung.“<br>„Was ist geschehen?“ hakte Captain Lewinski vorsichtig nach, dabei jedoch die Antwort schon kennend. Man musste kein Empath sein, um zu erahnen, dass im privaten Bereich etwas passiert sein musste. Eigentlich hatte der Captain derzeit andere wichtige Sorgen, die geklärt werden mussten, wie z.B. die Frage nach dem Aufenthaltsort ihres taktischen Offiziers Danny Bird. <br>Price fiel es schwer, die geeigneten Worte über die Lippen zu bringen. Schließlich sammelte er all seine Kraft und schluchzte:<br>„Meine Mutter ist tot.“<br>Zwar kämpfte der erste Offizier gegen die Tränen an, dennoch war ihm deutlich die Trauer anzusehen. Matt musste sich für seine Gefühle nicht schämen; John wusste selbst, wie es war ein Elternteil zu verlieren.<br>„Brauchst du etwas Zeit für dich?“ fragte der Kommandant und der Commander nickte.<br>Angesichts der momentanen Situation konnte John eigentlich auf niemanden verzichten, doch angesichts der Umstände musste er Milde walten lassen.<br>Der Angesprochene nickte und verließ die Brücke. Der Captain wollte ihm noch zurufen, dass er sich bei Problemen oder Gesprächsbedarf bei ihnen melden sollte, doch dies war dem ersten Offizier wohl ohnehin klar. Denn auf der Monitor, in der die Crew zu einer Familie zusammengewachsen war, war niemand allein. Sie würden sich bei geeigneter Gelegenheit um Price kümmern, so viel stand für Captain Lewinski. Nun musste er sich jedoch auf die Erde begeben, um das Rätsel um das Verschwinden Danny Birds zu lösen. Dieses Problem war mindestens genauso dringlich. <br><br>Die Augen von Lieutenant Bird weiteten sich in Panik, nachdem Kira Nerys ihre Drohung ausgesprochen hatte. Nein, das konnte sie doch nicht ernst meinen! Bird hatte sich auf alles vorbereitet, nur nicht darauf, dass eine andere Person als er selbst in diese Sache hineingezogen werden könnte.<br>„Wagen sie es ja nicht!“ drohte der Mensch, aber sein Einwand schien im Nichts zu verpuffen.<br>„Oder was? Sie sind nicht gerade in der Lage oder gar der Verfassung, um mich aufzuhalten. Soll ich also nach Janine rufen lassen oder sagen sie mir nun, was ich wissen will?“<br>Tausende Gedanken gingen Danny Bird nun durch den Kopf. Die dringlichste war:<br>Was sollte er nur tun?<br>Natürlich konnte er seine Missionsgeheimnisse bewahren, aber dafür würde eine Frau in Mitleidenschaft gezogen werden, die trotz ihrer kriminellen Machenschaften die Mutter seines Kindes sein würde. Wie handelte man in einer solchen Situation?<br>„Haben sie es sich überlegt, Danny?“<br>Statt eine Antwort von sich zu geben, schwieg der Lieutenant nur. Angesichts des Bevorstehenden grinste die ehemalige Intendantin. Deutlich war ihr die Freude anzusehen, als sie einen Kommunikator aktivierte und fragte:<br>„Janine, würden sie bitte einmal zu mir in den Verhörraum kommen?“<br>Während der vergangenen drei Monate, selbst während seiner Gefangennahme, war Danny Bird immer die Ruhe selbst gewesen. Egal wie brenzlig auch eine Lage gewesen sein mochte, immer hatte er die Risiken hingenommen. Angst hatte er kaum empfunden. Jedoch lag dies daran, dass es bisher immer nur um ihn gegangen war. Welche gefährlichen Dinge er auch versucht hatte, im Falle eines Scheiterns hätte es immer nur ihn getroffen. Die jetzige Situation stellte sich jedoch anders dar: nun würde Janine in die Sache hineingezogen werden. Die Frau, die er am Anfang genauso wie ihren Vater ausspionieren sollte und die nun die Mutter seines Kindes werden sollte. Er kannte nicht einmal das Geschlecht seines Kindes!<br>Die altmodische Tür zu dem Verhörraum öffnete sich und Janine betrat den Raum. Süffisant grinste die Intendantin ihren Gefangenen an und zählte die Sekunden, bis dieser mit der Sprache rausrücken würde.<br>„Sie wollten mich sehen, Intendantin?“ fragte Janine und stellte sich neben die ganz in Leder gekleidete Bajoranerin.<br>„Ja, schön sie zu sehen,“ entgegnete Kira und grinste. „Ich hoffe, ich habe sie jetzt nicht bei etwas wichtigem gestört?“<br>„Nein. Was kann schon wichtiger sein als das hier?“ beantwortete Janine die Frage mit einer Gegenfrage und blickte Danny an. Ihr Gesicht zeigte eine Mischung aus Kälte und Zuneigung. Eine höchst seltsame Mixtur.<br>„Es ist gut, dass sie das so sehen. Sie haben viel von ihrem Vater gelernt; sie werden einmal eine würdige Nachfolgerin sein.“<br>„Ich danke ihnen.“<br>Am liebsten hätte Danny angesichts dieser schalen Worte die Bajoranerin angespuckt, doch sein Mund war seltsam trocken. Immer noch wechselte sein Blick zwischen Kira und Janine hin und her. Am liebsten hätte er sie gewarnt, aber würde man seinen Worten überhaupt glauben schenken?<br>„Bitte, Janine, geh wieder!“ bat Danny, wurde jedoch ignoriert.<br>„Du hast mir gar nichts zu sagen,“ zischte die junge Frau, die scheinbar einen spontanen Stimmungswechsel erlebt hatte. Wie er es sich also gedacht hatte, wurden seine Warnungen in den Wind geschlagen. „Also, was gibt es?“<br>Ohne ein weiteres Wort zu sagen, holte Kira einen Phaser hervor, welchen sie versteckt unter ihrer Kleidung getragen hatte, und hielt ihn Janine an den Kopf.<br>„Was…was geht hier vor??“ rief die dunkelhäutige Frau und war aus Furcht erstarrt. Sofort bildeten sich Schweißperlen auf ihrer Stirn.<br>„Ich versuche nur ihrem Freund einige Informationen zu entlocken,“ erklärte die Intendantin, so als wäre das Bedrohen einer anderen Person mithilfe einer Waffe die normalste Sache der Welt. „Er zeigt sich unkooperativ, also nutze ich ihre Beziehung.“<br>Für einen kurzen Moment stemmte Lieutenant Bird sich gegen seine Fesseln, doch natürlich konnte er sich nicht rühren. Er war dazu verdammt diesem grauenvollen Schauspiel zuzusehen.<br>Doch, er konnte etwas ändern. Alles, was er tun musste, war die Informationen zu liefern, die die Bajoranerin haben wollte. <br>„Lassen Sie sie ihn Ruhe!“ schrie Danny und seine Pulsfrequenz schoss in die Höhe.<br>„Ich soll sie in Ruhe lassen? Oh je, Danny, Sie sind es doch, der mich zu dieser Tat zwingt. Sie allein werden Janines Blut an den Händen haben.“<br>Perverserweise schien Kira Spaß an der Sache zu haben. Sie strahlte über das ganze Gesicht, musterte Janine und setzte den Phaser direkt an die Stirn an. <br>„Bitte sag ihr, was sie wissen will!“, flehte Janine ihren Freund an und in ihrer Stimme erklang echte Panik. „Bitte!“<br>Abermals rasten die Gedanken des taktischen Offiziers. Kurz wog er ab, ob es sich hier um eine gut geplante Täuschung handeln könnte, doch Janines Angst war echt, dies konnte Danny deutlich sehen.<br>„Ich werde nun bis drei Zählen,“ sagte Kira, „dann wird Janine sterben.“<br>„Wenn Sie sie töten, dann wird sich James auf grauenvolle Art und Weise an ihnen rächen,“ drohte Bird, doch seine Warnung schien einfach an der Bajoranerin abzuprallen. Drohungen, die von Menschen ausgesprochen wurden, tangierten sie nicht im Geringsten.<br>„Eins,“ zählte die Bajoranerin und blickte zu Danny. Dieser blieb standhaft <br>„Zwei,“ war die nächste Zahl. Auf Janines Lippen konnte man deutlich ablesen, wie sie um ihr Leben flehte. Es war das erste Mal, dass Danny bei ihr Panik sehen konnte. Jedoch blieb er hart. Egal, wie er zu der Frau stehen mochte oder was sie beide auch verbinden mochte, er konnte nicht seine Überzeugungen und seinen Auftrag verraten. Dieser stand über Janine. So einfach war das.<br>„Drei.“<br>Danny schloss in Erwartung eines Schusses die Augen, jedoch geschah nichts. Langsam öffnete er wieder die Augen und bemerkte, wie die Intendantin die Waffe heruntergenommen hatte. Abermals lachte die Intendantin schallend, während Tränen über das Gesicht von Janine Talley kullerten. Die junge Frau zitterte am ganzen Leib.<br>„Faszinierend,“ fand Kira und neigte den Kopf zur Seite, „dass Sie ihre Mission über das Leben ihrer Freundin stellen. Respekt, kann ich da nur sagen. Aber sie glauben doch wohl nicht im Ernst, dass ich nicht über ihre Identität informiert bin: sie sind Lieutenant beim Sternenflottengeheimdienst.“<br>Entsetzt öffnete Danny den Mund, wollte etwas sagen, konnte es jedoch nicht. Er war völlig überrumpelt. Für einen kurzen Moment vergaß Janine ihre Angst und starrte Danny entsetzt an. Natürlich war seine Identität als Agent längst klar, die Wahrheit zu hören war jedoch trotzdem ein Schock.<br>„Woher ich das weiß?“ Kira schien über die Reaktionen der beiden Menschen amüsiert zu sein. „Ich wäre ja wohl kaum so weit gekommen, wenn ich nicht meine Spione clever eingesetzt hätte.“<br>„Dann haben sie das hier alles nur zum Spaß abgezogen?“ zischte Danny und lief vor Wut rot an. „Sie haben gedroht Janine zu töten!“<br>„Etwas, was ich täglich mache oder zumindest mal gemacht habe. Glauben sie mir, ich habe schon schlimmer gesündigt,“ erwiderte Kira achselzuckend und verließ den Verhörraum. Auch Janine, die immer noch am ganzen Leib zitterte, verließ nach kurzem Zögern die Zelle.<br>Zurück blieb ein deprimierter Danny Bird, der keinen Ausweg mehr wusste. <br><br>Immer noch saß Arena Tellom am Krankenbett ihres verwundeten Mannes und streichelte seinen bandagierten blauen Kopf. Erst vor kurzem war er wieder zu sich gekommen und blickte sie aus müden, aber dennoch strahlenden Augen an. Die Terellianerin konnte ihr Glück gar nicht fassen, dass alles so glimpflich verlaufen war. Elisabeth Frasier hatte ihr von vorne herein klar gemacht, dass die Operation schwierig sein würde und mit Risiken verbunden wäre, dennoch war alles gut gegangen.<br>„Ich bin so froh,“ murmelte Arena und streichelte einmal mehr ihren Mann.<br>„Miguel tut mir so leid,“ entgegnete der Andorianer traurig und blickte kurz ins Leere, bevor er wieder seine Frau fokussierte. Sie war immer noch so schön wie am ersten Tag ihrer Begegnung. Nein, sie war in der Zeit ihrer Ehe nur noch schöner geworden. Sie besaß eine Schönheit und Eleganz, von der Ardev derzeit nur träumen konnte.<br>„Ich bin entstellt,“ wisperte der Lieutenant fast unhörbar.<br>„Unsinn! Wieso sagst du denn das?“<br>Arena reagierte mit Entsetzen auf diese Aussage.<br>„Schau mich doch nur an. Fast mein gesamter Körper ist in Verbände gewickelt. Überall habe ich Verbrennungen…“<br>„Die mit der Zeit abheilen werden!“ unterbrach Tellom ihren Mann. Es galt gleich zu Beginn diesen Unsinn rigoros zu unterbinden. „Natürlich wird die Rekonvaleszenz lange dauern, aber mit der Zeit wirst du wieder dein altes Aussehen wiedererlangen!“<br>„Ich hoffe es,“ raunte Ardev und wirkte auf einmal sehr traurig.<br>„Und selbst wenn es nicht klappen würde, du bist immer noch mein Mann! Ich liebe dich für das, was du bist. Das darfst du niemals vergessen!“<br>Diese Worte waren so voller Zärtlichkeit ausgesprochen worden, dass es dem andorianischen Einsatzoffizier fast die Tränen in die Augen trieb. Was für ein unsagbares Glück er doch mit dieser Ehefrau hatte. Sie waren einfach füreinander bestimmt, so viel stand für den Lieutenant fest!<br>Unerwartet trat Dr. Frasier in das Krankenzimmer herein. Sie hatte ein Lächeln aufgesetzt und ihre Hände in den weißen Arztkittel gesteckt, welchen sie über ihrer Sternenflottenuniform trug.<br>„Ah, da ist ja jemand wach geworden!“ rief sie freudig aus. „Wie geht es dir denn?“<br>„Schwach, aber am Leben,“ scherzte Ardev und hustete. Es würde dauern, bis er wieder im Vollbesitz seiner Kräfte sein würde.<br>Die Chefärztin der Monitor prüfte die Anzeigen der medizinischen Geräte und nickte zufrieden.<br>„Es wird schon werden.“<br>Peinlich berührt erhob sich Arena von ihrem Platz und ergriff die Hände der Ärztin.<br>„Ich möchte dir danken, Elisabeth. Du hast Ardev das Leben gerettet.“<br>„Nicht nur ich allein haben ihn operiert,“ betonte Frasier.<br>„Du weißt, wie ich das meine. Wir beide sind dir wirklich dankbar für deine Hilfe und Freundschaft!“<br>Nun war es an Elisabeth beschämt zu Boden zu blicken. Diese Szene zeigte einfach nur, wie sehr sie an Bord der Monitor zu einer Familie zusammengewachsen waren. Jeder von ihnen setzte sich für den anderen ein und half, wo er nur konnte.<br>„Keine Ursache,“ erwiderte Elisabeth lächelnd. „Ich werde mich nun zurück an Bord der Monitor begeben.“<br>„Du solltest auch gehen,“ meinte Ardev in Richtung seiner Frau.<br>„Nein, ich werde bei dir bleiben.“<br>„Hier kannst du nichts für mich tun, Arena. Was ich nun brauche, ist Ruhe. Die gegenwärtige Krise ist jedoch noch nicht ausgestanden; man kann nicht auf deine Fähigkeiten verzichten.“<br>„Bist du dir da sicher?“<br>„Ja! Bitte hilf die Mörder von Miguel zu finden!“<br>Mehr musste er nicht mehr sagen. Verstehend nickte Arena und hauchte ihm einen letzten Kuss auf die Wange, bevor sie mit Elisabeth das Krankenhaus in Richtung ihres Schiffes verließ. Nun galt es sich neuen Herausforderungen zu stellen.<br><br>Natürlich dachte Captain John Lewinski während der gesamten Reise zum Präsidentenpalast über seinen ersten Offizier nach, der wohl eine der schlimmsten Nachrichten der Welt erhalten hatte. Das Gefühl, wie es war ein Elternteil zu verlieren, dies war dem Kommandanten der Monitor noch wohlbekannt. Der Familie Lewinski war es nicht gerade vergönnt gewesen ein langes Leben führen zu können. Schon seine Mutter war für menschliche Verhältnisse früh gestorben und vor drei Jahren war auch sein Vater Luke aus dem Leben geschieden. John konnte sich noch an die Todesnachricht erinnern, als wäre es gestern gewesen:<br><i>Aus dem Quartier John Lewinski konnte man, sofern man an ihm vorbeiging, die Geräusche von sich öffnenden und schließenden Schranktüren sowie einigen weiteren dumpfen Lauten hören. Eine innere Unruhe hatte den Kommandanten der Monitor erfasst, die eigentlich völlig untypisch für ihn war. Der Grund dafür sollte jedoch jedem vernünftig denken Menschen klar sein. Allen bis auf seine Vorgesetzten. Wütend schleuderte John einige Sachen in seinen Koffer und versuchte ihn anschließend mühsam zu schließen. Befehle hin oder her, ein weiteres Hier bleiben war sinnlos. Was machte es schon, wenn er in einem solchen Moment gehen würde? Die Crew hatte mehr als einmal gezeigt, dass sie auch ohne ihn zurechtkamen und ohnehin ging es um einen privaten Notfall. Wenn sie ihn deswegen vor ein Kriegsgericht bringen wollten, dann sollte es halt so sein. Aber er sah nicht ein, wieso er nicht in dieser schweren Zeit bei seinem Vater sein sollte. Kurz warf der Captain noch ein Blick auf das am Tisch liegende Padd. Auf ihm war der Befehl aufgezeichnet, der die gesamte Kommandogewalt auf Commander Price übertrug. Er musste ihn nur noch per Daumenabdruck bestätigen, dann war er bereit für seinen Rückflug zur Erde. Dieser würde zwar knapp eine Woche dauern, doch die Sache war es ihm wert. Mit einem kleine Shuttle vom Schiff könnte er vielleicht noch etwas schneller vorankommen. Oder war es doch besser Passagierschiffe zu nehmen? Darüber hatte John noch nicht nachgedacht.<br>Plötzlich piepte das Wandterminal und signalisierte ihm so ein eingehendes Gespräch. Für einen kurzen Moment erstarrte John Lewinski. Konnte Admiral LaToya Gedanken lesen und hatte so von Lewinskis Vorhaben erfahren? Nein, dies war doch blanker Unfug. Gehetzt überlegte John, ob er noch diesen Anruf entgegennehmen sollte und entschied sich schließlich dafür. Na gut, den noch.<br>Auf dem Bildschirm erschien ein dunkelhaariger Mensch in den Dreißigern, den er nicht kannte. Offenbar befand sich die Person auf einem Planeten, denn ihm Hintergrund konnte man die Sonne scheinen sehen.<br>„Captain John Lewinski?“ fragte der Anrufer zögerlich nach.<br>„Der bin ich,“ antwortete der Kommandant unruhig.<br>„Mr. Lewinski, es ist in der Tat schwierig sie zu erreichen. Ich musste einige Formulare ausfüllen, um überhaupt die Erlaubnis zu bekommen sie anzurufen.“<br>„Ja, ist leider so,“ antwortete Captain Lewinski genervt. „Was kann ich nun für sie tun?“<br>„Sir, mein Name ist Dr. Stoltz, ich arbeite im Mercury-Krankenhaus in Toronto...“<br>Plötzlich schrillten bei John alle Alarmglocken. Toronto? Irritiert ließ er seine Tasche zu Boden sinken.<br>„Und was ist?“<br>Betreten blickte der Arzt zu Boden, auf die Art und Weise, wie es John noch kurz zuvor bei Bruce Land getan hatte, als er die schlechte Nachricht überbracht hatte.<br>„Mr. Lewinski, es fällt mir schwer ihnen dies zu sagen,“ erklärte der Arzt mit leiser Stimme, „aber ihr Vater wurde heute morgen in unser Krankenhaus eingeliefert. Es war ein akuter Notfall. Wussten sie, dass er an antallianischem Krebs erkrankt war?“<br>„Ja, ja, ja, das wusste ich!“ stammelte der Captain hektisch. „Wie geht es meinem Vater? Kann ich mit ihm sprechen?“<br>„Es ist leider so...“<br>„Wie lautet seine Zimmernummer? Ich werde ihn selbst anrufen,“ unterbrach ihn John, so als hätte er kein Interesse mehr an einem weiteren Gespräch.<br>„Bitte hören sie mir doch zu, Mr. Lewinski. Ihr Vater ist heute Nachmittag verstorben.“<br>Unmittelbar im Anschluss setzte für einen kurzen Moment Johns Herz aus. Der Arzt sprach noch weiter, aber in seinen Ohren hörte Lewinski nur ein Rauschen und so gingen die Worte darüber, dass sein Vater ohne Schmerzen starb, unter. Der Bildschirm schaltete sich ab und damit auch Johns Stehvermögen. Wie in Zeitlupe fiel er zu Boden und eine unglaubliche Stille herrschte ins einem Quartier. Normalerweise war es hier immer still, doch in diesem Moment handelte sich um eine einsame Art von Stille. Sie hatte nichts beruhigendes an sich, sondern viel eher etwas Beängstigendes.<br>Plötzlich tropfte etwas auf seine Hand. Es waren Tränen, die nun unkontrolliert hervorschossen. Irgendetwas in ihm meinte, dass ein erwachsener Mann nicht weinen durfte, doch er konnte den Wasserfluss nicht mehr kontrollieren. Die Tränen vermischten sich mit Rotz und Speichel und John schrie, so laut er konnte. Vielleicht hoffte er so seinen Vater im Jenseits zu erreichen.<br>Sein Vater war tot. Natürlich war klar gewesen, dass er sterben würde, aber darauf vorbereitet war man nie. Und viel schlimmer noch, John war nicht bei ihm gewesen. Sein Vater war allein gestorben, ohne Familie. Allein war er ins Tal der Dunkelheit gewandert.</i><br>In vielerlei Hinsicht war der Tod seines Vaters für ihn noch schwerer zu verkraften gewesen als der seiner Mutter. Der Grund dafür war ganz einfach der gewesen, dass seine geliebte Mutter eines natürlichen Todes gestorben war. Zwar zu früh, dennoch jedoch unter normalen Umständen. Dies war bei Luke Lewinski jedoch nicht so gewesen. Der halsstarrige alte Mann war an antallianischem Krebs erkrankt gewesen; eine Krankheit, die man mit der heutigen Medizin innerhalb weniger Tage hätte heilen können.<br>Doch zur Überraschung aller, ganz besonders seines Sohnes, hatte Luke eine Behandlung abgelehnt. John hatte es am Anfang nicht glauben können, es für einen schlechten Scherz gehalten, doch sein Vater hatte dies ernst gemeint. Noch immer hatte John die Erklärung seines Vaters im Ohr, nachdem dieser die schockierte Reaktion seines Sohnes wahrgenommen hatte.<br><i>Ich habe lange genug gelebt und ein erfülltes Leben gehabt, hatte der alte Mann gesagt, seit deine Mutter tot ist und du so wenig auf der Erde weilst, fühle ich mich inzwischen jedoch einsam. Ich bin bereit vom Antlitz dieser Erde zu gehen, als glücklicher Mann.</i><br>Dabei war Luke Lewinski zum Zeitpunkt seines Todes nicht einmal 70 Jahre alt gewesen. Unter normalen Umständen hätte er locker noch mit einer Lebenserwartung von weiteren 50 Jahren rechnen können.<br>Doch sein Vater hatte nicht mehr leben wollen. Zu vieles hatte sich für ihn seit dem Tod seiner Frau verändert. Luke war einfach nicht mehr dieselbe Person gewesen, dies hatten seine Söhne immer wieder gespürt. Vielleicht hätte John mehr für seinen Vater da sein und ihm zur Seite stehen müssen. Für solche Zweifel war es jedoch zu spät. Der Captain hatte inzwischen dieses Kapitel seines Lebens abgeschlossen. Für eine Sekunde dachte John an seinen Bruder Martin und fragte sich, wo dieser nun sein mochte. Hoffentlich hatte er die Unruhen in Emden überstanden und war heil aus der Stadt herausgekommen. <br>Wie auch immer, sein erster Offizier konnte sich voll und ganz auf seine Unterstützung verlassen, so viel stand fest. Derzeit jedoch musste sich John noch mit anderen Dingen beschäftigen, wie z.B. den verschwundenen Danny Bird.<br>Geschwinden Schrittes erklomm der Captain die Stufen zum Präsidentenpalast. Aus Sicherheitsgründen herrschte eine Transportblockierung um den gesamten Komplex, weswegen er mit einem Shuttle auf dem gewaltigen Vorplatz hatte landen müssen. Man schien ihn schon zu erwarten, denn alle Sicherheitsleute ließen den Captain ohne großen Aufwand passieren. Im Hintergrund war deutlich der Eiffelturm sowie das Stadtpanorama von Paris zu erkennen, ein immer noch unglaublicher Anblick für einen Besucher. Es war das erste Mal, dass John die heiligen Hallen der Föderation betrat, doch nervös war er deswegen nicht. Es gab derzeit auch überhaupt keine Zeit für solche Gedanken. Innerhalb weniger Minuten hatte Captain Lewinski das gewaltige Gebäude durchquert und betrat das Büro des Präsidenten der Vereinigten Föderation der Planeten.<br>Der Staatschef saß, fast schon so wie erwartet hinter seinem Schreibtisch, die Hände sorgsam gefaltet vor sich auf der Ablage abgelegt. Commander Elena Kranick saß hinter ihm und las sich einige Berichte durch, während der ebenfalls im Raum anwesende Edward Jellico durch das große Fenster gen Stadt hinaus blickte.<br>„Captain Lewinski,“ begrüßte ihn der Präsident und erhob sich als Geste der Höflichkeit, „ich hätte nicht erwartet Sie so schnell hier anzutreffen!“<br>„Ich wollte noch einmal persönlich mit Ihnen sprechen,“ entgegnete Lewinski und schüttelte die Hand seines Vorgesetzten. Trotz des ganzen Ärgers, den es heute im Laufe des Tages gegeben hatte, war der Präsident glücklich und dankbar für die Hilfe des Raumschiffkommandanten.<br>„Dank Ihnen ist die Lage in Emden wieder stabil. Bisher haben die Aufräumteams keine weiteren Infizierten entdeckt. Wir sind guter Dinge!“ erklärte der Präsident und setzte sich wieder an seinen Platz, nachdem er Lewinski einen Stuhl ihm gegenüber angeboten hatte.  <br>Wie zur Bestätigung nickte Commander Kranick, während Justizminister Jellico sich endlich ihrem Gespräch zuwendete. Allerdings zog es der Captain der Monitor vor seinen alten Widersacher zu ignorieren. Dass es der alte Verschwörer geschafft hatte, inzwischen so hoch in das Zentrum der Macht vorzudringen, war für John unbegreiflich. Jedoch hatte niemand auf seine immer wieder gepredigten Warnungen gehört. Die Beliebtheit des ehemaligen Admirals war weiterhin ungebrochen, daran konnte auch seine mehrmonatige Haft vor einigen Jahren wegen Verrats nichts ändern. Wie schnell sich doch alles ändern konnte. Im einen Moment war man noch der Kriminelle, im nächsten der Volksheld. Eigentlich war genau dies auch Captain Lewinski am heutigen Tage widerfahren.<br>„Freut mich zu hören,“ meinte John und streifte mit seinem Blick kurz Jellico. „Mich würde interessieren, welche Anstrengungen zur Auffindung von Lieutenant Bird unternommen werden.“<br>„Immer noch durchkämen Polizei und Sternenflotte das Anwesen der Talleys auf dem Mond,“ erklärte Commander Kranick, die mehr Einblicke in diese Vorgänge hatte. Auch sie wirkte erschöpft, wie alle anderen beteiligten im Raum auch. Niemand blieb heute von den Anstrengungen verschont. „Zusätzlich werden die Raumhäfen sowie Reiseunternehmen überwacht. Fahndungsprofile sind an alle Behörden rausgeschickt worden.“<br>„Da schwingt jedoch ein Aber mit,“ stellte der Captain fest.<br>„Bisher haben wir noch keine Spur vom Lieutenant,“ gab Kranick kleinlaut zu. „Auch von James Talley, seiner Tochter Janine oder anderen Führungsmitgliedern der Föderalen Befreiungsarmee fehlt jedwede Spur. Es ist, als seien sie vom Erdboden verschluckt.“<br>Verstehend nickte John und war dankbar für diese offene Auskunft. Zwar glich es in weiten Teilen dessen, was er schon an Bord der Monitor vernommen hatte, dennoch war es noch einmal gut gewesen die Ereignisse zusammengefasst zu bekommen.<br>„Wann kann ich also mit der Suche einsteigen?“<br>Die Frage Lewinskis löste ungläubiges Staunen bei den Anwesenden aus. Es war das erste Mal, dass sich auch Edward Jellico in das Gespräch mit einmischte:<br>„Wer sagt, dass Sie überhaupt daran teilnehmen dürfen?“<br>„Eines meiner Crewmitglieder wird vermisst, Herr Minister,“ erläuterte Lewinski mit sachlicher Stimme, ohne den ehemaligen Admiral jedoch anzublicken, „und ich habe nicht vor es im Stich zu lassen. Danny Bird ist nicht nur einer meiner Offiziere, ich betrachte ihn als Teil der Familie und werde ihn daher nicht im Stich lassen. Ich werde also ebenfalls an den Ermittlungen teilnehmen.“<br>Der Präsident wollte zu einer Erwiderung ansetzen, wurde jedoch von Jellico unterbrochen. Scheinbar hatte der alte Mann nun Blut geleckt und wollte um jeden Preis ein Streitgespräch vom Zaun brechen. Dass die Gereiztheit des alten Mannes von dem immer noch entflohenen Jozarnay Woil herrührte, konnte dabei natürlich keiner ahnen.<br>„Sie sind gar nicht in der Position irgendwelche Forderungen stellen zu können! Eigentlich müssten wir Sie auf der Stelle wegen Meuterei festnehmen lassen. Immerhin haben Sie sich gegen direkte Befehle des Präsidenten gestellt und wollten auf ein anderes Schiff der Sternenflotte feuern! Sie selbst haben eingewilligt nach Beilegung der Krise sich uns zu übergeben,“ argumentierte der Justizminister.<br>„Die Krise ist noch nicht beendet.“<br>„Sie…“<br>Mehr konnte Edward Jellico nicht sagen, denn der Präsident hob seine rechte Hand und alle Anwesenden im Raum verstummten. Genau im richtigen Moment, denn der alte Streit zwischen den beiden Kontrahenten wäre fast eskaliert.<br>„Ich gewähre dem Captain einen weiteren Aufschub,“ erläuterte das Staatsoberhaupt mit ruhiger, fast schon zurückhaltender Stimme. „In Anbetracht seiner Verdienste am heutigen Tage und dem Umstand, dass es sich um einen seiner Offiziere handelt, sollten wir ihn in unsere Bemühungen mit einbinden.“<br>Zwar klangen die Worte des Präsidenten wie ein Vorschlag, stattdessen waren sie natürlich eine klare Anweisung und alle Anwesenden akzeptierten sie.<br>„Danke, Sir,“ sagte Captain Lewinski und erhob sich von seinem Platz.<br>„Commander Kranick wird Sie dann in den aktuellen Stand der Ermittlungen einweisen,“ fügte der Präsident hinzu und bedeutete der Frau mit dem Captain in ihr Büro zu gehen. Was ihn betraf, so war die Sache geklärt. Captain Lewinski teilte diese Ansicht. Er wollte keine Zeit mehr verlieren!<br><br>In einem ganz anderen Universum saß James Talley an einem großen Esstisch und trank einen Tee. Es tat gut die wärmende Flüssigkeit zu spüren, sie spendete Kraft und vertrieb die Müdigkeit. Leider bot auch dieser Raum keine der sonst gewohnten Annehmlichkeiten, doch dies war auch zu erwarten gewesen. Immerhin befanden sie sich hier in einem Bunker und nicht in einem Ferienhaus. Für einen kurzen Moment wurde James melancholisch. Ob er und seine Tochter jemals nach Hause zurückkehren konnten? Mit Zuhause bezog er sich dabei auf ihr eigenes Universum. Doch es galt ehrlich zu sich selbst zu sein: die Chancen dafür standen mehr als schlecht. Wahrscheinlich musste er sich darauf einstellen den Rest seines Lebens im Spiegeluniversum zu verbringen. Einer Realität, in der Menschen und andere Föderationsvölker nicht mehr als Sklaven waren; weil sie für die Taten eines Imperiums bezahlen mussten, welches sie selbst gar nicht mehr erlebt hatten. Kein sehr lebenswerter Ort, wie der dunkelhäutige Mann fand.<br>Völlig aufgelöst betrat seine Tochter den Raum und schmiegte sich an ihn. Ihr ganzer Körper bebte, Tränen liefen über ihre Wangen und sie erzählte ihm davon, was eben geschehen war. Was James da hörte, war für ihn ungeheuerlich. Natürlich hatte er von Anfang an gewusst, dass es ein gefährliches Spiel gewesen war sich auf die Intendantin von Bajor einzulassen. <br>Im Vorfeld hatte er sich natürlich über sie informiert und war zu Beginn entsetzt über ihren skrupellosen Ruf gewesen. Im Anschluss war ihm jedoch bewusst geworden, dass für die Erfüllung dieser Mission eine gewisse Skrupellosigkeit von Nöten gewesen war. <br>Sanft streichelte James seiner Tochter durch das Haar und überlegte, was er nun tun sollte. Wenn Kira nun schon seine Familie bedrohte, dann waren sie womöglich nicht mehr sicher bei ihrer ehemaligen Alliierten. Es galt sie jetzt in die Schranken zu weisen, damit sich so etwas nie mehr wiederholte. <br>Wie aufs Stichwort betrat nun auch die Bajoranerin den kleinen Raum und setzte sich grinsend an den gemeinsamen Esstisch. Es war dieses aufgesetzte Lachen, welches James so sehr störte. Kira schien sich gar nicht an der zu Tode verängstigten Janine zu stören.<br>„Ws haben Sie getan?“ fragte James und versuchte so wenig Schärfe wie möglich in seine Stimme zu legen.<br>„Was meinen Sie?“<br>Dass die Intendantin überhaupt die Frechheit besaß eine solche Frage zu stellen, war ungeheuerlich. Nur mit Mühe konnte sich der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee zügeln. <br>„Ich denke, Sie wissen ganz genau, wovon ich rede. Sie haben meine Tochter bedroht!“<br>„Und es hat geholfen!“ entgegnete Kira und schlug die Beine übereinander, wobei deutlich ihre Lederbekleidung zu hören war. „Bird weiß nun, dass wir zu allem bereit sind.“<br>„Sind wir das?“ fragte James und schickte seine Tochter nach draußen. Sie sollte nicht dieses Gespräch anhören. „Sind WIR wirklich zu allem bereit?“<br>„Immerhin waren Sie willens die Erde mit einem todbringenden Virus zu verseuchen. Ich schließe daraus, dass Sie zu allem bereit sind.“<br>Wütend erhob sich James von seinem Platz und fuhr sich durch sein kurz geschnittenes Haar. Konnte sie etwa wirklich nicht seinen Zorn als Vater nachempfinden?<br>„Meine Tochter habe ich dabei nicht eingeschlossen,“ fauchte James und schlug wütend auf den Metalltisch. Eine Reaktion, die bei Kira nur ein Stirnrunzeln verursachte.<br>„Eine recht seltsame Sichtweise, wie ich finde,“ gestand die Mörderin zahlloser <br>Terraner. „Jeder ist der Sohn oder die Tochter von irgendjemanden. Es gilt sich jedoch bewusst zu machen, dass jedermann austauschbar ist, falls es zum Erreichen des Missionsziels dienlich ist. Sie, Ihre Tochter oder sogar ich sind unwichtig. Was zählt, ist Ihre Mission.“<br>Lange musterte James seine Gegenüber. Meinte sie das ernst, was sie da eben meinte?<br>„Sagen Sie mir noch einmal,“ bat James, „was unserer Ziel ist?“<br>„Unser Ziel ist der Sturz der Föderationsregierung, um die Macht wieder in die Hände des Volkes zu legen,“ erklärte Kira und lächelte ergeben, so als wäre dies das normalste der Welt. <br>James musterte sie abermals lange, verließ dann den Raum. Die Intendantin schaute ihm noch einige Zeit lang nach, dann lachte sie schallend, so dass es einem durch Mark und Bein ging. <br><br>Commander Price war immer noch ratlos. Zerstreut und von tiefer Trauer erfüllt, saß der erste Offizier in seinem Quartier und starrte die gegenüberliegende Wand an.<br>Seine Mutter war tot.<br>Diese Nachricht ging ihm, verständlicherweise, nicht aus dem Kopf. Die Person, die ihn geboren, aufgezogen und immer für ihn da gewesen war, lebte nicht mehr. Wie sollte es nun bloß weitergehen? Auf diese Frage hatte Matthew keine Antwort.<br>Die dringlichste Frage jedoch war die nach dem Grund für den Selbstmord seiner Mutter. Sie war trotz des harten Lebens auf Rigel immer eine lebensfrohe und glückliche Person gewesen, die nie im Leben an Suizid gedacht hätte. Nun jedoch hatte sie sich genau das angetan und Price wollte nur zu gern den Grund dafür wissen. Ob er diesen jemals erfahren würde? <br>Schließlich fasste der Halbbetazoid einen Entschluss. Nicht nur er hatte ein Anrecht darauf, etwas über das Schicksal von Birgit Price zu erfahren. Auch sein Vater musste davon erfahren!<br>Price ließ eine Kommunikationsverbindung zum ehemaligen Sonderbotschafter der Föderation herstellen. Es dauerte einige Zeit, bis er ihn schließlich erreicht hatte, denn sonderbarerweise hatte er sich nicht auf Betazed aufgehalten. Seine Sekretärin hatte Price jedoch zu seinem momentanen Aufenthaltsort weitergeleitet.<br>„Matt!“ begrüßte ihn Arsani Parul überschwänglich. „Welch schöne Überraschung! Wie geht es dir?“<br>„Mutter ist tot.“<br>Nur kurz hatte Matthew über die Art der Nachrichtenüberbringung entschieden, bevor er sich schließlich für die direkte Variante entschieden hatte. Auch auf dem Gesicht Paruls zeigte sich deutlich Entsetzen und Fassungslosigkeit; dieselben Reaktionen, die auch schon sein Sohn gezeigt hatte.<br>„Wie??....Wann hast du davon erfahren?“<br>„Ich bin vor nicht einmal einer halben Stunde von der rigellianischen Polizei kontaktiert worden. Birgit hat Selbstmord begangen.“<br>Die Lippen des ehemaligen Botschafters bewegten sich mehrmals, ohne jedoch einen Laut formulieren zu können. Arsani Parul war sprachlos angesichts dessen, was er eben gehört hatte. <br>„Wie kann sie tot sein?“ stammelte der Betazoid und rieb sich über die Stirn. Auch er hatte mit seinen Tränen zu kämpfen. „Vor wenigen Stunden habe ich sie doch erst gesehen!“<br>Die letzte Aussage ließ den ersten Offizier aufhorchen. Verwirrt blinzelte er und fragte:<br>„Du hast was?“<br>Erst jetzt begriff Parul, was er da eben gesagt hatte und scheinbar sah er seine Aussage als Fehler an.<br>„Birgit und ich… ich habe sie heute besucht.“<br>„Besucht? Aber… du bist gerade auf Rigel?“<br>„Ja, das bin ich,“ erklärte der ehemalige Sonderbotschafter kleinlaut und wirkte auf einmal äußerst nachdenklich. „Im Rahmen einer Geschäftsreise bin ich nach Rigel gekommen und ich entschloss mich deine Mutter zu besuchen. Sie machte eigentlich einen recht gefassten Eindruck, fand ich.“<br>Langsam setzten sich für Matthew Price die Teile des Puzzles zusammen. Dies konnte doch alles einfach nicht wahr sein! Wusste sein Vater denn überhaupt, was er da angerichtet hatte?<br>Scheinbar nicht, denn er redete einfach weiter, ohne die Reaktionen seines Sohnes zu bemerken.<br>„Natürlich war es schwierig gewesen,“ meinte Arsani und schien mehr zu sich selbst denn zum Commander zu sprechen. „So lange Zeit hatten sich Birgit und ich nicht gesehen. Damals sind wir im Zorn auseinander gegangen. Ich hatte das Bedürfnis zu reden und genau dies haben wir getan.“<br>„Es ist deine Schuld!“ erklärte Price mit düsterer Stimme und schaute seinen Vater mit finsterer Miene an.<br>„Wie meinst du das?“<br>„Du hast es also immer noch nicht verstanden, oder? Meine Mutter hat dich geliebt, Arsani! Selbst nachdem du sie schwanger hattest sitzen und deinen eigenen Weg gegangen bist, liebte sie dich immer noch von tiefstem Herzen. Zwar hatte sie es nie direkt gesagt, doch ich hatte es spüren können. So viele Jahrzehnte hatte sie dich nur auf Fotos von Zeitungen und im Fernsehen gesehen, dennoch empfand sie noch immer etwas für dich. Dein Besuch jetzt muss für sie zuviel gewesen sein. Was habt ihr getan?“<br>Arsani Parul war zu perplex, um sich gegen die Vorwürfe seines Sohnes wehren zu können.<br>„Wir redeten,“ erklärte der Betazoid und dachte nach. „Es war ein langes Gespräch… und am Ende haben wir uns geküsst. Mehr nicht.“<br>„Mehr nicht?“ Price war fassungslos angesichts dieser Aussage. „Du hast sie in den Selbstmord getrieben! Sie muss so verzweifelt über ihr Schicksal gewesen sein, dass sie sich das Leben genommen hat.“<br>„Wie bitte? Sei doch vernünftig, Matt, ich kann doch gar nichts dafür!“<br>„Oh doch, das kannst du! Mit deinem Besuch hast du sie an eine Zeit, ein Leben und eine Beziehung erinnert, die sie niemals haben konnte. Es war aus ihrer Sicht ein letzter, verzweifelter Akt der Liebe…du Schein!“<br>Mit dieser abschließenden Beleidigung beendete Matt abrupt die Komverbindung und sank zu Boden. Er hockte auf dem Teppich und weinte bittere Tränen. Wieso meinte es das Schicksal nur so schlecht mit ihm? Noch vor kurzem schien es, als würde sein Leben wieder in geordneten Bahnen verlaufen. Elisabeth und er waren ein glückliches Paar, endlich hatte er seinen Vater kennen lernen dürfen. Doch nun war seine Mutter tot und Arsani war in seinen Augen schuld daran.<br>Nur zu deutlich konnte sich Price an die erste Begegnung mit seinem Vater erinnern, als er noch gar nicht wusste, in welcher Beziehung er mit dem ehemaligen Sonderbotschafter stand:<br><i>Sogleich nachdem er den Türsummer betätigt hatte wurde Commander Price in das Quartier hineingebeten. Scheinbar hatte der darin befindliche Gast nur auf seine Nachricht gewartet, anders war diese flotte Reaktion nicht zu erklären. Der erste Offizier des Schiffes betrat das spartanische Gästequartier von Dr.Dr. Arsani Parul, dem Spitzendiplomaten der Föderation. Der Betazoid war mit ihnen in den Gamma-Quadranten aufgebrochen, um neue Beziehungen mit dem Dominion aufzubauen. Persönlich hatte Price bisher nicht mit Parul zu tun gehabt, doch anhand seines Rufes stand für ihn außer Frage, dass der Botschafter dieser Aufgabe mehr als gewachsen war.<br>„Botschafter, wir werden in Kürze das Ziel unserer Reise erreichen,“ unterrichtete ihn Matt höflich.<br>„Vielen Dank, Commander,“ entgegnete der Gesandte ebenso höflich und erhob sich, wobei er seine elegante Kleidung in einer beiläufigen Geste glatt strich. Dabei war diese Bewegung alles andere als Zufall, sondern sorgsam abgestimmte Körpersprache, die er dazu einsetzte bei seinem Gegenüber ein Gefühl von Vertrauen und Sicherheit zu erwecken.<br>Auch Price bewunderte diesen Mann, doch wer tat dies nicht? Arsani Parul hatte schon so viele komplexe Verträge ausgearbeitet, dass er schon zu Lebzeiten eine politische Legende war. Wie würde erst die Nachwelt über ihn sprechen?<br>Der erste Offizier wollte sich schon daran machen zu gehen, als Parul sich räusperte.<br>„Mir ist da etwas aufgefallen, Commander,“ meinte der Betazoid.<br>„Bitte nennen sie mich Matt, Botschafter. Dies tut jeder hier an Bord,“ entgegnete Price lächelnd.<br>„Aber nur wenn sie mich Arsani nennen. Dies tut auch jeder. Der Titel Botschafter ist ein wenig zu steif für diese Atmosphäre, finden sie nicht?“<br>„Ich bin da wohl der falsche Ansprechpartner... immerhin sehe ich so ziemlich alles locker.“<br>Amüsiert lachte Parul.<br>„Ja, dies habe ich schon gehört, Matt. Obwohl wir nun das erste Mal miteinander zu tun haben spüre ich dennoch eine gewisse Vertrautheit zwischen uns. Vielleicht liegt es an ihrem betazoidischen Erbe?“<br>„Gut möglich,“ entgegnete Commander Price.<br>„Sind sie denn noch in der Lage mental zu kommunizieren?“ sandte ihm der Botschafter plötzlich eine telepathische Botschaft.<br>„Nur mit Betazoiden,“ antwortete Matt daraufhin, „und auch nur dann, wenn der Gegenüber sehr ausgeprägte Fähigkeiten hat.“<br>„Oh, das ist schon mehr als ich erwartet habe. Dass sie in der Lage sind mir eine telepathische Antwort zu schicken ist bemerkenswert. Viele Halbbetazoiden vernachlässigen ihre Fähigkeiten, sie verkümmern und werden kaum genutzt.“<br>„Ich war vor einigen Monaten auf Betazed, um mich einer Fortbildung zu widmen,“ antwortete Price mental, ohne auch nur eine einzige Silbe auszusprechen. „Auch wenn ich am Anfang skeptisch war, so hat es mir einiges gebracht... in mehrfacher Hinsicht.“<br>Bei Erwähnung des letzten Satzes flammte ein kurzes Bild von Marissa vor Price´ innerem Auge auf. Was sie wohl gerade machte? <br>„Ich hörte sie sind Vater geworden?“ fragte Parul, der keinerlei Anstalten machte zur verbalen Kommunikation zurückzukehren. Anscheinend genoss er es mit einem Artgenossen sich wieder auf diese Art und Weise zu unterhalten.<br>„Ja, eine kleine Tochter. Leider habe ich noch keine Gelegenheit bekommen sie zu besuchen. Vielleicht ergibt sich nach dieser Mission eine Besuchsmöglichkeit.“<br>„Ich selber habe zwei Kinder, die beide ungefähr in ihrem Alter sein müssten, vielleicht etwas jünger. Sie werden bemerken, dass es eine lohnenswerte Erfahrung ist Vater zu sein. Aber ich möchte sie nicht zu lange belästigen. Wie eingangs gesagt möchte sie etwas fragen.“<br>„Bitte?“<br>„Die Crew scheint seit kurzem unter großem emotionalen Stress zu stehen. Sehe ich dies richtig?“<br>„Das kommt nicht von ungefähr,“ entgegnete der Commander und stieg nun wieder auf sprachliche Kommunikation um. Er wollte nicht „hinter dem Rücken“ der Crew darüber reden. „Die Crew strandete vor fünf Jahren im Gamma-Qaudranten, ohne Möglichkeit auf Rückkehr. In jener Zeit waren sie massiven Angriffen ausgesetzt gewesen und gut die Hälfte der Besatzung ließ ihr Leben bei dem Versuch die Rückkehr zu gewährleisten. Captain Lewinski selbst musste in psychiatrische Behandlung, um diese Sache zu verdauen.“<br>„Dies klingt gar nicht gut,“ kommentierte Parul mit ehrlicher Betroffenheit.<br>„Und nun fühlt sich die Crew an diese Zeit erinnert. Ich war damals noch nicht an Bord, doch mittels meiner empathischen Fähigkeiten spüre ich diese Verunsicherung bei allen. Es ist der erste Aufenthalt im Gamma-Quadranten seit jenen Ereignissen.“<br>„Verständlich.“<br>„Nun ja, es wird schon alles gut gehen,“ schloss Price seine Erklärungen ab, „wir sollten uns jetzt auf dem Weg zum Transporterraum machen. Verhandlungen warten auf sie.“</i><br>Schon damals hatte er diese seltsame Vertrautheit zu dem charismatischen Mann gespürt. Damals hatte er dessen diplomatische Fähigkeiten als Hauptgrund dafür angesehen, doch stattdessen hatte es an etwas anderem gelegen. Nun jedoch wollte er nie wieder etwas mit Arsani Parul zu tun haben. Er hasste ihn!<br><br>Die Suche nach Danny Bird hatte begonnen. Fähnrich Samira Kensington, derzeit der taktische Offizier der Monitor, hatte sich mit einem Team auf den Mond gebeamt, um dort nach Hinweisen zu suchen, die ihnen Aufschluss über den Aufenthaltstort von Bird geben konnten. Mit den modernsten Sensoren stellte das Team von James Talley auf den Kopf, drehte dabei sprichwörtlich jeden Stein um. Dabei fragte sich Kensington, ob es nicht besser wäre, wenn sie den regulären Sicherheitschef nicht auffinden würden. Immerhin hatte sich der Fähnrich in den letzten drei Monaten an die taktische Leitung des Schiffes gewöhnt. Samira war nun die Sicherheitschefin der Monitor und brachte gute Leistungen. Sicherlich, sie war nicht so beliebt wie Bird, aber so war das halt mit guten Offizieren. Leistung brachte leider auch Neid mit sich. Anders konnte sich Samira ihre mangelnde Popularität an Bord nicht vorstellen. Nicht nur mit Commander Price verband sie eine tiefe Abneigung. Auch andere Crewmitglieder straften sie mit Nichtachtung oder beschränkten den Kontakt auf das Dienstliche. Dennoch sprachen ihre Reputationen für sie. Fähnrich Kensington war ein guter Offizier, basta!<br>Leider fanden sie keinerlei Spuren zu James Talley, seinen Gefolgsleuten oder Danny Bird. Es schien fast so, als wären sie vom Erdboden verschluckt worden. Auch die anderen fanden keinerlei Hinweise. Routinemäßig überprüfte sie den Transporter, checkte erst die Logbücher und unterzog dann die Transporterplattform einer intensiven Untersuchung. Seltsamerweise zeigten sich zwar Spuren eines kürzlich erfolgten Transports, ein Rematerialisationspunkt war jedoch nicht im Logbuch angegeben. An sich war dies nicht weiter verwunderlich, denn diese Information hätte ohne weiteres aus dem Transporterlogbuch gelöscht worden sein. Jedoch hätte nichtsdestotrotz der Computer die Information enthalten haben müssen, dass der Transfer geglückt war. Mit anderen Worten: irgendwie hätte verzeichnet sein müssen, dass der Beamvorgang funktioniert hätte.<br>Kurz grübelte Samira, nahm dann abermals die Transporterplattform genauer unter die Lupe. Möglicherweise handelte es sich hier um eine geschickte Täuschung. Doch die Messergebnisse ließen keinen Zweifel, das Gerät war benutzt worden. Ein interessantes Phänomen, wie der Fähnrich fand. Eines, welches sie bisher noch nicht so erlebt hatte. Scheinbar hatte selbst die SFCID, die Starfleet Crime Investigation Division, diesem Umstand nicht allzu viel Beachtung geschenkt. Kensington musste schmunzeln, dass also selbst die berühmte Polizeibehörde der Sternenflotte Dinge übersehen konnte.<br>Vielleicht gab der Computer jedoch genauere Auskunft über diese Sache. Sie gab die ermittelten Parameter in die Datenbanken ein und ließ eine Suche durchführen. Das Ergebnis überraschte Kensington mehr als andere. Dies musste sie sofort dem Captain melden!<br><br>Friedlich, nichtsahnend, völlig entspannt lag Woil auf einem Biobett in der Krankenstation des romulanischen Schiffes Observer.<br>Ke’ler saß auf dem benachbarten Biobett. Ihre Wunden waren behandelt, eine frische Uniform war ihr gebracht worden. Sie beobachtete das Diagnosefeld über Woils Biobett. Alle Werten waren extrem niedrig. Zumindest für Romulaner. Sie war keine Medizinern und hatte daher keine Ahnung, was romulanische Messinstrumente über einen Antosianer auszusagen vermochten.<br>Keine Minute hatte sie den Besucher aus den Augen gelassen. Doch er hatte nicht reagiert. Er döste weiter in seinem Koma dahin. Seinem Schwebezustand zwischen Leben und Tod.<br>Dann verließ Ke’ler die Krankenstation. Ein Gespräch mit dem Kommandanten des Schiffes erwartete sie.<br>Nur eine Minute später stand sie in dessen Quartier. Subcommander Telk, ein alter, erfahrener Kriegsveteran, der während der Besatzung Bajors ein Bein verloren hatte, stand an dem großen Fenster seines Quartiers und beobachtete die vorbeiziehenden Sterne.<br>„Subcommander Ke’ler, ich bin Ihrer Aufforderung nachgegangen.“<br>Gespannt wartete sie auf das Ergebnis. Vor nicht einmal einen halben Stunden hatte sie einem der Offiziere das Gesicht des Menschen – Mallon – beschrieben, den sie im Lager gesehen hatte.<br>„Es gibt keine Übereinstimmung in den Datenbanken des Föderationskorps auf Talar.“<br>Verwundert blickte sie zu dem Subcommander.<br>„Augenscheinlich, haben Sie den zweiten Unbekannten auf Talar entdeckt.“<br>„Ich nehme mal an, dass alle anderen aus seiner Einheit dasselbe Schicksal teilen. Wir haben es also mit einem kleinen Heer an Unbekannten auf einem total überwachten Planeten zu tun“, folgerte sie.<br>„Wie weit sind Sie bei den Nachforschungen ihrer Mission?“<br>„Was hat die Mission mit den Unbekannten Föderationsbürgern zu tun?“<br>„Das weiß ich nicht. Schließlich haben Sie nicht daran gedacht, die Missionslogbücher zu evakuieren. Die Anstrengungen der letzten Wochen sind umsonst gewesen.“<br>„Hat Commander Men’tesz diese nicht synchronisiert?“<br>„Er hatte die Synchronisation vorbereitet, jedoch noch nicht gestartet. Er sagte, er warte noch auf einen Abschlussbericht von Ihnen...“<br>Peinlich erinnerte sie sich an den aufgeschobenen Bericht. Sie hatte angenommen, Men’tesz würde ihn später nachschicken. Telk drehte sich herum und blickte mit seinen stahlblau funkelnden Augen direkt zu Ke’ler.<br>„Ich habe ein Kommunique erhalten... es soll Anklage gegen Sie erhoben werden.“<br>„Bitte... ich war weder in die Einzelheiten der Mission eingeweiht noch in die Verfahrensweise.“<br>„Dies wird das Tribunal klären.“ Sagte er mit der tödlichen Gewissheit eines Schuldspruchs.<br>Ke’ler versetzte der Tonfall dieser Worte einen Schauer. Nichtsdestotrotz wollte sie jetzt auf keinen Fall nachgeben. „Subcommander, mein Augenmerk lag während der letzten Stunden auf den rätselhaften Ereignissen um diesen Antosianer. Nicht bei dieser Mission, die auf Talar im Schnee verlief. Und Commander Men’tesz hat mich dabei ausdrücklich unterstützt.“<br>„Einige unangemeldete Föderationsbürger auf dem Talar sind nicht unser Problem. Die romulanische Regierung hat Ihnen im Namen des Tal Shiar einen Auftrag erteilt. Diesen haben Sie nicht zur Zufriedenheit erfüllt.“ <br>„Und wenn der Antosianer etwas damit zu tun hat?“<br>Telk sprang mit seinem künstlichen Fuß, der metallischen auf dem Boden klackte, zu ihr und baute sich nur wenige Zentimeter vor ihrer Nase auf. Sie fühlte seine Aura wie ein nahe brennendes Feuer. „Die Mission steht über allem“, wiegelte er ab. „Nicht ihre persönlichen Verlangen nach einem Rätsel als Zeitvertreib. Sie haben das Imperium grob fahrlässig gefährdet! Denken Sie daran, wenn die Nachricht von den ersten Toten hereinkommt. Denn diese gehen auf Ihr Konto.“ <br>Ke’ler schluckte schwer. Sie vermochte er nicht, das eben gehörte in den Gesamtzusammenhang zu bringen. Wie sollte man auch ein Puzzle lösen, wenn man das Bild nicht kannte? Ihr wurde bewusst, dass sie eigentlich dafür ausgebildet worden war. Das Bild vor den Einzelteilen zu erkennen. Vielleicht hatte sie wirklich versagt.<br>„Sie können wegtreten Subcommander“, wies Telk an und blickte ihr tief in die Augen. Erst als sie sein Quartier verschüchtert verlassen hatte, wandte er sich wieder dem beruhigenden Anblick der Sterne zu.<br><br>Ruhelos war James durch den Bunker gewandert, nur um zu bemerken, wie klein doch dieser Ort war. Auf dem Weg durch die schmalen Gänge waren ihm Mitglieder seiner Gruppe begegnet und Völker der Allianz: hauptsächlich Klingonen und Cardassianer, die ihn mit einer Mischung aus Abscheu und Geringschätzung betrachtet hatten. Daran musste sich wohl der charismatische Anführer gewöhnen. Menschen waren in diesem Universum Lebewesen zweiter, ja sogar dritter Klasse. Sollte dies also ihre Heimat für den Rest ihres Lebens werden? <br>Es war sein erster Aufenthalt im Spiegeluniversum. Bisher war immer Kira Nerys diejenige gewesen, welche ihn in seinem lunaren Anwesen besucht hatte. Die Idee eines Unterschlupfes hier war ihre Idee gewesen, für den Fall eines Scheiterns ihrer Mission. Ehrlich gesagt hatte James niemals erwartet, dass die Mission schief gehen würde. Doch was hatte er eigentlich erwartet? Dass man nach dem Ende der Regierung ihn als Heilsbringer und Retter willkommen heißen würde? Möglicherweise war das Volk noch gar nicht bereit für diese Entwicklungen. Sie alle waren so abhängig von dem System, an das sie sich gewöhnt hatten, dass sie alles taten, um es zu schützen. Danny war ein gutes Beispiel für einen solchen Menschen. Leider war er so verblendet, er konnte die Wahrheit über die Föderation gar nicht sehen.<br>James erreichte die Unterkunft seiner Tochter, die auf ihrem Bett saß und ins Leere blickte. Dennoch lächelte sie, als sie ihren Vater erblickte.<br>„Hi,“ sagte James und setzte sich neben sie auf das Bett. Er umarmte seine Tochter noch einmal und bewunderte abermals, was für eine fabelhafte Frau sie doch geworden war.<br>„Wie geht es Danny?“ fragte Janine mit besorgter Stimme.<br>„Er schläft. Auch einen Agenten kann mal die Müdigkeit übermannen,“ erklärte James. In der Tat war der Lieutenant eingeschlafen, auch wenn seine Schlafposition alles andere als gemütlich sein musste. Immerhin saß er noch gefesselt auf dem Stuhl. „Ich kann es immer noch nicht glauben.“<br>„Was meinst du?“ fragte seine Tochter nach.<br>„Dass er ein Verräter ist. All die Wochen und Monate habe ich ihm vertraut, ihn zu einem Teil unserer Familie gemacht. Du hast dich in ihn verliebt und wirst ein Kind von ihm kriegen. Alles war nur gespielt.“<br>„Nein, nicht alles,“ widersprach ihm Janine und rieb sich über den Bauch, so als könne sie schon ihr junges Kind spüren. „Er liebt mich.“<br>„Wie kannst du dir sicher sein angesichts seines Verrats?“<br>„Ich spüre es einfach,“ erklärte Janine und lächelte schwach.<br>Zwar seufzte James, doch er glaubte seiner Tochter. Bisher hatte sie immer eine gute Menschenkenntnis besessen, eine viel bessere als er selbst. <br>„Wird es ein Mädchen oder ein Junge?“<br>„Ein Junge,“ meinte Janine lächelnd und beide schwiegen für einen Moment.<br>„Ich möchte mich bei dir entschuldigen,“ gestand ihr Vater schließlich.<br>„Für was?“<br>„Für die Intendantin.“<br>Schlagartig veränderte sich die Gesprächsatmosphäre. Die kurze Fröhlichkeit, die eben noch geherrscht hatte, war verschwunden.<br>„Du kannst dich nicht für etwas entschuldigen,“ fand die junge Frau, „was du nicht getan hast.“<br>„Doch, dies kann ich sehr wohl. Es war meine Idee hierher zu flüchten und es war ganz allein meine Entscheidung, mit dieser Frau zusammenzuarbeiten, obwohl sie von Anfang an einen suspekten Eindruck machte.“<br>Diese Worte hörte Janine zum ersten Mal und es überraschte sie. Obwohl sie und ihr Vater keine Geheimnisse voreinander hatten und gemeinsam die Föderale Befreiungsarmee führten, hatte er ihr dies nie gestanden. <br>„Ehrlich?“<br>„Ja…als sie mich aufsuchte und meinte, sie könne uns bei unserem Ziel unterstützen, da habe ich ihr Angebot begeistert angeboten. Ohne ihre Hilfe, dies weißt du genauso gut wie ich, hätten wir niemals so viel erreichen können. Nun jedoch frage ich mich, ob es die richtige Entscheidung gewesen ist. Es liegt wohl an diesem Ort, dass ich so denke.“<br>Janine war baff angesichts dieser offenen Worte. Schon länger hatte sie diese Gedanken gehabt, sich jedoch nie getraut diese auszusprechen. Jetzt zu hören, dass sich ihr Vater mit denselben Dingen beschäftigte, verblüffte sie.<br>„Dad…sie macht mir Angst,“ gestand Janine, „und so empfinde ich nicht nur erst seit heute. Sie hat etwas Unheimliches. Schau dir die Welt an, in der sie lebt und in der wir uns nun verstecken. Es ist ein Universum der Gewalt, in dem Menschen keine Zukunft und keine Hoffnung haben.“<br>Die Tochter stockte, betrachtete ihren Vater intensiv und versuchte eine Reaktion in seinem Gesicht zu erkennen. Sie versuchte zu erkennen, ob sie den Satz sagen sollte, der ihr schon seit einigen Stunden durch den Kopf ging. James wirkte nachdenklich und auf eine gewisse Art und Weise aufgeschlossen. Janine beschloss es zu wagen:<br>„Ich denke, wir dürfen hier nicht bleiben!“<br>Überrascht runzelte James die Stirn.<br>„Wie meinst du das?“<br>„Die Intendantin Kira scheint auf den ersten Blick dieselben Ziele zu verfolgen wie wir. Aber ich habe das Gefühl…als benutzt sie uns nur.“<br>Endlich waren ihre Gedanken ausgesprochen worden. Es war so, als wäre eine tonnenschwere Last von Janine gefallen. Ihr Vater schien nicht gerade abweisend auf ihre Aussage zu reagieren. Vielmehr war es so, dass er sich in den letzten Stunden die gleiche Frage gestellt hatte. Nach dem Scheitern der Virusverbreitung war einiges nicht so verlaufen, wie sie es ursprünglich geplant hatten und das Spiegeluniversum wirkte nicht mehr wie der sichere Hafen, der er eigentlich hatte sein sollen. <br>„Danke dir für deine offenen Worte,“ gestand James und erhob sich von dem Bett. „Ich werde darüber nachdenken. Was du jetzt tun solltest, ist dich etwas auszuruhen. Es war ein langer Tag und er ist noch nicht zu Ende.“<br>„Wie meinst du das?“ fragte die schwangere Frau überrascht.<br>„Ich habe vor den Alternativplan in Kraft zu setzen.“<br>„Wie bitte?“ fragte Janine überrascht und erhob sich von ihrem Bett. „Hattest du nicht mal gesagt, dass du ihn verworfen hättest, weil sein Effekt nur minimal wäre?“<br>„Dem ist in der Tat so. Jedoch wird diese Tat ein deutliches Signal dafür sein, dass wir immer noch existieren und man mit uns rechnen muss.“<br>„Ich verstehe.“<br>„Die Verwirklichung wird ohnehin einige Stunden dauern. Zwar kann ich unsere Kontaktperson informieren, doch diese muss die Information erst über Mittelsmänner weiter tragen, bis die Aktion durchgeführt werden kann. Zeit genug, damit du dich etwas erholen kannst.“<br>James strich ihr noch einmal durch die Haare und verließ dann ihr Zimmer, welches genauso karg war wie alle anderen Orte in diesem Bunker. Dabei hoffte er instinktiv, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte, als er sich mit der Intendantin eingelassen hatte. <br><br>Nachdem die Krise in Emden so gut wie beigelegt worden war, kehrte im Präsidialamt der Föderation wieder so etwas wie Alltag ein. Die Epidemie war besiegt worden, man versuchte wieder Herr über das Chaos zu werden und im Büro des Präsidenten trudelten immer mehr Berichte ein. Das Staatsoberhaupt war glücklich über den Ausgang der Ereignisse. Auch wenn er es nicht für möglich gehalten hatte, sie hatten tatsächlich die Ausbreitung des Virus verhindern können. Diesen Erfolg hatten sie nicht zuletzt Captain John Lewinski zu verdanken, dem Mann, den er vor wenigen Stunden am liebsten noch in Handschellen abgeführt hätte. Nun war dieser Mann, und mit ihm die gesamte Besatzung der Monitor, ein Held. Zu einem späteren Zeitpunkt musste darüber nachgedacht werden, wie man diese Helden ehren konnte. Insbesondere diejenigen, die bei dieser Mission ihr Leben lassen mussten. <br>Aus den Augenwinkeln bemerkte der Präsident, wie sein Justizminister auf ihn zutrat.<br>„Was gibt es, Edward?“ <br>„Sir, wir müssen über eine kleine Formalität sprechen,“ erklärte Jellico und schien fast schon etwas herumzudrucksen. „Es geht um den Status der Stadt Emden.“<br>„Welchen Status denn?“<br>Der Präsident schien nicht zu erahnen, worauf sein Minister hinaus wollte. <br>„Wollen Sie das Kriegsrecht über die Stadt verhängen?“<br>Angesichts dieser Frage fiel das Staatsoberhaupt aus allen Wolken. Auch Commander Kranick stellte ihre Arbeit ein und widmete stattdessen ihre ganze Aufmerksamkeit dem Gespräch.<br>„Wieso sollte ich dies tun, Edward?“<br>„Gegenwärtig operieren noch Einheiten der Sternenflotte in der Stadt. Gemeinsam mit der Polizei sorgen sie für Recht und Ordnung.“<br>Noch verstand der Präsident nicht.<br>„Und was ist daran verkehrt?“ fragte er.<br>„Beim Kampf gegen die Infizierten konnten wir uns darauf berufen, dass die Sternenflotte einen von außen eingebrachten Feind bekämpft und die Polizei mit Mitteln unterstützt, die ihr nicht zur Verfügungen stehen. Nun jedoch, wo die Epidemie eingedämmt ist, kann die Sternenflotte nicht wirken, ohne dass sie das Kriegsrecht verhängt haben.“<br>„Ohne dieses kann das Militär nicht im Inneren eingesetzt werden,“ kombinierte der Präsident und verstand nun. Er war so müde, dass er über diese innenpolitische Angelegenheit gar nicht nachgedacht hatte. „Nun gut, ziehen Sie die Sternenflotte ab.“<br>Diese Antwort schien Edward Jellico ganz und gar nicht zu gefallen.<br>„Wie bitte?“ fragte der Justizminister und konnte seinen Ohren nicht trauen.<br>„Sie haben mich schon richtig gehört. Ich sehe keinen Grund mehr, wieso die Sternenflotte noch vor Ort sein sollte. Von nun an kann gänzlich die Polizei übernehmen.“<br>„Der Polizei fehlt jedoch ganz einfach die Anzahl an Männern, um der Situation Herr zu werden. Noch immer werden Plünderungen innerhalb des Stadtteils befürchtet!“<br>„Ich bin felsenfest überzeugt, dass die lokalen Behörden die Sache in den Griff kriegen werden. Einer meiner Vorgänger, Jaresh-Inyo, hat schon einmal das Kriegsrecht verhängt und damit einen katastrophalen Fehler begangen. In meinen Augen setzt eine Demokratie keine Streitkräfte im Inneren ein. Unsere Gesetze sind da eindeutig.“<br>„Diese Gesetze wurden nicht für solche Zeiten geschrieben,“ entgegnete Jellico, der scheinbar nicht klein beigeben wollte. „Schon gar nicht für solche Katastrophen.<br>„Ihnen scheint dieses Thema fast schon eine Herzensangelegenheit zu sein, Minister,“ schlussfolgerte der Präsident argwöhnisch und wollte die Diskussion beenden. „Ich habe mich jedoch entschieden. Wenn wir die Sternenflotte einmal für diese Zwecke eingesetzt haben, so öffnen wir jeder weiteren Verwendung Tür und Tor. Ich möchte dies nicht und sehe auch keine Vereinbarkeit mit den Gesetzen. Commander Kranick, die Sternenflotte zieht sich zurück!“<br>„Jawohl, Mr. President,“ erklärte die Frau und machte sich sofort daran, entsprechende Befehle in die Wege zu leiten. Noch einige Zeit lang schien Jellico über eine Antwort nachdenken zu wollen, gab es jedoch schließlich auf. Diese Runde hatte er verloren. <br><br>Immer noch saß Matt Price wie betäubt auf dem Boden seines Quartiers und weinte bittere Tränen. Sein Kommunikationsterminal piepte und das Computersystem identifizierte den Anrufer als Arsani Parul. Doch der erste Offizier des Schiffes hatte kein Interesse daran mit seinem Vater zu reden. Seine Gefühle in Bezug auf ihn hatten sich nicht verändert, im Gegenteil, sein Groll war sogar noch stärker geworden. <br>Wie hatte sich alles nur so entwickeln können? Nur zu deutlich war noch die Erinnerung daran, als Matt die Wahrheit über Arsani Parul erfuhr:<br><i>Mit Überlichtgeschwindigkeit flog die Monitor in Richtung Starbase 67. Dort hatte das Schiff, welches unter dem Kommando des Sternenflottengeheimdienstes stand, den Auftrag ihren neuen Chefingenieur an Bord zu holen. Noch immer war deutlich der Verlust von Jozarnay Woil zu spüren. Müde und genervt von seiner Schicht stolperte Commander Price in sein Quartier und warf sich sogleich auf sein Bett. Ihm ging es nur noch um ein schnelles Einschlafen, damit dieser blöde Tag so schnell wie möglich vorbei war. Leider wurde ihm nicht diese Bitte gestattet, denn sein Komterminal meldete sich. Anscheinend wollte ihn jemand anrufen. Gequält erhob sich der erste Offizier und nahm das Gespräch entgegen. <br>Es wäre eine Untertreibung gewesen zu sagen, dass die Identität des Anrufers ihn überraschte.<br>„Botschafter Parul,“ begrüßte Matt den Sondergesandten der Föderation auf der anderen Seite der Leitung, „sie hätte ich ganz sicher nicht zu dieser Zeit erwartet!“<br>„Ich hoffe ich störe sie nicht gerade,“ entschuldigte sich der Betazoid und ihm schien es in der Tat Leid zu tun.<br>„Nein, dies ist kein Problem,“ beschwichtigte Price ihn, „ich habe nur gerade Dienstschluss und wollte mich etwas hinlegen. Aber sagen sie, Botschafter Parul, wie komme ich zu der Ehre ihres Anrufes?“<br>„Nun ja, ich wollte mich eigentlich nur einmal erkundigen, wie es ihnen so geht.“<br>„Meinen sie mit Ihnen die Crew oder mich speziell.“<br>„Wenn ich ehrlich bin geht es mir dabei um sie,“ gab der Botschafter mit zwei Doktorgraden zu.<br>„Ich bin soweit ganz zufrieden mit mir und meinem Leben, danke,“ antwortete Matt und wunderte sich über diese Frage. „Arsani, sie sehen so aus als bedrücke sie irgendetwas. Können wir ihnen vielleicht helfen?“<br>„Sie sind ein besserer Menschenkenner, als sie vielleicht zugeben möchten,“ lobte Parul ihn und blickte mit traurigen Augen in die Kamera. „Da wäre tatsächlich eine Sache. Es gibt da etwas, was ich ihnen schon länger sagen wollte, jedoch bin ich nie dazu gekommen. Es handelt sich dabei auch um eine recht schwierige Angelegenheit.“<br>„Ein Grund mehr sie auf den Tisch zu bringen,“ wie der erste Offizier fand. Er hatte zwar immer noch keine Ahnung worum es ging, doch helfen wollte er dem Gesandten alle Mal.<br>„Leider bin ich absolut ratlos darüber, wie man solche Dinge sagt. Dies mag wohl daran liegen, dass es für eine solche Situation kaum brauchbare Präzedenzfälle gibt, die man als Vorbild zu Rate ziehen könnte.“<br>Langsam konnte Price dem Betazoiden deutlich ansehen, dass er herumdruckste. Er redete um den heißen Brei herum, wie es ein Sprichwort der Menschen so schön ausdrückte; dies konnte er auch ohne seine empathischen Fähigkeiten bemerken.<br>„Ich denke ich werde es frei heraus sagen,“ beschloss Arsani Parul schließlich.<br>„Dies wäre am besten.“<br>„Ich bin dein Vater, Matt.“<br>Im ersten Moment dachte der erste Offizier er hätte sich verhört. Dann begann es in seinen Ohren zu klingeln und sein Blutdruck stieg an. Bei jeder anderen Person, die dies gesagt hätte, hätte Matt es als lächerlichen Scherz abgetan, doch aus irgendeinem Grund wirkte es bei Parul absolut glaubwürdig. Erst nach und nach wurde sich Commander Price der bitteren Konsequenzen bewusst, die diese ungeahnte Offenlegung mit sich brachte. Der Vater, den er nie kennengelernt hatte und der seine Mutter in Armut verlassen hatte; die Person, die er für all seine früheren Probleme verantwortlich gemacht und die er gehasst hatte, war nun aufgetaucht. Viel schlimmer noch, es handelte sich um eine Person, die er überaus respektierte.<br>„Ich kann mir gut vorstellen, was du nun durchmachen musst,“ gab der Botschafter kleinlaut zu und schien sich nicht mehr zu trauen seinem verlorenen Sohn in die Augen zu sehen.<br>„Wie lange... weißt du das schon?“ presste Matt mühsam hervor, ohne die geringsten Zweifel, dass die Aussage wahr war.<br>„Schon sehr lange.“<br>„Wie lange?“<br>„Jahre.“<br>„Was?“ rief Matt wütend und entsetzt auf. „Du weißt es schon so lange und hast nie den Versuch gemacht mit mir Kontakt aufzunehmen? Und auf einmal laufen wir uns zufällig über den Weg und du eröffnest mir die schockierende Wahrheit??“<br>„Es war kein Zufall,“ gab Parul ebenfalls ehrlich zu und fühlte sich ganz besonders mies. Bisher war seine Karriere immer ein leuchtendes Vorbild für die Jungpolitiker der Föderation gewesen. Nun würde seine weiße Weste einen ersten Makel aufweisen. „Als ich die Monitor damals nach Terellia verlangt hatte tat ich dies natürlich, weil ich wusste ihr seid die Besten auf eurem Gebiet. Und woher wusste ich dies? Weil ich euren Werdegang verfolgt habe, weil ich die Entwicklung MEINES SOHNES verfolgt habe.“<br>Statt eine Antwort von sich zu geben schwieg Matt nur und fühlte auf einmal eine große Schwere auf ihm lasten. So viele Jahre und nun kannte er also seinen Vater...<br>„Ich möchte mit dir über alles reden, jedoch persönlich. Bitte besuche mich und meine... unsere Familie auf Betazed. Dort können wir uns besser kennenlernen... als Vater und Sohn.“<br>Ohne auf eine Antwort zu warten beendete Arsani Parul die Verbindung und ließ Matt mit seiner neuen Erkenntnis allein. Dieser war innerlich aufgewühlt, erschüttert. Sein Weltbild war soeben ins Wanken geraten und er wusste beim besten Willen nicht, ob er die Einladung annehmen sollte.</i><br>Am seltsamsten war jedoch das Gefühl des Glücks gewesen, welches der Halbbetazoid nur kurze Zeit später empfunden hatte. All die Jahre hatte er sich gefragt, wie er wohl auf seinen Vater reagieren würde, wenn er ihn endlich kennen gelernt hätte, doch niemals hatte er dabei an Freude gedacht. Ja, er war glücklich gewesen diesen Mann endlich kennen zu lernen. Nicht einmal der Umstand, dass Captain Lewinski einige Zeit vorher, dank eines Aktenstudiums, von der wahren Identität Paruls erfahren hatte, hatte Price´ Stimmung getrübt. Für ihn zählte nur noch, dass er endlich einen Vater hatte, wie alle anderen Kinder auch. Nun jedoch war ihre Beziehung zerbrochen.<br><br>Mit ordentlich Dampf betrat Jellico sein Büro. Das PADD in seiner Hand schleuderte er vor lauter Wut in die nächste Ecke. Er verstand den Präsidenten beim besten Willen nicht. Im einen Moment wollte er Lewinski verhaften lassen, im nächsten ihm glatt einen Freibrief für alle möglichen waghalsigen Operationen geben.<br>Verfiel der Präsident etwa einer Paranoia? Verfiel er dem pragmatischen Lewinski mit Haut und Haar? Oder hatte der Präsident gar etwas von seiner kleinen Romanze mit dessen Frau erfahren?<br>Edward Jellico hasste es mehr Fragen im Kopf zu haben, als Antworten.<br>Und im Moment dominierten deutlich die Fragen.<br>Mit einem ernsten Blick und einigen Falten auf der Stern blickte Jellico aus dem Fenster. Er wurde mit einem prachtvollen Blick über Paris und die Champs-Élysées. Einige kleine Wolken bedeckten den Himmel. Doch sie waren weder störend noch regenbringend. Sie umrahmten die hellstrahlende Sonne an diesem herrlichen Tag.<br>Zumindest die Meteorologen dürften zufrieden sein.<br>Sein Komterminal zirpte. Ein eindeutiger Hinweis auf ein ankommendes Gespräch. Nichts ungewöhnliches, wenn man sich im Büro eines der Minister der Vereinten Föderation der Planeten befand. Ungewöhnlich war jedoch, dass das Gespräch nicht von einem Hinweis seiner Vorzimmerdame durchgestellt worden war und, dass sich kein Adressat auf dem Terminal zu erkennen gab.<br>Jellico warf einen schnellen, abschätzenden Blick auf den Bildschirm. Ein Adressat war nicht nötig. Er kannte die angezeigte Frequenz nur zu gut. Schließlich hatte er sie mitentwickelt, in die Transponder der Föderation integriert und dann dort beinahe bis zur Unauffindbarkeit vergraben.<br>„Kanal öffnen“, wies er den Computer mündlich an. Dieser gehorchte folgsam und stellte die Verbindung her. Mallon erschien auf dem Schirm. Einige Verwirrung war im Hintergrund zu vernehmen. Er selbst sah dementsprechend aus. Einige Schürfwunden zierten sein Gesicht. Ein großes Pflaster bedeckte eine seiner Schläfen.<br>„Berichten Sie“, wies Jellico gleichgültig an. Um ehrlich zu sein, wollte er die Worte gar nicht hören. Er kannte sie schon. Sie hatten viel zu lange gebraucht. Es musste schief gegangen sein.<br>Mallon wirkte verwirrt. „Sir, ich muss Ihnen leider berichten, dass die Mission fehlgeschlagen ist.“<br>Der Justizminister biss sich auf die Unterlippe. Er schloss seine Augen und genoss die wenigen Sonnenstrahlen, die durch die getönten Scheiben fielen.<br>Wir haben versuchte das Lager der Romulaner einzunehmen. Beinahe wäre es uns gelungen Woil zu holen, doch die Romis flohen. Ein Schiff von ihnen war getarnt im Orbit, hat sie zu sich gebeamt und danach getarnt das System verlassen.“<br>„Was ist mit Burbank?“<br>„Er kam bei dem Einsatz um Sir“, lautete die bewusst nüchterne Antworte Mallons.<br>Darauf folgte ein langes Schweigen. Jellico massierte sich selbst mit einer Hand seine linke Schulter.<br>„Sir, wie lauten Ihre weiteren Anweisungen?“<br>„Kehren Sie in die Einrichtung zurück“, kam es wie aus der Pistole geschossen. „Und bereiten Sie eine komplette Evakuierung vor. Wenn die Romulaner Woil haben, müssen wir uns darauf vorbereiten so schnell wie möglich von Talar zu verschwinden. Wir müssen so schnell wie möglich den Eindruck erwecken nie da gewesen zu sein. Ich werde unsere Kontaktmänner und –frauen auf Schiffen nahe der Grenze kontaktieren. Zudem werd ich mal sehn, ob Roger noch immer pünktlich seinen Tee zu sich nimmt.“ Damit meinte er Commodore Roger Mannox, hochrangiges Mitglied des Geheimdienstes und Berater des Krisenstabs des Präsidenten, zudem Squashpartner Jellicos auf der Akademie und treuer Wegbegleiter der Sektion. Wie spät ist er gerade in London?<br>Mallon nahm die Anweisungen stumm und nickend zur Kenntnis.<br>Er wusste, er hatte den Karren in den Dreck gefahren. Nun, eigentlich nicht er, sondern Burbank. Doch da die Nummer eins tot ist, war er nun an der Reihe. Zudem würde es nicht einfach werden, ein adäquates Versteck auf einem anderen Planeten zu finden, der ebenso perfekt war, wie Talar. Also begnügte er sich mit einem einfachen: „Verstanden Sir.“<br>Jellico erwiderte nichts. Er gab dem Computer den Befehl, die Verbindung zu schließen. Daraufhin begann eine Subroutine automatisch das Gespräch aus den Aufzeichnungen zu löschen.<br>Edward wünschte sich, dass dies auch so einfach bei ihm funktionieren würde. Er erinnert sich an eine Begebenheit auf der Monitor vor einem Jahr. Nur knapp war er bei einem Attentat mit dem Leben davon gekommen. Daraufhin hatte jedoch sein Gedächtnis eine Weile gelitten.<br>Schnell verdrängte er diese Erinnerung. Ihm war bewusst, dass diese Erinnerung ihn prägte. Nein, ein Verdrängen, ein Vergessen durfte bei ihm nicht Einsetzen. Schließlich hing daran das gesamte Vermächtnis seiner Familie.<br><br>Fähnrich Kensington, immer noch auf dem Mond in Talleys gewaltigem Anwesen, hatte eine Kommunikationsverbindung zu ihrem Schiff hergestellt. Auf dem Bildschirm war das Gesicht von John Lewinski erschienen, welcher vor kurzem aus Paris zurückgekehrt war und selbst einige Nachforschungen anstellte. Wie jeder andere an Bord machte sich auch der Captain Sorgen um Danny Bird, der nicht nur ein guter Offizier und Untergebener war, sondern auch ein Freund. Ein Freund, den keiner im Stich lassen wollte. <br>„Was gibt es, Fähnrich Kensington?“ fragte Lewinski und sein Tonfall ließ kein Zweifel daran, dass er derzeit alle Hände voll zu tun hatte. Verschiedene Spuren wurden von der Crew der Monitor verfolgt, ohne dass man jedoch eine konkrete Spur hatte finden können. <br>Daher war John für jeden noch so kleinen Hinweis dankbar. <br>„Ich könnte etwas gefunden haben,“ erklärte Samira Kensington, „jedoch wird es sich in ihren Augen seltsam anhören.“<br>„Wie meinen sie seltsam?“<br>„Damit meine ich, dass ich dem vom Computer ermittelten Ergebnis selbst nicht so ganz traue,“ gab der Fähnrich zu und wartete auf eine Reaktion ihres Kommandanten.<br>Diese bestand in einem überraschten und frustrierten Stirnrunzeln.<br>„Jeder noch so kleine Hinweis könnte hilfreich sein,“ raunte John und rieb sich die müden Augen.<br>Auch Samira Kensington wurde angesichts dieser Geste bewusst, wie erschöpft sie eigentlich war. Es war für jeden von ihnen ein langer Tag gewesen und derzeit sah es nicht so aus, als könnte er bald zu Ende sein.<br>„Im Anwesen der Talleys habe ich nichts gefunden,“ erklärte die derzeitige Sicherheitschefin mit ruhiger Stimme. „Zwar gibt es DNA-Spuren, aber keine, die uns weiterhelfen könnten. Es scheint so, als wären alle vom Erdboden verschluckt worden. Aus diesem Grund lag es nahe den Transporter zu überprüfen.“<br>„Haben dies nicht schon ihre Vorgänger, inklusive die lunare Polizei und die SFCID, getan?“ fragte Lewinski nach.<br>Die Zeit drängte und man konnte sie nicht mit sinnlosen Doppeluntersuchungen, die nur eine Verschwendung von Ressourcen darstellten, verschwenden. Aus diesem Grund wirkte seine Stimme wohl gereizter, als er ursprünglich beabsichtigt hatte. Der Schlafmangel, verbunden mit dem Hunger, nagte an ihnen allen. <br>„Das haben sie, Captain,“ gab Kensington zähneknirschend zu und fragte sich für einen Moment, ob sie nicht einen Irrtum begangen hatte. Nun war es jedoch eh zu spät; es galt die Vermutung zu äußern. „Jedoch scheinen die örtlichen Behörden nicht zu den gleichen Schlussfolgerungen wie ich gelangt zu sein. Was meiner Meinung nach an den begrenzten Informationen lag, die der Polizei zur Verfügung standen.“<br>Nun war Captain Lewinski wieder hellwach. Mit einer Handbewegung, die jedoch nur schlecht über die Kameras gesehen werden konnte, bedeutete er dem Fähnrich mit ihren Ausführungen fortzufahren.<br>„Zwar verzeichneten die Transporterlogbücher einen Transportvorgang, jedoch ohne Zielmaterialisation.“<br>„Anscheinend muss der Zielort gelöscht worden sein,“ entgegnete Lewinski mit kalter Stimme.<br>„Nein, Sir,“ widersprach Samira ihrem Vorgesetzten mit aller Entschiedenheit. „Sie scheinen mich missverstanden zu haben. Der Zielort ist nicht gelöscht worden, weil dies gar nicht möglich war… es gab ihn nämlich nicht.“<br>„Wie bitte?“<br>Lewinski wurde nun hellhörig.<br>„Man kann zwar den Ort der Rematerialisation löschen, dennoch wird vom Transporter vermerkt, ob der Beamvorgang geglückt ist. In diesem Fall gab es jedoch keinen. Zudem haben wir Spuren von menschlicher DNA gefunden, die definitiv gebeamt wurden.“<br>„Aber wohin?“<br>„Ich habe den Vorgang durch den Computer vergleichen lassen,“ erklärte Fähnrich Kensington, „in der Hoffnung auf Präzedenzfälle oder Referenzpunkte. Diese gab es tatsächlich: immer dann, wenn ins Spiegeluniversum gebeamt wurde!“<br>Captain Lewinskis Gesicht erstarrte. Selbst über den Kombildschirm war ihm deutlich die Überraschung anzusehen.<br>„Meinen sie das ernst?“<br>„Ja, ich habe das Ergebnis zweimal gegenprüfen lassen. Der Computer kommt immer wieder zum selben Ergebnis. Es ist in meinen Augen zudem die einzig sinnvolle Erklärung.“<br>Verstehend nickte John. Deswegen konnte die Polizei nicht diese Schlussfolgerungen ziehen. Alles, was mit den Spiegeluniversum zu tun hatte, war von der Sternenflotte zur Verschlusssache erklärt worden und unterlag dem Geheimdienst. <br>Das Spiegeluniversum.<br>John hatte inständig gehofft, diesen Begriff nie wieder hören zu müssen. Eine Enttäuschung, die scheinbar enttäuscht werden musste. <br>„Sie stimmen der Analyse also zu fragte?“ der Captain sicherheitshalber noch einmal nach.<br>„Mir fiel es zwar schwer es zu glauben, aber auch für mich gibt es keinen Zweifel.“<br>Abermals nickte John.<br>„Gute Arbeit, Fähnrich. Zumindest haben wir nun einen Anhalt.“<br>Trotz ihrer Erschöpfung lächelte Kensington angesichts des Lobs.<br>„Vielen Dank, Sir. Aber was sollen wir nun tun?“<br>„Ganz einfach: es gibt nur einen Ort, wo ich ihr Ergebnis verifizieren kann,“ erklärte John Lewinski und machte sich sogleich auf den Weg zum Oberkommando. <br><br>Im Orbit des Mondes, welcher sich im Spiegeluniversum befand, ging eine gewaltige Flotte unter Warp. Es handelte sich um eine klingonische Armada, bestehend aus zwölf Schiffen, die den weiten Weg von Qo´nos bis hierher angetreten hatte. Auf dem mächtigsten Schiff der Flotte, einem schweren Kreuzer der Negh´var-Klasse, befand sich der klingonische Regent Worf und betrachtete von der Brücke aus die Erde. Sie war schon lange nicht mehr der strahlend blaue Planet, der er in den alten Aufzeichnungen mal gewesen war. Auch Worf selbst hatte diese Zeit niemals miterlebt. Ihm war nur diese braun-lilane Schlackewelt bekannt, die durch das Bombardement der Allianz entstanden war. Mit einer Mischung aus Stolz und Ehrfurcht betrachtete er die ehemalige Heimatwelt der Menschen. Obwohl niemand der sich an Bord befindlichen Klingonen geboren war, als das Terranische Empire mit eiserner Hand geherrscht hatte, empfanden sie nichts anderes als Hass für die Menschheit. Der Regent hatte sie dafür, was sie seinem Volk angetan hatten. In seinen Augen hatten die Menschen und alle anderen Völker, die mit ihnen kollaboriert hatten, ihr furchtbares Schicksal mehr als verdient. <br>„Wir befinden uns in einer synchronen Umlaufbahn um Lunar,“ erklärte Captain Martok, der Kommandant des Schiffes. „Sie können sich nun hinunterbeamen, Regent.“<br>Statt eine Antwort von sich zu geben, nickte Worf nur mürrisch und begab sich, gemeinsam mit seiner Leibwache, zum Transporterraum. <br>Innerhalb weniger Sekunden befand sich der Regent in dem größten Raum des militärischen Bunkers, der jedoch genauso karg wie alle anderen Orte war. Auch hier existierte nur eine einzige Lichtquelle, die von der Decke hing, sowie ein großer Metalltisch, welcher in der Mitte des Raumes stand. Die einzige Annehmlichkeit bestand aus einem an der Wand stehenden Sofa und einem Ölgemälde. Sogleich nach der erfolgreichen Rematerialisation trat die Intendantin Kira mit einem Lächeln auf ihren Partner zu.<br>„Regent,“ begrüßte sie ihn lächelnd. „Was für eine unglaubliche Freude zu sehen, dass sie wohlbehalten angekommen sind.“<br>Angesichts dieser Worte schnaubte der Klingone verächtlich und warf sein Haar zurück.<br>„Sparen sie sich ihre salbenden und ohnehin nicht ernst gemeinten Worte,“ fauchte der klingonische Staatschef und blickte demonstrativ an der Bajoranerin vorbei. „Ich bin hier, um mich über die Fortschritte der Operation zu erkundigen.“<br>„Aber natürlich! Ich habe ihnen extra sogar etwas Blutwein bringen lassen, damit wir es uns auch gemütlich machen können,“ erklärte die Intendantin und klatschte in die Hände, woraufhin zwei bajoranische Soldaten ein riesiges Fass in den Aufenthaltsraum hineinbrachten. Der Regent musterte erst Kira, ging dann zu dem Fass und öffnete dessen Deckel. Erst schnupperte er an dem rötlichen Gebräu, so als fürchtete er, es sei vergiftet, dann tauchte er seinen Becher in den Blutwein und nahm einen großen Schluck.<br>Was er da trank, gefiel ihm!<br>„Ich muss ihnen gratulieren,“ erklärte der Regent und bedeutete seiner Leibwache, sich auch einen wohlverdienten Schluck zu genehmigen. „Mit diesem Tropfen haben sie eine exzellente Wahl getroffen. Ein ausgezeichneter Jahrgang.“<br>„Wie immer trügt sie ihr exzellenter Gaumen nicht,“ erwiderte Kira Nerys mit einem aufgesetzten Lächeln und setzte sich auf das Sofa. <br>Mit dem Becher Blutwein in der Hand wanderte Worf in dem Raum auf und ab, musterte das Inventar und blieb schließlich vor dem protzigen Ölgemälde stehen. Es war eine Zeichnung des Imperators Kirk in seiner Galauniform, welche mit nichtverdienten und viel zu prunkvollen Orden geschmückt war. James T. Kirk blickte mit überheblicher Miene den Betrachter an, so als könne er sich sicher sein, dass niemand je an seinem Thron und Ruhm rütteln könne. <br>„Wie sehr er sich doch getäuscht hatte,“ raunte Worf und nahm einen weiteren Schluck Blutwein.<br>„Was meinen sie?“ fragte die Intendantin und spielte gelangweilt mit ihren Haaren. <br>„Imperator Kirk hatte angenommen, dass er das Empire zu unvorstellbarer Größe führen würde,“ erklärte der Regent und blickte der Ölfigur direkt in die Augen. „Zum Zeitpunkt seiner Inthronisierung bestand das Imperium schon über 100 Jahre und schien stetig zu expandieren. Kirk wollte der unbestrittene Herrscher des Quadranten werden, doch mit seiner Politik läutete er das Ende seines Reiches ein.“<br>„Hochmut kommt nun einmal vor dem Fall!“<br>„Ein menschliches Sprichwort,“ grummelte der Regent. „Ich frage mich, wer mehr Schuld am terranischen Untergang trägt: Kirk mit seiner Politik der harten Hand oder Spock, der mit seinen Reformen das Empire so sehr schwächte, dass dadurch für die Allianz der Sieg erst möglich wurde?“<br>Überrascht wölbte Kira eine Augenbraue und erhob sich von ihrem Platz, stellte sich neben den klingonischen Regenten. Auch sie betrachtete nun das Gemälde Kirks und bewunderte die künstlerische Arbeit des Malers. Sicherlich hatte dieses Bild früher einmal als Meisterwerk gegolten. Nun jedoch stellte es nur noch eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten dar.<br>„Es ist in der Tat eine Ironie der Geschichte,“ stimmte die bajoranische Intendantin dem Klingonen zu. „Spock hatte in der Tat versucht die Schäden zu beheben, die das Empire verursacht hatte. Doch der Zorn der Völker war zu groß gewesen. Hätte er die Sternenflotte nicht so sehr abgerüstet, die Besatzungen so schnell beendet; die Allianz hätte niemals den Krieg gewonnen. Möglicherweise wäre heute dann noch Leben auf der Erde möglich.“<br>„Wer weiß?“ philosophierte Worf und trank den Becher Blutwein leer. Er hatte sein Interesse an dem Thema verloren. „Wie ist also die Operation auf der Parallelerde verlaufen?“<br>„Zwar hatte der Virus freigesetzt werden können, doch der Föderation ist eine Eindämmung gelungen.“<br>„Ich hatte ehrlich gesagt mit einem Erfolg gerechnet.“<br>Worf klang missmutig, aber seltsamerweise nicht aggressiv. Ehrlich gesagt hatte er niemals an einen Sieg geglaubt. Dennoch hatte er der Mission zugestimmt, weil sie in seinen Augen überaus interessant geklungen hatte.<br>„James Talley hat nun Phase Zwei eingeleitet, um zumindest einen Teilerfolg zu erreichen.“<br>„Ist Talley hier?“<br>„Das ist er,“ bestätigte die Intendantin und betrachtete die klingonische Leibwache, die sich noch etwas Blutwein genehmigte. „Soll ich ihn holen lassen?“<br>„Nein,“ erwiderte Worf gleichgültig.<br>„Sind sie sicher? Er ist ein faszinierender Mensch mit einigen interessanten Ideen…“<br>„Er ist ein Mensch. Mehr muss ich nicht über ihn wissen.“<br>Kurz schwiegen die beiden Herrscher und schienen über die gegenwärtige Situation nachzudenken. Dann warf Worf in einer staatsmännischen Geste seinen Umhang zur Seite und sagte:<br>„Mir war eben so, als hatte ich Ironie in ihrer Stimme gehört.“<br>Kira tat unschuldig und fragte:<br>„Was meinen sie?<br>„Als sie gesagt haben, er wäre ein faszinierender Mensch mit interessanten Ideen…“<br>„Ach so, das,“ entgegnete die Intendantin und klang wie ein kleines Kind, welches man beim Lügen erwischt hatte. „Ehrlich gesagt macht mir Talley in letzter Zeit etwas Sorgen.“<br>„Bezüglich?“<br>„Er scheint nicht mehr so überzeugt von unseren gemeinsamen Zielen und der Zusammenarbeit mit uns.“<br>Worf ließ sich diese Worte durch den Kopf gehen. <br>„Wird er zum Risiko?“<br>„Ich habe Zweifel an seiner Loyalität,“ erklärte Kira ehrlich.<br>„Dann sollten wir uns des Problems entledigen. Schnellstmöglich!“<br>Kira nickte wortlos und damit war die Sache beschlossen. In den letzten Monaten hatten sie James Talley Unmengen an Material und Geld zukommen lassen, damit er seinen Plan verwirklichen konnte. Nun, wo er gescheitert und hier in diesem Universum angekommen war, verhielt er sich seltsam. Ehrlich gesagt fand Kira, dass er seinen Nutzen verloren hatte. Wenn sie ehrlich zu sich selbst waren, so hatte James Talley immer nur ein Mittel zum Zweck dargestellt, mehr nicht. Zum erreichen ihres Ziels brauchten sie ihn nicht mehr: die Zerstörung der Föderation!<br><br>Er atmet. Doch Jozarnay Woil spürt keine Luft. Er spürt gar nichts. In einem anderen Leben, zu einer anderen Zeit, hätte ihn dies beunruhigt, doch dieses mal... dieses mal, genügt ihm einfach das Wissen, zu atmen.<br>Er öffnet die Augen. Er sieht... nichts. Nicht einmal die Dunkelheit gesellt sich zu ihm. Zu ihm und seiner Einsamkeit.<br><i>Wo bin ich?</i><br>„Dazwischen...“, lautet die schlichte Antwort einer unbekannten Stimme. Einer Stimme, wie er sie noch nie gehört hat. Schaurig schön. Bekannt und fremd zugleich.<br><i>Zwischen was?</i><br>„Dem was ist und dem was kommen wird...“<br>Woil spürt sein Herz schlagen.<br>Ein unglaubliches Gefühl. Dessen war er sich noch nie so bewusst, wie in diesem Moment.<br>Wo werde ich sein?<br>„Wo willst du sein?“<br><i>Kannst du mir das nicht sagen?</i><br>Stille.<br>„Nein, es hängt von dir ab. Nicht von mir.“<br>Woil beginnt zu weinen – leise.<br><i>Ich habe Angst.</i><br>„Du sollst eins wissen: Ich habe dich nie vergessen. Und du wirst nie vergessen sein – niemals.“<br>Ein helles Licht leuchtet auf. Erst schwach, aber es wird immer stärker. Zuerst ist es nur ein kleiner Punkt, rein und schön. Dann wird dieser Punkt immer größer.<br>„Du warst abgekommen von deinem Weg. Dämonen haben versucht, dich zu täuschen.“<br>Fasziniert beobachtet Woil das Licht. Und in ihm breitet sich ein Gefühl aus, dessen Existenz er schon beinahe vergessen hatte.<br>Hoffnung.<br>„Du warst, bist und wirst immer ein Teil von mir sein. Lass mich wieder auch ein Teil von dir sein.“<br>Wieder weint Woil. Doch dieses Mal vor Freude.<br><i>Ja, oh ja.</i><br><br>Das Treffen mit Arsani Paruls Familie war letztes Jahr in einer kleinen Katastrophe geendet. Es hatte nicht so sehr an Matt selbst gelegen, auch wenn er natürlich alles andere als akzeptiert im Kreise seiner Stiefmutter und –geschwister gewesen war. Vielmehr war ein handfester Streit zwischen Arsani und seiner Frau vom Zaun gebrochen worden, der an sich nur zu selbstverständlich gewesen war, wenn man an die Umstände der Zeugung von Matthew Price dachte. Immerhin hatte der Sonderbotschafter der Föderation, eigentlich schillernde Figur des politischen Lebens, seine Frau betrogen und ein uneheliches Kind gehabt. Das gemeinsame Abendessen zwischen der Familie Parul und Price war genauso schnell zu Ende gewesen, wie es begonnen hatte. Ziellos war der erste Offizier durch den Stadtpark Betazeds gewandert, nur um dort erneut auf seinen Vater zu treffen:<br><i>Anders als sein ehemaliger Kollege hatte es Matt Price nicht vorgezogen nach dem Familienstreit das Weite zu sehen. Stattdessen befand er sich im weitläufigen und berühmten Stadtpark der Hauptstadt von Betazed und beobachtete den dunklen Nachthimmel. Deutlich war der Mond zu sehen und irgendwo zirpten einige Insekten. Es war ein wundervoller Ort, der Geruch der Blumen lag wohltuend in der Luft. Hierhin hatte sich der erste Offizier zurückgezogen, um mit seinen Gedanken und sich allein zu sein. Stundenlang war er umher gewandert, hatte die Atmosphäre genossen und sich Gedanken um die Zukunft genossen. <br>Nun hörte er leise Schritte im Gras hinter sich und es war für ihn keine Überraschung Arsani Parul zu sehen, der sich neben ihn stellte und ebenfalls den Mond anstarrte.<br>„Er ist wunderschön heute nacht,“ fand der Diplomat und lächelte.<br>„Ja, es ist außergewöhnlich,“ musste selbst Matt zugeben, der eigentlich keinen Sinn für die Kunst hatte.<br>„Irgendwie habe ich mir schon gedacht, dass ich dich hier finden würde,“ erklärte der Diplomat und wandte seinen volle Aufmerksamkeit nun seinem Sohn zu.<br>„Ich war erst einmal vorher auf diesem Planeten gewesen, na gut zweimal, und dennoch hatte es mich magisch an diesen Ort gezogen,“ gab Price freimütig zu.<br>„Auch ich komme oft hierher, wenn ich über komplizierte Sachverhalte nachdenken muss,“ gab Arsani freimütig zu. „Vater und Sohn, die gemeinsam den selben Ort aufsuchen.“<br>„Ob wir noch andere Gemeinsamkeiten besitzen? Ich weiß es nicht.“<br>Traurig blickte Parul nun seinen wiederentdecken Sohn an. Es war so schwer die richtigen Worte zu finden, doch gab es sie überhaupt?<br>„Es tut mir Leid wegen der Sache mit dem Essen.“<br>„Ach wirklich? Du kannst froh sein, ich bin bald weg und dann kannst du dich wieder deiner Familienidylle hingeben,“ brummte Matt missmutig.<br>„So solltest du die Sache nicht sehen,“ entgegnete Arsani, „ich habe meine Ehe einer erheblichen Gefahr ausgesetzt, als ich von dir erzählte. Immerhin musste ich zugeben, dass ich eine Affäre hatte.“<br>„Für einen Mann wie dich, der in der Öffentlichkeit das Bild einer perfekten Familie repräsentiert, müssen das harte Zeiten sein.“<br>„Ach, die Öffentlichkeit und die Medien sind mir doch egal! Viel wichtiger bist du mir!“<br>Über diese Worte war der Halbbetazoid mehr als überrascht. Meinte sein Vater es doch ernst mit ihm?<br>„Wie geht es deiner Mutter?“ fragte Arsani traurig.<br>„Sie verleugnet dich. Anscheinend nimmt sie es dir immer noch übel, dass du damals einfach verschwunden bist.“<br>„Ja, dies war ein Fehler von mir gewesen. Überhaupt diese ganze Affäre war sehr unglücklich.“<br>„Sie hat dich geliebt, Arsani!“ erklärte Price seinem Vater.<br>„Und ich habe sie geliebt, Matt, nur nicht auf die selbe Art und Weise. Deine Mutter ist ein ganz besonderer Mensch und sie nimmt immer noch einen gewissen Stellenwert in meinem Herzen ein, aber ich habe ein Familie.... wenn ich auch nicht mehr weiß wie lange.“<br>„Wie meinst du das?“<br>„Ewala und ich streiten immer öfters. Nun ja, ich denke dies ist nur natürlich angesichts dessen, was sie erfahren hat. Ich möchte meine Ehe retten, aber ich weiß nicht, ob sie ebenso denkt.“<br>Diese Situation lastete schwer auf dem Diplomaten, der schon so viele Krisen gemeistert hatte. Ihm war deutlich anzusehen, dass er es ernst meinte, was er sagte. Er liebte sein Frau und wollte sie auf keinen Fall verlieren.<br>„Es tut mir leid für dich,“ meinte Matt und sprach damit die Worte aus, von denen er niemals gedacht hatte, dass er sie aussprechen würde. „Es ist schon komisch.“<br>„Was?“<br>„Ich habe immer gedacht, dass ich meinen Erzeuger hassen würde. Den Mann, der meine Mutter im Stich gelassen hat. Doch wenn ich hier in deiner Nähe bin fühle ich mich so... wohl.“<br>„Matt,“ meinte der alte Mann fürsorglich und schaute ihm fest in die Augen, „egal wie dumm die Affäre mit deiner Mutter damals gewesen sein mag: ich bin immer noch glücklich darüber, was für einen Sohn ich bekommen habe. Ich mache zwischen dir und meinen anderen beiden Kindern keinen Unterschied. Du bist ein Teil meines Herzens.“<br>Statt einer Antwort schluckte Matt nur. Er konnte nicht glauben, was eben vor sich ging. Er war sogar bereit seinem Vater für seine Fehler und all die Jahre der Abwesenheit zu vergeben.<br>„Ich denke wir sind die ganze Sache zu schnell angegangen,“ meinte Arsani Parul <br>schließlich. „Erst einmal sollten wir beide uns kennen lernen und dann kriegen wir meine Familie auch noch unter.“<br>Mit diesem Vorschlag konnte Matt sich anfreunden. Lachend schlang er seinen Arm um seinen Vater und wanderte mit ihm noch stundenlang durch den duftenden Garten. Er schien endlich seinen Frieden gefunden zu haben und ihm wurde noch einmal klar, wie wichtig ihm seine eigene kleine Tochter war. Vielleicht würde die Zukunft ja wirklich besser werden.</i> <br>Jetzt, fast zwei Stunden nach dem verhängnisvollen Anruf, fragte sich Matt, ob er vielleicht nicht vorschnell gehandelt hatte. Sein Vater hatte so vieles geopfert, seine politische Karriere hingeworfen und sich zu ihm bekannt. Fast ein ganzes Jahr war der ehemalige Botschafter arbeitslos gewesen, bevor er sich selbstständig gemacht hatte. Vielleicht war die Reaktion Matts unangebracht gewesen. Möglicherweise projizierte er den gesamten Schmerz, den er angesichts des Selbstmordes seiner Mutter empfand, auf den Vater, den er eigentlich nie so richtig gekannt hatte.<br>Zischend öffnete sich das Schott zu seinem Quartier und Elisabeth Frasier betrat sein Quartier. Sofort sank sie zu ihm auf den Boden und umarmte sie. Ihre Wärme zu spüren, ihren Duft zu riechen, war unglaublich beruhigend.<br>„Schatz, ich habe davon gehört,“ erklärte Elisabeth und streichelte liebevoll seinen <br>Rücken. „Es tut mir so unglaublich Leid für dich!“<br>Abermals stiegen Tränen in ihm hoch und nur mit Mühe konnte sie der Halbbetazoid zurückhalten. Er hatte ja keine Ahnung, wie nahe er am Wasser gebaut war. Aber welche Reaktion erwartete man schon angesichts des Todes von einem Elternteil?<br>„Wie geht es Ardev?“ fragte Price und schämte sich schon fast, weil er die Frage zur eigenen Ablenkung stellte.<br>„Die Operation ist geglückt und er ist aufgewacht. Zwar wird seine Rekonvaleszenz dauern, aber er ist über den Berg!“<br>„Schön,“ murmelte der erste Offizier und schwieg. <br>Langsam löste sich das paar aus der gegenseitigen Umklammerung, blieb jedoch auf dem Boden sitzen. Eindringlich musterte die Chefärztin ihren Geliebten. Zu deutlich konnte man in seinen Augen den Schmerz und die Trauer ablesen. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie er sich nun fühlen mochte. Zwar hatte sie in ihrem Beruf den Tod schon mehr als einmal gesehen, jedoch ihn selbst niemals erlebt. Ihre Eltern lebten noch und Elisabeth selbst war Einzelkind.<br>„Weiß es Arsani schon?“ fragte Dr. Frasier, ohne von dem Gespräch der beiden Männer zu wissen.<br>„Sagen wir mal so: er weiß mehr davon, als ich erwartet habe,“ raunte er als Antwort.<br>„Wie meinst du das?“<br>„Kurz vor ihrem Selbstmord war er bei Birgit gewesen?“<br>„Ach!“ Elisabeth war ebenso überrascht wie Matt vor wenigen Stunden. „Wieso denn das?“<br>„Angeblich hatte er Sehnsucht nach ihr gehabt… er wollte mit ihr über alles reden. Nachdem er das Haus verlassen hatte, hatte er sich die Pulsadern aufgeschnitten.“<br>„Du glaubst doch nicht etwa…“<br>Elisabeth sprach nicht weiter, denn anscheinend nahm ihr Geliebter das an. <br>„Oh Matt, ich kann verstehen, dass du einen Schuldigen suchst, aber das kann doch nicht dein Ernst sein!“<br>Statt zu antworten, blickte der Halbbetazoid an ihr vorbei und dachte nach. Eigentlich hatte sie ja Recht. Möglicherweise war sein Vorwurf völlig fehl am Platze.<br>„Aber sie hatte ihn geliebt…“<br>„Selbst wenn dies so war, so kannst du unbedingt einen anderen für ihre Taten verantwortlich machen. Am Ende hat sie selbst die Entscheidung für den Selbstmord getroffen. Was denkst du, wie Arsani sich nun fühlt? Er ist mindestens ebenso sehr am Boden zerstört wie du und macht sich sicherlich Vorwürfe. Statt ihn zu verurteilen, solltest du ihm beistehen,“ erklärte die Ärztin und meinte ihre Worte ernst. Sie wollte nicht, dass die beiden Männer nun auseinander drifteten, nachdem sie auf einem so guten Weg gewesen waren. In Price´ Gesicht zeigte sich deutlich der innere Kampf, den er ausfechten musste. Hin und Her gerissen war er durch seine Gefühle.<br>„Ich denke darüber nach,“ meinte Matt schließlich und lächelte seine hübsche Freundin schief an. „Aber ich bin noch weit davon entfernt mit ihm zu sprechen!“<br>„Das verlangt ja auch keiner von dir. Gib ihm jedoch eine Chance! Lass die Sache sich etwas beruhigen und dann sehen wir weiter.“<br>Mit diesem Vorschlag konnte Matt leben. Er würde etwas Zeit brauchen, aber möglicherweise wäre er in der Lage wieder mit Arsani zu reden. Immerhin trauerten die beiden Männer um dieselbe wunderbare Frau. Vielleicht heilte die Zeit ja tatsächlich alle Wunden.<br><br>Im tiefsten Inneren des Sternenflottenhauptquartiers gab es einen Lift. Er hatte keine besondere Wachen oder Ausschmückungen, er stand einfach nur im Saal. Um ihn zu betreten, musste man einen Code eingeben, den nur Kommandanten des Geheimdienstes hatten. Man gab den Code ein und die Lifttüren schlossen sich. Automatisch setzte sich der Lift in Bewegung und brachte den Passagier abwärts. Gleich nachdem sich die Lifttüren geschlossen hatten, galt der vorherige Code als ungültig und ein neuer wurde an das Postfach des Kommandanten gesendet. Es war praktisch unmöglich, in das "Erdgeschoß", wie der geheime Raum genannt wurde, einzudringen. Wieso? Nun, gleich nachdem man unten, sehr weit unten, angekommen war, musste man seinen Namen, Rang und Sicherheitscode angeben. Wurde dieser akzeptiert, öffnete sich eine Tür und man kam zu einem DNA-Scanner. War auch die DNA richtig, so öffnete sich die nächste Tür und man kam zu einem Netzhautscanner. Und dann zu einem Fingerabdrucksensor. Und noch zu fünf weiter Stationen. Sollte nur eine dieser acht Stationen die Person als unbefugten Eindringling identifizieren, so würde der Raum einer termionischen Reinigung unterzogen werden, die alles organische Material verdampfen lassen würde. Doch dies war angeblich noch nie vorgekommen, denn wie gesagt, das Erdgeschoß war absolut sicher. Captain Lewinski wurde richtig identifiziert und die Türe öffneten sich vor ihm, zeigten ihm nun den Mittelpunkt von Starfleet Intelligence. Hunderte von Personen, teils uniformiert, teils in Zivil arbeiteten hier. Verschiedenste Völker waren zu sehen, auch welche wie Klingonen oder Romulaner, wobei unklar blieb, ob diese Überläufer oder einfach Ergebnisse einer Operation waren. Riesige holographische Anzeigen schimmerten hoch über den Köpfen der Mitarbeiter, zeigten Raumkarten, Akten und andere Informationen. Der Raum selbst war in einem sterilen Weiß gehalten, was den Eindruck erwecken sollte, dass man sich nicht tief unter der Erde befand. Das letzte Mal war John Lewinski hier vor drei Jahren gewesen. Nur selten betrat man das Geheimdienstoberkommando, hatte stattdessen mehr mit seinen Sektorchefs zu tun. <br>Dennoch oder gerade deswegen war er beeindruckt von allem, was er sah. Die Technik in diesem Raum war immer auf dem neusten Stand der Technik und jeder der hier war, war ein absoluter Profi. Sollte irgendeiner einmal geheime Informationen aus diesem Raum an die Außenwelt weitergeben, so stand darauf die Todesstrafe. Sicher, sie war in der Föderation abgeschafft, aber es gab innerhalb der Organisation einige Spezialisten, die wussten, wie man jemand diskret beseitigte.<br>Aber darum ging es John gar nicht. Stattdessen wollte er Kontakt zu einer Gruppe innerhalb des Geheimdienstes aufnehmen, die man sonst nicht so leicht erreichte. Um dieses zu erreichen, rief Captain Lewinski einige Akten und Dateien auf, die alle das Spiegeluniversum zum Thema hatten. Sie alle waren von dieser Gruppe markiert worden.<br>Dabei ging der Plan des Kanadiers voll auf. Sobald jemand diese geheimen Dokumente aufrief, wurden bestimmte Personen informiert, die wiederum bestimmte Personen losschickten. Und diese bestimmten Personen, in unauffällige Anzüge gekleidet, stellten sich neben Captain Lewinski auf, der sich (gespielt) überrascht umsah.<br>„Mr. Lewinski,“ sagte der größere Mensch der beiden mit einer tiefen Bassstimme, „bitte folgen sie uns.“<br>Der folgte den Männern, ohne dass sie ihn irgendwie zwingen mussten und brachten ihn in eine Holokammer. Nachdem er diese betreten hatte, fand er sich auf einem gewaltigen Schiff wieder. Jedoch war es nicht ein Raumschiff, sondern ein altes Segelschiff ähnlich denen, die im 18. Jahrhundert auf der Erde benutzt worden waren. Die Simulation war einfach perfekt: das altmodische Schiff trieb sanft auf den wogenden Wellen des Ozeans, die Luft roch nach Salzwasser und weiße Wolken zogen am strahlend blauen Himmel vorbei. Wenn man ganz genau hinhörte, so vernahm man das Rauschen der gewaltigen Segeltücher.<br>„Captain Lewinski, schön sie hier zu sehen.“<br>Die Stimme erklang von hinten und Lewinski drehte sich in Richtung der Person. Es handelte sich um eine männliche Person, die im selben Alter wie er selbst sein musste und in das klassische Gewand eines britischen Kapitäns der Royal Navy gekleidet war. Sie lächelte freundlich, während die Hände hinter dem Rücken verschränkt waren.<br>„Ich bin Captain Hu-Lin Radisson,“ stellte sich der Kapitän vor. „Leiter von Projekt Zeichen.“<br>Natürlich wusste John, wer diese Person war. Zumindest konnte er es erahnen, denn Captain Radisson liebte es immer wieder in verschiedenen Maskeraden aufzutreten. Inzwischen mutmaßten John und andere, dass es Hu-Lin Radisson möglicherweise gar nicht gab. Dass er, der in seinen verschiedenen Gestalten sogar die Rassen und Geschlechter wechselte, ein Hologramm war, welches stellvertretend für das Projekt Zeichen sprechen sollte. Doch heute war die Beantwortung dieser Frage sekundär. <br>„Sie sind mir immer noch bekannt, Captain,“ entgegnete John und schüttelte seinem Gegenüber die Hand. „Auch wenn unsere letzte Begegnung schon einige Jahre her ist.“<br>„Wir vergessen niemals,“ meinte Radisson und zwinkerte. „Wieso habe ich nur das Gefühl, dass sie nicht versehentlich von meinen Männern beim Durchstöbern der Akten aufgegriffen worden sind?“<br>„Weil ich ihre Hilfe brauche,“ war die direkte Antwort des Kommandanten der Monitor.<br>„Hilfe in welcher Hinsicht?“<br>„Ihre Gruppe überwacht die Aktivitäten des Spiegeluniversums, insbesondere die Wechsel zwischen den beiden Realitäten,“ fasste John noch einmal den Arbeitsbereich des Projekts Zeichen zusammen. „Hat ein solcher Transfer in das Spiegeluniversum während der letzten Stunden stattgefunden?“<br>Nachdenklich neigte Captain Hu-Lin Radisson den Kopf zur Seite und blinzelte.<br>„Wieso sollte ich ihnen diese Information geben?“<br>„Weil das Leben von Lieutenant Danny Bird davon abhängen könnte. Einem Mann, der schon mehr als einmal sein Leben für ihre Gruppe eingesetzt hat. Und weil irgendwer oder irgendetwas vom Spiegeluniversum im Zusammenhang mit dem heutigen Anschlag auf die Erde zu tun haben könnte.“<br>Radisson dachte nach und blickte kurz auf den gewaltigen Ozean hinaus, der absolut friedlich und still war. Der Wind fuhr ihnen beiden durch das Haar und gab dem Schiff neuen Aufwind.<br>„Wenn dies stimmen würde, dann würde dies ja im Umkehrschluss bedeuten, dass wir unsere Arbeit vernachlässigt hätten,“ meinte Captain Radisson.<br>„Heute geht es nicht um Schuldzuweisungen,“ betonte Lewinski. „Dies ist auch gar nicht meine Aufgabe. Mein Ziel ist es meinen Offizier zu finden und am besten die Urheber des Attentats mit ihm. Hat es also einen Transfer gegeben?“<br>Wieder neigte Hu-Lin den Kopf zur Seite, bevor er gestand:<br>„Es hatte mehrere Transfers gegeben.“<br>„Heute?“<br>„Im Laufe der letzten Monate,“ gestand der Leiter des Projekts Zeichen.<br>„Und diese Tatsache hatte sie gar nicht stutzig gemacht?“<br>„Ich dachte, hier geht es nicht um Schuldzuweisungen?“<br>Sofort erkannte John, dass er einen Schritt zu weit gegangen war. Er durfte es sich jetzt nicht mit Captain Radisson verscherzen. <br>„Natürlich, sie haben Recht. Ich muss in das Spiegeluniversum gelangen.“<br>„Ich kann ihnen die Spezifikationen zur Transportermodifikation zukommen lassen.“<br>Kurz seufzte John. Was er jetzt verlangte, würde kritisch sein.<br>„Mir reicht das nicht. Ich muss mit der Monitor in das Spiegeluniversum.“<br>Als Reaktion auf diese Aussage prustete Hu-Lin Radisson.<br>„Das kann unmöglich ihr Ernst sein!“<br>„Wenn sich unsere Informationen als wahr erweisen, so mischen sich Akteure des Spiegeluniversums, aller Wahrscheinlichkeit nach die Allianz, in die Politik und in das Leben unseres Universums ein. Dem müssen wir Einhalt gebieten.“<br>Statt einer Antwort nickte Radisson nur. Die Situation stellte sich tatsächlich als ernst dar. Wenn die Allianz wirklich James Talley und den Anschlag unterstützt hatte, so würde dies die Bedeutung der gesamten Situation schlagartig verändern.<br>„Innerhalb des Geheimdienstes hat es in letzter Zeit Gerüchte gegeben, dass sie an einem Gerät arbeiten, welches groß genug ist, um Schiffen den Transfer zu ermöglichen,“ mutmaßte Lewinski. <br>Abermals schmunzelte Radisson.<br>„Wir scheinen ja keinen effektiven Geheimdienst zu haben, wenn sich solche Gerüchte verbreiten können,“ war der lapidare Kommentar des Projektleiters.<br>„Besitzen sie ein solches Gerät?“ bohrte Lewinski noch einmal nach.<br>„Es gibt kein derartiges Gerät,“ meinte Captain Radisson, „aber wir könnten ihnen einen Transfer in das Spiegeluniversum ermöglichen. Die Order müsste jedoch von sehr weit oben kommen.“<br>„Wie weit oben?“<br>„Von ganz oben!“<br>Nun war es an Lewinski zu lächeln. Endlich einmal eine kontrollierbare Situation.<br>„Ich denke, das kriegen wir hin.“<br>„Wieso denken sie überhaupt, dass sie dort Lieutenant Bird finden werden? Ein Universum ist groß!“<br>„Sie können nicht allzu weit entfernt sein. Vorausgesetzt natürlich, wir vertrödeln nicht noch mehr Zeit.“<br>Abermals streckte Radisson dem Kommandanten der Monitor die Hand hin. Dieser ergriff sie und schüttelte sie; fragte sich dabei, ob Hu-Lin nicht vielleicht doch nur ein Hologramm war.<br>„Es ist mir eine Freude, mit ihnen Geschäfte machen zu können,“ lachte Radisson. „Ich werde mich bei ihnen melden.“<br>Nach dieser Ankündigung erschien wie aus dem Nichts der Torbogen, der Captain Lewinski von der Fiktion des Holodecks zurück in die Realität bringen sollte. Ein unmissverständliches Zeichen für ihn, dass es nun an der Zeit war zu gehen. Er konnte jetzt nur noch hoffen, dass Projekt Zeichen schnell genug arbeiten würde. <br><br>Der klingonische Regent war an Bord seines Flaggschiffs zurückgekehrt und befand sich in seinen privaten Gemächern, um seine wohlverdiente Mahlzeit einzunehmen. Wie so oft gab es sein Leibgericht, frischer Gagh, welchen er genüsslich in den Mund stopfte. Sein Leibkoch war exzellent, dies musste er zugeben. Manchmal dachte er, dieser Mann war wichtiger als alle seine Soldaten zusammen. <br>Worf würde es zwar niemals zugeben, doch er war froh wieder auf seinem Schiff zu sein. Der Grund dafür war die Intendantin. Kira und er mochten zwar Alliierte sein, dennoch empfand er kaum mehr als Verachtung für die Bajoranerin. Ihre zahllosen Eskapaden und Abenteuer haben nicht zuletzt zum Verlust Terok Nors beigetragen, der bisher größten Niederlage während der gesamten Rebellion. Die ehemalige cardassianische Station war ihm immer noch ein Dorn im Auge und er würde sie lieber heute als morgen wieder erobern. Doch die Zeit war dafür noch nicht gekommen; derzeit gab es dringlichere Kriegsschauplätze. Auch wenn es die Propaganda der Allianz verheimlichte, die Rebellen gewannen an Boden. Ihr Aufstand mochte noch Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte andauern, doch irgendwann würden sie sich erheben, dies war dem Regenten klar. Der Funke der Rebellion war schon über zu viele ehemalige Welten des Empire übergesprungen. Überall erhoben sich die Sklaven gegen ihre Besatzer, die mit voller Härte zurückschlugen. Es war ein Teufelskreis: je mehr Siege die Rebellen davon trugen, desto unbarmherziger waren die Vergeltungsmaßnahmen der Allianz, was jedoch nur noch mehr Menschen in die Hand der Rebellion trieb. Bisher hatte der Regent noch keine Lösung für dieses Problem gefunden.<br>Zischend öffnete sich das Schott zu Worfs Gemächern und Captain Martok trat herein. <br>Das Verhältnis zwischen den beiden Männern war gespannt, auch wenn Worf den Captain durchaus für fähig hielt. Jedoch war Worf adliger Abstammung, während Martok aus dem Ketaa-Flachland stammte. Dass er als Bauer es überhaupt zum Kommandanten eines Schiffes gebracht hatte, grenzte schon an ein Wunder und war ein Indiz für seine Fähigkeiten. Jedoch würde Martok keine höhere Karrierestufe mehr erklimmen können. Dummerweise schien der Kommandant diesen Umstand nicht zu akzeptieren. Immer wieder war Martok aufsässig, stellte Entscheidungen in Frage und akzeptiere Anweisungen nur widerwillig. Mehr als nur einmal hatte Worf überlegt, ob er Martok nicht einfach hinrichten sollte; dann würde ihm jedoch ein guter Raumschiffcaptain fehlen.<br>„Was ist?“ fragte Worf, unkundig sauer darüber beim Essen gestört zu werden.<br>„Mein Regent, ich habe Zweifel,“ erklärte Martok mit grollender Stimme.<br>„Das haben sie immer. Äußern sie ihre Gedanken!“<br>Worf wollte sich die Meinung seines Gegenübers anhören. Nach der (kurzen) Zeit mit Kira war ihm nach einem sinnigen Gespräch.<br>„Wieso haben sie sich mit diesem Talley verbündet?“ fragte Martok und schien den Namen fast auszuspucken. „Immerhin ist er ein Mensch!“<br>„Nicht ich habe mich mit ihm verbündet, sondern die Intendantin von Bajor.“<br>„Aber sie als Führer der Klingonischen Konföderation haben ihre Entscheidung abgesegnet. Den Plan einer Frau, die schon lange ihren Ruhm verloren hat und mit ihr Terok Nor!“<br>Es lag eine offene Aggressivität in Martoks Stimme, was Worf schon fast bewunderte. Dennoch war er gefährlich.<br>„Zügeln sie sich, Captain, und erinnern sie sich, mit wem sie sprechen! Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, aber ich habe sie zum Wohle unseres Volkes und der Allianz getroffen?“<br>„Einem Menschen zu helfen kann wohl kaum in unserem Interesse liegen!“<br>„Doch, dies kann es,“ erklärte Worf und erhob sich von seinem Platz. Er stellte sich vor Martok auf, so dass er ihm direkt in die Augen blicken konnte. „Diese ganze lächerliche Rebellion, diese ganze Misere haben wir nur den Menschen zu verdanken. Nicht den Menschen hier, sondern denjenigen aus dem Spiegeluniversum. Ihre Ankunft war es, die die Rebellion auf Terok Nor ausgelöst hat! Als ich über diese Probleme nachdachte wurde mir bewusst, dass wir, um siegen zu können, nicht nur die Menschen hier besiegen müssen. Wir müssen stattdessen die Menschen in jedem Universum eliminieren, um diese Gefahr für uns ein für alle Mal zu beseitigen. Am besten fangen wir mit dem Menschen aus dem Universum an, welche uns so viele Mühen gemacht haben!“<br>„Ich verstehe,“ erwiderte Martok und schien wirklich diese Gedanken nachvollziehen zu können.“<br>„James Talley wollte die Erde in seinem Universum zerstören und seine eigene Regierung stürzen. Ein Ziel, welches uns mehr als gelegen kommt. Daher wollte ich, wie die Menschen selbst sagen, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und habe ihn unterstützt. Dies allein ist der Grund für unsere Unterstützung: James Talley war ein Mittel zum Zweck.“<br>„Aber er ist gescheitert!“<br>„Dies mag sein, aber es war erst die erste Schlacht in einem langen Krieg,“ erläuterte Worf mit emotionaler Stimme. „Es mag dauern, doch wir werden uns der Gefahr durch die Föderationsmenschen entledigen und den Klingonen im Spiegeluniversum zu dem Platz verhelfen, den sie verdienen. Glauben sie mir, über unsere Taten werden Lieder gesungen werden!“<br>Nun lächelte Martok, als ihm die Implikationen dieser Aussage bewusst wurden. Er mochte zwar private Probleme mit dem Regenten haben, doch dieser Plan gefiel ihm.<br>„Diese Vorstellung scheint ihnen zu gefallen!“ meinte Worf und schlug seinem Captain auf die Schulter.<br>„Wussten sie, dass Danny Bird auf dem Lunar als Gefangener gehalten wird?“ fragte Martok, der das Thema wechseln wollte?<br>Der Regent dachte einige Sekunden nach, dann erinnerte er sich an den Lieutenant. Nur zu deutlich war seine Erinnerung an die letzte Begegnung zwischen den beiden Männern. Beim letzten Mal, auf Terok Nor, hatten sie sich jedoch in umgekehrten Situationen befunden: dort war Worf der Gefangene gewesen, während Bird ihn beschimpft hatte. Wie schnell sich doch alles ändern konnte!<br>„Danke für diese schöne Information,“ meinte Worf und lachte schallend. Auch wenn Talley gescheitert war, dies war ein herrlicher Tag! Immerhin konnte er sich ihn mit etwas Folter an dem Lieutenant versüßen. Bird sollte für alle Sünden der Menschen teuer bezahlen! Ein wohliger Schauer überkam Worf, als er an die mannigfaltigen Möglichkeiten der Schmerzbereitung nachdachte.<br><br>Ein Rückflug war immer eine kritische Angelegenheit.  Das hatte Ke’ler in den Jahren ihres Dienstes beim Tal Shiar gelernt. Entweder, man hatte Erfolg gehabt und wurde befördert  - oder man war gescheitert und musste mit einem Tribunal rechnen.<br>In diesem Fall wartete das Tribunal.<br>Sie war Teil einer der größten Geheimoperationen der letzten Jahre gewesen. Viel Vertrauen war auf sie gelegt worden. Nicht zuletzt von Men’tesz, der sie immer unterstützt hatte. Und nun hatte sie ihn, sie hatte alle enttäuscht.<br>11 Mitglieder ihrer Einheit waren beim Angriff der Menschen getötet worden, inklusive des Anführers – und wofür?<br>Für diesen Antosianer, der im Koma auf der Krankenstation lag.<br>Sie konnte Telks Punkte nachvollziehen. Das Team auf Talar war durch diesen Angriff zu geschwächt um die Operation fortzuführen. Und an Bord der „Observer“ gab es keine für diesen Einsatz ausgebildete und trainierte Agenten. Das Schiff war im Grunde nur eine Drohne, losgeschickt um sich ein aktuelles Bild vom Talar zu machen – vermutlich für den Prätor – und um die Berichte zu synchronisieren. Eigentlich sollte nie ein Kontakt hergestellt werden, der über die Synchronisation hinausging.<br>Und nun war dies alles gefährdet, weil sie einen Antosianer aus dem Schnee gezogen hatte. Dieser verdammte Antosianer... mit dem hatte das Unheil angefangen. Sie verspürte plötzlich eine große Lust dem Unbekannten einen Dolch in die Brust zu rammen. Dann hätte sein Leiden wenigstens ein Ende gefunden.<br>Ein Geräusch riss sie aus ihren Mordgedanken.<br>Es kam vom Computerterminal, das auf dem kleinen Tisch in ihrer noch kleineren Kammer stand, dass als Gästequartier bezeichnet wurde.<br>Sogleich setzte sie sich an den Tisch und sah nach, welche ihrer Anfragen zu einem Erfolg geführt hatte.<br>Vor einer knappen dreiviertel Stunde hatte sie eine Verbindung zum Großrechner des Tal Shiar hergestellt und einige Daten eingegeben, die vielleicht etwas Licht ins Dunkel bringen konnten.<br>Das erste auf dem Bildschirm war ein Foto von Mallon. Samt seiner Dienstakte. Sie las den Namen „Marc Mallon“, laut vor. Dann überflog sie schnell seine Tätigkeit. Er war ein Techniker bei den Utopia Planitia Werften des Mars. Und dort immer noch tätig!<br>Dann öffnete sie lächelnd auch die zweite Personalakte.<br>„Jozarnay Woil...“ sie überflog den kurzen Geheimdienstbericht, der der Akte beigefügt war.<br>„Mitgleich der Starfleet Intelligence und bis Sternzeit 58181,3 Chefingenieur des Schiffes USS Monitor.“<br>Ke’ler lehnte sich zurück. Einerseits war es ein großes Plus, dem Tribunal auf dem Romulus einer höchstdekorierten Techniker des Sternenflottengeheimdiensts zu präsentieren. Doch andererseits warfen diese Antworten nur noch mehr neue Fragen auf.<br>Subcommander Ke’ler erhob sich aus ihrem Stuhl und zog sich die Uniformjacke über. Sie verließ ihr Quartier mit Kurs auf die Krankenstation. Das Tribunal auf dem Romulus beginnt mit ihrer Ankunft dort. Also musste sie sich einige Antworten verschaffen. Und diese würde sie bekommen.<br>Und ihrer Trumpfkarte war der nun nicht mehr namenlose Antosianer auf der Krankenstation.<br>Und sie würde diese erst wieder verlassen, wenn sie zufrieden war.<br><br>Sämtliche Teams waren auf die Monitor zurückgekehrt und bereiteten sich auf die neue Aufgabe vor. Konnte man sich jedoch auf etwas vorbereiten, was noch nie zuvor probiert worden war? Unruhig wanderte Captain John Lewinski auf der Brücke auf und ab. Normalerweise konnte man sich auf die Aussagen von Hu-Lin Radisson verlassen. Projekt Zeichen mochte zwar eine überaus mysteriöse Gruppe innerhalb des Geheimdienstes sein, dennoch war sie seriös. Wenn er (oder sie?) gesagt hatte, dass man sich melden würde, dann war dies auch so. <br>Die vergangene halbe Stunde hatte John damit verbracht dem Präsidenten sein Anliegen nahe zu bringen. Es war schwierig gewesen, das Staatsoberhaupt in so kurzer Zeit in das komplette Geschehen einzuweisen. Nach langen Diskussionen hatte er jedoch eingewilligt die Mission zu autorisieren. John hatte dazu die Wichtigkeit und die möglichen Implikationen dieser Mission herausstellen müssen. Möglicherweise standen sie einem völlig neuen Feind gegenüber. Der Präsident hatte lange überlegt und schließlich der Mission zugestimmt. Radisson hatte einen Befehl von höchster Stelle haben wollen; nun hatte er sie. <br>Zischend öffnete sich das Schott zur Brücke und Commander Price betrat, in Begleitung von Dr. Frasier, die Brücke. In seinen Augen zeigte sich immer noch deutlich der Schmerz und die Trauer über den Verlust der Mutter. Dennoch sah man nun auch wieder Zuversicht, gepaart mit Hoffnung. John wusste ganz genau, dass dies der Verdienst von Elisabeth Frasier war. <br>Sie stellte derzeit den letzten Anker im Leben des Halbbetazoiden dar. <br>„Geht es wieder?“ fragte Lewinski vorsichtig in Richtung seines Stellvertreters. „Ich brauche deine Hilfe hierbei.“<br>Und das Unglaubliche geschah: Price lächelte schwach.<br>„Um nichts auf der Welt würde ich das verpassen wollen,“ antwortete der erste Offizier.<br>Natürlich war die Sache alles andere als bereinigt. Noch immer empfand er Zorn in Bezug auf seinen Vater und seine Anrufe hatte er immer noch nicht beantwortet. Doch nun galt es alle Kräfte auf diese Mission zu fokussieren. Sie standen nun vor einer neuen Herausforderung. Wenn sich die Allianz nun wirklich in die Angelegenheiten ihres Universums einmischte, würde dies ein neues Zeitalter der Sicherheitspolitik einläuten. Dann würde es nicht mehr darum gehen sich gegen äußere Feinde zu wehren, sondern auch gegen Wesen aus parallelen Universen. Die Auswirkungen einer solchen Entwicklung wären katastrophal!<br>Statt einer verbalen Erwiderung klopfte John dem Halbbetazoiden auf die rechte Schulter und blickte zur Person, die ebenfalls gerade die Brücke betrat.<br>„Alle Stationen sind bereit,“ meldete Fähnrich Kensington und setzte sich an die taktische Station.<br>„Danke, Fähnrich,“ meinte John und setzte sich in seinen Kommandantensessel. „Das war gute Arbeit von ihnen auf dem Mond. Möglicherweise haben sie uns die entscheidende Fährte geliefert.“<br>„Vielen Dank, Sir!“ erwiderte Samira und hoffte so wieder einige Pluspunkte gesammelt zu haben.<br>„Und worauf warten wir nun?“ war die berechtigte Frage von Commander Price.<br>„Wenn ich das nur wüsste…,“ murmelte der Captain und blickte auf den Wandschirm, der ihnen die Erde zeigte.<br>Anscheinend hieß es nun wirklich darauf warten, bis sich Projekt Zeichen meldete.<br><br>Allein und ratlos saß James Talley in seinem Raum, der genauso schmucklos war wie die anderen in diesem Bunker. Dies schien nun sein neues Leben zu sein. Noch vor einigen Stunden hatte er in einer großen Villa auf dem Mond gelebt, mit zahllosen Räumen und sogar Bediensteten, die ihm und seiner Tochter jeden Wunsch von den Lippen ablasen. Nun befand er sich in einem kargen militärischen Gebäude, welches selbst die einfachsten Annehmlichkeiten vermissen ließ. Zum ersten Mal überhaupt fragte sich der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee, ob er das richtige getan hatte. Jahrelang hatte er den heutigen Tag vorbereitet und alle Energie in ihn investiert.  Zeit, Geld und Ressourcen hatte er aufgewendet, nur um am Ende zu scheitern.<br>Müde fuhr sich der dunkelhäutige Mann durch das Gesicht. Was würde nun aus ihm werden? Er hatte immer das Ziel gehabt eine lebenswerte Welt für seine Tochter zu schaffen. Eine, in der die Macht beim Volk lag und wahre Demokratie herrschte. Früher, als seine wunderbare Frau Jessica noch gelebt hatte, hatte er auf normalem Wege versucht dieses Ziel zu erreichen. Einmal hatte er sogar für eine Legislaturperiode im Parlament gesessen, doch erreicht hatte James nichts. Zu festgefahren waren die Strukturen gewesen, zu verkrustet das System. Also hatten er und seine Frau sich dafür entschieden in die Opposition zu gehen. Sie hatten Demonstrationen veranstaltet, Flugblätter verteilt und Aufrufe gestartet. Doch auch diese waren erfolglos geblieben. Als Jessica starb wurde James klar, dass ihnen die Zeit davon lief. Die Änderungen mussten schnellstmöglich geschehen, damit er und viele andere Bürger sie noch zu Lebzeiten mitprägen konnten. Nur aus diesem Grund wurde die von ihm gegründete Föderale Befreiungspartei zur Föderalen Befreiungsarmee. Nur wenige Wochen später wurde die Organisation vom Verfassungsgericht verboten. Ein weiterer, deutlicher Beweis für James, dass das Establishment ihn blockieren wollte. Daher ging er mit seiner Organisation in den Untergrund, um dort mit seiner nun erwachsenen Tochter weiter an ihren gemeinsamen Zielen zu arbeiten. Der heutige Anschlag hätte eigentlich die Wende einläuten und sie ihrem politischen Ziel ein gehöriges Stück weiterbringen sollen.<br>Doch nun, wo er in diesem kargen Raum saß, zweifelte James an seinen Taten. Er hatte geplant die Wiege der Menschheit zu entvölkern. Millionen, ja sogar Milliarden wären fast gestorben und er wäre dafür verantwortlich gewesen. Wie hätte sein Erbe ausgesehen? Man hätte wohl von James dem Schlächter gesprochen. Wer weiß, vielleicht war dies ja sogar das Bild, welches die Öffentlichkeit von ihm hatte. So vieles hatte er für seine Tochter und die Erde aufgegeben; nun fragte er sich, ob er die richtigen Entscheidungen getroffen hatte. Sollten seine Tochter und er nun den Rest ihres Lebens im Spiegeluniversum verbringen; einem Ort, in dem Menschen nicht mehr als Sklaven waren? <br>Plötzlich fragte sich James, was wohl seine verstorbene Frau zu all dem sagen würde. Hätte sie seine Taten unterstützt, ihm dabei geholfen und sähe sie in ihm nun auch einen Kriminellen? Einen, der Freunde wie Nelson ebenso bereitwillig opferte wie die gesamte Erde und sich mit erklärten Feinden der Menschheit einließ. Sowohl die Intendantin Kira als auch die gesamte restliche Allianz machten ihm Angst. Bisher war er immer glücklich und dankbar für ihre Unterstützung gewesen. Ohne ihr Geld, ihre Mittel, hätte niemals die heutige Operation durchgeführt werden können. Doch wie stark interessierte sich die Allianz für seine Ziele? Möglicherweise musste James einsehen, dass er nur ein Mittel zum Zweck gewesen war. Eines, welches versagt hatte und dadurch entbehrlich geworden war. <br>James traf seine Entscheidung. Nicht seinetwillen, sondern wegen Janine. Sie verdiente ein gutes Leben. Sie verdiente überhaupt ein Leben!<br>Erstaunlich selbstsicher erhob sich James und ging in das Nebenzimmer, in dem sich seine Tochter befand.<br>„Was ist los? Was hast du?“ fragte Janine, doch ihr Vater griff sie nur am Arm und zerrte sie nach draußen.<br>„Stell bitte nicht so viele Fragen. Wir haben kaum Zeit!“ entgegnete James und wollte sich mit ihr in Richtung Transporterraum machen. Janine begriff sofort, was ihr Ziel war und riss sich von ihrem Vater los, um in die andere Richtung zu rennen.<br>„Wo willst du hin?“ fragte James und rannte ihr nach.<br>„Wir können nicht alleine gehen,“ flüsterte Janine und ihrem Vater war sofort klar, was sie mit dieser Aussage meinte. Sie wollte Danny nicht zurücklassen. Auch wenn er sie verraten hatte, so war er immer noch der Vater ihres Kindes. Innerhalb weniger Sekunden waren sie bei der Zelle angekommen, vor der ein Bajoraner wartete. Ohne eine Sekunde zu zögern rammte Janine dem Wachmann ihren Ellbogen in das Gesicht und schlug ihn bewusstlos, bevor sie mit dessen Schlüsselkarte die Zelle öffnete. Dort saß der Lieutenant auf einem Stuhl, schlafend und aus zahllosen Wunden blutend. Der Anblick zerriss Janine und sogar James das Herz. Die junge Frau öffnete die Fesseln des Gefangenen.<br>„Danny!“ rüttelte sie ihn wach. „Steh auf, wir verschwinden von hier!“<br>Bird verstand zwar nicht so ganz, wieso sie auf einmal flohen, der er reagierte instinktiv und erhob sich von dem Metallstuhl. Jedoch musste er von James gestützt werden, so übel war er zugerichtet worden. So schnell es ihnen möglich war humpelten die drei zum nächsten Transporterraum. Von dort aus wollten sie sich zurück in ihr eigenes Universum transferieren. <br>Und dann? James war sich noch nicht so sicher, doch alles, sogar eine Haft, war besser als das Leben hier!<br>Doch sie erreichten nicht ihr Ziel. Als sie um die letzte Ecke bogen, die sie noch von ihrem Ziel trennten, blickten sie in die Mündungen von mehreren Phasergewehren. Bajoranische Wachen hatten sie ins Visier genommen, angeführt wurden sie von einer feixenden Intendantin Kira Nerys.<br>„Mr. Talley,“ meinte sie grinsend, „ich hatte schon erwartet, dass unsere Zusammenarbeit nicht so lange halten würde, wie wir vielleicht gehofft hatten. Doch Verrat hätte ich nicht erwartet.“<br>Mit einem mulmigen Gefühl blickte James zu seiner Tochter und Danny. Scheinbar hatten nun die letzten Sekunden ihres Lebens begonnen…<br><br><center><b><u>Fortsetzung folgt…<br><br>SUCHE</u></b><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for TREKNews NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producers NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>TM &amp; Copyright © 2005 by TREKNews Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center><br>]]></description><guid isPermaLink="false">6468</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 7x07: Feinde</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-7x07-feinde-r6431/</link><description><![CDATA[<center><b>PDF-Download</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_59554.html"><img border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/7x07_cover.jpg"></a><br></center><br><br>( 12:00 - 14:00 Uhr )<br>Von Nadir Attar und Christian Gaus<br>Das letzte Mal in 7x06 „Verderben“:<br>Mehrfach blinzelte Danny Bird und versuchte Konturen zu erkennen, die langsam deutlicher wurden. Nach und nach kehrten seine Sinne zurück und ihm wurde klar, dass er auf einem Stuhl saß. Seine Hände und Füße waren an den Stuhl gefesselt und boten ihm so nicht einmal den kleinsten Zentimeter an Bewegungsfreiheit. Scheinbar rührte seine schlechte Sicht nicht unbedingt von seiner mehrstündigen (?) Bewusstlosigkeit, sondern der Raum, in dem er sich befand, war offenkundig abgedunkelt. Kahle Wände umgaben ihn, vor ihm befand sich keine Tür oder irgendeine andere Art von Zugangsmöglichkeit. Ob sich eine solche in seinem Rücken befand, war unbekannt. Zumindest sah dieser Ort nicht so aus wie einer der Räume, die sich in James´ Haus befanden. Der Undercover-Agent wusste dies ganz genau, denn im Vorfeld der Mission hatte er natürlich die Lagepläne des Anwesens studiert und diese dann im Laufe der Monate überprüft. Scheinbar hatte man ihn also an einen ihn unbekannten Ort entführt. <br>Dies war so ungefähr sein letzter klarer Gedanke, bevor der Schmerz im Hinterkopf Überhand nahm. Danny verzog das Gesicht und wurde sich erst jetzt bewusst, dass man ihn niedergeschlagen hatte. <br>Langsam trat eine Person in das Sichtfeld. Aufgrund der mangelhaften Beleuchtung dauerte es eine Weile, bis er sie als Janine identifizierte. Die Frau, die er liebte. <br>„Es tut mir leid,“ erklärte sie mit seltsam ruhiger Stimme.<br>Die Frau, die ihn niedergeschlagen hatte.<br>„So beweist du mir also deine Liebe?“ fragte Danny und verzog aufgrund der Kopfschmerzen abermals das Gesicht. „Indem du mich niederschlägst?“<br>„Besser als dein Liebesbeweis, der Verrat ist? Du wolltest meinen Vater töten.“<br>Nun war erstmals der Zorn in Janines Stimme zu vernehmen und ehrlich gesagt konnte der Lieutenant ihr diese Emotion nicht verübeln.<br>„Meine Absicht war es ihn festzunehmen.“<br>„Also bist du doch ein Agent; ausgeschickt, um unseren Plan zu vereiteln.“<br>Brachte es überhaupt noch etwas zu lügen? Offenbar war er gescheitert und wie er die Situation einschätzte, so wäre eine Rettung eher unwahrscheinlich. Dennoch durfte er sich nicht aufgeben und schon gar nicht seine Vorgesetzten verraten.<br>„Du meinst den Plan die Wiege der Menschheit zu vernichten? Den würde ich in der Tat gerne vereiteln.“<br>Langsam beugte sich Janine zu ihm herunter, ihre Hände umfassten seine Armlehnen und deutlich konnte er ihr Parfum riechen, ihre Anziehungskraft spüren. In einer anderen Welt, bei einer anderen Gelegenheit wären sie ein glückliches Paar geworden. Doch nun hatten sie beide wohl keine Zukunft.<br>„Wer ist dein Auftraggeber?“<br>Bird zog es vor zu schweigen und seine Freundin anzustarren. Sie hielt seinem Blick stand, wartete noch einige Sekunden und erhob sich dann, als jemand näher trat. Die eine Person war James Talley, der ihn mit versteinerter Miene anblickte. Die andere Person, eine rothaarige Frau, ließ Danny erstarren. Sie war Bajoranerin, hatte eine auffallend dunkle Kleidung und ein fast schon diabolisches Lächeln aufgesetzt.<br>„Guten Tag, Mr. Bird,“ begrüßte sie ihn schelmisch.<br>Es war an James, sie dem verdutzten Lieutenant vorzustellen:<br>„Darf ich dich ihr bekannt machen, Danny? Dies ist die ehemalige Intendantin von Bajor Kira Nerys!“<br><br>Und nun die Fortsetzung…<br>Was er da eben gehört hatte, konnte Danny nicht glauben. Er brauchte einige Zeit, um die eben gehörte Information zu verarbeiten. Nicht nur aufgrund der immer noch herrschenden Desorientierung, die seine Bewusstlosigkeit mit sich gebracht hatte, sondern auch wegen der geradezu unglaublichen Entwicklung der Lage.<br>Dies ist die ehemalige Intendantin von Bajor…<br>Nur zu gern hätte Lieutenant Bird gehofft, dass dieses Kapitel seines Lebens abgeschlossen war. Doch er musste eines besseren belehrt werden. Mehr als einmal hatte er mit dem Spiegeluniversum und seinen Figuren zu tun gehabt. So oft, dass das mysteriöse „Projekt Zeichen“, die wohl unbekannteste Organisation des Sternenflottengeheimdienstes, ihn für ihre Zwecke rekrutiert hatte. Bisher hatte jeder Besuch in diesem Paralleluniversum Schmerz und unsägliches Leid mit sich gebracht und Danny ging nicht davon aus, dass es dieses Mal anders verlaufen würde.<br>Auf den Gesichtszügen der Frau, die bis aufs Haar Colonel Kira Nerys, Kommandantin der Raumstation Deep Space Nine glich, zeigte sich ein zufriedenes Lächeln.<br>„Er weiß, wer ich bin,“ schmunzelte sie und blickte zufrieden zu James Talley. „Mein Ruf eilt mir also sogar bis in ihr Universum voraus. Schön zu hören.“<br>Mit einem finsteren Gesichtsausdruck blickte Danny zu dem Anführer der Föderalen Befreiungsarmee.<br>„Ich dachte, ich hätte dich gut gekannt,“ meinte der Lieutenant. „Aber ich hätte niemals angenommen, dass du deinen Coup mithilfe der Allianz planen würdest.“<br>„Ich für meinen Teil hätte niemals gedacht, dass du ein Verräter bist,“ erwiderte der Mann kalt. „Schon gar nicht, nachdem du dich mit meiner Tochter eingelassen hast.“<br>Am liebsten wäre Danny aufgesprungen und hätte wild um sich geschlagen. Doch der taktische Offizier wurde durch seine auf den Rücken gefesselten Hände aufgehalten. Seine Liebe zu Janine mochte zwar tragisch sein, seine Gefühle jedoch aufrichtig.<br>„Die Intendantin und mit ihr die Allianz benutzt dich nur,“ schrie Bird ihn voller <br>Inbrunst an. „Du glaubst doch wohl nicht ernsthaft, dass eine Organisation, die in diesem Universum die Menschheit versklavt hat, den Menschen in einer anderen Realität helfen würde. Sie verfolgt ihre eigenen Ziele.“<br>„Jeder verfolgt seine eigenen Ziele,“ erklärte Janine, die sich nun wieder in die Diskussion einmischte. „Wir haben unsere eigene Agenda und die Intendantin auch. Zu unserem Glück überschneiden sich jedoch unsere und daher haben wir uns entschieden, unsere Kräfte zu bündeln.“<br>„Ein Plan, der fast aufgegangen wäre,“ fuhr die Bajoranerin fort und verschränkte ihre Arme vor der Brust. Es mutete seltsam an, eine Bajoranerin ohne die gewohnten religiösen Ohrringe zu sehen. „Zumindest haben wir es geschafft auf der Erde den Virus freizusetzen. Ich revanchiere mich nun bei Mr. Talley und seiner reizenden Tochter, indem ich ihnen Asyl gewähre.“<br>„Also befinden wir uns hinter dem Spiegel?“<br>Auf diese Frage bekam Bird jedoch keine Antwort. Kira lachte nur und blickte zu ihren beiden Geschäftspartnern.<br>„Ich schlage vor, ihn zu verhören. Er könnte über wichtige Informationen verfügen.“<br>„Welche Art von Verhör meinen sie?“ fragte Janine und auf einmal schwang so etwas wie Besorgnis in ihrer Stimme mit.<br>„Lass dies mal meine Sorge sein,“  antwortete James und tätschelte seine Tochter auf den Arm. „Gehen wir uns nun etwas erholen.“<br>Die drei Personen verließen den dunklen Raum, in dem sich Danny befand. Bevor sie ihn jedoch allein ließen, raunte James ihm zu:<br>„Wir sehen uns gleich wieder!“<br>Und zum ersten Mal, seit der ihn kannte, hörte Danny in Talleys Stimme eine unglaubliche Kälte und Grausamkeit. Seine Aussage wirkte nicht so sehr wie ein Versprechen, sondern mehr wie eine Drohung.<br><br>Zeit, dies wussten sie, war in der gegenwärtigen Situation ein knappes Gut. Hektisch blickte sich Matt Price in dem Klassenzimmer um und überlegte, was er als Verteidigung gegen die angreifenden Opfer des Virus benutzen konnte. Aus taktischer Sicht war dieser Ort alles andere als optimal, dennoch musste er für den Moment reichen. Eine einfache Handbewegung des ersten Offiziers reichte und die Mitglieder des Teams begannen sich für die Verteidigung einzurichten. Young warf einen Schrank um, den er eiligst mit einem weiteren Crewman vor die Tür schob. Als weitere Blockade wurden Tische und Stühle davor geschoben, um ein eventuelles Durchbrechen der Infizierten zu verhindern. Was jedoch unvermeidbar war. <br>„Price an Monitor,“ sagte der erste Offizier, nachdem er eine Komverbindung zum Schiff hergestellt hatte. „Die Transportblockade muss gesenkt werden; wir stecken hier mit einer ganzen Schulklasse tief im Schlamassel!“<br>Die Transportblockade war im Rahmen der Quarantäne über den Stadtteil gelegt worden, damit nicht aus irgendwelchen nicht näher zu bestimmenden Gründen ein Virusopfer aus der Stadt hinausgebeamt werden konnte. Nun jedoch stellte diese Blockade die möglicherweise größte Gefahr für die noch überlebenden Menschen dar. <br>Captain Lewinski wusste dies ganz genau und ging daher das Für und Wieder sorgfältig in seinem Kopf durch. Natürlich würde es nur eine Sache von wenigen Minuten darstellen, alle Eingeschlossenen zu befreien, aber dennoch beinhaltete dies die Chance eines Ausbrechens von Infizierten. Die Auswirkungen eines Quarantänebruchs wären einfach katastrophal und so musste der gerade erst von Arena Tellom zurückgekehrte Captain Lewinski entgegnen:<br>„Negativ, Commander, wir können dies nicht riskieren. Ich werde alle verfügbaren Einsatzteams informieren, die sie unterstützen sollen.“<br>„Und wie weit sind diese entfernt?“<br>Lewinski blickte zu Fähnrich Halek, welche an der wissenschaftlichen Station Tellom vertrat, und diese zeigte mit den Fingern eine Zahl an, die niemandem so recht gefallen wollte.<br>„Wollen dies wirklich wissen?“ antwortete der Captain daher mit einer Gegenfrage.<br>„Verdammt!“ erwiderte Price und beendete die Verbindung. Jegliches Wehklagen half nun nichts mehr, stattdessen hieß es die Kinder zu verteidigen. Um jeden Preis!<br>„Young! Peca! Rechts der Tür positionieren. Aris, sie und ich verbarrikadieren uns direkt vor der Tür. Bently, sie kümmern sich um die Kinder!“<br>Jedes der angesprochenen Mitglieder der Gruppe nickte und begab sich auf seinen Posten. Egal ob Tischte, Stühle oder Kommoden, alles wurde als Deckung und mögliche Hindernisse verwendet.<br>Auf dem Flur hörte man hektische Schritte, deutlich erkennbar stammten sie von mehreren Personen. Aufgeregtes Gemurmel ertönte von den Kindern, die völlig verängstigt waren, während von außerhalb der verrammelten Tür deutlich Stimmen zu hören waren. Es waren die Rufe der vom Virus Infizieren, die miteinander kommunizierten.<br>„Borg! Sie sind hier!!“ riefen sie und klopften panisch gegen jede Tür der Schule. Zweifelsohne kamen sie immer näher.<br>Matt Price umfasste sein Gewehr noch etwas fester und bereitete sich auf das Unvermeidliche vor, da bemerkte er eine Person hinter sich. Es war die junge Lehrerin, die bisher so tapfer auf die Kinder aufgepasst hatte. Sie zitterte wie Espenlaub und wusste nicht so recht, was sie angesichts dieser Situation sagen sollte.<br>„Sie sehen so aus,“ meinte Price fast im Flüsterton, „als hätten sie eine Unmenge an Fragen.“<br>„Vor allem habe ich Angst!“ gab die Lehrerin ohne zu zögern zu. Angesichts des Schreckens, der sich derzeit in Emden abspielte, gab es keinen Grund für ein Verbergen der Gefühle.<br>„Aber sie wollen wissen, was mit diesen Menschen los ist?“ bohrte der erste Offizier weiter nach und hörte abermals, wie die laute der veränderten Menschen näher kam.<br>„Ja.“<br>„Vor zwei Stunden ist ein viraler Kampfstoff freigesetzt worden, der das Gehirn der Betroffenen anfällt. Einfach gesagt halten die Betroffenen andere Personen für Feinde.“<br>„Wie in diesem Fall die Borg?“ fragte die Lehrerin und nickte verstehend.<br>„Die Rufe auf dem Flur sollten ja Antwort genug sein,“ entgegnete der Commander und blickte zu den Kindern, welche auf dem Fußboden in der Ecke des Raums hockten und wimmerten. Einige von ihnen hatten eine Decke über den Kopf gezogen, andere blickten ihn apathisch an. Verflucht seien diejenigen, die diesen Kindern dies antaten! Price hoffte inständig, dass Danny Bird es geschafft hatte, die Urheber dieser Schreckenstat dingfest zu machen. <br>Die Rufe der infizierten Menschen kamen immer näher und damit auch der unausweichliche Kampf ums Überleben…<br><br>Es war furchtbar, wenn man aktiv werden wollte, aber es nicht konnte. Der Präsident der Föderation war im Moment dazu verdammt untätig herumzusitzen und auf Nachrichten von der Front zu warten. Ja, genau das war Emden nun geworden, eine Frontstadt, in der ein gnadenloser Krieg tobte. Ein Kampf ums Überleben, bei dem man sich den schlimmsten Ängsten stellen musste. Nur zu gern hätte er selbst ins Geschehen eingegriffen, selbst einige Aufgaben wahrgenommen, doch er konnte nicht. Die Einsatzteams der Polizei und Sternenflotte, dies wusste er ganz genau, taten ihr Bestes, um der Situation Herr zu werden. Leider sah die Situation derzeit alles andere als gut aus.<br>Von James Talley oder den anderen Urhebern dieser Tat fehlte noch immer jegliche Spur. Sie waren im wahrsten Sinne des Wortes vom Erdboden verschluckt worden. Das gesamte Anwesen der Talleys auf dem Mond wurde durchsucht, alle Räume auf den Kopf gestellt. Jedoch fand man nichts. Keine versteckten Fluchttüren, keine Tunnel und keine Reiserouten. Der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee war mitsamt seiner Tochter und dem Führungsstab seiner Organisation verschwunden. Ob man sie jemals für ihre Tat zur Rechenschaft ziehen könnte? Sobald der gegenwärtige Kampf gegen das Virus gewonnen worden war, würde das Staatsoberhaupt alle Ressourcen auf die Ergreifung Talleys lenken. Ihm musste in jedem Fall der Prozess gemacht werden, so viel stand fest. <br>Wie so oft an diesem Tag kam Commander Kranick herein und musterte den müde wirkenden Präsidenten. Natürlich war ihr klar, dass auch sie nicht wie das blühende Leben aussehen musste, doch der Staatschef machte einen besorgniserregenden Eindruck. Es war wahrscheinlich die Last der Gesamtverantwortung und die Angst um die Erde, die so schwer auf seinen Schultern lastete. Der Präsident war deswegen so beliebt bei seinem Volk, weil er Politik immer als eine sehr persönliche und emotionale Sache ansah. Jetzt jedoch kam ihm diese persönliche Natur alles andere als entgegen.<br>„Geht es ihnen gut, Mr. President?“ fragte Elena Kranick besorgt.<br>„Ja, es geht schon,“ raunte das Oberhaupt der Föderation und las sich ein weiteres Padd mit Berichten aus Emden durch.<br>„Sir, sie müssen eine Erklärung veröffentlichen. Am besten eine Ansprache via Fernsehen, in der sie den Bürgern der Erde klar machen, was im Moment geschieht.“<br>Fast schon erfreut blickte der Präsident auf. Bot sich hier nun endlich die Chance selbst Handeln zu können?<br>„Eine gute Idee, Commander. Daran hätte ich schon viel früher denken müssen. Wann können wir auf Sendung gehen?“<br>„Ich habe mir die Freiheit genommen die Sendeanstalten über unsere Absichten zu informieren. Sobald sie mit der Rede fertig sind, können wir auf Sendung gehen.“<br>Bedächtig nickte der ältere Mann und ging im Geiste schon die ersten Zeilen seiner Rede durch.<br>„Gut. Ich werde sie dann rufen lassen, Commander, wenn ich soweit bin.“<br>„Sehr wohl, Sir!“ entgegnete der Commander und nickte überflüssigerweise, bevor sie wieder das Büro verließ. Sie wollte dem Präsidenten die Ruhe zum Arbeiten geben. <br><br>Unsanft wurde Jozarnay Woil auf ein Feldbett gelegt. Sofort kümmerte sich ein romulanischer Arzt um ihn.<br>Ke’ler nahm ihren Helm ab und sah dem Geschehen zu. In dem kleinen Sanitätscontainer war kaum Platz für eine Hand voll Leute. Noch immer war sie etwas erstaunt über den seltsamen Fund, den sie vor nicht allzu langer Zeit in den Trümmern einer alten Halle gemacht hatten. Sie wollte zuerst den Anzeigen ihres Trikorders nicht glauben, als dieser ein nicht talarianisches Lebenszeichen empfing. So weit abseits der üblichen Zentren, an denen sich die interplanetare Hilfe organisiert hatte.<br>Zuerst war ein Funken Hoffnung in ihr aufgekeimt. Sie hatte gehofft, die Zielperson gefunden zu haben. Um somit dem Ende ihrer Mission und dem heimischen Romulus einen Schritt näher zu kommen.<br>Doch einen Antosianer hier zu finden, damit hatte sie nicht gerechnet. Sie musste sogar zugeben, dass dies der erste Antosianer war, den sie überhaupt getroffen hatte. Schließlich war dieses Volk nicht für seine extrovertierte Art bekannt. Im Gegenteil. Dieses Volk war für sehr wenig bekannt. Sie hatte einmal einer Besprechung während des Dominion Krieges beigewohnt in welcher über Angriffe auf verschiedene Föderationsplaneten die Rede war. Die Analysen kamen alle einhellig zu dem Schluss, dass Antos sowohl von seiner militärischen Bedeutung, als auch aufgrund seines Ressourcenaufkommens sehr unbedeutend war. Nicht nur für das Dominion, als auch für das Romulanische Imperium.<br>Eine weitere Person betrat den Container. Es war Men’tesz, der Kommandant des kleinen Lagers. Somit befanden sich nun 4 Romulaner – neben Men’tesz, Ke’ler waren dies der Arzt und eine Schwester, die ihm half – und Woil in dem Container. Und dieser schien damit aus allen Nähten zu platzen. Men’tesz Blick war grimmig. Nun gut, dies war nichts Neues. Aufgrund der ausbleibenden Fortschritte der Mission war sein Status innerhalb des Tal’Shiar gefährdet. Und Ke’ler war schon lange genug im Dienst um zu wissen, was dies bedeutete. <br>Men’tesz sah sich den schwer verletzten Antosianer genau an.<br>„Prognose?“, fragte er den Arzt.<br>Doch dieser schüttelte nur den Kopf. „Ihn hat’s schwer erwischt. Das Beste wird sein, sie lassen mich arbeiten.“<br>Men’tesz wandte sich zu Ke’ler und wirkte in dem kleinen, düsteren Zelt noch grimmiger als er es eh schon war. „Wieso bringen Sie mir einen fast toten Antosianer?“<br>„Wegen der Frage, die auch in ihrem Kopf ist. Was hat er mit der Mission zu tun? Was macht ein Föderationsbürger auf der umkämpftesten Welt des Quadranten seit dem Dominion Krieg? Wieso trägt er nur ein Leinengewand während um ihn der atomare Winter tobt?“, antwortete Ke’ler, ohne ihren Blick von Woil zu nehmen.<br>„Wenn die Föderation etwas von der Sache mitbekommt, wird das ein Desaster“, bekannte Men’tesz leise und offen gegenüber seiner Stellvertreterin.<br>Ke’ler spürte ihre Chance kommen. „Weihen Sie mich ein Sir, vielleicht kann ich Ihnen helfen“, forderte sie.<br>„Nein, noch nicht, Subcommander. Noch nicht.“ Men’tesz hielt inne. „Geben Sie mir Bescheid, sobald sich der Zustand unseres Patienten ändert. Ich logge mich in die Datenbanken ein. Mal sehn ob die Föderationstruppen einen ihrer Männer vermissen.“<br>Der Kommandant schloss seine Jacke und zog seine Mütze an. „Ich bin in meiner Baracke.“<br>Dann ging er hinaus in die Kälte.<br><br>Einige Hundert Meter entfernt von dem Lager der Romulaner lagen Jellicos Agenten, Nathan Burbank und Marc Mallon, eingepackt in Raumanzügen, im Schnee und blickten wieder einmal durch ihre Ferngläser und auf die Trikorderanzeigen. Beide blickten auf eine Ebene vor ihnen und sahen – nichts.<br>„Sie haben sogar ihr Lager getarnt. Verfluchte Romulaner“, flüsterte Burbank.<br>„Die Trikorder zeigen immer noch nichts an“, berichtete Mallon. „Eine so perfekte Tarnung, auf einem strahlenverseuchten Planeten, hab ich noch nie gesehen.“ Mallon sah zu seinem Kollegen. „Was nun?“<br>„Wir haben keine Wahl. Wir müssen Woil holen.“<br><br>Immer noch lief die Operation an Ardev, dem andorianischen Einsatzoffizier des Raumschiffs Monitor. Sowohl das MHN als auch Dr. Frasier operierten schon seit Stunden den schwer verletzten Lieutenant und versuchten ihm das Leben zu retten. Mehr noch, ihm ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Vor dem OP wartete immer noch Arena Tellom auf eine Nachricht über den Zustand ihres Mannes.<br>Von all dem bekam der Andorianer nichts mit. Er war immer noch narkotisiert und befand sich in einem Zustand des konstanten Träumens. Ardev nutzte die Zeit, um über sein Leben nachzudenken. Obwohl dies vielleicht die falsche Umschreibung für das war, was in seinem Kopf durchging. Denn eigentlich hatte er sich die Themen seiner Träume, die für ihn ungewöhnlich real waren, nicht ausgesucht. Sie entstanden eigentlich von selbst und drehten sich um das wichtigste Thema seines Lebens: seine Frau Arena.<br>In Gedanken reflektierte er noch einmal die Situationen und Momente, in denen sie sich näher gekommen waren und sich schließlich lieben gelernt hatten. Vor ungefähr fünf Jahren gab es die erste Situation, in der er Arena, mit der er damals befreundet gewesen war, sein Herz geöffnet hatte:<br>Der Andorianer Ardev schlief jedoch nicht. Obwohl es mitten in der Nacht war, konnte er einfach nicht einschlafen. Stundenlang hatte er sich hin und her gewälzt, hatte stundenlang nachgedacht, über etwas, was schon zurücklag und ihm immer noch Sorgen, ja sogar Angst bereitete. So stand er schließlich, nur halb angezogen, vor einem ganz bestimmten Quartier. Er betätigte den Türsummer. Das Schott glitt zur Seite.<br>"Hallo Arena."<br>"Guten Abend, oder morgen... Weißt du überhaupt wie spät es ist, Ardev?"<br>Ardev beantwortete diese rhetorische Frage nicht, sondern betrat das Quartier der Terellianerin. Ihre Zimmergenossin hatte Brückendienst und schlief daher allein. Im Moment wollte Ardev auch nicht zu wenig Aufmerksamkeit. Er setzte sich auf die Bettkante und Fähnrich Tellom tat es ihm nach. Ihre Hand berührte sanft die seine und mit mitfühlendem Blick fragte sie:<br>"Was ist los mit dir?"<br>Ardev zögerte lange, während sein Blick durchs Quartier huschte. Er schaffte es nicht, einen bestimmten Punkt zu fixieren. Schließlich blickte er zu Boden und sagte den Satz, den normalerweise kein Offizier zugeben würde:<br>"Ich habe Angst."<br>Tellom war zu verwirrt um etwas zu sagen. Der Andorianer war normalerweise ein Quell der Professionalität und der Ruhe, doch heute war es anders. Er war verschwitzt, er schien unkonzentriert und er zitterte. Ob er einen Alptraum gehabt hatte, ließ sich nicht sagen. Lange Zeit herrschte Schweigen zwischen den beiden, bis Ardev endlich weitersprach.<br>"Diese Nacht hier, ... es könnte morgen Krieg geben. Und ich fürchte mich davor."<br>Tellom beschloß nichts zu sagen, stattdessen nur zuzuhören.<br>"Als ich vor einem Jahr von den Bolivianern gefangengenommen worden war, da haben sie mich verhört. Über den Krieg... den Konflikt mit dem Dominion..."<br>Seine Stimme bebte. Seine Augen wurden feucht. Er kämpfte mit sich selbst um seine Fassung. Schließlich verlor er und weinte. Er weinte wie noch nie in seinem Leben. Es war ihm peinlich. Doch die Person seines Vertrauens verstand ihn und nahm in zärtlich in den Arm. Bisher hatte Ardev mit niemandem über seine Gefangenschaft gesprochen. Bis heute. Das bedeutete Tellom sehr viel.<br>"Ich habe einen Unschuldigen getötet," schluchzte er, "ich, ein Mitglied der Sternenflotte, habe einen Mann getötet, der nur helfen wollte. Einen Sanitäter."<br>Mehr konnte er nicht sagen. Er brauchte auch nicht. Und obwohl Arena Tellom während dieser ganzen Zeit nichts gesagt hatte, herrschte ein geheimes Einverständnis zwischen ihnen beiden. Sie verstanden sich, daß wussten beide. Und so teilten sie Arm in Arm ihren Schmerz, ihre Angst und ihre Hoffnungen. Sie schenkten sich Kraft.<br><br>Das Warten war das schlimmste von allem. Bird konnte sich nur zu gut denken, was bald folgen würde. Noch immer befand er sich in diesem Raum, der nur von einer einzigen Lichtquelle beleuchtet wurde und harrte der Dinge. Wie lange er sich hier schon befand, konnte er nicht einschätzen. Ohne andere Menschen zu sehen, ohne Fenster konnte er nicht die vergangenen Minuten einschätzen. Womöglich waren es sogar schon Stunden!<br>Danny zwang sich ruhig zu atmen. Ob er gerade die Luft eines anderen Universums inhalierte? Er ging jede Wette ein, dass er sich nicht mehr auf dem Mond befand. <br>Halt, diese Aussage war vermutlich nicht ganz richtig! Möglicherweise befand er sich zwar noch auf dem Mond, jedoch nicht mehr in seinem Universum. Sicherlich war er von Talley in das Spiegeluniversum entführt worden, denn ansonsten hätte die Sternenflotte sie schon gefunden. Ob man überhaupt wusste, wo er sich befand? Wenn nein, dann konnte er noch lange auf eine Rettung warten. <br>Dass er sich jemals wieder hier befinden würde, hätte der Lieutenant beim besten Willen niemals angeben. An diesem Ort kulminierte für ihn jeder Alptraum, den man über das Schicksal der Menschheit haben konnte. Er stellte ein Zerrbild dar oder ein Spiegel. <br>Der Föderation und dem Alpha-Quadranten war er schon seit mehr als hundert Jahren bekannt, seit der Zeit von James T. Kirk. Jener glorreiche Pionier der Raumfahrt war während einer harmlosen Außenmission aufgrund eines Transporterunfalls in das Spiegeluniversum geraten, dass ein verzerrtes Abbild der Menschheit zeigte. Dort gab es nicht die Vereinigte Föderation der Planeten, sondern das Terranische Empire, dass mit eiserner Hand über ein Gebiet herrschte, dass zweimal so groß wie das der Föderation war. Zahllose Völker waren durch das brutale Bündnis von Menschen und Vulkaniern unterjocht und ausgelöscht worden, es herrschte Barbarei. Die Sternenflotte existierte nicht hauptsächlich, um zu forschen oder zu verteidigen, sondern um die innere Ordnung mit unglaublicher Härte aufrecht zu erhalten. Doch diese Schreckensversion eines Quadranten, diese abstoßende Gesellschaft erschien noch als ein Segen, im Vergleich dazu, was im 24. Jahrhundert auf den Alpha-Quadranten hinzukam. Die Allianz formte sich, ein politisches, wirtschaftliches Bündnis aus Klingonen, Cardassianern, Bajoranern und einem Dutzend anderer Spezies. Es hätte das Äquivalent der Föderation sein können, doch stattdessen wurde es ein militärischer Block, der nur auf eines aus war: die Vernichtung des Empires. In einem langen, blutigen Konflikt, in dem fast der ganze Alpha- und Beta-Quadrant involviert waren, wurde das Empire langsam zurückgedrängt, erst von den Außenwelten, dann schließlich nach Vulkan und der Erde. Und genauso wie das ruchlose Empire kannte die Allianz keine Gnade, als sie den Planten vier Tage und Nächte lang bombardierte, bis der ganze pazifische Ozean verdampft und soviel Staub in die Atmosphäre aufgewirbelt worden war, dass sich aus der Weltraum nur noch schwarze Wolken über aschgrauen Landmassen zeigten. Dann war Vulkan dran. Trotz ihrer Kapitulation wurde auch dieser Planet verwüstet. Das gesamte Raumgebiet des Empire diente nun als gigantisches Gefangenenlager, wo Milliarden von Menschen und Vulkaniern nur einen geringfügig höheren Status als Tiere hatten und eine neue Zeit der Dunkelheit legte sich über den Quadranten. Exekutionen, Arbeitslager, Folterungen, auch von Frauen und Kindern, sind an der Tagesordnung bei der Allianz, die vom brutalen klingonischen Regenten Worf geführt wird. Und abermals sollten Besucher aus dem anderen Universum eine Veränderung einleiten. Aufgrund eines Plasmalecks strandeten Major Kira Nerys und Doktor Julian Bashir in diesem Universum, auf Terok Nor, einem weiteren Internierungslager, indem zahllose Menschen in den Minen schuften mussten. Ihr Besuch stachelte die Leute an, allen voran den alles andere als ehrenwerten Frachterkapitän Ben Sisko und Miles "Smiley" O´Brien, einen Aufstand anzuzetteln, die große Terranische Rebellion, welche innerhalb kürzester Zeit Terok Nor eroberte und Widerstandszellen in den Badlands und auf Dutzenden von anderen Planeten einrichtete. Wieder einmal zerriess ein Krieg dieses Universum; ein Krieg, der nur schleppend voranging. Doch dank der Hilfe der hier konstruierten Defiant, die mithilfe unseres Captain Sisko gebaut worden war, hatten die Rebellen eine halbwegs schlagkräftige Flotte aufgebaut.. Der Transfer in dieses Universum war jedoch immer noch verboten, aus gutem Grund, wie sich wieder einmal herausstellte. Nur zu gerne wollte Danny wissen, welche Pläne die Intendantin Kira verfolgt. Jedoch schienen diese auf der Hand zu liegen: jedwedes menschliche Leben zu vernichten, egal ob in ihrem oder in anderen Universen.<br>Endlich öffnete sich die Tür und eine Person betrat den Raum. Aufgrund der schlechten Beleuchtung dauerte es etwas, bis der Lieutenant den Besucher als James Talley erkannte.<br>Der Anführer hatte wieder sein geschäftsmännisches Gesicht aufgesetzt und wirkte so, als könne er keiner Fliege etwas zu Leide tun. Doch hinter dieser so netten Fassade steckte ein skrupelloser Mensch, der, wie Danny in den letzten drei Monaten hatte feststellen müssen, nicht vor Genozid zurückschreckte.<br>„Ich habe mich schon gefragt, wann du auftauchen würdest,“ begrüßte Danny seinen Besucher und brachte sogar ein schiefes Lächeln zustande. Er wollte einen starken, furchtlosen Eindruck machen. Was ihm jedoch nur leidlich gelang.<br>„Man sieht dir deine Angst an,“ erklärte James und stellte sich vor dem Gefangenen <br>auf. „Dein Versuch, als starker Mann zu erscheinen, ist gescheitert.“<br>Innerlich kämpfte Danny gegen die aufkeimende Verzweiflung an. Seine Kidnapper haben ihr Ziel erreicht: durch das lange Alleinsein schwand langsam, aber sicher seine Hoffnung. Seine auf den Rücken gefesselten Hände schmerzten und am liebsten hätte er sich die Beine vertreten, doch es ging nicht. Das lange Sitzen war unbequem und verursachte schon fast Schmerzen.<br>„Wie konntest du nur, James?“ fragte Danny und versuchte ein Gespräch zu beginnen; wohlwissend, dass er wohl scheitern würde. „Die Wiege der Menschheit zu zerstören? Scheinbar hast du deine Herkunft vergessen?“<br>Doch der Angesprochene ging gar nicht auf diese Aussage ein. Stattdessen schlug Talley ihm mit der flachen Hand ins Gesicht. Kurz zeigte sich auf seinem Gesicht ein grimmiger Gesichtsausdruck, dann fing sich der geflohene Anführer wieder und stellte die Gegenfrage:<br>„Wie konntest du nur, Danny? Mein Vertrauen missbrauchen und uns alle verraten? Ich habe dir die ganze Zeit über vertraut!“<br>„Ich entnehme dieser Aussage, dass ich meine Sache wohl gut gemacht haben muss,“ entgegnete Danny und lächelte abermals schief. „Also danke für das Kompliment!“<br>Sofort im Anschluss bereute der Lieutenant seine provokante Aussage, denn abermals bekam er einen Schlag ab. Dieses Mal jedoch verschonte James sein Gesicht, schlug ihm stattdessen mit voller Wucht in den Magen. Die Luft blieb dem taktischen Offizier weg, für einen kurzen Moment wurde ihm schwarz vor Augen. Mit diesem Verlauf der Ereignisse hatte er insgeheim gerechnet. Nachdem James Talley zu Beginn des heutigen Tages schon seinen langjährigen Wegbegleiter Nelson beseitigt hatte, war es wohl nur eine Frage der Zeit gewesen, bis er zum Mittel der Folter zur Informationsgewinnung zurückgreifen würde. <br>„Also, für wen arbeitest du?“ stellte James Talley die nächste Frage.<br>Doch statt einer Antwort erntete der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee dieses Mal nur schweigen. Obgleich sich Danny sicher war, dass er auch mit dieser Reaktion wohl Schmerzen ernten würde.  <br>„Wer ist dein Auftraggeber?“ fragte James Talley abermals. „Sternenflotte? Bundespolizei? Verfassungsschutz? Ich werde es sowieso irgendwann herausfinden, also rück mit der Sprache raus!“<br>„Dann fang mal mit dem Suchen an, denn ich werde es dir ganz sicher nicht sagen,“ erwiderte Danny kalt. „Wo wäre denn dann der Spaß an der ganzen Sache?“<br>Eisig blickte James zu ihm herab und ging im Kopf seine Handlungsalternativen durch. Er konnte eine mannigfaltige Zahl an Foltertechniken anwenden, doch aus irgendeinem Grund zögerte er diese anzuwenden.<br>Denn auch wenn er sich dies nur ungern eingestehen wollte, er mochte Danny. Dieser Mann mochte sie alle und ihre Ziele zwar verraten haben, doch er konnte die Gefühle für diesen Menschen nicht einfach abschalten. Drei Monate lang hatte er ihn in seine Gruppe und sogar Familie eingeführt. Nicht erst seit er mit Janine eine Beziehung eingegangen war, hatte James in dem jungen Mann einen Sohn gesehen; möglicherweise sogar einen potentiellen Nachfolger. Zu erfahren, dass diese Person der Maulwurf gewesen war, hatte sich als schwerer Schlag für ihn herausgestellt.<br>„Bitte zwing mich nicht Methoden anzuwenden, die uns beiden nicht gefallen werden,“ erklärte James Talley mit einer seltsam traurigen Stimme.<br>„Ich zwinge dich zu gar nichts. Du hast die Wahl, die Handlungsalternative. Stell dich jetzt den Föderationsbehörden und ich werde ein gutes Wort bei dir einlegen.“<br>Angesichts der in dieser Situation so abwegigen Worte schüttelte James den Kopf.<br>„Du hattest deine Chance,“ erklärte der dunkelhäutiger Mann mit trauriger Stimme. „Was nun folgt, daran wirst du Schuld sein.“<br>Statt einer Antwort blickte Danny ihn nur an und wartete auf die Dinge, die nun unweigerlich auf ihn zukommen würden. Natürlich hatte er Angst vor den Schmerzen, die bald auf ihn zukommen würden, doch er war bestrebt nicht aufzugeben. Er war willens sich nicht brechen zu lassen.<br>James begann mit harmlosen Dingen: mit den Fäusten schlug er ihm mehrfach ins Gesicht, bis einige Zähne zertrümmert waren und Blut aus mehreren klaffenden Wunden tropfte. Dann verlagerte er seine Aktivitäten in den Bereich von Dannys Oberkörper. Seine Rippen wurden malträtiert, danach seine Lungen und Nieren. Bis alles, was es an Birds Körper tat, schmerzte. Der Lieutenant hatte keinerlei Ahnung, wie viel Zeit verging. Möglicherweise waren es nur zehn Minuten, die vergangen waren, aber es kam ihm wie Stunden vor. Alles schmerzte, sein Körper schrie nach Erbarmen, doch Danny versuchte im Geiste stark zu bleiben. Er wollte sich gegenüber James nicht die Blöße der Aufgabe geben. Auch wenn dies zur Folge hatte, dass der Schmerz immer und immer wiederkehren würde… <br><br>Laut schlugen die infizierten Menschen gegen die Tür des Klassenzimmers und versuchten sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen. Fast schon war Matthew froh, dass sie nun hier waren. Manchmal war die Phase des Wartens schlimmer als der Kampf, diese Erfahrung hatte der Commander im Dominion-Krieg machen müssen. Jedoch war er gezwungen, schon bald diese Einschätzung zu korrigieren.<br>„Borg! Borg!“ erschallte es von draußen und abermals schlugen die vom Virus veränderten Menschen gegen die altmodische Holztür. Die Mitglieder des Teams bereiteten sich auf den Angriff vor, während die Lehrerin verzweifelt versuchte die schreienden Kinder zu beruhigen, was ihr jedoch nur leidlich gelang.<br>„Alle bereit?“ fragte Price in die Runde hinein und bekam ein Nicken seiner Kameraden als Antwort.<br>Die Grundschule war als traditionelles Lehrinstitut errichtet worden, mit altmodischem Mobiliar und Einrichtung, damit die Schüler in einer natürlichen Umgebung lernen konnten. Doch nun wurde ihnen diese Bauweise zum Verhängnis. Es dauerte nur wenige Minuten, bis die Holztür dem wütenden Ansturm der Angreifer nachgeben musste.<br>Ein etwa faustgroßes Loch wurde in den Eingang geschlagen, durch den Matt Price sofort einige ungezielte Schüsse abfeuerte. Schreie vom Flur bedeuteten ihm, dass er tatsächlich getroffen hatte. Doch immer mehr Hände versuchten durch die Öffnung zu greifen und sich weiter Zugang zu verschaffen. Ein weiteres Holzstück wurde herausgerissen, groß genug, dass man die Infizierten erblicken konnte. Es handelte sich bei ihnen um ganz normale Menschen, Männer und Frauen, die unter normalen Umständen niemals zu diesen Taten im Stande gewesen wären. Sie alle waren Opfer dieser furchtbaren biologischen Waffe, die von der Föderalen Befreiungsarmee eingesetzt worden war. Chief Aris und Matt gaben noch einige weitere Schüsse durch die entstandenen Öffnungen ab und erwischten abermals einige Angreifer, die auch keine Anstalten machten in irgendeiner Art und Weise taktisch vorzugehen. Die Infektion hatte sie auf einen reinen Selbsterhaltungstrieb beschränkt. Sie alle sahen nur noch Borg vor sich, gegen die sie sich verteidigen mussten.<br>Es gab ein ohrenbetäubendes Krachen, dann gab schließlich die Holztür unter dem Ansturm nach. Nun strömten die Infizierten zuhauf in den Raum, nur noch gebremst durch die Barrikaden, die von dem Außenteam aufgebaut worden waren.<br>„Freies Feuer!“ schrie Price seinem Team zu und gab instinktiv mehrere Salven in die angreifende Menge ab. „Jeder Schuß muss ein Treffer sein!“<br>Ohne zu zögern kam das Team diesem Befehl nach und eröffnete ebenfalls das Feuer. Ein Infizierter nach dem anderen wurde von Gewehrsalven getroffen und ging zu Boden, doch der Strom an Angreifern schien nicht abzureißen. Scheinbar waren inzwischen mehr Menschen von der Epidemie betroffen, als zuvor geahnt worden war. Price schmerzte es deutlich, einen Zivilisten nach dem andere erschießen zu müssen. Mittels seiner empathischen Fähigkeiten spürte er ganz deutlich, dass die Angreifer ebensoviel Angst hatten wie das verteidigende Team. Sie waren einfach nur Opfer einer viralen Umprogrammierung geworden. <br>Während die Infizierten immer weiter vorrückten, fragte sich Price, ob es überhaupt eine Rettung für die Betroffenen gegeben hätte. Hätte man bei ausreichender Zeit einen Impfstoff oder gar eine Heilung entwickeln können? Scheinbar nicht, denn das Wissen um die Biowaffe war schon über ein Jahr alt und dennoch hatte man bisher keinen Schutz entwickeln können. Abermals versuchte sich Matthew einzureden, dass er die Menschen von ihrem Leid erlöste, als er einen weiteren niederschoss, doch dies war nur ein schwacher Trost.<br>Inzwischen glühten die Phasergewehre des Außenteams, doch sie schafften es einfach nicht die Angreifer am Vordringen zu hindern. Zu zahlreich waren sie und zu wenige das Team von der Monitor. Schritt für Schritt zogen sie sich in den hinteren Bereich des Raums zurück, zu den an der Wand kauernden Kindern, um sie zu schützen. Doch sie alle wussten, dass sie so nur Zeit schindeten. Ihre Niederlage war unausweichlich, so viel stand fest.<br>„Wir schaffen es nicht!“ schrie Crewman Young und wich gerade noch so eben einem gezielten Hieb von einem Infizierten aus. Eine einzige Berührung hätte das Ende für ihn bedeutet.<br>„Stellung halten!“ schrie Price in das Chaos hinein, um sowohl das Phaserfeuer, die Angreifer und zugleich die weinenden Kinder zu übertönen. Was sollte bloß aus ihnen werden?<br>Doch alles Schießen und Kämpfen brachte nichts. Crewman Peca konnte nicht dem Ansturm standhalten und zwei Angreifer stürzten sich auf den schreienden Mann, infizierten ihn mit einer bloßen Berührung. Sowohl Price als auch Aris reagierten instinktiv, als sie die panisch aufgerissenen Augen ihres Kameraden erblickten und erschossen ihn. Im Moment der Infektion wurden aus ehemaligen Freunden Feinde, dies war das Teuflische an dieser Waffe. Peca, der sonst immer so ruhige Mann, der für alles und jeden ein freundliches Wort übrig gehabt hatte.<br>Natürlich fiel ihnen diese Tat nicht leicht, doch für Schuldgefühle war derzeit kein Platz. Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein Kampf um das Überleben.<br>Ein Kampf, den sie gerade im Begriff waren zu verlieren. <br>Innerlich schloß Matt mit seinem Schicksal ab. Seine letzten Gedanken vor dem unausweichlichen Ende galten Elisabeth und seiner Tochter Yasmin. Wenigstens waren sie beide in Sicherheit. Wie würden sie nach seinem Tod klar kommen? Direkt vor Matt stand ein Infizierter und bereitete sich auf den Angriff vor. Zwar schoß der Halbbetazoid weiter, aber es half nichts. Die Schreie und Rufe der Infizierten waren ohrenbetäubend und schrecklich.<br>Plötzlich fauchten noch mehr Phaserstrahlen durch den Raum und neutralisierten einen Großteil der Angreifer. Das Team rund um Commander Price brauchte eine Weile, um zu verstehen, dass die Schüsse aus dem rückwärtigen Bereich des Raumes kamen: es war die Gruppe rund um Fähnrich Kensington, die sprichwörtlich in letzter Minute gekommen war. Mit vereinten Kräften kämpften beide Teams die Infizierten nieder und schafften es doch noch, die Kinder vor dem sicher geglaubten Tod zu retten. <br>„Rettung in letzter Minute, nicht wahr, Commander?“ rief Fähnrich Kensington auf ihre typisch spöttische Art und Weise, nachdem der Raum gesichert worden war.<br>„Ich hätte nicht gedacht, dass ich dies mal sagen würde,“ erwiderte der erste Offizier der Monitor, „aber ich bin froh, sie zu sehen!“<br>„Verluste?“<br>„Peca ist tot,“ erklärte Price und blickte erst zu der Leiche des jungen Sternenflottlers, dann zu den Unzähligen anderen, die auf dem Boden lagen. Es war in der Tat ein harter Kampf gewesen.<br>Angesichts dieser Information nickte Samira Kensington betroffen, sagte jedoch nichts. Wahrscheinlich hatte es auch ihr die Sprache verschlagen angesichts dieses ganzen Leids. <br>„Es sind einfach zu viele,“ meinte sie schließlich und überprüfte die Anzeigen ihres Tricorders. „Wir kommen einfach nicht hinterher. Eine andere Lösung muss her.“<br>„Ich bin offen für Vorschläge,“ erwiderte der Commander und blickte zu den Kindern, die zwar immer noch verängstigt waren, aber zum Glück nicht mehr schrieen.<br>Doch leider hatte niemand von ihnen eine Idee, wie sie der Situation Herr werden sollten. Vielleicht war das Schicksal der Erde ja doch besiegelt. <br>Chief Aris ging durch den Raum und blieb bei einer Leiche stehen. Er betrachtete sie lange, stupste sie gar vorsichtig mit dem Fuß an, so als könne er nicht so recht glauben, dass sie tatsächlich tot war. Irgendetwas schien den Unteroffizier zu beschäftigen.<br>„Ist es nicht seltsam,“ fragte er in den Raum hinein, „dass auf einmal so viele von ihnen aufgetaucht sind? Die ersten, die uns entdeckt hatten, waren bei Weitem nicht so zahlreich.“<br>„Da haben sie recht,“ bestätigte ihn der Fähnrich und auch Price hörte nun genauer zu. An dem, was der Chief gesagt hatte, war etwas dran.<br>„Worauf wollen sie hinaus, Chief?“ fragte der Halbbetazoid interessiert.<br>„Bisher sind wir davon ausgegangen, dass infizierte Personen nur noch eine rudimentäre Intelligenz besitzen. Jegliches taktische Denken haben sie verloren, auch ihre Fähigkeit zur klaren Kommunikation; wenn man mal von den Rufen absieht, die sie immer wieder von sich geben.“<br>„Aber sie gehen von einer Kommunikation aus?“ schlussfolgerte Matt Price.<br>„Ja, denn anders kann ich mir einfach nicht erklären, wie auf einmal so viele von ihnen uns angreifen konnten. Auf irgendeine Art und Weise muss es sich herumgesprochen haben, dass hier ein Team der Sternenflotte fest gesessen hat.“<br>„Telepathie,“ vermutete Fähnrich Kensington und die an der Diskussion beteiligten Personen nickten. <br>Eine einleuchtende Erklärung, wenn man längere Zeit einmal darüber nachdachte. Bisher hatte man niemals Tests an betroffenen Personen durchführen können, daher konnte auch niemand das Gegenteil beweisen und Price war schon während des Angriffs ein bestimmtes Gefühl aufgefallen, welches er gespürt hatte. Er hatte es für Emotionen seines Teams gehalten, doch genauso gut hätten sie von den Angreifern stammen können.<br>„Ich glaube hier bietet sich eine Chance,“ murmelte Price gedankenverloren.<br>„Wie meinen sie das, Sir?“ fragte Fähnrich Kensington und wölbte überrascht eine Augenbraue. Für einen Moment schien sie ihren Ärger über den ersten Offizier zu vergessen. <br>„Ich denke da weniger an Kommunikation,“ erklärte Price, „als vielmehr an eine Falle. Ich muss auf der Stelle auf die Monitor zurückkehren. Chief Aris, sie übernehmen das Team!“<br>Tatsächlich hatte der Commander eine Idee. Es galt nur noch, sie schnell genug umzusetzen!<br><br>Die Fernsehkameras waren aufgestellt, der Präsident für den Auftritt in der Öffentlichkeit vorbereitet worden. Vor ihm, auf einem Teleprompter, wartete seine Rede nur darauf von ihm verlesen zu werden. Dieses Mal hatte er darauf bestanden, sie selbst zu schreiben. Nicht nur, weil er selbst etwas zu tun haben wollte, sondern auch weil er auf diese Art und Weise viel persönlicher sprechen konnte. Es sollten seine Worte sein, die das Volk erreichen sollten. <br>Die zahlreichen Techniker in seinem Büro nahmen die letzten Justierungen an den Kameras und Mikrofonen vor. Alles sollte perfekt wirken. Der Präsident saß an seinem Schreibtisch, seine Hände gefaltet vor sich auf ihm abgelegt. Zu seiner rechten und linken war die Flagge der Vereinigten Föderation der Planeten aufgestellt, im Hintergrund zeigte sich durch das große Fensterpanorama die Kulisse von Paris. Majestätisch ragte der Eiffelturm in den Himmel, wie ein Fels in der Brandung. Genau so wollte das Staatsoberhaupt ebenfalls erscheinen. Es galt dem Volk der Erde Halt und Kraft zu geben. <br>Ein Fernsehtechniker zählte mit seiner rechten Hand die letzten Sekunden herunter und gab ihm mit einer abschließenden Geste zu verstehen, dass sie nun auf Sendung waren. Noch einmal sammelte der Präsident sich und begann dann mit der Rede:<br>„Meine verehrten Bürgerinnen und Bürger, ich wende mich in einer außergewöhnlichen Stunde an sie alle. Manche von ihnen mögen es vielleicht schon aus den Nachrichten gehört haben, andere sind möglicherweise direkt von der Krise betroffen. Ich möchte die Sendezeit nutzen, um sie über die genauen Ereignisse aufzuklären und um ihnen mit zu machen.<br>In der Tat ist die Erde Ziel eines terroristischen Angriffs geworden. Vor gut drei Stunden ist es einer Organisation namens Föderaler Befreiungsarmee gelungen, in der norddeutschen Stadt Emden eine biologische Waffe freizusetzen. Diese bewirkt eine Veränderung der chemischen Prozesse im Gehirn, woraufhin die Betroffenen wie wild reagieren. Dank der hervorragenden Arbeit unserer Sicherheits- und Hilfsorganen ist es gelungen die Ausbreitung des Virus auf einen Emder Stadtteil zu begrenzen. Ich betone also an dieser Stelle noch einmal, dass derzeit keine Gefahr für den restlichen Teil Deutschlands oder gar der Erde besteht. Sämtliche eingesetzten Behören sind absolut Herr der Lage und werden in wenigen Stunden wieder gänzlich die Kontrolle über die Stadt erlangen.<br>Ich möchte ihnen allen jedoch auch nichts vor machen. Derzeit ist die Lage innerhalb des betroffenen Stadtteils ernst. Viele Menschen sind gestorben oder derzeit noch auf der Flucht. Glauben sie mir jedoch, wenn ich versichere, dass alles gut werden wird. Nicht nur wird in Emden bald wieder die Ordnung hergestellt werden, auch werden wir die Urheber dieser grauenvollen Tat ausfindig machen und nach unseren Gesetzen bestrafen.<br>Was wir nun brauchen, ist der Zusammenhalt aller. Die Föderation, dessen bin ich mir absolut sicher, wird gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Bis dahin möchte ich sie um ihre Hilfe bitten. Spenden sie, helfen sie mit Lieferungen oder beteiligen sie sich aktiv an bereits eingeleiteten Wideraufbauprojekten.<br>Gemeinsam werden wir diese Krise meistern! Danke für ihre Aufmerksamkeit.“<br>Die Kameras erloschen und die Techniker lächelten ihrem Präsidenten zu. Dieser atmete tief durch und war zufrieden. Die Rede war besser gelaufen, als er angenommen hatte. Hoffentlich schaffte er es mit ihr den Menschen etwas Hoffnung zu spenden. Diese benötigten sie gerade jetzt am dringendsten! <br><br>Immer wieder brachen die Wellen. Sie erzeugten dieses wohlklingende Geräusch, das sich jedes Mal veränderte. Für jeden mochte dies nur ein dumpfes Hintergrundrauschen sein, doch Jozarnay Woil vermochte es, den Unterschied wahrzunehmen. Er vermochte, die Einzigartigkeit zu erkennen. Diese unendliche Perfektion jedes einzelnen Moments.<br>Er spürte den feinen Sand, auf dem er saß.<br>Er spürte den sanften Wind, der seinen Körper umschloss und doch weitertrug. Er spürte den prickelnden Schauer einer Gänsehaut, den die Brise auslöste. Mit seinen tiefen Atemzügen nahm er die Luft in seine Lungen auf, jeden Geruch, jedes Geräusch, alle Wärme, die dieser Tag bereithielt.<br>Er öffnete die Augen und blickte in den Sonnenuntergang, der den Himmel und die unzähligen kleinen Wolken blutrot färbte. <br>„Was denkst du?“ Stellas Stimme flog zu ihm und fügte sich in den Wind ein.<br>„Dies ist der schönste Tag meines Lebens“, antwortete Woil sofort. Glücklich, mit einem Lächeln auf den Lippen. Trauriger blickte er darauf zum Sonnenuntergang. „Schade, dass er zu Ende geht.“<br>Stella saß hinter Woil. Sie legte ihre Arme um ihn, umschlang ihn geradezu damit und legte ihren Kopf auf seine Schulter.<br>„Wieso denkst du, dass der Tag zuende ist?“, wollte Stella wissen.<br>„Ich spüre es. Tief in mir“<br>Stelle drehte Woils Kopf sanft zu ihrem herum, damit sie ihm in die Augen sehen konnte. Dann küsste sie ihn.<br>„Du irrst dich.“<br>Verwundert blickte er in Stellas Augen. Sie war sich dessen so sicher. Doch wie konnte sie das.<br>In diesem Moment berührte die untergehende Sonne den Horizont.<br>Doch anstatt der eintretenden Dunkelheit geschah das Gegenteil. Über die Wellen des Meeres breitete sich ein Teppich aus Licht aus. In Windeseile legte er sich auf alles. Als würde jedes Atom strahlen vor Glück und Freude. Und so geschah es, dass Woil inmitten glitzernden Lichts saß. Inmitten einer Welt, wie er schöner noch nie eine gesehen hatte.<br>„Jozarnay, dies ist erst der Anfang“, klang Stellas Stimme. Doch sehen konnte Woil sie nicht mehr.<br>„Ich liebe dich Jozarnay.“<br>Dann gab sich Woil dem Licht hin.<br><br>Die Operation an Ardev dauerte noch an und immer noch dachte er über seine Ehe nach. Es hatte nach diesem denkwürdigen Moment, indem er seine Angst gegenüber Tellom zugegeben hatte, nicht mehr lange bis zum Eingestehen der Liebe gedauert. Während die Monitor im Orbit der Erde angedockt gewesen war, hatte ein Großteil der Crew die Zeit für Landurlaub genutzt. Auch Ardev und Arena hatten sich ein im wahrsten Sinne des Wortes romantisches Fleckchen Erde ausgesucht und so war das Eingeständnis ihrer Liebe zu einem wunderschönen Ereignis geworden, wie man es eigentlich nur aus einem Film oder der Literatur kannte:<br>Die Bucht von San Francisco war nachts nur mit einem Wort zu beschreiben: atemberaubend. Wunderschön traf es auch, doch dieses Attribut hieb sich Lieutenant Ardev für jemanden anderen auf. Lange betrachtete er Arena Tellom, wie sie den Mond und die Sterne beobachtete. Ihr Haar wehte sanft im Wind hin und her und ihre Augen leuchteten, während sie von ihrer Heimat erzählte:<br>"Terellia ist ein wunderbarer Planet. Warme Temperaturen, freundliche Menschen, viele historische Schätze. Du würdest es mögen."<br>Komisch. Nach all den Jahren im Weltraum hatte Ardev etwas nicht annähernd so schönes gesehen wie diese junge Frau. Ihre kindliche Begeisterung war fast schon ansteckend.<br>"Ich denke," sagte sie und streckte den Zeigefinger in den dunklen Himmel, "er befindet sich hier."<br>Ardev lächelte und zeigte erst auf einen weiteren Stern, senkte seine Hand dann jedoch langsam und deutete auf seine weibliche Begleiterin, die ihn weiterhin lächelnd ansah.<br>"Meine Heimat," sagte er freundlich, "ist immer da, wo du auch bist!"<br>Es waren die romantischsten Worte, die Tellom je gehört hatte. Seit sie den Entschluß gefaßt hatte, zur Sternenflotte zu gehen ( und das war im Alter von 9 gewesen), hatte sie nur auf dieses Ziel hingearbeitet. Für lange Freundschaften oder gar Beziehungen war da nie Platz gewesen. Sie war zufrieden damit gewesen, ihr Leben mit Arbeit zu füllen, kosmische Phänomene zu beobachten und hin und wieder ihre Familie zu besuchen. Doch dieser junge Mann hatte schon vor langem in ihr eine Seite berührt, die sie bisher noch nicht gekannt hatte. Sein exotisches Äußeres, seine blaue Haut und insbesondere natürlich seine offene, ehrliche Art übten eine starke Anziehungskraft auf sie aus. Sie nahm ebenfalls ihren Finger vom Nachthimmel und langsam berührten sich ihre Finger. Beide lächelten. Dies war der Beginn von etwas neuem. Etwas wunderbarem, wie beide hofften.<br><br>James Talley hatte endlich mal von ihm abgelassen. Nun befand sich Danny Bird allein in diesem dunklen Raum und wartete auf die nächsten Wellen des Schmerzes, welche durch seinen Körper jagen sollten. Seltsamerweise war es mal wieder so, dass die Erwartung von Schlägen schlimmer war als die Schläge selbst. Blut tropfte von seinem geschundenen Körper herab und hatte sein Hemd eingefärbt. Zahllose Schrammen und Wunden zeigten sich in seinem Gesicht und Danny hatte vor kurzem einen Zahn ausgespuckt. <br>Das letzte Mal, als Danny Bird gefoltert worden war, hatte er sich ebenfalls im Spiegeluniversum befunden. Damals war er an diesen Ort gekommen, um „Smiley“ O´Brien zu finden, der spurlos verschwunden war. Wie sich später herausgestellt hatte, befand sich der Anführer der Rebellen in einem veränderten Universum, in der das Terranische Empire niemals untergegangen war und mit harter Hand herrschte. An Bord der ISS Monitor waren sowohl O´Brien als auch Bird grausam gefoltert worden. Zynischerweise hatte es sich bei seinem Peiniger um Captain Bruce Land gehandelt. Während der Bruce Land seines Universums einer seiner engsten Kameraden und Vertrauten war, hatte es sich bei der Spiegelversion um einen Sadisten gehandelt, dem jedes Mittel recht gewesen war. <br>Auch James Talley war jedes Mittel recht, jedoch ließ er die sinnlose Brutalität vermissen, die Captain Land an den Tag gelegt hatte. Irgendwie wirkte James trotz seiner Methoden seltsam kultiviert. Ein kurioser Widerspruch, in der Tat, aber er war ein Fakt.<br>Eine Tür öffnete sich und abermals betrat eine Person den Raum. Für einen kurzen Moment fürchtete Danny, dass James zurückkehrte und sein grausames Werk fortsetzen wollte, doch zu seiner Überraschung handelte es sich bei der Besucherin um Janine. Trotz der momentanen Situation war der taktische Offizier der Monitor erleichtert, sie zu sehen. Ihre Schönheit stand in einem seltsamen Kontrast zu der Brutalität dieses Ortes und spendete ihm Kraft. <br>Wie hatte ihm dies nur passieren können? Sich in die Person zu verlieben, die man eigentlich observieren sollte, gehörte zu den klassischen Fehlern eines Agenten. Auf den Lehrgängen wurde man immer wieder davor gewarnt, sich zu nah an die Zielpersonen heranzuwagen. Doch die Personen, die diese Regeln aufgestellt hatten, mussten sich wohl niemals in einem solchen Einsatz befunden haben. Monatelang unter Fremden zu arbeiten, das gewohnte Umfeld und Freunde zu verlassen war überaus hart und daher war es nur natürlich, dass man neue soziale Kontakte innerhalb der Struktur knöpfte, die man eigentlich unterwandern sollte.<br>Janine Talleys Gesicht zeigte eine Mischung aus Entsetzen und Verzweiflung. Natürlich hatte sich Danny Bird als ihr Feind herausgestellt. Jedoch war er auch der Mann, den sie liebte.<br>„Du siehst nicht gut aus,“ raunte Janine, holte ein Taschentuch aus ihrer Hosentasche und tupfte damit sein Gesicht ab.“<br>„Du solltest deinen Vater nach dem Grund hierfür fragen,“ entgegnete Danny und versuchte zu lächeln, was ihm aufgrund der Schmerzen jedoch deutlich misslang. <br>„Dad hat Gründe für sein Handeln und das weißt du.“<br>„Nein, das weiß ich nicht!“ erwiderte der Lieutenant zornig. „Ich weiß nicht, wie man Folter rechtfertigen kann, um an Informationen zu gelangen.“<br>Irritiert hielt Janine von ihrem Tun inne und musterte ihren Freund. In ihrem Gesicht zeigte sich dasselbe Unverständnis wie bei Danny.<br>„Du hast uns belogen und fast verkauft,“ erklärte Janine auf eine Art und Weise, als würde man einem Kind Sachverhalte erklären müssen. „Würdest du in einer ähnlichen Situation nicht genauso handeln wie wir?“<br>„Ich wäre niemals in eine solche Situation gekommen, Janine, denn ich käme niemals auf die Idee, die Erde zu vernichten.“<br>Traurig seufzte die hübsche Frau.<br>„Du verstehst unsere Ziele einfach nicht. Ich dachte, du wärst ein treuer Anhänger unserer Ideale geworden, doch ich scheine mich geirrt zu haben.“<br>„Wie kann man nur so verblendet sein?“<br>„Verblendet?“ Zum ersten Mal wirkte Janines Stimme gereizt. Scheinbar hatte Danny gerade etwas sehr falsches gesagt. „Mein Vater hat Ideale und Ziele, für die er hart gearbeitet hat. Bist du dir eigentlich bewusst, wie viel Zeit und Energie er investiert hat, damit dieser heutige Tag Wirklichkeit wird?“<br>„Das klingt bei dir so, als wärst du stolz darauf, was er getan hat.“<br>„Das bin ich auch. Mein Vater sieht nicht nur die Probleme, sondern er will auch etwas verändern.“<br>Für einen kurzen Moment schwiegen die beiden jungen Menschen. Es dauerte einige Zeit, bis Danny seine Gedanken geordnet hatte. Zu abwegig schien die ganze Diskussion in seinen Augen zu sein. Doch etwas Gutes hatte die ganze Sache: im Zuge der Aufregung hatte er die Schmerzen, welche an ihm nagten, vergessen.<br>„Und was für Probleme wären das, bitte schön?“<br>„Er will die Macht wieder in die Hände des Volkes legen. Die Regierung hat sich schon zu weit von uns entfernt.“<br>„Für so etwas gibt es Wahlen. Das ist halt so in einer Demokratie!“<br>Aufgeregt warf Janine ihre Hände in die Höhe.<br>„Wir haben es doch nur noch mit einer Scheindemokratie zu tun! Die politische Elite tut alles, damit ihr die Macht nicht entrissen werden kann. Wir haben doch gar keine andere Wahl, als zu diesen Mitteln zu greifen!“<br>Es war schon seltsam, dass extreme Gruppierungen immer davon sprachen, äußere Umstände hätten sie zu ihren Taten gezwungen. Ein Paradoxon, welches sich durch alle Völker und Epochen zieht.<br>„Ich sehe dies ein wenig anders…“ erklärte Danny lapidar und merkte, dass aus dieser Diskussion die Luft raus war. Auch Janine räusperte sich kurz, bevor sie meinte:<br>„Du hast uns bei allem belogen. Es war alles nur ein Trick.“<br>„Nicht alles.“<br>Über diese Aussage war Danny selbst überrascht. Fast schon war sie ihm nur so herausgerutscht. Doch es lang ihm am Herzen einige Dinge klar zu stellen.<br>„Zum Beispiel?“ fragte die hübsche Frau argwöhnisch. <br>„Dass ich dich liebe, war keine Lüge!“<br>Ihre Blicke trafen sich und in seinen Augen konnte Janine deutlich lesen, dass er die Wahrheit sagte. Für einen kurzen Moment herrschte eine unglaubliche Wärme zwischen ihnen beiden.<br>„Bitte sag meinem Vater alles, was er wissen will. Dann wird er dir auch nicht weiter Weh tun müssen.“<br>Es war ein Herzenswunsch der jungen Frau. Sie sagte es mit einer solchen Inbrunst, dass Bird wirklich für einen kurzen Moment aufgeben wollte.<br>„Du weißt, dass ich das nicht kann.“<br>Janine nickte verstehend und schien gleich den Raum verlassen zu wollen. Bevor sie dies jedoch tat, sagte sie noch:<br>„Ich wünschte der Vater meines Kindes hätte anders entschieden.“<br>Verdutzt blickte der Lieutenant auf. Hatte er da eben richtig gehört oder den Sachverhalt einfach nur falsch verstanden?<br>„Wie meinst du das?“<br>„Das ist das, was ich dir heute schon in deinem Zimmer hatte sagen wollen: ich bin schwanger…. wir werden ein Kind bekommen!“<br>Mehr konnte Janine nicht sagen. Überwältigt von ihren eigenen Gefühlen eilte sie aus dem Folterraum und ließ den enttarnten Agenten abermals allein. Dieser wusste nicht mehr, was er nun sagen sollte. <br><br>Auf der Brücke der Monitor liefen alle Informationen über die Ereignisse in Emden zusammen. Wie ein Fels in der Brandung stand Captain John Lewinski in der Mitte der Kommandozentrale und überblickte seine arbeitenden Offiziere. Er versuchte eine Atmosphäre der Ruhe zu verbreiten, die er selber gar nicht spürte. Denn in seinem tiefsten Inneren, auch wenn er dies natürlich niemals zugeben würde, hatte er Angst. Angst davor, was aus der Erde werden würde, wenn sie es nicht schaffen würden die Epidemie einzudämmen. Das Schicksal der Menschheit schien sich gerade in diesem Moment zu entscheiden und derzeit sah es alles andere als gut aus. Die Zahl der Infizierten stieg einfach zu schnell, die Eingreifteams kamen einfach nicht mit ihrer Arbeit hinterher. Wobei „Arbeit“ ein sehr makaberer Begriff für das war, was sie machen mussten. Immerhin wurde von diesen Männern und Frauen verlangt, dass sie Dutzende Menschen töteten. Unschuldige und im schlimmsten Falle sogar Kinder. Es würde lange dauern, bis viele von ihnen mit ihrem Gewissen ins Reine kamen. Auch John würde es nicht anders gehen. Dieser Tag war der wohl schlimmste in seinem Leben. Erst die Nachricht von dem Angriff, dann das Befreien seines Bruders, das Stellen gegen die direkten Befehle des Präsidenten und nun die Freisetzung des Virus. Konnte es noch schlimmer werden?<br>Zischend öffnete sich die Zugangstür zur Brücke und Commander Price trat hinein. John hatte gar nicht so recht mitbekommen, dass sein Stellvertreter zur Monitor zurückgekehrt war und hoffte, dass wenigstens er mit guten Nachrichten aufwarten konnte.<br>„Was ist, Matt?“<br>„Die Situation ist schlimm, Skipper,“ entgegnete der Halbbetazoid und fuhr sich mit dem Ärmel seiner Uniform über die schwitzende Stirn. „Die Zahl der Infizierten steigt einfach viel zu schnell.“<br>„Habe ich schon gehört,“ war die niedergeschlagene Erwiderung des Kommandanten. <br>„Ich habe jedoch eine Idee.“<br>„Nur raus damit!“<br>In dieser Situation war der Captain für jeden Vorschlag offen, der sie einer Lösung des Problems näher bringen konnte, egal, wie abwegig sie auch sein mochte.<br>„Vor wenigen Minuten sind wir nur knapp einem großen Angriff von Infizierten entgangen. Sie kamen in einer derart großen Zahl, dass ich ehrlich gesagt schon mit meinem Leben abgeschlossen hatte.“<br>„Verluste?“ fragte Lewinski entsetzt. <br>„Peca,“ erklärte Price ohne zu zögern. Diese Geste sollte nicht respektlos wirken, es galt einfach nur nicht irgendwelche Zeit zu verlieren. „Es waren plötzlich so viele von ihnen, ohne die Hilfe von Fähnrich Kensington wären wir da nicht herausgekommen.“<br>„Peca… Peca,“ murmelte der Captain mehrfach und sein Blick ging ins Leere. Ein weiterer Crewman, der am heutigen Tage schon sein Leben lassen musste. <br>„Meiner Meinung nach müssen die Infizierten sich untereinander verständigt haben, denn anders kann ich es mir einfach nicht erklären, dass sie in immer größeren Wellen kamen.“<br>„Was meinst du damit?“<br>Die Frage Lewinskis war berechtigt und aus den Augenwinkeln nahm er wahr, dass nun auch andere Offiziere auf der Brücke ihrem Gespräch folgten.<br>„Ich denke da an Telepathie… ich habe da so etwas gespürt.“<br>„Und wie soll uns das weiterhelfen? Eine friedliche Lösung werden wir nicht finden. Dazu ist die Intelligenz der Betroffenen auf ein zu rudimentäres Maß zurückgestuft worden.“<br>„Ich weiß,“ erklärte Price und lächelte plötzlich. „Daher dachte ich vielmehr an die Möglichkeit einer Falle!“ <br>„Eine Falle? Wie soll das denn funktionieren?“<br>Für einen winzigen, fast unmerklichen Moment zögerte der Halbbetazoid. Seine Idee war, wenn man ehrlich war, völlig abgehoben und eine Erfolgsgarantie war ebenfalls nicht gegeben. <br>„Meine Absicht ist es von hier aus ein telepathisches Signal zu senden,“ erklärte Price seinen Plan, „der die Infizierten zu einem bestimmten Punkt lockt.“<br>Die Reaktion des Captains war genau so, wie er sie erwartet hatte: ungläubig musterte John ihn und ging im Geiste durch, ob eine solche Idee überhaupt zu realisieren war.<br>„Geht das überhaupt?“<br>„Ja, es würde funktionieren,“ meinte Lieutenant Halek, die sich ungefragt in die Diskussion einmischte. Momentan war Lewisnki jedoch für jede Hilfe dankbar. „Wenn wir eine Art Emitter nutzen könnten, der die telepathische Botschaft des Commanders verbreitet, dann wäre dieser Plan ausführbar.“<br>„Ich zweifle weniger an den technischen Möglichkeiten, sondern eher an denen des Commanders,“ erwiderte Captain Lewinski und stemmte seine Hände in die Hüften. Er war hungrig, müde und sehnte sich nach einer Pause. Je länger diese Krise andauerte, desto größer wurde die Wahrscheinlichkeit für Fehler und diese durften sie sich derzeit wirklich nicht erlauben. „Matt, du bist Empath und deine telepathischen Fähigkeiten reichen höchstens aus, um mit anderen Betazoiden zu kommunizieren!“<br>„Dann können wir ja jetzt mal sehen, ob mir dieser Lehrgang, den mir die Sternenflotte vor zwei Jahren spendierte, etwas gebracht hat!“ entgegnete Matt Price und dachte an den letzten Aufenthalt auf Betazed zurück. Die Fortbildung, bei der er Marissa kennen gelernt und die sein Gefühlsleben so durcheinander gewirbelt hatte. <br>Ein letztes Mal dachte John über die Optionen nach, die ihnen noch blieben. Müde rieb er sich den Hals und fragte seine stellvertretende Wissenschaftlerin:<br>„Sind sie in der Lage einen solchen Emitter zu konstruieren?“<br>Auch wenn er dies natürlich niemals zugeben würde, so wünschte sich John, dass nun Arena Tellom hier wäre. War es nicht Halek gegenüber unfair anzunehmen, dass Lieutenant Tellom diese Aufgabe wohl besser erledigen konnte? Vielleicht war es auch einfach nur die Macht der Gewohnheit, die ihn zu diesen Gedankengängen zwang.<br>„Das Geheimdienstoberkommando arbeitet schon länger an und mit diesen Geräten. Innerhalb der nächsten Stunde könnte die Sache anlaufen,“ meinte Halek und wirkte bei diesen Worten überaus selbstbewusst. Vielleicht ahnte sie ja die Gedanken, die ihrem Captain durch den Kopf gingen und wollte ihm das Gegenteil beweisen. Immerhin bot sich hier die Gelegenheit zu zeigen, was in ihr steckte.<br>Ein letztes Mal musterte der Captain seinen Stellvertreter und den Wissenschaftsoffizier.<br>„Bereiten sie alles vor!“ befahl er schließlich und wandte sich wieder den Berichten über die eskalierende Epidemie zu. Möglicherweise war dies ihre letzte Chance!<br><br>Irgendwann war der Moment, wo der menschliche Körper nicht mehr konnte. Wenn er den Belastungen des Tages nachgeben musste. Diesen Punkt hatte Edward Jellico erreicht. Nur für einen kurzen Moment hatte sich der Justizminister hinlegen und entspannen wollen. Doch innerhalb weniger Sekunden war er eingeschlafen. Eine völlig verständliche Reaktion, wenn man bedachte, wie lange er schon auf den Beinen war und man höchste Konzentration von ihm verlangte.<br>Jedoch brachte der Schlaf nicht die ersehnte Erholung. Stattdessen träumte der ehemalige Admiral. Er befand sich an einem völlig dunklen Ort, leer und ohne jedwede Annehmlichkeit, die das Leben mit sich brachte.<br>„Hallo?“ fragte der alte Mann, erntete als Antwort jedoch nur sein eigenes Echo.<br>Panik begann ihn zu erfassen. Was ging hier nur vor sich? Scheinbar durchlebte er gerade einen Alptraum, dies stand für ihn fest. Nur zu gerne wäre er aus ihm erwacht, doch dies war ihm nicht möglich. Zu groß war das Schlafbedürfnis seines Körpers, der sich nun mit aller Macht erholen wollte.<br>Einige Zeit lang ging Edward auf und ab, ohne ein Ziel erreichen zu können. Schließlich jedoch hörte er die hallenden Schritte einer weiteren Person, die auf ihn zukam. Erleichtert wandte sich der Minister der Geräuschquelle zu, doch das angedeutete Lächeln auf seinem Gesicht fror ein, als er erkannte, wer sich ihm näherte: Jozarnay Woil.<br>„Mr. Woil,“ raunte der Chefverschwörer von Sektion 31 und trat einen Schritt zurück, „es ist gelinde gesagt eine Überraschung, sie hier zu sehen!“<br>Dies war also der Inhalt seines Traums. Die Nachricht über die Flucht Woils und dessen Gefangennahme durch Romulaner war nur eine gute Stunde alt, bereitete ihm jedoch immenses Kopfzerbrechen. <br>„Diese Aussage überrascht mich,“ entgegnete der Antosianer und machte einen weiteren Schritt auf ihn zu. Der ehemalige Chefingenieur der Monitor sah nicht so aus wie auf den Bildern, die Jellico gesehen hatte. Stattdessen machte Woil einen gepflegten und starken Eindruck; auch seine Kleidung war makellos. „Dabei liegt es doch nahe, dass man sich als guter Gast bei seinem Gastgeber für den Aufenthalt in einem seiner Unterkünfte bedankt.“<br>Darauf lief also die ganze Sache hinaus. Noch während er sich im Traum befand, analysierte Edward die Bedeutung des gesehenen. Völlig klar, er hatte Angst. Angst davor, dass Jozarnay Woil die Flucht nutzte, um sich schließlich für seine Gefangennahme an ihm zu rächen.<br>„Es handelt sich hierbei nur um einen Traum. Sie sind gar nicht wirklich hier!“ raunte Edward und versuchte mittels dieser Aussage sich selbst zu ermutigen. <br>„Und wenn sie sich da so sicher sind, wieso schwitzen sie dann? Wieso haben sie Angst, Edward?“<br>Immer näher kam der Antosianer und Edward Jellico wich zurück, ohne jedoch seinem Gegenüber entkommen zu können. Natürlich hatte er Furcht vor diesem Mann, keine Frage. <br>„Ich werde mich nicht von ihnen beeindrucken lassen.“<br>„Doch, dies werden sie,“ erklärte Woil mit einer erstaunlichen Selbstsicherheit. „Sie fürchten sich und dies zu Recht. Nun, wo ich frei bin, ist der Tag der Abrechnung nicht mehr allzu fern. Nicht nur für das, was sie mir in den vergangenen drei Monaten angetan haben, sondern auch wegen ihrem Mord an Stella Tanner. Der Frau, die ich geliebt habe.“<br>Woil fixierte seinen gegenüber mit einem unheilvollen Blick, der keinen Zweifel an der Aufrichtigkeit seiner Aussagen ließ, dann schreckte Edward endlich aus dem Schlaf hoch. Er war von den Qualen dieses Alptraums erlöst worden!<br>Atemlos ging er zur Waschnische und schüttete sich etwas Wasser ins Gesicht, um wieder auf klare Gedanken zu kommen. Doch viel Zeit um sich von diesen Erlebnissen zu erholen, hatte er nicht. Der Türsummer wurde betätigt und ohne auf ein Zeichen zu warten, betrat Commander Elena Kranick sein Büro.<br>„Sie hätten wenigstens auf das Herein warten können,“ meinte Edward Jellico schlecht gelaunt und trocknete sich das Gesicht mit einem Handtuch ab, welches er im Anschluss wieder akkurat zurückhängte.<br>„Für Höflichkeitsfloskeln haben wir keine Zeit,“ entgegnete die Sternenflottlerin lapidar und wirkte mehr als ungeduldig. „Ich muss sie sprechen!“<br>„In der Tat. Wieso sonst sollten sie hier sein?“<br>Genervt blickte Kranick den Justizminister an. Auch sie war übermüdet, gestresst und wollte am liebsten einfach nur nach Hause. Doch die Krise war noch nicht ausgestanden und bis es soweit war, würde sie dem Präsidenten der Föderation nicht von der Seite weichen. Dieses Versprechen hatte sie sich selbst gegeben.<br>„Lieutenant Bird ist verschwunden!“<br>Mit dieser Aussage hatte sie die ungeteilte Aufmerksamkeit des ehemaligen Admirals gewonnen. Jellico blickte sie mit einer Mischung aus Überraschung und Entsetzen an.<br>„Wie meinen sie das?“<br>„Unsere Teams haben das gesamte Anwesen der Talleys auf dem Mond abgesucht. Von James Talley, seiner Tochter und der gesamten Führung der Organisation fehlt jedwede Spur; inklusive Bird.“<br>„Er muss entführt worden sein,“ murmelte Jellico und rieb sich durch das Gesicht.<br>„Oder etwas anderes…“<br>Der Unterton in der Stimme des Commanders gefiel Edward Jellico ganz und gar nicht.<br>„Wie meinen sie das?“<br>Sie räusperte sich, bevor sie fast schon mit Unbehagen gestand:<br>„Schon einmal hat Danny Bird die Föderation verraten. Vielleicht ist es nun zum zweiten Mal geschehen.“<br>Die Sternenflottengesandte spielte auf den Verrat Birds an, der sich während des Krieges gegen das Dominion ereignet und eine neue Identität des Lieutenants zur Folge gehabt hatte. Eine furchtbare Angelegenheit, die vor allem am neuen Danny selbst genagt hatte. <br>„Nein, das ist unmöglich,“ winkte der Minister entsetzt ab. „Glauben sie mir, ich kenne Danny Bird länger als sie und er ist kein Verräter…. zumindest nicht der neue Danny Bird. Für ihn lege ich die Hand ins Feuer.“<br>Niemals hätte der alte Mann geglaubt, dass er sich einmal für ein Besatzungsmitglied der Monitor verbürgen würde. Ausgerechnet die Männer und Frauen, die ihm am liebsten ins Gefängnis bringen würden. Wenn doch nur Captain Lewinski diese von ihm so selbstlose Tat sehen könnte!<br>„Wie auch immer, unser Agent ist verschwunden und damit unsere Fähigkeit, direkt aus dem Herzen des Feindes Informationen zu beziehen,“ fuhr Kranick fort. „Wir müssen es dem Präsidenten sagen!“<br>„Wie bitte? Sie sind ja wohl wahnsinnig! Derzeit hat der Präsident alle Hände voll zu tun und ist mit seinen Gedanken völlig woanders. Wir können ihn jetzt nicht auch noch damit belasten!“<br>Nun war es an Elena Kranick ihren Gegenüber mit Entsetzen anzublicken:<br>„Das kann nicht ihr Ernst sein!“<br>„Doch, das ist es.“<br>„Wir können dem gewählten Oberhaupt der Völker der Föderation nicht diese wichtigen Information vorenthalten,“ argumentierte Kranick. „Ich werde es ihm sagen.“<br>„Es ist ein Fehler, glauben sie mir das!“<br>„Dann wird es mein Fehler sein!“ erwiderte Kranick ungewöhnlich selbstsicher und verließ sein Büro. Wieso hatte der Justizminister nur das Gefühl, dass sein Einfluss und Gewicht derzeit schwand?<br><br>Ke’ler betrat den Container ihres Vorgesetzten. Sofort blieb die Kälte und die Ungemütlichkeit der Talarianischen Welt hinter ihr zurück. Sogar die hektische Betriebsamkeit des romulanischen Lagers schien auf einmal wie weggeblasen.<br>Neben Men’tesz befand sich noch der Arzt des Lagers im Container des Kommandanten.<br>„Sir“, grüßte Ke’ler ihn und stellte sich neben den Mediziner vor den Schreibtisch.<br>„Schön, dass Sie auch zu uns stoßen“, sagte Men’tesz ohne Anstalten zu machen, den Seitenhieb zu verbergen. „Berichten Sie Doktor.“<br>„Es war knapp, aber wir konnten das Leben des Antosianers retten“, begann er. Aufgrund des forschenden Blickes des Kommandanten fuhr er sogleich fort: „Im Moment verabreichen wir ihm einen Blutersatz. Seine äußeren Wunden konnten wir alle schließen, aber wie schon gesagt: er hat viel Blut verloren. Beinah zuviel. Ich muss ihn sediert halten, bis er genügend Fusionen antosianischen Blutes erhalten hat. Unnötig zu erwähnen, dass dies in diesem Sektor Mangelware ist. Zudem leidet er an einem Schock, der nichts mit den Verletzungen zu tun hat.“<br>„Wie meinen Sie das?“, fragte Ke’ler nach.<br>Der Arzt blickte ernst in die Augen seines Kommandanten. „Entzugserscheinungen.“<br>„Entzugserscheinungen?“, fragte Men’tesz. „Entzug von was?“<br>„Ketracel Weiß“, antwortete der Arzt nach einem tiefen Atemzug.<br>„Na toll, ein antosianischer Junkie...“, kommentierte Ke’ler gewohnt zynisch.<br>„Dieser Mann entwickelt sich immer mehr zu einem Rätsel. Anstelle von Antworten erhalten wir noch mehr Fragen“, resümierte Men’tesz. „Ich habe mich in den Zentralcomputer der provisorischen talarianischen Regierung gehackt. Nach den Angaben des Korps der Föderation befinden sich drei Antosianer auf Talar. Dies sind zwei Frauen und ein 58jähriger Sanitäter.“<br>„Unser Antosianer ist jünger. Etwa 30 Jahre, das hat die Zelluntersuchung ergeben“, schloss der Arzt an.<br>„Das heißt unser Antosianer ist nicht mit der Föderation nach Talar gekommen“, folgerte Ke’ler. „Gibt es Antosianer, die mit anderen Organisationen her gekommen sind?“<br>„Nein“, antwortete Men’tesz. „Antosianer sind sehr loyal. Wenn sie einmal eine Allianz eingegangen sind, halten sie sich auch daran. Unser Antosianer dürfte nicht hier sein.“<br>„Könnte er etwas mit unserer Mission zu tun haben?“, wagte sich Ke’ler vor.<br>„Kann ich Ihnen noch nicht sagen. Ich habe die Daten, die ich vom Doktor bekommen habe, zum Romulus gesendet. Dort werden sie dann im Zentralrechner ausgewertet. Aufgrund der atmosphärischen Störungen kann dies jedoch etwas dauern.“<br>„Aber Sie müssen doch wenigstens wissen...“, drängte sie.<br>„Subcommander, mir ist bewusst, dass Sie mehr über die Mission wissen wollen. Im Moment bin ich jedoch noch nicht autorisiert Ihnen mehr zu sagen, als sie bereits wissen.“<br>„Ich weiß doch gar nichts! Ich weiß, dass die Zielperson weder talarianisch noch romulanisch ist. Das trifft jedoch auf so ziemlich jeden hier zu, der mit Schutzanzug herumläuft. Geschweige denn der Tatsache, dass mir nicht mal das Geschlecht dieser Person bekannt ist!“<br>Men’tesz stand auf und beugte sich leicht zu Ke’ler vor. Gerade als er zum verbalen Gegenschlag ansetzen wollte, mischte sich der Arzt ein. „Was ist das für ein Geräusch?“, fragte dieser kritisch.<br>Die beiden streitenden Offiziere blickten verwirrt zu dem Mediziner. Doch ihre Verwunderung wich schnell Gewissheit. Denn sie hörten das leise Pfeifen auch... und erkannten es.<br>Nur Bruchteile einer Sekunde später spürten sie die Erschütterung, die Hitze, hörten den Lärm der nahen Detonation. <br>Benommen wurde alle drei zu Boden gerissen.<br><br>Es glich dem Einmarsch der Gladiatoren. Nur wirkte es seltsam bizarr. Es gab kein Kolosseum und keine Tribünen, kein Kaiserwetter und keine Löwen.<br>Stattdessen gab es Dutzende in dicke Schutzanzüge eingepackte, bis an die Zähne bewaffnete Soldaten und einen eisigen Schneesturm.<br>Die Tarnung des Camps der Romulaner war ausgefallen. Nun konnte man die gut zwei Dutzend Container erkennen, die bisher unter dem Schutz des Tarnschirms und einer halbwegs funktionierenden Wetterstation standen. <br>Dies war nun wie weggeblasen.<br>Ke’ler erwachte aus ihrer Bewusstlosigkeit. Alle Sinne kehrten mit einem Schlag zurück. Sie spürte die Kälte, den nuklearen Winter, hörte durch das dichte Schneetreiben die Energiestöße der Disruptoren. Wie weit waren sie entfernt?<br>Sie drehte sich herum. Der Arzt war tot.<br>Bei seinem Anblick erschrak sie. Schnell sah sie an sich herab – keine Wunden. Sie berührte ihr Gesicht und konnte dort eine kleine Schnittwunde auf ihrer Stirn ertasten. Aber ansonsten schien sie unverletzt zu sein.<br>Sie hatte Glück gehabt. Denn sie sah nun das große Trümmerstück, das im Rücken des Arztes steckte.<br>Ke’ler setzte sich auf. Zu schnell, plötzlich begann sich alles zu drehen und sie bekam keine Luft mehr. Vermutlich eine Gehirnerschütterung. Und eine geprellte Rippe.<br>Da, der Commander.<br>Men’tesz röchelte. Er schien noch zu leben. Schnell rutschte sie zu ihm hinüber. Eine große Wunde bekleidete seinen Bauch. Eine große Blutlache hatte sich schon neben ihm gebildet.<br>„Commander...“, begann Ke’ler.<br>„Subcommander...“, erwiderte Men’tesz, sichtlich entkräftet. „Im Orbit... Ein Transporter, getarnt...“ brachte er heraus.<br>„Was?“<br>„Bringen Sie... die Leute weg...“, befahl er. Und trotz seines nahen Todes hatte er nichts von seiner autoritären Kraft verloren. Er deutete zu etwas auf seinem Schreibtisch.<br>Ke’ler stand auf und fand dort einen Kommunikator. Sie aktvierte ihn – und sandte ein Stoßgebet zu ihren Göttern, dass sie das noch konnte – und kehrte dann mit ihm zu Men’tesz zurück.<br>„Sir, die Frequenz“, bat Ke’ler.<br>Doch Men’tesz konnte nicht mehr antworten.<br>Sie erlaubte sich keine Trauer. In einer Krisensituation konnte dies der sichere Tod sein. Also sah sie schnell nach, wo die Angreifer waren. Sie näherten sich über den Nordhang. Unaufhaltbar. Es waren einfach zu viele. Ke’ler schätze etwa 30. Ihre Männer gaben Kontra. Doch der Überraschungseffekt hatte auf Seiten der Anderen gelegen.<br>Sie zog ihren Disruptor und lud ihn. Glücklicherweise hatte auch dieser die Detonation überstanden. Während sie sich in Richtung „Kampflinie“ durchschlug, veränderte sie immer wieder die Frequenzen des Kommunikators. Mit irgendeiner musste sie schließlich durchkommen.<br>Nach nur wenigen Metern war sie schließlich an der Front angelangt, wie man so schön sagen wollte. Dort hatten sich ihre Männer und Frauen hinter Baracken und Containern verschanzt und feuerten auf die Angreifer, die ihrerseits Deckung suchten, hinter Felsen und den Trümmern von zerstörten Häusern. Es schien als sie ihr Vordringen erstmals gestoppt oder verlangsamt worden.<br>„Berichten Sie“, wie Ke’ler einen der Soldaten – sie erkannte ihn als den jungen Gefreiten T’k’ot. Ke’ler musste schreien, um sich gegen den Kampflärm und das Schneetreiben durchzusetzen.<br>„Wir können sie so langsam in Schach halten. Sie haben ohne Vorwarnung angegriffen“, begann er. „Subcommander, wo ist der Kommandant?“<br>„Er ist tot!“<br>T’k’ot erschrak. Er war noch jung, dies seine erste Mission. Schnell konzentrierte er sich jedoch wieder auf das feindliche Feuer und feuerte mit seinem Disruptorgewehr. „Was machen wir jetzt?“, fragte er ratlos.<br>Ke’ler schaffte es noch immer nicht, das romulanische Schiff zu kontakten. Sie blickte hilfesuchend zum Himmel. „Konnten Sie erkennen, wer die Angreifer sind?“<br>Der junge Gefreite griff in eine Tasche und holte einen Trikorder hervor. Er aktivierte ihn und hielt ihn in Richtung der Angreifer. Er konnte der Anzeige auf diesem Gerät nicht glauben.<br>Desillusioniert sah er zu seiner Vorgesetzten. „Es sind Menschen!“<br>Subcommander Ke’ler riss die Augen auf. Schnell ordnete sie diese Information ein. Doch Zeit zum Nachdenken hatte sie nicht. Denn der Kommunikator meldete sich.<br>„Hier Observer. Was gibt es Eagle?“<br><br>Burbank und Mallon näherten sich ebenfalls dem Kampfgeschehen. Natürlich aus der anderen Richtung um nicht in die Auseinandersetzung mithineingezogen zu werden, nichtsdestotrotz waren sie bewaffnet. Burbank hielt dabei Mallon den Rücken frei, der mit einem Trikorder das Lager scannte.<br>„Ich erhalte seine Werte. Woil ist im Lager“, meldete Mallon über den Funk ihrer Schutzanzüge.<br>Beide setzten ihren Weg durch die talarianische Nacht fort.<br>Sie näherten sich den unbewachten Baracken. Ihr Plan war aufgegangen. Alle waren damit beschäftigt, den Sturmangriff abzuwehren.<br>Schnell näherten sie sich der gesuchten Baracke. Mallon konnte in dieser Woils Lebenszeichen ausmachen. Burbank nickte, als er die Angaben auf dem Trikorder sah. Neben Woil befand sich noch eine weitere Person in dem Container. Ein Romulaner.<br>Mallon steckte das kleine Messinstrument weg und öffnete die Tür schlagartig. Burbank hielt dabei die ganze Zeit sein Gewehr bereit.<br>Und so kam ihr Eindringen ebenfalls überraschend. Die Krankenschwester, die sich um Woil kümmerte erschrak. Doch zum Schreien blieb ihr keine Zeit, Burbank schoss.<br>Tot fiel die junge Frau zu Boden.<br>Mallon näherte sich mit großen Schritten ihrem Ziel während Burbank ihm den Rücken frei hielt.<br>Ein kurzer Blick auf den Trikorder und die Instrumente, an die Woil angeschlossen war, genügten. „Seine Werte sind stabil.“<br>„Dann entfernen Sie die Schläuche von ihm, wir gehen!“<br>Mallon tat wie geheißen. Er entfernte alle Geräte, die an Woil hingen.<br>„Sie sollten sich beeil...“, begann Burbank. Unterbrochen wurde er vom Schuss aus einem Disruptor, der ihn mitten in den Rücken traf. Mallon zuckte zusammen, wollte nach seinem Phaser greifen, doch dies schaffte er nicht rechtzeitig. In der Tür stand Ke’ler. Ihren Disruptor hoch erhoben.<br>„Denken Sie nicht mal dran.“<br>Langsam stand Mallon auf, seine Hände erhoben. Er versuchte krampfhaft seinen Puls und seine Atmung zu beruhigen, doch recht wollte es ihm nicht gelingen.<br>„Wer sind Sie?“, fragte Ke’ler. „Wer ist er?“<br>Mallon antwortete nicht.<br>„Na schön, wenn sie es auf die harte Tour wollen.“ Ke’ler senkte die Waffe und schoss. Der Schuss streifte Mallons Wade. Woraufhin dieser schreiend zu Boden ging.<br>Ke’ler näherte sich und blickte durch sein Visier direkt in Mallons Gesicht.<br>„Ich habe alle Zeit der Welt“, kündigte sie an.<br>Doch Mallon antwortete nicht. Sein Gesicht war gezeichnet vom Schmerz. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn.<br>In diesem Moment erklang T’k’ots Stimme aus Ke’lers Kommunikator.<br>„Subcommander, die Menschen brechen durch. Wir könne sie nicht mehr aufhalten.“<br>Auch Mallon hatte diese Nachricht gehört. Für einen Moment war der Schmerz aus seinem Gesicht vertrieben. Ja, sogar ein Lächeln war zu erkennen.<br>„Oh ich freue mich schon, mich zu revanchieren.“<br>Ke’ler senkte ihre Waffe und hob ihren Kommunikator.<br>„Eagle, jetzt.“ Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen Verschwand sie in einem grünen Schimmer. Sie wurde weggebeamt. Ebenso wie Woil.<br>Für Mallon war es, als würde die Zeit stehen bleiben. Von einem Moment auf den andern brach alles zusammen.<br>In der Tür stand plötzlich einer seiner Männer. Mit einem Phasergewehr bewaffnet.<br>„Sir, die Romulaner sind alle weg“, meldete dieser.<br>Mallon blickte zu der leeren Liege, in der soeben noch Woil gelegen hatte. „Helfen Sie mir hoch. Wir ziehen uns zurück.“<br><br>Im Orbit um Talar enttarnte sich für einen Moment das kleine romulanische Transportschiff. Nur für einen Moment war es sichtbar, dann aktivierte es seine Tarnvorrichtung auch wieder und verschwand in der Unkenntlichkeit.<br>An Bord des Schiffes stand Ke’ler, zusammen mit den anderen Männern und Frauen ihres Lagers. Sowie Woil. Mittels eines Frachttransporters war es gelungen alle zur selben Zeit heraufzubeamen. Etwas verwirrt blickten sich manche um, doch dies legte sich schnell, nachdem sie erkannten, wo sie waren.<br>Vor der Transporterplattform stand eine Technikerin sowie ein großer Trupp Sicherheitsleute.<br>Ke’ler entdeckte jedoch noch etwas anderes. „Wo sind die Menschen?“ Sie trat von der Plattform herab zur Technikerin.<br>„Wir konnten sie nicht erfassen“, lautete die trockene Antwort.<br>Die romulanische Agentin zögerte nicht lange und öffnete einen internen Kom Kanal. „Ke’ler an Brücke. Zerstören Sie das Lager und fliegen Sie uns augenblicklich aus dem System!“<br><br>Mallon konnte immer noch glauben, was dort eben geschehen war. Er wurde von einem der Soldaten gestützt weggetragen. Er musste Jellico berichten. Die anderen Soldaten seiner Einheit hatten sich inzwischen wieder formatiert und waren ebenso auf dem Rückzug.<br>Ein helles Licht erhellte plötzlich den talarianischen Himmel.<br>Doch noch bevor Mallon oder irgendjemand anders reagieren konnte, wurden alle von der gewaltigen Druckwelle, mit der der Torpedo die Baracken zerstörte, zu Boden gerissen.<br><br>Natürlich war nicht alles eitel Sonnenschein in ihrer Beziehung gewesen. Ab und an hatten sie gestritten und mehr als einmal hatte sich Ardev gefragt, ob diese Beziehung überhaupt gut gehen konnte. Denn immerhin stammten sie aus zwei völlig unterschiedlichen Kulturkreisen. Ardev war ein traditionell lebender Andorianer gewesen, während Arena Anhängerin ihrer für Terellianer typisch hedonistischer Kultur war. Dennoch hatten sie gemeinsame Nenner gefunden und so war die lang ersehnte Heirat der beiden vor drei Jahren die logische Konsequenz gewesen:<br>Für die meisten an Bord des kleinen Schiffes war heute ein ganz besonderer Tag, denn heute sollte die lang erwartete Hochzeit von Lieutenant Ardev und Fähnrich Tellom stattfinden. Für drei Jahre waren die beiden Führungsoffiziere das offizielle Liebespaar des Schiffes gewesen, der lebende Beweis für die Familie, die die Crew darstellte. Und heute sollte es soweit sein, diese beiden jungen Personen wollten den ewigen Bund fürs Leben schließen. Die Feier fand in der prächtigen Gartenanlage der Sternenflottenakademie statt. Das Brautpaar hatte sich für die andorianische Hochzeitszeremonie entschieden, was den so traditionsbewussten Ardev gerührt hatte. Da Andor zu weit weg war, um dorthin zu reisen und an jenem Ort die Hochzeit durchzuführen, hatte man sich für die Akademie auf der Erde entschieden. Ihre Grünanlagen mit den weiten Wiesen und den beeindruckenden Bäumen ähnelten dem Klasse L- Planeten Andor sehr. Auf der Wiese waren mehrere Reihen von Bänken aufgestellt worden, auf dem die zahlreichen Hochzeitsgäste Platz genommen hatte. Unter ihnen waren Offiziere der Sternenflotte, die in Galauniformen gekleidet waren, Beamte der Föderation, alte und neue Freunde des Paares und noch weitere. Aufgeregt murmelten die Gäste vor sich hin. Niemand von ihnen war jemals Zeuge einer andorianischen Hochzeit gewesen, um so mehr war man also gespannt, wie das ganze ablaufen sollte. Seltsamerweise saßen einige der Offiziere der Monitor, wie z.B. die Captains Lewinski und Price sowie Lieutenant Bird nicht auf ihren Ehrenplätzen in der ersten Reihen, sondern waren über die hinteren Plätze verteilt. Ganz vorne, auf einem kleinen Podest, stand Arena Tellom, die in ein terellelianisches Festkleid gewandet war. Bei ihrer Spezies existierte keine Ehe und daher konnte sie auch kein Brautkleid tragen, daher hatte sie sich für etwas entschieden, was in etwa ein Äquivalent darstellte. <br>Langsam verstummte die wartenden Menge, als sich immer mehr Personen nach hinten drehten. Lieutenant Ardev war nun am hinteren Ende der Reihe erschienen, nur mit einer schwarzen Hose bekleidet, während sein blauer Oberkörper frei blieb. Selbstsicher schritt der Andorianer, den festen Blick auf den Podest mit seiner Frau gerichtet, durch die Reihen hindurch. Plötzlich sprang Captain Matthew Price von seinem Platz auf und versperrte ihm mit grimmigen Blick den Weg. Der Lieutenant antwortete mit einer imaginären Bewegung, die Price zur Seite schubsen sollte und der betazoidische Kommandant tat, wie ihm geheißen und machte den Weg frei. Man hatte ihnen am Anfang genau die andorianische Zeremonie erklärt: das Volk der Andorianer war eine kriegerische und stolze Kultur. Auch wenn sie inzwischen besonnener geworden waren, hielten sie an ihren Traditionen fest. Wollte ein Mann seine Geliebte zur Frau nehmen, so musste er sich früher im wahrsten Sinne des Wortes durch die Reihen derjenigen kämpfen, die ihm diese Hochzeit streitig machen wollten. Heutzutage wurde diese Art von Kampf nur noch nachgestellt und Verletzte blieben so aus. Ardev schritt weiter durch die Menge, die gebannt das Schauspiel beobachtete. Als nächste kam ihm Lieutenant Danny Bird in die Quere. Die beiden jungen Männer waren schon immer sehr gute Freunde gewesen und so war es selbstverständlich gewesen, dass er sich für die Hochzeit bereit erklärt hatte, den „Trauzeugen“ zu spielen. Lieutenant Ardev fuhr sein Bein aus und stoppte die Trittbewegung kurz vor dem Kopf Birds, der artig den Weg freigab. Und er schritt weiter. Nur noch wenige Meter, dann hatte er es geschafft und die Trauung konnte beginnen. Sein letzter Gegenspieler jedoch war, zumindest war es früher so gewesen, der stärkste Widersache gewesen. Gespielt wurde er von Captain John Lewinski, der nach einem simulierten Aufwärtshaken jedoch auch kapitulierte. Endlich konnte der Andorianer den Podest erklimmen und legte beide Hände Telloms in die seinen. <br>„Geliebte Arena,“ sprach Ardev die traditionellen Hochzeitsworte, „ich habe alle Widerstände überwunden und meine stärksten Feinde besiegt. Nur noch eine Hürde hindert mich, der stolzeste Andorianer zu sein: das Geschenk, dass du mir machen kannst, indem du meine Frau wirst.“<br>Und Fähnrich Tellom antwortete traditionsgemäß:<br>„Ardev von Andor, ich akzeptiere dein Angebot.“<br>Die andorianische Hochzeitszeremonie war hiermit abgeschlossen. Auf Ardevs Heimatplaneten galten die beiden nun als Ehepaar. Nun war es Zeit, diesen Umstand auch auf die gesamte Föderation auszuweiten. John Lewinski und Matthew Price bestiegen beide ebenfalls den Podest. Da sie irgendwie derzeit beide die Kommandanten der beiden waren und sie sich nicht zwischen den beiden Captains entscheiden wollten, hatten sie einfach vereinbart, dass beide die Trauung durchführten. Matt Price begann als erstes:<br>„Verehrte Gäste, liebes Brautpaar, wir haben heute uns hier versammelt, um diese beiden Personen in den Stand der Ehe zu versetzen, welches zu den schönsten Pflichten eines Kommandanten gehört. <br>Zwei grundverschiedene Individuen haben sich hier zusammengefunden, um sich für ein gemeinsames Leben zu entscheiden, was ein außerordentlicher Schritt ist. Sie werden ihre verschiedenen Traditionen und Ansichten, ihre Meinungen und Wünsche in diese Partnerschaft einbringen und so es dem anderen hoffentlich ermöglichen, ein erfülltes Leben zu führen. Wir alle hier können ihnen dabei nur alles Gute wünschen.<br>Ardev von Andor, ich frage dich, möchtest Arena Tellom zu deiner Frau machen, sie lieben und ehren, bis dass der Tod euch scheidet?“<br>„Ja ich will,“ antwortete der Lieutenant und blickte seine Fast-Frau an. Deutlich war ihm nun die Mischung aus Aufgeregtheit und Freude anzusehen.<br>John Lewinski fuhr nun mit der Zeremonie fort:<br>„Arena Tellom, ich frage dich, willst du Ardev von Andor zu deinem Mann machen, ihn lieben und ehren, bis dass er Tod euch scheidet?“<br>„Ja ich will,“ kam auch die Antwort von der jungen Frau. Sie strahlte über das ganze Gesicht.<br>„Dann,“ schloss Lewinski ab, „erkläre ich euch hiermit zu Mann und Frau! Sie dürfen nun die Braut küssen!“<br>Und unter jubelnden Klatschen tat Ardev, wie ihm geheißen. Nun war es offiziell, dass erste verheiratete Paar würde auf der Monitor dienen!<br>Im Anschluss an die Zeremonie wurde das reichhaltige, mit andorianischen und terellianischen Spezialitäten gedeckte, Buffet für eröffnet erklärt. In kleineren Gruppen standen die Leute zusammen und unterhielten sich über die verschiedensten Sachen, die im Zusammenhang mit dieser Hochzeit standen. Etwas abseits, auf einer kleinen Anhöhe, von welcher man die Partygäste gut beobachten konnte, stand John Lewinski, mit einem Glas Sekt in der Hand und dachte nach. Es dauerte nicht lange, bis ihn sein bester Freund Lieutenant-Commander Bruce Land, der erste Offizier der Monitor, bemerkt hatte und sich, ebenfalls mit einem Getränk bewaffnet, ihm näherte.<br>„Schöne Zeremonie,“ meinte der Navigator und nippte an seinem Orangensaft. Es war eine Wohltat nach all den Monaten mal wieder echten, in der Natur hergestellten Saft zu trinken.<br>„Finde ich auch,“ entgegnete John und starrte weiter vor sich hin. „War mal interessant, die andorianische Hochzeitszeremonie kennen zulernen. Nur gut für Ardev, dass er mit nicht wirklich geschlagen hat. Ansonsten hätte ich mich gewehrt und du weißt ja, wie so etwas dann ausgeht.“<br>Daraufhin lachten beide Männer und schweigen dann. Dies war das wunderbare an einer Freundschaft: man konnte auch einmal schweigen und dabei schien man doch alles zu verstehen, was der gegenüber meinte.<br><br>Ein weiteres Mal wurde er überrascht, als nicht James Talley oder dessen Tochter, sondern Kira Nerys den kleinen Folterraum betrat. Danny Bird blinzelte mehrfach und versuchte sich zum wahrscheinlich hundertsten Mal am heutigen Tage klar zu machen, dass dies nicht die Bajoranerin war, die er kannte. Stattdessen war es die ehemalige Intendantin des bajoranischen Sektors, willfährige Handlangerin der Allianz und Unterdrückerin tausender Menschen. Mit einem aufgesetzt wirkenden Lächeln trat sie auf ihn zu.<br>„Guten Tag, Mr. Bird,“ säuselte sie und bewegte beim Gang auf ihn zu die Hüften etwas deutlicher, als es normal gewesen wäre. „Wie geht es ihnen bisher?“<br>„Die Unterkunft könnte angenehmer sein,“ entgegnete Bird ironisch. Er musste mit diesen sarkastischen Kommentaren aufhören, die ihm nur Ärger einbrachten. Jedoch waren diese auch das einzige, die ihm derzeit etwas Stärke verliehen.<br>„Glücklicherweise scheinen sie ihren Humor nicht verloren zu haben,“ meinte die Intendantin und setzte sich auf seinen Schoß. Eine merkwürdig intime Geste angesichts der Situation, in der Danny derzeit steckte. Wenn die Bajoranerin jedoch hoffte, mit dieser Aktion etwas bei ihm zu bewirken, so musste sie enttäuscht werden. „Ich kann ihnen helfen aus dieser Situation heil herauszukommen!“<br>„So wie sie den Menschen in ihrer Besatzungszone geholfen haben?“ war die lakonische Gegenfrage des Lieutenants. „Wieso sollten ausgerechnet sie mir helfen wollen?“<br>„Oh, höre ich da etwas Kritik aus ihrem Satz heraus? Sie müssen wissen, dass die Geschichtsbücher etwas bei meiner Darstellung übertrieben haben…zumindest die terranischen! Tatsächlich habe ich eine Schwäche für ihre Spezies entwickelt. Fragen sie doch nur einmal James! Wir sind inzwischen gute Geschäftspartner geworden.“<br>„Sie sind keine Geschäftspartner, sie nutzen ihn nur für ihre Ziele aus.“<br>Kira musterte ihn, erhob sich dann endlich von seinem Schoß und hielt ihm einen Elektroschocker an den Hals. Wo das kleine Gerät auf einmal hergekommen war, wusste Lieutenant Bird nicht. Viel entscheidender war jedoch der Umstand, dass es höllisch wehtat! Unzählige Volt rasten durch seinen bereits lädierten Körper und ließen ihn erbeben. <br>„James und ich verfolgen gemeinsame Interessen,“ erklärte die ehemalige Intendantin, nachdem sie das Gerät endlich abgeschaltet hatte. „Er möchte die Regierung der Föderation stürzen und ich hätte mit dieser Entwicklung kein Problem. Ganz im Gegenteil, es wäre mir eine persönliche Freude, an diesem hehren Ziel teilhaben zu können!“<br>Immer noch benommen von den Elektroschocks leckte sich Bird über die ausgetrockneten Lippen und versuchte seine Gedanken zu ordnen.<br>„Wieso? Was ist ihre Intention dabei?“<br>Statt einer Antwort bekam der junge Mensch wieder nur Elektroschocks zu spüren. Fast eine halbe Minute lang wurde er dieser grauenvollen Prozedur ausgesetzt, dann ließ sie endlich von ihm ab und entgegnete:<br>„Was ist denn ihre Vermutung?“<br>„Ich denke, sie tun dies aus reiner Bosheit…um die menschliche Spezies weiter zu bekämpfen…“<br>Danny wollte noch mehr sagen, konnte jedoch nicht. Aufgrund der hohen Voltzahlen, die durch seinen Körper gejagt waren, übergab er sich. Röchelnd tropfte noch etwas Speichel von seinem Mund, den er aufgrund der Handfesseln nicht abwischen konnte. Wie lange würde sein Körper noch diese Behandlung durchhalten? <br>„Nein, dies ist nicht der Grund, obwohl er in ihren Augen nahe läge. Ich überlasse es ihrer Phantasie eine Begründung zu finden. Was ich jedoch von ihnen haben will, sind Antworten. Antworten auf Fragen, die James ihnen schon gestellt hat und die sie nicht beantworten wollten.“<br>„Wieso sollte ich sie dann ihnen beantworten?“<br>Die Antwort auf seine Frage waren erneute Voltstöße, länger und intensiver als bisher. <br>Danny wurde fast besinnungslos, bevor die Prozedur endlich abgebrochen wurde.<br>„Ein nettes, kleines Gerät, nicht wahr?“ frohlockte Kira und betrachtete das zigarrenförmige, schwarze Objekt in ihren Händen. „Ich habe es einem Ferengi abgekauft, der es angeblich von den Romulanern hat. Eine geheimnisvolle Spezies, diese Romulaner! Mir ist zu Ohren gekommen, dass sie in ihrem Universum weitaus weniger isolationistisch sein sollen als bei uns. Nur zu gerne hätten wir sie für die Allianz gewonnen, aber sie lehnen eine Beteilung in die Politik dieses Quadranten ab.“<br>„Vielleicht möchten sie ja nicht an dem Völkermord teilhaben,“ raunte Danny und befürchtete schon im nächsten Moment abermals Stromstöße als Strafe zu erhalten. Doch diese bleiben aus.<br>„Es ist nicht an uns ihre Motive zu erfragen. Zurück zum Thema, Danny…ich darf sie doch Danny nennen?“<br>Der Angesprochene schüttelte den Kopf, doch erwartungsgemäß wurde seinem Einwand kein Gehör geschenkt.<br>„Für wen arbeiten sie? Ist man den Talleys schon auf der Spur?“ fuhr Nerys mit ihrer Fragerei fort.<br>Doch sie erntete nur Schweigen. Als Konsequenz setzte sie zwei weitere Stromschläge an, doch Bird blieb hart. Er war willens sich nicht diese Informationen entlocken zu lassen.<br>„Scheinbar möchten sie sich nicht mit mir unterhalten!“ stellte die in Leder gekleidete Frau fest.<br>„Mit ihrer Vermutung könnten sie richtig liegen.“<br>„Ich kenne jedoch eine Möglichkeit, wie ich sie zum Reden bringen kann,“ erklärte die Bajoranerin und lächelte abermals. Dieses Mal wirkte es jedoch nicht aufgesetzt, sondern vielmehr sadistisch. „Mir ist schon aufgefallen, dass sie eine besondere Beziehung zu Janine zu haben scheinen, Danny.“<br>Die Augen des Lieutenants weiteten sich in Panik. Nein, das konnte sie doch nicht ernst meinen! Bird hatte sich auf alles vorbereitet, nur nicht darauf, dass eine andere Person als er selbst in diese Sache hineingezogen werden könnte.<br>„Wagen sie es ja nicht!“ drohte der Mensch, aber sein Einwand schien im Nichts zu verpuffen.<br>„Oder was? Sie sind nicht gerade in der Lage oder gar der Verfassung, um mich aufzuhalten. Soll ich also nach Janine rufen lassen oder sagen sie mir nun, was ich wissen will?“<br>Tausende Gedanken gingen Danny Bird nun durch den Kopf. Die dringlichste war:<br>Was sollte er nur tun?<br>Natürlich konnte er seine Missionsgeheimnisse bewahren, aber dafür würde eine Frau in Mitleidenschaft gezogen werden, die trotz ihrer kriminellen Machenschaften die Mutter seines Kindes sein würde. Wie handelte man in einer solchen Situation?<br>„Haben sie es sich überlegt, Danny?“<br>Statt eine Antwort von sich zu geben, schwieg der Lieutenant nur. Angesichts des Bevorstehenden grinste die ehemalige Intendantin. Deutlich war ihr die Freude anzusehen, als sie einen Kommunikator aktivierte und fragte:<br>„Janine, würden sie bitte einmal zu mir in den Verhörraum kommen?“<br><br>Die Vorbereitungen waren endlich abgeschlossen worden. Sie hatten lange gedauert, fast eine Stunde und während dieser Zeit war Captain Lewinski auf der Brücke umher gewandert. <br>Die Rolle des unbeteiligten Beobachters war die schlimmste von allen, denn am liebsten wurde John aktiv und wollte an Problemlösungen teilhaben. Doch dieses Mal hatte er anderen Menschen dieses Feld überlassen müssen. Er verstand ehrlich gesagt kaum etwas von der Technik, die bei diesem Plan angewandt wurde und den größten Teil der Federführung hatte ohnehin Commaner Price übernommen. John war nichts anderes übrig geblieben, als die Gesamtüberwachung auszuüben und auf das Ergebnis zu warten.<br>Jetzt war es endlich soweit. Matt Price hatte sich an den Tisch gesetzt, welcher sich im hinteren Bereich der ohnehin nur kleinen Brücke befand und hatte ein seltsames Gerät auf den Kopf gesetzt. Es war eine Art Helm, an dem mehrere Kabel angeschlossen waren. Neben dem Halbbetazoiden stand Lieutenant Halek und half bei der Justierung des experimentellen Gerätes. In einer Nacht und Nebelaktion hatten sie es aus den Experimentallaboren des Sternenflottengeheimdienstes holen müssen, wozu Captain Lewinski eigens seinen Sicherheitscode hatte verwenden müssen. <br>„Sind sie soweit?“ fragte die Vertreterin von Arena ihren Vorgesetzten und Matthew nickte, nachdem er den Helm etwas zurecht gerückt hatte.<br>Diese Sache war bisher noch nicht probiert worden und daher gab es keinerlei Erfolgsgarantie. Jedoch musste alles klappen, denn inzwischen waren ihnen die Optionen ausgegangen. Die Stadt Emden begann allmählich im Chaos zu versinken. Unzählige Infizierte verwüsteten den betroffenen Stadtteil, so gut wie alle örtlichen Polizisten waren im Einsatz und die Sternenflotte hatte Probleme genügend Kräfte bereit zu stellen. Dies war möglicherweise die letzte Chance auf ein glückliches Ende.<br>„Hopp oder Top,“ murmelte Price und seufzte. Die ganze Sache würde anstrengend werden und vielleicht sogar schmerzhaft. Keine Ahnung, was er nun zu erwarten hatte. In der wenigen Vorbereitungszeit, die er zur Verfügung hatte, hatte er sämtliche Datenbanken zum Thema Telepathie und Gedankenkontrolle durchforstet, die er hatte finden können. Zu dumm, dass es an Bord der Monitor keine geeigneteren Personen gab, wie reine Betazoiden oder Vulkanier. Diese hätten wahrscheinlich besser eine solche Aufgabe erledigen können.<br>Doch es war Price´ Idee gewesen und daher hätte er sie ohnehin selbst umsetzen wollen. <br>Es lag einfach in seiner Natur sich großen Aufgaben stellen zu wollen. <br>„Lewinski an Kensington“, sagte der Captain, nachdem er den Kommunikator aktiviert <br>hatte, „ist alles vorbereitet?“<br>„Wir sind soweit, Sir!“ antwortete Fähnrich Kensington, die sich mit einem taktischen Team auf die Lauer gelegt hatte. Mittels eines Fernglases beobachtete sie aus einem Hochhaus heraus die Sporthalle der Schule<br>„Dann kann es ja losgehen,“ murmelte der Kommandant der Monitor und nickte seinem Stellvertreter zu.<br>Dieser schloss seine Augen, legte seine Hände flach auf dem Tisch ab und atmete ein letztes Mal tief durch, bevor er begann sich zu konzentrieren. Er dachte einige Sekunden lang nach, begann dann mit einem Prozess, den man wohl am besten mit einer Meditation vergleichen konnte. Er musste sich auf die vor ihm liegende Aufgabe konzentrieren; versuchen, sein volles mentales Potential auszuschöpfen. <br>Lieutenant Halek überwachte auf ihrem Padd die Gehirnaktivitäten des Commanders und begann den telepathischen Emitter zu aktivieren. Langsam fuhr sie das experimentelle Gerät, welches direkt an die Deflektorscheibe des Schiffs angeschlossen war, hochzufahren. <br>Sie hoffte inständig, dass die Systeme und Relais diese Belastung aushalten würden. <br>Nach dem Tod von Lieutenant Sanchez versuchte die Crew noch Herr über das Chaos im Maschinenraum zu werden und so war es schwierig geworden ein Gerät an die Schiffssysteme anzuschließen, welches niemand bisher gesehen hatte. <br>Die Gehirnaktivitäten von Matthew Price schossen in die Höhe, je mehr er sich konzentrierte. Einige Zeit lang hatte der Halbbetazoid überlegt, welche telepathische Botschaft er den Infizierten senden sollte, dann jedoch war ihm bewusst geworden, dass die betroffenen Personen über nur noch ein sehr einfaches Bewusstsein verfügten. Also beschränkte sich der Commander darauf einen Warnruf zu senden.<br>„Borg!“ dachte er und hoffte, dass seine Gedanken stark genug waren, um alle Infizierten in Emden zu erreichen. „Borg in der Schulsporthalle! Borg! Borg! In der Sporthalle!“<br>Die Sensoren des Emitters zeichneten seine Hirnwellen auf und leiteten sie an den Deflektor weiter, der wiederum die Gedanken zur Erde sendete. Minutenlang saß Commander Price einfach nur da, mit geschlossenen Augen, und dachte an seine Botschaft. Fast eine halbe Stunde lang dauerte die Prozedur. Nervös biss sich John Lewinski auf der Unterlippe herum. Waren sie etwa gescheitert? Vielleicht war der Plan ja doch nicht so ausgereift gewesen, wie sie es alle gehofft hatten.<br>Dann jedoch öffnete Samira Kensington eine Komleitung:<br>„Kensington an Monitor, ich sehe hier Bewegung. Einige Infizierte bewegen sich auf die Turnhalle zu.“<br>„Wie viele sind es?“ fragte Lewinski und hoffte das Beste.<br>„Es sind einige Dutzend… Moment, es scheinen immer mehr zu werden. Sieht so aus, als strömen sie aus der gesamten Stadt her.“<br>Überrascht und vor allem erfreut runzelte John die Stirn und blickte zu seinem ersten Offizier. Hoffentlich hielt er noch einige Sekunden lang diese anstrengende Prozedur durch. Deutlich zeigten sich auf dessen Gesicht die Schweißperlen und ab und zu zog er Grimassen vor Anstrengung.<br>„Warten sie auf den richtigen Moment, Fähnrich!“<br>„Keine Sorge, Captain, dies werde ich!“ versicherte der taktische Offizier und gab per Funk weitere Anweisungen an ihr Team. Jeden Moment würde es soweit sein.<br>Schließlich überprüfte sie ein letztes Mal die Scans auf ihrem Tricorder und zufrieden stellte sie fest, dass alle Infizierten in die Sporthalle geströmt waren. Das Gebäude musste wohl aus allen Nähten platzen.<br>„Es ist soweit,“ gab der Fähnrich durch.<br>„Tun sie es!“ befahl Captain Lewinski ohne jedes weitere Zögern.<br>Die Vertreterin von Danny Bird betätigte einen Knopf und Sprengladungen, die die taktischen Teams im Vorfeld an der Turnhalle befestigt hatten, explodierten in einem ohrenbetäubenden Knall. Das Dach der Sporthalle sowie die tragenden Säulen wurden eingerissen und begruben alle Infizierten unter sich. Schutt Rauch stieg auf, als das Gebäude wie ein Kartenhaus in sich zusammenfiel.<br>„Kensington an alle: Start Phase Zwo!“ befahl Samira im Anschluss.<br>Nun tauchten mehrere Einsatzgruppen aus ihren Verstecken auf und näherten sich der eingestürzten Halle. Ihre Aufgabe war es alle Infizierten, die unwahrscheinlicherweise diese Explosion überlebt hatten, zu töten. Tatsächlich fanden sie zwischen den Trümmern noch einige, die sie mit gezielten Schüssen neutralisierten.<br>Dann war es endlich vorbei.<br>„Kensington an Monitor!“<br>„Hier Lewinski.“<br>„Alle Infizierten sind neutralisiert worden!“<br>Der Kommandant des Geheimdienstschiffes blickte zu Lieutenant Halek, die die Erde noch einmal scannte und ihm schließlich zunickte. Es war tatsächlich geschafft.<br>„Gute Arbeit!“ erklärte John und reckte siegreich eine Faust in die Höhe. Sein nächster Blick galt Matt Price, der erschöpft, aber glücklich den Emitter abnahm und tief durchatmete. „Bleiben sie noch etwas vor Ort, Fähnrich, und behalten sie die Lage im Auge. Ich möchte nicht von einem Infizierten überrascht werden, der vielleicht doch diese Sache überlebt hat.“<br>„Dies werde ich, Sir. Kensington, Ende!“<br>Lewinski konnte nicht den Stolz in Worte fassen, den er nun für seine Crew empfand. Sie hatten es tatsächlich geschafft diese Krise zu meistern. Mit vereinten Kräften war ihnen das Unmögliche gelungen.<br>„Dann werde ich mal den Präsidenten informieren,“ meinte John Lewinski und wollte gerade Lieutenant Halek befehlen eine Kommunikationsverbindung herzustellen, doch die junge Frau kam ihm zuvor:<br>„Sir, ich habe hier einen Anruf von der rigellianischen Polizei. Sie möchten mit Commander Price sprechen!“<br>Überrascht blickten sich Lewinski und Price an.<br>„Gibt es da etwas, was ich wissen sollte?“ fragte der Captain.<br>„Ich bin genauso verdutzt, wie du. Wo kann ich das Gespräch entgegennehmen?“<br>„In meinem Büro,“ erwiderte John Lewinski und wies die Wissenschaftlerin an, das Gespräch dorthin umzuleiten. Der erste Offizier erhob sich und ging schnurstracks in den Bereitschaftsraum des Captain. Im Anschluss ließ er sich mit dem Präsidenten verbinden.<br>Es dauerte nicht lange, bis er zum Oberhaupt der Föderation durchgestellt worden war. Um Bedächtigkeit bemüht, jedoch sichtlich angespannt, saß der Präsident wie immer hinter seinem großen Schreibtisch, während hinter ihm Edward Jellico und Commander Elena Kranick standen. Sie alle schienen auf gute Nachrichten zu hoffen. Und diese hatte der Captain in der Tat.<br>„Mr. President, ich habe exzellente Neuigkeiten für sie!“<br>„Diese kann ich derzeit auch dringend gebrauchen,“ war die ermattete Antwort des Staatsoberhauptes. „Wie ist die gegenwärtige Lage?“<br>„Dank eines ausgeklügelten Plans meiner Offiziere ist es uns gelungen sämtliche infizierte Personen zu eliminieren.“<br>Erfreut weiteten sich die Augen des Präsidenten.<br>„Ist dies auch bestätigt?“<br>„Natürlich überwachen wir auch weiterhin die Stadt, doch unser Erfolg sollte als sicher gelten!“ war die freudige Erklärung des Captains.<br>Zufrieden und zutiefst erleichtert lehnte sich der Präsident in seinem Stuhl zurück und blickte kurz zu Edward Jellico. Noch vor zwei Stunden hatte dieser die völlige Vernichtung der Stadt Emden gefordert. Nun war es ihnen dennoch gelungen der Lage Herr zu werden.<br>„Captain Lewinski, ich weiß nicht, wie ich ihnen und ihren Besatzungsmitgliedern danken soll. Sie haben in der Tat großes geleistet.“<br>„Vielen Dank, Mr. President!“<br>Natürlich wusste John, dass der Ärger zu Beginn des Tages noch lange nicht vergessen war und dies wollte der Kommandant auch nicht. Doch etwas Freude und Dankbarkeit war an dieser Stelle für die erschöpfte Besatzung nicht verkehrt. Sie hatten in der Tat viel leisten und Opfer bringen müssen… im wahrsten Sinne des Wortes. <br>„Captain, ich würde natürlich am liebsten ihrer Besatzung etwas Ruhe gönnen, dennoch muss ich sie mit einer weiteren schlechten Nachricht konfrontieren, die ich vor kurzem erhalten habe.“<br>Überrascht weitete Captain Lewinski die Augen. Wie viele schlechte Nachrichten würde der heutige Tag denn noch mit sich bringen?<br>„Zwar ist das Anwesen von James Talley auf dem Mond gestürmt worden, doch von ihm und auch Lieutenant Bird fehlt jegliche Spur.“<br>„Wie meinen sie das?“ fragte Lewinski entsetzt nach. „Ist er etwa mit Talley und seinen Anhängern geflohen?“<br>„Ich denke, wir können eher von einer Gefangennahme des Lieutenants ausgehen,“ korrigierte ihn Commander Kranick, die sich nun ungefragt in das Gespräch mit einmischte. Sie war ursprünglich dagegen gewesen, dass man Lewinski über diese Sache informierte, aber der Präsident hatte sich anders entschieden. „Derzeit setzen wir alle Ressourcen ein, um ihn zu finden.“<br>„Haben sie denn eine Spur?“<br>Die lange Redepause seiner Gesprächspartner war Antwort genug. Dieser Tag wurde abermals von Stunde zu Stunde schlimmer.<br>„Ich werde bei der Suche unterstützen,“ erklärte Captain Lewinski und blickte kurz in die Gesichter seiner Brückenoffiziere. Sie alle machten sich Sorgen um Danny und wollten ihn finden. Egal, wie lange dies noch dauern würde.<br>„Captain, ich weiß nicht, ob dies eine so gute Idee ist,“ fand der Präsident, doch John ließ sich nicht von seiner Meinung abbringen.<br>„Bei allem Respekt, Sir, aber hier geht es um eines meiner Besatzungsmitglieder. Ich werde mich an seiner Suche beteiligen.“<br>Dies schien das letzte Wort Lewinskis zu sein und der Präsident akzeptierte dies. Immerhin schuldeten sie nun dem Captain und seiner Crew etwas. Wann würde dieser Tag endlich enden?<br><br>In der Krankenstation der „Eagle“ stand Ke’ler vor Woils Bett. Er war wieder an alle möglichen Gerätschaften angeschlossen und Dutzende Monitore überwachten seine Lebenszeichen.<br>Ke’ler trug noch ihre schmutzige, zerrissene Uniform. Ein Pflaster bedeckte den Kratzer an ihrem Kopf. Sie wartete noch, bis eine der Pflegerinnen genug Zeit hatte, sie zu behandeln.<br>Sie legte den Kopf etwas zur Seite und näherte sich vorsichtig dem Antosianer. Als sei er eine tickende Zeitbombe. Und nach dem Vorfall der vergangenen Stunde war sie sich nicht mehr so sicher, dass dieser Mann keine war.<br>„Wer sind Sie Antosianer?“, fragte sie ihn. „Wer sind Sie, dass andere bereitwillig ihr Leben für Sie riskieren?“<br>Doch ihre Fragen blieben unbeantwortet.<br>Zumindest bis Woil erwachte.<br>Dann, so schwor sie sich, musste er ihr einige Fragen beantworten. Und wenn er es nicht tat – dann würde er es sich wünschen, schon tot zu sein.<br><br>Die vergangenen Jahre, die er gemeinsam mit Arena Tellom verbracht hatte, waren die besten seines Lebens gewesen. Nicht eine Sekunde hatte Ardev die gemeinsame Zeit mit seiner Frau bereut. Selbst nach drei Jahren Ehe verzehrte er sich immer noch nach ihr, sobald er sie auch nur einen Tag nicht gesehen hatte. Sogar Streits vermisste er da und würde er für alles Geld der Welt wieder erleben, wenn dies dazu führen würde, dass er sie wieder sehen könnte. <br>Was noch zum Glück ihrer Familie fehlte, war ein gemeinsames Kind. Ein Herzenswunsch der beiden, welcher jedoch leider noch nicht in Erfüllung gegangen war. Die Genetik von Andorianern und Terellianern war sehr unterschiedlich und eine Schwangerschaft zwar nicht unmöglich, aber dennoch eine schwierige Sache. Einmal, im letzten Jahr, wäre es fast soweit gewesen. Der Traum eines Kindes war zum Greifen nah gewesen, doch er war leider zerplatzt wie eine Seifenblase:<br>Diese Mission hatte alles von ihnen gefordert. Captain Lewinski hatte am meisten persönliche Opfer bringen müssen, aber auch die anderen Teile der Crew waren erschöpft. Sie waren in eine Privatfehde geraten, die so niemand erwartet hatte. Der Turbolift sauste auf seiner kurzen Fahrt durch die Röhren des Schiffes und Ardev lehnte gegen die Wand, schloss seine Augen und atmete tief durch. <br>Familie war nicht immer nur Harmonie und Frieden. Diese Lektion war nicht neu für ihn, Arena und er hatten es letztes Jahr nach den Unruhen auf Terellia zu spüren bekommen. Vielmehr war die Familie ein immerwährender Kampf für diese beiden Werte. Zu sehen, dass auch Captain Lewinski nicht vor diesen Probleme gefeit war, machte ihn nur noch menschlicher und dadurch sympathischer. Ob Arena bei der ganzen Sache an ihren ermordeten Bruder Reno hatte denken müssen? <br>Endlich erreichte der Lift sein Ziel und Ardev stieg aus, ging in Richtung des gemeinsamen Quartiers. Er brauchte eine Dusche und Schlaf, soviel war ihm klar. Sehr zu seiner Überraschung wartete schon seine Frau auf ihn. Lieutenant Tellom saß auf dem gemeinsamen Bett, welches den größten Teil des Quartiers ausmachte. Sie wirkte nicht mehr so früh wie heute morgen, viel nachdenklicher und zurückgezogener. Als sich das Schott öffnete und der Andorianer hereinkam, blickte Arena ihn mit traurigen Augen an. Sofort spürte der Einsatzoffizier, dass etwas nicht stimmte.<br>„Ist das Ergebnis von Dr. Frasier da?“ fragte Ardev und kannte doch schon die Antwort.<br>„Ich bin... leider nicht schwanger,“ meinte Arena traurig und fiel in die Arme <br>ihres Mannes. „Elisabeth hat mich vor wenigen Minuten informiert, dass meine Werte negativ sind.“<br>Der Andorianer hielt sie ganz fest, drückte sie an sich. Nicht nur um Trost zu geben, sondern sich auch selbst zu trösten. Wie sehr hatte er sich doch auf einen möglichen Nachwuchs gefreut! Die Möglichkeit, selber das Abenteuer des Vaterseins anzutreten, hatte ihn frohlocken und aufhorchen lassen. Nun jedoch war dieser Traum zerplatz.<br>Nein, korrigierte er sich selbst, dies war nicht richtig. Der Traum war nur aufgeschoben worden. Dieses Mal hatte es vielleicht nicht geklappt, doch beim nächsten Mal. <br>Weder Arena noch Ardev mussten ein Wort sagen, um zu beschließen, dass sie von nun an versuchen würden ein Kind zu bekommen. Es war der nächste logische Schritt in ihrer Entwicklung: die Gründung einer eigenen Familie. Denn heute hatten sie den Wert derselben erkannt.<br>Dann, plötzlich, endeten die Träume. Ardev war verwirrt und versuchte den Grund dafür zu erkennen, doch er wurde ihm recht schnell klar: er wachte auf! Er wurde aus der Welt der Gedanken gerissen und erwachte wieder in der realen Welt. Sein Schädel dröhnte und die Konturen des Raums, in dem er sich befand, wurden nur langsam deutlich, dennoch schien alles mit ihm in Ordnung zu sein. Medizinische Geräte waren an ihn angeschlossen, dies konnte er erkennen und auch Teile seines Kopfes waren bandagiert.<br>Doch was noch wichtiger war, war der Umstand, dass eine andere Person neben seinem Bett saß und ihn anblickte. Es handelte sich um niemand geringeres als seine Frau Arena, die ihn anlächelte.<br>„Hallo,“ begrüßte sie ihn mit sanfter Stimme, die in seinen Augen wie die eines Engels klang.<br>„Hi,“ entgegnete Ardev mit schwacher Stimme. Es würde noch etwas dauern, bis er wieder gänzlich im Vollbesitz seiner Kräfte war.<br>„Wie geht es dir?“<br>„Etwas…gerädert,“ entgegnete der Lieutenant und verzog seine Lippen zu einem schiefen Lächeln, welches ihm jedoch weh tat. „Wie ist die Lage?“<br>Sie legte ihre Hand auf die seinige und spendete ihm so Trost.<br>„Das ist jetzt nicht so wichtig,“ erklärte Arena. Scheinbar wollte sie derzeit dieses Thema nicht zur Sprache zu bringen.<br>„Doch…“ röchelte Ardev und hustete.<br>„Wir haben alles unter Kontrolle.“<br>Diese Antwort musste genügen. Ardev wurde müde. Es würde wohl noch etwas dauern, bis er sich von der Explosion und der folgenden Operation gänzlich erholt haben würde.<br>„Wie sehe ich aus?“<br>Seine Frage war nicht ganz unberechtigt. Er wusste, die Explosion hatte ihn stark verbrannt und die Notoperation hatte lange gedauert. Ob er jemals wieder so aussehen würde wie früher?<br>„Du siehst gut aus,“ erwiderte Arena, lächelte ihn an und streichelte sein bandagiertes Gesicht. „Elisabeth hat dich persönlich operiert und sie hat mir versichert, dass alles gut werden wird. Wir brauchen nur etwas Zeit.“<br>Die Antwort war beruhigend, jedoch für Arena wichtiger als für Ardev. Er selbst war froh überlebt zu haben.<br>„Ist der Captain in Ordnung?“<br>„Ja, ihm ist nichts passiert!“<br>„Und Miguel?“<br>Arena brauchte auf diese Frage gar keine Antwort zu geben, denn Ardev konnte sie anhand ihrer verfinsterten Miene erkennen. Es hatte also einen Toten gegeben. Hoffentlich der einzige für diesen Tag!<br>„Ich bin froh, dich zu haben,“ gestand Ardev und blickte seine Ehefrau dankbar an. „Jeder Tag mit dir ist ein Geschenk.“<br>Nun konnte Arena nicht anders, als zu weinen. Die ganze Zeit über war sie stark geblieben, hatte tapfer gewartet und das Beste gehofft. Jetzt, wo ihr Mann gerettet war, brachen bei ihr im sprichwörtlichsten Sinne alle Dämme.<br>„Ich liebe dich, Ardev,“ erklärte sie und legte ihren Kopf auf seinem Brustkorb ab.<br>So verharrte das Ehepaar und genoss für einen kurzen Moment den Augenblick der Ruhe. Vielleicht der einzige, der ihnen an diesem Tag blieb.<br><br>In der Zwischenzeit hatte sich Commander Matthew Price in den Stuhl des Captains in seinem Bereitschaftsraum gesetzt und den Tischcomputer aktiviert. Er hatte absolut keine Ahnung, wieso er nun einen Anruf von Rigel bekam, dem Wohnort seiner Mutter und seine ehemalige Heimat. Dem Ort, an dem er aufgewachsen war. <br>So vieles war heute schon geschehen, der Tag hatte sich als Wechselbad der Gefühle erwiesen und es wurde ganz sicher nicht besser, soviel schien für den Commander fest zu stehen.<br>Auf dem Bildschirm erschien das Gesicht eines Rigellianers, der nach menschlichen Maßstäben um die dreißig Jahre alt sein musste.<br>„Guten Tag, ich bin Detective Jol von der rigellianischen Polizei. Spreche ich mit Commander Matthew Price?“<br>„Mit dieser Annahme liegen sie richtig,“ entgegnete der erste Offizier auf seine typisch flapsige Art und Weise. <br>„Sind sie der Sohn von Birgit Price, die in Rigel City wohnt?“ war die nächste Frage des Beamten.<br>Die ganze Sache kam Matt nun sehr seltsam vor. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn und daher antwortete er argwöhnisch:<br>„Ja, das bin ich… Detective, wir haben hier momentan sehr viele Dinge zu tun und meine Zeit ist leider nur begrenzt. Kann ich sie daher bitten mir den Grund ihres Anrufs zu verraten?“<br>Der Polizist stockte für einen kurzen Moment, schien nach den richtigen Worten zu suchen. Offenbar war ihm diese Sache sehr unangenehm und instinktiv wusste Price, dass etwas Schreckliches geschehen sein musste. Eine Sache noch furchtbarer als alles, was sie heute erlebt hatten. Ein letztes Mal räusperte sich der Beamte, bis er schließlich einsah, dass er irgendwann die Wahrheit erzählen musste. Ihre Blicke trafen sich kurz und in den Augen des Rigellianers zeigte sich eine Anteilnahme, die man üblicherweise nur in einem speziellen Fall antraf. Fast schon zerriss es Matt vor Neugierde, dann erklärte Detective Jol schließlich:<br>„Mr. Price, es ist leider meine traurige Aufgabe ihnen mitzuteilen, dass heute ihre Mutter Birgit tot in ihrer Wohnung aufgefunden worden ist.“<br><br>Fortsetzung folgt…]]></description><guid isPermaLink="false">6431</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 7x06: Verderben </title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-7x06-verderben-r6414/</link><description><![CDATA[<center><b>Diese Episode als PDF-Datei downloaden:</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_59544.html"><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/7x06_cover.jpg"></a></center><br><center><b>Monitor 7x06 "Verderben"</b><br>Dateityp: zip<br>Größe: 0.42 MB</center><br><br><center><u>Das letzte Mal in 7x05 „Eskalation“:</u></center><br><i>„Lewinski an Janssen,“ rief der Kommandant per Kommunikator, „die Zielperson bewegt sich über die Hauptstraße Richtung Westen!“<br>„Wir fangen ihn ab, Captain!“<br>John konnte auf den Polizisten verlassen, dies wusste er, dennoch nahm er die Verfolgung zu Fuß auf. Er rannte so schnell er konnte, bis er ans Ende seiner Kräfte gelangt war und schließlich erreichte er den Flüchtigen. Dieser war in der Tat in eine Gruppe der Polizei gerannt, welche ihn mit Gewehren im Anschlag zum Stehen gebracht hatte. Atemlos stoppte John und seine Gedanken drehten sich nur um den Zylinder, den die Person in der Hand hielt. Auch er war ein junger Mann, kaum älter als 25, der wohl unter normalen Umständen ein Student oder ähnliches gewesen wäre. Doch irgendetwas hatte diesen Mann bewogen in die Föderale Befreiungsarmee einzutreten. Wieso, dies würden sie wohl niemals erfahren.<br>„Geben sie auf. Es ist vorbei,“ forderte Captain Lewinski den Mann auf, der jedoch nur schief grinste.<br>„Nein, für sie ist es vorbei,“ entgegnete der junge Mann und hielt demonstrativ den Zylinder in die Höhe. „Sie werden uns niemals aufhalten können.“<br>„Ich weiß nicht, ob sie die Situation hier richtig begreifen. Sie sind komplett von uns umstellt, ihre Komplizen außer Gefecht gesetzt und ihr Plan die Biowaffe freizusetzen ist gescheitert. Übergeben sie sich den Behörden und eventuell können sie mit einer milderen Strafe rechnen.“<br>Demonstrativ streckte John dem Mann seine Hand entgegen und erst jetzt bemerkte er eine Platzwunde an seiner eigenen Stirn, die wohl von der Explosion herrührte. Hoffentlich ging es den anderen gut, dieser Gedanke raste ihm in diesem Moment durch den Kopf.<br>Scheinbar jedoch hielt der junge Mann nichts von seinen Worten. Bevor einer der Polizisten auch nur reagieren konnte, ließ der Terrorist den Zylinder fallen. Wie in Zeitlupe raste das gläserne Objekt dem Boden zu und John stockte der Atem. Für den Bruchteil einer Sekunde fragte er sich, ob er nicht zum Zylinder springen und diesen auffangen konnte, doch er war zu weit entfernt. Die anderen Polizisten waren zu verdutzt, um zu reagieren. Vermutlich ahnten sie noch nicht einmal, dass gerade die letzten Sekunden ihres normalen Lebens stattfanden. <br>„Monitor!“ schrie er in seinen Kommunikator hinein, „hochbeamen!“<br>Das letzte, was er sah, bevor er wieder im Transporterraum materialisierte, war das Bersten des Zylinders und Entweichen eines Gases.<br>„Errichten sie auf der Stelle ein Kraftfeld um mich!“ befahl Captain Lewinski dem Transporterchef Alex Bolder, der umgehend der Aufforderung nachkam. Instinktiv betete John, dass er sich nicht infiziert hatte.<br>Der junge Offizier hatte schon richtig geschaltet und den Captain einem intensiven medizinischen Scan unterzogen.<br>„Keine Angst, Sir, sie haben sich nicht infiziert!“<br>„Sind sie sich sicher?“ fragte er atemlos<br>„Absolut. Wir konnten keine Anzeichen des Virus entdecken.“<br>Zeitgleich mit diesen Worten senkte Bolder das Kraftfeld und entließ den Captain von der Transporterplattform.<br>„Ich fürchte,“ raunte er, „dass die Polizisten da unten weitaus weniger Glück gehabt haben.“<br>Dies war noch milde ausgedrückt. Captain Lewinski fühlte sich gescheitert. Das Virus war freigesetzt worden. Begann nun das Ende der Erde?</i><br><br><center><u>Und nun die Fortsetzung…</u></center><br>Geschwinden Schrittes betrat Captain Lewinski die Brücke der Monitor und ließ umgehend eine Kommunikationsverbindung zum Präsidenten herstellen. Es galt ihn über die neuesten Entwicklungen in Kenntnis zu setzen. Um ihn herum wurde er von seinen Offizieren angeblickt. Entsetzen war in den Gesichtern abzulesen, stellenweise sogar Panik. Ehrlich gesagt konnte John niemandem diese Ängste verübeln.<br>Das Gesicht des Präsidenten der Föderation erschien auf dem großen Wandschirm. Auch er blickte sorgenvoll drein, konnte sich sehr wohl den Grund für den Anruf Lewinskis ausmalen.<br>„Mr. President,“ begann der Captain auch sogleich und verzichtete angesichts der dringlichen Lage auf jegliche einleitende Höflichkeitsfloskeln. „Ich muss sie leider informieren, dass das Virus freigesetzt worden ist!“<br>„Was?“<br>Mit sorgenvoller Miene blickte der Staatschef kurz zu Jellico und Kranick, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder Captain Lewinski zuwandte.<br>„Wir haben unser bestmögliches versucht, aber die Täter hatten von Anfang an nicht vor diese Mission zu überleben,“ erklärte der Kommandant der Monitor und dachte für einen kurzen Moment wieder an seine verletzten Crewmitglieder. „Als ihm bewusst wurde, dass er in der Falle saß, setzte er die Waffe frei.“<br>Unmittelbar nach Aussprechen dieses Satzes wurde John klar, dass sich auch Martin noch in der Stadt befinden musste. Immerhin hatte er sich nicht innerhalb einer solch kurzen Zeit wegbeamen können. Oder war er schon in Sicherheit? Zur Zeit musste das Schicksal seines Bruders ungeklärt bleiben.<br>„Wie ist die gegenwärtige Lage?“ fragte der Präsident im Anschluss. Nach dem ersten Schock über die schlechte Nachricht hatte er sich sogleich wieder gefasst und war bereit sich der veränderten Situation zu stellen. Es galt nun einen kühlen Kopf zu bewahren und so schnell wie möglich Herr der Lage zu werden.<br>„Unmittelbar, bevor ich mich in Sicherheit bringen konnte, wurde die Waffe ausgelöst und einige Polizisten sowie der Attentäter verseucht. Anhand der Spezifikationen meines Bruders können wir die Verbreitung des Virus verfolgen… sie ist immens.“<br>John versuchte diese Information so neutral wie möglich zu übermitteln, was ihm jedoch nur leidlich gelang. Zu dringlich war einfach die Lage. <br>„Immens?“<br>„Gegenwärtig konnte die Lücke durch neue Polizisten geschlossen werden, so dass der betroffene Stadtteil immer noch abgeriegelt wird. Jedoch haben wir es hier mit einer Epidemie zu tun. Jeder, der von einem Infizierten auch nur berührt wird, erkrankt augenblicklich und wird selbst zum Träger des Virus.“<br>„Großer Gott…,“ war die gestammelte Antwort des Präsidenten.<br>Natürlich hatte er sich im Vorfeld mit den genauen Auswirkungen des Virus auseinandergesetzt, ihn jedoch in Aktion zu erleben stellte eine gänzlich andere Situation dar. Jedoch war er nicht mit seinen Empfindungen allein: auch Edward Jellico, sonst ein äußerlich kühl taktierender Politiker, wirkte versteinert. „Wie sollen wir ihrer Meinung nach vorgehen?“<br>Auf diese Frage hatte John nur gewartet.<br>„Sir, wir müssen schnell handeln. Nun zählt jede Minute. Noch können wir eine Verbreitung des Virus über die Grenzen von Emden hinaus verhindern, aber dazu müssen sie jetzt ihre Vollmachten einsetzen und eine unliebsame Entscheidung treffen.“<br>„Sie meinen die Entscheidung darüber, was wir jetzt mit der Stadt machen werden.“<br>Das Schweigen Lewinskis war Antwort genug. Sowohl seine Gesprächspartner als auch seine eigene Brückenbesatzung musterte ihn entsetzt. Natürlich war diese Entscheidung unausweichlich, sie aber treffen zu müssen stellte immer noch etwas Grausiges dar.<br>„Wenn wir beim gegenwärtigen Stand der Verbreitung mit der Eindämmung beginnen,“ erklärte John, „dann könnten wir das Schlimmste noch verhindern. Dazu müssen sie jedoch die Maßnahmen anordnen.“<br>„Mit diesen von ihnen als so kühl angesprochenen Maßnahmen meinen sie die Tötung jedes einzelnen Infizierten.“<br>Die Blicke des Präsidenten und von Captain Lewinski trafen sich. In beiden waren sowohl Sorge als auch Scham und Unruhe zu erkennen. Keinem der Anwesenden gefielen die Handlungsalternativen.<br>„Es gibt leider keine andere Möglichkeit, Mr. President,“ entgegnete Captain Lewinski mit trauriger Stimme. „Sie wissen, dass es kein Heilmittel gegen dieses Virus gibt und es steht uns eine planetenweite Epidemie bevor, wenn wir nicht handeln.“<br>Nachdenklich faltete der Staatsmann seine Hände und stützte auf ihnen sein Kinn ab. Die schwerste Entscheidung seines politischen Karriere stand nun bevor.<br>„Von wie vielen Infizierten sprechen wir gerade?“<br>„Derzeit sind es knapp 100, die Zahl steigt jedoch im Minutentakt an.“<br>Wie aus dem Nichts schaltete sich auf einmal Edward Jellico in die Diskussion ein. Bisher war er dem Gesprächsverlauf schweigend gefolgt und hatte nachgedacht. Nun hielt er es für angebracht seine eigene Idee zu äußern:<br>„Mr. President, es gibt noch eine schnellere und wirksamere Methode, um das Virus sicher einzudämmen.“<br>„Wie meinen sie dies?“<br>„Wenn, wie von Captain Lewinski vorgeschlagen, Eingreifteams in die Stadt gebracht werden, besteht die Gefahr, dass auch diese infiziert oder gar getötet werden.“<br>„Diese Leute sind exzellent ausgebildet…“ wollte John erklären, wurde jedoch in seinen Ausführungen von dem Justizminister unterbrochen.<br>„Es besteht die Gefahr. Eine Gefahr, der wir uns entziehen sollten. Aus diesem Grund sollten wir die Stadt mit einem Quantentorpedo beschießen.“<br>Sowohl der Präsident als auch Captain Lewinski blickten den Minister verdutzt an. Es war an dem Kommmandanten die Frage zu stellen, die beiden Männern auf der Zunge lag:<br>„Dies kann nicht ihr ernst sein.“<br>„Doch, dies ist es,“ bestätigte Jellico noch einmal und dabei wirkte seine Stimme seltsam <br>kalt. „In meinen Augen ist dies sogar die einzelne Handlungsalternative, die uns ein sofortiges Eindämmen des Virus und die Lösung des Problems ermöglichen.“<br>„Was sie hier als Lösung des Problems bezeichnen,“ entgegnete Captain Lewinski mit einer an Eiseskälte kaum zu überbietenden Stimme, „ist die gezielte Tötung von fast 60.000 Menschenleben.“<br>„Die zum Wohle des Planeten geopfert werden müssen.“<br>„Woher kommt nur dieser wahnwitzige Plan? Sie können doch wohl nicht ernsthaft diese Zigtausend Personen als Kollateralschäden oder ähnliches abtun,“ fand Lewinski und schon im nächsten Moment erkannte er das Muster, welches sich bei diesem Vorschlag abzeichnete. Schon einmal hatte Jellico eine Radikallösung angewandt und mit einem gezielten Torpedo ein Problem aus der Welt geschafft. Damals, als er vor drei Jahren das Leben von Nathan Sloan auslöschte:<br><i>Über dem Mars, der Jahrhunderte lang den Menschen nur als „der rote Planet“ bekannt gewesen war, erschien die Xhosa und begann mit einer intensiven Sensorensuche. Natürlich war die Oberfläche des Planeten schon lange nicht mehr von dem rötlichen Sand geprägt. Jahrhunderte der Terraformarbeit hatte aus dem Mars einen erdähnlichen Planeten gemacht, auf dem man exzellent leben konnte. Doch diese Feinheiten interessierten derzeit die dezimierte Besatzung des Frachters nicht. Sie wollten nur einen Mann finden.<br>„Ich habe Nathan Sloan gefunden,“ gab Jellico glücklich zu. „Wie ich mir gedacht habe befindet er sich in einem Geschäft in der Innenstadt von Mars-City.“<br>„Einem Geschäft? Was tut er dort?“ fragte Captain Lewinski irritiert. Die Anspannung war ihm nun deutlich anzusehen, immerhin bot sich hier ihm nun die Möglichkeit Sektion 31 einen entscheidenden Schlag zu verpassen.<br>„Suspekt, nicht wahr? Zu seiner Tarnung betreibt Sloan ein Antiquitäten-Geschäft. Ich denke, er mag ab und zu mal das einfache, handwerkliche Leben. Es entspannt ihn.“<br>Yates, die immer noch auf der Suche nach Vergeltung war, klatschte in die Hände.<br>„Also schön, beamen wir uns hinunter und schnappen wir uns den Mistkerl.“<br>„Oh, so einfach wird dies wohl nicht werden. Ich orte Sicherheitssysteme in seinem Geschäft. Transportblockierer, Kraftfelder, allerlei Zeugs, welches es uns unmöglich macht, da hinunter zu beamen.“<br>„Sie wollen uns doch nicht sagen, dass wir umsonst geflogen sind?“ fragte Lewinski wütend. Ein neuerlicher Trick von Jellico wäre in diese Situation äußerst kontraproduktiv.<br>„Nicht wenn ich mir das Inventarverzeichnis dieses Schiffes ansehe,“ erwiderte der ehemalige Admiral mit einem Seitenblick zu Yates.<br>„Wie meinen sie dies?“<br>„Wie ich dies hier lese haben sie aufgrund des Krieges noch zwei Photonentorpedos an Bord?“<br>„Dies ist korrekt,“ antwortete die Frachterkommandantin.<br>Ohne ein weiteres Wort betätigte Jellico den Auslöser und das Schiff erbebte unter dem Torpedostart.<br><br>Er genoss wirklich die Ruhe, wenn er hier war. Nathan Sloan atmete einmal tief durch und genoss das Ambiente, welches dieser Laden ausstrahlte. Er fühlte einen inneren Frieden, der ihm manchmal bei der Arbeit fehlte. Es war immer gut, wenn man Orte hatte, an die man sich zurückziehen konnte. Gerade beriet er ein Ehepaar, dass auf der Suche nach einem alten Grammophon war. Ab und zu mal etwas ganz anderes machen, dies lockerte den Geist. Gerade wollte er über die Zahlungsmodalitäten verhandeln, da piepte sein Computerterminal. Nathan entschuldigte sich und rief die entsprechenden Daten auf. Es näherte sich ihm ein Objekt mit großer Geschwindigkeit... ein Gefechtskopf!<br>Sekunden nach der Realisierung dieser Nachricht explodierte das Geschäft.<br><br>„Was zum Teufel haben sie da getan?“ schrie Lewinski und stürmte vorwärts, packte Jellico am Kragen und drückte ihn gegen die Wand.<br>„Ich habe nur ein Problem beseitigt. Es war doch ihr Wunsch, dass Sloan neutralisiert wird,“ erklärte Jellico fröhlich und schien nicht den Zorn von John Lewinski nachvollziehen zu können. <br>„Ich wollte ihn schnappen und vor ein Föderationsgericht stellen, nicht ihn einfach umbringen. Wer gab ihnen überhaupt das moralische Recht diese Entscheidung zu treffen?“<br>Jellico riss sich los und ordnete erst wieder sein Hemd neu, bevor er antwortete:<br>„Moralisch, dies ist genau das worum es hier geht, John. Dieser Nathan Sloan hat Hunderte von Leben auf dem Gewissen. Er hat Tausende Existenzen zerstört. Es ist nur Gerechtigkeit, wenn ihm dasselbe wiederfährt.“<br>„Es sind Unschuldige bei der Detonation gestorben!“<br>„Kollateralschäden,“ winkte Edward Jellico verächtlich ab. „Wir führen einen Krieg gegen den Terror, John, und im Krieg gibt es Verluste. Ihre Familien können sich mit dem Gedanken trösten, dass sie für eine gute Sache gestorben sind.“<br>„Sie Schwein!“ brüllte John wieder, „sie verdammtes Schwein! Ich mache sie persönliche für den Mord an diesen Menschen verantwortlich.“<br>„Dies mag ja sein,“ erwiderte Jellico mit einem süffisanten Lächeln, „aber nichtsdestotrotz brauchen sie mich. Ich bin der einzige, der Sektion 31 ans Messer liefern kann. Und ich kann sagen, ich freue mich schon auf unsere weitere Zusammenarbeit.“</i><br>Es war ein Muster, welches sich in seinem Verhalten abzeichnete. Wenn es der Lösung eines Problems dienlich war, dann war es dem Justizminister gerade recht. Ob sich der ehemalige Admiral selbst noch an dieses Ereignis erinnerte oder hatte er es schon längst verdrängt?<br>„Sie müssen eine Entscheidung treffen,“ fand Lewinski und wollte damit die Diskussion beenden. Letztendlich musste der Präsident die Entscheidung fällen.<br>Dieser dachte lange nach. Beide Alternativen gefielen ihm nicht, denn egal wie er sich entschied, es würden viele Menschen sterben. Männer, Frauen und Kinder.<br>„Auch wenn wir damit das Risiko einer Epidemie eingehen,“ erklärte der Präsident schließlich, „ich bin nicht bereit Zehntausende Menschen zu opfern, ohne den Versuch einer Rettung unternommen zu haben. Ich werde zusätzliche Polizei- und Sternenflottenkräfte nach Emden beordern. Sollten diese scheitern, können wir immer noch die Idee von Minister Jellico aufnehmen.“<br>Ein Stein ungeheuren Ausmaßes fiel dem Captain vom Herzen.<br>„Erbitte die Erlaubnis mit der Besatzung der Monitor unterstützen zu können“<br>„Gewährt! Und viel Glück!“<br>Damit wurde die Verbindung beendet. Mehr gab es nicht zu sagen. Es galt keine Zeit mehr zu verlieren, um der Krise Herr zu werden.<br><br>Aufgeregtes Treiben herrschte um sie herum. Oder war es nur Arena Tellom, welche unruhig war? So ganz genau konnte die Terellianerin dies nicht sagen, nachdem sie gemeinsam mit ihrem Mann in das medizinische Zentrum der Sternenflotte in San Francisco gebeamt worden war. Sofort nach der Rematerialisierung stürzte sich eine große Schar von Ärzten auf das Ehepaar und war bereit alle erdenkliche Hilfe zu leisten. Eine Schwester wollte sich die Verletzungen Telloms ansehen, doch der Lieutenant schob sie zur Seite.<br>„Kümmern sie sich um meinen Mann!“ bat sie energisch. „Er hat bei einer Explosion schwere Verbrennungen erlitten und braucht umgehend Hilfe.“<br>„Wir sind über den Sachverhalt informiert, Lieutenant Tellom, und leiten gerade alle erforderlichen Maßnahmen ein. Vertrauen sie uns,“ entgegnete ein Arzt, der der Terellianerin bekannt vorkam. Ihre Ahnung kam nicht von ungefähr, handelte es sich bei dem glatzköpfigen Arzt um das berühmte MHN, welches seit der Rückkehr der Voyager aus dem Delta-Quadranten als Chefarzt der Sternenflotte fungierte. Bei ihm würden sie sicherlich gut aufgehoben sein. Wer besaß eine größere Expertise als er?<br>„Wie steht es um ihn?“ fragte Arena und folgte einfach der Menge. Die Liege, auf der Ardev lag, wurde durch die Gänge des Krankenhauses geschoben.<br>„Es muss auf der Stelle eine Notoperation durchgeführt werden,“ erklärte das MHN. „Ihr Mann muss Hauttransplantate erhalten, die wir im Moment replizieren.“<br>„Wie stehen seine Chancen?“<br>„Gut,“ wenn wir auf der Stelle handeln!“<br>Dies waren die letzten Worte des Arztes, dann verschwand er mit seinem Patienten und den Pflegern in den OP-Bereich. Arena Tellom blickte ihnen noch lange nach, deutlich stand ihr die Furcht in das Gesicht geschrieben. Natürlich war ihnen beiden bewusst gewesen, dass diese Mission und der heutige Tag gefährlich sein würden, doch man ging immer davon aus, dass einem selbst nichts passieren würde. Es waren immer die anderen, denen etwas zustieß. Am heutigen Tage jedoch musste auch das junge Ehepaar seine Verwundbarkeit einsehen. <br>Dann fasste die junge Frau einen Entschluss. Ohne lange zu zögern suchte sie eine Komeinheit auf und stellte eine verschlüsselte Verbindung zur Monitor her. Wie gewünscht erschien Dr. Frasier auf dem Schirm.<br>„Mein Gott, ich habe gehört, was geschehen ist,“ sagte Elisabeth, sofort nachdem ihr Gesicht auf dem Schirm erschienen war. „Ist bei dir alles in Ordnung, Arena?“<br>„Ja, mir geht es den Umständen entsprechend. Einige Prellungen und Schürfwunden, das ist alles.“<br>„Und Lieutenant Sanchez?“<br>Nun erschrak die Terellianerin. Während des ganzen Trubels hatte sie gar nicht an den Chefingenieur des Schiffes gedacht, welcher in der Explosion verbrannt war. Ardev sah schon schlecht aus und Miguel war überhaupt nicht mehr zu erblicken gewesen. Ob er überhaupt noch zu identifizieren war? Angesichts dieser Katastrophe passierte Arena Tellom etwas, was sie eigentlich hatte vermeiden wollen: sie weinte.<br>„Er ist tot, Elisabeth,“ stammelte Arena und die Trauer, die sie bisher verdrängt hatte, vermischte sich nun mit der Sorge um Ardev. „Miguel ist bei der Explosion ums Leben gekommen. Zwar habe ich seine Leiche gesehen, doch er kann unmöglich überlebt haben…“<br>„Ist schon gut, bitte beruhig dich. Was kann ich nun tun?“<br>„Ich möchte,“ erklärte die junge Frau und fasste sich wieder, „dass du hierher kommst und bei der Operation an Ardev assistierst.“<br>„Das wird nicht nötig sein, Liebes. Die besten Ärzte der Sternenflotte kümmern sich gerade um ihn…“<br>„Bitte!“<br>Elisabeth blickte tief in die traurigen Augen ihrer Gesprächspartnerin und wusste instinktiv, dass sie ihr diesen Wunsch nicht abschlagen konnte. Immerhin ging es um das Leben eines Freundes.<br>„Ich werde in wenigen Minuten in San Francisco eintreffen.“<br>„Danke, Elisabeth.“<br>Damit wurde die Kommunikationsverbindung beendet und zumindest für einen kurzen Moment fühlte sich Arena besser. Zu wissen, dass sich eine Freundin um ihren Mann kümmern würde, stellte eine große Erleichterung für sie dar.<br><br>Alles, was um ihn herum geschah, nahm Danny Bird gar nicht wahr. Immer noch war er bewusstlos, umgeben von einem Meer aus Schwärze und Dunkelheit. Hier, im zeitlosen Nichts, hatte er Genug Gelegenheit sein Leben Revue passieren zu lassen. Und so stiegen in ihm die Erinnerungen hoch, wie er eigentlich in diesen Schlamassel geraten war:<br><i>Es ein Tag wie jeder andere. Lieutenant Danny Bird, der taktische Offizier der Monitor verrichtete seinen Tagesdienst an Bord des Schiffes. Den Vormittag hatte er damit verbracht die taktischen Daten auf den neuesten Stand zu bringen. Für den Nachmittag und Vorabend stand eine Materialprüfung der Waffenkammer bevor. Derzeit jedoch widmete sich Danny seinem Mittagessen, welches er im Casino einnahm. Die letzten Wochen waren nicht gerade aufregend gewesen. Einige der üblichen Informationsbeschaffungs- und Überwachungsmissionen nahe den Grenzen hatte es gegeben, ansonsten gestaltete sich sein Leben derzeit recht ereignislos. Es herrschte eine Phase der relativen Ruhe, die alle an Bord nutzten, um dringende Routinearbeiten zu erledigen. Unbeliebte und vor allem langweilige Aufgaben, die Bird viel zu lange vor sich her geschoben hatte. Aus gutem Grund, wie sich im bisherigen Verlaufe des Tages gezeigt hatte. <br>Aus den Augenwinkeln nahm der Lieutenant wahr, wie sich an einen Ecktisch Dr. Frasier und Commander Price setzten. Wie so oft nahmen sie gemeinsam ihr Mittagessen ein und unterhielten sich über ihren bisherigen Tag. In der Öffentlichkeit verzichteten sie auf zärtliche Gesten oder jedwede andere Berührungen, die falsch interpretiert werden konnten.<br>Dennoch blickte der Mensch fast sehnsüchtig zu ihnen hinüber. Eigentlich hatte er gar nicht mehr darüber nachdenken wollen, aber er dachte wieder über die alte Liebe nach, die er für Elisabeth vor fast zwei Jahren empfunden hatte. Vielleicht lag es an seinem nur mäßig spannenden Tagesablauf oder einer tief empfundenen Sehnsucht, aus irgendeinem Grund musste er wieder über die Chefärztin nachdenken. <br>Einmal hatte er sie geküsst, nur ein einziges Mal, während einer verdeckten Mission, die dem Schutz des Außenministers der Föderation galt. Dieser Moment, der nur wenige Sekunden gewährt hatte, war für ihn wie das Paradies gewesen. Sein größter Wunsch, Elisabeth nahe sein zu können, war endlich in Erfüllung gegangen und für einen winzigen Moment hatte der junge Mann tatsächlich geglaubt, dass die Ärztin und er tatsächlich eine gemeinsame Zukunft hatten. Zu diesem Zeitpunkt hatte er, trotz seines Respekts für Matt, den Halbbetazoiden in Liebesdingen für einen Draufgänger gehalten. Einen Frauenhelden, der nur an kurzen Affären interessiert war und Elisabeth sicherlich enttäuscht hätte. Immerhin hatte der erste Offizier der Monitor ein Kind mit einer Frau, mit der er schon seit Jahren nicht mehr liiert war. <br>Doch Elisabeth Frasier hatte ihn abgewiesen. Nicht aus Bosartigkeit, sondern einfach nur, weil sie keine Gefühle für Danny empfand, die über Freundschaft hinaus gingen. Sie hatte ihn nicht verletzen wollen, dies war ihm bewusst gewesen, dennoch war der Lieutenant für Wochen und Monate geknickt gewesen. Die Liebe war in der Tat ein Teufelskreis: ein wundervolles Gefühl, wenn man sie geben und teilen konnte, aber die Hölle für denjenigen, dem sie Schmerz bereitete. Es war eine in der Tat schwierige Zeit für ihn gewesen, die seine Beziehung zu Matt fast vergiftet hätte. Im Laufe der Monate hatte der Lieutenant es jedoch geschafft sich zu fangen und die Ärztin aufzugeben.<br>Ab und an gab es jedoch diese Momente, in denen er über eine eventuell alternative Zukunft nachdachte. Eine Welt, in der er und Elisabeht ein glückliches Paar und glücklich waren. <br>Die Existenz von parallelen Universen war bewiesen und manchmal wünschte sich Danny den Blick in eines zu werfen, wo sie beide ein Paar waren. Zumindest war er felsenfest davon überzeugt, dass es irgendwo eine solche Realität geben musste. An diesen Gedanken klammerte er sich.<br>Was sagten diese Gedankengänge aber über ihn aus? Hatte Danny Bird es wirklich geschafft die Ärztin los zu lassen oder gab es tief in seinem Inneren noch diese Gefühle für sie? Natürlich hinterließ es bei jedem Menschen Spuren, wenn man jemanden so bedingungslos geliebt hatte wie er…<br>Mit einem energischen Schütteln versuchte sich Lieutenant Bird von diesen unnötigen Gedankengängen zu lösen und erhob sich von seinem Platz. Bevor er noch weitere Zeit mit diesen Gedanken verschwendete, machte er sich besser an die Arbeit. Egal wie langweilig sie auch sein mochte, sie würde ihn daran hindern noch einmal über Elisabeth nachzudenken.</i><br><br>Alle notwendigen Maßnahmen wurden nun eingeleitet. Der Präsident der Föderation hatte um etwas Ruhe gebeten. Zu sehr dachte er noch über die beiden Handlungsalternativen nach, die ihnen noch blieben und keine einzige davon gefiel ihm. Sowohl Commander Kranick als auch Edward Jellico machten sich auf den Weg zu ihren Arbeitsbereichen, um von dort das weitere Vorgehen zu koordinieren.<br>Doch die Frau konnte nicht anders, als den Justizminister vor der Tür des präsidialen Büros auf seine Idee anzusprechen.<br>„Mr. Jellico, dies konnte doch nicht ihr ernst gewesen sein,“ erklärte die Sternenflottlerin und verschränkte ihre Arme vor der Brust. Sie hatte Hunger und war müde; wie alle anderen auch.<br>„Was genau meinen sie?“<br>Konnte Edward Jellico tatsächlich nicht wissen, worauf sie gerade ansprach? Waren ihm andere Menschen wirklich so egal?<br>„Ich kann nicht so recht glauben, dass sie den Punkt der Diskussion jetzt schon vergessen haben. Noch vor wenigen Minuten haben sie vorgeschlagen mehrere zehntausend Leben auszulöschen.“<br>Abwehrend hob der ehemalige Admiral die Hände und schüttelte energisch den Kopf.<br>„Bitte hören sie auf solche pathetischen Worte zu benutzen, die nur die Realität verfälschen. Was in dieser Situation zählt, ist einfache Nüchternheit.“<br>„Die da wäre?“<br>„Das Abwägen von Leben,“ erklärte Jellico fast schon genervt. „60.000 gegen die gesamte Erdbevölkerung. Eine einfache mathematische Gleichung. Lösen sie sie selbst.“<br>Jetzt noch einmal diese Meinung zu hören verdutzte Commander Kranick noch mehr als zu Beginn. Scheinbar meinte er dies wirklich ernst.<br>„So einfach ist das für sie. Sie zählen Menschenleben und entscheiden danach.“<br>„Nach welcher Maßgabe sollte man denn sonst entscheiden?“<br>„Wir sind doch keine Maschinen oder Computer,“ erwiderte Kranick mit fast schon erboster Stimme. „Unsere Entscheidungen müssen auf anderen Faktoren beruhen. Immerhin haben wir eine Seele!“<br>„Genau dies haben wir und sogar noch viel mehr: wir haben eine Verpflichtung die Bürger der Föderation zu schützen und genau dies tun wir. Die Vulkanier selbst sagen: das Wohl Vieler wiegt schwerer als das Wohl weniger.“<br>Eine Diskussion schien wohl nichts zu bringen, dies musste Elena Kranick schweren Herzens einsehen. Sie hatte Jellico schon immer für einen recht pragmatischen Menschen gehalten, doch dass er so kalt war, überraschte selbst sie. Ohne ein weiteres Wort zu sagen ließ sie den Justizminister auf dem Flur stehen und begab sich in ihren Arbeitsbereich. Jellico blickte ihr noch einige Zeit nach und schüttelte dann den Kopf. Für ihn war dies alles völlig einfach. Scheinbar war er derzeit der Einzige, der die Situation klar sah.<br><br>Abermals öffneten sich die Schotts zum Arrestbereich und überrascht erhob sich Matthew Price von der Pritsche. Mit so viel Besuch allein in den ersten Stunden seiner Haft hatte er beileibe nicht gerechnet. Schon gar nicht mit dem Captain als Besucher. Dieser stellte sich vor dem Kraftfeld auf und befahl einem Sicherheitsmann dieses zu deaktivieren. Ohne zu zögern kam der Crewman dem Befehl nach.<br>„Ich habe sie hier nicht so schnell erwartet, Captain,“ begrüßte der Commander seinen Vorgesetzten und blieb dabei, völlig unüblich für ihn, sehr förmlich.<br>Captain Lewinski sprang jedoch nicht auf diese Schiene auf und fragte stattdessen:<br>„Wie geht es dir?“<br>„Naja, geht so. Jemand hat mich einsperren lassen und seitdem warte ich auf meinen Prozess, der wohl noch in einiger Ferne sein dürfte,“ war die lakonische Erwiderung des Halbbetazoiden. <br>Angesichts dieser lockeren Worte musste John lächeln. Es war die erste freudige Geste seit langer Zeit. Kein Wunder, denn bisher hatte der Tag nicht viel Anlass zur Freude gegeben.<br>„Derjenige, der dies getan hat, ist auch sehr enttäuscht von dir,“ erklärte John Lewinski auf freundschaftliche Art und Weise. „Ich hätte erwartet, dass du hinter mir stehst.“<br>„Hinter dir stehen?“ So ganz konnte Price nicht glauben, was er da eben gehört hatte. „Du wolltest auf das Schiff meiner Imzadi feuern. Das Schiff, auf welchem meine Tochter ihr Zuhause hat.“<br>„Es war ein Bluff. Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich auf ein anderes Schiff der Sternenflotte geschossen hätte.“<br>Lange brauchte Matt nicht, um eine Antwort auf diese Frage zu finden. Seine empathischen Fähigkeiten waren dabei eine gute Hilfe.<br>„Du weißt so gut wie ich, dass es kein Bluff gewesen ist. Um diese Krise heute zu beenden, bist du bereit viele Dinge zu tun. Mein Gott, schau, was aus dir geworden ist, John. Früher warst du ein regelkonformer und vorbildlicher Offizier. Was hat dieser Beruf nur aus dir gemacht?“<br>Traurig blickte Lewinski zu Boden und ließ die Worte sacken. Insgeheim wusste er, dass sein erster Offizier mit dem, was er sagte, recht hatte. Die Jagd auf Sektion 31, der Tod seines Vaters, der talarianische Krieg hatte vieles verändert.<br>„Ich habe das getan, was ich für richtig gehalten habe,“ ergänzte Matt Price. „Genau wie du.“<br>In diesem Satz steckte so viel Wahrheit, der Kommandant der Monitor konnte dies einfach nicht abstreiten.<br>„Das weiß ich und mir ist bewusst, dass ich dich brauche. Gerade angesichts dieser Krise. Ich biete dir die Freilassung an und das Fallenlassen aller eventuellen Anklagepunkte. Jedoch musst du dich mit einigen Teams auf die Erde begeben.“<br>„Ich habe schon gehört, was geschehen ist. Lass uns keine Zeit verlieren, John!“<br>„Du solltest nicht zu früh dein Einverständnis geben. In Emden ist nun die Hölle los. Es herrscht Chaos und worauf du unten treffen könntest… du würdest auf gänzlich andere Menschen schießen müssen.“<br>„Du meinst Infizierte?“ fragte Price nach.<br>„Nein, ich meine Frauen. Und Kinder.“<br>Nun verstand der erste Offizier, worauf der Captain hinauswollte. Dies war in der Tat eine schwierige Sache. Am liebsten würde es Lewinski selbst machen, doch er musste auf dem Schiff bleiben und die Maßnahmen von hier aus koordinieren. Er wollte nun seinen besten Offizier im Zentrum der Krise haben.<br>„Okay,“ bestätigte Price schließlich.<br>„Bist du sicher?“<br>„Ja. Lass uns keine Zeit verlieren!“<br>Endlich war die kurze Zeit des Arrests wieder frei und der Halbbetazoid war wieder bereit, seinen Beitrag zur Beendigung der Krise zu leisten. Als er aus der Zelle heraustrat, streckte ihm der Captain seine Hand entgegen und Matt ergriff sie. Eine Geste, die mehr aussagte, als dies tausend Worte konnte. Vergessen war nichts, vergeben jedoch in jedem Falle. <br>   <br>Nachdem sie Arenas Bitte entsprochen hatte, verlor Elisabeth Frasier keinerlei Zeit und packte ihre Sachen zusammen. Captain Lewinski hatte ohne zu zögern ihrem Wunsch entsprochen. Derzeit war er ohnehin mit anderen Dingen beschäftigt, bei denen die Ärztin nicht weiterhelfen konnte. Nachdem sich die Regierung für eine Ausrottung und gegen eine Heilung ausgesprochen hatte, wurden ihre Fähigkeiten nicht gebraucht. In eine Tragetasche räumte Elisabeth die wichtigsten Dinge zusammen und eilte dann in Richtung Transporterraum. In den Gängen traf sie auf eine Person, mit der sie momentan nicht gerechnet hatte.<br>„Du bist frei?“ fragte sie Commander Price, der sie umarmte und ihr so seine Erleichterung deutlich machte.<br>„Ja, angesichts der gegenwärtigen Lage brauchen wir jeden Mann und der Skipper will nicht auf mich verzichten,“ erklärte der Halbbetazoid und auch ihm war ebenfalls deutlich die Hektik anzusehen.<br>„Was sollst du machen?“<br>„Ich werde gleich mit einem Einsatzteam nach Emden beamen und dort…“<br>Weiter konnte Price nicht sprechen. Die Natur seines Auftrags war widerlich, musste dennoch ausgeführt werden. Der biologische Virus verbreitete sich in einer immensen Geschwindigkeit und die Stadt drohte im Chaos zu versinken. Momentan war es am wichtigsten die Infektion einzudämmen. Der Preis dafür war die Tötung zahlloser Betroffener. Matthew versuchte sich mit dem Gedanken zu trösten, dass diese Vorgehensweise immer noch besser war, als die gesamte Stadt auszulöschen, doch es half nicht allzu viel. Egal wie sie sich entschieden hatten, es würden viele Menschen sterben.<br>„Bitte pass auf dich auf!“ bat Elisabeth ihren Liebsten und drückte ihn noch einmal fest an sich.<br>„Das werde ich, keine Angst. Wohin gehst du nun?“<br>„Ich werde bei der Operation an Ardev assistieren. Es war Arenas Wunsch.“<br>„Ardev?“ <br>Deutlich war in den Augen Price´ die Unwissenheit über die kürzlich stattgefundenen Ereignisse abzulesen. Scheinbar hatte die Zeit nicht ausgereicht, um ihn über alles zu informieren.<br>„Er ist verletzt worden. Ardev hat schwere Verbrennungen erlitten und wird gegenwärtig einer Notoperation unterzogen,“ erklärte Dr. Frasier mit trauriger Stimme.<br>„Furchtbar.“<br>Die Zeit drängte. Ohne weitere Verabschiedungsrituale trennten sich die beiden Wege und jeder ging wieder seines Weges. Doch kurz, bevor sie sich endgültig aus den Augen verloren, drehte sich Elisabeth noch einmal um und sagte:<br>„Sanchez ist tot.“<br>Diese Aussage, furchtbar in ihrer Kürze, ließ Matt zusammenzucken und innehalten. Der Chefingenieur der Monitor war also ums Leben gekommen. Gestern noch hatten sie mit ihm gemeinsam an ihrem Frühstückstisch gesessen und über die aktuellen Sportergebnisse gefachsimpelt. Nun war der junge Mann aus dem Leben geschieden. Leider schien er wohl nicht das einzige Opfer dieses Tages zu bleiben.<br><br>Immer noch war Bird bewusstlos und nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft zu erheben, geschweige denn zu fliehen und so ging er weiterhin im Geiste die Ereignisse durch, die zu all dem geführt hatten:<br><i>„Herein!“<br>Captain John Lewinski blickte von dem Datenpadd, welches er gerade las, auf, als sein Sicherheitsoffizier den Bereitschaftsraum betrat. Auch der Captain musste nach hinten gestellte Aktenarbeit erledigen, die für ihn jedoch noch weitaus umfangreicher war. Sie gehörte zu den weniger aufregenden Aufgaben eines Kommandanten, doch auch diese musste erledigt werden. <br>„Sie wollten mich sprechen, Sir?“ fragte Bird und stellte sich vor dem Schreibtisch Lewinskis auf.<br>„Bitte setzen sie sich doch, Danny!“<br>Bird nahm auf dem Stuhl Platz, welcher sich ebenfalls vor dem Schreibtisch befand und faltete seine Hände. Worum es wohl bei dieser Unterredung ging?<br>„Wie geht es ihnen derzeit?“ fragte Captain Lewinski und musterte den Lieutenant eindringlich.<br>„Es gibt keinen Grund zur Klage,“ entgegnete der junge Mann. „Ehrlich gesagt überrascht mich die Frage. Haben sie einen Anlass zur Sorge?“<br>Für einen winzigen Moment stockte der Captain, gerade kurz genug, dass nur Menschen, die ihn kannten, dies gewahr wurde. Irgendwie schien es, als wäre es ihm unangenehm dieses Thema anzuschneiden.<br>„Ich habe einen anderen Eindruck gewonnen,“ meinte der Captain ehrlich. <br>„Ach ja, Sir? Wie meinen sie das?“<br>„In den letzten Tagen wirken sie nicht so agil und… engagiert, wie sie es sonst sind.“<br>Angesichts dieser Worte grinste der taktische Offizier und blickte kurz zum Gemälde, welches sich rechts von ihm an der Wand über dem Sofa befand. Es war das Meisterwerk Frau in vier Dimensionen aus dem 22. Jahrhundert. Es hatte Admiral Kashari gehört, dem alten Mentor des Captains. Inzwischen schien es eine Ewigkeit her zu sein, dass dieser ermordet worden war. Wie schnell doch die Zeit verging. <br>„Angesichts der Routine, die sich bei uns eingeschlichen hat, ist dies ja auch kein Wunder,“ erklärte Danny offen. „Es ist doch nichts verkehrtes dabei, wenn man in den weniger anspruchsvollen Momenten Kräfte schont.“<br>„Weniger anspruchsvoll heißt jedoch nicht, dass es weniger wichtig ist.“<br>„Das habe ich ja auch nicht gesagt, Danny.“<br>Abermals musterte der Captain seinen Gegenüber und versuchte durch seine Augen in die Seele des jungen Mannes zu blicken. Etwas schien ihn zu bewegen, jedoch konnte er nicht so genau einschätzen, worum es sich handelte.<br>„Wie steht es um die Geschichte ihres Verrats?“ fragte der Captain behutsam nach. Wohlwissend, dass er dabei ein sensibles Thema ansprach. „Haben sie das Thema abgehakt oder beschäftigt es sie immer noch?“<br>Nun war es an dem taktischen Offizier zu stocken und nach geeigneten Worten zu suchen. Wie beschrieb man etwas, was gar nicht so leicht in Worte zu fassen war? <br>„Natürlich denke ich ab und zu darüber nach,“ gab Bird schließlich freimütig zu. Es half sowieso nichts etwas zu verheimlichen, schon gar nicht vor seinem Captain. „Offen gesagt vergeht eigentlich so gut wie gar kein Tag, wo ich nicht mal eine Sekunde über diese Angelegenheit nachdenke. Immerhin lebe ich das Leben eines anderen Mannes, der eine gänzlich andere Persönlichkeit als ich gehabt habe.“<br>„Sie sind real, Danny, glauben sie mir das.“<br>„Ich bin nur eine Erfindung des Dominions. Sie wissen das, ich weiß das und das Oberkommando weiß dies auch. Die Kunst ist es sich mit diesem Gedanken zu arrangieren.“<br>„Und haben sie das?“ fragte Captain Lewinski behutsam nach.<br>Es war schon seltsam, wieso interessierte sich der Kommandant plötzlich für dieses Thema. Sicherlich, in den letzten Tagen war Dannys Motivation nicht allzu hoch gewesen, doch war dies ein plausibler Grund für ein tiefenpsychologisches Gespräch?<br>„Captain, wir kennen uns nun schon so viele Jahre,“ meinte Danny und setzte alles auf eine Karte. „Was ist der Grund dieses Gesprächs?“<br>Angesichts dieser Aussage konnte der Kommandant nicht anders als lächeln. In der Tat, sie alle hier an Bord kannten sich schon eine lange Zeit und es war schwierig, vor den anderen etwas geheim zu halten.<br>„Es geht genau darum: dass sie in letzter Zeit nicht ausgelastet zu sein scheinen.“<br>„Meiner Meinung nach steckt noch mehr dahinter.“<br>Bedächtig faltete John Lewinski seine Hände und legte sie auf seinem Schreibtisch ab, beugte sich vertrauensvoll vor.<br>„Also gut, sie haben mich durchschaut! Admiral LaToya rief mich gestern an und fragte mich, ob ich einen Offizier für einen Sondereinsatz entbehren könnte. Eine heikle Sache.“<br>Nun wurde der Lieutenant hellhörig. Bot sich hier etwa die Möglichkeit dem gegenwärtigen Tagestrott zu entfliehen?<br>„Klingt interessant, Captain!“<br>„Bevor sie vorschnell zusagen, sollten sie sich noch anhören, dass es keine leichte Sache werden könnte. Sie sprach von einer verdeckten Aktion, die Wochen, wenn nicht gar Monate dauern könnte.“<br>„Monate?“<br>„Eine Langzeit-Undercover Operation,“ ergänzte Captain Lewinski und seufzte. Es gefiel ihm ganz und gar nicht, dass Danny scheinbar Feuer und Flamme für diese Idee war.<br>„Worum geht es denn genau?“<br>„Dies wollte mir der Admiral nicht sagen. Es scheint um eine streng geheime Sache zu gehen.“<br>Kurzzeitig ging der Lieutenant die Optionen durch. Was ihm der Captain erzählte, klang nicht nur hochgradig spannend, sondern mochte auch förderlich für seine Karriere sein. Desweiteren klang es wie ein aufregendes Abenteuer.<br>„Ich mache es,“ stimmte Bird ohne großes Zögern zu.<br>„Danny, sind sie sich auch wirklich sicher? Ich bitte sie, dies nicht zu machen, weil sie auf der Suche nach etwas Abwechslung und Abenteuer sind. Immerhin könnten sie uns für eine lange Zeit nicht mehr wieder sehen und mein Instinkt sagt mir, dass es gefährlich sein könnte.“<br>Aus den Worten des Captains konnte man tatsächliche Besorgnis heraushören. Eine Emotion, die Danny durchaus schmeichelte.<br>„Alles, was wir hier tun, ist doch gefährlich, Sir.“<br>„Ja… ich möchte nur sagen… passen sie auf sich auf,“ erklärte Captain Lewinski, erhob sich und reichte seinem Gegenüber die Hand. <br>Dieser ergriff sie und für einen kurzen Moment blickten die beiden Männer sich in die Augen. <br>„Ich werde zurückkommen,“ erklärte Danny mit fester Stimme.<br>„Das erwarte ich auch von einem meiner Offizier. Sie werden noch heute Abend zur Erde reisen, wo man sie im Oberkommando auf ihre Mission vorbereiten wird. Wegtreten!“<br>Danny tat, wie ihm befohlen und verließ den Bereitschaftsraum. Hier kündigte sich eine große Sache an und Bird war froh, dass er an ihr teilhaben durfte.</i><br><br>In der Waffenkammer der Monitor hatte sich ein Großteil des Sicherheitspersonals versammelt und bereitete sich auf den Einsatz auf der Erde vor. Jeder von ihnen schnappte sich Waffen sowie taktische Ausrüstung. In den Gesichtern der Männer und Frauen war natürlich die Nervosität zu erkennen, aber sie alle versuchten dies nicht allzu deutlich zu zeigen. Was den meisten jedoch nur leidlich gelang.<br>Fähnrich Kensington wollte sich gerade an die Einweisung ihrer Untergebenen machen, wurde jedoch vom Eintreffen einer weiteren Person unterbrochen, die durch das sich zischend öffnende Schott herein trat. Als die junge Frau erkannte, wer gerade hereingekommen war, stockte ihr Atem und auch ihre Augen weiteten sich überrascht.<br>Amüsiert über ihre Reaktion grinste Commander Price und sagte lakonisch:<br>„Ganz recht, Fähnrich, ich werde sie auf dieser Mission begleiten.“<br>Auch die anderen Anwesenden musterten ihn überrascht, jedoch auf weitaus weniger feindselige Art und Weise, wie es der taktische Offizier tat.<br>„Ich dachte, sie wären im Arrest?“ fragte Fähnrich Kensington überrascht.<br>„Dies ist Schnee von gestern. Sie dürfen nicht immer mit so veralteten Informationen operieren,“ entgegnete der erste Offizier auf fast schon lässige Art und Weise, bevor er sich an alle Anwesenden im Raum wandte. „Alle mal herhören: der Captain hat mich wieder in Amt und Würden versetzt. Mein Auftrag ist es unsere Bodenoperationen zu koordinieren. Fähnrich Kensington wird dabei meine Stellvertreterin sein.“<br>Samira war entsetzt. Felsenfest war sie davon ausgegangen, bei dieser Operation die taktische Führung inne zu haben, nun jedoch war sie entmachtet worden und dies von einem Mann, der noch vor zwei Stunden auf sie geschossen hatte. Fast schon war es so, als könnte sie noch den Schmerz des Betäubungsstrahls auf ihrem Bauch spüren.<br>Die anderen Sicherheitsleute schienen jedoch von diesem Kommandowechsel durchaus angetan zu sein. Sie bevorzugten bei einer solch heiklen Mission einen erfahrenen Vorgesetzten und zogen daher den Commander dem Fähnrich vor. Eine für die so aufstrebende Kensington schallende Ohrfeige.<br>„Ich will hier keinem etwas vormachen,“ fuhr Matt Price mit seinen Erklärungen fort. „Die Sache wird ziemlich heikel werden. Das Virus verändert auf chemische Art und Weise die Freund-Feind Kennung im Gehirn. Aus ersten Informationen haben wir ermitteln können, dass die Infizierten in jedem einen Borg sehen und diese panisch attackieren. Gefährlich an dem Virus ist, dass es durch bloßen Hautkontakt übertragen wird. Selbst Kleidung hilft uns nicht. Diejenigen also, die von einem solch panisch agierenden Infizierten nicht sofort getötet werden, sind ebenfalls infiziert. Haltet also Abstand zu ihnen und schaltet sie frühzeitig aus.“<br>Price machte eine kurze Pause und beobachtete die Reaktionen der Sicherheitsleute. Niemand von ihnen sah allzu begeistert aus.<br>„Dort unten tobt das Chaos. Geschäfte werden geplündert, Häuser in Brand gesteckt. Zahllose andere Teams der Polizei und der Sternenflotte agieren dort unten und versuchen der Situation Herr zu werden. Unsere Tricorder wurden so modifiziert, dass wir die Infizierten aufspüren können.“<br>Nun musste der Halbbetazoid auf das heikelste Thema zu sprechen kommen. Eine Sache, die gesagt werden musste, auch wenn sie niemandem gefallen würde.<br>„Noch etwas,“ erklärte Price mit trauriger Stimme. „Alle Infizierten verhalten sich gleich panisch. Egal ob es Männer, Frauen oder Kinder sind… es gibt keine Hilfe für sie… wir sollten es daher als Erlösung für sie ansehen.“<br>Mehr konnte und wollte Price nicht dazu sagen. Er brauchte es auch nicht, denn alle verstanden es. Niemandem würde diese Sache leicht fallen, doch sie musste getan werden.<br>„Wenn es keine Fragen mehr gibt, dann wird Fähnrich Kensington den Abschluss aller vorbereitenden Maßnahmen überwachen und dann treffen wir uns alle im Transporterraum!“<br>Der Commander schnappte sich die Ausrüstung, die er benötigte und wollte dann die Waffenkammer verlassen. Gehindert wurde er dabei von Fähnrich Kensington, die ihn am Arm ergriff.<br>„Sie wollen etwas von mir, Fähnrich?“ fragte Price mit leiser, dennoch aggressiver Stimme.<br>„Wenn sie glauben, ich hätte alles schon vergessen oder verdränge es, weil sie mein vorgesetzter Offizier sind, dann irren sie sich!“ zischte die Frau ebenso aggressiv.<br>„Ich bin mir sicher,“ entgegnete Matthew daraufhin gelassen, „dass sie mich dies niemals vergessen lassen werden.“<br>Damit verließ er die Waffenkammer. Mehr musste ja auch nicht gesagt werden. <br><br>Die Notoperation an Lieutenant Ardev war indes in vollem Gange und wie es versprochen worden war, kümmerten sich die besten Mediziner der Sternenflotte um den jungen Andorianer. Der Einsatzoffizier der Monitor lag auf dem OP-Tisch im großen Saal und war an eine große Zahl von medizinischen Geräten angeschlossen. Noch stand es nicht allzu gut um ihn. Zwar schwebte er nicht in akuter Lebensgefahr, dennoch hing alles in der Schwebe. <br>Das MHN schloss die letzten Geräte an den Patienten an, überprüfte die Narkose und ließ sich dann die frisch replizierten Hauttransplantate heranbringen. <br>In diesem Moment öffneten sich die Schotts zum OP und Dr. Frasier trat ein. Wie alle anderen Beteiligten war auch sie in den roten Kittel gewandet, die Bekleidung der Föderationsmediziner im 24. Jahrhundert.<br>„Entschuldigung,“ meinte das MHN und die sichtbaren Teile seiner Stirn legten sich in Falten. „Wer sind sie und was machen sie bitteschön hier?“<br>„Ich bin Dr. Elisabeth Frasier.“<br>„Doktor, ich denke sie erkennen selbst, dass wir hier gerade mitten in einer wichtigen Operation sind und ich habe keine Zeit für Störungen wie jene, die sie gerade verursachen,“ entgegnete das MHN barsch. Auch nach den vielen Jahren auf der Voyager war er nicht gänzlich in der Lage gewesen, seine charakterlichen Macken abzulegen. <br>„Ich weiß sehr gut, wie dringlich die Lage ist, immerhin dient Lieutenant Ardev auf meinem Schiff,“ erklärte Elisabeth und hob ihre behandschuhten Hände in die Höhe. Ein deutliches Signal dafür, dass sie beginnen wollte.<br>„Dann sollten sie im Interesse ihres Kameraden mich und die Kollegen bitte in Ruhe arbeiten lassen.“<br>„Genau dies werde ich auch tun. Mehr noch, ich werde sie unterstützen.“<br>„Wie bitte?“<br>Ein kurzer Moment der Stille folgte, unterbrochen nur durch die rhythmischen Piepsgeräusche der angeschlossenen medizinischen Geräte.<br>„Ich habe Lieutenant Ardev seit Jahren behandelt,“ erläuterte Elisabeth Frasier die Situation. „Daher bin ich nicht nur mit seiner Krankengeschichte, sondern auch mit der andorianischen Physiologie mehr als vertraut.“<br>„Dies bin ich auch. Ich muss ihnen ja wohl nicht die Speicherkapazitäten meines Programms erläutern.“<br>„Das müssen sie in der Tat nicht,“ erwiderte die Bordärztin der Monitor. „Jedoch bin ich auch der Meinung, dass sich in ihrem Programm auch Mitgefühl und Anstand befinden. Die Ehefrau des Lieutenants hat mich persönlich gebeten bei dieser Operation zu assistieren, um ihr ein zusätzliches Gefühl der Sicherheit zu geben. Bitte schlagen sie ihr diesen Wunsch nicht ab.“<br>Frasier lag mit ihrer Vermutung richtig. Das MHN hatte selbst schon Liebe erlebt und wusste daher von den Sorgen, die mit der Liebe einher gingen. Er prüfte, was er sich selbst in einer solchen Situation wünschen würde und nickte schließlich.<br>„Also gut, sie dürfen an dieser Operation teilnehmen. Aber vergessen sie nicht, dass ich immer noch die Gesamtleitung trage.“<br>Erleichtert nickte Elisabeth und stellte sich an den OP-Tisch. Endlich konnte sie aktiv werden.<br><br><i>Es war lange her gewesen, seitdem Danny Bird das letzte Mal im Geheimdienstoberkommando, welches umgangssprachlich auch als „Das Erdgeschoss“ sich einen Namen gemacht hatte, gewesen war. Ehrlich gesagt konnte er sich die Zahl seiner Aufenthalte hier an einer Hand abzählen. <br>Nach einem längeren Flug zur Erde hatte er sich umgehend hierhin eingefunden, wo er in die nun folgende Mission eingewiesen werden sollte. Seit ungefähr vierzig Minuten saß Danny in einem großen Besprechungsraum und wartete darauf, dass sich ihm einer annahm. Zeit genug, um die vergangenen Ereignisse noch einmal Revue passieren zu lassen. Kurz vor seiner Abreise hatte er noch einmal die Krankenstation aufgesucht. Irgendeine magische Kraft hatte ihn dorthin gezogen und der Lieutenant war nicht in der Lage gewesen, sich dieses unheimlichen Soges zu entziehen. Seltsamerweise hatte er einfach das Bedürfnis gespürt noch einmal Elisabeth vor seiner Abreise zu sehen. Spielten seine Gefühle ihm etwa einen Streich? Bisher dachte er das Kapitel über die Chefärztin abgeschlossen zu haben, aber in letzter Zeit kamen die Emotionen immer wieder hoch. Vielleicht hatte sich Danny auch die ganze Zeit über selbst belogen und war in Bezug auf Elisabeth Frasier gar nicht so sehr mit sich selbst ins Reine gekommen, wie er sich dies gerne einredete. Vielleicht hatte ihn nur die Arbeit und die vergangenen Aufgaben von der Tatsache abgelenkt, dass er möglicherweise immer noch etwas für diese Frau empfand.<br>Eigentlich eine seltsame Sache, denn immerhin sollte man doch wissen, ob man für eine andere Person etwas empfand. Doch wenn es um die Ärztin ging, so war sich Danny seiner Gefühle selbst nicht einmal sicher. <br>„Kann ich etwas tun?“ fragte Elisabeth ihn fröhlich und räumte einige neu gelieferte Medikamente in einen Wandschrank ein.<br>„Nein, es ist nichts besonderes,“ winkte der taktische Offizier ab und beobachtete die Ärztin kurz bei ihrem Treiben. „Ich… ich wollte mich nur von dir verabschieden.“<br>„Verabschieden?“ Elisabeth Frasier stand die Überraschung deutlich ins Gesichts geschrieben. „Wohin gehst du denn?“<br>„Ich wurde für einen Sonderauftrag abgestellt… er könnte einige Zeit in Anspruch nehmen und daher werde ich nun von Bord gehen.“<br>Überrascht musterte Dr. Frasier ihren Gesprächspartner und wusste nicht, was sie sagen sollte. Vermutlich konnte sie ihn nicht einmal fragen, wobei es bei seinem Auftrag ging, denn er war sicherlich geheim. Auf einmal schien ihr die ganze Situation völlig fremd zu sein.<br>„Und wie lange wirst du weg sein?“<br>„Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Einige Wochen werden es schon sein,“ mutmaßte der Lieutenant und lächelte schief. Wie konnte es sein, dass er sich in ihrer Gegenwart immer noch so hilflos fühlte.<br>Und dann geschah das Unerwartete. Die Frau, die genau über seine Gefühle in Bezug auf sie Bescheid wusste, trat auf Danny zu und umarmte ihn. Deutlich spürte er ihre Wärme und die damit verbundene Zuversicht, dass es ihm gut gehen und er gesund zurückkehren würde.<br>„Pass auf dich auf,“ meinte sie und klopfte ihm zur Bestätigung auf den Rücken.<br>Überrascht von dieser unerwarteten Geste erklärte Danny:<br>„Das werde ich, mach dir keine Sorgen!“<br>Dies war ihr letztes Gespräch gewesen. Quasi direkt von der Krankenstation war er in sein Shuttle gestiegen und in Richtung Erde geflogen. <br>Nun saß er also hier, in diesem leeren Raum und wartete darauf, dass man ihm seine dringlichste Frage beantwortete. <br>Was?<br>Schließlich öffnete sich zischend die Tür zu dem Besprechungsraum und ein tirrionischer Offizier im Range eines Commanders, der nach menschlichen Maßstäben um die vierzig Jahre alt war, betrat den Raum. Er reichte Danny die Hand und stellte sich vor:<br>„Commander Banek. Bitte entschuldigen sie meine Verspätung, Lieutenant!“<br>Der taktische Offizier der Monitor erhob sich von seinem Platz, ergriff die ihm dargebotene Hand.<br>„Kein Problem, Sir. Ich nehme an, ich brauche mich ihnen wohl nicht vorzustellen.“<br>„Mit dieser Vermutung liegen sie richtig, Lieutenant Bird. Bitte setzen sie sich, damit wir sogleich mit der Einweisung beginnen können.“<br>Beide Männer setzten sich auf gegenüberliegenden Seiten an den Tisch und Commander Banek holte ein Padd hervor, welches das Abbild eines Mannes zeigte. Es handelte sich um einen dunkelhäutigen Menschen. <br>„Wissen sie, wer dies ist?“ fragte der tirrionische Geheimdienstoffizier und wartete gespannt auf eine Antwort.<br>„Tut mir leid, da muss ich passen.“<br>„Gut, dann versuchen wir es anders,“ meinte der Commander. „Ist ihnen der Begriff  Föderale Befreiungsarmee bekannt?“<br>„Allerdings,“ erwiderte der Lieutenant ohne zu zögern.<br>„Was wissen sie über diese Organisation?“<br>„Eine Terrorgruppe, die sich den Sturz der Föderationsregierung zum Ziel gemacht hat. Ihr werden mehrere kleine Attentate auf Randwelten zugeschrieben.“<br>Zufrieden nickte Banek und deutete mit seinem Zeigefinger auf das Padd, welches nun zwischen ihnen beiden auf dem Tisch lag.<br>„Der Mann, den sie hier auf dem Bild sehen, ist James Talley. Laut unseren Erkenntnissen ist er der Führer der Föderalen Befreiungsarmee. Sein gegenwärtiger Aufenthaltsort ist in der Nähe von New Berlin, auf dem Mond.“<br>Noch verstand Danny nicht ganz, worauf sein Vorgesetzter hinaus wollte. Jedoch war er sich sicher, dass sich dies schon bald ändern würde.<br>„Wenn sie seinen Standort kennen, dann ist dies doch wunderbar. Wieso verhaften sie Talley dann nicht?“<br>Dies war genau die Frage, auf die Commander Banek gehofft hatte. Anerkennend nickte der Tirrione und brachte gar ein Lächeln zustande. Dieser Lieutenant Bird schien vielleicht genau die Art von aufgeweckter Person zu sein, die sie für diese Art von Mission brauchten.<br>„Aus zweierlei Gründen: zum einen, weil wir ihm nicht direkt eine Straftat gegen die Föderation nachweisen können… und weil wir Grund zu der Annahme haben, dass er eine große Sache plant. Eine Aktion, welche verheerende Auswirkungen auf uns haben könnte. Leider wissen wir nicht, wann sie starten soll, aber zumindest ist uns die Art der Waffe bekannt.“<br>„Die da wäre?“ fragte Bird interessiert nach.<br>„Der Biovirus, auf den sie schon einmal mit der Monitor während des talarianisch-romulanischen Krieges gestoßen sind.“<br>Schockiert blickte der Sicherheitsoffizier seinem Gegenüber an. Er konnte nicht glauben, was er da eben von ihm gehört hatte. Nein, dies musste in der Tat ein Scherz sein. Doch leider erweckte Banek nicht den Anschein, als würde er scherzen.<br>„Wie kommt diese Organisation an eine solche Waffe?“<br>„Dies wissen wir leider nicht und ehrlich gesagt ist die Beantwortung dieser Frage nur sekundär. Wichtiger ist, dass sie die Befreiungsarmee infiltrieren, den Zeitpunkt und Ort des Schlages gegen die Föderation ermitteln und uns zukommen lassen, damit wir es verhindern können. Allein durch eine Festnahme Talleys können wir dies nicht erreichen.“<br>Danny schwieg, ließ das eben Gehörte auf sich wirken. Eine unglaubliche Sache, die da hinter den Kulissen ablief. Nur zu gut konnte er sich an die Auswirkungen dieser Biowaffe erinnern. Nun also drohte ein Terrorist sie auf einer Welt der Föderation einzusetzen. Ein grauenvoller Gedanke.<br>„Sind sie bereit diese Mission anzutreten?“<br>Die Frage Baneks war schon fast überflüssig gewesen. Mit festem Blick schaute Danny seinen Gegenüber an und wusste, dass es auf diese Frage nur eine Antwort geben konnte:<br>„Wann geht es los?“</i><br> <br>Mit einem hellen Schimmern, wie es für den Beamvorgang üblich war, materialisierten die Einsatzteams der Monitor in der deutschen Stadt Emden. Unmittelbar nach dem Vollenden des Transfers wurden sich alle des tobenden Chaos bewusst: Polizei hatte den Stadtteil komplett abgeriegelt und schoss auf jeden Infizierten, der versuchte, die Barrikaden zu durchbrechen. Feuer brannten lichterloh, wurden jedoch von Niemanden gelöscht. Schreiende <br>Bürger versuchten sich in Sicherheit zu bringen, während überall Plünderungen stattfanden. Von einem Moment auf den anderen schienen die Menschen jegliches zivilisiertes Verhalten vergessen zu haben. Jeder wollte nur noch überleben.<br>Ein kleiner Vorgeschmack darauf, was mit der Erde geschähe, wenn sie es nicht schaffen würden der Lage Herr zu werden. Commander Price atmete noch einmal tief durch und meldete sich dann bei dem zuständigen Polizeichef ab. Es war eine junge Frau, die nach dem Tod von Thomas Janssen das Kommando hatte übernehmen müssen.<br>„Drei Teams von der Monitor werden nun in den gesperrten Bereich eindringen,“ erklärte der Halbbetazoid. „Ich selbst werde dabei das Kommando haben.“<br>Mittels seiner empathischen Fähigkeiten war es für Matt keine Schwierigkeit die Ängste zu spüren, die die Frau gerade durchlebte. Auf einen solchen Einsatzfall war sie nicht vorbereitet worden und ganz sicher hatte sie so etwas nicht einmal annähernd erwartet. Doch seit dem ersten Schock nach dem Tod ihres Vorgesetzten hatte sie bisher ihre Arbeit gut gemacht.<br>„Das habe ich verstanden. Seien sie vorsichtig, Commander: es operieren Dutzende von Einheiten der Sternenflotte und der Polizei in Barenburg. Ich möchte nicht, dass sie aufeinander schießen.“<br>„Keine Sorge, das kriegen wir schon hin,“ entgegnete Price und zwinkerte ihr zu. Mit dieser lockeren Geste versuchte er der Frau etwas Mut zu machen, was ihm jedoch nur leidlich gelang. Im Anschluss zückte er seinen Tricorder und begann die erforderlichen Daten aufzurufen. Ihre Sensorgeräte waren direkt mit den leistungsfähigen Scannern der Monitor verbunden, die ihnen ständig die aktuellsten Daten lieferten.<br>Mit ruhiger, jedoch bestimmter Stimme befahl er Fähnrich Kensington:<br>„Es ist soweit. Nehmen sie ihre Leute und beginnen sie mit der Säuberung des ihnen befohlenen Abschnitts.“<br>„Ja, Sir,“ presste der taktische Offizier heraus, gab Handzeichen an ihre Gruppe und marschierte mit ihren fünf Sicherheitsleuten ab.<br>Auch Price bereitete sich mit seinem Team auf den Abmarsch vor. Ein letztes Mal kontrollierte er die Energiezellen sowohl des Gewehrs als auch des Phasers, prüfte die Kommunikationsverbindung zum Schiff und ließ dann abrücken. Die Polizeiposten öffneten für sie die Absperrungen, um sie hindurch zu lassen. Fast schon hätte man sagen können, dass sie ihnen die Tore der Hölle öffneten.<br>In lockerer Formation marschierte die Gruppe zu ihrem ersten Einsatzort. Jedes einzelne Team hatte vom Oberkommando einen bestimmten Abschnitt zugeteilt bekommen, in dem sie alle Infizierten ausschalten sollte. Diese Taktik kam am ehesten einer versuchten Eindämmung der Seuche gleich. Jedoch vergrößerte sich die Zahl der Infizierten minütlich. Schon jetzt würden sie es mit 30% mehr Betroffenen zu tun haben, als noch vor einer Stunde. In der Tat handelte es sich hier um die größte medizinische Katastrophe der Menschheit.<br>Zu gerne würde Matthew diejenigen in die Finger kriegen, die hierfür verantwortlich waren, jedoch musste dieser Wunsch derzeit nach hinten verschoben werden. Nun hieß es sich auf die vor ihnen liegende Aufgabe konzentrieren. Hoffentlich nahm sich auch Fähnrich Kensington dies zu Herzen und verschwendete keinen Gedanken an den derzeit schwelenden Konflikt zwischen ihr und dem ersten Offizier. Die dritte Gruppe wurde von Chief Baker geführt, dem erfahrensten Unteroffizier unter den Sicherheitsleuten der Monitor. Matt hatte keinerlei Zweifel, dass dieser seiner Aufgabe gewachsen sein würde. <br>Auf brutale Art und Weise wurde Matt aus seinen Gedanken gerissen, als er zu seiner rechten einen markerschütternden Schrei vernahm und herumwirbelte. Viel zu spät sah er, wie aus einem Gebüsch ein Mann die Gruppe anfallen wollte. Erstmals sahen sie einen Infizierten aus der Nähe und es war bemerkenswert, wie viele Informationen das Gehirn in nur wenigen Millisekunden sammeln konnte. Die Augen des Angreifers waren weit aufgerissen, ein panischer Gesichtsausdruck war deutlich zu erkennen und mit ausgestreckten Armen wollte er sich auf eines der Teammitglieder stürzen.<br>„BORG! BORG!!“ schrie der Mann immer wieder.<br>Im allerletzten Moment wurde er von Crewman Harris niedergeschossen, nur wenige Zentimeter von seinem Gesicht und damit der sicheren Verdammnis entfernt. Entsetzt blickte sich das Team an. Natürlich hatten sie sich die Worte des Commanders im Transporterraum zu Herzen genommen, doch das Grauen nun leibhaftig vor sich zu sehen, war etwas gänzlich anderes.<br>Auch Commander Matthew Price musste schlucken. Hätte er sich nicht so viel ablenken lassen und stattdessen auf seinen Tricorder geblickt, so wäre ihm dieser Angreifer viel früher aufgefallen. Hätte der Mann Harris infiziert oder gar getötet, so wäre es seine Schuld gewesen. Ein Fehler, der sich auf gar keinen Fall wiederholen durfte.<br>„Price an Monitor,“ rief der Halbbetazoid sein Schiff, „wir haben den ersten Infizierten ausgeschaltet.“<br>„Haben verstanden!“ entgegnete Lewinski mit sorgenvoller Stimme. „Das wird nicht der letzte gewesen sein. Passen sie gut auf sich auf!“<br>Am liebsten wäre Captain Lewinski nun selbst auf der Erde, dies wussten alle, doch der Kommandant eines Schiffes konnte nicht alle Aufgaben selbst übernehmen. In Gedanken weilte er jedoch bei seiner Crew und dies war vielen ein Trost.<br>„Aufpassen, Leute!“ forderte Price seine Leute und auch sich selbst auf. „Wir dürfen uns nicht noch einmal so überraschen lassen. Checkt regelmäßig eure Tricorderanzeigen, denn nun nähern wir uns einem heißen Gebiet.“<br>Die Teammmitglieder nickten verstehend und blickten voller Schrecken zu ihrem Marschziel: den gewaltigen Hochhäusern des Stadtteils samt der Schule, wo die meisten Menschen lebten!<br><br>Die Lider wogen schwer. Der Körper schmerzte, nichts blieb ihm von den wundervollen Momenten, die ein Körper zwischen Schlafen und Wachen erlebt. Wie ein Eimer kalten Wassers, der ihm ins Gesicht gekippt wurde, fiel die Realität auf ihn ein. Riss ihn mit harten Schlägen aus der Bewusstlosigkeit. <br>Woil war sofort hellwach. Er lag auf dem Boden der großen Halle, die er zuletzt von außen gesehen hatte. Sein Gesicht lag im Dreck, er atmete Schnee ein.<br>Als er sich gerade wieder auf den Rücken drehen wollte, kam die Erinnerung. Schmerzhaft. Er schrie auf und fasste sich an den Bauch. Seine Hände waren sofort blutverschmiert. Und als wäre das nicht genug, präsentierte sich der Talarianer sofort neben ihm.<br>„Du bist ja... noch am Leben“, röchelte er, wetzte die beiden Messer in seinen Händen und begutachtete Woil.<br>Woil wusste, dass dem nicht ganz so war. Dunkel erinnerte er sich an den Ausbruch aus seinem Gefängnis von heute morgen. Zwar erschien es ihm, als sei dies schon vor einer Ewigkeit geschehen, doch sein Körper wusste es besser. Wie langer er wohl bewusstlos war? Minuten? Stunden?<br>Auf jeden Fall zu lange. Schon heute morgen hatte er viel Blut verloren. Und jetzt wieder. Dazu die harten Bedingungen des Planeten und der Stress. Nicht zu vergessen, die immer mehr nachlassende Wirkung des Ketracel White.<br>Dass er nun wach war, war wohl kein Glücksfall.<br>Im Gegenteil – hierbei handelte es sich um eine antosianische Besonderheit. In den letzten Momenten ergoss sich noch mal ein letzter Adrenalinschub durch den antosianischen Körper. Und diesen erlebte er nun.<br>Seltsam, dachte Jozarnay. Keines der Gerüchte ist wahr. Kein Leben, dass vor seinem geisteigen Augen vorbeizieht, keine Wehmut, keine Reue. Keine Angst. Nur Teilnahmslosigkeit – als schau er einen schlechten Holoroman.<br>Oder war etwa so sein Leben – nicht mehr als ein schlechter Holoroman? Gar eine dieser drittklassigen Holonovelas?<br>Wie aufs Stichwort erschien der Talarianer wieder in seinem Sichtfeld. Es schien ihm, als sehe dieser jetzt noch bösartiger aus, noch gefährlicher... noch verzweifelter.<br>Um ihn herum... am Rande seines Sichtfeldes sah er: nichts.<br>Nichts, außer einem Tunnel aus Licht, der sich langsam aber stetig enger zog. Wie zwei Hände, die das Leben aus ihm pressten.<br>„Wenn ich alles... richtig mache..., reicht das Fleisch... an deinen Knochen.... für einen ganzen Monat...“, hörte er den Talarianer sagen, flüstern, wie aus weiter Ferne.<br>Für eine Reaktion war es schon längst zu spät. Die Zeit begann sich zu dehnen, zu strecken, in die Unendlichkeit hinein.<br>Der Talarianer hob sein Messer und starrte gierig auf Woil hinab. Dabei leckte er sich seine Lippen mit seiner spröden Zunge.<br>Plötzlich... ein Leuchten, ein Blitz.<br>Eine rauchende Wunde, die den Gestank von verbranntem Fleisch verbreitete, klaffte in der Brust des Talarianers. Leblos fiel er neben den Woil zu Boden – er war tot, noch bevor er die Eindringlinge hatte kommen sehen. Und in seinem Gesicht war immer noch das seltsam verrückte, hungrige Grinsen zu sehen, dass er in den letzten Minuten bekommen hatte. Es glich einer seltsamen galaktischen Ironie, dass der Mörder noch vor seinem Opfer starb. Wenngleich es auch nur 5 Sekunden waren.<br>„Das ist kein Talarianer!“<br>Die Eindringlinge – das waren fünf vollkommen Vermummte. Der Raumanzug diente hier unten vor allem dazu, der radioaktiven Strahlung des nuklearen Holocaust zu widerstehen. Natürlich auch der Kälte. Die Visiere der Anzüge waren verspiegelt. Die Anzüge selbst waren in einem sehr dunklen Grün gehalten. Die an den Helmen montierten Lichter vermochten es kaum, die Umgebung zu erhellen. Als würde die Hoffnungslosigkeit des Planeten alles aufschlucken.<br>Einer der Männer, er trug ein Gewehr bei sich, hatte sich über Woil gebeugt und festgestellt, dass er kein Talarianer war. Während sich drei der Fremden im Hintergrund hielten und das Gebäude absicherten, kam der fünfte Fremde auf Woil zu, um diese unglaubliche Aussage zu überprüfen.<br>Bei diesem fünften Fremden handelte es sich offensichtlich um die Anführerin der Gruppe. Sie war auch gleichzeitig die einzige Frau unter diesen fünf.<br>„Nein, er ist Antosianer“, stellte diese fest. <br>„Wie kommt ein Antosianer hier her?“, fragte der andere, der neben ihr stand.<br>„Ist er tot?“<br>Sofort holte er einen Scanner heraus uns untersuchte damit Woil. „Beinah...“<br>„Dann lassen Sie ihn sofort zur Basis bringen. Ich möchte ihn gern noch fragen, was er hier macht.“<br>„Aye Ma’am.“ Der Fremde machte sich sofort auf und ging zu den andern drei. Die Führerin der Gruppe blieb bei Woil und sah sich diesen genau an.<br>„Was machen Sie hier Antosianer?“, fragte sie ihn, während sie sich völlig allein wähnte.<br>Doch dem war nicht so – sie wurde beobachtet. <br>Mit einem leistungsfähigen Fernglas beobachtete eine andere Gruppe die Szenerie. Diesmal handelte es sich jedoch um Menschen, besser gesagt, Sternenflottenoffizieren, direkten Untergebenen von Edward Jellico.<br>„Was geht da vor sich?“, fragte einer, der neben den Mann mit dem Fernglas stand. Auch sie trugen Raumanzüge. Sie hatten sich etwa dreihundert Meter entfernt in den Ruinen eines Hauses verschanzt.<br>„Sie haben ihn gefunden“, antwortete der Mann am Fernglas, ohne den Blick von Woil zu nehmen.<br>„Das wird dem Boss gar nicht gefallen“, kommentierte der Zweite.<br>„Oh-o“, wieder der Mann am Fernglas.<br>„Was?“<br>„Das wird dem Boss gar nicht gefallen.“<br>„Was?“<br>Der Fernglashalter antwortete nicht, sondern überreichte das Fernglas seinem Kollegen. „Das ist nicht der talarianische Widerstand.“<br>Mit diesen Worten erhielt er die Bestätigung. Am Helm der Anführerin war es deutlich zu erkennen. Dort thronte nämlich ein Adler, in jeder Klaue ein Planet. Das unverwechselbare Emblem der:<br>„Romulaner...“<br><br>Nun hatte für Arena Tellom die schwerste Zeit begonnen. Es galt jetzt zu warten, untätig herumzusitzen und darauf zu hoffen, dass es die Operation gut verlaufen würde. Die Terellianerin hatte auf einem Stuhl im Krankenhausflur Platz genommen und starrte zum wahrscheinlich tausendsten Male zur Uhr. Nicht mal eine Stunde befand sich Ardev nun im OP, dennoch kam es Lieutenant Tellom wie eine Ewigkeit vor. Unzählige sorgenvolle Gedanken gingen ihr im Kopf herum und sorgten für ein konstantes Maß an Unwohlsein. <br>Auch im vierundzwanzigsten Jahrhundert gab es also immer noch das Bild der besorgten Ehefrau, welche auf das Ende der Operation warten musste. Es gab scheinbar Dinge in diesem Kosmos, die sich nie ändern würde.<br>Instinktiv fragte sich Arena, ob sie beide nicht vielleicht die Gefahr unterschätzt hatten. Nicht eine Sekunde hatten sie bisher an den Gedanken verschwendet, dass ihnen beiden etwas zustoßen könnte. Jetzt jedoch war dieser Fall eingetreten, der bis dato so unvorstellbar gewesen war. <br>Während Arena nun warten musste, wurde ihr einmal mehr bewusst, wie sehr sie ihren Mann brauchte. Es war nicht so, dass sie sich nicht ihrer gegenseitiger Liebe bewusst waren. Dennoch sorgte diese Katastrophe für ein Erinnern und der Rückbesinnung. Jede Liebe lief Gefahr in der Routine des Alltags zu erkalten und diese Entwicklung galt es immer zu verhindern. Arena liebte Ardev über alles. Er war so sehr Teil ihres Lebens geworden, sie konnte sich ein Dasein nicht ohne ihn vorstellen. Die letzten Jahre, die sie gemeinsam mit ihm verbracht hatte. Waren die schönsten ihres Lebens gewesen. Keinen einzigen Tag mit ihm, selbst die, an denen sie sich gestritten hatten, wollte sie missen. In diesem Moment würde sie sich sogar einen scheppernden Streit mit Ardev wünschen, wenn dies doch nur seine Rückkehr bedeuten würde. <br>Doch all dieses Wehklagen half nichts. Der Andorianer befand sich immer noch in der Operation und es würde seine Zeit bis zum Abschluss brauchen. Zumindest kümmerten sich nur die besten Mediziner um ihn. Das MHN war Arena Tellom durchaus bekannt und sie wusste um seine enormen Fähigkeiten. Bei ihm war ihr Mann in guten Händen. Jedoch hatte ihr noch die persönliche Note gefehlt und aus diesem Grund hatte sie Elisabeth um ihre Hilfe gebeten. So fühlte sie sich nun gänzlich sicher und zuversichtlich. Ardev würde es bestimmt gut gehen.<br>Wie sie sich genau verliebt hatten, dies wusste sie eigentlich nicht mehr. Es war im Rahmen ihrer Zusammenarbeit entstanden. Zwischen den beiden jungen Offizieren war eine Art Gewohnheit und Vertrautheit entstanden, dann Freundschaft, welche schließlich in Liebe gegipfelt hatte. Umso mehr konnte sich die Terellianerin noch an die wundervolle Hochzeitszeremonie erinnern, die sie zu Mann und Frau gemacht hatte. Es war ein andorianisches Hochzeitsritual gewesen, um die traditionellen Wünsche Ardevs zu erfüllen. Dafür verzichtete Ardev auf weitere Ehepartner, wie es eigentlich in seiner Kultur üblich war. Für Arena war dieses ganze Konzept eine aufregende neue Sache gewesen. In der terellianischen Kultur war das Konzept der Ehe so gut wie unbekannt. Die Vorstellung für den Rest des Menschen nur an einen Partner gebunden zu sein, war ihrem Volk fremd und fast unvorstellbar. Auch sie hatte einige Zeit gebraucht, um sich an dieses Konzept zu gewöhnen. Doch nun, nach gut drei Jahren Ehe, konnte sie sich nichts anderes mehr vorstellen. Ardev war die Erfüllung ihres Lebens. <br>Nur zu gut konnte sich Tellom an das Lied erinnern, welches ihr Mann im Rahmen einer Therapiesitzung einmal für sie gesungen hatte:<br><br><center><i>I could stay awake just to hear you breathing <br>Watch you smile while you are sleeping <br>While you're far away and dreaming <br>I could spend my life in this sweet surrender <br>I could stay lost in this moment forever <br>Well, every moment spent with you <br>Is a moment I treasure <br>I don't wanna close my eyes <br>I don't wanna fall asleep <br>'Cause I'd miss you, baby <br>And I don't wanna miss a thing <br>'Cause even when I dream of you <br>The sweetest dream would never do <br>I'd still miss you, baby <br>And I don't wanna miss a thing <br>Lying close to you <br>Feeling your heart beating <br>And I'm wondering what you're dreaming <br>Wondering if it's me you're seeing <br>Then I kiss your eyes and thank God were together <br>And I just wanna stay with you <br>In this moment forever, forever and ever <br>I don't wanna close my eyes <br>I don't wanna fall asleep <br>'Cause I'd miss you, baby <br>And I don't wanna miss a thing <br>'Cause even when I dream of you <br>The sweetest dream would never do <br>I'd still miss you, baby <br>And I don't wanna miss a thing <br>I don't wanna miss one smile <br>I don't wanna miss one kiss <br>Well, I just wanna be with you <br>Right here with you, just like this <br>I just wanna hold you close <br>Feel your heart so close to mine <br>And just stay here in this moment <br>For all the rest of time <br>Don't wanna close my eyes <br>Don't wanna fall asleep <br>'Cause I'd miss you, baby <br>And I don't wanna miss a thing <br>'Cause even when I dream of you <br>The sweetest dream would never do <br>'Cause I'd still miss you, baby <br>And I don't wanna miss a thing <br>I don't wanna close my eyes <br>I don't wanna fall asleep <br>'Cause I'd miss you, baby <br>And I don't wanna miss a thing <br>'Cause even when I dream of you <br>The sweetest dream would never do <br>I'd still miss you, baby <br>And I don't wanna miss a thing <br>Don't wanna close my eyes <br>Don't wanna fall asleep, yeah <br>I don't wanna miss a thing <br>I don't wanna miss a thing</i></center><br><br>Immer noch bekam sie eine Gänsehaut, wenn sie an diesen Liebesbeweis dachte. Sie brauchte Ardev. Er vervollständigte ihr Leben, gab ihm einen Sinn und Rückhalt. Dies wurde sich Arena so stark bewusst wie noch nie!<br><br><i>Die folgenden Wochen nach Annahme des Auftrags waren in erhöhtem Maße von der Vorbereitung geprägt. Lieutenant Bird wurde komplett unter die Fittiche von Commander Banek genommen und in umfassender Art und Weise auf die nun kommende Mission vorbereitet. Tägliche Fitnessläufe, Schießübungen, aber vor allem das geistige standen auf dem Übungsplan. Es galt sich die Begebenheiten von New Berlin und Umgebung einzuprägen und, was noch wichtiger war, die bekannten Fakten über James Talley sowie seiner Tarnidentität. Zumindest würde Danny noch seinen eigentlichen Namen benutzen dürfen, ansonsten würde sein ganzes weiteres Leben nur eine Erfindung darstellen. Die Kunst würde es darstellen, diese vom Sternenflottengeheimdienst fabrizierte Identität so darzustellen, als wäre sie Realität.<br>Keine leichte Sache, wie sich in unzähligen Stunden auf dem Holodeck herausstellte. Dort wurde haarklein die Umgebung und die Personen dargestellt, mit denen Danny zu tun haben würde und mehr als einmal verriet sich der Lieutenant durch eine kleine Unaufmerksamkeit. Schon früher hatte er an Infiltrationsmissionen teilgenommen, doch keine war so straff geplant wie diese. Verständlich, wenn man bedachte, wie viel eigentlich auf dem Spiel stand. <br>Doch irgendwann gelangten auch diese Maßnahmen zu einem Abschluss. Der entscheidende Moment, der Beginn der Mission, stand kurz bevor und Banek beschloss gemeinsam mit seinem Schüler durch die prächtigen Parkanlagen des Sternenflottenhauptquartiers zu schlendern. Wie eigentlich immer, wenn er hier war, war Danny durch die schiere Größe der Golden Gate Bridge beeindruckt. Welch gigantisches Bauwerk dies doch war! Unfassbar, dass eine Person, noch dazu ein Mensch, bereit war diese Idylle zu zerstören.<br>„Nervös?“ fragte der Tirrione und lächelte. Obwohl er nicht gerade als alt zu bezeichnen war, wirkte er unglaublich erfahren und auf eine eigene Art sehr weise. Bird war froh von ihm ausgebildet worden zu sein.<br>„Was wäre denn die richtige Antwort?“ erwiderte Lieutenant Bird.<br>Banek überlegte kurz.<br>„Richtig wäre es, seine eigene Angst und die Fehler einzugestehen. Diese sind nur natürlich. Die Kunst ist es vielmehr, sich nicht von diesen Faktoren beherrschen zu lassen.“<br>„Ein wenig nervös bin ich schon,“ gab Danny daraufhin offen zu. „Aber ich bin auch zuversichtlich, dass alles klappen wird. Immerhin habe ich mich intensiv auf diese Mission vorbereitet. Ich kenne James Talley und seine Umgebung inzwischen besser als meine Freunde von der Monitor.“<br>„Gut zu wissen. Vermissen sie ihr Schiff nicht?“<br>Eine in diesem Moment seltsame Frage, wie Bird fand. Wie kam der Mann bloß dazu?<br>„Natürlich vermisse ich meine Freunde. Wobei ich zugeben muss, dass ich in den letzten Wochen eher wenig an die Monitor gedacht habe. Es war mir einfach zu viel um die Ohren!“<br>„Kein Grund sich zu entschuldigen!“ Abwehrend hob Commander Banek seine Hände und lächelte seinen Untergebenen an. „Es ist nur natürlich, dass sie sich derzeit mit anderen Dingen beschäftigen. Mir geht es nicht anders. Auch ich habe in den letzten Wochen private Belange nach hinten stellen müssen. Meine Frau und meine Tochter haben mich so gut wie gar nicht mehr gesehen… hoffentlich erkennen sie mich noch, wenn ich das nächste Mal durch die Haustür gehe. Dies ist in unserem Beruf normal.“<br>„Was meinen sie? Dass wir zuviel Zeit in die Sternenflotte investieren und wir so keine privaten Bindungen aufbauen können?“<br>„Ich denke, ihre Aussage trifft es schon genau, Danny!“<br>„Das würde ja bedeuten, dass niemand von uns in der Lage wäre Beziehungen aufzubauen und feste Bindungen, was wiederum ihrer persönliche Situation widerspräche. Immerhin sind sie ja verheiratet.“<br>Abermals musste Banek lächeln und war sich einmal mehr sicher, den richtigen für diese Aufgabe bekommen zu haben. Lieutenant Bird war eine sehr intelligente und nachdenkliche Person.<br>„Dies habe ich nicht gesagt,“ erklärte der Tirrione. „Natürlich sind auch wir in der Lage feste Bindungen zu haben, doch nur mit Personen, die sich bewusst sind, dass sie in bestimmten Fällen für unseren Beruf und Aufgaben zurückstehen müssen. Leider findet man diese Menschen nicht allzu oft.“<br>„Leider muss ich ihnen da zustimmen,“ sagte Bird und schwieg.<br>„Kein Grund, den Kopf hängen zu lassen.“<br>„Tue ich auch nicht.“<br>„Dann ist ja wunderbar. Haben sie sonst noch irgendwelche Fragen, die sie an mich loswerden möchten?“<br>Beide Männer hielten an dem Springbrunnen an und Danny dachte kurz nach. Soweit es ihn betraf, war er optimal vorbereitet worden… soweit man sich für das Unerwartete überhaupt wappnen konnte. <br>„Nein, mir fallen zumindest derzeit keine ein.“<br>„Sehr gut. Sie werden es schaffen, Danny!“<br>„Ich hoffe es.“<br>„Ich weiß es!“ korrigierte Commander Banek ihn und lächelte abermals. Für ihn bestand überhaupt kein Zweifel daran, dass diese Mission mit einem Erfolg abgeschlossen werden würde. Und Danny Bird sollte auch keine Zweifel daran besitzen.<br>„Sie denken über etwas nach.“<br>„Ja,“ gab der taktische Offizier ehrlich zu. „Die gesamte Zeit über habe ich auf dem Holodeck das Zusammenarbeiten mit James Talley geübt. Ob ich mich jedoch auch noch so professionell verhalten werde, wenn ich ihm gegenüberstehe? Einem Mann, der Milliarden töten möchte…“<br>„Keine Sorge, dies werden sie,“ versuchte Banek seine Bedenken zu zerstreuen. „Allein deswegen, weil sie unterbewusst wissen, was auf dem Spiel stehen wird. Wer weiß, vielleicht mögen sie ihn ja sogar.“<br>Angesichts dieser Worte brachte der Lieutenant ein schiefes Lächeln zustande.<br>„Ich glaube eher nicht,“ erklärte Danny und beide Männer begaben sich wieder in die Geheimdienstzentrale…</i><br><br>„Rechte Hausseite!“<br>Die Worte waren zwar laut, dennoch voller Ruhe und Handlungssicherheit ausgesprochen worden. Sofort änderte ein Teil des Teams die Richtung und verfolgte die infizierte Person. Dieses Mal hatten sie es mit einem eher ungewöhnlichen Art von Betroffenem zu tun; einem älteren Mann, welcher im Angesichte der Übermacht verzweifelt versuchte zu entfliehen. Doch egal wie gefährlich und Furcht einflößend ein Infizierter auch sein mochte, sie besaßen einen entscheidenden Nachteil: aufgrund der panischen Angst, welche ihnen den Verstand vernebelte, besaßen sie nur noch ein rudimentäres Denkvermögen. Jegliche Art von geschickten taktischen Verhalten war ihnen völlig fremd und so war es dem Team von Price ein Leichtes den alten Mann zu stellen. In die Enge getrieben startete er einen letzten Versuch das Team zu attackieren, scheiterte jedoch erwartungsgemäß. Ohne große Mühe erschoss Matthew den Menschen, für den es keine Rettung mehr gab. Die Tötung kam einer Erlösung gleich, dies wusste der erste Offizier, dennoch war es ein beunruhigendes Gefühl jemanden zu töten. Er würde sich niemals an den seltsamen Anblick gewöhnen, wenn der letzte Funken Leben aus den Augen seiner Gegenüber verschwand. Insbesondere nicht in diesem Fall, denn anders als die Cardassianer oder Jem´Hadar, die der Commander bisher getötet hatte, waren die Infizierten mehr Opfer denn Täter. Sie konnten nichts für ihre aggressive Haltung, waren stattdessen zu Sklaven eines diabolischen Virus geworden. Ob der Mann eine Familie, gar Kinder besessen hatte? Matt würde wohl niemals eine Antwort auf diese Frage erhalten.<br>„Gute Arbeit,“ lobte Price sein Team, welches nur verstehend nickte. Natürlich konnte sich niemand über diese weitere Tötung freuen. Es musste zwar getan werden, doch Spaß machte es selbstverständlich keinem.<br>„Unsere Fortschritte sind nicht groß genug,“ meinte Chief Aris und blickte nachdenklich auf den Tricorder. „Für jeden Infizierten, den wir ausschalten, entstehen drei Neue. Es sind immer noch zu wenig Eingreifkräfte in der Stadt.“<br>„Wenn wir nicht bald Herr der Lage werden, dann könnten die Barrikaden bald überrannt werden,“ stimmte Crewman Young nachdenklich zu.<br>„Es bringt nichts darüber nachzudenken. Wir haben einen Auftrag zu erfüllen. Zwar mag er ineffizient erscheinen, aber die Alternative dazu würde jedem von ihnen noch weniger gefallen,“ erklärte Matt Price daraufhin.<br>Die Gespräche verstummten nach diesem Einwand, denn jeder wusste, was mit dieser Alternative gemeint war: die Zerstörung der Stadt.<br>Doch wie nah war Emden schon der Zerstörung? Autos und Häuser brannten, Menschen rannen schreiend durch die Straßen, verfolgt von Infizierten. Im Hintergrund waren die Sirenen von Rettungswagen zu hören und unzählige Shuttles rauschten durch den Stadthimmel. <br>„Wir müssen uns nun einem unangenehmen Thema widmen,“ meinte Chief Aris und deutete auf ein großes Gebäude, welches nur noch einige Hundert Meter von ihnen entfernt war. Die anderen Teammitglieder, inklusive Price, folgten seinem Blick und wünschten sich bereits im Anschluss es nicht getan zu haben: nun galt es die Schule zu säubern.<br>Bisher hatten sie Glück gehabt und nur erwachsene Menschen eliminieren müssen. An die Möglichkeit infizierte Kinder töten zu müssen, hatte bisher keiner von ihnen denken wollen. Doch nun wurde diese Vorstellung unausweichlich, als sie sich dem nächsten Operationsziel näherten. In einer geschlossenen Formation näherten sie sich dem Gebäude und erschossen dabei zwei Infizierte, die vor den Gebäuden herumlungerten. Auch sie hatten panische Angstschreie von den Borg auf den Lippen, als sie getötet wurden. <br>Nun jedoch blickte das Team auf einen völlig leeren Schulhof und auch aus dem Schultrakt klangen keinerlei Geräusche. Price prüfte seine Anzeigen und stellte zu seiner Erleichterung fest, dass sich keine Infizierten im Umkreis befanden. Dennoch mussten sie das Gebiet überprüfen, um auf Nummer Sicher zu gehen. Waren möglicherweise schon alle Menschen hier tot?<br>„Wie viele Kinder sind wohl hier zur Schule gegangen?“ fragte Crewman Young, bekam jedoch keine Antwort. <br>Er war jung und erst vor einem Jahr hatte er selbst eine Schule besucht, bevor er die Mannschaftslaufbahn in der Sternenflotte angetreten hatte.<br>Vorsichtig näherte sich das Team dem rückwärtigen Eingang und öffnete ihn. Auch innerhalb des Traktes herrschte eine gespenstische Ruhe, welche ihnen einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Einen Raum nach dem anderen überprüften sie. Jede einzelne Tür wurde geöffnet, immer auf der Suche nach einem infizierten Menschen, der vielleicht von den Scannern nicht entdeckt worden war. Jedes Mal, wenn sich eine der altmodischen Türen öffnete, bekam Price fast einen Herzinfarkt. Er würde es zwar niemals gegenüber einem Untergebenen zugeben, doch nie zuvor in seinem Leben hatte er solche Angst gehabt.<br>Auch im ersten Stockwerk mussten alle Türen überprüft werden. Gleich bei der ersten überlebten sie jedoch eine Überraschung: sie blickten in die entsetzten Gesichter schreiender Kinder!<br>„Nicht schießen!“ brüllte Matt seinen Leuten zu, als ihm bewusst wurde, dass er es mit verängstigten kleinen Kindern zu tun hatte, die hier gemeinsam mit ihrer Lehrerin Zuflucht gesucht hatten.<br>„Endlich sind sie da!!“ rief die Frau und umarmte den Commander stürmisch. Die junge Frau zitterte wie Espenlaub und der erste Offizier versuchte ihr mittels einer Umarmung Trost zu spenden. „Ich hatte gehofft, dass uns jemand aus dieser Hölle raus holen würde.“<br>„Sie sind jetzt in Sicherheit. Wie viele Kinder sind das hier?“<br>„Wir sind 17 Kinder und ich,“ erklärte die Lehrerin, die sich nun beruhigte. „Was geschieht hier?“<br>„Keine Zeit für Erklärungen,“ entgegnete Price und blickte in die Augen verängstigter Kinder. Sie mussten furchtbares gesehen haben; im schlimmsten Fall Freunde, die mit dem Virus in Kontakt gekommen waren. „Wir sind von der Sternenflotte. Ihr seid nun in Sicherheit.“<br>„Boss, wir haben ein Problem,“ meinte Chief Aris plötzlich, der an einem Fenster stand und nach draußen blickte. Genau in das Gesicht eines Infizierten, der den Blick erwiderte und sich dann mit einer Horde weiterer Menschen in ihre Richtung bewegte. „Jede Menge Infizierte sind auf dem Weg hierher!“<br>„Verdammt, wie haben die uns gefunden?“ fragte Matt irritiert, wusste jedoch, dass die Antwort auf diese Frage noch warten musste. Worauf es jetzt ankam, war die Rettung dieser Kinder und die Zeit war mehr als knapp…<br><br>Noch immer wartete Arena Tellom darauf, dass ihr Mann endlich aus dem OP herauskommen würde. Jedoch dauerte die komplizierte Operation an. Zwar wurde sie regelmäßig von einer Schwester über den Verlauf des Eingriffs informiert, doch dies war nur ein schwacher Trost.<br>Arena fühlte sich einsam. Ihr fehlte die Wärme, die aus der gemeinsamen Nähe entstand. <br>Plötzlich kam eine Person näher, setzte sich neben sie. Die Terellianerin war so übermüdet, dass sie einige Zeit brauchte, um zu realisieren um wen es sich handelte.<br>„Wie geht es ihm?“ fragte Captain Lewinski. <br>„Sir!“ Mehr als deutlich war der Wissenschaftlerin die Überraschung über diesen Besuch anzusehen. „Was machen sie denn hier?“<br>„Ich muss mich doch um den Zustand eines meiner Crewmitglieder informieren… und eines Freundes.“<br>„Aber die gegenwärtige Krise…“<br>Abwehrend hob John eine Hand, brachte sie so zum Verstummen.<br>„Es wäre vermessen zu behaupten, dass diese bereinigt wäre, doch ich konnte mir einen kurzen Moment gönnen, um hierher zu beamen. Langsam beginnt sich die Situation zu stabilisieren.“<br>Deutlich spiegelte sich bei diesen Worten die Verzweiflung in Lewinskis Augen wieder. Was die Monitor tun musste, um den Virus einzudämmen und eine globale Epidemie zu verhindern, widerstrebte seinem Innersten, doch es musste getan werden. Einen anderen Weg schien es derzeit nicht zu geben.<br>„Also, wie geht es Ardev?“<br>„Er wird seit fast zwei Stunden operiert. Bisher meinen die Ärzte es würde ihm gut gehen, jedoch habe ich noch nicht mit ihm selber sprechen können.“<br>Zärtlich drückte der Captain die Hand Arenas und versuchte ihr so Trost zu spenden. Der Kommandant war inzwischen mehr geworden als ein Vorgesetzter. Er war ebenso ein Vertrauter und Teil ihrer Familie geworden.<br>„Ardev ist ein Kämpfer. Er wird es schaffen, glauben sie mir!“<br>„Ja, Sir,“ murmelte Tellom als Antwort und wischte sich eine Träne von der Wange. Obwohl es in dieser Lage beileibe angebracht gewesen wäre, schämte sie sich ihrer Tränen. <br>„Grämen sie sich nicht ihrer Tränen,“ erklärte Captain Lewinski daher auch folgerichtig. „Sie sind deutliches Anzeichen für ihre immer noch starke Liebe. Sie sind genau die Frau, die Ardev verdient hat. Hoffentlich ist er sich jeden Tag aufs Neue dieses Glückes bewusst!“<br>Die Worte Johns zeugten von einer solchen Ehrlichkeit, dass Arena verdutzt schlucken musste. In ihnen schwang eine Melancholie mit, die wohl durch des Captains eigene Sehnsucht nach einer glücklichen Beziehung beflügelt worden war. Einen solch fast schon intimen Moment hatte sie bei John Lewinski noch nie erlebt. <br>„Ich kann mir überhaupt nicht mehr vorstellen, wie mein Leben ohne ihn gewesen ist,“ meinte Arena und schluchzte einmal mehr. „Als vor zwei diese Krise auf Terellia war, hatte ich schon das Ende unserer Ehe befürchtet. In mir hatte es Gefühle gegeben, die ich niemals für möglich gehalten hatte. Aber diese Sache ist zum Glück vorbei und ich bin mir meiner Gefühle absolut sicher. Ohne Ardev bin ich gar nichts!“<br>Überwältigt von ihren Gefühlen legte Arena Tellom schluchzend ihren Kopf auf den Oberschenkel des Captains und dieser strich ihr sanft durch das Haar. Ardev würde es schon gut gehen, er war sich dieses absolut sicher. Derzeit konnten sie ohnehin nichts an der Situation ändern. Es galt nun zu warten. Obwohl er eigentlich wieder auf sein Schiff zurückkehren musste, entschied sich Captain Lewinski dafür noch etwas zu bleiben. Er wurde nun hier gebraucht, dies war ihm klar. Gemeinsam warteten die beiden auf das Ende der Operation.<br><br>„Ich hoffe, Sie haben gute Nachrichten.“ Edward Jellico kochte. Nie hätte er gedacht, dass dieser Tag so furchtbar werden könnte.<br>Dies spürte auch der Mensch, der auf dem Terminal erschien und als Blitzableiter für Jellico nun herhalten musste.<br>„Die Romulaner haben ihn“, schoss dieser schnell heraus.<br>Er hörte Jellico schon schreien. In etwa über: bin ich nur von Anfängern und Versagern übergeben? Muss ich alles selber machen? Ich werde euch mit meinen eigenen Händen erwürgen.<br>Doch dies geschah nicht. Jellico war erstarrt. Gerade als der Mann auf der anderen Seite nachschauen wollte, ob die Leitung überhaupt noch stand, regte sich Jellico wieder.<br>„Hören Sie mir jetzt genau zu“, Jellico sprach leise. Doch die Stimme des Teufels konnte kaum anders klingen. „Vielleicht habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt, aber Woil darf diesen Planeten nicht verlassen.“<br>„Das ist mir klar Sir.“<br>„Dann wünsche ich, dass Sie, wenn Sie mich das nächste Mal kontaktieren, mir folgende Nachricht mitteilen: Sir, wir haben das Problem gelöst“, erklärte Jellico und ließ keinen Zweifel übrig.<br>„Ja Sir“, antwortete sein Untergebener, sich der Konsequenzen seiner und Jellicos Worte bewusst.<br>„Und wenn sich Ihnen dabei die Romulaner in den Weg stellen, lassen Sie die diplomatischen Konsequenzen mal meine Sorgen sein. Nur holen Sie Woil zurück.“<br>Jellico schloss den Kanal, noch bevor er eine Antwort erhalten konnte. Sie hätte ihn ohnehin nicht erfreut.<br><br><i>Schließlich war es soweit gewesen. Das ganze Üben und Trainieren, die wochenlange Vorbereitung gipfelte nun in dem begonnen Einsatz. Danny Bird rückte noch einmal seinen maßgeschneiderten Anzug zurecht und sah sich auf dem Weltraumhafen von New Berlin um. Die Hauptstadt des Mondes war imposant und es war kaum zu glauben, dass sie nur gute zweihundert Jahre alt war. Ein letztes Mal dachte Danny über seine Freunde auf der Monitor nach, die wohl nicht wussten, wo er sich nun aufhielt. Höchstens Captain Lewinski war wohl eingeweiht worden. Die Gedanken über seine Kameraden schob Danny ganz weit zurück, denn nun galt es voll konzentriert zu bleiben. Der geringste Fehler mochte schon tödlich enden. Als erste Phase seiner Mission würde er Kontakt zu Janine Talley aufnehmen, die Tochter von James. Über sie, so war es der Plan des Oberkommandos, würde er Zugang zu der Organisation bekommen und tiefer in den Führungszirkel eindringen können. Natürlich hatte er sich auch mit Janine in den Simulationen beschäftigt, Daten über sie durchforstet und versucht näheres über die junge Frau zu erfahren. Dennoch stellte Janine Talley ein Rätsel für sie da. Der Geheimdienst war sich nämlich alles andere als klar, wie genau die Rolle der Frau aussah. Wusste sie von den Aktionen ihres Vaters oder war sie nur ein Opfer? Stellte sie möglicherweise ein hohes Mitglied des Führungskreises dar? Seltsamerweise waren in diesem Punkt die Informationen mehr als schwammig. Die Aufklärung hatte sich mehr auf ihren Vater James und seine Freund konzentriert als auf sie. Eine Mission, in der alle unbekannten Variablen ausgeschaltet waren, gab es leider nicht. Ein letztes Mal atmete der Lieutenant tief durch, dann tauchte er vollends in seine Rolle ein…</i><br>Dann verschwanden jedoch all diese Erinnerungen, als sich der neblige Schleier der Dunkelheit langsam lichtete und ihm endlich wieder den Zugang ins Hier und Jetzt gewährte. Mehrfach blinzelte Danny Bird und versuchte Konturen zu erkennen, die langsam deutlicher wurden. Nach und nach kehrten seine Sinne zurück und ihm wurde klar, dass er auf einem Stuhl saß. Seine Hände und Füße waren an den Stuhl gefesselt und boten ihm so nicht einmal den kleinsten Zentimeter an Bewegungsfreiheit. Scheinbar rührte seine schlechte Sicht nicht unbedingt von seiner mehrstündigen (?) Bewusstlosigkeit, sondern der Raum, in dem er sich befand, war offenkundig abgedunkelt. Kahle Wände umgaben ihn, vor ihm befand sich keine Tür oder irgendeine andere Art von Zugangsmöglichkeit. Ob sich eine solche in seinem Rücken befand, war unbekannt. Zumindest sah dieser Ort nicht so aus wie einer der Räume, die sich in James´ Haus befanden. Der Undercover-Agent wusste dies ganz genau, denn im Vorfeld der Mission hatte er natürlich die Lagepläne des Anwesens studiert und diese dann im Laufe der Monate überprüft. Scheinbar hatte man ihn also an einen ihn unbekannten Ort entführt. <br>Dies war so ungefähr sein letzter klarer Gedanke, bevor der Schmerz im Hinterkopf Überhand nahm. Danny verzog das Gesicht und wurde sich erst jetzt bewusst, dass man ihn niedergeschlagen hatte. <br>Langsam trat eine Person in das Sichtfeld. Aufgrund der mangelhaften Beleuchtung dauerte es eine Weile, bis er sie als Janine identifizierte. Die Frau, die er liebte. <br>„Es tut mir leid,“ erklärte sie mit seltsam ruhiger Stimme.<br>Die Frau, die ihn niedergeschlagen hatte.<br>„So beweist du mir also deine Liebe?“ fragte Danny und verzog aufgrund der Kopfschmerzen abermals das Gesicht. „Indem du mich niederschlägst?“<br>„Besser als dein Liebesbeweis, der Verrat ist? Du wolltest meinen Vater töten.“<br>Nun war erstmals der Zorn in Janines Stimme zu vernehmen und ehrlich gesagt konnte der Lieutenant ihr diese Emotion nicht verübeln.<br>„Meine Absicht war es ihn festzunehmen.“<br>„Also bist du doch ein Agent; ausgeschickt, um unseren Plan zu vereiteln.“<br>Brachte es überhaupt noch etwas zu lügen? Offenbar war er gescheitert und wie er die Situation einschätzte, so wäre eine Rettung eher unwahrscheinlich. Dennoch durfte er sich nicht aufgeben und schon gar nicht seine Vorgesetzten verraten.<br>„Du meinst den Plan die Wiege der Menschheit zu vernichten? Den würde ich in der Tat gerne vereiteln.“<br>Langsam beugte sich Janine zu ihm herunter, ihre Hände umfassten seine Armlehnen und deutlich konnte er ihr Parfum riechen, ihre Anziehungskraft spüren. In einer anderen Welt, bei einer anderen Gelegenheit wären sie ein glückliches Paar geworden. Doch nun hatten sie beide wohl keine Zukunft.<br>„Wer ist dein Auftraggeber?“<br>Bird zog es vor zu schweigen und seine Freundin anzustarren. Sie hielt seinem Blick stand, wartete noch einige Sekunden und erhob sich dann, als jemand näher trat. Die eine Person war James Talley, der ihn mit versteinerter Miene anblickte. Die andere Person, eine rothaarige Frau, ließ Danny erstarren. Sie war Bajoranerin, hatte eine auffallend dunkle Kleidung und ein fast schon diabolisches Lächeln aufgesetzt.<br>„Guten Tag, Mr. Bird,“ begrüßte sie ihn schelmisch.<br>Es war an James, sie dem verdutzten Lieutenant vorzustellen:<br>„Darf ich dich ihr bekannt machen, Danny? Dies ist die ehemalige Intendantin von Bajor Kira Nerys!“<br><br><center><b><u>Fortsetzung folgt…<br><br>VERDERBEN</u></b><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for TREKNews NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producers NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR <br>TM &amp; Copyright © 2005 by TREKNews Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center><br><br><br>]]></description><guid isPermaLink="false">6414</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 7x05: Eskalation </title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-7x05-eskalation-r6384/</link><description><![CDATA[<center><b>PDF-Download</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_59518.html"><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/7x05_cover.jpg" border="0"></a><br><b>Monitor 7x05 "Eskalation"</b></center><br><br><center><u>Das letzte Mal in 7x04 „Schuld“:</u></center><br><i>Für einen kurzen Moment hatte sich die Chance geboten mal mit seinem Bruder zu sprechen. Martin trat auf den Captain zu und raunte ein Wort, welches er niemals erwartet hatte über die Lippen zu bringen:<br>„Danke.“<br>Gedankenverloren, so als ob er abwesend wäre, blickte John auf und konzentrierte seine Aufmerksamkeit auf seinen Bruder.<br>„Wofür?“<br>„Du hast viel für mich riskiert,“ erklärte der verurteilte Waffenhändler. „Erst die Befreiung aus dem Gefängnis, dann stellst du dich gegen die Befehle des Präsidenten… du wirfst gerade deine Karriere weg. Für mich.“<br>Angesichts dieser Worte erhob sich John aus dem Stuhl, blickte seinen Bruder fest an und war für einen Moment ratlos, was er nun sagen sollte. Es schien sich hier um eine verkehrte Welt zu handeln. Nun war es Martin, der ihm dankbar war und er konnte diesen Zuspruch nicht ertragen.<br>„Ich tue dies für die Sicherheit der Föderation.“<br>„Sicherlich machst du das. Aber sei dir sicher, dass ich dir dankbar bin. Ob du es glauben möchtest oder nicht, wir haben doch mehr Gemeinsamkeiten als du glaubst. Heute hast du deine ersten gesetzeswidrigen Taten vollbracht.“<br>Instinktiv ballte John seine Fäuste, eine angesichts der Umstände völlig sinnlose Geste, die jedoch seinen Gemütszustand deutlich beschrieb.<br>„Vielleicht mag es lange gedauert haben,“ meinte Captain Lewinski, „aber ich habe eingesehen, dass wir wohl nicht viele Gemeinsamkeiten haben. Wir mögen Brüder sein, aber unsere Ansichten sind gänzlich unterschiedlich.“<br>Martin wollte noch etwas erwidern, kam jedoch nicht dazu. Denn plötzlich erhellte sich die Brückenbeleuchtung und hektische Betriebsamkeit brach aus. Fähnrich Kensington bestätigte die Vermutung:<br>„Die Tarnvorrichtung ist soeben ausgefallen!“<br>„Was?“ fragte Lewinski und begab sich umgehend zur taktischen Station. War dies etwa die Antwort des Präsidenten? Mit einer so schnellen Reaktion hatte er beileibe nicht gerechnet.<br>„Tarnen sie uns umgehend wieder!“ befahl der Kommandant.<br>„Es geht nicht, Sir. Irgendwie sind unsere Kontrollen überschrieben worden.“<br>„Dies funktioniert nur mit den entsprechenden Codes des Oberkommandos,“ meinte Price, der sich sofort an die Navigationskontrollen gesetzt hatte. Im Moment mussten sie wohl mit allem rechnen und genau dies trat auch ein.<br>„Ein Schiff dreht bei und geht auf Abfangkurs,“ meldete Ardev und vergaß für den Moment die Sensorsuche der Erde. „Es ist die USS Community!“<br>Entsetzt blickte Price zu seinem Captain und dieser schaute ihn auch verwirrt an. Scheinbar war ausgerechnet dieses Schiff das nahste zu ihnen gewesen und sollte sie nun abfangen. <br>Und wie erwartet erschien das Gesicht der Kommandantin der Community auf dem Wandschirm der Monitor. Seit Wochen und Monaten hatte sich Commander Price gewünscht seine Tochter und mit ihr seine Imzadi wiederzusehen, doch dieses Mal waren die Umstände mehr als unglücklich.<br>„Hier spricht Captain Selina Kyle von der Community,“ erklärte die Frau mit neutraler Stimme. Ihr lag alles daran die Situation nicht ausarten zu lassen. „Übergeben sie Martin Lewinski und bereiten sie sich darauf vor, dass wir an Bord kommen.“<br>Captain Kyle!“ begrüßte John Lewinski seine Gegenüber und stellte sich in die Mitte der Brücke. „Ich gratuliere ihnen zu ihrer Beförderung.“<br>„Danke, Captain. Aber ich denke kaum, dass dies der geeignete Zeitpunkt ist, um über meinen neuen Rang zu sprechen,“ erwiderte Kyle selbstsicher und für einen kurzen Moment fiel ihr Blick auf den an der Navigation sitzenden Matt Price. Mittels seiner empathischen Fähigkeiten konnte er deutlich fühlen, dass auch seiner Imzadi die Situation alles andere als gefiel. „Ich bin hier auf Befehl des Präsidenten und bitte sie inständig meinen Befehlen zu gehorchen.“<br>„Sind sie sich über die gegenwärtige Lage im Klaren?“<br>„Ja, ich bin vollständig informiert worden. Tatsächlich ist der Präsident uns über Audio zugeschaltet, er bekommt also alles mit.“<br>Verstehend nickte John und überlegte, wie er diese Information zu seinem Vorteil nutzen konnte. Jedoch fiel ihm keine probate Möglichkeit ein.<br>„Dann sollten sie meine Aktionen und meine Entscheidung nachvollziehen können,“ meinte John.<br>„Es ist nicht an mir etwas zu bewerten, sondern die Befehle des gewählten Führers der Föderation zu befolgen und diese sind unmissverständlich. Bitte, Captain Lewinski, machen sie die Sache nicht noch schwerer, als sie ist.“<br>Gebannt blickten alle auf der Brücke zu ihrem Kommandanten und fragten sich, was er nun sagen würde. Derzeit schien alles möglich zu sein.<br>„Ist dies überhaupt möglich?“ fragte Lewinski rein rhetorisch und fragte sich, wie lange wohl noch die Sensorauswertung dauern würde. Natürlich tat Ardev alles Mögliche, um schnellstmöglich an Ergebnisse zukommen, doch ihnen lief die Zeit davon. „Wir werden ihre Anweisungen nicht befolgen.“<br>„Ist dies ihr letztes Wort?“ fragte Captain Kyle, der deutlich das Unbehagen anzusehen <br>war. „Bitte tun sie uns dies nicht an und beenden sie die Krise auf der Stelle. Ansonsten müssen wir Gewalt zur Durchsetzung der präsidialen Befehle anwenden.“<br>Kurz drehte sich John auf der Brücke herum, wollte in die Gesichter der Offiziere blicken, die so vieles bisher mitgemacht hatten. Würden sie auch jetzt noch bereit sein ihm zu folgen? <br>So vieles hatte er bisher von ihnen abverlangt. Hoffentlich würden sie ihm auch jetzt folgen. Ausgerechnet bei seinem Bruder blieb sein Blick als letztes hängen. Er liebte ihn, auch wenn ihre gemeinsame Vergangenheit mehr als problematisch war.<br>Schließlich traf John seine Entscheidung. Er zog die Sache nun durch.<br>„Roter Alarm! Alle Mann auf der Krankenstation!“<br>Eingespielte Hektik begann auf der Monitor, als die Alarmsirenen losheulten und überall an Bord die roten Leuchten aufglühten. Matrosen und Offiziere eilten auf ihre Plätze, um das Schiff auf den Kampf vorzubereiten. <br>Verdutzt blickten sich Jellico und der Präsident an, die auf der Erde das ganz Gespräch mithörten. Die Situation entwickelte sich nicht so, wie sie es erwartet hatten.<br>„Das kann nicht ihr Ernst sein,“ entgegnete Selina Kyle, nachdem sie sich wieder von der Überraschung erholt hatte. Noch immer befand sich ihr Schiff auf Abfangkurs. „Captain Lewinski, sie lassen die Situation eskalieren.“<br>„Nein, sie sind es, die die Eskalationsstufen nach oben treiben. Drehen sie mit der Community ab und lassen sie mich meine Arbeit machen, um die Erde zu retten.“<br>„Wenn sie bereit wären noch einmal mit dem Präsidenten zu reden…“<br>„Verdammt, wir haben keine Zeit mehr, Selina!“ brüllte John und machte seine unnachgiebige Haltung einmal mehr deutlich. „In diesem Moment, wo wir miteinander sprechen planen Terroristen einen verheerenden Anschlag auf die Wiege der Menschheit, die alles Leben beenden könnte. Denken sie nach!“<br>Noch einmal ließ Captain Kyle ihren Blick über die Brückencrew der Monitor schweifen. Wegen Matt kannte sie alle an Bord dieses Schiffes gut. Sie waren im mindesten Bekannte, einige wenige dort würde sie sogar als Freunde bezeichnen. Bei dieser ganzen Sache konnte sie nicht aufhören an Matthew zu denken. Den einzigen Mann, den sie immer lieben würde und der der Vater ihrer Tochter war.<br>„Übergeben sie ihr Schiff, Captain!“ befahl Kyle ein letztes Mal und rechnete nicht damit, dass man nun ihrer Aufforderung folgen würde.<br>„Fähnrich Kensington, feuern sie einen Quantentorpedo vor den Bug der Community!“<br>Scheinbar hatte sich die junge Frau schon auf eine solche Anordnung vorbereitet, denn schon im nächsten Moment verließ ein Torpedo die Startrampen des Schiffes und detonierte kurz vor dem Rumpf der Community.<br>„Die USS Community dreht nicht bei und wird in 30 Sekunden uns erreicht haben,“ meldete Lieutenant Ardev und deutlich zeigten sich auf seiner Stirn Schweißperlen.<br>Gedanken rasten durch Johns Kopf. Nach außen hin wirkte er völlig selbstsicher, aber derzeit fragte er sich, ob er das richtige tat. Leider war es nun zu spät umzudrehen.<br>„Erfassen sie Captain Kyles Schiff mit den Waffen und bereiten sie alle eine volle Salve vor!“<br>Dieser Befehl war zuviel für den ersten Offizier der Monitor. Entsetzt erhob er sich von seinem Platz, blickte kurz zu Selina auf dem Wandschirm und dann zu seinem Captain.<br>„Das kannst du nicht tun, Skipper!“<br>„Captain Kyle lässt mir keine Wahl und ich bin nicht bereit aufzugeben. Wir befinden uns kurz vor dem Ziel,“ erklärte John mit sichererer Stimme, als er angenommen hatte.<br>„Aber Yasmin ist dort an Bord!“ schrie Matt und erstmals konnte man am heutigen Tage Panik in seinen Augen erkennen. <br>Natürlich wusste John dies und es tat ihm leid. Die ganze Ereigniskette schien zu eskalieren und eigentlich hatte er dies nicht vorgehabt. Scheinbar kontrollierten die Ereignisse ihn und nicht umgekehrt. <br>„Waffen geladen und Ziel erfasst,“ meldete Fähnrich Kensington und wartete nur auf den Einsatzbefehl. Im Gegensatz zum ersten Offizier würde sie nicht zögern den Befehl auszuführen.<br>„Setz dich wieder an deinen Posten,“ wies John seinen ersten Offizier und Freund an, doch dieser Machte keine Anstalten den Befehl auszuführen.<br>„John… bitte!“ flehte der Halbbetazoid, doch er kam der Aufforderung nach. Mit zitternden Händen bediente er wieder die Kontrollen.<br>„Community in Waffenreichweite!“<br>Ein letztes Mal blickte John die Personen an, die in diesem Moment wichtig waren. Ardev und seine Frau, die sich an Bord der Monitor kennen gelernt und geheiratet hatten. Fähnrich Kensington, die seit Monaten Lieutenant Bird vertrat und eine glänzende Karriere vor sich hatte. Lieutenant Sanchez, der Nachfolger von Chief Woil als Chefingenieur. Matt Price, der eine Tochter hatte und eine gemeinsame Zukunft mit Dr. Frasier plante. Und sein Bruder, um den es bei dieser ganzen Sache ging. Würde er sie nun alle opfern, um ein höheres Ziel zu erreichen? Ein allerletztes Mal versuchte John an seine Gegenüber zu appellieren.<br>„Captain Kyle, denken sie nach. Milliarden von Leben stehen auf dem Spiel!“<br>Doch statt eine Antwort von sich zu geben ließ auch die Frau auf ihrem Schiff die Gefechtsbereitschaft herstellen. Zwar befahl sie ein modernes Schiff der Prometheus-Klasse, doch würde sie überhaupt eine realistische Chance gegen die Monitor haben?<br>Deprimiert und dennoch sicher das richtige zu tun setzte sich Captain Lewinski auf seinen Kommandantenstuhl. Es begann:<br>„Feuern sie aus allen Batterien auf die Antriebe der Community!“</i><br><br><center><u>Und nun die Fortsetzung…</u></center><br>Alles deutete auf eine Eskalation der Situation hin. Fähnrich Kensington hatte den Finger schon über dem auslösenden Knopf und wollte diesen gerade betätigen, um so die gesamte todbringende Energie des Raumschiffs Monitor zu entfesseln. Doch sie kam nicht dazu. <br>Wie ein Blitz schreckte Matt Price von seinen Navigationskontrollen hoch, wirbelte herum und richtete einen Phaser auf den taktischen Offizier. Die Waffe hatte er eben aus der versteckten Halterung hervorgeholt, welche sich für gewöhnlich an genau jenem Platz unter der Konsole befand. Jedoch war dieses Versteck für ganz andere Situationen angelegt worden als die Waffe auf die eigenen Leute zu richten.<br>„Rühren sie den Auslöser auf keinen Fall an!“, rief Matt Price und im Gegensatz zu sonst schien seine Stimme regelrecht zu zittern. Deutlich war ihm die Anspannung anzusehen, die diese Situation auslöste.<br>Sowohl Captain Lewinski als auch Captain Kyle, die immer noch die Geschehnisse auf der Brücke der Monitor via Bildschirm mitverfolgen konnte, stockte der Atem. <br>„Matt…“, versuchte der Kommandant seinen ersten Offizier zu beruhigen, „du begehst gerade einen ganz großen Fehler.“<br>„Nein, du tust es!“ Trotz der Angst in seiner Stimme war deutlich erkennbar, dass es dem Halbbetazoiden ernst war. „Ich werde nicht zulassen, dass du auf ein anderes Sternenflottenschiff feuerst. Schon gar nicht, wenn meine kleine Tochter an Bord ist.“<br>Beschwichtigend hob John die Hände. Verdammt, die Zeit lief ihnen davon! Mit einer Meuterei seines ersten Offiziers hatte er beileibe nicht gerechnet. Natürlich waren seine Maßnahmen hart, vielleicht sogar extrem, doch John hatte auf die Loyalität aller seiner Besatzungsmitglieder gehofft. Eine Hoffnung, die wohl oder übel enttäuscht werden musste.<br>„Bitte, Matt, die Zeit läuft uns davon!“<br>„Denk doch mal nach, John! Es muss einen anderen Weg geben als diesen. Denk an Yasmin!“<br>Die Community kam immer näher und würde ihr Schiff in wenigen Sekunden abgefangen haben. Im Geiste suchte John Lewinski nach einer Lösung, die er jedoch nicht fand. <br>Fähnrich Kensington versuchte auf eigene Art und Weise die Situation zu lösen. Auch sie wollte nach dem Phaser greifen, welcher unter ihrer Konsole festgemacht war, überschätzte dabei jedoch ihre eigene Geschwindigkeit. Noch bevor sie ansatzweise in die Nähe der Strahlenwaffe gelangt war, schoss Price einen Phaserstrahl auf die junge Frau, die betäubt zusammenbrach. Wenn es überhaupt noch einen Zweifel an der Entschlossenheit des ersten Offiziers gab: dieser war nun ausgeräumt!<br>„Ich denke die ganze Zeit über nur an Yasmin“, versuchte John seinen Freund und Vertrauten zu beruhigen. „Die ganze Zeit über denke ich an all die Kinder, die wir versuchen zu retten. Wir dürfen auf keinen Fall zulassen, dass diese Biowaffe auf der Erde eingesetzt wird. Deswegen tue ich dies doch alles nur… der Kinder zuliebe!“<br>Schmerz und Ratlosigkeit spiegelte sich in den Augen des Halbbetazoiden wieder, als er seine Handlungsalternativen durchging. Die Augen der gesamten Brückenbesatzung ruhten auf ihm und selbst seine Imzadi Selina Kyle konnte die gesamte Szenerie nur angespannt beobachten. <br>Dann jedoch wurden sie erlöst. Nicht von der Einsicht des Commanders, sondern durch ein piepsendes Geräusch, welches von der Konsole Lieutenant Ardevs erklang. Schnell checkte der Andorianer die Anzeigen, warf einen prüfenden Blick zu dem hinter ihm stehenden Martin Lewinski und verkündete dann aufgeregt:<br>„Wir haben den Aufenthaltsort der Biowaffe ausfindig machen können!“<br>Aufgeregt wirbelte der Kopf John Lewinskis herum und er fragte:<br>„Wie exakt sind die Daten?“<br>„Bis auf den Meter genau, Captain! Wir haben die Schweinehunde!“<br>Ohne seinen ersten Offizier weiter zu würdigen blickte der Kommandant der Monitor zum Wandschirm und hoffte in diesem Moment instinktiv auf die Einsicht der anderen Kommandantin. Hoffentlich erkannte sie in dieser Sache dieselbe Möglichkeit wie er.<br>„Captain Kyle“, flehte John fast schon, „Sie haben es eben gehört und ich weiß Sie sind eine vernünftige Frau. Wir haben eben eine exakte Spur zu der biologischen Waffe gefunden. Schon in dieser Stunde könnten wir die Krise überwinden und die größte Bedrohung für die Erde seit dem Krieg beseitigen. Ich bitte Sie, brechen Sie ihren Abfangkurs ab und geben Sie mir die Möglichkeit meine Arbeit zu beenden. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung, dies verspreche ich Ihnen!“<br>„Aber die Befehle des Präsidenten sind eindeutig.“<br>Die Worte der Frau sprachen für sich. Unter normalen Umständen waren die Anweisungen des gewählten Staatsoberhauptes auch für Captain Lewinski Gesetz, doch in diesem Falle mussten sie ignoriert werden.<br>„Ich kann Sie nur bitten mir in dieser Sache zu vertrauen… bitte geben Sie mir die Zeit.“<br>Tausende von Gedanken gingen Selina Kyle durch den Kopf. Wie sollte sie nun reagieren? Vor wenigen Minuten wollte John Lewinski noch das Feuer auf ihr Schiff eröffnen, nun sollte sie ihn quasi laufen lassen und damit gegen die direkten Befehle des Präsidenten verstoßen.<br>Nun hieß es die richtige Entscheidung zu treffen. Sie wog das Für und Wider ab, sich wohl bewusst, dass nur wenig Zeit blieb.<br>„Abfangkurs abbrechen und in stabilen Orbit zurückkehren,“ befahl sie schließlich ihrem Navigator und jedem an Bord der beiden Schiffe fiel mindestens ein Stein vom Herzen.<br>„Danke,“ entgegnete John und meinte dies ehrlich.<br>„Schnappen Sie sich die Schweine,“ war die einzige Erwiderung der Frau, bevor sie mit einem letzten Blick zu Matt Price die Verbindung beendete.<br>Der erste Offizier ließ die Waffe geschafft sinken und war froh, dass diese Situation gemeistert worden war. Diese ganze Sache musste so schnell wie möglich hinter sich gebracht werden. Zu viel war in den vergangenen Stunden geschehen, was niemals hätte passieren dürfen.<br>„Es tut mir leid.“<br>Die Entschuldigung des Commanders war ernst gemeint, dies wusste John. Und dennoch durfte er einen solchen Verrat nicht ungestraft lassen. Zu viel stand derzeit auf dem Spiel. <br>Er musste sich der Loyalität aller gewiss sein, ansonsten würden sie die gegenwärtige Situation nicht schaffen.<br>„Rufen Sie Dr. Frasier, sie soll sich umgehend um Fähnrich Kensington kümmern. Lieutenant Ardev!“<br>„Sir?“<br>„Bringen sie Mr. Price in die Arrestzelle.“<br>Für einen kurzen Moment zögerte der Andorianer, war sich nicht sicher, ob er das eben gesagte richtig verstanden hatte. Dann blickte er zu seiner Frau, welche ihm zunickte und erhob sich dann. Sanft griff er den Halbbetazoiden am Arm und brachte ihn von der Brücke. Price war nicht in der Lage seinem Captain in die Augen zu schauen.<br>„Stellen Sie umgehend eine Verbindung zum Präsidenten her,“ befahl John und setzte sich wieder in seinen Stuhl. „Er muss umgehend über die neuesten Erkenntnisse informiert werden.“<br>Endlich zeigte sich wieder ein Hoffnungsschimmer am Horizont; endlich konnte sie selbst agieren statt zu reagieren. <br>Die Kommunikationsverbindung zum Präsidenten herzustellen hatte nicht lange gedauert. Immerhin hatte dieser die ganze Zeit vor dem Computer nur darauf gewartet über die neuesten Entwicklungen in Sachen Captain Lewinski informiert zu werden. Diesen nun auf dem Bildschirm zu erblicken war gelinde gesagt eine Überraschung.<br>„Ich hoffe sie sind nun bereit sich uns zu übergeben,“ sagte der Präsident anstelle einer Begrüßung und starrte sein Gegenüber an.<br>„Leider muss ich Sie da enttäuschen, Mr. President, denn die Community hat ihren Anflug abgebrochen.“<br>„Was?“<br>In den Worten des Staatsoberhauptes spiegelten sich Fassungslosigkeit, Sprachlosigkeit und Wut wieder. Scheinbar riss die Kette an seltsamen Ereignissen derzeit nicht ab.<br>„Sie wissen nicht, was Captain Kyle und ich nun wissen,“ erklärte John und legte seine gesamte Überzeugungskraft in seine Worte. Nun galt es den Präsidenten für seinen Plan zu gewinnen und das schnell. „Vor wenigen Minuten haben wir den Aufenthaltsort der Waffe feststellen können. Wir sind nur noch wenige Schritte vom Ziel entfernt. Mr. President, bitte hören Sie mich an: lassen Sie mich diese Mission zu Ende bringen und im Anschluss werde ich mich der Justiz übergeben, die dann über meine Taten richten soll.“<br>Für einen kurzen Moment schwiegen die beiden Männer und der Präsident überlegte, was er von diesem Angebot halten sollte. Flüchtig blickte er zu dem hinter ihm stehenden Jellico, wurde sich jedoch schnell klar, dass er diese Entscheidung treffen musste.<br>„Ist ihr Angebot ehrlich gemeint?“ fragte der Präsident noch einmal nach.<br>„So war ich hier stehe,“ bestätigte John Lewinski. „Sobald diese Krise überwunden ist werde ich mich stellen. Derzeit jedoch sehe ich keinen anderen, der befähigter wäre diese Mission zu erfüllen als meine Crew und mich. Geben sie mir die Möglichkeit diese Fährte zu verfolgen und ich werde Sie nicht enttäuschen. Jede Minute zählt jetzt!“<br>Das Angebot hatte in der Tat einen gewissen Reiz. Schnell ging der gewählte Führer der Föderation seine Handlungsalternativen durch. Konnte man John Lewinski vertrauen? Normalerweise hätte man diese Frage mit einem klaren Ja beantworten können, doch in den letzten Stunden hatte sich der Captain so irrational benommen, dass man sich bei ihm nicht mehr sicher sein konnte, woran man war. Jedoch hatte Lewinski Recht, er war derzeit der einzige, der alle Erkenntnisse über die Waffe besaß. Jemand anderen einzuweisen würde Stunden dauern. Eine Zeitspanne, die sie absolut nicht besaßen.<br>„Also gut,“ erklärte sich der Präsident bereit und faltete seine Hände auf dem Tisch. „Sie haben auch weiterhin das Kommando über diese Mission, bis diese abgeschlossen worden ist. Im Anschluss werden Sie sich gegenüber der Militärjustiz verantworten müssen.“<br>„Verstanden,“ entgegnete John und atmete erleichtert auf. Nun endlich konnten sie sich wieder ihrem Auftrag zuwenden, frei von irgendwelchen Nebenkriegsschauplätzen.<br>„Bringen sie mich auf den aktuellen Stand der Lage,“ forderte der Präsident den Captain auf und bedeutete seinen beiden Beraten, Edward Jellico und Commander Elena Kranick, sich ebenfalls die neuesten Erkenntnisse anzuhören.<br>„Dank der Spezifikationen meines Bruders ist es uns gelungen den Aufenthaltsort der Waffe aufzuspüren. Sie befinden sich in der norddeutschen Stadt Emden.“<br>Angesichts dieses Namens horchte Edward Jellico auf. In dieser Stadt war er schon mal gewesen. Damals, als er dort Stella Tanner aufgespürt und verhaftet hatte. Wahrscheinlich war dies nur ein bizarrer Zufall, ein wenig mulmig wurde ihm bei dem Gedanken dennoch.<br>„Wie viele Einwohner hat diese Stadt?“ fragte der Präsident nach und fürchtete die Antwort.<br>„Ungefähr 55.000, Mr. President. Dank der Spezifikationen sind wir jedoch in der Lage den Standort auf den Meter genau zu bestimmen. Die Biowaffe befindet sich in einem Stadtteil namens Barenburg und bewegt sich derzeit nicht. Ein gutes Zeichen, also wird sie wohl immer noch zwischengelagert.“<br>Doch der Präsident war nicht in der Lage sich über diese Nachricht zu freuen. Immer wieder spukte in seinem Kopf die Zahl derer herum, die im schlimmsten Fall betroffen sein könnten. Es galt die Waffe so schnell wie möglich zu finden.<br>„Wir müssen diese Bedrohung so schnell wie möglich eliminieren,“ entschied der Staatschef und schlug wie zur Bestätigung mit der Faust auf seinen Schreibtisch. Eine unerwartete Geste, die wohl dazu gedacht war ihm selbst Mut zu machen. <br>„Wir haben dazu schon etwas ausgearbeitet,“ erklärte Captain Lewinski und verfluchte Matt Price dafür, dass dieser ihren taktischen Offizier niedergeschossen hatte. Natürlich würde es auch ohne den Fähnrich gehen, aber es hätte sie ganze Sache etwas erleichtert. Ganz zu schweigen davon, wenn Danny nun hier bei ihnen wäre… „Polizei und Sternenflotte müssen den gesamten Stadtteil abriegeln, was nicht allzu kompliziert sein sollte. Die Hälfte des betroffenen Gebietes wird von einem Kanal umfasst, den man nur über einige Brücken passieren kann. Diese müssen sofort geschlossen werden. Im Anschluss werde ich mit einem taktischen Team der Monitor runter gehen und die Waffe aufspüren.“<br>„Es wäre besser, wenn ein Sondereinsatzkommando der Polizei oder die Ranger für eine solche Mission ausgewählt werden,“ meinte Commander Kranick und blickte zu dem Präsidenten. „Sie haben eine weitaus bessere Ausbildung für eine solche Art von Einsätzen.“<br>„Wir hatten schon einmal mit dieser Waffe zu tun,“ entgegnete Captain Lewinski, „wir wissen, worauf es ankommt und wir haben keine Zeit die Spezialeinheiten zu briefen. Viele meiner eigenen Sicherheitsleute haben des weiteren eine Ausbildung bei den Rangern erhalten. Wir müssen jetzt handeln!“<br>Kurz überlegte der Präsident, traf dann seine Entscheidung:<br>„Lassen sie die Ranger die Sache übernehmen. Captain Lewinski, sie koordinieren den Einsatz von Emden aus. Beeilen sie sich.“<br>Zwar hielt John diese Entscheidung für falsch, doch er wollte die Geduld des Präsidenten nicht noch weiter strapazieren und so bestätigte er den Befehl. Mehr gab es nicht zu sagen.<br>„Viel Glück,“ wünschte der Präsident und meinte dies auch so.<br>„Danke, Sir!“<br>Der Bildschirm wurde schwarz und alle Beteiligten machten sich wieder an die Arbeit. Hoffentlich würde dieser ganze Albtraum bald enden!<br><br>Noch einige Zeit, nachdem er sich auf den Deal eingelassen hatte, saß der Präsident in seinem Büro und starrte nach draußen. Eigentlich gab es noch zahllose Dinge zu tun, wie das Koordinieren von Rettungskräften, Pläne für eine eventuelle Evakuierung vervollständigen und weitere kleine Dinge, die mit dieser Krise einhergingen. <br>Doch der Staatschef hatte derzeit kein Interesse an solchen Dingen. Viel zu viel ging ihm im Moment durch den Kopf. Edward Jellico überlegte, ob er ihn wieder zur Arbeit mahnen sollte, doch er zog es vor weiterhin in seiner Nähe zu bleiben und darauf zu warten, dass der Präsident sich von ganz allein aufraffte. Und als er den Mann da so sitzen sah, fragte sich der ehemalige Admiral zum ersten Mal in seinem Leben, ob unbedingte Macht genau das war, was er anstrebte. In den letzten Jahren hatte er einen steilen Aufstieg auf der Karriereleiter gemacht und war zum Justizminister der Föderation aufgestiegen. Manche Analytiker rechneten ihm sogar gute Chancen für eine kommende Präsidentschaftswahl aus, aber diese war noch etwas entfernt. Nun sah der Chefverschwörer von Sektion 31 jedoch, wie sehr den Präsidenten die ganze Krise belastete. Seit Stunden hatte der Präsident weder gegessen noch geschlafen. Sicher, dies traf auch für die anderen Mitglieder seines Stabes zu, dennoch war er in ganz besonderer Art und Weise belastet. War dies das Leben, welches Edward Jellico anstrebte? Nicht nur Sektion 31 zu führen, sondern auch ganz offiziell die Vereinigte Föderation der Planeten?<br>Nach kurzem Nachdenken war sich Jellico jedoch sicher, dass er genau dies wollte. Er war einfach zum Führen geboren, soviel stand fest. Dies hatte er schon während seiner Karriere in der Sternenflotte bemerkt und hinter den Kulissen für Sektion 31 erst recht. Es war einfach seine Bestimmung, die er weiter verfolgen musste. Immerhin ging es nicht nur um sein eigenes Lebensglück, sondern auch um das Wohl der Föderation, worum er sich einzig und allein sorgte. Wenn erst einmal die Macht von Sektion 31 und der Planetenallianz gebündelt worden wäre, gäbe es eine neue Zeit des Friedens und des Wohlstands für alle Föderationsbürger. Und wer außer Edward Jellico konnte schon das Heil über die Menschen bringen?<br>„Denken Sie, ich habe einen Fehler gemacht?“ fragte schließlich der Präsident. Endlich hatte er sich aus der Lethargie befreit, die in den letzten Minuten so sehr von ihm Besitz ergriffen hatte.<br>„Wie meinen Sie das, Sir?“ fragte Edward Jellico überrascht nach.<br>„Auf diesen Kompromiss mit John Lewinski einzugehen. Ihm erst einmal gewähren zu lassen und die Strafverfolgung auf später zu verschieben.“<br>In der Stimme des Präsidenten klang eine gewisse Wehmut mit, eine persönliche Frustration, die nur Menschen heraushören konnten, die schon lange mit ihm zusammenarbeiteten. Menschen wie Edward Jellico. <br>„Es ist nicht an mir Sie oder ihre Entscheidungen zu beurteilen,“ entgegnete der Justizminister diplomatisch. „Sie sind der Präsident.“<br>„Dass ich Präsident bin heißt nicht, dass ich nicht frei von Fehlern bin. Ich ersuche Sie nun um Ihren ehrlichen Rat, Edward. Wie denken Sie über meine Entscheidung?“<br>Kurz räusperte sich der alte Mann, ging noch einmal die Fakten des Falls im Kopf durch und legte sich eine Antwort zurecht. Dabei wollte er in der Tat die Wahrheit sagen, so wie es der Präsident wünschte.<br>„Glauben Sie mir, Mr. President, wenn ich Ihnen versichere: an Ihrer Stelle und in dieser Situation hätte ich genauso gehandelt wie Sie!“<br>„Meinen Sie dies ernst?“<br>„Absolut, Sir!“<br>Für wenige Sekunden musterte der Präsident seinen Gesprächspartner, versuchte in seinen Augen irgendwelche Anzeichen für eine eventuelle Lüge zu finden, wurde jedoch nicht fündig. Wie hätte er dies auch werden können bei einem Mann, der ihn seit Jahren um seine wahre Identität bei Sektion 31 belog?<br>„Ich frage mich halt nur, ob ich meine Prinzipien mit diesem Deal verraten habe.“<br>Nun war es also raus, der wahre Beweggrund für die Grübelei des Präsidenten. Ein interessanter Fall, wie Jellico fand und daher fragte er:<br>„Wie meinen Sie das, Sir?“<br>„Mein politisches Programm, meine gesamte Lebenseinstellung beruht auf dem Gesetz. Auf Prinzipien und Treue zu unseren Werten... und auf Ehrlichkeit.“<br>„Ein ehrenwertes Ziel“, log Edward und lauschte weiterhin den Worten des Staatschefs.<br>„Captain Lewinski hat eine Straftat begangen. Mehr als eine sogar. Erst hat er gegen meinen ausdrücklichen Befehl gehandelt und ist in ein Gefängnis der Föderation eingebrochen, wo er auf seine eigenen Männer und Frauen geschossen hat. Sternenflottler wie er. Im Anschluss droht er gar auf ein anderes Schiff zu feuern, nur um seinen Willen durchzusetzen.“<br>„Es ist ein außergewöhnlicher Tag, Mr. President.“<br>„Das ist er in der Tat, aber sollten wir deswegen unsere Prinzipien vergessen?“ fragte der Präsident so voller Herzblut und Leidenschaft, dass es fast in Edward Jellicos Herzen schmerzte. „Trotz aller Probleme sollten wir nicht vergessen, wo wir herkommen und was unsere fundamentalen Werte sind. Wenn wir diese verraten, dann haben wir das erste Glied in einer verhängnisvollen Ereigniskette geschmiedet. Ich bin der demokratisch legitimierte Führer der Föderation. Die Völker dieses Bundes haben mich dazu auserkoren sie durch diese Krise und alle weiteren zu führen. Dennoch stellt sich ein Captain der Sternenflotte, welche verfassungsmäßig den Anordnungen der Regierung zu folgen hat, gegen meine Anweisungen und tut das, was er will.“<br>Nachdenklich ließ Edward die Worte einige Sekunden lang sacken und überlegte sich eine geeignete Antwort.<br>„Ich bin sicher Captain Lewinski tut auch nur sein Bestes, um der Föderation zu helfen,“ argumentierte der Justizminister. Welch seltsame Situation dies doch war. Trotz der gemeinsamen Anstrengung durfte nicht vergessen werden, dass Lewinski und Jellico immer noch Feinde bis aufs Blut waren. Nun jedoch argumentierte der Verschwörer für seine persönliche Nemesis. Wo einen das Leben doch hinführen konnte!<br>„Daran habe ich keinen Zweifel,“ gab der Präsident offen zu. „Dennoch muss er meinen Anweisungen gehorchen und dies tut er nicht. Mache ich mir nun seine unlauteren Methoden zunutze, indem ich von seinen Taten profitiere? Was, wenn es ihm andere in Zukunft gleich tun werden?“<br>„Seien sie unbesorgt, dies wird in der Zukunft nicht stattfinden, da dennoch ein Prozess stattfinden wird und zwar am Ende dieser Krise. John Lewinski wird sich, wenn dies alles hier überstanden ist, uns übergeben und dann können wir Gerechtigkeit walten lassen.“<br>Bedächtig nickte der Präsident. Seltsam, egal wie weit man gekommen und wie mächtig man war, manchmal tat es einfach gut über Probleme zu reden.<br>„Ich möchte einfach nicht,“ fügte der Staatschef hinzu, „dass wir es gutheißen, wenn wir unsere eigenen Gesetze und Werte brechen.“<br>„Dies wird nicht geschehen, dafür sorge ich als Justizminister!“<br>Zu gerne hätte Jellico noch etwas an seine verlogenen Worte angefügt, doch er wurde vom Piepen seines persönlichen Kommunikators unterbrochen.<br>„Mr. President, bitte entschuldigen Sie mich, in meinem Raum erwartet mich ein dringender Anruf.“<br>„Selbstverständlich… und danke, Edward!“<br>Schnell verließ der Justizminister das Büro des Präsidenten und suchte seine eigenen Örtlichkeiten auf, wo er das Komterminal aktivierte und eine unangenehme Überraschung erlebte.<br>„Was wollen Sie denn nun von mir? Können Sie sich vorstellen, dass ich derzeit wichtigeres zu tun habe?“<br>Der Mann druckste etwas herum und ihm war sichtlich das Unwohlsein über diesen Anruf anzusehen. Dennoch musste es an dieser Stelle gesagt werden.<br>„Mr. Jellico, es tut mir leid Ihnen dies mitzuteilen, aber Jozarnay Woil ist vor wenigen Minuten geflohen.“<br>„WAS?“<br>Augenblick loderten in den Augen des Chefverschwörers die Flammen des Zornes.<br>„Wie konnte dies passieren? Ich dachte, Sie hätten für alles gesorgt?“<br>„Nun ja, er scheint eine unserer jüngeren Wachen überrumpelt zu haben und nach einer Schießerei ist er entkommen.“<br>„Nun hören Sie mir mal zu: wenn Ihnen etwas an ihrer Zukunft und mehr noch, an ihrem Leben, liegt, dann finden Sie den Antosianer so schnell wie möglich. Meinetwegen auch tot, aber finden sie ihn!“<br>Mit dieser simplen Anweisung beendete Jellico die Kommunikationsverbindung und schnaubte verächtlich. Von allen Tagen, an denen er hätte fliehen können, wieso hatte Woil es ausgerechnet heute getan? Niemals durfte der Antosianer Talar lebend verlassen, denn er war derzeit der Einzige, der gegen ihn aussagen konnte.<br>Niemals… <br><br>James blickte nur kurz auf, als seine Tochter das Arbeitszimmer betrat und sich wortlos auf die Couch, welche sich in der rechten Ecke des Raumes befand, setzte. Gedankenlos ließ sie ihren Blick über die zahllosen Bücher in den Regalen schweifen, ohne an einem bestimmten hängen zu bleiben. Der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee hatte sich wohl aus demselben Grund hierher zurückgezogen wie Janine: um in der ruhigen Umgebung etwas Kraft tanken zu können. Doch im Gegensatz zu der jungen Frau gelang James dies.<br>„Ist etwas mit dir?“ fragte der schwarze Mann und lächelte freundlich.<br>„Nichts, was dir Sorgen machen sollte,“ antwortete Janine Talley mit fast schüchterner Stimme und starrte aus dem großen Fenster, welches sich hinter ihrem Vater befand. <br>Den Garten, den man von dort aus erblicken konnte, wirkte immer noch unglaublich beruhigend auf sie. Hier war sie groß gewesen; dieses Haus stellte ihre Heimat dar. Niemals konnte sich Janine vorstellen irgendwo anders leben zu können. Konnte es schönere Orte als den Mond geben? Die junge Frau konnte sich dies beim besten Gewissen nicht vorstellen. <br>Sanft lächelnd blickte James von seinen Notizen auf und schaute abermals zu seiner Tochter.<br>„Janine, ich bin dein Vater,“ erklärte er mit freundlicher Stimme, „ich kenne dich schon zu lange, als dass du etwas vor mir verheimlichen könntest. Wieso sagst du mir nicht also, was du auf dem Herzen hast?“<br>Nun musste auch Janine, trotz ihrer schlechten Stimmung lächeln. <br>„Du kennst mich wirklich gut!“<br>„Das sollte ich ja auch. Immerhin bin ich dein Vater!“<br>In diesen Momenten waren sie einfach nur Vater und Tochter, mehr nicht. Ein Außenstehender hätte niemals erahnen können, dass es sich bei ihnen beiden um die höchsten Mitglieder dieser Terrororganisation handeln könnte.<br>„Ich mache mir Gedanken über Danny,“ gab Janine schließlich freimütig zu.<br>„Wieso das, mein Kind?“<br>„Weil er mich manchmal verwirrt. In dem einen Moment ist er ein unglaublich liebevoller und zärtlicher Moment, im nächsten ist er mir gegenüber total verschlossen. Ich werde einfach nicht schlau aus ihm.“<br>Kurz sann James über die Worte nach, die von seiner Tochter geäußert worden waren. Es lag ihm fern etwas zu beschönigen, doch in erster Linie hatte er das Bedürfnis Janine zu beschwichtigen<br>„Du musst verstehen, es war bisher ein schwerer Tag für ihn. Wir, insbesondere ich, haben ihn heute mit einigen neuen Erkenntnissen und Informationen konfrontiert. Er braucht Zeit, um dies alles zu verarbeiten.“<br>„Ich würde dir glauben, wenn es nur heute so wäre. Doch seine wechselnde Stimmung zieht sich über mehrere Wochen und Monate. Manchmal ist es so, als kenne ich ihn gar nicht… als würde er mir etwas verheimlichen.“<br>„Du irrst dich sicherlich!“<br>Doch James wusste, dass er damit nicht die volle Wahrheit aussprach. Denn in Wahrheit kam ihm Danny genauso suspekt vor wie seiner Tochter. Schon einmal hatte er heute das Gefühl gehabt, dass das jüngste Mitglied in seiner Organisation nicht mit offenen Karten gespielt hatte. Natürlich hatte er ihn anfangs verdächtigt, ein Agent zu sein. Dies tat er bei jedem neuen Mitglied. Jedoch hatte sich Danny in den letzten drei Monaten sein Vertrauen redlich verdient. Vertraute er dem jungen Mann jedoch gänzlich? Diese Frage konnte sich selbst James nicht gänzlich beantworten.<br>Er stand auf, setzte sich neben seine Tochter auf die Couch und legte einen Arm zärtlich um sie. <br>„Danny ist ein guter Mann,“ sagte er schließlich. „Ich kann dich beruhigen, er wird schon bald wieder ganz der alte sein. Der Mann, den du liebst!“<br>„Denkst du?“<br>„Mit ganzem Herzen,“ erklärte James und blickte seine Tochter frohen Mutes an. Er würde niemals zulassen, dass Danny ihr zartes Herz brechen würde, soviel stand für ihn fest!<br><br>Sogleich nach dem sie davon gehört hatte, begab sich Dr. Elisabeth Frasier zu den Arrestzellen des Schiffes, um ihren Freund aufzusuchen. Bis zu dem Moment, an dem sie ihn tatsächlich hinter dem Kraftfeld erblickte, hatte sie nicht daran glauben können. Der Umstand, dass Matt auf eine Kameradin geschossen und sich offen gegen die Befehle des Captains gestellt hatte war absolut unglaublich für sie.<br>Ihn nun so zu erblicken, auf der Pritsche sitzend, erfüllte ihr Herz mit Trauer. Dieser ganze Tag war einfach nur schrecklich. Der Halbbetazoid erhob sich überrascht und gleichzeitig erfreut, als er seine Lebenspartnerin erblickt hatte. Sie war derzeit der einzige Trost, der das Leben für sie bereithielt.<br>„Elisabeth,“ begrüßte Matt sie und trat so nahe an das sie trennende Kraftfeld heran, dass sich seine Nackenhaare aufrichteten, „du hättest nicht herkommen sollen.“<br>„Wieso denn nicht? Du brauchst etwas Gesellschaft!“<br>Betreten blickte der erste Offizier zu Boden.<br>„Du sollst mich nicht so sehen. Eingesperrt wie ein Verbrecher,“ erklärte Matt und schämte sich. Nicht so sehr für das, was er getan hatte, sondern dafür, wie es geendet hatte.<br>„Das ist mir egal! Und einer muss ja bei dir sein; dich auf dem Laufenden halten.“<br>Zu gerne hätte Elisabeth seine Hand ergriffen, ihm über die Wange gestrichen und so etwas Trost gespendet. Doch dieses verdammte Kraftfeld hinderte sie beide am Austausch dieser zärtlichen Gesten.<br>„Wie geht es Fähnrich Kensington?“ erkundigte sich Price und wollte so erfolglos das Thema wechseln.<br>„Es ist nichts Ernstes. Vom Aufprall auf den Boden hat sie einig leichte Prellungen davon getragen, ansonsten geht es ihr gut. Natürlich hat der Fähnrich eine Stinkwut auf dich und will wohl in Zukunft nicht mehr mit dir arbeiten.“<br>„Ich glaube nicht, dass sie das noch tun muss.“<br>„Hör zu, du sollst dir keine Vorwürfe machen! Du hast das getan, was du für das richtige getan hast und ich bin stolz auf dich.“<br>„Ich habe mich gegen den Captain gestellt und du bist dennoch stolz auf mich?“<br>Price konnte nicht glauben, was er da eben von der Ärztin gehört hatte.<br>„Der Captain liegt nicht immer richtig,“ entgegnete Elisabeth und lächelte. „Ab und an macht er auch Fehler.“<br>„Du denkst also ich habe richtig gehandelt?“<br>„Ob ich genau dasselbe getan hätte ist eine andere Frage, aber du hast dich von deinem Gewissen leiten lassen. Gibt es etwas Besseres? Außerdem ist es ein schwieriger Tag für uns alle. Überleg doch mal, wie lange du schon nicht mehr geschlafen hast.“<br>„Etwas über einen Tag,“ murmelte der Commander und erst jetzt wurde ihm bewusst, wie müde er sich eigentlich fühlte.<br>„Siehst du.“ Abermals lächelte Elisabeth. Eine Geste, die derzeit das einzige Mittel war, um ihren Freund aufzumuntern. „Wir alle nähern uns unserer Belastungsgrenze. Ich bin sicher der Captain wird dies bei der Aktenaufnahme berücksichtigen.“<br>Angesichts der bizarren Situation verzog Commander Price das Gesicht. Es war alles wie früher.<br>„Irgendwie komme ich mir vor wie in meiner Jugend,“ erklärte der Halbbetazoid. „Es ist wie auf Rigel. Ich habe irgendeine Dummheit gemacht und warte nun darauf von meiner Mutter abgeholt zu werden. Nur dieses Mal werde ich wohl allein mit diese Situation klar kommen müssen.“<br>„Nein, dies musst du nicht,“ entgegnete Elisabeth Frasier. „Du hast ja mich!“<br>Mehr brauchte das Paar nicht. Die gesamte Krise, die Auflehnung, die Schlaflosigkeit rückte für einen kurzen Moment in den Hintergrund, als die beiden Verliebten sich tief in die Augen blickten und sich so Mut spendeten. Gemeinsam würden sie die Situation meistern.<br><br>Die Kälte biss und nagte an Jozarnay Woils ausgehungertem und entkräftetem Körper. Doch das Ketracel Weiß peitschte ihn weiter. Weiter weg von dem Kerker, der ihm die letzten Monate eine Heimat war. Nicht einmal blickte er zurück. Nur nach vorne.<br>Wie lange machte er das schon? Für Woil fühlte es sich nach Tagen an. Denn die immerwährende Nacht hatte die Zeit auf Talar besiegt. Und mit ihr auch jeden Funken Hoffnung und Wärme.<br>Woil kroch auf der toten und schneebedeckten Erde Talars. Mit bloßen Händen und Füßen schob er sich vorwärts. Auch wenn er nicht im Geringsten wusste, was „vorwärts“ bedeutete. Seine Lunge rang nach Luft. Doch die Luft auf Talar wirkte nie erholend. Nur quälend. Und sie stank... nach Tod und Verderben.<br>So kam es wie es kommen musste: Woil rutschte aus und brach zusammen. Schwer atmend lag er im talarianischen Schnee. Vergeblich versuchte er mehrere Male sich wieder aufzuraffen, doch es gelang ihm nicht. Er konnte sich lediglich auf den Rücken drehen. Dann sah er in den Himmel. Er sah die düsteren Wolken und die kleinen Schneeflocken, die herab rieselten. Wie friedlich. Da geschah etwas, dass man schon seit einiger Zeit auf diesem Planeten nicht mehr gesehen hatte. Woil lächelte. Woil empfand in diesem Moment Glück. Zufrieden wollte er sich diesem Gefühl hingeben. Sein Kopf sank auf die Seite. Neben ihm lag Stella Tanner. Sie trug ein verführerisches Negligee. Ein Hauch von Nichts. Zärtlich strich sie seine Wange. Woil sah sich um. Er befand sich nicht länger auf Talar. Nein, er lag in einem gemütlichen Bett. Er konnte die Satin Bettwäsche fühlen, die warme Brise, die die Luft erfüllte und wundervolle und atemberaubende Gerüche hereinwehte. Er vernahm die Schreie der Möwen. Durch das Fenster, das sich hinter Stella befand sah er eine Küste. Einen der vielen weißen Sandstrände seines Heimatplaneten Antos. „Guten Morgen“, flüsterte Stella und küsste ihn sanft auf die Stirn. Die Illusion zerbrach plötzlich. Ein ihm nur zu bekanntest Geräusch brachte ihn zurück in die talarianische Eiswüste. War das das Geräusch eines Transportvorgangs? Doch Woil war zu schwach um sich umzusehen. <br>Zwei Gestalten näherten sich ihm. Beide dick eingepackt in schützende Winterkleidung. Für jeden unbefangenen Menschen wären diese zwei Gestalten nur dunkle Schemen gewesen. Woil jedoch hätte diese Kleidung nie vergessen können.<br>Es waren Sternenflottenuniformen.<br>„Da ist er“, hörte er die eine Stimme sagen. Eine Frau. Und Woil kannte auch diese Stimme nur zu gut. Nur einen Moment später setzte sich die Frau zu ihm und scannte ihn mit ihrem Tricorder. Die zweite Person beugte sich zu ihm herab und beobachtete ihn. Es war ein Mann. Und Woil wusste sofort, wer sich um ihn kümmerte. Niemals hätte ihn diese Aura täuschen können. John Lewinski entfernte seine Gesichtsmaske. Ein kurzes Augenzwinkern, da, Woil hatte es genau gesehen.<br>„Wie geht es ihm Doktor?“, erkundigte sich der Captain. Elizabeth Frasier klappte ihren Tricorder zusammen.<br>„Er ist verloren“, antwortete sie dramatisch, schockiert, hoffnungslos.<br>Woil stockte der Atem. Wie konnte sie das sagen? Wie konnte eine erfahrene Ärztin, seine Hausärztin, eine solch lapidare &gt;&gt;DiagnoseUnd es waren zwei starke Hände, die ihn aus der Kälte zogen.<br><br>Der Präsident konnte einfach nicht von dem Thema lassen. Scheinbar ging ihm die Sache mit dem widerspenstigen Captain mehr durch den Kopf als die gegenwärtige Krise, die alles intelligente Leben auf der Erde auszulöschen drohte. <br>„Captain Lewinski schien nicht allzu glücklich über meine Entscheidung zu sein, den Rangern den Vorzug zu geben,“ meinte der Präsident zu seinen beiden Beratern. Sie alle warteten nur auf die neusten Nachrichten aus Emden, darauf hoffend, dass die Waffe bald gefunden und neutralisiert werden würde. <br>„Natürlich möchte er nach der ganzen Suche die Sache selbst zum Abschluss bringen,“ erklärte Commander Elena Kranick nachdenklich. „Aber in dieser Sachen müssen wir auf Nummer sicher gehen. Man darf sich keine Fehler erlauben und die Ranger sind für diese Art von Aufgabe speziell ausgebildet. Ihre Entscheidung ist richtig.“<br>„Hoffentlich hält er sich dieses Mal an meine Anweisungen,“ murmelte der Staatschef zynisch und biss in ein belegtes Brot, welches er sich hatte bringen lassen. Dies war nun der schlimmste Part bei dieser gesamten Operation: das Warten. Sicherlich, im Verlaufe dieses noch jungen Tages hatten sie einige Zeit wartend verbracht, doch dieses Mal war es am schlimmsten, denn sie schienen sich so nahe am Ziel zu befinden.<br>„Darf ich einen Vorschlag machen, Mr. President?“ fragte Edward Jellico zögerlich.<br>„Und der wäre?“<br>„Wir stehen kurz davor die Waffe sicherzustellen. Sollte uns dies gelingen, dann werden die Hintermänner dieser Operation versuchen unterzutauchen. Wir sollten daher den Befehl zur Ergreifung von James Talley geben.“<br>Der Präsident blickte seinen Justizminister überrascht an. Mit diesem Themenwechsel hatte er nicht gerechnet.<br>„Jetzt? Ich denke, wir sollten noch warten, bis wir die Biowaffe tatsächlich sichergestellt haben.“<br>Doch scheinbar wollte sich der ehemalige Admiral nicht von seiner Meinung abbringen lassen.<br>„Der Standort der Waffe ist uns bekannt und wir werden sie auch dank der erhaltenen Spezifikationen von Martin Lewinski nicht mehr verlieren. Es ist nun an der Zeit an die Maßnahmen nach dem Auffinden der Waffe zu denken. Geben sie Danny Bird den Befehl Talley festzusetzen, bis wir innerhalb der nächsten Minuten ein Eingreifteam zum Mond schicken können.“<br>Den Plan geistig durchgehend, blickte der Präsident zu Commander Kranick und ersuchte um ihren Rat.<br>„Mr. Jellicos Vorschlag hat etwas für sich. Wir könnten beide Operationen parallel laufen lassen und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“<br>„Bitte, was?“<br>„Verzeihen Sie, Sir,“ erklärte die blonde Frau lächelnd, „ein menschliches Sprichwort.“<br>Schätzungsweise eine Minute lang dachte der Staatschef über diesen Vorschlag nach. Er war mit Risiken behaftet, aber hatte etwas für sich. Wenn Talley untertauchte, so würde er vielleicht nicht mehr gefunden werden und dies wollte er auf keinen Fall zulassen. Dieser Verbrecher gehörte vor ein Gericht gestellt, so viel stand fest!<br>„Nehmen Sie Kontakt zu Lieutenant Bird auf,“ befahl der Präsident schließlich, nachdem er seine Entscheidung getroffen hatte, „und weisen Sie ihn an, falls möglich James Talley zu verhaften, bis Verstärkung eintrifft!“<br>„Sehr wohl, Sir!“ bestätigte Elena Kranick und machte sich auf den Weg zum Geheimdienstkoordinator. Die entscheidenden Minuten dieses Tages begannen. <br><br>Wieder dieses schöne Gefühl. Stella Tanner streichelte seine Wange. Der Duft von Kaffe und frischen Brötchen lag in der Luft. Und dazu der herrliche Duft von Stella Tanner. Diese zarte Haut, das wundervolle Haar.<br>Und ihre Hand auf seinem Gesicht.<br>„Wach auf Joz“, flüsterte sie.<br>Woil grinste. Er wollte nicht aufstehen. Er wollte diesen perfekten Moment nicht zerstören. In diesem Moment, zwischen Traum und Wirklichkeit, in dieser einen Sekunde, in der der Körper noch nicht wach war, im Gegensatz zum Geist. In diesem einen Moment, indem man keinen Schmerz spürte und keine Zeit.<br>Diesen einen Moment wollte er nicht verlieren.<br>Doch seine Liebste ließ nicht locker:<br>„Steh auf...“<br>Sie begann ihn zu kitzeln. Woil lachte, er konnte nicht anders. So sehr er es versuchte, Stella ließ nicht von ihm ab.<br>„Steh auf, steh auf, steh endlich auf...“, drängte sie ihn.<br>Also blinzelte Woil vorsichtig. Nur ein klein wenig.<br>„Steh auf!“, schrie sein Wärter plötzlich. <br>Woil riss seine Augen auf. Wo war er? Wo war das gemütliche Bett? Wo war Stella?	<br>Wie konnte es sein, dass er wieder in seiner Zelle lag?<br>Mit angehaltenem Atem drehte sich Woil herum. Und befand sich an einem ihm vollkommen unbekannten Ort.<br>„Steh auf!“ Ein Talarianer rüttelte an ihm. Er versuchte ihn aufzuwecken, ganz offensichtlich. Der Talarianer sah abgemagert aus, sogar noch abgemagerter als Woil.<br>Schnell sah sich Woil um. Sie befanden sich in der Ruine eines Haus. Eingestürzte und verrußte Wände umgaben ihn. Ein altes Stück Wellblech bildete eine Art Dach. Einige wenige Alltagsgegenstände standen um ihn herum. Töpfe, einige Werkzeuge.<br>„He, steh endlich auf!“ Der Talarianer schüttelte ihn noch immer.<br>„Ja, ist gut, ich bin wach.“ Woil versuchte die kalten und trockenen Hände des Mannes von sich weg zu bekommen.<br>Zum Glück war das Licht nicht allzu gut. So konnte er die vielen Pusteln und eiterwerfenden Blasen, die der Talarianer an sich trug, nicht so genau erkennen.<br>„Was ist los?“, fragte ein müder und verwirrter Woil.<br>„Romulanische... Patrouille...“ antwortete er schnell. „Die waren schon lang... nicht mehr... hier.“ Seine Stimme wirkte alt. Es brachte kaum zwei Worte heraus ohne außer Atem zu kommen. „Wir müssen... hier weg. Schnell!“<br>Der Talarianer stand auf und ging in Richtung Ausgang.<br>Langsam kehrte Leben in Woils Körper zurück. Er bemerkte, dass er nur seine Hose trug. Verwundert sah er an sich herab. „Wieso haben Sie mich ausgezogen?“<br>Der Talarianer packte seine Sachen zusammen. Er steckte einige der Werkzeuge eilig in seine Taschen. „Ihre Sachen..., sie waren nass.“ Er holte tief Luft. „Sie hätten... krank... werden können.“ Dabei deutete er auf einen kleinen Haufen, nahe einem alten Ofen, indem eine beinahe erloschene Flamme loderte. Dort lag auch Woils Hemd.<br>Woil hatte keine Lust sich mit dieser Aussage auseinanderzusetzen. Schnell griff er nach seinem Hemd und zog es sich über. Er fühlte plötzlich wieder sein Gefängnis. Seine Zelle. Seine Haft.<br>Schnell versuchte er diese Gedanken abzuschütteln. Er folgte dem Talarianer hinaus in die Kälte. Wie er dies vermisst hatte. Die Kälte an seinen Füßen, an seinem Körper. Die bitterkalte Luft. Der Gestank, der Nebel, das schlechte Wetter. Die Endzeitstimmung.<br>Wie konnte nur so etwas grausames Geschehen sein? Wie konnte die ganze Welt ihre Augen vor diesem Planeten und dem Schicksal seines Volkes verschließen?<br>„Kommen Sie...“, drängte der Talarianer. Woil folgte ihm. Sie versteckten sich hinter einer weiteren kleinen Mauer. Woil versuchte einen Moment lang zu Kräften zu kommen, während der Talarianer Ausschau hielt.<br>Stella Tanner saß neben ihm. Freundlich lächelte sie ihn an.<br>„Ich kann hier nicht bleiben. Ich muss von diesem Planeten runter“, erklärte Woil.<br>Der Talarianer machte ein Geräusch. Zu einer anderen Zeit, auf einer anderen Welt, hätte es ein Lachen sein können. „Wer... will... das nicht?“<br>Stella Tanner stand auf und ging vor. Raus auf den nahen Platz, der früher einmal mit vielen Bäumen und einem wundervollen Brunnen geschmückt war. Wieder deutete sie ihm den Weg, dieses Mal zu einem nahen Raumhafen.<br>„Geht es dort zum Raumhafen?“, fragte Woil und deutete in Stellas Richtung. Er stand ebenso auf und ging auf sie zu, ohne auf eine Antwort zu warten.<br>„Ja... folgen Sie mir“, antwortete der Talarianer überraschend und führte Woil in Stellas Richtung. Immer auf der Hut. Immer wachsam.<br><br>Die Operation begann anzurollen. Nun kam alles auf Geschwindigkeit an. Die lokalen Behören riegelten den gesamten Stadtteil Emdens hermetisch ab, hinderten jeden Bürger am Betreten und Verlassen dieses Bereiches. Es galt schnell zu handeln, bevor die Urheber des Attentats sich dieser Maßnahmen bewusst wurden. Genau aus diesem Grund hätte es Captain Lewinski vorgezogen mit einem eigenen Team zuzuschlagen, doch der Präsident hatte anders entschieden und John hatte den Bogen schon weit überspannt. Noch öfter konnte er sich nicht gegen die Befehle des Präsidenten auflehnen. Gemeinsam mit Ardev, Tellom, Sanchez und Martin Lewinski hatte er sich auf die Erde gebeamt. Sie alle, bis auf Martin, trugen dieses Mal ihre Uniformen, da sie offen auftreten wollten und zudem noch ihre Handphaser. Man konnte ja nie wissen. Kurz blickte sich John um und erblickte dann den örtlichen Polizeiführer. Zielstrebig ging er auf ihn zu und zückte seinen Ausweis:<br>„Captain John Lewinski vom Sternenflottengeheimdienst,“ stellte er sich vor und reichte dem Polizisten die Hand.<br>„Thomas Janssen,“ erwiderte der Polizist und schüttelte die ihm dargebotene Hand. „Wir haben alle Anweisungen umgesetzt und den gesamten Stadtkreis abgeriegelt. Zusätzlich wurde über das gesamte Gebiet eine Transportersperre gelegt. Ein hochfokussierter Strahl verhindert jedwede Benutzung eines Transporters. Wenn hier jemand raus will, dann nur über einen der Checkpoints.“<br>„Gute Arbeit,“ erkannte der Kommandant der Monitor neidlos an und verzichtete darauf seine Begleiter vorzustellen. „In wenigen Minuten soll das Spezialteam mit der Aktion beginnen. Dann müssen sie für einen kurzen Moment die Sperre herunterfahren, damit sich die Ranger zum Einsatzort beamen können.“<br>„Und was genau wird dieser Einsatzort sein?“<br>„Eine Wohnung in einem Hochhauskomplex. Dort haben sich die Urheber des Attentats versteckt. Wahrscheinlich haben wir es mit vier Terroristen zu tun.“<br>Verstehend nickte der Polizist. <br>„Geben Sie mir nur das Zeichen,“ erklärte Janssen, „dann senken wir die Sperre. Hatten Sie schon einmal mit dieser Waffe zu tun? Ich habe gehört sie sei sehr gefährlich.“<br>Der Polizist war aus Gründen der Geheimhaltung nicht vollständig gebrieft worden und Lewinski hatte nur wenig Interesse daran etwas zu ändern. Daher nickte er nur, als die Erinnerung an die Ereignisse von vor zwei Jahren wieder in sein Gedächtnis trat: <br><br><i>Und plötzlich änderte sich die Situation von einer Minute auf die andere. Alles, was sie bisher über diesen Planeten und über das Schicksal der Bewohner angenommen hatten, wurde über den Haufen geworfen, als sie tatsächlich einer lebenden Person gegenübertraten. Lautes Rascheln riss Danny Bird aus seinem Gespräch und auch Fähnrich Halek brachte ihr Gewehr in Anschlag, als sie sich in Richtung Geräuschquelle drehte. Das Rascheln und Knacken der Äste wurde immer lauter, ein sicheres Indiz für ein rasches Näherkommen einer Person.<br>„Halt! Bleiben Sie wo Sie sind!“ rief Fähnrich Halek in den Wald hinein, doch sie erhielt keine Antwort. Stattdessen kam das Rascheln immer näher und auch Lieutenant Bird machte sich feuerbereit. Die anderen Mitglieder des Außenteams, durch den Lärm längst wach geworden, sprangen aus ihren Schlafsäcken heraus und suchten rasch ihre Klamotten zusammen. Plötzlich, mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit rannte eine Person, eine talarianische Frau an ihnen vorbei und auf Lieutenant Ir´lia zu. Die Situation lief für die Wachleute viel zu schnell ab, zu ihrer eigenen Überraschung konnten sie nicht schnell genug die Gewehre herumschwenken und auf den Angreifer (?) schießen. Die Talarianerin, scheinbar rasend vor Wut, warf sich auf die hübsche Deltanerin und drückte sie durch die Wucht des Aufpralls zu Boden. Ihre Hände zerkratzten das Gesicht des Lieutenants in einer atemberaubenden Geschwindigkeit, hinterließen blutige Streifen und verursachten gequälte Schmerzensschreie.<br>„STIRB!“ brüllte die Angreiferin immer wieder, wobei ihre schlechte Artikulation auffällig war. Danny hatte genug gesehen. Ohne auf einen Befehl Captain Lewinskis zu warten schoss er auf die Angreiferin und nahm entsetzt zur Kenntnis, dass der auf Betäubung eingestellte Strahl wirkungslos blieb. Stattdessen hatte er dadurch nur die Aufmerksamkeit der Talarianerin geweckt, die sich in seine Richtung umdrehte und ihn hasserfüllt anstarrte. Zum ersten Mal bot sich ihnen die Gelegenheit einen umfassenden Blick auf sie zu werfen.<br>„Mein Gott,“ stammelte Edward Jellico ungläubig.<br>Die Kleidung der Talarianerin bestand nur noch aus Fetzen. Viel eher war es so, dass man sie als nackt bezeichnen konnte. Ihre Haut war von dem langen Aufenthalt im Wald völlig verdreckt und auch schien die Person etwas ausgemergelt zu sein. Wie lange musste sie schon auf Wasser und Nahrung verzichten. Das Unheimlichste jedoch war der Ausdruck in ihren Augen, der nur eines wiederspiegelte: blinder Hass, scheinbar tausendfach potenziert zu einem Gewaltpotential, welches man sich vorher niemals ausgemalt hatte. Dann stürmte die Frau auf Danny los und Angst stieg in dem Sicherheitschef der Monitor auf. Ohne eine Sekunde Zeit zu viel zu verschwenden schaltete er seine Waffe auf Töten um und feuerte, in der Hoffnung, dass dieser Strahl sie endlich aufhalten würde. Für einen kurzen Moment fürchtete er die Talarianerin würde auch diesen Beschuss aushalten, doch dann nahm er erleichtert das zu Boden sinken der Angreifern zur Kenntnis. Noch bevor sich die anderen Mitglieder des Teams die Leiche näher ansehen konnten, eilten Halek und Lewinski zur sich am Boden windenden Ir´lia. Die kahlköpfige Deltanerin krümmte sich vor Schmerz und schrie fürchterlich. Nicht zu Unrecht, denn die Verletzungen ihres Gesichtes waren grausam.<br>„Bleiben Sie ruhig, Lieutenant, wir sind ja da!“ versuchte der Kommandant seine Untergebene zu beruhigen, doch scheinbar schien ihn die junge Frau gar nicht zu holen. Fähnrich Halek wollte sich daran machen das Erste Hilfe-Notset hervorzuholen, da ereilte sie alle der nächste Schockmoment: wie von einer Tarantel gestochen sprang Ir´lia hoch und wollte den Captain anfallen. Geistesgegenwärtig riss Salma Halek ihr Gewehr hoch und rammte ihr die Schulterstütze in das ohnehin schon lädierte Gesicht. Wie in einem schlechten Actionholofilm flog die Deltanerin in einem weiten Bogen fort und überrascht sprang Lewinski auf, blickte erst zu Irl´lia und dann zu Halek. Doch trotz dieses gewaltigen Schlages schien die junge Frau nicht bewusstlos zu sein. Langsam richtete sie sich auf und richtete ihre Augen auf die Mitglieder des Außenteams. Ihre Augen waren von Hass und Zorn erfüllt, Emotionen, die sie so gar nicht von der sonst so friedfertigen Frau kannten.<br>„Romulaner! ROMULANER!“ stammelte Lieutenant Ir´lia, bevor sie sich mit einem ohrenbetäubenden Geheul auf Captain Lewinski stürzte. Doch bevor sie dem Kommandanten etwas anhaben konnte erschoss Lieutenant Bird mit einem gezielten Phaserschuss seine Stellvertreterin. Für einen kurzen Moment musterten sie alle den Sicherheitschef, dann trat Captain Lewinski auf ihn zu.<br>„Wieso haben sie Lieutenant Ir´lia getötet?“ fragte John, eine Mischung aus Zorn und Unverständnis in seinem Gesicht.<br>„Weil sie sonst Gott weiß was mit ihnen angestellt hätte, Sir,“ erwiderte Lieutenant Bird und betrachtete die beiden Leichen.<br>„Dann hätten Sie sie betäuben können! Danny, Sie haben gerade ein Mitglied unserer Crew getötet.“<br>„Ich weiß,“ flüsterte der Lieutenant und wirkte nun sehr  nachdenklich. „Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass dies nicht mehr Lieutenant Ir´lia war.“<br>„Könnten das die Auswirkungen dieser biologischen Waffe sein?“ fragte Edward Jellico geschockt. Fast hätte man aufgrund der letzten Ereignisse vergessen, dass er überhaupt da war.<br>„Ich halte diese Erklärung für äußerst wahrscheinlich,“ stimmte Salma Halek zu und machte sich daran die beiden toten Körper zu untersuchen. Dabei achtete sie peinlich genau darauf keinen von ihnen zu berühren.<br>„Aber was genau waren nun die Auswirkungen?“ stellte Arsani Parul die Frage, die alle interessierte.<br>„Darauf kann ich ihnen leider noch keine Antwort geben,“ meinte die Wissenschaftlerin und vertiefte sich in ihre Scanneranzeigen. „Doch was immer es ist, ich vermute es wird mittels Kontakt übertragen.“<br>„Dem schließe ich mich an,“ fand Captain Lewinski. „Lieutenant Ir´lia wurde erst so... wie sie war nach dem Angriff. Vielleicht ist der Erreger, falls es überhaupt einer ist, durch die Kratzer übertragen worden.“<br>„Falls hier noch mehr von diesen Leuten sind und davon gehe ich stark aus, dann sollten wir sie besser nicht zu nahe an uns herankommen lassen.“<br>„Tolle Aussichten!“ brummte Jellico.</i><br> <br>Und hier standen sie nun, auf der Erde, und wollten verhindern, dass genau dasselbe hier auch geschah. Die Vorstellung, wie sich Milliarden von Erdenbürgern gegenseitig umbrachten, war erschreckend. <br>Seltsamerweise war es ein wunderschöner Tag. Die Sonne war aufgegangen und spendete ihnen allen wärmende Sonnenstrahlen. Vögel zwitscherten und Kinder machten sich auf den Weg in die Schule. Niemand von ihnen ahnte derzeit, in was für einer Gefahr die gesamte Erde schwebte. <br>Das Interkom Janssens piepte und der Polizist aktivierte die Verbindung:<br>„Ja?“<br>„Das Ranger-Team ist nun bereit!“<br>Thomas Janssen und John Lewinski blickten sich kurz an, dann nickte der Captain und gab seinem Gegenüber so das Signal zu beginnen.<br>„Zugriff!“<br>Hunderte von Kilometer entfernt, im fernen Sternenflottenhauptquartier in San Francisco schloss die Spezialeinheit der Sternenflotte, die so genannten Ranger, ihre letzten Maßnahmen ab. Wie immer waren die Männer und Frauen dieses Spezialkommandos hochkonzentriert und auf den Einsatz vorbereitet. Sie alle trugen ihre schwarzen Kampfanzüge, hatten ihre Waffen sowie das technische Gerät umgeschnallt und betraten nun die Transporterplattform, die sie innerhalb von wenigen Sekunden in den Einsatzort nach Emden bringen sollte. Im Vorfeld hatten sie die Baupläne des Gebäudes studiert, sich verschiedene taktische Varianten des Zugriffs ausgedacht und waren noch einmal über die spezielle Art von Bedrohung in Kenntnis gesetzt worden, die von dieser Waffe ausging.<br>Alles war bereit für das Ende der Krise. Auf Befehl des örtlichen Polizeiführers wurde die Transporterblockade für einen kurzen Moment gesenkt und es dem Team so ermöglicht in die Stadt zu beamen.<br>Doch etwas ging schief. Entsetzt musste die Polizei und mit ihr das Team von der Monitor mit ansehen, wie die Transportersignale fluktuierten. Aus irgendeinem Grund waren sie nicht in der Lage wieder in Emden zu materialisieren. Die Techniker in San Francisco versuchten alles, um das Signal stabil zu halten und so die Ranger zu retten. Als sie einsahen, dass sie die Mission nicht durchführen konnten, versuchten sie das Spezialteam wieder zurück zu holen. Jedoch misslang auch dieser Versuch. Fassungslos mussten sie mit ansehen, wie eine der besten Spezialeinheiten der gesamten Föderation starb. Aufgelöst in ihre Atome, nicht einmal Leichen gab es, die man eines Tages beerdigen konnte.<br>„Verdammt, was ist dies gewesen?“ schrie John Lewinski entsetzt und ließ sich die Frage von Lieutenant Ardev beantworten, der sogleich an das Computerterminal der Polizei stürzte:<br>„So wie ich das hier erkenne haben die Terroristen eine Art Zerstreuer über ihrem Hochhaus installiert, der den Transporterstrahl sabotier hat!“<br>„Wieso haben wir das verdammte Ding nicht vorher entdeckt?“<br>„Keine Ahnung,“ gab Ardev ebenso geschockt zu. „Scheinbar haben wir es mit einer neuen, vielleicht experimentellen Art von Technologie zu tun.“<br>„Können wir das Ding abstellen?“ fragte Janssen.<br>„Ich sehe derzeit keine Möglichkeit.“<br>„Wir haben das Überraschungsmoment verloren,“ meinte Lewinski und zückte seinen <br>Phaser. „Die werden bestimmt den versuchten Transport bemerkt haben und wissen, dass sie entdeckt worden sind. Uns fehlt die Zeit. Meine Leute und ich werden da reingehen.“<br>Janssen setzte zu einem Widerspruch ein, wusste jedoch, dass dieser nichts bringen würde. Stattdessen entschied er sich dafür den Präsidenten über die neuesten Entwicklungen zu informieren, während das Außenteam der Monitor schon losrannte, um die einige Kilometer entfernte Wohnung noch rechtzeitig zu erreichen. Nun zählte jede Sekunde!<br><br>All die Monate hatte er versucht alles richtig zu machen. Natürlich war es nicht möglich fehlerlos zu bleiben, doch Danny Bird war nah dran gewesen. Nur mit einer Sache hatte er nicht gerechnet: dass er sich während seiner Infiltrationsmission in eine der Zielpersonen verlieben würde!<br>Grübelnd saß Danny Bird in seinem Zimmer und dachte nach. Wahrscheinlich war dies der denkbar schlechteste Zeitpunkt, um über sein Leben nachzudenken, so kurz vor der möglichen Auslösung der Waffe. Dennoch gingen ihm diese Gedanken durch den Kopf rum. Es klang wie die Geschichte eines billigen Agentengroschenromans, aber es war eingetreten. Danny Bird und Janine Talley hatten sich ineinander verliebt. Eigentlich war dies gar nicht so schlecht gewesen, denn so hatte er sich noch mehr das Vertrauen von James erspielen und tiefer in die Materie eintauchen können. Dass diese Liebe jedoch zum Scheitern verurteilt war, musste Danny klar sein. Worauf sollte diese Liebe basieren? Immerhin hatte Danny die Frau bei quasi allem belogen, was seine Herkunft und sein Leben betraf. Nur seine Liebe, die war echt.<br>Es war genau das gewesen, wovor sie ihn vor dem Antreten dieser Mission gewarnt hatten. Sich zu sehr mit den Leuten in seinem Umfeld einzulassen. Sich mit ihnen zu verbrüdern. Und sich in sie zu verlieben.<br>Doch dies war leichter gesagt als getan. Solche Verhaltenskodexe waren meist von Leuten geschrieben worden, die niemals an solchen Einsätzen teilgenommen hatten, die niemals diese Entbehrungen hatten ertragen müssen. Es war leicht über Abgrenzung zu sprechen, wenn man niemals die Einsamkeit erlebt hatte, welche ein solcher Einsatz mit sich brachte. Mit seinen normalen Freunden und Kollegen durfte Danny aus Gründen der Sicherheit nicht sprechen und mit den Menschen, mit denen er nun zu tun hatte, sollte er nichts zu tun haben. Es war nur natürlich, dass er auch in diesem Umfeld soziale Kontakte geknüpft hatte. Natürlich hatte Danny zu Beginn angenommen, er würde mit der kommenden Einsamkeit klar kommen. Wie so viele andere Menschen hatte er sich naiverweise vorgestellt, dass er es mit Verbrechern und Bestien zu tun hatte. Zu sehen, dass diese Terroristen jedoch selbst kultivierte und in Anführungszeichen „normale“ Menschen waren, hatte einen schweren Schock für ihn dargestellt und an seinen Vorsätzen gerüttelt.<br>Und dann war da noch Janine. Nach der Enttäuschung mit Elisabeth hatte er bei weitem nicht geglaubt, sich noch einmal glücklich verlieben zu können. Danny hatte angenommen noch für Jahre Single zu bleiben. Mehr noch, der Sicherheitschef der Monitor hatte sich damit abgefunden für immer allein zu sein und damit das Schicksal vieler Offiziere zu teilen.<br>Seine Attraktivität wurde nicht gerade dadurch gesteigert, dass er die meiste Zeit des Jahres an Bord eines Raumschiffs verbrachte und sein Arbeitsbereich zwang ihn oftmals zur Verschwiegenheit. Keine günstigen Vorraussetzungen, um eine Partnerin zu finden.<br>Dennoch hatte er Liebe gefunden und ausgerechnet da, wo er sie am wenigsten vermutet hatte. Janine hatte so vieles, was er bei einer Frau gesucht hatte. Intelligenz, Offenheit, Zärtlichkeit und eine seltsame Art von Vertrautheit. Zu dumm, dass die Teil der Struktur dieser verbrecherischen Organisation war. Anfangs hatte sich Danny noch eingeredet, dass sie möglicherweise nichts mit den Machenschaften ihres Vaters zu tun hatte und auch unwissend über seine Aktivitäten war. Aber schon bald hatte er einsehen müssen, dass diese Hoffnung nicht der Realität entsprach. Sie war genauso Teil der Befreiungsarmee wie er auch. <br>Ein fataler Zwiespalt tobte nun ihn ihm.<br>Plötzlich aktivierte sich sein Kommunikationsterminal. Nicht das Normale, welches Inventar seines Zimmers war, sondern das Kleine vom Geheimdienst. Es konnte nur einer am anderen Ende der Leitung sein.<br>„Ja, Berghorst?“ fragte Danny seinen Kontaktmann, den er selber noch nie gesehen hatte.<br>„Adler, wir haben neue Weisungen für sie. Noch in dieser Stunde wird das Anwesen von unseren Sicherheitskräften gestürmt werden,“ erklärte die verzerrte Stimme.<br>„Verstanden!“<br>Scheinbar überschlugen sich nun die Ereignisse. Die letzten Minuten seiner Undercover-Operation wurden wohl soeben eingeläutet.<br>„Falls Sie die Möglichkeit haben,“ erklärte Berghorst, „dann nehmen Sie James Talley fest und übergeben ihn dann den Behörden. Berghorst, Ende!“<br>Damit deaktivierte sich wieder das Terminal und ließ einen aufgeregten Danny Bird zurück. Das Ende war also nah. Vielleicht konnte er schon am Ende des Tages in sein gewohntes Leben zurückkehren. Wenn das mal keine Motivation war!<br><br>Natürlich hatten die Kriminellen den versuchten Transport bemerkt. Den drei Männern und der Frau, die seit mehr als einem halben Jahr in dieser Hochhauswohnung gelebt und sich als eine Studenten-WG ausgegeben hatten, wurde klar, dass ihnen die Zeit davonlief. Seit so vielen Monaten hatten sie diesen entscheidenden Tag geplant und darauf hingearbeitet, aber sie hatten mit einem etwas späteren Auslösen der Waffe gerechnet. Nun jedoch musste es schnell gehen. Einer der Männer stellte blitzschnell eine Verbindung zum Mond her und nahm erstaunt zur Kenntnis, dass James Talley persönlich den Anruf entgegen nahm. Die Operation hatte einen Punkt erreicht, an dem er am liebsten selbst die Aufsicht über alle einzelnen Teilabschnitte des Plans übernahm. <br>„Ja?“ fragte der schwarze Mann mit seiner charismatischen Stimme.<br>„Mr. Talley, wir sind entdeckt worden.“<br>„Wie meinen sie das?“<br>„Vor wenigen Minuten hat jemand versucht sich in unsere Wohnung zu beamen und der Zerstreuer hat dies verhindert. Ich rechne mit einem Eintreffen von Polizei in wenigen Minuten.“<br>Doch James Talley ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Natürlich war diese Entwicklung eine Störung seines Plans, aber diese würde sich schnell beseitigen lassen.<br>„Verhindern sie um jeden Preis ihre Verhaftung und den Verlust der Waffe,“ befahl er und wusste, dass man seinen Anordnungen Folge leisten würde. Bis zum Tod. „Wenn sich eine Gefangennahme nicht verhindern lässt, haben sie Erlaubnis die Waffe freizusetzen.“<br>Die Augen des jungen Mannes glänzten, als er sich der Verantwortung bewusst wurde, die ihm gerade vom Führer der Föderalen Befreiungsarmee in die Hände gelegt worden waren. Weder er noch seine Freunde waren willens ihn zu enttäuschen.<br>„Verstanden, Mr. Talley. Wir geben unser Bestes!“<br>„Nichts geringeres erwarte ich von euch,“ entgegnete James Talley und lächelte ein letztes Mal aufmunternd, bevor er vom Bildschirm verschwand. <br>Eiligst suchten die vier Menschen die Sachen aus der Wohnung zusammen. Alles, was auf sie oder die Organisation Rückschlüsse zuließe, musste entfernt werden. Ein Rennen gegen die Zeit begann. <br><br>Stellas Hand lag in Jozarnays. Mit ihr das Gefühl von Freiheit. Zum ersten Mal seit langer Zeit vertraute ihm wieder jemand. Zum ersten Mal ließ sich jemand fallen und vertraute auf ihn. Ein atemberaubendes Gefühl, gebraucht zu werden.<br>Das Rauschen des Meeres tat sein übriges. Das warme Prickeln der Sonne ließ das eine noch übrige Glückshormon, das Stella nicht hervorzauberte, an die Oberfläche steigen.<br>„Ein wunderschöner Tag, nicht wahr?“, fragte Stella und sah zum Himmel empor.<br>Das glückliche Paar saß im Sand. Das nahe Meer brach direkt vor ihnen, Wasser schwappte bis zu ihren Zehenspitzen. Stella liebte dieses Gefühl.<br>Woil schloss die Augen und atmete die frische unverbrauchte Luft ein.<br>„Ja, es ist ein schöner Tag.“<br>Als er die Augen wieder öffnete waren all diese Gefühle weg. <br>Und er befand sich an einem Ort, der nicht unterschiedlicher sein konnte. Seiner Zelle. Dunkel, muffig, eng.<br>„Es wird Zeit, dass Sie der Wahrheit ins Gesicht sehen.“<br>Woil drehte sich zu dem Sprecher. Es war Edward Jellico, der dort stand und ihm schelmisch entgegengrinste. Er selbst saß angekettet auf einem Stuhl in der Mitte. Ein Zerren hatte keinen Sinn. Die schweren Ketten waren unüberwindlich.<br>„Sie haben mich wieder gefasst?“<br>„Wieder?“, fragte Jellico. „Mr.Woil, Sie haben diese Zelle nie verlassen.“<br>Verzweifelt blickte Woil zur Decke. Tränen rannen ihm über die Wangen. „Wie ist das möglich?“<br>„Mr. Woil“, sagte er mit so viel Verachtung in seiner Stimme, dass man sie beinahe greifen konnte. „Machen Sie sich nichts vor. Wie könnten Sie einen Hochsicherheitstrakt verlassen?“ Angestrengt begutachtete er ihn. „Sie haben 15 Kilo Gewicht verloren, tragen ein Lumpengewand und sind auf Weiß-Entzug.“ Er gab Woil einen Moment. „Sie sind ein Nichts.“<br>„Stella glaubt an mich!“, schrie er hinaus. Verzweifelt, verängstigt, gebrochen.<br>„Stella ist tot!“, schrie Jellico, ebenso laut. „Sie träumen nur. Ein letzter Akt Ihres Gehirns, bevor der Tod Sie ereilt. Hier in dieser erbärmlichen Zelle.“<br>Woil begann zu weinen. So schmerzlich wie noch nie in seinem Leben.<br>„Hier werden Sie verrecken. Und ich werde mit Genuss dabei zu sehn...“<br>Dann ging Jellico und ließ Woil allein.<br>„Hei..., pass auf... wo du hin... gehst.“<br>Der Talarianer zog Woil zur Seite. Er war beinahe auf einen Arm getreten. <br>Ein Arm?<br>Woil sah sich verwirrt um. Nichts hatte sich verändert hier auf Talar. Immer noch derselbe Trott. Dasselbe Nichts. Und vor ihm lag tatsächlich ein Arm. Und an dem Arm hing noch ein Teil des Torsos und Teile des Kopfes.<br>„Ist es noch weit?“, fragte Woil. Er begann zu zittern. Am ganzen Körper.<br>„Nein... wir sind... gleich da.“ Der Talarianer deutete zu einem großen Gebäude. Von diesem waren aber auch nur noch die Grundmauern übrig.<br>Stella griff nach seiner Hand. Woil fasste dadurch neue Hoffnung. Zufrieden folgte er dem Talarianer. „Ich habe mich noch gar nicht bei dir bedankt. Wie heißt du?“<br>„Das... ist nicht... wichtig“, antwortete der Talarianer und ging los.<br>Stella zog Woil mit sich. „Komm. Es ist nicht mehr weit.“<br><br>Auch Talley selbst wusste, dass möglicherweise die letzten Minuten in Frieden angebrochen waren. Ohne zu zögern erhob er sich von seinem Arbeitsplatz und begab sich in den großen Besprechungsraum, wo alle Mitglieder des Führungszirkels auf ihn warteten. Immer noch war der Platz Nelsons unbesetzt, wegen eines bizarren Respekts vor dem kürzlich verstorbenen.<br>„Die Föderation hat den Aufenthaltsort unserer Waffe entdeckt,“ erklärte James mit fester, Optimismus versprühender Stimme. „Sie haben damit begonnen das Gebiet abzuriegeln und ein erster Zugriffsversuch ist gescheitert. Derzeit laufen die Bemühungen unseren Plan dennoch zu retten. Es wird nicht lange dauern, bis die Behörden auch dieses Haus hier stürmen werden. Der Transportblockierer ist noch aktiv, wird aber bald für unsere Flucht gesenkt werden.“<br>Betreten blickten die beiden Ratsmitglieder zu Boden. Andere, wie auch Danny Bird, schauten gespannt zu ihrem Anführer und erwarteten von ihm Anweisungen, wie sie nun weiter vorzugehen hatten.<br>„Es ist nun an der Zeit den weiteren Teil der Operation anlaufen zu lassen. Sie alle kennen ihre Anlauf- und Fluchtpunkte. Wir alle werden uns wohl für eine längere Zeit nicht mehr sehen können. Jedoch möchte ich Ihnen allen für Ihre unaufhörliche Unterstützung über die Jahre hinweg danken. Der heutige Tag wäre ohne Sie alle hier nicht möglich gewesen. Meine ehrliche Hoffnung ist es, dass wir uns in einer besseren Welt wieder sehen mögen. Nun treffen Sie bitte ihre Reisevorbereitungen.“<br>Mehr musste nicht mehr gesagt werden. Die Mitglieder des Führungszirkels standen auf und strömten aus den Türen nach draußen. Nun ging es darum so viele kompromittierende Daten wie möglich zu vernichten, die eigenen Familien in Sicherheit zu bringen und selbst unterzutauchen. Danny ließ die ganze Zeit über nicht Talley aus den Augen, welcher sich wieder in sein Arbeitszimmer zurück zog und ging die Möglichkeiten durch. Man hatte ihm also aufgetragen den Mann festzusetzen, bis die Verstärkung eintraf. Mehr noch, anscheinend musste er ihn festnehmen, denn all zu lang wollte sich der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee nicht mehr in seinem Haus aufhalten. Langsam folgte er ihm in das Arbeitszimmer. <br>James Talley hatte sich über seinen persönlichen Computer gebeugt und begann ebenfalls Daten von diesem zu löschen. Dem Undercover-Agent wurde schnell klar, dass er dieses nicht verhindern konnte. Im Grunde war es egal, denn in den letzten Monaten hatte er genug Fakten gesammelt, um James Talley für den Rest seines Lebens ins Gefängnis wandern zu lassen.<br>„Wir brechen also unsere Zelte ab?“ fragte der Lieutenant und blickte fragend zu seinem angeblichen Mentor.<br>„Ja. Ich kann nur vermuten, wie viel Zeit uns noch bleibt, es wird aber auf jeden Fall nicht viel sein. Die Operation ist angelaufen und dank unserer guten Planung in den letzten Monaten ist sie zu einem Selbstläufer geworden,“ erklärte James Talley und hob einige Padds auf, die er auf bemerkenswert ruhige Art und Weise in eine Tasche legte.<br>„Du willst die Sache nicht weiter überwachen?“<br>„Wie gesagt,“ erwiderte James und lächelte zufrieden, „wir alle haben gute Arbeit geleistet. Meine Anwesenheit wird nicht mehr von Nöten sein.“<br>Auf diese Art und Weise würde er also James Talley an der Flucht hindern können. Hektisch ging Danny seine Handlungsalternativen durch und musste feststellen, dass ihm nicht allzu viele blieben. Den Terroristen hier zu behalten und gleichzeitig seine Tarnung aufrechterhalten zu können, war so gut wie unmöglich.<br>„Willst du nicht auch packen?“ <br>Die Frage James wirkte schon fast verdächtigt. Vermutete er etwa etwas?<br>„Irgendwie zögere ich noch,“ log Danny in Ermangelung besserer Worte. „Die ganze Sache ist so unwirklich für mich. Die letzten Monate war dieses Haus hier meine Heimat geworden und nun soll ich alles aufgeben…. und zudem noch Janine.“<br>„Ihr werdet euch wieder sehen, keine Angst. Wir müssen nur für einige Wochen, vielleicht Monate untertauchen müssen, dann werden wir wieder zusammentreffen.“<br>„Keine Ahnung, ob ich diese dauerhafte Trennung überstehen werde,“ meinte Bird und sprach damit ausnahmsweise mal die Wahrheit. In der Tat wirkte der Gedanke von der jungen Frau so lange getrennt zu sein sehr seltsam auf ihn.<br>„Janine liebt dich und ich weiß, dass du dasselbe für sie empfindet. Sie wird auf dich warten, glaube mir.“<br>Zu gerne hätte Danny dazu eine Erwiderung über die Lippen gebracht, doch er schaffte es nicht. Wieso nur? Natürlich hätte er gerne eine Antwort in derselben Machart von sich gegeben, doch er konnte es nicht. Die gesamte Zeit über hatte er gelogen, doch nun gelang es ihm nicht.<br>„Was ist mit dir?“ fragte James und lächelte aufmunternd. „Hat es dir die Sprache verschlagen? Ein gutes Zeichen, wie ich finde… du liebst meine Tochter. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass du es bist, dessen Herz sie erobert hat. Du hast das Herz auf dem rechten Fleck, Danny. Ich möchte nur das Beste für Janine und ich denke, du kannst meine hohen Erwartungen erfüllen!“<br>Dieses unerwartete Kompliment von einem Mann, der Milliarden töten wollte und dadurch verabscheuungswürdig war, machte den Lieutenant abermals sprachlos. Die ganze Sache entwickelte sich eine Sache, die ihm ganz und gar nicht gefiel. Schlimm genug, dass er Gefühle für Janine empfand, nun wollte auch noch James einen Weg in sein Herz finden.<br>In den letzten Monaten war er in der Tat so etwas wie ein Ersatzvater geworden, das war klar. Vermutlich war Danny deswegen so empfänglich für James gewesen, weil er selbst seine Eltern so früh bei einem Angriff der Borg verloren hatte. Trotz all seiner Fehler hatte er in James etwas gefunden, was er selbst immer vermisst hatte. Trost. Eine Heimat. Ein ziviles Leben. Alles Dinge, die an Bord eines Raumschiffs nicht möglich waren und von denen er nie gewusst hatte, dass er sie vermisste. Bis er sie erlebt hatte. Dinge, die er nun für das größere Wohl aufgeben musste.<br>Mit einer fließenden Bewegung griff Danny unter sein Hemd und holte einen Disruptor hervor.<br>„Was wird das denn, wenn ich fragen darf?“ fragte James ohne jedwede Angst in seiner Stimme.<br>„Wie sieht das denn aus, wenn man eine Waffe auf dich richtet?“ beantwortete Danny die Frage mit einer Gegenfrage.<br>„Ich fürchte du machst da einen ganz großen Fehler, Junge!“<br>„Indem ich einen potentiellen Massenmörder festnehme? Ich glaube nicht!“<br>Langsam erhob James die Hände in die Höhe und lächelte dabei auf eine fast schon entwaffnende Art und Weise. <br>„Du bist also doch ein Doppelagent. Ich hab es mir schon länger gedacht.“<br>„Wer ich bin oder was ich mache spielt keine Rolle. Auf jeden Fall wirst du den Mond nicht verlassen.“<br>Leider irrte sich Danny bei dieser Prognose. Er erhielt einen gewaltigen Schlag auf den Hinterkopf, der ihn bewusstlos zusammensacken ließ. Bei der ganzen Aufregung hatte er nicht darauf geachtet, ob sich ihm jemand von hinten näherte und so war es für Janine Talley ein Leichtes gewesen, ihren Liebsten auszuschalten.<br>„Auf dich kann man sich verlassen,“ lächelte James und setzte seine Bemühungen fort. <br>„Was ist hier passiert?“ fragte Janine schockiert. Dass sie soeben ihren Freund niedergeschlagen hatte, passte nicht in ihr Weltbild.<br>„Ich schätze,“ versuchte James eine hastige Erklärung zu finden, „dass Danny Bird doch nicht der vertrauenswürdige Mensch ist, für den wir ihn gehalten haben!“<br>Mehr konnte und wollte James zum momentanen Zeitpunkt nicht sagen. Zu gerne hätte er sich nun um seine Tochter gekümmert, der der Schmerz deutlich anzusehen war, doch derzeit mussten sie sich um andere Dinge sorgen.<br>Es dauerte nicht lange, bis sie all ihre Sachen zusammengesucht und sie auf die Transporterplattform gestellt hatten. Während seine Tochter ein letztes Mal durch das leere Haus ging, stellte James eine Verbindung zu dem Auftraggeber her.<br>„Wir kommen nun vorbei,“ erklärte er, dieses Mal jedoch mit weitaus weniger selbstsicherer Stimme, als er sonst hatte.<br>„Wunderbar. Ich erwarte ihren Besuch,“ entgegnete die Person und beendete die Verbindung. Mehr musste in der Tat nicht gesagt werden.<br>Als letztens fesselten sie Danny und hievten ihn ebenso auf den Transporter.<br>„Bist du sicher, dass wir ihn mitnehmen sollen?“ fragte Janine vorsichtshalber nach.<br>„Ich habe noch einiges mit ihm vor,“ erklärte ihr Vater. „Mit Danny kann man noch etwas anstellen, vertrau mir.“<br>„Hast du die Koordinaten auch richtig einprogrammiert?“<br>„Ich hoffe es.“<br>„Hoffen?“ Verächtlich schnaubte Janine Talley angesichts dieser Worte. „Hoffen reicht hier nicht. Einen solchen Transportvorgang haben wir bisher noch nicht probiert. Es muss beim ersten Mal klappen.“<br>Zärtlich berührte James daraufhin seine Tochter an der Wange und spendete ihr so Trost.<br>„Vertrau mir!“<br>Mehr brauchte nicht gesagt werden. Janine akzeptierte seine Entscheidung und so ließen sie sich an ihren Zielort beamen. Einen Platz, der weiter entfernt war als alles, was man sich vorstellen konnte. <br><br>„Setzen Sie sich Chief“, bat John Lewinski. Woil setzte sich in den Stuhl vor dem Schreibtisch im Bereitschaftsraum des Captains. Alles war noch so wie damals, kurz bevor Woil die Monitor verlassen hatte. Wie bei ihrem letzten Gespräch. Sogar die Uniform saß noch perfekt.<br>„Kann ich Ihnen was zu trinken anbieten?“<br>„Nein, danke Sir.“<br>„Sie müssen auf der Hut bleiben“, riet Lewinski, der in seinem Stuhl Platz genommen hatte. Der Captain hatte eine Tasse Kaffe in der Hand.<br>„Auf der Hut, Sir?“, Woil verstand nicht.<br>„Hören Sie nie auf, Fragen zu stellen“, fuhr Lewinski unbeirrt fort.<br>„Fragen? Sir, ich verstehe nicht, was Sie meinen.“<br>„Wieso hören Sie eigentlich auf Ihn? Sie sind verloren Jozarnay.“ Edward Jellico beugte sich ganz nah über ihn. Geschockt zuckte er zusammen. Lewinski schien ihn nicht zu sehen. <br>„Was wird hier gespielt?“, fragte Woil.<br>„Nein,“ Stella Tanner hielt Woils Hand. „Keine Spiele mehr, nie wieder.“<br>„Kommen Sie Jozarnay. Sie waren immer ein kreativer Kopf“, begann Lewinski.<br>„Ja, so kreativ, dass Sie einwandfrei halluzinieren!“, konterte Jellico.<br>„Wir brauchen nur uns...“, flüsterte Stella.<br>„Ein Talarianer, der sich um ihre Gesundheit sorgt?“, fragte Lewinski. <br>„Von der ist nicht mehr viel übrig,“ antwortete Jellico.<br>„Was meinen Sie?“, Woil konnte keinen klaren Gedanken fassen bei soviel Gerede.<br>„Haben Sie die Patrouillen gesehen, von denen er sprach? Sie waren beim Geheimdienst. Sie wissen, worauf Sie achten müssen.“<br>„Die Ausbildung war für’n Arsch. Ein Junkie in einer Zelle sind Sie... nicht mehr“, konterte Jellico.<br>„Du bist ein Held“, versicherte Stella.<br>Lewinski ließ sich davon nicht beeindrucken oder stoppen. „Es waren keine anderen Talarianer auf der Flucht vor den Romlanern. Nur Sie und ihr ‚Retter’. Ein ausgehungerter Mann, der Messer in seinen Taschen hat. Wo sind Sie Woil?“<br>„In meiner Hand“, antwortete Jellico zügig und machte dabei eine Faust. Er schloss die Hand so fest, dass Blut aus Wunden in seiner Hand trat, die seine Nägel dort hineinrissen.<br>„Im siebten Himmel“, meinte Tanner.<br>„Vertrauen Sie ihren Instinkten“, riet Lewinski.<br>„Ich bin allein mit ihm. Auf einem zerstörten Planeten“, stellte er schockiert fest. „Wer weiß, wann er zum letzten Mal gegessen hat.“<br>„Dann gebe ich Ihnen den Befehl, zu tun, was zu tun ist.“<br>Woil nickte zufrieden. „Aye Sir.“<br>Er stand auf und befand sich wieder auf Talar. Schnell sah er sich um. Wo war sein Begleiter? Hatte er ihn verloren oder gar abgeschüttelt? Wo befand sich noch mal dieser Raumhafen?<br>Ein anderes Gefühl beschlich ihn. Die Kälte. Diese verfluchte Kälte riss wieder an ihm. Er blickte zu seinen Händen. Sie waren blau angelaufen. Dann sah er seine Zehen. Sie waren über und über von Schnee und Eis bedeckt. Dunkelschwarz hatten die sich bereits verfärbt. Doch er ließ den Schmerz nicht zu. Sonst hätte er wohl keinen Schritt mehr machen können.<br>Vorsichtig stapfte er nun weiter. Immer auf der Hut. Stella stand ihm ja zur Seite. Jedes Paar Augen konnten ihm nun helfen. Zum ersten Mal begriff er, dass er keine Chance hatte. Hier auf einem fremden, feindlichen Planeten. Jeder suchte ihn und er hatte keine Ahnung was zu tun war. Er dachte nur an eins: Überleben.<br>Nein, er dachte an Stella Tanner.<br><br>Wenn man seiner gewöhnlichen Tagesroutine nicht nachgehen und stattdessen nur die Wände, wahlweise die Decke, anstarren konnte, erschien einem der Tag unglaublich lang. Matthew Price befand sich nicht einmal zwei Stunden in der Arrestzelle der Monitor, dennoch kam es ihm wie Monate vor. Abermals, wahrscheinlich zum zweihundertsten Mal innerhalb der letzten Stunden, fragte sich der Halbbetazoid, ob er das Richtige getan hatte. Den ganzen Tag über war diese Angelegenheit eine schmale Gratwanderung gewesen. Der erste Offizier gab sich alle Mühe nicht bei anderen Menschen die Schuld zu suchen. Er allein hatte die Entscheidung getroffen sich mit der Waffe gegen seinen Captain zu stellen und er war es auch gewesen, der auf Fähnrich Kensington geschossen. Doch woher nahm Captain Lewinski das Recht ihn zu bestrafen? Wieso bestrafte John ihn mit dem Aufenthalt in dieser Arrestzelle, während der Kanadier nicht nur seinen Bruder aus dem Gefängnis herausgeholt und gedroht hatte auf ein anderes Sternenflottenschiff zu schießen? Irgendwie konnte Price da keine Gerechtigkeit erkennen. Sie alle hatten am heutigen Tage extreme Entscheidungen getroffen, dennoch durfte nicht mit zweierlei Maß gemessen werden.<br>Vielleicht war dies aber auch die gerechte Strafe für seine Taten, die er als Jugendlicher begangen hatte. Eine Art göttliche Vergeltung für seine Verfehlungen, die er als junger Mann auf Rigel begangen hatte. Der Aufenthalt in Zellen, die noch weitaus weniger komfortabel als diese hier waren, war ihm alles andere als unbekannt. Nicht einmal Elisabeth wusste, dass er schon öfters fast in ein Jugendgefängnis gegangen wäre. Hätte sich nicht seine Mutter immer und immer wieder für ihn eingesetzt, seine Schandtaten wie Diebstahl und Vandalismus relativiert, sein Leben wäre wohl nicht in jenen Bahnen verlaufen.<br>Ohne seine Mutter Birgit wäre er vermutlich schon tot, dies stand für ihn fest. Sie hatte ihn immer beschützt, mit ihrer Wärme vor den schlimmsten Dingen des Lebens bewahrt. <br>Diese Liebe war es wohl gewesen, die den anderen Jugendlichen auf Rigel gefehlt und sie schließlich ins Verderben geführt hatte. Dafür würde Matt ihr auf ewig dankbar sein.<br>Er schreckte hoch, als sich die Schotts zur Arrestzelle öffneten und eine Person herein trat. Seine Hoffnung darauf, dass es abermals Elisabeth Frasier war, wurde jedoch schnell enttäuscht. Stattdessen stand eine gänzlich unerwartete Person vor ihm. Jene, die er niedergeschossen hatte. Fähnrich Kensington stand vor seiner Zelle, hatte die Arme vor dem Brustkorb verschränkt und betrachtete ihn spöttisch.<br>„Kommen sie hierher, um Schadenfreude zu empfinden?“ fragte Matt und setzte sich wieder auf seine Liege.<br>„Eigentlich nicht. Eher deswegen, um zu sehen, wie Gerechtigkeit geübt wird,“ entgegnete Samira Kensington und schaffte es trotz der bizarren Situation zu lächeln.<br>„Gerechtigkeit?“ fragte Price überrascht. „Das müssen Sie mir jetzt aber erklären. Bisher hatte ich immer angenommen, dass es Ihnen nur um ihre Karriere geht.“<br>Kensington druckste herum, grinste und blickte kurz zu Boden. Das jemand so offen die Einschätzung vieler an Bord aussprach, war für sie eine Überraschung.<br>„Das stimmt, ich verfolge meine Karriere sehr ehrgeizig,“ erklärte der Fähnrich. „Aber dennoch bin ich als Sicherheitsoffizier der Gerechtigkeit verpflichtet und Sie haben gegen die Regeln verstoßen. Mehr noch, mit dem Schuss auf mich haben sie eine Straftat begangen.“<br>„Sie müssen mich nicht noch einmal daran erinnern, was ich getan habe. Dies weiß ich noch gut genug.“<br>„An Ihrer Stelle würde ich anfangen, mir Gedanken um den Prozess zu machen, der Sie bald erwarten wird. Sie haben ja da drinnen genug Zeit zum Nachdenken.“<br>Dies waren die letzten spöttischen Worte aus dem munde Kensingtons. Ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen verließ sie den Arrestbereich und Price wünschte sich für einen kurzen Moment, eine andere Phasereinstellung gewählt zu haben.  <br><br>Das Wetter schien immer schlimmer zu werden. Der Schneefall kannte auf Talar keine Grenzen mehr. Zwischen den verfallenen Häuserblocks türmte sich dieser Meterhoch. Wirklich wegschmelzen tat der Schnee selten. Selbst im „Sommer“ stiegen die Temperaturen kaum. Und ansonsten benutzten die Talarianer den Schnee zum Trinken. Denn eine Wasserversorgung gab es nur an sehr wenigen Orten. Die Romulaner hatten sie erst in der Hauptstadt – zumindest in dem Trümmerhaufen, der von ihr übrig war – wieder hergestellt. So erwies sich auch das Versprechen der Besatzer, für die Talarianer zu sorgen, als ein hohles Lippenbekenntniss, das sie nur vor dem versammelten Sitzungssaal der MPA kundtaten.<br>Woil lief, etwas abseits des Stadtzentrums durch die hohen Schneefelder. Zum Glück waren schon einige andere Talarianer zu diesem Raumhafen gegangen und so gab es wenigstens eine kleine Schneise, die begehbar war.<br>Den eisigen Lauf musste er zum Glück nicht allein vollbringen. Stella Tanner, John Lewinski und Edward Jellico begleiteten ihn. Ein wenig freute er sich über die große Begleitung. Er bedeutete ihnen also doch etwas. Zudem gaben sie ihm das Gefühl von Sicherheit. Was sollte ihm jetzt noch geschehen?<br>Er sah zu Stella und befand sich mit ihr am Strand, unter der warmen Sommersonne. Er sah zu John Lewinski und befand sich mit ihm in seinem Bereitschaftsraum. Er sah zu Jellico und befand sich mit ihm in seiner Zelle.<br>„Sie befinden sich doch gar nicht auf Talar Mr. Woil“, begann Jellico. „Denken Sie doch nach. Wieso sollte die Föderation auf romulanischem Territorium ein Hochsicherheitsgefängnis betreiben? Auf feindlichem, umkämpften Land? Ergibt das für Sie irgendeinen Sinn?“<br>„Sie haben ihre Befehle Chief“, erklärte Lewinski. „Sie wissen so gut wie ich, dass unsere Missionen gefährlich sind. Und an der Grenze des Legalen und der Moral. Wir müssen manchmal einfach auf unsere Vorgesetzten vertrauen.“ Eindringlich blickte der Captain zu Woil. „Vertrauen Sie nun auch mir?“<br>„Ich vertraue dir Jozarnay“, antwortete Stella.<br>Woil lachte. Er legte einen Arm um Stella, zog sie zu sich und küsste sie. Nach dem wundervollen Kuss ließ er sich in ihre Arme fallen.<br>Die Freude über diesen Kuss trug ihn weiter, bis er an den Mauern des vermeintlichen Raumhafens stand. Direkt vor ihm befand sich ein Durchgang, viele Fußstapfen führten hinein, doch Woil war allein – von seinen drei Begleitern einmal abgesehen.<br>Die hohe Mauer sah noch sehr stabil aus. Doch etwas stimmte nicht. Der Durchgang vor ihm, der einst eine große Glastür war, erinnerte ihn nicht an einen Raumhafen. Er sah noch oben und erkannte über der Tür einige Schriftzeichen. Sein talarianisch war zwar etwas eingerostet und die Schriftzeichen unvollständig, doch er konnte dort den Namen eines Unternehmens lesen. Er glaubte, sich an einen Waffenhersteller mit diesem Namen erinnern zu können. Zu Beginn des Krieges, den die Romulaner mit den Talarianern führten, hatte er in einem Bericht von dieser Firma gelesen. Was stellten sie noch gleich her? Quantentorpedos?<br>Stella, Jellico und Lewinski sahen ihn an. Einer nach dem andern ging an ihm vorbei, durch die ehemalige Tür, hinein in die große Halle. Plötzlich schien ein Licht durch die Tür heraus zu ihm. Hell, weiß, erfrischend. Ein Licht wie es es schon lange nicht mehr auf Talar gegeben hatte.<br>Woil musste seine Hand vor die Augen halten, um nicht zu erblinden. Als sich seine Augen an das helle Licht gewöhnt hatten sah er eine Person. Sie trat auf ihn zu. Woil traute seinen Augen kaum.<br>„Nathan Sloan?“, stutze er.<br>„Der großartige Jozarnay Woil“, begrüßte Sloan ihn. Er sah gut aus – sehr lebendig um genau zu sein. Er sprach mit einer warmen, freundlichen Stimme. Locker stand er da, unverkrampft sprach er mit Jozarnay – und voller Freundlichkeit. „Ich habe Ihnen viel zu verdanken.“<br>„Sie sind doch tot? Ich habe Sie sterben sehen.“<br>„Das stimmt. Ich bin tot.“<br>„Ich verstehe das nicht“, gestand Woil.<br>„Jozarnay, es gibt eine andere Möglichkeit“, erklärte Sloan fürsorglich, ruhig. „Sehen Sie Ihr Leben an. Sie laufen davon. Und das seit einigen Jahren. Sie drehen sich im Kreis und quälen sich dabei nur. Es wird Zeit, dem ein Ende zu machen. Gehen Sie in die Offensive.“<br>„Offensive?“<br>„Ja, Jozarnay, Sie könnten mit mir mit kommen.“<br>„Mit Ihnen? Wohin?“<br>„In die Ewigkeit.“<br>Woil sah Sloan an. So ganz wollte er nicht verstehen, so ganz wollte er ihm nicht glauben. „Nein, das kann ich nicht – noch nicht.“<br>„Oh doch, Sie sind bereit dafür.“ Sloan trat einen Schritt auf die Seite. Hinter ihm stand, in einiger Entfernung, Stella Tanner. „Hier gibt es keinen Schmerz, keine Angst. Sie können den Hass hinter sich lassen. Und Sie können wieder mit all denen vereint sein, die Sie lieben.“ Eine Träne rollte über seine Wange, als er zu Stella sah... mehr noch. Larla war auch dort.<br>Woil kämpfte. Er kämpfte mich sich selbst. Er begann die Fassung zu verlieren. Doch er hielt die Tränen zurück.<br>„Nein, ich werde auf diesem Eisklotz nicht... sterben.“ Es war der wohl schwerste Satz, den Woil je gesagt hatte. Es war das größte Eingeständnis, das er machen konnte.<br>Sloan schwieg. Was hätte er dazu auch noch sagen können? Er nickte.<br>Woil tat es ihm nach. <br>Dann drehte er sich um und spürte... einen Stich.<br>Vor ihm verschwamm alles. Er sah den Talarianer. Und er sah ein Messer in seinem Bauch.<br>Der Talarianer leckte sich den Mund. Seine Augen weiteten sich. Während Woil die Luft weg blieb. Es war zu spät. Während seiner Ausbildung hatte er einige Verteidigungstechniken erlernt. Doch die nutzen jetzt nichts mehr. Jetzt, da das Messer in seinem Bauch steckte und der Talarianer es dort genüsslich herumdrehte.<br>Jetzt, da die Kälte sein Gehirn eingefroren hatte.<br>Jetzt, da das Ketracel Weiß seine Adern verließ.<br>Jetzt, da er wieder allein war.<br>Woil fiel auf den vereisten talarianischen Boden. Vor ihm verwischte sich die Realität. Er sah Talar, seine Zelle, Lewinskis Bereitschaftsraum, den antosianischen Strand. Er sah diese vier Orte gleichzeitig und wanderte während seiner letzten Minuten zwischen ihnen hin und her.<br>Zum ersten Mal begriff er, dass etwas Schlimmeres als die Kälte oder das nachlassende Ketracel Weiß an ihm nagte. Schlimmer noch als der Tod. Es war das Versagen.<br><br>Auch die fünf Leute von der Monitor waren sich des Faktors Zeit sehr wohl bewusst und hatten ihr Ziel fast erreicht. Gut, dass der Captain ein strenges Fitnessprogramm auf dem Holodeck installiert hatte, denn ansonsten hätten sie es wohl nicht geschafft diese Strecke in der kurzen Zeit zu bewältigen. Als sie die Straße, die direkt zu dem Wohnhaus führte, erreichten, verlangsamten sie ihren Schritt und Arena Tellom zückte ihren Tricorder, um noch einmal die genaue Position der Waffe zu lokalisieren.<br>„Unser Ziel befindet sich in Wohnung 243, im zweiten Obergeschoss,“ erklärte die Terellianerin und deutete zur Unterstreichung auf das große Gebäude. <br>Ohne ein weiteres Wort zu sagen ergriff Captain Lewinski seinen Phaser und seine Begleiter taten es ihm gleich. Jedem war klar, dass sich die Angelegenheit wohl nicht ohne Waffengewalt lösen ließ.<br>Jedoch trat Martin an seinen Bruder heran und bat ihn sich mit ihm zu unterhalten. Widerwillig, da er sich der knappen Zeit bewusst, trat er einen Schritt zur Seite.<br>„Du hast eine Minute,“ erklärte der Kommandant. <br>„Ich habe alles getan, was du von mir verlangt hast,“ raunte Martin. „Ihr habt den Standort der Waffe und seid nahe an der Lösung dran. Es ist nun an der Zeit, dass ich auch etwas von euch bekommen.“<br>„Sitzt du etwa noch im Gefängnis? Du bist frei.“<br>„Ach, na dann! Und wenn diese Sache dann hier beendet ist, was wird dann sein? Wirst du mich dann wieder in den Hochsicherheitstrakt bringen, wie irgendeinen Besen, den man nach der Benutzung wieder in den Schrank stellt?“<br>John blickte seinen Bruder intensiv an. Ja, ohne Martin wären sie nicht so weit und hätten wohl die Suche vergessen können. Darüber, was danach mit seinem Bruder geschehen sollte, hatte er sich bisher noch keine Gedanken gemacht. Aber er hatte Recht. Sollte er ihn etwa einfach wieder in das Gefängnis bringen?<br>„Man wird dir deine Hilfe anrechnen,“ meinte John und schaute nervös auf seinen Chronometer. „Möglicherweise wird es Hafterleichterungen geben.“<br>„Nachdem du mich mit Waffengewalt und einem Toten da rausgeholt hast? Das glaubst da ja wohl selbst nicht.“<br>Lange blickten sich Martin und John in die Augen. Was wohl die Lösung für dieses Problem sein würde?<br>„Schau nicht hin,“ meinte Martin und lächelte schief.<br>John erwiderte das Lächeln und wusste, worauf sein krimineller Bruder hinauswollte. Ja, dies würde das richtige sein. Es würde lästige Fragen geben, die er jedoch klären konnte.<br>Ohne zu zögern rannte Martin los und verschwand hinter der nächsten Hausecke. Auch Ardev und Arena blickten ihm überrascht nach, verstanden jedoch, wieso ihr Captain dies getan hatte.<br>„Er muss wohl im Handgemenge geflohen sein,“ meinte Ardev und grinste.<br>„Die Situation war in der Tat hektisch,“ ergänzte John und überprüfte die Einstellung seines Phasers. Ob er seinen Bruder jemals wieder sehen würde? Jetzt jedoch musste er seine gesamte Aufmerksamkeit auf die vor ihnen liegende Aufgabe legen. Es galt die Krise nun zu beenden!<br>Ein letztes Mal blickte sich das kleine Außenteam der Monitor an, bevor sie sich ans Werk machten. In Windeseile näherten sie sich dem Eingang zu dem Hochhaus, dabei peinlich genau darauf bedacht nicht in das Blickfeld der Terroristen zu gelangen. Dies gestaltete sich als sehr schwierig, denn sie hatten ihre Wohnung strategisch günstig dorthin gelegt, von wo aus sie einen Überblick über die gesamte Freifläche hatten. Zu allem Überfluss befand sich das Hochhaus und mit ihr die fragliche Wohnung auch direkt vor einem Schulgelände. Zahllose Grundschüler genossen gerade ihre Pause und ahnten nichts von der Gefahr, in der sie gerade schwebten. Innerlich fluchte John. Würde es hier zu einem Schusswechsel kommen, dann könnten Kinder zu den ungewollten Opfern gehören. Es galt dies um jeden Preis zu verhindern. <br>Endlich erreichten die fünf Sternenflottler den Eingang. Die Gedanken an die heutigen Ereignisse und Martin Lewinski waren nun verflogen, es galt sich auf die vor ihnen liegende Aufgabe zu konzentrieren. John hoffte inständig, dass die Terroristen noch nicht geflüchtet waren. Der Captain nickte dem ihm gegenüber stehenden Lieutenant Sanchez zu und der Chefingenieur trat die Eingangstür zum Hochhaus auf, sicherte in den Flur hinein. Er war leer. Der junge Spanier hatte sich freiwillig dazu gemeldet an diesem Einsatz teilzunehmen und Lewinski hatten diesen Schritt begrüßt. Die Expertise eines Ingenieurs würde sicherlich beim Umgang mit der Waffe gebraucht werden.<br>„Frei!“ meldete Sanchez und seine Kameraden betraten den Hausflur. Sicherlich würde keiner der Terroristen den Fahrstuhl nehmen, also konnten sie diesen vernachlässigen und sich stattdessen voll und ganz um den Treppenaufgang kümmern. Vorsichtig, immer einen Schritt nach dem anderen machend und sich dabei gegenseitig sichernd, bewegte sich das Außenteam in den zweiten Stock. Glücklicherweise liefen keine Zivilisten auf dem Flur herum, die in die Schusslinie hätten geraten können. Endlich erreichten sie den zweiten Stock und Arena Tellom bedeutete ihnen nach einem weiteren prüfenden Blick auf den Tricorder, dass sie tatsächlich ihr Ziel erreicht hatten. Vier Lebenszeichen befanden sich in der Wohnung und schienen dort wild hin und her zu laufen. Scheinbar suchten sie die letzten Gegenstände zusammen, die sie bei ihrer Flucht mitnehmen mussten. Lieutenant Sanchez postierte sich auf einer Seite des Eingangs, Lieutenant Ardev auf der anderen, während Arena Tellom ihren Tricorder abermals zückte, um das Schloss zur Wohnung zu knacken. Ihr Mann schob sie jedoch zur Seite:<br>„Dies ist nur eine Holztür. Wir sollten sie aufbrechen!“<br>„Nutzen wir das Überraschungsmoment,“ ergänzte Captain Lewinski und bedeutete mit einem einfachen Fingerzeig seinen beiden Offizieren zu beginnen. Wie schon eben zuvor trat Miguel Sanchez gegen die altmodische Holztür und mit einem lauten Krachen öffnete sie sich. <br>Keine Sekunde später standen der Chefingenieur und der Andorianer in der kleinen Wohnung und hatten ihre Phaser auf eine Frau gerichtet:<br>„Nicht bewegen!“ rief Sanchez und sah sich im Raum um. Nur schwerlich konnten Lewinski und Tellom erkennen, was sich in der Wohnung abspielte, denn die beiden Lieutenants versperrten ihnen die Sicht. <br>„Wo ist der Rest?“ fragte Sanchez mehr zu Ardev denn zu der vor ihnen stehenden Frau und auch der Einsatzoffizier zeigte sich ratlos. Abgesehen von der Frau befand sich niemand anderes in dem Raum, außer einem kleinen, rot leuchtenden Gerät, welches auf einem Stuhl lag. Die Frau, die menschlich war und sich in ihren Zwanzigern befand, lächelte zufrieden und Sanchez wurde klar, dass hier etwas nicht stimmte. Das Gerät begann immer heller zu glühen und…<br>„Raus hier!“ schrie Lieutenant Sanchez und schob den Andorianer zur Seite.<br>Eine ohrenbetäubende Explosion erschütterte das Hochhaus und die Kinder auf dem Schulhof blickten entsetzt zu dem gewaltigen Gebäude, aus dessen Wohnung eine gewaltige Feuersäule sich den Weg ins Freie bahnte. Die Druckwelle der Bombe schleuderte sowohl Captain Lewinski als auch Lieutenant Tellom gegen die gegenüberliegende Wand. Alarmsirenen heulten los und die altmodischen Löscheinheiten versuchten Herr über das Feuer zu werden. Überall lag Schutt herum, Lewinski hustete wegen des gewaltigen Rauches und der verbrannten Luft. Eine unglaubliche Hitze lag in der Luft, die auf ein Feuer innerhalb der Wohnung hindeutete. Benebelt krabbelte der Captain auf dem Boden des Hausflures herum und tastete nach dem Puls de Terellianierin. Gott sei dank, sie lebte noch. Sie murmelte etwas, jedoch konnte John ihre Worte nicht verstehen. Es klingelte in seinen Ohren, eine Folge der nahen Detonation.<br><i>Oh Gott, was ist mit Ardev und Sanchez?</i><br>Verzweifelt versuchte Captain Lewinski etwas in der brennenden Wohnung zu erkennen, doch der Rauch war zu dicht. Waren seine beiden Offiziere immer noch da drinnen? <br>Plötzlich huschten mehrere Gestalten, die eine Nebenwohnung verlassen hatten, durch den Hausflur. John musste nicht lange überlegen, um zu begreifen, dass es sich bei diesen Personen um ihre gesuchten Kriminellen handelte. Man hatte sie auf einfachste Art und Weise ausgetrickst. In der Wohnung hatten sie einen Sender hinterlassen, der die Lebenszeichen der drei Personen imitiert hatte sowie eine Freiwillige, die bereit gewesen war für ihre Sache zu sterben. Ohne lange zu zögern ergriff John seinen Phaser, den er wieder gefunden hatte und schoss auf eine der flüchtenden Personen, welche betäubt zu Boden ging. Leider handelte es sich dabei nicht um die Person, welche den Virus mit sich trug. Unter Aufbietung all seiner Kräfte sprang John auf und rannte den beiden Personen nach, während Arena Tellom auf ihren Kommunikator schlug:<br>„Medizinischer Notfall!“ schrie sie panisch. „Wir brauchen sofort einen Arzt und die Feuerwehr!“<br>Zwar sah sie, wie ihr Kommandant den Terroristen hinterher jagte, dennoch lag ihre erste Priorität auf ihrem Mann. Fassungslos erspähte sie ihn am Rande der Wohnung und zog ihn aus dem brennenden Eingang. Zwar hatte er einen schwachen Puls, jedoch schwere Verbrennungen zugezogen. Von Lieutenant Sanchez fehlte noch immer jede Spur.<br>Natürlich machte sich auch Captain Lewinski Sorgen um seine Offiziere. Jedoch musste er eine Entscheidung treffen und die betraf die Verfolgung der Waffe. Sie standen so kurz vor der Lösung des Falls, eine Niederlage konnten sie sich jetzt nicht leisten!<br>Lewinski steckte seinen Kopf ins Treppenhaus und zog ihn sofort zurück, als ein Phaserstrahl an ihm vorbeifauchte. Als Antwort feuerte Lewinski einige ungezielte Schüsse in Richtung der Angreifer zurück und rannte dann hinterher. Am Schlagen der Außentür konnte er deutlich vernehmen, dass die beiden Terroristen das Hochhaus verlassen hatten. Atemlos rannte der Kommandant der Monitor den beiden Männern hinterher und musste Zeuge werden, wie ein weiterer Albtraum wahr wurde: <br>um seinem Partner die Möglichkeit der Flucht zu geben, beschloss einer der beiden Männer eines der Kinder, welches sich auf dem Schulhof befand, als Geisel zu nehmen. Dem verängstigten Schulkind drückte er eine Waffe an die Schläfe und rief John zu:<br>„Bleiben sie stehen! Stehen bleiben oder dem Kind passiert etwas!“<br>Johns Geist raste, als er mit hoch erhobenem Phaser auf den Geiselnehmer zutrat. Die Rechnung des Kidnappers ging auf, denn so verschaffte er seinem Partner Zeit. <br>„Lassen sie das Kind gehen!“ rief John dem Mann entgegen, währen die anderen Schulkinder schreiend wegrannten. Instinktiv fragte sich Lewinski, wo denn die Verstärkung blieb.<br>„Keinen Schritt weiter!“ entgegnete der Geiselnehmer und umklammerte das weinende Kind noch etwas fester.<br>Doch der Kanadier konnte sich nicht leisten noch mehr Zeit zu verlieren. Ohne weiter darüber nachzudenken schoss er auf den Geiselnehmer und traf diesen an der Schulter. Der Terrorist sank betäubt zusammen und gab so das Kind frei, welches schreiend in die Schule hineinrannte. Erst jetzt wurde Captain Lewinski klar, was er eben getan und riskiert hatte. <br>Schweißperlen rannten über sein Gesicht, Adrenalin raste durch seinen Körper, als er wieder die Verfolgung aufnahm. Und tatsächlich, in der Ferne erblickte er die rennende Gestalt, die einen zylindrischen Gegenstand in der Hand hielt. Zweifelsohne die Waffe!<br>„Lewinski an Janssen,“ rief der Kommandant per Kommunikator, „die Zielperson bewegt sich über die Hauptstraße Richtung Westen!“<br>„Wir fangen ihn ab, Captain!“<br>John konnte sich auf den Polizisten verlassen, dies wusste er, dennoch nahm er die Verfolgung zu Fuß auf. Er rannte so schnell er konnte, bis er ans Ende seiner Kräfte gelangt war und schließlich erreichte er den Flüchtigen. Dieser war in der Tat in eine Gruppe der Polizei gerannt, welche ihn mit Gewehren im Anschlag zum Stehen gebracht hatte. Atemlos stoppte John und seine Gedanken drehten sich nur um den Zylinder, den die Person in der Hand hielt. Auch er war ein junger Mann, kaum älter als 25, der wohl unter normalen Umständen ein Student oder ähnliches gewesen wäre. Doch irgendetwas hatte diesen Mann bewogen in die Föderale Befreiungsarmee einzutreten. Wieso, dies würden sie wohl niemals erfahren.<br>„Geben Sie auf. Es ist vorbei,“ forderte Captain Lewinski den Mann auf, der jedoch nur schief grinste.<br>„Nein, für sie ist es vorbei,“ entgegnete der junge Mann und hielt demonstrativ den Zylinder in die Höhe. „Sie werden uns niemals aufhalten können.“<br>„Ich weiß nicht, ob sie die Situation hier richtig begreifen. Sie sind komplett von uns umstellt, ihre Komplizen außer Gefecht gesetzt und ihr Plan die Biowaffe freizusetzen ist gescheitert. Übergeben sie sich den Behörden und eventuell können sie mit einer milderen Strafe rechnen.“<br>Demonstrativ streckte John dem Mann seine Hand entgegen und erst jetzt bemerkte er eine Platzwunde an seiner eigenen Stirn, die wohl von der Explosion herrührte. Hoffentlich ging es den anderen gut, dieser Gedanke raste ihm in diesem Moment durch den Kopf.<br>Scheinbar jedoch hielt der junge Mann nichts von seinen Worten. Bevor einer der Polizisten auch nur reagieren konnte, ließ der Terrorist den Zylinder fallen. Wie in Zeitlupe raste das gläserne Objekt dem Boden zu und John stockte der Atem. Für den Bruchteil einer Sekunde fragte er sich, ob er nicht zum Zylinder springen und diesen auffangen konnte, doch er war zu weit entfernt. Die anderen Polizisten waren zu verdutzt, um zu reagieren. Vermutlich ahnten sie noch nicht einmal, dass gerade die letzten Sekunden ihres normalen Lebens stattfanden. <br>„Monitor!“ schrie er in seinen Kommunikator hinein, „hochbeamen!“<br>Das letzte, was er sah, bevor er wieder im Transporterraum materialisierte, war das Bersten des Zylinders und Entweichen eines Gases.<br>„Errichten sie auf der Stelle ein Kraftfeld um mich!“ befahl Captain Lewinski dem Transporterchef Alex Bolder, der umgehend der Aufforderung nachkam. Instinktiv betete John, dass er sich nicht infiziert hatte.<br>Der junge Offizier hatte schon richtig geschaltet und den Captain einem intensiven medizinischen Scan unterzogen.<br>„Keine Angst, Sir, sie haben sich nicht infiziert!“<br>„Sind sie sich sicher?“ fragte er atemlos<br>„Absolut. Wir konnten keine Anzeichen des Virus entdecken.“<br>Zeitgleich mit diesen Worten senkte Bolder das Kraftfeld und entließ den Captain von der Transporterplattform.<br>„Ich fürchte,“ raunte er, „dass die Polizisten da unten weitaus weniger Glück gehabt haben.“<br>Dies war noch milde ausgedrückt. Captain Lewinski fühlte sich gescheitert. Das Virus war freigesetzt worden. Begann nun das Ende der Erde?<br><br><center><b><u>Fortsetzung folgt…<br><br>ESKALATION</u></b><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for TREKNews NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producers NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>TM &amp; Copyright © 2005 by TREKNews Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center><br><br>]]></description><guid isPermaLink="false">6384</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 7x04: Schuld</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-7x04-schuld-r6365/</link><description><![CDATA[<center><b>PDF-Download</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_59483.html"><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/7x04_cover.jpg" border="0"></a><br><b>Monitor 7x04 "Schuld"</b><br>Dateityp: zip<br>Größe: 0.30 MB</center><br><br><center><u>Das letzte Mal in 7x03 „Rettungsschuss“:</u></center><br><i>Der Anruf seitens James Talley hatte in Danny Bird eine innere Unruhe entfacht, die sich schon lange bei ihm aufgestaut hatte. Während der vergangenen zwei Stunden hatte er mit der Angst leben müssen, dass der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee ihn enttarnt hatte und bald beseitigen würde. Seit ihm zum ersten Mal dieser Verdacht gekommen war hatte Danny alles versucht, um diese Schuld von sich abzulenken. Vor wenigen Minuten hatte James nun ihm eine Nachricht zukommen lassen, dass er unbedingt in den Garten des prächtigen lunaren Anwesens kommen sollte. Danny hatte wieder einmal seinen teuren Anzug angelegt, den er meistens bei Treffen mit Talley trug und hatte sich auf den Weg gemacht. Flüchtig blickte der Lieutenant auf die Uhr. Es war kurz vor sechs, auch auf dem Mond würde bald der Morgen grauen. Kurz fragte sich der Agent, wie lange er schon nicht mehr geschlafen hatte. Mehr als eine kurze Pause war ihm nicht vergönnt gewesen.<br>Und auch wenn es der Sicherheitsoffizier der Monitor nicht zugeben wollte, er hatte Angst. Angst davor, dass er gerade seine letzten Schritte als lebende Person machen und schon in wenigen Minuten tot sein würde. Was hatte er nicht alles in diese Mission investiert! <br>Seit drei Monaten befand er sich unter diesen Leuten, versuchte ihren teuflischen Plänen auf die Schliche zu kommen und gleichzeitig nicht von ihnen vereinnahmen zu lassen. Seit dem Beginn dieser Mission hatte Bird nicht mehr seine Freunde an Bord der Monitor gesehen, die er so sehr vermisste. Es war ihm nie bewusst gewesen, wie viel ihm die anderen bedeuteten. Möglicherweise war es nun zu spät, um ihnen dies jemals mitzuteilen.<br>Dannys Laune steigerte sich nicht gerade, als er in den garten des Anwesens kam. In dem von einigen Laternen erleuchteten Areal befand sich ein großer Teil des Führungszirkels der Untergrundarmee, inklusive Janine. Diese blickte ihn kurz an, als er die Treppen herunterstieg, schlug jedoch im Anschluss sofort ihren Blick nieder. Mit zusammengepressten Lippen musterte ihr Vater Danny, schien seine Gedanken oder Intentionen abschätzen zu wollen. Das ganze hatte irgendwie eine gespenstische Atmosphäre, beklemmend und unheimlich.<br>„Endlich bist du auch da!“ begrüßte James ihn mit ernster Stimme, nachdem sich Danny Bird in den Kreis der Anwesenden gestellt hatte, und trat selbst in die Mitte. Der Anführer atmete tief ein und aus, bewunderte einmal mehr das Wunder des Terraforming. Dass Menschen hier mal Sauerstoff atmen konnten, hätte noch vor einigen Generationen niemand für möglich gehalten. „In wenigen Minuten wird die Sonne aufgehen und damit auch ein neuer Tag anbrechen. Ein Neuanfang für jeden Bürger, der sich auf ein Neues daran macht in seinem Leben nach Glück zu streben. Die Altlasten des vorherigen Tages werden abgeworfen und man konzentriert sich auf die Zukunft. Genau dasselbe habe ich auch vor, “ erklärte James Talley und grinste fast schon freundlich. Beiläufig zupfte er an seinem Sack, strich seine Krawatte glatt und blickte dann zu Danny. Dieser hatte alle Mühe, um nicht instinktiv zurückzuweichen.<br>„In den letzten Stunden ist einiges passiert, meine Herren. Die Jagd nach einem potentiellen Verräter hat uns allen den Atem stocken lassen und mir vor allem eine schlaflose Nacht bereitet… genauso wie ihnen. Allein die Vorstellung, dass sich jemand gegen die Ziele unserer Gruppe stellt, ist für mich einfach nur widerlich und unfassbar. Dennoch hat es dieses Subjekt gegeben.“<br>Jetzt sagt er es, dachte Danny und gab sich alle Mühe keine Regung in seinem Gesicht zu zeigen, jetzt enttarnt er mich!<br>„Und nach langer Suche, “ erklärte James und hob nun seine Stimme an, so dass man ihn quer durch den Garten hören konnte, „haben wir endlich den Verräter in unseren Reihen gefunden.“<br>Danny wartete nur auf den Finger von James Talley, der in fast altmodischer Manier auf ihn zeigen sollte, doch stattdessen wandte sich der Anführer einer anderen Person zu: Nelson.<br>Dieser wich erschrocken zurück und blickte sich zu seinen Kollegen um, die ihn ebenfalls überrascht musterten.<br>„Ich?“ fragte das Führungsmitglied der Föderalen Befreiungsarmee ungläubig. „James, du glaubst ich würde dich verraten?“<br>„Ich glaube es nicht… ich weiß es!“<br>Rein äußerlich zeigte Danny Bird absolut keine Regung, innerlich jedoch fiel ihm ein Stein vom Herzen. Hatte es also tatsächlich geklappt, hatte er in der Tat den Verdacht auf Nelson lenken können? Die ganze Idee war eiligst zusammengeschustert worden und hatte kaum Aussicht auf Erfolg gehabt, doch scheinbar hatte der Lieutenant ganze Arbeit geleistet. <br>Abwehrend hob Nelson seine Hände, bemühte sich nicht noch einen weiteren Schritt nach hinten zu machen und eine selbstsichere Stimme zu haben, was ihm jedoch nur leidlich gelang. Der Vorwurf traf ihn dermaßen aus heiterem Himmel, dass er nicht in der Lage vernünftig zu reagieren.<br>„Wie kannst du mir dies nur vorwerfen, James? Wir kennen uns seit Jahren und verfolgen die gemeinsamen Ziele! Verdammt, ich habe diese Organisation mit dir aufgebaut und nun soll ich sie verraten? Denk doch mal vernünftig darüber nach!“<br>Doch in James´ Stimme war eine Kälte und Selbstsicherheit, die jeden im Garten, selbst seine Tochter, erschaudern ließ.<br>„Ich habe die Beweise in meinem Büro. Es hat mir das Herz gebrochen zu erfahren, dass du es warst, der Timo verraten hat. Wie konntest du nur? Wieso hintergehst du mich so?“<br>Nelson öffnete seinen Mund, als wollte er etwas sagen, doch es fiel ihm nichts ein. Instinktiv versuchte er zu fliehen, wurde jedoch von seinem rechten und linken Nebenmann festgehalten.<br>„Ich dulde keinen Verrat“, raunte James und holte einen Phaser hervor. Es bestand absolut kein Zweifel daran, was er damit vorhatte. Doch überraschenderweise wandte er sich an Bird.<br>„Töte ihn!“ befahl der Anführer und streckte ihm die Waffe entgegen. <br>Verwirrt musterte der Lieutenant sein Gegenüber.<br>„Wie bitte?“<br>„Töte den Verräter“, forderte James und drückte ihm die Waffe in die Hand. „Beseitige ihn und nimm im Anschluss seinen Platz in unserem Zirkel ein.“<br>Egal was er vorgehabt hatte, diese Dinge hatte Danny ganz gewiss nicht im Sinn gehabt. Nelson zu erschießen war ganz sicher nicht das, was er wollte. Doch scheinbar gab es keinen Ausweg. Irritiert betrachtete Danny die Waffe und stellte überflüssigerweise fest, dass sie auf Töten eingestellt war.<br>„Muss das sein?“ fragte Danny und versuchte die ganze Angelegenheit in eine andere Richtung zu lenken. „Lass uns ihn einsperren und verhören. Vielleicht können wir so mehr über seine Auftraggeber erfahren!“<br>„Nein. Auf Verrat steht bei uns der Tod. Töte ihn nun oder stell dich neben ihn!“<br>James´ Aussage war ernst gemeint. Verloren blickte Danny zu Janine, die jedoch seinen Blick nicht erwiderte. Von ihr oder den anderen im Garten konnte er keine Hilfe erwarten. Musste es also darauf hinauslaufen? Musste er einen Unschuldigen, auf den er die Beweise gelenkt hatte, töten? Drei Monate lang hatte Danny sich bemüht nichts Verbotenes oder gar Unmoralisches zu tun und nun das?<br>Langsam trat der Lieutenant vor und richtete den Phaser auf Nelson, der zu Boden gedrückt wurde. Der vermeintliche Verräter kniete vor seinem Henker und blickte ihm starr in die Augen. Am liebsten hätte Danny weggeschaut, als er abdrückte, doch er konnte nicht. <br>Er musste gegenüber den anderen eine Härte demonstrieren, die er nicht besaß. Aus dem Phaser löste sich der Energieimpuls und traf Nelson im Herzen. Das Geräusch seines auf dem Boden aufschlagenden Körpers hallte scheinbar noch minutenlang durch den großen Garten.</i><br><br><center><u>Und nun die Fortsetzung…</u></center><br>Noch einige Zeit lang schwiegen die Anwesenden im Garten der Residenz, blickten stumm auf den am Boden liegenden Leichnam. Auch noch Minuten später zielte Danny Bird Nutzloserweise mit dem Phaser auf den toten Nelson, so als ob er noch einen weiteren Schuss auf den vermeintlichen Verräter abgeben musste. Doch dem war nicht so. Zu groß war der Schock des Lieutenants darüber, was er eben getan hatte. Während der gesamten Zeit seiner Undercover-Arbeit hatte er versucht „sauber“ zu bleiben, sich also nicht in kriminelle und illegale Aktivitäten zu verstricken. Meistens hatte dies auch ganz gut geklappt. Bis zum heutigen Tage. <br>Nicht nur hatte Danny einen Unschuldigen töten müssen, auch war er der Grund hierfür gewesen. Bird selbst war es gewesen, der die vermeintlich diskreditierenden und dennoch gefälschten Beweise auf Nelson gelenkt hatte. Nelson war ein geeignetes Opfer gewesen, hatte er sich doch durch eine ständige Feindseligkeit gegenüber ihm hervorgetan sowie eine fast schon penetrante Nörgelei. Doch erst jetzt wurde dem taktischen Offizier der Monitor bewusst, was er getan hatte. Langsam schaffte er es den Phaser wieder zu senken und mit aller Mühe gelang es ihm James Talley anzusehen. Den Mann, der ihm den Befehl zum Todesschuss gegeben hatte.<br>„Wir werden Nelson beerdigen“, erklärte der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee in Richtung aller Anwesenden, blickte dabei jedoch Danny weiterhin an. „Er mag zwar ein Verräter gewesen sein, nichtsdestotrotz war er ein Teil der Familie und ein guter Freund. Es ist mein Wunsch, dass er mit dem Respekt behandelt wird, den er auch verdient.“<br>Die anderen Führungsmitglieder, inklusive Talleys Tochter Janine, nickten.<br>„Ich werde mich um seine Beisetzung kümmern“, erklärte Beatrice Thomas, eine weitere Angehörige des Führungszirkels. „Gibt es einen bestimmten Termin, den du im Auge hast?“<br>„So schnell wie möglich“, entgegnete James Talley und seufzte fast unmerklich. „Nelson soll auf dem üblichen Friedhof beerdigt werden.“<br>Diese Aussage verursachte einige Unruhe bei den Anwesenden, war der angesprochene Friedhof eigentlich den verdienten Mitgliedern der Organisation vorbehalten. Nur wenige wollten, dass ein Verräter dort seinen Platz der ewigen Ruhe fand. Doch ein schneller und vor allem unmissverständlicher Blick seitens James Talleys ließ alle Nörgler verstummen.<br>„In den letzten Tagen und Wochen mag Nelson ein fehlgeleiteter Mann gewesen sein, aber man soll nicht seinen Einsatz für unsere Gruppe vergessen. Jahrelang hat er alles für die Armee getan und dies soll gewürdigt werden. Die Beerdigung wird an dem von mir angesprochenen Platze stattfinden. Danny, du wirst mit mir Nelsons Witwe aufsuchen. Es ist an uns die traurige Nachricht zu überbringen.“<br>Der angesprochene Mensch konnte nicht so recht glauben, was er da eben gehört hatte. Nicht nur hatte er der Henker Nelsons sein sollen, nun sollte er auch die Todesnachricht zu dessen Frau bringen? Scheinbar spielte James ein perverses Spiel mit ihm, denn eine andere Erklärung kam ihm beim besten Willen nicht in den Sinn.<br>Doch Danny wusste ganz genau, was gut für ihn und die Mission war und so antwortete er:<br>„Ist gut. Ich bin bereit, wenn du es bist.“<br>„Dann lass uns sogleich losfahren. Wir treffen uns in 15 Minuten an der Garage.“<br>Mit diesen abschließenden Worten löste sich die Versammlung auf und die Personen begannen die angesprochenen Tätigkeiten auszuführen. Nur Bird brauchte noch einen Moment länger und warf einen letzten Blick auf die Leiche. Sie lag auf dem Bauch, das Gesicht in das grüne Gras des Rasens vergraben. Instinktiv dankte er einer höheren Macht dafür, dass er nicht das Gesicht des Toten sehen musste, auch wenn es irgendwie pietätlos war. Die aufgehende Sonne warf einige bizarre Sonnenstrahlen auf den reglosen Leichnam. Die ganze Sache war ein Sinnbild für die Hinundhergerissenheit, die den Agenten beschäftigte. Wie sollte er nur Herr der Lage werden und mehr über die Waffe erfahren, die noch heute auf der Erde eingesetzt werden sollte? <br>Beim Vorbeigehen drückte Janine kurz seine Hand, versuchte ihm so etwas Trost zu spenden. Für Außenstehende schien sie eine willige Dienerin ihres Vaters zu sein, eine treue Gefolgsfrau. Was sie jedoch wirklich von dessen Taten dachte blieb selbst dem Lieutenant verborgen. <br><br>Schon seit wenigen Minuten befand sich das Außenteam wieder an Bord der Monitor, aber dennoch hatte es Captain Lewinski vorgezogen noch einige Minuten im Transporterraum seines Schiffes zu verbringen. Fähnrich Kensington und Chief Broome hatten auf Befehl des Kommandanten den Neuankömmling ins Casino gebracht, wo die nächsten Schritte vonstatten gehen sollten. John selbst wollte noch einen kurzen Moment über das eben geschehene nachdenken. Daher hatte er sogar den Transporterchef Alex Bolder gebeten seinen Arbeitsbereich zu verlassen. Schwer atmend legte Captain Lewinski einen Teil der Schutzpanzerung ab und bemerkte erst jetzt, wie sehr er schwitzte. Natürlich war das Material der Kleidung so ausgelegt, dass sie kühlend wirken sollte, dennoch hatte John das Gefühl in seinen Stiefeln würde sich das Wasser sammeln. Ob der Schweiß von der Anstrengung des Einsatzes oder der Nervosität herrührte konnte er nicht mit Bestimmtheit sagen. Auch legte er das Phasergewehr ab. Obwohl es kaum Gewicht hatte wog es schwer in den Händen des Kommandanten. Für einige Minuten blickte der Kanadier die Wand an, bis er von dem Zischen des sich öffnenden Schotts unterbrochen wurde.<br>Commander Price, sein erster Offizier, betrat den Transporterraum und betrachtete seinen Vorgesetzten. Auf ihn wirkte der Captain wie eine lebendige Leiche. Sein Gesicht war aschfahl, deutlich war ihm die Anstrengung anzusehen und mittels seiner empathischen Fähigkeiten konnte er ganz genau nachempfinden, was in dem Mann vorging.<br>„Was habe ich nur getan?“ fragte Lewinski mehr sich selbst denn sein Gegenüber und drückte damit genau das aus, was ihm durch den Kopf ging.<br>Betreten blickte der Halbbetazoid zu Boden und überlegte, welche Worte nun angemessen wären.<br>„Das, was nötig gewesen ist“, erklärte Price und klopfte dem Captain auf die schweißnassen Schultern. Dieser schnaufte nur verächtlich und meinte:<br>„Was nötig gewesen ist? Ich habe mich gegen die direkten Befehle des Präsidenten gestellt und einen Angriff auf eine Installation der Sternenflotte durchgeführt. Dies kommt einer Meuterei gleich.“<br>„Niemand wird davon erfahren, Skipper. Du hast alles Mögliche getan, um euer Eindringen zu verschleiern. Das Transportersignal ist unauffindbar, der Virus wütet da immer noch und ihr trugt keine Insignien, die euch als Sternenflottler hätten ausweisen können. Man wird es nicht erfahren.“<br>„Aber wir wissen es“, murmelte Captain Lewinski und blickte betreten zu Boden. „Aber wir wissen es…“<br>Nach diesen abschließenden Worten entschied John Lewinski, dass es keine Zeit mehr zu verlieren galt. Sie hatte einiges riskiert, um seinen Bruder Martin aus dem Gefängnis zu holen. Nun galt es zu schauen, ob dieser Mann die Mühen wert gewesen war… <br>Der Weg zum abgesperrten Casino, wohin man den Neuankömmling gebracht hatte, dauerte nicht lange. Innerhalb nur weniger Minuten waren Captain Lewinski und sein Stellvertreter dort angekommen. Auf dem Weg hatte sich John zahlreiche Gedanken darüber gemacht, wie sie nun vorgehen sollten. Vor allem stellte er sich die Frage, wie er nach fast einem dreiviertel Jahr der Gefangenschaft mit seinem Bruder umgehen sollte. Die ganze Sache war vertrackt, so viel stand fest!<br>Zischend öffneten sich die Schotts zum Casino, wo Martin Lewinski scheinbar brav an einem der Tische saß, bewacht von einem Sicherheitsmann. Die Hände hatte er gefaltet und auf den Tisch abgelegt, während seine Miene einen Ausdruck ehrlicher Geschäftstüchtigkeit demonstrierte. Nur noch die Kleidung enttarnte ihn als ehemaligen Gefangenen. Kein Wunder, dass er sich so lange mit seinen kriminellen Aktivitäten durchs Leben hatte schlagen können. Wer vermutete schon hinter diesem Gesicht einen kriminellen Waffenhändler? <br>Als John eintrat zeigte sich auf den Lippen seines Bruders ein leichtes Lächeln.<br>„Ich habe mich schon gefragt, “ begann Martin scheinbar vertrauensselig, „wann ich dir endlich für meine Rettung danken darf.“<br>„Um eines klar zu stellen: ich habe dich nicht gerettet, sondern dir bei einem Ausbruch geholfen und nur unter der Bedingung, dass du mir hilfst die Biowaffe zu finden, “ entgegnete der Captain und setzte sich auf den Platz gegenüber.<br>Doch Martin schien gar nicht auf seine Worte eingehen zu wollen. Stattdessen musterte er eindringlich die Decke, murmelte:<br>„Du weißt gar nicht, wie schön der beenget Platz eines Raumschiffes sein kann.“<br>„Ich kann es mir vorstellen.“<br>Die Erwiderung kam gelangweilt und ungeduldig über die Lippen Johns. Er hatte keine Zeit für die Spielchen, die sein Bruder scheinbar mit ihm spielen wollte. Nun zählte nur noch die Waffe schnellstmöglich zu finden und so der Bedrohung Einhalt zu gebieten.<br>Als Reaktion auf die Aussage seines Bruders veränderten sich die Gesichtszüge Martins. Augenscheinlich wurde er wütend und spannte seinen rechten Arm an.<br>„Ich glaube kaum, dass du dir dies vorstellen kannst. Vielleicht ist es mir ja entgangen, aber du hast nicht die letzten Monate in einem Gefängnis verbracht und auf winzigstem Raum gelebt! Also tu nicht so, als wüsstest du über was ich hier rede.“<br>Doch John war nicht in der Stimmung für Schuldzuweisungen oder ähnliches. Nur weil er seinen Bruder soeben illegal aus dem Gefängnis geholt hatte, hielt er seine Strafe nicht weniger gerechtfertigt als damals. Wenn es die Umstände zugelassen hätten, so würde Martin immer noch in der Zelle sitzen und seine Strafe verbüßen.<br>„Und genau dorthin wirst du zurückkehren“, drohte der Kommandant der Monitor, die deutlich machte, dass er es ernst meinte, „wenn du mir nicht endlich das gibst, was ich brauche: wie finde ich die Biowaffe?“<br>Eindringlich musterte Martin seinen Bruder, versuchte in seinen Gesichtszügen die Anzeichen eines Bluffs oder von Schwäche zu erkennen. Jedoch endete seine Suche erfolglos. Mit aller Seelenruhe lehnte sich Martin zurück, ließ seine Hände in den Schoß sinken und erklärte:<br>„Ich möchte erst einmal duschen.“<br>Fassungslos starrte John seinen Bruder an. Meinte er dieses Spielchen hier ernst oder was lief gerade? Unter größten Anstrengungen und dabei seine Karriere aufs Spiel setzend hatte er Martin aus einem Gefängnis der Föderation herausgeholt und nun wollte er ihm nicht bei der Suche helfen? Scheinbar verstand Martin Lewinski nicht die Dringlichkeit er ganzen Angelegenheit. John zögerte nur kurz, als er seinen nächsten Schritt plante. In einer fließenden Handbewegung holte er seinen Phaser hervor, den er immer noch an seinem Gürtel trug, und richtete die Waffe auf seinen Bruder.<br>„Auf deine Spielchen habe ich keine Lust“, erklärte der Captain und schaffte es tatsächlich so etwas wie Überraschung bei seinem Bruder zu verursachen. „Ich habe einiges riskiert, um dich aus dem Gefängnis zu holen und wir haben keine Zeit zu verlieren. Entweder du sagst mir jetzt, was ich wissen will oder wir beamen dich umgehend zurück in deine Zelle. <br>Die Wärter wären sicher begeistert dich wieder zu sehen!“<br>Mehrere Sekunden lang musterte Martin seinen Bruder, überlegte, ob dieser nur bluffte. Doch er schien John ernst zu nehmen.<br>„Die Biowaffen haben eine spezielle Signatur“, gestand Martin mit ruhiger Stimme. „Eine Art genetischer Fingerabdruck, mit dem man sie orten kann, wenn man die Sensoren richtig einstellt.“<br>„Wenn es so einfach wäre, wieso haben meine Spezialisten diese Möglichkeit nicht entdeckt?“<br>„Weil sie nicht explizit danach gesucht haben. Es handelt sich um einige sehr spezielle Justierungen, die man vornehmen muss.“<br>„Woher weißt du davon?“<br>„So etwas sollte man als Verkäufer wissen, findest du nicht?“<br>Diese Aussage kam wie ein Schock für John daher. Scheinbar bot ihm das Leben eine unangenehme Überraschung nach der anderen, wenn es um seinen Bruder ging. Nicht nur, dass Martin ein Waffenhändler war und dadurch Profit aus dem Tod anderer Leute zog, er vertrieb also sogar Massenvernichtungswaffen. Mit jedem neuen Detail, das John über ihn erfuhr, verachtete er seinen Bruder mehr und für diese Empfindungen schämte er sich. <br>„Kannst du diese Justierungen vornehmen?“ fragte Captain Lewinski mit Grabesstimme. <br>Sie war schon fast ein Flehen. Immerhin bot sich hier nun die Möglichkeit einen Fortschritt zu erzielen. Vielleicht die letzte vor der möglichen Katastrophe.<br>„Ja, dies kann ich. Dazu brauche ich nur Zugang zu deinen Scannern.“<br>Ohne ein weitres Wort zu sagen erhob sich John und packte seinen Bruder, schleifte ihn zur Brücke.<br><br>An einem gänzlich anderen Ort hatte eine Person derzeit alle Hände voll zu tun, um an das Ziel zu gelangen. Während das Eingreifteam der Monitor wieder im sicheren Hafen war, musste Jozarnay Woil um sein Leben rennen. Sein Ausbruchsversuch vor wenigen Minuten war geglückt und nun befand er sich auf der Flucht. Immer noch konnte der Antosianer es nicht glauben, dass der wohl älteste Trick der Welt funktioniert und die beiden Wachen hereingelegt hatte. Fast schon beschlich den ehemaligen Chief der Sternenflotte der Eindruck, dass die ganze Sache zu einfach war. Dann jedoch musste er sich selbst an seine derzeit problematische Lage erinnern. Nüchtern betrachtet sah seine derzeitige Lage alles andere als rosig aus: er befand sich auf der Flucht vor den Wachen von Edward Jellico, der ihn an einem ihm unbekannten Ort gefangen hielt. Weder hatte er irgendeine Ahnung, wo er sich eigentlich befand noch wo er hin musste oder mit wie vielen Wachen er es hier zu tun hatte. Rein nüchtern betrachtet waren seine Chancen hier lebend raus zu kommen fast Null. Doch Woil hatte noch nie etwas auf Zahlen gegeben. Früher, in den alten Tagen seines Lebens, hatte ihm die Religion Kraft gegeben. Sie war ihm eine Stütze gewesen, etwas, was ihm Trost gespendet hatte. Jedoch waren diese Zeiten vergangen. Schon vor langer Zeit hatte Woil seinen Glauben verloren. Woran er nun festhielt, war weitaus materieller und irdischer. Sein Körper zitterte, als er sich bewusst wurde, dass er dringend Ketracel-White brauchte. Während seiner Gefangenschaft hatten ihm die Wachen gerade genug gegeben, um das Minimum seiner Sucht zu stillen. Dementsprechend groß war seine Gier nach neuem Stoff.<br>Jozarnay Woil war alles andere als dumm. Die Zeiten, in denen er sich eingeredet hatte, nicht von der Droge abhängig zu sein waren schon lange vorbei. Dem ehemaligen Chefingenieur war sehr wohl bewusst, dass er ohne das White nicht sehr weit kommen würde. Aus diesem Grund musste er, bevor er überhaupt an eine Flucht denken konnte, sich erst einmal einen neuen Vorrat des Stoffs holen. Irgendwo in diesem Gebäude (?) musste es einen Raum geben, wo man das Ketracel-White, welches man ihm gegeben hatte, aufbewahrte. Diesen Ort galt es zu finden, bevor er sich Gedanken um das weitere Vorgehen machen konnte. <br>Sicherlich erhöhte sich das Risiko einer vorzeitigen Entdeckung in einem außergewöhnlichen Maße. Doch Woil musste nur seinen zittrigen Köper betrachten, um zu wissen, dass er ohne weiteres White nicht weit bei seiner Flucht kommen würde.<br>So leise wie möglich schlich der Antosianer durch die düsteren Gänge des scheinbar alten Gemäuers. Den Phaser, den er einer der niedergeschlagenen Wachen abgenommen hatte, hielt er verkrampft in seinen Händen, immer dazu bereit den tödlichen Schuss auf eine überraschend auftauchende Wache abzugeben. <br>Und tatsächlich tauchte ein Schatten am Ende des Gangs auf. Jozarnay hatte ihn gar nicht kommen sehen. Da war eine Person an dem Schott, welche sich in seine Richtung drehte…<br>Der Antosianer erstarrte, als er die Person erkannte. Dann lächelte er. Es war Stella Tanner, die Person, die ihn zu dieser Flucht überredet hatte. Sie stand dort, in einem atemberaubenden roten Kleid und lächelte ihm zu. Woil konnte nicht anders, als ihre Schönheit zu bewundern. Sie hob einen Finger und deutete auf das Schott, neben dem sie stand. Sofort begriff der ehemalige Chief, dass sie ihm den Weg wies. Es war wundervoll! Sie ließ ihn nicht im Stich, sondern half ihm in dieser schwierigen Phase. Anders als seine angeblichen Freunde und ehemaligen Kollegen von der Monitor war sie vor Ort und wollte ihm beistehen. Captain Lewinski hatte bei seinem „Besuch“ in der Zelle ja schon deutlich gemacht, dass man mit ihm nicht rechnen konnte.<br>Für Jozarnay spielte es keine Rolle mehr, dass Stella Tanner in Wirklichkeit schon tot war und er sich ihre Präsenz nur einbildete. Für ihn war diese Person, die er von Herzen liebte, einfach real und so folgte er ihrem Wink, der ihn hoffentlich in Richtung Freiheit bringen würde. <br><br>Wie so oft erwartete James Talley pünktlich auf die Minute auf den jungen Lieutenant. <br>Das exakte Einhalten von Zeiten und Auflagen war dem Anführer der Föderalen Befreiungsarmee ein besonderes Bedürfnis, welches er schon mehr als einmal bei seinen Besprechungen deutlich gemacht hatte.<br>„Wie soll man einen groß angelegten Plan verfolgen“, pflegte der schwarze Mann oftmals zu sagen, „wenn man schon am simpelsten Zeitmanagement scheitert?“<br>Ob Talley dabei an den Plan zur Zerstörung der Erde mit dem Biovirus gedacht hatte, wenn er diese Floskel aufsagte, war nicht bekannt. Jedoch ging Danny jede Wette darauf ein, dass seine Annahme zutraf. Hektisch blickte er auf seine Uhr. 06:19 Uhr FST. Angesichts der Tatsache, dass er sich schon seit gut 24 Stunden auf den Beinen befand fühlte sich der Undercover-Agent mehr als erschöpft. Zeitweise hatte er befürchtet einzuschlafen und nur mit einiger Mühe, sowie der massiven Einnahme von Koffein, hatte er dies verhindern können. Zwar hatte Danny gehofft auf der Fahrt zu Martha Nelson, der Witwe, schlafen zu können, doch auch diese kleine Hoffnung musste bitter enttäuscht werden.<br>„Du fährst“, bestimmte James Talley und bedeutete seinem jungen Zögling auf der Fahrerseite des Hoverautos Platz zu nehmen. Als Traditionalist hatte der ältere Herr ein Faible dafür entwickelt selber das Gefährt zu fahren bzw. fahren zu lassen, anstatt die Kontrolle gänzlich dem Autopiloten zu überlassen. Aus irgendeinem Grund schien er die menschliche Komponente den kalten Berechnungen des Computers vorzuziehen, auch wenn diese weitaus weniger fehlerbehaftet und unfallreich waren. Per Daumenabdruck startete Danny die Antriebe des kleinen Gefährtes, welches sich summend vom Boden erhob und aus der Ausfahrt des prächtigen Anwesens glitt. Zu dieser Tageszeit war noch wenig los auf den lunaren Straßen, erst in einer knappen Stunde würde der mäßige Berufsverkehr einsetzen. <br>„Es ist schon seltsam“, wunderte sich Bird und konzentrierte sich auf die Straße.<br>„Was meinst du?“ kam die prompte Antwort seines Beifahrers<br>„Die Affinität der Mondbewohner zu den Hoverautos. Auf der Erde würden sich die meisten Menschen einfach direkt von ihrem Haus zur Arbeitsstelle beamen lassen. Hier jedoch nehmen die Menschen eine mehrminütige Anfahrt in Kauf, die sie ihrer kostbaren Tageszeit beraubt. Ich wundere mich schon darüber, seit ich hier angekommen bin.“<br>Angesichts dieser nicht ganz ernst gemeinten Feststellung musste James schallend lachen, was überaus seltsam anmutete, wenn man an den Grund dachte, weswegen sie auf dem Weg zu Ms Nelson waren.<br>„Ich sehe, du hast in den letzten drei Monaten nur wenig von der lunaren Mentalität verstanden!“<br>„Findest du?“<br>„Ja, dies denke ich. Deiner Meinung nach sind die meisten Bewohner des Mondes etwas primitiv und rückständig, weil sie diese Art der Fortbewegung nutzen. Doch du irrst mit deiner Annahme. Viel mehr sind die Menschen hier bereit es etwas ruhiger angehen und sich nicht vom Diktat der Zeit beeinflussen zu lassen. Schau doch einmal aus dem Fenster und bewundere den wunderbaren Sonnenaufgang, der alles in ein wunderbares rot-orange taucht.“<br>Und um seine Aussagen zu untermalen deutete der Terrorist auf die vor ihnen liegende Umgebung, die in der Tat wunderschön war. Danny reckte etwas den Kopf und konnte am Himmel die Erde erkennen, den wunderschönen Ursprung der Menschheit. Den Ort, den James Talley vernichten wollte. Wie konnte man nur so etwas Zerbrechliches und schönes vernichten wollen? Wie gerne würde er James für das hassen, was er tun wollte und was er vor wenigen Minuten von ihm abverlangt hatte. Doch er konnte es nicht. Stattdessen bestimmte Unverständnis sein Denken über den dunkelhäutigen Mann.<br>Wieso hatte er ihm dies aufgebürdet? Hatte er mit der Ermordung Nelsons seine Loyalität testen und so sicher gehen wollen, dass er es nicht mit einem Spion zu tun hatte? Wenn ja, dann musste Lieutenant Bird hoffen seinen Gastgeber überzeugt zu haben. Denn viele andere Mittel und Wege, um seine Identität weiterhin geheim zu halten fielen ihm beim besten Willen nicht ein.<br>So fuhren die beiden über die Straßen des Mondes, ihrem Ziel entgegen. Dabei hatte Danny die ganze Zeit über das Gesicht des Mannes vor dem geistigen Auge, dessen Leben er zu seinem eigenen Schutz genommen hatte.<br><br>Für einen kurzen Moment hatte sich der Präsident den Zugriffen der Krise entzogen und sich in den privaten Bereich seines Arbeitsplatzes zurückgezogen. Der Grund dafür war ein nachvollziehbarer, er wollte mit seiner Frau sprechen.<br>In den vielen Jahrzehnten ihrer Ehe war seine Liebe für sie nicht verloschen, ganz im Gegenteil. In Zeiten wie diesen merkte er erst, wie sehr er sie brauchte und sie sein Leben komplettierte. Als er das gemeinsame Schlafzimmer betrat war seine Frau schon auf den Beinen und wie so oft fragte sie nicht nach dem Grund seines frühen Aufbrechens. Natürlich erzählte er ihr früher oder später von den Dingen, mit denen er sich beschäftigte, doch sie wartete immer höflich, bis der Präsident auf sie zutrat.<br>„Liebes“, begann er mit ruhiger Stimme, die Zuversicht ausstrahlen sollte, „du musst die Kinder nehmen und die Erde verlassen.“<br>Angesichts dieser doch recht plötzlichen Aufforderung blinzelte seine Ehefrau überrascht, legte ein Handtuch zur Seite, welches sie eben noch zusammengefaltet hatte und blickte ihren Mann mit jenem fragenden Blick an, den er so sehr an ihr liebte.<br>„Wieso denn das?“<br>Traurig seufzte der Präsident.<br>„Dieses Mal kann ich dir leider nicht davon erzählen, aber du musst mir glauben, dass es sehr, sehr dringend ist. Ich möchte, dass du auf der Stelle fliegst. Derzeit wird das Schiff fertig gemacht, um dich auf den Mars zu bringen.“<br>Seine Frau nickte und verstand.<br>„Du wirst wohl nicht mitkommen?“<br>„Nein, ich kann nicht. Meine Anwesenheit hier ist von größter Bedeutung.“<br>Als stumme Antwort umarmte seine Frau ihn, spendete ihm so neue Kraft und Zuversicht. Genau das richtige, was er nun brauchte. <br>Die Flucht in den privaten Raum dauerte jedoch nicht allzu lange. Sogleich, nachdem er den privaten Wohnbereich verlassen hatte, wartete schon Commander Elena Kranick auf ihn. <br>Ihr sorgenvoller Blick bereitete den Staatschef innerlich schon auf das vor, was nun kommen mochte. Die Krise währte erst einige Stunden, doch der Präsident fühlte sich, als wäre er um Jahre gealtert. So oft hatte er sich schon in schweren Zeiten betätigen müssen, z.B. während des Krieges zwischen den Romulanern und Talarianern oder den Ermittlungen gegen Sektion 31, doch niemals war die Erde so direkt bedroht worden. Bis heute.<br>„Was gibt es, Ms Kranick?“ fragte er und ließ sich von dem Sternenflottenoffizier in sein Büro begleiten.<br>In den beiden Händen hielt sie ein Padd, welches sie, typisch für eine Frau, vor der Brust hielt. <br>„Mr. President, ich habe eine schlechte Nachricht…“<br>„Es wäre nicht das erste Mal“, unterbrach er sie zynisch und bereute sogleich seine Worte. Nicht nur, weil es derzeit keinen Raum für Späße gab, sondern auch weil sie viel zu pessimistisch klangen. Noch war nichts verloren, noch bestand Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang der ganzen Sache. Innerhalb kürzester Zeit hatten sie wieder das Büro des obersten Führers der Föderation erreicht und er an seinem Arbeitsplatz wieder Platz genommen. Commander Kranick stellte sich vor seinen Schreibtisch und erklärte mit ruhiger Stimme:<br>„Wir haben eben einen Anruf von Captain Devol erhalten.“<br>„Captain Devol?“ fragte der Präsident. „Der Leiter des Hochsicherheitsgefängnisses, in dem Martin Lewinski festgehalten wird?“<br>„Ja, Sir. Das Gefängnis, in dem Lewinski festgehalten wurde.“<br>Überrascht wölbt der Präsident die Augenbrauen angesichts dieser von ihr veränderten Wortwahl und ihm schwante böses.<br>„Wurde? Wie meinen sie dies, Ms Kranick?“<br>„Es hat vor wenigen Minuten einen Angriff auf das Gefängnis gegeben. Drei vermummte Personen haben sich mit Gewalt Zutritt verschafft und Martin Lewinski befreit.“<br>Entsetzt erhob sich der Präsident von seinem Platz und stützte seine Hände auf dem hölzernen Schreibtisch ab.<br>„Wer waren diese Personen?“<br>„Dies wissen wir leider nicht. Die betreffenden Angreifer haben alles Mögliche getan, um ihre Aktion zu maskieren. Weder konnte man DNA-Spuren nachweisen noch waren die Kameras beim Zeitpunkt des Angriffs aktiv. Wir hatten es mit Profis zu tun.“<br>Einige Minuten lang ließ der Präsident diese Worte auf sich wirken. <br>„Profis…Männer mit guter Ausbildung…, “ murmelte der Präsident und begann für sich Schlüsse zu ziehen. „Noch vor einer Stunde hatte Captain Lewinski beantragt seinen Bruder freizulassen. Eine Bitte, die ich ablehnte.“<br>„Ja, Mr. President“, bestätigte Commander Kranick überflüssigerweise. Anscheinend war sie zu demselben Ergebnis ihrer Überlegungen gekommen wie der Staatschef.<br>„Besitzt die Crew der Monitor die entsprechen Ausbildung und Ausrüstung, um eine solche Aktion durchzuführen?“<br>„Ja… wie zahllose andere Einheiten der Sternenflotte auch,“ bestätigte Kranick. Auch wenn sie fast derselben Ansicht wie ihr Gegenüber war, so gefiel es ihr ganz und gar nicht einen anderen Offizier einer illegalen Aktion, die den Anweisungen des Präsidenten zuwider war, zu bezichtigen. Doch die Indizien waren nicht von der Hand zu weisen. <br>„Keine dieser anderen Einheiten hat mich jedoch um die Freilassung seines Bruders gebeten“, erklärte der Präsident mit Zornesstimme. Hatte er sich etwa so in einem anderen Menschen täuschen können? Bisher hatten ihm alle versichert es wäre eine gute Idee Captain Lewinski auf diese lebenswichtige Mission anzusetzen. Wurde sein Vertrauen nun so enttäuscht?<br>„Ich will auf der Stelle Kontakt mit der Monitor aufnehmen“, befahl der Präsident.<br>„Dies wird sofort erledigt…. Sir, sie sollten noch etwas wissen.“<br>Abermals konnte der Staatschef erkennen, wie sie herumdruckste und ahnte schon, dass sie ihn mit einer weiteren schlechten Nachricht schocken würde.<br>„Was ist es, Commander Kranick?“<br>„Bei der Befreiungsaktion von Martin Lewinski ist es zu einer Schießerei gekommen… und eine Wache des Gefängnisses ist dabei zu Tode gekommen.“<br>Eine schlimmere Nachricht hätte es für den Präsidenten derzeit nicht geben können. Nicht nur, weil er annehmen musste, dass ein Offizier der Sternenflotte gegen seine direkten Befehle verstoßen hatte, sondern dabei war auch ein eigener Mann ums Leben gekommen. Ein grauenvoller Tag!<br>„Stellen sie mich sofort zur Monitor durch“, befahl der Präsident und Commander Kranick schickte sich an seine Anweisungen zu befolgen. <br><br>Neue Geschäftigkeit herrschte auf der Brücke der Monitor. Grund dafür war Martin Lewinski und die neuen Informationen, die er mit sich gebracht hatte. Gleich nach ihrem Gespräch war er seinem Bruder in die Kommandozentrale gefolgt und hatte die Sensoren mit den Spezifikationen eingestellt, die sie für die Suche benötigten. Nun scannte Ardev an seiner Arbeitsstation die gesamte Erde.<br>„Eine recht mühevolle Variante, wie ich finde“, meinte der Andorianer und verschränkte die Arme vor der Brust, während er auf den Bildschirm blickte.<br>„Es gibt jedoch keine schnellere“, entgegnete Martin Lewinski und blickte triumphierend zu seinem Bruder, der ihn jedoch ignorierte.<br>„Was genau haben sie denn für Parameter eingegeben?“<br>„Ihre Scanner suchen jetzt gezielt nach einem speziellen Material, welches man nur in der Biowaffe finden kann. Die genaue Zusammensetzung dieses Virus ist immer noch ein Rätsel und so gut wie unerforscht. Ganz besonders für die Föderation, denn die hat sich aus Angst bisher jeder weiteren Forschung an dieser Waffe verschlossen.“<br>„Aus gutem Grund“, meinte Captain Lewinski, der sich nun in diese Diskussion einmischte. Dabei schien die gesamte Brückencrew seinen Worten zu lauschen. Das Familiendrama der Lewinskis war schon längst keine rein private Angelegenheit mehr. „Wieso sollten wir an einer Massenvernichtungswaffe herumforschen? Für so etwas Grauenvolles haben wir keine Verwendung.“<br>„Sieh, wohin euch eure Einstellung gebracht hat. Ohne mich besäßt ihr nun gar keine Informationen.“<br>„Eure Einstellung?“ John imitierte den Tonfall seines Bruders und schaffte es dabei noch einen Hauch von Unverständnis mitschwingen zu lassen. „Du bist ein Mensch, ein Bürger der Föderation. Dir sollten unsere Werte viel mehr liegen.“<br>„Ich bin nur mir selbst verpflichtet.“<br>Die Erwiderung Martins war so kalt, dass es John in seinem Herzen schmerzte. Ganz deutlich merkte dies Commander Price, der mittels seiner empathischen Fähigkeiten nur zu deutlich den emotionalen Schock in seinem Vorgesetzten spürte. Gerade in dieser Situation musste John jedoch Stärke beweisen, auch wenn es mehr als schwer fiel.<br>„Damals dachte wir alle Waffen vernichtet zu haben“, raunte Ardev und versuchte durch sein Einmischen das Duell der beiden Lewinski-Brüder zu beenden. „Ich selbst habe in einer Undercover-Mission diese Waffen aufgespürt.“<br>„Sie waren wohl nicht gründlich genug!“ war die lässige Erwiderung des Waffenhändlers.<br>„Und die Erde? Wäre es dir egal, wenn die Wiege der Menschheit bald nur noch ein gewaltiger Friedhof wäre?“<br>Die Frage Johns war berechtigt. Egal, was für eine Art von Krimineller sein Bruder auch war, bisher hatte er immer an einen kleinen Funken Anstand in ihm geglaubt. Bis heute.<br>„Wie gesagt, das Schicksal anderer interessiert mich nicht. Nur mein eigenes. Ich hoffe du denkst daran mich frei zu lassen, wenn wir das hier beendet haben.“<br>Bevor er darauf eine Erwiderung geben konnte, wurde Captain Lewinski durch Arena Tellom unterbrochen.<br>„Captain, wir empfangen eine Botschaft von der Erde“, erklärte die Terellianerin, „es ist der Präsident.“<br>Kurz blickte John zu seinem Offizier und konnte ihm deutlich ansehen, dass er dasselbe dachte. Nur wenige Minuten nach dem Ausbruch aus dem Gefängnis mit dem Präsidenten zu reden war mehr als nur ein Zufall.<br>„Legen sie das Gespräch auf den Hauptschirm, aber der Fokus soll nur auf mich gerichtet sein“, befahl Captain Lewinski und trat in die Mitte der Brücke, direkt vor seinen Stuhl. <br>Mit einer beiläufigen Geste strich er seine Uniform glatt und erwartete das Bild des Staatsoberhauptes auf dem Wandschirm.<br>„Mr. President, was kann ich für sie tun?“<br>Das Gesicht des Präsidenten wirkte so souverän wie immer, jedoch war ihm eine leichte Anspannung zu entnehmen. Und Ärger, dies konnte man bei genauerem Hinsehen herauslesen.<br>„Captain Lewinski, bitte erlauben sie mir die Frage, wie weit sie mit ihrer Suche sind.“<br>„Nun ja, wir sind immer noch dabei die verschiedenen Indizien auszuwerten und haben mit einem massiven Scan der Erde begonnen. Meine Experten hier an Bord verfolgen eine Spur, doch es ist noch zu früh, um darüber zu reden.“<br>Bedächtig nickte der Präsident, als er diese Informationen vernahm.<br>„Und diese Spur stammt nicht von einem externen Informanten?“ fragte der Präsident dringlich nach.<br>„Wie meinen sie das, Sir?“<br>Alle auf der Brücke beschlich ein ungutes Gefühl, als sie diese Frage vernahmen und die damit implizierte Vermutung. Der Fokus der Aufmerksamkeit legte sich auf den Kommandanten und darauf, was er nun sagen würde.<br>„Ich habe soeben beunruhigende Informationen bekommen, Captain. Es hat einen Angriff auf das Hochsicherheitsgefängnis Alpha gegeben, dem Ort, wo auch ihr Bruder inhaftiert ist.“<br>Im Anschluss an seine Worte machte der Präsident eine kurze Pause, um die Reaktion bei Captain Lewinski sehen zu können. Doch der Kanadier schaffte es auf bemerkenswerte Art und Weise eine Art Pokerface beizubehalten.<br>„Einen Angriff? Wissen wir, um wen es sich bei den Angreifern handelt und ob es etwas mit dem heutigen Anschlag zu tun haben könnte?“<br>„Die Urheber sind uns leider nicht bekannt, doch wir sind akribisch dabei die Spuren des Tatorts auszuwerten. Dies ist uns insofern wichtig, da bei dem stattgefundenen Schusswechsel ein Sternenflottenwachmann zu Tode gekommen ist.“<br>Die übermittelte Information änderte von einer Sekunde auf die nächste alles. Captain Lewinskis Augen weiteten sich, als er von dem Toten hörte und auch die anderen Offiziere wurden nervös.<br>„Ein Toter?“ fragte John mit trockener Kehle. „Um wen handelte es sich?“<br>„Um Petty Officer Jack Dwight. Zwar haben die Angreifer aus einem derzeit nicht näher bekannten Grund mit auf Betäuben eingestellten Waffen geschossen, doch der Petty Officer erlitt einen Kopftreffer, der aus nächster Nähe erfolgte. Er verstarb sofort.“<br>„Das ist… furchtbar…“ stammelte John und fing sich schon im nächsten Moment. Die ganze Situation entwickelte sich ganz und gar nicht so, wie er es erwartet hatte. Jemand war bei seiner illegalen Aktion ums Leben gekommen, ein Mitglied der Sternenflotte. Wer mochte wohl den tödlichen Schuss abgefeuert haben? John wusste es nicht. Die Welt um ihn herum begann sich zu drehen, als er sich der Konsequenzen seiner Entscheidung vor gut einer Stunde bewusst wurde.<br>„Wo waren sie eigentlich in den letzten beiden Stunden?“ fragte der Präsident.<br>„Sir?“<br>Lange starrte das Staatsoberhaupt seinen Gegenüber ab, wog seine nächsten Schritte ab. Dann entschloss er sich schließlich zum Vorstoß.<br>„Captain Lewinski, ich will ehrlich zu ihnen sein. Ich glaube, dass sie gegen meine Anweisungen gehandelt und in das Gefängnis eingebrochen sind, um ihren Bruder herauszuholen. Schlimm genug, dass sie einen direkten Befehl missachtet haben, doch angesichts der gegenwärtigen Krise bin ich bereit dies zurückzustellen. Übergeben sie Martin Lewinski, von dem ich glaube, dass er sich bei ihnen an Bord befindet, und wir verfolgen erst einmal die gegenwärtige Krise weiter.“<br>Lange dachte der Captain darüber nach, wie er nun reagieren sollte. Ein Bluff, eine Lüge oder doch die Wahrheit? So viel hatte er nun riskiert und dabei nicht abgewogen, dass tatsächlich jemand hätte zu Schaden kommen können. Schließlich traf er eine Entscheidung:<br>„Wir sind dabei die Waffe zu finden, Mr. President. Dies kann mir nur mit der Hilfe meines Bruders gelingen, der für diese Suche unentbehrlich ist. Ich werde ihn daher noch nicht übergeben.“<br>Von der plötzlichen Ehrlichkeit überrascht zuckte es im Gesicht des Präsidenten und er lehnte sich in seinem Stuhl zurück.<br>„Ich weise sie noch einmal an ihren Bruder den Erdbehörden zu übergeben.“<br>„Wir brauchen nur noch wenige Stunden, um die Waffe zu finden…“<br>„Sofort.“<br>Abermals dachte Captain Lewinski darüber nach, was er nun tun sollte. Liefen heute alle Befehle darauf hinaus sich die eigenen Leute zum Feind zu machen? Musste er etwa alles riskieren, um schlussendlich die Erde zu retten?<br>„Sir, ich werde meinen Bruder nicht übergeben, da er unsere einzige Chance ist die Waffe zu finden.“<br>„Sie haben dreißig Minuten“, erklärte der Präsident und beendete die Verbindung. Scheinbar hatte er noch Hoffnung, dass es sich John anders überlegen würde. Doch dieser hatte seine Entscheidung getroffen. Entsetzt blickte er zu seiner Brückenbesatzung. Diese war bereit ihm bedingungslos zu folgen, weil sie fest davon überzeugt waren das richtige zu tun. Hoffentlich war dies auch so.  <br><br>Das Element der Überraschung war verflogen, dies wurde Jozarnay Woil klar, als die Alarmsirenen des Gebäudes laut losheulten. Offenbar hatte man seinen Ausbruch bemerkt und würde nun Maßnahmen einleiten, um ihn wieder einzufangen. Der Antosianer hatte keinerlei Ahnung, wie viel Zeit inzwischen vergangen war. Vielleicht eine Viertelstunde, möglicherweise auch drei Stunden, Jozarnay hatte absolut keine Ahnung. Seit seiner Gefangennahme hatte Woil jegliches Zeitgefühl verloren. Eigentlich interessierte es ihn auch gar nicht. Dinge wie Minuten, Stunden oder Jahre spielten keine Rolle mehr in seinem Leben. Alles, was ihn interessierte war Stella und diese Person war endlich wieder da. Viel zu sehr hatte er die Frau vermisst. Dass sie ihn Wirklichkeit tot war spielte für ihn keine Rolle. <br>Ihre Anwesenheit allein zählte. Immer wieder, wenn Jozarnay an Kreuzungen oder Türen vorbei kam, stand Stella dort und wies ihm den richtigen Weg. Ohne ihre Hilfe wüsste er nicht, wohin er gehen sollte. Weder kannte er die Ausmaße seines Gefängnisses noch wo sein momentaner Standort war. Er musste sich einfach darauf verlassen, wohin ihn seine Liebste führte und wieso sollte sie ihm den falschen Weg weisen? <br>Leider war sie bei der ganzen Hilfe jedoch nicht in der Lage gewesen den Alarm zu verhindern. Sofort zog sich Woil in eine dunkle Ecke zurück und lauschte den Geräuschen, die im Anschluss an die Sirenen folgten. Deutlich hörte man Schritte sowie einige aufgeregte Stimmen. Scheinbar war sein genauer Aufenthaltsort nicht bekannt, denn ansonsten hätte man ihn schon längst überwältigt. Auch mussten die technischen Möglichkeiten dieses Ortes äußerst begrenzt sein, denn sonst hätten sie den Ausbrecher schon längst wieder in eine Zelle gebeamt. Diesen Umstand konnte er zu seinem Vorteil nutzen, bedeutete es doch, dass sie Woil auf die gute, alte Art und Weise aufspüren mussten!<br>Doch noch immer galt es eine Hürde zu nehmen: sein Körper zitterte noch immer vom Drogenentzug. Nachdem er sich nun in (zeitweiser) Freiheit befand wuchs sein Verlangen nach White stetig. Es galt also den Ort zu finden, wo seine Wärter die Drogen aufbewahrten. Zu dumm, dass er absolut keine Ahnung hatte, wo sich dieser befinden könnte. <br>„Du zweifelst?“ fragte auf einmal eine vertraute Stimme und für den Bruchteil einer Sekunde erschrak der Antosianer darüber, wie nah sie doch war. Es handelte sich um Stella Tanner, die neben ihm in der Ecke stand. <br>„Ich weiß es nicht“, gab der Ausbrecher offen und ehrlich zu. „Mir geht es nicht so gut.“<br>„Du brauchst das White, nicht wahr?“ flüsterte die hübsche Frau und lugte kurz um die Ecke, vergewisserte sich nicht entdeckt worden zu sein.<br>Als Antwort nickte der ehemalige Chief nur.<br>„Keine Sorge, ich werde dich dorthin führen. Es ist ohnehin nicht mehr weit. Du musst nur aufpassen nicht entdeckt zu werden.“<br>Die Worte klangen wie Musik in den Ohren des Antosianers. Nicht nur schien sich Stella also tatsächlich in diesem Gebäude auszukennen, sie schien auch genau zu wissen, was er nun brauchte. Gab es ein offenkundigeres Zeichen dafür, dass sie ihn liebte?<br>Die traute Zweisamkeit wurde unterbrochen, als eine Person um die Ecke trat. Es war einer seiner Häscher, der scheinbar gedankenlos in die Ecke gestolpert war. Scheinbar war er nicht auf der Suche nach dem Ausbrecher gewesen, denn er schien genauso überrascht über den Anblick zu sein wie Woil selbst. Der Antosianer zögerte keine Sekunde, packte den Gegenüber am Kopf und schlug diesen gegen die harte Steinwand. Deutlich war das Knacken der brechenden Nase zu hören und bewusstlos ging der Mensch zu Boden. Schnell versteckte Jozarnay den Reglosen in der Ecke und machte sich, geleitet von Stella, auf den Weg. Diese Person würde schon bald von seinen Komplizen vermisst werden und Woil wollte nicht zugegen sein, wenn dessen Verstärkung eintraf. Er brauchte keine Angst haben, denn Stella Tanner war an seiner Seite. Alles würde gut werden! <br><br>Endlich hatten sie das Ziel ihrer Fahrt erreicht. Für Danny hatte die Fahrt viel zu lange gedauert. In jeder einzelnen Sekunde war es ihm schwer gefallen sich auf die Straße zu konzentrieren und nicht über das nachzudenken, was er getan hatte, was jedoch schier unmöglich gewesen war. Immer und immer wieder hatte er das Bild Nelsons vor Augen, im Angesicht seines Todes, als Danny den Abzug seiner Waffe betätigt und damit das Leben des Mannes beendet hatte. Der Umstand, dass sie nun beim Haus seiner Witwe angekommen waren, machte die Sache ganz sicher nicht leichter. Das ganze Leben schien wie in Zeitlupe an ihm vorbei zuziehen, als die beiden Männer aus dem Hoverwagen stiegen und sich der Tür des schmucken Hauses näherten. Die Szenerie wirkte auf Bird unheimlich, erinnerte ihn an die Holofilme über vergangene Kriege der Erde, als Priester und andere Offizielle die Hinterbliebenen der Gefallenen aufsuchten, um ihnen die tragische Nachricht zu überbringen. Nichts anderes taten James und er nun. Doch wie viele dieser Boten waren schon selbst für den Tod jener Person verantwortlich?<br>„Bereit?“ fragte James Talley überflüssigerweise und knöpfte sein Jackett zu.<br>„Kann man das denn sein?“ war die entsprechende Gegenfrage Birds.<br>Statt das Gespräch weiter zu vertiefen betätigte der Untergrundchef die Türklingel und es dauerte nicht lange, bis Martha Nelson die Tür öffnete. Der gegenwärtigen Tageszeit entsprechend war sie noch in ein Nachthemd gekleidet, über das sie einen Morgenmantel trug. <br>„James“, begrüßte Martha den Besucher und umarmte ihn überschwänglich, bevor sie Danny die Hand gab und beide in ihr Haus bat. Jene warmherzige Begrüßung war keine Überraschung, denn Talleys kümmerte sich um die Familien seiner Untergebenen. Das private Glück war ihm wichtig, beeinflusste es doch auf vielfältige Art und Weise die Moral seiner Mitarbeiter. Danny und er wurden gebeten auf einem unglaublich bequemen Sofa Platz zu nehmen und Martha Nelson verschwand in der Küche, um ihren Besuchern etwas Kaffee zu bringen. Eine willkommene Gelegenheit für Danny, um den Versuch zu starten sich von den unangenehmen Gedanken abzulenken und so ließ er seinen Blick durch das große Wohnzimmer streifen. Es war geschmackvoll eingerichtet, mit den neuesten Möbeln und Blumen in fast jedem Winkel des Raumes. Die Wände wurden gesäumt von kunstvollen Malereien längst vergangener Epochen. Dazwischen, fast schon unmerklich, befanden sich Fotografien der Familie. Josh Nelson, seine Frau sowie seine beiden Kinder waren auf den meisten von ihnen zu sehen. Dort wirkte die Familie Nelson wie eine normale Vorstadtfamilie, die einer geregelten Arbeit nachging und mehr als glücklich war. Leider war dies nur eine Fassade, denn zumindest Martha wusste von der Arbeit ihres Mannes. Mehr als einmal hatte der Lieutenant sie auf dem Anwesen Talleys gesehen und sogar mit ihnen über Politik debattiert. Ob die beiden jugendlichen Kinder jedoch von den Machenschaften ihres Vaters wussten, war ihm nicht bekannt. Schmerzlich wurde Danny bewusst, dass er Waisen geschaffen hatte.<br>„So, da ist der Kaffee, “ meinte Martha lächelnd und stellte zwei dampfende Tassen vor ihren beiden Gästen ab.<br>„Sehr freundlich von dir“, bedankte sich James und genoss das Aroma des braunen Getränkes. „Magst du keinen nehmen?“<br>„Nein, ich habe heute schon genug davon genommen“, winkte die Frau ab und lächelte.<br>„Du bist schon länger wach?“<br>„Ja, irgendwie konnte ich nicht so lange schlafen heute. Aber egal! Sag mir, James, was ist der Grund deines Besuches bei mir?“<br>Danny blickte zu James, der ihn jedoch scheinbar ignorierte und selbst kurz zu Boden blickte, Er schien sich seine Worte zurechtlegen zu wollen und der Sicherheitschef der Monitor fragte sich instinktiv, was der Anführer wohl der Witwe sagen würde. Doch nicht etwa die Wahrheit? Die Konsequenzen, wenn sie erführe, dass Danny Bird ihre Mann getötet hatte, wären unvorstellbar. Ein Hauch von Übelkeit stieg in dem jungen Mann auf und nur mit aller Mühe konnte er ein Zittern unterdrücken.<br>„Martha, ich muss dir etwas Wichtiges sagen, “ begann James und versuchte einen ruhigen Tonfall anzuschlagen.<br>„Was meinst du? Ist etwas mit Josh?“<br>Sofort hatte die Ehefrau die veränderte Stimmung erfasst und verstanden, dass es sich hierbei nicht um einen einfachen Höflichkeitsbesuch handelte. Viel mehr handelte es sich um einen äußerst ernsten Besuch.<br>„Es tut mir sehr Leid…. Josh ist tot.“<br>Die Worte, obwohl mit Bedacht und Ruhe ausgesprochen, wirkten dennoch wie ein Faustschlag auf die Frau, die eben zur Witwe geworden war. Schockiert vergrub sie ihr Gesicht in ihren Händen und begann zu schluchzen. Doch statt lauthals loszuheulen schluchzte und seufzte sie nur weiterhin, bis sie schließlich aufblickte.<br>„Wieso ist mein Mann tot?“<br>Die verständlichste Frage der Welt und zum ersten Mal, seit sie sich hingesetzt hatten, blickte James zu seinem Begleiter. Überrascht weitete dieser seine Augen und hoffte, dass dies nicht sein Ernst war. Danny sollte nicht tatsächlich etwas zu seinem Tod sagen!<br>„Deswegen habe ich Danny mitgebracht. Er kann dir mehr zum Tod deines Mannes sagen.“<br>Und Martha blickte ihn mit einer Erwartungshaltung an, die sein Herz in tausend Stücke zerspringen ließ. Sie erhoffte sich Antworten von ihm, die er ihr niemals geben konnte. <br>Bird hatte keinerlei Ahnung, was James nun von ihm verlangte. Er nahm doch nicht tatsächlich an, dass er ihr die Wahrheit oder zumindest die fingierte Wahrheit erzählen würde, die zum Tod Josh Nelsons geführt hatte. <br>„Möglicherweise weißt du es nicht, “ begann Danny und sprach dabei sehr langsam, weil er Angst hatte unter der Last der Wahrheit zusammenzubrechen, „aber wir arbeiten derzeit an einer großen Sache. Eine sehr große Sache, wie ich hinzufügen muss. Bitte versteh, dass weder ich noch James dir davon erzählen können und auch dein Mann musste Stillschweigen darüber bewahren. Diese ganze Angelegenheit war uns allen sehr wichtig gewesen. <br>Die gesamte Organisation war an der Planung beteiligt gewesen… und dein Mann gab sein Leben dafür, um diese Idee zu schützen.“<br>„Wie meinst du das?“<br>Kurz atmete Danny tief durch, um die Lüge vorzubereiten, die er nun fortführen wollte. <br>Ob sie seinen Worten Glauben schenkte? Zumindest hoffte er dies.<br>„Die Behörden waren uns und unserer Operation auf die Schliche gekommen“, log der Lieutenant und hasste sich dafür dies zu tun. „Sie beschatteten Josh schon eine ganze Weile über und planten ihn festzunehmen. Dein Mann wusste dies. Ihm war klar, dass sie ihn bei einer Festnahme irgendwann unser Geheimnis entlocken würden… und so gab er das höchste Opfer. Heute Morgen fand ich ihn mit aufgeschlitzten Pulsadern.“<br>Martha nickte, als sie die scheinbare Wahrheit verstand. In ihren Augen war dieser Selbstmord ein ehrenwerter Tod. Ihr Liebster hatte sein Leben für die Sache der Befreiungsarmee gegeben. Als er den Ausdruck in ihren Augen sah, wurde Danny instinktiv klar, dass auch sie über die Pläne zur Zerstörung der Erde bescheid wusste. So unschuldig, wie viele Familienmitglieder des Führungszirkels taten, waren sie nicht. <br>„Vielen Dank für deine Offenheit“, erklärte die frischgebackene Witwe und schien ihre Worte tatsächlich ernst zu meinen. Wo war der sechste Sinn, den Mütter und Frauen angeblich besaßen? Spürte sie denn nicht die Schuld, die auf Danny lastete für das, was er getan hatte? Sicherlich war Josh Nelson ein Krimineller gewesen, der ihm in den letzten Monaten das Leben schwer gemacht hatte, doch ein solches Ende hätte er sich für niemanden gewünscht.<br>„Wir können verstehen, wenn du nun etwas allein sein möchtest“, erklärte James mit ungemein ruhiger, fast schon melodischer Stimme. „Falls du etwas brauchst, dann lass es mich wissen. Mach dir keine Sorgen um finanzielle Dinge und dergleichen. Ich werde für alles aufkommen. Josh war ein Freund von mir gewesen und wir werden ihn würdig zu Grabe tragen.“<br>Betreten nickte die Witwe und der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee drückte ein letztes Mal ihre Hand, bevor Danny und er das Haus verließen. Langsam schlenderten sie zu dem Hoverwagen.<br>„Das hast du gut gemacht“, lobte James ihn und öffnete seine Wagentür.<br>Angesichts dieser Worte stoppte Danny und blickte zu seinem Gegenüber.<br>„Ist das zynisch gemeint?“<br>„Nein, völlig ernst.“<br>„Mir kam es jedoch so vor! Was sollte die ganze Sache? Erst musste ich Nelson für dich töten und nun seiner Frau etwas vorlügen. Ich dachte er wäre dein Freund gewesen?“<br>Zorn funkelte in Birds Augen und nur mit Mühe konnte er verhindern lauthals loszuschreien. Die ganze Sache nahm langsam Überhand, belastete ihn stark.<br>„Josh war mein Freund gewesen und er hat mich verraten. Er hat seine gerechte Strafe erhalten. Dennoch vergesse ich niemals, was man für mich getan hat und so werde ich seiner Familie beistehen. Die Sünden des Vaters sollen nicht den Kindern zur Last werden.“<br>„Trotzdem wollte ich nicht deine Drecksarbeit erledigen!“<br>„Hör mal zu“, fauchte James zurück und seine Stimme gewann allmählich an Schärfe. „Ich habe dir vieles durchgehen lassen und dich Schritt für Schritt in meine Organisation eingeführt. So gut es geht habe ich versucht dir nicht die hässliche Seite der ganzen Sache zu zeigen, doch dies konnte nicht ewig so weitergehen. Früher oder später musstest auch du der Wahrheit ins Gesicht sehen. Diese Aufgabe bringt Opfer mit sich… manchmal auch große!“<br>Zornig blickte Danny den dunklen Mann an und überlegte sich, ob er noch etwas sagen sollte. Dann jedoch entschied er sich dagegen und begann den Antrieb des Wagens zu starten. <br>Nur Sekunden später setzte sich auch James Talley in den Wagen.<br>„Mein erstes Mal war auch nicht leicht gewesen“, flüsterte der Kriminelle und schwieg dann.<br><br>Seit dem Beginn des Ultimatums hatte Captain Lewinski seinen Bereitschaftsraum nicht mehr verlassen. Er hatte sich in diesen Bereich zurückgezogen, um über alles nachzudenken. Bis zu seiner Rückkehr und der Verkündung einer Entscheidung arbeitete die Crew der Monitor weiter wie bisher, versuchten mit den Spezifikationen Martins die Waffe zu finden. Price stand im hinteren Bereich der Brücke und beobachtete den Neuankömmling an Bord, der sich immer mal wieder über den sitzenden Ardev beugte, um dessen Ergebnisse zu begutachten.<br>„Er macht ihnen Sorgen, oder?“ fragte Arena Tellom, die sich, ohne dass der Halbbetazoid es gemerkt hatte, neben ihn gestellt hatte.<br>Ohne den Blick von dem Waffenhändler zu nehmen entgegnete dieser:<br>„Sollte er das etwa nicht? Wir haben es hier mit einem Menschen zu tun, der seinen Profit damit verdient Waffen zu verkaufen und dabei sogar Massenvernichtungsmittel an den Mann bringt. Ich traue ihm keinen Schritt über den Weg.“<br>Angesichts dieser Worte nickte Lieutenant Tellom und signalisierte so stumm ihre Zustimmung. Dass dieser Kriminelle so eng mit ihrem Mann zusammenarbeitete gefiel ihr ganz und gar nicht. Obwohl es derzeit nicht so aussah, als wäre Martin Lewinski zu irgendwelchen Gewalttaten bereit, so machte sie sich dennoch Gedanken darüber.<br>„Seltsam, wie dieser Mann das genaue Gegenteil seines Bruders sein kann“, murmelte Arena und sprach damit genau die Gedanken aus, die auch Matthew durch den Kopf gingen. „Der eine ist ein Sternenflottenoffizier aus dem Buche, der alles tut, um die Föderation zu schützen und der andere ist ein Krimineller, der nur an den eigenen Profit denkt.“<br>„Was mag wohl der Auslöser gewesen sein, dass sich diese beiden Persönlichkeiten so auseinander entwickelt haben?“ fragte Matt.<br>„Vielleicht kann er nicht anders… ein Opfer seiner Gene.“<br>Energisch schüttelte der Commander den Kopf.<br>„An so etwas glaube ich nicht“, erklärte Matthew. „Ich denke jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Martin hatte die Gelegenheit ein ähnliches Leben zu führen wie sein Bruder, doch er entschied sich anders. Zu dumm, dass er keine Reue zeigt.“<br>Statt einer Antwort nickte Arena nur und blickte den Gefangenen weiterhin an. Wie würde sich der Captain entscheiden? In wenigen Minuten lief das Ultimatum des Präsidenten ab und spätestens dann musste eine Entscheidung getroffen werden.<br>Aus diesem Grund betrat auch Fähnrich Kensington den Bereitschaftsraum des Captains. Wie sie es erwartet hatte stand John Lewinski mit hinter dem Rücken verschränkten Armen vor dem kleinen Sichtfenster seines Raumes, wie er es so oft tat, wenn ihm schwierige Gedanken durch den Kopf gingen. Er zeigte keine Regung, als sie den Raum betreten hatte.<br>„Sir“, versuchte sie ihn vorsichtig aus seiner Trance zu erwecken, „ich wollte sie nur informieren, dass die 30 Minuten bald um sind und der Präsident dann eine Entscheidung erwartet.“<br>„Ich weiß“, war die einzige Antwort des Captains. <br>Fähnrich Kensington wartete noch einige Sekunden und machte im Anschluss Anstalten den Raum wieder zu verlassen. Es waren jedoch einige unerwartete Worte, die sie inne halten ließen.<br>„Ob wir einen Fehler gemacht haben?“ fragte Captain Lewinski und zuerst fragte sich der taktische Offizier, ob diese Frage an sie gerichtet war.<br>„Sir?“<br>Endlich drehte sich der Kommandant um und blickte die junge Frau an. In seinem Gesicht konnte man deutlich die Last der Entscheidung erkennen, die nun auf ihm lastete. <br>„Noch vor einer Stunde schien es uns, als wäre es die einzig richtige Entscheidung Martin gewaltsam aus dem Gefängnis zu holen. Jetzt müssen wir uns den traurigen Konsequenzen stellen. Ein Mensch ist dabei ums Leben gekommen.“<br>Nun verstand Samira Kensington, was das Problem an der Sache war. Doch aus irgendeinem nicht näher definierten Grund war sie nicht in der Lage eine adäquate Antwort von sich zu geben.<br>„Sie sollten keine Schuldgefühle deswegen haben!“ Diese Aussage schien dem Fähnrich am Geeignetsten zu sein. „Es war ein tragischer Unfall, für den wir nichts können.“<br>„Wir können was dafür… ohne uns wäre dieser Petty Officer noch am Leben. Berührt sie dies nicht?“<br>Lewinski war nun ganz nahe an sie herangetreten und versuchte in ihren Augen eine Reaktion zu finden, die er jedoch nicht fand. <br>„Es war den Preis wert gewesen. Ohne ihren Bruder hätten wir keine Chance die Waffe zu finden und immer noch stehen Milliarden Leben auf dem Spiel.“<br>„So einfach ist dies für sie?“<br>„Manchmal sollte man es sich nicht zu schwer machen“, entgegnete Fähnrich Kensington mit einer Kühle, die den Kommandanten der Monitor erschütterte.<br>„Und wenn sie diejenige gewesen sind, die den tödlichen Schuss abgefeuert hat?“<br>Doch statt zu antworten schwieg Samira und blickte ihren Captain an. Aus ihrer Perspektive war die gesamte Diskussion sinnlos und es gab auch keine Zeit hierfür. Einige Sekunden lang herrschte Stille, dann begab sich Captain Lewinski auf die Brücke, um sich erneut dem Präsidenten zu stellen. Das Ultimatum war abgelaufen.  <br>Im Hintergrund arbeitete immer noch Martin Lewinski scheinbar friedlich mit Ardev zusammen, analysierte die gewonnenen Sensordaten und schien sich in der Tat Mühe zu geben ihnen zum Ziel zu helfen. Für einige wenige Momente schien das Lewinski-Gen bei dem Kriminellen aufzublitzen, was ihn wohl veranlasste sein bestes gegeben. Für einen kurzen Moment hielt John inne und beobachtete die Szenerie. Jahrelang hatte er seinen Bruder nicht mehr gesehen, absolut keinen Kontakt zu ihm gehabt. Dann war dieser wie aus dem Nichts wieder aufgetaucht und hatte sein Leben durcheinander gewirbelt. Auch wenn er Fehler gemacht hatte, Martin war immer noch sein Bruder und John liebte ihn. Allein aus diesem Grund wollte er ihn jetzt, so irrational dies auch klingen mochte, nicht gehen lassen. <br>John konnte nur hoffen, dass die gesamte Situation nicht eskalierte.<br>„Bericht!“ forderte er und setzte sich auf den Kommandantenstuhl.<br>„Wir sind immer noch beim Scannen“, erklärte Ardev und blickte nicht einmal von seinem Bildschirm auf. Derzeit schien er sich nicht aus der Konzentration bringen lassen zu wollen. <br>„Einen Großteil der Daten haben wir schon, der Computer muss sie jedoch noch auswerten“, ergänzte der jüngere Lewinski-Bruder.<br>Zu einer Erwiderung kam John gar nicht mehr, denn schon im nächsten Moment erschien das Gesicht des Präsidenten auf dem Wandschirm. Er hatte sich einfach durchschalten lassen, um nicht Gefahr zu laufen abgeblickt zu werden.<br>„Captain Lewinski, ich begrüße sie abermals“, meinte das Staatsoberhaupt und versuchte dabei seine Stimme so besonnen wie möglich klingen zu lassen. „Das Ultimatum von dreißig Minuten ist soeben abgelaufen. Ich erwarte die Übergabe von Martin Lewinski an die örtlichen Behörden.“<br>Alles in John wollte den Kopf wieder in Richtung hinteren Bereich der Brücke drehen, um den Blickkontakt zu seinem Bruder zu suchen und eine Reaktion in ihm zu erblicken. Doch dies hätte man als Zeichen der Schwäche deuten können, ein Eindruck, den John unbedingt vermeiden wollten. Daher hielt er dem fordernden Blick des Präsidenten weiterhin stand und erklärte mit fester Stimme:<br>„Mr. President, ich verweigere ihren Befehl meinen Bruder auszuliefern. Noch haben wir nicht alle Daten gesammelt, die wir benötigen um die Waffe zu finden. Wir brauchen noch einige Minuten.“<br>Alle auf der Brücke konzentrierten ihre gesamte Aufmerksamkeit auf das Gespräch zwischen beiden Männern. Noch vertrauten alle darauf, dass ihr Captain das richtige tat. Doch wie weit war er noch bereit zu gehen, um die Gefahr für die Erde abzuwenden? Sie alle bewegten sich auf dünnem Eis, dies war jedem klar.<br>„Übergeben sie ihren Bruder. Auf der Stelle!“ verlangte der Präsident und seine Tonlage machte deutlich, dass er diesen Befehl nicht noch einmal wiederholen würde.<br>„Nein.“<br>Irritiert und entsetzt lehnte sich der Präsident in seinem Sessel zurück und schien für einen kurzen Moment zu überlegen, ob Captain Lewinski bluffte. Ob dieser Mann tatsächlich bereit war gegen den Präsidenten der Vereinten Föderation der Planeten zu meutern. Er schien dies in der Tat durchziehen zu wollen. Ohne ein weiteres Wort beendete der Präsident die Verbindung, blickte noch eine weitere Minute auf den schwarzen Bildschirm und wendete sich dann Commander Kranick zu, die hinter ihm stand.<br>„Ich möchte, dass die Monitor auf der Stelle aufgebracht und Captain Lewinski verhaftet wird.“<br>Mit diesem Befehl hatte die Verbindungsfrau schon gerechnet.<br>„Dazu müssen wir erst einmal das Schiff finden, welches noch getarnt ist.“<br>„Wie lange wird dies dauern?“<br>„Wir können per externen Befehl die Tarnvorrichtung deaktivieren lassen. Dazu muss ich mir die benötigten Codes vom Geheimdienstoberkommando holen, “ erklärte der Commander.<br>„Beeilen sie sich!“ wies der Präsident sie an. „Und ich möchte mit Mr. Jellico sprechen.“<br>Ohne weitere Zeit zu verlieren verließ Commander Kranick das Büro und wollte ihrem Auftrag nachkommen. Nun galt es keine Zeit mehr zu verlieren.<br>Auch auf der Brücke des Geheimdienstschiffes herrschte gespannte Atemlosigkeit. Zwar hatte dieser Tag schon einiges an Überraschungen bereitgehalten, dennoch hatte wohl niemand mit dieser Eskalation gerechnet.<br>„Wer nicht mit meiner Vorgehensweise einverstanden ist“, erklärte Captain Lewinski, als er sich an seine Crew wandte, „dem steht es frei von seinem Posten zurück zu treten.“<br>Seltsamerweise wollte niemand sich melden. Taten sie dies nur Angst oder vertrauten sie ihm wirklich? Nur die Zeit würde dies wohl zeigen.<br><br>„Ich wusste, dass du mich nicht im Stich lassen würdest!“<br>Das Vertrauen von Jozarnay Woil in seine imaginäre Begleiterin war nicht enttäuscht worden. Sicher hatte Stella Tanner ihn an den Wachen vorbei durch den Perimeter geschleust und ihn fast zu dem Ketracel-White gebracht, welches er inzwischen so dringend benötigte. Möglicherweise lag es an dem Adrenalin, dass er mehr noch als zuvor nach dem synthetischen Stoff dürstete. Nur noch ein einziges Schott sowie einige Wachen trennten ihn von der rettenden Injektion.<br>Abwartend und überlegend stand Woil in einer Ecke und lugte in den Gang hinein, in dem er drei Wachen sah. Sie schienen ihn nicht bemerkt zu haben und trotz der erhöhten Sicherheitsstufe wirkten sie seltsam unkonzentriert.<br>„Es wirkt fast wie eine Falle“, murmelte Woil, mehr zu sich selbst denn zu jemand anderem.<br>Und da war sie wieder. Aus dem Nichts war Stella erschienen, stand direkt neben ihm. Deutlich spürte der Antosianer ihre Körperwärme, konnte ihr dezentes Parfum riechen. Alles in ihm strebte danach sie zu küssen, ihr durch das rote Haar zu fahren und die Zeit zu vergessen. Doch dies war nicht der geeignete Moment für solche Zärtlichkeiten. Sicher, ein solcher würde noch kommen und dafür lohnte es sich durchzuhalten. Derzeit jedoch musste sich Woil auf wichtigeres konzentrieren.<br>„Zweifelst du?“ fragte Stella und bemühte sich leise zu sprechen.<br>Angesichts dieser Frage musste der ehemalige Chief zynisch grinsen.<br>„Na ja, in dem Gang stehen drei bewaffnete Wachen, die mich wahrscheinlich erwarten. Ergo sind sie, wenn du richtig rechnest, mir drei zu eins überlegen.“<br>Zärtlich streichelte seine Liebste sein Gesicht und blickte Jozarnay tief in die neongelben Augen. Mitgenommen sah er aus, unrasiert und schmutzig.<br>„Du gibst doch nicht etwa auf?“ fragte sie keck und lächelte ihn an. „Dies wäre nicht der Jozarnay Woil, den ich kennen gelernt habe… und den ich liebe.“<br>Die Worte verfehlten nicht ihren Sinn. Sie motivierten ihn aufs Neue, stärkten etwas in ihm, welches ihn zu größeren Taten anspornte. Sanft nahm er ihre Hand, küsste sie sanft und prüfte dann die Einstellung auf seinem Phaser. Sie war, wie er es schon erwartet hatte, auf Töten gestellt. Es machte keinen Sinn seine Gegner zu betäuben. Wie sollte er, ohnehin schon zahlenmäßig deutlich unterlegen, jemals fliehen, wenn seine Widersacher immer wieder zu sich kommen würden? Zudem wollte er, tief in seinem Innersten, seinen Peinigern wehtun. Etwas in ihm wollte sie töten. Früher waren dies Gedanken, die ihn zutiefst erschreckt und angewidert hätten. Jedoch waren diese Zeiten längst vorbei. Jozarnay war einen langen Weg gegangen und hatte sich verändert. Alles war anders geworden.<br>Ein letztes Mal blickte der ehemalige Chefingenieur in die grünen Augen seiner Liebsten, dann wirbelte er um die Ecke und hoffte den Überraschungsmoment gewinnbringend nutzen zu können. Die erste Wache schoss er sofort nieder. Sie hatte nicht einmal mehr die Gelegenheit zu schreien, als sie vom Phaserimpuls in den Rücken getroffen wurde und starb. Die beiden anderen Männer waren anscheinend zu verdattert, dass der Ausbrecher ausgerechnet hier auftauchte und reagierten für den Bruchteil einer Sekunde zu spät. Gerade genug, um Woil den entscheidenden Moment Vorsprung zu geben. Mit einem Schrei auf den Lippen rammte er seine Schulter gegen den Körper des einen Mannes, drängte ihn so in den Raum hinein. Sofort wirbelte Jozarnay herum, richtete die Waffe grob auf den dritten Wachmann und drückte ab. Es war ein ungezielter Schuss, doch zu seinem Glück war auch dieser ein Volltreffer. Mit grimmiger Befriedigung konnte Woil, der selber durch den Schwung in den Lagerraum flog, mit ansehen, wie der Getroffene durch die Wucht von den Füßen gerissen wurde und ebenfalls starb. Doch für Siegesfreude war keine Zeit.<br>Der Antosianer verlor keine Zeit, schoss auf die Schottkontrollen und die Türen zu dem Lagerraum schlossen sich automatisch. Nun befanden sich nur noch er sowie die Wache hier drin. Zwar waren die Sicherheitssysteme dieses Ortes veraltet, dennoch waren sie wohl mühelos in der Lage gewesen das Phaserfeuer zu registrieren, was bedeutete, dass bald noch mehr Wachen auf dem Weg hierher sein würden. Doch darum konnte er sich gleich kümmern. In einer fließenden Bewegung brachte Woil die Waffe auf den am Boden liegenden Wachmann in Anschlag.<br>„Nicht bewegen!“ brüllte er ihn an und überlegte für einen kurzen Moment, ob er nicht abdrücken sollte.<br>Doch zu seiner Überraschung tat er es nicht. Er beobachtete den jungen Mann, der vor ihm lag, die Hände in die Höhe gestreckt und ihn erwartungsvoll anblickte.<br>„Wenn du nur einmal zuckst, dann…“ drohte Jozarnay, erntete jedoch nur ein Kopfschütteln seines Gefangenen.<br>„Die Verstärkung ist schon auf dem Weg. Du hast keine Chance!“ feixte die am Boden liegende Person und schien sich in der Tat zu freuen.<br>„Schnauze!“ schrie Woil noch einmal und tatsächlich hielt der Gefangene seine Klappe. <br>Eine Geiselnahme war eigentlich nicht das gewesen, was er beabsichtigt hatte. Die ganze Situation hatte sich spontan entwickelt, ohne dass er sie so recht geplant hatte. Nun ja, auch aus dieser Sache würde er schon herauskommen. Dabei würde ihm Stella sicherlich helfen, die nun wieder neben ihm stand und eine Hand zärtlich auf seine Schulter gelegt hatte. <br>Diese Geste drückte ganz deutlich aus, dass alles wieder gut werden würde und dies war letztendlich das Einzige, was zählte!     <br>Jetzt, wo er sein Ziel erreicht hatte, begann Jozarnay die sich hinter ihm befindlichen Schränke und Kartons zu durchwühlen. Dabei nahm er keine Rücksicht auf Ordnung oder Lautlosigkeit, sondern riss einfach eine Verpackung nach der anderen auf. Immer auf der Suche nach der lebensrettenden Injektion, die ihn vor schlimmeren bewahren würde.<br>„Du suchst das White, nicht wahr?“ fragte seine Geisel, doch er ließ sich nicht von ihren Worten beeindrucken.<br>Endlich, nach scheinbar endlosem Suchen ( was letztendlich nur wenige Minuten gedauert hatte ) fand der Antosianer endlich eine Phiole mit der wertvollen weißen Substanz und einen Injektor. Schnell legte er das Gerät an seine Schlagader an und betätigte den Auslöser. Schon im nächsten Moment spürte Woil, wie eine Woge aus Erleichterung und Glücksseligkeit ihn durchströmte. Sein ganzer Körper entspannte sich und neue Hoffnung floss durch seine Venen. Augenblicklich war er in der Lage zu bemerken, wie sich seine Sinne schärften und er neue Kraft schöpfte. Das Zittern verschwand, ebenso die Hitzewallungen und wurde durch pure Freude ersetzt. Glücklich blickte Jozarnay in eine Ecke des Raumes und lächelte der dort stehenden Stella Tanner zu.<br>„Ich habe es gefunden“, lächelte er. „Dank dir!“<br>„Mit wem redest du da?“<br>Die verwirrte Frage seines Gefangenen war nur zu verständlich, schien doch aus seiner Perspektive der Antosianer mit der Wand zu reden. Was sollte es schon? Er war halt nicht in der Lage diese bezaubernde Frau zu sehen, die ihm mal wieder das Leben gerettet hatte.<br>„Dies geht dich gar nichts an“, entgegnete Woil und lächelte immer noch die Frau.<br>„Du bist wahnsinnig“, murmelte die Wache und schüttelte den Kopf, „ein Wahnsinniger!“<br>Als Antwort erntete er einen Schlag von dem Phaserkolben, der eine Platzwunde am Kopf hinterließ. Seine Aussage hatte Woil so sehr in Rage versetzt, dass er in einer Kurzschlussreaktion ihn einfach geschlagen hatte. <br>„Noch ein Wort…“ drohte der ehemalige Chief und ließ den Satz unvollendet. <br>Dann begann man von außen die Geräusche weiterer Personen zu vernehmen. Zweifelsohne handelte es sich um weitere Wachen, die anrückten, um ihren gefangenen Kollegen zu befreien. In Jozarnays Kopf raste es. Fieberhaft dachte er darüber nach, wie er sich aus dieser Lage befreien konnte. Genauso wie seine Geiselnahme war auch der Aufenthalt an diesem Ort eher spontan geschehen und erst jetzt, nachdem er seine Sucht gestillt hatte, wurde dem Antosianer bewusst, worin er sich hineinmanövriert hatte. Der Raum schien nur einen Ausgang zu besitzen, den er vor wenigen Minuten beseitigt hatte, und sonst keine anderen Möglichkeiten der Flucht. <br>„Hörst du das?“ fragte die Wache spöttisch. „Schon in wenigen Minuten werden sie hier drin sein und dich wieder in eine Zelle werfen. Eine, aus der du nicht so leicht wieder fliehen wirst!“<br>„Wie komme ich hier heraus?“ fragte Woil mit grollender Stimme und erste Schweißperlen rannten ihm von der Stirn. Von draußen hörte man Geräusche an der Tür, die auf einen Laserbrenner oder Ähnliches schließen ließen. Man begann bereits sich durch die Tür zu arbeiten.<br>Doch statt eine Antwort von sich zu geben schwieg die Wache und so wusste sich Jozarnay nicht anders zu helfen, als die Geisel zu schlagen<br>„Wie komme ich hier heraus? Antworte oder du bist tot!“<br>Und wie um seine Drohung zu verstärken legte er die Waffe auf die am Boden liegende Person an.<br>„Du hast keine Chance. Selbst wenn du fliehst, “ drohte die Wache, „Edward Jellico wird dich finden und wieder einsperren… falls du Glück hast und er nichts schlimmeres mit dir anstellt.“<br>Angesichts dieser Situation schlug das Herz des Antosianers immer heftiger. Was sollte er nur tun? Schon in wenigen Minuten würden die restlichen Wachen hier drin sein und es schien keinen Ausweg zu geben. Das White floss zwar durch seine Venen, dennoch fühlte er sich wie benebelt. Immer noch hatte er den Phaser auf den Gefangenen gerichtet. Konnte er überhaupt abdrücken und so seine Drohung in die Tat umsetzen? War er in der Lage eine andere Person zu ermorden? Bisher hatte er immer in Notwehr getötet, um sich selbst in Sicherheit zu bringen. Nun jedoch dachte er ernsthaft darüber nach einen derzeit wehrlosen Menschen zu erschießen. War es etwa schon so weit gekommen und was war aus dem einstigen Sternenflottenunteroffizier Jozarnay Woil geworden?<br>Deutlich konnte sich der Antosianer daran erinnern, wie er schon einmal hatte morden sollen und es dann doch nicht getan hatte. Damals, als er Edward Jellico Auge in Auge gegenüber gestanden hatte:<br><br><i>Angesichts der Ereignisse im letzten Jahr hätte er vorsichtiger sein müssen. Er selbst hatte sich geschworen, dass niemand mehr so leicht an ihn herankommen und ihm gefährlich werden konnte. Doch ein jeder wurde alt und dies darf wohl auch im weitesten Sinne auf Edward Jellico zu. Natürlich war er immer noch ein Verschwörer und Intrigant, doch sein politischer Posten im Justizministerium hatte ihn träger gemacht, als er es sich selbst eingestehen wollte. Die alte Wachsamkeit war durch Bequemlichkeit ersetzt worden. <br>Daher dürfte es auch niemanden überraschen, dass den ehemaligen Admiral der Sternenflotte im Turbolift eine Überraschung erwartete. Jellico wollte sich gerade auf dem Weg zu einer weiteren Besprechung machen. Wie so oft trug er einen teuren Anzug und in seiner linken Hand eine Aktentasche mit allen wichtigen Dokumenten, die er für eine solche Sitzung brauchte. Er war zufrieden mit sich selbst und der Arbeit. Immer tiefer wurde er ins Vertrauen gezogen, immer höher stieg er in der Gunst seiner Vorgesetzten. Aus dem ehemaligen Verräter, der beinahe für den Rest seines Lebens im Gefängnis gelandet wäre, war ein respektierter Mann geworden. Grund dafür waren die zahlreichen Erfolge gegen Sektion 31, die er vorweisen konnte. Beinahe schon war es zu einfach die alten Kollegen ans Messer der Justiz zu liefern. Wer weiß, vielleicht war irgendwann das Amt des Justizministers in greifbarer Nähe. Die öffentliche Meinung über ihn hatte sich gewandelt, Edward Jellico war beliebt und sicherlich ein guter Mandatsträger. Ein kleiner Ausgleich für den Tod seiner geliebten Familie, den er im letzten Jahr hatte hinnehmen müssen. <br>Doch als er gedankenverloren in den Lift einstieg und sich die Türen schlossen, wurde ihm seine Nachlässigkeit bewusst. Ein Phaser wurde auf seinen Kopf gerichtet, summend erwachte die tödliche Waffe zum Leben. Aus dieser Entfernung bestand kein Zweifel an der Tödlichkeit eines Treffers. <br>Langsam, ohne seinen Angreifer provozieren zu wollen, drehte sich Edward in die Richtung des Schützen und hob amüsiert die Augenbrauen.<br>„Mr. Woil, es überrascht mich, sie zu sehen!“ meinte der alte Mann unerwartet <br>fröhlich. „Noch mehr überrascht mich, was sie hier mitgebracht haben.“<br>Der Antosianer erwiderte nichts, konzentrierte sich weiterhin darauf die Waffe auf den Kopf seines Feindes zu richten. Keine leichte Aufgabe, denn Jozarnay war kotzübel und er musste sich alle Mühe geben nicht zu zittern.<br>„Nun sind sie also gekommen, um das Werk zu vollenden“, schwadronierte Edward Jellico weiter. „Haben sie keine Angst, dass sich schon im nächsten Moment die Türen dieses Turboliftes öffnen könnten?“<br>„Ich habe das System manipuliert. Ohne mich wird hier wieder jemand ein- noch aussteigen, “ entgegnete der ehemalige Chief endlich. Jedes einzelne Wort hatte ihn eine unbändige Kraft gekostet. Abermals perlte Schweiß von seiner Stirn, diesmal jedoch nicht hervorgerufen durch den Entzug, sondern die Angst.<br>„Ah, bei ihren Qualifikationen hätte ich mir dies auch selbst denken können. Dies erklärt auch, wie sie unbemerkt in das Ministerialgebäude haben eindringen können. Sehr clever von ihnen, wirklich. Nur denke ich nicht, dass das töten ebenfalls zu ihren Fähigkeiten gehört. Gehe ich recht in der Annahme, Mr. Woil?“<br>Die Worte des alten Mannes ließen ihn nur noch nervöser werden. Was war hier los? Während des ganzen Fluges hatte er sich die ganze Sache so leicht vorgestellt. Einfach hineingehen und abdrücken. Doch nun, kurz vor dem Ziel, versagten ihm die Hände ihren Dienst. Oder war etwas anderes der Grund dafür?<br>„Wie wäre es, wenn sie einfach die Schnauze halten?“ fauchte der Antosianer.<br>„Sie sind nervös, Chief. Ich darf sie doch so anreden, auch wenn sie die Sternenflotte schon lange verlassen haben. Deswegen müssen sie sich keine Sorgen machen. Das erste Mal ist immer etwas Heikles. Als ich meinen ersten Menschen ermordete, war ich auch mehr als verängstigt. Doch je öfter man es macht, desto leichter geht es von der Hand.“ Kurz zögerte Edward Jellico und zum ersten Mal seit Woil ihn kannte, zeigte sich so etwas wie Menschlichkeit in den Augen des alten Gegners. „Manchmal jedoch, in den ruhigen Momenten, kehren vor dem geistigen Auge die Gesichter der Toten wieder und holen einen heim. Daran kann man sich leider nicht gewöhnen. Sind sie bereit für diese Bürde, Mr. Woil?“<br>Der Angesprochene wünschte sich mit jeder Faser, dass der alte Mann endlich mit seinem Gequatsche aufhörte. Dabei hatte er das Mittel, ihn zum Schweigen zu bringen, in der Hand. Eine einzige Fingerbewegung und die Sache wäre erledigt gewesen. Schon zu lange befand er sich an diesem Ort, die Gefahr einer Entdeckung stieg kontinuierlich. Doch es ging nicht.<br>„Wieso machen sie die Drecksarbeit für diese Frau?“ fragte Jellico direkt. „Wieso tötet sie mich nicht selbst, wieso schickt sie jemand anderes? Und wieso tun sie es? Tun sie es für das White? Falls ja, ich kann ihnen auch mehr als genug davon liefern. Erinnern sie sich noch an das letzte Jahr, als ich ihnen eine Phiole schenkte? Unzählige warten noch auf sie, falls sie möchte. Was also ist es?“<br>Wieder schwieg Jozarnay. Immer mehr verkrampfte er und es fiel mehr als schwer die Fassung zu behalten. Die Worte des alten Mannes erzielten einen bestimmten Effekt bei ihm und dies war wohl beabsichtig.<br>„Sie lieben sie“, stellte Jellico schließlich mit zusammengekniffenen Augen fest, so als hätte er die Gedanken seines Gegenübers gelesen. „Ja, sie tun es, weil sie in Stella Tanner verliebt sind und sie denken felsenfest, dass die Frau diese Gefühle erwidert. Doch dem ist nicht so. Sie spielt nur ein Spiel mit ihnen, glauben sie es mir!“<br>Eigentlich waren diese Worte eine große Beleidigung für Jozarnay. Er kochte innerlich vor Wut, fluchte und raste. Doch der gute Mensch in ihm, der ehemalige Sternenflottler und alte Gläubige, gewann die Oberhand und fast schon panisch flüchtete er aus dem Turbolift. Vielleicht würde Edward Jellico schon im nächsten Moment die Wachen auf ihn hetzen oder sogar töten lassen, aber Woil musste hier weg.<br>Noch lange nach dieser Aktion schaute Jellico in den Gang hinaus, in den Woil entflohen war. Obwohl ihm sofort der Gedanke gekommen war, ließ er den Gedanken der Rache an dem Antosianer fallen. Der ehemalige Chief war nur eine Marionette, dies wusste er. Vielmehr war Tanner das Ziel. Und irgendwie hatte er das Gefühl, dass seine Rache nicht mehr allzu weit entfernt war.</i><br><br>Damals hatte er es nicht geschafft den Abzug zu betätigen. Retrospektiv war dies vielleicht die falsche Entscheidung gewesen. Hätte er Jellico getötet, so wäre Stella noch am Leben und er nicht in Gefangenschaft. Nachdenklich blickte Woil auf seinen Gefangenen, der ihn süffisant angrinste. Es war nur noch eine Frage von Sekunden, dann würde die Verstärkung in den Raum eingebrochen sein und ihn wieder festnehmen.<br>Was wohl geschähe, wenn Woil die Wache am Leben ließe, darüber konnte er nur spekulieren. Die Erinnerung an das Ereignis vor unbestimmter Zeit machten ihm jedoch deutlich, dass sich dieses Ereignis nicht wiederholen dürfte. Daher traf Woil seine Entscheidung und drückte ab.<br>Aus der Waffe löste sich der Energiestrahl und fuhr in die Brust seiner Geisel, verbrannte sie und seine inneren Organe. Deutlich konnte Woil sehen, wie das Leben aus dessen Augen entwich. Es war ein unheimlicher Anblick und nahm ihn mehr mit, als er gedacht hatte. <br>„Nun bist du gänzlich ein Mann“, meinte eine Stimme neben ihm. Es war Stella, die sich auf einmal wieder im Raum befand.<br>„Wieso?“ grummelte Woil entsetzt. „Weil ich einen Menschen getötet habe?“<br>„Weil du getan hast, was nötig gewesen ist und ich hätte ebenso gehandelt.“<br>Die Worte trösteten Jozarnay nicht wirklich. In Wahrheit hatte er seinen Gefangenen nur aus Frust getötet, weil er nicht mehr weitergewusst hatte. Der Lösung seines Problems hatte ihn dies immer noch nicht näher gebracht. Unerwartetherweise spürte der ehemalige Chief die zärtliche Hand seiner Liebe in seinem Nicken. Sie tröstete ihn mit dieser zärtlichen Geste und, mehr noch, bedeutete ihm so nach oben zu schauen. An der Decke befand sich eine Wartungsöffnung! Mit etwas Glück würde er durch sie von hier verschwinden können. Wieso hatte er nicht gleich daran gedacht? Doch zum Sinnieren blieb keine Zeit:<br>„Los, beeil dich!“ spornte ihn Stella an und verdrängte so alle Gedanken der Reue.<br>Als die Wachen schließlich den Raum stürmten war Jozarnay schon längst durch die Wartungsöffnung geflüchtet.  <br><br>Stimmungstechnisch gesehen war die Rückfahrt noch schlimmer als die Hinfahrt zum Anwesen der Nelsons. Ohne ein Wort zu sprechen oder irgendeine andere Art von Reaktion zu zeigen fuhr Danny Bird auf altmodische Art und Weise den Hoverwagen zurück. <br>Dabei blickte er starr auf die vor ihm liegende Straße, schien sich scheinbar auf den geringen Verkehr zu konzentrieren. Jedoch war dies nur die halbe Wahrheit, denn in Wirklichkeit versuchte er einfach nur den neben ihm sitzenden James Talley zu ignorieren. Dieser blickte zu dem jungen Mitglied der Föderalen Befreiungsarmee und strebte an dessen Gefühle zu ergründen. <br>Ja, was er ihm heute Morgen aufgebürdet hatte war eine schreckliche Sache gewesen und James hätte sich gewünscht, dass es einen anderen Weg gegeben hätte. Doch nur so konnte er sich der Treue Dannys absolut sicher sein. Natürlich war Josh Nelson ein langjähriger Freund gewesen, den er sehr geschätzt hatte. Gemeinsam mit ihm hatte James diese Organisation aufgebaut, mit dem Ziel die Demokratie und politische Führung wieder in die Hände des Volkes zu legen. Die letzten Regierungen hatten die Verfassung des Völkerbundes pervertiert, die Macht dem Volke entrissen und für die eigenen Zwecke genutzt. So durfte es unter keinen Umständen weitergehen! Sie beide waren Männer mit Idealen und Visionen gewesen, die etwas hatten verändern wollen. Umso schlimmer, dass ausgerechnet dieser Josh Nelson nun sie verraten und den Plan fast an die Föderation weitergegeben hatte. Immer noch fragte sich Talley, wie er sich so in einem Menschen hatte täuschen können. War er etwa so leichtgläubig geworden? Woran auch immer es gelegen hatte, dies durfte sich auf keinen Fall wiederholen. Sie waren so kurz vor Erreichen ihres langjährigen Zieles und konnten sich absolut keine Fehler mehr ereignen. Am Ende des heutigen Tages würde sich die Welt für immer verändert haben. <br>Es galt nur noch die letzten Stunden durchzuhalten! <br>Angesichts des fast schon greifbaren Erfolgs und des Abschluss einer jahrelang geplanten Operation fragte sich James, ob er Danny noch mehr ins Vertrauen ziehen sollte, als er es heute schon getan hatte. Nach dem „Wegfall“ Nelsons wurde nun ein Platz im obersten Führungszirkel der Armee frei und schon seit längerem überlegte James, ob er nicht ein junges, frisches Mitglied aufnehmen sollte. Auch wenn er ihn erst drei Monate kannte, so hatte der schwarze Mensch schon ein unglaubliches Vertrauen zu Bird aufgebaut. Innerhalb dieser kurzen Zeit hatte Danny es geschafft sich einen Namen zu machen. Natürlich hatte James noch vor wenigen Stunden gezweifelt und sich gefragt, ob nicht vielleicht Danny der Verräter gewesen war, der Timo Gruber ans Messer der Sternenflotte geliefert hatte. <br>Doch tief in seinem Innersten war ihm klar gewesen, dass sein junger Zögling ihn nicht enttäuscht hatte.<br>Und genau aus diesen Gründen überlegte der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee, ob er Bird nicht gänzlich in den heutigen Plan einweihen sollte. Zwar wusste der junge Mann schon von dem, was heute stattfinden sollte, mehr jedoch auch nicht. Bisher hatten sie, insbesondere James, immer von den besonderen Talenten Dannys profitiert und vielleicht würde es auch dieses Mal so sein. Aus genau diesem Grund grübelte er darüber nach ihm zu sagen, was die Einzelheiten ihres heutigen Planes waren. Abermals schaute Talley zu dem Fahrer und erntete von ihm nichts als Nichtachtung. Er konnte seinen Zorn verstehen. Aber vielleicht würde er auch seine Tat mit mehr Vertrauen belohnen. James beschloss seine Entscheidung zu verschieben, bis er gefrühstückt hatte. <br><br>„Sie wollten mich sprechen, Sir?“ fragte Edward Jellico, nachdem er das Büro des Präsidenten betreten hatte. Es hatte etwas gedauert, bis er sich von der Arbeit hatte freimachen können, doch der Präsident würde hierfür Verständnis haben. Immerhin waren es nervenaufreibende Zeiten für alle. Diesmal war das Staatsoberhaupt nicht wie so oft in seine Akten vertieft gewesen, sondern hatte gedankenverloren die Wand angestarrt. Was wohl dem wichtigsten Mann des Quadranten wohl durch den Kopf ging?<br>„Ja, Mr. Jellico“, entgegnete der Präsident und bedeutete dem Gast näher zu kommen. <br>Der Umstand, dass er ihm keinen Platz anbot, schien Bände über seinen Gemütszustand zu sprechen. <br>„Wie kann ich ihnen helfen, Sir?“<br>Normalerweise war der Präsident ein Mann der sorgsam bedachten Worte, des Umschreibens und vorsichtig Herantasten. Eine Eigenschaft, die ihm schon mehr als einmal in interstellaren Verhandlungen geholfen hatte. Doch dieses Mal verzichtete er auf solche Spielereien. Stattdessen entschied er sich direkt zu werden. Es fehlte einfach die Zeit.<br>„Sie haben mir doch zu Beginn dieses furchtbaren Tages Captain Lewinski als den Mann empfohlen, der am Geeignetsten ist diese Krise zu lösen.“<br>„Ja, dies habe ich, Mr. President“, gab der Justizminister ohne zu zögern vor. Seltsam, er hatte sich wohl niemals in seinem Leben vorgestellt mal eine Lanze für seinen Erzgegner zu brechen. „Glauben sie mir, Mr. President, wenn einer diesen Fall aufklären kann, dann die Crew der Monitor!“ Dies waren seine Worte zu Beginn der Krise gewesen. „Eigentlich bin ich immer noch der Ansicht, wenn ich ehrlich bin.“<br>Nun erhob sich der Präsident, trat auf seinen Gesprächspartner zu und in seinem Gesichtsausdruck spiegelte sich deutlich der Zorn wieder, der in ihm brodelte. Er fühlte sich dermaßen enttäuscht und verraten, dass er kaum in der Lage war dies trotz seiner sonst so eloquenten Art in Gewohnheit zu fassen.<br>„Und wenn dem so ist, wieso verrät mich John Lewinski dann?“<br>„Wie bitte?“<br>Jellico konnte nicht glauben, was er da eben gehört hatte. Der sonst so souveräne und pflichttreue John Lewinski soll eine Anweisung des Präsidenten missachtet haben?<br>„Captain Lewinski verweigert den Befehl seinen Bruder herauszugeben. Vielleicht, aber nur vielleicht wäre ich in der Lage gewesen seinen widerrechtlichen Angriff auf das Gefängnis zu vergessen, doch nun hat er sich offensichtlich gegen mich gestellt. Ein Mann, den sie mir explizit für diese Mission empfohlen haben.“<br>Nur mit Mühe konnte Edward Jellico verhindern, dass seine Kinnlade nach unten klappte. <br>Mit dieser Wendung der Ereignisse hatte er ganz und gar nicht gerechnet. Normalerweise war er doch der Mann für illegale Aktionen gewesen und nun schien ihm der Kommandant der Monitor diesen Rang abzulaufen.<br>„Mr. President… ich weiß nicht, was ich sagen soll“, meinte Jellico und sprach damit die Wahrheit.<br>„Doch, dies können sie. Zum Beispiel, ob Captain Lewinski zur Sektion 31 gehört!“<br>Hatte der Präsident diese Worte etwa ernst gemeint? Edward Jellico blickte seinen Vorgesetzten ungläubig an und musste erst einmal die Bedeutung der eben geäußerten Worte verstehen. <br>„Wie kommen sie darauf?“<br>„Sie sind der Experten für Angelegenheiten, die Sektion 31 betreffen. Kann dieser ganze geplante Anschlag nicht doch eine Aktion der Untergrundorganisation sein, als Rache für unsere Aktionen zur Zerschlagung der Gruppe?“ fragte der Präsident und erwartete eine ehrliche Antwort.<br>Zu gerne hätte sich Edward Jellico als Chef der Sektion 31 eine solch gewaltige Tat selbst auf die Fahnen geschrieben, doch dieses Mal war er wirklich nicht dran beteiligt.<br>„Möglich wäre es“, log der ehemalige Admiral, „aber dies alles passt nicht zum Schema der Sektion 31. Und Captain Lewinski könnte niemals mit dieser Gruppe zusammenarbeiten.“<br>Der Präsident setzte zu einer Erwiderung an, kam jedoch nicht mehr dazu, denn Commander Kranick betrat ungefragt sein Büro und erklärte:<br>„Sir, ich habe von Admiral LaToya die benötigten Codes bekommen und umgehend das nächste Sternenflottenschiff in Kenntnis gesetzt. Mit ihrer Erlaubnis…“<br>„Beginnen sie. Sofort!“ befahl der Staatschef und setzte sich wieder an seinen Schreibtisch. Das Gespräch mit seinem Minister schien von einem Moment auf den anderen für ihn gestorben zu sein. <br><br>Jozarnay hatte sich geirrt, aber in diesem Fall war es nicht allzu schlimm gewesen. Es hatte sich bei seiner Fluchtmöglichkeit nicht um eine Wartungsöffnung, sondern um den Zugang zu einem altmodischen Belüftungssystem gehandelt. Durch die engen Röhren des Systems krabbelte nun der Antosianer und der Schweiß rannte ihm über die Stirn. Nicht nur war es äußerst anstrengend sich auf diese Art und Weise fortzubewegen, auch mussten sich die Wachen sehr wohl darüber bewusst sein, wo sich der Ausbrecher gerade befand. Sicherlich waren sie in Rage darüber, dass er ihren Kollegen getötet hatte und sinnierten nach Rache. Zwar wollte Edward Jellico den Gefangenen sicher lebend haben, jedoch war sich der ehemalige Chief alles andere als sicher, ob sich die Männer noch an diesen Befehl halten würden. So lautlos wie möglich versuchte sich Woil durch die Röhre zu bewegen.<br>Was er jedoch ebenso wenig bedacht hatte, war die Baufälligkeit des Gebäudes. <br>Das Lüftungssystem an sich war nicht nur veraltet, sondern auch der gesamte Bau und so war es nur eine Frage der Zeit, bis das Metall nicht mehr das Gewicht des Antosianers tragen konnte. Mit einem ohrenbetäubenden Krachen barst das Material unter dem ehemaligen Chief und er sauste in die Tiefe, mitten in einen anderen Raum hinein. Zu dumm, dass er sich hier nicht allein befand.<br>Geräuschvoll landete Woil auf einem weiteren Wachmann, der Unklugerweise genau unter der gebrochenen Röhre gestanden hatte. Das immense Gewicht des Materials, gepaart mit dem Ausbrecher, schlug den Wachmann K.o. und bot Jozarnay genau die entscheidenden Sekunden der Verwirrung, um sich neu zu orientieren. Das Schicksal hatte ihn in einen Durchgang katapultiert, in dem sich noch mehr Wachen befanden und die ihn verdutzt anblickten. Seit geraumer Zeit hatten sie sich auf der Suche nach dem Ausbrecher befunden, jetzt war er direkt vor ihrer Nase erschienen. Woil nutzte die Gunst der Sekunde, holte seinen Phaser hervor und erschoss zwei Wachmänner. Die anderen drei traf er zwar nicht, sein gezieltes Dauerfeuer zwang sie jedoch in Deckung und gab ihm ebenfalls die Möglichkeit sich, über den Gang robbend, in Sicherheit zu bringen. Hektik brach bei den Wachen aus, sie schrieen sich durch den Gang etwas zu oder brüllten Jozarnay an, doch durch ihr Stimmenwirrwarr konnte er eigentlich nicht raushören, was sie von ihm wollten. Die Zeit des Schleichens und des Paktierens schien vorbei zu sein, nun galt es zur Konfrontation überzugehen. Vorsichtig lugte der Antosianer um die Ecke und nur knapp fauchte ein Phaserstrahl an ihm vorbei. <br>Als Antwort gab er zwei ungezielte Schüsse auf die Schützen ab und zwang sich wieder in Deckung.<br>„Du kannst nicht zu lange hier bleiben!“<br>Stellas Worte entsprachen den Tatsachen. Mehr musste sie auch nicht sagen, denn Woil verstand die Brenzligkeit seiner Situation.<br>„In wenigen Sekunden werden sie mich umzingeln, “ murmelte der ehemalige Chief, „und mich dann endgültig kriegen. Aber ich werde mich nicht noch einmal einsperren lassen!“<br>„Deine Konsequenz?“ fragte seine Begleiterin lächelnd und kannte doch schon die Antwort. Sie wollte sie jedoch aus seinem Munde hören.<br>„Das Weglaufen ist vorbei. Es gilt: jetzt oder nie!“<br>Es hatte sich genau um die Worte gehandelt, die sie von ihrem Liebsten hatte hören wollen. Endlich war die Zeit des Paktierens und davonlaufen vorbei, nun zog er die Konfrontation der Ablenkung vor. Ohne eine weitere Sekunde zu verlieren, stürmte Jozarnay aus seiner Deckung hervor und rannte auf die Wachen, welche ihm den weiteren Weg versperrten, zu. Ohne Unterbrechung feuerte er auf seine Gegenüber und rannte weiter. Es ging ihm weniger darum etwas zu treffen, als seine Gegner vielmehr selbst am gezielten Schuss zu hindern. Angesichts dieser etwas unkonventionellen Taktik waren die Wachen Jellicos selbst so überrascht, dass ein weiterer Sicherheitsmann getroffen zu Boden ging. Die anderen versuchten zwar den Antosianer zu treffen, doch ihre scheinbar gezielten Schüsse rauschten an dem Ausbrecher vorbei. Es schien fast so, als hielt eine göttliche Macht seine schützende Hand über den ehemaligen Chefingenieur der Monitor. Fast schon überrannte er die sich ihm entgegenstellenden Wachen, trat sie oder schoss sie nieder. Jozarnay war fast in Rage. Seine ganze Umgebung um ihn herum verlor ihre Konturen, wurde zu einem schlierigen Etwas. <br>Er hatte nur noch den Ausgang aus diesem Gefängnis vor Augen, mehr nicht. Entweder schaffte er es oder starb bei dem Versuch. Aber er würde sich ganz gewiss nicht noch einmal einfangen lassen!<br><br>Angesichts dessen, was in den letzten zwei Stunden geschehen war hatte sich Danny dazu entschlossen alleine zu frühstücken. Doch selbst das klägliche Essen, welches er auf seinem Zimmertisch aufgedeckt hatte, rührte er so gut wie gar nicht an. Stumm saß er auf seinem Stuhl und dachte immer noch nach. James hatte seinem Wunsch nach Ruhe entsprochen und sich mit seinen engsten Mitarbeitern an den Frühstückstisch zu setzen. <br>Es klopfte an seiner Tür und für einen kurzen Moment überlegte der junge Mann, ob er den Besucher hineinrufen sollte. Dann jedoch besann er sich seiner Manieren und ließ die Person eintreten. Es brachte einfach nichts hier zu sitzen und immer wieder über die vergangenen Ereignisse nachzudenken. Natürlich musste er die Tötung Nelsons irgendwann aufarbeiten, doch derzeit war keine Gelegenheit dazu. Um seine Deckung aufrecht zu erhalten und seinen Auftrag weiter ausführen zu können musste er hochkonzentriert bleiben. Einmal hätte er sich schon fast verraten, dies durfte nicht noch einmal passieren.<br>Zu seiner Überraschung betrat Janine Talley sein Zimmer und schloss leise die Tür hinter sich.<br>„Hi“, meinte die junge Frau zurückhaltend und stand in seinem Raum, mit verschränkten Armen und schien auf seine Reaktion zu warten. Danny jedoch wandte sich wieder von ihr ab, widmete sich wieder seinem Frühstück, von dem er nur einen kleinen Bissen nahm.<br>„Bist du immer noch so schweigsam?“<br>Die Frage Janines hätte nicht unpassender sein können. Verstand sie etwa nicht, was die ganze Zeit über im Kopf ihres Gefährten umherging? Oder war sie inzwischen genauso geworden wie ihr Vater, gefühlskalt und nur ihrer großen Sache verschrieben?<br>Instinktiv fragte sich der Lieutenant, wie ehrlich seine Liebe zu dieser Frau war. In den letzten drei Monaten hatte er eine Beziehung zu Janine aufgebaut, die weit über die Tarnung seiner Infiltration hinausging. Er hatte Gefühle für sie entwickelt, die erwidert wurden. Und dennoch fragte sich Bird, ob Janine nicht nur ein Ersatz für Elisabeth war. Natürlich hatte er inzwischen mit diesem Kapitel seines Lebens abgeschlossen. Doch die Chefärztin der Monitor war die Frau gewesen, die er geliebt und niemals hatte kriegen können. Waren die Motive seiner Liebe zu Janine aufrecht? Derzeit konnte Bird scheinbar keine seiner Fragen mit Gewissheit beantworten.  <br>„Was erwartest du von mir?“ entgegnete Danny, ohne von seinem Teller aufzusehen. „Ich habe vor nicht einmal zwei Stunden einem anderen Menschen das Leben genommen und scheinbar interessiert sich hier keiner dafür. Ist euch das Leben eines Mannes, den ihr sogar gekannt habt, so wenig wert?“<br>Angesichts dieser Worte blickte auch Janine zu Boden, überlegte sich ihre nächsten Worte genau. Natürlich war dies eine schwere Zeit für Danny, doch er musste lernen damit fertig zu werden. Andernfalls würde er niemals eine Zukunft innerhalb der Befreiungsarmee haben.<br>Vorsichtig setzte sie sich auf sein Bett und legte ihre Hände in den Schoß.<br>„Auch ich habe Josh lange gekannt… er hat mich aufwachsen sehen und sein Tod ist für mich ebenfalls eine große Belastung. Aber er war ein Verräter…“<br>„Diese Wortwahl kenne ich doch irgendwoher“, unterbrach der Mann sie und blickte sie eindringlich an. „Genau die Worte, die dein Vater vor wenigen Minuten an mich gerichtet hatte. Man merkt wirklich, dass ihr zum selben Schlag gehört.“<br>Danny bewegte sich auf einem gefährlichen Pfad, dies wurde ihm einmal mehr deutlich. Wenn er sich noch mehr in Rage redete, so lief er Gefahr sich selbst zu verraten. Eigentlich wäre es klüger gewesen nun zu schweigen, doch aus irgendeinem Grund konnte er dies nicht.<br>„Du meinst es nicht so, dies ist nur der Frust, der aus dir spricht“, entgegnete Janine Talley, doch deutlich zeigte sich in ihren Augen der Schmerz.<br>„Woher willst du das wissen? Vielleicht war ich ja zu blauäugig, um die Wahrheit zu sehen. Ich dachte ich hätte hier eine Zukunft. Eure Ziele schienen mir die richtigen zu sein, aber Mord…“<br>„Du widersprichst dir selbst, Danny! Auf der einen Seite hilfst du uns einen biologischen Virus auf der Erde freisetzen zu wollen, aber gleichzeitig willst du einen einzelnen Menschen nicht töten?“<br>Nun war es an Danny wieder zu schweigen und über diese Worte nachzudenken. Abermals lief er Gefahr sich zu verraten. Er musste an dieser Stelle das Gespräch abbrechen, denn ansonsten würde er noch großes Unheil über sich bringen.<br>„Ich bin einfach nur geschafft“, murmelte Danny und würgte das Thema so ab.<br>Beruhigenderweise fühlte er die Hand Janines auf seiner Schulter. Eine einfache Geste, die ihm Trost und Geborgenheit spendete.<br>„Ich liebe dich, Danny“ flüsterte die Tochter des Anführers und Bird erwiderte ihre Liebesbekundung.<br>„Ich liebe dich auch. Möchtest du noch etwas?“<br>Kurz dachte Janine darüber nach, ob nun der richtige Zeitpunkt hierfür war. Seit einiger Zeit brannte ihr diese Sache auf der Seele, doch scheinbar gab es einfach nicht die richtige Gelegenheit, um dieses Thema anzusprechen. Also beschloss sie es zu verschieben.<br>„Nein, es ist nichts. Bitte lass dich nicht so hängen. Wir sind kurz vor unserem Ziel!“<br>Mit diesen abschließenden Worten verließ Janine wieder das Zimmer ihres Liebsten und seufzte. Abermals hatte sie nicht geschafft ihm die Wahrheit zu sagen. Vielleicht bot sich ja am Ende dieses langen Tages die Gelegenheit dazu. <br><br>Auf einem gänzlich anderen Planeten mit dem Namen Rigel war es wie so oft eine kalte Nacht. Der Wind fauchte durch die Straßen der grauen Industriestadt und nur wenige Bewohner waren unterwegs, um noch einige letzte Besorgungen zu machen.<br>Die Haustür der Wohnung von Birgit Price öffnete sich und der auf die Straße tretende Mann schlug instinktiv den Kragen seines braunen Mantels hoch, um sich gegen den pfeifenden Wind zu schützen. Der Besuch Arsani Paruls bei seiner alten Liebe war gänzlich anders verlaufen, als er es sich vorgestellt hatte. Eigentlich hatte er nur reden wollen. So vieles gab es zu klären, insbesondere auf ihren gemeinsamen Sohn Matthew. Doch nun war es zu weitaus mehr gekommen. Seltsam, in den letzten Monaten war das Leben des ehemaligen Sonderbotschafters der Föderation komplett aus der Bahn geworfen worden und nichts lief mehr so wie früher. Sein Leben war überraschender geworden, verlief in nicht zu erwartenden Wendungen. <br>„Was die Zukunft wohl so bringen mag…“ murmelte der Betazoid gedankenverloren und begann die lange Straße entlang zu gehen, die ihn schließlich zum Raumhafen bringen sollte. Sein Besuch auf Rigel war vorbei, es war alles gesagt und getan worden, was er sich vorgenommen hatte… und sogar noch mehr. Es war an der Zeit sein Leben wieder zu ordnen. <br><br>James blieb nicht allzu viel Gelegenheit, um sein prachtvolles Frühstück zu genießen. Schon nach wenigen Minuten trat einer seiner Bediensteten auf ihn zu und berichtete ihn von einem eingehenden Telefonat. Nur kurz rollte der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee mit den Augen, dann besann er sich der Wichtigkeit des Anrufers und entschuldigte sich bei den Tischgenossen. Schnell begab er sich in seinen privaten Raum und aktivierte den Kommunikationsschirm. Wen er da jedoch erkannte überraschte ihn.<br>„Sie schon wieder?“ fragte James überrascht. „Bisher haben sie noch nie zweimal an einem Tag angerufen… geschweige denn zweimal in einem Monat.“<br>„Heute ist ein wichtiger Tag. Da steht es mir wohl zu mich nach den Fortschritten der Operation zu erkundigen, “ entgegnete die Stimme am anderen Ende der Leitung.<br>„Wir sind immer noch da, wo wir vor zwei Stunden auch waren“, erklärte James Talley. Er hasste es, sich vor dieser Person rechtfertigen zu müssen. „Der Plan läuft immer noch und die Föderation ist uns immer noch nicht auf die Spur gekommen. Vertrauen sie mir doch einfach!“<br>„Hat nicht eine ihrer historischen Persönlichkeiten nicht gesagt Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?“<br>„Gerade aus ihrem Mund eine menschliche Redewendung zu hören ist für mich mehr als überraschend“, war die zynische Erwiderung James´. Am liebsten würde er sofort das Gespräch beenden. Doch diese Person hatte sich maßgeblich an der Finanzierung und Planung der Operation beteiligt und durfte daher nicht ausgeschlossen werden. Außerdem war sie mächtiger als James es war und hätte jederzeit sie alle auffliegen lassen können. Aus genau diesen Gründen hielt es Talley für angebrachter seine Gedanken nicht laut auszusprechen.<br>„Nur weil ich ihre Spezies verabscheue gibt es nicht einzelne Vertreter ihrer Art, die Bewunderung verdient haben. Nun gut, ich werde ja weiterhin von ihnen informiert werden. Wir hören voneinander.“<br>Mit diesen Worten beendete die Person die Kommunikationsverbindung und ließ James mit seinen Gedanken allein. Hoffentlich war dies der letzte Anruf für heute, denn bei dem Gedanken an ihren Geldgeber schüttelte sich bei James alles!<br><br>Schweiß rannte über seinen Körper, doch dieses Mal fühlte sich Jozarnay lebendig. Rührte die Erschöpfung ja nicht vom dem Drogenentzug, sondern von den Anstrengungen seiner Flucht. Dennoch, auf eine bizarre Art und Weise, genoss er seine Flucht. Wachsam schlich Woil durch die Gänge, horchte ab und an, ob sich Wachen näherten und rannte dann wieder ein Stück.<br>„Es ist schon seltsam“, fand Jozarnay und lugte mit dem Phaser um eine weitere Ecke.<br>„Was meinst du?“ fragte Stella, die wie immer an seiner Seite war. Es wirkte bizarr, dass trotz des Chaos sie scheinbar ungerührt hier war und sich mit ihm so ungezwungen unterhielt. Hatte sie denn keine Angst um ihr eigenes Leben? <br>„Ich habe bisher auf dieser Flucht mehrere Menschen getötet. Aber aus irgendeinem Grund… berührt es mich nicht.“<br>Die Worte des ehemaligen Chiefs drückten eine Verwirrung aus, die ihn schon seit einiger Zeit plagte. <br>„Sie haben dir Leid angetan und erhielten das, was sie verdienten.“<br>„Nein… das ist es nicht.“<br>Aus irgendeinem unerfindlichen Grund war er nicht in der Lage seine Gefühle in Worte zu fassen. Noch vor kurzem hatte er seinen Gefangenen getötet und schon jetzt tangierte es ihn nicht mehr. Waren seine Gefühle etwa so erkaltet?<br>Und schließlich war es soweit. Fast schon hatte er seinen Glauben daran verloren, es nicht mehr für möglich gehalten, schlussendlich hatte er es endlich geschafft: er hatte einen Ausgang gefunden. Jetzt endlich konnte er aus den Fängen Edward Jellicos entfliehen und Rache ausüben. Ein letztes Mal vergewisserte sich Jozarnay allein zu sein, dann öffnete er eine Zugangstür, die, nach Aussage Stellas, ihn nach draußen bringen sollte. <br>Als er den schweren Zugang geöffnet hatte schlug ihm ein stürmischer Wind entgegen. Schnee rieselte herab und ließ Woil für einen kurzen Moment den Atem stocken. Auf der Erde war es kein Winter gewesen, als er das letzte Mal das Tageslicht gesehen hatte. Hatte er sich etwa schon so lange in Gefangenschaft von Sektion 31 befunden? Vorsichtig stampfte der Antosianer nach draußen, hielt sich die Hand vor das Gesicht, um es vor Kälte zu schützen. Scheinbar hatte sich das Gefängnis unterirdisch befunden, denn mehr als einmal war er Treppen hinauf gerannt und hinter ihm war kein Gebäude zu sehen. Es war dunkel, scheinbar Nacht und die Umgebung mehr als unwirtlich. Woil musste die Augen zusammenzukneifen, um die Konturen am Horizont zu erkennen. Es gab Gebäude, diese waren jedoch eingefallen, zerstört und somit nicht mehr als Ruinen. <br>„Wie kann das sein?“ rief Woil gegen den Wind an, bekam jedoch keine Antwort. Plötzlich war Stella nicht mehr da, gab ihm keine neuen Antworten. All dies wirkte so seltsam…<br>Plötzlich sah er eine andere Person, eine Gestalt im Sturm. Woil trat näher auf sie zu und erkannte ein kleines Mädchen, welches durch die Nach irrte. Vorsichtig näherte er sich ihr, hoffte vielleicht durch sie etwas Hilfe bekommen zu können. Dann jedoch erstarrte er, als er in ihr Gesicht blickte. Ihr talarianisches Gesicht!<br>Und auf einmal fügte sich alles zusammen. Die Ruinen, der Sturm, das talarianische Mädchen. Sich des grauenvollen Schicksals bewusst werdend, schrie Woil frustriert in die Dunkelheit hinaus: <br>die ganze Zeit über hatte er sich auf Talar befunden! <br><br>Für einen kurzen Moment hatte sich die Chance geboten mal mit seinem Bruder zu sprechen. Martin trat auf den Captain zu und raunte ein Wort, welches er niemals erwartet hatte über die Lippen zu bringen:<br>„Danke.“<br>Gedankenverloren, so als ob er abwesend wäre, blickte John auf und konzentrierte seine Aufmerksamkeit auf seinen Bruder.<br>„Wofür?“<br>„Du hast viel für mich riskiert“, erklärte der verurteilte Waffenhändler. „Erst die Befreiung aus dem Gefängnis, dann stellst du dich gegen die Befehle des Präsidenten… du wirfst gerade deine Karriere weg. Für mich.“<br>Angesichts dieser Worte erhob sich John aus dem Stuhl, blickte seinen Bruder fest an und war für einen Moment ratlos, was er nun sagen sollte. Es schien sich hier um eine verkehrte Welt zu handeln. Nun war es Martin, der ihm dankbar war und er konnte diesen Zuspruch nicht ertragen.<br>„Ich tue dies für die Sicherheit der Föderation.“<br>„Sicherlich machst du das. Aber sei dir sicher, dass ich dir dankbar bin. Ob du es glauben möchtest oder nicht, wir haben doch mehr Gemeinsamkeiten als du glaubst. Heute hast du deine ersten gesetzeswidrigen Taten vollbracht.“<br>Instinktiv ballte John seine Fäuste, eine angesichts den Umständen völlig sinnlose Geste, die jedoch seinen Gemütszustand deutlich beschrieb.<br>„Vielleicht mag es lange gedauert haben“, meinte Captain Lewinski, „aber ich habe eingesehen, dass wir wohl nicht viele Gemeinsamkeiten haben. Wir mögen Brüder sein, aber unsere Ansichten sind gänzlich unterschiedlich.“<br>Martin wollte noch etwas erwidern, kam jedoch nicht dazu. Denn plötzlich erhellte sich die Brückenbeleuchtung und hektische Betriebsamkeit brach aus. Fähnrich Kensington bestätigte die Vermutung:<br>„Die Tarnvorrichtung ist soeben ausgefallen!“<br>„Was?“ fragte Lewinski und begab sich umgehend zur taktischen Station. War dies etwa die Antwort des Präsidenten? Mit einer so schnellen Reaktion hatte er beileibe nicht gerechnet.<br>„Tarnen sie uns umgehend wieder!“ befahl der Kommandant.<br>„Es geht nicht, Sir. Irgendwie sind unsere Kontrollen überschrieben worden.“<br>„Dies funktioniert nur mit den entsprechenden Codes des Oberkommandos“, meinte Price, der sich sofort an die Navigationskontrollen gesetzt hatte. Im Moment mussten sie wohl mit allem rechnen und genau dies trat auch ein.<br>„Ein Schiff dreht bei und geht auf Abfangkurs“, meldete Ardev und vergaß für den Moment die Sensorsuche der Erde. „Es ist die USS Community!“<br>Entsetzt blickte Price zu seinem Captain und dieser schaute ihn auch verwirrt an. Scheinbar war ausgerechnet dieses Schiff das nahste zu ihnen gewesen und sollte sie nun abfangen. <br>Und wie erwartet erschien das Gesicht der Kommandantin der Community auf dem Wandschirm der Monitor. Seit Wochen und Monaten hatte sich Commander Price gewünscht seine Tochter und mit ihr seine Imzadi wieder zu sehen, doch dieses Mal waren die Umstände mehr als unglücklich.<br>„Hier spricht Captain Selina Kyle von der Community“, erklärte die Frau mit neutraler Stimme. Ihr lag alles daran die Situation nicht ausarten zu lassen. „Übergeben sie Martin Lewinski und bereiten sie sich darauf vor, dass wir an Bord kommen.“<br>Captain Kyle!“ begrüßte John Lewinski seine Gegenüber und stellte sich in die Mitte der Brücke. „Ich gratuliere ihnen zu ihrer Beförderung.“<br>„Danke, Captain. Aber ich denke kaum, dass dies der geeignete Zeitpunkt ist, um über meinen neuen Rang zu sprechen,“ erwiderte Kyle selbstsicher und für einen kurzen Moment fiel ihr Blick auf den an der Navigation sitzenden Matt Price. Mittels seiner empathischen Fähigkeiten konnte er deutlich fühlen, dass auch seiner Imzadi die Situation alles andere als gefiel. „Ich bin hier auf Befehl des Präsidenten und bitte sie inständig meinen Befehlen zu gehorchen.“<br>„Sind sie sich über die gegenwärtige Lage im Klaren?“<br>„Ja, ich bin vollständig informiert worden. Tatsächlich ist der Präsident uns über Audio zugeschaltet, er bekommt also alles mit.“<br>Verstehend nickte John und überlegte, wie er diese Information zu seinem Vorteil nutzen konnte. Jedoch fiel ihm keine probate Möglichkeit ein.<br>„Dann sollten sie meine Aktionen und meine Entscheidung nachvollziehen können“, meinte John.<br>„Es ist nicht an mir etwas zu bewerten, sondern die Befehle des gewählten Führers der Föderation zu befolgen und diese sind unmissverständlich. Bitte, Captain Lewinski, machen sie die Sache nicht noch schwerer, als sie ist.“<br>Gebannt blickten alle auf der Brücke zu ihrem Kommandanten und fragten sich, was er nun sagen würde. Derzeit schien alles möglich zu sein.<br>„Ist dies überhaupt möglich?“ fragte Lewinski rein rhetorisch und fragte sich, wie lange wohl noch die Sensorauswertung dauern würde. Natürlich tat Ardev alles Mögliche, um schnellstmöglich an Ergebnisse zukommen, doch ihnen lief die Zeit davon. „Wir werden ihre Anweisungen nicht befolgen.“<br>„Ist dies ihr letztes Wort?“ fragte Captain Kyle, der deutlich das Unbehagen anzusehen <br>war. „Bitte tun sie uns dies nicht an und beenden sie die Krise auf der Stelle. Ansonsten müssen wir Gewalt zur Durchsetzung der präsidialen Befehle anwenden.“<br>Kurz drehte sich John auf der Brücke herum, wollte in die Gesichter der Offiziere blicken, die so vieles bisher mitgemacht hatten. Würden sie auch jetzt noch bereit sein ihm zu folgen? <br>So vieles hatte er bisher von ihnen abverlangt. Hoffentlich würden sie ihm auch jetzt folgen. Ausgerechnet bei seinem Bruder blieb sein Blick als letztes hängen. Er liebte ihn, auch wenn ihre gemeinsame Vergangenheit mehr als problematisch war.<br>Schließlich traf John seine Entscheidung. Er zog die Sache nun durch.<br>„Roter Alarm! Alle Mann auf der Krankenstation!“<br>Eingespielte Hektik begann auf der Monitor, als die Alarmsirenen losheulten und überall an Bord die roten Leuchten aufglühten. Matrosen und Offiziere eilten auf ihre Plätze, um das Schiff auf den Kampf vorzubereiten. <br>Verdutzt blickten sich Jellico und der Präsident an, die auf der Erde das ganz Gespräch mithörten. Die Situation entwickelte sich nicht so, wie sie es erwartet hatten.<br>„Das kann nicht ihr Ernst sein“, entgegnete Selina Kyle, nachdem sie sich wieder von der Überraschung erholt hatte. Noch immer befand sich ihr Schiff auf Abfangkurs. „Captain Lewinski, sie lassen die Situation eskalieren.“<br>„Nein, sie sind es, die die Eskalationsstufen nach oben treiben. Drehen sie mit der Community ab und lassen sie mich meine Arbeit machen, um die Erde zu retten.“<br>„Wenn sie bereit wären noch einmal mit dem Präsidenten zu reden…“<br>„Verdammt, wir haben keine Zeit mehr, Selina!“ brüllte John und machte seine unnachgiebige Haltung einmal mehr deutlich. „In diesem Moment, wo wir miteinander sprechen planen Terroristen einen verheerenden Anschlag auf die Wiege der Menschheit, die alles Leben beenden könnte. Denken sie nach!“<br>Noch einmal ließ Captain Kyle ihren Blick über die Brückencrew der Monitor schweifen. Wegen Matt kannte sie alle an Bord dieses Schiffes gut. Sie waren im mindesten Bekannte, einige wenige dort würde sie sogar als Freunde bezeichnen. Bei dieser ganzen Sache konnte sie nicht aufhören an Matthew zu denken. Den einzigen Mann, den sie immer lieben würde und der der Vater ihrer Tochter war.<br>„Übergeben sie ihr Schiff, Captain!“ befahl Kyle ein letztes Mal und rechnete nicht damit, dass man nun ihrer Aufforderung folgen würde.<br>„Fähnrich Kensington, feuern sie einen Quantentorpedo vor den Bug der Community!“<br>Scheinbar hatte sich die junge Frau schon auf eine solche Anordnung vorbereitet, denn schon im nächsten Moment verließ ein Torpedo die Startrampen des Schiffes und detonierte kurz vor dem Rumpf der Community.<br>„Die USS Community dreht nicht bei und wird in 30 Sekunden uns erreicht haben“, meldete Lieutenant Ardev und deutlich zeigten sich auf seiner Stirn Schweißperlen.<br>Gedanken rasten durch Johns Kopf. Nach außen hin wirkte er völlig selbstsicher, aber derzeit fragte er sich, ob er das richtige tat. Leider war es nun zu spät umzudrehen.<br>„Erfassen sie Captain Kyle Schiff mit den Waffen und bereiten sie alle eine volle Salve vor!“<br>Dieser Befehl war zuviel für den ersten Offizier der Monitor. Entsetzt erhob er sich von seinem Platz, blickte kurz zu Selina auf dem Wandschirm und dann zu seinem Captain.<br>„Das kannst du nicht tun, Skipper!“<br>„Captain Kyle lässt mir keine Wahl und ich bin nicht bereit aufzugeben. Wir befinden uns kurz vor dem Ziel, “ erklärte John mit sichererer Stimme, als er angenommen hatte.<br>„Aber Yasmin ist dort an Bord!“ schrie Matt und erstmals konnte man am heutigen Tage Panik in seinen Augen erkennen. <br>Natürlich wusste John dies und es tat ihm leid. Die ganze Ereigniskette schien zu eskalieren und eigentlich hatte er dies nicht vorgehabt. Scheinbar kontrollierten die Ereignisse ihn und nicht umgekehrt. <br>„Waffen geladen und Ziel erfasst“, meldete Fähnrich Kensington und wartete nur auf den Einsatzbefehl. Im Gegensatz zum ersten Offiziere würde sie nicht zögern den Befehl auszuführen.<br>„Setz dich wieder an deinen Posten“, wies John seinen ersten Offizier und Freund an, doch dieser Machte keine Anstalten den Befehl auszuführen.<br>„John… bitte!“ flehte der Halbbetazoid, doch er kam der Aufforderung nach. Mit zitternden Händen bediente er wieder die Kontrollen.<br>„Community in Waffenreichweite!“<br>Ein letztes Mal blickte John die Personen an, die in diesem Moment wichtig waren. Ardev und seine Frau, die sich an Bord der Monitor kennen gelernt und geheiratet hatten. Fähnrich Kensington, die seit Monaten Lieutenant Bird vertrat und eine glänzende Karriere vor sich hatte. Lieutenant Sanchez, der Nachfolger von Chief Woil als Chefingenieur. Matt Price, der eine Tochter hatte und eine gemeinsame Zukunft mit Dr. Frasier plante. Und sein Bruder, um den es bei dieser ganzen Sache ging. Würde er sie nun alle opfern, um ein höheres Ziel zu erreichen? Ein allerletztes Mal versuchte John an seine Gegenüber zu appellieren.<br>„Captain Kyle, denken sie nach. Milliarden von Leben stehen auf dem Spiel!“<br>Doch statt eine Antwort von sich zu geben ließ auch die Frau auf ihrem Schiff die Gefechtsbereitschaft herstellen. Zwar befahl sie ein modernes Schiff der Prometheus-Klasse, doch würde sie überhaupt eine realistische Chance gegen die Monitor haben?<br>Deprimiert und dennoch sicher das richtige zu tun setzte sich Captain Lewinski auf seinen Kommandantenstuhl. Es begann:<br>„Feuern sie aus allen Batterien auf die Antriebe der Community!“<br><br><center>I count the days that we have spent apart<br>I've got a bad liver and a broken heart<br>Theres no salvation in the comfort of you<br>I finally realized your tearing me apart<br><br>[Chorus:]<br>So help me, save me, tell me that the end is near<br>Help me, save me, tell me that the end is near<br>I am done with you<br><br>You made my life completely miserable<br>You drove me to the edge, you've caused me all this pain<br>But I've always loved you cause your oh so special<br>I'm broken and I'm alone and I can't maintain<br><br>[Chorus]<br><br>Done with you (done with you)<br>I am done with you (done with you)<br>I am done with you (done with you)<br>I am done with you (done with you, I'm done with you)<br><br>I count the days that we have spent apart<br>I've got a bad liver and a broken heart<br><br>Help me, save me,<br>Tell me that the end is near<br>Help me, save me,<br>Tell me that the end is here<br>I am done with you<br><br>Because you and me are through<br>You couldn't help me<br>You couldn't save me<br>Now I know the end is here<br>I am done with you</center><br><br><center><u><b>Fortsetzung folgt…<br><br><br>Schuld</b></u><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for TREKNews NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producers NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>TM &amp; Copyright © 2005 by TREKNews Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center><br>]]></description><guid isPermaLink="false">6365</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 7x03: Rettungsschuss</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-7x03-rettungsschuss-r6334/</link><description><![CDATA[<center><b>PDF-Download</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_59217.html"><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/7x03_cover.jpg" border="0"></a><br><b>Monitor 7x03 "Rettungsschuss"</b><br>Dateityp: zip<br>Größe: 0.26 MB</center><br><br><center><u>Das letzte Mal in 7x02 „Unruhe“:</u></center><br><i>Es war kurz vor vier Uhr nachts, die Zeit, in der die Müdigkeit am stärksten am menschlichen Körper zehrte. Auch John Lewinski fühlte deutlich das Bedürfnis nach Schlaf, konnte dies jedoch noch mit jede Menge Kaffe verdrängen. Auch wenn sie einen wichtigen Erfolg erzielt hatten, war die gegenwärtige Angelegenheit noch nicht ausgestanden. John würde sich erst zur Ruhe legen, wenn Gruber den örtlichen Behörden übergeben wurde. Die fortgeschrittene Nacht zehrte an den Kräften der Besatzungsmitglieder und der Gefangene würde ebenfalls ermattet sein. Darauf spekulierte der Kommandant, so dass sie nun an brauchbare Informationen gelangen konnten.  Die Schotts zum Casino öffneten sich mit dem obligatorischen Zischen und offenbarten eine grausige Überraschung:<br>der gefangene Timo Gruber lag reglos auf dem Boden, während ein herbeigerufener Sicherheitsoffizier versuchte mittels einer Herz-Lungen-Wiederbelebung Gruber wieder ins Reich der Lebenden zu holen. <br>„Was ist hier geschehe?“ fragte Lewinski lauthals und ließ sich neben den Bewusstlosen auf den Boden sinken.<br>„Ich kann es mir nicht erklären“, stammelte der Crewman und versuchte keuchend die Wiederbelebung fortzuführen. „In dem einen Moment saß er noch auf dem Stuhl, dann verdrehte er die Augen und lag regungslos am Boden. Es ist eben geschehen!“<br>„Haben sie den Doktor gerufen?“ fragte John und tastete nach dem nicht mehr fühlbaren Puls.<br>Die Frage erübrigte sich jedoch, denn schon im nächsten Moment eilte Dr. Frasier mit einem Medkit in das Casino und setzte den medizinischen Scanner an. Verzweifelt traten sowohl der Crewman als auch Captain Lewinski von dem Reglosen weg, jedoch dauerte die Behandlung der Ärztin nicht all zu lange.<br>„Er ist tot“, stellte Elisabeth niedergeschlagen fest.<br>„Wie konnte dies geschehen? Er war doch kerngesund!“<br>Die Ärztin räusperte sich, ging die verschiedenen Möglichkeiten durch und erklärte dann:<br>„Derzeit kann ich ohne genauere Untersuchungen nur spekulieren, aber ich denke Gruber starb an einem selbst verabreichten Gift!“<br>„Ein Gift? Aber sie haben ihn doch untersucht!“<br>„Es könnte besser versteckt gewesen sein, als ich dachte. Meine Scanner hätten es übersehen können.“<br>Ratlos fuhr sich John durch die Haare und stellte zu seinem Erstaunen fest, dass diese klatschnass waren. Eben noch hatte er gehofft wichtige Informationen von Timo Gruber zu erhalten und nun war dieser tot. Sollte sich die Annahme von Dr. Frasier bestätigen und er ein Gift eingesetzt haben, so bedeutete dies nur eines: die Mitglieder der Untergrundbewegung waren eher bereit in den Tod als in ein Gefängnis zu gehen. Diese Einstellung machte sie zu nur noch gefährlicheren Gegnern.<br>„Wenigstens haben wir eine Sache noch“, murmelte der Crewman, was er jedoch wohl besser nicht laut ausgesprochen hätte.<br>Denn mit einem sorgenvollen Blick wandte sich die Ärztin an ihren Captain und sagte:<br>„Ich wollte sie eben zu mir rufen, als der Notruf hereinkam.“<br>„Sie mich?“ fragte Lewinski erstaunt. „Wieso denn das?“<br>„Meine Untersuchungen der Waffe sind abgeschlossen“, erklärte Elisabeth und deutlich war ihr das Unbehagen abgeschlossen. Auch Lewinski bemerkte dies und drängte sie:<br>„Machen sie es nicht so spannend, Elisabeth. Was ist es?“<br>„Die Untersuchungen an dem Biovirus ergaben nicht die Werte, nach denen wir gesucht haben. Ich habe daraufhin die Probe noch einmal untersucht und kam zu demselben Ergebnis: wir haben nicht die Biowaffe in unseren Händen.“<br>„Soll dies heißen…“ raunte Lewinski verzweifelt und wurde von Dr. Frasier unterbrochen:<br>„Ja… in dem Koffer befand sich nicht die Waffe!“</i><br><br><center><u>Und nun die Fortsetzung…</u></center><br>Die Enttäuschung, die Captain John Lewinski in diesem Moment empfand, war nicht in Worte zu fassen. Noch vor einer Minute schienen sie alles gehabt zu haben, nun besaßen sie gar nichts mehr. Der Träger der Waffe hatte sich selbst umgebracht und auch die Waffe hatte sich nicht in seinem Besitz befunden. Dies hatte ihm zumindest Dr. Frasier mitgeteilt.<br>„Wie konnte es sein“, fragte Lewinski mit fast tonloser Stimme, „dass sie dies erst jetzt bemerken? Ich dachte die Biowerte in dem Koffer wären eindeutig gewesen.“<br>Die Chefärztin des Schiffes konnte sehr gut den Ärger des Captains nachempfinden und so ignorierte sie seine aus Frust entstandene Spitze. So sachlich wie möglich erklärte sie:<br>„Es handelte sich um die raffinierteste Täuschung, die mir in meiner Karriere untergekommen ist. Die Werte wurden von einem versteckten Sendegerät so gut imitiert, dass selbst nach Öffnen des Koffers und Entnahme des angeblichen Virus mir erst nach eingehender Prüfung der Umstand auffiel. Niemand von uns hätte diese Täuschung aufdecken können, Sir.“<br>Frustriert stemmte Captain Lewinski seine Hände in die Hüften, blickte zur Decke und fragte sich, was er nun tun sollte. Kurz schaute er zu der am Boden liegenden Leiche von Timo Gruber. Diese Person war für die Sache ihrer Gruppe in den Tod gegangen und hatte so deutlich gemacht, dass sie es mit Personen zu tun hatten, die ihr Ziel sehr wohl ernst meinten. Was für Fanatiker mochten dies sein, die einen biogenen Kampfstoff auf der Wiege der Menschheit einsetzen wollten?“<br>„Lassen sie dich Leiche auf die Krankenstation bringen und führen sie eine vollständige Autopsie durch. Vielleicht sind sie ja in der Lage etwas Nützliches zu finden, “ befahl John der Ärztin und fuhr sich durch das von Bartstoppeln übersäte Gesicht. Elisabeth Frasier nickte wortlos und machte sich daran den Anweisungen nach zu kommen.<br>John Lewinski selbst begab sich umgehend auf die Brücke und zu seinem Bereitschaftsraum. Alle Offiziere in der Zentrale blickten ihn erwartungsvoll an. Aus irgendeinem Grund schienen sie genau zu wissen, dass etwas nicht stimmte. Der Kanadier hatte absolut keine Ahnung, wie er diese Enttäuschung der Crew mitteilen sollte. Eben waren sie doch noch am Ziel gewesen und nun besaßen sie gar nichts!<br>In seinem Arbeitsbereich angekommen ließ der Captain direkt eine Komverbindung nach Paris herstellen. Es dauerte eine Weile, bis jemand sich seiner annahm und zu seiner großen Überraschung war es nicht Edward Jellico, sondern der Präsident der Föderation selbst.<br>Davon überrascht, richtete sich John ruckartig auf und fuhr sich überflüssigerweise über seine perfekt sitzende Uniform.<br>„Mr. President“, begrüßte John den Staatsmann knapp, „ich habe ehrlich gesagt nicht mit ihnen gerechnet.“<br>„Dies habe ich mir schon gedacht. Jedoch habe ich, als ich ihr Komsignal gesehen habe, mich dazu entschlossen selbst mit dem Mann an der Front zu sprechen. Was haben sie mir zu berichten, Captain?“<br>Die Hoffnung in den Augen des Präsidenten machte es für Captain Lewinski noch schwieriger über diese Sache zu sprechen. Man hatte der Crew der Monitor vertraut und nun musste dieses Vertrauen enttäuscht werden. Natürlich war es nicht seine Schuld oder die eines anderen Crewmitgliedes gewesen, doch dies änderte nichts an seinen Gefühlen. <br>„Bedauerlicherweise muss ich sie informieren, dass sich das Virus nicht in unseren Händen befindet.“<br>John hatte die Worte so sachlich wie möglich herüber gebracht und wartete nun auf eine Antwort seines Oberbefehlshabers. Auch in den Augen des Präsidenten spiegelte sich deutlich der Schock und die Verwirrung über das eben gehörte wieder.<br>„Wie kann dies sein?“ fragte das Staatsoberhaupt verwirrt. „Vor weniger als einer halben Stunde ist mir gemeldet worden, dass sich der Träger der Waffe sowie der Biovirus selbst auf ihrem Schiff in sicherem Gewahrsam befinden.“<br>„Wir sind leider einem ausgeklügelten Trick auf den Leim gegangen, Mr. President.“ Dieses zuzugeben war für John eine der schwersten Momente seines Lebens. „Alles, was wir in den Händen hatten, war ein fabrizierter Köder, der uns ablenken sollte.“<br>„Ein Köder ..., “ murmelte der Präsident ungläubig. Dies war in der Tat eine unvorhergesehene Wendung. „Ich möchte, dass sie diesen Timo Gruber verhören und den Standort der tatsächlichen Waffe ermitteln…“<br>„Es tut mir leid“, unterbrach John den Redefluss seines Gegenübers, „aber auch dies wird leider nicht mehr möglich sein.“<br>„Wieso?“<br>„Timo Gruber ist tot.“<br>Abermals schwieg der Präsident, als dieser sich den Konsequenzen einer solchen Aussage bewusst wurde. Auch ihn trafen diese Entwicklungen völlig unvorbereitet, dies war ihm nun deutlich anzumerken. Selbst die Jahre auf der politischen Bühne konnten nicht die Überraschung in seinen Gesichtszügen angesichts dieser Nachrichten verhindern.<br>„Wie geschah dies?“<br>„Scheinbar hat er sich mit einem Nervengift selbst getötet. Derzeit wird eine Autopsie durchgeführt, um an nähere Spuren heranzukommen.“<br>„Ich verstehe. Wie gehen sie nun weiter vor?“<br>Dies war nun der schwerste Moment für Captain Lewinski. Diesen Umstand zuzugeben war grausam und fast schon so etwas wie eine Premiere in seiner Karriere. Leider keine, die man feiern wollte oder gar sollte.<br>„Wir wissen es nicht. Mr. President, mit dem Tod von Timo Gruber haben sich jegliche Spuren von uns erschöpft… ich besitze keine Anhaltspunkte mehr.“<br>Abermals legte der Staatsmann eine Pause ein und wog die Worte sorgsam ab, die er nun benutzen wollte. Hier war nun die Arbeit eines Motivators gefragt. Nur zu deutlich sah man Captain Lewinski die Enttäuschung über die ganze Sache an und es war wichtig ihm deutlich zu machen, dass die ganze Entwicklung nicht seine Schuld gewesen ist.<br>„Weiß ihre Crew schon, was vorgefallen ist?“<br>„Zum Glück nicht“, erwiderte Lewinski fast flüsternd. „Ich kann nicht ermessen, welchen Effekt diese Nachricht auf die Moral der Crew haben wird.“<br>„Sie müssen es ihr jedoch sagen, sie hat ein Anrecht darauf es zu erfahren. Was sie nun demonstrieren müssen, ist Stärke und Zuversicht. Die Ereignisse der letzten Minute sind nicht ihre Schuld und müssen sie nur noch mehr anspornen.“<br>Überrascht über diese Worte blinzelte John Lewinski mehrfach den Präsidenten an. Er wusste nicht, was er nun sagen sollte.<br>„Aber mit welcher Spur?“<br>Vertrauensvoll beugte sich der Präsident vor und fixierte den Kommandanten mit seinem Blick.<br>„Wir haben sie auf diese Sache angesetzt, weil sie die besten für diese Aufgabe sind. Mehr als einmal hat die Monitor das Unmögliche möglich gemacht. Wir alle zählen auf sie. Versuchen sie etwas bei der Autopsie zu erfahren, untersuchen sie den Köder und so finden sie eine Spur. Natürlich werden wir auch Lieutenant Bird kontaktieren, der uns mit neuen Informationen versorgen soll. Sie dürfen sich nun nicht hängen lassen.“<br>Auch wenn er immer noch keinen Silberstreif am Horizont sehen konnte, richtete sich John innerlich wieder auf. Es mochte zwar kaum Hoffnungen geben, aber sie mussten jedwede Möglichkeiten nutzen. Die Konsequenzen einer Aufgabe waren einfach zu schwerwiegend, als dass man eine solche in Betracht ziehen konnte.<br>„Die Crew wird ihr bestes geben“, versicherte Lewinski nachdrücklich und erntete dafür vom Präsidenten ein vorsichtiges Lächeln.<br>„Etwas anderes habe ich von ihnen auch nicht erwartet!“<br>Damit wurde die Verbindung vom Staatsmann beendet und John stand nun vor der Aufgabe, die Crew über die jüngste Entwicklung zu informieren. Eine Sache, die besser nicht allzu lang auf sich warten lassen sollte. <br>So selbstsicher es ging, trat Captain John Lewinski auf die Brücke seines Schiffes und blickte seine Führungsoffiziere an. Auf dem Hauptschirm war zu sehen, wie die Monitor in den Orbit der Erde eingeschwenkt war. Innerhalb des Bruchteils einer Sekunde wurde sich John abermals bewusst, wie wunderschön der Planet doch war. Egal wie oft man ihn aus dem Weltall betrachtete, immer noch hatte dieser Moment etwas Magisches.<br>„An alle Besatzungsmitglieder, hier spricht der Captain!“ begann John und automatisch wurde das interne Komsystem aktiviert. „In den letzten Minuten ist es zu dramatischen Ereignissen gekommen. Ich muss sie leider informieren, dass wir, entgegen ersten Gerüchten, nicht im Besitz der Biowaffe sind. Anstatt der realen Waffe haben wir nur einen Köder bekommen, der uns vom tatsächlichen Ziel ablenken sollte. Auch Timo Gruber, Träger des gefälschten Koffers, ist tot.“<br>Kurzzeitig pausierte John, betrachtete die Gesichter seiner Offiziere. Verwirrung und Enttäuschung spiegelte sich in den verschiedenen Mienen wieder, stellenweise sogar Angst. Diese galt es mit allen Mitteln zu bekämpfen.<br>„Die Lage scheint nun hoffnungslos. Manche von ihnen mögen denken, dass wir keine Spur und damit keine Chance mehr haben, um den heute stattfindenden Angriff abzuwehren. Dies stimmt jedoch nicht. Während ich zu ihnen spreche sind wir fieberhaft auf der Suche nach weiteren Indizien und Wegen, um den Einsatz der Biowaffe zu verhindern. Bleiben sie tapfer und bewahren sie den Glauben! Captain Lewinski, Ende.“<br>Mit diesen abschließenden Worten wurde die Komverbindung wieder geschlossen und selbstsicherer, als er wohl selbst geglaubt hatte, betrachtete John seine Führungsoffiziere. <br>Es würde sich sicher bald eine Spur auftun, dies hoffte er inständig. <br><br>Eigentlich hatte Danny gehofft sich etwas Ruhe zu gönnen, doch leider wurde diese Hoffnung enttäuscht. Nur wenige Minuten zuvor hatte er sich hingelegt, die Augen geschlossen und war in eine Art Dämmerzustand übergetreten, da wurde das interne Komsystem aktiviert und eine ihm wohlbekannte Stimme meldete sich. Noch orientierungslos von der kurzen Schlafphase dachte Bird zu Beginn der Wecker würde ihn zu einem neuen Tage begrüßen, doch ein flüchtiger Blick auf den Chronometer machte deutlich, dass es sich immer noch um die selbe Nacht handelte.<br>„Danny, du musst zu einer Besprechung!“ vernahm er die Stimme von Janine über das Komsystem. Übermüdet rieb sich Danny das Gesicht, aktivierte die Nachttischlampe und richtete sich in seinem Bett auf.<br>„Bist du da?“ fragte die junge Frau noch einmal nach.<br>Kurz seufzte Danny, fragte sich, ob er überhaupt antworten oder lieber so tun sollte, als würde er schlafen. <br>„Ich bin wach, keine Sorge“, raunte der Lieutenant schließlich und rieb sich über das Kinn, stellte so fest, dass eine Rasur dringend von Nöten wäre. Doch woher die Zeit nehmen?<br>„Mein Vater will in wenigen Minuten eine Besprechung abhalten“, erklärte Janine fast schon hektisch, „und hat alle eingeladen. Auch du musst vorbeikommen!“<br>„Jetzt noch eine Besprechung? Ich dachte wir alle könnten uns noch etwas Ruhe gönnen!“<br>„Es muss etwas geschehen sein, ansonsten würde es nicht so dringend sein“, erklärte die Frau und beendete die Verbindung.<br>Danny streckte sich noch einmal in dem Bett und stellte fest, dass es in der Tat sinnlos war sich dem Unvermeidlichen entgegen zu stellen. Also erhob er sich, zog schnell seine Klamotten an und stattete dem Bad einen kurzen Besuch ab. Etwas Wasser ins Gesicht, dies musste reichen, um wieder wach zu werden. Angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit sowie des plötzlichen Aufstehens entschied sich der Mensch ebenso dagegen etwas zu aufwendiges anzuziehen. Ein einfaches Shirt sowie eine Jeans, normalerweise viel zu legère in den Augen James Talleys, mussten nun reichen. <br>Innerhalb weniger Minuten erreichte Danny den Konferenzraum, in dem zu seiner Überraschung schon alle Mitglieder des Führungszirkels der Föderalen Befreiungsarmee warteten. Hatten sie etwa früher als er Bescheid bekommen oder schliefen sie einfach gar nicht? Am Kopfende des langen Tisches stand James Talley, einen Arm auf die lange Rückenlehne seines Stuhls gelehnt und bedeutete seinem neuesten Schüler wortlos sich zu setzen. Danny tat wie ihm geheißen und warf einen flüchtigen Blick in die Runde. Aus den Gesichtern der anderen Anwesenden konnte er schließen, dass sie ebenso wenig über den Grund ihres Hier seins wussten wie er selbst. Für einen winzigen Moment traf sich sein Blick mit Janines und die junge Frau deutete ein schüchternes Lächeln an, gerade lang genug, um von Danny zur Kenntnis genommen zu werden. Unmittelbar darauf wendeten alle ihre Aufmerksamkeit ihrem Anführer zu.<br>„Es hat unvorhergesehene Ereignisse gegeben“, erklärte James Talley mit einem tiefen Basston und sein Blick schien jeden einzelnen, der am Tisch saß, zu durchbohren. „Aus diesem Grund musste ich sie zu dieser späten Uhrzeit noch zu mir bitten. Timo Gruber, der Mann, der die Waffe auf die Erde bringen sollte, ist gefasst und verhaftet worden.“<br>Aufgeregtes Getuschel entstand an dem Tisch, als sich die Anwesenden der Konsequenzen dieser Aussage bewusst wurden. Auch Danny Bird startete eine aufgeregte Diskussion mit seinem Nebenmann, auch wenn für ihn diese Nachricht alles andere als überraschend gekommen war. James blickte kurz in die Runde, wartete, bis der Lärm abgeflacht war und fuhr dann fort:<br>„Gruber wusste um seine Aufgaben und Pflichten, daher beging er Selbstmord, um unsere Gruppe zu schützen. Ebenso bin ich sicher, dass er keinerlei Informationen über uns oder die Waffe an die Behörden weitergegeben hat.“<br>„Sind sie sich da absolut sicher, James?“ fragte Nelson unnötigerweise in die Gesprächsrunde hinein und zog sich damit den Zorn der anderen Mitglieder auf sich. Man unterbrach nicht den Führer dieser Untergrundbewegung bei seinen Reden und schon gar nicht mit unsinnigen Fragen. Aber in diesem Fall schien dies James Talley nichts auszumachen, er entgegnete mit gespenstisch ruhiger Stimme:<br>„Ja, ich bin mir sicher. Ich habe Timo ausgesucht, weil er ein absolut integrer und gewissenhafter Mann ist, der an unsere Sache geglaubt hat. Er hat nichts verraten und zog den Tod dem Gefängnis vor. In meinen Augen ist er ein Held und damit Vorbild für uns alle.“<br>„Ist damit also unser Plan gescheitert, nun wo der Virus in den Händen der Föderationsjustiz ist?“ erklang die Frage aus den hinteren Reihen. Danny konnte nicht erkennen, wer die Frage gestellt hatte. Abermals blickte er kurz zu Janine, versuchte ihre Gedanken zu erkennen. Doch mit angestrengtem Blick folgte sie den Ausführungen ihres Vaters.<br>Die erste Reaktion auf diese Frage bestand zu Beginn aus Schweigen. Immer noch stand James Talley am Kopfende des Tisches, dieses Mal beide Arme auf dem Stuhl abgestützt und blickte in die Runde. Ob dies eine dramaturgische Pause war oder ihm Zeit zum Nachdenken bringen sollte, war unbekannt. Für Danny stand jedoch fest, dass der Anführer ein rhetorisches Genie war. <br>„Nein, dem ist nicht so“, überraschte Talley die Anwesenden. „Ich habe einen Schritt weitergedacht, als viele von ihnen vermutet haben dürften. Timo Gruber war niemals im Besitz der echten Waffe. Er hatte nur eine Attrappe, einen Köder, bei sich.“<br>Atemloses Schweigen bei allen Anwesenden, dies war die Reaktion im Raume. Auch Danny hatte alle Mühe sich nicht unterbewusst im Stuhl aufzurichten. Was er da hörte, gefiel ihm ganz und gar nicht. <br>„Gruber hat sein Leben geopfert, um die Föderation in eine Falle zu locken und mir die Möglichkeit gegeben eine Theorie zu bestätigen: wir haben einen Verräter unter uns!“<br>Wieder brandete Getuschel im Anschluss an diese Worte auf. Auch Danny Bird stimmte in die allgemeine Erregung ein, jedoch mehr, um sich zu tarnen. Denn bei dem unangenehmen letzten Satz hatte Talley ihn angeblickt. Ob dies rein zufällig oder nicht geschehen war, blieb unersichtlich.<br>„Irgendjemand, der bei unserer letzten Besprechung dabei gewesen ist, “ fuhr der Anführer fort, „arbeitet als Spion für die Föderation. Anders ist es nicht zu erklären, wie man auf Timo Gruber kommen und ihn festnehmen konnte. Ich werde alle Hebel in Bewegung setzen, um diesen Maulwurf zu enttarnen und ihn seiner gerechten Strafe zuzuführen.“<br>Im Anschluss an diese Worte verließ James den Saal und ließ seinen Untergebenen geschockt zurück. Jeder blickte den anderen an, so als könnte man anhand der Mimik erahnen, wer denn nun der Verräter war. In Dannys Kopf raste es. Nun hieß es auf der Stelle einen Ausweichplan aufzustellen. <br><br>Elisabeth konnte gar nicht glauben, wie nahe sie doch der Lösung ihrer Probleme gewesen waren, nur um am Ende wieder mit leeren Händen da zu stehen. Noch vor wenigen Minuten hatten sie Timo Gruber in ihrem Gewahrsam gehabt und damit auch die scheinbare Waffe. <br>Der Umstand, dass sie sich ebenfalls von der Attrappe hatte täuschen lassen, zeigte nur, wie raffiniert diese Untergrundbewegung war und, schlimmer noch, was ihr für technische Möglichkeiten zur Verfügung standen. Selbiges galt auch für den mysteriösen Tod des Gefangenen. In OP-Kleidung stand die Ärztin vor der Leiche des Mannes und führte eine Autopsie durch. Das Sterilitätsfeld summte monoton vor sich hin, während sie den Mann untersuchte. Ein Geräusch, welches ihr normalerweise Beruhigung und Konzentration verschaffte, sie jedoch heute schlicht und einfach nervte. Dies lang bestimmt an de fortgeschrittenen Uhrzeit, dem fehlenden Schlaf gepaart mit dem Stress, den die gesamte Situation mit sich brachte.<br>Für einen kurzen Moment hielt Dr. Frasier inne und betrachtete die Person, die sich vor ihr aufgebahrt befand. Gruber war ein junger Mann gewesen, nicht einmal dreißig Jahre alt. <br>Auch im Stadium des Todes blieb er mit seinen weichen Gesichtszügen und den noch immer sichtbaren Lachfalten attraktiv. Möglicherweise war er ein Frauenheld oder vielleicht sogar verheiratet gewesen. Sie wussten gar nichts über den Toten, in den Polizeiakten der Föderation tauchte er nicht auf. Ob er jemand geliebtes zurück gelassen hatte? Was mochte diese Person, ob Ehefrau, Kind oder Elternteil, wohl dazu sagen, dass sich ihr geliebter Timo einfach so getötet hatte, um eine obskure Organisation zu schützen. Unwillkürlich fragte sich Elisabeth, wie ein solcher Mann sich mit einer Gruppe wie der Föderalen Befreiungsarmee einlassen konnte. In ihren Augen und sicherlich auch in denen ihrer Kameraden handelte es sich hier um Fanatiker, die ein sinnloses und nicht nachvollziehbares Ziel verfolgten. Wie konnte ein normal denkender Mensch nur denken, dass die Föderation sie und ihre Freiheiten unterdrücken würde? <br>Auf diese Fragen mochte sie vielleicht keine Antwort haben, auf andere jedoch schon. Wie schon bei der gefälschten Biowaffe bemerkt schien die Untergrundbewegung über beeindruckende technische Möglichkeiten zu verfügen. Selbiges galt auch für das Gift, mit dem sich Gruber das Leben genommen hatte. Die Bordärztin hatte einige Zeit lang suchen müssen, bevor sie die Lösung gefunden hatte, doch am Ende war sie fündig geworden. Hilfreich war dabei ein Artikel gewesen, an den sie sich erinnert hatte und der vor einigen Monaten im medizinischen Fachjournal der Föderation erschienen war. Dort hatte man über Implantate auf biochemischer Basis gesprochen, die Klingonen ins Nervenzentrum eingesetzt worden waren. Um der ruhmlosen Gefangenschaft zu entgehen und sich so den Weg ins Sto´vo´kor nicht zu verbauen, zogen Klingonen den rituellen Selbstmord der Entehrung vor. Da jedoch in Gefangenschaft nicht immer die einfache und schnelle Möglichkeit des Todes bestand, setzte der klingonische Geheimdienst in einem Versuchsprojekt ihren Agenten und Spezialeinheiten dieses Nervenimplantat ein, welches durch „einfache“ gedankliche Steuerung aktiviert werden kann und ein schnell wirkendes Gift verabreicht, was schlussendlich zum Tode führte.<br>Ein genau solches Implantat hatte Elisabeth nach langem Suchen im Gehirn des Verstorbenen gefunden. Erleichtert fuhr sich die junge Frau über die schweißnasse Stirn und begann ihren Kittel abzulegen. Diese Untersuchung nach der Ursache war in der Tat die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen gewesen. Wer weiß, ob sie ohne die Erinnerung an den bereits erwähnten Artikel die Lösung gefunden hätte. Nun blieb am Ende noch die Frage: arbeiteten die Klingonen mit der Befreiungsarmee zusammen? Sicherlich eine unwahrscheinliche Sache, denn eine destabilisierte Föderation war ebenso wenig das Interesse ihrer glorreichen Alliierten wie auch von ihnen selbst. Also musste sich die Gruppe das Implantat selbst besorgen haben, was im Umkehrschluss wieder belegte, über was für Möglichkeiten diese Menschen besaßen. Und dieser Umstand machte ihren Gegner noch gefährlicher!<br><br>Abermals konnte Danny Bird keine Zeit für sich allein finden. Nur wenige Minuten hatte er sich in seinem persönlichen Quartier befunden und die Aussagen der Sitzung Revue passieren lassen, als wieder an seiner Tür geklopft wurde. Der Lieutenant hatte es ganz bewusst vermieden in seinen Gemächern unruhig auf und ab zu gehen, hatte stattdessen auf einen Sessel Platz genommen und nachgedacht. Verdächtigte James Talley ihn tatsächlich des Verrats oder war seine abschließende Geste, der Blick in seine Richtung, nur ein Zufall gewesen? Sollte man ihn tatsächlich verdächtigen, so musste er schnellstmöglich eine Lösung für das Problem finden, andernfalls würde er die Mission abbrechen müssen. <br>Sicherlich war von Anfang an klar gewesen, dass diese Infiltration mit Risiken verbunden sein würde, doch Bird hatte kein Interesse daran den Mond in einem Sarg zu verlassen. Bevor man ihn festnahm würde er eher versuchen zu verschwinden und dem Oberkommando so viel zu berichten wie möglich. <br>Doch derzeit musste er sich um die Person kümmern, die an seiner Tür geklopft hatte. Noch bevor er sie hereingebeten hatte, wusste Danny, um wen es sich handelte. Das fast schon zärtliche Klopfen war ein typisches Markenzeichen von Janine, der schönen Tochter des Anführers der Föderalen Befreiungsarmee. Mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck betrat die schwarze Frau seine Räume und schloss die Tür vorsichtig hinter sich. Das lange schwarze Haar hatte sie zu einem Pferdeschwanz zurück gebunden und sie trug, angesichts dieser Tageszeit, nur wenig Makeup. Doch gerade diese Natürlichkeit machte sie in seinen Augen nur noch schöner. Vorsichtig blickte Danny in ihre braunen Augen und erkannte deutlich den Zweifel, der sich in ihnen widerspiegelte. Ungefragt setzte sich die junge Frau auf seine Bettkante und blickte nachdenklich zu Boden. Der Lieutenant wartete einige Sekunden, ließ die Besucherin zur Ruhe kommen und fragte schließlich:<br>„Geht es dir nicht gut?“<br>Jetzt erst blickte Janine auf. Erst schien sie die vor ihr liegende Wand zu betrachten, dann schaute sie Danny an und versuchte ihn zu mustern. Irgendeine Reaktion schien sie bei ihm finden zu wollen, die ihr jedoch verborgen blieb. Aus irgendeinem Grund kam es Danny so vor, als würde er gewissermaßen sondiert werden.<br>„Ist etwas?“ fragte der Agent noch einmal und wartete scheinbar gespannt auf die Antwort Janines. Doch diese Spannung war wie so vieles andere nur gespielt. Natürlich war dem taktischen Offizier der Monitor völlig klar, wieso sich die Tochter von James hier befand. <br>Sie schien ebenso schockiert über das zu sein, was ihr Vater gesagt hatte, wie Danny selbst. <br>Und in der Tat wurde seine Vermutung bestätigt.<br>„Ich kann nicht ignorieren, was mein Vater vorhin gesagt hatte“, murmelte Janine fast unhörbar und fuhr sich mit den Händen durch ihr zartes Gesicht. Auch ihr war deutlich die Müdigkeit und der Stress der letzten Stunden deutlich anzusehen. „Allein die Vorstellung, dass es einen Verräter innerhalb unserer Gruppe geben könnte, ist so unfassbar… wir sind doch alle eine kleine Familie, wie du wohl selbst festgestellt haben dürftest.“<br>Danny nickte, verzichtete jedoch auf eine verbale Antwort. Es stimmte, was sie gesagt hatte. Die Untergrundorganisation war weitaus kleiner, als es die Sternenflottensicherheit zu Beginn angenommen hatte. Statt eines großen Netzwerkes, wie z.B. Sektion 31, war die Föderale Befreiungsarmee mehr ein Familienbetrieb. Zwar über einige Systeme verstreut, doch die meisten Mitglieder kannten sich untereinander seit Jahren. Es war schwer in diese Gruppe hineinzugelangen und dementsprechend hatte es lange gedauert, bis sich Danny dieses Vertrauen erarbeitet hatte.<br>„Und seine Reaktion zum Schluss…“ Janine stockte, überlegte intensiv, wie sie diesen Punkt nun vorbringen sollte. Schließlich entschied sie sich für den direkten Weg. „Er hat zu dir geguckt, Danny, und diese Sache gefällt mir ganz und gar nicht. Bist du ein Verräter an unserer Sache?“<br>Die Frage war so direkt gestellt, dass der Lieutenant sie gar nicht erwartet hatte, zumindest nicht auf diese Art und Weise. Mit ehrlicher Schockiertheit blickte er auf und in Richtung der jungen Frau. Ihre Blicke trafen sich und Danny konnte in ihren deutlich Angst sehen. Er hatte mit Zorn gerechnet, Verzweiflung, doch auf keinen Fall mit Angst. Eigentlich ein gutes Zeichen angesichts der Beziehung, die sich in den letzten Monaten zwischen ihnen aufgebaut hatte. Janine Talley schien in der Tat Angst zu haben, dass die vor ihr sitzende Person ein Verräter war und daher von ihrem Vater beseitigt werden musste.<br>„Nein, du irrst dich“, entgegnete der junge Mann schließlich. „Ich bin kein Verräter und ich hoffe, dass du dich bezüglich der Einschätzung deines Vaters irrst. Ich für meinen Teil habe seinen Blick zu mir nicht als Schulzuweisung verstanden. Hätte ich etwa Grund dazu?“<br>„Ja…Nein…, “ stammelte Janine und stockte. Mit einer Hand fuhr sie sich über das Gesicht, so als kämpfte sie mit Tränen. Danny tat es leid, sie so zu sehen und so rutschte er von seinem Sessel, kniete sich vor ihr hin und umfasste ihre beiden Hände mit den seinigen. Mit dieser einfachen, Jahrtausendealten Geste spendete er ihr neuen Mut und Zuversicht.<br>„Es wird alles gut werden, Janine!“<br>„Du kennst ihn nicht so gut wie ich, Danny“, erklärte die Frau und blickte zu dem einzigen Wandbild, welches sich in seinem Zimmer befand. Ironischerweise war es ein jahrhundertealtes Werk von der Erde, welches die Vertreibung Adam und Evas aus dem Paradies zeigte. „Er ist ein Mann mit festen Idealen und Wertvorstellungen, ein Patriot. Dass irgendjemand eine Sache, egal welche, verrät oder sie gar zu seinem persönlichen Vorteil benutzt, passt nicht in sein Weltbild. Ich weiß, was er mit diesen Menschen tut, die ihn auf diese Art und Weise verletzen und ich möchte nicht, dass selbiges mit dir geschieht.“<br>Diese Aussage hätte ihn eigentlich beunruhigen müssen, aber sie war auch auf eine unglaubliche Art und Weise romantisch. Danny Bird wusste nicht, was er tun sollte. In seinem Innersten tobte ein Wechselbad der Gefühle. Zärtlich küsste er Janines Hände, die er immer noch hielt und sagte:<br>„Janine, ich liebe dich und ich respektiere deinen Vater. Ich würde niemals ihn oder dich verletzen wollen. Ich bin kein Verräter, glaube mir das.“<br>Nur ein einziger Punkt in diesem Satz war keine Lüge gewesen und dies bereitete Danny Kopfschmerzen. Ihm war das passiert, was niemals einer Person bei einem Undercover-Einsatz passieren sollte: er hatte eine persönliche Beziehung zu einer verdächtigen Person aufgebaut. Doch was hätte er tun sollen? Innerhalb kürzester Zeit hatte er sich in James Talleys Tochter verliebt und diese Gefühle waren von ihr erwidert worden. Nach der <br>Enttäuschung rund um Elisabeth hatte er eigentlich nicht erwartet in näherer Zeit eine glückliche Liebe zu finden, doch ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, wo keine Liebe sein durfte, hatte ihn diese ereilt. Nun hatte ihn also das Dilemma ereilt: auf der einen Seite liebte er Janine, doch er musste sie auch wissentlich betrügen und am Ende benutzen, um ihren Vater zu stoppen. Immerhin verfolgten sie als Ziel nichts anderes als Massenmord und dies machte sie zu Schwerkriminellen. Nachdem er sich über seine Gefühle im Klaren geworden war, hatte Danny alles versucht, um in Janine nur das Opfer der Intrigen ihres Vaters zu sehen. Leider hatte jedoch Danny einsehen müssen, dass die junge Frau tief im Führungsprozess der Organisation eingebunden war. Janine war mehr als nur ein Rädchen im Getriebe, sondern eine der wichtigsten Personen im engeren Umkreis ihres Vaters. <br>Wenn Danny doch nur wüsste, wie er mit dieser Sache umgehen sollte…<br><br>Auch Captain Lewinski wusste immer noch nicht, was sie nun tun sollten. Seine eigene Crew hatte er motivieren können, doch wer kümmerte sich um ihn? Sicherlich, der Präsident hatte sein Vertrauen in ihn gesetzt, doch der Staatschef befand sich nicht hier draußen und musste eine furchtbare Waffe stoppen, ohne den geringsten Anhalt oder eine Spur zu haben. <br>Die Monitor befand sich im Orbit der Erde, kreiste dort und wartete auf eine neue Fährte, die sie aufnehmen konnte. Bis dies jedoch geschehen war, waren sie alle nutzlos. Nachdenklich saß der Captain an seinem Schreibtisch und starrte auf die Aktenberge vor ihm. Alle diese Dokumente, Unterlagen, Fahndungsfotos und dergleichen hatte er in der letzten Stunde durchforstet, immer auf der Suche nach einem neuen Ansatz für ihre Jagd. Leider hatte sich keine neue Lösung aufgetan. Sie alle wollten aktiv werden, ihrer Aufgabe nachkommen, doch wie, wenn man absolut keine Spur besaß. Etwas musste getan werden, denn nur durch Herumsitzen und warten gelangten sie nicht zu neuen Erkenntnissen, doch wo nur ansetzen?<br>John konnte sich nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal so ratlos gewesen war. Selbst im Kampf gegen Sektion 31 war er nur selten um eine Idee verlegen gewesen und hatte es immer wieder geschafft neue Fährten zu finden. Doch hier schien die Situation ausweglos zu sein.<br>Mit dem Tod von Timo Gruber hatte sich ihre einzige Spur gewissermaßen in Luft aufgelöst. Für einen winzigen Moment waren sie dem Erfolg so nahe gewesen, nur um am Ende nun gar nichts zu haben. Die gefälschte Bombe hätten sie noch verkraften können, doch der Selbstmord des Kuriers war ein Schock gewesen. Und unweigerlich musste der Captain an den gar nicht so lange zurückliegenden Disput zurückdenken, den er mit seinem ersten Offizier gehabt hatte. Wäre es nach Matt gegangen, so hätten sie mentalen Druck eingesetzt, um an den wichtigen Informationen zu gelangen, die sie zur Verhinderung des Massenexodus brauchten. Lewinski war schockiert über den Vorschlag des Commanders gewesen. Es hatte einfach gar nicht so zu dem Halbbetazoiden gepasst einen anderen Menschen foltern, egal auf welche Art und Weise, zu wollen. Natürlich war ihnen allen die Harte Kindheit von Price bekannt, doch das wissentliche Erzeugen von Schmerzen zwecks Informationserlangung war für den Captain der Monitor einfach abwegig gewesen.<br>Nun jedoch fragte sich der Kommandant, ob er selbst nicht falsch entschieden hatte. Hätten sie Matts Vorschlag sofort in die Tat umgesetzt, so wären sie möglicherweise an die Informationen gelangt, die sie gebraucht hätten. Vielleicht wüssten sie nun auch den tatsächlichen Standort der Waffe oder ähnliches. Aber John hatte sich aufgrund von Moral und Ethik gegen dieses Vorgehen entschieden. Basierend auf diesen beiden Entscheidungskriterien mochte sein Handeln richtig gewesen sein, doch was würde die Bevölkerung der Föderation davon halten, nachdem die Erde ausgelöscht worden wäre?<br>Inter Arma Enim Silent Legis.<br>„Im Krieg schweigen die Gesetze“, dieser Satz kam John wieder einmal in den Sinn. Wie sehr konnte man an seinen eigenen Idealen und Wertevorstellungen festhalten, wenn alles, was einem lieb und teuer war, bedroht wurde? War es rechtens in diesem Fall die Gesetze oder Rechte von einigen wenigen einzuschränken oder gar zu brechen, um der Masse zu helfen? Bisher hatte Captain Lewinski diese Frage immer mit einem kategorischen Nein beantwortet, doch in der momentanen Situation war er alles andere als sicher.<br>Irgendwann jedoch, John wusste nicht, wie viele Minuten vergangen waren, schaffte er es sich von diesem Thema zu lösen. Egal wie man es drehte und wendete, am Ende waren alle Überlegungen rein hypothetisch. Stand über Vergangenes nachzudenken galt es nun nach vorne zu blicken und eine Lösung für das Problem zu finden. Egal, wie abstrus der Ansatz auch sein mochte! <br>Es war in jenem Moment, als sich ein unerwarteter Hoffnungsschimmer auftat. Blinkend erwachte das Komterminal auf dem Schreibtisch des Captains zum Leben und machte so deutlich, dass jemand eine Sprechverbindung zu ihm herstellen wollte. In Erwartung den Präsidenten oder einen seiner Mittelsmänner zu sprechen, nahm Lewinski den Anruf entgegen. Doch statt der erwarteten Person blickte er in das Gesicht eines ihm unbekannten vulkanischen Captains. Dieser musterte John Lewinski kühl, wie es für viele Angehörige seiner Spezies üblich war und stellte sich vor:<br>„Mein Name ist Captain Devol, Leiter des Hochsicherheitstraktes Alpha.“<br>Der Name war natürlich dem Kommandanten der Monitor bekannt. Das Gefängnis, in dem sein Bruder interniert worden war.<br>„Captain Lewinski von der Monitor“, entgegnete John unnötigerweise. „Was kann ich für sie tun, Captain?“<br>„Ich habe hier einen Insassen meiner Vollzugsanstalt, der mit ihnen sprechen möchte“, erklärte der Vulkanier und trotz der Emotionslosigkeit, die für seine Spezies so üblich war, schien ein gewisser Unterton in seiner Stimme mitzuschwingen. Was genau er aussagen wollte, bliebt jedoch unklar.<br>„Um wen handelt es sich?“<br>Johns Frage war seltsam, konnte er sich doch ganz genau denken, um wen es hier ging.<br>„Sind sie also bereit das Gespräch entgegen zu nehmen, Captain Lewinski? Immerhin ist es unüblich, dass wir unseren Gefangenen gestatten ein Telefonat zu führen. Jedoch hat ihr Bruder, Martin Lewinski, behauptet es handle sich um einen Notfall.“<br>Worum es bei diesem Gespräch gehen würde war Captain Lewinski fast schon egal. Angesichts dieser Krise schien es einen kleinen Hoffnungsschimmer darzustellen, dass sein jüngerer Bruder endlich wieder mit ihm sprechen wollte. Dass ihn diese Möglichkeit mitten in der Nacht ereilte, tangierte ihn so gut wie gar nicht. <br>„Stellen sie ihn bitte zu mir durch!“<br>„Sehr wohl“, bestätigte Captain Devol und das Bild wechselte, zeigte statt dem seinigen Gesicht das von Martin Lewinski. Sein Anblick war für John keine Überraschung, immerhin warf er von Zeit zu Zeit ein Auge auf seinen kleinen Bruder. Seltsam, wie er immer noch diese Terminologie benutzte, obwohl Martin ein erwachsener Mann geworden war und, schlimmer noch, ein Krimineller. Vielleicht war in einem anderen Universum sein Leben glücklicher verlaufen, zumindest hoffte John, dass es nicht das Schicksal seines Bruders war, ein Verbrecher zu sein. Er wollte einfach nicht wahr haben, dass Martin ein schlechter Mensch war.<br>„Schön, dich zu sehen“, begrüßte John seinen jüngeren Bruder und meinte diese Begrüßung ernst. „Geht es dir gut?“<br>„Wie soll es mir schon gehen hinter schwedischen Gardinen?“ war die provokante Antwort Martins. Trotz seiner Verbitterung brachte der Waffenhändler ein schiefes Lächeln zustande. Oder lag es an dem Zynismus, der in seiner Stimme mitschwang?<br>„Wenn es irgendetwas gibt, was ich für dich tun kann…“<br>„Du hast Glück! Ich kann sogar etwas für dich tun, “ erklärte Martin Lewinski und erntete für diese Aussage verwunderte Blicke seitens John. „Mir ist es möglich euch bei der Suche nach der Biowaffe zu helfen!“<br>Wie ein Schlag traf den Kommandanten der Monitor diese Aussage. Wo sollte er nur anfangen die ganzen Probleme, die sich an dieses Angebot knüpften, zu erfassen?<br>„Wie… wie… ich weiß nicht, wovon du sprichst, “ stammelte John und schaffte es nicht, seine Überraschung zu verbergen.<br>„Sich zu verstellen wird nichts bringen“, meinte Martin lächelnd, „ich weiß über alles Bescheid. Die Biowaffe, die Bedrohung der Erde und dass ihr Probleme habt sie zu finden. Denkst du nicht, dass ich in meiner Welt ein Mann mit Einfluss gewesen bin und dass ich auch hier drinnen, in einem so genannten Hochsicherheitsgefängnis an diese Informationen gelangen kann? Ich muss schon sagen, es sieht übel für euch aus!“<br>Sich noch weiter über dieses Informationsleck zu wundern, würde derzeit nichts bringen. Zwar musste diese Quelle geschlossen werden, soviel war für den älteren der Lewinskis klar, aber derzeit hatten sie andere Prioritäten. Und wenn sich hier die Möglichkeit bot eine neue Spur zu finden, so mussten sie diese nutzen. Auch wenn sie aus einer obskuren Quelle kamen. <br>„Also schön, raus mit der Sprache, “ forderte John seinen Bruder auf, „wie kannst du uns helfen?“<br>Doch statt die erhoffte Antwort von sich zu geben, hob Martin mahnend seinen Zeigefinger und brachte sogar ein schiefes Grinsen zustande, welches Captain Lewinski ganz und gar nicht gefiel.<br>„Na na, nicht so schnell! Bevor ich hier irgendetwas über mögliche Standorte oder Mittel erzähle, wie man die Biowaffe aufspüren kann, muss ich erst hier heraus!“<br>„Wo heraus?“<br>Die Frage an sich war völlig unsinnig, drückte jedoch deutlich die Überraschung aus, die der Captain angesichts dieser Worte empfand. Die Forderung war so abwegig, dass sie ihm niemals in den Sinn gekommen war.<br>„Aus dem Gefängnis. Ich will sofort aus diesem Knast entlassen werden. Bevor ich keinen Fuß außerhalb dieser Mauern gesetzt habe, sage ich euch gar nichts!“<br>Der Entschluss Martins schien unumstößlich, egal wie sinnfrei seine Forderung auch sein mochte. Ehrlich gesagt wusste John nicht, was er zu dieser Forderung sagen sollte.<br>„Martin, dies muss ein Scherz sein. Ich kann dich nicht im Tausch gegen eine Information, von der ich nicht einmal weiß, ob sie uns helfen kann, aus dem Gefängnis holen.“<br>„Sie wird euch helfen, keine Sorge! Und ich werde erst etwas sagen, wenn ich aus diesem Alpha-Trakt heraus bin.“<br>„Verlegung in einen Minimumsicherheitsbereich, Haftverkürzung, vielleicht sogar Bewährung in einigen Jahren, dies kann ich dir anbieten, “ versuchte John seinem Bruder klar zu machen, „aber auf keinen Fall die Freiheit!“<br>Enttäuscht von dieser Aussage lehnte sich Martin in seinem Stuhl, von dem aus er kommunizierte, zurück und brummte:<br>„Dann ist es deine Schuld, dass die Erde zerstört werden wird.“<br>Damit beendete Martin Lewinski die Verbindung und ließ seinen Bruder fast schon verzweifelt zurück. Dieser dachte einige Sekunden nach, bevor er eine erneute Verbindung zu Captain Devol herstellte. Der Vulkanier schien aus irgendeinem Grund den Rückruf erwartet zu haben, denn er saß immer noch in jene Haltung an seinem Schreibtisch wie während des ersten Gesprächs. Wie schaffte er es nur, trotz dieser frühen Tageszeit, so makellos auszusehen.<br>„Ich habe irgendwie ihren Anruf erwartet, Captain Lewinski“, begrüßte Devol den Kommandanten trocken.<br>„Dies kann ich sehen!“<br>„Haben sie mit ihrem Bruder gesprochen?“<br>„Ja, dies habe ich und ich möchte sie bitten diesen aus der Haft zu entlassen.“<br>Selbst für einen stoischen Vulkanier wirkte Devol nun überrascht. Seine Überreaktion bestand in der typischen Wölbung einer Augenbraue.<br>„Sicherlich habe ich mich da eben verhört, Captain Lewinski?“<br>„Nein, haben sie nicht. Martin Lewinski befindet sich im Besitz von Informationen, die wichtig für die nationale Sicherheit sind. Jedoch ist er nur zur Preisgabe dieser Informationen im Tausch gegen seine Freiheit bereit.“<br>Kurz überlegte der Vulkanier, was er sagen sollte. <br>„Es ist schon seltsam,“ meinte Devol schließlich, „da es hier um ihren Bruder geht, könnte es von manchen Leuten als bewusste Täuschung interpretiert werden.“<br>„Gehören auch sie zu diesen bewussten Leuten?“ fragte Lewinski im Gegenzug.<br>„Nein, tue ich nicht. Jedoch steht die Freilassung ihres Bruders nicht in meiner Macht. Sie müssen sich schon an höhere Stellen wenden.“<br>„Wie dem Justizministerium?“ fragte Lewinski und wurde sich abermals des Zeitfaktors bewusst, der bei dieser ganzen Sache eine kritische Rolle spielte.<br>„Noch höher“, war die ernüchternde Antwort des Vulkaniers. <br><br>Lange hatte der Präsident der Föderation überlegt, ob ein solcher Schritt überhaupt notwendig sei. Hin und her war er durch seine Gefühle gerissen worden. Zum einen war er natürlich um die Sicherheit seiner Familie besorgt. Er wollte sie auf keinen Fall auf der Erde wissen, wenn sie tatsächlich scheitern sollten und der Virus auf dem Planeten freigesetzt werden würde. Doch etwas in seinem Innersten hatte ihn bisher daran gehindert den entscheidenden Schritt zu tun. Es war, als hätte ihn eine unsichtbare Macht davon abgehalten seine Frau um diesen Gefallen zu bitten. Vermutlich war es das Gefühl, dass jene Bitte ein Eingeständnis des Scheiterns sein könnte. Ein Indiz dafür, dass sie tatsächlich nicht in der Lage sein könnten diese Terroristen an der Umsetzung ihres teuflischen Planes zu hindern. Bisher hatte der Staatschef keinen Zweifel am Erfolg des Guten gehabt. Egal wie düster manchmal die Situation für die Föderation gewesen sein mochte, am Ende hatten Recht und Moral obsiegt. Auch im Dominion-Krieg hatte der interstellare Völkerbund mehr als einmal mit dem Rücken zur Wand gestanden und hatte dennoch das Blatt wenden können. <br>Doch hier war die Situation eine andere. Plötzlich hatten sie es nicht mit einer anderen Staatsmacht und riesigen Armeen als Gegner zu tun, sondern einer kleinen Gruppe von Menschen, die nur schwerlich aufzufinden waren und von denen man bisher keine Spur besaß. Die gesamten Hoffnungen der Menschheit ruhten derzeit auf den Schultern von Captain Lewinski und seiner Crew. Instinktiv fragte sich der Präsident, ob der Captain der Monitor mit diesem immensen Druck klar kam. Natürlich hatte er sich über den Werdegang des Kommandanten informiert ( dessen Akte lag immer noch auf seinem Schreibtisch ), aber dennoch war es eine berechtigte Frage, wie Lewinski die Sache aufnahm. Derzeit war er der einzige, der sich um diese Sache kümmern konnte. Wenn seine Crew und schlussendlich er selbst scheiterten, dann wäre es das Ende der Welt, wie sie sie kannten. Die politischen und wirtschaftlichen Folgen einer Vernichtung der Erde waren nicht auszudenken. Sie konnten das politische Gleichgewicht des Quadranten zerstören, ja sogar die Föderation als Institution selbst ins Wanken bringen. Geldentwertung, Massenbankrotts, Gesetzlosigkeit, dies wären nur einige der wenigen Folgen einer solchen Katastrophe. <br>Entschieden schüttelte der Präsident den Kopf und versuchte so die unangenehmen Gedanken zu vertreiben. An diese Möglichkeiten wollte er nicht einmal denken. Vielmehr galt es nun optimistisch zu bleiben. Schließlich raffte er sich auf, verließ den Arbeitsbereich des Präsidialgebäudes und zog sich in den hinteren Wohnbereich zurück. Auch wenn oder gerade weil er nur wenig Freizeit hatte, besaß der Präsident eine großartige Wohngelegenheit mit mehreren herrlich ausgestatteten Räumlichkeiten, einem malerischen Esszimmer und einem unglaublichen Schlafzimmer. Wenigstens hier, so zumindest die Idee der Konstrukteure, sollte ein Staatsoberhaupt Ruhe nach einem anstrengenden Tag finden. Genau dort fand er auch seine Frau wieder, die seelenruhig auf der Couch lag, die Füße hochgelegt hatte und ein Buch las. Wie ein Fels in der Brandung, so kam sie dem Präsidenten vor und instinktiv musste er lächeln. Was für ein Glück er doch mit dieser Frau gehabt hatte!<br>Endlich bemerkte seine Frau ihn und lächelte. Ruhig legte sie ein Lesezeichen in dem altmodischen Buch, welches aus Papier bestand, und packte es beiseite.<br>„Da bist du ja!“ begrüßte ihn seine Frau, erhob sich von ihrem Platz und umarmte ihren Gatten. „Nach deinem überhasteten Wecken vor einigen Stunden habe ich mir schon Sorgen gemacht. Ist es nun vorbei?“<br>„Nein, die Krise ist leider noch nicht ausgestanden“, entgegnete der Staatsmann ehrlich und überlegte, wie viel er seiner Gemahlin anvertrauen konnte. Normalerweise hatte er keinerlei Geheimnisse vor ihr, doch dieses Mal fragte er sich, wie schockierend die Nachricht sein konnte. „Vielmehr sind wir noch mitten drin.“<br>„Etwas Ernstes?“ fragte sie überflüssigerweise und erntete von ihrem Mann ein Nicken.<br>„Ja, es ist in der Tat ernst und daher möchte ich dich um etwas bitten: nimm die Kinder und verlass die Erde. Nicht für lange, nur bis die gegenwärtige Situation beendet wurde.“<br>Überrascht löste sich seine Frau von ihm, stemmte ihre Hände in die Hüften und musterte das Gesicht ihres Ehemannes. Sie versuchte eine Antwort in seinen Zügen zu finden, doch zu ihrer Überraschung war sie dazu nicht in der Lage.<br>„Die Erde verlassen? Wieso und was ist mit dir?“<br>„Das kann ich dir leider nicht sagen. Tu bitte einfach das, was ich sage, ja? Es wäre mir eine große Erleichterung, wenn ich euch in Sicherheit wüsste.“<br>Plötzlich schlug der Ton seiner Frau um, wandelte sich in ein vertrautes Flüstern, als sie fragte:<br>„Ist es denn so ernst?“<br>Statt einer Antwort nickte der Präsident nur, so dass seine Frau weiterfragte:<br>„Und es wäre dir eine Hilfe, wenn wir nicht auf der Erde wären?“<br>Auch bei dieser Frage nickte der Präsident und blickte seiner immer noch Jugendhaft schönen Frau in die Augen. Schließlich akzeptierte sie. Dazu musste sie kein Wort sagen, ein einfacher Blick reichte und der Präsident wusste, dass seine Frau dem Wunsch folge leisten würde. Es würde in jedem Fall eine gewaltige Erleichterung bedeuten, wenn seine Familie erst einmal auf dem Mars oder sonst wo wäre.<br>„Du wirst eine der präsidialen Raumschiffe nehmen“, meinte der Staatsmann und aktivierte sogleich einen Kombildschirm. „Ich werde auf der Stelle eines vorbereiten lassen.“<br>Im Anschluss an jenes Gespräch begab sich der Präsident wieder in seinen Arbeitsbereich, wo an seinem Terminal wieder zahllose Nachrichten und Anrufe auf ihn warteten. Kurz ging er die Liste der Meldungen durch, fand dann schließlich die Interessanteste von allen: ein Anruf von Captain Lewinski! Sofort ließ er den Captain der Monitor zu sich durchstellen.<br>„Captain“, begrüßte der Präsident seinen derzeit besten Mann, „gut von ihnen zu hören!“<br>„Mr. President, vielen Dank, dass sie so schnell auf meinen Anruf reagieren“, entgegnete John und trotz seiner jahrelangen Berufserfahrung war es ihm nicht gänzlich möglich seine Angespanntheit zu verbergen. „Es könnte sich eine neue Spur auftun.“<br>„Erzählen sie mehr davon!“<br>„Jemand bietet seine Hilfe bei der Suche an. Angeblich weiß diese Person ganz genau, wie man den Biovirus mittels Scannern orten kann.“<br>Erfreutet weiteten sich die Augen des Staatsoberhauptes. Dies waren in der Tat erfreuliche Nachrichten. Man musste manchmal nur lange genug an sein Glück glauben, dann traf es auch ein!<br>„Ausgezeichnet! Wer ist diese Person und arbeitet sie schon mit ihnen zusammen?“<br>Nun pausierte John Lewinski für einen kurzen Moment und knirschte mit den Zähnen; das wohl sichtbarste Anzeichen, dass die Sache noch einen Haken hatte.<br>„Nein, diese Person sitzt im Gefängnis und verlangt im Gegenzug für seine Hilfe sofortige Freilassung und Amnestie.“<br>Nur kurzzeitig fragte sich Präsident, wie diese Person wohl im Gefängnis von der ganzen Sache erfahren haben konnte. Derzeit gab es dringlichere Fragen als diese.<br>„Ich verstehe ihr Dilemma. Captain, wie heißt diese Person?“<br>„Martin Lewinski.“<br>Nun stockte auch der Präsident, musterte seinen Gesprächspartner und wusste für einen Moment nicht, was er sagen sollte. Zwar hatte er sich wieder innerhalb weniger Sekunden gefasst, dennoch war ihm das Misstrauen deutlich anzusehen gewesen.<br>„Sie wissen schon, wie dies jetzt aussieht, Captain Lewinski?“ fragte der Präsident noch einmal nach und fasste damit deutlich seine Gedanken zusammen.<br>„Ja, dies ist mir klar, Sir, aber ich muss betonen, dass dies vielleicht unsere einzige Spur zu diesem Fall sein könnte. Es wäre fatal dieser nicht nachzugehen.“<br>„Es ist also ihr Bruder?“<br>„Ja, in der Tat.“<br>„Und weswegen sitzt er im Gefängnis?“ fragte der Präsident, faltete seine Hände und stützte sein Kinn darauf abwarten.<br>„Waffenschmuggel sowie mehrfacher Mord“, gestand John ohne zu zögern. Was gab es auch an der schrecklichen Vergangenheit seines Bruders zu vertuschen?<br>„Sie verlangen also im Ernst, dass ich ihren Bruder aus der Haft entlassen soll?“<br>„Andernfalls ist er zu keiner Kooperation bereit, Mr. President!“<br>„Ich kann ihm Hafterleichterung anbieten, Verringerung der Haftstrafe…“<br>„All jenes lehnt er ab“, fiel ihm der Captain ins Wort und bereute sogleich seine Tat. „Er will auf freien Fuß gesetzt werden.“<br>Lange dachte der Präsident über diese Sache nach. Was wog nun schwerer? Und sprach Martin Lewinski überhaupt die Wahrheit?<br>„Diesen Fall muss ich überdenken“, entschied der Staatschef schließlich. „Ich werde die Akte ihres Bruders studieren und dann eine Entscheidung treffen.“<br>Doch scheinbar war John Lewinski mit dieser Aussage alles andere als zufrieden, dies konnte man anhand seiner Reaktion ersehen.<br>„Sir, bei allem Respekt, aber wir haben keine Zeit. Uns gehen die Optionen aus und…“<br>„Ich werde ihren Fall bedenken“, würgte der Präsident den Kommandanten ab und beendete die Verbindung. Eine unhöfliche Reaktion, ja, aber angesichts der Situation musste er nachdenken. Egal wie er sich entschied, scheinbar würde er verlieren, zumindest hatte der Präsident dieses Gefühl!  <br><br>Immer noch wusste Danny Bird nicht, was er tun sollte. Das Gespräch mit Janine hatte ihn nur noch mehr verwirrt. Bleiben oder Gehen? Dies war die Frage, die er sich immer noch stellte. Natürlich wollte er der Sternenflotte so viele Informationen wie nur möglich liefern, aber dabei wollte er noch am Leben bleiben. Nach langem Überlegen hatte der Lieutenant eine Entscheidung getroffen: er brauchte einen Kaffee! Ruhigen Schrittes ging Danny durch die weiten Flure des Gebäudes, bis er schließlich in einer der zahlreichen Teeküchen ankam. Dort begann er sich einen Kaffee auf herrlich altmodische Art und Weise herzustellen. Natürlich befanden sich Replikatoren in diesem Raum, aber irgendwie stand ihm der Sinn nach der klassischen Zubereitungsart des koffeinhaltigen Getränkes. Ausgerechnet James Talley war es gewesen, der ihm diese Methode des Zubereitens gezeigt hatte und seitdem schwor Bird auf das jahrhundertealte Getränk. Vorsichtig füllte Danny fünf gestrichene Löffel Kaffeepulver in den Filter und aktivierte das Gerät. Langsam, mit dem typischen Geräusch einer Kaffeemaschine, welches so beruhigend wirkte, begann das Gerät die wertvolle Flüssigkeit herzustellen. Fast schon hypnotisiert blickte der Mensch auf die braune Flüssigkeit, welche in die Kanne floss. Sie würde ihm etwas Entspannung und Erholung bieten in dieser krisenreichen Zeit.<br>Es dauerte einige Zeit, bis der Undercover-Agent bemerkte, wie jemand den Raum betreten hatte. Er stellte sich direkt neben Danny und holte eine weitere Kaffeetasse aus dem Holzregal. Nur mit Mühe konnte der taktische Offizier der Monitor seine Überraschung verbergen, als er ausgerechnet James Talley neben sich entdeckte. Immer noch wirkte dessen Miene undurchdringlich und nicht interpretierbar. Statt zu sprechen, nickten sich Danny und James nur zu, bevor sie ihre scheinbare Aufmerksamkeit wieder auf die Kaffeemaschine richteten.<br>Was nur tun? Es war wie beim Poker, man konnte sich niemals sicher sein, was der Gegenüber wirklich annahm. Hielt James ihn nun für einen Verräter und den Grund, wieso Timo Gruber aufgeflogen war oder bildete er sich dies nur ein? Schwierig eine Entscheidung basierend auf diesen Grundlagen zu treffen. Dennoch musste er sich entscheiden. Abermals blickte Danny zu dem Mann neben ihm, welcher derzeit die größte Bedrohung für die Sicherheit der Föderation darstellte. Wie harmlos doch James Talley wirkte! Jede andere Person, die ihn vermutlich auf der Straße sähe, würde ihn für einen Geschäftsmann oder Lehrer halten, der ein liebevoller Vater war und nur das Beste für seine Tochter im Sinn hatte. Vermutlich traf das meiste auch auf ihn zu, bis auf den Punkt, dass er den Großteil des Lebens auf der Erde auslöschen wollte. Immer wieder musste Danny an die Ereignisse vor zwei Jahren zurückdenken, als er selbst die Auswirkungen der Biowaffe miterleben durfte. Allein die Vorstellung, dass sich die Bevölkerung der Erde gegenseitig im Wahn umbrachte, war grauenvoll. <br>Und genau aus diesem Grund durfte Danny nicht gehen. Auch wenn ihn James, der sich gerade eine Tasse des fertigen Kaffees einschenkte, für einen Verräter hielt, so musste Lieutenant Danny Bird doch alles tun, um diesen Wahnsinn aufzuhalten. Wenn der Preis dafür sein eigenes Leben war, so musste dieser gezahlt werden, um Schlimmeres zu verhindern. Aus diesem Grund traf Danny die Entscheidung, welche er für richtig hielt. Daher schenkte er sich ebenfalls eine Tasse Kaffee ein, grinste James selbstsicher an und ließ ihn in der Teeküche zurück. Statt sich über eine Flucht Gedanken machen zu wollen, galt es nun ein Ablenkungsmanöver zu kreieren und glücklicherweise hatte Danny schon eine Idee, wie er dies anstellen wollte… <br><br> „Es tut mir leid, aber leider kann ich ihrem Gesuch nicht stattgeben!“<br>Der Captain hatte auf eine schnelle Entscheidung seitens des Staatsmannes gedrängt und tatsächlich hatte der Präsident ihn innerhalb von 20 Minuten zurückgerufen. Nur mit dem Ergebnis konnte sich John Lewinski alles andere als anfreunden. Nach allen Informationen, die er dem Oberhaupt der Föderation präsentiert hatte, war er sich sicher gewesen, dass dieser seinem Bruder eine Amnestie gewähren würde. Doch scheinbar hatte er sich geirrt.<br>„Mr. President, bei allem Respekt“, fragte Captain Lewinski daher noch einmal nach, „haben sie sich dies auch gut überlegt?“<br>„Selbstverständlich habe ich dies, Captain. Ich bin die Fakten des Falles noch einmal durchgegangen, habe mir ihre Argumente sowie die meiner Berater durch den Kopf gehen lassen und habe mich, basierend auf diesen Informationen, gegen eine Freilassung ihres Bruders entschieden.“<br>Erschöpft lehnte sich John in seinem Sessel zurück. Für einen kurzen Moment hatte es so ausgesehen, als besäßen sie eine neue Spur. Doch auch diese blieb ihnen versagt.<br>„Lassen sie mich raten: Justizminister Jellico hat sich ebenfalls gegen eine Amnestie ausgesprochen, oder?“<br>Die Frage des Kommandanten war mehr als berechtigt. Wer anders als sein Intimfeind würde schon jubeln angesichts eines weiteren Schlages gegen ihn? Doch sehr zu seiner Überraschung erklärte der Präsident der Föderation:<br>„Sie scheinen sich in dem Minister zu irren. Mr. Jellico hat sich explizit für eine Freilassung Martins ausgesprochen. Jedoch halte ich einen solchen Schritt für falsch.“<br>„Sir, er könnte unsere einzige Spur zu der Waffe sein. Laut seiner Aussage können wir mittels seiner Informationen die Standorte der Biowaffe finden, “ merkte John nochmals mit Nachdruck an.<br>„Und sie glauben ihm? Basierend worauf?“<br>Kurzzeitig überlegte der Captain der Monitor, wie man eine solche Frage rational beantworten konnte. Wie drückte man ein Gefühl aus, eine Art Instinkt?<br>„Er ist mein Bruder, Mr. President, und ich kenne ihn gut. Er sagt die Wahrheit.“<br>„Dafür, dass er ihr Bruder ist, wussten sie jedoch recht wenig über seine kriminelle Tätigkeit“, entgegnete der Staatschef und bereute schon im nächsten Moment seine Worte, die ihm aufgrund des Stresses herausgerutscht waren. Auf ein solches Niveau sollte sich keiner herunter begeben. Der Satz traf John hart, dies war deutlich seinem Gesichtsausdruck zu entnehmen. <br>„Martin Lewinski ist ein Straftäter und hat der Föderation mehr als einmal geschadet“, erklärte der Präsident noch einmal. „Wenn ich ihm nun Amnestie gewähre, ohne so recht zu wissen, ob seine Informationen uns weiterhelfen können oder nicht, so habe ich ab morgen hunderte von solchen Gesuchen auf meinem Schreibtisch liegen. Ich bin ja bereit ihm entgegen zu kommen, wenn er uns belegen kann, dass er Informationen von Wert besitzt.“<br>Doch John musste als Antwort energisch den Kopf schütteln.<br>„Bedauere, aber mein Bruder wird erst reden, wenn er einen Fuß auf freien Boden gesetzt hat.“<br>Die Antwort des Gegenübers ließ einen Moment auf sich warten, als der Föderationspräsident überlegte, ob er die nächste Frage überhaupt stellen sollte. Auch diese konnte durchaus missverstanden werden.<br>„Sind sie sicher, dass sie dies alles nur wegen der Sucher nach der Waffe tun? Oder spielt es nicht ebenso eine Rolle, dass sie ihren Bruder aus dem Gefängnis rausholen möchten?“<br>„Bei allem nötigen Respekt, “ presste Captain Lewinski zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, „aber ich war derjenige, der meinen Bruder gestellt und ihn der Justiz übergeben hat. Wieso sollte ich ihn nun auf Biegen und Brechen herausholen wollen?“<br>„Sie kennen doch das Sprichwort Blut ist dicker als Wasser.“<br>Statt zu antworten schwieg John den Präsidenten an, fixierte ihn mit seinem Blick. Bisher hatte er immer den höchsten Respekt vor diesem Mann gehabt, doch seine gegenwärtigen Aussagen entbehrten jedweder Logik. Manche waren gar in seinen Augen unverschämt.<br>„Wäre dies alles, Sir?“ fragte John gereizt.<br>„Ja, dies wäre es. Suchen sie nach alternativen Lösungswegen, Captain. Wir alle zählen auf sie und ich weiß, dass sie und ihre Crew es schaffen werden.“<br>Mit diesen Worten beendete der Präsident die Komverbindung. Noch einige Zeit lang blickte John auf den schwarzen Bildschirm und dachte über dieses Gespräch nach, welches ihn fast zur Weißglut gebracht hatte. Wie über alternative Lösungen nachdenken, wenn sie überhaupt keinen Ansatz dafür besaßen? Die mögliche Lösung ihres Problems war praktisch vor ihrer Nase und der Präsident war dennoch nicht bereit über seinen Schatten zu springen. Schlimmer noch, er warf ihm Eigennutz vor. Gerade ihm, der wohl das schmerzlichste getan und seinen eigenen Bruder verhaftet hatte. Noch deutlich konnte er sich an den Moment erinnern, als er vor einem Jahr Martin endlich verhaftet und ihm erstmals seit Jahren wieder in Natura gegenübergesessen hatte:<br><br><i>Gerade noch rechtzeitig war Martin Lewinski von seinem explodierenden Shuttle gebeamt worden. Wenn er ehrlich war, so war dies für ihn nicht überraschend gekommen. Anders als <br>vielleicht die Klingonen hatte die Föderation Interesse an einer Strafverfolgung und einem Prozess.<br>Was ihn jedoch sehr wohl überraschte, war seine Verlegung in das kleine Casino des Schiffes. Martin hatte damit gerechnet sofort in die Arrestzelle gebracht zu werden, doch<br>scheinbar wollte man ihn verhören. Nun saß er hier, an einem Tisch in der Mitte des Raums. An beiden Zugängen stand jeweils ein bewaffneter Sicherheitsposten, der ihn mit Argusaugen<br>beobachtete. Doch wohin hätte Martin schon fliehen können? Derzeit arbeitete er fieberhaft an einem Plan, aber im Moment war er ratlos.<br>All diese Gedanken wurden jedoch unwichtig, als eine Person das Casino betrat. Natürlich hatte der Waffenhändler damit gerechnet vom Captain des Schiffes persönlich vernommen zu werden. Jedoch zu sehen, wer der Kommandant tatsächlich war, stellte mehr als nur eine große Überraschung dar.<br>Auch für John Lewinski war dies ein schwerer Moment. Nachdenklich stand er in der Tür, blickte zu seinem Bruder und stellte sich instinktiv die Frage, wo dies alles noch hinführen sollte. Hier war er nun, nach einer fast einjährigen Jagd und hatte seinen Bruder festgenommen. Ob es dies schon einmal in der Geschichte der Föderation gegeben hatte? Erstaunlich selbstsicher saß sein Bruder da und starrte ihn an. Dass Martin eben fast ums Leben gekommen wäre, schien für ihn keine Rolle zu spielen. Keine Regung zeigte sich in seinem Gesicht. In diesem Moment bemerkte der Captain, wie alt sie doch geworden waren. Martin war nun 38 und er selbst 43. Fast ein halbes Jahrhundert hatten sie beide auf dem Buckel und was war ihre Bilanz? John sah seinen Bruder zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren nicht auf einem Komschirm, sondern in Natura. Die ganze Situation wirkte so unwirklich. John konnte nur hoffen, dass sich ihr Vater beim Anblick dieser Situation nicht im Grabe umdrehte.<br>Der Einstieg in ein Gespräch war immer der schwerste Moment. John überlegte lange, was er zu Beginn sagen sollte. Er setzte sich gegenüber seinem Bruder auf den Stuhl und blickte ihn eindringlich an.<br>"Im Namen der Vereinigten Föderation der Planeten nehmen wir dich wegen unerlaubten Waffenbesitzes, Waffenschmuggel und Mord fest“, erklärte Captain Lewinski. "Ich nehme mal an, ich muss dir nicht deine Rechte erklären, oder?"<br>"Die scheinen ja eh keine Rolle zu spielen“, entgegnete Martin überaus selbstsicher. "Dies scheint mir ja kein reguläres Schiff zu sein. Ich glaube mich zu erinnern, dass du für den Geheimdienst tätig bist. Habt ihr überhaupt die Möglichkeit mich festzunehmen?"<br>"Mit der Tötung eines Sternenflottenmitgliedes gabst du mir diese Erlaubnis."<br>Johns Worte waren kalt und enthielten all den Schmerz, den er beim Verlust Hendersons empfand. Es war schon schlimm genug, dass sein eigener Bruder ein Krimineller war. Ihn jedoch als Mörder festzunehmen war noch grausamer.<br>"Du hasst mich dafür, nicht wahr?" Martin schien seine Gedanken erraten zu haben. "Weil ich einen deiner Männer getötet habe."<br>Lange dachte der ältere Bruder über diese Frage nach. Wie konnte man eine solche Frage beantworten?<br>"Nein“, antwortete er schließlich. "Ich hasse dich nicht dafür. Du bist mein Bruder und ob du es glaubst oder nicht, ich liebe dich. Aber ich kann nicht gutheißen, was du getan hast.<br>Nicht als kommandierender Offizier dieses getöteten Mannes... und nicht als liebender Bruder."<br>Scheinbar war Martin überrascht über diese Aussage. Natürlich ließ er sich so gut wie nichts in seinen Gesichtszügen anmerken, aber als Bruder erkannte John sofort seine Reaktion.<br>"Würde es für dich einen Unterschied machen, „ fragte der Waffenhändler, "wenn ich sage, dass der tödliche Schuss nicht gezielt abgegeben worden ist? Dass ich selbst überrascht<br>war zu treffen?" Angesichts dieser Worte gab John sein Möglichstes, keine emotionale Reaktion zu zeigen, doch diese Intention schlug fehl. Er weitete seine Augen und innerlich jubilierte er. <br>Es machte die Sache zwar nicht besser, aber zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer hatte er.<br>"Und wie wird es nun weitergehen?"<br>Als Zeichen einer wieder gefundenen Gelassenheit drehte sich John leicht herum und schlug seine Beine übereinander. Auch wenn er nicht als unbarmherzig dastehen wolle, eine gewisse Festigkeit musste er bei seinem Auftreten haben, besonders in diesem Fall. <br>"Gegenwärtig befinden wir uns auf dem Weg zur Erde, wo du in Untersuchungshaft kommen und auf deinen Prozess warten wirst."<br>Scheinbar teilnahmslos nahm sein jüngerer Bruder diese Worte auf, dachte über sie nach und schien sich fast jede einzelne Silbe auf der Zunge zergehen zu lassen. Schließlich fragte er:<br>"Und du als älterer Bruder möchtest mir nicht helfen aus diesem Schlamassel herauszukommen?"<br>Ruckartig stemmte sich John hoch und blickte auf seinen Bruder herab. Diese Worte hatten bei ihm im wahrsten Sinne des Wortes eine Sicherung durchbrennen lassen. Glaubte Martin wirklich nun an die Familienehre appellieren und wieder frei kommen zu können?<br>"Nein, ich werde dir dabei nicht helfen. Weder als Offizier der Sternenflotte noch als dein älterer Bruder. Du verdienst einen fairen Prozess, bei dem dir jedoch hoffentlich das Handwerk gelegt werden wird. Glaubst du etwa, ich wäre nur zufällig hier? Das letzte<br>Jahr über habe ich mühsam deine Spuren verfolgt, habe diskret ermittelt, um dich schließlich heute zu stellen. Ich wollte es sein, der deinem illegalen Treiben ein Ende setzt."<br>"Du wolltest es also innerhalb der Familie regeln?"<br>"Vielleicht könnte man es so ausdrücken“, gab der Kommandant zu.<br>"Und wieso regelst du es jetzt nicht innerhalb der Familie?" fragte Martin und reckte ihm seine Hände entgegen, an denen Handschellen befestigt waren. "Bestrafe mich! Tu das, was Vater an deiner Stelle möglicherweise getan hätte."<br>"WIE KANNST DU ES WAGEN VON VATER ZU SPRECHEN?" flippte Captain <br>Lewinski aus. Seine Reaktion war in einer solchen Heftigkeit, dass selbst die Sicherheitsleute nervös zu ihren Phasern griffen. Dann beruhigte er sich wieder. Fast, denn panisch bemerkte er, wie sich Tränen in seinen Augen abzeichneten Die ganze Situation war einfach nur grauenvoll. Instinktiv fragte er sich, was aus ihm nur geworden war. "Er starb im Wissen, dass einer seiner Söhne etwas Falsches tat. Er wusste nicht was du getan hast, Martin, aber er ahnte es. Papa hat sich Sorgen gemacht! Und als er starb, warst du nicht an seiner Seite."<br>"Du warst doch für ihn da“, entgegnete der jüngere Bruder kalt, "das hat doch gereicht."<br>"Nein, hat es nicht! Ich schäme mich immer noch dafür nicht an seiner Seite gewesen zu sein, als es zu Ende ging und bei Gott, wir beide hätten an seinem Sterbebett stehen müssen!"<br>Nun war es an Martin aufzuspringen. Sofort traten die beiden Wachen einen Schritt nach vorne, was den Waffenschieber dazu veranlasste sich wieder zu setzen. Mit gepresster Stimme erklärte er:<br>"Vater hat dich immer mehr gemocht als mich."<br>"Das stimmt nicht und das weißt du!"<br>"Du warst das Wunderkind und ich ein Störfall. Es war doch kein Wunder, dass ich mir schließlich Anerkennung im Illegalen suchte."<br>Drohend erhob John einen Zeigefinger.<br>"Wage es niemals, dein verkorkstes Leben auf Vater zu schieben."<br>"Muss ich gar nicht. Möglicherweise ist es DEINE Schuld!"<br>Irritiert stand John vor seinem Gefangenen und sie starrten sich in die Augen. Schließlich drehte sich der Captain resignierend um und verließ den Raum. Das Verhör war zu Ende.</i><br><br>Zum Wohle der Föderation hatte er quasi seine eigene Familie zerstört und nun war niemand bereit dieses Opfer zu würdigen. Abermals ging es nun darum die Föderation zu retten und man band ihm die Hände. Was nur machen? <br>John überlegte lange und traf schließlich seine eigene Entscheidung.<br>„Lewinski an Price und Kensington“, aktivierte der Captain eine interne Komverbindung, „melden sie sich umgehend in meinem Bereitschaftsraum!“<br>Es dauerte nur einige Sekunden, bis beide Offiziere den kurzen Weg von der Brücke zum Bereitschaftsraum zurückgelegt hatten. Lewinski blickte sie beide eindringlich an. Ob es richtig war diesen Schritt zu gehen? Noch vor kurzem hatte er bei Matt jegliche Abweichung vom Protokoll und den Gesetzesbruch abgelehnt. Jetzt wollte er selbst einen drastischen Schritt machen. Doch für Zweifel war es bereits zu spät; die Sache musste nun durchgezogen werden.<br>„Noch vor einer Stunde wollten sie harte Mittel einsetzen, um Timo Gruber zum Reden zu bringen“, erklärte Captain Lewinski in Richtung seines Stellvertreters. „Sind sie auch willens andere Wege zu gehen, um so die Rettung der Erde zu gewährleisten?“<br>Ohne zu zögern antwortete der Halbbetazoid:<br>„Ich bin bereit alles dafür zu tun, Skipper!“<br>Dies war die Antwort, mit der John gerechnet hatte. Fähnrich Kensington musste er gar nicht erst fragen. Sie war ein aufstrebender Karriereoffizier, die alles für eine positive Beurteilung seitens ihrer Vorgesetzten tun würde. Auch sie würde mit dabei sein.<br>„Was ich ihnen jetzt sage, ist als im höchsten Maße vertraulich zu behandeln“, erklärte der Kommandant. „Außer der Führungscrew des Schiffes sowie einem ausgewählten Team werden sie absolut niemandem davon erzählen.“<br>Die beiden neu hinzugekommenen Offiziere nickten verstehend und warteten gespannt darauf, was ihnen ihr Captain nun zu sagen hatte. <br>„Äußere Umstände zwingen uns dazu Martin Lewinski aus der Haft im Hochsicherheitsgefängnis Alpha zu befreien. Fähnrich Kensington, sie werden ein Einsatzteam von insgesamt drei Leuten aufstellen, welches von mir geführt werden wird. Des Weiteren bereiten sie einen Lageplan zwecks Orientierung vor. Commander Price, sie werden für die Ablenkung sorgen müssen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir uns einfach da unten hinein beamen können. Denken sie sich was gemeinsam mit Ardev aus. Habens sie beide verstanden?“<br>Beide Offiziere nickten und schienen von der Mimik her zu urteilen nicht allzu schockiert darüber zu sein, dass sie gerade den Befehl erhielten in eine Anlage der Föderation einzubrechen.<br>„Was wir hier zu tun gedenken, ist gefährlich und ein Verstoß gegen jedwedes Protokoll. Ich habe dies jedoch aufgrund der Sicherheit der Föderation vor. Wenn irgendjemand von ihnen Bedenken deswegen hat, so soll er diese nun äußern.“<br>Doch zu seiner Überraschung kam nichts in dieser Hinsicht und so ließ er beide Offiziere wieder wegtreten. John hatte seine Entscheidung getroffen. Hoffentlich war es die Richtige…<br><br>Diese Gespräche hasste James Talley. Zwar waren sie notwendig, aber dennoch versuchte er sie zumeist so schnell wie möglich zu beenden. Vielleicht lag es an der beängstigenden Atmosphäre, die von dieser Person ausging. Manche Personen, vor allem jene, die ihre Ziele nicht verstanden, schienen James für einen Wahnsinnigen zu halten. Jedoch verglichen mit dieser Person war er fast schon ein Priester. Sie hatte Unzählige auf ihrem Gewissen, gefoltert und ermordet auf bestialische Art und Weise. Ob sein Gesprächspartner überhaupt wusste, wie viele Lebewesen er schon getötet hatte?<br>„Sind sie noch im Zeitplan?“ fragte die Person, welche auf dem Komschirm zu erkennen war. Vielleicht lag sein Unbehagen ja weniger an der Person, sondern vielmehr an dem Ort, von wo sie aus sprach. Allein das Gesicht auf dem Bildschirm zu sehen war einerseits sensationell, aber auch seltsam abstrus. Dass dies überhaupt möglich war!<br>„Ja, noch läuft alles gut. Zwar ist einer unserer Männer von der Föderationssicherheit gefasst worden, aber ich habe diese Fall antizipiert.“<br>„In wie fern?“ fragte der Gegenüber und wölbte, gemeinsam mit einem spitzbübischen Lächeln, eine Augenbraue.<br>„Er trug nicht die tatsächliche Waffe bei sich, sondern nur einen Köder.“<br>„Gute Idee. Aber wie konnte er gefasst werden?“<br>„Wir haben einen Verräter unter uns“, gestand James Talley. Nur vor wenigen Personen hatte der schwarze Mann Respekt, sein Gegenüber war einer davon. Obwohl sie unzählige Lichtjahre trennten, schien es so, als könnte sein Gesprächspartner im schlimmsten Falle ihn durch den Bildschirm packen und töten. <br>„Ach ja, der leidige Verrat. Ihr Menschen schein ja sehr anfällig für dieses Thema zu sein, “ seufzte die Person und rollte übertrieben mit den Augen. Zumindest hielt James dies für eine übertrieben gekünstelte Reaktion. Obwohl eigentlich alles an dieser Person gekünstelt wirkte. Sei es ihre Aussprache, ihre Gestik, ihre Kleidung, alles wirkte völlig abgehoben. Ob die Person selbst dies wusste oder schon längst vergessen hatte? „Ich bin sicher sie kümmern sich darum, James?“<br>„Aber selbstverständlich! Ich habe auch schon mehrere Personen im Verdacht. Es sollte nicht mehr lange dauern, bis wir den Täter gefasst haben.“<br>„Schön, schön. Ich bin sicher noch von ihnen zu hören.“<br>Mit diesen abschließenden Worten beendete die mysteriöse Person das Gespräch. Erleichtert seufzte James, als das Gesicht vom Bildschirm verschwand. Eine seltsame Person, aber auch ein wertvoller Auftrag- und Geldgeber. Nur aus diesem Grund hatte er sich mit ihr einlassen müssen.<br><br>Weit entfernt, in einer düsteren Zelle, lag der Antosianer Jozarnay Woil reglos auf dem Boden. Unter seinem Körper bildete sich eine große Blutlache und scheinbar hatte der ehemalige Chefingenieur das Bewusstsein verloren, denn er hatte seine Augen geschlossen. Für einen Außenstehenden musste dies ein furchtbares Bild darstellen und genau dies war beabsichtigt. Routinemäßig blickte eine der Wachen, welche sich vor seiner Zelle befanden, in den Raum hinein und erstarrte. Innerhalb nur einer einzigen Sekunde hatte der Wachmann die Tür geöffnet und war in den kleinen Raum hineingestürmt. Sofort erkannte er, was vorgefallen war: trotz strengster Sicherheitsvorkehrungen war es dem Gefangenen gelungen sich mit einer zerbrochenen Tasse die Pulsadern aufzuschneiden. Wie der Gefangene der Sektion 31 dies geschafft hatte blieb der Wache unklar. Die Essensrationen, die sie Woil zuteilten, waren nicht nur begrenzt, sondern wurden auch in Tellern und Gefäßen gereicht, die eigentlich nicht als Waffe missbraucht werden konnten. Aus irgendeinem ihm unbekannten Grund hatte der ehemalige Chief es dennoch geschafft die Tasse als Selbstmordinstrument zu nutzen. Im Kopf der Wache raste es. Panisch blickte er zu seinem Kollegen, der sich im Flur befand und vor sich hin döste. Edward Jellico würde toben, wenn er erführe, dass sein persönlicher Gefangener tot war. Was würde nur aus ihm selbst werden und seinem Partner?<br>Was die aufgeregte Wache jedoch nicht wusste war, dass ein Antosianer viel mehr Blut verlieren konnte als ein Mensch. Jeder Erdenbewohner, und genau dies war der Wachmann, wäre bei diesem Literverlust schon gestorben, doch der Körberbau Woils unterschied sich grundlegend von dem seiner Bewacher. Für ihn war dieser Verlust an Blut nur ein kleines Ärgernis. Demzufolge war er auch beileibe nicht bewusstlos, sondern wartete auf den richtigen Moment, der schon im nächsten Augeblick folgte. Entsetzt beugte sich die Wache über den Oberkörper Jozarnays, um seine Lebenszeichen zu ertasten und dies war sein Fehler. Plötzlich und überrascht drehte sich Woil herum und schlug seinem Bewacher mehrfach ins Gesicht. Der verdutzte Mann hatte nicht einmal die Gelegenheit zu reagieren. Zwar versuchte er es, doch ein gezielter Tritt in die Weichteile der Wache taten ihr übriges. Röchelnd brach die Person zusammen und Woil sprang vom Boden auf. Dieses Mal war es an ihm den Zustand des Bewusstlosen zu überprüfen. Dieses Mal jedoch bestand an der körperlichen Verfassung seines Gegenübers kein Zweifel: die Wache war bewusstlos und würde sich so schnell nicht erholen. Für einen kurzen Moment hielt der Antosianer inne und lauschte in den Gang hinaus, ob die andere Wache den kleinen Zweikampf bemerkt hatte. Zum Glück war er lautlos genug vorgegangen, um den anderen Wachmann nicht aus dem Schlaf zu reißen. <br>Im Anschluss an seinen gelungenen Hinterhalt durchsuchte Woil den Wachmann nach nützlichen Gegenständen, die er alsbald fand: eine Phaserpistole, ein Kommunikator sowie eine Zugangskarte, zumindest hielt Jozarnay das Objekt für eine solche. Erst jetzt, nachdem sich seine erste Aufregung gelegt hatte, bemerkte er immer noch seine blutende Wunde. Sogleich riss er den Pullover des Bewusstlosen und verband seinen Arm, um die Blutung zu stoppen. Kurz blickte er zu der Lache, in der er eben noch gelegen hatte. Sie wirkte auf einen Menschen sicherlich gewaltig, dies musste Woil schon zugeben. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie naiv sein Plan eigentlich gewesen war. Es hatte sich bei seiner Aktion um den ältesten Trick der Welt gehandelt und dennoch hatte er funktioniert; vermutlich ein deutlicher Beweis dafür, dass es sich bei seinen Bewachern auf keinen Fall um Profis handelte. Wieso Sektion 31 ausgerechnet solche Amateure einstellte war zwar unklar, auf jeden Fall stellte es eine deutliche Erleichterung für ihn da.<br>Konzentriert blickte Jozarnay zu der Zellentür, die nun weit offen stand und ihm so den Weg in die Freiheit wies. Dort, im Rahmen, stand Stella Tanner in einem schönen Kleid und lächelte ihm zu. Glücklich erwiderte Jozarnay dieses Lächeln. Ja, sie war mit seiner Tat zufrieden und lud ihn nun ein, ihr in die Freiheit zu folgen. Konnte es ein schöneres Ziel für einen Mann geben? Auf Zehenspitzen schlich der Antosianer nach draußen und überraschte die schlafende zweite Wache. Auch sie schlug er bewusstlos, trug sie dann in die Zelle und verschloss im Anschluss diese. Seltsam, nach der monatelangen miserablen Behandlung hatte er erwartet Hass oder ähnliches auf seine Peiniger zu empfinden, doch stattdessen fühlte er nichts. Zumindest nicht in Bezug auf seine Bewacher, die nur Mittelsmänner für ihn waren. Natürlich wollte er sich rächen, aber in derjenigen Person, die für sein Leiden verantwortlich war: Edward Jellico! <br>Und um dieses Ziel zu erreichen, musste er den Weg aus diesem Gefängnis herausfinden. Noch ein letztes Mal atmete der ehemalige Chief tief durch und machte sich dann auf den Weg in die Freiheit. <br><br>Auf einem gänzlich anderen Planeten mit dem Namen Rigel war es wie so oft eine kalte Nacht. Der Wind fauchte durch die Straßen der grauen Industriestadt und nur wenige Bewohner waren unterwegs, um noch einige letzte Besorgungen zu machen. Birgit Price, die Mutter des ersten Offiziers des Raumschiffs Monitor, packte ihre Sachen für den morgigen Tag zusammen und wollte sich eigentlich auf den Weg in ihr Schlafzimmer machen, als es an ihrer Tür klingelte. Sie war überrascht, dass sie jemand noch so spät besuchen wollte und öffnete vorsichtig die Tür. Wen sie vor dieser sah, ließ sie fast vor Schreck erstarren. Diese Person auf einmal vor sich zu sehen kam so unerwartet, dass es fast schon unwirklich anmutete.<br>Vor ihrer Haustür stand niemand anderes als Arsani Parul, der Vater ihres Kindes.<br>Der Mann hatte sich verändert. Gehüllt war er in einen dicken Mantel, der ihn vor der Kälte Rigels schützen sollte, jedoch nicht annähernd so luxuriös war, wie er es eigentlich gewohnt war. In seinem Gesicht zeigte sich ein leichter Bartschatten. Trotz des Abstiegs, den er in den letzten Monaten nach dem Bekenntnis zu seinem unehelichen Sohn durchgemacht hatte, hatte er immer noch nichts von seiner Attraktivität eingebüßt.<br>„Hi“, sagte Parul fast schüchtern und brachte ein schiefes Lächeln zustande.<br>Der Mann, der unzählige Verträge ausgehandelt und verfeindete Völker an einen Tisch gebracht hatte, wirkte nun völlig eingeschüchtert.<br>Doch auch Birgit Price war überrascht von der Situation. Lange hatte sie sich ausgemalt, wie sie wohl reagieren würde, wenn dieser Mann eines Tages vor ihr stehen würde, doch nun war sie ebenso sprachlos. Schon das zweite Mal innerhalb eines Jahres war er nun bei ihr.<br>Daher bat sie den Mann in ihre Wohnung. Es war Zeit über die Vergangenheit zu sprechen…<br><br>Nach einer immens kurzen Vorbereitungszeit war es nun soweit. Obwohl es der Captain niemals zugeben würde, er war sehr nervös. Gemeinsam mit Fähnrich Kensington und Chief Broome stand er im kleinen Transporterraum seines Schiffes und traf die letzten Vorbereitungen für die Außenmission. Sie alle trugen schwarze Kampfanzüge, waren ausgestattet mit allerlei technischem Equipment und nicht zuletzt Handfeuerwaffen. In der rechten Hand hielt Captain Lewinski den Kommunikator, den er soeben abgelegt hatte. Nichts an ihren Anzügen sollte auf ihre Sternenflottenherkunft hindeuten. Aus genau diesem Grund trug auch niemand von ihnen die Rangpins, die normalerweise an ihrer rechten Kragenseite angebracht waren. Unter normalen Umständen wäre ihr Außenteam von drei Mann viel zu klein, doch John wollte den Kreis der Wissenden um diese Mission so klein wie möglich halten. Klugerweise hatte Samira Kensington Chief Broome gewählt, der erfahren genug war, um diese Angelegenheit mit der nötigen Vertraulichkeit zu behandeln. Jeder von ihnen ging noch einmal die Waffen durch, vergewisserte sich über den Ladezustand der Energiezellen und dass sie den Betäubungsmodus eingestellt hatten. Für einen kurzen Moment hielt John inne und fragte sich abermals, ob er das richtige vorhatte. Immerhin beabsichtigte er in eine Sternenflotteneinrichtung einzubrechen und seinen Bruder aus der Haft zu befreien. Damit würde er gegen die direkten Befehle des Präsidenten der Föderation verstoßen. <br>Doch seltsamerweise waren John die eventuellen Konsequenzen seiner Tat völlig egal. Hier ging es um die Rettung der Erde und aus irgendwelchen Gründen wollte man nicht der einzigen Spur folgen, die sich ihnen bot. Aus diesem Grund wurde der Kommandant der Monitor gezwungen das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen. <br>„Lewinski an Price, wie weit sind sie?“<br>Die über Interkom durchgegebene Frage war unnötig, denn der erste Offizier war mehr als bereit. Gemeinsam mit Ardev hatte er eine Möglichkeit erarbeitet, um das Außenteam in den Komplex des Hochsicherheitsgefängnisses zu beamen. Nachdem der erste Offizier dem Andorianer vom Plan des Captains berichtet hatte, war er sich nicht sicher gewesen, ob dieser an der Sache teilnehmen würde. Doch der Kommandant konnte sich der Loyalität seiner Crew gewiss sein. Auch wenn sein Vorgehen im besten Fall mysteriös, im schlimmsten illegal war, die Besatzung vertraute ihm und war sich sicher, dass hinter seinen Aktionen ein Sinn steckte. Daher hatte Lieutenant Ardev pausenlos an einer Möglichkeit der Infiltration gearbeitet. Nach einigem Probieren und Versuchen hatte er sich schließlich auf die Möglichkeit der Einschleusung eines Computervirus konzentriert. Die Computersysteme des Gefängnisses, insbesondere deren Sicherheitssysteme, waren hochkomplex, doch Ardev war gut in seinem Fach und so hatte er schließlich alles für den Start der Aktion vorbereitet.<br>Ein letztes Mal blickte Price zu dem Einsatzoffizier, dieser nickte ihm zu, und er erwiderte:<br>„Wir sind soweit, Captain. Auf ihr Signal kann der Virus eingeschleust werden.“<br>Im Anschluss an diese Worte wartete der Captain einen Moment, ließ sich die ganze Sache noch einmal durch den Kopf gehen. Fähnrich Kensington wirkte ebenso entschlossen wie er selbst. Kein Wunder, witterte sie doch hinter dieser ganzen Sache eine gewaltige Karrierechance. John war nicht entgangen, wie die junge Frau um eine Beförderung kämpfte. Manches Mal wirkte sie eindeutig zu ehrgeizig, doch in diesem speziellen Fall kam ihr Engagement gerade recht. Chief Broome hingegen wirkte professionell wie immer. Sicherlich hatte auch er mit seinem Gewissen in dieser Sache zu kämpfen, doch derzeit dachte er nur über die Missionsziele und die Vorgehensweise nach. Fähnrich Kensington hatte einen Lageplan des Hochsicherheitstraktes Alpha besorgt und einen exakten Vorgehensplan erarbeitet. Das ganze Vorgehen basierte auf dem Element der Schnelligkeit. Das Außenteam musste einfach Martin Lewinski schneller erreichen, als die Sicherheitsleute des Gefängnisses. Zwar standen ihnen zahlreiche Sicherheitssysteme im Weg, diese würden jedoch hoffentlich vom eingespeisten Virus neutralisiert werden. <br>Captain Lewinski nickte, dann stellte sich das dreiköpfige Außenteam auf die Transporterplattform. An den Kontrollen stand wie so oft Alex Bolder. Er war immer noch der beste seines Fachs und am ehesten in der Lage das Außenteam so unbemerkt wie möglich in den Trakt hinein zu beamen. <br>„Lewinski an alle: es kann losgehen!“<br>Lieutenant Ardev, der wie immer an seiner Konsole saß, wartete gar nicht erst auf eine Bestätigung seitens des ersten Offiziers, sondern machte sich sofort an die Arbeit. Innerhalb weniger Sekunden hatte er sich in das Computernetz des Hochsicherheitsgefängnisses gehackt und versuchte einen Weg zu finden, um den Computervirus einzuschleusen. Dies stellte sich jedoch als schwieriger dar als angenommen. Price stand die gesamte Zeit über hinter dem Andorianer und versuchte aus den Unmengen an Zahlen und Diagrammen, die über die Bildschirme des Einsatzoffiziers huschten, schlau zu werden. Natürlich war Matt alles andere als dumm und besaß wie jeder andere die Grundkenntnisse, die man für den Dienst an Bord eines Raumschiffes benötigte. Doch wenn man einem Mann wie Ardev über die Schulter schaute wurde einem bewusst, was für ein Experte dieser Mann doch war. <br>„Gibt es ein Problem, Ardev?“ fragte Price und versuchte dabei erfolglos keine Sorge in seiner Stimme erkennen zu lassen. Rein gefühlsmäßig dauerte dem Halbbetazoiden die Sache etwas zu lange.<br>„Das Computersystem der Anstalt hat mehr Firewalls und Sicherheitssysteme, als ich angenommen habe“, murmelte der Lieutenant und seine Finger huschten über die Tastatur.<br>„Konntest du dies nicht vorausahnen?“<br>„Ich habe natürlich vorher einige Simulationen laufen lassen, aber die uns zur Verfügung stehenden Daten über das Alpha-Gefängnis waren wohl unvollständig. Nun ja, die da unten wären ja auch schön blöd, würden sie alle Details ihrer Sicherheitssysteme frei zugänglich machen.“<br>Price verschränkte nachdenklich die Arme. Auch wenn er die Probleme verstehen konnte, hier stand einfach zu viel auf dem Spiel.<br>„Kannst du es schaffen oder nicht?“<br>Statt eine Antwort von sich zu geben widmete sich Ardev einfach weiter seiner Arbeit. Zwei Firewalls hatte er mittels seiner Tricks und Kenntnisse umgegangen, noch drei standen einer Einschleusung des Virus im Weg. Natürlich hätte er noch viel schneller vorgehen können, doch bei dieser gesamten Operation musste er peinlichst genau darauf achten, dass man ihr Eindringen nicht bemerkte. Überhaupt es zu versuchen das Computersystem zu infiltrieren, ohne entdeckt zu werden, war nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Einen solchen Coup hatte Ardev noch nie in seinem Leben versucht. Bei der gesamten Aktion wurde er von seiner neben ihm sitzenden Frau beobachtet. Arena wünschte sich instinktiv ihrem Mann helfen zu können, aber ihre eigenen Fähigkeiten in diesem Bereich waren einfach zu beschränkt, als dass sie effektiv hätte etwas tun können.<br>„Matt, was ist da los?“ erklang die Stimme des Captains aus dem Interkom und er hörte sich ebenfalls besorgt an.<br>„Wir haben es gleich, Skipper“, entgegnete Price zähneknirschend. „Ardev muss nur noch einige Einstellungen beachten und dann kann es schon losgehen!“<br>Nervös blickte John zu Fähnrich Kensington und versuchte in ihrem Gesicht die Besorgnis zu sehen, die sich wahrscheinlich bei ihm widerspiegelte. Jedoch wirkte die junge Frau ungemein selbstsicher. Hatte sie etwa keine Angst bei dieser Aktion? Noch besaß Captain Lewinski die Möglichkeit die ganze Sache abzublasen und eine andere Lösung für das Problem zu finden. Leider gab es jedoch keine andere Lösung. Martin Lewinski war der Schlüssel, die einzige Fährte, zu der Biowaffe. Ohne ihn wäre die Erde verloren, davon war John überzeugt. <br>Konzentriert blickten die Augen Ardevs auf seinen Bildschirm, wo er mittels schnell eingegebener Befehle noch eine Firewall geknackt hatte. Es war ein fast schon ungleicher Kampf Mensch gegen Maschine. Der Einsatzoffizier musste einfach schneller sein als das Programm des Hochsicherheitsgefängnisses, welches verzweifelt versuchte ihn am Eindringen zu hindern. Dabei war Ardev mehr als verwundert darüber, dass man sein Eindringen in das System noch nicht bemerkt hatte. Scheinbar waren seine Computerfähigkeiten besser, als er selbst für möglich gehalten hatte. Alle auf der Brücke schwiegen, denn man fürchtete mit jedem weiteren Wort den Andorianer abzulenken und ihn zu einem fatalen Fehler zu verleiten. <br>Schließlich erreichte der Einsatzoffizier sein Ziel. Ganz vorsichtig, um sich nicht auf der Zielgeraden doch noch alles kaputt zu machen, zog er sich wieder aus dem fremden System zurück und starrte für einen kurzen Moment ungläubig auf den Bildschirm. Diese Reaktion reichte Commander Price, um eine neue Komverbindung zu Lewinski zu öffnen:<br>„Skipper, der Virus ist eingeschleust worden und wartet nur auf ihren Aktivierungsbefehl.“<br>Ein letztes Mal atmete der Captain tief durch und blickte in das entschlossene Gesicht von Fähnrich Kensington. Nun gab es kein zurück mehr. Möglicherweise zerstörte er in diesem Moment seine Karriere. Alles zum Wohle der Föderation.<br>Es sollte wohl so sein…<br>„Aktivieren sie den Virus!“<br>Ein simpler Tastendruck genügte und der ausgeklügelte Computervirus wurde aktiviert. <br>Die Sicherheitssysteme der Justizvollzugsanstalt waren modern und auf einem unglaublich hohen Stand, doch mit dieser Art von Aggressor konnten sie nichts anfangen. Der Computervirus war eigens für die technologische Kriegsführung in einem Gemeinschaftsprojekt mit den Tamarianern entwickelt worden. Dieses hoch entwickelte Mitgliedsvolk der MPA, welches sich einer seltsamen Sprache bediente, benutzte ihre verwirrende Grammatik auch in den Algorithmen ihrer Computersysteme und machte sie so für Abwehrmechanismen zu einem fast unbezwingbaren Gegner. So gut wie niemand wusste etwas von diesem Programm, welches nur wenigen Schiffen wie der Monitor zur Verfügung stand. Dabei hatte Captain Lewinski jedoch nicht damit gerechnet, dass der erste Einsatz dieses Virus ausgerechnet gegen die eigenen Leute stattfinden würde. <br>Sofort brach in der Hochsicherheitsanstalt Alpha Chaos aus. Captain Devol blickte irritiert an die Decke, als das Licht begann zu flackern und ihm sein persönlicher Computer den Dienst versagte. Auf typisch vulkanische Art und Weise wölbte er die Augenbrauen, versuchte eine Kommunikationsverbindung zu der Zentrale herzustellen, was ihm jedoch nicht gelang. <br>Auf allen Ebenen griff der Virus an, sabotierte ein System nach dem anderen und begann das feindliche Computernetzwerk zu übernehmen. Es dauerte nur eine weitere Millisekunde, bis dem Anstaltsleiter klar wurde, dass ein Ausbruch oder gar ein Angriff bevorstand. Seine Wachen waren bestens ausgebildet und würden sich schon in diesem Moment auf alle Eventualitäten vorbereiten. <br>Nur wenige Sekunden nach dem Einspielen des Virus gab John Lewinski das Okay für den Transport. In einer schimmernden Säule verschwand das dreiköpfige Außenteam von der Transporterplattform und materialisierte an ihrem Zielort. Das Gefängnis war ein fensterloser Ort und damit auf die Innenbeleuchtung angewiesen, die der Virus ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen hatte. Aus diesem Grund hatte der Captain Nachtsichtgeräte an seine beiden Begleiter austeilen lassen, was ganz sicher einen taktischen Vorteil einbrachte. Kurz versuchte sich der Captain zu orientieren, aktivierte dann das auf seinem Handgelenkt angebrachte Display und stellte zu seiner Freude fest, dass sie an der richtigen Stelle materialisiert hatten. Von jetzt an versuchten sie nur lautlos miteinander zu kommunizieren. Mittels Handzeichen machte Lewinski Fähnrich Kensington und Chief Broome deutlich ihm zu folgen. Auch ihnen war natürlich bekannt, wo sich ihr Ziel befand. Der Virus hatte in der Tat ganze Arbeit geleistet, in der Anstalt war ein heilloses Chaos ausgebrochen. Dabei hatte Ardev bei der Programmierung des kleinen Programms darauf geachtet nicht die Zellenmechanismen in Mitleidenschaft zu ziehen. Sie hatten ganz gewiss kein Interesse daran die gefährlichsten Straftäter der Föderation frei herumlaufen zu lassen. <br>Das Außenteam hielt inne, als ein Schatten auf sie zutrat. Innerhalb weniger Augenblicke reagierte Captain Lewinski und schlug den Sicherheitsmann nieder, der überhaupt nicht wusste, wie ihm in diesem Moment geschah. Es war irgendwie ein seltsames Gefühl für den Kommandanten der Monitor, auf einen seiner eigenen Leute loszugehen. Gegen andere Sternenflottler zu Felde zu ziehen war etwas, was John niemals hatte tun wollen.<br>Um jeden Preis mussten sie Tote bei dieser Aktion vermeiden. Ohne sich allzu lange aufzuhalten ging das Außenteam weiter vor, passte die richtigen Momente ab, um unbemerkt an den umherirrenden Wachleuten vorbeizukommen und näherte sich dem Ziel, der Zelle von Martin Lewinski. Dieser wurde von einem bewaffneten Wachmann auch weiterhin in Schach gehalten. Lewinski und Kensington postierten sich links und rechts des Schotts, welches zu Martin führte und Chief Broome warf auf ein Zeichen hin eine Blendgranate in den Raum hinein. Diese blitzte mit einem gewaltigen Knall auf und gab dem Fähnrich die Möglichkeit mit einem gezielten Schuss den Sicherheitsmann zu betäuben. Schnell stürmten die drei in die Zelle hinein und erblickten einen zufrieden grinsenden Martin Lewinski. Anscheinend hatte der Waffenhändler irgendwie damit gerechnet von seinem Bruder gerettet zu werden.<br>„Du hast dir ganz schön Zeit gelassen“, raunte Martin, wurde jedoch nur von John am Handgelenk gepackt und aus dem Raum gezogen. Für langwierige Diskussionen oder gar eine Widersehensfeier war beileibe keine Zeit.<br>„Kann ich auch eine Waffe haben?“ fragte Martin daher. „Zur Selbstverteidigung?“<br>„Das kannst du vergessen!“ antwortete John und an der Art und Weise, wie er dies sagte, konnte kein Zweifel an der Endgültigkeit dieser Aussage bestehen.<br>Mehr Zeit blieb auch nicht für weitere Gespräche, denn schon im nächsten Moment rannte das nun vierköpfige Außenteam in eine Patrouille. Diese schien genauso überrascht zu sein jemanden anzutreffen wie die Eindringlinge und reagierten damit einen Tick zu spät. <br>Chief  Broome war der erste, der sein Gewehr hochriss und die erste von vier Wachen betäubte. Auch die anderen taten es ihm gleich. Hatte sich John einige Minuten zuvor noch unwohl gefühlt einen anderen Crewman der Sternenflotte niederzuschlagen, so fühlte er sich in diesem Moment noch furchtbarer. Mit einer Waffe, auch wenn sie nur auf Betäuben gestellt war, auf die eigenen Menschen zu schießen war grauenvoll. Wie hatte er doch früher diejenigen verabscheut, die die Föderation verraten und sich gegen die eigenen Leute gestellt hatten. Gehörte Captain Lewinski nun auch zu diesen Personen. Seltsamerweise schien Fähnrich Kensington keinerlei Probleme dieser Art zu haben, als sie blitzschnell ein neues Ziel suchte und erneut den Abzug betätigte. Oder war sie einfach nur in der Lage, genau wie Chief Broome, ihre Gefühle zu unterdrücken? Zwar schafften die Gefängniswachen es noch zwei ungezielte Schüsse abzugeben, doch diese verfehlten ihre Ziele bei weitem. Einen Effekt hatten sie dennoch, sie alarmierten weitere Sicherheitskräfte, die auf der Suche nach den Angreifern waren. Nun hieß es sich beeilen. Laut der Karte von Captain Lewinski war ihr Transferpunkt noch einige Meter entfernt. Trotz des eingespeisten Virus funktionierte die Transporterblockade noch gut genug, so dass sie nur von diesem Punkt aus beamen konnten. Im Laufschritt begaben sich die vier an jenen Ort und hörten hinter sich schon die Schritte der herannahenden Wachen.<br>„Stehen bleiben!“ rief eine der Personen hinter ihnen und Fähnrich Kensington reagierte instinktiv, feuerte mehrere Schüsse auf die Angreifer ab. Zwei davon waren Volltreffer, während die restlichen vier Wachen ebenfalls das Feuer eröffneten. Die beiden Lewinskis gingen in Deckung, John feuerte aus den Rohren und musste mit ansehen, wie Chief Broome zu Boden ging. Dieser war jedoch nur am Bein getroffen worden und schleppte sich weiter.<br>Unter Deckungsfeuer von Lewinski und Kensington rannten sie weiterhin in Richtung Transferpunkt, immer darauf bedacht ihre Verfolger auf Abstand zu halten. Immer wieder versuchten sie Korridore oder andere Hindernisse zwischen sich zu bringen, um den Verfolgern keine optimale Schussposition zu ermöglichen. Einmal versuchte Martin eine am Boden liegende Waffe aufzunehmen, wurde jedoch von seinem Bruder davon gehindert. Auch trotz der brenzligen Lage war er nicht bereit seinem Bruder den Zugang zu Schusswaffen zu ermöglichen. Schließlich, und nicht zu spät, erreichten sie ihr Ziel. Der Captain musste nicht einmal mehr etwas sagen, denn man hatte schon auf das Außenteam gewartet und so wurden sie erfolgreich zurück an Bord des Schiffes geholt. Scheinbar war ihre Aktion glücklich verlaufen. <br>Scheinbar…<br><br>Der Anruf seitens James Talley hatte in Danny Bird eine innere Unruhe entfacht, die sich schon lange bei ihm aufgestaut hatte. Während der vergangenen zwei Stunden hatte er mit der Angst leben müssen, dass der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee ihn enttarnt hatte und bald beseitigen würde. Seit ihm zum ersten Mal dieser Verdacht gekommen war hatte Danny alles versucht, um diese Schuld von sich abzulenken. Vor wenigen Minuten hatte James nun ihm eine Nachricht zukommen lassen, dass er unbedingt in den Garten des prächtigen lunaren Anwesens kommen sollte. Danny hatte wieder einmal seinen teuren Anzug angelegt, den er meistens bei Treffen mit Talley trug und hatte sich auf den Weg gemacht. Flüchtig blickte der Lieutenant auf die Uhr. Es war kurz vor sechs, auch auf dem Mond würde bald der Morgen grauen. Kurz fragte sich der Agent, wie lange er schon nicht mehr geschlafen hatte. Mehr als eine kurze Pause war ihm nicht vergönnt gewesen.<br>Und auch wenn es der Sicherheitsoffizier der Monitor nicht zugeben wollte, er hatte Angst. Angst davor, dass er gerade seine letzten Schritte als lebende Person machen und schon in wenigen Minuten tot sein würde. Was hatte er nicht alles in diese Mission investiert! <br>Seit drei Monaten befand er sich unter diesen Leuten, versuchte ihren teuflischen Plänen auf die Schliche zu kommen und gleichzeitig nicht von ihnen vereinnahmen zu lassen. Seit dem Beginn dieser Mission hatte Bird nicht mehr seine Freunde an Bord der Monitor gesehen, die er so sehr vermisste. Es war ihm nie bewusst gewesen, wie viel ihm die anderen bedeuteten. Möglicherweise war es nun zu spät, um ihnen dies jemals mitzuteilen.<br>Dannys Laune steigerte sich nicht gerade, als er in den garten des Anwesens kam. In dem von einigen Laternen erleuchteten Areal befand sich ein großer Teil des Führungszirkels der Untergrundarmee, inklusive Janine. Diese blickte ihn kurz an, als er die Treppen herunterstieg, schlug jedoch im Anschluss sofort ihren Blick nieder. Mit zusammengepressten Lippen musterte ihr Vater Danny, schien seine Gedanken oder Intentionen abschätzen zu wollen. Das ganze hatte irgendwie eine gespenstische Atmosphäre, beklemmend und unheimlich.<br>„Endlich bist du auch da!“ begrüßte James ihn mit ernster Stimme, nachdem sich Danny Bird in den Kreis der Anwesenden gestellt hatte, und trat selbst in die Mitte. Der Anführer atmete tief ein und aus, bewunderte einmal mehr das Wunder des Terraforming. Dass Menschen hier mal Sauerstoff atmen konnten, hätte noch vor einigen Generationen niemand für möglich gehalten. „In wenigen Minuten wird die Sonne aufgehen und damit auch ein neuer Tag anbrechen. Ein Neuanfang für jeden Bürger, der sich auf ein Neues daran macht in seinem Leben nach Glück zu streben. Die Altlasten des vorherigen Tages werden abgeworfen und man konzentriert sich auf die Zukunft. Genau dasselbe habe ich auch vor, “ erklärte James Talley und grinste fast schon freundlich. Beiläufig zupfte er an seinem Sack, strich seine Krawatte glatt und blickte dann zu Danny. Dieser hatte alle Mühe, um nicht instinktiv zurückzuweichen.<br>„In den letzten Stunden ist einiges passiert, meine Herren. Die Jagd nach einem potentiellen Verräter hat uns allen den Atem stocken lassen und mir vor allem eine schlaflose Nacht bereitet… genauso wie ihnen. Allein die Vorstellung, dass sich jemand gegen die Ziele unserer Gruppe stellt, ist für mich einfach nur widerlich und unfassbar. Dennoch hat es dieses Subjekt gegeben.“<br>Jetzt sagt er es, dachte Danny und gab sich alle Mühe keine Regung in seinem Gesicht zu zeigen, jetzt enttarnt er mich!<br>„Und nach langer Suche, “ erklärte James und hob nun seine Stimme an, so dass man ihn quer durch den Garten hören konnte, „haben wir endlich den Verräter in unseren Reihen gefunden.“<br>Danny wartete nur auf den Finger von James Talley, der in fast altmodischer Manier auf ihn zeigen sollte, doch stattdessen wandte sich der Anführer einer anderen Person zu: Nelson.<br>Dieser wich erschrocken zurück und blickte sich zu seinen Kollegen um, die ihn ebenfalls überrascht musterten.<br>„Ich?“ fragte das Führungsmitglied der Föderalen Befreiungsarmee ungläubig. „James, du glaubst ich würde dich verraten?“<br>„Ich glaube es nicht… ich weiß es!“<br>Rein äußerlich zeigte Danny Bird absolut keine Regung, innerlich jedoch fiel ihm ein Stein vom Herzen. Hatte es also tatsächlich geklappt, hatte er in der Tat den Verdacht auf Nelson lenken können? Die ganze Idee war eiligst zusammengeschustert worden und hatte kaum Aussicht auf Erfolg gehabt, doch scheinbar hatte der Lieutenant ganze Arbeit geleistet. <br>Abwehrend hob Nelson seine Hände, bemühte sich nicht noch einen weiteren Schritt nach hinten zu machen und eine selbstsichere Stimme zu haben, was ihm jedoch nur leidlich gelang. Der Vorwurf traf ihn dermaßen aus heiterem Himmel, dass er nicht in der Lage vernünftig zu reagieren.<br>„Wie kannst du mir dies nur vorwerfen, James? Wir kennen uns seit Jahren und verfolgen die gemeinsamen Ziele! Verdammt, ich habe diese Organisation mit dir aufgebaut und nun soll ich sie verraten? Denk doch mal vernünftig darüber nach!“<br>Doch in James´ Stimme war eine Kälte und Selbstsicherheit, die jeden im Garten, selbst seine Tochter, erschaudern ließ.<br>„Ich habe die Beweise in meinem Büro. Es hat mir das Herz gebrochen zu erfahren, dass du es warst, der Timo verraten hat. Wie konntest du nur? Wieso hintergehst du mich so?“<br>Nelson öffnete seinen Mund, als wollte er etwas sagen, doch es fiel ihm nichts ein. Instinktiv versuchte er zu fliehen, wurde jedoch von seinem rechten und linken Nebenmann festgehalten.<br>„Ich dulde keinen Verrat“, raunte James und holte einen Phaser hervor. Es bestand absolut kein Zweifel daran, was er damit vorhatte. Doch überraschenderweise wandte er sich an Bird.<br>„Töte ihn!“ befahl der Anführer und streckte ihm die Waffe entgegen. <br>Verwirrt musterte der Lieutenant seinen Gegenüber.<br>„Wie bitte?“<br>„Töte den Verräter“, forderte James und drückte ihm die Waffe in die Hand. „Beseitige ihn und nimm im Anschluss seinen Platz in unserem Zirkel ein.“<br>Egal was er vorgehabt hatte, diese Dinge hatte Danny ganz gewiss nicht im Sinn gehabt. Nelson zu erschießen war ganz sicher nicht das, was er wollte. Doch scheinbar gab es keinen Ausweg. Irritiert betrachtete Danny die Waffe und stellte überflüssigerweise fest, dass sie auf Töten eingestellt war.<br>„Muss das sein?“ fragte Danny und versuchte die ganze Angelegenheit in eine andere Richtung zu lenken. „Lass uns ihn einsperren und verhören. Vielleicht können wir so mehr über seine Auftraggeber erfahren!“<br>„Nein. Auf Verrat steht bei uns der Tod. Töte ihn nun oder stell dich neben ihn!“<br>James´ Aussage war ernst gemeint. Verloren blickte Danny zu Janine, die jedoch seinen Blick nicht erwiderte. Von ihr oder den anderen im Garten konnte er keine Hilfe erwarten. Musste es also darauf hinauslaufen? Musste er einen Unschuldigen, auf den er die Beweise gelenkt hatte, töten? Drei Monate lang hatte Danny sich bemüht nichts Verbotenes oder gar Unmoralisches zu tun und nun das?<br>Langsam trat der Lieutenant vor und richtete den Phaser auf Nelson, der zu Boden gedrückt wurde. Der vermeintliche Verräter kniete vor seinem Henker und blickte ihm starr in die Augen. Am liebsten hätte Danny weggeschaut, als er abdrückte, doch er konnte nicht. <br>Er musste gegenüber den anderen eine Härte demonstrieren, die er nicht besaß. Aus dem Phaser löste sich der Energieimpuls und traf Nelson im Herzen. Das Geräusch seines auf dem Boden aufschlagenden Körpers hallte scheinbar noch minutenlang durch den großen Garten.<br> <br><center><u><b>Fortsetzung folgt...<br><br>RETTUNGSSCHUSS</b></u><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for TREKNews NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producers NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR<br>TM &amp; Copyright © 2005 by TREKNews Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center><br>]]></description><guid isPermaLink="false">6334</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 7x02: Unruhe</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-7x02-unruhe-r6303/</link><description><![CDATA[<center><b>PDF-Download</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_57962.html"><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/7x02_cover.jpg" border="0"></a><br><b>Monitor 7x02 "Unruhe"</b><br>Dateityp: zip<br>Größe: 0.23 MB</center><br><br><br><center><u><b>Das letzte mal in 7x01 „Es beginnt…“:</b></u></center><br><i>Es war nur Zufall, dass er ihm über den Weg lief. Die Arme ausgebreitet, ein Lächeln auf seinen Lippen, begrüßte der gutgelaunte James Talley das neuste Mitglied der Gruppe. Eigentlich hatte Danny noch einige Zeit lang allein sein wollen, ziellos durch den Gebäudekomplex der Gruppe streifen wollen. Doch an einer Wegbiegung hatte ihm der dunkelhäutige, charismatische Anführer der Befreiungsarmee quasi aufgelauert. Wie eigentlich jeden Tag trug James einen elegant geschnittenen Anzug aus feinstem Stoff, der in ausgezeichnetem Zustand war. Der schwarze Mann legte großen Wert auf ein gepflegtes Äußeres, elegant, aber nicht zu protzig. Sein krauses Haar war kurz geschnitten, jedoch nicht mit der Rasiermaschine, wie es bei Menschen seiner Hautfarbe seit Jahrhunderten Mode war, sondern ganz altmodisch mit einer Schere. Deutlich konnte Danny den Ring am Finger Talleys erkennen. Es war sein Ehering, den er auch nach dem Tode seiner Frau vor vielen Jahren nicht abgenommen hatte. Auch wenn man sich dies nur ungern eingestehen wollte, dieser Mann hatte eine sentimentale Natur.<br>„Danny!“ begrüßte ihn James Talley überschwänglich. „Ich war auf der Suche nach dir. Wir müssen dringend miteinander reden.“<br>„Eigentlich habe ich noch einiges zu tun“, versuchte sich der Lieutenant aus der Sache herauszuwinden, doch schon im nächsten Moment hatte der Anführer einen Arm um die Schultern des taktischen Offiziers gelegt.<br>„Es ist eine Sache, die mir sehr wichtig ist. Bitte folge mir in mein Arbeitszimmer, “ bestand James und geleitete seinen vermeintlichen Partner in dessen prächtig ausgestattetes Büro. Es war im Stil alter Landhäuser aus dem 19. Jahrhundert gestaltet, mit zahlreichen, altmodischen Büchern in den Regalen und einem großen Schreibtisch, an den sich James setzte und ihm gegenüber einen Platz anbot. Aus irgendeinem Grund hatte Danny keinerlei Zweifel daran, dass Talley einen Großteil dieser Werke gelesen hatte.<br>„Was gibt es denn so dringendes, worüber wir reden müssten?“ fragte Danny, nachdem er in dem bequemen Sessel vor dem Schreibtisch Platz genommen hatte und schlug die Beine übereinander. Inzwischen war jegliche Nervosität verschwunden, die er noch zu Beginn dieses Einsatzes gehabt hatte und momentan war er in der Lage ganz zwanglos mit den Leuten zu sprechen, die er eigentlich ausspionieren sollte. Seine Tarnung war perfekt und derzeit sah es nicht so aus, als hätte man ihn enttarnt.<br>Besonnen faltete James Talley seine Hände, legte sie vor sich auf dem Tisch ab und räusperte sich. Fast schon schien er peinlich berührt angesichts dessen, was er zu sagen hatte:<br>„Danny, ich verdanke dir sehr viel. Mehr als einmal hast du mich aus einer kniffligen Situation gerettet. Wärst du nicht gewesen, so befände ich mich jetzt schon in einem Gefängnis der Föderation. Du hast mich aus der Sache rausgeholt und dafür bin ich dir ewig dankbar.“<br>Der Lieutenant nahm dieses Lob äußerlich scheinbar ungerührt auf. Ja, fast hätte man den Anführer der Gruppe festgenommen, doch dann hatte das Geheimdienstoberkommando im letzten Moment beschlossen, dass die Infiltrierung der Föderalen Befreiungsarmee noch etwas andauern sollte und so hatte man Danny den Auftrag gegeben, den Anführer zu retten. Es war eine seltsame Situation gewesen auf Mitglieder der Sternenflotte zu schießen. Zum Glück war bei dieser ganzen Sache niemand zu schaden gekommen. Im Nachhinein hatte sich diese ganze Sache für seine Mission als nützlich herausgestellt, vertraute man ihm doch nun noch mehr als zuvor. <br>„Und ich kann deinen Ärger verstehen!“<br>„Ärger?“ Danny beschloss unwissend zu tun. „Tut mir leid, aber ich weiß nicht, wovon du sprichst.<br>Wieder lächelte Talley auf diese entwaffnende Art und Weise, die ihn so sympathisch machte. Abwehrend hob er eine Hand und erklärte:<br>„Du brauchst dich nicht zu verstellen. Janine hat mir schon davon berichtet und ehrlich gesagt kann ich dir nicht deine Gefühle verdenken.“<br>Scheinbar genervt lehnte sich Danny in dem Sessel zurück, so als verspürte er ein klein wenig Groll gegenüber der Tochter des Anführers darüber, dass sie ihn verraten hatte. In Wirklichkeit lief jedoch alles so, wie er es sich vorgestellt hatte.<br>„Ich wusste, sie kann kein Geheimnis für sich behalten, “ raunte Danny, ohne dabei wirklich böse zu klingen.“<br>„Ja, sie ist ein gutes Mädchen, deswegen schätze ich sie so. Nicht nur als Tochter, sondern auch als Frau mit offenen Ohren und Augen. Aber wir weichen vom Thema ab. Immerhin soll es ja nicht um Janine gehen, sondern um dich und ich möchte mich in aller Form bei dir entschuldigen!“<br>„Du möchtest was?“<br>Überrascht wölbte Bird die Augenbrauen. Mit einer solchen Aussage hatte er einfach nicht gerechnet. <br>„Dir die Sache, die ich heute Morgen verkündet habe, nicht früher mitzuteilen, war nicht richtig von mir. Natürlich bist du erst seit zwei Monaten Mitglied unserer Gruppe, aber in dieser kurzen Zeit hast du mehr bewirkt als viele andere. Ich habe dich in mein Herz geschlossen, Danny, dies gebe ich ganz offen zu und es war einfach nicht fair von mir, dich außen vor zu lassen. Bitte verzeih!“<br>Innerlich jubilierte der Sicherheitschef. Die ganze Sache bewegte sich genau in die Richtung, die er sich erhofft hatte.<br>„Nun ja…,“ begann Danny und schien nach den richtigen Worten zu suchen, die er schon längst gefunden hatte, „ich akzeptiere deine Entschuldigung und finde es äußerst ehrbar, wie du denkst! Ich bin einfach nur enttäuscht gewesen… ich hatte schon das Gefühl, dass du mir nicht vertraust.“<br>„Nein, dies ist nicht wahr, ich vertraue dir und wir werden diesen Fehler nicht wiederholen. Du sollst nun voll in die Sache eingebunden werden, die heute steigt.“<br>Danny lächelte angesichts dieser Worte, dann erstarb es jedoch auf der Stelle, als ihm eine grausige Sache bewusst wurde.<br>„Moment mal“, stammelte der Lieutenant. „Sagtest du eben heute?“<br>„Ja, dies meine ich“, bestätigte James Talley und lächelte ebenfalls, „unser Schlag gegen die Organe der Föderation wird noch am heutigen Tage geschehen!“</i><br><br><center><u><b>Und nun die Fortsetzung…</b></u></center><br>Es dauerte einige Sekunden, um zu verarbeiten, was Danny Bird so eben gehört hatte. Die erhaltene Information veränderte alles. Tausende von Gedanken schwirrten ihm im Kopf herum, er wollte auf der Stelle handeln, konnte jedoch seine Tarnung nicht gefährden. <br>Die Ruhe, die er noch vor wenigen Minuten empfunden hatte, war verschwunden.<br>„Heute?“ fragte Danny noch einmal nach, so als hoffte er das eben gehörte wäre nur ein Missverständnis gewesen. „Die Waffe soll noch heute auf der Erde eingesetzt werden?“<br>Auch wenn James Talley dies verhindern wollte, zeigte sich ein Lächeln auf seinen Lippen. Zu groß war einfach die Freude darüber, dass der große Tag gekommen war.<br>„Ist dies nicht großartig? Heute ist der Tag gekommen, an dem wir die Welt verändern und eine bessere Zukunft für alle Menschen erschaffen werden, “ erklärte Talley und zupfte beiläufig seinen feinen Anzug zurecht.<br>„Ja, dies ist es“, bestätigte Danny stockend und rieb sich über das Gesicht. „Du musst mir verzeihen, ich bin mehr als überrascht darüber. Bisher dachte ich, dass unser Schlag noch Wochen, wenn nicht gar Monate entfernt wäre und nun sagst du mir, es wäre schon heute soweit.“<br>„Ein Problem für dich?“<br>Kurz zögerte Danny, legte sich scheinbar die Worte zurecht. Langsam fing er sich wieder und baute den mentalen Schild auf, den er für die Arbeit innerhalb dieser Gruppe brauchte. Diese Verkündung war ein Schock gewesen, keine Frage, nun hieß es auf diese Entwicklung zu reagieren und neue Wege zu finden, um diese zu seinem Vorteil zu nutzen.<br>„Ich muss gestehen, ich bin etwas enttäuscht“, log der Lieutenant und blickte den Anführer der Föderalen Befreiungsarmee an. „Nach alldem, was wir erlebt haben, hatte ich gehofft an der Planung des großen Tages teilhaben zu können. An deiner Seite zu stehen und den Zeitplan sowie die Durchführung zu organisieren, dies habe ich als mein Ziel angesehen und nun sagst du mir, dass all dies schon erledigt ist.“<br>„Es tut mir leid…“ raunte James, wurde jedoch von dem jungen Mann unterbrochen.<br>„Und ich kann nicht einmal an dem Schlag teilhaben! Stattdessen bin ich nun zum Warten verdammt, muss hier vom Mond aus zusehen, wie ein neues Zeitalter heran bricht. Ich bin ein Zuschauer, wie jeder andere auch.“<br>Beschwichtigend beugte sich Talley vor, legte seine dunkle Hand auf die von Danny und versuchte ihm so Mut zuzusprechen. Seinem Gesichtsausdruck war deutlich zu entnehmen, dass er Bird und dessen Sorgen verstand. <br>„Es tut mir leid, Danny“, gestand James überraschend. „Ich verstehe deine Enttäuschung und wäre ich an deiner Stelle, so würde ich wohl ganz genauso reagieren. Aber dieser Tag ist so wichtig, so entscheidend, ich wollte einfach alles selbst machen. Dies ist auch der Grund gewesen, wieso ich in den letzten Tagen so wenig Zeit gehabt habe. Janine hat darunter besonders gelitten…Lass uns bitte nicht an diesem historischen Tag streiten, ja?“<br>Scheinbar schmollend blickte der taktische Offizier der Monitor aus dem Fenster hinter Talley. Von hier aus hatte man einen prächtigen Blick auf die grünen Landschaften des irdischen Mondes, man sah den prächtigen Park, der zu dem Anwesen gehörte.<br>Früher, vor dem Terraforming, war dies unbewohnbares Ödland gewesen, unerreichbar für jeden Menschen. Jahrhunderte der konsequenten Planung hatten einen wunderschönen Planeten geschaffen, auf dem es sich zu leben lohnte. Sollte die biologische Waffe auf der Erde eingesetzt werden, so würde aus der Wiege der Menschheit ebenfalls eine Geisterwelt werden, die ähnlich öde wie der Mond früher sein würde. Es galt dieses zu verhindern, um jeden Preis. <br>„Wie wird der Schlag heute stattfinden?“<br>Die Frage des Lieutenants schien Talley zu überraschen. Deutlich war dem sonst so selbstsicheren Schwarzen anzusehen, wie er herumdruckste und nach Ausflüchten suchte, die Danny schon längst durchschaut hatte.<br>„Das… kann ich dir nicht sagen“, stammelte James und sofort veränderte sich der Gesichtsausdruck des Untergrundagenten.<br>„Was meinst du damit?“<br>„Ich kann dir keine Auskünfte darüber geben.“<br>Erbost schreckte Danny von seinem Sessel hoch, fixierte den ihm gegenüber sitzenden Mann mit seinen Augen und blinzelte dabei nicht einmal. Er war wütend, daran gab es keinen Zweifel.<br>„Was für ein Spiel treibst du da mit mir?“ raunte Bird und konnte scheinbar nur mit Mühe verhindern zu schreien. „Erst entschuldigst du dich dafür, mich nicht ins Vertrauen gezogen zu haben und gelobst Besserung, nur um im nächsten Moment diese guten Vorsätze wieder über den Haufen zu werfen. Wo ist denn da das Vertrauen, welches du mir entgegen bringen möchtest?“<br>James blieb in seinem Sessel sitzen, beugte sich vor und legte seine Hände auf dem Schreibtisch ab. Er bemühte sich wieder Ruhe in die Situation zu bringen, was ihm jedoch nur leidlich gelang. Zu sehr hielt sich der Sicherheitschef der Monitor an seinem Spiel fest.<br>„Bitte versteh mich doch“, bat Talley, „ich muss den Kreis der Wissenden klein halten. Verräter und Agenten der Föderation könnten überall sein und unsere Pläne verhindern wollen. Denk daran, was auf dem Spiel steht!“<br>„Soll dies heißen“, raunte Danny wütend, „dass du mich für einen Verräter hältst?“<br>Diese Frage ließ er im Raum stehen, denn unmittelbar danach verließ er das Büro seines Anführers, stampfte durch den gewaltigen Komplex davon. Talley blieb zurück, grübelnd darüber, was er nun tun sollte. <br><br>Mit sorgenvollem Blick schaute der mächtigste Mann der Vereinten Föderation der Planeten, der vom Volk gewählte Präsident dieses interstellaren Völkerbundes, aus dem Fenster seines Dienstzimmers. Für einen kurzen Moment herrschte Ruhe, seine Mitarbeiter und Berater waren unterwegs, um neue Informationen über die Krise zu erlangen. Zum ersten Mal seit zwei Stunden war das Staatsoberhaupt allein. Wie lange diese Ruhe andauern würde, war nicht klar und daher kostete der Präsident diesen Moment aus. Er atmete tief ein und aus, bewunderte die Lichter und erhellten Gebäude von Paris, seiner Meinung nach der schönsten Stadt dieses Planeten. Als Außerirdischer hatte der Präsident zu Beginn seiner Amtszeit geglaubt, sich niemals auf dem Heimatplaneten der Menschen heimisch fühlen zu können. Doch nach über zehn Jahren auf der Erde und nach zahllosen kostbaren Erfahrungen machte er sich um diese Welt genauso viel Sorgen wie um seine eigene Heimat. Ein biologischer Schlag auf das wirtschaftliche und politische Zentrum der Föderation wäre eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes, an dem der Völkerbund zerbrechen könnte. Zum ersten Mal fiel dem Präsidenten auf, dass die Föderation möglicherweise zu zentralistisch regiert wurde. Natürlich hatte jede Welt und jede Kolonie ihre Autonomie, doch die meisten Bundesbehörden befanden sich auf der Erde. Ein taktischer Fehler, wie sich nun erwies, doch zum Zeitpunkt der Gründung der Föderation hatte niemand erwarten können, dass eine solche Gefahr für die Zentralwelt existieren könnte. <br>Ein Anflug von Müdigkeit ereilte den Präsidenten, die er schnell ignorierte. Nun war keine Zeit für Erschöpfung oder ähnliche Zustände, diese Krise erforderte seine vollste Aufmerksamkeit. Unweigerlich, auch wenn ein sich dagegen wehrte, begannen unheilvolle Bilder in seinem Kopf Gestalt anzunehmen. Bilder einer Welt, die sich in eine Hölle verwandelt hatte. Die Berichte sowohl von Captain Lewinski als auch Minister Jellico waren deckungsgleich und daher konnte an ihrer Authentizität kein Zweifel bestehen. Nach Einsatz der Waffe würden die Menschen auf der Erde aufeinander losgehen, getrieben von einem inneren Wahn, der sie in jedem anderen einen Feind sehen ließe. Mit primitivsten Waffen, ja den blanken Händen, würden die Menschen sich gegenseitig töten. Man würde meinen, das Tor zur Hölle wäre aufgestoßen worden. Ein milliardenfacher Exodus, der selbst nach dem Ende der menschlichen Spezies nicht beendet wäre. Die Erde müsste unter Quarantäne gestellt werden, für Jahre könnte niemand diese Welt betreten. Zu groß wäre die Gefahr den Virus auch auf andere Planeten zu übertragen. <br>So viele mögliche Tote konnte sich der Präsident beim besten Willen nicht vorstellen. Milliarden, dies waren Größenordnungen, die der Mann einfach nicht greifen konnte. Was würde aus ihnen allen werden, wenn sie den Einsatz nicht verhindern konnten?<br>Plötzlich wurde das Interkom aktiviert und der Präsident nahm einen Anruf von Commander Kranick entgegen.<br>„Ja?“<br>„Mr. President, Lieutenant Bird hat sich gemeldet“, erklärte die Stimme der Frau besorgt.<br>„Und was sagt er?“ fragte der Präsident, dem sehr wohl der Klang Kranicks bewusst war.<br>„Sie sollten besser hierher kommen und sich dies anhören…“<br><br>Das Grübeln schien an vielen Orten der Galaxis zugleich stattzufinden. Überall befanden sich Individuen, die über sich oder ihr Leben nachdachten. Auch Dr. Elisabeth Frasier, die Chefärztin des Raumschiffs Monitor , bildete da keine Ausnahme. Noch vor zwei Stunden hatte sie sich bei einem romantischen Essen mit ihrem Matt befunden, nun war sie auf ihrer Krankenstation und bereitete die Abteilung auf eventuelle Notfälle vor. Derzeit war sie allein auf der Krankenstation und dies war auch gut so. Sie brauchte einfach ihre Ruhe, um sich zu konzentrieren. Leider bewirkte dies jedoch auch, dass die Ärztin ins Grübeln kam. In Anbetracht der Gefahr durch die Waffe huschten ebenfalls Bilder durch ihren Kopf, die zwar nicht von den Auswirkungen des Biovirus handelten, aber nicht minder schrecklich waren. Ein gutes Jahr war nun ihr kurzen Aufenthalt auf Talar her und noch immer hatte sie sich nicht gänzlich von diesem Schrecken erholt. Insgeheim befürchtete sie die schrecklichen Geschehnisse niemals vergessen zu können, sie für den Rest ihres Lebens mit ihr herumtragen zu müssen. Als wäre es gestern gewesen, erinnerte sie sich an die Gefangennahme durch talarianische Freischärler, die in ihr Lager eingedrungen waren:<br><br><i>Die Zeit schien überhaupt nicht voran zu schreiten. Dr. Frasier war immer noch geschockt von dem plötzlichen Tod von Commander Sokol, der so schnell und plötzlich verschieden war. Verschiedenste Angehörige der Ärztegruppe kauerten in dem Halbkreis, hinter ihnen die Talarianer mit geladenen Waffen. Einige der Geiseln wimmerten, andere wirkten apathisch. Elisabeth konnte nicht ermitteln, welchen Eindruck sie auf andere machte, an für sich fühlte sie sich furchtbar.<br>Einer der Talarianer, scheinbar der Rädelsführer, ließ sich von einer Frau informieren. Scheinbar hatte man einen Großteil der Romulaner getötet, der Rest befand sich auf der Flucht. Anschließend wandte sich der Anführer an die Gefangenen und fragte barsch in die Runde:<br>„Wer sind sie und was wollen sie hier?“<br>„Bitte töten sie uns nicht!“ wimmerte Ixa und handelte sich dafür einen noch strengeren Blick des Talarianers ein.<br>„Ruhe!! Sie sprechen nur, wenn sie gefragt werden und dann auch nur zum Thema. Ansonsten werden sie die Konsequenzen schon spüren.“<br>Ixa blickte geschockt, hielt Gott sei Dank jedoch den Mund. Sie schien jedoch völlig durch den Wind zu sein, auch wenn man dies ihr absolut nicht verübeln konnte. <br>„Also?“ fragte der Anführer, „noch einmal: wer sind sie?“<br>Die Runde der Ärzte schwieg und es dauerte einige Zeit, bis der Mann eine Antwort auf seine Frage bekam. Dann nahm Elisabeth all ihren Mut zusammen und beschloss für die Gruppe zu sprechen. Sie wusste nicht, ob sie das Richtige tat oder ihre Erklärung die Rebellen verärgern würde. Sie musste es jedoch probieren.<br>„Wir sind Angehörige eines interstellaren Hilfsprogramms; Ärzte, die ihnen helfen wollen.“<br>Für einen kurzen Moment herrschte Stille und die Bordärztin fürchtete sich zuviel herausgenommen zu haben. Doch dann erwiderte der Talarianer:<br>„Und wenn sie uns helfen wollen, wieso arbeiten sie mit den Romulanern zusammen?“<br>„Wir müssen mit ihnen arbeiten. Sie sind die Mittelsmänner.“<br>„Sie geben also zu mit den Besatzern zusammenzuarbeiten?“<br>„Nein“, entgegnete sie hektisch und versuchte sich nicht in Probleme zu reden. „Wir müssen hier bei ihnen hausen und über sie Nachschub bestellen, weil sie die derzeitige Administration auf Talar stellen.“<br>„Eine widerrechtliche Regierung...“ fuhr eine der bewaffneten Wachen dazwischen.<br>„Ja, ja, dies wissen wir! Denken sie etwa nur weil wir hier im Lager sind teilen wir die Ansicht der Romulaner?“ erklärte die Ärztin. Mit zunehmender Zeit wuchs ihre Sicherheit und sie traute sich mehr zu sagen. Scheinbar war Reden ihre einzige Möglichkeit hier heil herauszukommen und diese Chance wollte sie nutzen.<br>„Sie kollaborieren mit ihnen!“<br>„Notgedrungen! Wenn wir nicht die Romulaner nutzen, so können wir ihnen nicht helfen! Haben sie sich einmal hier umgesehen? Wir haben Hunderte ihrer Angehörigen geimpft, behandelt und Nahrung illegal eingeführt. Wir sind hier, um ihnen zu helfen.“<br>Eine Antwort blieb aus, scheinbar überlegte sich der Talarianer, was er nun tun sollte. Seine Augen wanderten erst über den überschaubaren Kreis der Geiseln, dann über seine eigenen Leute des Trupps. Scheinbar schien er die Worte, die er eben vernommen hatte, zu überdenken. Den größten Fehler, den man machen konnte, ist diese Leute für dumm zu halten. Sie waren hochintelligent, mussten dies sein, um in dieser unwirtlichen und feindlichen Umgebung zu überleben. Es war eine Ironie des Schicksals. Obwohl Frasier genau die Sorgen dieses Volkes teilte, Verständnis aufbrachte und wahrscheinlich in derselben Situation ähnlich handeln würde, war sie nun eine Gefangene.<br>„Bitte!“ flehte Ixa noch einmal wimmernd, „töten sie uns nicht!“<br>Sie hatte scheinbar völlig die Selbstkontrolle verloren und wirkte hysterisch. Ihre Worte waren völlig fehl am Platz gewesen. Eben noch hatte Elisabeth gehofft zu den Rebellen durchgedrungen zu sein, da hatte der überflüssig Einwurf der Denobulanerin alles kaputt gemacht. Ohne eine Miene zu verziehen stellte sich der Geiselnehmer hinter Dr. Ixa, legte sein Gewehr an und erschoss die Frau. Bevor die Denobulanerin auf dem Boden aufschlug war sie schon tot. Sie hatte genau neben Elisabeth gekniet. Entsetzt über den zweiten plötzlichen Tod eines bekannten, einer Frau, mit der sie zwei Wochen lang zusammengearbeitet hatte, starrte sie die Leiche an und wusste nicht, wie sie weitermachen sollte. Würden sie nun alle sterben? Wäre ihr Versuch der armen Bevölkerung dieses gebeutelten Planeten zu helfen schlussendlich ihr eigener Untergang?<br>„Wir gehen“, raunte der Anführer seinen Leuten zu und im Laufschritt verließen die Rebellen das verwüstete Lager. Zurück ließen sie neben einer großen Zahl von Leichen, Romulaner sowie ihrer eigenen Leute, und eine kleine Schar von Überlebenden. Minuten später, nachdem sie sicher waren endlich aus dem Gröbsten raus zu sein, erhoben sich die Überlebenden geschockt. Die Chefärztin der Monitor konnte ihren Blick nicht von der Leiche ihrer Kollegin lösen. Sie war unnötig gestorben, sinnlos. Nur eine Minute später, wenn sie nichts gesagt hätte, und sie wäre noch am Leben. Wieso nur? Wie konnte dies alles sein?<br>Auch wenn sie helfen wollte, Elisabeth war froh endlich nach Hause zu dürfen. <br>Ihre Bemühungen waren vorbei.</i><br><br>Erst Sokol, dann Ixa. Innerhalb nur einer einzigen Stunde waren zwei ihr nahe stehenden Personen getötet worden. Der romulanische Lagerkommandant Sokol, der für die Föderation spioniert hatte, war von hinten erschossen worden. Elisabeth konnte sich an den Blick in seinen Augen erinnern, den Schmerz, den er empfand, als der siedend heiße Phaser ihn traf. Und ihre denobulanische Kollegin Ixa wurde direkt neben ihr getötet. Sie hatte das verbrannte Fleisch ihrer Kollegin riechen, ihr Wimmern im Moment des Todes vernehmen können. <br>Nach Talar war sie gekommen, um zu helfen und Not zu lindern, am Ende hatte sie ihren eigenen Schmerz heilen müssen. Aufgrund dieser Ereignisse hatte sie schließlich ihren Gefühlen für Matt nachgegeben und mit ihm das gemeinsame Glück gefunden.<br>Vielleicht sollte sie diese Erfahrungen gar nicht vergessen, sondern sie stattdessen in Erinnerung behalten, als Mahnmal und Ansporn, dass sich solche Dinge nicht noch einmal ereignen sollten. Ja, dies war genau das, was Elisabeth machen würde: aus diesen Erfahrungen lernen und sie als Ansporn nehmen. Genau dies hätte Ixa auch gewollt, ihr Tod wäre so nicht umsonst gewesen. <br>Dennoch sorgte sich die Ärztin. Aus der Erde könnte ein viel schlimmeres Schlachtfeld werden als Talar, eine Art biblische Hölle, in der es grausame Massaker geben würde. Sofort kamen ihr ihre Eltern in Liverpool in den Sinn. Instinktiv hatte sie den Drang sie informieren zu wollen, doch dies ging nicht. Die Informationen über den Anschlag waren geheim und mussten es auch bleiben, um eine Panik zu vermeiden. Nicht auszudenken, was geschähe, wenn Details der Sache publik gemacht werden würden. <br>Am Ende blieb nur die Hoffnung und ihr gemeinsamer Wille die Katastrophe zu verhindern und wenn jemand dazu in der Lage war, dann die Crew der Monitor.<br> <br>Weit entfernt, an einem uns unbekannten Ort, befand sich eine dunkle Zelle. Es war mehr ein Verließ, denn einer modernen Einrichtung zur Aufbewahrung von Häftlingen. Jegliche Annehmlichkeit fehlte in ihr, es war staubig, dunkel und kalt. Der einzige Insasse dieses ungemütlichen Raumes, der den Namen Jozarnay Woil trug, kauerte auf dem Boden und dachte nach. Unzählige Gedanken rasten durch seinen Kopf, die meisten drehten sich nur um ein ganz bestimmtes Thema: Flucht! Er musste raus hier, wo immer dies auch war, und versuchen vor Edward Jellico zu fliehen. Seit Tagen wägt er das Für und Wider ab, spekulierte darüber, was ihn draußen erwarten könnte. An dem einen Tag entschied sich der Antosianer gegen ein Ausbrechen, am nächsten Tag wollte er am liebsten sofort verschwinden.<br>Und was am furchtbarsten für ihn war, war die Isolation. Seit Monaten, zumindest glaubte er dies, denn er hatte jegliches Zeitgefühl verloren, befand er sich hier unten, ganz allein. Ab und an schob ihm eine Wache Essen durch den Türschlitz, aber niemand redete mit ihm oder erkundigte sich nach seinem Befinden. Jozarnay hätte genauso gut die letzte Person in diesem Universum sein können, so zumindest fühlte sich seine Gefangenschaft an. Und dann waren da diese Stimmen, die er ab und zu hörte. Zu Beginn waren sie noch undeutlich zu vernehmen gewesen, doch in letzter Zeit waren sie immer aufdringlicher geworden. Immer wieder versuchte der ehemalige Chief sie zu ignorieren, was ihm jedoch nur leidlich gelang. Er hatte befürchtet dem Wahnsinn anheim gefallen zu sein, doch es sollte alles nur noch schlimmer kommen. Aus einer dunklen Ecke seiner Zelle, die noch düsterer als die restliche Umgebung war, schälte sich eine Person. Jozarnay musste seine Augen zusammenkneifen, um sie zu erkennen. Zu lange schon befand er sich hier unten und immer schlechter wurden seine Augen. Er war das scharfe, deutliche Sehen einfach nicht mehr gewohnt. Nach einigen Sekunden hatte der Antosianer seinen scheinbaren Besucher identifiziert: es handelte sich um einen Menschen! Ein Mensch in Sternenflottenuniform, der leibhaftig vor ihm stand und seine Hände in die Hüften gestemmt hatte. Bei ihm handelte es sich um jemanden, den er seit über einem Jahr nicht mehr gesehen hatte.<br>„Dies ist nicht möglich,“ stammelte Jozarnay, nachdem er den Besucher als Captain John Lewinski erkannt hatte. „Wie sind sie hier hereingekommen, Captain?“<br>Doch statt einer Antwort fixierte der Kanadier seinen ehemaligen Chefingenieur nur mit einem eisigen Blick. Sein ehemaliger Vorgesetzter schien absolut nicht glücklich über diese Situation zu sein, fast schon konnte man sein Gebaren als geringschätzig bezeichnen.<br>„Ich bin gar nicht hier, Jozarnay,“ erklärte Captain Lewinski schließlich und seine Stimme wirkte dabei abweisend. „Vielmehr bin ich nur ein Hirngespinst ihres zerstörten Geistes. Sie werden verrückt, sehen inzwischen schon Personen, wo keine sind!“<br>Mühsam erhob sich der Antosianer und taumelte mit seinem schwachen Körper auf die Gestalt zu. Er hatte Hunger, ihm war kalt und daher wirkten seine Schritte alles andere als sicher. Es war ein Wunder, dass er sich nicht an einer Wand abstützen musste. Am Ziel seiner kurzen Reise angelangt, berührte er den mysteriösen Besucher am Arm und stellte überrascht fest, wie real sich Lewinski anfühlte. Seine Haut war warm, die Uniform sauber und gepflegt.<br>„Das gibt´s doch nicht…“ stammelte Jozarnay abermals.<br>„Oh je, was ist nur aus ihnen geworden, Chief?“ fragte Lewinski sorgenvoll und riss seinen Arm sanft los. „Sie waren so ein wichtiger Mann für uns alle gewesen. Sehen sie sich an, was die Sucht und die Liebe zu einer Frau, die sie ausgenutzt hat, aus ihnen gemacht hat.“<br>Aus müden Augen blickte Woil seinen Gegenüber an. Er konnte nicht so recht verstehen, was er da eben gehört hatte.<br>„Wie meinen sie das, Sir?“ fragte der Antosianer schlotternd.<br>„Was denn? Finden sie es denn nicht bedenklich, dass sie Personen sehen, die gar nicht hier sind und dass sie sogar mit ihnen sprechen? ICH BIN NUR EINE EINBILDUNG, JOZARNARY!“<br>Woil zuckte zurück. Wieso schrie ihn sein Captain an? Als einen solchen Menschen hatte er ihn nicht in Erinnerung gehabt. Natürlich hatten sie beide im Laufe der Jahre ihre Differenzen gehabt, aber so waren sie nie miteinander umgegangen. Er wollte etwas sagen, kam jedoch nicht dazu.<br>„Was war es nur, was aus ihnen diesen geistigen Krüppel gemacht hat? Ist es der Mangel an White, der sie jeden Morgen mit einem entsetzlichen Zittern aufwachen lässt? Ist es die Einsamkeit, die sie jeden Tag zu zerfressen droht oder ist es am Ende gar der Tod von Stella Tanner gewesen, die nur ihr gerechtes Schicksal ereilt hat?“<br>Nun konnte Woil diese Tirade nicht mehr ertragen. Inzwischen hatte er sich genug gefangen, um vollends den Worten seines ehemaligen kommandierenden Offiziers zu folgen und was er von ihm hörte, gefiel ihm ganz und gar nicht. Als Süchtigen ließ er sich vielleicht noch bezeichnen, so weit war es inzwischen mit ihm gekommen, doch so über Stella zu reden, die Frau, die er geliebt hatte, ging zu weit.<br>„Reden sie nicht so über Stella,“ fauchte der ehemalige Chefingenieur zurück und gewann langsam seine Selbstsicherheit zurück.<br>„Ich hätte wissen müssen, dass sie ihr verfallen sind. Selbst jetzt, nach ihrem Tod, sind sie nicht in der Lage sich von ihr zu lösen!“<br>„Es gibt keinen Grund, dies zu tun,“ entgegnete Woil trotzig.<br>Fast schon traurig blickte der Captain ihn an, versuchte irgendetwas vom alten Jozarnay in dem Mann zu sehen, der nun vor ihm stand. Doch die Erscheinung musste enttäuscht werden. Von dem alten Chief war inzwischen nicht mehr viel übrig geblieben.<br>„Sie hat sie nur benutzt,“ beschwor Lewinski ihn. „Sie waren nur ein Instrument gegen Edward Jellico!“<br>„NEIN!“ schrie Woil und wollte sich auf Lewinski stürzen, doch seltsamerweise griff er durch dessen Körper hindurch. Es war, als hätte die Erscheinung nun ihre Konsistenz verloren. Hart schlug Jozarnay auf dem Zellenboden auf.<br>Mit einem gequälten Ausdruck auf dem Gesicht drehte sich John Lewinski herum und betrachtete den am Boden liegenden.<br>„Von der Monitor können sie keine Hilfe erwarten. Wir haben genug Probleme,“ murmelte der Captain und verschwand ins Nichts. Noch lange starrte Woil in die Leere, die die Erscheinung hinterlassen hatte und dachte über dessen unheilvolle Worte nach.<br><br>In der Waffenkammer der Monitor herrschte hektische Betriebsamkeit. Drei Personen gingen hier auf und ab, packten Kisten um, überprüften Listen und brachten nicht zuletzt Handwaffen zu den verschiedensten Teilen des Schiffes. Inmitten des ganzen war Fähnrich Samira Kensington, die derzeitige Sicherheitschefin des Schiffes. Seit Danny Bird vor zwei Monaten in den Untergrund gegangen war, um die Föderale Befreiungsarmee zu infiltrieren, oblagen ihr sämtliche taktische Angelegenheiten des Schiffes und bisher hatte sie ihre Aufgabe mehr als gut gemeistert. Zumindest hatte sich der Captain noch nicht über sie beschwert. Doch Samira hatte höhere Ziele. Sie setzte an sich selbst ganz besondere Maßstäbe an, wollte die beste sein, egal in welchem Fachbereich. Egal welcher Sache sie sich widmete, sie investierte immer einhundert Prozent und auch in der aktuellen Angelegenheit konnte man von ihr nichts Geringeres erwarten. Die Beförderung zum Lieutenant war längst überfällig und mit guter Leistung konnte sie die ganze Sache etwas beschleunigen.<br>Wenn es nach Kensington ginge, so wäre sie schon längst der reguläre Sicherheitschef des Schiffes. Selbstverständlich hielt sie sich für besser als Lieutenant Bird, den sie zwar als guten Ausbilder bewunderte, der jedoch in ihren Augen schwach geworden war. Danny war in die Jahre gekommen, wurde von privaten Dingen abgelenkt. Immer öfter konnte man ihn dabei beobachten, wie er scheinbar verträumt ins Leere starrte und an eine bessere Zukunft dachte. Zwar war dies nur eine Vermutung, doch Fähnrich Kensington hielt an ihren Annahmen fest. Sie kannte das Persönlichkeitsgefühl von solchen Menschen. Auch ihre Eltern hatten eine aufstrebende Karriere vor sich gehabt, sich dann doch lieber auf eine intakte Familie konzentriert. Ein Fehler, den Samira niemals machen würde. Für sie stand ganz klar fest, was an erster Stelle ihrer Lebensplanung stand und dies waren weder Liebe noch Familie.<br>Mit einem weiteren Daumendruck bestätigte Fähnrich Kensington die Übernahme mehrerer Gewehre, die von den beiden anderen Sicherheitsleuten nach draußen getragen wurden.<br>Kurz blickte die junge Frau mit den rotblonden Haaren ihnen nach und schweifte wieder mit ihren Gedanken ab. Diese gesamte Mission, so grausam sie auch war, war ein Geschenk. Der Fähnrich war sich sicher, dass auch andere in ihrer Position so empfanden, auch wenn es wohl niemand zugeben würde. Es gab keine bessere Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen, als die Erde zu retten. Wichtig würde dabei sein, seinen eigenen Anteil bei der gesamten Angelegenheit deutlich zu machen. Dieser ganze terroristische Angriff war eine gewaltige Karrierechance für Samira und sie wollte sie unbedingt nutzen! <br><br>Scheinbar ruhelos streifte der eigentliche taktische Offizier des Raumschiffs Monitor durch die Räume des Hauses, blieb an und an bei einem Fenster stehen und blickte auf die Mondlandschaft herab. Auf einen Außenstehenden mochte er wie ein Mann wirken, der sich ablenken wollte und genau diesen Eindruck wollte Danny erwecken. Seit seiner Unterredung mit James Talley war einige Zeit vergangen und sein gespielter Zorn war immer noch nicht vergangen. Die wenigen Personen, die es gewagt hatten ihn anzusprechen, mussten sich mit patzigen Antworten zufrieden geben und Bird hatte eine beständige Miene aufgesetzt, die Zorn ausdrückte. Immer noch lief sein Plan besser als erwartet. Niemals zuvor hatte Danny von sich gedacht ein guter Schauspieler zu sein, aber diese Mission hatte ihn eines besseren belehrt. Was wohl Ms. Dominguez, seine ehemalige Theaterlehrerin, wohl denken würde, wenn sie ihn nun sehen könnte? Zweimal, einmal in der dritten und dann in der siebten Staffel hatte sie ihn nicht in dem Schulbühnenstück mitspielen lassen, weil er angeblich nicht das schauspielerische Talent für eine solche Aufführung gehabt habe. Im Vergleich zu dem, was Danny nun diesen Leuten vorspielen musste, wirkte jedes Theaterstück wie Kinderkram. <br>Dabei war dem Lieutenant sehr wohl bewusst, auf welch dünnem Eis er sich bewegte. Noch nie zuvor hatte Bird von Talley so viele Informationen innerhalb so kurzer Zeit verlangt. <br>Der Grund hierfür war klar, er wollte sie an seinen Kontaktmann weitergeben, aber möglicherweise schlug er ein zu hohes Tempo an. Die Gefahr einer Aufdeckung erhöhte sich mit jeder Minute dramatisch. Leider schien es keine andere Möglichkeit zu geben. Falls der Anschlag auf die Erde am heutigen Tage stattfinden sollte, so blieben ihm nur noch wenige Stunden, um die Katastrophe zu verhindern. Man verlangte Ergebnisse von ihm und diese wollte er liefern. Die Frage war nur, wie weit er für dieses Ziel zu gehen bereit war.<br>Klackende Schritte ertönten auf dem Marmorboden des altmodischen Landhauses und scheinbar beiläufig drehte sich Bird zu der Geräuschquelle herum, erspähte Janine Talley. <br>Der Boden hatte für James die nicht unangenehme Eigenschaft jeden Besucher rechtzeitig anzukündigen. Zwar war dieser Boden wohl nicht absichtlich verlegt worden, dennoch schien er dem Anführer der Föderalen Befreiungsarme recht gelegen zu kommen. <br>„Du gehst allen aus dem Weg,“ meinte Janine und stellte sich neben ihn an das Fenster, blickte auf die Mondnacht hinaus. „Ich habe einfach mal gehofft, dass es bei mir anders sein würde.“<br>Statt eine Antwort von sich zu geben, schwieg Danny nur. Einige Sekunden lang teilte die attraktive Frau das Schweigen, dann beschloss sie einen erneuten Gesprächsversuch:<br>„Mir gefällt das ganze nicht. In den letzten beiden Monaten haben sich mein Vater und du so gut verstanden und nun habt ihr euch innerhalb der letzten zweieinhalb Stunden mehrfach in die Haare gekriegt. Wieso denn nur?“<br>„Frag deinen Vater,“ brummte Danny, „ er kann dir eine Antwort geben.“<br>„Ich teile doch deine Meinung, Danny! Mein Vater sollte dich in die Planungen mit einbeziehen. Er ist es dir schuldig. Aber ich bin sicher, er hatte Gründe für seine Entscheidung.“<br>„Du bist seine Tochter. Es ist nur natürlich, wenn du ihn schützen möchtest.“<br>Seine Aussage war hart an der Grenze gewesen, denn er hatte nicht vor Janine zu verletzen. Es war James, an den er heran wollte und nicht seine Tochter. Dennoch schien sie seine Aussage zu begreifen, möglicherweise sogar zu verzeihen. <br>Es dauerte eine Weile, bis Danny bemerkte, wie ihre Hand auf seinem Arm ruhte. Dabei handelte es sich um eine wärmende, Trost spendende Geste, gegen die er sich nicht wehrte.<br>„Eine wunderschöne Nacht,“ seufzte Janine und blickte noch einmal aus dem Fenster hinaus. Inzwischen hatte sich aufgrund der Rotation die Erde ins Sichtfeld gedreht, als leuchtender Planet war sie am Nachthimmel zu beobachten. Was für ein wundervoller Anblick! Unwillkürlich fragte sich Danny, was wohl in Janine bei dieser Aussicht durch den Kopf ging. Wie konnte man nur so etwas Wunderschönes zerstören wollen?<br>„Man könnte schönere Dinge anstellen, anstatt sich zu streiten,“ flüsterte Janine und beendete damit ihren Gedankengang. Danny beschloss darauf nicht zu antworten. „Bitte komm mit mir.“<br>„Wohin?“ fragte der Lieutenant.<br>„Es findet eine weitere Sitzung statt, die mein Vater leiten wird.“<br>„Und was soll ich da?“<br>„Möchtest du nun Informationen über die Mission oder nicht?“ fragte Janine Talley mit Nachdruck. „Willst du aktiver Teil dieser Operation sein?“<br>Innerlich jubilierte Danny. Abermals ging seine Maskerade auf. Ohne zu antworten setzte er sich in Bewegung. Er wusste ohnehin, wo der Besprechungsraum war.  Selbstsicheren Schrittes betrat Danny den Raum, in dem der Führungsstab von Talleys Organisation saß. <br>Der Umstand, dass er nicht vor seinem Eintreten geklopft hatte, verstärkte nur noch umso mehr den überraschenden Auftritt. Die Köpfe der Anwesenden drehten sich in seine Richtung, doch nur einer wagte es zu sprechen. Es handelte sich um Josh Nelson, einen in grauem Zwirn gekleideten Weggefährten Talleys. Was ihm bekannt war, war das Misstrauen Nelsons ihm gegenüber und so war es nur natürlich, dass dieser fragte:<br>„James, was macht Bird hier? Ich dachte, dies wäre eine vertrauliche Sitzung.“<br>James Talley, der scheinbar die letzte Zeit über hinter seinem Stuhl am Kopfende des langen, hölzernen Tisches gestanden hatte, lächelte beim Anblick Dannys und entgegnete in Richtung des Fragestellers:<br>„Ich habe beschlossen Danny zu einem Teil dieser Operation zu machen. Von nun an wird er aktiver Teil dieses Entscheidungsgremiums sein.“<br>„Aber er ist doch erst seit sechzig Tagen…,“ setzte Nelson zu einer Erwiderung an, wurde jedoch von seinem Anführer abgewürgt.<br>„Es gibt in diesem Punkt keine Diskussion. Ich wünsche Danny an meiner Seite.“<br>Mehr musste nicht mehr gesagt werden. Auch wenn Talley nach außen hin ein gepflegtes Auftreten hatte und scheinbar jede Menge Demokratie in seiner Organisation pflegte, sein Wort hatte einen gottähnlichen Status, konnte nicht angefochten werden. Aus diesem Grund schnaubte Nelson, verzichtete auf weitere Worte. Mit einem weiteren Lächeln bedeutete James Danny sich einen Stuhl zu nehmen und sich zu den anderen an den Tisch zu setzen. Scheinbar schüchtern im Angesicht dieser hohen Männer tat der Lieutenant dies auch.<br>„Jetzt, wo wir alle vollzählig sind,“ erklärte James Talley und blieb weiterhin hinter seinem Stuhl stehen, „möchte ich damit fortfahren sie alle über die aktuellen Geschehnisse in Kenntnis zu setzen. Unser Plan ist vor knapp drei Stunden angelaufen. Ein großer Moment für uns alle! Die letzten Jahre haben wir damit verbracht diese Sache zu planen und vorzubereiten. Heute ist also der große Tag, an dem wir endlich die Früchte unserer Arbeit ernten können. Bevor ich mit meinen Erklärungen fortfahre, möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen, wie stolz ich auf sie alle bin. Sie alle haben hart für diesen Moment gearbeitet und sich dabei vielen Gefahren ausgesetzt. Dafür haben sie meinen Dank!“<br>Natürlich zeigte keiner der anwesenden acht Männer und Frauen so gut wie keine Regung, innerlich jedoch waren sie für diese Worte dankbar. Schon relativ früh nach der Infiltration der Gruppe hatte Danny gesehen, wie sehr die Arbeiten innerhalb der Föderalen Befreiungsarmee verteilt waren. Damit verfolgte James Talley die Absicht jede Expertise seiner Untergebenen nutzen zu können.<br>„Während ich zu ihnen spreche, befindet sich die Waffe auf dem Weg zur Erde.“ Geschmeidig fuhr Talley mit seinen Ausführungen fort und aktivierte einen Wandschirm, um seine Erläuterungen mit Fotomaterial zu unterstützen. Das Bild eines schwarzen Aktenkoffers erschien. „Dies ist der Koffer, in dem wir die Biowaffe transportieren. Wie sie alle wissen dürften, sollte sich niemand von der geringen Größe des Koffers täuschen lassen. Die Menge an Viren in diesem Behälter reicht vollkommen aus, um unser Ziel zu erreichen.“<br>Als nächstes erschien das Bild eines jungen Mannes. Ende Zwanzig, mit kurzen dunklen Haaren und stahlblauen Augen.<br>„Timo Gruber wird den Koffer transportieren. Er ist derjenige, der der Erde den entscheidenden Schlag versetzen wird. Ich habe ihn für diese ehrenvolle und verantwortungsvolle Aufgabe erwählt, weil er nicht nur mein vollstes Vertrauen genießt, sondern auch die beste körperliche Verfassung von ihnen hat, inklusive Danny. Ich traue ihm also zu, bei Schwierigkeiten sich behaupten zu können. Wie von unserer Gruppe durchgeplant befindet sich Gruber auf dem Passagierschiff S.S. Paris, mit dem Reiseziel der Erde.“<br>„Welch Ironie, dass das Schiff, welches die Waffe zur Erde bringen wird, den Namen der Hauptstadt unseres Gegners trägt,“ kommentierte Bird trocken und erntete dafür von James ein zustimmendes Nicken. <br>„Ja, dies ist uns sehr wohl bewusst. Das Schiff ist nur noch eine knappe Stunde von der Erde entfernt. Sie alle haben viel Zeit und noch mehr geopfert, um diesen Tag heute möglich zu machen. Seit Jahren wollen wir die Föderation von innen säubern, die korrupte Regierung absetzen und eine neue Volksherrschaft etablieren. Nun endlich ist dieser Zeitpunkt gekommen. Ich bin alle sehr, sehr stolz auf sie!“<br>Die Anwesenden begannen spontan zu klatschen und Lieutenant Bird stimmte mit ein. In seinem Innersten begann er jedoch die verschiedenen Möglichkeiten abzuwägen. So schnell wie möglich musste er sich aus diesem Raum absetzen und die Nachricht über diesen Koffer weitergeben. Wenn er schnell genug reagierte, so konnte die ganze Sache noch aufgehalten werden.<br>„Hörst du mir überhaupt zu?“<br>Die Stimme Talleys schien von einem weit entfernten Ort zu stammen, ein deutliches Zeichen dafür, dass Danny in Gedanken versunken gewesen war.<br>„Ja… tut mir leid, ich war gerade etwas nachdenklich,“ erklärte der junge Mensch und erhob sich von seinem Platz.<br>„Dies muss dir nicht Leid tun. Uns allen ist die Tragweite der heutigen Operation bekannt. Bist du nun zufrieden?“<br>Für einen kurzen Moment überlegte Danny, worauf James anspielte, dann fiel es ihm wieder ein.<br>„Nun ja, scheinbar bin ich nun doch ein Teil dieser Operation, wie du es von Anfang an zugesagt hattest. Du hast also nur dein Wort gehalten.“<br>„Bedanke dich bei Janine,“ erklärte der schwarze Mann und lächelte abermals. „Sie hat sich sehr für dich eingesetzt. Ihr beide habt ein gutes Verhältnis zueinander, dies habe ich schon des Öfteren bemerkt.“<br>„Wir verstehen uns gut,“ versuchte Danny auszuweichen, was ihm jedoch nur leidlich gelang. Abermals lachte Talley und widmete sich nun anderen Dingen. Die passende Gelegenheit für den Undercover-Agenten.<br><br>Während die Monitor in Richtung Erde raste, zog es Captain Lewinski vor in seinem Bereitschaftsraum zu sitzen und sich auf die kommende Aufgabe zu informieren. In der letzten halben Stunde hatte er so viele Akten und alten Berichte über die Biowaffe zusammengetragen, die er hatte finden können. Bezeichnenderweise stammten die meisten Informationen von ihm selbst bzw. von Crewmitgliedern des Schiffes. Es schien tatsächlich kein Zufall zu sein, dass sie sich mit diesem Fall befassten. Niemand sonst besaß eine solche Expertise in dieser Angelegenheit und vor allem war niemand diesem Grauen bisher entkommen. Niemand bis auf die Monitor-Crew und der versprengte romulanische Haufen. Wehmütig musste John an Commander Sokol zurückdenken, den aufrechten romulanischen Offizier, der schließlich für die Föderation spioniert hatte. Die Nachricht von seinem Tod auf Talar war für den Captain ein Schock gewesen und obwohl sie sich kaum gekannt, ja nur einige Tage gesehen hatten, fühlte sich John Lewinski ein klein wenig verantwortlich für seinen Tod. Immerhin war es gewesen, der den Romulaner angeworben und ihn davon überzeugt hatte, gegen seine eigene Regierung zu arbeiten. Wäre Sokol nach Talar gegangen, wenn er nicht seiner Doppeltätigkeit nachgegangen wäre? John wusste es nicht und wahrscheinlich würde man dies niemals erfahren.<br>Es brachte jedoch nichts, über diese Dinge nachzudenken. Sie lenkten nur von dem eigentlichen Problem ab, welches man derzeit lösen musste. Müde rieb sich John durch das Gesicht. Quasi die gesamte Hauptschicht der Besatzung war aus dem verdienten Schlaf gerissen worden und der Captain begann sich Sorgen um die Verfassung der einzelnen Offiziere zu machen. Natürlich waren sie es alle gewohnt für längere Zeit ohne Schlaf auszukommen, aber dennoch strapazierte dies ihre körperliche und vor allem geistige Leistungsfähigkeit. Am besten wäre es, wenn sie die gegenwärtige Krise so schnell wie möglich überwänden.<br>Just in diesem Moment piepte sein Komterminal. Sofort wandte sich Captain Lewinski seinem kleinen Tischcomputer zu und nahm erfreut zur Kenntnis, dass eine Nachricht von der Erde eingetroffen war. Hoffentlich waren es gute Nachrichten.<br>„Nicht sie!“<br>Dies waren die ersten Worte, welche den Mund von John Lewinski verließen, als er den Übermittler der Nachricht erblickte. Als wäre die Situation nicht schon schlimm genug, blickte er nun in das Gesicht seines Intimfeindes. Dem Mann, welcher inzwischen der Justizminister der Vereinigten Föderation der Planeten war und dem es gelungen war, so gut wie jeden Menschen in seiner Umgebung zu täuschen.<br>„Wir haben keine Zeit, um Höflichkeitsfloskeln auszutauschen,“ erwiderte Edward Jellico trocken und ließ sich wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben nicht auf die Sticheleien ein. „Danny Bird hat so eben das Oberkommando informiert, wo sich die Bombe befindet.“<br>Schon im nächsten Moment vergaß John die jahrelange Feindschaft, die die beiden Männer voneinander trennte und beugte sich interessiert vor.<br>„Wo ist die Waffe?“<br>Der Chefverschwörer von Sektion 31 schien genauso aufgeregt wie John Lewinski zu sein, was den Captain offenkundig überraschte. Während seiner gesamten Karriere hatte der Kanadier Jellico als einen selbstsicheren, ja geradezu arroganten Mann kennen gelernt, der sprichwörtlich über Leichen ging, um seine Ziele zu erreichen. Noch immer nicht hatte John vergessen, wie der alte Mann mit einem gezielten Torpedoangriff Nathan Sloan getötet hatte, um die Führung von Sektion 31 an sich zu reißen. Ihn nun ebenso besorgt wie John selbst zu sehen, wirkte beinahe schon menschlich.<br>„Sollten die Informationen von Lieutenant Bird korrekt sein,“ erklärte Justizminister Jellico, „so befindet sich die Waffe bei einem Mann namens Timo Gruber. Er reist mit einem zivilen Passagierschiff, der Paris, und wird bald auf der Erde eintreffen. Wir denken, dass er schon in dieser Stunde die Hauptstadt der Föderation erreichen und dann seinen tödlichen Schlag ausführen wird.“<br>Entsetzt weitete Lewinski seine Augen. Zwar hatte er damit gerechnet unter Zeitdruck zu arbeiten, doch dass es schon in dieser Stunde zu einer Entscheidung kommen würde, hatte er nicht erwartet.<br>„Und was tun wir nun?“<br>„Wir haben Glück im Unglück, John,“ erklärte Jellico und führte damit seine unangenehme Angewohnheit vor, den Captain der Monitor beim Vornamen zu nennen. „Sie befinden sich quasi auf demselben Glück wie die Paris. Da sie mit einer viel höheren Geschwindigkeit reichen, werden sie das Schiff schon in zwanzig Minuten eingeholt haben. Zu diesem Zeitpunkt wird das Passagierschiff in den lunaren Orbit einschwenken. Ich muss sie ja wohl nicht darauf aufmerksam machen, dass dies der geeignete und wohl einzige Moment ist, Gruber zu stoppen.“<br>„Wo befindet sich die Waffe genau?“<br>„In einem Koffer, den der Attentäter bei sich führt. Aufgrund der Brisanz der Fracht wird er diesen wohl als Handgepäck mit sich führen. Sie werden hoffentlich keine Probleme haben ihn zu finden.“<br>„Verstanden.“ Captain Lewinski begann schon im nächsten Moment einen Plan zu erarbeiten. Sein Verstand arbeitete wie ein gut geöltes Uhrwerk. „Sagen sie mal Jellico, wieso erzählen ausgerechnet sie mir dies?“<br>„Ich spreche direkt für den Präsidenten der Föderation,“ erklärte Edward Jellico in einem seltsam gelassenen Tonfall. Irgendwie hatte John erwartet, dass der alte Mann mit seiner neuen Stellung prahlen würde oder ähnliches, doch scheinbar war der Justizminister genauso besorgt wie alle anderen. „Und noch etwas, John: viel Erfolg!“<br>Mit diesen letzten Worten beendete Edward Jellico die Kommunikationsverbindung. Auch mit diesen abschließenden Worten hatte der Kommandant nicht im Geringsten gerechnet. Es schien das erste Mal überhaupt zu sein, dass diese beiden so gegensätzlichen Männer das gleich Ziel verfolgten und beide in Sorge waren. Wie das Schicksal doch zwei Menschen zusammenbringen konnte. Diesen Gedanken im Hinterkopf behaltend, begab sich John Lewinski auf die Brücke, um den Kurs ändern zu lassen. <br> <br>Es war beinahe schon ein Scherz des Universums, dass Edward Jellico die gleichen Gedanken hegte wie Captain Lewinski. Auch er wunderte sich darüber, dass sie plötzlich für dasselbe Ziel kämpften und miteinander sich um das kostbarste sorgten, was sie hatten. Heute ging es nicht um die Probleme zwischen ihnen beiden oder gar um Sektion 31, sondern um die Zukunft der Wiege der Menschheit, die zudem noch das Zentrum der interstellaren Allianz geworden ist. Sogleich nach Beendigung des Gesprächs begab sich der Justizminister wieder in den großen Sitzungssaal, wo sich der vom Präsidenten einberufene Krisenstab eingefunden hatte. Hier galt es nun ein wichtiges Thema zu erörtern, welches unbedingt diskutiert werden musste. Mit einer energischen Bewegung setzte sich Jellico auf seinen Platz am Kopfende des Tisches und nahm gar nicht zur Kenntnis, dass er nun dort saß, wo normalerweise der Präsident seinen Platz hatte.<br>„Die heutige Situation braucht keine langen einleitenden Worte,“ fand Jellico und blickte dabei die verschiedenen Teilnehmer des Krisenstabes an. Im Raum befanden sich Minister, Vertreter von Rettungsorganisationen, Polizeichefs und weitere Personen. „Ich will wissen, welche Pläne für diesen Fall existieren, die wir in die Tat umsetzen können. Alles, was uns beim Verhindern einer Panik oder einem Massenansturm von Flüchtlingen helfen kann.“<br>Die Hoffnungen des alten Mannes auf eine schnelle und vor allem erbauliche Antwort wurden jedoch rasch zerstört. Statt Fakten zu erhalten, blickte er nur in geknickte und ratlose Gesichter.<br>„Was soll mir dieses Schweigen nun sagen?“ fragte Jellico in den Raum hinein. <br>Der Verkehrsminister nahm schließlich seinen Mut zusammen und erklärte:<br>„Edward, es herrschen für diesen Fall keine Pläne.“<br>„Wie bitte?“ Der Justizminister konnte nicht glauben, was er eben gehört hatte. „Wir befinden uns im Angesicht einer Katastrophe, die zahllose Leben kosten könnte und sie haben keine Pläne? Was ist denn mit den ganzen Katastrophenschutzideen?“<br>Ein Vertreter des Rettungsdienstes, der im hinteren Teil des Raumes saß, räusperte sich kurz und erklärte:<br>„Die gesamten Pläne, die wir haben, basieren auf einem lokal begrenzten Notfall mit notfalls einigen tausend betroffenen Personen. Nun haben wir jedoch erfahren, dass bei einem eventuellen Einsatz dieser biologischen Waffe die gesamte Bevölkerung der Erde betroffen wäre. Wir hätten es dann nicht mehr mit tausenden Opfern oder gar Zehntausenden zu tun, sondern Milliarden! Wie sollen wir mit einer solchen Katastrophe fertig werden?“<br>Die anderen Anwesenden sagten zwar nichts, nickten jedoch einhellig. Damit schien genau dies gesagt worden zu sein, was sie alle dachten. <br>„Ich kann nicht glauben, was sie mir da zu vermitteln versuchen. Nach zahllosen Versuchen der Borg die Erde zu vernichten, nach dem Angriff der Xindi auf die Erde vor zweihundert Jahren…“<br>„… wie sie zurecht sagen, vor über zweihundert Jahren,“ wurde Jellico unterbrochen. „Diese Pläne sind veraltet!“<br>„Eine solche Ausrede akzeptiere ich nicht und der Präsident schon gar nicht. Wir werden gemeinsam eine Lösung finden, indem wir uns nun hinsetzen und einen aktuellen Plan ausarbeiten, der auf den alten Theorien basieren kann,“ entgegnete Edward Jellico mit fast schon erboster Stimme. „Wenn wir hier sitzen und gar nichts machen, dann werden wir in der Tat keinen Plan für den Fall der Fälle haben. Hier und jetzt haben wir aber die Gelegenheit und Vorkehrungen zu treffen für eine Sache, die hoffentlich nicht eintreten wird.“<br>„Wer hat sie überhaupt zum Leiter dieses Stabes gemacht?“ ertönte es aus einer hinteren Ecke des Raumes. Edward konnte nicht erkennen, wer dies gefragt hatte.<br>„Der Präsident der Vereinigten Föderation der Planeten hat dies getan,“ raunte Edward und beschloss sich nicht von diesem Störenfried ablenken zu lassen. Es galt nun das eventuelle Ende der Zivilisation zu verhindern. <br><br>Der Gang in dieses Büro war immer noch etwas Besonderes. Egal wie oft sie es schon getan hatte oder noch tun würde, in das Büro des Präsidenten des interstellaren Völkerbundes zu gehen, war immer noch ein fast sakraler Moment für Elena. Die Sondergesandte des Sternenflottengeheimdienstes wollte wie vereinbart dem mächtigen Staatsmann Bericht über die aktuelle Lage erstatten. Zaghaft betätigte sie den Türsummer. Obwohl man ihre Ankunft erwartete, fürchtete sie schon fast den Präsidenten bei etwas wichtigem zu stören. Doch zu ihrer Überraschung erklang ein überraschend munteres „Herein“ aus dem Büro. Der Staatschef schien die nächtliche Arbeit scheinbar gewohnt zu sein, denn nach seinem äußeren Erscheinungsbild wirkte er deutlich fitter als viele andere Teile des Mitarbeiterstabes. Nur kurz widmete sich Commander Kranick der wundervollen Büroeinrichtung. Zahllose geschichtsträchtige Gegenstände waren hier im Raum, angefangen von der originalen Charta der Vereinigten Föderation der Planeten über einem echten Bild von Präsident Jonathan Archer über verschieden private Exponate des gegenwärtigen Amtsinhabers. Dieser saß an seinem Schreibtisch und schien einige Akten zu studieren, genau wie es John Lewinski einige Millionen Kilometer entfernt an Bord der Monitor getan hatte. <br>„Commander Kranick, sie sind in der Tat pünktlich. Bitte setzen sie sich!“ begrüßte sie der Präsident und deutete mit seiner rechten Hand auf den bequemen Sessel, der ihm gegenüber stand. Die Sternenflottlerin nahm die Sitzgelegenheit dankbar an und bewunderte instinktiv das weiche Material des Sessels, welches zweifelsohne außerirdischer Natur sein musste. <br>„Mr. President, ich bin hier um sie über die neusten Fortschritte in der Krise zu informieren.“<br>„Natürlich möchten sie dies,“ erwiderte der Mann lächelnd und stützte sich auf dem Schreibtisch ab. „Also, was gibt es neues?“<br>„Vor wenigen Minuten hat Lieutenant Bird wieder Kontakt zu uns aufgenommen und einen Bahnbrechenden Erfolg erzielt: uns ist nun nicht nur der Träger der Waffe bekannt, sondern auch deren Aufenthaltsort. Sie befindet sich an Bord eines zivilen Passagierschiffs, welches sich auf dem Weg zur Erde befindet. Die Monitor hat unverzüglich Verfolgungskurs aufgenommen und wird schon in wenigen Minuten dort eintreffen.“<br>Dies waren tatsächlich gute Neuigkeiten, wie der Präsident fand.<br>„Ist kein weiteres Schiff in der Nähe, welches nun schon zugreifen kann?“<br>„Nein, die Monitor ist aufgrund eines glücklichen Zufalls das erste und auch leider einzige Schiff vor Ort. Es wird nicht lange dauern, in spätestens einer halben Stunde werden wir im Besitz der Waffe sein.“<br>Zufrieden nickte der Präsident. Er hatte tiefstes Vertrauen in seine Mitarbeiter und ihre Entscheidungen. Wenn dies nach Ansicht der zahllosen Experten der richtige Weg sei, so würde er einen Teufel tun und eine andere Ansicht forcieren. <br>„Ist dem Passagierschiff seine tödliche Fracht bekannt?“ war die berechtigte Frage des gegenwärtigen Amtsinhabers.<br>„Negativ, Mr. President,“ erklärte Commander Kranick mit Nachdruck. „Wir wissen nicht, über welche Kanäle die Föderale Befreiungsarmee verfügt. Daher werden wir bis zum letzten Moment Funkstille wahren und überraschend zugreifen.“<br>Abermals nickte der Präsident, da auch diese Erklärung einleuchtend war. Kurz dachte er wieder über diese verbrecherische Organisation nach, die vorhatte so viel Leid auf der Erde zu verursachen. Der Name dieser Gruppe klang wie Hohn in seinen Ohren und sicher auch in denen der anderen. Mit etwa Glück würde dieses Problem jedoch schon bald gelöst werden. <br>„Ich muss sie wohl nicht darauf hinweisen, dass ich keinerlei zivile Opfer dulde,“ ermahnte der Staatschef überflüssigerweise.<br>„Machen sie sich keine Sorge, Captain Lewinski ist kein Mann, der freimütig Menschenleben gefährdet,“ erklärte Elena Kranick nachdrücklich und erntete vom Präsidenten hierfür ein Lächeln.<br>„Sie scheinen diesen Mann gut zu kennen.“<br>„Sein Ruf eilt ihm voraus,“ wich der Commander aus.<br>„Ja, aber dies ist nicht der einzige Grund. Ich muss gestehen, dass ich mich ein wenig über sie informiert habe, Commander. Sie hätten ruhig sagen können, dass sie mal an Bord der Monitor gewesen sind…. und eine besondere Beziehung zu Lieutenant Bird haben.“<br>Augenblick errötete die Sonderermittlerin. Mit dieser offenen Konfrontation mit ihrer jüngsten Vergangenheit hatte sie nicht gerechnet. <br>„Ich fürchtete…,“ erklärte Elena und suchte nach den passenden Worten, „dass diese Angelegenheit missverstanden werden könnte.“<br>„Was kann man denn daran missverstehen? Sie haben gegen Lieutenant Bird wegen Verrats an der Föderation ermittelt und nun hat ausgerechnet dieser Danny Bird eine Untergrundgruppe infiltriert. Wenn sie mich fragen, klingt dies äußerst bedenklich!“<br>Fast schon genervt seufzte Commander Kranick angesichts dieser Worte. Genau diese Entwicklung hatte sie erfolglos zu verhindern versucht. <br>„Sie haben den kompletten Bericht des Geheimdienstoberkommandos gelesen?“<br>„Ja und ebenso die Stellungnahme von Captain Lewinski. Ich bin doch richtig informiert, dass sie den Bericht letztes Jahr verfasst haben?“<br>„Dies ist korrekt,“ bestätigte Kranick ohne zu zögern. „Danny Bird ist kein Verräter. Oder zumindest wissentlich. Der Mann, mit dem wir es jetzt zu tun haben, ist ein gänzlich anderer als derjenige, der damals überlief. Auch ich habe sehr lange gebraucht, um dies zu verstehen oder gar zu akzeptieren, doch es ist so. Bei verschiedensten Gelegenheiten hat der Lieutenant deutlich gemacht, dass auf ihn Verlass ist. Wir brauchen ihn!“<br>Was folgte, war eine für Elena überraschende Geste: das Staatsoberhaupt lächelte.<br>„Es ist schön, dass sie über ihren eigenen Schatten springen konnten!“<br>„Sir?“<br>„Ich wollte nur wissen, ob sie sich nicht wie damals von ihren persönlichen Erfahrungen leiten lassen…. Jene, die von Captain Lewinski geschildert worden waren und sich auf ihren toten Mann beziehen.“<br>Fast schon kerzengerade setzte sich Kranick in dem Sessel auf.<br>„Nein, dies beeinflusst mich nicht mehr. Ich habe meine Fehler erkannt. Diese werden mir nicht wieder passieren.“<br>„Genau dies wollte ich hören,“ antwortete der Präsident der Föderation fürsorglich und war zufrieden. Nun war er sich endgültig sicher, dass es zwischen Bird und Kranick nicht zu Problemen kommen würde.  <br><br>Die Situation hatte sich für Jozarnay Woil nicht verbessert. Ein Umstand, der nicht gerade überraschend war. Denn eine Such hatte naturgemäß die Eigenschaft, dass sie irgendwann gestillt werden musste. Jedoch bestand derzeit überhaupt nicht die Möglichkeit an neues Ketracel-White zu kommen und dementsprechend schlecht stand es um den Antosianer. Hatte er noch vor einer Stunde gedacht, dass es ihm schlecht ginge, so wurde er nun eines besseren belehrt. Noch größer waren die Schmerzen des zittrigen Körpers geworden und noch deutlicher traten Woils Konzentrationsschwächen zu Tage. Der ehemalige Chief versuchte in der Zelle etwas zu finden, was ihm in dieser Lage helfen konnte, doch in dem leeren Raum konnte er absolut nichts finden. Außer ihm und seinem Drogenentzug gab es absolut nichts.<br>Und aus diesem Grund begann Jozarnay wieder Stimmen zu hören. Nachdem zuletzt Captain Lewinski in seiner Zelle erschienen und seltsame Sätze gesprochen hatte, vernahm er dieses Mal eine andere, klar weibliche Stimme. Auch diese kam ihm bekannt vor, doch erst als die Sprecherin in das schwache Licht trat, konnte er die Person erkennen. <br>„Nein,“ stammelte der Antosianer und konnte sich nur mit Mühe vom Boden erheben. Zu groß war die freudige Überraschung, die ihm beim Anblick einer längst tot geglaubten Person überkam. Er konnte nicht die Tränen zurückhalten, welche ihm über das Gesicht rannen, als er Stella Tanner vor sich sah. Die Person, die er geliebt hatte, die er immer noch liebte und die von Edward Jellico kaltblütig ermordet worden war. Inzwischen spielte es für den ehemaligen Chefingenieur der Monitor keine Rolle mehr, ob vor ihm nur ein Produkt seiner Phantasie stand oder eine leibhaftige Person. Die Stella, welche vor ihm in diesem atemberaubenden Kleid stand, war genauso real wie er selbst und er wollte sich an diesem beruhigenden Gedanken festklammern.<br>„Doch, ich bin es!“ bestätigte die Gestalt mit den langen roten Haaren und trat näher an ihn heran. Zaghaft, so als fürchtete er die Erscheinung könnte sich in seinen Händen verflüchtigen, berührte Woil die Frau, die er liebte, und wunderte sich über die Wärme, die von ihrem Körper ausging. Es fühlte sich so wunderbar real an.<br>„Du lebst… es ist unglaublich. Ich habe dich sterben sehen und nun bist du bei mir,“ stammelte der Antosianer überglücklich.<br>„Ich kann halt nicht ohne die dich leben!“<br>Die Worte Tanners wirkten wie Balsam auf der gequälten Seele Woils. Endlich gab es Hoffnung für ihn. Nach dem grauenhaften Entzug, den Schlägen der Wärter und der seltsamen Erscheinung von Captain Lewinski gab es nun endlich einen Lichtblick in seinem Leben. Stürmisch küssten sich die beiden und verhielten sich wie damals, als sie noch ein glückliches Paar gewesen waren.<br>„Bitte lass mich nicht mehr allein!“ bat Jozarnay unter Tränen. Ob dieser von der überschwänglichen Freude oder dem Schmerz des Entzuges kamen, wusste er nicht. Was jedoch zählte, waren seine realen Gefühle für Tanner.<br>„Möchtest du wirklich, dass ich bei dir bleibe?“ fragte Stella überflüssigerweise und hielt den Antosianer ganz fest in ihren Armen.<br>„Ein Leben ohne dich kann ich mir einfach nicht vorstellen!“<br>Die Worte von Jozarnay waren wohl das ehrlichste, was Stella jemals gehört hatte und so beschloss die Erscheinung, welche nur ein Produkt der Phantasie des Antosianers war, ihren Geliebten nicht mehr zu verlassen. Dieser Ort war schon trostlos genug, Jozarnay verdiente ein wenig Glück!<br><br>Der entscheidende Moment war endlich gekommen. Auf den Zugriff zu warten war schlimm genug gewesen. Nun, wo sie kurz vor dem entscheidenden Moment standen, arbeitete die Crew der USS Monitor so professionell wie immer. Alle Offiziere befanden sich an ihren Stationen, die Alarmstufe Rot war ausgerufen worden. Captain Lewinski hatte es vorgezogen nicht in seinem Stuhl zu sitzen, sondern hatte sich in die Mitte der Brücke gestellt. In dieser Pose wirkte er wie der ruhige Fels in der Brandung, der allen Trost zu spenden versuchte. Im Transporterraum wartete Fähnrich Kensington mit einem Sicherheitsteam, welches nur auf den Startbefehl wartete. Alles wartete auf den Beginn der Aktion.<br>Auf dem Sensorschirm von Lieutenant Ardev war deutlich die S.S. Paris zu sehen, jenes Passagierschiff, auf dem sich Timo Gruber befand. Der Liner schien sie nicht bemerkt zu haben ( wie auch? ), ruhig flog er seine Strecke zur Erde ab. Ein letztes Mal atmete John Lewinski tief durch, schöpfte noch einmal Kraft für das, was nun kommen würde.<br>„Matt,“ befahl der Kommandant schließlich an seinen Steuermann, „setz dich vor den Bug der Paris, enttarne uns und gehe unter Warp. So bremsen wir das Schiff aus! Bereitmachen einen Kanal zu dem Schiff zu öffnen!“<br>Sowohl Price als auch Ardev bestätigten die Befehle und konzentrierten sich auf ihre Aufgaben. Diese Aufgabe war eine Herausforderung für den Halbbetazoiden am Steuer der Monitor. Mit mehrfacher Überlichtgeschwindigkeit überholte er das Passagierschiff und setzte sich vor es. Im Anschluss enttarnte sich das Geheimdienstschiff und ging unter Warp. Die Paris hatte gerade genug Zeit unter Warp zu gehen, um einen Zusammenstoß zu verhindern. Die Aktion war gefährlich gewesen, verfehlte jedoch ihre Wirkung nicht. Nun besaßen sie die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Beteiligten. Schon im nächsten Moment hatte Ardev einen Kanal geöffnet und mit fester Stimme erklärte der Kommandant:<br>„Hier spricht Captain Lewinski vom Sternenflottenschiff Monitor. Sie haben einen Kriminellen an Bord. Bereiten sie sich auf unsere Ankunft an Bord vor!“<br>Irritiert blickte der Kommandant der Paris zu seinem Kopiloten. Die vormals noch so ruhige Reise hatte eine unerwartete Wendung genommen. Jedoch hatte er keinerlei Möglichkeit dem Captain zu widersprechen und so entgegnete er:<br>„Monitor, wir haben verstanden! Sie können an Bord kommen!“<br>Fast unmittelbar im Anschluss an diese Worte materialisierte im Passagierbereich des Schiffes das vierköpfige Eingreifteam der Monitor. Mit Phasergewehren im Anschlag durchforsteten sie die Reihen der Reisenden und suchten Timo Gruber. Jeder einzelne von ihnen hatte sich ein Bild des Gesuchten eingeprägt; professionell musterten sie jedes einzelne Gesicht an Bord. Naturgemäß waren die Reisenden verwirrt, ja geradezu verängstigt. Aus diesem Grund wurde die Bordverbindung aktiviert und der Kommandant erklärte:<br>„Meine Damen und Herren, es findet gerade eine Sicherheitsinspektion statt. Bitte bleiben sie ruhig auf ihren Plätzen sitzen und lassen sie das Personal der Sternenflotte ihre Arbeit machen. Wir entschuldigen uns für diese Unannehmlichkeit und werden schon bald unseren Weg zur Erde fortsetzen!“<br>Fähnrich Kensington achtete gar nicht auf diese Ansage. Viel zu sehr war sie auf ihre Arbeit konzentriert und darauf, Gruber zu finden. Jedoch waren zahlreiche Passagiere an Bord und dementsprechend lange dauerte das Absuchen. Doch sie mussten nur auf die aufkeimende Ungeduld des Verdächtigen hoffen. Irgendwann, nachdem er sich immer mehr Sorgen gemacht hatte, sprang Timo Gruber von seinem Platz auf und wollte wegrennen. Seine Reaktion war völlig irrational, denn wohin hätte er schon auf diesem Schiff fliehen sollen? Doch Menschen neigten in Extremsituationen leider dazu unvernünftig zu handeln und so machte er das Team auf sich aufmerksam. Kensington traf sofort eine Entscheidung und betäubte Gruber mit einem gezielten Phaserschuss.<br>„Kensington an Lewinski,“ rief sie das Schiff per Kommunikator, „wir haben Timo Gruber betäubt. Bereitmachen zum beamen!“<br>Erleichtert atmete Lewinski auf. Es war vorbei.<br>„Lieutenant Bolder, beamen sie das Eingreifteam sowie den Gefangenen an Bord,“ befahl Lewinski und wandte sich an seinen ersten Offizier. „Gruber wird in das Casino gebracht, Matt. Bereite dort ein Verhör vor und lass den konfiszierten Koffer zu Dr. Frasier bringen. Sie soll den Inhalt und die Waffe untersuchen.“<br>Sofort erhob sich der Commander und verließ die Brücke, um seinem Auftrag nachzukommen. Captain Lewinski selbst begab sich in seinen Bereitschaftsraum und stellte eine Dringlichkeitsverbindung zur Erde her. Natürlich dauerte es einige Minuten, bis er zum mächtigsten Mann der Föderation durchgestellt wurde, dennoch klappte es schneller als erwartet. Das Föderationssymbol auf dem Bildschirm wurde durch den Präsidenten ersetzt, in dessen Augen sich Hoffnung und Zuversicht widerspiegelte. Es war Captain Lewinski eine umso größere Freude, die gute Nachricht übermitteln zu können. <br>„Mr. President,“ teilte ihm John Lewinski mit, „vor wenigen Minuten haben wir Timo Gruber samt dem Viruskoffer in Gewahrsam genommen.“<br>Erleichtert seufzte der Staatsmann auf.<br>„Das sind endlich einmal gute Nachrichten. Was ist mit der Waffe?“<br>„Diese befindet sich derzeit in den Händen unserer Bordärztin und wird untersucht. Nur um sicherzugehen… zudem könnten wir daraus Rückschlüsse auf weitere Waffen ziehen.“<br>Verstehend nickte der Präsident.<br>„Dies scheint mir in der Tat die angemessene Vorgehensweise zu sein. Captain Lewinski, die Föderation ist ihnen und ihrer Crew zu Dank verpflichtet.“<br>Und im Angesicht dieser Worte sagte der Kommandant jenen abgedroschenen Satz, den viele vor ihm in dieser Situation gesagt hatten:<br>„Sir, wir haben nur unsere Pflicht getan!“<br>„Mag wohl sein,“ fand der Präsident und lächelte nachsichtig, „aber dennoch war dies gute Arbeit von ihnen allen!“<br>Damit beendete Captain Lewinski die Verbindung, nachdem er die neuen Befehle erhalten hatte. Nachdem Waffe sichergestellt worden war, galt es nun weitere Informationen über eventuelle weitere Viren und ihre Standorte zu erfahren. Aus diesem Grund würde es das Beste sein Gruber zu verhören.<br>Price hatte natürlich instinktiv vorausgedacht und den Gefangenen in das eigens abgesperrte Casino gebracht. Dort warteten sie, gemeinsam mit zwei Sicherheitsleuten, darauf, dass der Captain hereinkam. Natürlich hätte Matthew schon vorher mit dem Verhör beginnen können, doch der Halbbetazoid hatte beschlossen John Lewinski den Vortritt zu lassen. Dieser sollte das Tempo sowie die Art des Verhörs vorgeben, während Matt mittels seiner empathischen Fähigkeiten unterstützte. Dies wäre die optimale Vorgehensweise, die sich schon so viele Male zuvor bestens bewährt hatte.<br>Timo Gruber saß wie ein Häuflein Elend auf seinem Stuhl. Die Hände waren gefesselt, sein Blick auf den vor ihm stehenden Tisch gerichtet. Obwohl er nur ein kleines Licht in der Hierarchie der Untergrundbewegung gewesen war, versuchte Gruber sich als starken Mann auszugeben, was ihm jedoch nur bedingt gelang. Endlich betrat der Captain der Monitor das Casino. Schnurstracks ging er auf den Gefangenen zu und setzte sich ihm gegenüber an den Tisch. Commander Price beschloss sich in den hinteren Bereich des Raumes zu begeben, um so das Geschehen aus dem Hintergrund zu beobachten. Mit ruhigen, sachlichen Worten erklärte Lewinski:<br>„Sie befinden sich an Bord eines Sternenflottenschiffs, wie ihnen schon aufgefallen sein dürfte. Uns ist ebenfalls bekannt, wer sie sind und mit welchem Auftrag sie in Richtung Erde unterwegs gewesen sind. Mr. Gruber, sind sie Bürger der Föderation?“<br>Die Sekunden schienen sich zu dehnen, als die Frage scheinbar im Raum nachhallte. Schließlich antwortete der Gefangene:<br>„Ich bin es, aber nicht freiwillig. Bürger dieses Regimes zu sein ist eine furchtbare Bürde.“<br>Captain Lewinski beschloss erst gar nicht auf diese Worte einzugehen, die seiner Meinung nach jedweder Grundlage entbehrten. Zumindest hatte der Gefangene auf seine Worte reagiert und war in das Gespräch eingestiegen. Vielleicht bot sich hier nun die Chance, um an mehr Informationen zu gelangen.<br>„Ihre Mission ist gescheitert,“ fuhr John fort. „Sie befinden sich nun in unserem Gewahrsam und ihre Mission ist gescheitert. Gegenwärtig bereiten wir uns darauf sie den Behörden auf der Erde zu übergeben. Die Beweislage ist erdrückend, Mr. Gruber. Sie werden mit Sicherheit eine langjährige Gefängnisstrafe antreten… möglicherweise sogar eine lebenslängliche! So wie ich das sehe, haben sie nur eine Chance: zeigen sie sich kooperativ und in einem Prozess könnte sich dies vorteilhaft für sie auswirken. Dies ist ihre einzige Chance auf Milde!“ <br>Statt zu antworten blickte Timo Gruber ihn an. Zorn stieg in dem jungen Mann auf, dies konnte der erste Offizier deutlich mittels seiner Fähigkeiten spüren, und er lieferte sich ein altmodisches Blickduell mit dem Captain, welches der Gefangene erwartungsgemäß verlor.<br>Mit erstaunlich selbstbewusster Stimme erklärte der Gefangene:<br>„Von mir erfahren sie gar nichts!“<br>„Sie sollten mein Angebot nicht allzu schnell ablehnen. Es müssen ja nicht einmal viele Informationen sein. Verraten sie mir doch einfach, von wo sie diese Biowaffe her haben oder ob es noch mehr davon in ihrem Besitz gibt!“<br>„Wenn sie glauben,“ raunte Gruber und zeigte sich noch sturer, „dass ich zu einem Verräter an meiner eigenen Sache werde, an die ich glaube, dann irren sie mich. Sie können dieses Verhör beenden, ich habe ihnen nichts zu sagen.“<br>Einige Sekunden wartete Lewinski darauf, dass der Gefangene seine Meinung änderte, doch nichts dergleichen geschah. Also erhob er sich und verließ, gefolgt von seinem ersten Offizier, das Casino.  <br><br>Hatte Captain Lewinski möglicherweise darauf gehofft, nun etwas Ruhe und Bedenkzeit zu haben, so mussten seine Hoffnungen enttäuscht werden. Unmittelbar nach Schließen der Schotts zum Casino wandte sich Price an seinen Vorgesetzten, fragte ihn scheinbar ratlos:<br>„Was machen wir jetzt?“<br>Kurz blickte John den Gang nach links und rechts hinunter, ging so sicher, dass sie allein waren, und entgegnete:<br>„Nichts. Wir warten und lassen Gruber etwas im eigenen Saft schmoren. Wenn er einige Zeit allein im Arrest verbracht und so einen Vorgeschmack auf den Vollzug erhalten hat, wird er sich kooperativer zeigen.“<br>Ungeduldig rollte der Halbbetazoid mit den Augen. Ihm war deutlich anzusehen, dass er mit dieser Lösung nicht zufrieden.<br>„Haben wir überhaupt diese Zeit, John?“ fragte er mit Nachdruck.<br>„Wir haben Gruber in Gewahrsam und mit ihm die Biowaffe. Ich weiß nicht, woher noch ein Zeitdruck kommen sollte.“<br>„Es könnten noch mehrere dieser Waffen im Umlauf sein,“ erklärte Price und bemerkte gar nicht, wie seine Stimme unmerklich lauter wurde. „Möglicherweise ist der Föderalen Befreiungsarmee ihr Scheitern inzwischen bekannt und sie hat einen weiteren Träger auf den Weg geschickt, um ihr Ziel zu erreichen.“<br>Irritiert verschränkte Captain Lewinski die Arme vor der Brust und betrachtete seinen Stellvertreter. Dem Kanadier war anzusehen, dass er die Logik des Halbbetazoiden nicht allzu sehr folgen konnte.<br>„Du redest so, als hätte diese Gruppe tatsächlich noch mehr von den Biowaffen,“ erklärte John seinen Standpunkt. „Jedoch ist dies nur eine Spekulation deinerseits!“<br>„Bist du dir da sicher?“<br>„Wenn dem so wäre,“ war sich der Captain sicher, „dann hätte Danny uns dies schon mitgeteilt.“<br>Nun blickte sich Price in dem Gang um, ging ebenfalls sicher, dass ihnen niemand zuhörte.<br>„Hätte er dies? Wissen wir denn überhaupt, dass Danny noch nicht enttarnt worden ist? Mit jeder Minute, die der in der Bewegung verbringt, steigert sich sein Risiko und möglicherweise ist er gar nicht mehr in der Lage uns seine Erkenntnisse mitzuteilen. Gerade durch eine Erlangung solch wichtiger Informationen können wir ihn entlasten… vielleicht kann er sich dann schon in Sicherheit bringen!“<br>Lange musterte John seinen Stellvertreter. Er hatte eine ungefähre Ahnung, worauf Matt hinauswollte und dies gefiel ihm ganz und gar nicht. Noch hoffte er mit seiner Vermutung falsch zu liegen und so hakte er nach:<br>„Und wie können wir deiner Meinung nach an diese Informationen gelangen? Immerhin gibt sich der gute Mann alles andere als kooperativ.“<br>„Wir könnten… drastischere Methoden anwenden,“ wich der Commander aus. Scheinbar verließ ihn nun der Mut das zu sagen, was er auf dem Herzen hatte. <br>„Wie zum Beispiel?“<br>Matts Schweigen sowie der Ausdruck in seinen Augen waren dem Captain Antwort genug.<br>„Das kann nicht dein Ernst sein!“ flüsterte John Lewinski.<br>„Wieso nicht?“<br>„Jemanden zu foltern oder ihm auch nur leichte Schmerzen zuzufügen, um an Informationen zu gelangen, widerspricht allen Prinzipien der Föderation. Auf die wir, wie ich dich wohl nicht erinnern muss, einen Eid geschworen haben.“<br>Lewinskis Plädoyer war von einer solchen Leidenschaft geprägt, dass er selbst davon überrascht war. Schon sonderbar, dass selbst nach jahrelangem Dienen und etwaigen Enttäuschungen die Quintessenz seines Hier seins noch vorhanden war. <br>„Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen Situation,“ erklärte Price weiterhin seinen Vorschlag, „in der außergewöhnliche Entscheidungen getroffen werden müssen, um die Bevölkerung zu schützen. Außerdem müssen ja nicht unbedingt körperliche Mittel eingesetzt werden. Es dürfte auch in der Tat möglich sein geistigen Druck auszuüben. Mittels meiner empathischen Fähigkeiten wäre dies kein Problem für mich! Das Seminar vor zwei Jahren auf Betazed war äußerst hilfreich gewesen.“<br>„Ich denke kaum, dass wir dich aus diesem Grund damals auf den Seminar geschickt haben!“<br>Energisch schüttelte Lewinski den Kopf. Er konnte einfach nicht glauben, was der Mann, mit dem er inzwischen so viele Jahre gedient hatte, nun sagte. Natürlich war ihm seine ungewöhnliche Kindheit und die problematische Karriere in der Sternenflotte des Commanders bekannt, doch immer wieder hatte sich Matthew als prinzipientreuer Mann erwiesen. Wieso nun nur dieser Umschwung?<br>„Deine Äußerungen basieren immer noch auf der Vermutung, dass die Gruppe mehrerer dieser Waffen besitzt…“<br>„Genau dieses will ich doch herausfinden!“<br>„Und selbst dann wäre ich nicht bereit zu diesem Mittel zu greifen!“ fuhr Lewinski energisch fort. „Nicht nur, weil es gesetzlich, sondern auch moralisch falsch wäre. Nichts kann die Folterung eines Gefangenen ethisch vertreten. Ende der Diskussion!“<br>Damit drehte sich John herum und wollte sich auf den Weg zur Brücke machen. Jedoch hörte er noch deutlich Price hinter ihm flüstern:<br>„Wir werden uns am Ende dieser Krise noch einmal sprechen, John!“<br>Eine unheilvolle Ankündigung.<br><br>Derweil, auf der Krankenstation, war Dr. Elisabeth Frasier vollends damit beschäftigt den Koffer zu untersuchen, den Timo Gruber bei sich getragen hatte. Auch sie war sich noch ganz genau im Klaren darüber, wie brutal diese Waffe war und hatte alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die Schwester und den Pfleger hatte sie nach draußen geschickt, um das Risiko zu minimieren. Sollte eine Kontamination der Krankenstation eintreten, was sie natürlich nicht hoffte, so sollten so wenig Personen wie möglich davon betroffen werden. Was die Symptome des Virus jedoch nicht mindern würde. Mit Schrecken entsann sich die Ärztin daran, was für eine seelenlose Person aus ihr werden würde, käme sie mit dem Biovirus in Kontakt. Die Krankenstation war hermetisch abgeriegelt und unter Quarantäne gestellt worden. Alle Zugänge waren verschlossen und zur Sicherheit trug die Ärztin zudem noch einen Schutzanzug. <br>Wie schnell sich doch alles veränderte! Noch vor drei Stunden saß sie mit Matthew bei einem wundervollen Abendessen und dachte über die gemeinsame Zukunft nach, nun musste sie sich einer der grausamsten Waffen ihrer Zeit befassen. Wie furchtbar schnelllebig ihr Leben doch war. Wenn diese ganze Krise überstanden wäre, so würde sie sich erst einmal einen verdienten Urlaub gemeinsam mit ihrem Liebsten nehmen. Am besten wäre noch Jasmin dabei und das Glück wäre perfekt. Doch derzeit galt es sich auf die momentane Situation zu konzentrieren.<br>Mit erstaunlich ruhigen Händen nahm sie den Koffer und legte ihn auf die Untersuchungsliege. Als nächstes schnappte sie sich einen medizinischen Tricorder und untersuchte den Koffer. Dieser war erstaunlicherweise gut abgeschirmt, das kleine Gerät konnte keinerlei verdächtige Biowerte erfassen. Eigentlich eine ganz logische Sache, denn nur so hatte die Waffe an den Scannern des Raumhafens, von dem die Paris gestartet war, vorbeigeschmuggelt werden könnten. Nervös seufzte die Ärztin auf. Sie musste also den Koffer öffnen, um dem Geheimnis einen Schritt näher zu kommen. Mit geübten Fingern schnappte sie sich ein Laserskalpell und öffnete ganz vorsichtig die Versiegelung des schwarzen Koffers. Diese Prozedur dauerte natürlich seine Zeit, da eine enorme Vorsicht an den Tag gelegt werden musste, aber nach einer schier endlosen halben Stunde war sie am Ziel angelangt. Innerhalb des Koffers befand sich ein kleiner, silberner Kasten, in dessen kleinem Fenster man eine grünliche Flüssigkeit beobachten konnte. Dieser musste er also sein, der tödliche Stoff! Vorsichtig fuhr Elisabeth mit ihrem Tricorder über die Schatulle und stellte zu ihrer Freude fest, dass die Anzeigen ausschlugen. Nun galt es, sich an die Feinuntersuchung zu machen…<br><br>Der Justizminister der Föderation saß konzentriert an seinem Schreibtisch und ging einige Akten durch, die er für die gegenwärtige Krise studieren musste. Umso überraschter war er als, eine ganz bestimmte Person sein provisorisches Büro betrat.<br>Hastig erhob sich Edward Jellico aus seinem Sessel, als der Präsident der Föderation eintrat.<br>„Mr. President,“ stammelte der ehemalige Admiral hastig, „ist etwas geschehen? Ich habe ehrlich gesagt nicht mit einem Besuch von ihnen gerechnet!“<br>Höflich hob der Staatsmann die Hand, beruhigte seinen Gehilfen und lächelte ihm zu.<br>„Nein, es ist nichts geschehen, Mr. Jellico. Obwohl diese Aussage nicht ganz korrekt ist; tatsächlich ist etwas Großartiges geschehen.“<br>Augenblicklich entspannte sich die Körperhaltung Jellicos. Beim Eintreten des Präsidenten hatte Edward noch das schlimmste vermutet. Möglicherweise wären sie zu spät gewesen und die Waffe wäre schon eingesetzt worden. Doch die Worte des Staatsoberhauptes machten ihm neuen Mut.<br>„Um was handelt es sich, Sir?“<br>„Captain Lewinski und seiner Crew ist es gelungen den Virus zu stoppen. Sowohl die Waffe selbst als auch dessen Transporteur sind in unserem Gewahrsam!“<br>Angesichts dieser Worte wusste der Justizminister nicht, was er sagen sollte. Abermals blickte er den Präsidenten an, der ergänzte:<br>„Es ist tatsächlich vorbei.“<br>Erst jetzt wagte Jellico es auszuatmen und sich über diesen Erfolg zu freuen. Dies war einfach unglaublich! Es war also doch richtig gewesen auf die Fähigkeiten der Monitor zu vertrauen und ihr diese Angelegenheit zu überlassen. Großartig.<br>„Captain Lewinski,“ schlug Jellico vor und konnte selbst nicht glauben, was er da sagte, „hat eine offizielle Belobigung verdient… wenn nicht gar einen Orden!“<br>Dies ist mir auch in den Sinn gekommen. Ihm und seiner Besatzung kann gar nicht genug gedankt werden. Ich werde mich persönlich an diese Sache machen. Solche Heldentaten sollen nicht ungerühmt bleiben,“ stimmte der Präsident zu und lächelte.<br>Erleichtert über den glimpflichen Ausgang dieser Sache verschränkte Edward Jellico seine Arme vor der Brust und atmete tief aus. Schon seltsam, wie schnell dies gehen konnte. Noch vor wenigen Stunden hatten sie sich mit der Möglichkeit des eigenen Todes sowie der Zerstörung der Erde auseinandersetzen müssen und nun war diese Krise schon wieder ausgestanden werden. Wie schnelllebig doch ihre Zeit geworden war!<br>Oder war Jellico einfach nur zu alt geworden, kam er nicht mehr hinterher? Doch diese Fragen war derzeit zweitrangig! Nun hieß es sich über die Bewältigung einer Krise zu freuen.<br><br>Auch Captain Lewinski wollte sich über diesen Erfolg freuen, doch wie es für ihn üblich war wollte er erst alle Angelegenheiten klären, bevor er sich ans feiern machte. Er gönnte seiner Crew den Erfolg vom ganzen Herzen und gönnte ihr eine kleine Pause, er selbst jedoch wollte die nächsten Schritte der Krise meistern. Es war noch nicht sicher, ob die Föderale Befreiungsarmee im Besitz weiterer Biowaffen war und ob sie in der Lage war den jetzigen Ausfall schnell zu kompensieren. Wie konnten sie jedoch an Informationen gelangen, wenn sich Gruber weiterhin weigerte zu sprechen? Die Worte von Matt Price gingen dem Kommandanten einfach nicht aus dem Kopf. In einem Punkt hatte der Halbbetazoid Recht, wenn sie jetzt an brauchbare Informationen kämen, so könnten sie Danny Bird entlasten, im besten Fall ihn sogar von diesem Fall abziehen. Aber wie an diese Informationen gelangen?<br>Price hatte einen Vorschlag gemacht, doch dieser gefiel dem Captain ganz und gar nicht. Dass überhaupt der Halbbetazoid auf diese Idee kam, war für John bizarr genug. Wie konnte ein Föderationsbürger im 24. Jahrhundert nur auf den Einfall der Folter kommen? Und dennoch ging ihm die ganze Sache nicht aus dem Kopf! War es unmoralisch über diese Möglichkeit nachzudenken? <br>Waren es nur Barbaren, die diese Methode einsetzten, um an Informationen zu kommen? Noch heute gab es zahllose Völker und Regierungen, die sich dieses extremen Mittels bedienten, um an ihre Ziele zu gelangen. Die Folter und damit verbundene Grausamkeit war Bestandteil ihrer aller Geschichte und konnte problemlos von jedem durchgeführt werden. Egal, wie zivilisiert man war, prinzipiell konnte jeder in diesen dunklen Abgrund abdriften. Unweigerlich musste man sich einfach fragen, was mehr wog: die Rechte und Unversehrtheit eines Täters oder das Wohlergehen der Erde, wenn nicht gar der gesamten Föderation.<br>Frustriert schüttelte John den Kopf. Lag es an seiner Müdigkeit, dass er überhaupt über die Folter nachdachte? Nie in seinem Leben hatte er sie angewandt und nun zog er sie möglicherweise in Erwägung. Hatten sie sich nicht endlich von diesem grausamen Punkt ihrer Geschichte distanziert? Es fiel schwer Argumente gegen sie zu finden, außer vielleicht dem wichtigsten: es wäre einfach falsch. Moralisch und ethisch!<br>Würden sie Gruber die Rechte wegnehmen, die sie verteidigen wollten, so wären sie am ersten Schritt ihres Untergangs beteiligt. Würde das erste Glied der Kette geschmiedet worden sein, gäbe es kein zurück mehr und irgendwann wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie immer zu diesem extremsten aller Mittel greifen würden. Aus diesem Grund entschied sich John Lewinski dagegen und er hatte absolut kein Problem damit!  <br><br>„Und nun will der Captain nicht diese Mittel einsetzen!“<br>Auch der erste Offizier der Monitor dachte über die Möglichkeiten im Zusammenhang mit Timo Gruber nach, nur er war gänzlich anderer Ansicht als John Lewinski. Gestikulierend lief Matt durch die Krankenstation und brachte seiner Lieben seine Ansichten bei. Für den Halbbetazoiden stand es außer Frage, wie man mit dem Gefangenen umgehen sollte.<br>„Was meinst du dazu?“ fragte Price die Ärztin und wollte sie so aus der Reserve locken.<br>Bisher hatte Elisabeth ihm geduldig zugehört, sich jedoch vorrangig mit ihren Untersuchungen über die Biowaffe gewidmet. Derzeit betrachtete sie die Anzeigen des Scanners, welcher immer noch die Messwerte des Virus analysierte. Das Ergebnis konnte noch immer auf sich warten lassen. Für einen kurzen Moment dachte die Ärztin über die Worte ihres Geliebten nach, dann meinte sie:<br>„Meine Antwort wird dir ganz sicher nicht gefallen, also lass ich es lieber.“<br>„Dies ist nicht wahr! Ich bin an der Meinung interessiert.“<br>Die Worte von Matt waren aufrichtig gemeint, auch wenn er die Antwort schon kannte. Elisabeths einleitender Satz war eigentlich Antwort genug gewesen.<br>„Auch wenn ich anderer Meinung sein würde?“<br>„Ja.“<br>„Der Captain hat recht,“ erklärte Elisabeth. „Allein nur daran zu denken diesen Mann zu foltern, um an Informationen zu kommen, widerspricht allem, was ich als Ärztin geschworen habe.“<br>„Wir reden hier nicht von irgendwelchen Informationen, sondern solchen, die für die nationale Sicherheit von höchster Wichtigkeit sind! Und wie ich schon einmal versucht habe zu erläutern, könnte ich emphatischen oder gar telepathischen Druck auf Gruber ausüben. Er würde keinerlei Wunden davontragen, keine Knochenbrüche oder Blutungen. Es wäre eine ganz saubere Angelegenheit!“ versuchte Price zu erklären, stieß jedoch auch bei Dr. Frasier mit diesen Worten auf taube Ohren.<br>„Dennoch wäre es falsch und ganz ehrlich gesagt bin ich verwundert ausgerechnet von dir diesen Vorschlag zu hören. Ist dies etwa die Art und Weise, wie ihr auf Rigel miteinander umgegangen seid?“<br>Price´ Miene versteinerte sich im Anschluss an diese Worte und Elisabeth bereute sie sofort. Diese Aussage war in der Hitze des Gefechts geschehen und alles andere als fair gewesen.<br>„Tut mir leid,“ erklärte die Ärztin kleinlaut, „dies meinte ich gar nicht.“<br>„Dein Standpunkt ist schon recht deutlich geworden. Ich lasse es wohl besser, da hier niemand meiner Meinung ist. Sollte jedoch im Laufe dieses Tages noch etwas Unvorgesehenes geschehen, so sollte niemand von sich behaupten, ich hätte nicht davor gewarnt!“<br>Im Anschluss an diesen unheilvollen Satz wollte Matt die Krankenstation verlassen, wurde jedoch noch einmal von Elisabeth angehalten, die ihm ein einfaches „Wieso?“ hinterher rief. <br>Der Halbbetazoid blieb vor dem Schott stehen, blickte kurz zu Boden und überlegte, ob er diese Anekdote aus seiner Kindheit erzählen sollte. Würde sie es überhaupt verstehen oder ihn dennoch ablehnen?<br>„Während meines Aufwachsens auf Rigel musste meine Mutter hart für unser Überleben arbeiten,“ erklärte der Commander mit trockener Stimme. „Dir ist ja schon bekannt, dass das Geld vorne und hinten nicht reichte. Eines Tages wollte sie von der Arbeit zurückkehren und wurde ausgeraubt. Das Gehalt eines ganzen Monats, welches sie unvorsichtigerweise mit sich geführt hatte, war gestohlen worden. Ohne dieses Geld hätten wir niemals über die Runden kommen können. Meine Jugendbande und ich hatte nur wenig Mühe den Täter zu stellen. Jedoch war er nicht allzu kooperativ, als es darum ging das Gehalt wieder raus zu rücken. Also musste ich bestimmte Mittel einsetzen…“<br>Im Anschluss an diese Worte machte Matt eine beunruhigende Pause.<br>„Ich musste es tun, weil wir sonst niemals diesen Monat überstanden hätten. Für jemand, der auf einer reichen Welt aufgewachsen ist, mag dies unverständlich sein, aber für mich und meine Mutter ging es ums Überleben und ich bereue nichts, was ich getan habe.“<br>Daraufhin verließ der Halbbetazoid die Krankenstation und ließ Elisabeth mit ihren Proben zurück.<br>Wieso nur fühlte sich Dr. Frasier schuldig, obwohl sie sich im Recht sah? <br><br>Inzwischen spielte es keine Rolle mehr, ob die Erscheinungen in seiner Zelle real waren oder nicht. Für Jozarnay war es einfach nur eine Wohltat endlich wieder andere Personen zu sehen und sich mit ihnen unterhalten zu können. Während die Begegnung mit Captain Lewinski bizarr bis geradezu ärgerlich gewesen war, stellte das Widersehen mit der todgeglaubten Stella Tanner eine willkommene Überraschung dar. Der Antosianer hatte so lange in der Isolation der Einzelhaft vor sich hin vegetieren müssen, dass er beide Gestalten als real empfunden hatte. Für ihn war Stella, die große Liebe seines Lebens, genauso real wie die Wärter, die vor seiner Zelle warteten und ihn ab und mit ein wenig Essen versorgten. Stundenlang hatte er mit der bildhübschen Frau über alles geredet, was ihm in den Sinn gekommen war. Viel zu lange waren sie von einander getrennt gewesen und Woil konnte es gar nicht glauben, wie lange er sie schon nicht mehr gesehen hatte. Doch nun war sie endlich wieder hier und sie würde nicht mehr gehen, dies hatte sie ihm hoch und heilig versprochen.<br>Und ihre Präsenz hatte in ihm einen Entschluss reifen lassen. Die Zeit des Wartens und des Dahinsiechens war vorbei. Viel zu lange hatte er in diesem Verließ verbracht und die Zeit gezählt, deren Gefühl er dennoch verloren hatte. Es galt nun aktiv zu werden. Die Monitor würde nicht kommen, um ihn zu retten, dies hatte Captain Lewinski beim Besuch in seiner Zelle deutlich zu verstehen gegeben. Nun war nur Jozarnay sich selbst der nächste; er selbst wäre es, der sich retten musste.<br>Also fasste der ehemalige Chefingenieur einen tollkühnen Plan: er würde fliehen und sich den Weg in die Freiheit zurückkämpfen! Wie er dies anstellen wollte, wusste er noch nicht, aber Stella würde ihm ganz sicher dabei helfen. Zärtlich spürte er ihre Hand, wie sie über seine Wange strich und sie fragte flüsternd:<br>„Ist etwas mit dir?“<br>„Ja,“ erklärte Woil mit fester Stimme, „wir werden fliehen!“<br>Als Antwort erntete er von der schönen Frau nur ein bezauberndes Lächeln. Allein dies wäre die kommenden Mühen wert!<br><br>Es war kurz vor vier Uhr nachts, die Zeit, in der die Müdigkeit am stärksten am menschlichen Körper zehrte. Auch John Lewinski fühlte deutlich das Bedürfnis nach Schlaf, konnte dies jedoch noch mit jede Menge Kaffe verdrängen. Auch wenn sie einen wichtigen Erfolg erzielt hatten, war die gegenwärtige Angelegenheit noch nicht ausgestanden. John würde sich erst zur Ruhe legen, wenn Gruber den örtlichen Behörden übergeben wurde. Die fortgeschrittene Nach zehrte an den Kräften der Besatzungsmitglieder und der Gefangene würde ebenfalls ermattet sein. Darauf spekulierte der Kommandant, so dass sie nun an brauchbare Informationen gelangen konnten.  Die Schotts zum Casino öffneten sich mit dem obligatorischen Zischen und offenbarten eine grausige Überraschung:<br>der gefangene Timo Gruber lag reglos auf dem Boden, während ein herbeigerufener Sicherheitsoffizier versuchte mittels einer Herz-Lungen-Wiederbelebung Gruber wieder ins Reich der Lebenden zu holen. <br>„Was ist hier geschehe?“ fragte Lewinski lauthals und ließ sich neben den Bewusstlosen auf den Boden sinken.<br>„Ich kann es mir nicht erklären,“ stammelte der Crewman und versuchte keuchend die Wiederbelebung fortzuführen. „In dem einen Moment saß er noch auf dem Stuhl, dann verdrehte er die Augen und lag regungslos am Boden. Es ist eben geschehen!“<br>„Haben sie den Doktor gerufen?“ fragte John und tastete nach dem nicht mehr fühlbaren Puls.<br>Die Frage erübrigte sich jedoch, denn schon im nächsten Moment eilte Dr. Frasier mit einem Medkit in das Casino und setzte den medizinischen Scanner an. Verzweifelt traten sowohl der Crewman als auch Captain Lewinski von dem Reglosen weg, jedoch dauerte die Behandlung der Ärztin nicht all zu lange.<br>„Er ist tot,“ stellte Elisabeth niedergeschlagen fest.<br>„Wie konnte dies geschehen? Er war doch kerngesund!“<br>Die Ärztin räusperte sich, ging die verschiedenen Möglichkeiten durch und erklärte dann:<br>„Derzeit kann ich ohne genauere Untersuchungen nur spekulieren, aber ich denke Gruber starb an einem selbst verabreichten Gift!“<br>„Ein Gift? Aber sie haben ihn doch untersucht!“<br>„Es könnte besser versteckt gewesen sein, als ich dachte. Meine Scanner hätten es übersehen können.“<br>Ratlos fuhr sich John durch die Haare und stellte zu seinem Erstaunen fest, dass diese klatschnass waren. Eben noch hatte er gehofft wichtige Informationen von Timo Gruber zu erhalten und nun war dieser tot. Sollte sich die Annahme von Dr. Frasier bestätigen und er ein Gift eingesetzt haben, so bedeutete dies nur eines: die Mitglieder der Untergrundbewegung waren eher bereit in den Tod als in ein Gefängnis zu gehen. Diese Einstellung machte sie zu nur noch gefährlicheren Gegnern.<br>„Wenigstens haben wir eine Sache noch,“ murmelte der Crewman, was er jedoch wohl besser nicht laut ausgesprochen hätte.<br>Denn mit einem sorgenvollen Blick wandte sich die Ärztin an ihren Captain und sagte:<br>„Ich wollte sie eben zu mich rufen, als der Notruf hereinkam.“<br>„Sie mich?“ fragte Lewinski erstaunt. „Wieso denn das?“<br>„Meine Untersuchungen der Waffe sind abgeschlossen,“ erklärte Elisabeth und deutlich war ihr das Unbehagen abgeschlossen. Auch Lewinski bemerkte dies und drängte sie:<br>„Machen sie es nicht so spannend, Elisabeth. Was ist es?“<br>„Die Untersuchungen an dem Biovirus ergaben nicht die Werte, nach denen wir gesucht haben. Ich habe daraufhin die Probe noch einmal untersucht und kam zu demselben Ergebnis: wir haben nicht die Biowaffe in unseren Händen.“<br>„Soll dies heißen…“ raunte Lewinski verzweifelt und wurde von Dr. Frasier unterbrochen:<br>„Ja… in dem Koffer befand sich nicht die Waffe!“<br><br><center><u><b>Fortsetzung folgt…<br><br>UNRUHE</b></u><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for TREKNews NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producers NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR<br>TM &amp; Copyright © 2005 by TREKNews Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center><br>]]></description><guid isPermaLink="false">6303</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 7x01: Es beginnt...</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-7x01-es-beginnt-r6287/</link><description><![CDATA[<center><b>PDF-Download</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_57494.html"><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/7x01_cover.jpg" border="0"></a><br><b>Monitor 7x01 "Es beginnt..."</b><br>Dateityp: zip<br>Größe: 0.21 MB</center><br><br>Trotz seiner Aufgeregtheit und Hektik musste Danny Bird ruhig bleiben. Dennoch blieb keinerlei Zeit zu verlieren. Soeben erst hatte er diese Informationen erhalten und musste sie unverzüglich weiterleiten. So lange hatte er auf diesen Moment warten, sich gedulden und warten müssen. Endlich hatte er einen Teilerfolg erzielt.<br>Ein weiteres Mal blickte sich der Lieutenant um, stellte zu seiner Erleichterung fest, dass er nicht verfolgt wurde und dass sich auch keine weitere Person in diesem Korridor befand. Mit einem schnellen Schritt verschwand Danny in einem Seitenzimmer und holte ein kleines Gerät aus seiner Seitentasche, welche bei näherem Hinsehen sehr einem PADD ähnelte. Dies war es jedoch nicht. Vielmehr eine Kommunikationsverbindung, mit der er seine Auftraggeber kontaktieren konnte. Mit geübten Fingern gab Danny den Verschlüsslungscode in das Gerät ein und wählte im Anschluss eine Verbindung. <br>Abermals blickte Bird von dem Gerät auf und sah sich um. Immer noch keiner zu sehen oder gar zu hören. Was er hier tat, war mehr als gefährlich; es grenzte schon an Wahnsinn. Wenn ihn irgendjemand bei dieser Sache erwischte, so wäre es sein unvermeidliches Ende, egal wie lange er schon unter ihnen lebte. Seit Wochen spielte Danny Bird ein gefährliches Doppelspiel mit seinen angeblichen Freunden, deren Vertrauen er sich immer mehr erspielt hatte und wodurch er nun an den Punkt gelangt war, an dem er sich heute befand. <br>Endlich war die Verbindung aufgebaut worden. Viel zu lange dauerte seiner Ansicht nach dieser Prozedur. Wenn dieser ganze Mist hoffentlich bald vorbei war, dann sollte das Oberkommando sich an die Entwicklung einer effizienteren Kommunikation machen!<br>Seine Kontaktperson erschien auf dem kleinen Gerät. Das Bild wurde aufgrund der Verschlüsselung und Entfernung grobkörnig und verrieselt dargestellt, dennoch konnte der Lieutenant deutlich erkennen, dass er mit der richtigen Person sprach. Ein letztes Mal atmete Danny tief durch, sah sich abermals nach eventuellen Zuhörern um und widmete sich dann seinen Erkenntnissen.<br>„Sie haben gerufen, Adler?“ fragte die Person am anderen Ende der Leitung.<br>„Berghorst, ich habe wichtige Informationen erhalten,“ erklärte der Sicherheitschef der Monitor und zitterte fast schon angesichts der Brisanz dieser Informationen, „diese müssen sofort und ohne Umschweife an das Oberkommando weitergeleitet werden.“<br>„Die Entscheidung darüber obliegt weder ihnen noch mir, Adler,“ widersprach der Kontaktmann und machte damit nur umso mehr deutlich, was für ein Bürokrat er doch war. Ohne Sinn für Dringlichkeiten oder Einsätze.<br>„Glauben sie mir, diese Information muss an das Oberkommando gehen,“ betonte Danny mit Nachdruck. „Die Gruppe möchte die Waffe auf der Erde einsetzen.“<br>Trotz des nur schlechten Bildes konnte er deutlich erkennen, wie der Kontaktmann zusammenzuckte.<br>„Von welcher Waffe sprechen sie?“ fragte die Person noch einmal nach, so als wolle er die Wahrheit nicht wahr haben.<br>„Von der Waffe, wegen der ich auf diese Mission geschickt wurde. Informieren sie unverzüglich unsere Vorgesetzten oder auf der Erde könnte ein Holocaust stattfinden! Adler, Ende!“<br>Mit diesen dramatischen Schlussworten beendete Danny die Sprechverbindung. Es war alles gesagt, was gesagt werden musste. Nun war es an anderen die Maschinerie anlaufen zu lassen. <br><br>Paris, das Zentrum der Föderation im 24. Jahrhundert, schlief friedlich. Es herrschte tiefste Nacht, Mitternacht, um genau zu sein, und ein Großteil der Bewohner lag in ihren Betten, ruhte sich für einen neuen Arbeitstag aus. Nur einige wenige Nachtschwärmer schritten durch die Gassen der historischen Stadt, schlenderten von Restaurants zu Kneipen und umgekehrt. Auch im Jahre 2380 war die französische Gastronomie überaus beliebt und vor allem bei Besuchern populär. Doch auch außerirdische Küchen konnte man hier finden, Köche aus zahllosen Welten hatten sich hier niedergelassen, um gewissermaßen als Mittler zwischen den Welten zu fungieren. Manchmal konnte man zu dem Eindruck gelangen, dass die wahre Diplomatie durch den Magen ging und nicht an den Konferenztischen entschieden wurde. <br>Unweit des Eiffelturms befand sich das Hauptquartier des Präsidenten der Vereinigten Föderation der Planeten. In dem riesigen Gebäude befanden sich nicht nur zahlreiche Büros für die wichtigste Person des interstellaren Völkerbundes, sondern auch dessen private Quartiere, in denen er mit seiner Frau und seinen Kindern hauste. Seit mehr als zweihundert Jahren wohnten, schliefen, aßen und arbeiteten die Anführer der Föderation in diesen Räumen und der gegenwärtige Präsident war nicht minder stolz ein Teil dieser Geschichte zu sein. Die letzte Wahl hatte er gegen einen Minister seines eigenen Kabinetts gewonnen und noch zwei weitere Jahre sollte seine derzeitige Legislaturperiode dauern. Ob er danach noch einmal antreten wolle, hatte sich der Mann schon öfters gefragt, war jedoch nie zu einer Entscheidung gelangt. Dieser Punkt würde wohl sehr davon abhängen, was seine Familie von einer solchen Sache halten würde. <br>Doch gegenwärtig war nicht die Zeit für solche Gedanken. Stattdessen schlief der Präsident der Föderation gemeinsam mit seiner Ehefrau im großen Doppelbett, erholte sich von einem langen Arbeitstag und versuchte abzuschalten. Es war ein Fluch seines Berufes, dass auch in seinen Gemächern er keine Ruhe vor den Staatsaufgaben fand. Stattdessen ereilten ihn die dringlichen Fragen auch in seinen Träumen, wo er die Ereignisse des Tages noch einmal für sich durchging und versuchte, neuen Strategien zu entwickeln. Am Ende dieses Tages würde sich der Präsident wünschen, mehr Ruhe gehabt zu haben. Für diese war nun keinerlei Zeit mehr.<br>Mit energischer, fast schon unhöflicher Bestimmtheit wurde die massive, altmodische Holztür zu den Privaträumen des Präsidentenpaares geöffnet und das Licht aktiviert. Verstört schreckte der Präsident aus seinem Bett hoch und rieb sich die Augen. Ein Agent des Secret Service stand in dem Schlafzimmer, ein zweiter wartete höflich vor dem Raum. Sofortige Unruhe machte sich in dem Staatsmann breit. Das letzte Mal, dass er so geweckt worden wurde, war zu Beginn des romulanisch-talarianischen Krieges gewesen. Ein furchtbares Ereignis, an welches er sich immer noch einem Trauma gleich erinnerte. Dementsprechend war es wenig verwunderlich, dass er fragte:<br>„Was ist geschehen? Haben wir Krieg?“<br>Der Spezialagent, persönlicher Leibwächter und langjähriger Vertrauter des Präsidenten, schüttelte zwar den Kopf, wirkte dennoch nicht weniger ernst.<br>„Mr. President,“ bat der Agent mit größtmöglicher Dringlichkeit, „ich muss sie bitten sich anzuziehen und für eine Dringlichkeitssitzung des Kabinetts vorzubereiten.“<br>Hastig schlug der Geweckte seine Bettdecke zur Seite, tätschelte seine ebenfalls wach gewordene Ehefrau und fragte:<br>„Eine Sitzung des Kabinetts? Wer hat diese einberufen?“<br>„Die Sternenflotte,“ gestand der Secret Service Agent.<br>„Wie bitte?“ Der Präsident der Föderation war fast außer sich. „Solange dies hier eine Demokratie ist, berufe ich immer noch die Sitzungen meiner Minister ein. Was denkt sich die Sternenflotte bloß?“<br>Doch sehr zu seiner Überraschung druckste der Agent herum, versuchte seinem Blick auszuweichen, bis er schließlich erklärte:<br>„Glauben sie mir, Mr. President, wir müssen uns mit einem viel dringenderen Problem beschäftigen!“<br>Diese Aussage ließ neuerliche Sorge in dem Staatsoberhaupt aufkommen. Es gab nur eine Möglichkeit, Antworten auf seine Fragen zu erhalten und aus diesem Grund eilte er in das Bad, um sich anzukleiden.    <br><br>Während seiner Amtszeit hatte der Präsident oft genug Gelegenheit gehabt sich in Windeseile umzuziehen, um so einem wichtigen Termin nachzukommen und daher dauerte es weniger als zwanzig Minuten, bis er arbeitsfertig den Besprechungsraum im Präsidentengebäude betrat. Sehr zu seiner Überraschung saßen schon so gut wie alle Minister seines Kabinetts an dem Tisch und blickten ihn erwartungsvoll an. Einige wenige, wie z.B. der Außen- oder Finanzminister fehlten, da sie sich auf diplomatischen Missionen befanden, doch das Gros war anwesend. Die Minister erhoben sich, als das Staatsoberhaupt des interstellaren Völkerbundes den Raum betrat und mit einer einfachen Handbewegung bat der Präsident seine Helfer sich wieder zu setzen.<br>„Guten Abend, Ladies und Gentleman,“ begrüßte der Präsident alle und versuchte die Müdigkeit aus seiner Stimme zu verbannen, „oder sollte ich besser guten Morgen sagen?“<br>„Ich denke, um 00:30 Uhr trifft wohl beides zu,“ feixte der Innenminister und entlockte dem Präsidenten so ein Lächeln, bevor sich dieser auf seinen Platz am Kopfende des lang gezogenen Tisches setzte.<br>„Also, was ist hier los?“<br>Zur Beantwortung der Frage trat eine Person aus der Ecke des Raumes, die man bisher kaum zur Kenntnis genommen hatte. Es handelte sich um einen weiblichen Offizier der Sternenflotte, deren Kragen in das rot der Kommandoabteilung getaucht war und deren Rangabzeichen sie als Commander identifizierten. Die blonde Frau, die kurzen Haare sorgsam zurückgebunden, ging mit auf dem Rücken verschränkten Händen auf den Präsidenten der Föderation zu und stellte sich kurz vor.<br>„Mr. President, ich danke ihnen für ihr schnelles Erscheinen,“ erklärte die Frau. „Ich bin Commander Elena Kranick, Sonderermittlerin des Sternenflottengeheimdienstes und werde sie in dieser Angelegenheit informieren.“<br>Verständnisvoll nickte das Staatsoberhaupt und stützte seinen Kopf auf den Händen ab, wirkte dadurch äußerst nachdenklich.<br>„Dann informieren sie mich bitte darüber, in welcher Angelegenheit wir uns hier alle treffen. An dieser Stelle können sie mir dann ja auch erklären, wieso die Sternenflotte eine Sitzung des Kabinetts einberuft und nicht ich. Sofern ich mich richtig erinnere, ist dies hier immer noch eine Volksdemokratie und kein Staat, der von der Sternenflotte geleitet wird, oder irre ich mich da, Commander?“<br>Tatsächlich wurde Elena Kranick durch diese Aussage mehr als überrumpelt. Dass in dieser Situation sich der Präsident mit dieser Sache beschäftigen würde, hatte sie nicht angenommen.<br>„Natürlich haben sie recht, Mr. President,“ entschuldigte sich die Sonderermittlerin, um so gleich zum Punkt kommen zu können. „Diese Sache mag ein Fehler meinerseits gewesen sein und er wird nicht wieder vorkommen…“<br>„…dies hoffe ich doch!“<br>„Jedoch werden sie den Grund zur Eile besser verstehen, wenn sie und die Minister besser informiert sind.“<br>Verständnisvoll, auch wenn er sich alles andere als so fühlte, lehnte sich der mächtigste Mann des Quadranten in seinem Stuhl zurück und blickte die Frau erwartungsvoll an, wartete auf die Erläuterungen.<br>Commander Kranick trat an eine Wand zurück, wo sich ein Bildschirm befand, und aktivierte einige taktische Diagramme. Mehre Bilder von Personen und Planeten erschienen, die in schneller Abfolge wechselten und scheinbar Begleitinformationen darstellen sollten. Doch ohne nähere Erläuterungen wirkten sie wirr und unsinnig.<br>So selbstbewusst wie möglich stellte sich Commander Kranick vor der versammelten Führungsriege der Föderation auf und bereitete sich auf ihren Vortrag vor. Zwar war sie schon lange genug bei der Sternenflotte und auch beim Geheimdienst, jedoch nun an diesem Ort zu sein, dem Zentrum der Macht, stellte auch für sie ein aufregendes Ereignis dar.<br>„Vor knapp einer halben Stunde erhielten wir eine verschlüsselte Botschaft von einem Agenten, den wir in eine Untergrundorganisation eingeschleust haben. Seine Nachricht ist mehr als besorgniserregend und der Grund für diese eilige Zusammenkunft.“<br>„Dann sollten sie uns diesen nicht vorenthalten,“ fand der Präsident und erntete von seinen Ministern hierfür zustimmendes Nicken. <br>„Diese Gruppe, die von uns infiltriert wurde, plant einen verheerenden Angriff auf die Erde.“<br>Unmittelbar im Anschluss hatte Commander Kranick die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Minister und des Präsidenten. Überrascht richtetet sich das Staatsoberhaupt auf und blickte auf den Projektionsschirm.<br>„Welche Art von Angriff? Mit Schiffen? Und was wird das Ziel sein?“<br>„Ich fürchte, Mr. President,“ erklärte Kranick und wirkte nun ebenfalls äußerst beunruhigt, „dass es nichts dergleichen ist. Vielmehr wird es sich um einen Angriff mit biologischen Waffen handeln.“<br>Atemloses Schweigen in dem Raum und Entsetzen in den Gesichtern. Diese Aussage klang so unwahrscheinlich, so unrealistisch, dass sie eigentlich gar nicht wahr sein konnte. Doch dem war nicht so. <br>„Was für eine biologische Waffe? Ein Virus oder eine Krankheit?“ fragte der Verteidigungsminister.<br>„Nein, es ist eine gänzlich andere Art von Waffe. Es handelt sich…“<br>„… um eine Waffe, die uns alle zu Zombies macht!“<br>Diese erklärenden Worte kamen weder von Commander Kranick noch vom Präsidenten, sondern von der gerade eben erst im Raum eingetroffenen Person. Dem Justizminister der Föderation.<br>Edward Jellico.<br>„Mr. Jellico, es freut mich, dass sie es geschafft haben,“ begrüßte der Präsident ihn höflich.<br>„Es tut mir leid, mich zu verspäten, Sir,“ entschuldigte sich der neue Minister und nahm seinen Platz am Tisch ein. „Jedoch gab es Komplikationen.“<br>„Nun sind sie ja hier und scheinbar haben sie eine vage Ahnung von dem, was Commander Kranick eben erwähnte.“<br>„Nicht nur eine vage Ahnung. Ich weiß ganz genau, was diese Waffe auslösen kann,“ erklärte Edward Jellico düster und deutlich war ihm anzusehen, wie sich das Grauen in seinem Geiste noch einmal abspielte.<br>„Glauben sie mir, Mr. President,“ fuhr Jellico sorgenvoll fort, „sie werden nicht wollen, dass diese Waffe auf der Erde eingesetzt wird.“<br>„Sie scheinen sich ja gut mit dieser ominösen Waffe auszukennen,“ erkannte der Präsident zu Recht. „Wie kommen sie zu diesen Informationen? Wie ist der Name dieses Dings?“<br>Jellico faltete seine Arme vor der Brust und atmete tief durch. Obwohl die Ereignisse schon über zwei Jahre zurücklagen, konnte er sich nur zu deutlich an die Geschehnisse erinnern. Allein die Aussicht, eine solche Waffe könnte auf der Erde eingesetzt werden, war grauenvoll. <br>„Vor zwei Jahren, während des romulanisch-talarianischen Krieges, befand ich mich an Bord der USS Monitor, einem Schiff des Sternenflottengeheimdienstes, welches auf Chervas 3 einen mysteriösen Vorfall untersuchen sollte. Der Kontakt zu dieser ehemals talarianischen Kolonie war völlig abgerissen, nicht einmal die romulanischen Angreifer waren mehr in der Lage gewesen ihre eigenen Truppen zu erreichen. Gemeinsam mit einem Team landete ich auf dem Planeten und wurde Zeuge der furchtbaren Kraft dieser Biowaffe.“<br>Kurz machte Edward Jellico eine Pause, fast so als wolle er ein dramatisches Moment einbauen. Doch nichts lag ihm ferner, denn selbst ihm, der schon so viele Menschen geopfert hatte, graute es vor den Auswirkungen dieser teuflischen Erfindung.<br>„Fragen sie mich nicht wieso, ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, doch diese Waffe sorgte dafür, dass sowohl Talarianer als auch Romulaner aufeinander losgingen. Es war ein furchtbarer Anblick. Fast so, als wäre grausame Rage entfesselt worden, wurden wir von Romulanern mit bloßen Händen angegriffen. Diese… Wesen, ich kann sie gar nicht als etwas anderes bezeichnen, waren fast willenlos und nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Kommunikation mit ihnen oder gar eine Koexistenz war und ist nicht möglich. Nur mit viel Mühe waren wir in der Lage dieser Todesfalle zu entgehen.“<br>Im Anschluss an diese Berichterstattung lehnte sich der Wirtschaftsminister amüsiert zurück und fragte:<br>„Bei allem Respekt vor ihrer Mission, Minister Jellico, aber glauben sie nicht, dass sie etwas übertreiben? Allein die Idee einer solchen Wirkungsweise finde ich ausgesprochen bizarr.“<br>Zorn stieg in dem Chefverschwörer von Sektion 31 auf und nur mit Mühe konnte er sich zügeln.<br>„Ich übertreibe nicht annähernd. Vielmehr sollten sie davon ausgehen, dass die Realität noch viel schlimmer aussieht. Wenn diese Waffe auf der Erde eingesetzt wird, dann haben wir es mit mehr als nur einem Holocaust zu tun; es gäbe ein Volkssterben, welches wir nicht verhindern könnten. Falls sie meinen Ausführungen nicht glauben, so fordern sie die Unterlagen des Geheimdienstes an und fragen sie zudem die Crew der Monitor.“<br>Nun trat Commander Kranick aus dem Schatten, in die sie sich der Diskretion halber wieder begeben hatte, heraus und schmunzelte. Angesichts der Situation wirkte diese Geste völlig fehl am Platze, doch ihr waren die seltsamen Zufälle, die ihnen das Universum bereitete, bekannt.<br>„Interessant, dass sie die Monitor erwähnen,“ erklärte Elana Kranick, „denn unser Informant in dieser Gruppe ist jemand, den sie von diesem Schiff kennen sollten.“<br>Der ehemalige Admiral der Sternenflotte weitete überrascht die Augen und blickte zu dem Wandschirm, dessen Projektion nun wechselte und eine Personalakte zeigte. Neben einigen Daten zum Lebenslauf und Karrierestationen wurden zwei Bilder von Danny Bird gezeigt. Zweifellos handelte er sich hier um seine Geheimdienst-Akte.<br>„Ist dies unser Mann?“ fragte der Präsident überflüssigerweise.<br>„Ihre Annahme ist korrekt, Mr. President. Sie sehen hier die Personalakte von Lieutenant Danny Bird, dem taktischen Offizier des Raumschiffs Monitor. Das Schiff sollte ihnen bekannt sein, da sie selbst einige Missionen für den Geheimdienst autorisiert haben. Vor zwei Monaten wurde der Lieutenant ausgesandt, um diese Untergrundorganisation, die sich selbst Föderale Befreiungsarmee nennt, zu infiltrieren.“<br>Der Präsident unterbrach die Ausführungen des Commanders, um die für alle nahe liegendste Frage zu stellen:<br>„Hat diese Gruppe irgendetwas mit Sektion 31 zu tun?“<br>„Unseres Wissens nicht, aber man kann nichts ausschließen.“<br>Für einen kurzen Moment blickte das Staatsoberhaupt zu Edward Jellico, dem Sektion 31-Experten in seinem Kabinett, der in den letzten Jahren so wertvoll für die Zerschlagung dieser Gruppe gewesen war. Auch dieser schüttelte den Kopf<br>„Auch mir ist diese Gruppe unbekannt und ich kann keinen Zusammenhang zu Sektion 31 erkennen.“<br>„Was ist das Ziel dieser Gruppe?“<br>Kurz blickte Kranick zu Boden, rief sich einige Informationen ins Gedächtnis.<br>„Dank der Arbeit von Lieutenant Bird haben wir Tonnen von Informationen, aber ich denke es reicht zu sagen, dass diese Menschen rund um ihren Anführer James Talley die Föderation von ihrer Diktatur befreien wollen.“<br>Natürlich nahm niemand diese Aussage der ernst. Dennoch tat es dem Präsidenten weh, wenn er hörte, wie einige wenige seine Regierungsweise ansahen. Natürlich hatte jeder in einer Demokratie seine eigene Meinung zu haben, aber seine Legislatur mit einer Diktatur gleichsetzen zu wollen, war ein heftiger Vergleich. <br>„James Talley? Sagt einem dieser Name etwas?“ fragte der Präsident.<br>„Auch zu ihm haben wir überaus viele Informationen, die ich ihnen bei Bedarf präsentieren kann,“ führte die Sonderermittlerin des Geheimdienstes weiter aus. „Bis zu diesem Punkt kann ich ihnen jedoch versichern, dass wir es hier nicht mit einem psychopathischen Irren zu tun haben, sondern mit einem clever denkenden Mann.“<br>„Wer das Herz der Föderation mit einer Biowaffe attackieren möchte, muss schon irre sein,“ stellte der Innenminister eine gewagte These auf, jedoch antwortete ihm niemand. Wahrscheinlich war seine Aussage eher rhetorischer Natur gewesen. <br>„Den Einsatz dieser Waffe zu verhindern werde ich zur obersten Priorität machen,“ erklärte der Präsident schließlich mit ruhiger, selbstbewusster Stimme. „Ich werde auf der Stelle einen Krisenstab ins Leben rufen, der sich mit diesem Problem befassen wird. Bitte haben sie Verständnis dafür, dass ich, im Zuge der Effizienzsteigerung, dabei große Teile des Kabinetts außen vor lassen werde. Jedoch werden sie alle regelmäßig informiert werden.“<br>Jeder der anwesenden Politiker war lange genug dabei, um zu wissen, was es mit dieser Aussage auf sich hatte. Höflich und sich dabei sehr wohl bewusst, dass jegliche Details über diese Sitzung geheim waren, verließ ein Minister nach dem anderen den Sitzungsraum.<br>„Mr. Jellico, bitte warten sie noch einen Moment,“ meinte das Staatoberhaupt fast unmerklich, kurz bevor der Justizminister den Raum verlassen wollte. Der Angesprochene war ehrlich gesagt alles andere als überrascht über diese Bitte. Insgeheim lachte sich der Chefverschwörer von Sektion 31 sogar ins Fäustchen, wenn er daran dachte, wie schnell doch sein Aufstieg von statten ging.<br>Doch diese Empfindungen trug er nicht nach außen. Stattdessen blickte er nachdenklich drein, faltete seine Hände nachdenklich hinter dem Rücken, so als sei er ein junger Sternenflottenrekrut und wartete darauf, was der Präsident von ihm wollte. Die einzige Person, die sich neben ihnen beiden noch im Raum befand, war Commander Kranick, welche sich respektvoll im Hintergrund hielt.<br>„Wenn ich dies richtig verstanden habe,“ erklärte der Präsident der Vereinigten Föderation der Planeten und untertrieb mit dieser Aussage natürlich maßlos, „dann besitzen sie eine gewisse Expertise im Bezug auf diese Waffe. Daher denke ich, dass es nur logisch wäre, wenn sie mir bei der Suche nach dieser Waffe zur Seite stünden.“<br>Nur mit Mühe konnte Edward den Stolz verdrängen, den er bei diesen Worten empfand.<br>„Mr. President, wie immer sie wünschen!“<br>Zufrieden nickte der Staatsmann und widmete sein Aufmerksamkeit wieder der Sonderermittlerin des Geheimdienstes.<br>„Haben wir eine ungefähre Ahnung, wann diese Waffe zum Einsatz kommen soll?“<br>Doch Elana Kranick hatte keine andere Möglichkeit als frustriert den Kopf zu schütteln.<br>„Es tut mir leid, aber mehr als die Antwort bald kann ich ihnen nicht geben. Weder Datum, Zeit noch Tag.“<br>„Dann schlage ich vor, ihr Agent in der Gruppe, dieser Lieutenant Bird, sollte sich gewaltig anstrengen!“<br>Für einen kurzen Moment huschte ein Schatten über das auf eine herbe Art und Weise hübsche Gesicht vom Commander; eine fast unmerkliche Geste, die der Präsident bemerkte. Er machte sich eine geistige Notiz, beschloss auf diesen Punkt beizeiten zurückzukommen.<br>„Ich werde versuchen dies auszurichten. Aber ich muss sie ja nicht daran erinnern, Sir, dass Lieutenant Bird unter Lebensgefahr die Föderale Befreiungsarmee infiltriert hat.“<br>Natürlich musste der Präsident nicht an diesen Punkt erinnert werden. Jede Undercover-Mission war gefährlich und diese wahrscheinlich umso mehr. Abermals machte sich der Präsident eine geistige Notiz; nahm sich vor die Akte des Lieutenants und der Crew der Monitor anzufordern. Im Anschluss an diese Worte widmete der Präsident seine Aufmerksamkeit wieder dem Justizminister.<br>„Was meinen sie, Edward? Scheinbar haben wir in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit der Crew der USS Monitor gemacht und einer ihrer Offiziere ist schon vor Ort. Da wäre es nur logisch, das Schiff auf diese Mission anzusetzen.“<br>Fast schon gewinnend lächelte Edward Jellico bei dieser Aussage, was irgendwie unwirklich wirkte, wenn man bedachte, worum es gerade ging.<br>„Glauben sie mir, Mr. President,“ erklärte Jellico voller Vertrauen, „wenn einer diesen Fall aufklären kann, dann die Crew der Monitor!“<br><br>Einige Lichtjahre entfernt, in einem Reparaturdock im Orbit von Alpha Centauri, befand sich die USS Monitor. Das Schiff wurde derzeit neu aufgerüstet, die Computersysteme aktualisiert und wichtige Verbrauchsgüter ergänzt. Prozeduren, die man nicht aufgrund des Umfangs nicht in Starbase 67 durchführen konnte, der eigentlichen Heimat des Geheimdienstschiffs. Für die Crew war dies eine willkommene Abwechslung, endlich einmal Landurlaub machen zu können und dabei nicht zu sehr auf Geheimhaltung oder ähnliche Dinge achten zu müssen. Natürlich tauchte das Schiff in keiner Dockliste oder keinem Wartungsplan auf, dennoch war es für die meisten sichtbar vorhanden. Abgesehen von den beiden bewaffneten Wachen am Eingang des Schiffes ließ nichts auf die ungewöhnliche Natur dieses Schiffes schließen. <br>Ein Großteil der Besatzung tummelte sich auf der Planetenoberfläche, genossen den freien Himmel und das Nachtleben der planetaren Hauptstadt. Für Jahrhunderte war Alpha Centauri so nah und doch so fern für die Menschheit gewesen. Der nächste Planet der Klasse M und dennoch mit konventionellen Antrieben erst in Jahrzehnten, wenn nicht gar Jahrhunderten zu erreichen. Erst kurz vor dem dritten Weltkrieg hatte eine Nation der Erde eine bemannte Mission dorthin ausgesandt, die nach langem und beschwerlichem Weg dort ankam. <br>Der Kontakt zur Heimatwelt war schon vor langer Zeit abgerissen und so hatte keiner der Astronauten die Möglichkeit von ihrem einmaligen Erlebnis zu berichten: als erste Menschen überhaupt einen anderen erdähnlichen Planeten zu betreten. Natürlich kehrten diese Personen niemals zur Erde zurück, doch so blieb ihnen zumindest das Schicksal des größten Krieges der Menschheitsgeschichte erspart, der fast zur Vernichtung der eigenen Spezies geführt und dennoch, welch Ironie, den Weg für den ersten Kontakt mit den Vulkaniern ebnete.<br>Noch heute erinnerte ein bescheidenes, dennoch wundervolles Monument an diese ersten Pioniere, die einen Menschheitstraum erreicht hatten.  <br>Doch nicht alle Personen hatten die Möglichkeit sich zu erholen. Es gab Positionen an Bord des Schiffes, die waren rund um die Uhr im Einsatz und mussten für den reibungslosen Ablauf sorgen. Naturgemäß gehörte der Captain zu diesen Personen. Obwohl Mitternacht schon längst überschritten worden war, saß John Lewinski noch in seinem Bereitschaftsraum und ließ seine müden Augen über die unzähligen Akten und Berichte auf seinem Schreibtisch gleiten. Seltsamerweise schien sich der Papierkram exponentiell zu der Dauer ihres Landurlaubs zu vermehren. Da scheinbar jedermann glaubte die Monitor hätte nun nichts zu tun, sendete man eine Anfrage nach der anderen an ihn. Alpha Centauri hatte John bisher nicht betreten und derzeit sah es überhaupt nicht so aus, als würde sich etwas an diesem Zustand ändern.<br>Erschwerend kam noch hinzu, dass ihm derzeit überhaupt nicht an der Bewältigung dieser Arbeit lag. Der Kanadier konnte sich derzeit auf rein gar nichts konzentrieren. Seine Gedanken streiften umher, suchten einen Fixpunkt, ohne einen zu finden. Und wenn der Captain ehrlich zu sich selbst war, so wusste er den Grund hierfür. Seit Monaten dachte er über diese Sache nach, sie verfolgte und quälte ihn. So tat er das, was er schon einige Male getan hatte. Er schob sich etwas näher an sein Komterminal heran, gab seinen persönlichen Sicherheitscode ein und ließ sich eine Verbindung aufbauen. Jedoch nicht irgendeine, sondern zu einer Kamera, die sich an einem der gefährlichsten Orte der Föderation befand: im Hochsicherheitsgefängnis Alpha der Föderation, die sich auf der Erde befand. Jener Justizvollzugsanstalt, in der sich die größten Kriminellen des Völkerbundes befanden. Ein einbruchssicheres Gefängnis, aus dem es noch niemals eine Flucht gegeben hatte. Nun, dies stimmte nicht so ganz, denn ein einziges Mal konnte eine Person aus dem Gefängnis entkommen, wenn dies auch nicht ganz freiwillig geschah: Edward Jellico war damals, nachdem er verhaftet und im Alpha-Gefängnis festgehalten wurde, von Sektion 31 entführt. Doch abgesehen von diesem Vorfall, der natürlich geheim gehalten worden war, hatte es niemals ein Entkommen aus dieser Strafanstalt gegeben. Die meisten Personen, die hier einsaßen, würden für den Rest ihres Lebens nie wieder in Freiheit leben. Zu groß waren ihre Verbrechen gewesen, als dass man bei ihnen an eine Resozialisierung glaubte. <br>Die Verbindung wurde hergestellt und zeigte ihm nun das Bild einer Sicherheitskamera, welche sich in der Ecke einer Zelle befand. In jener Zelle befand sich ein Insasse, der schlafend in seinem schmalen Bett lag. Obwohl er im Gefängnis war, fehlte es ihm nicht an den Annehmlichkeiten, die ein menschliches Individuum nötig hatte. Ein Bett, ein Computer, Bücher, sowie eine kleine Badenische, diese Dinge standen dem Sträfling zur Verfügung. Klang luxuriös, doch wenn man bedachte, dass dieser Mann seine Zelle wohl niemals mehr verlassen würde, relativierte sich alles schnell.<br>Abermals fragte sich John, was er getan hatte. Seinen Bruder Martin in diese Zelle einzusperren, war wohl der schlimmste Schritt seines Lebens gewesen. Es war nötig gewesen, ja, aber dennoch fühlte sich der Captain furchtbar deswegen. Seit jenem Tag hatte der ältere Lewinski Schuldgefühle, die er nicht ablegen konnte. Immer wieder fragte er sich, ob er mit dieser Tat seine Familie zerstört hatte. Von Zeit zu Zeit klinkte er sich deswegen in die Sicherheitskameras des Gefängnisses ein, beobachtete seinen Bruder und vergewisserte sich, dass es Martin gut ging. Irgendwie kam bei dieser Sache der große Bruder in ihm durch, anders konnte er sich die ganze Sache nicht erklären.<br>Seine Beobachtungen wurden durch das Piepen eines ankommenden Komsignals unterbrochen. John kappte die Verbindung, holte sich die Nachricht auf dem Schirm und eine junge Sekretärin erschien auf dem Bild.<br>„Captain Lewinski?“ fragte die Frau mit ruhiger Stimme.<br>„Ja, der bin ich,“ bestätigte John nicht ohne eine gewisse Überraschung.<br>„Bitte warten sie für den Präsidenten der Vereinigten Föderation der Planeten,“ und schon im nächsten Moment war das Gesicht der Frau verschwunden, wurde durch das Symbol der Föderation ersetzt. Irritiert lehnte sich der Captain in seinem Stuhl zurück. Hatte er da etwa richtig gehört? Die Aussicht mit dem Präsidenten selbst zu sprechen wirkte irgendwie unwirklich und nicht greifbar. Dann jedoch verschwand das Logo vom Bildschirm und stattdessen blickte er in das Gesicht des mächtigsten Mannes des Quadranten.<br>„Mr. President,“ begrüßte Lewinski den Staatsmann höflich und erntete ein Nicken seines höchsten Vorgesetzten.<br>„Captain Lewinski, ich bin froh sie erreichen zu können.“<br>„Wie sie wohl wissen dürften, stehe ich der Sternenflotte rund um die Uhr zur Verfügung,“ erklärte der Kommandant nicht ohne einen gewissen Hauch von Ironie. <br>„Bitte fassen sie dies nicht als Unhöflichkeit auf, wenn ich direkt zum Punkt komme, denn die Situation ist dringlich,“ erklärte der Präsident und faltete seine Hände auf seinem Tisch, wie er es so oft tat. „Sie sind mit der Geheimmission ihres taktischen Offiziers Lieutenant Bird vertraut?“<br>„Ja, dies bin ich. Seit geraumer Zeit hat der Lieutenant die föderale Befreiungsarmee infiltriert, um zu ermitteln, ob diese Gruppe eine Gefahr für die Föderation darstellt.“<br>„Unglücklicherweise hat ihr Offizier Erfolg gehabt. Die Gruppe plant einen Angriff auf die Erde.“<br>Verstehend nickte Lewinski. Die Nachricht wirkte seltsam, konnte er sich doch kaum vorstellen, dass eine kleine Untergrundorganisation einen Angriff auf das Herz der Föderation planen könnte. Dennoch war die Lage ernst genug.<br>„Wann soll dieser Angriff stattfinden?“ fragte John.<br>„Unglücklicherweise ist uns dies nicht bekannt. Das einzige, was ich ihnen mitteilen kann ist, dass es bald geschehen wird. Und die Natur des Angriffes ist uns bekannt.“<br>„Die da wäre?“<br>Schon im nächsten Moment wünschte sich John diese Frage nicht gestellt zu haben. Die Antwort gefiel ihm ganz und gar nicht, beschwor unangenehme Erinnerung hoch.<br>„Mit der biologischen Waffe, die sie auf Chervas 3 erlebt haben.“<br>Plötzlich schien dieses Gespräch in ganz weite Ferne zu rücken und John befand sich an einem anderen Ort. Wieder auf diesem Planeten, zwei Jahre vorher und in einem Raum mit Sokol, einem romulanischen Offizier… <br><br><i>Wie erwartet gingen sie beide in das größte Gebäude, bei dem es sich um das ehemalige talarianische Regimentshauptquartier dieser Region gehandelt hatte. Nun benutzten es die Romulaner nach ihrer Eroberung als eben jenes: als Kommandoposten für ihre Truppen... oder zumindest für die noch übrig waren.<br>Erleichtert setzte sich Sokol auf einen bequem scheinenden Stuhl, der sich hinter einem Schreibtisch befand. Lewinski selbst nahm auf dem Stuhl ihm gegenüber Platz. Auf dem Schreibtisch türmten sich Akten, die mit talarianischen Buchstaben und Zahlen beschriftet waren, offenbar hatte hier ein hoher General seinen Sitz gehabt.<br>„Darf ich ihnen etwas anbieten?“ fragte der Commander und deutete auf eine Flasche halbvollen talarianischen Wein. „Wir haben nicht mehr viel davon und wenn ich ehrlich bin, so ist die Qualität eher bescheiden, doch in diesen Tagen sind wir doch auch über das Wenige äußerst glücklich.“<br>„Dies ist wohl richtig,“ stimmte ihm John zu, „jedoch muss ich ablehnen.“<br>„Ist wohl besser so,“ brummte der Romulaner und runzelte die Stirn. „Alkohol macht einen träge und dies können wir uns zur Zeit nicht leisten. Wir brauchen jeden Mann. Sie sagten, sie wären hier um die Vorkommnisse auf diesem Planeten zu untersuchen? Sie kommen also von einem Forschungsschiff.“<br>Kurz überlegte John, ob er ihn anlügen sollte, doch einen eventuellen Vertrauensbruch konnten sie sich in dieser Situation nicht leisten.<br>„Nein. Unsere Mission ist eher... inoffiziell.“<br>„Ich verstehe,“ meinte Commander Sokol daraufhin und er schien tatsächlich zu kapieren. In seinem Gesichtsausdruck zeigte sich keinerlei Missbilligung über diese Infiltration seitens des Sternenflottengeheimdienstes, sondern eher sogar Verständnis.<br>„Unser Shuttle ist gestern abgestürzt...<br>„... kein Wunder bei dieser Strahlung!“<br>„Und wir haben auf unseren Karten diese Kaserne entdeckt. Basierend auf unseren Berichten wussten wir, dass sie vor einigen Tagen diesen Stützpunkt eingenommen hatten und wir hofften hier vielleicht etwas Technologie zu finden, die uns bei der Flottmachung unseres Gefährtes helfen könnte.“<br>„Da muss ich sie leider enttäuschen, Captain Lewinski. Wenn sich uns diese Möglichkeit böte, dann hätten wir sie tatsächlich selbst genutzt. Bisher sitzen wir hier auf Chervas 3 fest, ohne die Möglichkeit auf Rückkehr.“<br>An Rückschläge war er schon viel zu sehr gewöhnt, als das er ernsthaft über diese Worte enttäuscht sein konnte.<br>„Wir arbeiten zwar seit Tagen an einer Komverbindung und haben erste zaghafte Erfolge verbuchen können, aber dies wird uns nicht viel bringen,“ fuhr Sokol fort.<br>„Wieso? Wie meinen sie dies?“<br>„Nun, wir sind nah dran eine funktionierende Verbindung herzustellen. Doch ihre Dauer wird begrenzt sein und sie bringt uns eh nichts: ihre Reichweite ist gering. Höchstens können wir den Orbit damit erreichen und da alle romulanischen Schiffe abgezogen sind werden unsere Rufe wohl nur auf taube Ohren stoßen.“<br>Endlich ein Hoffnungsschimmer! Mit neuem Elan beugte sich Lewinski vor und schaute seinem Gegenüber fest in die Augen.<br>„Was ist, wenn ich ihnen sage, dass mein Schiff direkt vor Ort ist und nur auf ein Signal von uns wartet?“<br>„Dies wäre fantastisch... für die zumindest,“ entgegnete der Commander. „Uns bringt dies jedoch nichts, da weder ein Shuttle langen kann noch das Beamen möglich ist.“<br>„Was macht sie da so sicher?“<br>„Die Erfahrung. Ich habe eine Frau verloren, als sie sich selbst als Versuchsobjekt auf die Transporterplattform gestellt hat. Sie endete als romulanisches Gemüse.“<br>„Haben sie kein Vertrauen in ihre Techniker?“<br>„Doch, dies habe ich.“<br>„Unsere beiden Leute sollten zusammenarbeiten,“ argumentierte Captain Lewinski und neues Feuer brannte in seinen Augen. Ganz deutlich spürte er, dass sie sich kurz vor dem Ziel befanden und daher wollte er jetzt nicht aufgeben. Er hatte den Willen nach Hause zurückzukehren und ein Scheitern kam für ihn nicht in Frage. „Ganz sicher können wir eine Verbindung zu meinem Schiff herstellen und sicherlich schaffen wir beide es den Transporter zum Laufen zu bringen.“<br>Sokol betrachtete einen Moment lang misstrauisch, dann seufzte er.<br>„Ihren Elan in allen Ehren... versuchen wir es! Darauf muss ich aber einen trinken, wenn sie mich bitte entschuldigen würden.“<br>Der Krieger erhob seine müden Glieder aus dem Sessel und genehmigte sich einen Schluck aus der Weinflasche. Sinnierend blickte er aus dem Fenster des ersten Stockes auf sein kleines Restteam, dass die kleine Kaserne bewachte.<br>„Am Anfang waren wir über einhundert Soldaten,“ erklärte Sokol traurig. „Sie alle hatten unter meinem Kommando gestanden. Wir waren die 3. mobile Infanteriedivision, mit der Aufgabe diese Region von Chervas 3 zu erobern. Kaserne um Kaserne, Stellung um Stellung rückten wir vor. Die Talarianer hatten so gut wie keine Chance gegen uns. Sie rechneten mit schweren Fahrzeugen von uns, doch dass wir leichte, hochgerüstete Infanterieverbände einsetzten würden, damit hatten sie ganz und gar nicht gerechnet. Wir überrannten sie buchstäblich. Während der gesamten Kämpfe verlor ich nur acht Soldaten. Acht von einhundertvierzig. Dann setzten sie ihre Waffen ein... ich kann ihnen eigentlich gar nicht böse deswegen sein.“<br>„Wenn meinen sie? Die Talarianer?“ fragte John unschuldig.<br>„Ja,“ antwortete Sokol und seine Stimmlage zeugte tatsächlich von Verständnis. „Dieser Krieg war von Beginn an entschieden. Krieg... ich benutze dieses Wort so selbstverständlich, dabei ist es nur ein Gemetzel. Die Talarianer haben keine Chance gegen unsere hochentwickelte Technik.“<br>„Sie halten diesen Kampf für falsch?“<br>Sokol nickte.<br>„Wahrscheinlich glauben sie dies nicht, aber nicht alle Romulaner sind blind im Zorn. Auch ich hasse die Urheber des Attentates auf den romulanischen Senat, doch im Gegensatz zu anderen halte ich die Talarianer nicht für die Urheber dieser Aktion. Wieso sollten sie so etwas tun und einen Krieg heraufbeschwören, der ihre Vernichtung bedeuten könnte?“<br>„Und doch verweigerten sie sich nicht dieses Krieges,“ meinte Lewinski und bereute schon im nächsten Moment seine anklagenden Worte.<br>„Ich habe mehr als einmal überlegt mein Kommando niederzulegen und meine Überzeugung offen darzulegen. Doch die Strafe darauf wäre der Tod.“<br>„Manchmal muss man für seine Überzeugungen sterben.“<br>„Dies sagt sich leicht, wenn man nicht in dieser Situation ist,“ lächelte Sokol ihm bitter zu.<br>Der Captain nickte und verstand. Er hielt es für besser das Thema zu wechseln:<br>„Was hat es nun mit den Auswirkungen dieser Waffe auf sich?“<br>Auf diese Frage erhielt John Lewinski eine Antwort, jedoch nicht in der Art und Weise, wie er es sich wohl erhofft hatte. Denn statt einer Verbalantwort des romulanischen Befehlshabers ertönten Sirenen und hektische Betriebsamkeit erwachte in dem übernommenen Stützpunkt. Verwirrt blickte der Kanadier zu seinem Gegenüber, der ihn jedoch gar nicht beachtete und stattdessen zu seinem Gewehr griff, damit nach Hause rannte. John beschloss das selbe zu tun und wurde sich im Anschluss der Situation bewusst.<br>„Gegner auf fünf Uhr, schnell näherkommend,“ brüllte ein Romulaner, dessen Stimme John als den Diskutanten von vorhin wieder erkannte, und feuerte seine Waffe mehrfach ab. Die anderen romulanischen Soldaten rannten ebenfalls auf ihre Positionen und eröffneten das Feuer auf die unbekannten Angreifer. Schnell erklomm der Captain die kurze Leiter und gesellte sich zu Lieutenant Bird, der die ganze Szenerie beobachtete und nicht wusste, was er tun sollte. Fassungslos blickte John auf die Angreifer. Es waren Dutzende von Romulanern und Talarianern, die mit lautem Gebrüll aus dem Wald herausliefen, so als ob sie in der Lage wären die Kaserne mit ihrer puren Muskelkraft zu erstürmen. Einer nach dem anderen wurde von den Verteidigern erschossen, doch die wild aufgebrachte Menge schien dies gar nicht zu realisieren. Meter um Meter rückten sie weiter auf die Kaserne vor. Inzwischen waren sie ihnen allen so nah gekommen, dass John Lewinski ihnen problemlos in die Augen schauen konnte. Was er dort sah gefiel ihm ganz und gar nicht. Statt der ruhigen und intelligenten Augen, die man sonst bei einem Humanoiden erwartete entdeckte er nur Hass und loderndes Feuer. Der Captain der Monitor war sprachlos und begann zu verstehen.<br>„Lieutenant Bird, wir schließen uns der Verteidigungsaktion an. Feuer frei!“<br>„Aber Sir!“ protestierte der Sicherheitschef verwirrt und schrie, um mit seiner Stimme den Kampflärm zu übertönen, „die Erste Direktive!“<br>„Wir werden alle tot sein, wenn dieser Stützpunkt gestürmt wird. Wollen sie sterben?“<br>„Nein!“ entgegnete Bird und winkte die anderen Sternenflottler herbei, die ebenfalls ihre Waffen in Anschlag brachten. Lewinski suchte sich das erstbeste Ziel aus und drückte den Abzug durch. Erst als er sein Ziel getroffen hatte wurde ihm bewusst, dass er auf eine talarianische Frau geschossen hatte, deren lebloser Körper zu Boden fiel. Was ging hier nur vor sich? Die ganze Situation war so paradox, er verstand sie nicht mehr. Derzeit ging es wohl auch nicht um das Verstehen, sondern viel eher um das Überleben...</i><br><br>„Anhand ihrer Reaktion sehe ich, dass sie diese Waffe nicht vergessen haben,“ erkannte der Präsident zurecht und holte Lewinski so aus seiner Gedankenwelt zurück.<br>„Ja, dies habe ich in der Tat nicht,“ stammelte der Captain und brauchte einen Moment, um sich wieder zu fassen. „Sollte diese Waffe auf der Erde eingesetzt werden…“<br>„Genau dies sollen sie verhindern! Rufen sie ihre Crew zusammen, fliegen sie zur Erde und stoppen sie diese Gruppe,“ erklärte der Föderationspräsident mit Nachruck. „Sie haben freie Hand. Nutzen sie alle Behörden, alle Personen, die sie dafür benötigen. Lieutenant Bird wird weiterhin versuchen Informationen zusammenzutragen.“<br>„Ich habe verstanden, Mr. President.“<br>Fast schon dankend nickte der Staatsmann und beendete ohne weitere Worte die Verbindung. Es gab auch nichts weiteres mehr zu sagen. Ein letztes Mal verschnaufte John, denn ihm wurde klar, dass dieser Tag noch sehr, sehr lang werden würde. Dann öffnete er eine interne Schiffsverbindung und befahl:<br>„Alle Führungsoffiziere in meinem Bereitschaftsraum zusammenkommen!“<br><br>Das Casino des Raumschiffs Monitor war abgesperrt worden, so dass nur zwei ganz bestimmte Personen sich darin aufhalten durften. Die eine davon war der erste Offizier des Schiffes, Commander Matthew Price, und die andere die wohl bezauberndste Person der Welt: ihm gegenüber saß Dr. Elisabeth Frasier. Beide hatten an einem großzügig gedeckten Tisch Platz genommen, an dem sie ein herrliches Abendessen zu sich genommen hatten. In Absprache mit mehren Personen, die von diesen Dingen Ahnung hatten, war es Matt gelungen ein großes Buffet mit allerlei von Hand zubereiteten Sachen zusammenzustellen und in dem Casino aufzubauen. Im Hintergrund erklang leise romantische Musik und auf den Tischen hatte der Halbbetazoid umsichtigerweise Kerzen platziert, die Licht spendeten und so den abgedunkelten Raum aufhellten. Inzwischen war es schon weit nach Mitternacht und dennoch hoffte niemand von ihnen beiden, dass dieser Abend niemals enden würde. Denn sie befanden sich nicht ohne Grund hier; es gab etwas zu feiern. <br>„Ich habe mich bei dir noch gar nicht bedankt,“ erläuterte Matt und stieß mit ihr ein Glas Sekt an.<br>„Was meinst du damit? Eigentlich müsste ich dies sagen, immerhin hast du hier ein unglaubliches Essen aufgetischt und der Abend war wunderbar,“ entgegnete die Ärztin und lächelte dankbar. <br>„Nein, dies meine ich. Sondern vielmehr, dass du es schon ein Jahr mit mir zusammen aushältst,“ erläuterte der erste Offizier und erwiderte das Lächeln. „Vor knapp einem Jahr haben wir unsere Beziehung begonnen und ich dachte mir, wir sollten diese kleine Jubiläum zusammen feiern.“<br>Natürlich hatte Elisabeth den Grund für diesen wunderschönen Abend gewusst, dennoch hatte sie sich gewünscht ihn aus dem Mund ihres Geliebten zu hören und sie wurde nicht enttäuscht. Wie glücklich doch ihr Leben mit ihm war! All die Jahre ihrer versteckten Zuneigung, des Hin und Her hatten sie zweifeln lassen, ob sie überhaupt eine gemeinsame Zukunft hatten. Der Moment, der wohl alles geändert hatte, war ihre freiwillige Mission nach Talar gewesen. Dort, inmitten von Zerstörung und Tod, war ihr bewusst geworden, wie kostbar jeder einzelne Moment des Lebens war und dass man es genießen sollte. Am Ende gab es möglicherweise keinen Raum für Schuldgefühle und was-wäre-wenn-Szenarien. Wer weiß, vielleicht hätte sie sich ohne die Erlebnisse dort niemals für Matt entschieden. Vor ihren Augen waren Commander Sokol, der romulanische Lagerkommandant, und Ixa, ihre denobulanische Kollegin, erschossen worden. Sie beide hinterließen eine Familie, zu der sie niemals zurückkehren konnten und die nun ohne sie weiterleben mussten. Und dennoch hatte ihr dieses Ereignis klar gemacht, dass sich das Abenteuer Liebe sehr wohl lohnte, dass die eigene Familie ein sicherer Hafen darstellte, zu dem man immer zurückkehren konnte. Gleich nach ihrer Rückkehr auf das Schiff hatte sie Matt ihre Gefühle offenbart. Das fast zwei Jahre lange hin und her zwischen ihnen beiden hatte endlich ein Ende gefunden. Seitdem war Elisabeth glücklicher als jemals zuvor in ihrem Leben. Natürlich, nicht jeder Tag lief perfekt und ihr Alltag war auch etwas ungewöhnlicher, als der anderer Paare, doch jeden Moment aufs Neue war ihre Liebe ein Abenteuer. Nicht einmal die Tatsache, dass Matt eine uneheliche Tochter hatte, hatte der Beziehung schaden können. Sicher, ein Schock war es für die Ärztin gewesen, doch sie akzeptierte Yasmin und in ihrem tiefsten Inneren spürte sie, wie sich langsam eine Zuneigung zu dem kleinen Kind entwickelte. Immerhin war das kleine Mädchen ebenso sehr teil ihrer Familie wie Selina Kyle, die ehemalige Imzadi Matts. <br>Dieses zarte Beziehungsband, welches auf den empathischen Fähigkeiten der Betazoiden beruhte, konnte niemals beendet werden. Für den Rest ihres gemeinsamen Lebens würde Price auch Gefühle für Selina haben, dies musste Elisabeth einfach akzeptieren. Es war Teil seines genetischen Erbes, eine Eigenschaft der Betazoiden. Inzwischen, auch wenn dies nicht immer so gewesen war, wusste sie, wem Matts Loyalität gehörte. Wenn sie ehrlich zu sich war, so wollte Dr. Frasier gar nicht, dass er seine ehemalige Verlobte vergaß. Sie war Teil seines Lebens, die Mutter seines Kindes und verdiente ebenso Beachtung wie Elisabeth selbst. <br>So viele Steine hatten zwischen ihnen gelegen und dennoch waren sie zusammengekommen. Die Ärztin musste schmunzeln, wenn sie daran dachte, wie weit sie inzwischen gekommen waren. <br>Diese ganzen Erinnerungen kulminierten in einem einzigen Wort, welches jedoch die gesamte Dankbarkeit und die Gefühle ausdrückten, die Dr. Frasier für ihren Matt empfand:<br>„Danke.“<br>Matt verstand ganz genau, was dieses eine Wort bedeutete. Ob dies mittels seiner empathischen Fähigkeiten so war oder weil er ebenso empfand wie die Frau, die vor ihm saß, war unbekannt. Wichtig war nur, dass er genau das selbe fühlte wie Elisabeth. Würde es nach dem Paar gehen, so würde diese Nacht niemals enden. Wo war Q, wenn man ihn brauchte? Ihm wäre es sicherlich möglich, die Zeit anzuhalten und ihnen beiden ermöglichen, für immer diesen Moment zu genießen.<br>Doch das Universum wollte es nicht anders. Unbarmherzig meldete sich die Bordsprechanlage und die raue Stimme des Captains befahl:<br>„Alle Führungsoffiziere in meinem Bereitschaftsraum zusammenkommen!“<br><br>Scheinbar schlief in der heutigen Nacht niemand an Bord der Monitor. Am Ende dieses Tages würde sich noch so mancher wünschen, er hätte es getan, doch nun konnte keiner ahnen, was noch auf sie zukommen würde. <br>Ardev und Arena Tellom lagen in dem großen Ehebett in ihrem Quartier und der Andorianer war nicht in der Lage einzuschlafen. Wortlos starrte er die Decke an, zermarterte sich den Kopf über irgendetwas. Zwar gab er keine Geräusche von sich, doch diese Taten lenkten auch seine liebreizende Frau vom schlafen ab und irgendwann drehte sich die Terellianerin zu ihm herum, musterte ihn aus ihren braunen Augen und fragte schließlich:<br>„Was ist mit dir los, Schatz?“<br>„Es ist nichts,“ entgegnete Ardev auf eine Art und Weise, die ihn enttarnte. Natürlich gab es ein Problem, über welches er jedoch nicht reden konnte. <br>„Ich kenne dich lange genug, Ardev,“ schmunzelte Tellom und legte eine Hand auf den Arm ihres Mannes. „Man kann dir deutlich ansehen, dass dir etwas Sorgen macht. Sprich mit mir darüber. Was ist es?“<br>Nun endlich blickte der Andorianer seine Frau an und musste innerlich darüber schmunzeln, wie leicht er doch zu durchschauen war. Nein, diese Aussage war so nicht ganz richtig. Für andere war er immer noch der selbstbewusste OPS-Offizier, der für nahezu jedes Problem eine Lösung besaß. Seine Frau Arena konnte jedoch wie aus einem offenen Buch aus ihm lesen und diese Vorstellung amüsierte ihn irgendwie. Gleichzeitig machte es nur noch mehr das Vertrauensverhältnis deutlich, welches zwischen ihnen beiden herrschte. Noch vor zwei Jahren schien es so, als würde die anti-andorianische Krise auf Terellia ihre Ehe scheitern lassen, doch ihre Liebe war größer gewesen als der jahrhunderte alte Hass. Welch größeren Beweis der Liebe konnte es geben? Genau dieses Grund wusste Ardev, dass er mit seiner Frau über alles reden konnte.<br>„Ich mache mir Sorgen,“ gestand der blauhäutige Mann leise und seine Fühler bewegten sich hektisch hin und her.<br>„Über Danny?“ fragte Arena und traf damit voll ins Schwarze.<br>„Ja,“ flüsterte der Lieutenant. „Seit zwei Monaten ist er nun schon in dieser Gruppe und außer einigen kurzen Berichten haben wir nichts mehr von ihm gehört. Ich weiß gar nicht, wie es ihm geht oder ob er überhaupt noch am Leben ist. Diese Mission ist äußerst gefährlich und kann sogar tödlich ausgehen.“<br>„Danny ist für so etwas ausgebildet!“<br>„Danny ist mein Freund,“ entgegnete Ardev traurig, „und ich mache mir einfach Sorgen um ihn.“<br>„Dies ist nur natürlich.“ Arena lächelte aufmunternd. „Nicht nur du empfindest so, Ardev. Wir alle hier an Bord machen uns Sorgen um ihn. Inzwischen sind wir doch alle hier seine Freunde geworden. Jeder einzelne auf der Monitor vermisst ihn und möchte ihn am liebsten wiederhaben. Doch das, was er macht, ist wichtig und muss getan werden. Du musst Vertrauen in seine Fähigkeiten haben. Dann wird schon alles werden!“<br>Aufmunternd lächelte Arena Tellom und es schien so, als könnte sie mit dieser Geste die Sonne scheinen lassen. Eine Welle von Wärme durchströmte ihren Ehemann und instinktiv wusste er, dass alles gut gehen würde.<br>Ihre traute Zweisamkeit wurde jedoch unterbrochen durch den Ruf des Komsystems:<br>„Alle Führungsoffiziere in meinem Bereitschaftsraum zusammenkommen!“<br><br>Während auf dem Schiff des Sternenflottengeheimdienstes geschäftiges Treiben ausbrach, versuchte an einem ganz anderen Teil der Welt Danny Bird mehr über das derzeitige Problem zu erfahren. Seit er seinen verschlüsselten Funkspruch abgegeben hatte, war er ziellos durch die Gewölbe des Verstecks gewandert und hatte sich Gedanken über sein weiteres Vorgehen gemacht. Was er hier tat, war mehr als nur gefährlich, es war ein gewaltiges Risiko. Die Entdeckung, die er jedoch heute gemacht hatte, war es alles wert gewesen. Nun arbeitete die Zeit gegen sie alle, wenn sie eine gewaltige Katastrophe verhindern wollten. Plötzlich stieß Danny mit einer anderen Person zusammen. Er war so in Gedanken vertieft, dass ihm die Präsenz eines anderen Menschen gar nicht aufgefallen war. Eine ganze schlechte Sache für jemanden, der undercover unterwegs war und sich der Aufdeckung entziehen musste. Fast schon ängstlich blickte der Lieutenant vom Boden auf, den er die ganze Zeit über angestarrt hatte und blickte zu seiner Erleichterung in das Gesicht einer jungen, schönen Frau. <br>Die dunkelhäutige Frau mit den langen, glatten Haaren kicherte angesichts dieser unerwarteten Begegnung und klopfte ihm auf die Schultern.<br>„Danny, du siehst aus, als hättest du ein Gespenst gesehen,“ lächelte die junge Frau. „Du müsstest dein Gesichtsausdruck sehen.“<br>„Es tut mir leid, Janine, ich war in Gedanken versunken,“ entschuldigte sich der taktische Offizier der Monitor hastig und sammelte sich innerlich wieder. Niemand durfte ihm ansehen, welche Überlegungen ihm gerade durch den Kopf gingen. Doch dies gelang ihm leider nicht so gut, wie er es sich erhofft hatte. Dafür kannte ihn Janine viel zu gut. Mit ihren großen braunen Augen blickte sie den Mann ihr gegenüber an und fragte:<br>„Ist etwas, Danny? Du wirkst irgendwie verstört, so als denkst du über etwas nach!“<br>Unmittelbar im Anschluss an diese Frage witterte Bird eine Chance.<br>„Es ist nichts,“ log er auf eine Art und Weise, die seine Aussage als Lüge enttarnen musste.<br>„Du bist nicht ehrlich zu mir. Sag, was du auf dem Herzen hast!“<br>Der Lieutenant zog den Moment künstlich in die Länge, so als müsse er überlegen, was er tun wollte. In Wahrheit jedoch war ihm sehr wohl bewusst, wie seine nächsten Schritte aussehen sollten. Einige Sekunden vergingen, dann gestand Bird:<br>„Ich bin etwas sauer.“<br>„Und wieso?“<br>Die Frage der jungen Frau drückte echte Anteilnahme aus, sie interessierte sich wirklich für das Befinden ihres Gesprächspartners. Nun witterte Danny seine Chance. Mit nur wenigen Sätzen hatte er das Gespräch in eine Richtung gedreht, die er für sich nutzen konnte. Nun hieß es mit Bedacht vorzugehen.<br>„Die Offenbarung deines Vaters heute morgen, dass unsere Gruppe im Besitz dieser Biowaffe ist, kam für mich überraschend.“<br>Verstehend nickte Janine.<br>„Nicht nur für dich, Danny, das kannst du mir glauben. Einige Mitglieder des Rates waren ebenfalls nicht eingeweiht und dementsprechend überrascht.“<br>„Aber mir hätte er es sagen können,“ lamentierte der Sicherheitsoffizier und regte sich künstlich auf. „Natürlich bin ich erst seit zwei Monaten in der Bewegung, aber ich hatte angenommen, dass ich mir schon innerhalb dieser kurzen Zeit einen gewissen Ruf hier aufgebaut hätte. Bisher nahm ich an, dein Vater mag mich und vertraut mir. Doch nun weiß ich nicht mehr, was ich denken soll.“<br>Die Worte schienen Janine deutlich zu schmerzen. Sie fühlte mit dem Mann, der vor ihr stand und verstand ganz klar sein Anliegen.<br>„Mein Vater vertraut dir,“ beschwichtigte sie Danny. „Er weiß ganz genau, was er dir zu verdanken hat. Nicht nur einmal hast du ihm das Leben gerettet, sondern gar zweimal. Ohne deine schnelle Hilfe vor drei Wochen würde er jetzt in einem Föderationsgefängnis sitzen. Nur dir ist es zu verdanken, dass er noch in Freiheit lebt.“<br>„Und wenn er tatsächlich so empfindet,“ fragte Danny Bird mit scheinbarer Niedergeschlagenheit, die in Wirklichkeit nichts anderes als eine Finte war, „wieso zeigt er mir das nicht? Wieso zieht er mich nicht ins Vertrauen bei der größten Sache, die unsere Gruppe jemals vorhat? Vielleicht könnte schon bald die Wendung kommen, wir unser Ziel erreichen und fast hätte ich davon nichts erfahren. Ich möchte meinen Anteil dazu leisten!“<br>Für eine knappe Minute überlegte Janine, was sie tun sollte. Sie ließ sich die verschiedenen Optionen und Möglichkeiten, die ihr blieben, durch den Kopf gehen. Am Ende legte sie zärtlich ihre Hand auf den Arm Dannys und versicherte:<br>„Ich rede mit meinem Vater. Einverstanden?“<br>Statt einer Antwort nickte Danny nur und ging scheinbar frustriert. In Wirklichkeit gratulierte er sich selbst zu seinem genialen Schachzug.<br><br>Es hatte seine Zeit gedauert, aber schlussendlich war die Crew der Monitor in die momentane Situation eingewiesen worden. Die Führungsoffiziere hatten sich wie so oft im Bereitschaftsraum des Captain eingefunden und dieser hatte ihnen mit ruhigen Worten die Sachlage geschildert. Ebenfalls mit dabei war Fähnrich Kensington. Die junge Frau vertrat seit zwei Monaten Danny Bird als Sicherheitschef und taktischer Offizier. Sie hatte sich in dieser Zeit einen Namen als selbstsichere und starke Frau gemacht. Aufgrund ihrer guten Leistungen stand sie kurz vor der Beförderung zum Lieutenant. Natürlich hatte es zu Beginn Startschwierigkeiten gegeben, doch inzwischen hatte sie sich in das Gesamtgefüge der Crew eingefunden.<br>Am Ende seiner Ausführungen wurde Captain Lewinski von dem Großteil der Anwesenden mit großen Augen angeblickt.<br>„Und was erwartet das Oberkommando nun von uns?“ stellte Arena Tellom die berechtigte Frage.<br>„Zuerst erwartet nicht das Oberkommando, sondern der Präsident persönlich etwas von uns,“ korrigierte Captain Lewinski die Terellianerin und verschränkte seine Arme vor der Brust. „Wir werden uns mit Höchstgeschwindigkeit ins Sol-System begeben und dort mit den Ermittlungen beginnen. Innerhalb der nächsten Stunde sollten wir dort ankommen.“<br>Verdutzt schüttelte Matt Price den Kopf.<br>„Wir haben absolut keine Fährte,“ raunte der Halbbetazoid, „keine Spur und keine Ahnung, wo und wann die Waffe eingesetzt werden soll. Wenn wir jetzt zur Erde fliegen, dann ist diese Sache weitaus mehr als nur die Nadel im Heuhaufen zu suchen. Es ist blanker Unsinn!“<br>„Dieser Unsinn ist möglicherweise unsere einzige Möglichkeit über 8 Milliarden Menschen das Leben zu retten,“ unterbrach Lewinski seinen ersten Offizier auf eine Art und Weise, die absolut keinen Widerspruch duldete. „Während wir hier miteinander reden, riskiert Danny sein Leben, um innerhalb der Föderalen Befreiungsarmee genaures zu erfahren. Sobald er neue Informationen hat, wird er sie direkt an uns weiterleiten. Bis dahin werden wir unseren Teil zur Aufdeckung leisten. Da der Angriff auf die Erde stattfinden soll, werden der oder die Täter zwangsläufig dahin kommen und uns so die Möglichkeit eines Abfangens bieten.“<br>„Fragt sich nur, ob es dann nicht schon zu spät sein wird,“ murmelte Ardev, immer noch laut genug, so dass es die anderen mitbekamen.<br>Niemand von ihnen hatte die grässlichen Auswirkungen vergessen, die diese Biowaffe verursachte. Die Vorstellung eines Einsatzes auf der Wiege der Menschheit war zu unwirklich, als dass man wirklich daran denken konnte, geschweige denn mochte.<br>John nickte, nachdem er das Fehlen von weiteren Fragen festgestellt hatte und begann nun die Anweisungen für das weitere Vorgehen auszuteilen:<br>„Matt, setz einen Kurs zur Erde, Maximumwarp. Fähnrich Kensington, bereiten sie die Monitor auf jedwede Eventualität vor. Ebenso soll sich ständig ein Eingreiftrupp bereithalten, falls wir kurzfristig irgendwo zuschlagen müssen. Koordinieren sie ihre Arbeit mit Lieutenant Ardev. Lieutenant Tellom wird sich noch einmal näher mit den Spezifikationen der Waffe befassen, mit der wir es zu tun haben…“<br>„… und ich sorge für den reibungslosen Betrieb aller Systeme,“ ergänzte Lieutenant Sanchez den Satz des Captains und grinste den Kommandanten feixend an. Dieser konnte nicht anders, als die Geste zu erwidern. Die Lockerheit Miguels kam in dieser Situation wie gerufen.<br>„Sie alle kennen ihre Aufgaben und wissen, was auf dem Spiel steht. Ich erwarte nichts anderes als das beste von ihnen allen und ich weiß, dass sie dies auch leisten werden.“<br>Mehr musste Captain Lewinski nicht sagen. Einer nach dem anderen gingen die Offiziere zu ihren Stationen, begannen ihren Aufgaben nachzukommen. Die Jagd war eröffnet worden. Es stellte sich nur noch die Frage, auf wen?<br><br>Es war schwierig für Edward Jellico gewesen, sich an einen ruhigen Ort zu schleichen. Eine nur zu verständliche Sache, wenn man bedachte, was gerade los war. Überall im Hauptquartier des Präsidenten liefen Mitarbeiter, Berater und Offiziere aufgeregt hin und her, versuchten mehr über die drohende Katastrophe herauszufinden. Auch er selbst war überaus beschäftigt, sein neuer Posten als Berater des Präsidenten war keine leichte Angelegenheit für den Justizminister. Dennoch musste er diesen Anruf tätigen. Natürlich kannte er insgeheim die Antwort auf seine Frage, dennoch musste er sie aus dem Mund eines anderen hören. Endlich hatte er einen sicheren Raum für sich gefunden, der die Möglichkeit interstellarer Kommunikation bot. Mittels geübter Eingaben stellte er eine verschlüsselte und abhörsichere Verbindung zu der Person her, an die er sich wenden wollte. Es dauerte einige Minuten, bis sich jemand meldete, dann erschien ein verschlafener Mann auf dem Kommunikationsbildschirm. Deutlich war ihm anzusehen, dass er geschlafen hatte und von dem Anruf unsanft geweckt worden war.<br>„Mr. Jellico,“ begrüßte ihn der Mann gähnend, „ich meine natürlich Herr Minister! Was für eine unerwartete Freude, sie zu sprechen.“<br>„Sie müssen nicht heucheln, Derek,“ unterbrach ihn Jellico mit einem Hauch von Ironie, „ich weiß genau, dass ich sie eben geweckt habe und glauben sie mir, dies tut mir leid. Dennoch ist es eine wichtige Angelegenheit.“<br>„Deswegen mag ich sie so als Chef, Edward,“ entgegnete der Chefsekretär von Sektion 31 und grinste. „Sie sind immer so um ihre Angestellten besorgt.“<br>Seit sich Josephine Bujold in den Tod gestürzt hatte, war Derek sein persönlicher Sekretär in Sektion 31-Belangen geworden. Der Mann war inzwischen eine feste Institution für Jellico geworden, sich immer im Hintergrund haltend und dennoch stets abrufbereit. Nun, wo Edward ein so hohes Amt in der Föderation bekleidete, war es noch wichtiger seine Führerschaft von Sektion 31 zu verheimlichen und Derek war dabei eine große Hilfe.<br>„Ich werde sie nicht lange stören,“ erklärte der ehemalige Admiral, „ich brauche von ihnen jedoch eine Auskunft und zwar, ob ein James Talley sich jemals in unserer Organisation befunden hat.“<br>„Nein, bedaure. Ich kenne niemanden dieses Namens,“ entgegnete der Sekretär sofort.“<br>„Wollen sie nicht erst einmal ihren Computer konsultieren?“<br>Verstehend lächelte Derek.<br>„Das brauche ich nicht, Sir. Ich weiß es einfach. Haben sie mein fotografisches Gedächtnis vergessen?“<br>„Ja, tut mir leid. In meinem Alter passiert dies nun mal,“ entgegnete Edward und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Und was ist mit der Biowaffe, über die ich mal gesprochen habe? Erinnern sie sich an diese?“<br>„Sie meinen die, die alle in Zombies verwandelt?“<br>Die Formulierung des Mannes war recht einfach gewesen, dennoch traf er damit den Nagel auf den Kopf.<br>„Ja, genau die. Hat irgendjemand in letzter Zeit eine aus unserem persönlichen Bestand gestohlen?“<br>„Nein, dem ist nicht so. Zumindest ist mir nichts dergleichen bekannt. Aber ich kann dies für sie prüfen, wenn sie möchten.“<br>„Bitte tun sie dies. Es hat höchste Priorität!“<br>Mehr musste Edward Jellico nicht sagen. Er beendete die Verbindung und ließ sich noch einmal durch den Kopf gehen, was er da eben gehört hatte. Also hatte niemand innerhalb von Sektion 31 etwas mit dieser Sache zu tun. Weder hatte sich jemand gegen ihn gewendet noch schien jemand aus der Organisation diese Waffe an James Talley geliefert zu haben. Wie hatte man dem Netz der Überwachung sowohl von Sternenflotte als auch Sektion 31 entgehen können? Möglicherweise, so vermutete Edward Jellico, verlor er bei seinen ganzen Aufgaben langsam den Überblick. Dennoch war er mit dem Ergebnis des Telefonats nicht unzufrieden, bedeutete es doch, dass niemand aus Sektion 31 für diesen Wahnsinn verantwortlich war…<br><br>Fernab von allen anderen, an einem besonders düsteren und kalten Ort, befand sich ein ehemaliges Crewmitglied der Monitor. Der Mann saß auf dem Boden einer spärlich ausgestatteten Zelle, starrte die Wand an und versuchte verzweifelt zu schlafen. <br>Doch Jozarnay Woil gelang dies nicht. Immer wieder musste der Antosianer an die Ereignisse denken, die schon drei Monate zurücklagen. Waren sie schon so lange her oder erst? Einige Zeit grübelte der ehemalige Chefingenieur über die richtige Bezeichnung, dann gab er die Suche nach dem geeigneten Wort auf. Wie auch immer man es bezeichnen wollte, am Ende blieb nur die Tragödie. Nur mit Mühe konnte Woil die Tränen zurückhalten, die immer dann kamen, wenn er an sie zurückdachte. Die einzige Frau, die er seit dem Tode Larlas geliebt hatte. Die Zeit mit Stella war eine der schönsten seines Lebens gewesen. Zum ersten Mal seit unzähligen Jahren hatte er sich wieder lebendig gefühlt und voller Tatendrang. Die Gefühle zu dieser menschlichen Frau hatten in ihm einen Lebensgeist geweckt, den er schon gar nicht mehr gekannt hatte. Gemeinsam mit ihr hatte er den Rest seines Lebens verbringen wollte.<br>Doch es war alles ganz anders gekommen. Statt dem Leben hatte Stella Tanner der Tod erwartet. Noch immer sah Jozarnay ihre letzten Momente deutlich vor sich, so als wäre es gestern gewesen:<br><i>Abermals befand sie sich völlig allein im Labor. Alle anderen Mitarbeiter hatte Stella Tanner hinausgeschickt, um ganz allein mit ihrem Experiment zu sein. Mit ihrem Nathan. Mit fast schon ehrfürchtigen Schritten trat sie auf die gewaltige, glasige Kammer zu, in der sie ganz deutlich den Körper des ehemaligen Kopfes von Sektion 31 erkennen konnte. Inzwischen hatte der Klon sein Endstadium erreicht, er war vollkommen ausgewachsen und bereit, aus seinem Tiefschlaf zu erwachen. Zögerlich trat die menschliche Frau vor die Scheibe und betrachtete das Gesicht von Nathan Sloan. Es wirkte makellos, noch nicht von den Verunreinigungen und Anstrengungen des Lebens gezeichnet. Auf eine seltsame Art und Weise wirkte dieser Klon attraktiver als das Original. An sich kein Wunder, denn dieses Lebewesen hatte noch keine Sekunde gearbeitet oder sich abrackern müssen. Doch dieser Moment würde schon bald da sein.<br>Zärtlich hob Stella eine Hand und berührte die Glaskammer, an der Stelle, wo sein Gesicht war. Noch fühlte sich das Glas kalt an, doch schon in wenigen Minuten würde dieser gesamte Körper zum Leben erwecken. Was für ein großer Tag dies doch war! Stella musste sich alle Mühe geben, um bei diesen Zukunftsaussichten nicht zu zittern. Zu groß schien die Verheißung des Sieges auf ihr zu lasten. Noch vor knapp zwei Jahren, als Edward Jellico sie in Emden auf der Erde hatte festnehmen können, hatte es nach der endgültigen Niederlage der alten Sektion 31 ausgesehen. Doch mit ihrer Flucht und spätestens nach dem Mord an seiner Familie hatte Tanner einen erbarmungslosen Krieg vom Zaun gerissen, der nun bald eine radikale Wendung nehmen würde. Mit Nathan Sloan an der Spitze würde die alte Ordnung mit Sicherheit wieder hergestellt werden.<br>Im Eingang zum Labor stand Jozarnay Woil und betrachtete die ganze Szene. Er traute sich nicht gänzlich einzutreten, sondern hielt sich im Hintergrund und gab seiner Liebsten diesen Moment der Intimität. Er fühlte keine Eifersucht oder dergleichen, sondern einfach nur Stolz. Stolz darauf, bei diesem Moment, der die Galaxie verändern würde, dabei zu sein. Ihr aller Schicksal würde sich bald ändern.<br>Und dann geschah es. Der Moment war so unfassbar, dass Stella zurückschreckte und überrascht auf die Klonkammer blickte: der Klon öffnete seine Augen und blickte sie an. Nathan Sloan erwachte zu neuerlichem Leben. Ganz schwach, aber erkennbar zeichnete sich die Erinnerung in seinem Blick ab. Ein Beweis dafür, dass auch die Erinnerungstransfers funktionierten. Der gesamte Quadrant würde sich verändern und im Angesichte dieser Erwartung zitterte Stella. Langsam öffnete der Klon seinen Mund, schien etwas sagen zu wollen, doch aufgrund der Lauge, in der sein gesamter Körper eingebettet war, konnte er nur etwas unverständliches brabbeln. Doch dieses Geräusch war Erfolg genug. Stella lächelte.<br>Ihre letzte Geste, bevor ihr Leben von mehreren Quantentorpedos ausgelöscht wurde, die die Dominionkloneinrichtung trafen und innerhalb von Sekunden zerstörten. Ihre Existenz, ihre Hoffnungen und Träume, zerstoben in einem einzigen Moment. Sie selbst bemerkte das Ende ihrer Existenz gar nicht, im Gegensatz zu Jozarnay Woil, der noch die Gelegenheit hatte zu beobachten, wie die Frau, die er liebte, verbrannte.  Alle an Bord starben augenblicklich, inklusive des gerade erst erwachten Klons. Die Rückkehr Nathan Sloans war kurz gewesen, sein Leben kam einem einzigen Wimpernschlag gleich.<br>Abgefeuert waren die Waffen von einem klingonischem Bird of Prey geworden, der sich nach dem Angriff augenblicklich wieder tarnte und Kurs in Richtung Heimat setzte. Auf der Brücke des Schiffes befanden sich keine Klingonen, sondern Agenten der Sektion 31 und inmitten von ihnen der Kommandant: Edward Jellico.<br>Dieser nickte zufrieden. Endlich hatte er Rache nehmen können für den Mord an seiner Frau und seinem Sohn. Zwar war es ihm nicht möglich gewesen Stella mit eigenen Händen einen langsamen, qualvollen Tod zu bereiten, wie er es ursprünglich geplant hatte, doch nun hatte er auch so sein Ziel erreicht. Man musste Prioritäten im Leben setzen.<br>Schon im nächsten Moment wurde der Gefangene von zwei Wachen auf die Brücke geschleift und Jellico vor die Füße geworfen. Sofort verlagerte der ehemalige Admiral seine Konzentration von der Erlangung des Sieges auf den nächsten Punkt. Mit grimmiger Befriedigung betrachtete er den Antosianer.<br>„Mr. Woil,“ begrüßte er ihn süffisant, „schön, dass wir den Beamvorgang rechtzeitig einleiten konnten.“<br>In diesem Moment wurde Jozarnay die bittere Wahrheit bewusst. Seine Frau, Stella Tanner, war tot. Edward Jellio hatte sie also endgültig getötet. An ihrem Ende konnte kein Zweifel bestehen, direkt vor seinen Augen war sie in einem Feuerball verendet. Die Liebe, die er so sehr vermisst und schließlich gefunden hatte, war wieder fort. Kraftlos versuchte er Jellico anzugreifen, doch er schaffte es nicht. Nicht nur die Wachen behinderten ihn, sondern auch seine Kraftlosigkeit, die vom Verlust herrührte.<br>„Wie… haben sie uns… gefunden?“ fragte der ehemalige Chefingenieur atemlos.<br>Auf diese Erklärung freute sich der Verschwörer am meisten, denn sie würde Woil nur noch mehr die Tragweite seines Versagens bewusst machen.<br>„Sie hätten mich damals töten soll, als sie die Gelegenheit dazu hatten. Auf der Erde gab es für sie den perfekten Moment und haben es dennoch nicht hinter sich bringen können. Dachten sie etwa, ich würde sie laufen lassen?“ Die Frage Jellicos schien eher rhetorischer Natur zu sein. „Ich habe an ihnen bzw. ihrem Raumschiff einen Sender platziert, ohne dass sie es gemerkt haben. So haben sie mich direkt zu Stella und ihrem Versteck geführt. Einige Monate lang ließ ich sie in Sicherheit wiegen und wartete den perfekten Moment ab. Und welcher Augenblick war besser als kurz vor ihrem Triumph?“<br>Zynisch grinste Edward und bedeutete den Wachen mit einer einfachen Handbewegung den Gefangenen wegzubringen. Er hatte ein gefährliches Spiel heute gespielt und in allen Punkten gewonnen. Nun war der Weg endgültig frei für ihn. Nun hieß es schnell zur Erde zurückzukehren, denn Edward hatte noch einen wichtigen Termin vor sich. Immerhin sollte man den Präsidenten der Föderation nicht warten lassen; ganz besonders nicht, wenn dieser einen zum neuen Justizminister ernennen wollte.<br>Und was Woil anging: für ihn hatte er noch ganz besondere Pläne!</i>	<br>Seit diesem Tag saß der Antosianer schon hier und wartete. Wo er sich überhaupt befand und was man von ihm wollte, dies wusste er nicht. Edward Jellico hatte er seit diesem Tage nicht mehr gesehen und die einzige Kontaktperson, die er täglich sah, war die Wache, welche ihm Essen brachte. Einmal in der Woche gab es auch zwei kleine Phiolen mit neuem Ketracel, welche für die gesamte sieben Tage ausreichen mussten. Der Entzug war furchtbar und bereitete Jozarnay körperliche Schmerzen. Es war noch schlimmer als der ständige Hunger, denn die Mahlzeiten waren nicht gerade üppig. Und für den Rest des Tages saß der Chief in seiner Zelle, starrte die Wand an und dachte über sein Leben nach. Schon viel zu lange war er hier drinnen. Die ständige Isolation ließ in ihm die Angst empor klimmen, dass er langsam wahnsinnig wurde. Immer öfter geschah es, dass er vermeintliche Stimmen hörte. Zu Beginn dachte er noch, sie kämen von außerhalb, doch irgendwann wurde ihm klar, dass sie sich im Inneren der Zelle befanden. Noch konnte er die Stimmen keinen vertrauten Personen zuordnen, doch langsam wurden sie klarer und deutlicher.<br>Geschafft fasste sich Woil an den Kopf. Sein Haar war inzwischen wieder deutlich gewachsen, ein Bart sprießte aus seinem Gesicht und er war dreckig. Hier drinnen gab es keinerlei Waschmöglichkeit. Wieso hatte er bloß damals den Kontakt zu der Crew der Monitor abgebrochen? Ob seine ehemaligen Freunde wussten, was mit ihm geschehen war oder hatten sie ihn schon längst vergessen? Falls ja, so wäre die Aussicht auf Rettung eine Utopie. Und Jozarnay hatte keine Lust für den Rest seines Lebens in diesem dunklen Verlies zu bleiben und darauf zu warten, was Edward Jellico mit ihm vorhatte.<br>Jellico.<br>Allein diesen Namen zu denken stellte für ihn eine Qual dar. Der alte Mann war schon früher sein Widersacher gewesen, ein großes Übel. Nun sah er in dem ehemaligen Admiral nichts anderes mehr als einen Feind. Diese Bestie hatte Stella getötet, ihm das Liebste weggenommen, was er hatte! Jozarnay ballte seine Faust, stellte sich vor wie er mit seiner Hand den Hals Jellicos quetschte und ihm jegliches Leben aus dem Leibe drückte. Doch diese Gelegenheit bestand für ihn derzeit nicht. Möglicherweise würde es niemals dazu kommen. Jedoch musste jede Person ein Ziel vor Augen haben, für welches es sich zu leben lohnte und daher dürstete er nach demselben, was schon Edward Jellico nach der Ermordung seiner eigenen Familie angetrieben hatte: Rache.<br>Plötzlich raschelte es in einer Ecke der Zelle und Jozarnay wirbelte seinen Kopf herum. Da war es wieder, eines der seltsamen Geräusche. Etwas trat auf ihn zu! Im Dunkel der abgeschalteten Geräusche konnte der Antosianer nicht erkennen, was es war, er wusste nur, dass es existierte. Und zu seiner Überraschung hörte er wieder eine Stimme, klarer und deutlicher als jemals zuvor…<br><br>Es war nur Zufall, dass er ihm über den Weg lief. Die Arme ausgebreitet, ein Lächeln auf seinen Lippen, begrüßte der gutgelaunte James Talley das neuste Mitglied der Gruppe. Eigentlich hatte Danny noch einige Zeit lang allein sein wollen, ziellos durch den Gebäudekomplex der Gruppe streifen wollen. Doch an einer Wegbiegung hatte ihm der dunkelhäutige, charismatische Anführer der Befreiungsarmee quasi aufgelauert. Wie eigentlich jeden Tag trug James einen elegant geschnittenen Anzug aus feinstem Stoff, der in ausgezeichnetem Zustand war. Der schwarze Mann legte großen Wert auf ein gepflegtes Äußeres, elegant, aber nicht zu protzig. Sein krauses Haar war kurz geschnitten, jedoch nicht mit der Rasiermaschine, wie es bei Menschen seiner Hautfarbe seit Jahrhunderten Mode war, sondern ganz altmodisch mit einer Schere. Deutlich konnte Danny den Ring am Finger Talleys erkennen. Es war sein Ehering, den er auch nach dem Tode seiner Frau vor vielen Jahren nicht abgenommen hatte. Auch wenn man sich dies nur ungern eingestehen wollte, dieser Mann hatte eine sentimentale Natur.<br>„Danny!“ begrüßte ihn James Talley überschwänglich. „Ich war auf der Suche nach dir. Wir müssen dringend miteinander reden.“<br>„Eigentlich habe ich noch einiges zu tun,“ versuchte sich der Lieutenant aus der Sache herauszuwinden, doch schon im nächsten Moment hatte der Anführer einen Arm um die Schultern des taktischen Offiziers gelegt.<br>„Es ist eine Sache, die mir sehr wichtig ist. Bitte folge mir in mein Arbeitszimmer,“ bestand James und geleitete seinen vermeintlichen Partner in dessen prächtig ausgestattetes Büro. Es war im Stil alter Landhäuser aus dem 19. Jahrhundert gestaltet, mit zahlreichen, altmodischen Büchern in den Regalen und einem großen Schreibtisch, an den sich James setzte und ihm gegenüber einen Platz anbot. Aus irgendeinem Grund hatte Danny keinerlei Zweifel daran, dass Talley einen Großteil dieser Werke gelesen hatte.<br>„Was gibt es denn so dringendes, worüber wir reden müssten?“ fragte Danny, nachdem er in dem bequemen Sessel vor dem Schreibtisch Platz genommen hatte und schlug die Beine übereinander. Inzwischen war jegliche Nervosität verschwunden, die er noch zu Beginn dieses Einsatzes gehabt hatte und momentan war er in der Lage ganz zwanglos mit den Leuten zu sprechen, die er eigentlich ausspionieren sollte. Seine Tarnung war perfekt und derzeit sah es nicht so aus, als hätte man ihn enttarnt.<br>Besonnen faltete James Talley seine Hände, legte sie vor sich auf dem Tisch ab und räusperte sich. Fast schon schien er peinlich berührt angesichts dessen, was er zu sagen hatte:<br>„Danny, ich verdanke dir sehr viel. Mehr als einmal hast du mich aus einer kniffligen Situation gerettet. Wärst du nicht gewesen, so befände ich mich jetzt schon in einem Gefängnis der Föderation. Du hast mich aus der Sache rausgeholt und dafür bin ich dir ewig dankbar.“<br>Der Lieutenant nahm dieses Lob äußerlich scheinbar ungerührt auf. Ja, fast hätte man den Anführer der Gruppe festgenommen, doch dann hatte das Geheimdienstoberkommando im letzten Moment beschlossen, dass die Infiltrierung der Föderalen Befreiungsarmee noch etwas andauern sollte und so hatte man Danny den Auftrag gegeben, den Anführer zu retten. Es war eine seltsame Situation gewesen auf Mitglieder der Sternenflotte zu schießen. Zum Glück war bei dieser ganzen Sache niemand zu schaden gekommen. Im nachhinein hatte sich diese ganze Sache für seine Mission als nützlich herausgestellt, vertraute man ihm doch nun noch mehr als zuvor. <br>„Und ich kann deinen Ärger verstehen!“<br>„Ärger?“ Danny beschloss unwissend zu tun. „Tut mir leid, aber ich weiß nicht, wovon du sprichst.<br>Wieder lächelte Talley auf diese entwaffnende Art und Weise, die ihn so sympathisch machte. Abwehrend hob er eine Hand und erklärte:<br>„Du brauchst dich nicht zu verstellen. Janine hat mir schon davon berichtet und ehrlich gesagt kann ich dir nicht deine Gefühle verdenken.“<br>Scheinbar genervt lehnte sich Danny in dem Sessel zurück, so als verspürte er ein klein wenig Groll gegenüber der Tochter des Anführers darüber, dass sie ihn verraten hatte. In Wirklichkeit lief jedoch alles so, wie er es sich vorgestellt hatte.<br>„Ich wusste, sie kann kein Geheimnis für sich behalten,“ raunte Danny, ohne dabei wirklich böse zu klingen.“<br>„Ja, sie ist ein gutes Mädchen, deswegen schätze ich sie so. Nicht nur als Tochter, sondern auch als Frau mit offenen Ohren und Augen. Aber wir weichen vom Thema ab. Immerhin soll es ja nicht um Janine gehen, sondern um dich und ich möchte mich in aller Form bei dir entschuldigen!“<br>„Du möchtest was?“<br>Überrascht wölbte Bird die Augenbrauen. Mit einer solchen Aussage hatte er einfach nicht gerechnet. <br>„Dir die Sache, die ich heute morgen verkündet habe, nicht früher mitzuteilen, war nicht richtig von mir. Natürlich bist du erst seit zwei Monaten Mitglied unserer Gruppe, aber in dieser kurzen Zeit hast du mehr bewirkt als viele andere. Ich habe dich in mein Herz geschlossen, Danny, dies gebe ich ganz offen zu und es war einfach nicht fair von mir, dich außen vor zu lassen. Bitte verzeih!“<br>Innerlich jubilierte der Sicherheitschef. Die ganze Sache bewegte sich genau in die Richtung, die er sich erhofft hatte.<br>„Nun ja…,“ begann Danny und schien nach den richtigen Worten zu suchen, die er schon längst gefunden hatte, „ich akzeptiere deine Entschuldigung und finde es äußerst ehrbar, wie du denkst! Ich bin einfach nur enttäuscht gewesen… ich hatte schon das Gefühl, dass du mir nicht vertraust.“<br>„Nein, dies ist nicht wahr, ich vertraue dir und wir werden diesen Fehler nicht wiederholen. Du sollst nun voll in die Sache eingebunden werden, die heute steigt.“<br>Danny lächelte angesichts dieser Worte, dann erstarb es jedoch auf der Stelle, als ihm eine grausige Sache bewusst wurde.<br>„Moment mal,“ stammelte der Lieutenant. „Sagtest du eben heute?“<br>„Ja, dies meine ich,“ bestätigte James Talley und lächelte ebenfalls, „unser Schlag gegen die Organe der Föderation wird noch am heutigen Tage geschehen!“<br><br><center><u><b>Fortsetzung folgt…<br><br>ES BEGINNT....</b></u><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for TREKNews NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producers NADIR ATTAR &amp; CHRISTIAN GAUS<br>co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR<br>TM &amp; Copyright © 2005 by TREKNews Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center><br><br><br><br>]]></description><guid isPermaLink="false">6287</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor &#x2013; Special: Promos zur siebten Staffel</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-%E2%80%93-special-promos-zur-siebten-staffel-r6005/</link><description><![CDATA[<p>Eifrig wird an der siebten Staffel der hauseigenen Fanfiction-Serie „Star Trek: Monitor“ gearbeitet. Doch nicht nur die Schreiber sind am werkeln, auch Produzent Sebastian Hundt hat einige neue Promos erarbeitet, die auf die neue Staffel einstimmen sollen.<br><br>Als Motive hat er dieses Mal die Crew und wichtigsten Darsteller der Serie genommen. Genau das richtige für die Leser, um sich die Wartezeit etwas vertrösten zu können!<br><br></p><center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s7_john_martin.jpg"><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s7_bruce.jpg"><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s7_danny.jpg"><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s7_elizabeth_matt.jpg"><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s7_jozarnay_edward.jpg"></center><br><br>]]></description><guid isPermaLink="false">6005</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - Special: Invasion! - "Die letzte Linie" </title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-special-invasion-die-letzte-linie-r5922/</link><description><![CDATA[<p align="center"><a href="http://downloads.scifinews.de/file_51780.html"><img src="/_legacy_inhalte/upload/images/I5_die_letzte_linie.jpg"></a></p><br><br><p align="center"><b>Prolog</b></p><br>Mit großen Schritten betrat John Lewinski die Brücke seines Schiffes. Ardev hatte die Brücke übernommen. Er war es auch der Lewinski auf die Brücke gerufen hatte. Lewinski fand den Andorianer an der Wissenschaftskonsole.<br>„Was ist passiert, Ardev?"<br>„Sir, unsere Sensoren haben soeben gewaltige Massenverschiebungen registriert. Aber keine visuelle Anhaltspunkte dafür erfassen können", antwortete der Operationsoffizier.<br>„Getarnte Schiffe?"<br>„Gut möglich, Sir. Wie Sie wissen Captain, je größer ein Objekt ist, umso schwieriger ist es dieses in einem Tarnschirm zu verbergen. Bei diesen Messwerten müssen wir davon ausgehen, wenn es sich um getarnte Schiffe handelt, dass diese mindestens 40 Kilometer lang sind. Die Verschiebungen bewegen sich konstant auf Kurs 014.69, Geschwindigkeit ein halber Impuls."<br>Lewinski nickte.<br>„Wissen die Furien ebenfalls davon?"<br>„Das ist anzunehmen, Captain.“<br>„Können wir die Sensoren verstärken. um in das…“ Lewinski wurde unterbrochen, als ein Kreischen durch die Monitor fuhr. Eine grellgelbe Lichtmauer durchfuhr die Brücke. Danach herrschte unheimliche Stille auf der Brücke.<br>„Nun, ich befürchte, wer es auch immer ist. Er weiß, dass wir hier sind.“, hauchte John.<br>Keine 10 Sekunden später heulte der Annäherungsalarm der Monitor auf.<br><br>Drei Goald-Kreuzer und 2 Furienschiffe hielten auf die Stelle zu, an der sich die Monitor befand. Obwohl man nichts sehen konnte, begannen die Schiffe damit das Feuer mit Quantentorpedos auf die Monitor zu eröffnen. Die ersten 3 Torpedos ließen die Tarnung der Monitor ausfallen. Vier weitere jagten in die Backbordgondel und in die Achtersektion des Schiffes. Risse bildeten sich in der Hülle des kleinen Schiffes.<br>„Schilde auf Maximum. Steuermann bringen sie uns hier raus", brüllte Lewinski gegen den tosenden Lärm an. Die Monitor bäumte sich auf wie ein Mustang, den man nicht bändigen konnte.<br>„Schilde wurden zerstört, Captain. Ebenso all unsere Waffen", meldete Danny Bird. Verzweifelt klammerte er sich an seiner Konsole fest. Wieder bäumte sich die Monitor auf. Fähnrich Burns versuchte nun die Monitor mit voller Impulskraft aus dem tödlichen Hagel der Quantentorpedos hinauszumanövrieren. Trotz seiner Versuche auszuweichen, wurde die Monitor immer wieder getroffen. Die Primärsysteme begannen zu versagen. Lewinski spürte was sein Schiff erleiden musste. Welche Pein es ertrug. Die Schiffe der Defiant-Klasse hielten schon einiges aus, aber auch sie waren nicht unzerstörbar. Als der Warpantrieb auch drohte zu versagen, traf John Lewinski eine Entscheidung.<br>„Fähnrich. Kollisionskurs auf die Anlage setzen, die sich vor uns auf dem Planeten befindet. Höchst möglicher Warpfaktor“, befahl Lewinski.<br>Fähnrich Burns sah seinen Captain erschrocken an. Doch dann drehte er sich wieder zu seinen Kontrollen um und führte den Befehl aus.<br>„Kurs gesetzt, Captain."<br>Lewinski sah nur noch auf den Sichtschirm. Es gab kein Zurück mehr.<br>„Energie."<br><br>In der Sekunde, in der die Monitor begann auf Warp zu beschleunigen, bohrte sich ein Torpedo in die Steuerbordgondel des Schiffes. Risse bildeten sich in der Triebwerkshülle, als der Torpedo in einem Feuerball aus dem Bussardkollektor austrat. Nach 2 Sekunden verlangsamte die Monitor wieder auf Impulsgeschwindigkeit. Sämtliche Steuersysteme waren zerstört.<br>Konsolen explodierten um Lewinski herum. Die Monitor bäumte sich ein allerletztes Mal auf.<br>Dann erlosch alles Licht auf dem Schiff. Der Sichtschirm fiel aus. Nur das Knarren der Hülle war zu hören.<br>Im Maschinenraum erwachten die Artefakte wieder zum Leben. Sie registrierten die Nähe der Anlage auf dem Planeten, die ebenfalls zum Leben erwachte. Keine Sekunde später sendeten die Artefakte ein spezielles Signal.<br><br>Zum Reagieren war es zu spät. Das Schiff der Unreinen stürzte der Anlage entgegen. Zu allem Überfluss erwachte diese auch noch zum Leben. Die Techniker der Furien konnten den Prozess nicht mehr aufhalten. Holoschirme, die seit Jahrtausenden nicht mehr aktiv waren, gingen in Betrieb. Eine Unzahl an Datenkolonnen in alten Schriftzeichen scrollten auf ihnen herunter.<br>Schaltkreise wurden aktiv. Das Portal würde gleich einen Transfer starten.<br><br>Gewaltige Hüllenbrüche zogen sich über den Rumpf der Monitor. Die Hüllenpanzerung blätterte beim Sturzflug immer weiter ab. Hier und da entwich Atmosphäre. Als die Monitor die obersten Schichten der Atmosphäre durchstieß, begann der Deflektor leicht zu glühen. Kurz danach war der Bug feuerrot durch die Hitze. 20 Sekunden später war die Anlage nur noch 500 Meter vom Bug der Monitor entfernt, als ein Sturm aus Energie die Monitor erfasste. In einem Blitz aus Licht und destruktiver Energie verschwand die Monitor und mit ihr der halbe Planet in einem grellen weißem Licht.<br><br><i>45 Jahre später Milchstraße Alphaquadrant.......</i><br><br>Inmitten der Ruinen von San Francisco rematerialisierte Joseph Kirk, Captain der Enterprise G.<br>Seit Stunden hielt sich das gewaltige Schiff, eine umgebaute Version der Atlas-Klasse im Orbit der Erde auf. Seit der Invasion war die Erde ein toter Planet. Der Himmel war nur noch dunkel.<br>Die Wolken so dicht, dass sich kaum ein Sonnenstrahl hier her verirrte.<br>Der Staub wirbelte unter den Stiefeln des Chaliden auf, als er sich nach Presidio aufmachte.<br>Dem Stadtteil, in dem das Hauptquartier von Starfleet einmal lag. Ein auffrischender Wind wehte durch die schulterlangen Haare, die Kirk sich zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte. Überall in den Ruinen brannten Feuer. Die Menschen, die hier überlebt hatten, waren von den Goald in die Steinzeit zurück gebombt worden. Nur wenigen gelang die Flucht.<br>Auch auf Kronos, Romulus und Cardassia. Sie alle waren überrannt worden. Niemand war mehr sicher. Nur die Tholianer wussten sich gegen diese Macht zu wehren. Die Tholianer gewährten allen Überlebenden Zuflucht in ihrem Territorium und versiegelten dieses mit ihren Kraftfeldern. Diese vermochten nicht einmal die Goald und die Furien zu durchdringen. Das war nun 45 Jahre her. Seither beherrschten die Goald und die Furien wieder ihr Paradies.<br><br>Nach einigen Minuten erreichte Kirk die Ruine des Hauptkomplexes der Sternenflottenakademie. Eine große Gestalt hielt sich im Schatten auf. Dort wo einst die Lobby der Akademie war. Kirk erkannte, dass die Gestalt sich ihm zuwandte. Langsam trat sie ins Licht. Es war Ortunis, Vergo der Wraht. Die Furie neigte den Kopf zur Seite und begrüßte den Chaliden mit einem Nicken.<br>„Ich grüße Sie Kirk, Vergo der Enterprise."<br>„Ich Sie ebenso Ortunis, Vergo der Wraht." Beide Männer schwiegen kurz.<br>„Ich hatte eine Vision. Sie war mächtiger als alle anderen zuvor", brach Ortunis das Schweigen. Kirk musterte die Furie genau.<br>„Wen hatten Sie dabei gesehen? Oder gesprochen?" fragte Kirk.<br>„Matthew Price. Er war hier, Kirk. Er hat dies alles hier gesehen. Es war eine Verbindung durch die Dekaden."<br>„Mag sein Ortunis. Aber Sie waren damals dabei, als die Monitor vernichtet wurde. Die Sensorenlogbücher ihres Schiffes belegen dies."<br>„Ich weiß, Kirk", entgegnete Ortunis dem Sternenflottencaptain. Kirk erkannte, dass Ortunis niemals wirklich daran geglaubt hatte, dass die Monitor in einem Kamikaze-Manöver ausgelöscht worden war. Es wurden nie Trümmer gefunden, geschweige denn eine Resonanzspur des Warpkerns der Monitor. Fakt war nur, dass 5 Tage später nichts mehr so war, wie es sein sollte.<br>„Dennoch bin ich mir sicher, dass sie leben. Ich spüre ihre Anwesenheit. Im Hier und Jetzt."<br>Kirk wusste, das Ortunis sich nicht irrte. Die Spezies zu der Ortunis angehörte war stark telepathisch veranlagt. Daher lag es im Bereich des Möglichen, dass er Recht hatte.<br>„Ich glaube Ihnen, Ortunis. Wie dem auch sei. Wir sollten aufbrechen, alter Freund. Die Goald dürften bald die Enterprise über der Polarregion der Erde aufgespürt haben."<br>„Gewiss, Vergo Kirk. Lassen Sie uns zurück beamen." Kirk berührte seinen Kommunikator.<br>„Kirk an Enterprise. Zwei zum Beamen." Kurz darauf verschwanden die beiden Männer in zwei blauen Lichtsäulen.<br><p align="center"><b>Kapitel 1</b></p><br>Lieutenant Commander Yoshi O`Brien rieb sich übermüdet die Augen, während er über die Kontrollen des Shuttles Quasar wachte, das zur Deltaflyer-Klasse gehörte. Seit Tagen waren er und Fähnrich Curtis damit beschäftigt, einen Außenposten der Goald zu beobachten.<br>Die Systeme waren durch ein Dämpfungsfeld abgeschirmt worden. Eine Tarnvorrichtung sorgte dafür, dass die Quasar unsichtbar war.<br>O`Brien nippte an seinem Kaffee, begutachtete die Displays. Die passiven Sensoren lieferten unentwegt neue Daten. Dennoch stellte sich hier nichts Neues heraus. Nichts weiter als ein Belauern des Gegenübers.<br>„Curtis?" O`Brien drehte sich zu der jungen Frau um.<br>„Wird es Ihnen nicht langweilig dahinten?", fragte der Halbjapaner mit einem Schmunzeln.<br>„Nein, Sir." Curtis legte kurz ihre Stirn in Falten.<br>„Das heißt, ja. Mir wird es sogar sehr langweilig."<br>„Wusste ich es doch. Keine Sorge, Fähnrich. In 4 Stunden verlassen wir die Position und nehmen Kurs auf die Enterprise."<br>„Klingt verlockend, Sir." O`Brien grinste. Er versuchte mit Smalltalk die Stimmung anzuheben.<br>Es war nun mal nicht einfach 96 Stunden lang zu observieren.<br>Die Station der Goald drehte sich friedlich vor ihnen, doch im Äther herrschte auf einmal rege Aktivität. Die Sensoren der Quasar reagierten darauf und begannen sofort mit der Aufzeichnung. Der Universalübersetzer machte sich daran es zu dekodieren. Ein Piepsen alarmierte die beiden Offiziere.<br>„Wie es scheint, hat da jemand seine Mittagspause beendet.", murmelte O`Brien und gab einige Befehle in seine Konsole ein.<br>„Ein Scoutschiff unserer Freunde hat einen großen Fund gemacht. Aber es wird nicht gesagt was. Nur noch die Koordinaten sind beigefügt." berichtete O`Brien.<br>„Die Informationen werden vom Computer überprüft, Commander.", antwortete Curtis.<br>Nach wenigen Sekunden blickte sie wieder auf.<br>„Die Nachricht ist authentisch, Sir. Eines ihrer Schiffe nimmt Fahrt auf und Kurs auf die Koordinaten."<br>„Verstanden, Curtis. Ich werde ebenfalls einen Kurs setzen. Ich will wissen, was die Aufmerksamkeit unserer Freunde erregt hat. Danach werden wir zur Enterprise zurückkehren."<br>O`Brien gab einen Kurs ein, der zu den Koordinaten führte.<br><br>Am Rande eines Binärsternsystems kam die Quasar aus dem Warp und zum vollen Stillstand.<br>Als das Shuttle nach einigen Minuten mit den passiven Sensoren ausgemacht hatte, wo sich das Goald Schiff befand, aktivierte es seinen Impulsantrieb und folgte dem anderen Schiff mit halber Kraft.<br>O`Brien ließ das Shuttle geschickt durch die Asteroiden gleiten, die um einen der großen Gasriesen des Systems kreisten. Was auch immer die Goald gefunden hatten, es wurde nicht von den passiven Sensoren der Quasar erfasst. Die aktiven Sensoren einzuschalten, war im<br>Moment zu riskant. Die Goald konnten sie schnell entdecken. Zwar konnte die Quasar mit Warp entkommen, aber dazu müsste sie erst das Asteroidenfeld verlassen. Das würde zu lange dauern und den Goald die Möglichkeit geben, sie zu vernichten.<br>Daher musste sich O´Brien in Geduld fassen.<br>„Wo willst du hin?" flüsterte O`Brien. Die Quasar hatte nun den Ring verlassen und streifte leicht die Atmosphäre des Gasriesen. Die Goald tauchten in der Atmosphäre des Gasriesen ab und verschwanden von den Sensoren.<br>„Verdammt. Mit den passiven Sensoren können wir nicht nach." knirschte O`Brien. Es blieb nichts anderes übrig, als den Orbit zu erhöhen und sich auf die Lauer zu legen. Doch nichts passierte. O`Brien musste eine Entscheidung treffen.<br>„Curtis. Wir gehen jetzt auf Plan B über."<br>„Plan B, Sir?"<br>„Ganz genau, meine Liebe." grinste O`Brien und ließ die Quasar lossprinten. Das Shuttle verließ die Asteroiden des Gasriesen und beschleunigte auf Warp. Nach einer halben Minute ging die Quasar wieder auf Unterlicht und drehte auf einen neuen Kurs ein, den O`Brien schnell eingab. Die Quasar ging wieder auf Warp. Curtis überwachte derweil, dass sie nicht von jemand anderen beobachtet wurden. Nach drei weiteren Haken erreichte die Quasar wieder das System. Doch dieses Mal im Schutz der Sonne. Die Interferenzen, die von der Korona der Sonne ausgingen, ermöglichten es O`Brien die aktiven Sensoren einzusetzen ohne selbst entdeckt zu werden.<br>Es dauerte Minuten bis O`Brien wieder ein Signal der Goald auffing. Das Scoutschiff war weiter ins Innere des Systems geflogen. Auf den Sensoren erschien nun eine massive Toronstrahlung.<br>„Curtis, die haben eine massive Toronstrahlung entdeckt. Das letzte Mal als man so was fand, war kurz vor der Invasion vor 45 Jahren. Auch registriere ich eine temporale Verschiebung."<br>„Bestätigt, Sir. Die Langstreckensensoren orten einen leichten Kreuzer der Goald, der seinen Traktorstrahl auf ein recht großes Objekt richtet." O`Brien blickte auf.<br>„Können Sie es identifizieren?"<br>„Eine Sekunde, Sir." Curtis konzentrierte sich auf ihre Anzeigen und erhöhte die Auflösung der Sensoren.<br>„Habe eine positive visuelle Erfassung, Sir."<br>„Auf den Schirm, Fähnrich." Curtis führte den Befehl aus. Auf dem Plasmaschirm, der links neben O´Brien befestigt war, erschien nun eine vergrößerte Aufnahme des Goaldschiffes und dessen, was sich in seinem Traktorstrahl befand.<br>Ein kleines elfenbeinfarbenes Schiff, dessen Hülle regelrecht durchlöchert war, befand sich im bernsteinfarbenen Traktorstrahl des Goaldschiffes.<br>O`Brien erhöhte den Fokus. Und erkannte das Schiff sofort.<br>„Die Monitor. Scannen Sie nach Lebenszeichen, Curtis." Curtis betätigte sofort einige Schaltflächen.<br>„Ich registriere 68 Menschen, jeweils einen Andorianer, einen Terelianer, fünf Betazoiden sowie einen Klingonen an Bord der Monitor."<br>„Danke, Curtis. Verdammt. Wenn die Enterprise hier wäre." Wütend sah O´Brien auf die Darstellung. Zum Beobachten und nichts tun verdammt zu sein, passte O`Brien überhaupt nicht. Beide konnten nur mit ansehen, wie die Goald mit der Monitor im Schlepp im Quantenslimstream verschwanden.<br><br>„Wir können ihnen nicht folgen, Curtis. Versuchen Sie herauszufinden, welchen Kurs die Goald mit der Monitor genommen haben."<br>„Ja, Sir." Kurz darauf erhielt O`Brien die Antwort.<br>„Sir, die Goald haben Kurs auf Rutia 4 genommen."<br>„Verdammt. Wir müssen was unternehmen, bevor die die Monitor dort hin gebracht haben."<br>O`Brien markierte die Monitor mit einem Subraum Signalgeber, den er in das Schiff beamte.<br>Nachdem er sich sicher war, dass der Peilsender funktionierte und auch nicht von den Goald bemerkt wurde, brachte er die Quasar aus der Korona auf der abgewandten Seite der Sonne heraus. Kurz darauf ging die Quasar auf Warp.<br><br>30 Minuten später war die Quasar in Kommreichweite der Enterprise. Captain Joseph Kirk eilte in seinen Bereitschaftsraum und aktivierte seinen Desktopcomputer, der auf dem Schreibtisch stand.<br>Das vertraute Gesicht seines Chefingenieurs erschien auf dem Display.<br>„Captain Kirk." begrüßte O`Brien seinen Vorgesetzten. Kirk nickte und forderte O`Brien damit auf fort zu fahren.<br>„Sie werden nicht glauben, was wir vor einer halben Stunde aufgespürt haben." Es vergingen einige Sekunden bis O`Brien sah, dass er die ungeteilte Aufmerksamkeit des Chaliden hatte.<br>„Sie werden es mir gleich sagen, Commander." antwortete Kirk ruhig.<br>„Die Monitor." Kirk erstarrte vor Erregung. Nach all den Jahren des Suchens und des Hoffens, klang für Kirk diese Meldung wie ein Tagtraum, aus dem er nun aufzuwachen drohte.<br>„Ich übermittle alle Daten, Sir. Wir selbst werden die Enterprise in 6 Minuten erreichen. Die Goald haben die Monitor in Schlepp genommen und bringen das Schiff nach Rutia 4. Ich vermute, dass die nicht wissen, was für einen Fang sie da gemacht haben."<br>„Wollen wir das hoffen, Commander. Gab es Überlebende an Bord der Monitor?"<br>„Ja, Sir. Die Sensoren haben die Crew auf dem Schiff entdecken können."<br>„Ein Grund mehr sich zu beeilen, Commander. Das Schiff wird auf dem Schwarzmarkt verschwinden, mehr oder weniger wird man es sich in Einzelteilen wieder zurückkaufen müssen, aber die Crew darf nicht den Sklavenhändlern in die Hände fallen. Sonst ist es so gut wie unmöglich die Leute noch zu retten."<br>„Verstanden, Sir. Wir werden in wenigen Augenblicken in der Hauptshuttlerampe festmachen.“<br>„Machen Sie es so. Kirk Ende." Kirk lehnte sich zurück. Bis sie Rutia 4 erreicht haben würden, war es möglicherweise zu spät. Die Goald hatten seit geraumer Zeit ihre Schiffe mit<br>Quantenslimstream-Antriebe ausgerüstet. Die Konföderation war im Moment noch dabei dem nachzuziehen. Das hieß, er musste jemand anders informieren. Jemand, der wesentlich näher am Zielort war.<br>Kirk gab einen Code in seine Konsole ein. Kurz darauf erschien ein älterer Ferengi, der die Admiralsuniform der Sternenflotte trug.<br>„Hallo Nog. Ich brauche deine Hilfe." begann Kirk.<br>„Hallo Joseph, um was geht es?"<br>„Es geht um die Monitor. Sie ist wieder da." Der alte Ferengi lehnte sich in seinem Sessel zurück.<br>„Unglaublich." stammelte Nog.<br>„Nog. Die Goald haben das Schiff geborgen. Die Crew ist laut unseren Beobachtungen ebenfalls an Bord. Sie haben Kurs auf Rutia 4 genommen. Bis die Enterprise dort eintrifft, wird es zu spät sein. Aber du bist wesentlich näher dran."<br>„Keine Frage, Joseph. Ich werde mich darum kümmern. Nog Ende" Das Gesicht des Ferengis wurde durch das Logo der Konföderation ersetzt. Kirk ließ angespannt die Luft entweichen.<br>Nun musste er warten.<br><p align="center"><b>Kapitel 2</b></p><br>Mit Maximumwarp raste der Ferengi-Kreuzer Profit Rutia 4 entgegen. Für Beobachtungs- und Erkundungsflüge war das Schiff der Nagus-Klasse bestens geeignet. Ein starker Antrieb, eine schwere Bewaffnung und die Tatsache, dass die Ferengi zu den wenigen gehörten, die von den Goald unbehelligt durch den Raum reisen konnten, machten die Profit zu einem der wertvollsten Schiffe in der Konföderationsflotte.<br>Admiral Nog beobachtete den Sichtschirm während Ferengi- und Sternenflotten-Besatzungsmitglieder ihrer Arbeit nachgingen. Vor fast 50 Jahren wäre dieses Bild eine Utopie gewesen. Kaum zu Glauben, dass heute Ferengi und Menschen derart zusammenarbeiteten, dachte Nog. Selbst für ihn, der seit fast 50 Jahren in der Sternenflotte diente, war es immer noch ein wenig ungewohnt. Das musste er sich selbst eingestehen. Er selbst war der erste gewesen. Der erste Ferengi, der in die Sternenflotte eintrat. Nach ihm folgten 40 Ferengi im Verlauf der letzten Jahrzehnte in die Flotte.<br>Vieles hatte sich verändert. Sehr vieles. Ob sich nun die Chance bot, dieser Hölle, die die Goald den Bewohner zweier Quadranten in dieser Galaxie bereiteten, ein Ende zu machen? Der alte Ferengi hoffte es. Er hoffte es seit der Invasion. Seit dem Tag, an dem er viele Freunde sterben sah.<br>Die Monitor war der Schlüssel zum Ganzen. An Bord befanden sich die Artefakte, die das Transfersystem kontrollierten mit dem die Invasion ermöglicht wurde. Über das Schicksal der Monitor erfuhr man nur weil die USS Melbourne ebenfalls mit transferiert wurde. Admiral Jellico gelang es die Melbourne in den Transit mit ein zu schmuggeln. Als die Melbourne den Transfer beendet hatte, gelang es Jellico gerade noch eine Nachricht abzusetzen. Danach hörte man nichts mehr von dem Schiff und seiner Besatzung. Man ging davon aus, dass die Besatzung gefoltert und anschließend getötet worden war. Das Schiff wurde zerlegt. Jede einzelne Schraube wurde von den Gegnern verwendet.<br>Danach begann das Dunkle Zeitalter. Alles ging derart schnell, dass die meisten erst nach Tagen begriffen, was geschehen war. Die Furien hatten mit den Goald ihr Paradies zurückerobert. Doch die Allianz der Beiden hielt nicht lange an. Während die Besiegten sich in das Territorium neuer Freunde zurückzogen, bekriegten sich die einst Verbündeten. Die Furien erlitten schwere Verluste und gingen ebenfalls in Knechtschaft.<br>Seither beherrschten die Goald die beiden Quadranten mit eiserner Faust. Und seither herrschte im Untergrund ein Widerstandskampf gegen die Goald. Bis auf vereinzelte Ausnahmen verbündeten sich so gut wie alle raumfahrenden Völker gegen ihre Besatzer.<br><br>„Warum lasse ich mich immer auf solche törichte Missionen ein?" nörgelte Quark, während er seinem Großneffen folgte. Beide Männer waren von der Profit auf die Avaran Station gebeamt worden.<br>Eine alte, fast verfallene klingonische Raumstation, die von ihren ursprünglichen Besitzern vor Jahrzehnten aufgegeben wurde. Heute wurde die Station vom Abschaum der Galaxis betrieben. Von Leuten gegen die das Orion Syndikat wie ein tief religiöser Orden wirkte. Quark fühlte sich nicht wohl, als er sich umsah. Sein Großneffe Kelek hingegen wahrte nach außen hin Gelassenheit. Wie sein Neffe Nog war auch Kelek der Sternenflotte beigetreten. Quark war nie glücklich darüber, dass seine Familie nun in der zweiten Generation in der Sternenflotte diente, aber er konnte auch nicht seinen Stolz über seinen Neffen und Großneffen leugnen.<br>„Es ist einfach zu gefährlich, Großneffe. Ich meine, es sind nur…." Kelek bedachte Quark mit einem giftigen Blick, der den alten Ferengi schnell verstummen ließ.<br>„Es sind nicht nur Menschen. Es sind Offiziere von der Sternenflotte. Offiziere, die versucht haben uns zu retten, Großonkel."<br>„Sicher sind sie das Kelek. Aber sie sind gescheitert. Und diese Menschen hier zu finden, geschweige denn ihr Schiff ..." Quark breitete seine Arme aus. „.. ist ein Ding der Unmöglichkeit."<br>„Die Informationen sind sehr verlässlich, Großonkel." flüsterte Kelek und sah sich wieder um.<br>„Wie du meinst. Ich sage ja schon nichts mehr." knurrte Quark. Für ihn war das Thema erledigt. Kelek erblickte an dem Eingang eines weiteren Korridors, der von dem Haupthabitatring wegführte einen Nausikaner. Aus der Ferne konnte man schon erkennen, dass es diesem Mann sichtlich gut ging. Behangen mit Schmuck aus Latinum protzte er mit seinem Vermögen.<br>Ein Verhalten, das mehr zu einem Ferengi passte als zu einem Nausikaner, befanden die beiden Ferengi.<br>„Da ist Kors. Ein widerlicher Kerl, aber er zahlt gut. Und er lässt sich immer wieder über den Tisch ziehen." sinnierte Quark und bekam ein gieriges Grinsen.<br>„Was uns auch immer zum Vorteil gereicht, Großonkel. Hoffen wir, dass er was über die Monitor und deren Besatzung weiß."<br>„Mit Sicherheit Kelek. Nur dürfen wir es nicht zu plump angehen. Kors ist zwar ein einfältiger Trottel, aber nicht dämlich."<br>„Wird schon schief gehen, Großonkel."<br>„Wollen wir es hoffen." Beide Ferengi hielten nun auf den Nausikaner Kors zu.<br><br>„Quark!" Kors kam mit ausgebreiteten Armen und einem breiten Grinsen auf den alten Ferengi zu. Quark kannte diese Geste zu gut. Diese verhieß das Kors Ware zum Verkauf hatte. Besondere und sehr seltene Ware. Schnell tauschten beide Ferengi nochmals einen Blick, bevor Quark ebenfalls überschwänglich die Begrüßung erwiderte.<br>„Kors? Was machen Sie den hier?" gab sich Quark ahnungslos. Der Nausikaner faltete kurz die Hände vor seinen Bauch.<br>„Ich habe hier vor kurzem eine neue Filiale meiner Handelsfirma aufgemacht, und was machen sie hier, Quark?" Handelsfirma? Quark schmunzelte über Kors Einfallsreichtum. Eine nette Bezeichnung für Piraterie und das Verkaufen von gestohlenen Dingen auf dem Schwarzmarkt. Gelegentlich kam auch Sklavenhandel hinzu.<br>„Ich bin nur auf der Durchreise hier."<br>„Verstehe, Quark."<br>„Sagen Sie, Kors." Quark entblößte seine spitzen schiefen Zähne." Entspricht es der Wahrheit, dass Sie Kampfraumschiffe verschiedenster Spezies verkaufen?"<br>„Das tut es in der Tat." kam es sofort zurück.<br>„An was wären Sie interessiert?"<br>„Was haben sie anzubieten, Kors?" Gieriges Funkeln wurde nun in den milchigen Augen des Nausikaners sichtbar.<br>„Nun, ich habe noch vier alte klingonische Bird of Preys der B`rel-Klasse und ein Sternenflottenkreuzer der Defiant-Klasse." Erwischt! Woher haben wir denn so ein Schiff?<br>„Interessant. Wie ich weiß, hatte die Sternenflotte damals nur 20 Schiffe der Defiant-Klasse gebaut. Von denen sind eigentlich nur noch 5 übrig. Und diese 5 dienen in der Konföderationsflotte.“<br>„Ich verstehe ihre Zweifel. Wir haben dieses Schiff vor einigen Stunden im All treibend gefunden und geborgen."<br>„Zweifellos ein Wrack aus der Invasion." sinnierte Quark. Er wusste, das einzige Schiff der Defiant-Klasse, das vermisst wurde, war die Monitor. Alle anderen wurden entweder zerstört oder befanden sich noch in der Konföderationsflotte. Kors begann zu grinsen. Es war die Art von Grinsen, die nur darauf hinwies, dass er sich damit brüstete, etwas zu wissen, was noch keiner wusste. Und damit konnte nun Kors prallen, was dem Nausikaner ohnehin nicht schwer viel.<br>„Nein, mein lieber Quark. Es ist das verschollene Schiff."<br>„Erstaunlich. Wie war der Name noch mal? Mongolei?"<br>„Nein, Quark. Es ist die Monitor."<br><br>Kelek schlug das Herz bis zum Hals, als er dies hörte. Die Monitor war gefunden worden. Nun war es daran das Schicksal der Crew zu klären.<br>„Die Monitor!" gab sich Quark erstaunt. „War das Schiff verlassen?"<br>„Nein, die Crew haben wir auf ein anderes Schiff gebracht. Die Goald wollten sie haben. Aber sie überließen mir das Schiff. Was sowieso einen größeren Wert darstellt. Obwohl es nur noch ein Wrack ist, hat es noch viel Potenzial."<br>„Die Crew, Kors. Wo bringen die Goald die Crew hin?"<br>„Nach Vulkan. Dort wird man die Crew verhören und höchstwahrscheinlich töten. Glauben Sie mir, Quark. Der Tod ist das Beste, was diesen Menschen passieren kann. Denn nur noch schlimmer ist es bei den Goald ein Leben in Schrecken und Furcht zu verbringen. In reiner Agonie."<br>„In der Tat."<br>„Sind Sie noch immer an der Monitor interessiert?"<br>„Natürlich. Ich bin bereit für die Monitor 3 Millionen Barren Gold gepresstes Latinum zu zahlen."<br>„4,5 Millionen."<br>„3,75 Millionen."<br>„4,25 Millionen."<br>„3,9 Millionen und keinen Barren mehr, Kors."<br>„Einverstanden, Quark. Treffen Sie mich in einer Stunde in Landebucht 5. Dort wird die Monitor andocken.“<br>„Einverstanden. Der Handel steht."<br>Matt Price wurde durch das Poltern wach, das den Raum hin und wieder durchrüttelte. Ein stechender Schmerz fuhr ihm durch die Stirn. Sein Blick klärte auf, er befand sich in einem halbdunklen Raum. Mit ihm die Crew der Monitor. Es waren alle hier, bis auf Captain Lewinski, Danny Bird , Chefingenieur Sanchez sowie drei weitere Crewmen.<br>Jene waren verschwunden, seit man die Crew von der Monitor weggebracht hatte. Der Blick von Matt glitt nach rechts. Dort sah er Elizabeth Fraiser vor einem jungen weiblichen Fähnrich knien. Sie wischte mit einem Stofffetzen etwas kalten Schweiß von der Stirn der Frau.<br>„Hallo Matt. Schön, dass du wach bist."<br>„Wie lange war ich bewusstlos?"<br>„Schätzungsweise 52 Stunden. Ich weiß es selbst nicht genau. Ich weiß noch nicht einmal, was passiert ist. Mal von der Tatsache abgesehen, dass unser Schiff ein Wrack ist und man uns entführt hat. Das Einzige, was ich von unseren Entführern gesehen, habe war ein Remaner mit unglaublich schlechten Zähnen."<br>„Da weißt du mehr als ich. Ich weiß nur noch, dass wir kurz davor waren uns mit Warp auf einen Planeten zu stürzen. Danach bin ich hier erwacht." Elizabeth nickte.<br>„Bleib bitte noch etwas liegen, Matt. Du hast eine Gehirnerschütterung und einige Prellungen."<br>Sanft drückte die Ärztin Matt Price wieder auf die Liege. Erst jetzt fiel es Matt auf, wie still es hier war. Die meisten Crewmitglieder der Monitor flüsterten nur, wenn sie überhaupt redeten.<br>Aus den Augenwinkeln konnte der Betazoide erkennen, wie Ardev und Arena umher gingen und sich um die anderen kümmerten.<br>Beiden war die Erschöpfung und Frustration anzusehen.<br>„Wo ist der Skipper?"<br>„Er ist nicht hier, ebenso wie Danny, Sanchez und drei weitere Crewmen." Matt blickte sie fragend an.<br>„Ich weiß nicht, was aus ihnen wurde. Vermutlich wurden sie getötet. Oder man hat sie von uns getrennt."<br>„Also kann beides zutreffen." flüsterte Matt. Oder sie sind noch auf der Monitor und haben sich versteckt. Matt sprach es nicht aus, sondern sagte dies durch seinen Geist. Die vier anderen Betazoiden der Crew vernahmen dies. Matt konnte sehen, wie sie ihre Zustimmung dazu signalisierten.<br>„Vermutlich." Elizabeth nahm ihren Tricorder hervor, den man ihr belassen hatte und scannte erneut den ersten Offizier.<br>„Du hast noch deinen Medo-Tricorder?"<br>„Ja, erstaunlich nicht? Dafür haben sie uns die Kommunikatoren abgenommen.“<br>„Was anderes hätte mich überrascht. Hast du schon versucht einen Scan der Umgebung zu machen?"<br>„Ja." Fraiser schüttelte den Kopf. „Aber die Wände sind mit Duranium abgeschirmt. Da kommen die Sensoren des Tricorders nicht durch."<br>„Verdammt."<br>Matt blickte wieder musternd zur Decke.<br>„Wir müssen hier raus und die Monitor zurückerobern."<br>„Gewiss. Und wie sollen wir das anstellen?"<br>„Bitte jetzt keinen Sarkasmus Imzadi. Ich meine das ernst."<br>„In Ordnung Matt. Und wie werden wir das anstellen?"<br>„Ich lasse mir da schon was einfallen." Matt lehnte sich wieder etwas auf und brachte ein leichtes Lächeln zustande.<br><br>Im schwachen Licht der Handchemoleuchten hielten sich Lewinski, Bird, Sanchez, Smith, Alcazar und T`Kel in einer der Jeffriesröhren auf, die direkt hinter der Brücke der Monitor verliefen. Das energetische Brummen eines Traktorstrahls war seit Stunden zu vernehmen.<br>Lewinski betastete seinen Phaser, den er noch schnell aus dem Waffenschrank der Brücke hatte entnehmen können.<br>Er und die anderen waren als erste erwacht, als die Monitor schon bereits geentert wurde. Sie hatten nur wenige Sekunden, um sich zu verstecken. Sie konnten nichts mehr gegen die Übernahme des Schiffes ausrichten, außer dass Lewinski gerade noch die Kommandocodes gesperrt hatte.<br>Kurz darauf konnte man das Surren von Transportern hören, die die Crew der Monitor  wegbeamten. Dann der Ruck, der den Traktorstrahl ankündigte, der die Monitor in Schlepp nahm.<br>Sanchez hatte es nun geschafft, einen Tricorder an einer ODN-Leitung anzuschließen und damit den Schadensbericht des Computers abzufragen. Dies war ein langer Prozess, da man ja einer Entdeckung entgehen wollte.<br>Endlich gab das Gerät ein akustisches Zeichen. Sanchez drückte eine Taste und betrachtete sich das Display des Tricorders.<br>„Der Schadensbericht ist fertig, Sir." flüsterte der junge Ingenieur. Lewinski lehnte sich zu ihm hinüber, um auch einen Blick auf den Tricorder zu bekommen.<br>„Sieht nicht gut aus. 40 % des Schiffes sind so gut wie zerstört. Die Primärsysteme wurden vollkommen eliminiert. Die Monitor ist zwar noch reparabel, aber das in einem Raumdock und wenn man uns 2 Jahre Zeit gibt." erklärte Sanchez.<br>„Mit anderen Worten Totalschaden."<br>„So kann man es auch ausdrücken, Captain." John senkte kurz den Blick.<br>„Meine Damen und Herren. Priorität hat, dass wir die anderen erst aus den Händen unserer Entführer befreien. Danach müssen wir uns um ein neues Schiff kümmern. Das heißt, die Monitor muss zerstört werden. Sie darf nicht in Feindeshand verbleiben." Alle anderen nickten zustimmend. Selbst in diesem halbzerstörten Zustand bot die Monitor noch genug Potenzial um gewaltigen Schaden anzurichten.<br>„Haben Sie schon einen Plan, Sir?" Fragte Bird.<br>„Ich arbeite daran, Danny. Wir haben nur 5 Handphaser und drei Tricorder zu Verfügung. Wie sieht es mit der Verpflegung aus, Smith?"<br>„Wir haben noch Notrationen für 5 Tage, Sir." antwortete die Afrikanerin leise.<br>„In Ordnung. Wir müssen davon ausgehen, dass keine Hilfe von außen zu erwarten ist.<br>Dennoch werden wir nicht aufgeben." Das Geräusch, das die ganze Zeit vorhielt, veränderte sich, es nahm merklich ab.<br>„Wir haben die Geschwindigkeit reduziert." Flüsterte Bird.<br>„Wahrscheinlich ein Treffpunkt. Vielleicht wird das Schiff übergeben." brachte sich Alcazar ein.<br>„Ich glaube eher, dass, wer uns auch immer aufgegabelt hat, die Monitor schnellstens loswerden möchte. Und auf dem Schwarzmarkt kann man ganz bequem ein Schiff loswerden ohne unangenehme Fragen beantworten zu müssen." Lewinski blickte instinktiv zur Decke.<br>„Wie sieht es mit den Computern und der Steuerung aus?" fragte Lewinski.<br>„Sie funktionieren nur noch auf Reserve."<br>„Dann lassen sie uns sehen, was wir damit anfangen können."<br><p align="center"><b>Kapitel 3</b></p><br>„Dieses Schiff soll noch flugtauglich sein!" Quark kletterte über eine Strebe, die sich im einen der Korridore der Monitor verkeilt hatte. „Es ist bestenfalls nur noch ein Wrack. Das man für wenige, aber teure Ersatzteile ausschlachten kann."<br>„Warten Sie es ab, Quark. Die Monitor hat noch einiges zu bieten." beschwichtigte Kors den alten Ferengi.<br>Unruhig wanderten die Lichtstrahlen ihrer Handlampen durch die finsteren Korridore des kleinen Raumschiffes. Die Wände waren geborsten, verbrannt und gaben keine<br>Vertrauenserweckende Geräusche von sich.<br>„Wo wollen wir den eigentlich hin, Kors?" Kors blickte Quark gönnerhaft an.<br>„Zum Maschinenraum."<br>„Und weswegen?"<br>„Weil es dort noch einen Bonus gibt..." Kors blickte wieder nach vorne, „ der Sie nur einen kleinen Aufpreis kosten dürfte."<br>„Wie hoch ist dieser Preis? Und vor allen Dingen für was?" Quark musste sich dumm stellen. Er und Kelek ahnten bereits, was es sein könnte. Die Artefakte der Furien.<br>„Nun, es sind Artefakte. An denen auch die Goald Interesse bekundet haben. Aber da sie und ich uns schon so lange kennen und auch gute Geschäftspartner sind, dachte ich mir ….."<br>„Dass ich ein Vorkaufsrecht bekomme?"<br>„So ist es, Quark. Und nun dort entlang."<br><br>So leise und schnell wie möglich krochen Sanchez und Bird die Jeffriesröhren entlang, um in den Maschinenraum zu gelangen. Obwohl die beiden Männer eigentlich in Topform waren, waren sie recht schnell außer Atem.<br>„Einen Augenblick."<br>„Was ist denn jetzt wieder?" Bird blickte sich um. Zum vierten Male stoppte der spanische Chefingenieur und überprüfte seinen Tricorder.<br>„Ich war mir sicher, Lebenszeichen geortet zu haben." Bird kniff die Augen zusammen.<br>„Können Sie sie identifizieren?"<br>„Nicht hundertprozentig, aber es sah so aus, als ob zwei Ferengi und ein Nausikaner zum Maschinenraum unterwegs wären."<br>„Das ist nicht gut. Wir sollten den Maschinenraum vor ihnen erreichen."<br>Sanchez seufzte hörbar. Bird konnte ihn verstehen. Alle waren sehr erschöpft. Aber das konnte warten. Zunächst mussten sie herausfinden, wer die Eindringlinge waren.<br>„In Ordnung. Wir werden das Schott zum Maschinenraum in 2 Minuten erreichen."<br>„Dann mal los." Schon war Bird um die nächste Ecke verschwunden.<br><br>Nur mit äußerster Mühe gelang es den beiden Ferengi und dem Nausikaner das Schott zum Maschinenraum aufzustemmen. Knarrend gaben die Schotthälften nach.<br>Nachdem sich jeder durch die schmale Spalte gedrückt hatte, wobei Kors bei seiner Leibesfülle am längsten brauchte, leuchteten sie die technische Abteilung mit den Handleuchten aus.<br>Neben der Primärkonsole stand ein Tisch, vor ihm lagen die Artefakte auf dem Boden verstreut herum.<br>Quark musterte die Artefakte aus der Ferne. Sie schienen auf dem ersten Blick nicht beschädigt worden zu sein. Auch Kelek unterzog die Stücke einer visuellen Inspektion und nickte Quark zu.<br>„Eine Frage Kors. Diese Dinge hier auf dem Boden." Quark deutete auf die Artefakte, die auf dem Boden verstreut herumlagen. „Die gehören wohl kaum zum Inventar des Schiffes?" Kors nestelte an seiner Jacke.<br>„Nein." Leichte Anzeichen von Angst schlichen sich in den Zügen von Kors ein." Diese Dinge sind sehr alt. Von wem sie stammen, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, außer dass sie nichts Gutes verheißen." Mit anderen Worten, Kors wusste in der Tat von wem diese Artefakte stammten.<br>„Sie sehen auch nicht besonders wertvoll aus." bemerkte Quark beiläufig.<br>„Sie können diese Dinge geschenkt haben."<br>„Wie großzügig, dass sie für den Plunder nichts in Rechnung stellen, Kors." Quark sah es ihm an. Kors war mehr als froh, dass diese Dinge verschwinden würden, ebenso das Schiff.<br>„Wollen sie dieses Schiff nun kaufen?"<br>„Was für eine Frage. Natürlich kaufen wir es."<br><br>Leise hatten Bird und Sanchez die Jeffriesröhre verlassen. Da der Maschinenraum nicht beleuchtet war und das einzige Licht von den Handlampen der drei Besucher stammte, konnten die beiden Offiziere sich leise in der Deckung der Schatten anschleichen. Langsam tastete Bird nach seinem Phaser.<br>Es war nicht zu fassen. Kaum war die Crew vom Schiff runter, schon wurde das Schiff verschachert. In diesem Moment reifte im Kopf des Sicherheitschefs ein neuer Gedanke. Wenn die Monitor auf dem Schwarzmarkt verschwinden sollte, was würde aus der Crew werden?<br>Sollten die anderen auf einen Sklavenmarkt verschleppt worden sein? Möglich wäre es und es wären nicht die ersten Sternenflottenangehörigen, die auf diese Weise verschwanden. Nur wenige hatte man auch hinterher lebend wieder befreien können.<br>Falls jemand wusste, wo sich die Crew nun befand und was auch mit ihr geschehen würde, dann war es der Verkäufer.<br>Nach der Einschätzung von Bird musste es sich hierbei um den dicken Nausikaner handeln.<br>Der ältere Ferengi kam Bird bekannt vor. Doch er konnte nicht ganz einordnen, wo er dieses Gesicht schon mal gesehen hatte.<br>Mit einer stummen Geste gab Danny Sanchez ein Zeichen. Beide Männer verteilten sich und warteten ab, was passieren würde.<br><br>„Rührt es sich endlich?" Ardev und Matt Price zehrten an einer Verblendung, die zu einer Schalttafel neben dem Schott gehörte. Unzählige Kratzer zeugten von einigen fehlgeschlagenen Versuchen.<br>„Nein, Matt. Es sitzt…. fest!" Krachend fielen die beiden Männer zu Boden. Verdutzt hielt Ardev noch die Verblendung in der Hand. In der Wand klaffte nun ein Loch und gab nun einige Kabel und optische Prozessoren frei.<br>„Wundervoll. Endlich geht es mal voran."<br>„Dann mal los." Beide Männer standen auf und begaben sich zu den Schaltkreisen. Matt nahm ein Bündel aus farbigen Kabeln zur Seite. Eine Platine mit Prozessoren und isolinearen Chips kam zum Vorschein.<br>„Nicht gerade in einem Topzustand.“ Ardev nahm den Tricorder, den er sich von Fraiser kurz geborgt hatte. Es war der einzige, den man der Monitorcrew gelassen hatte. Vulkanische Schriftzeichen scrollten auf dem Display herunter.<br>„Merkwürdig."<br>„Ardev, es ist schon sehr bedeutsam, wenn Sie dieses Wort in den Mund nehmen."<br>„Sehen Sie selbst, Matt. Jemand hat Vorarbeit geleistet. Zum einen im Schloss und zum anderen mit diesen Tricorder." Matt nahm das Gerät in die Hand und betrachtete sich das Display.<br>„Sie haben Recht, Ardev. Jemand will, dass wir abhauen können. Aber warum? Will man uns auf der Flucht erschießen?"<br>„Ich weiß es nicht." Ardev überprüfte weiterhin die Schaltkreise. Er wollte sicher sein nicht doch noch einen fremden Mechanismus auszulösen.<br>„Ich kann nichts Weiteres erkennen, das auf eine Falle schließen lassen würde."<br>„Riskieren wir es." Die Schaltkreise erwachten kurz zum Leben und…… Es geschah nichts. Verdutzt sahen die beiden Männer auf die Schalttafel.<br>„Was haben Sie getan?"<br>„Ich habe nur versucht, das Schott zu öffnen." erklärte Ardev.<br>„Aber anscheinend habe ich nun nur das Schloss ausgeschaltet.“<br>„Wollen wir das hoffen.“<br>„Hat es geklappt?" fragte Fraiser. Sie und Arena Tellom standen hinter den Beiden und beobachteten das Ganze mit Neugierde.<br>„Nicht wirklich, Imzadi."<br><br>Als Quark seinen Daumenabdruck auf das Padd drückte, bekam Kors ein gieriges Grinsen. Mit leuchtenden Augen nahm der Nausikaner das Padd entgegen und betrachtete es sich kurz.<br>„Vielen Dank, Quark. Sie werden es nicht bereuen."<br>„Bestimmt nicht, Kors."<br>„Wenn Sie mich entschuldigen. Ich habe noch zu tun. Sehen Sie sich doch noch eine Weile in Ihrem neuen Schiff um?"<br>„Das werden wir." Kors nickte und ging von dannen. Aus den Augenwinkeln konnte Quark sehen, wie Kelek seinen Phaser aus dem Hohlster zog, den er unter seinem Mantel trug und Kors mit einem Schuss betäubte. Wie ein nasser Sack fiel Kors zu Boden.<br>„Musste das sein, Kelek?"<br>„Ja Großonkel, das musste sein. Er hätte uns sonst verraten. Schau dir das Padd mal genauer an, Großonkel. Es ist ein Modell mit einem Subraumsender. Und ich wette, es ist eine Goald-Frequenz eingestellt." Quark nahm das Gerät auf, das neben Kors lag und überprüfte es.<br>„Du hast Recht, Kelek. Er hätte uns alle ans Messer geliefert." Kelek nickte und drehte sich um.<br>„Kelek an Profit. Die Monitor ist gesichert. Transporterprotokoll ZZ Alpha aktiveren." Kaum hatte Kelek die Hand vom Kommunikator genommen, wurde die Monitor vom Transferstrahl der Profit erfasst.<br>Das ganze Schiff wurde nun in einen gewaltigen Hangar, der sich im Inneren der Profit befand, hinein gebeamt. Mehrere Traktorstrahlemitter aktivierten sich augenblicklich um die Monitor in dem Raum zu fixieren, in dem man die Schwerkraft abgeschaltet hatte. Wenige Sekunden später verließ die Profit die Avaran-Station und nahm Kurs auf den Briar-Patch.<br><br>John Lewinski schnappte nach Luft, als sich um ihn herum die Monitor aufzulösen begann. Das Prickeln von Energie erfasste ihn. Smith, Alcazar und T`Kel verschwanden in dem eigenartigen Nebel, der sich ausbreitete. John erkannte, dass sie sich in einem Transferstrahl sich befinden mussten.<br>Doch von wem wurden sie gebeamt? Wurden sie entdeckt und von den Entführern in eine Zellen oder sogar ins All gebeamt? Nein, dazu dauerte der Vorgang schon viel zu lange. Langsam aber sicher entglitt Lewinski das Bewusstsein. Krampfhaft kämpfte er gegen die Ohnmacht an.<br>Wenige Sekunden später, kurz nachdem der Transfer beendet war, brach er zusammen.<br>Schnell machten sich einige Personen daran, Lewinski und seine Leute auf Diagnoseliegen zu heben. Die Biomonitore erwachten schnell zum Leben.<br>„Vitalzeichen sind stabil, Doktor. Sie haben den Ritt gut überstanden." grinste eine junge Frau einer Trill entgegen. Diese nickte nur kurz, danach berührte sie einen Kommunikator auf ihrer Brust.<br>„Doktor Bashir an Admiral Nog. Wir haben Überlebende von der Monitor auf unserer Krankenstation."<br>„Verstanden, Doktor. Ich bin unterwegs." Yasmin Bashir schloss den Kommkanal. Sie beobachtete kurz, wie friedlich John Lewinski auf der Liege schlummerte.<br>„Willkommen im 25. Jahrhundert, Captain." murmelte die Trill.<br><br>Der Remaner Sorl bog um eine Ecke und lauschte einem aufgeregtem Gespräch, das der Kommandant des Frachters führte. Langsam und lautlos schob sich Sorl an der Wand entlang, bis er dem Gespräch richtig folgen konnte. Dabei war zu hören, dass der alte Nausikaner recht aufgeregt war. Sorl konnte sich lebhaft vorstellen, wie dieser wild mit den Armen gestikulierend vor dem Display saß und sich aufplusterte wie ein Terelianischer Kugelfisch.<br>„Wir hatten einen Vereinbarung." knurrte der Kommandant verbittert. Sein Gegenüber auf dem Display war ein Goald. Dieser hatte wie viele seiner Spezies sein Gesicht unter einer Kapuze verborgen.<br>„Vereinbarungen können abgeändert werden. Sie werden uns die Gefangenen übergeben."<br>„Für ein Viertel der ausgemachten Summe? Lächerlich."<br>„Seien Sie froh, das Sie überhaupt was bekommen, Korik. Wir können ihren Frachter problemlos entern und verschwinden lassen."<br>„Drohen wollen Sie mir auch noch. Diese Menschen müssen aber wirklich wertvoll sein. Sonst würden Sie nicht diesen Aufwand betreiben. Vergessen Sie nicht, es handelt sich hierbei um meine Ware."<br>„Die das Goald-Empire mit Freuden Ihnen abkaufen wird."<br>„Aber nicht für 25 % des ursprünglich ausgemachten Preises." Der Goald neigte den Kopf nach unten. Es war ein Anzeichen dafür, dass er über etwas nachdachte. Dann hob sich der Kopf.<br>„Nun, wenn Sie es so wollen. 50 % des Preises und nehmen Sie an, wenn Sie auch in Zukunft Geschäfte machen wollen."<br>„Ich hatte meine Ausgaben."<br>„Wer hat die nicht, Korik. 50 % und nicht mehr."<br>„75 % und nicht weniger." Sorl empfand ein wenig Bewunderung für die Beharrlichkeit des Nausikaners und Verwunderung über dessen Mut oder die Dämlichkeit sich mit einem Goald anzulegen.<br>„Ihre Beharrlichkeit grenzt schon an Dummheit, Korik. Selbst nach 30 Jahren des Handelns mit uns, wissen Sie immer noch im Geringsten nicht, mit wem Sie sich gerade anlegen. 50 %.Oder dies wird ihr letztes Geschäft gewesen sein. Ich erwarte, dass sie akzeptieren. Oder wir werden in 10 Standardminuten ihr Schiff entern und uns holen, was wir wollen." Das Display wurde wieder schwarz. Korik ließ seine geballte Faust auf dem Tisch knallen. Er musste nachgeben, wenn er noch die nächste Stunde erleben wollte.<br>Auch für Sorl war es Zeit zum Handeln. Er wartete ab, bis Korik den Raum verlassen hatte, bevor er sich zum nächsten Turbolift begab.<br>„Frachtdeck 2." befahl er der Kapsel, die sich sofort in Bewegung setzte. Kaum hatten sich die Schotts wieder geöffnet, rannte er in den nächsten Korridor und erreichte eine Schalttafel, die in der Wand des Korridors eingelassen war. Aus einer Innentasche seiner Weste entnahm Sorl ein kleines Gerät, das er auf die Schalttafel aufsetzt und aktivierte es. Schnell gab Sorl einen speziellen Code ein, der ihm unbemerkten Zugang zu den Sensoren des Schiffes verschaffte.<br>Auf dem Display erschien eine Darstellung des Weltraums um den Frachter von einem Radius von 2 Lichtjahren. Etwa 75 000 Kilometer hinter dem Frachter machte Sorl einen seltsamen Sensorkontakt aus. Nun gab er einen weiteren Befehl ein und die Sensoren wurden neu kalibriert. Auf dem Display erschien nun in Föderationsstandard.<br><br><i>Kontakt als USS ENTERPRISE NCC 1701 G identifiziert.</i><br><br>Sorl tippte wieder in das Eingabefeld einen Befehl ein, worauf eine vorbereitete komprimierte Nachricht an die Enterprise abgesetzte wurde. 2 Sekunden später bestätigte der Computer, dass die Nachricht abgesendet und empfangen wurde.<br>„Computer. Starte Programm 45 Pi 5 Alpha in einer Minute."<br>„Bestätigung."<br>Danach aktivierte Sorl einen Computervirus, der dafür sorgte, dass nach all dem hier nichts für die Goald zu finden sein würde. Nachdem sich Sorl vergewissert hatte, dass alles nun bereit war, entnahm er das Gerät von der Schalttafel und begab sich zu den Gefangenen im Frachtraum.<br><br>„Captain Kirk. Das Signal wurde gesendet." meldete O`Brien. Kirk nickte.<br>„Leiten Sie alles Notwendige ein, Mr. O`Brien."<br>„Aye, Sir." O`Brien wandte sich wieder seiner Konsole zu und gab dem Computer bestimmte Anweisungen.<br>„Kirk an Krankenstation."<br>„Hier Krankenstation."<br>„Doktor, wir werden gleich Gäste haben. Bereiten Sie alles vor."<br>„Es ist bereits alles vorbereitet worden, Captain. Sie können jederzeit beginnen."<br>„Danke Doktor. Kirk Ende." Kirk konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Der denobulanische Arzt Pharex, ein direkter Nachfahre von Doktor Phlox von Archers Enterprise war dafür bekannt akkurat auf jede Situation reagieren zu können. Nur noch 20 Sekunden.<br><br>Sorl öffnete das Schott des Frachtraumes. Die Menschen, die darin gefangen waren, sahen ihn erstaunt an. Ein Piepsen kündigte die letzten 10 Sekunden an.<br>Kurz darauf setzte das Prickeln eines Transporters ein, der alle Anwesenden im Frachtraum zur Enterprise hinüber beamte.<br><br>Kaum war der Transfer beendet, ging im Frachter die Hölle los. Der Computervirus deaktivierte alle Sicherungen und begann damit den Warpkern des Schiffes zu überlasten. Korik erreichte die Brücke nur um zu sehen, wie in Sekundenschnelle sein Schiff starb. Konsolen begannen Funken zu sprühen, das Licht flackerte und die Außenhülle gab langsam aber sicher nach.<br>20 Sekunden später verschwand der Frachter in einem Ball aus gleißendem Licht.<br><p align="center"><b>Kapitel 4</b></p><br>John Lewinski stand am Panoramafenster des Besprechungsraums an Bord der Profit. Bird, Sanchez, Smith, Alcazar und T`Kel hatten an dem langen Tisch Platz genommen und warteten darauf, wie es weiterging.<br>Es dauerte nicht lange, bis sich die Schotts des Raumes teilten und ein kleinerer Mann den Raum betrat. John erkannte sofort, dass es ein Ferengi in den mittleren Jahren war. Er trug die Admiralsuniform der Sternenflotte. Nach einigen Sekunden erkannte Lewinski den Admiral.<br>„Captain Lewinski. Meine Damen und Herren. Willkommen an Bord der Profit. Ich bin Admiral Nog." Nog blieb hinter einem Sessel stehen und legte seine rechte Hand auf der Lehne ab.<br>„Was ich Ihnen zu sagen habe, dürfte für Sie sehr unglaublich klingen. Sie und ihr Schiff wurden bei dem Versuch die Furien an dem Transfer in die Milchstraße zu hindern in die Zukunft geschleudert. Um genau zu sein 45 Jahre 4 Monate und 8 Tage. Wir haben jetzt Sternzeit 103558,7."<br>„Im 25 Jahrhundert." raunte Bird. Er musterte den Ferengi sehr genau.<br>„Ich werde ihnen nun einen kurze Zusammenfassung der letzten 45 Jahre geben, damit Sie wieder auf dem aktuellen Stand sind." setzte Nog fort. Er begann damit zu berichten, was mit Beginn der Invasion im Alphaquadranten passierte. Der Vortrag dauerte eine gute halbe Stunde, wobei sich Nog nur auf das Notwendigste und Wichtigste beschränkte.<br>Lewinski und seine Offiziere hörten geduldig zu, dennoch konnte John hinter den Mienen erkennen, dass seine Leute geschockt waren von dem, was der Admiral berichtete.<br><br>„Nun sind wir zum Briar-Patch unterwegs, wo sich eine unseren wenigen Basen außerhalb des Tholianischen Territoriums befindet. Die Monitor wird bereits wieder in Stand gesetzt."<br>„Danke, Admiral Nog. Wissen Sie, was aus meiner restlichen Crew wurde?"<br>„Ja, Captain. Der USS Enterprise ist es gelungen ihre Crew vollständig zu befreien, bevor sie auf einem Sklavenmarkt auf Vulkan für immer verschwunden wäre. Auch die Enterprise wird zum Briar-Patch fliegen und etwa 4 Tage nach uns eintreffen. Aber jetzt ist es besser, Sie ruhen sich aus, Captain. Denn es wird noch sehr viel zu tun geben."<br>„Ja, Sir." antwortete John.<br>Nog nickte nur kurz und verließ den Raum. Als sich das Schott schloss, wandte sich John an seine Crewmitglieder.<br>„Was halten sie davon?“<br>„Unglaublich, Sir. Ich kann es nicht fassen, dass wir versagt haben." antwortete Bird als Erster.<br>„Es scheint so. All dies hier ist das Resultat unseres Versagens.“ sinnierte Lewinski etwas niedergeschlagen.<br>„Wer sagt denn, Captain, dass es trotzdem geschehen wäre, selbst wenn wir Erfolg gehabt hätten?" fragte Denise Smith.<br>„Eine gute Frage. Vielleicht wissen diese Leute ja, wie man dieses Problem lösen könnte."<br>„Das hoffen wir alle, Captain. Wenn Sie nichts dagegen haben, will ich die Reparaturen unseres Schiffes beaufsichtigen.“<br>„Eine gute Idee, Miguel. Machen Sie es so. Smith und Alcazar. Sie werden Sanchez<br>unterstützen. Bird und T`Kel, sie werden sich hier etwas umhören. Man kann nie wissen und ich werde das Gleiche tun. Wir treffen uns in 3 Stunden in meinem Quartier wieder."<br>Nach diesen Worten von Lewinski trennten sich die Monitor-Crewmitglieder. Jeder wusste, was tun war, und das gab John wieder Zuversicht.<br><br>Endlich nach Jahrtausenden der Finsternis konnte man träumen. Nur ganz langsam und schwach entstanden wieder Verbindungen. Erinnerungen aus der Vergangenheit und Visionen aus der Zukunft bahnten sich ihren Weg aus der Tiefe an die Oberfläche aller Existenzebenen.<br>Die fehlenden Teile. Sie sind wieder zum Greifen nahe. Bald würde eine Wiedervereinigung stattfinden. Nachdem sich genügend Signalbahnen gebildet hatten, begann das Träumen.<br><br>Im dunklen Maschinenraum der Monitor lagen noch immer die Artefakte auf dem Boden verstreut herum. Wieder begannen sie zu glühen. Das Glühen wurde intensiver bis ein Subraumimpuls abgestrahlt wurde.<br><br>Ein dunkler Planet, seit über 5000 Jahren verlassen, erwachte sanft zum Leben. 32 Kilometer unter der Oberfläche wurden Schaltkreise aktiv. Energien erweckten eine gigantische Anlage zum Leben, die bald darauf einer gewaltigen Selbstsphäre Leben einhauchten. Mit einem Kreischen erwachte ein Bewusstsein, das bei jedem Volk der Galaxie als das pure Böse bekannt ist. Die Seele des Teufels erwachte.<br><br><i>200 000 Jahre zuvor...</i><br><br>Langsam trat Magana durch das Tor. Die Iconianer hatten einen Transfertunnel zu einer weiteren neuen Welt geöffnet. Vor weniger als einer Woche war bereits ein Team ausgesendet worden um diese Welt zu besuchen. Doch kurz nachdem sie dort angekommen waren, brach der Kontakt vollkommen ab.<br>Um sich Klarheit über das Schicksal des Teams zu verschaffen, entschied man sich dafür einen Suchtrupp los zu schicken.<br>Langsam setzte Magana einen Fuß vor den anderen. Die Welt, die sie betreten hatten war düster, kalt und flößte jedem hier anwesenden Iconianer Angst ein. Die Gegend, in der der Retransfer stattfand, wurde von schwarzen Felsformationen dominiert. Der Himmel war bewölkt und ein recht starker Wind frischte auf. Nichts schien auf die Anwesenheit des Teams hinzuweisen, obwohl der Retransfer an der gleichen Stelle stattgefunden hatte. Die Handscanner erfassten nur Störungen.<br>„Wo könnten sie hingegangen sein, Sir?" fragte einer von Maganas Untergebenen.<br>„Das lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Beginnen wir besser mit dem Standardsuchmuster. Wir treffen uns wieder in 3 Solarstunden. Beeilen wir uns solange es noch hier hell ist."<br>Magana musterte den Himmel während sich das Team aufteilte und nach ihren eigenen Leuten zu suchen begann.<br>Langsam aber sicher entwickelte sich der Wind zu einem Sturm. Der Wind peitschte über die Rasiermesser scharfen Felskanten, während sich die Iconianer etwas unsicher hindurch kletterten. Maganas Handscanner piepste aufgeregt. Eine Anzeige auf dem Subraumband und etwas im Infrarotbereich schien die Aufmerksamkeit des Iconianers zu erwecken. Schnell gab er einige Befehle in das kleine Gerät ein, um sich Klarheit darüber zu verschaffen, was er da soeben entdeckt hatte. Die Signale begannen zu schwanken. Dann wurden sie wieder stabiler.<br>Magana beobachtete dies einige Minuten lang, bevor er sich entschied den Anzeigen zu folgen.<br><br>Langsam tastete sich Magana an einer Felswand entlang in Richtung einer kleinen Schlucht.<br>Der Pfad war gerade so breit, dass er seinem Fuß gerade noch Platz bot. Krampfhaft hielt sich der Iconianer an der Wand fest, während er einen Schritt nach dem anderen tat. Rechts neben<br>Magana fiel die Wand steil abwärts ab. Er schätzte, dass es gut 500 Meter nach unten ging.<br>In seinem Geiste tadelte er sich, warum er sich zu dieser Wahnsinnstat hatte hinreisen lassen.<br>Aber die Anzeigen auf seinem Scanner konnte er nicht ignorieren. Er musste in Erfahrung bringen, was sich dahinter verbarg. Umso tiefer sich Magana vorwagte, umso stärker wurde der Wind - so stark, dass Magana schon befürchtete in die Tiefe gerissen zu werden. Doch er musste weitermachen, wenn er seinen Auftrag erfüllen wollte. Etwa 30 Meter vor ihm konnte er einen Felsvorsprung ausmachen, der es ihm erlaubte eine Rast einzulegen. Dankbar ließ er sich auf dem Vorsprung nieder. Angespannt begutachtete er abermals das Display seines<br>Scanners.<br>Laut der Anzeige musste sich ein Höhleneingang in 50 Meter Entfernung befinden. Von dort aus waren es nur noch 40 Meter bis zur Signalquelle.<br>Die restlichen 50 Meter erwiesen sich als die schwierigsten. Langsam tastete sich Magana in den Höhleneingang vor. Nun griff Magana nach seinem Scanner. Die Anzeigen wurden immer verwirrender. Nach einigen Sekunden gab es Magana auf, aus den Anzeigen schlau zu werden.<br>Auch sein Funkgerät schien nutzlos geworden zu sein. Dann traf Magana eine Entscheidung. Er begab sich tiefer in die Höhle. Die Luft wurde immer stickiger, der Schwefelgeruch wurde immer stärker. Magana hustete kurz und steckte sich ein Atemgerät in den Mund. Für die nächsten drei Stunden sollte ihn dies mit ausreichend Atemluft versorgen.<br>Vorsichtig leuchtete der Iconianer mit seiner Handleuchte den Gang aus. Die Wände wurden glatter. Bald gewann man den Eindruck, dass jemand diese bearbeitet hatte. Nach weiteren 40 Metern traf Magana auf ein Portal. Eine mächtige Tür aus Eisen versperrte ihm den Weg.<br>In dem Moment, in dem Magana zurückkehren wollte, hörte er Schreie. Zunächst konnte er sie nicht zuordnen und lauschte deshalb einige Minuten lang. Dann erkannte er, dass diese Schreie von Iconianern stammen mussten.<br>Doch wie sollte er zu seinen Leuten gelangen? Schnell musterte er die Tür, bis er einen seltsamen Griff entdeckte. Magana betätigte ihn und die Tür ging knarrend auf. Dieses Geräusch bescherte Magana mehr Gänsehaut, als es die Schreie seiner Leute taten. Als die Tür soweit offen war, dass Magana durchschlüpfen konnte, war er auch schon in dem Korridor, der sich fast unendlich vor Magana zu erstrecken schien.<br>Wieder die Schreie, die von Angst und Pein erfüllt waren. Magana beschleunigte seinen Schritt bis er rannte. Er musste seinen Leuten zu Hilfe eilen. Er rannte....und rannte....<br><br>Er rannte weiter...immer weiter...immer weiter...immer weiter...Doch es war niemand zu sehen.<br>... Niemand... wo waren seine Leute? Warum hörte der Korridor nicht mehr auf? Maganas Gedanken zerfaserten sich zusehends und er rannte immer noch weiter...weiter...weiter...weiter...<br><p align="center"><b>Kapitel 5</b></p><br><i>Im 25. Jahrhundert...</i><br><br>Arena Tellom schlich sich durch die Schiffsbibliothek der Enterprise G. Seit 6 Stunden befanden sie und die restliche Crew der Monitor sich an Bord der Enterprise. Matt Price war schon seit 5 Stunden beim Captain der Enterprise. Seit Matt weg war, hatte sie nichts mehr vom ihm gehört.<br>Doktor Fraiser kümmerte sich in der Zwischenzeit um die Crew der Monitor, versuchte die Moral zu heben. Die Nachricht, dass der Captain und die anderen vermissten Offiziere mit der Monitor lebend gefunden worden war, besserte die Stimmung merklich. Professor Emanuel Desoto hatte sich nach einer kurzen Unterredung mit Kirk und Price in die Bibliothek zurückgezogen, um weitere Nachforschungen über die Technologien der Furien und der Goald anzustellen. Hierbei wurde Desoto von Ardev und Arena unterstützt. Unermüdlich machte sich der Mann in den mittleren Jahren daran, nach Möglichkeiten zu suchen, die dazu beitragen würden, die Situation zu retten.<br>Nach drei Stunden erklärte sich Arena bereit, ihnen drei Tassen mit Kaffee zu bringen. Wenige Minuten später war sie mit einem Tablett und drei Tassen Kaffee zurückgekehrt. Als sie sich den Beiden näherte, bemerkte sie, dass die Beiden wie gebannt sich einige technische Zeichnungen ansahen, die Arena nicht sofort zuordnen konnte. Leise stellte sie die Tassen auf einem Tisch neben der Konsole ab und betrachtete sich ebenfalls das Display.<br>„Der Kaffee ist fertig." murmelte sie, weil sie fürchtete die beiden Männer bei der Suche zu stören.<br>„Danke Schatz." Ardev nahm die Tasse entgegen, die er von seiner Frau gereicht bekam.<br>„Was ist das?" stellte Arena ihre Frage. Ardev legte seine Fühler an und runzelte seine Stirn.<br>„Wir wissen das selbst noch nicht genau, Schatz. Aber Professor Desoto und ich vermuten, dass es sich um eine Art Transphasentechnologie handelt.“<br>„Dies hier schein eine temporale Kontrollmatrix zu sein. Warte Ardev, mir fällt gerade was ein." Arena hatte sich an eine Nachbarkonsole gesetzt und einige Befehle in diese eingegeben.<br>„Was haben Sie im Sinn, meine Liebe?" fragte Desoto.<br>„Wenn ich das richtig erkannt habe, dann ist dies eine gewaltige Matrix. Erschaffen, um ein System in Betrieb zu nehmen, das eine Reichweite von 40000 Kubik Lichtjahre beinhaltet. Und wenn ich diese Amplitude im Interraumband richtig deute, wurde von dieser Matrix aus mit Frequenzen operiert, die denen der Angstprojektoren ähneln. Mit anderen Worten, man könnte die halbe Galaxie damit in Angst und Schrecken stürzen. Zumindest alle Spezies, die man auf diesen Frequenzen manipulieren kann."<br>„Das war gut, Lieutenant. Mir war auch der Gedanke gekommen, dass es sich um dies handeln könnte." lobte Desoto Arena.<br>„Wenn man diese Matrix für immer stilllegen könnte, dann hätte die Sternenflotte und alle anderen eine reale Chance, die Invasion mit konventionellen Mitteln abzuwehren. Denn wenn diese Matrix zum Einsatz kommt..."<br>„... wird kein einziger Schuss fallen, wenn die Furien ihr Paradies von uns zurückerobern.“ beendete Arena den Satz für Desoto.<br>„Jetzt heißt es, sich daran zu machen, herauszufinden, wo sich diese Matrix befindet."<br>„Und danach?" fragte Ardev Desoto.<br>„Werden wir erörtern, wenn es soweit ist."<br>„In Ordnung, Professor. Ich werde Matt Informieren." Arena berührte ihren Kommunikator.<br><br>Matt Price stand kurz wie angewurzelt, da als ihm Ortunis gegenüber trat. Aus der Nähe betrachtet sah die Furie sehr eindrucksvoll aus. Etwas mehr als 2 Meter groß, breite Schultern und gewaltige Hörner auf dem Kopf verliehen dem Wesen etwas Dämonisches. Die gelben Augen, die permanent zu glühen schienen, fixierten den ersten Offizier der Monitor. Nach einigen Sekunden überwand Matt seine Starre.<br>„Endlich begegnen wir uns in der realen Welt, Commander." donnerte Ortunis Stimme wie ein herannahendes Gewitter.<br>"In der Tat, Vergo Ortunis." Ein unbehagliches Schweigen machte sich breit.<br>"Ich bin beeindruckt." versuchte die Furie das Schweigen erneut zu brechen." Sie haben allen Gefahren getrotzt. Aber dennoch."<br>"Haben wir offensichtlich versagt. Und das nicht zum ersten Mal." Ortunis bedachte Matt mit einem wissendem Blick.<br>"Captain Kirk hat mich unter Missachtung der temporalen Direktive über die Ereignisse informiert, die zu der Situation, wie sie nun ist, geführt hat. Was ist nur schief gegangen, Ortunis?"<br>"Das weiß niemand mit Sicherheit. Deshalb haben wir sogar einen Kundschafter zu ihnen ausgesandt, der die entscheidenden Information beschaffen soll."<br>"Lieutenant Keng."<br>"So ist es. Dennoch, trotz unseres Scheiterns könnten wir die Möglichkeit gefunden haben, den Goald und ihrer Schreckensherrschaft ein Ende zu bereiten. Sobald sie mit dem Rest der Mannschaft und der Monitor vereint sind, können wir beginnen." Matt rieb sich die Schläfe.<br>Erschöpfung machte in ihm breit.<br><br><i>Der Planet Vulkan</i><br><br>Seit 45 Jahren war kaum ein Sonnenstrahl der beiden Sonnen des Eridani A Systems nach Vulkan vorgedrungen. Eine pechschwarze Wolkendecke bedeckte den gesamten Planeten.<br>Blitze zuckten mit mehreren Gigawatt Leistung vom Himmel herab und versorgten gewaltige Kollektoren mit Energie. Ein Komplex, der aus schwarzem Obsidian zu bestehen schien, schmiegte sich an einen Berg. Die gewaltigen Ausmaße mussten jeden Besucher automatisch einschüchtern.<br>Ein schmaler Strom aus Furien, Goald und einigen wenigen Vulkaniern verkehrte zwischen dem Komplex und den Resten der Hauptstadt des Planenten. Etwas nervös betastete eine Furie ihren Beutel, den sie sich über die linke Schulter gelegt hatte. Darin befanden sich einige isolinerare Chips mit Zugangscodes, die man benötigte um in die Ratshalle zu gelangen.<br>Nachdem sich die Furie vergewissert hatte, dass die Chips da waren, setzte sie ihren Weg mit gesenktem Kopf weiter. Keiner in diesem dunklen Strom aus Wesen hob seinen Kopf. Jeder vermied den Blick des Anderen. Dies war schon so seit Anbeginn.<br>Und erleichterte der Furie auch immens ihre Aufgabe. Die Schlangen, die sich auf ihrem Kopf hin und her wanden, beruhigten sich wieder. Minutenlang hatten sich diese Wesen gegenseitig attackiert. Das sicherste Anzeichen dafür, dass die Furie unter Stress stand.<br>Einen Schritt nach dem anderen setzte die Furie, während sie sich auf den Haupteingang zu bewegte.<br>Kaum einer sprach ein Wort. Nur das Knirschen des Staubs, der überall auf dem Boden lag, war zu hören, während die Furien mit schweren Schritten dahin gingen. Vor der Furie tat sich ein gewaltiges schmiedeeisernes Tor auf, das mindestens 40 Meter hoch und 20 Meter breit war. Ein kleines verborgenes Interface war das Ziel der Furie, die gleich darauf einen Chip aus dem Beutel nahm und ihn in den Leseschlitz steckte. Ein leiser Brummton signalisierte, dass der Code, der auf dem Chip gespeichert war, korrekt war. Mit einem Knacken wurde der Chip wieder freigegeben. Nun durchquerte die Furie eine gewaltige Halle deren Kuppeldach stark gewölbt ist. Die Beleuchtung war ziemlich gedämpft und Nebel waberte in Bodennähe umher.<br>Die Luft wurde immer mehr feuchter und roch muffig. Obwohl man nach menschlichen Begriffen bald nicht mal mehr die Hand vor Augen sehen konnte, fand die Furie zielstrebig die richtige Treppe, die auf die dritte Ebene des Komplexes führte.<br>Überall waren Wachen postiert, die mit Schwertern und Phasern still standen und im Gegensatz zu den anderen starr geradeaus blickten. In den Wänden und Säulen waren Waffendetektoren eingebaut. Diese waren geschickt unter den Verkleidungen versteckt, die mit Hieroglyphen übersät waren.<br>Wieder kam die Furie an einer Konsole vorbei, wo sie sich wieder erneut identifizieren musste. Geduldig nahm die Furie einen weiteren Chip aus dem Beutel und führte sie in den Leseschlitz ein. Wie erwartet, wurde auch dieser Code akzeptiert. Bis jetzt scheint alles glatt zu laufen, dachte die Furie und merkte, wie sich die Anspannung nun leicht löste. Die Halle des Rates war nur noch wenige Korridore entfernt.<br>Dort würde sie sich dann Informationen beschaffen, die für die Konföderation von größter<br>Wichtigkeit waren. Seit dem Auftauchen des Raumschiffes der Defiant-Klasse wurden beide Seiten aktiv. So aktiv, dass jede Seite den Argwohn und Neugier der anderen weckte. Beide heckten was aus. Das konnte jeder spüren. Es ging um die Artefakte, um die Technologie der ersten Stunde. Und jeder war darauf erpicht, es vor dem anderen zu bekommen, um sich somit für immer die Herrschaft über das Paradies zu sichern.<br>Für die eine Seite war es eine Frage des Machterhalts, für die andere eine Frage des Überlebens. Denn würden die Unreinen verlieren, wäre es ein für alle mal zu Ende mit ihnen.<br>Dann wären sie bestenfalls nur noch Fußnoten in den Geschichtsbüchern der Galaxie.<br>Selbst den Furien drohte dies zum Schicksal zu werden. Längst sind die Furien zu Verbündeten zweiter Klasse geworden, obwohl Beide sich offiziell gegenüber Loyalität versicherten, schwellte im Untergrund schon längst ein Bürgerkrieg. Immer mehr Furien schlossen sich der Konföderation an, die sich mit dem Tholianern gegen die Goald stellte, die mit ihnen kollaborierten.<br>Dieser Konflikt würde bald in eine entscheidende Phase treten, das spürte die Furie ganz genau. Nur noch wenige Meter. Eine weitere gewaltige Eisentür versperrte der Furie den Einlass zur Ratshalle. An der Tür standen Wachen, die jeden aufmerksam beobachteten. Die Furie ging auf die Wache zu.<br>„Was ist Euer Begehren?“<br>„Ich wünsche an der 5 Sitzung teilzunehmen.“ Die Furie reichte der Wache einen weiteren Chip aus dem Beutel, den die Wache in ein Hand Lesegerät steckte. Nach einigen Sekunden kam die erwartete Freigabe. Die Wache gab den Chip der Furie wieder zurück und signalisierte mit einem Nicken, das sie eintreten konnte. Das Nicken wurde von der Furie erwidert. Nun betrat die Furie die gewaltige Ratshalle. Gewaltige Fackeln, die von Duranium Haltern gehalten wurden, lieferten das einzige Licht in diesem Raum. Nebel quoll auch hier aus mehreren Belüftungsschächten heraus und schufen somit ein feuchtheißes Klima in der gewaltigen Halle.<br>Nicht alle Ratsmitglieder waren anwesend. Etwa ein Drittel der sonst üblich anwesenden Mitglieder war zugegen. Die Furie setzte sich in eine dunkle Ecke, wo man ihr kaum Beachtung schenkte und aktivierte unbemerkt ein kleines Aufnahmegerät. Es würde nicht lange dauern und dann würden die Mitglieder hier erläutern, was sie als nächstes zu tun gedachten, um die Konföderation ein für allemal auszulöschen.<br><br>Fast regungslos saßen die Ratsmitglieder an ihren Plätzen, die in Form eines Hufeisens angeordnet waren. Kleine Desktopcomputer erhellten die Szene nur schwach, als sich die Ratsmitglieder über den neuesten Stand informierten. Dieses Ritual dauerte meistens 3 Stunden, bevor auch nur ein Wort gesprochen wurde.<br>Da einige der Furienspezies telepathisch veranlagt waren, fand schon lautlos auf der Ebene ein Austausch an Informationen statt. Die Furie beobachtete abwechselnd seine Artgenossen und die Vertreter der Goald. Man konnte es spüren, dass inzwischen keiner dem anderen mehr traute.<br>Seit die ersten Furien sich gegen die Goald erhoben und mit den Unreinen vereint haben.<br>Seither wurden die übrigen Furien wie Alliierte zweiter Klasse behandelt. Offiziell herrschte Eintracht, aber selbst diese Lüge würde bald nicht mehr haltbar sein. Ein Funke genügte, dachte die Furie, um einen Bürgerkrieg auszulösen. Die Sitzungen hatten nur noch symbolischen Wert, in Wirklichkeit arbeitete man gegen die andere Seite mit voller Kraft.<br>Daher wunderte es die Furie auch, dass es nicht sonderlich oft zu offensichtlichen Feindseligkeiten kam.<br>Das Schweigen nahm nun allmählich ein Ende. Schnell wurden noch letzte Punkte untereinander ausgetauscht, bevor der Ratsälteste sich erhob und mit einer Handbewegung die Sitzung offiziell eröffnete.<br><br>„Orphis, Vergo der Karth. Trete vor und berichte uns.“ donnerte die Stimme des Ältesten. Eine Furie, deren Kopf so aussah wie der des irdischen Teufels, trat hervor und verneigte sich kurz.<br>Die gelben Augen blitzten auf, als er sich wieder erhob.<br>„Das Schiff der Unreinen, die Monitor, ist hier angekommen. Die Flotte der Unreinen hat sich des Schiffes bemächtigt, ebenso der Mannschaft. Die Artefakte befinden sich ebenfalls in deren Besitz, mein Lord.“<br>„Das ist unmöglich!“ protestierte einer der Goald-Delegierten. Der Ratsälteste bedachte diesen mit einem eisigen Blick.<br>„Doch dem ist so. Die Menschen sind zwar Unreine. Aber man darf nie den Fehler begehen sie zu unterschätzen. Selbst wenn man sie besiegt hat, sind sie noch eine Bedrohung.“<br>„Dann sollten wir die Menschen ausrotten.“ warf der Goald ein.<br>„Wenn Sie so denken, mein Freund.“ Dem Ältesten blieb dieses Wort im Halse fast stecken.<br>„Dann können wir genauso gut den ganzen Quadranten entvölkern. Die Menschen sind nicht die einzigen, die so agieren. Aber wir brauchen sie. Zumindest im Augenblick noch.“ Der Goald nickte leicht. Die Furie aber erkannte von ihrem Platz aus, dass dieser nicht zufrieden war. Er gab nur für den Augenblick Ruhe, um den Bericht des Vergos weiterverfolgen zu können.<br>„Im Moment befinden sich zwei Schiffe der Unreinen auf dem Weg zum Briar-Patch. Die Enterprise und die Profit. Ein getarnter Langstreckenscout begleitet sie in sicherer Entfernung.“<br>Orphis beobachtet wieder alle Anwesenden im Raum. Die Preisgabe der Information sollte nur eine Reaktion der Goald heraufbeschwören. Jeder Eingeweihte hoffte, dass die Enterprise und die Profit genug Vorsprung hatten, um den Goald ein Schnäppchen zu schlagen.<br>Was nicht mal die Furie wusste, sondern nur der Ratsälteste und Orphis: Der Scout war eines der wenigen Furienschiffe, die unter der Flagge der Konföderation unterwegs war. Deren Besatzung musste sehr sorgfältig ausgewählt werden, um die Unterwanderung von Agenten der Goald zu verhindern. Doch Orphis bezweifelte, ob dies auch ganz gelungen war. Für den Fall hatte der Kommandant des Scouts den Befehl das Schiff zu sprengen, um sicherzustellen, dass keine Informationen zu den Goald vordrang.<br>„Ausgezeichnet Orphis, Vergo der Karth. Verfahren Sie weiter nach Plan.“<br>„Wie Sie wünschen, mein Lord.“ Orphis verbeugte sich tief. Dann zog er sich langsam ohne weitere Worte wieder ins Dunkel der Halle zurück. Nur die schweren Schritte von Orphis waren noch für einige Sekunden zu vernehmen. Für einige Momente machte sich nun etwas Unruhe in den Reihen der Goald breit. Viele von ihnen steckten die Köpfe zusammen und berieten, was jetzt zu tun sei. Der Älteste der Furien schätzte ab, was sich da abspielte. Nach einigen Sekunden kam er zu der Erkenntnis, dass die Goald den Köder wohl schlucken würden.<br>Zufrieden hob er seine gewaltigen Hörner. Zwar wurde nicht viel gesagt. Aber das, was nicht gesagt wurde, hatte hier mehr Gewicht. Das wusste auch die Furie, die sich immer noch auf ihrem Platz im Dunkeln aufhielt. Zunächst wartete sie ab, was sich noch abspielte, bevor sie dann doch das Aufnahmegerät abschaltete. Leise und sicher verstaute sie das kleine Gerät in einer Innentasche seiner Kutte.<br><br>„Sie werden ihren Mann warnen, das ist ihnen wohl klar, mein Lord?“ Der Ratsälteste drehte sich um. Die Furie, die ihn ansprach, war Orphis. Mit einer Handbewegung gab er dem Vergo der Karth zu verstehen, dass er fortfahren konnte.<br>„Warum haben Sie das getan?“<br>„Weil die Zeit reif ist, mein Freund. Die Menschen haben die Artefakte zusammengetragen, die einst unserem Volk einen beispiellosen Aufstieg bescherten.“<br>„Und einen ebenso dramatischen Untergang, Alara.“ Orphis sprach den Ratsältesten mit seinem Rufnamen an, den nur wenige Furien aussprechen durften. Orphis zählte zu diesem Kreis.<br>„Ich kenne die Legende, in der vor fast 6000 Jahren unsere Vorfahren die Artefakte auf einer ehemaligen Kolonie der Iconianer gefunden haben. Viele glauben heute noch, dass dies Märchen sind, Orphis.“ Er blickte seinem alten Freund fest an.<br>„Das ist nicht dein Ernst, Alara.“<br>„Oh doch, mein Freund. Die Matrix, wie sie von den Historikern der Menschen und einiger anderen Welten genannt wird, ist kurz davor gefunden zu werden.“<br>„Das ist nicht möglich.“<br>„Muss es aber. Seit 45 Solarjahren muss dies der Fall gewesen sein. Die Matrix wurde aktiviert. Vermutlich per Zufall, als die Goald nach ihr suchten und zunächst einige verschollene Transferanlagen gefunden hatten. Die Kontaktaufnahme zu uns in dieser Zeit war kein Zufall, wie man noch bis heute berichtet. Sie war eiskalt mit einkalkuliert.“<br>„Man hat uns also nur benutzt, um an diese Technologie zu gelangen.“ Alara nickte nur stumm. Orphis ballte seine Klauen ähnliche Hände zu Fäusten. Zorn schwelte in seinen gelben Augen.<br>„Du weißt, Orphis, dass unser Volk einen offenen Konflikt mit den Goald nicht überstehen würde. Die Chancen, dass wir dann für immer untergehen werden, sind zu groß. Deshalb haben wir uns mit den Menschen im Geheimen verbündet. Einst waren die Menschen unsere Feinde, doch durch die Ironie des Schicksals sind es genau wieder Menschen, die unseren Fortbestand sichern werden. Die Menschen müssen die Matrix zerstören um jeden Preis. Um unser aller und ihret Willen. Falls hier noch irgendetwas eine Zukunft haben soll.“<br>„Warum können wir die Matrix nicht für unsere Zwecke nutzen?“<br>„Weil sie Macht verheißt, Orphis. Unsere Vorfahren konnten nicht mir ihr umgehen, und die Goald schon gar nicht.“<br>„Also muss sie vernichtet werden. Und wie soll das geschehen? Wir wissen ja nicht einmal, wo die Matrix ist.“<br>„Die Antwort liegt in den Artefakten, die die Menschen gefunden haben. Wir indessen müssen gewährleisten, dass den Menschen und ihrem Schiff nichts zustößt.“<br>„Ich verstehe, Alara. Ich werde persönlich dafür Sorgen, dass die Monitor Erfolg haben wird.“<br><p align="center"><b>Kapitel 6</b></p><br><i>3 Tage später...</i><br><br>Langsam flog die Enterprise einen Asteroidengürtel in einem unbekannten System des Briar-Patches an. Es dauerte nicht lange und die Enterprise war von mehreren größeren Brocken umgeben. Vorsichtig schwebte das gewaltige Schiff hindurch, bis es sich einem etwa 40 Kilometer großen Planetoiden näherte. Auf den ersten Blick war dies nur ein gewaltiger Felsbrocken inmitten des Alls. Doch der Eindruck täuschte.<br>Als die Enterprise sich auf 30 Kilometer dem Planetoiden genähert hatte, meldete sich eine Stimme über die Brückenlautsprecher.<br>„Enterprise, hier Starbase 3. Beginnen sie mit Andockmanöver in 10 Sekunden, Gate 4.“<br>„Hier ist die Enterprise, haben verstanden. Passieren Gate 4 in 10 Sekunden.“ antwortete Kirk ruhig.<br>Matthew Price, der ebenso wie die restlichen Monitor Senioroffiziere sich auf der Brücke aufhielt, hielt den Atem an. Er versuchte nach einer Öffnung, einem sich teilenden Raumschott Ausschau zu halten. Doch er sah nur eine massive Felswand, die auf das Schiff zukam.<br>Unbewusst verkrampften sich die Hände des Betazoiden. Aber was konnte er jetzt noch tun?<br>Nur noch Sekunden, die der Planetoid von der Enterprise trennten. Dann füllte die Felsstruktur den ganzen Sichtschirm aus. Instinktiv schloss Matt die Augen, zwang sich aber diese wieder zu Öffnen. Gerade rechtzeitig, um zu sehen, dass die Enterprise durch das Gestein flog.<br>Dieser Flug durch das massive Gestein dauerte 5 Sekunden, dann wurde ein Raumdock sichtbar, in dem noch 5 weitere Schiffe anwesend waren.<br>Matt zählte einen Ferengi-Kreuzer, zwei Schiffe der Intrepid- und je eines der Galaxy- und der Ambassador-Klasse. Jedes dieser Schiffe wies sichtbare Modifizierungen auf. Etwas weiter hinten gab es ein weiteres Raumdock.<br>Dort konnte Matt ein Raumschiff der Defiant-Klasse ausmachen, dessen Hülle stark lädiert war.<br>Selbst aus der Ferne konnte man erkennen, dass mehrere Technikerteams auf der Hülle sich bewegten und Reparaturen vornahmen.<br>Sanft glitt die Enterprise ihrer Anlegestelle entgegen. Das nun folgende Prozedere kannte Matt zu gut. Es hatte sich seit Jahrhunderten kaum verändert.<br>Als die letzten Befehle ausgeführt und man die Vibrationen der sich schließenden Andockklammern als dumpfes Poltern wahrnahm, war die Enterprise festgemacht.<br><br>John Lewinski lehnte sich auf ein Geländer einer Aussichtsplattform, die sich über dem Trockendockbereich befand und ihm einen Blick auf die Monitor ermöglichte, die unter ihm von Traktorstrahlen gehalten wurde.<br>Seit 20 Stunden befand er sich und seine restlichen Offiziere auf der Starbase 3. Die Monitor war nach dem Andocken sofort in dieses Trockendock gebeamt worden. Seither machten sich Techniker der Station unermüdlich daran, das Schiff wieder in Stand zu setzen. Mehrere hellen Stellen zeugten davon, dass hier Hüllenbrüche versiegelt wurden. John fand, dass die Monitor dadurch ein bizarres Fleckenmuster erhielt. Dennoch waren nicht alle rußgeschwärzten Stellen beseitigt. Die Warpgondeln waren immer noch leere Hüllen. Der Angriff hatte das Triebwerk vollkommen verglühen lassen. Obwohl die Techniker auf der Profit ihr Bestes gaben die<br>Triebwerksüberreste zu beseitigen, holten sie immer noch Überreste des Triebwerks heraus.<br>Im Hintergrund konnte John sehen, wie schon das neue Warptriebwerk bereitstand, gehalten von einem Traktorstrahl.<br>„Achtung, Achtung. Ankunft Raumschiff Enterprise Dock 4. Wiederhole Ankunft Raumschiff Enterprise Dock 4.“ tönte eine Melodische weibliche Stimme über die Kommsysteme. John drehte den Kopf automatisch nach Rechts.<br>Er musste sich beherrschen nicht die Augen erneut aufzureißen, als er das Schiff aus dem Fels heraus gleiten sah. Langsam und elegant glitt die Enterprise ihrer Anlegestelle entgegen.<br>Nach einigen Sekunden löste John den Blick von der anlegenden Enterprise und sah noch mal auf sein Schiff. Inzwischen liefen wieder die Notaggregate auf der Monitor. Der Impulsreaktor würde in den nächsten 8 Stunden wieder ans Netz gehen. Das Warptriebwerk hingegen würde erst in 2 Tagen frühestens seinen Dienst aufnehmen können.<br>Miguel Sanchez und T`Kel waren seit wenigen Stunden selbst auf der Monitor, um die Reparaturen weiterhin zu überwachen. Der Spanier hatte Lewinski bis jetzt nur karge Berichte über die Fortschritte der Reparaturen zukommen lassen. Trotz des technologischen Vorsprungs von 45 Jahren würde es seine Zeit dauern, bis man aus diesem Wrack ein wieder voll funktionstüchtiges Schiff bekam.<br><br>Bird, Smith und Alcazar waren auf der Brücke der Monitor und versuchten im Moment den Hauptcomputer wieder zum Laufen zu bringen. Nach den Berichten des Sicherheitschefs der Monitor zu urteilen, war der Speicherkern der Monitor nur noch ein gewaltiger Haufen Schrott.<br>Lediglich die Backups konnte man einigermaßen sichern. Bis diese aufgespielt werden konnten, würde es ebenfalls noch Stunden dauern.<br>Nun war mit der Enterprise auch seine restliche Crew eingetroffen. Fast 4 Tage lang war alles im Ungewissen. Nun konnte John hoffen. Hoffen, dass die Mission doch noch nicht verloren war.<br><br>Ein leiser Summton ließ Admiral Nog seinen Blick auf die Tür seines Bereitschaftsraumes schwenken.<br>„Herein.“ forderte der Ferengi auf. Lieutenant Keng hatte inzwischen wieder seine Uniform angelegt, Er blieb 2 Meter vor dem Tisch des Admirals kerzengrade stehen.<br>„Mission ausgeführt, Sir.“ meldete der Klingone knapp. Nog schmunzelte kurz. Dann blickte er zu ihm auf.<br>„Ausgezeichnet. Setzen Sie sich bitte und berichten Sie.“ Keng nickte und nahm auf einem der Sessel Platz, die vor dem Schreibtisch des Admirals standen.<br>„Die Artefakte sind komplett. Die restlichen sind in unserem Besitz. Laut Professor Desotos Daten dürfte es nur noch eine Frage von Stunden sein, die Matrix zu lokalisieren, Sir.“<br>„Fahren Sie fort Keng.“<br>„Ich selbst konnte die Daten kurz einsehen. Die Monitor hätte die Invasion damals nicht aufhalten können, selbst wenn die Transferanlage zerstört worden wäre. Sie wäre bestenfalls um ein Jahr aufgeschoben worden. Dennoch war es vielleicht gut so, dass die Monitor als Wrack beim Sprungpunkt geendet ist. Wenn die Goald den Computerkern und die Artefakte aus dem Wrack der Monitor geborgen hätten.“<br>„Würden wir nicht hier sitzen und dieses Gespräch führen. Danke, Lieutenant.“ ergänzte Nog.<br>„Im Moment haben wir also den Vorteil, dass wir die alleinigen Informationen über den Verbleib der Matrix in der Hand haben. Diesen werden wir auch nicht aus der Hand geben. Mr. Keng. Ich werde Sie auf die Monitor versetzen. Ich befehle Ihnen hiermit, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um den Erfolg der Mission zu garantieren.“<br>„Verstanden, Admiral.“ Keng wollte Anstalten machen zu gehen, als er noch mal seinen Vorgesetzten ansah.<br>„Ja, Mr. Keng?“<br>„Da wäre noch was, Admiral.“ Nog forderte stumm den Klingonen auf weiter zu sprechen.<br>„Captain Lewinski hat mein volles Vertrauen erworben. Er ist ein tapferer Mann, ein wahrer Krieger. Ich werde sein ehrenhaftes Anliegen unterstützen. Es gibt nur wenige Menschen, die ohne zu Zögern in einer Schlacht in den Tod gehen würden, um Ehre zu erlangen.“ Aus dem Munde eines Klingonen war dies ein überschwängliches Lob für Lewinski. Es gab nur wenige Menschen, denen Klingonen bedingungslos folgen würden. Zu jenen zählten Picard, Sisko und nun auch Lewinski.<br>„Zur Kenntnis genommen, Lieutenant. Melden Sie sich nun bei Captain Lewinski. Wegtreten Mr. Keng.“<br>„Aye, Sir.“ Keng verließ den Raum.<br>Nogs Blick wanderte zu einem Foto, das auf seinem Schreibtisch stand. Es zeigte ihn als Fähnrich seinen Onkel Quark, Rom, Leeta und Jake Sisko.<br>Langsam nahm er es in die Hand und betrachtete es sich lange.<br>„Nicht mehr lange, Freunde und dann werden wir alle vereint sein. Und all dies, wird nur ein böser Traum gewesen sein.“ Nach dem Nog diese Worte geflüstert hatte, stellte er das Bild wieder an seinem Platz ab.<br><br><i>An einem Ort Jenseits von Raum und Zeit...</i><br><br>Wie lange renne ich schon? Wo renne ich hin?<br>„Margana! Margana, hier sind wir!“ Von überall her hallten die Rufe dem jungen Iconianer entgegen. Atemlos setzte er seinen Weg immer weiter fort. Vor wenigen Augenblicken hatte Margana vollkommen das Zeitgefühl verloren. Als die Schreie lauter wurden, versuchte Margana heraus zu finden, woher diese Rufe kamen. Das gespenstische Echo ließ Margana kurz zusammenzucken. Noch nie hatte er solch unheimlich klingenden Stimmen gehört. Und dennoch klangen sie vertraut.<br>Versuchten ihn etwa seine Teamkollegen zu rufen? Möglich wäre es. Sie müssen doch hier irgendwo hingegangen sein. Wo waren die Anderen? Außer dem gab es nur diesen Korridor hier, der nicht aufzuhören scheint. Margana fasste sich an die vor Schweiß nasse Stirn. Es schien wohl keinen Sinn zu machen, umzukehren. Und hier warten brachte auch nichts.<br>Margana atmete nochmals tief durch und rannte weiter. Immer weiter.<br><br>Wer nähert sich da? Wer wagt es mich zu Stören? Unruhe und Neugierde erwachten in einer gewaltigen Selbstsphäre.<br>Langsam tasteten die emphatischen Fühler nach dem Neuankömmling. Ganz sanft, so dass er diesen Scan nicht bemerken konnte. Nach einigen Minuten zog die Selbstsphäre ihre emphatischen Fühler zurück. Nach all den Jahren… ist eine Kreatur hier, die es Wert ist, hier einzudringen. Nicht so ein Individuum, das wie viele andere nur wegen Gier und Machthunger hier vordrangen. Komm her, mein neuer Freund. Komm zu mir.<br>Seit Stunden war die Selbstsphäre dabei gewesen sich wieder zu erinnern. Zu verstehen, was geschehen war. Zu begreifen, was noch zu tun war.<br>Langsam lenkte sie den jungen Iconianer in die richtige Richtung. Bald würde das Rennen ein Ende haben… bald, sehr bald.<br><br>Nebel begann im Korridor zu wabbern. Je weiter Margana lief, umso dichter und höher wurde er. Was hatte das zu bedeuten? Ihm kam es bald so vor, als ob er beobachtet wurde und derjenige darauf reagierte. Wenn dies zuträfe, dann gab es vielleicht auch Hoffnung auf das vermisste Team zu treffen.<br>Diese Erkenntnis ließ Hoffnung in Margana heranwachsen, der auch seinen Schritt zu beschleunigen schien. Bald meine Freunde, bald werden wir wieder nach Hause gehen. Mit einem entschlossenen Gesichtsausdruck erreichte Margana eine große Halle. Schnell blieb er am Torbogen stehen und sah sich um. Ein unheimliches Halbdunkel herrschte in der gewaltigen Halle. Niemand war zu sehen. Aber es musste jemand hier sein. Sonst würden hier keine Fackeln als Beleuchtung dienen und von selbst zünden die sich nicht an.<br>Als nach angestrengtem Lauschen immer noch nichts auszumachen war, begab sich Margana in die Halle. Keine 4 Schritte weiter war sich Margana bewusst, das er nicht alleine hier war.<br><br><i>Im 25 Jahrhundert...</i><br><br>„Ich hätte nie gedacht, sie noch mal zu sehen, Imzadi.“ Matt Price blickte ein wenig erleichtert auf die Monitor, die friedlich im Trockendock lag.<br>„Ich auch nicht, Matt. Sie muss sehr beschädigt worden sein. Der Rumpf gleicht einem Giraffenmuster.“ Matt nickte.<br>„Kommt Leute. Der Captain erwartet uns auf der Brücke.“ Ein kleiner Strom aus Offizieren und Crewmitgliedern der Monitor bahnte sich den Weg durch den Andocktunnel, der das Schiff mit der Station verband. Überall konnte man die Kabel der Versorgungsleitungen sehen, die das Schiff wie einen Patienten, der am Tropf hing, am Leben erhielten.<br>Die Korridore der Monitor waren wieder einigermaßen erhellt. Hier und da lagen noch die Reste nicht beseitigter Trümmer. Dennoch verriet der Geruch von frischen Plastik und Duranium, dass man hier schon einiges getan hatte. Techniker in senfgelben Overalls werkelten fleißig an Konsolen und an den Zugängen zu den Jeffriesröhren. Nach den Berichten zu urteilen, die Matt kurz nach der Ankunft erhalten hatte, war dies hier fast eine komplett neue Monitor. Vom Schiff war nur noch eine Hülle übrig gewesen. Das Warptriebwerk, die Waffen - alles war ausgebrannt gewesen.<br>Matt bog nun um die letzte Ecke, bevor sie das Schott der Brücke erreichten, das sich sofort vor dem Betazoiden teilte.<br>Auf der Brücke fand er Lewinski, Bird, Alcazar und Smith vor. Die anderen waren im Maschinenraum beschäftigt, weswegen Sanchez die Konferenz auf dem Monitor mit verfolgen würde. In Lewinskis Gesicht zeichnete sich Freude ab seine Mannschaft, seine „Familie“, wieder zu sehen.<br>„Schön, Sie alle wieder an Bord zu haben.“ begrüßte Lewinski seine Besatzung.<br>„Schön, auch Sie wieder zu sehen, Skipper.“ Lewinski bedeutete seinen Offizieren sich in den hinteren Teil der neu aufgebauten Brücke zu begeben. Die Luft wurde vom Geruch des neuen Teppichs beherrscht. Nach dem sich alle um den Tisch versammelt hatten, tippte Lewinski einige Befehle in das LCARS-Bedienfeld ein, das vor ihm auf dem Tisch eingelassen war.<br><br>Auf dem Display wurde eine alte Sternenkarte sichtbar, auf der sich Symbole im alten Iconianisch formierten.<br>„Diese Karte zeigt ein Gate-System auf mit einem Zentrum. Die Koordinaten dieses Zentrums waren für viele Jahrtausende verschollen. Doch wir scheinen nun mit Hilfe von Professor Desoto unfreiwillig Einiges zur Lösung der Standortfrage beigetragen zu haben.“<br>Die Karte begann zu rotieren und einige Schriftzeichen in Föderationsstandard gesellten sich dazu.<br>„Mit den Daten, die wir auf der Monitor und in den letzten Stunden auf der Enterprise zusammentragen konnten, dürfte es uns nun möglich sein, zu sagen, wo sich dieses Zentrum befinden könnte.“ fiel Desoto ein.<br>Die Karte rotierte weiter bis sie bei einem Trinärsternsystem aufhörte sich zu bewegen.<br>„Das ist doch mitten im Raumgebiet der Gorn.“ dachte Ardev laut.<br>„Richtig, Lieutenant. Nun dieses Zentrum steuert die Gates auf Subraum- wie Interraumebene.<br>Mit anderen Worten es konnte mit Angst ein gewaltiges Gebiet beherrschen.“ Lewinski sah seine Offiziere an.<br>„Nun, unsere Mission wird es sein, dieses Zentrum ein für alle mal zum Schweigen zu bringen. Denn dieses Zentrum ist der Inbegriff für die Macht der Furien und der Goald. Ich brauche ihnen nicht zu erzählen, dass die Freiheit von uns allen auf dem Spiel steht. Der Flottengeheimdienst der Konföderation hat Grund zur Annahme, dass die Goald auf dem Weg sind, dieses Zentrum an sich zu reißen und ihre Macht endgültig im Alphaquadranten zu festigen. Noch Fragen?“<br>„Im Moment noch keine, Skipper.“<br>„Gut Matt. Ich will, dass alle Abteilungen in 4 Stunden Bereitschaft herstellen, soweit es geht. Danach werden wir uns zur Besprechung hier wieder einfinden. Wegtreten.“<br><br>„Essen! Wie habe ich das vermisst!“ Xavier Alcazar schaufelte einen Berg an gebackenen Bohnen auf seine Gabel. Fast schon gierig verschwand diese in seinem Mund.<br>„Meine Güte, Xavier. Du tust so, als ob wir Tage lang ohne Essen gewesen wären.“ schmunzelte Denise Smith ihn an.<br>„Waren wir doch auch.“ konterte der Spanier kauend und blickte sie wie ein treuer Hund an.<br>„Wir hatten Notrationen, mein Lieber. Von einer Packung kann man einen Monat lang überleben.“<br>„Aber es ersetzt nicht den Geschmack des Essens, den Genuss.“<br>„Genuss käme mir als letztes in den Sinn, wenn ich sehe, wie diese riesige Portion in dir verschwindet. Damit könnte man zwei ausgewachsene Klingonen sättigen.“<br>„Ich bin kein Klingone, meine Liebe.“<br>„Das ist allerdings wahr. Aber dein Hunger ist schon wahrhaftig klingonisch.“<br>„Möchtest du noch nachher dein Wolkenapfelmus?“<br>„Xavier..“ Denise grinste ihn an.<br>„Keine Sorge, ich werde es essen.“ Alcazar lächelte sie an. Es war kaum zu übersehen, dass sich beide in den letzten Tagen näher gekommen waren.<br>Während die Beiden miteinander beschäftigt waren näherte sich T`Kel mit einer Plomek-<br>Suppe auf dem Tablett den beiden Menschen. Mit einer kaum zu erreichenden Eleganz setzte sie das Tablett ab und setzte sich in einer Bewegung hin.<br>„Guten Tag, Denise, Xavier.“<br>„Hallo T`Kel.“<br>„Hi T`Kel.“ begrüßten sich die jungen Offiziere.<br>„Wie läuft es denn auf der Krankenstation?“ fragte Denise Höfflich. T`Kel legte den Löffel beiseite.<br>„Nun, wir sind im Begriff, die Krankenstation neu einzurichten. Doktor Fraiser ist sehr zufrieden damit, wie die Arbeiten voranschreiten. Es scheint sich auch abzuzeichnen, dass ich bald zum Chefsanitäter befördert werde.“<br>„Das ist ja fantastisch, T`Kel.“ Denise stocherte kurz in ihrem Wolkenapfelmuss herum.<br>„Habt ihr schon was von den neuesten Gerüchten gehört, die hier an Bord kursieren?“ Alcazar neigte sich zu Denise hin.<br>„Es gibt viele Gerüchte auf so einem kleinen Schiff, Liebste. Du musst schon genauer sein.“<br>„T`Kel?“<br>„Es ist nicht logisch sich an Klatsch und Tratsch zu beteiligen. Aber es kann nicht schaden informiert zu sein, was unter der Crew die Runde macht. Dennoch bin ich im Moment nicht im Bilde auf was Sie anspielen, Denise.“ Die typische Antwort einer Vulkanierin, wenn sie ebenfalls vor Neugierde platzte. Aufmerksam drehte T`Kel ihren Kopf in Richtung der beiden Menschen. Das Essen war auf einmal nebensächlich geworden.<br>„Es geht um die Mission Leute.“ Denise vergewisserte sich, dass ihnen sonst niemand anderes zuhörte.<br>„Ich habe gehört, wir werden in den Gorn-Raum fliegen, um eine gewaltige Anlage zu vernichten, die für die Machtergreifung der Furien verantwortlich ist.“<br>„Hm, ich habe gehört, dass wir diese Anlage nur unbrauchbar machen sollen, und es war von temporären Anomalien die Rede.“ antwortete der Spanier, während er eine weitere Gabel voll Bohnen in seinem Mund verschwinden ließ.<br>„Nun, wenn wir alle dabei sind Informationen zu offerieren. Ich habe davon gehört, wie<br>Lieutenant Sanchez und Doktor Fraiser über Impfungen gegen Chronotonstrahlung sprachen.<br>So was stellt kaum ein Thema dar mit dem man Small Talk pflegt. Außerdem sollte ich eine gewisse Menge an Impfstoff fertig stellen. So schnell wie möglich.“<br>„T`Kel, für jemand, der sich aus logischen Gründen nicht an Klatsch und Tratsch beteiligt, haben sie einen gewaltigen Brocken dazu gesteuert.“ stichelte der spanische Steuermann.<br>„Nun, ich habe dies beobachtet und mitgehört. Sie vergessen wohl gern, dass Vulkanier ein ausgezeichnetes Gehör haben.“<br>„Natürlich.“ antwortete Alcazar.<br>„Lasst uns zusammenfassen, was wir haben. Es soll ein Objekt außerirdischer Herkunft zerstört werden und es ist von Zeitreisen die Rede.“ Alcazar und T`Kel signalisierten stumm Zustimmung.<br>„Das heißt, dass wir wahrscheinlich wieder ins 24 Jahrhundert zurückkehren werden und das Objekt dort zerstören werden.“<br>„Was macht Sie so sicher, dass wir dafür in das 24. Jahrhundert reisen werden, Denise. Die Zielzeit könnte sich auch Jahrtausende in der Vergangenheit befinden.“ wandte T`Kel ein.<br>„Das ist ein guter Einwand.“ pflichtete ihr Alcazar bei.<br>„Warum nicht? Leute, ich erkläre es mir so. Die Goald und die Furien beherrschen hier so gut wie jeden Kubik Parsec im Quadranten. Also müssen wir zu einer Zeit reisen, in der wir erstens vor der Machtergreifung da sind und wo wir ohne dabei Gefahr zu laufen die temporale Direktive zu verletzen, auch um Hilfe ersuchen können.“<br>„Nun ihre Theorie hat eine gewisse Logik.“ T`Kel zog eine Augenbraue hoch.<br>„Danke T`Kel. Ich kann es mir nur so vorstellen. Meiner Meinung nach, können wir das Problem im 24. Jahrhundert nur bewältigen und nicht jetzt.“<br>„Da stimme ich dir auch zu, Liebes. Das würde auch heißen, dass diese Raumstation, diese Menschen, alles hier dann aufhört zu existieren.“ folgerte Alcazar.<br>„Nicht ganz, Xavier. Diese Zeitlinie würde aufhören zu existieren. Wir würden die Zukunft wieder so herstellen, dass sie so ist, wie sie sein sollte, im Ungewissen.“<br>„Wollen wir das hoffen T`Kel.“ pflichtete ihr Xavier bei. Allen dreien war es klar, dass dies nur Vermutungen und Gedankengänge waren, die nur auf Gerüchten und zufälligen Beobachtungen basierten.<br>Doch wie jedes andere Crewmitglied an Bord der Monitor hatten die drei es schnell gelernt das mindestens 45 % Wahrheit in den Gerüchten enthalten war.<br>„Price an Alcazar. Melden Sie sich sofort auf der Brücke.“ tönte Matt Price Stimme aus dem kleinen Lautsprecher von Alcazars Kommunikator.<br>„Hier Alcazar. Bestätigt Commander. Bin Unterwegs.“ antwortete er hastig nachdem er den Kommunikator berührt hatte. Schnell schlang er noch die letzten beiden Bissen herunter, bevor er sich bei Denis mit einem Kuss verabschiedete und T`Kel kurz zu nickte.<br><br>„Ich hoffe nur, dass all dies bald zu Ende ist T`Kel.“<br>„Ich ebenso. Dennoch lassen Sie uns unsere Mahlzeit beenden, bevor noch ein Zwischenfall das verhindert.“ Denise nickte und verzehrte ihr restliches Wolkenapfelmus.<br><br>„Das wäre es fürs erste, Captain. Die Monitor ist in weniger als 49 Stunden voll operationsfähig.“ schloss Arena Tellom ihren Statusbericht über die Monitor. Lewinski nickte zufrieden und lehnte sich zurück als der Türsummer brummte.<br>„Herein.“ forderte Lewinski auf.<br>Ein Klingone in goldener Starfleet-Uniform betrat den Raum. Wie bei Worf trug auch Keng eine Schärpe mit den Emblemen des Reiches und seines Hauses.<br>„Captain Lewinski. Lieutenant Keng meldet sich zum Dienst, Sir.“ Lewinski blinzelte leicht und lehnte sich nach vorne.<br>„Rühren, Lieutenant. Und nehmen Sie bitte Platz. Ich nehme an Lieutenant, Arena Tellom kennen Sie bereits?“<br>„Ja, Captain. Vielen Dank.“ Keng setzte sich. Selbst im Sitzen überragte der Klingone Arena und Lewinski um mindestens einen Kopf.<br>„Hier ist mein Befehl zu Versetzung auf die Monitor, Sir.“ Keng reichte Lewinski ein Padd rüber. John las es sich kurz durch.<br>„Hier steht, dass Sie von Admiral Nog auf eigenen Wunsch auf die Monitor versetzt wurden. Warum?“ fragte John.<br>„Ganz einfach, Captain. Sie werden mich auf dieser Mission brauchen.“ antwortete der Klingone knapp.<br>„Mr. Keng. Ihnen ist wohl klar, dass dies ein Himmelfahrtskommando sein kann. Es gibt keine Garantie, dass wir dies auch überstehen werden, bzw. dass diese Zeitlinie Bestand haben wird. Denn wenn wir erfolgreich sind, wird es all dies hier niemals gegeben haben.“<br>„Das ist mir bewusst, Sir. Ich erwarte ihre Befehle, Sir.“<br>„In Ordnung, Mr. Keng. In einer Stunde werden sich die Senioroffiziere zu einer Konferenz zusammen finden. Seien Sie ebenfalls im Konferenzraum zugegen. Was ihre Aufgaben betrifft, spätestens nach der Konferenz werden wir darüber Klarheit haben.“ Keng signalisierte Lewinski stumm, dass er ihn verstanden hatte.<br>„Lewinski an Bird.“<br>„Hier Bird, Sir.“ antwortete der Sicherheitschef.<br>„Weisen Sie Lieutenant Keng ein Quartier zu. Er gehört für die Dauer der Mission zur Besatzung.“<br>„Verstanden, Sir.“<br>„Lewinski Ende.“ Wenige Sekunden später öffnete sich das Schott und Bird stand im Türrahmen.<br>„Wenn Sie keine weiteren Fragen haben, Mr. Keng, dann begleiten Sie bitte Mr. Bird, der Sie zu ihrem Quartier führen wird.“<br>„Danke, Captain. Lieutenant.“ verabschiedete sich Keng und folgte Bird auf die Brücke.<br><br><i>Bereitschaftsraum von Admiral Nog Ferengi auf dem Kreuzer Profit...</i><br><br>„Keng ist auf die Monitor versetzt worden, Joseph.“ Kirk näherte sich in dem dunklen Raum dem Schreibtisch. Nog saß im Sessel und blickte aus dem Panoramafenster hinaus. Leise setzte sich der Chalide auf einen der Stühle. Nog drehte den Sessel zu ihm.<br>„Ich frage mich, ob wir noch rechtzeitig das Richtige tun.“ Zweifel bei dem Ferengi Admiral waren ein gefährliches Alarmzeichen.<br>„Was ist passiert, Sir?“ fragte der Chalide.<br>„Unser Geheimdienst hat eine Goald-Flotte ausgemacht, die in Richtung des ehemaligen Gorn-Raumes unterwegs ist. Fatalerweise stimmen ihre Zielkoordinaten mit denen der Matrix überein, die wir vor Stunden entdeckt haben.“ Kirk starrte den Admiral gespannt an.<br>„Die Monitor ist aber schneller als die Goald-Schiffe. Wir könnten es noch schaffen.“ Brachte Kirk sich mit dem Optimismus ein, für den auch sein Vater James berühmt war.<br>„Sicher wird sie das. Keng hat sich deswegen auf die Monitor versetzten lassen. Er wird dafür Sorgen, dass der Erfolg auch eintritt. Und du, Joseph wirst mit der Enterprise, sowie der Grissom und der Exeter dafür Sorgen die Goald beschäftigt zu halten und es der Monitor somit ermöglichen unbehelligt die Koordinaten zu erreichen. Denn die temporäre Anomalie dort wird nicht mehr lange stabil sein.“<br>„Zu Befehl Admiral.“<br>„Wegtreten.“ Mit einem Nicken erhob sich Kirk aus dem Sessel. Nog sah ihn noch mal fest an, als Kirk den Raum verließ. Vielleicht war es das letzte Mal, dass das er ihn sah.<br><p align="center"><b>-Fortsetzung folgt-</b></p><br><br><br><p align="center">DIE LETZTE LINIE<br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by JÖRG GRAMPP<br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</p>]]></description><guid isPermaLink="false">5922</guid><pubDate>Sat, 14 Jan 2006 11:03:13 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - Special: Invasion 6 - "Ohne Zukunft" </title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-special-invasion-6-ohne-zukunft-r5797/</link><description><![CDATA[<p align="center"><a href="http://downloads.scifinews.de/file_49507.html"><img src="/_legacy_inhalte/upload/images/I5_ohne_zukunft.jpg" width="340" height="475"></a></p><p align="“center“"><b>Prolog</b></p><br>Jellico überlegte nicht lange. Er gab die Begriffe Rückkehr und Transfer Einleiten in den Tricorder ein und drückte die Sendetaste. Sofort begannen sich die Symbole auf dem Kasten sich neu zu Ordnen. Wieder begann blaues Licht den Korridor zu fluten. Alle Konturen verschwanden, um Sekunden später wieder sich zu der Höhle auf Dedalus 7 wieder zusammenzu setzen. Nach Luft keuchend stützte sich Jellico an der Felswand ab. Dabei bemerkte er, wie sich ein Schatten ihm näherte. Es waren zwei Gestalten, deren Gesichter mit Kapuzen verhüllt waren. Grüne Hände, die mit großen Schuppen bedeckt waren, schauten aus den Ärmeln heraus.<br>Jellico tastete unauffällig nach seinem Phaser.<br>„Wer sind Sie?“ fragte Jellico.<br>„Das tut nichts zur Sache, Admiral. Vielen Dank, dass sie den Kasten gefunden haben. Bitte händigen Sie ihn uns aus“, forderte eine der Gestalten. Die Stimme klang wie ein Krächzen.<br>„Weshalb sollte ich das tun?“ Jellico erhielt keine Antwort. Stattdessen ging einer der Fremden auf Jellico zu.<br>„Bleiben Sie, wo Sie sind. Ich nehme an, auch Sie wissen, was ein Phaser ist“, sagte Jellico und zielte mit dem Phaser auf die Gestalten. Doch die Wesen ließen sich nicht davon beeindrucken. Jellico zögerte keine Sekunde und feuerte den Phaser ab. Doch der Strahl erreichte die Wesen nicht mehr. Augenblicklich verschwanden sie in einem goldenen Strahl, der ein Transporter sein musste.<br>„Jellico an Melbourne. Beamen Sie mich auf die Brücke, schnell.“ Jellico verschwand im Transporterstrahl der Melbourne.<br><br>Kaum hatte die Brücke des Raumschiffs der Akira-Klasse Gestalt angenommen, bebte diese auch. Ein kleines Schiff, das nicht größer als ein Shuttle war, attackierte den Starfleet Raumer. Jellico musste sich festhalten, um nicht durch den Raum geschleudert zu werden. Das kleine Schiff umkreiste die Melbourne und nahm sie erneut unter Beschuss.<br>„Mit was feuern die auf uns?“ fragte Jellico, während er sich in seinen Sessel gesetzt hatte.<br>„Laut Sensoren handelt es sich um einen subatomaren Disruptor. Die Schilde versagen in wenigen Sekunden und die Struktur der Außenhülle beginnt sich aufzulösen“, berichtete der Sicherheitschef der Melbourne.<br>„Alle Phaser auf Ziel ausrichten, volle Breitseite.“<br>„Schilde ausgefallen. Hauptenergie versagt.“ Jellico sah wie versteinert auf den Hauptschirm.<br><br>Nun flog das kleine Schiff auf die Backbordgondel der Melbourne zu und feuerte erneut. Eine gewaltige Explosion ließ das Triebwerk auseinanderplatzen und die Melbourne begann zu trudeln.<br>Dennoch feuerte die Melbourne ihre Phaser auf das kleine Schiff ab, das ihr immer mehr lebensbedrohliche Wunden zufügte.<br>„Admiral, sie haben aufgehört zu feuern und rufen uns“, meldete Oromov Jellico.<br>„Auf den Schirm“, knurrte der alte Mann. Auf dem Schirm erschienen die beiden verhüllten Gestalten.<br>„Geben Sie uns, was uns gehört und Sie werden diesen Ort lebend verlassen.“<br>„Niemals.“<br>„Dann werden Sie sterben.“<br>„Das werden wir sehen“, antwortete Jellico trotzig. Der Schirm wurde dunkel und zeigte das Shuttle der Fremden, das mehr Feuerkraft besaß als die Melbourne.<br>„Admiral, sie laden ihre Waffen.“<br>„Tricobalt-Torpedos auf unsere Freunde ausrichten. Maximale Streuung.“<br>„Aber Admiral, unsere Schilde …“<br>„Tun Sie es.“<br>„Bereit“, schluckte Oromov. Allen auf der Brücke fuhr ein kalter Schauer über den Rücken, als Jellico sich aus dem Sessel erhob.<br>„Mr Oromov. Feuer.“<br>2 Sekunden später verschwanden beide Schiffe in einem Inferno aus Licht und destruktiver Energie.<br><p align="“center“"><b>Kapitel 1</b></p><br>Gleißendes Licht durchflutete die Brücke der Melbourne. Wie ein wild gewordener Mustang bockte das Schiff. Alle Besatzungsmitglieder wurden durch den Raum geschleudert, als wären sie Schaufensterpuppen. Ein knarrendes Geräusch, das von der Hülle des Akira-Klasse Raumschiffes ausging, fuhr Jellico durch Mark und Bein.<br>Insgeheim rechnete der alte Offizier damit das gleich die Hülle über der Brücke aufreissen und alles was nicht niet- und nagelfest auf der Brücke war, ins Vakuum des Alls zu reisen. Das Knarren ging nun in ein Knacken über. Ein Blick zum Hauptschirm ließ Jellicos Befürchtung bestätigen. Ein großer Riss hatte sich neben dem Projektionsfeld gebildet. Der Hauptschirm begann zu flackern. Das Schiff bäumte sich wieder auf, und das Projektionsfeld verschwand im Sog des nun entstanden Lecks, das rund 4 Meter im Durchmesser groß war. 6 Sekunden später hatte sich das Notkraftfeld aktiviert. Nun fiel auch noch die Notbeleuchtung aus. Das einzige Licht, das noch vorhanden war, stammte von dem Transfertunnel, in dem sich die Melbourne befand. Jenes Licht tauchte die Brücke in eine geisterhafte Atmosphäre.<br>In der Ferne konnte Jellico einen schwarzen Punkt ausmachen. Dieser wurde immer größer.<br>„Sehen Sie, Admiral. Da scheint es bald zu Ende zu sein“, sagte ein Mitglied der Brückenbesatzung.<br>„Zweifellos, Fähnrich“, sagte Jellico beruhigend. Der junge Mann nickte bestätigend.<br>„Versucht die Notaggregate wieder zum Laufen zu bringen“, brüllte Jellico, um den Lärm zu übertönen. Das Schiff wurde wieder ruhiger. Die Melbourne glitt aus dem Transfertunnel in den freien Raum. Flackernd erwachten vereinzelnd einige Konsolen auf der Brücke wieder zum Leben. Ein trübes bläuliches Licht erhellte die Brücke und verlieh den Offizieren harte Konturen.<br>„Schadensbericht“, forderte Jellico. Schnell bemannten die Offiziere die Stationen. Jellico richtete sich auf. Die Brücke der Melbourne war halb zertrümmert. Der Weltraum, den Jellico durch das Leck sah, war anders. Sehr anders.<br>„Oromov, haben wir Sensoren zur Verfügung?“ fragte Jellico.<br>„Ja, Sir. Aber es dauert einen Moment, da wir auf Ersatzcomputer sind. Der Hauptcomputer wurde fast komplett zerstört.“<br>„Verstanden,Oromov“, antwortete Jellico, während er geduldig auf das Ergebnis wartete.<br>„Sir, laut Sensoren befinden wir uns 50 Millionen Lichtjahre von unserer letzten Position entfernt. Und zwar in einer nicht erfassten Galaxie.“<br>„Klasse, sind nur 50 000 Jahre Flugzeit mit Warp 9,9. Was machen unsere Freunde? Sind sie noch da?“<br>„Keine Spur des fremden Schiffes zu finden, Admiral.“ Jellico neigte den Kopf zur Seite.<br>„Admiral Jellico. Der Maschinenraum teilt mir mit, dass wir die Backbordgondel wieder herstellen können.“<br>„Ausgezeichnet. Wie lange wird es dauern?“<br>„4 Wochen Sir.“<br>„Ach ja, na besser als gar nicht“, antwortete Jellico seinem OPs Offizier.<br><br>„Dann wollen wir mal“, sagte Ardev und nahm einen Tricorder in die Hand, als er das Artefakt untersuchte, das nun auf einem Tisch im Maschinenraum stand. Arena und Professor Desoto waren ebenfalls zugegen.<br>Mit einem prüfenden Blick las Ardev die Daten vom Display des Tricorders ab und gab einige Befehle in die Statuskonsole des Maschinenraums ein.<br>„Der Subraumscan zeigt Aktivitäten im niederen und teilweise auch im hohen EM-Band an. Fluktuationen nehmen zu“, berichtete Ardev.<br>„Bestätigt Ardev“, antwortete Arena. Der Tricorder begann zu zirpen. Die Symbole begannen auf einmal sich zu verschieben. Ein Summen ging von dem alten Kasten aus, das immer mehr schriller wurde.<br><br> „Ardev, Subraumverlagerungen nehmen zu. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann steht uns hier gleich eine Dimensionsverschiebung bevor.“ Arena drehte sich zum Kasten um. Ardev hatte sich einige Schritte zurückgezogen. Er berührte seinen Kommunikator.<br>„Computer, ein Ebene 10 Kraftfeld um den Tisch errichten. Transporterraum bereithalten, das Artefakt aus dem Maschinenraum ins All zu beamen.“<br>„Kraftfeld aktiviert“, meldete der Computer.<br>„Transporter bereit“, bestätigte die Stimme des Transporterchiefs aus den Lautsprechern des Maschinendecks. Ein bläuliches Schimmern legte sich um den Tisch.<br>„Die Aktivitäten nehmen zu, Ardev.“<br>„Mein Gott. Es wird gleich eine Art Transport durchführen. Es versucht das ganze Schiff für den Transfer zu erfassen“, sagte Desoto.<br>„Wir haben keine Wahl, wir müssen es ins All beamen bevor….“ Das gleißende Licht nahm bedrohlich zu.<br><br>„Commander. Eine Subraumverzerrung breitet sich vom Maschinendeck auf das ganze Schiff aus“, meldete sich Denise Smith von der Wissenschaftsstation.<br>„Maschinenraum, hier ist die Brücke. Was geht da vor?“<br>„Commander, hier spricht Arena Tellom, das Artefakt wird soeben aktiv. Es steht ein Transfer des gesamten Schiffes bevor.“<br>„Versuchen Sie den Vorgang zu stoppen, Arena“, befahl Matt. Die Brücke begann zu beben.<br>Das Licht flackerte nun in unregelmäßigen Abständen.<br>„Commander, die äußere Rumpfhülle beginnt ihre molekulare Struktur zu verlieren.“ Matt stand vom Kommandosessel auf.<br>„Es sieht so aus, als ob das ganze Schiff davor steht, gebeamt zu werden“, sagte Matt.<br>„Price an Transporterraum. Das Artefakt im Maschinenraum sofort rausbeamen, Maximum Transferreichweite.“<br>„Verstanden, Commander.“<br>„Mr. Alcazar. Wenn der Transfer beendet ist, gehen sie auf Maximum Warp.“<br>„Bestätigt, Commander. Bereit um auf Maximum Warp zu gehen“, antwortete der Spanier.<br>„Transporterraum an Brücke. Ich kann den Transfer nicht mehr einleiten. Die Erfassungsscanner können nichts mehr erkennen.“<br>„Verstanden Transporterraum Versuchen sie weiterhin. Wir müssen es loswerden, bevor es das Schiff in Stücke zerreist.“ Price wechselte den Kommkanal.<br>„Brücke an Maschinenraum, Bericht.“<br><br>Die Tarnung der Monitor versagte. Die Konturen des Schiffes schimmerten weiß auf. Eine Blase aus Energie legte sich um den kleinen Starfleet-Raumer und schien ihn erdrücken zu wollen.<br>Im selben Moment verschwanden bei Dedalus 7 die Melbourne und das fremde Schiff.<br>Desoto sah wie der Kasten fast durchsichtig wurde, er wirkte als bestünde er aus Kristallglas.<br>Er nahm einen Tricorder und versuchte das Artefakt zu untersuchen. Seine Augen begannen zu leuchten.<br>„Das ist faszinierend. Ich habe nie gedacht, dass dies möglich ist“, murmelte er. Arena drehte sich zu Desoto um.<br>„Professor, was passiert hier?“<br>„Ich weiß es nicht genau, meine Teuerste. Aber wenn ich das richtig deute, dann fungiert dieses Artefakt als eine Art Transportverstärker. Jemand anders wurde transferiert.“ Arena schluckte. Sie wandte sich ihrer Konsole zu.<br>„Sie haben Recht, Professor. Ich habe zwei Subraumstrahlen ausgemacht, die auf den<br>Maschinenraum treffen. Ein Strahl kommt von Dedalus 7 und der andere von Avalon 3.“<br>„Nicht zu fassen“, hauchte Ardev. Die Symbole auf dem Kasten begannen sich neu auszurichten.<br>Nach einem erneuten Pulsieren des Lichtes wurde das Leuchten schwächer. Das Beben des Schiffes ließ nach und die Systeme normalisierten sich wieder.<br>„Alle Primärsysteme sind ausgefallen, Matt. Aber in etwa 2 Stunden werden der Warpantrieb, die Schilde und Sensoren wieder funktionieren. Die Waffen und die Tarnung sind erst in 5 Stunden wieder in Funktion“, meldete Sanchez.<br>„Verstanden. Professor, was war denn nun da passiert?“ fragte Matt.<br>„Um es einfach auszudrücken: Irgendjemand hat auf Dedalus 7 ein identisches Artefakt gefunden und es aktiviert. Die anderen identischen Artefakte, wovon eines hier an Bord ist, fungierten als Transporterverstärker.“<br>„Und dies hat unser Schiff regelrecht gegrillt“, sinnierte Matt.<br>„Richtig, Commander. Wir hatten Glück, dass der Transfer nicht länger gedauert hat. 20 Sekunden länger und das Feld, das von dem Artefakt ausging, hätte die Materie-Antimaterie-Eindämmung im Maschinenraum erreicht und die Monitor würde sich im Deneb-Sektor gleichmäßig verteilen“, schloss Desoto seine Erklärung.<br>„Die Monitor befindet sich doch in Sensorreichweite von Dedalus 7. Konnten wir was sehen, was dort passiert ist?“ fragte Matt.<br>„Leider nicht deutlich, Matt. Wir konnten nur feststellen, dass sich dort zwei Schiffe befunden haben mussten. Außerdem orteten die Sensoren Waffenfeuer und eine starke Subraumverschiebung. Wir gehen davon aus, dass dort der Transfer stattfand. Danach konnten die Sensoren die beiden Schiffe nicht mehr orten“, erklärte Ardev.<br>„Konnten sie die Schiffe identifizieren?“ hakte Matt nach.<br>„Ja, Matt. Es war das Akira-Klasse-Schiff und ein kleines unbekanntes. Und außerdem war ich dieses Mal in der Lage die Akira zu identifizieren. Es handelt sich um die Melbourne Sternenflottenregistrierung NCC 75008.“<br>„Interessant, Arena“, sagte Matt. Die Sache wurde immer verwirrender. Was hatte die Sternenflotte nun damit zu tun?<br>„Commander, ich schlage vor eine Sonde nach Dedalus 7 zu schicken. Diese soll aufklären, was dort genau geschehen ist“, sagte Desoto.<br>„Einverstanden, Professor. Ardev, eine Sonde vorbereiten, die nach Dedalus 7 fliegt, um das ganze dort zu untersuchen. Danach werden wir nach Chal fliegen, um den Captain abzuholen und ihn über die Ereignisse hier zu informieren. Das war es vorerst. Gehen Sie alle auf ihre Posten“, befahl Matt.<br>Kurz darauf verließ eine Klasse 1 Sonde die Monitor. Wenige Sekunden nach dem Start beschleunigte diese sofort auf Warp 4. Matt Price sah noch lange auf dem Hauptschirm auf die Stelle, an der die Sonde im Warpblitz verschwand. In was für ein Wespennest hatte Desoto gestochert? Was steckte wirklich dahinter? Und vor allem wer?<br><p align="“center“"><b>Kapitel 2</b></p><br>„Das ist alles was wir wissen, Skipper. Die Monitor hat wieder Warppotential. Wir werden Chal in 9 Stunden erreichen und dich an Bord holen“, antwortete Matt Price einem besorgt dreinblickenden John Lewinski. Er saß in seinem Shuttle, das immer noch vor Kirks Haus auf Chal stand.<br>„Einverstanden, Matt. Auch ich habe einige Erkenntnisse erlangen können. Wir werden diese in 9 Stunden auf der Monitor besprechen.“<br>„Verstanden, Skipper. Monitor Ende.“ Der Schirm wurde nun wieder dunkel. John lehnte sich zurück. Einige Sekunden später aktivierte er eine neue Kommverbindung. Admiral Kirschbaum erschien auf dem Display. Nach einer kurzen Begrüßung erstattete John dem Admiral einen umfassenden Bericht.<br>„Das bestätigt unseren Verdacht, John. Die Furien scheinen also tatsächlich wieder da zu sein“, sinnierte der Admiral.<br>„Captain. Hiermit entbinde ich die Monitor von ihren sonstigen Aufgaben und beauftrage Sie hiermit alles Erforderliche zu tun, um diese neue Intervention der Furien zu verhindern. Ich werde in der Zwischenzeit <font>Starfleet Command</font> und den Präsidenten informieren.“<br>„Verstanden, Admiral.“<br>„Ich brauche ihnen ja nicht zu sagen, dass wir alle auf Sie zählen, John. Viel Glück.“<br>„Danke, Sir. Lewinski Ende.“<br><br>Mit etwa 400 Stundenkilometern bahnte sich die Melbourne durch einen dichten Asteroidenring eines kleinen Sonnensystems ihren Weg. Die Schutzschilde arbeiteten nun wieder mit 78 %, genug um die Arbeiten an der Backbordgondel sicher durchführen zu können. Fast die komplette untere Hälfte der Gondel war abgerissen. Was noch übrig war, hing in Fetzen davon.<br>Wie kleine Ameisen machten sich sämtliche Techniker des Schiffes daran, den Schaden zu begutachten und zu beheben.<br>Lieutenant Ardana Solan war die Chefingenieurin der Melbourne. Die Orionierin überprüfte ihren Tricorder, bevor sie ihren Blick über den Schaden gleiten ließ. Arbeiten in Schwerelosigkeit hatte ihr noch nie behagt. An der Akademie hatte sie sich regelmäßig in ihren Anzug übergeben.<br>Mit Hilfe von mentalen Übungen, die ihr damals Lieutenant Tuvok beigebracht hatte, gelang es ihr ihre Übelkeit unter Kontrolle zu bringen. Sie war dem Vulkanier bis heute dankbar dafür.<br>Auch weil sie sonst ihre Karriere schnell hätte aufgeben müssen.<br>Als sie die zerfetzten Plasmaleitungen sah, verkrampfte sich ihr Magen.<br>„Higgins?“ fragte sie ihren Stellvertreter über den Helmkommunikator.<br>„Hier Higgins, Sir“, antwortete der junge Mensch. In etwa 34 Meter Entfernung winkte er ihr zu.<br>„Haben sie den Treibstoffverlust festgestellt?“ fragte sie ihn und schürzte ihre Lippen.<br>„Ja, Sir. Wir haben 45 % verloren. Und nur noch einer der Bussard-Kollektoren funktioniert, wenn auch nur zu 40 %“, antwortete er ihr.<br>„Verdammt. Das heißt, wir haben nicht genug Materie um die Ersatzteile zu replizieren.“<br>„Leider ja, Sir.“ Ardana sah sich die Asterioiden, die an der Melbourne vorbei schwebten.<br>Ein Grinsen umspielte ihre Lippen.<br>„Higgins. Vielleicht sollten wir uns die Brocken hier mit einem Shuttle näher ansehen. Womöglich enthalten sie das was wir brauchen.“<br>„Eine gute Idee, Sir.“<br>„Gut, dann werde ich den Admiral informieren“, sagte Ardana und beendete die Verbindung.<br>Sie wollte sich dem Tricorder wieder zuwenden, als sie eine merkwürdige Spiegelung bemerkte. Etwas Kleines und Schnelles war hinter einem mächtigen Gesteinsbrocken verschwunden, der die Melbourne in 400 Meter Entfernung passierte.<br>„Ardana an Brücke.“<br>„Hier Brücke“, antwortete Oromov.<br>„Ich habe soeben was hinter einem Asterioiden verschwinden sehen. Und das war kein Gesteinsbrocken.“<br>„Wo genau haben Sie das Objekt bemerkt?“<br>„Ungefähr 500 Meter an Backbord.“<br>„Einen Augenblick, Lieutenant. Ich werde es überprüfen.“<br>„Danke Brücke“, antwortete Ardana und wartete geduldig auf die Antwort.<br>Nichtsdestotrotz scannte auch sie mit dem Tricorder die Stelle. Das Gerät stellte eine leichte Ionenspur fest. So eine Spur kann nur ein 2-Mann Shuttle verursachen, dachte sich Ardana mit gerunzelter Stirn.<br>War etwa jemand mit der Melbourne in den Transfertunnel gezogen worden? Sie wusste nur, dass ein kleines Schiff die Melbourne attackiert hatte, bevor die Melbourne hier gelandet war.<br>Hatte sich Jellico geirrt und die Fremden wurden nicht vernichtet, sondern sind mit ihnen hier gestrandet? Oder was noch bedenklicher wäre - sie sind in deren Hoheitsgebiet. Wenn dem so wäre, sinnierte die junge Ingenieurin, dann wären sie auch mit einem intakten Schiff verloren.<br>Denn wenn es schon ein Shuttle dieses unbekannten Volkes geschafft hat, sie schrottreif zu schießen, was vermochten die größeren Einheiten ihrer Flotte anzurichten?<br><br>Interessant, dachte Ortunis als er sich von seinem Wissenschaftsoffizier abwandte. Die Langstreckensensoren der Wraht hatten eine massive Subraumverzerrung aufgespürt. Bei näherer Untersuchung stellte es sich heraus, dass dieses Phänomen künstlich erzeugt wurde.<br>Ortunis war nicht überrascht, als es sich als die Signatur der Goald herausstellte.<br>Dies ließ in Ortunis einige Vermutungen bestätigen, dass die Goald es nicht ganz ernst mit den Furien meinten. Aber es wurden auch weitere Fragen aufgeworfen.<br>Was sollte mit dieser Täuschung bewerkstelligt werden? Theoretisch konnten die Goald auf die Hilfe der Furien gänzlich verzichten.<br>Ortunis glättete sein Gewand, dabei versuchte er sich einen Plan zurechtzulegen. Die Wraht würde erst ganz alleine in die Milchstraßen-Galaxie eindringen. Zufälligerweise gehörten auch 4 Goald zu seiner Crew.<br>Ortunis ließ sie durch seinen Sicherheitschef beobachten. Er misstraute diesen Leuten, die angaben, Freunde zu sein. Die bisherigen Ereignisse schienen Ortunis zu bestätigen. Alles würde auf einen Verrat der Goald hinausführen und die mögliche endgültige Zerschlagung der Furien.<br>Doch das Problem war nach wie vor, dass niemand Ortunis glauben würde, wenn er von seinem Verdacht berichten würde. Wenn aber erst einmal die Wraht am Ziel angekommen war, würde er sich dieser Sache annehmen.<br>Ortunis war es vollkommen klar, dass die Furien sich nur unter schweren Verlusten den Goald entledigen konnten. Er hoffte nur, dass es erst gar nicht dazu kommen muss.<br>„Steuermann. Bringen Sie das Schiff auf 40 000 Kilometer an die Subraumverzerrung heran“, befahl Ortunis. Zunächst wollte er wissen, wer oder was da nun angekommen ist.<br><br><b><u>Computerlogbuch der Monitor, Captain John Lewinski:</u><br>Nachtrag<br>Nachdem die Monitor in den Orbit um Chal eingeschwenkt ist, bin ich wieder mit dem Shuttle an Bord zurückgekehrt. Professor Desoto, der inzwischen wieder zu Bewusstsein gekommen ist, hat uns unterstützt und durch das zur Verfügungstellen seiner Forschungsarbeit geholfen, ein Bild von der augenblicklichen Lage zu erhalten. Leider deutet alles darauf hin, dass die Artefakte, die eindeutig den Furien zuzuweisen sind, von jemand Fremdem zu bedrohlichen Leben wieder erweckt wurden. Die Monitor hat nun den Auftrag erhalten, alles Erforderliche zu tun, um diese Bedrohung von der Föderation abzuwenden.</b><br><br>Mit leicht rußgeschwärzten Rumpf glitt die Monitor im Orbit von Chal. Hätte Matt Price nicht John vor Stunden Bericht erstattet, hätte John vermutet, dass sich die Monitor mindestens mit einem Borg-Kubus angelegt haben musste.<br>Nachdem der Druckausgleich im Hangar der Monitor stattgefunden hatte, erwarteten Lewinski Matt Price und Professor Desoto am Eingang des Hangars.<br>„Willkommen zurück, Captain“, begrüßte Matt den Kommandanten der Monitor. John schulterte eine Reisetasche auf.<br>„Danke, Matt. Professor Desoto, nehme ich an“, sagte Lewinski, während er Desotos Hand ergriff und schüttelte.<br>„Ganz recht, Captain“, antwortete der alte Mann.<br>„Wie ist der Status des Schiffes?“ richtete John die Frage an den ersten Offizier.<br>„Einsatzbereit, Captain“, antwortete der Halbbetazoide knapp.<br><br>„Was hoffen Sie auf Avalon 3 konkret vorzufinden?“ fragte Lewinski, während er eine Tasse Kaffee aus dem Replikator nahm, der in seinem Bereitschaftsraum stand. Desoto saß in einem der Stühle, die vor dem Schreibtisch standen.<br>„Die letzten Teile eines Puzzels, das ich seit 40 Jahren versuche, zusammenzusetzen Captain. Dass diese Technologie gerade jetzt erwacht, ist kein Zufall.“<br>„Wer könnte dafür verantwortlich sein?“ fragte John. Tja wer? Diese Frage stellte sich Desoto praktisch jede Minute. Die Furien hatte man zum letzten Mal gesehen, als die Voyager vor 8 Jahren sie im Deltaquadranten daran hinderte, wieder in den Alphaquadranten einzudringen.<br>Laut deren Bericht verschwand der Furienplanet im eigens erzeugten Wurmloch dessen Zielkoordinaten verändert wurden.<br>Nachdem die Voyager zurückgekehrt war, stürzten sich die Experten auf die Datenbank des Schiffes, das derart viele Informationen über den Deltaquadranten und die dort ansässigen Spezies hatte, dass es für Jahrzehnte reichen würde, die besten Wissenschaftler der Föderation beschäftigt zu halten.<br>Als man auch erfuhr, was aus den Furien wurde, nachdem die Enterprise unter Jean-Luc Picard erfolgreich die zweite Invasion abwehren konnte, widmete der Wissenschaftsrat der Föderation Desotos Arbeit ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Seither war Desoto mit dem Raumschiff Archer unterwegs, das nach dem Captain des ersten Warp 5 Raumschiffes benannt war. Da Desotos Großvater seine ersten Funde im Deneb-Sektor machte, war es mehr als logisch dort mit der Arbeit zu beginnen. Die ersten 5 Jahre verliefen recht ereignislos. Doch vor 2 Monaten begannen sich die Ereignisse zu überschlagen.<br>Und zwar mit dem Fund dieses Kastens, jenem Artefakt, das auf einmal aktiv wurde.<br>„Die Furien selbst, Captain. Nur sie sind in der Lage diese seltene Energieform zu reproduzieren, die erforderlich ist, um dies zu ermöglichen, was wir in den letzten Tagen erlebt haben. Auf Avalon 3 gibt es ein drittes Artefakt, das wir unbedingt finden müssen. Außerdem müssen wir herausfinden, wohin die beiden Schiffe bei Dedalus 7 verschwunden sind.“<br>„Richtig, Professor. Beantworten sie bitte mir folgende Frage: Planen die Furien wieder eine Invasion in unser Gebiet?“ John sah Desoto mit festem Blick an.<br>„Ja, Captain. Definitiv“, antwortete Desoto mit krächzender Stimme.<br>„Lewinski an Brücke, Kurs auf Avalon 3 setzen. Maximum Warp“, befahl John, nachdem er den Kommunikator berührt hatte. Nachdem der Steuermann bestätigt hatte, legte sich die Monitor in eine Rechtskurve und beschleunigte auf Warp.<br><br>Matt Price legte seine Uniform ab, nachdem er endlich seine Schicht beendet hatte. Die letzten Tage hatten ihn sichtlich geschlaucht. Die Begegnung mit den Artefakten dieser Dämonen ließen die Erinnerung an den Mordfall auf Vulkan wach werden, als er noch Captain dieses Schiffes war.<br>Seine Begegnung mit dem Tod und Ela Wuhr, der Betazoidischen Variante des Teufels, traten wieder deutlich in sein Bewusstsein. Er versuchte mit einigen mentalen Übungen diese Ängste in ihre Schranken zu weisen. Doch der Erfolg stelle sich nur mäßig ein. Nachdem er nur noch Shorts und ein T- Shirt anhatte, ging er zu seinem Replicator und bestellte eine Tasse heiße Milch mit Honig.<br>Nachdem er an dem Getränk genippt hatte, legte er sich in sein Bett, griff in das Regal über ihm und nahm sich irgend einen Roman heraus. Irgendetwas, das mich ablenken soll, dachte sich Matt.<br>Die Abenteuer der NCC 1701 Enterprise. Matt verzog die Mundwinkel. Wie oft hatte er dieses Buch schon gelesen? An der Akademie war es Pflichtlektüre gewesen. Das letzte Mal hatte er es vor 5 Jahren gelesen. War nicht Kirk als erster diesen Furien begegnet? Immerhin hatte er in seiner ersten 5-Jahres-Mission viele Erstkontakte gemacht, die nur von Sulu, Picard und Janeway getopt wurden.<br>Auch die anderen Beiden hatten ihre Runden mit den Furien ausgetragen. Matt klappte das Buch auf, überflog einige Kapitel, die er schon ziemlich auswendig kannte und sich daher nicht daran aufhalten wollte. Bald darauf fand er das Kapitel, das die Begegnung mit den Furien beschrieb. Die Eintragung schien Matt zu fesseln. Er vergaß bald die Zeit, blätterte immer begierig weiter. Die Geschichte manifestierte sich in seinem Bewusstsein. Es dauerte nicht lange und das Buch sank auf Matts Brust. Regelmäßig begann er zu atmen und kurz darauf begann auch der Traum……<br><br>Als Matt die Augen wieder geöffnet hatte, befand er sich wieder auf der Brücke der Monitor. Als er sich umsah, stand eine Furie vor ihm. Eine etwa 2 Meter große Gestalt, die in einen weiten Umhang gehüllt war und deren scharlachrote Haut kalt glitzerte.<br>Dennoch war das Wesen, das die Gesichtszüge eines Teufels hatte, nicht aggressiv, wie es Matt erwartet hätte. Nein, sein Blick beschrieb Neugierde. Nach einigen Sekunden hatten sich beide gemustert. Matt spürte, dass diese Furie ebenfalls ein Raumschiffkommandant sein musste. Egal, welche raumfahrenden Spezies Matt in all den Jahren seiner Karriere begegnet war, alle Raumschiffkommandanten, egal von welcher Kultur oder Spezies sie abstammten, hatten eine gewisse Haltung die Autorität und Zuversicht zugleich ausstrahlten.<br>Matt versuchte die Gefühle seines Gegenübers zu erforschen. Doch seine telephatischen Fähigkeiten fanden nichts vor. Nicht ein Mal ein Echo eines Bewusstseins. Ob ich wieder eine Vision habe? Das Wesen schien ihn ebenso zu sondieren. Matt kniff die Augen zusammen. Gut möglich, dass es ein Traum ist, dachte sich Matt und ging einen Schritt auf das Wesen zu.<br>„Wer Sind Sie?“ fragte Matt und streckte die Hände seitlich aus. Die Furie zuckte etwas zurück.<br>Nicht zu fassen, der hat womöglich noch mehr Angst vor mir, als ich vor ihm, dachte Matt grimmig.<br>„Ich bin Commander Matthew Price vom Raumschiff Monitor“, stellte sich Matt vor. Die Furie neigte den Kopf zur Seite, so als wollte diese ihre Worte sorgfältig abwägen.<br>„Ich bin Ortunis, Vergo der Wraht“, stellte sich die Furie vor. Auch Ortunis schien dem ganzen hier nicht so recht trauen zu wollen. Das merkte Matt nun ziemlich deutlich der Furie an.<br>„Angenehm. Ich nehme an, Sie wissen ebenfalls nicht, wie wir hier her gekommen sind?“ setzte Matt das Gespräch fort. Die Furie begann vorsichtig einige Schritte auf der vermeintlichen Monitor Brücke zu gehen.<br>„Bedauere. Ich verfüge nicht über diese Informationen. Auch ich würde dies gerne erfahren, Matthew Price Commander der Monitor“, donnerte Matt die Stimme der Furie wie ein Nebelhorn entgegen. Matt stellten sich alle Nackenhaare auf. Angst machte sich in ihm breit.<br>Das Erscheinungsbild dieser Wesen löst bei Menschen eine Art von Angst aus, die sich in ihr Erbgut eingebrannt hatte. Als eine Warnung aus jenen Tagen, als die Furien noch zum Teil auf der Erde, Vulkan und andere Welten des Alpha- und Betaquadranten lebten.<br>„Was hat Sie hier hergeführt?“ fragte Matt.<br>„Fragen, Commander. Auf deren Antwort es nur Verderben und Tod geben kann. Ich versuche nur dies abzuwenden. Zu einem Ergebnis, dem allen gerecht wird.“ Dies konnte alles bedeuten. Was willst du wirklich, dachte Matt.<br>„Was soll abgewendet werden und wie soll es geschehen?“ Ortunis schien sich immer noch nicht über Matt ganz sicher zu sein. Dennoch schien er in ihm einen Seelenverwandten gefunden zu haben. Er fasste sehr langsam Vertrauen zu dem Menschen.<br>„Eine Invasion in ihr Territorium. Die Furien werden bald ins Paradies zurückkehren. Fliehen Sie, wenn Sie können, Commander.“<br>„Das scheint aber nicht alles zu sein, Vergo Ortunis. Etwas anderes beschäftigt Sie.“ Matt ließ sich nicht von Ortunis Worten sonderlich beeindrucken, dennoch war die Tatsache, dass diese Furie ihm so klar in einem Traum erschienen war, kein Zufall. Ortunis wollte ihn warnen. Aber nicht speziell vor den Furien. Ortunis verbarg etwas vor Matt. Das konnte er spüren. Eine Sache, die an Ortunis zu nagen schien.<br>„In der Tat, Commander.“ Ortunis schien nun in einer Nebelschwade zu verschwinden, die plötzlich auf der Brücke aufzog. Was geht hier vor? fragte sich der erste Offizier. Doch bevor er weiter darüber sinnieren konnte, riss ihn der Weckton des Computers unsanft aus dem Schlaf.<br>Mit aufgerissenen Augen wachte Matt auf. Er stieß einen derben klingonischen Fluch aus, als er den Weckruf des Computers abstellte. Mit Verwunderung stellte Matt fest, dass er 7 Stunden lang geschlafen hatte.<br>Als Matt sich am Kopf kratzend vor den Spiegel stellte, der über dem Waschbecken angebracht war, sah er eine Furie sich darin spiegeln. Aber es war nicht Ortunis. Tentakeln, die sich als Schlangen entpuppten, wanden sich auf dem Kopf hin und her. Erschrocken drehte sich Matt um. Seine Augen traten hervor. Angst überwältigte den ersten Offizier mit einer gewaltigen emotionalen Woge. Matt konnte diesen mentalen Angriff nicht mehr Stand halten und brach zusammen.<br><p align="“center“"><b>Kapitel 3</b></p><br>„Konnten Sie feststellen, wie man es aktiviert? Immerhin hat uns das Ding hier her gebracht“, grollte Jellico. Er ließ seinem Frust freien Lauf. Sein Schiff war 50 Millionen Lichtjahre von jeglicher Hilfe entfernt hier gestrandet. Eine Konfrontation mit einem fremden Schiff hatte die<br>Melbourne in ein Wrack verwandelt. Die Reparaturen gingen sehr langsam voran.<br>Zumindest die Notenergie lief wieder. Doch die Chefingenieurin hatte Jellico in Aussicht gestellt, dass die Hauptenergie erst in Tagen verfügbar war, vorausgesetzt die Melbourne würde nicht noch mal einen derartigen Schlagabtausch ertragen müssen. Das Licht flackerte im Labor. Der Schiffscomputer war noch nicht vollständig repariert und reagierte sehr schwerfällig.<br>Lieutenant Sevek, der Wissenschaftsoffizier des Schiffes, wölbte eine Braue, als er seinen Blick auf Jellico richtete. Dieses subtile Anzeichen für Ratlosigkeit eines Vulkaniers ließ Jellico einen Seufzer entlocken, der ebenfalls durch das Hochziehen beider Augenbrauen des Vulkaniers quittiert wurde.<br>„Der Computer analysiert noch immer die Daten ihres Tricorders, Admiral. Und aufgrund der Beschädigung der Prozessoren können wir frühestens mit einem Ergebnis in 23 Stunden rechnen.“<br>„Ich mache Sie darauf aufmerksam, Sevek, dass wir in 23 Stunden vielleicht nur noch eine Deuteriumwolke sein könnten.“<br>„Dies ist mir bewusst, Admiral. Dennoch hat dies keinen Einfluss darauf, dass der Computer mit 34 % seiner Ressourcen arbeitet.“<br>„Schon gut, Sevek. Was haben Sie bisher herausfinden können?“ fragte Jellico. Sevek trat an eine Konsole heran und betrachtete den großen etwa 4 Meter breiten Plasmaschirm, der an der gegenüberliegenden Wand angebracht war. Grafiken und Datenkolonen scrollten herunter. In der Mitte der Darstellung konnte man das Artefakt sehen, während an der Seite Berichte von Desotos Forschung aufgezeigt wurden. Drei Generationen der Desotos hatten sich mit den Furien beschäftigt, seit die erste Enterprise unter James T. Kirk den ersten Kontakt mit diesen Wesen hergestellt hatte.<br>Dieses Artefakt, das Jellico auf Dedalus 7 gefunden hatte, war zweifellos nur ein Stück von einem größeren Artefakt. Auch die Macht, die es besaß, hatte es eindrucksvoll unter Beweis gestellt, in dem es die Melbourne in diese unbekannte Galaxie transferiert hatte. Diese Wesen, die kurz vor dem Transfer die Melbourne angegriffen hatten. Sie ließen Jellico keine Ruhe.<br>Denn diese Geschöpfe wussten, wonach Jellico suchte, und sie offenbarten ihm auch indirekt, dass sie ihn beobachtet hatten, womöglich auch Desoto.<br>Dieser Umstand beunruhigte den alten Offizier zutiefst. Er musste herausfinden, was sich hier befand. Denn es war kein Zufall, dass der Transfer hier geendet hatte. Da war sich Jellico instinktiv sicher.<br>„Könnte es sein, dass der Tricorder mit seinen Standardmessungen das Artefakt in Gang gesetzt hat?“ hakte Jellico nach. Sevek gab einige Befehle ein.<br>„Eine durchaus denkbare Möglichkeit, Sir. Ich lasse einen Standardscan über das Artefakt laufen und...“ Der Boden begann sich unter den beiden Offizieren zu bewegen und die Lichter flackerten.<br>„In Ordnung, Sevek. Beenden Sie den Scan. Ich glaube, wir sind unseren Antworten etwas näher gekommen.“<br>„Das denke ich auch, Sir.“ Unfassbar, ein Vulkanier mit Hang zum Sarkasmus, dachte Jellico grimmig. Das Beben hörte auf und das Licht stabilisierte sich wieder.<br>„Aber wir sollten vorerst von der Möglichkeit eines erneuten Transfers absehen, Admiral. Sonst löst sich das Schiff im Transfertunnel spätestens vollkommen auf.“<br>„Wäre mir nie in den Sinn gekommen, Sevek. Also wann können wir einen Retransfer wagen?“<br>„Vielleicht in einem Monat. Denn dann sollte die Hülle soweit wieder stabilisiert sein, damit sie auch die Belastungen, die der Transfer mit sich bringt, standhält.“<br>„Haben Sie sonst noch gute Nachrichten, Sevek?“<br>„Nein, Sir.“<br>„Danke, Sevek.“ Jellico blickte wieder auf das Artefakt. Dieses Ding war dafür verantwortlich, dass sein Schiff als halbes Wrack mit 12 % Impulskraft durch einen Asteroidengürtel schleichen musste.<br>Im Moment war das Schiff wehrlos. Keine Waffen, keine Schilde. Nicht einmal einen Warpantrieb mit dem man sich vor einem Gegner in Sicherheit bringen könnte. Und das alles in einem Teil des Universums, den bestenfalls Astronomen mit ihren Teleskopen zu sehen bekamen.<br>Zu allem Überfluss waren sie auch anscheinend nicht alleine. Die Crew, die die Reparaturen an der Warpgondel ausführten, hatten etwas bemerkt, dass auf ein Shuttle schließen lassen könnte, das sie beobachtete, seit sie hier gestrandet sind. Denn dies konnte nur eines bedeuten: Ungebetener Besuch. Und der Bedarf an diesem war bei Jellico vorerst gedeckt.<br><br>Langsam hob Ortunis den Blick zur gegenüberliegenden Wand seines Quartiers, das sich auf dem Hauptdeck der Wraht befand. Ortunis saß im Schneidersitz in der Mitte des Raumes vor einem tränenförmigen Kristall, der violettschimmernd in der Luft schwebte. Jener Kristall war eines der Relikte der Furien, die den Exodus und die dunkle Zeit danach überdauert hatten.<br>Seit Wochen hatte er es sich zur Gewohnheit werden lassen einmal am Tag zu meditieren. Eine Tradition, die nur noch sehr selten von den Kommandanten der Furienschiffe gepflegt wurde.<br>Doch vor wenigen Tagen veränderte sich etwas in seinem Geist. Er träumte von Personen und Umgebungen, die er noch nie gesehen hatte. Einiges kannte er aus den Berichten von früheren Begegnungen der Furien mit den Unreinen im Paradies. Doch es war mehr als nur ein Traum.<br>Ortunis hatte das Gefühl mit einem Unreinen zu kommunizieren. Und er mit ihm. Ortunis spürte dies. Jemand, der in seiner Heimatgalaxie auf einem Schiff diente, kommunizierte auf einer telephatischen Ebene. Dessen war sich Ortunis sicher. Ortunis erinnerte sich an ein Gespräch mit diesem Mann. Was genau dabei besprochen wurde, diese Erinnerung verfaserte sich in seinem Gedächtnis. Doch Ortunis wusste, dass er den Fremden eine wohlgemeinte Warnung zukommen ließ.<br>Womöglich habe ich einen Verbündeten gefunden, dachte er sich, während er sein Gewand glättete. Er würde hier bald eintreffen. Das wusste er. Es war vorbestimmt. Alles war vorbestimmt. Auch der Verrat der Goald. Ortunis ließ seine Verbündeten unauffällig durch seinen Sicherheitschef überwachen. Dabei hatte er in der Tat einige Verdachtsmomente entdecken können, aber keine Beweise. Ortunis brauchte diese Beweise, um eine Katastrophe zu verhindern, die den endgültigen Untergang seiner Rasse bedeuten konnte. Den Untergang einer jahrtausenden alten Zivilisation, die schon fast beim großen Exodus vor 5000 Jahren unterging. Eine erneute Ära der Dunkelheit würden sie nicht überstehen. Das wusste Ortunis, er spürte es. Er musste handeln.<br><br>Avalon 3. Eine Welt, die nur aus einer einzigen Wüste zu bestehen schien, drehte sich unter der Monitor langsam dahin. John Lewinski war an diesem Tag sehr früh aufgestanden. In der letzten Stunde hatte er Meldungen erhalten, das im Deneb-Sektor vermehrt Subraumaktivitäten aufgespürt wurden, die denen ähnelten mit denen die Monitor es zu tun bekam.<br>Gebannt sah nun John auf dem Hauptschirm und trommelte einen alten andorianischen Blues.<br>Eine Angewohnheit, die er seit Jahren geglaubt hatte, abgelegt zu haben. Doch nun war ihm einfach danach zumute. Das Aufheulen eines Sensorenalarms lenkte die Aufmerksamkeit des Captains in Richtung Wissenschaftskonsole, die von Arena Tellom besetzt war.<br>„Captain, ein klingonischer Kreuzer der Vor`Cha Klasse enttarnt sich an Steuerbord“, meldete die Trellianerin.<br>„Wir werden auf allen Frequenzen gerufen, Sir.“ Lewinski zog seine Stirn in Falten und erhob sich aus dem Sessel. Dass die Klingonen ausgerechnet jetzt auftauchten, konnte kein Zufall sein. Dieses Volk hatte immer einen Hang dazu sehr direkt zu sein. Immerhin war eine Schwadron klingonischer Schiffe vor 100 Jahren bei dem Erstkontakt mit den Furien dabei. Damals hielten die Klingonen die Furien für die alten Götter, die sie einst getötet hatten. Daher bat damals General Kellen James Kirk um Hilfe, um diese Dämonen zu besiegen.<br>Wie es sich herausstellte, waren die Götter, die damals von den Klingonen getötet wurden, Furien, die auf der klingonischen Heimatwelt lebten. Diesen Vorfall hatten die Klingonen niemals vergessen. Der Kreuzer, der an Steuerbord der Monitor erschienen, ist war der Beweis dafür, dass die Klingonen von der Föderation informiert wurden. Aber schloss das auch die Position von Geheimdienstschiffen der Sternenflotte ein?<br>Lewinski starrte noch einige Sekunden auf den Klingonenkreuzer, der gut 4 mal so lang wie die Monitor war.<br>„Arena. Einen Kanal öffnen“, befahl John.<br>„Kanal offen, Captain. Sie können sprechen“, antwortete Arena.<br>Auf dem Hauptschirm wurde die Brücke des Klingonenkreuzers sichtbar, die in ein rotes mattes Licht getaucht war. Die Offiziere an den Konsolen waren nur als dunkle Schatten zu erkennen, während der Kommandant in seinem Sessel deutlicher ausgeleuchtet war.<br>„Ich bin Captain John Lewinski vom Raumschiff Monitor.“<br>„Ich bin Commander Kort vom Klingonenkreuzer Bortahs. Ich grüße Sie, Captain Lewinski.“<br>Der Klingonencommander lächelte John auf die typische arrogante Weise an. John musterte den Kommandanten sehr schnell. Es war ein junger aufstrebender Offizier, der offenbar aufgrund guter und mächtiger Verbindungen so schnell zu einem Kommando über einen Kreuzer der Vor`Cha Klasse gekommen war.<br>Lewinski hatte keinen Zweifel, dass dieser junge Mann nur aufgrund eigener Interessen hier war. Das konnte der Captain der Monitor geradezu spüren. In diesem Moment betraten Matt und Elizabeth Fraiser die Brücke. Beide sahen erstaunt sich an, als sie den Klingonen auf dem Hauptschirm erblickten. Langsam trat Matt an seinen Captain heran. Vorsichtig sondierte Matt den Klingonen mental.<br>„Commander Kort. Was verschafft uns die Ehre?“ fragte Lewinski.<br>„Wir betreiben hier archäologische Ausgrabungen, Captain. Und was machen sie mit einem getarnten Schiff hier?“ fragte Kort. Seine Neugierde war eine Herausforderung und Unverschämtheit zugleich. Lewinskis Blick wurde zorniger. Er reagierte angemessen auf die Provokation des Klingonen.<br>„Wir sind ebenfalls auf einer Forschungsmission hier, Commander“, antwortete Lewinski.<br>„Und deswegen müssen Sie sich tarnen, Captain?“<br>„Aufgrund von Aktivitäten der hiesigen Piraten, Commander.“<br>„Verstehe, Captain. Da wir Beide diese Ruinen auf dem Planeten untersuchen, würde ich vorschlagen, dass wir es gemeinsam tun sollten, um somit die Ressourcen zu bündeln.“<br>„Einverstanden. Wir werden in Kürze ein Team herunterbeamen.“<br>„Wir ebenso. Ich erwarte sie auf der Oberfläche, Captain Lewinski. Quapla.“ Kort verschwand vom Schirm.<br>Lewinski drehte sich zu seinem ersten Offizier um.<br>„Captain, er lügt, wenn er behauptet, im Auftrag des Reiches hier zu sein. Er verfolgt mit der Spitzohrigkeit eines Romulaners seine Interessen. Glauben Sie mir Skipper, Zusammenarbeit mit uns ist das letzte, was er gebrauchen kann.“<br>„Genau das habe ich schon vermutet, Matt. Beame mit einem Team herunter und seid vorsichtig. Die Klingonen dürfen die Artefakte nicht in die Hände bekommen. Ich werde inzwischen Erkundigungen über unseren Freund auf der Heimatwelt der Klingonen einholen.“<br>„Verstanden, Skipper.“ Matt nickte und stellte knapp sein Team zusammen, zu dem Danny Bird, Arena Tellom und drei weitere Sicherheitswächter gehörten.<br><br>Spärlich fielen einige Lichtstrahlen in eine große Halle, die schon seit Jahrtausenden nicht mehr von humanoiden Lebewesen betreten worden war. An den pastellfarbenen Wänden wurde der Schimmer des Föderationtransporterstrahls reflektiert, als sich Price und sein Team rematerialisierten.<br>Matt atmete die trockene, warme Luft tief ein. Nach einigen Sekunden wandte er sich an Arena Tellom, die die Halle mit dem Tricorder sondierte.<br>„Konnten Sie die Klingonen entdecken Arena?“ fragte Matt.<br>„Nein, Commander. Aber ich erfasse massive Verteronstrahlung.“ Matt nickte. Er gab ein lautloses Zeichen an Bird, worauf der Sicherheitschef der Monitor seinen Hand Phaser aus dem Hohlster zog.<br>„Halten Sie alle die Augen offen“, sagte Matt und ging mit Bird voraus.<br><br>Langsam durchschritt das Außenteam die große Halle. Die Schritte der Stiefel knirschten leise unter dem Sand und Staub, der sich über die Jahrtausende hier angesammelt hatte. Nur an den Türbogen fanden sich verblasste Schriftzeichen, die der Tricorder von Arena nicht zu identifizieren vermochte. Immer wieder blieben die Offiziere stehen und legten einen Horchhalt ein.<br>Doch von Klingonen oder von überhaupt jemand anderes war nichts zu hören. Wo zum Geier waren die Klingonen, fragte sich Matt. Waren sie etwa in einen anderen Teil der Ruinen gebeamt? Während sie weitergingen, berührte Matt seinen Kommunikator.<br>„Price an Monitor.“ Nur statisches Rauschen drang aus dem Lautsprecher.<br>„Kein gutes Zeichen. Wir gehen trotzdem weiter. Phaser auf maximale Betäubung“, befahl Matt.<br><br>Nach 20 Minuten des Wartens wechselte die Darstellung von der Borthas auf dem Hauptschirm zum Logo des Klingonen Imperiums. John erhob sich aus dem Sessel.<br>„Hier spricht Kanzler Martock vom Klingonischen Imperium.“<br>„Ich grüße Sie, Kanzler Martok. Ich bin Captain John Lewinski vom Föderationsraumschiff Monitor“, begrüßte John den ehemaligen General der Klingonen, der sich einen großen Namen im Dominion-Krieg gemacht hatte.<br>„Was kann ich für Sie tun, Captain?“<br>„Ich brauche Informationen über einen Commander namens Kort und sein Schiff, die Borthas.“<br>„Kort?!“ Martock spuckte den Namen geradezu aus.<br>„Ja, Kanzler“, antwortete John ruhig. Martocks Augen begannen vor Freude kurz zu funkeln.<br>„Captain, ich beglückwünsche Sie. Sie haben einen der Gesuchtesten Feinde des Reiches aufgespürt. Kort wird des Hochverrats beschuldigt. Er ist ein Anhänger der Duras Familie. Wir suchen ihn seit einem Monat. Wie haben Sie es geschafft, ihn aufzuspüren?“<br>„Nun Kanzler, er hatte sich einfach vor unserem Bug enttarnt“, erklärte Lewinski.<br>„Captain. Wenn Sie uns sagen können, wo sich Kort befindet, werden wir uns seiner annehmen.“ John nickte. Die Monitor war eh nicht lange da und Kort konnte sie nicht mit der Borthas einholen.<br>„Er befindet sich im Deneb Sektor, im Orbit einer Welt, die wir Avalon 3 nennen.“<br>„Ausgezeichnet. Dort befindet sich zur Zeit eine kleine klingonische Spezialeinheit, die nach Kort sucht. Falls Sie Hilfe benötigen, Captain, zögern Sie nicht diese Einheit zu rufen. Ich übermittle ihnen die Kommfrequenzen.“<br>„Ich danke ihnen, Kanzler.“<br>„Captain Lewinski. Trauen Sie Kort nicht über den Weg. Vergessen Sie niemals, dass dieser räudige Sohn einer Romulanerin ein Verräter ist.“<br>„Ich werde es nicht vergessen, Kanzler.“<br>„Quapla, Captain Lewinski.“ Martock schloss mit einem Grinsen den Kanal.<br>„Ardev. Rufen Sie das Außenteam und informieren Sie es über den neuesten Stand.“<br>„Aye, Captain.“ Ardev betätigte einige Schaltflächen und blickte wieder auf.<br>„Captain, die Kommverbindung lässt sich nicht mehr herstellen und die Sensoren können Sie nur noch schwach erfassen.“ Lewinski trat an die Wissenschaftskonsole heran.<br>„Sieht so aus, als ob dieser Bereich abgeschirmt wäre“, sinnierte der Captain der Monitor.<br>„Als erschwerend kommt hinzu, dass die Klingonen auf dem Planeten auch nicht zu finden sind. Wir sind uns nur sicher, dass sie auch ein Team heruntergebeamt haben. Womöglich haben die Klingonen die gleichen Probleme wie wir.“<br>„Bleiben Sie dran, Ardev. Wenn eine positive Erfassung des Teams wieder möglich ist, beamen Sie sie unverzüglich hoch.“<br>„Verstanden, Sir.“<br><p align="center“"><b>Kapitel 4</b></p><br>Immer tiefer drang das Außenteam in die Ruinen vor. Die große Halle hatten Price und seine Offiziere schon vor Minuten zurückgelassen. Nun folgte die Gruppe einem schmalen Korridor, der scheinbar unendlich war. Die Temperatur ließ merklich nach, so dass bald jeder aus dem Team anfing zu frösteln.<br>Der Atem kondensierte in der Luft zu kleinen Wolken. Unter den Stiefeln knirschte auch seit langem kein Sand mehr. Das Poltern von altem Stahl war nun zu vernehmen, obwohl jeder aus der Gruppe sich bemühte, leise zu gehen. Arena überprüfte immer wieder ihren Tricorder und scannte nach klingonischen Lebenszeichen. Doch bisher konnte das kleine Gerät nichts erkennen. Nur die Verteronstrahlung schien mit jedem Meter, den das Außenteam zurücklegte, stärker zu werden. Bisher konnten auch der Tricorder nicht erkennen, was die Quelle der Strahlung sein könnte. Wenn sie nur Kontakt zur Monitor herstellen könnten, die Sensoren des Schiffes wären bestimmt eher in der Lage aufzuklären, was da unten nun passierte. Doch Matt befürchtete das, dass das selbe Dämpfungsfeld, das ihre Kommunikation mit den Schiff verhinderte, auch dafür sorgte, das man auf der Monitor nicht wusste, was hier unten passierte.<br>Ob das die Klingonen auch wissen, fragte sich Matt und drehte sich um. Er vergewisserte sich das die Gruppe noch zusammen war.<br>Wer weiß? Vielleicht haben die Klingonen das gleiche Problem? Matt leuchtete wieder den Gang mit der Handlampe nach vorne aus. Oder ob das Dämpfungsfeld ihr Werk war? Immerhin wollte der Captain ihm noch mitteilen, was er bei der klingonischen Regierung in Erfahrung gebracht hatte.<br>War dies vielleicht der Grund, warum die Kommunikation gestört wurde? Damit sie Captain Lewinski nicht warnen konnte? Matt schob diese Gedanken beiseite und konzentrierte sich wieder auf den vor ihm liegenden Korridor, der nicht breiter als einen Meter war. Das Zirpen von Arenas Tricorder wurde immer schneller. Schließlich ertönte ein Sensoralarm.<br>„Matt, die Verteronemissionen nehmen bedenklich zu. Die Energiequelle muss sich direkt am Ende des Ganges befinden.“<br>„Wie weit sind wir noch davon entfernt, Arena?“<br>„Noch 60 Meter, Matt.“<br>„Dann lasst uns weitergehen. Vielleicht treffen wir auch auf unsere klingonischen Freunde“, sagte Matt und setzte den Weg fort.<br><br>Es dauerte nicht lange und das Außenteam der Monitor hatte das Ende des Korridors erreicht.<br>Die Offiziere fanden sich in einem kuppelartigen Raum wieder. In der Mitte der Kuppel war eine erhöhte Plattform. Matt leuchtete die Plattform mit der Handlampe aus.<br>Dort war es, das fehlende Artefakt. Desoto hatte es Matt sehr genau beschrieben. Es war ein weiterer Kasten, der aber etwas größer war als der, der sich auf der Monitor befand.<br>Danny und seine Leute schwärmten langsam aus. Sie sicherten die Kuppel, während Matt und Arena sich zur Plattform aufmachten.<br>Nachdem sie auf die Plattform geklettert waren, blieben die beiden Offiziere etwa 2 Meter vor dem Podest stehen auf dem das Artefakt stand. Arena sah konzentriert auf das Display ihres Tricorders.<br>„Matt, das Artefakt wird durch ein Kraftfeld geschützt. In einigen Minuten habe ich es abgeschaltet. Aber von der Quelle der Verteronstrahlung bekomme ich keine klaren Anzeigen. Es scheint, als ob die Quelle sich etwas weiter unter uns befindet.“<br>„Eine Art Reaktor, der diese Ruine immer noch mit Energie versorgt?“<br>„Gut möglich, Matt.“<br>Matt sah sich wieder um und holte auch seinen Tricorder hervor. Er scannte nun nach klingonischen Lebenszeichen. Doch das kleine Gerät schien nichts finden zu können. Wo waren die Klingonen?<br><br>Mit schnellen und lauten Schritten eilte das klingonische Team durch die Korridore der Ruinen auf Avalon 3. Die letzten drei Klingonen des Trupps drehten sich um und feuerten ohne zu zielen ihre Disruptoren ab. Angst verzerrte ihre Gesichtszüge.<br>Schreie, die nicht von den Klingonen stammten, hallten hinterher. Es waren Schreie, die jedem Intelligenzwesen das Blut in den Adern gefrieren ließ, die Furcht Überhand gewinnen ließ.<br>Nur ein Klingone der 6 Mitgliedern des Trupps war nicht gänzlich verängstigt. Der Mann in den mittleren Jahren lief zielstrebig durch das Wirrwarr aus Korridoren, in das man sie von der Borthas gebeamt hat. Niemand bemerkte, wie professionell ruhig er die Lage sondierte und abwägte, welcher Korridor der richtige war, in den man abbiegen musste. Er wusste, dass diese Furcht, die seine Kollegen befallen hatte, von den Furien künstlich erzeugt wurde. Er wusste auch, dass dies nie wieder geschehen durfte.<br>Deswegen war er hier. Um zu verhindern, dass sich die Apokalyse von einst wiederholte. Er blickte auf seinen Tricorder. Die Offiziere der Sternenflotte waren bereits am Artefakt angelangt. Zufrieden betätigte er einige Tasten auf dem Tricorder und steckte das Gerät ein.<br>Dann beschleunigte er seinen Schritt und bog nun wieder in einen anderen Gang ein, der nun direkt zum Artefakt führte. Währendessen hallten immer noch die Disruptorschüsse durch die Korridore, mit den Angstschreien von verzweifelten Klingonen.<br><br>Angespannt sah Lewinski auf den Hauptschirm, der die Borthas zeigte, wie sie neben der<br>Monitor im Standardorbit von Avalon drehte, schwebte. Seit Minuten versuchte Lewinski mit dem Außenteam auf dem Planeten Kontakt zu bekommen. Der einzige Trost für den Kommandanten der Monitor bestand darin, dass die Klingonen ebenfalls nicht mit ihren Leuten in Kontakt treten konnten.<br>Zu all dem kam noch hinzu, dass Ardev vor einer halben Stunde eine Verteronquelle auf dem Planeten geortet hatte, die sich in der Nähe der Landekoordinaten des Außenteams befand.<br>Seitdem versuchte Ardev zu bestimmen, wo genau sich die Verteronquelle befand. Professor Desoto ging Ardev zur Hand, da er die Ruinen wesentlich besser kannte. Aber auch er schien von dieser Verteronquelle überrascht zu sein.<br>„Konnten Sie irgendwas in Erfahrung bringen, meine Herren?“ fragte Lewinski.<br>„Tut mir Leid, Captain. Nein, bisher dringen die Sensoren nicht durch das Dämpfungsfeld. Wir vermuten aber, dass die Verteronquelle das Dämpfungsfeld mit Energie versorgt“, erklärte Ardev. Dabei legte er seine Fühler ganz an den Kopf an. Ein Zeichen dafür, dass er frustriert war. Immerhin war seine Ehefrau und seine Freunde auf dem Planeten. Und keiner wusste, ob ihnen was zugestoßen war.<br>„Was machen die Klingonen, Denise?“ fragte John und wandte sich an die gegenüberliegende Station, an der die junge Afrikanerin saß. Denise Smith drehte sich im Sessel um.<br>„Sie versuchen immer noch mit ihren Leuten in Kontakt zu treten. Außerdem hat sich der Fokus ihrer Sensoren auf uns und auf die Verteronquelle gerichtet. Und ihre Subraumkommunikation weist erhöhte Aktivität auf. Kort scheint eifrig mit einem Mitglied der Duras-Familie zu sprechen. Und Kort scheint ziemlich in die Ecke getrieben worden zu sein, Sir.“<br>„Interessant. Zeichnen Sie alles auf, Denise.“ John wandte sich wieder Sanchez zu, der an der Technik saß und eifrig seine Hände über die Kontrollflächen fliegen ließ. Angespannt versuchte der junge Chefingenieur eine Lösung zu finden, um das Außenteam aus dem Dämpfungsfeld herauszubeamen.<br>Eine Reihe von schematischen Darstellungen scrollten über das Display. Währenddessen schien sich auf der Stirn des jungen Spaniers eine Schlucht zu bilden. Ein untrügliches Anzeichen dafür, dass Sanchez sich der Lösung nahe wähnte.<br>„Forschritte, Mr Sanchez?“ fragte Lewinski vorsichtig. Er wollte nicht unbedingt den Chefingenieur aus seinen Gedankenprozessen reißen, aber er wollte auch wissen, ob es Fortschritte gab. Die Ungeduld nagte nahezu unerträglich an Lewinskis Nerven.<br>„Ich glaube ja, Sir“, antwortete Sanchez leise und gab weitere Kommandos in die Konsole ein.<br>„Wenn wir einen Phaserstrahl auf die Koordinaten der Verteronquelle abfeuern, dürfte sich das Dämpfungsfeld für 0,36 Sekunden so schwächen, dass wir beamen können. Ich versuche noch das Zeitfenster noch zu erweitern, aber notfalls könnten wir auch jetzt beamen.“<br>„Wie lange benötigen Sie noch, um das Zeitfenster zu erweitern?“<br>„Noch 5 Minuten, Captain. Dann habe ich die Parameter zum Einstellen der Phaser.“ Lewinski nickte zufrieden. War nur noch zu hoffen, dass Matt und das Team noch Wohlauf sind.<br><br>Schritte. Danny Bird konnte sie leise vernehmen, auch das Fauchen von Disruptoren. Die Geräusche wurden langsam, aber sicher immer lauter und kamen näher.<br>„Matt, die Klingonen werden gleich da sein.“<br>„Verstanden Danny. Arena, was macht das Kraftfeld?“ fragte Matt die junge Offizierin.<br>„Erledigt, Matt“, sagte sie und in diesem Moment erlosch das bläuliche Glühen, das das Artefakt umgab. Vorsichtig hob sie das Artefakt an und nahm es vom Podest. Ein Rumoren wurde nun hörbar, das bedrohlich anwuchs.<br>„Was passiert denn nun jetzt hier?“ fragte Danny und ließ dabei den Korridor, aus dem die Schritte kamen, nicht aus den Augen.<br>Matt aktivierte wieder seine Tricorder.<br>„Scheint so, als ob wir so was wie einen Alarm ausgelöst haben. Die Verteronquelle hat sich verstärkt. Wenn die Anzeigen stimmen, wird es zu einem Kollaps der Energiequelle kommen und den halben Planeten in die Luft jagen.“ Zu dem Rumoren gesellte sich jetzt auch ein Beben, das Matt beinahe von den Füßen gerissen hätte. In dem Moment, als Matt glaubte, dass gleich alles um ihn herum explodieren würde, kamen die Klingonen in die Kuppel und starrten vor Angst gezeichnet die Starfleetangehörigen an.<br><br>Die Wände der Kuppel begannen zu glühen. Fremde Schriftzeichen traten hervor. Matt starrte kurz auf die Klingonen.<br>„Was haben Sie getan, Föderation?“ fragte der Anführer des klingonischen Trupps.<br>„Ich befürchte, wir haben den Hausalarm ausgelöst. Dummerweise können wir immer noch nicht mit unserem Schiff in Kontakt treten“, antwortete Matt.<br>„Wir können ebenfalls keine Verbindung mit dem Schiff aufnehmen. Sieht so aus, als ob dies ein guter Tag zum Sterben ist, Commander“, knurrte der Klingone, der am ruhigsten zu sein schien.<br>„Noch ist es nicht soweit“, antwortete Matt ruhig. Er hoffte auf ein Wunder.<br><br>„Captain, die Verteronquelle überlädt sich und das Dämpfungsfeld wird schwächer. Ich habe das Außenteam und die Klingonen gefunden. Sie befinden sich etwa 50 Meter unter der Oberfläche“, meldete Ardev aufgeregt. Lewinski drehte sich zu dem Andorianer um.<br>„Wie lange bis zur Explosion?“ fragte Lewinski.<br>„1 Minute, Sir“, antwortete Ardev.<br>„Mr. Sanchez. Wir beamen unsere Leute an Bord“, befahl Lewinski.<br>„Aye, Sir. Aber ich werde alle einschließlich der Klingonen hochbeamen müssen, da die Sensoren die Lebenszeichen nicht sauber trennen können“, sagte Sanchez.<br>„Machen Sie es so“, antwortete Lewinski.<br><br>Die Phaser der Monitor begannen auf den Planeten einen kurzen Strahl abzufeuern. Als dieser auf die Ruinen auftraf, wurden diese von einem unsichtbaren Energieschirm absorbiert. In diesem Moment entstand eine Strukturlücke in dem Dämpfungsfeld, das der Monitor erlaubte einen Transfer durchzuführen.<br>Sanchez hatte schon eine Schaltung vorbereitet, die es ermöglichte eine große Gruppe zu beamen. Dennoch mussten sich die Personen zum Transfer in einem 15 Meter großen Radius befinden, um sauber erfasst zu werden. Den Emissionen der Verteronquelle zufolge, hatte Sanchez auch nur einen Versuch. Er musste es jetzt tun. Die Verteronpartikel begannen die Eindämmung der Transporter zu schwächen.<br>„Ich gebe Energie für den Transfer“, sagte Sanchez und betätigte die Taste.<br><br>„Die Götter kommen“, brüllte einer der Klingonen. Matt versuchte in den Korridor zu blicken.<br>Doch er konnte nichts erkennen. Inzwischen hatte sich sein Team um ihn herum versammelt.<br>Die Decke begann nun zu bröckeln.<br>Einer der Klingonen sah auf seinen Tricorder und sprang zu Matt und den anderen auf die Plattform. Über ihnen konnte man das Fauchen eines Schiffsphasers der Sternenflotte hören, kurz darauf spürte Matt erleichtert das Prickeln des Transporterstrahls. Die übrigen Klingonen feuerten weiterhin in den Korridor auf einen unsichtbaren Feind. Zu spät erkannten sie, dass sie in einer Falle saßen. Wenige Sekunden später wurden sie von Tonnen schweren Deckenplatten begraben. Die Plattform begann nun weiß zu glühen, ein Heulen steigerte sich zu einem Kreischen auf. Eine Welle aus weißem Licht verschlang die Reste des uralten Komplexes.<br><br>Die Monitor schien unter Lewinskis Füßen zu toben. Fast alle auf der Brücke wurden von den Beinen gerissen, als die Energiewelle die Monitor erreicht hatte. Wenige Sekunden zuvor hatte sich das Außenteam und ein Klingone auf der Brücke rematerialisiert.<br>„Captain, massive Subraumverzerrungen bauen sich auf. Es sind die gleichen Werte, wie wir sie von Dedalus 7 kennen. Ein Transfer steht bevor, Sir“, versuchte Ardev den Lärm zu übertönen.<br>„Schilde und Trägheitsdämpfer auf Maximum“, befahl Lewinski. Augenblicklich wurden die Monitor und die Borthas verschlungen. Beide Schiffe fanden sich in einem Transfertunnel wieder. Riesige blau leuchtende Kugeln aus Energie schwebten auf die beiden Schiffe zu. Der Klingone rappelte sich auf und wandte sich an Lewinski.<br>„Captain, weichen sie diesen Kugeln aus. Es ist ein Verteidigungssystem.“<br>„Woher wissen Sie das?“<br>„Wenn Sie wollen, dass ich ihre Fragen beantworten soll, dann tun Sie, was ich sage.“ Lewinski nickte. Inzwischen hatte Matt am Steuer Platz genommen und leitete die ersten Ausweichmanöver ein.<br><p align="“center“"><b>Kapitel 5</b></p><br>Nur knapp konnte die Monitor unter einer der Energiekugeln hinwegtauchen. Dabei begannen die Schilde zu flimmern. Entladungen stoben in Funken aus den Konsolen auf der Brücke.<br>Keine 4 Kilometer hinter der Monitor schwankte die Borthas unter den Emissionen der Kugeln.<br>Die Schilde des Klingonenschiffes begannen zu flimmern. Matt hatte die Heckansicht auf den Schirm gelegt.<br>Gebannt sah Lewinski, wie eine Kugel die Schilde der Borthas direkt streifte. Risse bildeten sich in dem Backbordflügel des Schiffes. Die Monitor legte sich wieder scharf auf die Seite, als Matt nur knapp einer weiteren Kugel ausweichen konnte.<br>„Was ist das, Professor?“ fragte Lewinski.<br>„Es scheint sich um eine Art Schutzmechanismus zu handeln, der verhindern soll, dass ungebetener Besuch den Transfertunnel benutzt“, sagte Desoto.<br>„Captain. Noch einen Treffer wird die Borthas nicht verkraften können. Ihre Schilde haben soeben versagt“, meldete sich Ardev zu Wort.<br>Auf dem Schirm konnte man sehen, wie eine Kugel frontal auf die Borthas zuhielt. Kurz darauf platzte der Raumer der Vor`Cha Klasse in einem Feuerball auseinander.<br><br>Gefährlich nahe kamen die Kugeln immer mehr der Monitor entgegen. Die Schilde des kleinen Schiffes flackerten immer stärker auf. Matt hatte Mühe das Schiff in einem Stück durch den Transfertunnel zu bekommen. Die Hauptenergie war auf 20 % gefallen, was zur Folge hatte, dass die Beleuchtung auf der Brücke ausfiel.<br>Funken stoben aus den Konsolen. Die Luft roch nach verbranntem Ozon. Lewinski hörte deutlich, dass sein Schiff im Todeskampf lag. Wenige Sekunden später war Matt allen Kugeln ausgewichen und die Monitor verließ den Transfertunnel. Die Triebwerke erloschen flackernd und das kleine Schiff kam nun zum Stillstand.<br><br>Sie wissen nicht, dass wir sie beobachten. Ortunis sah auf das Display der Wissenschaftsstation auf der Brücke der Wraht. Seit 3 Stunden beobachtete der Kommandant der Wraht die Menschen bei ihren Bemühungen ihr Schiff wieder einsatzbereit zu bekommen.<br>Die Beschädigungen des Menschenschiffes wurden von Goald Waffen verursacht. Ein Umstand, den Ortunis erstaunte, aber auch nicht überraschte.<br>Er hatte schon seit geraumer Zeit den Verdacht, dass die Goald ihr eigenes Spiel hier spielten.<br>Ihnen war nicht an einer Erneuerung des alten Bündnisses gelegen. Nein, sie wollten nur ihre Position stärken und die Furien aus dem Weg räumen. Ortunis beobachtete, wie die menschlichen Besatzungsmitglieder an dem Katamaran ähnlichen Raumschiff die Reparaturen des Triebwerks und der Hüllenbrüche vornahmen. Vielleicht sollte ich in Kontakt mit den Unreinen treten. Trotz aller Vorurteile scheinen mir die Menschen vertrauenswürdig zu sein.<br>Ich muss bald den Vergo des Menschenschiffes sprechen, sinnierte Ortunis.<br>Ein Piepsen unterbrach den Gedankengang der Furie. Ortunis drehte sich zu dem Hauptschirm um. Der Nebel, der auf der Brücke vorherrschte, wich etwas beiseite, um eine Kommunikation zu ermöglichen. Auf dem Schirm erschien eine Gruppe von Furien, die im Halbdunkel an einem Tisch saßen. Mächtige Hörner, Nacken, Hornplatten, Tentakeln und Flughäute zeichneten sich in den Konturen ab. Die Führer der Furien bestanden aus je einem Repräsentanten der Völker.<br>Mit Argwohn nahm Ortunis zur Kenntnis, dass auch die Goald einen Vertreter dort hatten. Ihm gefiel es überhaupt nicht, dass die Goald alles mitbekamen. Ortunis kam sich bald wie ein Gefangener im eigenen Haus vor.<br>Doch er hatte keine Beweise und wenn, dann würden die Goald die Pistole abfeuern, die sie den Furien an die Brust gesetzt hatten. Die Furien würden keinen weiteren internen Konflikt mehr überleben. Dazu waren die Ressourcen zu gering. Und darauf zielten die Goald ab. Das wusste Ortunis. Er konnte seine Leute nicht einmal vor der Gefahr warnen, die unheilvoll an diesem Tisch saß und sich als Verbündeter ausgab.<br>„Ortunis, Vergo der Wraht. Berichten Sie“, begann der Ratsälteste. Ortunis begann seinen Bericht abzuliefern. Warum sind mir nur die Hände gebunden? Warum? fragte er sich. Konnte man das Unheil noch abwenden? Ortunis hoffte es.<br><br>Protestierend flackerte wieder die Beleuchtung auf der Brücke der Monitor auf. Die Besatzungsmitglieder machten sich auf, das Schiff wieder in Gang zu setzen.<br>„Wir hatten verdammtes Glück, dass ich vorsichtshalber den Warpkern mit einem Ebene 10 Kraftfeld geschützt habe. Dadurch haben wir die Hauptenergie wieder in 2 Stunden online“, berichtete Sanchez. Er wischte sich eine Strähne seines Haars aus der Stirn, während er sich wieder seiner Konsole zuwandte, deren Indikatoren alle auf Rot waren. Kaum ein System, das nicht beschädigt war.<br>„Gute Arbeit, Mr. Sanchez. Machen Sie weiter so“, lobte John seinen Chefingenieur. Sanchez lächelte kurz und war auch schon wieder in die Aufgabe vertieft. Dann erblickte John den Klingonen, der mit dem Außenteam an Bord der Monitor gebeamt wurde. Danny Bird hielt den gut 2 Köpfe größeren Klingonen mit einem gezückten Typ II Handphaser in Schach. Abwartend musterte der Klingone die Umgebung. John erkannte, dass diese Augen die Brücke der Monitor kannten. Doch wie konnte dies sein? Auch wirkte er zu ruhig.<br>„Wer sind Sie?“ fragte John. Der Klingone lächelte und entblößte dabei seine Zähne.<br>„Ich bin Lieutenant Kleng vom klingonischen Geheimdienst. Ich habe den Auftrag, Kort daran zu hindern, diese Artefakte zu bekommen. Außerdem sollte ich sie vernichten, bevor jemand anderes davon noch erfährt. Es ist von äußerster Wichtigkeit, dass ich meinen Auftrag erfülle, Captain Lewinski“, antwortete der Klingone.<br>„Warum sollen die Artefakte vernichtet werden? Warum ist der Hohe Rat dieser Ansicht, Kleng? Antworten Sie, Lieutenant“, verlangte John in einem drohenden Ton.<br>„Diese Artefakte werden dem Alpha- und dem Betaquadranten den Untergang bringen.“<br>„Was macht Sie dessen so sicher, Kleng?“<br>„Weil ich es schon einmal erlebt habe, Sir. Ich muss verhindern, dass es wieder geschieht. Um jeden Preis.“ John konnte nicht fassen, was er da hörte. Er musste herausfinden, was es mit Kleng wirklich auf sich hatte. Doch zunächst musste sich John erst um sein Schiff kümmern.<br>„Darüber sprechen wir noch nachher, Kleng. Danny, bringen Sie Lieutenant Kleng in die Arrestzelle“, befahl John.<br>„Aye, Captain.“ Bird bedeutete Kleng voraus zu gehen, dabei wurde er von 2 Sicherheitsleuten begleitet. Frustriert sah sich John wieder auf der Brücke um. Warum musste alles auf einmal kommen, wenn es mal kommen muss?<br><br>Etwas passiert! Das spürte Matt für den Bruchteil einer Sekunde. Während er auf der Brücke der Monitor stand und die Szene beobachtete. Eine fremde Selbstsphäre versuchte Kontakt mit ihm aufzunehmen.<br>Was passiert? Keine Antwort. Nur das Wissen, dass jemand da war, der mit ihm sprechen wollte. Matt versuchte diese mentalen Signale zu blocken, doch es gelang ihm nicht.<br>Wer sind Sie? Was wollen Sie? Wo sind Sie? Diese Fragen verhallten ungehört. Die Umrisse der Brücke verschwammen zu einer gewaltigen Flut aus Licht.<br><br>Zur gleichen Zeit begannen die Artefakte leicht zu glühen. In dem gegenwärtigen Chaos auf dem Schiff fiel das niemanden sonderlich auf. Jeder war damit beschäftigt, die Systeme der Monitor wieder in Stand zu setzen.<br>Die Artefakte begannen nun Subraumstrahlen abzusenden, versuchten nach den anderen Komponenten ihres alten Selbst zu tasten. Das Wissen, das alle Komponenten wieder in einem Raumsektor vereint war, war zu stark. Zu gewiss. Es dauerte nicht lange und alle 8 Komponenten des einstigen Gebildes, das man als die Seele des Teufels bezeichnet, hatten sich gefunden. Bald würden sie sich auch vereinen und eine neue dunkle Ära einleiten.<br><br>Matt verließ wieder den Tunnel. Splitter, Glasscherben und Schutt knirschten unter seinen Stiefeln. Der Himmel war tiefschwarz. Kaum war eine künstliche Beleuchtung zu erkennen. Wo bin ich den jetzt wieder gelandet? Ist das schon wieder eine Vision? Matt fröstelte, als ein kalter leichter Wind über seinen Rücken strich. Er drehte sich um. Nichts wies mehr auf diesen seltsamen Tunnel hin, durch den er hier her gekommen ist.<br>„Für eine Vision fühlt sich das hier ganz schön echt an!“, hauchte Matt und ging 4 Schritte nach vorne. Nach einigen Minuten hatten sich seine Augen so sehr an die Dunkelheit gewöhnt, dass Matt nun mehr Details seiner Umgebung erkennen konnte. Er stand inmitten von Häuserruinen. Die meisten Häuser waren mal Wolkenkratzer gewesen. Viele von ihnen waren nicht mehr halb so hoch wie vor ihrer Zerstörung. Auch schien das vor langer Zeit passiert zu sein. Vor einigen Jahrzehnten sogar, schätzte Matt. In der Ferne konnte Matt erkennen, dass die Straße auf einen offenen Platz führen musste, zumindest, das, was davon noch übrig war und nicht von den Schuttbergen verschüttet war. Langsam und möglichst leise setzte Matt seinen Weg fort. Hier und da sah er kleine Lagefeuer in den Ruinen von ehemaligen Geschäftszeilen brennen. Auch konnte er die leisen Stimmen von Überlebenden vernehmen. Er hörte kein Klagen, kein Wimmern. Diese Menschen erlebten diese Zerstörung schon längst als<br>Alltag. Matt versuchte, während des Vorbeigehens einen Blick auf die Überlebenden dieser Stadt zu erhaschen. Doch sie alle waren in Kapuzen gehüllt, hatten eine gebeugte Haltung. Jeder, der den Blick von Matt bemerkte, wandte sich instinktiv ab. Matt spürte, dass dies nicht als Beleidigung gemeint war. Es waren gedemütigte Wesen. Es waren Menschen!<br>Matt war über diese Erkenntnis erschrocken. Er nahm ebenfalls noch Vulkanier, Denobulaner, Bajoraner und viele andere Vertreter von Völkern der Föderation und des gesamten Alpha- und Betaquadranten war. Was wollt ihr mir zeigen? Matt beschleunigte seinen Schritt. Die freie Fläche kam immer näher. Wenige Sekunden später hatte Matt die Straße hinter sich gelassen.<br>Er konnte nun das sehen, was von San Fransisco übrig war. Riesige Krater durchzogen die Stadt. Von der Golden Gate Brücke waren nur noch Stummel der zwei Pfeiler übrig, die immer noch trotzend sich aus dem Wasser erhoben.<br>„Grundgütiger.“ Matt ließ seinen Blick Richtung Presidio schweifen. Von dem Sternenflotten-Hauptquartier war nicht mehr als ein rauchender Krater übrig an dessen Rand noch Reste des Hauptquartiers standen.<br>„Wie konnte dies passieren?“ fragte Matt. Eine Antwort blieb aus. Er war allein. Sah es so in der gesamten Föderation aus? Matt schauderte, als er im Hafenbecken das Wrack eines Raumschiffes der Intrepid-Klasse sah. Das Schiff war halb im Wasser versunken. Der Rumpf an den meisten Stellen schwarz. Nur noch vereinzelt lugte die ursprüngliche Farbe hervor. Die Reste der roten Streifen an der sekundären Hülle. Weiter hinten in der Bucht erkannte Matt die Untertassensektion eines Raumschiffes der Galaxy-Klasse, das ebenfalls hier bruchgelandet war. Matt kniff die Augen zusammen und erkannte, dass auf dem Raumschiff der Intrepid-Klasse und der Galaxy-Klasse die Bezeichnung zu erkennen war. Er lief auf den Hafen zu. Versuchte zu erkennen, was für Schiffe es einst waren.<br><br>10 Minuten später war Matt zum Stehen gekommen. Keuchend sah er nun das die Intrepid- Klasse sich mit ihrem Bug in die Hafenlager gerammt hatte. Das trübe Licht der Abendsonne fiel nun auf die oberen Decks. Matt lass die Bezeichnung.<br>„NCC 74656 - A USS VOYAGER.“ Die Galaxy stellte sich als die USS CHALLANGER heraus. Wie ein gestrandeter Wahl wurde sie vom Wasser des Pazifiks umspült. Als Matt sich wieder in Richtung Presidio zuwenden wollte, spürte er das noch jemand die Szene beobachtete. Es war Ortunis. Wütend drehte sich Matt um.<br>„Haben Sie damit zu tun? Wissen Sie, warum dies geschah?“ fragte Matt. Ortunis neigte den großen Kopf zur Seite. Auch er betrachtete sich erst die Ruinen und die Wracks der Raumschiffe.<br>„Nein. Ich selbst habe nichts direkt damit zu tun. Dennoch habe ich dieses Zeitalter erlebt. Und wenn wir nichts dagegen tun, werden wir es erneut erleben.“<br>„Sie sprechen in Rätseln.“ Ortunis nickte wissend.<br>„Spricht denn dies hier nicht eine sehr deutliche Sprache?“ fragte Ortunis, breitete seinen Arm aus und deutete auf die VOYAGER.<br>„Was Sie hier sehen, ist das Ergebnis der Invasion durch die Goald. Wir selbst wurden vernichtend geschlagen. Wir hielten sie einst für Verbündete. Doch sie hintergingen alle in diesem Spiel. Wie Sie unschwer erkannt haben, ist dies eine Projektion der Erde wie sie in 45 Solarjahren sein wird.“ Ortunis faltete nun seine Hände zusammen.<br>„Ich verstehe immer noch nicht, warum Sie mir dies hier zeigen?“<br>„Sie werden es bald verstehen, Commander.“<br>„Heißt das, wir haben eine Chance dies hier ungeschehen zu machen?“ fragte Matt hoffnungsvoll.<br>„Es gibt immer eine Möglichkeit. Im Interesse von uns allen hoffe ich, dass Sie sie auch finden und Nutzen werden.“<br>„Können Sie mir nicht mehr sagen?“ Ortunis neigte den Kopf schuldbewusst nach unten.<br>„Ich wünschte, ich könnte ihnen mehr sagen. Aber die Möglichkeiten dieser Kommunikation sind begrenzt. Viel Erfolg.“ Nebel zog wieder auf und Ortunis verschwand darin. Auch die Reste von San Fransisco verschwanden in dem Nebel. Kurz darauf fand sich Matt wieder auf der Brücke der Monitor.<br><br>„Matt, alles in Ordnung?“ fragte John, nachdem er den ersten Offizier an den Schultern gepackt und ihn ein wenig geschüttelt hatte.<br>„Ich hatte eine Vision, Captain. Mir geht es gut“, antwortete Matt etwas abwesend.<br>„Ich muss mit ihnen reden, Skipper. Es ist ernster, als wir bisher annahmen.“ John nickte und folgte seinem Stellvertreter in das Büro des Captains.<br><p align="“center“"><b>Kapitel 6</b></p><br>Kaum hatten sich die Schotten hinter Jellico geschlossen, bemerkte er, dass er nicht alleine in seinem Quartier an Bord der Melbourne war. Das einzige Licht, das den Raum erhellte, fiel durch die Bullaugen. In 3 Milliarden Kilometer strahlte ein Stern des G-Typs sein Licht ab. Um ihn herum kreisten nur die Trümmer eines Sonnensystems das vor 10 000 Jahren vernichtet wurde.<br>„Ich hatte Sie nicht so schnell wieder erwartet“, begann Jellico und ließ sich in einen Sessel nieder. In der gegenüberliegen Ecke bewegte sich eine Gestalt. Sie war nicht größer als 1,50.<br>Die Person atmete etwas schwer, was Jellico darauf schließen ließ, dass es um die Gesundheit desjenigen nicht gerade zum Besten stand.<br>„Ich weiß, Jellico. Die Situation hat sich geändert. Wieder einmal“, antwortete eine Stimme die durch Alter und Krankheit gezeichnet war. Dennoch kam in ihr Entschlossenheit und Autorität zur Geltung.<br>„Inwiefern?“<br>„Die Monitor ist hier. Das hätte nicht passieren dürfen.“<br>„Wie ist das passiert?“ fragte Jellico.<br>„Kort, dieser Dummkopf hat auf Avalon 3 dafür gesorgt, dass die restlichen Artefakte aktiviert wurden. Die Monitor ist nun hier.“<br>„Verstehe“, hauchte Jellico.<br>„Sie wissen, was auf dem Spiel steht, Jellico. Ein Scheitern können wir uns nicht mehr leisten. Unsere Gegner rücken uns immer näher auf den Pelz, wie die Menschen zu sagen pflegen.“<br>„Sie können sich auf mich verlassen.“<br>„Das hoffe ich, Jellico. Ihre Sensoren werden die Monitor bald aufspüren. Seien Sie ihr Schatten. Die Monitor muss erfolgreich sein. Um unser aller Willen.“ Leises Rascheln deutete darauf hin, dass der Fremde etwas nun auf der Brust berühren wollte.<br>Als Jellico wieder was sagen wollte, war die Gestalt lautlos verschwunden. Er hörte keinen Transportereffekt aufheulen, keine Lichtsäule, die das Quartier erhellt hätte. Jellico fragte sich die ganze Zeit über, wie er da Reingeraten konnte. In eine Art temporaler kalter Krieg. Der Fremde hat ihm eine Datei zukommen lassen, die aufzeigte, was in etwa einem Monat bis 45 Jahre in der Zukunft geschehen würde. Jellico wurde kreidebleich, als er den Inhalt der Datei sah. Er sah nur Tod, Verderben, Schrecken und Angst. Zwei Quadranten der Milchstraßen-Galaxie verwandelten sich in dieser Zeit in eine einzige Hölle, aus der man nur entrinnen konnte, wenn man starb. Ermüdet sank Jellico im Sessel zusammen. Er musste sich ausruhen, wenn er seine Aufgabe erfüllen wollte.<br>3 Stunden später meldeten die Sensoren der Monitor eine gewaltige Masse. Ein riesiges Gebilde, das die Größe eines Klasse-M-Planeten besaß. Ardev rutschte etwas nervös auf seinem Sitz hin und her. Im Moment war eine visuelle Inspektion des Objektes nicht möglich.<br>Auch die Sensoren konnten ihm nichts weitere verraten, außer dass dieses Gebilde eine Duranium-Außenhaut hatte und offenbar über Impulstriebwerke verfügte.<br>„Captain, die Sensoren haben ein riesiges Gebilde erfasst. Es bewegt sich mit halber Impulskraft auf uns zu. Entfernung 8 Lichtjahre“, meldete Ardev.<br>„Ist unsere Tarnung wieder funktionsfähig, Mr Sanchez?“ fragte Lewinski.<br>„Ja, Sir“, antwortete der Spanier.<br>„Tarnung aktivieren. Steuermann, Abfangkurs auf das soeben entdeckte Gebilde setzen. Warp 5. Beschleunigen.“<br>Die Offiziere führten augenblicklich die Befehle von Lewinski aus. Das Fauchen der Tarnung wurde fast gleich durch das Aufheulen des Warpantriebs abgelöst, der die Monitor augenblicklich mit einem spürbaren Ruck beschleunigte. Bis heute konnte die Sternenflotte keine Trägheitsdämpfer für die Raumschiffe der Defaint-Klasse herstellen, die auch annähernd das Temperament der kleinen starken Schiffe einfangen konnte.<br>In gewisser Weise war Lewinski auch froh darum, er hatte sich zu sehr an die Eigenheiten dieser Schiffe gewöhnt.<br>Nach einigen Minuten hatte sich die Monitor auf visuelle Reichweite dem Gebilde genähert.<br>Lewinski befahl das Schiff zu stoppen. Das Schiff ruckelte wieder als die Bremsdüsen den Raumer zum Stillstand brachten. Datenkolonnen scrollten über das Display von Ardevs Station.<br>Angestrengt sah sich Ardev die Ergebnisse an. Eine graphische Darstellung eines Querschnitts des Objekts wurde sichtbar.<br>„Captain, sehen Sie sich das an. Das Gebilde scheint ein Planet zu sein. Nur, dass man ihn zu einem Raumschiff umgebaut hat. Er verfügt über einen Impulsantrieb. Den stärksten, den ich je gesehen habe. Aber es lässt sich kein Warptriebwerk feststellen. Auch verfügt es nur über ein begrenztes Defensivpotenzial. Kein offensives Potenzial vorhanden. Um den so genannten Planeten sind 400 Schiffe unbekannter Bauart. Den Konfigurationen zu Folge ist eine Kriegsflotte. Ich orte die Energiesignaturen von Disruptoren und Plasmatorpedos, sowie Interraumaktivität.“ John nickte.<br>„Ardev, durchsuchen Sie die Datenbank nach diesen Signaturen.“ Ardev gab sofort die Suchanfrage in den Bibliothekscomputer ein. Nach kurzer Zeit erschien ein File und Auszüge aus dem Logbuch der VOYAGER.<br>„Captain. Dieses Gebilde hatte schon einmal eine Begegnung mit der Föderation. Und zwar im Deltaquadranten unserer Galaxie. Wir haben die Furien wieder gefunden, Sir.“<br>Ardev sah Lewinski mit großen Augen an.<br>„Danny. Roter Alarm.“ Die Indikatoren begannen sofort rot zu pulsieren. Die Alarmsirene sorgte dafür, dass jedes Crewmitglied innerhalb von Sekunden auf seinem Posten war. Die Frage, was aus den Furien wurde, war soeben beantwortet worden.<br><br>Ehrfurchtsvoll und beängstigt starrten fast alle auf der Brücke auf den Heimatplaneten der Furien. Seit fast 10 Jahren irrte nun das riesige Schiff hier umher, seit die VOYAGER den Retransfer in den Alphaquadranten verhindert hatte und die Furien hier stranden ließ.<br>Viele Wissenschaftler und auch Strategen der Föderation hatten sich mit der Frage beschäftigt, ob die Furien es überlebt haben könnten und wenn ja, was sie planen würden. Lewinski wäre es im Traum nicht eingefallen, dass er eines Tages die Antwort kennen würde. Niemand war darauf erpicht diesen Wesen sich stellen zu Müssen, die Urängste in jedem von ihnen weckten.<br>Ein schwaches Deflektor-Feld, das Sanchez um die Monitor legen konnte, ohne die Tarnung zu gefährden, schützte die Monitor-Crew vor den Auswirkungen der Angstprojektoren, die laut Sensoren auf jedem Schiff der Furienflotte installiert waren.<br>„Wie Sie sehen können, meine Damen und Herren, haben wir nun herausgefunden, was aus den Furien wurde, die zuletzt von Captain Janeway und der Voyager gesehen wurden. Sie sind nach wie vor da und könnten immer noch eine Bedrohung für die Sicherheit eines jeden Wesens in der Milchstraßen-Galaxie darstellen“, begann Lewinski.<br>„Die Sensoren haben noch nicht viel gezeigt. Einiges an Ergebnissen muss der Computer noch auswerten, aber es wird dennoch eine Untersuchung vor Ort von Nöten sein, um Gewissheit zu erlangen“, erklärte Arena.<br>„Sie wollen doch nicht etwa da reingehen?“ fragte Desoto erschrocken.<br>„Wenn es nötig ist, Professor, werden wir dies tun. Wir müssen Gewissheit haben, ob die Furien eine Möglichkeit haben, in unser Territorium einzudringen und diese gegebenfalls zu vernichten“ sagte Lewinski und beugte sich über das Display, das im Tisch eingelassen war.<br>Darauf wurde eine Karte des Sektors dargestellt, in dem sich die Furien und die Monitor befanden.<br>Nachdem John einige Schaltflächen berührt hatte, wurde die Sphäre vergrößert.<br>„Einst war diese Sphäre eine Klase-M-Welt, die die Furien seit ihrem Exodus aus unserem Raumgebiet vermutlich besiedelt haben. Laut den Berichten der Voyager hatten die Furien alle Planeten und fast alle Trabanten im dortigen System zerstört, um an die Rohstoffe zu kommen. Die Rohstoffe verwendeten sie für den Bau eines gewaltigen Apparates, der ihre Sonne umspannte, um die Energie einer Supernova nutzbar zu machen und mit ihr ein Wurmloch zu erzeugen. Der Mond des Planeten diente dazu, die Energie zu kanalisieren. Die Voyager konnte dies vor ungefähr 10 Jahren verhindern. Seither scheinen einige Modifizierungen an der Sphäre durchgeführt worden zu sein.“ John rieb sich die Augen. Er war wieder mal viel zu lange auf den Beinen.<br>Nun brachte sich Arena ein. Sie gab weitere Daten ein und das Display verkleinerte die Sphäre zu einem Punkt. Danach zeigte der Computer eine Linie, die durch einige Sternensystem verlief.<br>„Professor, das dürfte für Sie interessant sein. Die Artefakte senden seit einigen Stunden ein Subraumpeilsignal aus. Wir konnten feststellen, wohin die Transmission geht. Nämlich hierhin.<br>Einem weisen Zwergsystem, etwa 0,4 Lichtjahre von uns entfernt. Als wir versuchten den Kurs der Sphäre zu extrapolieren, fanden wir heraus, dass die Furien ebenfalls zu diesem Planten unterwegs sind.“<br>„Das ist in der Tat interessant, Lieutenant. Denn dieses Artefakt ist in erster Linie ein interstellarer Transporter. Ich könnte mir gut vorstellen, dass vielleicht in diesem System eine weitere Anlage steht. Vielleicht eine, die die Kapazitäten besitzt, diese Sphäre zu transferieren. Womöglich in den Alphaquadranten“, antwortete Desoto.<br>„Sind Sie sich absolut sicher, Professor?“ fragte Lewinski. Seine Stimme ließ keinen Zweifel zu.<br>„Absolut, Captain. Die Furien werden ihre Heimatwelt transferieren wollen. Über das Ziel kann man vielleicht noch spekulieren. Aber es ist mit großer Sicherheit die Milchstraßen-Galaxie.<br>Womöglich sogar im Sol-System, da diese Transfersysteme kein Endgerät unbedingt benötigen. Was mich weiterhin zu der Schlussfolgerung führt, dass die Furien dort die Anlagen kontrollieren und studiert haben. Womöglich schon auch Probetransfers durchgeführt haben.“<br>„Ein Grund mehr zu handeln“, murmelte Lewinski. Nur ein Schiff. Sie waren nur ein Schiff, dachte Lewinski. Keine Verbindung zum Kommando der Sternenflotte. Keine Verstärkung. Nur die Monitor mit ihren 81 Crewmitgliedern. Mochten sich so die Kommandanten der ersten NX Schiffe vor 200 Jahren vorgekommen sein? John schob den Gedanken beiseite.<br>„Versuchen sie herauszufinden, wie wir mit unseren Ressourcen erreichen, dass die Furien nicht in unser Territorium eindringen können. Ich weiß, dass unsere Chancen schlecht stehen.<br>Aber wir müssen es tun. Ich erwarte ihre Ergebnisse in 2 Stunden. Bis dahin werden wir die Sondierung von hier aus fortsetzen. Ardev, schicken sie eine Klasse-1-Sonde zum Planeten ab, auf den die Furien Kurs gesetzt haben. Das war es vorerst. Wegtreten“, schloss Lewinski die Besprechung. Nach wenigen Sekunden hatten sich die Offiziere beratend von dannen gemacht.<br>Jeder machte sich nun zu seiner Station auf, um den Befehl des Captains auszuführen.<br><br>Der Transit dauerte nur wenige Minuten. Dann ging die Klasse-1-Sonde unter Warp undschaltete alle Antriebssysteme bis auf die Manöverdüsen ab. Mit kleinen Schüben aus den anöverdüsen driftete die Sonde dem unbekannten Planeten entgegen. Dank der lichtabsorbierenden Schicht auf der Sonde war eine Entdeckung fast unmöglich.<br>Die Oberfläche dieser Welt war stark zerfurcht. Nur schwach konnte man die Reste eines gewaltigen Verkehrsystems erkennen, das sich einst über den ganzen Planten zog. Die tiefer gelegen Ebenen waren einst der Grund riesiger Ozeane, die den Planeten zu einer kobaltblauen Welt gemacht hatten.<br>Hier und da erkannte man künstliche Strukturen. Reste von Brücken, Staudämmen und Städten. Die Zivilisation, die hier einst lebte, war seit Jahrtausenden ausgelöscht. Bald würden die letzten Hinweise auf deren Existenz endgültig im Dunkel des Universums verschwinden, wenn der weiße Zwerg sein ganzes restliches energetisches Potenzial ausgestrahlt hatte.<br>Im Orbit jener Welt schwebten vier große Kreuzer der Furien. Begleitet wurden sie von anderen fremdartigen kleineren Einheiten, die höchstwahrscheinlich Schiffe der Goald waren.<br>Mit einem weiteren kräftigen Antriebsschub wurde die Sonde in Richtung des Äquators der Welt befördert. Dort befand sich eine riesige Anlage, die man schon von sehr weitem ausmachen konnte. Ihre Ausmaße betrugen 800 Kilometer im Durchmesser. Gewaltige Energien waren nötig, um diese Anlage zu betreiben. Sanft tastete die Sonde erst mit passiven Sensoren die Anlage ab. Dabei achtete sie darauf nicht von den Raumschiffen im Orbit entdeckt zu werden. Alle 10 Minuten sendete sie ein Datenpaket, extrem komprimiert in einem kurzen Subraumimpuls an die Monitor.<br>Den ersten Ergebnissen zufolge mussten die Anlagen schon seit 6000 Jahren verlassen worden sein. Nur die Anlage im Äquator schien einigermaßen wieder in Stand gesetzt worden zu sein. Vieles war repariert worden, sogar neu aufgebaut. Viele kleine Raumfähren waren zwischen dem Planeten und den Schiffen im Orbit unterwegs. Geschickt hielt sich die Sonde im Hintergrund. Das energetische Potenzial der Anlage wuchs sehr schnell an. Die drei äußeren Ringe der Anlage begannen blau zu glühen. Die Schiffe im Orbit begannen damit ihre Positionen zu verändern. Sie nahmen Kurs auf die Polarregionen der Welt. Kurz darauf stellte die Sonde ihren Dienst ein. Das energetische Niveau war zu stark, um noch Ergebnisse abliefern zu können. Nachdem sie das letzte Datenpaket abgesetzt hatte, löste sie sich mit Difloursäure auf. 200 Milliliter genügten, um alle Bestandteile bis auf die Reste des Aufbewahrungstanksrückstands los zu vernichten. Der Rest würde in der Atmosphäre verglühen.<br><br>Nur noch eine Stunde und 34 Minuten. Dann würden sich die Offiziere der Monitor wieder zur Besprechung treffen. John Lewinski wanderte durch sein kleines Schiff in Richtung des Gefängnisses, in dem sich Kleng befand.<br>Der Klingone wusste, um was es hier ging. Er wusste sogar noch mehr als Lewinski und die Crew der Monitor. Dies galt es herauszufinden. Nur noch eine Abzweigung. Dann stand Lewinski vor dem Schott. Nachdem es sich hinter dem Kanadier geschlossen hatte, bedeutete Lewinski mit einem Nicken der Wache den Raum zu verlassen. Dieser bestätigte stumm den unausgesprochenen Befehl und verließ den Raum. Langsam trat John an das Kraftfeld heran.<br>„Sie sagten, Sie müssen das Artefakt zerstören, um der Zukunft willen. Warum?“ fragte John ohne Umschweife. Der Klingone blickte auf und erhob sich von seiner Pritsche. Kleng war gut über 2 Meter groß. Daher musste Lewinski den Kopf regelrecht in den Nacken legen, um ihn ins Gesicht blicken zu können.<br>„Ich scheine ja wohl keine Wahl zu haben, Captain“, antwortete der Klingone ruhig. Die Augen des Kriegers waren müde geworden. Eines jeden Kampfes überdrüssig.<br>Und so begann Kleng die Geschichte zu erzählen. Die Geschichte, wie die Furien mit den Goald das Paradies eroberten und alle anderen Unreinen aus dem Paradies vertrieben. Doch die Allianz hielt nicht lange. Schnell wurde es den Furien klar, dass die Goald sie betrogen haben.<br>In einem 3 Jahre andauernden Konflikt schlugen die Goald die Furien vernichtend und etablierten ihre Schreckensherrschaft. John musste schlucken, mit welcher Genauigkeit der Klingone die Geschichte erzählte. Er schien sie in der Tat selbst miterlebt haben zu müssen.<br>Viele der Bewohner des Alpha- und Betaquadranten gerieten in Sklaverei, auch die Mehrzahl der Furien. Nur noch traurige Reste der einst großen Flotten der ehemaligen Weltraummächte hatten sich zu einer Konföderation vereinigt, zu der auch einige Furien angehörten. Im Raumgebiet der Tholianer, die sich als einzige den Goald mit Erfolg widersetzen konnten, hatte die Konföderation ihre Operationsbasis mit der Duldung der Tholianer aufgeschlagen. Ein wackeliges, aber nutzbringendes Bündnis.<br>In den darauf folgenden 42 Jahren entwickelten die Tholianer mit ihren Verbündeten einen Zeitantrieb. Mit diesem ausgestattet hatte man einige Schiffe in diese Zeit versetzt, um die Invasion zu stoppen.<br><br>Nachdem der Klingone seinen Bericht beendet hatte, bedachte John ihn mit einem musternden Blick.<br>„Der Grund, warum ich ihnen all dies erzähle ist, Captain, ist, dasa ich keinen weiteren Ausweg mehr weiß. Die Ereigniskette wurde in Gang gesetzt. Es ist zwar noch nicht zu spät, aber wir müssen verhindern, dass die Seele des Teufels sich zusammensetzt. Die Goald werden alles daran setzen, die Macht dieses Artefaktes zu bekommen.“<br>„Verstehe, Kleng. Ich glaube Ihnen. Nach all dem, was in den letzten Tagen vorgefallen ist, klingt das nun plausibel.“<br>„Danke, Captain“, sagte Kleng erleichtert.<br>„Die Zeit drängt, Kleng. Da haben Sie Recht.“<br><p align="“center“"><b>Kapitel 7</b></p><br>Diese Unruhe. Sie trat nur immer dann auf, wenn was Unbekanntes auftauchte. Vergo Ortunis beschleunigte seinen Schritt, um die Brücke der Wraht zu erreichen. Der Warnton des Sensorenalarms erschallte in den Gängen. Was immer es auch war, es verhieß nichts Gutes.<br>Das spürte Ortunis instinktiv.<br>Kaum hatten sich die Schotten der Brücke hinter Ortunis geschlossen, wandte er sich an seinen Wissenschaftsoffizier. Mehr als sonst fielen die Schlangen auf dem Kopf der Furie sich gegenseitig anzufallen. Ein undeutbares Anzeichen für die Anspannung des Wissenschaftlers unter der er stand.<br>„Bericht, Arasasi“, forderte Ortunis seinen Offizier auf.<br>„Mein Vergo. Die Sensoren haben zwei große Raumanomalien entdeckt, die unsere Heimatwelt flankieren. Keine visuellen Anzeichen, aber die Subraumsensoren haben angeschlagen.“<br>„Auf den Sichtschrim“, befahl Ortunis. Die Form der graphisch dargestellten Anomalien war zu gleichmäßig. Auch war ihre Flugbahn zu perfekt, als dass man es als Naturphänomen und somit noch als Zufall abtun könnte.<br>„Öffnen sie einen Kanal zu dem Obersten Rat. Sie müssen davon Kenntnis erlangen.“<br>„Jawohl, mein Vergo.“ Arasasi begab sich zur Kommunikationsstation der Brücke. Einer der 8 an Bord befindlichen Goald war in diesem Moment auf der Brücke. Obwohl niemand sein Gesicht richtig sehen konnte, erkannten die anderen Furien an dessen Körperhaltung, dass etwas nicht mit diesem Goald stimmen konnte. Krampfhaft sah dieses Besatzungsmitglied auf sein Display. Ortunis bemerkte dies, aber schenkte dem keine weitere Beachtung. Von einer Sekunde auf die andere wirbelte der Goald herum und zielte mit einem Intervaller auf Arasasi. Die anderen Furien stellten sich auf und fauchten den Goald an. Ortunis verfluchte sich kurz für seine Nachlässigkeit und stürmte auf den Goald zu. Doch der Goald konnte seine Waffe abfeuern. Der Energiestrahl traf aber nur die Konsole, Arasasi konnte sich rechtzeitig zur Seite werfen. Funken stoben aus der Konsole. Mit seinem vollen Gewicht warf sich Ortunis auf den Verräter und brachte ihn zu Fall.<br>Das ganze Durcheinander dauerte nur Sekunden an. Wutentbrannt zog Ortunis den Goald wieder auf die Füße.<br>„Ich hoffe für Sie, dass sie eine gute Erklärung für das haben, was Sie soeben getan haben“, knurrte Ortunis. Der Goald grinste nur und stieß an die Decke einen Satz in seiner Sprache aus. Kurz darauf begannen die Systeme auf der Brücke ihren Dienst zu versagen.<br>„Aktiviert die Sperren. Schnell. Und nehmt die anderen Goald in Arrest, bevor sie die Wraht zerstören“, befahl Ortunis. Drei Furien verließen im Laufschritt die Brücke. Sie suchten die restlichen Goald. Die anderen Furien hingegen versuchten an den Konsolen zu verhindern, dass die Wraht sich in sämtliche Einzelteile zerlegte.<br><br>„Wir wurden entdeckt“, rief der Anführer der Goald-Gruppe seinen Leuten zu.<br>„Unser Mann auf der Brücke musste handeln. Sie haben unsere Konklaven entdeckt“, berichtete der Goald seinen Leuten.<br>„Konnte er es nicht unauffälliger tun?“ fragte einer der Goald, als sie sich zum Maschinenraum aufmachten.<br>„Scheinbar nicht. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass niemand von dieser Entdeckung berichten kann. Auch wenn dies unsere eigene Vernichtung bedeutet.“ Die anderen nickten zustimmend ihrem Anführer zu. Sie rannten einen der primären Korridore entlang. Hinter ihnen und auch vor ihnen konnten sie die Furien hören, die sie langsam aber sicher einkreisten. Die Furien mochten nach Ansicht einiger Goald naiv sein. Aber unterschätzen sollte man sie dennoch nicht.<br>„Mein Vergo, sie sind zum Maschinenraum unterwegs“, meldete Arasasi. Ortunis nickte. Vor 4 Jahren gelang es den Furien einen Transporter zu entwickeln. Ähnlich dem Gerät, das auch die Unreinen verwendeten. Nun würde ihm diese Technologie zum Vorteil gereichen.<br>„Richten sie den Transferfokus auf die Goald aus und beamen Sie sie in Frachtsektion 5. Danach werden wir die Sektion abwerfen. Dort können sie niemanden schaden.“<br>„Zu Befehl, mein Vergo.“<br><br>Das Schott des Maschinenraums war nur noch wenige Schritte entfernt, als die Gruppe von einem Prickeln erfasst wurde. Ein goldener Lichtschein blendete sie und gab sie<br>Sekundenbruchteile später wieder frei. Doch der Raum, in dem sie sich befanden, war leer.<br>„Wo sind wir?“ Diese Frage wurde indirekt beantwortet. Der Boden begann zu erzittern und die Goald verloren das Gleichgewicht in dem vollkommen dunklen Raum. Ein Grollen durchfuhr den Raum, als er sich mit einem Ruck zu bewegen begann. Wenige Sekunden darauf schien die Schwerkraft nicht mehr vorhanden zu sein.<br>In diesem Moment wussten die Goald in diesem Raum, dass sie bei ihrer Mission versagt haben.<br><br>Mit einem zufriedenen Blick beobachtete Ortunis, wie die Frachtsektion der Wraht von seinem Mutterschiff abtrieb. Dort konnten sie keinen Schaden anrichten. Soviel war sicher. Denn bei dem Transfer wurden auch ihre Kommunikatoren und andere Geräte entfernt, die eine Kommunikation nach außen ermöglichen würden. Kurz darauf wechselte die Ansicht des Hauptschirms wieder in die vordere Ansicht. Ortunis wandte sich wieder an seinen Wissenschaftsoffizier. Dieses Mal wurde die Meldung abgesetzt, ohne dass sie sabotiert wurden. Dennoch war Ortunis auf der Hut. Wer weiß, ob nicht auch Furien darin verwickelt waren. Und diese galt es noch ausfindig zu machen.<br>Die Antwort des Hohen Rates dürfte sich als hochinteressant herausstellen. Da war sich Ortunis mehr als sicher. Er hoffte nur, dass sie ihm auch Glauben schenken würden.<br><br>Mit großen Schritten betrat John Lewinski die Brücke seines Schiffes. Ardev hatte die Brücke übernommen. Er war es auch der Lewinski auf die Brücke gerufen hatte. Lewinski fand den Andorianer an der Wissenschaftskonsole.<br>„Was ist passiert, Ardev?“<br>„Sir, unsere Sensoren haben soeben gewaltige Massenverschiebungen registriert. Aber keine visuellen Anhaltspunkte dafür erfassen können“, antwortete der Operationsoffizier.<br>„Getarnte Schiffe?“<br>„Gut möglich, Sir. Wie Sie wissen, Captain, je größer ein Objekt ist, um so schwieriger ist es, dieses in einem Tarnschirm zu verbergen. Bei diesen Messwerten müssen wir davon ausgehen, wenn es sich um getarnte Schiffe handelt, dass diese mindestens 40 Kilometer lang sind. Die Verschiebungen bewegen sich konstant auf Kurs 014,69, Geschwindigkeit halber Impuls.“<br>Lewinski nickte.<br>„Wissen die Furien ebenfalls davon?“<br>„Das ist anzunehmen, Captain.“<br>„Können wir die Sensoren verstärken um in das…“ Lewinski wurde unterbrochen, als ein Kreischen durch die Monitor fuhr. Eine grellgelbe Lichtmauer durchfuhr die Brücke. Danach herrschte unheimliche Stille auf der Brücke.<br>„Nun, ich befürchte, wer es auch immer ist. Er weiß, dass wir hier sind“, hauchte John.<br>Keine 10 Sekunden später heulte der Annäherungsalarm der Monitor auf.<br><br>Drei Goald-Kreuzer und 2 Furienschiffe hielten nun auf die Stelle zu, an der sich die Monitor befand. Obwohl man nichts sehen konnte, begannen die Schiffe damit das Feuer mit Quantentorpedos auf die Monitor zu eröffnen. Die ersten 3 Torpedos ließen die Tarnung der Monitor ausfallen. Vier weitere jagten in die Backbordgondel und in die Achtersektion des Schiffes. Risse bildeten sich in der Hülle des kleinen Schiffes.<br>„Schilde auf Maximum. Steuermann, bringen sie uns hier raus“, brüllte Lewinski gegen den tosenden Lärm. Die Monitor bäumte sich auf wie ein Mustang, den man nicht bändigen konnte.<br>„Schilde wurden zerstört, Captain, ebenso all unsere Waffen“, meldete Danny Bird. Verzweifelt klammerte er sich an seine Konsole fest. Wieder bäumte sich die Monitor auf. Fähnrich Burns versuchte nun die Monitor mit voller Impulskraft aus dem tödlichen Hagel, der aus Quantentorpedos bestand, zu manövrieren. Trotz seiner Versuche auszuweichen, wurde die Monitor immer wieder getroffen. Die Primärsysteme begannen zu versagen. Lewinski spürte, was sein Schiff nun erleiden musste. Welche Pein es ertrug. Die Schiffe der Defaint-Klasse hielten schon einiges aus, aber auch sie waren nicht unzerstörbar. Als der Warpantrieb nun auch drohte zu versagen, traf John Lewinski eine Entscheidung.<br>„Fähnrich, Kollisionskurs auf die Anlage setzen, die sich vor uns auf dem Planeten befindet. Höchstmöglicher Warpfaktor“, befahl Lewinski.<br>Fähnrich Burns sah seinen Captain erschrocken an. Doch dann drehte er sich wieder zu seinen Kontrollen um und führte den Befehl aus.<br>„Kurs gesetzt, Captain.“<br>Lewinski sah nur noch auf den Sichtschirm. Es gab kein Zurück mehr.<br>„Energie.“<br><br>In der Sekunde, als die Monitor begann auf Warp zu beschleunigen, bohrte sich ein Torpedo in die Steuerbordgondel des Schiffes. Risse bildeten sich in der Triebwerkshülle, als der Torpedo in einem Feuerball aus dem Bussardkollektor austrat. Nach 2 Sekunden verlangsamte sich die Monitor wieder auf Impulsgeschwindigkeit. Sämtliche Steuersysteme waren zerstört. Konsolen explodierten um Lewinski herum. Die Monitor bäumte sich ein letztes Mal auf. Dann erlosch alles Licht auf dem Schiff. Der Sichtschirm fiel aus. Nur das Knarren der Hülle war zu hören.<br>Im Maschinenraum erwachten wieder die Artefakte zum Leben. Sie registrierten die Nähe der Anlage auf dem Planeten, die ebenfalls zum Leben erwachte. Keine Sekunde später sendeten die Artefakte ein spezielles Signal.<br>Zum Reagieren war es zu spät. Das Schiff der Unreinen stürzte nun der Anlage entgegen. Zu allem Überfluss erwachte diese auch noch zum Leben. Die Techniker der Furien konnten den Prozess nicht mehr aufhalten. Holoschirme, die seit Jahrtausenden nicht mehr aktiv waren, gingen in Betrieb. Eine Unzahl an Datenkolonen in alten Schriftzeichen scrollten herunter. Schaltkreise wurden aktiv. Das Portal würde gleich einen Transfer starten.<br><br>Gewaltige Hüllenbrüche zogen sich über den Rumpf der Monitor. Hüllenpanzerung blätterte beim Sturzflug immer noch ab. Hier und da entwich Atemluft. Als die Monitor die obersten Schichten der Atmosphäre durchstieß, begann der Deflektor leicht zu glühen. Kurz danach war der Bug feuerrot durch die Hitze. 20 Sekunden später war die Anlage nur noch 500 Meter von dem Bug der Monitor entfernt, als ein Sturm aus Energie die Monitor erfasste. In einem Blitz aus Licht und destruktiver Energie verschwand die Monitor und mit ihr der halbe Planet in einem grellen weißen Licht.<br><p align="“center“"><b>Fortsetzung folgt</b></p><br><center><b>Cast<br>Captain John Lewinski<br>Commander Matthew Price<br>Lieutenant S.G. Danny Bird<br>Lieutenant J.G. Ardev<br>Lieutenant J.G Arena Tellom<br>Dr. Elizabeth Frasier<br>With<br>Jozarnay Woil<br>And<br>Edward Jellico</b><br>OHNE ZUKUNFT<br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by JÖRG GRAMPP<br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center>]]></description><guid isPermaLink="false">5797</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 6x15: Von Omega bis Alpha</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-6x15-von-omega-bis-alpha-r5632/</link><description><![CDATA[<center><b>Diese Episode als PDF-Download:</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_42906.html"><img border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x15.jpg"></a></center><br><br><i></i><center><u>Was bisher geschah...</u><br>( siehe 2x04 „Die richtige Entscheidung“ ) </center><br>...Lewinski erhob sich zitternd aus dem Sessel. Was war hier los? Woil hatte den Transporter von einem Shuttle gescannt. Waren dessen Sensoren nicht betroffen? Oder waren sie gerade betroffen? Langsam drehte sich Lewinski auf der Brücke, beobachtete die Offiziere, sein anders Ich, den Admiral. Er wußte nicht was los war. Was ging hier vor? Dann geschah etwas, was mit dem Gang der Ereignisse in überhaupt keinem Zusammenhang stand, es erschien einem geradezu obskur: vom hinteren Bereich der Brücke ertönte ein höhnisches, langsames Klatschen. Alle Personen drehten sich zur Geräuschquelle, auch Admiral Kashari begutachtete die Person. Ein Mann stand da, den niemand zuvor gesehen hatte. Er trug einen Sternenflotten-Uniform, ohne Rangabzeichen. Er war jung, Mitte zwanzig vielleicht, das dunkelblonde Haar war etwas länger als vorgeschrieben, der Mund hatte sich zu einem spitzbübischen Lächeln verzogen, daß bereit war, die bittere Wahrheit zu verkünden.<br>"Bravo!" Er klatschte weiter, als er sich dem Captain näherte. "Bravo!" Lewinski und sein Pendant aus der Zukunft schauten sich verwirrt an. "Bravo." Das Klatschen verschwand, ohne Echo, ohne Nachhall. Der Eindringling grinste Lewinski frech an,<br>"Ich muß sagen, Captain," sagte er zynisch, "sie haben genau nach Schema gehandelt. Wie sie vorgegangen sind, einfach klasse. Tollkühn haben sie ein Schiff entwendet, oh, Verzeihung, ihr Schiff natürlich und haben sich Befehlen der Sternenflotte widersetzt. Vom feinsten!"<br>Lewinski schüttelte kurz den Kopf. Er hatte nicht vor, sich von irgendjemandem zum Narren machen zu lassen. Kurz blickte er zu Kashari, doch dieser wirkte genauso verwirrt, wie Lewinski auch. Diesmal keine Täuschung.<br>"Wer sind sie, verdammt noch mal."<br>Der junge Mensch verbeugte sich altmodisch und verkündete stolz:<br>"Wie unhöflich von mir, Captain, bitte verzeihen sie mir, daß ich mich nicht gleich vorgestellt habe. Mein Name ist Sloan, Nathan Sloan."<br>Natürlich. Die Ähnlichkeit war verblüffend. Luther Sloans Sohn.<br>"Sektion 31," erkannte John düster. Als Bestätigung klopfte ihm Sloan auf die Schulter.<br>"Ganz recht, Sir. Ich muß schon sagen, es ist mir eine Ehre, daß sie sich an meinen Vater erinnern. Ein großer Mann."<br>"Es war nie..."<br>"Bekannt daß er einen Sohn hat?" unterbrach ihn Nathan schnell, "Nun ja, doch, aber sie kennen ja die Sektion: alles ist unter Verschluß."<br>"Und was machen sie hier? Was wollen sie?" fragte ihn der zukünftige John. Entsetzten keimte in ihm.<br>"Oh, gut daß ausgerechnet sie das fragen. Durch sie hat nämlich unser Plan wunderbar geklappt. Die anderen Mitgliede der Sektion hätten schon viel früher auf diese Methode kommen sollen. Einfach brillant; übrigens stammt sie von mir."<br>Nun verstand keiner mehr etwas. Ir´lia fragte verwirrt:<br>"Was machen? Welche Methode?"<br>Nathan Sloan schien richtig Freude zu empfinden, als er seinen Coup erläuterte.<br>"Meine hübsche Deltanerin, sie sind aber neugierig. Aber gut, da sie mich ja so köstlich unterhalten haben, will ich ihnen nichts vorenthalten. Ihr Captain, also der John, er ist sehr kompetent. In einigen Jahren wird er es noch zu etwas bringen. Aber wenn er in der Hierarchie des Geheimdienstes aufsteigt, so könnte er eine Gefahr für Sektion 31 werden. Was denken sie, wer Chief O´Brien den Antrag auf Versetzung auf die Erde, nach so vielen Jahren, genehmigt hat? Mit Doktor Bashir an seiner Seite wäre er ein zu großes Problem geworden. Doch daß nun am Rande. Also, wo war ich? Ach ja, ihr Captain... hätten wir ihn getötet, wie manche es vorhatten, so wäre er zum Märtyrer geworden, das konnten wir uns nicht leisten. Zuerst muß man den Ruf zerstören, dann ist jemand angreifbar. Und was soll ich sagen, es hat geklappt! Sie haben zwar nicht das Schiff zerstört, aber ein Raumschiff der Föderation entwendet und Befehle mißachtet. Wenn sie Glück haben, landen sie nicht lebenslänglich hinter schwedischen Gardinen. Verzeihung, diesen Ausdruck kennen sie sicher nicht mehr. Es bedeutet, im Gefängnis."<br>Die Freude, mit der Sloan diese Verschwörung erläuterte, war geradezu pervers. Entsetzen herrschte bei den Crews beider Schiffe.<br>"Aber, aber," stammelte Lewinski, "John, er stammt doch aus der Zukunft, er hat meine DNA..."<br>"Geklont, mein guter Captain, geklont. Und die Erinnerungen, naja, wir können so etwas ebenfalls duplizieren. Und, um ihnen zuvorzukommen, Lieutenant Ardev, sein Teilwissen über die Zukunft ist echt. Vergessen sie nicht, wir sind Sektion 31. Ach ja, einfach herrlich. Der gute Klon hat dies alles für bare Münze genommen. Er glaubte tatsächlich, daß es ein Virus gegeben hatte. Perfekt!"<br>Alles schien sich für Lewinski zu drehen. Nicht nur für den Captain, sondern auch für sein Pendant. Stellen sie sich einmal den Schock vor, wenn sie erfahren, daß ihre ganze Existenz, ihre ganzen Erinnerungen eine Lüge sind. Dem anderen John war schlecht. Alles eine Lüge.<br><br><center> ( siehe 3x01 „Qualen“ ) </center><br>...„Halt! Sir, sie können da nicht rein!“<br>Admiral Jellicos Sekretärin, ein junger Fähnrich im ersten Jahr, konnte ihn nicht aufhalten. Wie ein Orkan raste Captain Lewinski an ihr vorbei, rein in das Büro des Admirals. Der betreffende Mann zeigte sich nur mäßig überrascht von dem Besucher und winkte seiner Ordonanz zu, daß alles in Ordnung war. Dann lächelte er den Kommandanten an.<br>„John, setzen sie sich doch!“<br>Wutschnaubend, was äußerst unhöflich war, schüttelte Lewinski den Kopf und blieb stehen. Jellico nickte und stütze die eine Hand auf seinem Schreibtisch ab, während er fragte:<br>„Nun, Captain, was kann ich für sie tun?“<br>„Sie können mir verdammt noch Mal die Wahrheit sagen!“<br>Solche Schreie kamen im Büro eines Admirals äußerst selten vor und daher war Edward Jellico für einen Bruchteil einer Sekunde eingeschüchtert. Dann faßte er sich wieder. <br>„Schreien sie mich nicht so an,“ erklärte Jellico mit hochrotem Kopf und strahlte vollste Autorität aus, „ich bin immer noch ein ranghöherer Offizier.“<br>Lewinski stürmte vor und schlug mit beiden Fäusten auf den Schreibtisch.<br>„Ein Lügner sind sie! Ein Schwein! Jemand der sich kaufen lässt. Ich habe nicht den geringsten Respekt für sie.“<br>„Was wollen sie überhaupt von mir? Sie sollten sich lieber beruhigen, bevor ich ihnen ihr Patent entziehe.“<br>„Es war alles ein abgekartetes Spiel,“ entgegnete John. „Seit Monaten schikanieren sie mich. Schieben mir Aufträge zu, die entweder äußerst heikel oder extrem einfach sind. Lange Zeit habe ich mich gefragt, was sie gegen mein Schiff haben. Und dann ging mir ein Licht auf: es ging gar nicht um die Monitor, sondern um mich! Ich bin ihnen unangenehm geworden.“<br>„Sie spinnen ja!“<br>„Ach ja? Als Sektion 31 mich mittels eines Klons ins Abseits drängen wollte, wie konnte ich die Monitor so einfach aus dem Dock holen? Wieso bekam ausgerechnet ich den Auftrag, den Mörder der Voyager-Crew zu finden? Ich muß annehmen, daß irgend jemand mich gezielt fertig machen will. Sektion 31 hat schon deutlich gemacht, daß dies ihr Ziel ist. Doch diese Organisation braucht Mittelsmänner, die ihnen helfen. Leute in hohen Positionen. Menschen wie sie, Jellico. Sie mochten mich doch von Anfang an nicht! Der junge Captain, der es schon so weit gebracht hat. Ich weiß nicht, wieso ich sie irgendwie in Gefahr bringe, aber ich weiß sehr wohl, daß sie nicht die Monitor demonitieren wollen. Nein, sie wollten mein Potential schwächen. Aber das lasse ich nicht zu! Dies ist eine feine Crew, eine der besten. Sie können nicht dafür bestraft werden, daß ihr Kommandant das Opfer eines perfiden Schachspiels geworden ist!“<br>Auffällig ruhig lehnte sich Admiral Jellico nun zurück. So als ob er diesen Gespräch erwartet hätte.<br>„Was schlagen sie vor?“ fragte er gefasst.<br>„Lassen sie die Monitor im Dienst. Die Crew soll zusammenbleiben.“<br>„Und?“<br>„Im Gegenzug gebe ich ihnen, Sektion 31, oder wen auch immer repräsentieren genau das, was sie wollen: ich trete aus der Sternenflotte aus.“<br>Die letzten Worte hatte Lewinski stolz gesprochen. Er hatte lange über diese Entscheidung nachgedacht und sie erschien ihm mehr als richtig. Er würde es schon noch schaffen, die Verantwortlichen zu kriegen. Seine Freunde und Kameraden durften da aber nicht mit rein gezogen werden.<br>Und damit sprach Admiral Jellico das Wort aus, das eine bedeutende Karriere beenden sollte, die über zwanzig Jahre gedauert und einen bemerkenswerten Offizier hervorgebracht hatte:<br>„Einverstanden.“<br><br><center> ( siehe 3x11 „Das Ende“ ) </center><br>...Ein ohrenbetäubender Knall ertönte, als die massive Wand durch die exakt berechnete Menge Sprengstoff heruntergerissen wurde. Im ganzen Gebäude war der Knall zu hören und Sicherheitsleute machten sich auf den Weg zur Unglücksstelle, ohne jemals rechtzeitig eintreffen zu können. Der Virus hatte geschickt nach Johns Ankunft eine Transportblockierung um seinen Bereich aufgebaut. Für die nächsten Minuten würden zudem Kraftfelder die Wachmannschaften aufhalten. Doch nur für eine kurze Zeit...<br>Die Wand fiel in sich zusammen. Rauch stieg von en Trümmern auf und Lewinski wollte die Gunst des Augenblicks nutzen, zog seinen Phaser und sprang rein. Und tatsächlich, es befand sich tatsächlich ein Raum hier. Nur er war komplett leer. Keine Tische, keine Stühle, keine Akten. Nur zwei Personen, die ihn überrascht anstarrten. Er erkannte sie sofort: links war, in eine Sternenflottenuniform gekleidet, Admiral Edward Jellico. Er Verräter. Rechts von ihm ein jüngerer Mann, der noch nicht einmal dreißig war: Nathan Sloan. Der Mann, der ihm, John Lewinski dies alles eingebrockt hatte. Nur kurz musste John entscheiden, welche Beute wichtiger war und richtete den Phaser auf Sloan. Er drückte ab und wie in Zeitlupe raste der Strahl auf Sloan zu. Doch die Energiezunge ging glatt durch ihn hindurch; gerade noch rechtzeitig hatte der Verschwörer einen Transporter aktiviert, der ihn sonst wo hin brachte. Mit entsetztem Blick blickte Jellico erst zu dem verschwindenden Sloan und dann zu Lewinski. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, hier zurückgelassen zu werden. Lewinski markierte sofort sein nächstes Ziel und feuerte auf den Admiral. Der Phaserstrahl riss den großen Mann von den Füßen und mit einem unsanften Knall landete er auf dem Rücken. Voll von Adrenalin, dass durch seinen Körper gepumpt wurde, näherte sich John dem Verräter an der Sternenflotte. Der alte Mann mit den grauen Haaren blickte keuchend zu ihm auf; Panik zeigte sich in seinem Gesicht.<br>„Jetzt habe ich dich, du Schwein,“ meinte Lewinski grimmig und sein Blick fiel auf einen Gegenstand neben Jellico. Ein Datenpadd. Der einzige Gegenstand in diesem Raum. <br><br><center>( siehe 4x12 „Offenbarungen, Teil 2“ ) </center><br>...„Ich habe aber immer noch nicht verstanden,“ unterbrach ihn John Lewinski geduldig, „wieso sie sich nun gegen diese Leute stellen.“<br>„Der Niedergang der Organisation begann mit dem Tod Luther Sloans auf Deep Space Nine. Für eine kurze Zeit gab es ein Vakuum in den Machtstrukturen der Sektion 31, bis sein Sohn Nathan die Macht ergriff. Nathan Sloan war, das wussten alle, viel zu jung und unerfahren für eine solch leitende Position. Er ist nun erst 27 und soll eine Geheimorganisation anführen, die es schon seit Jahrhunderten gibt? Unmöglich!“<br>„Jahrhunderte? Wissen sie denn wie lange es sie denn schon wirklich gibt?“<br>Statt einer Antwort kramte Jellico kurz in seiner Tasche herum und diesmal verzichtete Captain Lewinski darauf, einen Phaser auf den alten Mann zu richten. Auch wenn es sich absolut paradox anhören mochte, auf einmal vertraute er diesem alten Mann. All die Jahre hatte er in ihm nur ein Schwein gesehen, ein Mann der ihm mit Vergnügen Steine in den Weg legte. Doch zum ersten Mal kam John tatsächlich der Gedanke in den Sinn, dass Jellico selbst vielleicht nur ein Opfer sein mochte. Aus seiner Tasche holte der vermeintliche Überläufer ein kleines, grünes, rechteckiges Stück Papier heraus.<br>„Wissen sie, was dies ist?“ fragte Jellico.<br>„Ist dies ein Geldschein?“<br>„Stimmt. Es handelt sich um einen Dollar, eine Währung, die vor einigen hundert Jahren auf der Erde existiert hat. Schauen sie sich doch diese Stelle ganz genau an.“<br>Lewinski nahm den Geldschein entgegen und betrachtete die ihm zugewiesene Stelle. An der Seite der Währung war eine Pyramide eingezeichnet, in deren Spitze ein Auge eingelassen war.<br>„Können sie damit etwas anfangen?“<br>„Bedauere, nein.“<br>„Die offizielle Erklärung der damaligen Regierung war,“ erklärte Edward Jellico, „dass es sich bei diesem Symbol um Gott handeln solle, der mit seinem allmächtigen Auge uns alle überwacht. Jedoch existierte schon damals eine zweite Theorie, wen diese Pyramide darstellen sollte.“<br>„Wen?“<br>„Der Geheimbund der Illuminaten. Eine Untergrundorganisation, die angeblich die ganze Welt reagiert hat.“<br>„Mit diesem Begriff kann ich etwas anfangen,“ unterbrach ihn John und blickte noch einmal auf den Schein. Langsam stieg in ihm die Erinnerung hoch, doch einmal von dieser Sache gehört zu haben. Verschwörungstheorien waren in jedem Zeitalter populär gewesen und diese hier gehörte zu den ältesten. Doch wie so viele hatte man diese jemals beweisen noch widerlegen können. Dann, im Angesicht der Erkenntnis, stutzte Lewinski.<br>„Sie wollen mir doch nicht sagen, dass Sektion 31 aus eben jenen Illuminaten hervorgegangen ist?“ fragte er schockiert, worauf Jellico eine entschuldigende Geste mache.<br>„Dies ist nur ein Gerücht, welches innerhalb der Organisation kursiert. Ich war kein Mitglied des inneren Kreises und daher kann ich darauf keine definitive Antwort geben, aber diese Erklärung macht die Runde.“<br>„Und was wollen sie mir mit dem ganzen sagen?“<br>„Ich habe von diesem Gerücht kurz nach meiner ersten Arbeit für Sektion 31 erfahren. Stellen sie sich meine Resignation vor. Natürlich hatte ich am Anfang geplant, mich ihnen zu widersetzen, genauso wie sie es nun tun. Jedoch sah ich dann bald ein, dass dies keinen Sinn hatte. Wie konnte ich mir anmaßen, eine Organisation bekämpfen zu wollen, die seit so vielen Jahrhunderten existierte? Die vielleicht ihren Ursprung vor tausend Jahren auf der Erde hatte? Ich sah ein, dass es sinnlos war und arrangierte mich mit einem Feind, den ich niemals hätte schlagen können.“<br><br>...Über dem Mars, der Jahrhunderte lang den Menschen nur als „der rote Planet“ bekannt gewesen war, erschien die Xhosa und begann mit einer intensiven Sensorensuche. Natürlich war die Oberfläche des Planeten schon lange nicht mehr von dem rötlichen Sand geprägt. Jahrhunderte der Terraformarbeit hatte aus dem Mars einen erdähnlichen Planeten gemacht, auf dem man exzellent leben konnte. Doch diese Feinheiten interessierten derzeit die dezimierte Besatzung des Frachters nicht. Sie wollten nur einen Mann finden.<br>„Ich habe Nathan Sloan gefunden,“ gab Jellico glücklich zu. „Wie ich mir gedacht habe befindet er sich in einem Geschäft in der Innenstadt von Mars-City.“<br>„Einem Geschäft? Was tut er dort?“ fragte Captain Lewinski irritiert. Die Anspannung war ihm nun deutlich anzusehen, immerhin bot sich hier ihm nun die Möglichkeit Sektion 31 einen entscheidenden Schlag zu verpassen.<br>„Suspekt, nicht wahr? Zu seiner Tarnung betreibt Sloan ein Antiquitäten-Geschäft. Ich denke, er mag ab und zu mal das einfache, handwerkliche Leben. Es entspannt ihn.“<br>Yates, die immer noch auf der Suche nach Vergeltung war, klatschte in die Hände.<br>„Also schön, beamen wir uns hinunter und schnappen wir uns den Mistkerl.“<br>„Oh, so einfach wird dies wohl nicht werden. Ich orte Sicherheitssysteme in seinem Geschäft. Transportblockierer, Kraftfelder, allerlei Zeugs, welches es uns unmöglich macht, da hinunter zu beamen.“<br>„Sie wollen uns doch nicht sagen, dass wir umsonst geflogen sind?“ fragte Lewinski wütend. Ein neuerlicher Trick von Jellico wäre in diese Situation äußerst kontraproduktiv.<br>„Nicht wenn ich mir das Inventarverzeichnis dieses Schiffes ansehe,“ erwiderte der ehemalige Admiral mit einem Seitenblick zu Yates.<br>„Wie meinen sie dies?“<br>„Wie ich dies hier lese haben sie aufgrund des Krieges noch zwei Photonentorpedos an Bord?“<br>„Dies ist korrekt,“ antwortete die Frachterkommandantin.<br>Ohne ein weiteres Wort betätigte Jellico den Auslöser und das Schiff erbebte unter dem Torpedostart.<br><br>Er genoss wirklich die Ruhe, wenn er hier war. Nathan Sloan atmete einmal tief durch und genoss das Ambiente, welches dieser Laden ausstrahlte. Er fühlte einen inneren Frieden, der ihm manchmal bei der Arbeit fehlte. Es war immer gut, wenn man Orte hatte, an die man sich zurückziehen konnte. Gerade beriet er ein Ehepaar, dass auf der Suche nach einem alten Grammophon war. Ab und zu mal etwas ganz anderes machen, dies lockerte den Geist. Gerade wollte er über die Zahlungsmodalitäten verhandeln, da piepte sein Computerterminal. Nathan entschuldigte sich und rief die entsprechenden Daten auf. Es näherte sich ihm ein Objekt mit großer Geschwindigkeit... ein Gefechtskopf!<br>Sekunden nach der Realisierung dieser Nachricht explodierte das Geschäft.<br><br><center> ( siehe 5x01 „Eine neue Situation“ ) </center><br>...„Die Untersuchung der verwendeten Materialien und die Genanalysen lassen keinen Zweifel mehr zu,“ wiederholte der Leiter abermals, „die Bombe stammt von Remus und...“<br>„... die Genanalysen deuten auf Remaner als die Urheber dieses Attentats hin,“ vervollständigte Nr. 2 den Satz. „Was schlimmeres hätte nicht eintreten können.“<br>„Vor allem nicht in Anbetracht des letzten Zwischenfalls mit den Remanern und Shinzon,“ brummte Nr. 1.<br>„Verdammt,“ fluchte der Leiter und blickte kurz seine ihm treu ergebenen Stellvertreter an, „schon nach dem Enterprise-Zwischenfall ist der Föderation bewusst geworden, dass die Remaner aufständig geworden sind. Mehr denn je wollen sie ihre Freiheit haben. Wenn nun herauskommt, dass sie für diesen schrecklichsten Anschlag in der romulanischen Geschichte verantwortlich sind, wie stehen wir dann da?“<br>„Wir erscheinen wie ein Imperium, dass sein Volk nicht kontrollieren kann,“ dachte Nr. 1 laut.<br>„Man wird uns für zerrissen und in Folge dessen für schwach halten,“ meinte Nr. 2, was ein Nicken der beiden anderen Romulaner hervorrief. „Im schlimmsten Fall hält man uns für so verwundbar, dass dies äußere Feinde auf den Plan rufen könnte. Ich muss ja niemanden hier im Raum an die Klingonen erinnern.“<br>„Sie glauben doch nicht im Ernst, dass die Klingonen als Mitgliedsvolk der Multiplanetaren Allianz uns etwas antun könnten?“ Nr. 1 hielt diese Möglichkeit für undenkbar. „Die MPA würde sofort einschreiten.“<br>„Möglich ist alles.“<br>„Ich wünschte nur, wir hätten dies nie entdeckt,“ murmelte der Leiter und niemand konnte ihm diesen Gedankengang verübeln. „Wir dürfen dies jedoch nicht zulassen. Das Romulanische Sternenreich muss stark erscheinen und stark sein. Wir brauchen etwas, was die Moral unseres Volkes wieder aufrichtet.“<br>„Haben sie etwas spezielles im Sinn, Sir?“<br>Kurz dachte der Leiter nach.<br>„Wissen andere Tal Shiar Abteilungen etwas über unsere Erkenntnis?“<br>„Nein, niemand.“<br>„Die Regierung?“<br>„Wartet immer noch auf unsere Ergebnisse.“<br>Nun lächelte der Leiter. Die Lösung war einfach, aber genial.<br>„Wie schweißt man ein Volk zusammen?“ fragte der Leiter rhetorisch.<br>„Man gibt ihm ein gemeinsames Ziel,“ antworteten Nr. 1 und Nr. 2 zeitgleich.<br>„Am besten geht dies mit einem äußeren Feind, nicht wahr?“<br>„Korrekt, die Geschichte lehrt einem, das ein Volk zusammenhält, wenn es von außen bedroht wird,“ erklärte Nr. 2.<br>„Sie denken doch nicht an die Klingonen?“ fragte Nr.1 sorgenvoll. „Unsere Ressourcen sind nach dem Dominionkrieg immer noch zu erschöpft, um uns einem solch totalen und langwierigen Krieg zu stellen.“<br>„Nein,“ der Leiter schüttelte den Kopf, „die Moral unseres Volkes wird am besten dadurch hergestellt, dass wir unsere Stärke und unsere Überlegenheit demonstrieren können.“<br>Der alte Leiter ließ eine Sternenkarte auf dem Projektor erscheinen, sah sie sich kurz an und deutete dann mit einem Finger auf eine Stelle nahe der Grenze. Seine beiden Stellvertreter lasen beide, was dort stand:<br>„Die Talarianische Union.“<br>„Die Talarianer sind uns mindestens 50, wenn nicht gar 100 Jahre in der Entwicklung zurück,“ erklärte der Leiter den aus seiner Sicht genialen Plan. „Ein Sieg über sie wäre nur eine Frage von Monaten, wenn nicht sogar von Wochen. Wie gesagt: ein schneller Sieg, der unsere Entschlossenheit und Überlegenheit demonstriert. Dadurch wird uns niemand für schwach halten.“<br>„Wie schaffen wir es die Talarianer zu attackieren ohne...“<br>„Wir manipulieren die Beweise,“ schlussfolgerte Nr. 1. „Wir lassen die Talarianer, die ohnehin eine kriegerische Spezies sind, als die Attentäter erscheinen. Infolgedessen würde der Krieg als ein legitimer Akt der Selbstverteidigung aussehen.“<br>„Genial,“ konstatierte Nr. 2<br>Auch der Leiter war zufrieden. Wenn alles gut ging, würde das Romulanische Reich gestärkt aus dieser Sache hervorgehen. Sie musste nur vorsichtig sein.<br>„An die Arbeit, meine Herren! Wir haben nicht viel Zeit, um unser Volk neu erblühen zu lassen!“<br><br><center> ( siehe 5x08 „Augenblicke“ ) </center><br>...Die Ermordung des Prätors, initiiert durch die mysteriöse Abteilung Blau des Tal Shiar, war genau zum richtigen Zeitpunkt geschehen. In dem Moment, als Nocks in dessen Gemächer geschlichen und ihn kaltblütig niedergestreckt hatte, war der Prätor dabei gewesen seinen großen Auftritt vor dem Senat zu planen. Einen Auftritt, in dem er die Wahrheit offenbaren wollte, die er noch kurz zuvor vom Leiter der Abteilung Blau erfahren hatte. Wäre dies geschehen, so wäre ruckartig der gesamte Krieg gestoppt und ein hastiger Friedensvertrag geschlossen worden.<br>Doch so stand der Invasion nichts im Wege. Hunderte von Warbirds, die tagelang auf der Lauer gelegen und den richtigen Moment abgewartet hatten, enttarnten sich gleichzeitig im Orbit von Talar. Ihre Aufteilung war vorzüglich: eine Gruppe zerstörte die wenigen noch verbliebenen Schiffe, die einen Schutzwall um den Planeten gebildet hatte, eine andere attackierte die Raumstationen und die dritte griff die orbitalen Verteidigungsplattformen an.<br>Wie schon während des gesamten Krieges zuvor waren die Talarianer in jeglicher Hinsicht unterlegen. Verzweifelt feuerten sie ihre rückständigen Waffen ab, die zumeist wirkungslos an den Schilden der romulanischen Schiffe explodierten. Ein Kriegsschiff der Talarianer nach dem anderen wurde von der romulanischen Marine auseinandergenommen und ihr Hass kannte kein Erbarmen. Die einzelnen Kommandanten der romulanischen Streitkräfte befahlen gar auf die Schutzkapseln zu feuern, die die wenigen überlebenden Talarianer beherbergten. In ihrer Verzweiflung gingen die talarianischen Matrosen sogar so weit mit ihren Schiffen die Warbirds zu rammen, um so zumindest einige Feinde mit in den Tod zu reißen. Niemand von ihnen wollte sterben und keiner hatte Interesse an einem Ruf als Märtyrer, doch sie wussten sich nicht mehr anders zu helfen. Über dreißig romulanische Schiffe wurden in diesem Gefecht, welches über zwölf Stunden dauerte, zerstört, doch dies war nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Immer noch blieben Hunderte von weiteren Schiffen, die sich nun in eine bessere Angriffsposition brachten. Jeglicher Widerstand war gebrochen worden und die wenigen Schiffe, die noch übrig waren, versuchten schleunigst das System zu verlassen und so noch einige weitere Personen das Leben zu retten.<br>Dann jedoch begann das wahre Grauen. Nachdem die Romulaner sich in Position gebracht hatten begannen sie mit dem schlimmsten Bombardement eines Planeten seit über einhundert Jahren. Mit ihren mächtigen Strahlenkanonen und Quantentorpedos feuerten sie auf die Oberfläche. Jeder einzelne Torpedo hatte die mehrfache Sprengkraft einer Hiroshima-Atombombe und verwüstet ganze Landstriche und Städte im Nu. Unzählige Massen an Staub wurden aufgewirbelt, die in den folgenden Jahren einen nuklearen Winter verursachen und das Überleben auf diesem Planeten in naher Zukunft zu einer Zerreißprobe machen würden. Systematisch wurden erst militärische Anlagen zerstört, eine nach dem anderen, im Anschluss folgten die gewaltigen Städte. Die Talarianer hatten jedoch aus den vorigen Niederlagen hinzugelernt und hatten ihre wichtigsten Würdenträger und Strategen in gewaltige Bunker gebracht, die nicht von den Waffen erreicht werden konnten. Für die Zivilbevölkerung war jedoch nicht genug Platz. Wie auch? Der gesamte Planet konnte nicht in das unterirdische System evakuiert werden und so verbrannten Männer, Frauen und Kinder beim lebendigem Leib. Drei Tage dauerte das ununterbrochene Bombardement, welches von heftigen Protesten anderer Regierungen begleitet wurde, doch die Romulaner störten sich nicht daran. Sie hatten es tatsächlich geschafft die einst so vielgerühmte Multiplanetare Allianz politisch außer Gefecht zu setzen.<br>Dann endlich wurde der Völkermord eingestellt und die nächste Phase der Invasion wurde eingeleitet. Gewaltige Landungsschiffe begannen mit dem Anflug auf Talar und zu ihrer Überraschung mussten sie feststellen, dass die Talarianer noch einige Abwehrgeschütze vor dem Bombardement versteckt hatten. Ihnen gelang es einige wenige Schiffe abzuschießen, dann zerstörte die romulanische Marine auch diese Stellungen. Die Invasionstruppen landeten und die Infanteristen verließen zu Tausenden die Landungsboote. Sie bereiteten sich darauf vor eine Welt zu erobern, die schon geschlagen war. Die Städte waren zu Ruinenlandschaften geworden, die einst grünen Felder waren Wüsten gewichen. Und doch war kein einziger Talarianer bereit zu kapitulieren. Man hatte sie gedemütigt, getötet, zerfetzt und besiegt, doch sie hatten kein Interesse daran ihre Ehre zu verlieren. Also lauerten sie den Invasoren in den Ruinen auf und verwickelten sie in tagelange Gefechte. Nur hier unten, im Bodenkampf Mann gegen Mann, konnten die Talarianer ihre technologische Unterlegenheit durch das Wissen um das Gelände ausgleichen. Es war das erste Mal in diesem Krieg, dass die Romulaner schwere Verluste erlitten. Dann endlich brachten sie ihr schweres Kriegsgerät auf den Planeten und ihr Vormarsch wurde fortgesetzt. Eine Stadt nach der anderen wurde eingenommen und irgendwann war es geschehen, dass auf den Ruinen des talarianischen Regierungssitzes die Flagge des Romulanischen Sternenreiches gehisst wurde. Die Flagge wehte im stürmischen Wind, der nur noch mehr Dreck aufwirbelte und in den Himmel blies. Während der gesamten Invasion hatte Düsternis auf dem Planeten geherrscht, eine nie enden wollende Dunkelheit und nun, nachdem sich die Atmosphäre abkühlte, begann es zu schneien und zu frieren. Eine Welt war zugrunde gerichtet worden und ein Krieg beendet.<br>Im Ratssaal der MPA auf Parliament wurde seit Tagen debattiert, doch ohne Ergebnis. Schließlich betrat nach einer Woche seit Beginn der Invasion der romulanische Botschafter das Podium und verkündete:<br>„Meine verehrten Kollegen und Abgeordneten, soeben habe ich von unserer Admiralität die Nachricht erhalten, dass der Planet Talar vollständig unter unsere Kontrolle gefallen ist. Obwohl die Talarianische Union sich immer noch weigert zu kapitulieren dürfen wir endlich vom Ende dieses furchtbaren Krieges sprechen. Der Feldzug gegen diejenigen, die so viele romulanische Zivilisten hinterrücks ermordet hatten, ist vorbei. Mögen nun friedlichere Zeiten anbrechen.“<br>Damit ging ein Konflikt, der acht Monate gedauert hatte und Millionen Leben gefordert hatte, zu Ende. Am Ende blieb ein strahlender Sieger und ein am Boden liegender Verlierer. Ein Verlierer, der niemals eine Chance auf den Sieg gehabt hatte.  <br><br><center> ( siehe 5x09 „Jellico“ ) </center><br>...Kraftlos hockte Edward auf dem Boden und hielt den leblosen Körper seiner Frau in den Armen. Er vergoss bittere Tränen, klagte und schrie, doch nichts brachte sie zurück. Neben der Leiche seiner Frau lag der Körper seines Sohnes, auch er war allen Lebens beraubt worden. Nein, womit hatten sie dies nur verdient? Wenn Stella wenigstens ihn getötet hätte, aber was hatte seine Familie damit zu tun. Die im Anschluss an den Mord entschwundene Person hatte scheinbar Freude am Sadismus. Anscheinend wollte sie, dass Jellico für den Rest seines Lebens leiden würde. Doch damit hatte sie ihr eigenes Todesurteil unterschrieben. Bei der geliebten Erinnerung an seine Familie, Edward Jellico schwor sich Stella zu finden und sie wie ein Tier abzuschlachten.<br><br><center> ( siehe 6x04 „Icarus´ Flügel“ ) </center><br>...Der Antosianer war mit seiner menschlichen Begleiterin noch einige Zeit durch die Station geirrt. „Geirrt“ war wohl in diesem Fall das falsche Wort, denn es implizierte eine Art von Ziellosigkeit. Ziellos war jedoch ihr Weg ganz und gar nicht gewesen, viel eher geprägt durch den Versuch ihren unbekannten Häschern zu entgehen. Schließlich erreichten sie die belebte Promenade, wo sich Hunderte von Angehörigen verschiedenster Spezies aneinanderreihten und die Schaubuden. Woil blickte Stella an und ihr stummer Blick signalisierte Zustimmung. Beiden war klar, dass es manchmal am besten war sich an einem belebten Ort zu verstecken, in der Menge unterzutauchen. Also setzten sie sich an einen Ecktisch in einer schmierigen Kneipe und bestellten sich etwas zu trinken. Sie spekulierten darauf, dass Sektion 31 nicht so dumm wäre eine Konfrontation in der Öffentlichkeit zu suchen. Hoffentlich.<br>„Was will Edward Jellico von dir?“ fragte Jozarnay leise, nachdem man ihnen das Bier gebracht hatte.<br>„Ich sage mal so: unsere politischen Ansichten sind eher gegensätzlich,“ erklärte Stella mit normaler Stimme, so als bereitete es ihr keine Sorgen über diese Verschwörerorganisation in der Öffentlichkeit zu sprechen.<br>„Du hattest also näher mit ihm zu tun?“<br>„Du etwa?“<br>Die rothaarige Frau blickte ihn erwartungsvoll an und Jozarnay wägte ab, wie viel er sagen konnte. Doch irgendwie hatte er ein unglaubliches Vertrauen zu dieser Dame gefasst. Sie verursachte in ihm ein Gefühl, welches er schon lange nicht mehr gekannt hat. Wohl fühlte er sich in ihrer Nähe, geborgen. Ob sie auch so empfand? Zumindest schien sie ihm ebenfalls zu vertrauen, ansonsten würde sie nicht mit ihm darüber reden zu wollen.<br>„Ich war früher bei der Sternenflotte und kenne Edward Jellico schon seit einigen Jahren.“<br>„Tatsächlich?“ Stella weitete überrascht ihre bezaubernden Augen. „Dientest du auf einem Raumschiff?“<br>„Ja,“ erklärte Woil und ließ routinemäßig seine Augen über die Promenade schweifen. Bisher nichts Verdächtiges zu sehen. „Erst kannte ich ihn nur vom Hörensagen, dann von persönlichen Kontakten und die gab es reichlich. Wir, also meine ehemaligen Kameraden und ich, hatten einige unerfreuliche Begegnungen mit ihm.“<br>Unruhig trippelte er mit seinen Fingern auf dem Tisch herum. Seine letzte Injektion lag schon Tage zurück und die Auswirkungen begann er immer deutlicher zu spüren. Das White, welches ihm von Tanner angeboten worden war, fiel den Flammen der Bombe zum Opfer. Noch ein wenig länger konnte er es ohne aushalten, doch irgendwann würde er eine Injektion brauchen, so viel stand fest.<br>„Und du? Was verbindet euch?“ fragte der ehemalige Chefingenieur, teils um sich abzulenken, teils aus echtem Interesse.<br>Die angesprochene Frau schien für einen Moment zu überlegen, wie viel sie von ihrem Leben preisgeben durfte, dann erklärte sie:<br>„Auch ich war früher ein Mitglied von Sektion 31.“<br>Diese Aussage war überraschend, gänzlich unerwartet. Früher, als er noch Mitglied der Sternenflotte gewesen war, wäre Jozarnay aufgesprungen und hätte sonst etwas gemacht. Doch heute nicht mehr. Viel zu sehr war er interessiert an der Geschichte dieser Frau, die ihn so sehr faszinierte. Sein Schweigen schien für sie nur noch mehr eine Aufforderung zum reden zu sein. Wie so oft, es schien eine Marotte zu sein, warf sie ihr langes Haar mit einer Hand zurück und erklärte:<br>„Lange Zeit sogar habe ich dort verbracht, mich hochgearbeitet und an die Ideale dieser Organisation geglaubt. Ob du es glaubst oder nicht, früher wollte Sektion 31 nur das beste für die Föderation. Aber durch Edward Jellico wird alles pervertiert. Er möchte die Organisation zu seinem persönlichen Zwecke nutzen und nicht zum Wohl der Allgemeinheit. Ich bin die letzte Vertreterin der alten Ordnung, die, die sich ihm am hartnäckigsten widersetzt. Daher jagt er mich.“<br>„Die Gruppe, von der du sprichst, habe ich aber anders erlebt.“<br>„Ach ja? Wie denn?“<br>„Verschlagen. Gemein. Selbstsüchtig,“ zählte der Antosianer auf. „Sie erhoben für sich den Anspruch den gottgleichen Auftrag zu haben die Föderation zu schützen, auch wenn ich dieses Wort nicht gerade benutzen würde. Sektion 31 zerstörte unzählige Existenzen und Leben, einige von ihnen waren mir bekannt.“<br>„Dies waren schon die eingerissenen Strukturen,“ beschwichtigte Stella ihn und legte ihre Hand auf seine. „Ich gehöre noch zur alten Garde, die dies alles genauso abstößt wie dich. Daher jagt man mich.“<br>Lange dachte Jozarnay über diese Worte nach. So viele Jahre hatten sie schon mit den verschiedensten Vertretern von Sektion 31 zu tun gehabt und niemanden davon hatte man trauen dürfen. Wieso also dieser Frau? Nur weil er eine schöne Nacht mit ihr verbracht hatte? Nein, der Grund dafür, wieso er ihr vertraute, war, dass sie freiwillig und aufgefordert von ihrer Verstrickung erzählt hatte. Auch wenn er möglicherweise nicht ihre Ansichten teilte, so wollte er sie beschützen.<br><br><center> ( siehe 6x08 „Der Fremde“ ) </center><br>..„Aber wieso haben sie dies getan? Sie hätten mich in meinem Zustand belassen können, allein und verloren. Dennoch kümmerten sie sich um mich. Wieso?“<br>Auf diese Frage wusste John Lewinski selbst keine richtige Antwort. Wie konnte man dies anderen Personen erklären? Es hatte sich mehr um ein Gefühl statt einer Erklärung gehandelt.<br>„Weil sie ein Mensch sind,“ meinte der Captain schließlich. „Das unterscheidet uns von den Tieren: man hilft seinem Feind.“<br>„So denken sie immer noch über mich? Ich wäre ihr Feind?“ fragte der alte Mann enttäuscht.<br>„An dieser Einstellung wird sich wohl auch nie etwas ändern.“<br>„Dennoch möchte ich ihnen meinen Dank aussprechen, dafür, dass sie mir geholfen haben. Und auch wenn sie denken, dass ich nicht zur Milde fähig wäre, so mache ich ihnen ein Geschenk: in Zukunft werde ich ihr Leben unangetastet lassen.“<br>Diese Worte schockten John, obwohl sie nicht unerwartet kamen. Meinte er dies ernst?<br>„Ist dies ein Geständnis, dass sie versucht haben mich zu töten?“<br>„Ich gestehe gar nichts,“ entgegnete Jellico generös. „Ich verspreche ihnen nur, dass sie am Leben bleiben werden.“<br><br><center> ( siehe 6x14 „Damoklesschwert“ ) </center><br>...Lewinski nutzte diese Gelegenheit. „Warten Sie... alle beide. Wir können das nicht tun.“<br>„Was können wir nicht tun?“, fragte Veritas.<br>„Wir können das niemand erzählen. Denken Sie doch nach. Was nutzt dem Quadranten ein instabiles romulanisches Imperium? Wie schnell hätten sie sich mit den Klingonen wegen Grenzstreitigkeiten in den Haaren? Die diplomatische Arbeit würde um Jahrzehnte zurückgeworfen. Was nützt denn die Wahrheit jetzt noch?“<br>„Sie öffnen damit Tür und Tor für unsere Regierung und den Tal Shiar genau so weiter zu machen. Außerdem lässt sich die Föderation jetzt schon erpressen. Meinen Sie denn, die Probleme werden weniger?“, stellte Nummer 1 dahin.<br>„Das weiß ich nicht. Aber wenn wir jetzt richtig handeln haben wir vielleicht noch eine Chance, dass das alles nicht in einem Desaster endet“, mutmaßte Lewinski.<br><br>... „Das ist etwas, das ich nicht im Bericht erwähnt habe. Dieser Kret bat mich sein Testament an mich zu nehmen“, antwortete Lewinski locker.<br>„Und was werden Sie damit tun?“<br>John überlegte einen Moment. „Ich habe jetzt ja Urlaub, gezwungenermaßen zugegeben, aber es ist immer noch Urlaub. Und die Raumstation die wir anfliegen ist doch im Orbit eines Planeten?“<br>„Ja, Mavan 2.“<br>„Wenn ich dann dies hier lese, während ich auf diesem Planeten in einem Cafe sitze und dann dieses PADD zufällig vergesse...“, mutmaßte Lewinski.<br>Price griff ein in diese gespielten Überlegungen. „Reden Sie nicht davon. Es könnte einem Dritten in die Hände fallen, gar jemand von der Presse.“<br>„Das wäre ja ein unverzeihlicher Fehler“, heuchelte Lewinski Sorge und schüttelte den Kopf. „Hoffen wir, dass das auf keinen Fall geschieht.“<br>Price grinste. Er spürte, dass der Captain seine Freizeit gut nutzen würde. Er würde sie nutzen um eine Fehler zu beheben und um einen bekannten einen letzten Gefallen zu tun.<br><br><center><u>Und nun die Auflösung... </u></center><br>Sofort nachdem Captain John Lewinski die Brücke der Monitor betreten hatte, spürte jeder, dass etwas nicht stimmte. Zwar hatte der Captain schon in letzter Zeit nicht allzu gut ausgesehen. Die vorherigen Missionen hatten ihn einiges an Kraft gekostet, die Jagd nach dem eigenen Bruder zusätzlich geschwächt und zermürbt. Doch heute zeigte sich eine ganz besondere Düsternis in seinen Gesichtszügen. Instinktiv drehte sich die Brückenbesatzung in seine Richtung. Alle wussten, dass er etwas wichtiges zu sagen hatte. Und dem war auch so.<br>Lewinski stellte sich in die Mitte der Brücke, nickte Lieutenant Tellom zu, die sofort verstand und eine Komverbindung für das gesamte Schiff öffnete.<br>„Besatzung, hier spricht der Captain!“ erklärte John mit bemerkenswert fester und selbstsicherer Stimme. „Ich habe eine wichtige Neuigkeit für sie: die Völker der Multiplanetaren Allianz haben den wahren Grund für den Krieg zwischen dem Romulanischen Sternenreich und der Talarianischen Union erfahren. Aus uns noch unbekannten Ursachen sind die Informationen an die Presse gelangt und heute morgen von der namhaften Föderationstageszeitung Universe Today veröffentlicht worden. Die Föderation, die Gorn, die Cardassianer, die Tamarianer und Klingonen, also alle Mitgliedsvölker der MPA, zeigten sich bestürzt über die vom Tal Shiar inszenierte Intrige, die zum Krieg geführt hat. Wie wir seit unserer letzten Mission wissen, wurden die Beweise des Bombenanschlags auf den romulanischen Senat so manipuliert, dass die Spuren zu den Talarianern statt den Remanern führten. Auch die monatelangen Offensiven auf Remus sind der Öffentlichkeit bekannt geworden und ein Sturm der Entrüstung fegt durch den Quadranten. Die einzelnen Regierungen, unsere mit eingeschlossen, beraten seit 11:00 Uhr heute morgen intensiv über das weitere Vorgehen. Alle Föderationsschiffe sind in sofortige Alarmbereitschaft versetzt worden; sämtliche Reservisten wurden zwecks sofortiger Meldung zum Dienst einberufen. Sobald sich irgendwelche neuen Informationen ergeben, so werde ich ihnen dies unverzüglich mitteilen. Lewinski Ende!“<br>Aufs Stichwort schloss Arena den Kanal und blickte wieder entgeistert zu ihrem Kommandanten. Bei der Ausführung der letzten Mission war jedem klar geworden, um was für eine Tragweite es sich bei ihrer Erkenntnis gehandelt hatte. Doch dabei hatten sie instinktiv den Gedanken an einen möglichen politischen Konflikt verdrängt, obwohl er scheinbar unausweichlich gewesen war. Nun hatten alle Skeptiker unter ihnen Recht behalten.<br>John Lewinski blickte beunruhigt zu seinem ersten Offizier und Matt Price nickte fast unmerklich. Beide wussten, wie diese Informationen an die Öffentlichkeit gelangt waren. Der Gerechtigkeitssinn des Kanadiers hatte es nicht zugelassen, dass die Wahrheit einfach unter den Tisch gekehrt wurde und man wieder zur Tagesordnung überging. Doch möglicherweise hatten sie zu impulsiv gehandelt, war ihnen doch der Preis dieser Tat bekannt gewesen. <br>Derzeit fragte sich Price, ob sein Vorgesetzter seine Entscheidung bereute.<br>„Ich befinde mich in meinem Bereitschaftsraum,“ meinte Lewinski zum Halbbetazoiden und verschwand in seinem Büro. Price gab sich alle Mühe, darin keine Flucht zu sehen.<br><br>Elegant umrundete John Lewinski seinen Schreibtisch und setzte sich daran. Er schnappte sich das erstbeste Padd, welches er zu fassen kriegte und begann zu lesen. Der Inhalt interessierte ihn weniger, vielmehr wollte er sich nur ablenken. Hatte er möglicherweise mit der „unabsichtlichen“ Weitergabe der Wahrheit etwas grauenvolles angezettelt? Spontan fragte er sich, wie er nur so naiv hatte sein können. Egal wie er sich entschieden hätte, am Ende hätten sie alle als Verlierer dagestanden. Die Wahrheit über den Krieg weiter zu verheimlichen wäre genauso falsch gewesen wie die Informationen weiterzugeben. Wie man es auch drehte, immer nur wäre am Ende eine Katastrophe herausgekommen. <br>Johns Selbstzweifel wurden jäh durch den aufblinkenden Komschirm unterbrochen. Statt dass jemand anrief und höflich darauf wartete angesprochen zu werden, hatte sich diese Person direkt in das System eingelinkt und war völlig unerwartet auf dem Bildschirm erschienen. <br>Diese Vorgehensweise passte nur zu einer einzigen Person; einem alten Mann, der ihn nun freundlich anlächelte:<br>„John, es ist schon einige Zeit her, nicht wahr?“ fragte Edward Jellico scheinbar harmlos.<br>Die instinktive Reaktion des Captains bestand darin, auf die Abschalttaste seines Terminals zu drücken. Doch sehr zu seiner großen Überraschung geschah nichts; Jellico blieb leider auf Sendung.<br>„Oh, gut, dass ich vorgesorgt habe und sie mich nicht unterbrechen können. Heute ist es ganz besonders wichtig, mir zuzuhören, denn ich habe brisante Informationen.“<br>„Jellico, sie nerven mich!“ raunte Captain Lewinski und schien mit seinem Blick den Bildschirm geradezu zu durchbohren. <br>Beschwichtigend hob der Sonderermittler des Justizministeriums, so war zumindest sein derzeit offizieller Titel, die Hände. Er wollte wie so oft harmlos wirken, vertrauenswürdig.<br>„Ich kann ihren Zorn verstehen, Captain. Ihren eigenen Bruder zu verhaften war gewiss nicht einfach für sie. Ich selbst habe zwar keine Geschwister, doch kann ich mir gut vorstellen, wie es in ihnen drinnen aussehen muss. Und dann die Sache mit der Weitergabe der Informationen...“<br>Nun hatte der ehemalige Admiral ihn auf dem falschen Fuß erwischt.<br>„Sie wissen davon?“ fragte Lewinski überrascht.<br>„Ja, das weiß ich. Natürlich habe ich einige Quellen, John, und manche von ihnen sind außerordentlich gut. Aber ich sage ihnen dies nicht, um ihnen Angst zu machen. Meine Absicht ist es nicht, sie zu erpressen oder dergleichen. Auch wenn sie dies seit Jahren abstreiten: sie und ich haben das selbe Ziel.“<br>„Und ich sage ihnen seit Jahren, dass ich dies nicht glaube.“<br>„Was würden sie dann sagen,“ fragte Jellico und faltete seine Hände, „wenn  ich ihnen mitteile, dass ich die letzte Person war, die mit dem romulanischen Prätor gesprochen hatte.“<br>„Dem ermordeten?“<br>John war zu müde und zu geschafft, um seine emotionalen Reaktionen verbergen zu können. Überrascht weitete er die Augen angesichts dieser Informationen und zog seine eigenen Schlüsse. Jellico sah es als angebracht diese Gedankengänge zu unterbrechen:<br>„Egal, was sie jetzt denken mögen, ihre Annahmen sind falsch. Weder habe ich den Prätor ermordet noch ihn ermorden lassen. Viel eher habe ich ihm die Informationen zukommen lassen, die ihnen und dem gesamten Quadranten bekannt sind. Meine Absicht war es, ebenso wie sie, die Wahrheit öffentlich zu machen. Leider ist mir dann Abteilung Blau zuvorgekommen.“<br>„Was bezwecken sie mit dieser Aussage? Soll ich in ihnen nun den großen Gönner sehen?“<br>Vertrauenswürdig lächelte der alte Mann.<br>„Möglicherweise tun sie das, wenn sie die nun folgenden Informationen erhalten.“<br>Das Padd, welches Lewinski noch vor wenigen Minuten in den Händen gehalten hatte, piepte. Es empfing Daten, neue Textzeilen bauten sich auf dem Schirm auf.<br>„Ich sende ihnen hier nun Informationen zu,“ erklärte Jellico, „die ich in mühevoller Kleinarbeit über Jahre hinweg gesammelt habe. Erinnern sie sich noch, was ich ihnen damals an Bord der Xhosa erzählt habe?“<br>Kurz blickte der Kommandant ins Leere, als er sich an die Ereignisse vor zwei Jahren zu erinnern versuchte.<br>„Sie sagten zu mir, dass Sektion 31 jahrhundertealt wäre. Älter sogar, als viele vermuten. Manche Historiker würden davon ausgehen, dass sie aus den Illuminaten entstand, einem alten Geheimorden von der Erde.“<br>Bestätigend nickte Jellico.<br>„Die Daten, die ich ihnen auf ihr Padd überspielt habe, bestätigen diese Annahme. Sektion 31 ist viel, viel älter als sie, ich oder sonst irgendjemand geglaubt haben. Eine solche Gruppierung von solchen Ausmaßen kann man nicht besiegen. Egal wo man der Schlange den Kopf abschlägt, immer wieder wird ein neuer wachsen!“<br>Interessiert nahm John das Padd auf, überflog kurz die ersten Zeilen und staunte nicht schlecht. Was er hier las, klang nach billiger Science Fiction. Ein weiterer Versuch des alten Verschwörers ihn hereinzulegen?<br>„Und was soll ich mit diesen Informationen?“<br>„Ihr Ziel erreichen: Sektion 31 zerstören!“ erklärte Edward Jellico voller Tatendrang.<br>„Wie?“<br>„Indem sie das Problem beseitigen, als es noch überschaubar war: am Punkt seiner Entstehung.“<br>„Sie meinen in der Vergangenheit?“ fragte Lewinski ungläubig.<br>„Ich meine am Entstehungspunkt: im 12. Jahrhundert n. Chr. in Rom!“<br>Diese Worte waren unfassbar für John. Hatte er es hier etwa mit einem verrückten zu tun? Wie stellte sich der alte Mann die ganze Sache überhaupt vor.<br>„Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass der Ursprung von Sektion 31 so weit zurückreicht.“<br>„Die Daten verifizieren es,“ entgegnete der ehemalige Admiral überzeugt.<br>„Sie könnten gefälscht sein.“<br>Genervt schlug Jellico mit einer Faust auf seinen Schreibtisch. Langsam ging ihm das ganze Theater zu weit.<br>„Verdammt, ich biete ihnen hier eine einmalige Möglichkeit samt Datum und Ortsangabe! <br>Sie müssen nur in die Vergangenheit reisen, den Gründer der Illuminati von seinen Taten abhalten und schon wird sich die gesamte Zeitlinie verbessern.“<br>„Der Eingriff in die Zeitlinie...“<br>„... ist illegal, ich weiß,“ unterbrach ihn Jellico. „Aber wäre es das nicht wert?“<br>„Sie wollen von mir, dass ich Sektion 31 ausradiere, einfach aus der Zeit tilge? Was wird dann mit ihnen geschehen, Jellico? Ihr Leben würde ganz andere Bahnen nehmen und meins auch.“<br>Unmittelbar nach diesen Worten nahmen Edward Jellicos Augen einen trüben Glanz an. Fast schon schien es, als würde er in die Ferne blicken.<br>„Ich will meine Familie zurück,“ erklärte er traurig. „Sektion 31 nahm sie mir. Ohne diese Organisation würden meine Frau und mein Sohn noch am Leben sein. Es ist doch so einfach, John. Reisen sie in die Zeit zurück. Wie man dies tut, erfahren sie ja aus den Sternenflottendatenbanken und vernichten sie Sektion 31, noch bevor sie entstehen kann. <br>Auf diese Art und Weise erhalten wir unseren Seelenfrieden.“<br>Dann schaltete sich Jellico ab. Noch lange starrte Captain Lewinski auf den schwarzen Bildschirm und fragte sich, was er nun tun sollte.  <br><br>Ein mittelgroßes Frachtschiff raste mit Überlichtgeschwindigkeit durch die Weiten des Weltalls. Mit an Bord waren ungefähr ein Dutzend Leute, die meisten von ihnen Menschen. In keiner Datenbank tauchte dieses Schiff auf, es war nicht registriert oder bei irgendeiner Behörde angemeldet. Mit an Bord dieses Raumschiffs war eine uns bekannte Person.<br>Jozarnay Woil, vor langer Zeit einmal Chefingenieur des Raumschiffs Monitor, war auf der Brücke und blickte aus einem Sichtfenster. Die Sterne zogen als vertrautes Sternenmuster an ihnen vorbei, während sie ihrem Ziel entgegen flogen. Kurz schaute Woil zur Kommandantin des Schiffes, die über einer Konsole gebeugt war und dort die Messergebnisse ablas. Stella Tanner wirkte konzentriert, hoch motiviert und entschlossen. Eine andere Reaktion als diese hatte er auch nicht von der Frau, die er liebte, erwartet. Lange hatte sie sich auf diese Mission vorbereitet, alles generalstabsmäßig geplant. Ein Scheitern kam weder für sie noch für Jozarnay in Frage.<br>Instinktiv fragte sich der Antosianer, wie sehr er sich in den letzten Monaten verändert hatte. Aus dem Mann, der einst für die Prinzipien der Föderation gekämpft hatte, war eine Person geworden, die in den Grauzonen des Lebens wandelte. Ob das, was er tat, illegal war? Er nahm Drogen und er hatte fast Edward Jellico getötet, doch wäre dies falsch gewesen? Inzwischen konnte der ehemalige Chief nur noch schwerlich zwischen richtig und falsch unterscheiden. Deswegen hatte er es sich auch nicht nehmen lassen seine Liebste auf diese Mission zu begleiten. Einer Mission, die sie der Lösung ihrer Probleme einen gehörigen Schritt näher bringen würde. <br>Endlich ging das Schiff unter Warp. Sie hatten ihr Ziel erreicht. Hektische Betriebsamkeit entfaltete sich auf der Brücke, als der Pilot versuchte das Raumschiff so gut wie möglich zu steuern. Stella sah von der Konsole, an der sie gearbeitet hatte, auf und stellte sich neben Jozarnay. Beide blickten aus dem altmodischen Fenster und erspähten das Objekt ihrer Begierde: eine alte, verlassene Raumstation. <br>„Irgendwelche Schiffe in der Nähe?“ fragte die menschliche Frau und meinte damit eine ganz besondere Sorte von Gegnern.<br>„Nein, nichts auf den Sensoren zu erkennen,“ entgegnete ein Mitarbeiter. „Niemand hat unsere Ankunft hier bemerkt.“<br>„Und ist die Station wirklich unbemannt?“<br>„Es lässt sich kein Dominionpersonal an Bord feststellen. Die Informationen waren korrekt.“<br>Mit einem süffisanten Lächeln wandte sich Stella in Richtung ihres Liebhabers.<br>„Wenn dem nicht so gewesen wäre, dann hätte unser Informant auch jede Menge Ärger am Hals gehabt.“<br>Woil erwiderte das Lächeln. Entweder war er so blind vor Liebe, dass er die Kälte in dieser Aussage nicht begriff oder es war ihm egal geworden. Was war nur aus ihm geworden?`<br>Der Pilot steuerte das Raumschiff an die kleine, aber technisch hochentwickelte Raumstation heran und dockte es an. Für einen kurzen Moment hielten sie alle an Bord den Atem an, als alle sich die Frage stellten, ob es versteckte Abwehrmechanismen gab, die ihnen nun gefährlich werden könnten. Doch nichts geschah. Das Dominion hatte wohl die Station nach Ende des Krieges Hals über Kopf verlassen. Seltsamerweise hatte sich in der Folgezeit niemand für diese Einrichtung interessiert. Vermutlich lag es an dem wirkungsvollen Dämpfungsfeld, welches die Ortung dieses Objekts so schwer machte. Man konnte nur zwei Lichtjahre daran vorbeifliegen und es doch nicht bemerken. Ohne die genauen Koordinaten hätte man die Installation nicht finden können. <br>Stella nickte ihren Crewmitgliedern zu und sofort begannen sie mit der Verladung ihrer Materialien. Alles, was sie für diese Operation brauchten, hatten sie an Bord. Nur das finale Element, dieses würden Stella und Jozarnay gemeinsam an Bord bringen. Zärtlich berührte der Antosianer seine Geliebte am Arm.<br>„Bist du nervös?“ fragte er mit leiser Stimme. <br>Und sehr zu seiner Überraschung gab Stella zu:<br>„Ja, ein wenig. Der Gedanke, dass er bald wieder vor uns stehen könnte, ist so unwirklich… irgendwie unheimlich.“<br>Tröstend drückte Jozarnay die Frau an sich. Es war seltsam. <br>Eigentlich hätte er Eifersucht oder dergleichen empfinden sollen, doch diese Gefühle spielten für ihn in diesem Moment absolut keine Rolle. Vielmehr ging es ihm darum, dass Stella glücklich war und ihr Ziel erreicht. Ein Ziel, welches auch zu seinem geworden ist. Noch vor einem Jahr hatte er gegen Sektion 31 gekämpft, nun gehörte er selbst dazu. Jedoch zu dem wahren Flügel dieser Organisation, die den Menschen helfen und, nicht so wie Edward Jellico, ihnen schaden wollte.<br>Mit etwas Glück würden sie bald ihr gemeinsames Ziel erreichen und den Quadranten etwas sicherer machen. Für alle Bürger.<br><br>Wie es ihm befohlen wurde, betrat Commander Matt Price den Bereitschaftsraum des Captains und blickte erwartungsvoll seinen Kommandanten an, der nachdenklich über einigen Akten brütete. Es dauerte einen Moment, bevor der erste Offizier zur Kenntnis genommen wurde, dann blickte Lewinski auf und lächelte müde. Es war eine Geste, mehr nicht. Seine Augen hatten jeglichen Glanz verloren, die Müdigkeit war ihm deutlich anzusehen.<br>„Sie wollten mich sprechen?“ fragte Matt erwartungsvoll.<br>John zögerte einen Moment, erhob sich schließlich und umrundete seinen Schreibtisch. <br>Er wollte seinem ersten Offizier gegenüberstehen, ihm in die Augen blicken können. Oftmals fragte er sich, wie es wohl wäre, die Emotionen des Gegenübers lesen zu können und so das Verhalten eines anderen Menschen deuten zu können. Genau in diesem Moment wünschte sich Captain Lewinski diese Fähigkeit, denn er wusste nicht, wie sein Stellvertreter und die gesamte Crew auf die folgende Nachricht reagieren würden.<br>„Ihnen schwirrt etwas im Kopf herum.“<br>Instinktiv hatte Matt das richtige erfasst und Lewinski fragte sich, ob der Halbbetazoid tatsächlich seine Gedanken gelesen hatte. Was der Commander tatsächlich konnte, war John und wahrscheinlich auch Matt selbst unbekannt.<br>„Ich muss dir mitteilen, dass ihr bei den kommenden Ereignissen nicht dabei sein kann.“<br>Instinktiv, ohne darüber nachzudenken, hatte John das Du benutzt. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit gewesen. Aus zwei Personen, die einstmals sich misstrauisch gegenüber gestanden hatten, waren Freunde geworden; vielleicht sogar Vertraute. John glaubte an die oftmals unkonventionellen Fähigkeiten seines Untergebenen, die das Schiff bereicherten. Es hatte nur zu lange gedauert, dies endlich einzusehen. <br>„Und wieso nicht?“<br>Verwirrt zog Matt seine Augenbrauen hoch, wirkte dabei unfreiwillig wie ein Vulkanier. <br>Für einen kurzen Moment wurde Lewinski an ein altes Crewmitglied erinnert, den Sicherheitsoffizier T´Per. Sie beide waren alte Freunde gewesen, doch seit der Vulkanier das Schiff verlassen hatte, war der Kontakt abgebrochen. Erschrocken musste John feststellen, dass er nicht einmal wusste, ob T´Per noch lebte oder nicht. Die letzten Jahre seines Lebens hatten für John im Kampf gegen Sektion 31 bestanden. Und ansonsten? Nach dem Einsperren seines Bruders hatte er einsehen müssen, dass er allein war. Außer seinem Ziel hatte er so gut wie nichts. <br>„Ich kann nicht darüber sprechen, Matt. Ehrlich gesagt will ich es auch nicht, denn die Sache ist nicht ganz legal. Alles was ich sagen kann ist, dass ich ein Shuttle nehmen und mich auf den Weg machen werde.“<br>„Wann?“<br>„So schnell wie möglich,“ erwiderte der Captain entschlossen. <br>Die Reaktion seines ersten Offiziers bestand darin, ungeduldig an die Decke zu blicken. Kurz rollte er mit den Augen und meinte schließlich:<br>„Es ist wegen Sektion 31, nicht wahr?“<br>„Wie kommst du darauf?“<br>Die Aussage war vermutlich ein Schuss ins Blaue gewesen, doch der Commander lag richtig.<br>„Siehst du es denn nicht, John?“ fragte Price sorgenvoll. „Ein Muster ist klar erkennbar. In den letzten Jahren hast du dich öfters allein auf den Weg gemacht, um Sektion 31 das Handwerk zu legen. Das eine Jahr, als du allein in Paris eingebrochen bist und Edward Jellico festgenommen hast. Im Anschluss, nur zwölf Monate später, als du mit der Xhosa deinen Informanten abholen wolltest und du am Ende wieder auf Jellico stießt. Und nun wird mir hier eröffnet, dass du wieder unterwegs bist. Irre ich mich, oder kommt die Information abermals von Jellico?“<br>Für einen kurzen Moment überlegte der Captain zu lügen, doch er entschied sich dagegen.<br>„Ja… Jellico rief mich vorhin an.“<br>Matt Price stemmte seine Hände in den Hüften ab. Kurz hatte er überlegt eine auf die Schulter des Captains zu legen, doch dies wäre wohl zu weit gegangen. <br>„Ist dir denn nie in den Sinn gekommen, dass der alte Verschwörer dich genau in die Richtung lenken möchte?“<br>„Das ist es in der Tat,“ erklärte Lewinski ohne zu zögern. „Doch welche Chance habe ich? Wie sollen wir wissen, was richtig ist und was nicht? Alles, was wir im Kampf gegen Sektion 31 haben, ist ein kleiner Strohhalm, an den wir uns klammern können. Mehr nicht.“<br>„Auch wenn wir uns damit mit dem Teufel verbünden müssen?“<br>Der Einwand des ersten Offiziers war berechtigt, doch John fiel keine Erwiderung ein. Vermutlich machte er sich wirklich zum Spielzeug des alten Mannes. Wenn dem so war, wie viel in den letzten beiden Jahren war seine eigene, freie Entscheidung gewesen? Möglicherweise wurden sie alle, die Crew der Monitor, nur noch von Edward Jellico gelenkt und zwar in die Richtung, die er haben wollte. <br>„Ich kann dich nicht aufhalten, oder?“<br>Statt einer Antwort streckte John seinem ersten Offizier die Hand entgegen.<br>„Pass gut auf die Mannschaft auf,“ verabschiedete er sich.<br>Kurz zögerte Price, dann ergriff er die dargebotene Hand und nickte. Wieder einmal, am Ende eines schwierigen Jahres, trennten sich die Wege von Schiff und Kommandant. Es schien so Lewinskis Schicksal zu sein.<br><br>Zögerlich betrat Commader Price, nun amtierender Kommandant, die Brücke der Monitor und blickte die Besatzung reihum an. Soeben hatte Captain Lewinski die Brücke verlassen und eilte in Richtung Shuttlehangar. <br>Was nur sollte er der Mannschaft sagen, ohne dass es so aussah, als würde ihr Kommandant sie in der Stunde der Not verlassen? Eigentlich sollte niemand an Bord diesen Gedanken haben. Sie alle kannten Lewinski lang genug, respektierten und achteten ihn. Mehr als einmal hatte er das Vertrauen bewiesen, welches man in ihn setzte.<br>„Auf Wunsch von Captain Lewinski,“ erklärte Matt schließlich mit fester Stimme, „übernehme ich das Kommando für die Dauer seiner Abwesenheit.“<br>„Abwesenheit? Wohin geht der Captain?“ fragte Arena Tellom und sprach damit vermutlich für alle Führungsoffiziere.<br>Price blickte ihr ins Gesicht und sah in ihr dieselbe Ratlosigkeit wie bei den anderen Offizieren. Doch er erkannte ebenso Zuversicht und Treue. Eigenschaften, die nun ganz wichtig sein würden.<br>„Diese Informationen sind geheim. Was ich jedoch sagen kann, ist, dass sich der Captain mit einem Shuttle auf eine wichtige Außenmission machen wird.“<br>„Ohne unsere Hilfe?“<br>Der Einwand von Lieutenant Bird war berechtigt.<br>„Wir haben einen eigenen Auftrag,“ erklärte Price und setzte sich in den Kommandantenstuhl, „sobald das Shuttle des Captains den Hangar verlassen hat, setzen wir Kurs auf Talar. Nach der Sitzung vor wendigen Stunden haben sich die Mitgliedswelten der Multiplanetaren Allianz, darunter die Föderation, zu einer förmlichen Rüge entschlossen und die Romulaner aufgefordert, sofort die unrechtmäßige Besetzung von Talar zu beenden; ansonsten würde man Romulus aus der Allianz ausschließen. Um den Druck zu erhöhen, befindet sich ein gemischter Kampfverband auf dem Weg dorthin. Wir werden die Vorhut bilden und die Verteidigungsanlagen der Romulaner ausspähen.“<br>Der Halbbetazoid hatte sich bei dem letzten Satz allergrößte Mühe gegeben, nicht das Wort Gegner zu benutzen, denn das waren die Romulaner nicht. Noch nicht, auch wenn die Zukunft nicht allzu gut aussah. <br>John Lewinski hatte in der Zwischenzeit sein Shuttle erreicht und fuhr die Systeme hoch. <br>Er hatte alles dabei, was er für diese Mission benötigte. Die Bekleidung für das Jahrhundert, in das er reisen wollte, Nahrung, Ausrüstung und die Informationen, die Jellico ihm zukommen ließ. Mit fast schon zittrigen Fingern flog er das Shuttle ins All. Unmittelbar im Anschluss beschleunigte die Monitor auf Überlichtgeschwindigkeit. John hoffte, dass er sein Schiff und die Crew nicht zum letzten Mal gesehen hatte. <br>Was er vorhatte, war an Wahnsinn nicht zu überbieten. Er war dabei das temporale Gesetz zu brechen, um Sektion 31 zu schlagen. Für einen winzigen Moment fragte sich der Kanadier, was in den letzten Jahren aus ihm geworden war. Beging er nun Unrecht, um seine Ziele zu erreichen? Mehr als einmal hatte er sich in den letzten Wochen gefragt, ob er wirklich für das Wohl der Allgemeinheit agierte oder nur zu seinem eigenen. Er machte sich auf den Weg die Geschichte zu verändern. Welche Auswirkungen würde dieser Eingriff auf ihn und die gesamte Föderation haben?<br>Doch John hegte Hoffnung. Die Hoffnung, dass die Föderation ohne Sektion 31 eine bessere sein würde. Diese Organisation war einer der wenigen schwarzen Flecke auf der weißen Weste des interstellaren Völkerbundes. Die Bürger würden ohne die Verschwörer freier und unabhängiger sein.<br>Zumindest war es dies, was sich John einredete, um sich zu beruhigen. Nach einer kurzen Denkpause programmierte er den Kurs seines Raumschiffs, welches ihn in die gravimetrischen Kräfte der Sonne führen und eine Reise in die Vergangenheit ermöglichen würde. Ganz so, wie es der legendäre Captain James T. Kirk mit der Bounty, einem gekaperten klingonischen Bird-of-Prey, getan hatte. Diese Art der Zeitreise war die einzige, die er ohne zusätzliche Mittel bewerkstelligen konnte und sie war alles andere als ungefährlich. Mit etwas Glück würde John nur das Bewusstsein verlieren. Im schlimmsten Falle würde er durch die Schwerkräfte zerquetscht werden.<br>Er hatte nur einen Versuch, es galt alles auf eine Karte zu setzen. Ein letztes Mal atmete der Captain tief durch, dann aktivierte er den Antrieb.<br><br>Natürlich hatte sich John Lewinski über die Auswirkungen einer Zeitreise informiert. Da er genau diese Methode nutzte, hatte er sich selbstverständlich mit den Ausführungen von Captain Kirk befasst. In seinen Logbucheinträgen beschrieb der wohl berühmteste Kommandant der Sternenflottengeschichte bizarre Traumwelten, die seltsam realistisch und gleichzeitig abwegig erschienen.<br>John hatte diese Erzählungen immer für Produkte von Kirks eigener Phantasie gehalten, die wohl auf ihn selbst, aber keinesfalls auf den Captain der Monitor zutreffen würde. Doch leider musste er einsehen, dass er sich geirrt hatte. Schnell beförderten ihn die gewaltigen Beschleunigungskräfte in die Bewusstlosigkeit. Zu gut, dass er den Autopiloten aktiviert hatte, der ihn auch weiterhin sicher durch die Kanäle der Zeit bewegte. <br>Plötzlich befand sich der Captain an einem dunklen, kalten Ort. Mehrfach drehte sich John um die eigene Achse, um sich umzusehen und nahm erstaunt zur Kenntnis, dass weder ein Hallen noch Echos zu vernehmen waren. Schließlich schälte sich eine zweite Person aus der Dunkelheit, ein menschliches Wesen. Lewinski stockte fast der Atem, als er die Person als seinen eigenen Vater erkannte. Unglaublich aber wahr, Luke Lewinski stand direkt vor ihm. Unfähig etwas zu sagen betrachtete der Kommandant seinen Vater und versuchte diesen unglaublichen Moment zu erfassen.<br>„Hallo, John,“ begrüßte ihn sein Vater mit monotoner Stimme.<br>Der Eindruck dieses Momentes war fast zu groß für John. Die letzten Monate hatte er erfolgreich den schmerzlichen Verlust verdrängen können, doch seinen toten Vater nun vor sich zu sehen riss die alten Wunden neuerlich auf. Ihm wurde bewusst, wie sehr er doch seinen Vater vermisste, von dem er sich nie richtig hatte verabschieden können.<br>„Vater,“ stammelte John und trat einen Schritt auf die Erscheinung zu, „Vater! Bist du es?“<br>„Wer sollte es sonst sein?“ fragte der alte Mann. „John, was hast du nur getan?“<br>Scheinbar hatte der Kanadier diese Worte nicht vernommen, denn er ging gar nicht auf sie ein und meinte stattdessen:<br>„Wie lange ich darum gebettelt habe… wie sehr ich mir einen solchen Augenblick gewünscht habe… und nun ist er endlich da. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich dich vermisst habe.“<br>„Wenn dem so ist, was hast du dann mit unserer Familie getan?“<br>Diese Worte wirkten wie ein Faustschlag für den Kommandanten der Monitor. Mit zusammengekniffenen Augen musterte John seinen Vater und deutlich war die Frage in seinen Blicken abzulesen.<br>„Wie meinst du das?“<br>Luke ging einmal um seinen Sohn herum, betrachtete ihn von allen Seiten, während er redete:<br>„Du und dein Bruder, ihr seid weiter voneinander entfernt als jemals zuvor.“<br>„Ich musste ihn stoppen, Vater,“ erklärte John energisch. „Martin war auf die falsche Bahn geraten und seine Taten gefährdeten andere Menschen. Er musste festgenommen werden.“<br>„Und wieso hast ausgerechnet du dies machen müssen?“<br>Diese Frage war für John völlig unverständlich. Lag die Antwort nicht etwas auf der Hand?<br>„Wer sonst hätte es tun sollen? Als sein Bruder war ich prädestiniert dafür. Jeder andere hätte ihn mit Vorurteilen betrachtet.“<br>„Aber du nicht?“<br>Die Art und Weise, wie sein Vater dies sagte, machte deutlich, dass er nicht an diese Ansicht glaubte. <br>„Soll dies ein Vorwurf sein?“<br>„Ihr beide seid Brüder, John,“ erklärte Luke Lewinski und plötzlich wirkte es wie ein Flehen, „ihr hättet in dieser Zeit zusammenhalten sollen und euch nicht gegenseitig das Leben schwer machen sollen. Dies ist es nicht, was ich mir für meine Kinder gewünscht habe.“<br>Fast musste John schluchzen. Wieso sagte sein Vater so etwas? Was hätte er denn sonst machen sollen. Es schien so, als hätte Luke alles vergessen. Dabei war er es doch immer gewesen, der von Martin enttäuscht war und sich allein gelassen gefühlt hatte.<br>„Was soll ich nur tun, Papa?“<br>„Bringt es in Ordnung… für mich.“<br>Dies waren die letzten Worte seines Vaters gewesen. Dann, so schnell wie er gekommen war, verschwand die Erscheinung auch wieder und John musste einsehen, dass er einen Geist gesehen hatte. Doch was er gesagt hatte, berührte ihn tief. <br><br>Überaus nachdenklich blickte Stella Tanner kurz aus dem gewaltigen Fenster des Raumes, in dem sie sich befand, und versuchte die Myriaden an Sternen zu zählen. Wie erwartet scheiterte sie bei diesem Versuch. Im Anschluss wandte sie sich wieder dem Projekt zu, bei dem sie ganz bestimmt nicht versagen würde. Sie befand sich in einem riesigen Labor, stand direkt vor einer gläsernen Gefäß, in dem man ein undefinierbares Etwas erkannte, welches in einer Lösung schwamm. Medizinische Instrumente piepten leise vor sich hin, überwachten laufend den gesundheitlichen Status des Objektes. <br>Außer Stella selbst war niemand anderes in dem Raum. Nur sie und Jozarnay hatten Zutritt zu dem Labor und letzteren hatte sie hinausgeschickt, um die restlichen Arbeiten in der Kommandozentrale zu überwachen. Dies hier war ihr Projekt, ihr Ziel, welches sie so lange verfolgt hatte. Der Bürgerkrieg in der Sektion 31, der hinter der Fassade einer sonst so friedlichen Gesellschaft tobte, dauerte schon viel zu lange. Ein schattenhafter Kampf, der verdeckt ausgetragen wurde und in dem Leute starben, die es offiziell niemals gegeben hatte. Wo andere Föderationsbürger in den Zeitungen und Nachrichten von Naturkatastrophen, Unglücken oder Todesfällen lasen, geschahen in Wirklichkeit Kämpfe. Blutige Gefechte, die nur ein Ziel hatten: Macht! Jeder innerhalb der Organisation hatte sich entscheiden müssen, hatte sich entweder auf die Seite von Stella Tanner oder Edward Jellico schlagen müssen. <br>Mit der Ermordung Nathan Sloans hatte der ehemalige Admiral der Sternenflotte eine jahrhundertealte Organisation entzweit und sie von ihrem Ziel, dem Schutz der Menschheit, abgehalten. Stella konnte und wollte dies nicht mehr länger zulassen. Es war an der Zeit diesen Konflikt zu beenden und die alte Ordnung wieder herzustellen.<br>Restauration war das Stichwort, welches der schönen Frau als erstes bei diesem Unternehmen einfiel. Sie wollte nichts anderes als den Ausgangszustand wieder herstellen, der vor der Machtergreifung Jellicos geherrscht hatte. Doch dafür brauchten sie mehr als nur das Symbol, für welches sie kämpften. Sie brauchten ihr Ziel als Person, als greifbares Etwas, welches sie zum Sieg führen konnte. <br>Aus diesem Grund war Stella mehr als erleichtert gewesen diese verlassene Kloneinrichtung des Dominion gefunden zu haben. Mit dieser Installation war sie am ehesten in der Lage ihr Ziel zu erreichen. Die Vollendung der Prozedur würde nur noch wenige Stunden dauern, dann würde er sich wie Phönix aus der Asche erheben und diesen Bürgerkrieg beenden.<br>Die Zeit für den Frieden war angebrochen. Einen Siegfrieden, mit Stella Tanner als Gewinnerin. <br><br>„Die Situation kommt mir bekannt vor.“<br>Danny Bird holte sich einen Kaffee und setzte sich zu seinen Freunden am Esstisch im Casino. Da sich die Monitor gegenwärtig noch auf den Weg zu ihrem Ziel befand, war noch Zeit für eine kleine Pause. Mit in der Runde saßen noch Ardev, Arena Tellom und Dr. Frasier. Vor gar nicht einmal allzu langer Zeit wäre es ein Problem für den Sicherheitsoffizier gewesen mit der schönen Ärztin an einem Tisch zu sitzen. Inzwischen jedoch hatte er seine Gefühle unter Kontrolle und sein Verhältnis mit Matthew Price bereinigt. Es stand nichts mehr zwischen ihnen beiden und auch mit Elisabeth kam Danny wieder aus. Natürlich waren seine Gefühle für sie nicht gänzlich erloschen, dies war gar nicht möglich bei der Intensität, mit der er sie geliebt hatte. Doch er freute sich für ihr Glück und hoffte eines Tages etwas Ähnliches zu finden.<br>„Du meinst die Mission vor vier Jahren?“ fragte Ardev und tippte damit richtig.<br>„Genau… die Tzenkethi-Mission,“ bestätigte Danny und trank vom Kaffee, der angenehm heiß war.<br>„Damals standen wir schon einmal vor einem neuerlichen Krieg,“ erklärte Elisabeth Frasier und schaute nachdenklich mit ihren blauen Augen ins Leere. „Die Flotten waren in Bereitschaft gegangen, die diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Sogar Warnschüsse hatte es gegeben.“<br>„Nur dem Captain war es zu verdanken gewesen, dass es nicht zum Konflikt kam,“ ergänzte Arena und hielt die Hand ihres Ehemannes.<br>„Dieses Mal jedoch ist der Captain nicht dabei,“ murmelte Bird argwöhnisch und nahm noch einen Schluck, wobei ihm auffiel, dass die Tasse viel zu klein war. „Wo er wohl hin ist?“<br>„Er würde uns auf keinen Fall allein lassen, wenn es nicht wichtig wäre!“ fuhr Tellom dazwischen.<br>„Ganz ruhig,“ unterbrach sie Ardev und tätschelte ihre Hand, „keiner von uns glaubt, dass er sich aus dem Staub macht. Ich bin ebenfalls felsenfest davon überzeugt, dass es sich um eine wichtige Sache handeln muss… ich würde auf Sektion 31 tippen. Ich habe sein Shuttle jedoch sehr schnell von den Sensoren verloren. Für genauere Messungen blieb jedoch keine Zeit, wir befanden uns zu schnell außer Sichtweite.“<br>„Sektion 31,“ murmelte Danny Bird und nickte. <br>Alle anderen am Tisch stimmten dieser Einschätzung zu.<br>„Vielleicht hat er am meisten Glück von uns allen,“ warf Elisabeth fast schon flüsternd ein. „Er muss nicht das Ende von all dem erleben, was in den letzten Jahren aufgebaut worden ist.“<br>„Du denkst die MPA zerfällt?“ fragte Arena besorgt.<br>„Ich denke, dass bald die Hölle über uns hereinbrechen wird.“<br>Die Worte der Ärztin waren sorgenvoll vorgetragen worden, fast schon panisch. Deutlich war ihr das Unwohlsein anzusehen. <br>„Immerhin reden wir von den wichtigsten Großmächten des Quadranten,“ fuhr sie mit ihrer Erklärung fort, „dessen waffenstarrende Flotten sich bald gegenüberstehen werden. Sobald der erste Schuss fällt, und bei diesem Aggressionspotential ist es nur eine Frage der Zeit, dann werden wir es mit den größten Krieg in der Geschichte zu tun haben. Einem Konflikt, der selbst den Dominionkrieg in den Schatten stellen wird und der am Ende uns alle vernichten wird. Sechs große Völker, die aufeinander losgehen. Allianzen werden zerfallen, Bündnisse zerbrechen und wenn wir nicht aufpassen, wird von uns am Ende nur noch Staub übrig sein.“<br>Diese Worte erzeugten Stille und Betroffenheit bei allen. Gerne hätte Danny etwas erwidert, hätte von seiner Einschätzung erzählt. Dass alles nur ein großer Bluff war, dass man den Romulanern Angst machen wollte und sie sich schließlich zurückziehen würden. Doch irgendwie schaffte er es nicht diese Worte über die Lippen zu bringen.<br>Dr. Frasier hatte recht: ihr aller Schicksal stand am Scheideweg. <br><br>Langsam und mit einem dröhnenden Schädel öffnete John Lewinski seine Augen. Es dauerte einige Zeit, bis er seine Orientierung wieder fand und erkannte, dass er auf dem Boden des Shuttles lag. Die G-Kräfte schienen ihn aus seinem Pilotensitz geschleudert zu haben Kurz horchte der Captain in sich hinein, überprüfte sich selbst nach Verletzungen. Zum Glück hatte er nichts davongetragen. Noch etwas wacklig auf den Beinen setzte er sich auf den Pilotensitz und überprüfte die Anzeigen. Das Shuttle trieb mit Relativgeschwindigkeit Null durch den Weltraum. Aus dem Sichtfenster konnte der Kanadier deutlich einen blauen Planeten erkennen. Auch ohne die Sensoren zu konsultieren, wusste er, dass es sich um die Erde handelte. Niemand vergaß jemals diesen unvergleichlich schönen Anblick. Hatte also seine Reise durch Raum und Zeit funktioniert? Anders wäre es sich nicht zu erklären, wie er hätte im Sol-System ankommen können. Sachte fuhr er die Maschinen hoch und flog in den Orbit der menschlichen Heimatwelt ein. Für einen kurzen Moment fragte sich John, ob schon jemals ein Mensch zuvor die Erde in diesem Zeitalter aus dem All beobachtet hatte.<br>Er tastete die Planetenoberfläche ab und die Scans schienen seine Annahme zu bestätigen: er befand sich tatsächlich in der Vergangenheit. Weder waren Satelliten im Orbit noch hatte die menschliche Zivilisation die Größe, die sie im 24. Jahrhundert. Die später so wichtige Spezies befand sich in einer geschichtlichen Phase, die als Mittelalter bekannt werden würde. Die einst großen Reiche der Antike waren zerfallen und mit ihr fast der gesamte Fortschritt der damaligen Epoche verloren gegangen. Einst hatten sich durch Europa mächtige Straßen gezogen, die nun allesamt verfielen. Einst geeinte Reiche zerfielen in kleine Fürstentümer, die eher aufeinander losgingen anstatt zusammenzuarbeiten. <br>Johns Ziel der Reise war das alte Rom; dort, wo angeblich der Anfang der Illuminaten war. Einst die Hauptstadt eines mächtigen Imperiums, war Rom nur noch ein Schatten seiner Selbst. Zwar handelte es sich um die Hauptstadt des Katholizismus, der im Europa dieses Jahrhunderts verbreiteten Religion, dennoch war es nur noch eine Kleinstadt. Die Bürger dieses Zeitalters lebten in Armut und hatten daher nur wenig Interesse die historischen Gebäude zu pflegen, die immer mehr verfielen. Tod und Armut lauerten überall, jeder war nur sich selbst der nächste.<br>Schaudernd fragte sich der Captain, wie die Menschheit diese Phase nur hatte überleben und sich zu der Zivilisation hatte entwickeln können, die später einmal die Vereinte Föderation der Planeten gründen würde. Aber eigentlich könnte man sich dies zu jeder Zeit der menschlichen Geschichte fragen. Es war nur zu schade, dass all diese Menschen in Unwissenheit sterben würden. Keiner von ihnen würde jemals von den Wundern erfahren, die sie alle in den Weiten des Universums erwarteten. Zu diesem Zeitpunkt waren sie alle davon überzeugt die einzige Rasse zu sein; in einem Universum, welches sich auf ihr eigenes Sonnensystem erstreckte. Sie gingen sogar davon aus, dass die Erde den Mittelpunkt darstellte und sich die Sonne darum drehte. Aus heutiger Sicht eine fast schon lächerlich anmutende Theorie, doch sie wussten es einfach nicht besser.<br>Ein letztes Mal vor seiner Abreise atmete John tief durch und erhob sich im Anschluss aus dem Sitz. Er legte die für diese Zeit typische Kleidung an, die aus einer einfachen braunen Robe und Leinenhosen bestand und überprüfte seine Ausrüstung. Was immer er auch mitnahm, er musste äußerst vorsichtig damit umgehen. Die Gefahr einer Veränderung der Zeitlinie lauerte quasi an jeder Ecke und könnte furchtbare Folgen haben. John nahm einen Tricorder, die Aufzeichnung von Edward Jellico auf einem Padd und zu guter letzt einen Phaser mit. Er musste in der Lage sein sich zu verteidigen, auch wenn er die Waffe nicht zu öffentlich einsetzen durfte. Mit geübten Fingern gab er die Koordinaten seines Ziels in den Transporter ein und aktivierte eine automatische Rückholaktion, die ihn nach einer bestimmten Zeit wieder auf das Schiff beamen sollte. Ein letzter Moment der Stille, dann begann seine Mission… <br><br>Der Bereitschaftsraum wirkte ohne den Captain anders. Es schien etwas zu fehlen, dies wurde Matt deutlich bewusst, als er sich den Schreibtisch setzte und das Komterminal aktivierte. Jemand versuchte ihn zu erreichen und der erste Offizier hatte es vorgezogen diese Nachricht privat entgegen zu nehmen. Immer noch befanden sie sich auf den Weg nach Talar und jetzt noch eine Nachricht zu bekommen war mehr als ungewöhnlich.<br>Gespannt betätigte Price einige Tasten auf dem Terminal und ein verrauschtes Bild erschien, auf welchem man undeutlich eine Person erkennen konnte. Aufgrund der weiten Entfernung, der aktivierten Tarnung und all den Sicherheitsmechanismen, die ein Aufspüren der Monitor unmöglich machen sollten, war die Übertragungsqualität mehr als dürftig. Dennoch war der Commander in der Lage zu erkennen, um wen es sich bei dem Anrufer handelte.<br>Es war Arsani Parul, der Mann, der im vergangenen Jahr sein Leben so durcheinander gewirbelt hatte.<br>„Arsani,“ begrüßte ihn Matt mit überraschtem Tonfall, „mit dir habe ich gar nicht gerechnet.“<br>Die Lippen des ehemaligen Sonderbotschafters bewegten sich, doch keine Stimme war zu vernehmen. Es dauerte einige Sekunden, bis das Signal durchgestellt wurde.<br>„Ich bin froh dich noch zu erreichen, Matt. Ihr seid derzeit auf einer wichtigen Mission und...“<br>Schnell hob der Halbbetazoid seine Hand.<br>„Keinesfalls möchte ich unhöflich erscheinen, doch dein Signal wird immer schwächer. Schon bald wird es nicht mehr möglich sein diese Sprecherbindung aufrecht zu erhalten. Daher solltest du wohl besser zum Punkt deines Gespräches kommen.“<br>Parul blickte kurz zu Boden und für einen kurzen Augenblick verschwand sein Abbild unter dem Schneerauschen, bevor er sich wieder undeutlich auf dem Schirm abzeichnete.<br>„Ja, ich verstehe. Ich rufe nur an, um dir zu sagen... deine Mutter und ich, wir haben lange miteinander gesprochen.“<br>Price schaffte es nicht einmal ansatzweise seine Überraschung zu verbergen.<br>„Du hast mit Mama gesprochen?“ fragte er ungläubig. „Wieso hast du das getan?“<br>„Weil es nötig war.“ Die Antwort des ehemaligen Sonderbotschafters war ebenso kurz wie ehrlich. „Es galt einiges aufzuarbeiten. Ich musste ihr das sagen, was ich dir schon mitgeteilt habe. Das meine Tat vor vielen Jahren falsch gewesen ist und ich sie niemals hätte verlassen dürfen. Birgit ist eine wundervolle Frau und sie hatte dieses Schicksal nicht verdient. Sie hätte ein besseres Leben haben müssen und nicht das harte Dasein auf Rigel.“<br>„Dadurch wurde sie zu der Person, die sie heute ist,“ entgegnete Price nachdenklich und dachte an seine Mutter zurück, die er schon so lange nicht mehr gesehen hatte. Der Dienst an Bord eines Raumschiffs ließ es nun mal leider nicht zu oft nach Hause zu reisen.<br>Wieder verschwand das Bild im Rauschen und dieses Mal dauerte es länger, bis Parul wieder erschien.<br>„Die Verbindung wird schlechter, Arsani!“ mahnte ihn Matthew zur Eile.<br>„Ich wollte dir nur sagen... dass ich sehr stolz auf dich bin, mein Sohn... und das ich dich liebe!“<br>Dies waren die letzten Worte von Arsani Parul, bevor die Verbindung abbrach. Er hatte sie schnell über die Lippen gebracht, in der Furcht, dass sie nicht mehr den Adressaten erreichen würden. Doch Matt Price hatte jede einzelne Silbe genau mitbekommen und er war gerührt. Ja, er hatte nicht damit gerechnet so zu reagieren, doch die Worte lösten etwas in ihm aus, was er selbst nicht erwartet hatte. <br><br>In einer dunklen Ecke von Rom, nicht einsehbar von den wenigen Bürgern der Stadt, materialisierte John Lewinski. Sofort versuchte er die vorherrschende Lage zu erkennen. Es war tiefste Nacht, der Vollmond stand am Himmel und scheinbar hatte niemand seine Ankunft bemerkt. Mit einer ruhigen Bewegung hob er die Kapuze, welche sich an seiner Robe befand, über den Kopf und begann sich durch die Stadt zu bewegen. Für einen Außenstehenden mochte er nun wie ein Mönch oder etwas ähnliches gelten, der auf dem nächtlichen Heimweg zum Kloster war. Den Universalübersetzer hatte der Captain aktiviert, so dass er sich bei Bedarf mühelos mit jedem unterhalten konnte.<br>Die Eindrücke des Mittelalters waren für John noch unglaublicher, als er gedacht hatte. Aufgrund fehlender Straßenbeleuchtungen war es fast stockfinster und es waren nur sehr wenig Menschen auf den Straßen, die wortlos aneinander vorbeigingen. Die Häuser glichen eher Baracken und überall wehte ein übler Gestank. Die Hygiene in dieser Zeit war äußerst mangelhaft ausgeprägt und Grund zahlreicher Krankheiten gewesen. Vorsichtshalber hatte Lewinski sich von Dr. Frasier noch einmal gründlich impfen lassen, damit er sich keine tückische Krankheit aus der Vergangenheit einfangen würde.<br>Erst jetzt, wo er sich in Rom befand, wurde ihm die mangelhafte Ausarbeitung eines Plans bewusst. Diese Zeitreise zu unternehmen war eine spontane Idee gewesen und alles was er hatte, war das Padd von Jellico. Auf diesem waren so gut wie alle wichtigen Informationen über die Illuminaten zusammengetragen worden. Einiges davon hatte John in mühevoller Kleinarbeit selbst in Erfahrung gebracht, andere Dinge waren ihm bisher unbekannt gewesen. Das größte Problem an dieser Sache war die spekulative Natur dieser Mission. Immerhin war so gut wie keine der Informationen, die er zur Verfügung hatte, historisch oder wissenschaftlich belegt. Ob es die Illuminaten wirklich gab oder gegeben hatte, war alles andere als erwiesen und ob es zwischen diese Gruppe und der späteren Sektion 31 eine Verbindung gab, war nur Spekulation. Im Grunde genommen stützte sich John nur auf dem, was ihm Jellico mitgeteilt hatte und dies gefiel ihm überhaupt nicht. Er war bereit eine Menge zu riskieren, um diese Organisation zu stoppen.<br>Wie auch immer, inzwischen war es zu spät für Reue. Er befand sich nun in der Vergangenheit und sollte versuchen sein möglichstes zu tun, um die Mission zu erfüllen. Laut den Aufzeichnung des Padds konnte man den mysteriösen Geheimbund bis zu einem Gewissen Laurentis zurückverfolgen. Ob dieser Mann der Ursprung der Illuminaten war oder nur ein Mittelsmann, konnte John nicht eruieren, aber die Nachforschungen reichten bis zu diesem Mann zurück. Wer auch immer Laurentis war, es schien sich um einen Mann zu handeln, der zu dieser Zeit in Rom gelebt hatte. Wie er jedoch aussah oder was er getan hatte, dies wusste er nicht. Wie gesagt, die Feinausarbeitung seines Plans war mangelhaft, es hieß nun das Beste aus der vorhandenen Situation zu machen.<br>Nun gut, Rom war nicht allzu groß und derzeit befand sich Rom im Viertel der Handwerker, einem Berufsstand, dem die meisten Menschen dieser Periode angehörten. Vielleicht konnte ihm jemand bei der Suche nach diesem Mann helfen. Um ins Gespräch zu kommen war ein geselliger Ort am besten geeignet und so betrat der Kanadier nach einigem Suchen eine kleine Bierschenke.<br>Die Holztür zu dem Etablissement öffnete sich mit einem Knarren und John musste sich erst einmal an das jähe Licht, welches von einigen Fackeln herrührte, gewöhnen. Aus zusammengekniffenen Augen erkannte er ein gutes Dutzend Männer, die am Tresen oder an Tischen saßen und sich laut unterhaltend mit einem Bierkrug vergnügten. War der Gestank draußen schon unglaublich gewesen, so stockte ihm hier drinnen der Atem. Überall roch es nach Schweiß, Urin und anderem Dreck. Hustend nahm John seine Kapuze herunter und setzte sich an den Tresen. Mit einer fast schon lässigen Handbewegung warf er ein eigens dafür repliziertes Geldstück auf den Tresen und bestellte ein Bier. Nur wenige Sekunden später stand der schaumige Gerstensaft vor ihm und der Kommandant der Monitor nahm sich einen tiefen Schluck. Der fast nur Synthehol gewohnte Mann spuckte fast augenblicklich das starke Gesöff wieder aus. Es war stark! Einige Römer blickten sich zu ihm um, wunderten sich wohl, wieso ein Mönch scheinbar nicht bierfest war und lachten über ihn, bevor sie sich wieder ihren Gesprächen zuwandten.<br>„Ihr scheint das Bier nicht zu mögen!“ meinte der Wirt zu ihm und schmunzelte. <br>„Ich habe eine Krankheit hinter mir und musste einige Wochen Abstand vom Gebräu des Herrn nehmen,“ lachte John und hoffte den richtigen Tonfall dieser Zeit getroffen zu haben.<br>„Nun denn, wohl bekommt´s!“<br>Abermals lachte der Wirt, ein Mann Ende dreißig und scheinbar etwas besser gekleidet als die anderen. Diese Einschätzung war natürlich relativ zu sehen, doch als jemand, der an möglichst viel Kundschaft interessiert war, versuchte der Wirt so gepflegt wie möglich aufzutreten. <br>„Vielleicht seid ihr in der Lage mir eine Frage zu beantworten?“ meinte Lewinski schließlich. Möglicherweise war es gar nicht so verkehrt, einen Schuss ins Blaue zu wagen.<br>„Gerne doch, Bruder. Was kann ich für euch tun.“<br>„Ich bin auf der Suche nach einem Handwerker,“ erklärte John und beugte sich leicht über den Tresen. „Einem Meister seiner Zunft, wenn ich doch nur wüsste in welcher!“<br>Verwirrt blinzelte der Wirt.<br>„Ihr sucht einen Handwerker, aber wisst nicht, welchem Beruf er nachkommt?“<br>„Ein Witz des Herrn, nicht wahr? Alles was ich weiß ist, dass er spirituelle Hilfe braucht. Seht, ich bin gerade erst in Rom angekommen und wurde von meinem Kloster ausgesandt, um ihm zu helfen. Leider weiß ich so gut wie gar nichts über ihn.“<br>Nachdenklich rieb sich der Wirt am kratzigen Kinn und trocknete einen weiteren Krug mit einem schmutzigen Lappen ab.<br>„Habt ihr denn wenigstens einen Namen, Bruder?“<br>„Er soll Laurentis heißen, mehr weiß ich jedoch nicht.“<br>„Sagt mir leider nichts,“ antwortete der Wirt nach kurzem Nachdenken. „Habt ihr denn keine Beschreibung?“<br>„Nein, leider nicht.“<br>„Dann hat euch der Herr wahrlich vor eine schwere Prüfung gestellt.“<br>„Wohl wahr,“ murmelte John und erhob sich. Scheinbar hatte er hier kein Glück gehabt. Ihm blieb nichts anderes übrig als es an einem anderen Ort zu versuchen. Er verabschiedete sich von dem Wirt und trat aus der Schenke hinaus.<br>Zu dumm, dass er die beiden Personen im Halbschatten nicht bemerkt hatte. Mit lautlosen Schritten traten die beiden Gestalten auf ihn zu und schon im nächsten Moment zogen sie dem Captain einen Knüppel über den Schädel. Seine letzte Wahrnehmung, bevor er bewusstlos wurde. <br><br>Seine Geliebte wirkte immer nachdenklicher. Woil wurde dies abermals bewusst, als sie beide beim Essen saßen und stumm ihre Mahlzeiten zu sich nahmen. Seit dem Replizieren des Essens hatte keiner von ihnen beiden ein Wort gesagt und derzeit schien niemand diesen Zustand ändern zu wollen. Der Antosianer blickte zumindest Stella ab und zu an, doch sie starrte nur in das Essen, in welches sie ihre Gabel stocherte. Natürlich konnte er die Gründe dafür verstehen. Heute war ein wichtiger Tag, vielleicht der wichtigste für Sektion 31 seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges. So viele Monate hatten sie diese Aktion geplant und sie gemeinsam vorbereitet. Nun so kurz vor dem Erfolg zu stehen, wirkte irgendwie unwirklich. Ein fast nicht greifbarer Moment, der dennoch wahr werden könnte.<br>Sehr zu seiner Überraschung war Jozarnay überhaupt nicht eifersüchtig, obwohl er dies hätte sein müssen. Immerhin wollten sie hier einen Mann wiedererwecken, der scheinbar für Stella eine ganz besondere Bedeutung gehabt hatte. Jedoch hatte sie niemals erklärt, in welcher Beziehung sie zu Nathan Sloan gestanden hatte. Irgendwie schien es jedoch an der Zeit diesen Punkt zu klären. Der Antosianer war sehr wohl bereit einen anderen Mann in ihrer Mitte zu dulden, vielleicht sogar einen neuen Anführer, aber dann wollte er auch wissen, was es mit ihm auf sich hatte.<br>„Was war zwischen dir und Nathan Sloan?“<br>Die Frage hallte durch den kleinen Raum wie in Echo. Es dauerte einige Zeit, bis Stella Tanner auf diese Frage reagierte. Müde blickte sie auf, starrte lange ihren Geliebten an und entgegnete schließlich:<br>„Wie meinst du das?“<br>Überrascht lehnte sich Jozarnay in seinem Stuhl zurück und dachte über diese Gegenfrage nach. Wieso war sie nicht in der Lage einfach eine klare Antwort zu geben?<br>„Wir befinden uns hier in einer Kloneinrichtung des Dominions. Du stehst kurz vor der Verwirklichung eines großen Plans. Einem Traum, bei dessen Erfüllung ich dir geholfen habe und ich bin stolz auf unsere Arbeit. Mit etwas Glück wird heute Abend Nathan Sloan, der legitime Anführer von Sektion 31, wieder unter uns weilen. Die Ärzte sagen, dass der Klonprozess hervorragend läuft. Wir haben genug DNS von ihm, um noch zehn weitere Nathans zu reproduzieren.“<br>„Dein Punkt?“ fragte die rothaarige Frau genervt.<br>„Dir liegt so viel an Nathan Sloan. Wieso?“<br>Endlich war die Frage raus. Monatelang hatte er sie mit sich herumgetragen, sie jedoch niemals gestellt. Bis zum heutigen Tage.<br>„Er ist unser Anführer,“ erklärte Stella mit einer fast schon lässigen Selbstverständlichkeit.<br>„Ich weiß das,“ entgegnete der ehemalige Chefingenieur und wunderte sich gar nicht mehr darüber, dass er Nathan Sloan ebenfalls als seinen Anführer ansah. „Aber da ist noch mehr.“<br>„Bist eifersüchtig?“<br>„Muss ich es denn sein?“<br>Abermals antwortete Stella mit einer Gegenfrage. Heute wirkte die sonst so zielsichere, selbstbewusste Frau deplaziert.<br>Lange überlegte Stella über ihre Worte. Ihre Beziehung zu Nathan war schwierig zu erklären, für einen Außenstehenden eigentlich nicht zu verstehen. Man musste dabei gewesen sein, um es zu verstehen.<br>„Ich liebe ihn,“ gestand die Frau schließlich, „aber nicht so, wie du es denkst.“<br>Möglicherweise hatte sie Wut des Antosianers erwartete oder Frustration, jedoch keine Stille. Er blickte sie einfach nur vertrauensvoll an.<br>„Kannst du es mir erklären?“<br>„Leider nicht…“<br>Dies war Woils Verhängnis. Er war so sehr in seinen Emotionen gefangen, dass er nicht in der Lage war Stella Tanner zu entfliehen, selbst wenn sie Unrecht beging oder auf der Seite derer stand, die er einst bekämpft hatte. So viele Jahre lang hatte er sich nach Liebe gesehnt und nun, wo er sein scheinbares Glück gefunden hatte, wollte er sie nicht verlieren.<br>Nicht die Drogen, nicht das Ketracel-White, waren der Grund, wieso er bei ihr blieb. Viel eher war der Grund, dass er sie liebte. Bedingungslos. <br><br>Der Moment war gekommen. Im getarnten Zustand und mit unter Warp flog die Monitor in das Talar-System ein. Auf der Brücke und dem Rest des Schiffes herrschte eine gespannte Stille. Jeder an Bord wusste, was nun auf dem Spiel stand. Zwischen ihnen und ihrem Missionsziel standen mehrere Hundert romulanische Schiffe, sowie Raumstationen und Gefechtsplattformen. Sie hatten keinen Kampfauftrag, sondern sollten nur Aufklärung betreiben, was jedoch gefährlich genug war.<br>„Wir erreichen bald den romulanischen Nahsensorbereich,“ erklärte Fähnrich Locarno, der wie so oft am Steuer saß, wenn Commander Price selbst das Kommando über das Schiff führte.<br>„Wie erwartet haben die Romulaner Tachyonenortungsgitter aufgebaut,“ erklärte Ardev und konzentrierte sich weiterhin auf die Anzeigen seiner Arbeitsstation. „Sie haben so gut wie jeden Bereich des talarianischen Orbits abgedeckt. Es wird schwierig nahe heranzukommen.“<br>Langsam erhob sich Matt aus dem Kommandentenstuhl und trat einige Schritte auf den Wandschirm zu, auf dem als winzige Punkte die romulanischen Installationen zu sehen waren.<br>„Vielleicht müssen wir gar nicht so nahe heran. Mr. Locarno, bringen sie uns so nah wie möglich an die romulanischen Schiffe heran, ohne dass wir entdeckt werden können.“<br>Für einen kurzen Moment zögerte der Steuermann, dann begann er einige Befehle in seine Station einzugeben.<br>„Findet es eigentlich noch jemand hier riskant,“ fragte der ewige Fähnrich, „mit einer Tarnvorrichtung, die von Romulanern konstruiert worden ist, in ein von Romulanern gehaltenes System einzufliegen und romulanischen Sensoren auszuweichen?“<br>Angesichts dieser Worte konnte Price nicht anders als schmunzeln. Es war ein kurzer Moment der Lockerung, dann fing sich der Halbbetazoid wieder und entgegnete:<br>„Es ist ein Ironie des Schicksals, nicht wahr? Wir spionieren die Spitzohren mithilfe eines Gerätes aus, welches sie uns selbst zur Verfügung gestellt haben. Falls jemand ein Problem damit haben sollte, der soll sich nun melden. Dann können wir ja die Tarnvorrichtung deaktivieren und schauen, wie wir dann gegen diese Anzahl an Schiffen bestehen werden.“<br>Wartend blickte Matt in die Runde der Brückenoffiziere und nicht unerwarteterweise erhob niemand Einspruch gegen ihre Taktik.<br>„Sie sind ja langweilig,“ witzelte der derzeitige Kommandant des Schiffes, „hängen sie alle so an ihrem Leben?“<br>Dies war der letzte Scherz, den sich der Empath erlaubte, dann verlagerte er seinen kompletten Focus wieder auf die Mission. Einige Minuten lang beobachte er, wie Nick Locarno das Schiff durch die Überwachungsgebiete steuerte und mithilfe der Anweisungen von Lieutenant Ardev eine gute Warteposition suchte. Nach einer Weile, sie alle hatten das Gefühl für Zeit verloren, brachte der Steuermann die Monitor sanft zum Stillstand, checkte noch einmal alles durch, lehnte sich durchatmend in seinem Sitz zurück und erklärte nicht ohne Stolz:<br>„Das war es. Weiter kriege ich uns nicht, ohne dass wir nicht entdeckt werden.“<br>Anerkennend klopfte Matt dem Fähnrich auf die Schulter und setzte sich wieder auf seinen Platz. Die romulanischen Schiffe waren inzwischen so deutlich auf dem Hauptschirm zu sehen, dass man einzelne Schiffsklassen voneinander unterscheiden konnte. Auch ohne die Sensoren zu konsultieren war jedermann in der Lage festzustellen, dass sie es mit einer gewaltigen Flotte bestehend aus den verschiedensten Typen zu tun hatten. Price nickte den Stationen zu seiner rechten zu und die Lieutenants Ardev und Tellom begannen sofort mit einer gemeinsamen Untersuchung. Das Ehepaar hatte seine Sensorstationen miteinander gekoppelt, um effizienter arbeiten zu können. <br>Wieder zog sich die Zeit hin. Natürlich hätten sie auch einen einfachen Scan machen und wieder verschwinden können. Doch das Oberkommando verlangte nach genauren Informationen. Sie wollten Waffenstärken wissen, die Anzahl an Besatzungen, die Vorräte der einzelnen Geschwader. Diese Untersuchungen brauchten ihre Zeit und waren alles andere als ungefährlich. Während der gesamten Prozedur löste Lieutenant Danny Bird nicht seine Augen von den taktischen Sensoren, widmete jeder einzelnen Werteschwankung seine vollste Aufmerksamkeit. Selbst ein Schiff mit einer Panzerung wie der Monitor hätte bei einem eventuellen Raumkampf nur eine Überlebensdauer von wenigen Sekunden in Anbetracht einer solchen Gegnerzahl.<br>Endlich sah Ardev von seiner Station auf. Seine Kopffühler bewegten sich aufgeregt hin und her, als er meldete:<br>„Matt, wir haben die Scans abgeschlossen. Wir haben so viele Daten gesammelt, wie wir bei unserem momentanen Status finden konnten.“<br>„Etwas interessantes dabei?“<br>„736 Schiffe, 23 Raumstationeni und 1.471 Gefechtsplattformen,“ erklärte der Andorianer mit Grabesstimme.<br>Angesichts dieser schier unglaublichen Zahl konnte Matt Price nicht anders als die Augenbrauen hochzuziehen.<br>„Innerhalb eines einzigen Jahres haben die Romulaner ein solches Besatzungssystem aufgebaut,“ murmelte der Halbbetazoid nachdenklich. „Wie viele Soldaten mögen dann wohl erst auf Talar stationiert sein?“<br>„Wir sind zu weit weg, um darüber eine definitive Aussage machen zu können,“ beantwortete Arena Tellom die Frage.<br>„Gehen wir einfach mal davon aus, dass es jede Menge sind,“ war die trockene Erwiderung Price´. Was er eben gehört hatte, gefiel ihm ganz und gar nicht.<br>„Wenn die Besatzung also nicht bald endet und sie noch weitere Monate, wenn nicht gar Jahre andauert,“ erklärte Danny Bird für alle, „dann wird die Zahl der romulanischen Verbände in diesem System noch weiter ansteigen. Vermutlich verlegen sie im Moment noch weitere Kräfte hierher, weil sie einen Angriff der alliierten Streitkräfte befürchten. Wenn die Okkupation nicht bald endet, dann könnte es in einigen Jahren unmöglich sein den Planeten zu befreien.“<br>Diese Worte klangen für jeden an Bord logisch nachvollziehbar.<br>„Ich sehe noch eine Gefahr,“ erklärte Price und stützte sein Kinn nachdenklich auf den Händen ab. „Die gemischte Streitmacht der Multiplanetaren Allianz wird groß genug sein, um diese Flotte zu vernichten. Was darauf folgt, wird mir jedoch mehr Sorgen machen.“<br>„Der totale Krieg,“ schlussfolgerte Tellom richtig.<br>Jeden einzelnen auf der Brücke beunruhigte diese Vorstellung. Seit dem Dominionkrieg hatten sich nicht mehr Flotten dieser Größenordnung gegenüber gestanden und nun schien ein Konflikt fast unabwendbar. <br>„Oh nein!“ rief Bird auf einmal und seine Konsole begann alarmierend zu piepen. Sofort rief er einige Sensordiagramme auf, verglich Werte und wandte sich im Anschluss aufgeregt zu seinem temporären Kommandanten. „Drei romulanische Schiffe der D´Deridex-Klasse sind auf dem Weg zu unserer Position.“<br>„Haben sie uns entdeckt?“ <br>„Irgendwie müssen wir Energieschwankungen ausgesendet haben. Minimale zwar, doch das Ortungsgitter muss sie aufgefangen haben.“<br>Ihnen blieben nur wenige Sekunden Zeit, um auf diese Nachricht zu reagieren.<br>„Locarno, bringen sie uns so schnell wie möglich von hier weg, aber so, dass wir nicht entdeckt werden.“<br>Der Steuermann sparte sich eine Erwiderung, konzentrierte sich stattdessen vollends auf seine Aufgabe und aktivierte den Antrieb des Schiffes. Sachte und langsam steuerte er die Monitor von ihrer Position weg. Ihre Geschwindigkeit war jedoch fast zu gering, die ungetarnten romulanischen Kriegsschiffe näherten sich ihrer Position zusehends.<br>„Sollen wir auf roten Alarm gehen?“ fragte Bird hektisch und blickte erwartungsvoll zu Price.<br>Dieser schüttelte jedoch den Kopf.<br>„Der dabei ausgelöste Energieanstieg würde uns in jedem Fall auffliegen lassen. Nein, wir müssen hoffen, dass unser Vorsprung reicht.“<br>Locarno brachte das Schiff noch einige tausend Meter weg von ihrer alten Position, dann hielt er das Schiff an. Sie stellten sich tot, fuhren jede unnötige Energie herunter und blieben völlig regungslos.<br>„Die Romulaner scannen unsere alte Positon,“ erklärte Ardev und beobachtete die Anzeigen auf den Scannern.<br>Wieder wurden Sekunden zu endlosen Minuten. Falls die Romulaner ihre neue Spur entdeckten, so wäre alles aus. Einige Zeit lang kreisten die Warbirds um ihre alte Position, untersuchten den gesamten Bereich. Dann endlich zogen sie sich zurück. Ein Aufatmen ging durch das gesamte Schiff.<br>„Das war knapp,“ murmelte Arena. <br>Manchen war es zu knapp gewesen.<br><br>Langsam aber sicher wurde die Bewusstlosigkeit zu einer unangenehmen Gewohnheit für John Lewinski. Sein Schädel pochte ungeheuerlich und Welle um Welle neuen Schmerzes rasten durch seine Glieder. Vorsichtig rieb der Kommandant seinen Kopf und prüfte ihn nach offenen Wunden. Zu seiner Erleichterung konnte er keine frischen Verkrustungen oder ähnliches feststellen. Einige Sekunden verharrte John in dieser Position, bis er sich entschloss langsam und vorsichtig seine schmerzenden Augenlieder zu öffnen. Wie er erwartet hatte, dauerte es seine Zeit, bevor er wieder klar sehen konnte. Sachte verschwand die Schwärze von seinen Augen, wurde abgelöst durch ein unscharfes Bild der Umgebung. Mit viel Phantasie konnte er ein Dach über sich erkenne und eine Lichtquelle, die von links herrührte. Scheinbar befand er sich in einem Haus oder ähnlichem. Eine Person erschien in seinem Blickfeld und wies ihn an ruhig liegen zu bleiben. Nach kurzem Zögern erkannte Lewinski, dass diese Worte nicht drohend, sondern fürsorglich hervorgebracht worden waren und so verharrte er in der liegenden Position.<br>Endlich, nach einer schier endlosen Zeit, klarte sein Sichtfeld auf und John war in der Lage seinen Pfleger zu erkennen: es handelte sich um den Wirt aus der Schenke.<br>„Wie fühlen sie sich, Bruder?“ fragte er besorgt und hielt ihm etwas Wasser hin.<br>„Wie nach einer langen Nacht,“ brummte John, erntete dafür Gelächter.<br>„Scheinbar ist es also doch kein Mythos, dass ihr Mönche wisst wie man feiert. Wie heißt ihr überhaupt?“<br>Sofort wurde der Captain misstrauisch.<br>„Wieso möchtet ihr dies wissen?“<br>„Nur ruhig, Bruder,“ beschwichtige ihn der Wirt und nahm den leeren Krug wieder entgegen, „ich stehe auf ihrer Seite. Möglicherweise ist jedoch einer eurer Ordensbrüder um euch besorgt und sucht euch. Wie soll ich ihm sagen, wo ihr euch aufhaltet, wenn ich nicht einmal euren Namen kenne?“<br>So sehr ihm auch dieser Punkt missfiel, der Wirt hatte recht. Im Geiste ging John einige Namen durch, versuchte einen zu finden, der für diese Zeit typisch war. Doch er kam zu keinem befriedigenden Ergebnis und so hieß es eine Entscheidung zu treffen.<br>„Mein Name lautet… Tuck.“<br>„Wohlan, Bruder TUck,“ begrüßte ihn sein Gastgeber und musste schmunzeln. „Erlaubt mir dies zu sagen, aber ein ungewöhnlicher Name.“<br>„Ich komme auch aus einem anderen Lande,“ erklärte John schnell. „Mein Wunsch war es schon immer den Papst zu sehen und befinde mich daher auf einer…. nennen wir es eine spirituelle Reise.“<br>Im Grunde genommen gab sich der Captain als Tourist aus und die Nummer schien zu wirken.<br>„Ich bin Cicero,“ stellte sich der Wirt vor und verneige sich leicht.<br>„Dann bin ich an der Reihe mich für meine Rettung zu bedanken,“ entgegnete Tuck im Gegenzug. „Wenn ihr nicht gewesen wärt, so würde ich wohl immer noch in der Ecke liegen. Habt Dank, Cicero. Ein ungewöhnlich historischer Name, wie ich finde.“<br>Angesichts dieser Worte musste der Wirt schmunzeln.<br>„Ja, dies denken viele. Meine Eltern waren gelehrter, als man annehmen könnte. Ihnen lag viel an einer guten Ausbildung für mich. Sie wollten ihrem Sohn ein so gutes Leben wie möglich bieten und lehrten mich das Lesen sowie Schreiben.“<br>Anerkennend wölbte John die Augenbrauen. Diese beiden Fähigkeiten waren zu dieser Zeitperiode alles andere als selbstverständlich gewesen. Scheinbar hatte er es vor sich mit einem intelligenten jungen Mann zu tun. <br>Dann fiel John etwas beunruhigendes ein. Sofort griff er in seine Robe hinein und stellte fest, dass sich noch Tricorder und Phaser an seinem Platz befanden. Cicero deutet seine Taten sofort.<br>„Habt keine Sorge,“ erklärte er vertrauensvoll, „ich habe viel zu sehr Respekt vor dem Klerus, als dass ich euch bestehlen würde. Tatsächlich habe ich euch nicht einmal angefasst.“<br>Wenigstens in dieser Hinsicht hatte er Glück gehabt! Nun, wo er sich wieder sortiert und Herr der Lage war, hieß es mit dem Auftrag fortzufahren. Der Rückholmechanismus des Shuttles war immer noch aktiv und würde ihn schon bald wieder zurückbringen.<br>„Cicero, ihr habt keine Ahnung, wer mich niedergeschlagen haben könnte?“<br>„Ganz spontan würde ich sagen, dass es sich um Taschendiebe handelt. Sie sind in diesem Viertel in letzter Zeit sehr aktiv geworden, aber dass sie inzwischen nicht einmal mehr vor einem Diener Gottes halt machen, ist für mich unglaublich.“<br>Für John klang dies jedoch nicht wie ein Zufall. Sicher, die Kriminalität war im Mittelalter stark ausgeprägt gewesen, doch dass gerade er nach einer ersten Befragung niedergeschlagen wurde, war ungewöhnlich. Und tatsächlich waren Mönche weniger von diesen Attacken betroffen gewesen. <br>Bestand also nicht viel eher die Möglichkeit, dass er mit seiner Fragerei nach Laurentis jemand aufgeschreckt hatte? <br>„Ihr sagtet, die Überfälle geschehen in letzter Zeit häufiger?“<br>„Ja, sie treten vermehrt auf, sogar am Tage,“ erklärte Cicero und wirkte überaus beunruhigt. Nur zu verständlich, immerhin besaß er ein selbstständiges Gewerbe. „Sogar die Ratsherren sind schon zu ihren Opfern geworden!“<br>„Ratsherren?“<br>Nun war es an John einen rätselhaften Gesichtsausdruck aufzusetzen. Hier spielte sich möglicherweise ein gar nicht unerwartetes Muster ab. Wenn Jellicos Informationen korrekt waren, so befand sich der Captain zeitlich gesehen am Beginn der Vorfahren von Sektion 31. Was läge für eine geheime Gruppe näher, als Schritt für Schritt ihre Macht aufzubauen und sie dann auf die Politik auszudehnen? Je mehr John über diesen Punkt nachdachte, desto überzeugter war er von dieser Theorie.<br>„Cicero, seid ihr bereit mir zu helfen? Zu zweit ist es sicherer auf den Straßen.“<br>„Aber natürlich, Bruder Tuck,“ bekräftigte der Wirt mit selbstsicherer Stimme. „Was wollt ihr tun?“<br>„Sagen wir mal so: ich möchte den Anfängen wehren!“<br><br>Sinnierend saß Matthew Price auf seinem gegenwärtigen Platz und wartete. Nachdem sie ihren Auftrag ausgeführt und die Daten an das Oberkommando übermittelt hatten, waren sie zum Warten auf Weiteres verdonnert worden. Ein Warten auf den möglichen neuen Krieg, der zahllose weitere Leben fordern würde. Alles nur, weil John Lewinski die geheimen Informationen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hatte.<br>Nein, dies war nicht fair. Matt ermahnte sich selbst, nicht in dieses Denkschema zu verfallen. Nicht der Captain war schuld an dieser Lage, sondern der intrigante romulanische Geheimdienst, der vor einem Jahr diese Situation verursacht hatte. Der Beweise manipuliert und damit einen falschen Krieg vom Zaun gebrochen hatte. Die Crew der Monitor war der Wahrheit verpflichtet, nichts weiter.<br>Ardev trat auf ihn zu und überreichte ihm ein Padd.<br>„Wir haben auf einer sehr niedrigen Frequenz ein Communiqué erhalten,“ erklärte der Einsatzoffizier, „es handelt sich um neue Lagebefehle.“<br>Aus seinen Gedanken gerissen nahm sich Matt das Padd und las sich den äußerst kurzen Inhalt des Schreibens durch. Was er dort lesen musste, gefiel ihm ganz und gar nicht.<br>„Fähnrich Locarno,“ befahl er mit eisiger Stimme, „bringen sie uns zu einer sicheren Sendestation.“<br>Ungläubig, so als hätte er das eben gehörte nicht richtig verstanden, drehte sich der Steuermann herum und musterte seinen Befehlsgeber.<br>„Dies ist nicht ihr Ernst?“ fragte er.<br>„Wieso sollte es dies nicht sein?“<br>Angesichts dieser Gegenfrage konnte der Fähnrich nur verwirrt den Kopf schütteln.<br>„Allein hier die Position zu halten, ohne entdeckt zu werden, war fast ein Ding der Unmöglichkeit und nun sollen wir aus dem talarianischen System heraus eine Nachricht versenden? Dann können wir uns ja gleich enttarnen und uns eine Zielscheibe auf den Rumpf malen!“<br>„Tun sie es einfach!“<br>Für einen winzigen Moment überlegte Nick Locarno, ob er nicht einfach dieses Befehl verweigern sollte. Dann jedoch drehte er sich herum und begann das Schiff sanft aus dem System hinauszubewegen. Natürlich verließen sie es nicht gänzlich, sondern entfernten sich nur etwas von der Hauptwelt. In den äußeren Sektoren des Systems war die romulanische Präsenz geringer und eine Entdeckung unwahrscheinlicher.<br>Nach einer guten Stunde stoppte der Fähnrich das Schiff und blickte abwartend zu dem Empathen. Matt verließ ohne jedes weitere Wort die Brücke und ging in den Bereitschaftsraum, wo er sich an den Schreibtisch setzte und das Komterminal aktivierte. <br>Aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen, die sie getroffen hatten, dauerte es einige Zeit, bis eine Verbindung aufgebaut worden war und aufgrund der extrem niedrigen Frequenzen, die sie benutzten, war die Bildqualität alles andere als gut. Doch es reichte, um eine Unterhaltung von Mann zu Mann zu führen. Besser gesagt von Mann zu Frau.<br>Auf dem Bildschirm erschien niemand geringeres als Commander Selina Kyle. Sie befand sich der auf der Brücke ihres Schiffes, der USS Community und schien alles andere als überrascht darüber zu sein, ihren Imzadi auf dem Bildschirm zu erblicken.<br>„Matt, was kann ich für dich tun?“ fragte die schöne Frau. „Wie du vermutlich weißt, ist es derzeit etwas ungünstig. Es gehen wichtige Dinge vor sich.“<br>„Ich weiß ganz genau, wovon du sprichst. Man könnte sogar sagen, ich befinde mich an der Quelle.“<br>Selina verstand ganz genau die augenzwinkernde Bemerkung und weitete überrascht die Augen. Wieso sie dies tat, wusste sie selbst nicht so genau. Als Mitglied des Geheimdienstes war es doch nur natürlich gewesen, dass Matt ebenfalls in diese Mission involviert war.<br>„Und was kann ich für dich tun, Matt?“ fragte Kyle und schlug ihre Beine übereinander, um sich eine bequemere Sitzposition zu schaffen. Um sie herum sah man ihre Brückencrew an den Stationen arbeiten. So gut wie keiner von ihnen schien von diesem Gespräch Notiz zu nehmen.<br>„Ich habe eben das Communiqué der Sternenflotte gelesen,“ erklärte Commander Price den Grund für seinen Anruf, „und dass die Community den gemischten Kampfverband anführen wird.“<br>„Dies ist korrekt. Wir sind nur noch wenige Stunden von Talar entfernt. Die Romulaner sollten unsere Flotte schon auf den Bildschirmen sehen.“<br>Im Anschluss an diese Worte wartete Selina Kyle auf eine Erwiderung ihres ehemaligen Verlobten. Der Halbbetazoid ließ sich jedoch mit einer Antwort Zeit. Es war ungewöhnlich für ihn, dass ihm die Worte fehlten. In Gefühlssachen war er, wie fast jeder Mann, etwas unbeholfen und es dauerte einige Momente, bis er seine Gedanken formuliert hatte.<br>„Wieso tut ihr das?“ fragte er schließlich.<br>„Die Enterprise befindet sich auf einer diplomatischen Mission und würde niemals rechtzeitig hier eintreffen. Daher hat man uns zum Flagschiff des Verbandes gemacht,“ erklärte Commander Kyle und lächelte stolz. „Es war schon ein netter Moment, als mir Captain Picard persönlich Glück für diese Mission gewünscht hat.“<br>„Aber wieso?“<br>Die Frage von Matt war kurz und simpel, eigentlich nicht falsch zu verstehen. Dennoch wich die menschliche Frau und Mutter seiner Tochter ihr aus.<br>„Wäre es dir etwa lieber, wenn die Klingonen die Leitung bei dieser Sache hätten? Dann wäre es doch nur eine Frage der Zeit, bis der erste Schuss fallen würde...“<br>„Nein, ich will, dass ein anderes Schiff die Flotte anführt und nicht du!“<br>Matts Antwort war direkt gewesen, fast schon verletzend, wenn man nicht den wahren Hintergrund dieser Sache kennen würde. Selina nickte. Sie verstand genau, worauf er hinauswollte. <br>„Yasmin wird es gut gehen,“ versicherte Selina ihm. „Unserer Tochter wird nichts geschehen.“<br>„Also hast du sie von Bord gebracht?“<br>„Nein, sie ist hier bei mir.“<br>Wütend schlug Matt auf den Schreibtisch und war unmittelbar darauf selbst über seine heftige Reaktion erschrocken. War er labiler, als er selbst annahm.<br>„Wieso hast du sie nicht zu einem sicheren Ort gebracht? Du gefährdest sie.“<br>Die Worte verletzten Selina Kyle und machten sie wütend. Ihre blauen Augen fixierten ihn und versuchten seinen Geist zu erforschen. Natürlich verstand sie seine Sorgen und war insgeheim froh über seinen Anruf, dennoch wollte sie etwas Vertrauen von ihrem Imzadi.<br>„Nirgendwo ist sie sicher als bei mir, Matt. Nirgendwo.“<br>„Bei einem Kampf, wenn das Schiff beschädigt...“<br>„Es wird keinen Kampf geben,“ wiegelte sie ihn ab.<br>„Woher willst du das wissen? Du bist noch nicht hier. Du weißt nicht, was ich weiß. Wir stehen am Vorabend eines neuen Konflikts, den das Universum so noch nicht gesehen hat und du bringst unsere Tochter an den derzeit gefährlichsten Ort, den man sich vorstellen kann?“<br>„Hört, hört!“ rief Selina aus und es war verwunderlich, dass niemand von ihrer Brückencrew auf das Gespräch reagierte. Möglicherweise überhörten sie es absichtlich. „Matthew Price spricht von Verantwortung. Das ich dies noch erleben darf. Wo wäre sie denn besser aufgehoben? Etwa auf der Monitor?“<br>„Auf der Erde,“ entgegnete der Halbbetazoid ohne zu zögern. „Und du auch.“<br>Im Anschluss an diese Worte richtete sich Kyle kerzengerade in ihrem Kommandensessel auf. Inzwischen hatte sie sich an die Verantwortung für ihr Schiff gewöhnt. Ihre Beförderung zum Captain war nur noch eine Frage der Zeit.<br>„Ich bin Offizier der Sternenflotte,“ erklärte sie mit ruhiger Stimme, „und Kommandant eines Schiffes. Wir alle haben eine Aufgabe zu erfühlen. Du, ich und alle anderen auch. In unserer schwersten Stunde werde ich mir ganz sicher nicht vor unserer Aufgabe drücken. Allein unserer Tochter zuliebe. Wir sehen uns in wenigen Stunden im System. Community Ende.“<br>Damit erlosch der Bildschirm und abermals hatte Matt eine Runde gegen seine Imzadi verloren. Scheinbar war sie die einzige Person, bei der er nicht seinen Kopf durchsetzen konnte. Irgendwie eine bewundernswerte Sache, wie er anerkennen musste. <br><br>Betrachtete man die Geschichte der Kriminologie, so fiel auf, dass Verbrecher oft zum Tatort zurückkehrten. Der Grund für dieses Verhalten war äußerst spekulativ. Manchmal wollten sie sich vergewissern, keine Spuren hinterlassen zu haben oder irgendein moralischer Restfunken zwang sie zu ihrer Rückkehr.<br>Was auch immer der Grund für dieses Phänomen zu sein schien, Captain Lewinski hoffte auf ein erneutes Eintreten dieses Musters. Gemeinsam mit seinem neuen Gefährten Cicero begab er sich zu dessen Schenke und schaute sich, nun bei Tageslicht, den Ort des Angriffs an. Rein äußerlich war absolut nichts zu erkennen, weder Blutspuren noch Kleidungsfetzen, die möglicherweise am Tatort hinterlassen worden waren. Beide Männer suchten alles von oben bis unten an, fanden jedoch nichts.<br>„Eine Syssiphusarbeit,“ kommentierte der Wirt des Suchens überdrüssig und überraschte den angeblichen Mönch einmal mehr. Gemessen an seinen Lebensumständen und der Zeit, in der er lebte, war Cicero ein Intellektueller, hochintelligent und motiviert. Was wohl aus diesem Mann geworden wäre, wenn ihn das Schicksal in einer anderen Zeit hätte leben lassen? Möglicherweise hätte er es sogar zum Captain eines Sternenflottenschiffes bringen können. <br>Sein Begleiter drehte sich in Richtung seines Wirtshauses und John nutzte den kurzen Moment, um seinen Tricorder zu zücken und weitere Untersuchungen durchzuführen. Er wurde nicht enttäuscht: was dem bloßen Auge verborgen geblieben war, fand das kleine Gerät. DNA-Spuren wurden angezeigt, die weder von Cicero noch von ihm selbst herrührten und die er anhand der Zeit seinen Angreifern zuordnen konnte. Natürlich besaß er keine Datenbank, um die gefundenen Spuren abgleichen zu können, ein Start war es immerhin. Er programmierte den Tricorder eine Spur zu finden und ließ das Gerät passiv weiterarbeiten, während er es wieder unter seiner weiten Robe versteckte und Cicero anblickte.<br>„Glauben sie an den sechsten Sinn?“ fragte Bruder Tuck lächelnd.<br>Kurz überlegte der Wirt.<br>„Ich bin bereit an Wunder zu glauben,“ entgegnete Cicero nachdenklich. „Wieso fragen sie?“<br>„Es ist ein Wunder, aber ich habe eine Spur.“<br>„Wie haben sie dies gemacht? Sehen ihre Augen etwas, was ich nicht sehe?“<br>„Der Weg des Herrn,“ erklärte John und deutete mit einem Zeigefinger gen Himmel. Die Sprache dieser Zeit zu sprechen war schwierig, aber bisher machte er seine Sache ganz gut. Möglicherweise bildete er sich auch zu sehr etwas auf seine Fähigkeiten ein und die Hauptarbeit wurde vom Übersetzer vorgenommen. Auf jeden Fall war Cicero noch auf seiner Seite und dies war die Hauptsache. Um Laurentis zu finden brauchte er einen Verbündeten in dieser Zeit. Und a propos, die Zeit wurde immer knapper. Natürlich könnte er seinen Aufenthalt hier verlängern, aber John wollte nicht länger in diesem Jahrhundert bleiben als unbedingt notwendig. Jede Minute, die er hier war, kontaminierte er im temporalen Sinne seine Umgebung. Hier und jetzt hatte er die Möglichkeit Sektion 31 zu stoppen. Falls er scheiterte, wollte er keinen zweiten Versuch wagen. So einfach war dies. <br>„Folgen sie mir,“ bedeutete der Mönch seinem Begleiter und beide gingen die mittelalterlichen Straßen Roms entlang.<br><br>Der Moment war gekommen. Die gewaltige Flotte aus über eintausend Schiffen der MPA flog in das talarianische System ein. Es war ein beeindruckendes Bild, wie die Schiffe unter Warp gingen und Formation einnahmen. Gemischte Geschwader brachten sich in Stellung, wappneten sich für alle Eventualitäten. Vorneweg das Föderationsraumschiff Community, welches den Kampfverband anführen sollte, der den Talarianern die Freiheit wiederbringen sollte. Doch zu welchem Preis?<br>Commander Selina Kyle erhob sich von ihrem Platz und stellte sich vor den Hauptschirm. Mehrfach atmete sie tief ein und aus, versuchte sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Dann blickte sie zu dem Lieutenant an der OPS-Station und befahl ihm eine Verbindung zum romulanischen Flaggschiff herzustellen.<br>Die Besatzer gingen ebenfalls in Stellung, verstärkten die Schwachstellen in ihren Linien und brachten ziviles Personal, welches an Bord der Raumstationen diente, in Sicherheit. Auf dem besetzten Planeten Talar wurde Alarm ausgerufen, alle Bodentruppen fanden sich in den Kasernen ein und begaben sich in Alarmstellungen.<br>Natürlich hatte Selina Angst, wie alle anderen auch. Der Plan für einen eventuellen Konflikt war klar, jedes einzelne Schiff wusste für den Fall einer Fälle seine Aufgabe, wie in einem gut durchdachten Schachspiel. Würde es zu einem Raumkampf kommen, würde der talarianische Widerstand parallel mit gezielten Angriffen auf dem Planeten beginnen, um die Romulaner abzulenken. Das Durchkommen zu den Widerstandszellen war schwierig gewesen und hatte die Geheimdienste einiges an Arbeitskraft und stellenweise auch Leben gekostet. Die Raumschiffe würden ihrerseits vom Orbit aus die Kampfkraft der Besatzer zu schwächen. Vorrausgesetzt natürlich sie könnten sich am massiven Sperrgürtel der Romulaner vorbeikämpfen.<br>Sehr zu ihrer Überraschung antwortete das romulanische Schiff. Ein älterer Romulaner erschien auf dem Hauptschirm. Die Kommandantin der Community konnte nicht anders als in ihm das romulanische Äquivalent von Captain Jean-Luc Picard zu sehen. Beide strahlten eine enorme Erfahrung und Gelassenheit aus. Instinktiv wünschte sich Kyle, dass dieser Mann, der der beste Sternenflottencaptain aller Zeiten war, nun hier war, doch diese Möglichkeit stand nicht zur Verfügung. Es lag an ihr die nächsten wichtigen Entscheidungen zu treffen. Die Tragweite der gesamten Angelegenheit schien sie fast zu erdrücken, doch sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen.<br>„Hier spricht Commander Selina Kyle, Kommandatin des Föderationsraumschiffs USS Community und Befehlshaberin des gemischten Verbandes der Multiplanetaren Allianz,“ stellte sie sich vor und verschränkte ihre Hände hinter dem Rücken.<br>„Admiral Lerok, Inspekteur für den Sektor Talar,“ erwiderte der Romulaner knapp, aber nicht aggressiv.<br>Ein erster Schritt in die richtige Richtung. Vielleicht war es doch noch möglich, eine friedliche Übereinkunft zu erzielen.<br>„Admiral,“ erklärte die menschliche Frau, „wir sind hier, um dem Ultimatum der interstellaren Völker mehr Nachdruck zu verleihen. Die Allianz, in der sie ebenfalls Mitglied sind, wie ich anmerken darf, verlangt den sofortigen Abzug der romulanischen Truppen von Talar und die Wiederanerkennung der politischen Souveränität der Talarianischen Union.“<br>Höflich ließ Lerok seine Gegenüber aussprechen, bevor er ihre Worte abschmetterte.<br>„Meine Regierung bekräftigt noch einmal, dass wir uns ihren irregulären Forderungen nicht beugen werden. Talar ist rechtmäßiges romulanisches Territorium, in einem regulären Krieg annektiert. Wir werden auf keinen Fall den Planeten verlassen.“<br>Keine gute Entwicklung, wie Selina fand. Dasselbe dachten auch alle anderen Offiziere an Bord der anderen Schiffe, auf denen dieses Gespräch übertragen wurde. Auch Matt Price blickte nachdenklich auf den Bildschirm und verfolgte, wie seine Imzadi versuchte eine Katastrophe zu verhindern. Neben ihm stand seine jetzige Liebe, Dr. Elisabeth Frasier, und hörte ebenfalls dem Gespräch zu. Beide trauten es Selina durchaus zu die Sache zu lösen. Würde sie es schaffen?<br>„Das Ultimatum der interstellaren Völkergemeinschaft ist klar,“ betonte Commander Kyle abermals. „Aufgrund der Informationen, die bekannt geworden sind, hat ihr Volk einen unrechtmäßigen Krieg begonnen und den Planeten okkupiert. Ich möchte sie noch einmal mit Nachdruck bitten ihre Position zu überdenken.“<br>Abwehrend hob der Admiral seine rechte Hand.<br>„Die von ihnen geschilderten Informationen sind mir bekannt und der romulanische Senat tut sie als Kriegslügen ab. Wir wissen nicht, wer dieses angebliche Testament erfunden hat, sie oder die talarianischen Terroristen; an seiner Falschheit kann jedoch kein Zweifel bestehen!“<br>„Admiral, ich beschwöre sie noch einmal sich zurückzuziehen. Sollten sie nicht bis 15:00 Uhr Föderationsstandardzeit mit dem Abzug aller Truppen aus dem System beginnen, so habe ich den Auftrag mit einem Angriff zu beginnen, um ihre Besatzung gewaltsam zu beenden.“<br>„Sie wissen, dass dies einen Krieg auslösen könnte?“<br>„Sie wissen dies und ich weiß dies,“ entgegnete Selina mit neutraler Stimme. Innerlich zitterte sie am gesamten Körper, wenn sie an die Konsequenzen dessen dachte, was sie eben ausgesprochen hatte, jedoch durfte sie sich dies nicht anmerken lassen. „Ist es das, was uns bevorsteht, Admiral? Wollen sie wirklich drei Jahre der harten Arbeit und der friedlichen Koexistenz einfach so wegwerfen? Unser Quadrant war nach dem Dominionkrieg auf einem guten Weg!“<br>„Seltsam, dass sie an meine Moral appellieren. Immerhin wären sie diejenige, die den ersten Schuss abfeuern würde,“ meinte Admiral Lerok nachdenklich. „Sind sie wirklich bereit für einen neuen Krieg?“<br>„Um die Freiheit eines Volkes zu gewinnen, ja,“ erklärte Selina und machte deutlich, dass sie keinen Zweifel an ihrer Position duldete.<br>„Ich muss zugeben, ich bewundere die Föderation,“ erklärte der Admiral ehrlich. „Sie würden ihre eigene Nation in einen Konflikt stürzen, der Millionen töten könnte, nur um einem anderen Volk zu helfen. Eine bewundernswerte Einstellung, jedoch unnötig. Sie sollten sich nicht auf die Seite derer stellen, die dies alles erst ausgelöst haben.“<br>„Die Bombe war eine Manipulation und niemals Werk der Talarianer.“<br>Ein letztes Mal versuchte Kyle auf das Testament von Nummer 1 anzuspielen, welches der Öffentlichkeit bekannt gemacht worden war, doch es funktionierte nicht. Fast schon traurig schüttelte Lerok den Kopf und erklärte:<br>„Wenn dies ihre entgültige Position ist, dann befinden wir uns in zwei Stunden im Krieg.“<br>Damit beendete er die Übertragung. Vielleicht war damit der letzte Dialog vor der Schlacht zuende gegangen. <br><br>Selbstverständlich konnte sich Cicero nicht erklären, wie Bruder Tuck auf fast schon mysteriöser Art und Weise einer unsichtbaren Spur folgte. Wie hätte er auch wissen sollen, dass sich Captain Lewinski heimlich von seinem Tricorder leiten ließ. Das Mittelalter war ein schmutziges Zeitalter gewesen. Die Menschen besaßen überhaupt nicht die Möglichkeiten zur häufigen Hygiene und hinterließen daher an jeder Ecke „Duftmarken“ aus Schweiß, Urin, Kleidungsfetzen und weiteren Dingen. Alles Sachen, die der Tricorder erfasste, mit den gefundenen DNA-Werten abglich und eine Spur nachzeichnete. Schweigend schritten die beiden an den Menschenmassen vorbei, die sie kaum zu beachten schienen. Jeder einzelne Mensch schien sich nur selbst der nächste zu sein, die von der Kirche viel gepredigte Nächstenliebe schien nur ein frommer Wunsch zu sein, mehr aber auch nicht. Es war unglaublich, was aus dieser Spezies noch werden würde.<br>Irgendwann erreichten die beiden ihr Ziel. Die Spur führte sie in eine dunkle Ecke, in die sie sich vorsichtig herantasteten und ein Stoffbündel am Boden entdeckten. Sachte näherte sich John dem Objekt und schreckte einen alten, faltigen Mann auf, der sich in jene Leinen gewandt hatte. Scheinbar ein Obdachloser, alt und ohne jegliche Zukunft vor sich. Der alte Mann keuchte, als er die beiden Gestalten erkannte und Angst zeichnete sich in seinen blauen Augen ab.<br>„Was…. Nein! Bitte nicht schlagen!“ rief der alte Mann aus und hob schützen die Hände vor sein Gesicht.<br>„Keine Angst, guter Mann,“ versuchte der Kommandant der Monitor den armen Mann zu beruhigen, „wir wollen ihnen nichts antun. Wir sind nur auf der Suche nach jemandem.“<br>Ohne Hast und möglichst vertrauensvoll gesellte sich Cicero neben den Mönch und beobachtete den alten Mann. Dieser blickten sie mit großen Augen an, keuchte und hustete mehrfach, bevor er meinte:<br>„Tut mir leid, Bruder. Ich erkenne erst jetzt, dass ihr im Dienste unseres Herrn steht. Ich bin schreckhaft geworden, seit…“<br>Diese Worte ließen John aufhorchen. Die Spur hatte sie direkt zu dem alten Mann geführt, der jedoch unmöglich sein Angreifer sein konnte und schon gar nicht den Ursprung der Illuminaten darstellen konnte. Viel zu alt und gebrechlich war diese Person, als dass sie John Lewinski hätte überfallen können.<br>„Seit wann? Sprecht, guter Mann!“ forderte ihn der angebliche Mönch auf.<br>„Hier passieren in letzter Zeit seltsame Dinge, guter Mönch. Rom ist nicht mehr das, was es früher einmal gewesen ist. Die Straßen sind unsicher geworden. Vorgestern Nacht bin ich niedergeschlagen worden und dieses Erlebnis hat mich vorsichtig werden lassen. Ich bin in Sorge, dass meine Angreifer zurückkehren werden…<br>Die Geschichte passte wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Um auf Augenhöhe mit dem Bettler reden zu können, kniete sich Lewinski nieder und schaute seinen Gegenüber fest an.<br>„Könnt ihr mir sagen, wie euer Angreifer ausgesehen hat?“<br>Plötzlich zeichnete sich ein Glanz in den Augen des alten Mannes ab, der nur von einer Emotion herrühren konnte: Hoffnung.<br>„Viel besser,“ erklärte der alte Mann und lächelte schwach, „ich weiß, wo ihr sie finden könnt!“<br><br>Am Anfang war das Unglaubliche: er fühlte! Schon im nächsten Moment stellte er sich die logische Frage, wer er eigentlich war. Da er diesen Punkt nicht sofort abhandeln konnte, beschloss er sich seinem Aufenthaltsort zu widmen. Er versuchte seine Augen zu öffnen, doch er konnte es nicht und so war er auf seine restlichen Sinne angewiesen. Sein Gehör nahm nur verschwommen Geräusche wahr, so als befände er sich im Wasser. Irgendwie schien diese Annahme korrekt zu sein, denn er fühlte sich irgendwie freischwimmend und… feucht. Scheinbar befand er sich in einem flüssigen Ort oder so, mit Bestimmtheit konnte er jedoch nichts sagen. Wieso konnte er eigentlich nicht seine Augen öffnen?<br>Es kam ihm natürlich nicht in den Sinn, dass er seine Augen nicht öffnen konnte, weil er seine Muskeln dafür noch nicht weit genug entwickelt waren. Wie auch? Er konnte ja gar nicht wissen, dass er ein Klon war, der gerade im Entstehen begriffen war. Sein Bewusstsein war in einem Stadium erwacht, in dem sein Körper noch nicht gänzlich ausgebildet war.<br>Sein Erinnerungsvermögen brauchte noch einige Zeit, bis er darauf zurückgreifen konnte. Irgendwo geisterte das Wissen in seinem Geiste herum, dass es sich bei ihm um Nathan Sloan handelte, doch er konnte mit diesem Begriff nichts anfangen.<br>Noch war der einstige Führer von Sektion 31 hilflos wie ein kleines Kind. Doch in wenigen Stunden würde sich dies ändern und eine neue Ära hinter den Kulissen beginnen. <br><br>Das Föderationsultimatum würde in weniger als einer Stunde auslaufen. Überall wurden die Waffensysteme auf Funktionsfähigkeit überprüft, die Besatzungsmitglieder ein letztes Mal auf ihre Aufgaben eingeschworen. Letzte Briefe wurden geschrieben, Familien verabschiedeten sich untereinander.<br>Nachdenklich blickte der Leiter der Abteilung Blau auf seinen Komschirm und dachte nach. Natürlich hatte er ebenfalls das Gespräch zwischen Kyle und Lerok mitbekommen. Er bekam alles mit, hatte zu jeglicher Information Zugang. Hier unten, tief in den Katakomben des Tal Shiar Gebäudes, war er allwissend und allsehend. Ganz deutlich konnte er die Katastrophe sehen, auf die sie zusteuerten. Er war sich der Konsequenzen bewusst, die seine Entscheidung mit sich brachte. Vor zwei Jahren hatte er einen Plan ausgetüftelt, um sein Volk zu retten. Mit seinen Mitarbeitern hatte er die Beweise des Sprengstoffanschlags auf den romulanischen Senats manipuliert und die Schuld auf die Talarianer gelenkt. Er hatte sein Volk einen, es stärker machen wollen. Zum Wohle des romulanischen Volkes hatte er es doch getan!<br>Der Leiter war keine moralische Person. Empfindungen wie gut und böse, richtig und falsch, hatte er schon zu Beginn seiner Karriere abgelegt. Nach und nach verlor man in diesem Geschäft den Sinn für solche Begriffe, warf sie einfach über Bord. Was am Ende einzig und allein zählte, war das Wohl des Romulanischen Sternenreichs.<br>Was war jedoch zum Wohle seines Volkes? Der Krieg, der in knapp 45 Minuten beginnen würde, war nicht zu gewinnen. Nicht gegen diese Anzahl an Völkern. Sicher, der Föderation ging es nur um die Entsetzung von Talar, doch was würden die anderen sagen? Die Gorn und nicht zuletzt die Klingonen würden einen weiteren Vormarsch gegen die Romulaner forcieren und die anderen Völker mitreißen. Auch wenn ihre Verteidigungen stark und ihre Soldaten zahlreich waren, nach und nach würde eine romulanische Kolonie nach der anderen fallen. Und nach einem langen, blutigen Konflikt würden die riesigen Flotten sich schließlich über dem Himmel von Romulus zusammenziehen. Der Leiter sah diese Ereignisse ganz deutlich vor seinen Augen. Fast schon schienen sie das Schicksal seines Volkes zu sein. Ein Schicksal, welches er mit seiner Entscheidung vor 24 Monaten heraufbeschworen hatte.<br>Zum Wohle des romulanischen Volkes!<br>Dieser Gedankengang schoss ihm wieder und wieder durch den Kopf. Solange, bis er abermals eine Entscheidung traf.<br><br>Auf der Brücke der Monitor herrschte eine gelassene Betriebsamkeit, jeder wusste, was er zu tun hatte. Die Führungsoffiziere hatten sich im hinteren Bereich der Kommandozentrale versammelt und blickten auf einen Bildschirm, der ihnen Diagramme der Flotten zeigte. Jeder einzelne von ihnen war in Sorge angesichts dessen, was ihnen bevorstand, doch sie hatten eine Aufgabe zu erfüllen. Nur wenn sie alle konzentriert zusammenarbeiteten, würden sie heil aus dieser Sache herauskommen.<br>„Bisher haben uns die Romis noch nicht entdeckt,“ erklärte Matt Price und deutete auf den gegnerischen Verband. „Wir müssen zu Beginn des Kampfes einen schnellen taktischen Vorteil erzielen, der sie massiv schwächen soll.“<br>„Und wie stellst du dir das vor?“ war die logische Frage Arena Telloms.<br>„Bisher sind wir noch nicht entdeckt worden, oder?“<br>„Nein, wir sind immer noch unbekannt,“ antwortete Ardev und verschränkte seine Arme vor der Brust.<br>„Gut. Dann werden wir uns vor das romulanische Flaggschiff positioniert und in dem Moment, wo der erste Schuss fällt, uns enttarnen und ihre Brücke zerstören. Damit erledigen wir ihren Befehlshaber und ihre Hauptlinie sollte im ersten Chaos zusammenbrechen.“<br>Fähnrich Locarno runzelte nachdenklich seine Stirn.<br>„Wir sollen uns so weit in die romulanische Flotte hineinbewegen? Selbst wenn wir unser Ziel erreichen, wir wären ein gefundenes Fressen für die restlichen Schiffe.“<br>„Dann brauchen wir einen Piloten,“ erklärte Price ernst, „der irrsinnige Haken schlagen kann und uns zurück zu unserer Flotte bringt.“<br>Plötzlich piepte die Einsatzstation laut. Ardev wandte sich sofort an seine Kontrollen und erklärte nach einigem Zögern:<br>„Wir empfangen auf allen Kanälen eine offene Nachricht von Romulus.“<br>„Empfangen alle Schiffe sie?“ fragte Price, der sich auf seinen Kommandantenstuhl schwang.<br>„Ja, alle können sie sehen.“<br>Unmittelbar im Anschluss an diese Erklärung erschien das Gesicht eines alten Romulaners auf dem Schirm. Matt kannte ihn nicht, doch irgendwie hatte er eine Vorahnung wer dies sein könnte. Eine Vorahnung, die bestätigt wurde.<br>„Hier spricht der Leiter der Abteilung Blau des Tal Shiar,“ erklärte der alte Romulaner mit durchdringender Stimme. „Sie kennen mich nicht, dennoch existiere ich und ich habe eine Ankündigung zu machen... zum Wohle des Volkes.“<br>In allen Kommandozentralen, auf allen Schiffe egal welchen Volkes, verstummten die Arbeiten und man wandte sich den Bildschirmen zu. Auch Admiral Lerok war erstaunt. Natürlich hatte er schon öfters Gerüchte über diese ominöse Abteilung Blau gehört, doch nie hatte er an sie geglaubt. Handelte es sich hier um einen neuen Trick?<br>Als ob man seine Gedanken lesen konnte, erklärte ein Zenturion:<br>„Die Übertragung ist echt, Admiral, sie kommt von Romulus.“<br>Und im Anschluss erklärte der Leiter alles. Er erzählte von dem Bombenattentat, der Manipulation der Beweise und wie sie einen Krieg gegen Talar verursacht hatten. In allen Details schilderte er seine Rolle bei der Sache und nicht zuletzt, wie seine Nummer 1 übergelaufen war.<br>„Die Informationen, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden sind,“ erklärte der alte Romulaner mit nun zittriger Stimme, „sind echt. Der Krieg gegen die Talarianer basierte auf Lügen und demzufolge ist auch die Besatzung des Planeten unrechtmäßig. Unser Volk handelte in dem Glauben sich zu verteidigen, doch stattdessen waren wir die Aggressoren. Ich übernehme die volle Verantwortung für diese Sache und werde mich dem Senat stellen. Meine Intention war es unserem Volk zu helfen; ich wollte es stärker machen. Noch weniger möchte ich, dass es in einem gigantischen Krieg vernichtet wird.“<br>Mit offenem Mund starrte Price auf den Hauptschirm, dann zu Ardev, der wie wild Befehle tippte.<br>„Alle romulanischen Schiffe funken nach Romulus,“ erklärte der Andorianer „da ist die Hölle los. Die meisten Kommandanten bitten um Bestätigung der Informationen, andere wollen neue Einsatzorder haben.“<br>„Wenn wir jetzt angreifen,“ schlug Danny Bird vor, „können wir sie überraschen. Sie rechnen nicht mit uns!“<br>„Nein! Auf keinen Fall feuern!“ befahl Price energisch und dachte angestrengt nach. Was war dies eben gewesen? Ein Trick oder ernstgemeint? Minuten verstrichen, an Bord jedes Schiffes wurden hektisch Informationen geprüft.<br>Auch Selina Kyle wartete auf eine Reaktion. Die Ansage war überraschend für alle, doch in ihrer Konsequenz nur logisch. Der Leiter der Abteilung Blau wollte sein Volk nicht zerstört wissen und versuchte daher einen Konflikt zu verhindern. Hatte er sich am Ende doch eines besseren besonnen?<br>Der Waffenoffizier der Community wandte sich an seine Kommandantin. In seinem Gesicht spiegelten sich Freude, Erleichterung und Überraschung wieder.<br>„Die Romulaner deaktivieren ihre Waffensysteme,“ erklärte er fast schon eine Spur zu überschwänglich, „und lösen ihre Formationen auf. Sie bleiben zwar im System, aber geben ihre Kampfstellungen auf.“<br>Kyle konnte nicht glauben, was sie eben hörte?<br>„Ist das ihr Ernst?“<br>„Ja! Scheinbar haben die Romulaner eine Transmission von ihrer Heimatwelt erhalten... scheint so, als wollen sie heute keinen Krieg riskieren.“<br>Erleichtert und geschafft von dem enormen psychischen Druck, ließ sich Selina in ihren Sitz sinken. War es dies tatsächlich gewesen? Eben noch hatten sie an der Schwelle zur Hölle gestanden und nun sollte es einfach so vorbei sein. Manchmal schien das Universum doch simpel gestrickt zu sein.<br>„Befehlen sie unserer Flotte,“ erklärte sie nicht ohne Stolz, „die Kampfformationen aufzulösen und am äußeren Rand des Systems zu bleiben. Und falls die Klingonen oder sonst irgendwer Zicken machen sollte, bekommt es mit mir zu tun!“<br>„Ja, Ma´am!“ bestätigte der Offizier grinsend und gab sofort die Befehle weiter.<br>Sie hatten es tatsächlich geschafft. An Bord der Community wie auch der Monitor brach ein verhaltener Jubel aus. Und irgendwie konnte sich niemand dem Eindruck verwehren, dass viele Romulaner ganz ähnlich empfanden. <br><br>Die Erklärungen des alten Mannes waren in der Tat mehr als ausführlich gewesen. Mittels seiner präzisen Angaben und natürlich den Anzeigen des Tricorders war es ein leichtes Gewesen die Unterkunft der Angreifer ausfindig zu machen. Es handelte sich um ein schlichtes Haus aus Holz und einem Strohdach, welches bemerkenswert zentral in der Stadt lag. John hatte erwartet solche Männer eher außerhalb des Sichtbereichs der einfachen Bürger anzutreffen, doch diese Reise war scheinbar für jede Menge Überraschungen gut.<br>„Dies muss das Haus sein, welches der alte Mann gemeint hat,“ meinte Cicero überflüssigerweise und deutlich war ihm anzusehen, dass er darüber nachdachte, was nun zu tun sei. „Sollen wir die Bullerei informieren?“<br>Für einen winzigen Moment schmunzelte der falsche Mönch, als er den altertümlichen Begriff für Polizei wahrnahm. Doch schon im nächsten Moment fing er sich wieder und konzentrierte sich auf die vor ihm liegende Aufgabe. Sollten die Informationen und seine Vermutungen korrekt sein, so bot sich ihm nun die Gelegenheit die Zukunft wesentlich zu verändern. Was für eine Last, die nun auf seinen Schultern ruhte! Kurzzeitig fragte sich der Captain, ob er da das richtige tat. Ob man die Vergangenheit verändern durfte.<br>Doch für Zweifel und Ängste war es nun zu spät. John befand sich im Hier und Jetzt, bald würde ihn das Shuttle zurückholen und die Zeit wurde immer knapper. Schließlich fühlte er sich bereit für den finalen Kampf.<br>„Bleibt außer Sichtweite, Cicero!“ wies der Mönch ihn an. „Ich werde hinein gehen!“<br>Der Gesichtsausdruck des Wirts nahm seine Aussage vorweg.<br>„Sind sie verrückt, Bruder Tuck? Da drin sollen sich gemeine Räuber befinden, die nicht davor zurückschrecken werden Gewalt anzuwenden. Vielleicht haben sie einen Knüppel oder eine ähnliche Waffe dabei.“<br>„Möglicherweise werden sie sich scheuen einen Diener Gottes zu attackieren.“<br>„Sie haben schon einmal bewiesen, dass nicht einmal dies sie abschreckt,“ entgegnete Cicero und Lewinski war fast schon gerührt über die ehrliche Sorge des Wirts.<br>„Macht euch keine Gedanken,“ beruhigte er ihn, „mir wird nichts geschehen. Ich habe Erfahrung mit solchen Fällen. Bleibt aber in Deckung. Einverstanden?“<br>Schweren Herzens nickte der Wirt und blieb demonstrativ an der Seitenwand des Hauses stehen.<br>Keine Zeit verlierend betrat John das Gebäude durch ein Seitenfenster und konnte aufgrund der Geräusche innerhalb des Hauses feststellen, dass sich niemand im Erdgeschoss befand. Von oben, ein Stockwerk über ihm, erklang lautes Stimmengewirr, Gelächter und gelegentliches Klirren. Nur zu gut konnte Lewinski den Ursprung dieser Geräusche einordnen. Es fand eine Feier statt oder einfacher ausgedrückt, ein Besäufnis. Mehrere Personen betranken sich und hatten schon mehrere Bier intus. <br>Eine gute Sache für ihn, denn so würden die Gesuchten träger und abgelenkter sein. Kurz blickte er sich um, ob ihn niemand beobachtete und dann zückte er seinen Phaser. <br>Erst jetzt wurde ihm klar, dass er absolut keinen Plan darüber hatte, was er eigentlich vorhatte. Diese ganze Zeitreise war spontan geschehen und war insgesamt schlecht ausgeführt worden. Würde er nun die Treppe hochgehen und die Männer, die sich vermutlich oben befanden, erschießen? Oder sollte er sie betäuben? Falls letzteres in Kraft treten sollte, wo dann hin mit den Personen?<br>Die Zweifel nagten an John stärker als je zuvor. Er fühlte sich an eine Situation vor drei Jahren erinnert, in der er einen Agenten von Sektion 31 tötete, nur um seine Spur zu verwischen. Möglicherweise müsste er nun abermals zu solch drastischen Maßnahmen greifen und die Personen, die sich hier im Haus befanden, liquidieren. Anscheinend würde dies den Preis für die Freiheit und das Ende von Sektion 31 darstellen. Schweren Herzens entschloss sich der Captain für die endgültige Lösung. <br>Die alte Holztreppe knarrzte fürchterlich, als er nach oben ging, doch aufgrund des Lärms des Feiernden wurde er nicht gehört. Angespannt umklammerte er seinen Phaser und lugte in das Zimmer mit der Geräuschquelle hinein. Der Blick war kurz gewesen, doch deutlich hatte er drei Personen erkennen können, die an einem eckigen Tisch saßen und einen Bierkrug nach dem anderen leerten. Ein letztes Mal zögerte John, dann stürmte er mit gezückter Waffe in den Raum.<br>Und erschrak. Anstatt böse Gestalten mit Welteroberungsplänen vorzufinden, sah er drei junge Männer vor sich. Nein, Männer war das falsche Wort, vielmehr handelte es sich um Kinder. Zwar aus dem schulpflichtigen Alter heraus, aber noch nicht im Berufsleben angommen. <br>Studenten.<br>Verwirrt, so als sähen sie eine Traumgestalt vor sich, blickten die drei jungen Menschen den falschen Mönch an. Den Phaser in seiner Hand schienen sie kaum zu beachten, konnten ihn ja auch nicht zuordnen.<br>Dann erhob sich einer der Studenten.<br>„Hey! Ich kenne ihn!“<br>Seine Zunge war lallend, seine Aussprache undeutlich, dennoch hatte John jedes Wort verstanden. Man hatte ihn also erkannt! Doch in diesem Zustand war keiner der drei Männer eine Gefahr für ihn. Sollten diese Personen etwa der Ursprung der Illuminaten sein? John hatte seine gesamte Ermittlungen auf diesen Punkt konzentriert und nun schien er sich geirrt zu haben. Nicht die Gründerväter einer mysteriösen Organisation schienen verantwortlich für die Überfälle zu sein, sondern eine harmlose Gruppe von Studenten. Jugendliche, die sich sehr wohl um den rechtlichen Sonderstatus bewusst waren, den sie als Studierende besaßen. Denn zu jener Zeit unterstanden sie nicht der juristischen Gewalt der Städte oder Fürsten, sondern einzig und allein ihren Unis. Aufgrund dieser Rechtslage war es für diese Lernenden ein leichtes, sich daneben zu benehmen. Ein Fall, der im 12. Jahrhundert überaus häufig aufgetreten ist und den John nie bedacht hatte. Geschlagen senkte John die Waffe, steckte sie wieder ein und raunte:<br>„Greift niemals mehr jemanden an, sonst geschieht euch noch etwas!“<br>Der Student, der aufgestanden war, weitete überrascht die Augen, sagte jedoch nichts. Vermutlich war er so betrunken, dass er schon in wenigen Minuten nicht einmal mehr wissen würde, ob sich jemand in seinem Haus befunden hatte. Frustriert und kraftlos wankte Lewinski die Treppe runter, ließ die feiernde Gruppe allein. Die ganze Mission war gescheitert, der Anhaltspunkt fehlerhaft gewesen. Zu wenig Zeit stand für eine neuerlich Ermittlung zur Verfügung und schon bald würde das Shuttle ihn automatisch zurückholen.<br>Auf der Straße empfing ihn ein verwirrter Cicero.<br>„Da seid ihr ja wieder und es geht ihnen gut!“ rief er überrascht aus. „Wissen wir nun, wer die Angreifer sind?“<br>„Ja,“ murmelte John niedergeschlagen und wies den jungen Wirt an, alles der Polizei zu melden. Alles war umsonst gewesen und Jellicos Informationen falsch. Wieder einmal hatte ihn der alte Mann reingelegt.   <br><br>Abermals befand sie sich völlig allein im Labor. Alle anderen Mitarbeiter hatte Stella Tanner hinausgeschickt, um ganz allein mit ihrem Experiment zu sein. Mit ihrem Nathan. Mit fast schon ehrfürchtigen Schritten trat sie auf die gewaltige, glasige Kammer zu, in der sie ganz deutlich den Körper des ehemaligen Kopfes von Sektion 31 erkennen konnte. Inzwischen hatte der Klon sein Endstadium erreicht, er war vollkommen ausgewachsen und bereit, aus seinem Tiefschlaf zu erwachen. Zögerlich trat die menschliche Frau vor die Scheibe und betrachtete das Gesicht von Nathan Sloan. Es wirkte makellos, noch nicht von den Verunreinigungen und Anstrengungen des Lebens gezeichnet. Auf eine seltsame Art und Weise wirkte dieser Klon attraktiver als das Original. An sich kein Wunder, denn dieses Lebewesen hatte noch keine Sekunde gearbeitet oder sich abrackern müssen. Doch dieser Moment würde schon bald da sein.<br>Zärtlich hob Stella eine Hand und berührte die Glaskammer, an der Stelle, wo sein Gesicht war. Noch fühlte sich das Glas kalt an, doch schon in wenigen Minuten würde dieser gesamte Körper zum Leben erwecken. Was für ein großer Tag dies doch war! Stella musste sich alle Mühe geben, um bei diesen Zukunftsaussichten nicht zu zittern. Zu groß schievn die Verheißung des Sieges auf ihr zu lasten. Noch vor knapp zwei Jahren, als Edward Jellico sie in Emden auf der Erde hatte festnehmen können, hatte es nach der endgültigen Niederlage der alten Sektion 31 ausgesehen. Doch mit ihrer Flucht und spätestens nach dem Mord an seiner Familie hatte Tanner einen erbarmungslosen Krieg vom Zaun gerissen, der nun bald eine radikale Wendung nehmen würde. Mit Nathan Sloan an der Spitze würde die alte Ordnung mit Sicherheit wieder hergestellt werden.<br>Im Eingang zum Labor stand Jozarnay Woil und betrachtete die ganze Szene. Er traute sich nicht gänzlich einzutreten, sondern hielt sich im Hintergrund und gab seiner Liebsten diesen Moment der Intimität. Er fühlte keine Eifersucht oder dergleichen, sondern einfach nur Stolz. Stolz darauf, bei diesem Moment, der die Galaxie verändern würde, dabei zu sein. Ihr aller Schicksal würde sich bald ändern.<br>Und dann geschah es. Der Moment war so unfassbar, dass Stella zurückschreckte und überrascht auf die Klonkammer blickte: der Klon öffnete seine Augen und blickte sie an. Nathan Sloan erwachte zu neuerlichem Leben. Ganz schwach, aber erkennbar zeichnete sich die Erinnerung in seinem Blick ab. Ein Beweis dafür, dass auch die Erinnerungstransfers funktionierten. Der gesamte Quadrant würde sich verändern und im Angesichte dieser Erwartung zitterte Stella. Langsam öffnete der Klon seinen Mund, schien etwas sagen zu wollen, doch aufgrund der Lauge, in der sein gesamter Körper eingebettet war, konnte er nur etwas unverständliches brabbeln. Doch dieses Geräusch war Erfolg genug. Stella lächelte.<br>Ihre letzte Geste, bevor ihr Leben von mehreren Quantentorpedos ausgelöscht wurde, die die Dominionkloneinrichtung trafen und innerhalb von Sekunden zerstörten. Ihre Existenz, ihre Hoffnungen und Träume, zerstoben in einem einzigen Moment. Sie selbst bemerkte das Ende ihrer Existenz gar nicht, im Gegensatz zu Jozarnay Woil, der noch die Gelegenheit hatte zu beobachten, wie die Frau, die er liebte, verbrannte.  Alle an Bord starben augenblicklich, inklusive des gerade erst erwachten Klons. Die Rückkehr Nathan Sloans war kurz gewesen, sein Leben kam einem einzigen Wimpernschlag gleich.<br>Abgefeuert waren die Waffen von einem klingonischem Bird of Prey geworden, der sich nach dem Angriff augenblicklich wieder tarnte und Kurs in Richtung Heimat setzte. Auf der Brücke des Schiffes befanden sich keine Klingonen, sondern Agenten der Sektion 31 und inmitten von ihnen der Kommandant: Edward Jellico.<br>Dieser nickte zufrieden. Endlich hatte er Rache nehmen können für den Mord an seiner Frau und seinem Sohn. Zwar war es ihm nicht möglich gewesen Stella mit eigenen Händen einen langsamen, qualvollen Tod zu bereiten, wie er es ursprünglich geplant hatte, doch nun hatte er auch so sein Ziel erreicht. Man musste Prioritäten im Leben setzen.<br>Schon im nächsten Moment wurde der Gefangene von zwei Wachen auf die Brücke geschleift und Jellico vor die Füße geworfen. Sofort verlagerte der ehemalige Admiral seine Konzentration von der Erlangung des Sieges auf den nächsten Punkt. Mit grimmiger Befriedigung betrachtete er den Antosianer.<br>„Mr. Woil,“ begrüßte er ihn süffisant, „schön, dass wir den Beamvorgang rechtzeitig einleiten konnten.“<br>In diesem Moment wurde Jozarnay die bittere Wahrheit bewusst. Seine Frau, Stella Tanner, war tot. Edward Jellio hatte sie also endgültig getötet. An ihrem Ende konnte kein Zweifel bestehen, direkt vor seinen Augen war sie in einem Feuerball verendet. Die Liebe, die er so sehr vermisst und schließlich gefunden hatte, war wieder fort. Kraftlos versuchte er Jellico anzugreifen, doch er schaffte es nicht. Nicht nur die Wachen behinderten ihn, sondern auch seine Kraftlosigkeit, die vom Verlust herrührte.<br>„Wie… haben sie uns… gefunden?“ fragte der ehemalige Chefingenieur atemlos.<br>Auf diese Erklärung freute sich der Verschwörer am meisten, denn sie würde Woil nur noch mehr die Tragweite seines Versagens bewusst machen.<br>„Sie hätten mich damals töten soll, als sie die Gelegenheit dazu hatten. Auf der Erde gab es für sie den perfekten Moment und haben es dennoch nicht hinter sich bringen können. Dachten sie etwa, ich würde sie laufen lassen?“ Die Frage Jellicos schien eher rhetorischer Natur zu sein. „Ich habe an ihnen bzw. ihrem Raumschiff einen Sender platziert, ohne dass sie es gemerkt haben. So haben sie mich direkt zu Stella und ihrem Versteck geführt. Einige Monate lang ließ ich sie in Sicherheit wiegen und wartete den perfekten Moment ab. Und welcher Augenblick war besser als kurz vor ihrem Triumph?“<br>Zynisch grinste Edward und bedeutete den Wachen mit einer einfachen Handbewegung den Gefangenen wegzubringen. Er hatte ein gefährliches Spiel heute gespielt und in allen Punkten gewonnen. Nun war der Weg endgültig frei für ihn. Nun hieß es schnell zur Erde zurückzukehren, denn Edward hatte noch einen wichtigen Termin vor sich. Immerhin sollte man den Präsidenten der Föderation nicht warten lassen; ganz besonders nicht, wenn dieser einen zum neuen Justizminister ernennen wollte.<br>Und was Woil anging: für ihn hatte er noch ganz besondere Pläne!	<br><br>Natürlich verbreitete sich die Nachricht vom Abzug der Romulaner nur sehr langsam auf dem Planeten und in ihrer Überschwenglichkeit waren die Talarianer vermutlich etwas zu voreilig. Immerhin würde es noch Wochen dauern, bis der letzte romulanische Soldat die verwüstete Welt Talar verlassen hatte. Doch wer konnte ihnen diese Empfindungen verdenken. Ein Jahr lang hatten sie am Existenzminimum gelebt, inmitten von Ruinen gehaust und versucht den Widrigkeiten des nuklearen Winters entgegen zu treten. An einen Sieg über die verhassten Besatzer hatten, trotz der zahlreichen Übergriffe des Widerstands, nur noch wenige geglaubt. <br>Doch auf einmal war dieser Tag gekommen. In allen Kasernen begannen die Romulaner mit dem Abberufen von Posten, dem Verpacken von Ausrüstung und Transportflügen in den Orbit. Scheinbar wollten sie so schnell wie möglich diese Welt verlassen, die sie fast in einen weiteren Krieg gestürzt hatte. Die Straßen, einst voll von romulanischen Patrouillen, waren plötzlich ausgestorben. Es dauerte seine Zeit, bis sich talarianische Zivilisten wieder hervortrauten und eine veränderte Situation bemerkten. Plötzlich schienen sie wieder Herr über ihr eigenes Schicksal zu sein, Schmiede ihres eigenen Glückes.<br>Eigentlich wäre dies die letzte Aktion vor dem Abzug gewesen, doch die Besatzer wollten die Angelegenheit so schnell wie möglich hinter sich bringen und holten eiligst die Flagge des Romulanischen Sternenreichs nieder, die seit über einem Jahr auf den Trümmern des talarianischen Oberkommandos wehte. Von hier aus, dem ehemaligen Zentrum des talarianischen Volkes, hatten die Besatzer regiert. Nun würde von hier aus eine neue Zukunft für das einst so stolze Volk beginnen. Noch gab es keine neuerliche Regierung und möglicherweise standen dem Planeten weitere, ernsthafte Probleme bevor. Die Ernten fielen aus, immer noch herrschte eine miserable Gesundheitsversorgung und ein Bürgerkrieg wäre nur die logische Konsequenz des Machtvakuums. <br>Doch eines würde gewiss sein: egal wie die Zukunft auch aussah, die Talarianer würden zumindest wieder frei sein. <br><br>Niedergeschlagenheit und Frustration, dies waren am ehesten die Beschreibungen, die John Lewinskis Gefühlswelt beschrieben. Alles, was er in den letzten Stunden riskiert und versucht hatte, es war umsonst gewesen. Zu Beginn seiner Zeitreise hatte er gehofft Sektion 31 noch vor ihrer Entstehung zerstören zu können. So viele Indizien hatten auf einen Zusammenhang zwischen den Mythen rund um die Illuminaten und Sektion 31 hingewiesen. Doch all diese Theorien hatten sich am Ende als falsch herausgestellt. Oder sie trafen zwar zu, doch John hatte an der falschen Stelle gesucht. Wie auch immer, er hatte sich selbst geschworen nur einen einzigen Versuch zu wagen und diesen hatte er verpatzt. Weitere Zeitreisen, die ohnehin nicht vom Sternenflottenoberkommando abgesegnet worden waren, würden nur zu weiteren möglichen Fehlern führen. Ob John die Zeitlinie durch sein Auftauchen verändert hatte, wusste er noch nicht. Zumindest hatte er alle Anstrengungen unternommen, um dieses zu verhindern. <br>Nachdem er aus dem Haus der angetrunkene Studenten gekommen war, war John zu Ciceros Haus zurückgekehrt. Dort hatte er sich von dem jungen Wirt verabschiedet, ihm alles Gute für die Zukunft gewünscht und hatte ihn verlassen. Zu schade, dass er niemals erfahren würde, was aus dem Mann geworden ist. Über eine einzelne Person aus dem Mittelalter würde es ganz bestimmt keinerlei Aufzeichnungen in den Datenbanken geben. Selbstverständlich war Cicero mehr als überrascht über das so plötzliche Aufbrechen seines Gastes gewesen, doch er hatte seine wagen Erklärungen akzeptiert. In seiner Zeit waren Mönche egozentrische, einzelgängerische Menschen, die ihren Weg gingen und genauso wollte Bruder Tuck in Erinnerung behalten werden. John hatte sich in eine dunkle Seitengasse begeben, ganz entschieden darauf geachtet von niemanden beobachtet zu werden und im Anschluss war der Rückholmechanismus des Shuttles in Kraft getreten. Binnen weniger Sekunden befand sich Lewinski wieder an Bord und er konnte sich wieder auf den Rückweg in das 24. Jahrhundert machen. Die Rückreise war nicht minder anstrengend wie der Hinweg, doch John war sich sicher die Strapazen noch einmal überstehen zu können. Viel schlimmer als der Schmerz der Zeitreise lastete die Pein des Versagens auf ihm.<br><br>Noch ganz unter den Eindrücken dieses Tages stehend, hatten sich Arena und Ardev, das einzige Ehepaar des Raumschiffs, an einen ruhigeren Ort zurückgezogen. Beide schauten aus einem Fenster auf die Sterne hinaus, bewunderten das Panorama und die friedliche Ruhe, die von den Jahrtausende, wenn nicht gar Millionen Jahre alten Lichtern ausging. Was mochten diese Welten erlebt haben, was waren ihre Geschichten? Diese Frage schoss den beiden unwillkürlich bei diesem Anblick durch den Kopf. Nach der ganzen Hektik war es schön, wieder etwas Stille genießen zu können. Außer ihnen war niemand in diesem Raum und außer ihrem gleichmäßigen Atem waren nur die normalen Umgebungsgeräusche des Schiffes zu hören.<br>„Ich bin froh, dass es nicht so weit gekommen ist,“ meinte Lieutenant Ardev schließlich.<br>Der Andorianer brauchte nichts weiteres zu sagen. Auch so verstand seine Frau nur zu gut, worauf er hinauswollte. So nah an der Schwelle eines neuen Krieges hatten sie seit Jahren nicht mehr gestanden und dieses Mal wäre es fast zum Unvorstellbaren gekommen. Nicht auszudenken, was ein Konflikt in einer solchen Größenordnung mit der Galaxis angerichtet hätte. Und was wohl aus ihrer beider Leben geworden wäre, konnte man erst recht nicht mit Deutlichkeit sagen. Möglicherweise wären sie nun schon nicht mehr am Leben oder sogar noch schlimmeres. Es war eine Gnade des Schicksals, dass ihnen eine solche Zukunft erspart geblieben ist. <br>Schließlich ergriff Arena Tellom noch einmal das Wort.<br>„Da ist es noch etwas,“ meinte sie mysteriös und kramte in einer Tasche ihrer Uniform. Sie brauchte etwas, um den scheinbar kleinen Gegenstand zu finden, dann holte sie das kleine, glänzende Objekt hervor. Mit einer zärtlichen Geste ergriff sie die Hand ihres Mannes, drückte ihm das kleine Ding in seine blaue Pranke und verdutzt blickte Ardev auf das kleine Geschenk. Es handelte sich um einen goldenen Rangpin.<br>Es dauerte einig Zeit, bis er begriff, was es mit dieser Sache auf sich hatte und Arena lächelte.<br>„Du solltest einmal dein Gesicht sehen,“ feixte sie und spielte damit auf seinen verwirrten Gesichtsausdruck an. „Der Captain wird es noch offiziell machen… wenn er denn mal Zeit hat. Jedoch war er der Ansicht, dass du jetzt schon zu deinen Ehren kommen solltest, gewissermaßen als Vorgeschmack. Herzlichen Glückwunsch, Lieutenant Senior Grade!“<br>Nun endlich begriff der Andorianer und wusste nicht, was er sagen sollte. Seit seiner letzten Beförderung waren tatsächlich schon fünf Jahre vergangen und nun hatte er eine weitere Sprosse in der Karriereleiter erklommen. Was für ein schöner Moment.<br>„Damit stehe ich mal wieder über dir!“ entgegnete Ardev und lächelte.<br>„Gewöhn dich besser nicht daran!“ war die kecke Erwiderung seiner Frau. „Ich werde noch vor dir ein Schiff kommandieren, du wirst schon noch sehen!“<br>Lachend legte Ardev seinen Arm um die Schultern der Terellianerin und genoss diesen Moment. Ein toller Tag. Für sie alle!<br><br>Geschafft und ermattet von diesem harten Tag schlenderten die beiden wichtigsten Männer an Bord der Monitor durch die Gänge zu ihren Quartieren. Captain Lewinski und Commander Price legten dabei kein besonderes Tempo an den Tag, ließen sich stattdessen viel Zeit. Der Halbbetazoid deshalb, weil er müde war und der Kanadier aufgrund seiner Niedergeschlagenheit. Vor kurzem war er von seiner Zeitreise wiedergekommen und hatte von den Ereignissen in der Zwischenzeit erfahren. Die Nachrichten hatten ihn erfreut, konnten jedoch seine Enttäuschung über die gesamte Zeitreisemission nicht verbergen.<br>„Wie wird es nun weitergehen?“ fragte Matthew und gähnte.<br>„Die Föderation hat angeboten,“ erklärte John und quetschte sich durch eines der kleinen Schotts des Schiffes, „Friedenstruppen auf Talar zu stationieren, um ein Chaos nach dem Abzug der Romulaner zu verhindern. Aber wie ich den Stolz der Talarianer kenne, werden sie es ablehnen.“<br>„Nach einem Jahr der Fremdherrschaft wäre dies nur verständlich.“<br>Zustimmend brummte Lewinski. Natürlich wären diese beiden Fälle nicht miteinander vergleichbar gewesen, er wusste jedoch ganz genau, worauf der erste Offizier hinauswollte.<br>„Es wird alles auf einen Bürgerkrieg hinauslaufen,“ resümierte der Kommandant nachdenklich.<br>„Vielleicht überrascht uns ja dieses Volk.“<br>„Die Geschichte ist unausweichlich,“ murmelte Captain Lewinski scheinbar mehr zu sich selbst denn zu seinem Stellvertreter. Dieser schwieg für einen kurzem Moment, überlegte, ob er dieses Thema ansprechen sollte und entschied sich schließlich dafür. Nicht nur aus Interesse ihres Kampfes wegen, sondern auch weil er sich um den Captain Sorgen machte.<br>„Wie ist ihre Zeitreise verlaufen? Haben sie etwas bewirkt?“<br>Nachdenklich blickte Lewinski gen Decke und tat etwas, was zu der derzeitigen Situation nicht zu passen schien: er lächelte.<br>„Die Zukunft scheint sich nicht verändert zu haben. Es ist alles noch so wie vor meiner Abreise. Ich habe die Datenbanken des Schiffes überprüft und nach Veränderungen gesucht, aber keine gefunden. Meine Zeitreise war unnütz. Jellico muss sich geirrt haben.“<br>Dies waren Johns letzte Worte gewesen, bevor sie bei seinem Quartier ankamen und er darin verschwand. <br>Kurz dachte der Kommandant noch über die Ereignisse der letzten Stunde nach. Und schon im nächsten Moment lief es ihm siedend heiß den Rücken runter. Fast schon panisch kontrollierte er die Ausrüstung, die er bei seinem Ausflug durch die Zeit dabei gehabt hatte. Ein Tricorder, ein Phaser… und sonst nichts. Da fehlte etwas! Entnervt ließ sich John auf den Stuhl in seinem Quartier fallen. Dies durfte doch einfach nicht wahr sein! Das Padd fehlte. Vermutlich hatte er es in der Vergangenheit vergessen. Nur zu gut konnte er sich vorstellen, wann dies geschehen war. Möglicherweise als Cicero ihn in seine Wohnung gebracht hatte.<br>Matt ging ebenfalls in seinen Privatraum, der sich gleich daneben befand und begann seine Uniformjacke abzulegen. Das Bett wirkte so einladend und gemütlich; am liebsten hätte er sich gleich darauf gelegt. John hatte zu viel Vertrauen in den jungen Mann gewonnen, als dass er glaubte, der Wirt hätte ihn bestohlen. Dennoch hatte er das kleine Padd mit den Aufzeichnungen seiner Mission verloren.<br>War jedoch ein Schaden entstanden? Selbst wenn jemand das Gerät fände, so könnte es niemand bedienen, geschweige denn die Sprache verstehen. Immerhin konnte niemand im 12. Jahrhundert auf der Erde Englisch, zumindest nicht in Italien. Seine Gleichgültigkeit war fast schon fahrlässig, doch John war es egal. Die Sache behielt er am besten für sich und erzählte niemanden davon. Hätte dieser Verlust irgendetwas in der Zeit verändert, so hätte er es sicher schon längst bemerkt. Einmal mehr fragte sich Captain Lewinski, was aus ihm geworden war. Erst lieferte er geheime Dokumente an die Presse aus, dann kümmerte ihn nicht mehr ein Verlust von Material in der Vergangenheit. Was hatte dieser Beruf nur aus ihm gemacht?<br>Jemand hatte etwas dagegen, dass der Halbbetazoid zu seinem Ruhebedürfnis kam, denn seine Türklingel schellte. Kurzzeitig überlegte Matt Price, ob es sich überhaupt lohnte zu öffnen. Möglicherweise war es jedoch Elisabeth und wollte etwas Zeit mit ihm verbringen und so erteilte er dem Computer dem Befehl zum Öffnen. Schon im nächsten Moment wendete sich jedoch die Situation. Matthew verlor augenblicklich seine Müdigkeit, als er Selina Kyle vor seinem Quartier erkannte. Und noch viel unglaublicher war das kleine Wesen, welches sie auf ihrem Arm trug.<br>Seine Tochter. Endlich.<br>„Unsere beiden Schiffe,“ erklärte seine Imzadi und lächelte unglaublicherweise, „sind noch für einige Zeit in dem Gebiet, um den Abzug der Romulaner zu überwachen und da dachte ich… deine Tochter braucht dich.“<br>Diese Erkenntnis war wichtiger als alles andere. Gerührt, fast unter Tränen, bat er seine ehemalige Verlobte in das Quartier und nahm zum aller ersten Mal seit einem Jahr seine Tochter Yasmin wieder in die Arme. Sie wirkte noch zierlicher als auf den Bildern. Zerbrechlicher und noch weitaus schöner als in seinen kühnsten Träumen. Mit ihren großen Augen musterte sie irritiert den Mann, der sie auf dem Arm und trug und Matt konnte sein Glück gar nicht fassen. Dies war wahrlich der schönste Moment dieses langen Jahres. <br><br>In der Vergangenheit, genauer gesagt im 12. Jahrhundert n. Chr., wanderte Cicero unruhig durch seine inzwischen leere Schänke. Die Ereignisse der letzten beiden Tage waren äußerst verwirrend für ihn. Erst tauchte ein Mönch wie aus dem Nichts aus, war auf der Suche nach einem Laurentis. Dann wird dieser niedergeknüppelt, er nimmt ihn bei sich auf und gemeinsam machen sie beide sich auf die Suche. Wonach sie beide eigentlich gesucht hatten, dies wusste Cicero bis heute nicht. Nachdem sie das Haus der jugendlichen Studenten betreten hatten, war der Mönch ebenso plötzlich wieder verschwunden, wie er gekommen war. Wohin, darüber konnte der Wirt nur spekulieren. Hatte Tuck etwa gefunden, wonach er gesucht hatte oder war er gescheitert? Möglicherweise war tatsächlich letzteres eingetreten und das Versagen hatte so schwer auf ihm gelastet, dass der Mönch so schnell wie möglich Rom wieder hatte verlassen wollen. Ob Cicero ihn jemals wieder sehen würde, dies war mehr als ungewiss.<br>Was den jungen Wirt jedoch am meisten verwunderte, war der Gegenstand, den er bei dem Mönch gefunden hatte, nachdem er ihn im bewusstlosen Zustand bei sich aufgenommen hatte. Ein leuchtendes, rechteckiges Objekt in silbriger Farbe und dennoch bemerkenswert leicht. Lateinische Buchstaben waren darauf abgebildet, jedoch in einer Sprache, die selbst dem gebildeten Cicero unbekannt waren. Die Scheibe, oder was auch immer es war, war während der Behandlung der Verletzungen des Mannes aus dessen Robe gefallen und Cicero hatte die feste Absicht gehabt, ihm es wiederzugeben, aber im Eifer der Sache war es ihm entfallen. Nun war der Mönch weg und die Scheibe noch da. Ob es sich um neuartige Seite aus einem Buch handelte? Möglicherweise der Auszug aus einer fremdländischen Bibel oder ähnlichem. Lange Zeit hielt Cicero das Ding nur in den Händen, drehte und wendete es, ohne etwas damit anfangen zu können.<br>Die seltsamste und unbestimmteste Kraft des Universums war jedoch der Zufall, welcher sich nicht kontrollieren oder vorhersagen ließ. Niemand, nicht einmal Captain Lewinski, hätte auch nur erahnen können, dass Cicero aus Versehen auf dem gefundenen Padd ein paar Tasten betätigte und eine vom Kommandanten der Monitor programmierte Übersetzung ins Leben rief. Eigentlich hatte er dieses Programm aufgeladen, um Schriften aus dem alten Rom übersetzen zu können. Doch nun übersetzte es den englischen Text ins lateinische. Verwirrt beobachtet Cicero, wie sich die Buchstaben auf der „Seite“ neu anordneten und nun einen Sinn ergaben. Handelte es sich hier um einen Wink des Allmächtigen? Immerhin hielt er hier den Gegenstand eines Mönches in den Händen, einem Diener Gottes. Plötzlich war alles lesbar, alle Informationen, alle Seiten. Alle Aufzeichnungen, die Edward Jellico dem Captain zur Verfügung gestellt hatte, waren nun für den jungen Mann einsehbar. Normalerweise wäre dies im Mittelalter egal gewesen. Zwar ein Bruch der Zeitlinie, jedoch keine Katastrophe. Doch John Lewinski hatte vergessen, dass Cicero des Lebens und des Schreibens mächtig war und so öffnete sich ihm ein völlig neuartiger Zugang zur Geschichte. Insbesondere der, die noch nicht geschrieben war.<br>Gebannt las er von dem aufstrebenden Orden, der das Ziel hatte allen Menschen zu helfen. Detailliert war beschrieben, wie alles begann und sich diese stetig wachsende Gruppe von Menschen über die Jahrhunderte hielt, bis weit in eine unvorstellbare Zukunft. Alles, was er las, klang so fantastisch, dass Cicero es für eine schlechte Geschichte hielt. Doch Cicero packte auch der Ehrgeiz. Wäre dies, was er auf der Wunderseite las, nicht möglich? War es vielleicht nicht sogar Vorsehung, dass gerade er diese Botschaft von einem Diener Gottes erhalten hatte, welcher sich scheinbar wieder in Luft aufgelöst hatte? Welcher Ort als das heilige Rom wäre besser geeignet gewesen diese Botschaft an ihn weiterzugeben!<br>Und nachdem er einige Tage darüber nachgedacht hatte, traf Cicero seine Entscheidung. Er war ein intelligenter und gebildeter Mann, der möglicherweise aus gutem Grund für diese heilige Aufgabe ausgewählt worden war; mit dem Ziel, allen Menschen zu helfen.<br>Von diesem Tage an beschloss Cicero nach einem neuen Kodex zu leben und versuchen die Taten zu vollbringen, die in dieser gesegneten Botschaft beschrieben worden waren. Natürlich konnte er nicht alles erreichen, jedoch wäre es ihm möglich den ersten Grundstein zur Bildung einer solch humanistischen Gruppe zu legen. Seine Schänke wäre der ideale Ort, um in geselliger Atmosphäre die richtigen Menschen zu sammeln und in eine Gilde mit dem Namen Illuminati einzubinden.<br>Am Ende beschloss Cicero die letzte Konsequenz aus der heiligen Schrift zu ziehen und begann mit seiner neuen Aufgabe. Und um noch mehr auf den Spuren des Herrn zu wandeln, beschloss er sich vom heutigen Tage an Laurentis zu nennen.<br>Laurentis. Der Mann, der in der Zukunft der Menschheit das Heil bringen sollte.<br><br><center>Ende<br>Ende Season 6<br> <br><br>VON OMEGA BIS ALPHA<br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR<br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT</center><br>]]></description><guid isPermaLink="false">5632</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 6x14: Damoklesschwert</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-6x14-damoklesschwert-r5587/</link><description><![CDATA[<p align="center"><a href="http://downloads.scifinews.de/file_42350.html"><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x14.jpg" border="0"></a></p><p>„Die Fähigkeiten einer Zivilisation zeigen sich nicht in der Art, wie sie Krieg führt, sondern darin, wie sie ihn verhindert.“ - <font>Gene Roddenberry</font></p><p align="center"><i><u><b>Was bisher geschah...</b></u></i></p><p><i>Nachdem die Zahlen auf der Anzeige gänzlich zurückgelaufen waren geschah es. Innerhalb von nur weniger Millisekunden aktivierte das kleine Gerät sein volles Leistungspotential. Eine Leitung nach der anderen wurde mit Energie geflutet und die Temperatur im Inneren stieg um ein Vielfaches an. Eine erste kleinere Detonation setzte nur noch mehr Energie frei, die in einer zweiten, gewaltigeren Explosion kanalisierte. Die ersten Opfer, die direkt neben der Bombe standen, starben sofort, verdampften angesichts der ungeheuren Hitze. Viele andere starben einen weitaus qualvolleren Tod, als sie bei lebendigem Leib verbrannten. Wiederum andere wurden durch die gewaltige Druckwelle hinfort geschleudert und starben an inneren Verletzungen, oder wurden durch herabfallende Trümmerteile begraben. Das Gebäude, in dem die Bombe gezündet wurde, begann an der Westseite zusammenzustürzen und tötete so noch einmal Dutzende von Lebewesen. Sie schrieen und rannten panisch umher, doch einige wenige Unglückliche schafften es nicht sich in Sicherheit zu bringen. Und dann, nachdem der Detonationsknall verhallt war, herrschte für einen kurzen Moment eine gespenstische Ruhe. So als müssten alle erst begreifen, was eben geschehen war, schwiegen für einen winzigen Augenblick alle, bis in einem großen Tornado des Lärms alle Geräusche der Umwelt über einem zusammenbrachen. Alarmsirenen der anrückenden Helfer, Schreie der Verletzen, panische Anwohner, herabfallendes Geröll, all das war zu vernehmen, nach dem ein Teil des romulanischen Senats explodiert war und so eine unheilvolle Ereigniskette in Gang setzte...</i></p><p><i>... „Vielen Dank, dass sie sich alle so schnell hier eingefunden haben“, begrüßte Captain Lewinski seinen Führungsstab und blickte mit möglichst neutralem Gesichtsausdruck in die Reihen seiner Offiziere, als er erklärte: „Es ist heute zu einer grausigen Tragödie gekommen. Offenbar hat ein Anschlag auf den romulanischen Senat stattgefunden.“<br>Überrascht und entsetzt blickten sich die Crewmitglieder gegenseitig an und wandten dann wieder den Fokus ihrer Aufmerksamkeit ihrem Captain zu.<br>„Es handelte sich um ein Sprengstoffattentat. Wir wissen nicht, wer dafür verantwortlich ist und wo genau die Bombe detonierte, doch es hat Todesopfer gegeben, darunter romulanische Politiker. Da wir nicht die Urheber dieses Attentats kennen hat die Multiplanetare Allianz die Anweisung gegeben, dass jedes Mitgliedsvolk seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzen soll, falls uns ein Angriff bevorsteht. Daher sind sie alle wieder auf die Monitor zurückbeordert worden.“</i></p><p><i>... „Verehrte Abgeordnete und Botschafter, “ begann die Romulanerin ihre Rede mit schwerer, melancholischer Stimme, „einige Wochen ist es her seit das Romulanische Imperium durch ein schreckliches Ereignis aufgerüttelt worden war. Viele kostbare Leben sind verloren gegangen, darunter Spitzen der romulanischen Politik. Das romulanische Volk möchte sich an dieser Stelle noch einmal für die viele großzügigen Hilfsangebote der anderen Regierungen bedanken. Auch wenn wir diese Angebote ausgeschlagen haben, so wird diese Geste niemals von uns vergessen werden. Dies ist genau die Art von Zusammenarbeit und Miteinander, die wir mit der Gründung der Multiplanetaren Allianz angestrebt haben. Der Grund für meine heutige Anwesenheit dürfte inzwischen jeder von ihnen mitbekommen haben. Wie angekündigt werde ich ihnen endlich die Drahtzieher dieses schrecklichen Terrorangriffs nennen und hoffentlich gemeinsam mit ihrer Hilfe werden wir Gerechtigkeit walten lassen.<br>Bitte richten sie ihre Aufmerksamkeit auf den Videoschirm über mir. In mühevoller Kleinarbeit haben unzählige Mitarbeiter des Tal Shiar die einzelnen Fragmente der benutzten Bombe gesammelt und analysiert. Wie sie deutlich anhand der Markierungen sehen können bestand die Außenhülle der Bombe aus einer speziellen Legierung, die man auf dem Planeten Remus findet. Unsere Analytiker gaben sich jedoch nicht mit dieser offensichtlichen Antwort zufrieden. Zu simpel erschien ihnen die Lösung, dass Remaner für diesen Angriff verantwortlich gewesen sind. Diese Voraussicht sollte sich als weise herausstellen. Die Experten des Geheimdienstes haben tiefgehende Untersuchungen der Bombenstruktur durchgeführt und dabei ein besonderes Augenmerk auf mögliche DNA-Reste gelegt, die möglicherweise zu den wahren Tätern führen könnten. Tatsächlich war diese Suche nach Erfolg gekrönt: nach mehrfachen Widerholungen der Untersuchungen kann für uns feststehen, dass Talarianer die Bombe konstruiert haben. Bitte, bitte lassen sie wieder Ruhe einkehren, damit ich ihnen mehr erklären kann... danke. Ich kann mir gut vorstellen, wie es sich für sie anhört, doch die DNA lügt nicht. In winzigen Ritzen und Rillen der Bombe, an Stellen, die man mit der Hand bearbeitet hat, haben wir talarianische Genrückstände gefunden. Ebenso haben wir winzige Spuren von Erdungen auf der Bombe entdeckt, die von Talar, der Hauptwelt der Talarianischen Union, stammen. Die Attentäter hatten wohl gehofft, dass die gewaltige Explosion diese Rückstände verdampfen lassen würde. Leider, oder glücklicherweise, wie ich aus romulanischer Sicht sagen muss, haben sich die Erbauer geirrt. <br>Genauso so wie sie jetzt, verehrte Abgeordnete, waren wir verwirrt. Was für einen Grund hätten die Talarianer gehabt uns anzugreifen? Trotz unserer kleinen gemeinsamen Grenze hat es so gut wie nie in unserer Geschichte Streitigkeiten gegeben, ganz im Gegenteil, die Zahl der Kontakte war eher rar. Und je länger wir über diese Frage nachdachten, desto mehr rückte die Lösung in weite Ferne. Wir müssen uns einfach der Natur der Talarianer stellen. Es ist ein höchst kriegerisches, aggressives Volk. Ich muss den Föderationsbotschafter nicht an das Leid seiner eigenen Regierung erinnern, als die Talarianer vor knapp 20 Jahren das Galen-System angriffen und die dortigen Siedler erbarmungslos abschlachteten. Damals sagten die Talarianer die Siedler hätten einen ihrer Planeten unrechtmäßig besiedelt. Doch wie realistisch war diese Aussage? Wollten die Talarianer vielleicht einfach nur ihren aggressiven Trieb befriedigen? Liegt es möglicherweise in ihrer Natur andere zu schädigen? Damals hat dies niemand von uns geglaubt, doch wie sieht es heute für uns aus, nachdem wir wissen, wer dieses schreckliche Attentat auf das Herz des romulanischen Volkes durchgeführt hat? Wir Romulaner haben die Talarianische Union immer in Frieden gelassen, uns nie in die internen Angelegenheiten dieses Volkes eingemischt und wie wird es uns gedankt? Mit Mord und Zerstörung. Werfen sie nur einen Blick auf die Sternenkarte, die hinter mir auf den Schirm projiziert wird. Unsere Aufklärer haben eine massive Präsenz talarianischer Kriegsschiffe an der Grenze ausgemacht. Erwarten sie etwa, dass wir die Wahrheit herausgefunden haben? <br>Doch gleichzeitig haben wir auch die Chance ein Zeichen zu setzen, meine Damen und Herren. Hier bietet sich die Gelegenheit, dass der interstellare Völkerbund sich gemeinsam erhebt und eine Linie zieht, die nicht mehr überquert werden kann. Lassen sie uns alle zusammen den Talarianern die Botschaft zukommen, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Wir sind nicht mehr bereit, uns von ihnen töten und terrorisieren zu lassen. Das romulanische Volk, und ich glaube ich spreche hier für jeden von ihnen, möchte doch nur in Frieden leben. Lassen sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass eine solche Tat nie wieder geschehen kann.“</i></p><p><i>... „Was ist geschehen, John?“<br>Kurz räusperte sich der Kommandant der Monitor, dann erklärte er:<br>„Es ist noch nicht publik gemacht worden, aber der romulanische Prätor ist tot.“</i></p><p><i>... Doch so stand der Invasion nichts im Wege. Hunderte von Warbirds, die tagelang auf der Lauer gelegen und den richtigen Moment abgewartet hatten, enttarnten sich gleichzeitig im Orbit von Talar. Ihre Aufteilung war vorzüglich: eine Gruppe zerstörte die wenigen noch verbliebenen Schiffe, die einen Schutzwall um den Planeten gebildet hatte, eine andere attackierte die Raumstationen und die dritte griff die orbitalen Verteidigungsplattformen an.<br>Wie schon während des gesamten Krieges zuvor waren die Talarianer in jeglicher Hinsicht unterlegen. Verzweifelt feuerten sie ihre rückständigen Waffen ab, die zumeist wirkungslos an den Schilden der romulanischen Schiffe explodierten. Ein Kriegsschiff der Talarianer nach dem anderen wurde von der romulanischen Marine auseinander genommen und ihr Hass kannte kein Erbarmen. Die einzelnen Kommandanten der romulanischen Streitkräfte befahlen gar auf die Schutzkapseln zu feuern, die die wenigen überlebenden Talarianer beherbergten. In ihrer Verzweiflung gingen die talarianischen Matrosen sogar so weit mit ihren Schiffen die Warbirds zu rammen, um so zumindest einige Feinde mit in den Tod zu reißen. Niemand von ihnen wollte sterben und keiner hatte Interesse an einem Ruf als Märtyrer, doch sie wussten sich nicht mehr anders zu helfen. Über dreißig romulanische Schiffe wurden in diesem Gefecht, welches über zwölf Stunden dauerte, zerstört, doch dies war nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Immer noch blieben Hunderte von weiteren Schiffen, die sich nun in eine bessere Angriffsposition brachten. Jeglicher Widerstand war gebrochen worden und die wenigen Schiffe, die noch übrig waren, versuchten schleunigst das System zu verlassen und so noch einige weitere Personen das Leben zu retten.<br>Dann jedoch begann das wahre Grauen. Nachdem die Romulaner sich in Position gebracht hatten begannen sie mit dem schlimmsten Bombardement eines Planeten seit über einhundert Jahren. Mit ihren mächtigen Strahlenkanonen und Quantentorpedos feuerten sie auf die Oberfläche. Jeder einzelne Torpedo hatte die mehrfache Sprengkraft einer Hiroshima-Atombombe und verwüstet ganze Landstriche und Städte im Nu. Unzählige Massen an Staub wurden aufgewirbelt, die in den folgenden Jahren einen nuklearen Winter verursachen und das Überleben auf diesem Planeten in naher Zukunft zu einer Zerreißprobe machen würden. Systematisch wurden erst militärische Anlagen zerstört, eine nach dem anderen, im Anschluss folgten die gewaltigen Städte. Die Talarianer hatten jedoch aus den vorigen Niederlagen hinzugelernt und hatten ihre wichtigsten Würdenträger und Strategen in gewaltige Bunker gebracht, die nicht von den Waffen erreicht werden konnten. Für die Zivilbevölkerung war jedoch nicht genug Platz. Wie auch? Der gesamte Planet konnte nicht in das unterirdische System evakuiert werden und so verbrannten Männer, Frauen und Kinder beim lebendigem Leib. Drei Tage dauerte das ununterbrochene Bombardement, welches von heftigen Protesten anderer Regierungen begleitet wurde, doch die Romulaner störten sich nicht daran. Sie hatten es tatsächlich geschafft die einst so viel gerühmte Multiplanetare Allianz politisch außer Gefecht zu setzen.<br>Dann endlich wurde der Völkermord eingestellt und die nächste Phase der Invasion wurde eingeleitet. Gewaltige Landungsschiffe begannen mit dem Anflug auf Talar und zu ihrer Überraschung mussten sie feststellen, dass die Talarianer noch einige Abwehrgeschütze vor dem Bombardement versteckt hatten. Ihnen gelang es einige wenige Schiffe abzuschießen, dann zerstörte die romulanische Marine auch diese Stellungen. Die Invasionstruppen landeten und die Infanteristen verließen zu Tausenden die Landungsboote. Sie bereiteten sich darauf vor eine Welt zu erobern, die schon geschlagen war. Die Städte waren zu Ruinenlandschaften geworden, die einst grünen Felder waren Wüsten gewichen. Und doch war kein einziger Talarianer bereit zu kapitulieren. Man hatte sie gedemütigt, getötet, zerfetzt und besiegt, doch sie hatten kein Interesse daran ihre Ehre zu verlieren. Also lauerten sie den Invasoren in den Ruinen auf und verwickelten sie in tagelange Gefechte. Nur hier unten, im Bodenkampf Mann gegen Mann, konnten die Talarianer ihre technologische Unterlegenheit durch das Wissen um das Gelände ausgleichen. Es war das erste Mal in diesem Krieg, dass die Romulaner schwere Verluste erlitten. Dann endlich brachten sie ihr schweres Kriegsgerät auf den Planeten und ihr Vormarsch wurde fortgesetzt. Eine Stadt nach der anderen wurde eingenommen und irgendwann war es geschehen, dass auf den Ruinen des talarianischen Regierungssitzes die Flagge des Romulanischen Sternenreiches gehisst wurde. Die Flagge wehte im stürmischen Wind, der nur noch mehr Dreck aufwirbelte und in den Himmel blies. Während der gesamten Invasion hatte Düsternis auf dem Planeten geherrscht, eine nie enden wollende Dunkelheit und nun, nachdem sich die Atmosphäre abkühlte, begann es zu schneien und zu frieren. Eine Welt war zugrunde gerichtet worden und ein Krieg beendet.<br>Im Ratssaal der MPA auf Parliament wurde seit Tagen debattiert, doch ohne Ergebnis. Schließlich betrat nach einer Woche seit Beginn der Invasion der romulanische Botschafter das Podium und verkündete: „Meine verehrten Kollegen und Abgeordneten, soeben habe ich von unserer Admiralität die Nachricht erhalten, dass der Planet Talar vollständig unter unsere Kontrolle geraten ist. Obwohl die Talarianische Union sich immer noch weigert zu kapitulieren dürfen wir endlich vom Ende dieses furchtbaren Krieges sprechen. Der Feldzug gegen diejenigen, die so viele romulanische Zivilisten hinterrücks ermordet hatten, ist vorbei. Mögen nun friedlichere Zeiten anbrechen.“<br>Damit ging ein Konflikt, der acht Monate gedauert hatte und Millionen Leben gefordert hatte, zu Ende. Am Ende blieb ein strahlender Sieger und ein am Boden liegender Verlierer. Ein Verlierer, der niemals eine Chance auf den Sieg gehabt hatte. </i></p><p><i>...Abermals blickte John zum Wandschirm und konnte nicht glauben, dass keiner von ihnen etwas über diese Offensiven mitbekommen hatte. Immerhin mussten hier Tausenden von Soldaten im Einsatz sein. Wie gelang es den Romulanern dann dies geheim zu halten?<br>„Was geht da unten vor sich, Arena?“ fragte John und schien doch schon die Antwort zu kennen. <br>Die Wissenschaftlerin betätigte einige Tasten auf ihrer Konsole, rief sich verschiedene Daten auf und erklärte im Anschluss:„Alle größeren Städte von Remus werden bombardiert. Es finden Bodenoffensiven statt und erbitterte Stellungskämpfe. Da unten ist die Hölle los.“<br>„Eine Hölle, von der niemand etwas weiß“, murmelte Matthew und sprach damit das aus, was alle dachten.</i></p><p><i>... Plötzlich war ein Geräusch zu hören. Als näherte sich ein Raumschiff. Lewinski sah nach oben. McMor hingegen hielt seinen Blick weiter auf den Captain gerichtet.<br>„Was du siehst ist ein so genannter Talarianischer Falke. Sie kommen aus dem Nichts. Es sind kleine Shuttles. Ausgestattet mit einer Vorrichtung, die es den Bodengeschützen schwer macht sie genau anzuvisieren.“<br>Lewinski sah auf die Stadt. Tatsächlich reagierten die Bodengeschütze. Er sah Phaserblitze in die Luft steigen, doch der Falke näherte sich noch immer. Jetzt konnte Lewinski ihn erkennen, als hellen weißen Punkt am dunklen werdenden Horizont.<br>„Sind wir hier sicher?“, fragte er böses ahnend.<br>„Natürlich“, antwortete McMor monoton.<br>Nur eine Sekunde später schlug der Falke am Rande der Stadt ein. Sofort entstand ein riesiger Feuerball, der bis in die höhere Atmosphäre reichte. Eine Druckwelle raste über sie hinweg, der Boden bebte. Ein gleißendes Licht hatte sich einen Moment lang über sie gelegt. Und als sich die ersten Staubwolken gelegt oder verzogen hatten, sah Lewinski erneut auf die „Stadt“ hinab. Dort wo der Falke eingeschlagen war, klaffte ein riesiges Loch. Alle anderen Häusern waren nicht einmal mehr Trümmerhaufen, denn auch diese hatte es Kilometer weit weggeschleudert.<br>„Dies war der erste und heftigste Anschlag. Die Talarianer hatten es geschafft zu überleben. Sie hatten es geschafft, sich einige Shuttles und Tarnvorrichtungen zu bemächtigen. Also nahmen sie Rache. An allen, die nicht verhindert hatten, dass ihre Welt auf Jahrzehnte ein interstellare Eisklotz wurde.<br>Allein hier starben etwa 10 Millionen. Es folgten weitere Anschläge auf weiteren wichtigen Planeten der Föderation, der Klingonen und der Romulaner. Sowie auf Cardassia, Ferenginar und Breen. Verteilt auf etwa 5 Jahre.<br>Die Verluste gingen auf allen Seiten in die Hunderte Millionen. Es wurde die blutigste Periode der neuzeitlichen Geschichte.“</i></p><p>Jahrelang hatte er trainiert. An einem Ort, den er nicht kannte, mit Simulationen, die so real schienen, dass er sich bis heute nicht sicher war, ob es nur Simulationen waren. Sein ganzes Leben lang hatte er sich dem romulanischen Imperium geopfert. Jeden Befehl hatte er ausgeführt, immer zur vollsten Befriedigung seiner Vorgesetzten. Meist hatte er im Schatten gelebt und sich gelernt ihn sich zunutze zu machen.<br>Das musste man, im Tal Shiar.<br>Schließlich war er zu einer der hochrangigsten Personen aufgestiegen, die es in dieser Organisation gab, von der man auf dem Romulus nur hinter vorgehaltener Hand sprach.<br>Über seinen Tisch waren die wichtigsten Pläne gewandert. Von dem Sieg über das Dominion bis hin zu jetzigen politischen Lage.<br><i>Der Krieg gegen Talar, der Tod des Prätors, die großflächige Dezimierung der remanischen Sklaven...</i> Seine Erinnerungen lasen sich wie eine Liste des Grauens.<br>Schnell rief er sich zur Ruhe und zur Selbstdisziplin. So wie er es schon viele Male getan hatte. Wenngleich er seine eigentlich erlernte Tätigkeit als Agent schon lange nicht mehr ausgeführt hatte. Denn dazu unterstanden ihm ja Hunderte junger Romulaner.<br>Doch dies musste er tun. Noch einmal überschlug er die Zeit, die er bisher benötigt hatte. Noch schien es niemand aufgefallen zu sein, was er tat. Seine Spuren hatte er wohl sehr gut verwischen können. Für Selbstlob war jedoch nun keine Zeit, denn er wusste, dass jede Sekunde zählte.<br>Er kam schneller vorwärts als gedacht. Offenbar war die Umstellung auf remanische Schwerkraftverhältnisse doch nicht so schwer für seine Muskeln, wie angenommen.<br>Das Mikrotarnfeld, das er um sich trug – eine Kriegsbeute aus dem Dominionkrieg – machte ihn praktisch zum Schatten. Welche Ironie... nur aufgrund dieser Technik war es ihm möglich diesen Plan auszuführen. Nur aufgrund dieser Technik war es möglich die neueste Generation der Tarntechnik zu entwickeln. Vielleicht war es zu früh gewesen, als er das Dominion verteufelt hatte.<br>Wenige Meter trennten ihn noch vor dem Objekt der Begierde. Es wurde nicht bewacht. Wozu auch, der Hangar lag in einem vollkommen dunklen Teil dieses geheimen Komplexes auf dem Remus. Dazu kam, dass er alle Remaner, die im Umkreis von 50 Kilometer lebten, hatte töten lassen.<br>Eigentlich dürfte er hier niemanden antreffen.<br>Das Tor war kein großes Hindernis und in Windeseile stand er im Hangar. Natürlich lag dieser ebenso in vollkommen Dunkelheit, nur seiner Nachtsichtbrille verdankte er es, etwas sehen zu können.<br>Doch selbst dieses Gerät vermochte es nicht, auch nur ein Objekt in diesem Raum sichtbar zu machen. Mit anderen Worten: er war vollkommen leer.<br>Er trat in die Mitte des Raumes, wobei er sich langsam mit ausgestreckter Hand vortastete. Zum ersten Mal spürte er ein Ziehen in den Beinen, sowie ein Stechen in der Lunge und im Rücken. Der Rücksack, den er bei sich trug wog schwer. Noch schwerer wog dagegen die Verantwortung. Die Verantwortung für einen ganzen Quadranten.<br>Er musste lachen. Noch nie hatte er auch nur einen Befehl verweigert. Und nur verriet er alles, wofür er bisher gearbeitet hatte.<br>Ihm war klar, dass dies sein Meisterstück werden würde. Werden musste.<br>Plötzlich blieb er stehen. Er stieß auf etwas. Langsam tastete er sich an der unsichtbaren Barriere entlang. In seinem fotografischen Gedächtnis drehte er die Baupläne des kleinen Schiffs, so war es ihm hier ein leichtes das Kontrollfeld für die Tür zu finden. Blind gab er den Code in das immer noch unsichtbare Tastenfeld ein. Ein leises Klicken signalisierte ihm die Entriegelung der Tür. Sie öffnete sich und bot damit Einsicht in ihr Inneres. Wie seltsam dies aussah. Ein Raum, umgeben von einer unsichtbaren Hülle.<br>Ohne Zeit zu verschwenden trat er ein. Er deaktivierte das Tarnfeld um ihn und stellte den Rucksack neben den Pilotensitz. Mit nur wenigen Handschritten aktivierte er die Energie und die wichtigsten Systeme.<br>Eine Frage stand plötzlich im Raum: wann hatte er wohl den Point Of No Return überschritten? Vermutlich als er...<br>Plötzlich... Schritte. Wie ein Blitz drehte er sich um, aktivierte sein Tarnfeld wieder und zog seine Waffe.<br>Die unbekannte Person stieg ebenfalls ins Shuttle. Nur mit einigen Fetzen Kleidung bekleidet und ohne Nachtsichtgerät fand er sich bestens zurecht.<br>Natürlich wusste der Fremde sofort, dass jemand hier war, denn er sah die aktivierten Systeme und den Rucksack, den jemand hatte herbringen müssen.<br>„Hier bin ich...“, rief er mit lauter, tiefer Stimme.<br>Dies war der Moment an dem der Romulaner seine Tarnfeld wieder deaktivierte und ihm die Waffe direkt an die Schläfe drückte.<br>„Ich lege mein Schicksal in ihre Hände“, so der Eindringling weiter.<br>„Nichts anderes habe ich erwartet“, entgegnete der Romulaner.</p><p>Die Begegnung verlief kühl. Sehr kühl um es nicht genau zu sagen. John Lewinski rief sich die letzten Stunden nochmals in Erinnerung. Mitten in der Nacht hatte er von Konteradmiral Avlis einen dringen Anruf erhalten. Und es war wichtig wenn sich Avlis meldete. Um genau zu sein war dies erst der zweite Anruf, den er von diesem Mann erhielt. Der erste war aus einem guten Anlass erfolgt. Damals hatte Avlis Lewinski sein Schiff zugeteilt. Die Monitor.<br>	Lewinski hatte aber heute wenig Grund zu glauben, dass es sich diesmal um etwas ähnlich Gutes handelte. Schließlich hatte der direkte Befehl etwa so geklungen: „Captain, fliegen sie getarnt zu ihrer Heimatbasis, mit Maximumwarp.“<br>Und nun saß er hier, im Büro von Admiral LaToya, zusammen mit Matt Price und eben Avlis, einem der einflussreichsten Admirals der Sternenflotte, einem direkten Untergebenen des Chefs des Geheimdienstes und inzwischen sogar dessen Stellvertreter, sowie ein sicherer Kandidat für dessen Nachfolge.<br>„Captain Lewinski ich möchte Sie nicht unnötig auf die Folter spannen“, begann Avlis, wandte sich vom Fenster ab und sah direkt zu Lewinski und Price. „In wenigen Minuten werden zwei Männer in diesen Raum treten, die uns um unsere Hilfe gebeten haben. Und Captain, wir werden ihnen helfen. Wir werden alles tun um ihrer Bitte Folge zu leisten. Haben Sie mich verstanden?“<br>„Natürlich Sir“, antwortet Lewinski schnell.<br>Avlis nickte. „Das will ich hoffen.“<br>Der Konteradmiral hatte noch nicht ausgeredet, als sich die Tür öffnete. Lewinski und Price stand auf und drehten sich um, damit sie sehen konnten, wer den Raum betrat. Beide staunten nicht schlecht, als sie direkt in die Gesichter zweier Romulaner blickten.<br>„Darf ich vorstellen, dies sind Admiral Veritas und Commander Sted vom romulanischen Nachrichtendienst“, sagte Avlis und deutet betont freundlich auf die beiden Neuzugänge.<br>„Es freut mich Sie endlich kennen zu lernen“, grüßte der Romulaner, der Lewinski als Veritas vorgestellt wurde, beinahe übertrieben freundlich. Locker und routiniert streckte dieser ihm die Hand entgegen. Als hätte er die menschliche Art des Begrüßens schon im Blut. John Lewinski ergriff die ihm dargebotene Hand und erwiderte damit den Gruß. Nicht ohne sich gleichzeitig den Kopf darüber zu zerbrechen, wie denn der romulanische Gruß erfolgte. Doch dazu hatte er gar keine Zeit. Etwas anderes war ihm aufgefallen. Hatte Veritas das Wort endlich benutzt, als er sie begrüßt hatte?<br>„Es freut mich ebenso Admiral“, sagte Lewinski und kniff dann die Augen zusammen. „Kennen wir uns etwa?“<br>„Wie meinen?“, fragte Veritas nach.<br>„Sie sagten, dass es Sie freut mich endlich kennen zu lernen.“<br>„Nun Captain Sie sind, wie sagt man auf der Erde, kein unbeschriebenes Blatt bei unserem Nachrichtendienst.“<br>„Ah ja...“ staunte Lewinski, der auch nun schon wieder von Avlis unterbrochen wurde.<br>„Meine Herren, wir sollten uns an die Arbeit machen.“<br>„Ja, richtig“, bestätigte Veritas und wandte sich dem Bildschirm zu, der an der Wand hing. Lewinski und Price setzten sich wieder auf ihre Stühle und blickten gebannt zum Schirm. Sted und Avlis blieben stehen. LaToya – Lewinski hatte sie noch nie so ruhig erlebt – saß weiterhin in ihrem Stuhl und folgte der Erläuterungen ebenso gespannt. Offenbar wurde sie auch erst jetzt in diese Mission eingeweiht.<br>Das Licht wurde verdunkelt. Veritas aktivierte den Bildschirm und offenbarte den Zuschauern das Bild eines jungen Romulaners. „Das ist das Ziel unserer Mission. Subcommander Kret. Ein erfahrener Mitarbeiter des Nachrichtendiensts. Bisher gab es nicht einen Makel in seiner Akte. Wie gesagt, bisher. Denn vor etwa 1 Woche ist er verschwunden. Er stahl einen Shuttle. Nicht irgendein Shuttle. Es war ein Prototyp.“ Die Darstellung änderte sich und zeigte ein kleines Shuttle. „Verbesserte Schilde, Warptriebwerk und Tarnsysteme. Ich denke Sie haben schon Erfahrungen mit dieser Tarnung gemacht. Es ist nämlich eine der Falken-Klasse, die auch auf den neuen Kampfschiffen der Scimitair Klasse eingesetzt wird.<br>Nichtsdestotrotz ist nicht das Shuttle das Problem. Sondern eher die Person. Kret hat das romulanische Imperium verraten und ist übergelaufen zu den Talarianern. Zuerst entwendete er das Schiff vom Remus und flog dann zur romulanischen Besatzungswelt Talar und entführte dort den aufständigen Talarianer Endar aus einem unserer Sicherheitstrakte und ist nun auf dem Weg in Föderationsgebiet.“<br>„Einen Moment...“, unterbrach Lewinski und erntete sogleich einen kritischen Blick von Veritas. Doch dadurch ließ er sich nicht ablenken. Es gab einfach zuviel unglaubliches in den letzten Minuten. Mal davon abgesehen, dass er nichts von der Inhaftierung Endars wusste, was aber an der speziellen Situation auf Talar lag. „Wie schaffte dieser Kret das alles? Ich meine, wie stiehlt er einfach so ein Shuttle vom Remus? Besonders, da es dort ja im Moment nicht besonders ruhig zugeht.“<br>„Ich weiß zwar nicht, was Sie mit besonders ruhig meinen, aber als ich das letzte Mal auf dem Remus vorbei gesehen haben waren die dortigen Behörden gerade mit einigen Umstrukturierungsmaßnahmen beschäftigt und um ihnen weitere Fragen abzunehmen: Kret ist einer der besten Männer in unserem Dienst. Er ist ein Meister, wenn ich mich so ausdrücken darf, im Erstellen falscher Identitäten und Knacken von Codes. Zudem ist sein Shuttle klein, wendig, schnell und mit der besten Tarnung des Reiches ausgestattet. Hinzu kommt, dass er mit dieser Tat sein gesamtes psychologisches Profil über den Haufen geworfen hat. Er hat unsere Kontrollen einfach... geschockt.“<br>„Geschockt?“, fragte Lewinski nach, vernahm jedoch im selben Augenblick, dass sich Avlis räusperte. Dem Captain musste nicht gesagt werden, was dies zu bedeuten hatte, in einer Welt, in dem ein Frosch im Hals dem medizinischen Mittelalter angehörte.<br>„Was hat er vor?“, fragte er stattdessen und sah, dass sich Veritas wieder in seinen Monolog hineinbegab.<br>„Wir haben einige Daten rekonstruieren können, die er in seiner Wohnung und in seinem Büro auf dem Romulus hinterlassen hat. Wir wissen, dass sein Ziel eine der Zentralwelten der Föderation ist. Ferner ist uns bekannt, dass er sich der talarianischen Kultur plötzlich sehr nahe fühlt. Und die Traditionen dieses Volkes sehen in einem solchen Falle einen traditionellen Märtyrertod vor.“<br>„Sie meinen damit... Suizid?“, fragte Price, der sich sehr darum bemühte ruhig zu sprechen und so undramatisch wie möglich um die gereizte Situation nicht noch weiter zu spannen.<br>„Ich meine damit einen Selbstmordanschlag mit den möglichen Zielen Sol, Vulkan oder Andoria, Commander. Daran lassen unsere Nachforschungen keinen Zweifel“, antwortete Veritas direkt und ernst.<br>Die Nachfolgende Stille war unerträglich und Matt Price rügte sich bereits selbst für diese blöde Tat.<br>„Wo ist das Schiff jetzt? Ist er überhaupt zu orten?“, fragte Lewinski um diese Situation zu überbrücken.<br>„Das Sensorsystem auf unserer Seite ist zwar nicht ausgerüstet um Schiffe dieser Art zu entdecken, aber...“, begann Avlis, ging ebenfalls zum Bildschirm und legte ein Bild der neutralen Zone auf den Schirm. „... die wissenschaftliche Station Tango Sierra hat eine Fluktuation im Tachyongitter registriert. Wenn er es war, fliegt er mit direktem Kurs auf Vulkan. Allerdings ist Andoria ja ebenso nicht weit weg. Ich muss sie ja nicht über die Nähe der Zentralsysteme aufklären.“<br>Lewinski schüttelte den Kopf. „Aber wie sollen wir ihn finden, wenn er doch so perfekt getarnt ist?“<br>„Nun, es ist bei weitem nicht perfekt getarnt. Wir konnten inzwischen dieses Manko ausgleichen. Der Konstrukteur hat uns inzwischen geholfen das Tarnsystem zumindest teilweise aufzuheben. Wenn das Schiff in Reichweite von 2 Lichtjahren und zudem auf Warp ist, können wir der Warpspur folgen.“<br>„Dann sollten wir die Flotten und Geschütze auf den Planeten nahe der geschätzten Flugroute schnellstens diese Daten zur Verfügung stellen“, schlug Lewinski vor.<br>„Das wird nicht möglich sein“, konterte Veritas. „Wir werden diese Technologie nur auf der Monitor einbauen und zum Einsatz bringen. Für mehr haben wir vom Kommando keine Befugnis bekommen.“<br>„Wir haben diese Daten bereits ihrem Chefingenieur übermittelt. Nach meinem Wissen ist er bereits dabei die Sensoren des Schiffes umzurüsten“, ergänzte Avlis.<br>„Dann sollten wir uns schnellstmöglich an die Verfolgung machen. Wie schnell fliegt dieses Shuttle?“<br>„Es hat eine Höchstgeschwindigkeit von Warp 8“, antwortete Veritas.<br>„Dann können wir es noch einholen, wenn wir sofort los fliegen“, prognostizierte Price.<br>„Sie werden auch sofort los fliegen“, bestätigte Avlis. „Ihre Befehl lautet: stoppen sie dieses Shuttle, bevor es Schaden anrichten kann. Mit allen Mitteln.“ Avlis sah erwartungsvoll in die Runde. „Dann gehen Sie an die Arbeit.“<br>Alle noch sitzenden Personen standen in diesem Moment auf. Die beiden Romulaner und Matt Price verließen den Raum. Der Erste Offizier der Monitor spürte schon Lewinskis Fragen, die er jetzt ohne Umschweife Avlis und LaToya an den Kopf werfen würde.<br>Als sich die Tür wieder geschlossen hatte nahm Avlis Lewinski direkt in Augenkontakt. „Sie wissen wie instabil die Lage im Moment ist. Sie wissen, dass wir in diesem Moment alles andere brauchen, als einen Konflikt mit den Romulanern. Und sollten dieser Romulaner und dieser Talarianer tatsächlich diesen Anschlag ausführen können, wird es nicht bei den Opfern dieses Anschlags bleiben. Der Präsident wird reagieren müssen. Ein Krieg könnte folgen...“<br>„Admiral, Sie wissen, dass wir im Moment die Crew sind, die am meisten mit den Romulanern zu tun hat. Wir waren vor nicht mal einem halben Jahr beim Remus. Sie wissen, dass dort mehr vor sich geht als nur Umstrukturierungen...“<br>„Captain, mir ist egal, was dort vor sich geht. Der Remus ist eine interne Angelegenheit der Romulanern. Wir werden uns nicht in die romulanische Politik einmischen. Alles was Sie sollen ist dieses Shuttle zu stoppen. Mit allen Mitteln.“<br>„Das werden wir“, bejahte Lewinski zähneknirschend.<br>„Es gibt noch mehr Captain. Veritas wird das Kommando über die Mission übernehmen, sobald sie auf das Shuttle treffen. Er wird entscheiden, wie sie zu reagieren haben.“<br>Lewinski musste in diesem Moment seine gesamte Selbstbeherrschung zusammennehmen. „Admiral, bei allem Respekt vor Admiral Veritas, aber ein romulanischer Admiral soll meiner Crew Befehle erteilen?“<br>„Captain, ich glaube Sie haben mich nicht recht verstanden“, konterte Avlis streng. „Wir werden den Romulanern bei diesem Problem helfen. Egal wie merkwürdig uns einige ihrer Vorkehrungen und Bestimmungen erscheinen mögen. So wird es von oberster Stelle verlangt. Es wird erwartet, dass diese Mission zur vollsten Zufriedenheit unserer Gäste beendet wird. Ist das klar Captain? Der Präsident erwartet höchstpersönlich, dass den Romulanern das Ergebnis der Mission behagt. Und ich habe ihm zugesichert, dass seine Erwartungen erfüllt werden und zwar von einem der besten Männern in meinem Dienst.“<br>„Dabei übersehen wir alle Unstimmigkeiten in seiner Präsentation? Seinen offensichtlichen Fehleinschätzungen der Situation?“<br>„Genau das erwarten ich, der Präsident und der Prätor vor ihnen. Tun Sie genau das Lewinski. Führen Sie Befehle aus und erfüllen sie Sie zu unser aller vollsten Zufriedenheit.“<br>Lewinski legte seinen Kopf etwas zurück und überdachte diesen Moment. Er atmete tief durch und sah dann erst zu LaToya, die ihm aber keine Hilfe war, und schlussendlich nochmals zu Avlis.<br>„Ich werde mein bestes tun Sir. Aber da draußen, sind wir allein.“<br>„Und ich werde auch meine Pflicht tun, wenn Sie dann von ihrer Mission zurückkehren. Sie wollen doch nicht, dass es ihre letzte Mission wird? Und jetzt, fliegen Sie los.“<br>Der Captain nickte stumm und verließ den Raum. Er wusste genau, dass es viel gab, an das er im Moment denken sollte. Doch es waren drei Worte, die in ihm herum spukten und ein seltsames Déjà Vu auslösten.<br><i>Talarianer...		Falke...	Vulkan...</i></p><p>Der Türsummer riss John Lewinski aus den Gedanken. Wieder einmal. Die Pflichten eines Captains endeten eben nicht mit Dienstende. Er legte also das Buch, das er gerade las auf den kleinen Nachttisch neben seinem Bett und stand aus selbigem auf. Das war eines der Privilegien eines Captains. Er besaß das größte Quartier an Bord des Schiffes und konnte daher in diesem sogar mehr machen wie sich nur einmal herumdrehen. John sah einmal kurz an sich herab und entschied, dass er passabel genug aussah mit seinem Bademantel, der den offiziellen Aufdruck der Sternenflotte trug und auch eines der Vorrechte des Captains war.<br>„Herein“, sagte er schließlich und die Tür öffnete sich.<br>Ein etwas verdutzter Matthew Price stand in der Tür und sah etwas verlegen ins Zimmer, nachdem er den Captain gesehen hatte. „Oh, entschuldigen Sie Skipper, ich wollte Sie nicht beim zu Bett gehen stören.<br>„Das macht nichts Commander, setzen Sie sich“, wiegelte Lewinski Price Bedenken schnell ab und bot ihm einen der Stühle an dem kleinen Tisch an, der mitten im Raum stand. Price wartete nicht lange und nahm das Angebot gern an. Zudem musste er feststellen, dass der Raum sehr spartanisch eingerichtet war. Was ihn etwas überraschte. Natürlich gab es, wie in jedem anderen Quartier auf dem Schiff, nicht viele freie Wände, doch der Captain hatte entschieden, die wenigen freien Wände nicht zu dekorieren. Nur ein kleinen Deckenfluter hing dort, der ein angenehmes warmes Licht verbreitete. Die einzigen privaten Dinge im Quartier waren die Uniform, die an der Schrankwand schon für den nächsten Tag hing, dann das Bücherbrett über dem Bett und das Foto, das auf dem kleinen Tisch stand. Es zeigte einen freudestrahlenden John Lewinski bei seiner Graduierungsfeier, direkt neben einem stolzen Luke Lewinski. Auch Johns Bruder Martin war auf dem Bild. Price schätzte ihn zu diesem Zeitpunkt etwa auf 18 Jahre. Das letzte Zubehör war eine Kerze, die hinter dem Bild brannte und einen angenehmen Duft verströmte.<br>„Kann ich Ihnen was anbieten?“, fragte Lewinski.<br>„Oh nein, danke“, antwortete Price schnell und versuchte nicht zu überrascht zu klingen. Er hoffte, nicht so sehr in Gedanken entschwunden zu sein, wie er meinte. Was mochte dies wohl für ein Bild auf seinen Vorgesetzten abgeben?<br>„Na schön“, kommentierte Lewinski und setzte sich dann zu Price an den Tisch. Er hatte eine Tasse Tee in der Hand, die er sich wohl gerade repliziert hatte. „Was kann ich für Sie tun?“<br>„Wir sind auf dem Kurs den das Shuttle genommen hat Sir, mit Maximumwarp, getarnt und in voller Alarmbereitschaft.“<br>„Sehr gut. Wie ist die Stimmung der Crew? Kommen zu große Fragen auf?“<br>„Skipper, lassen wir das ganze Gelaber doch beiseite. Was wird hier gespielt?“, platzte es verständlicherweise aus Price heraus.<br>Lewinski nahm einen großen Schluck Tee. „Ich weiß nur so viel wie Sie... Wir helfen den Romulanern, unseren Freunden und Verbündeten in der MPA.“<br>„Was wir hier betreiben ist doch die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Wie hoch stehen die Chancen, dass wir ein kleines Shuttle finden? Ich weiß, die Romulaner haben unwiderlegbare Beweise und daraus die genauesten Schlussfolgerungen gezogen...“<br>„Die Geheimdienste der Romulaner und ihre Datentechnik sind einzigartig. Und Sie scheinen darauf zu vertrauen.“<br>„Aber ich vertraue dem nicht. Es steht zuviel auf dem Spiel, als dass wir einfach den Romulanern das Feld überlassen.“<br>„Meinen Sie etwa, das wüsste ich nicht?“, fragte Lewinski. „Mir gefällt das genau so wenig. Aber ich weiß eines. Wir müssen dieses Shuttle aufhalten. Koste es was es wolle.“<br>Verärgert stand Price auf und atmete erst mal tief durch, bevor er fortfuhr. „Skipper so kenne ich Sie gar nicht. Sie klingen, als hätten Sie sich von Avlis Rede einschüchtern lassen.“<br>„Er stellt unsere Karrieren aufs Spiel“, konterte Lewinski schlicht und schien sich dabei nicht auf Price Gefühlsausbrüche einlassen zu wollen. „Würde er das für etwas Falsches riskieren? Avlis ist ein guter Mann und vor allem ein hochgescheiter Mann. Er gibt zu, dass die Romulaner zwar mit etwas... Unlogik argumentieren, aber das machen sie durch ihren Willen wieder wett, auf die Föderation zuzugehen. Also, welchen Grund hätten die Romulaner uns anzulügen? Wollen Sie etwa nur die genauen Reisedaten zum Vulkan? Ich glaube die sind Ihnen bekannt.“<br>„Sie machen ihre Kooperation vom Erfolg dieser Mission abhängig. Das Sternenflottenkommando macht unsere Karrieren vom Erfolg dieser Mission abhängig. Meinen Sie etwa die da oben würden auch nur eine Minute zögern um uns in ihrem Spiel um Macht schachmatt zu legen? Wem würde es denn auffallen, sollten wir verschwinden? Ein Schiff, das im Grunde gar nicht existiert?“<br>Lewinski stellte seine Tasse auf den Tisch und warf einen schnellen Blick auf das Bild, das die drei Lewinski Männer zeigte. „Vermuten Sie etwa eine Scharade?“<br>„Das sind die Romulaner...“, antwortete Price lautstark. Hätte er nicht gewusst, dass die Wände schallisoliert waren, wäre die Sorge in ihm aufgekommen, dass man ihn draußen auf dem Flur gehört hätte. „...was haben die denn bitte anderes gemacht als Scharaden am laufenden Band während der letzten Jahrzehnte? Sie haben es doch selbst gehört, als dieser Veritas von Umstrukturierungen auf dem Remus sprach.“<br>„Und was soll dann das hier sein? Meinen Sie etwa die Romulaner infiltrieren die gesamte Föderation? Tischen Sie uns etwa Lügen auf? Mit welchem Motiv?“<br>„Ich habe keine Ahnung Skipper. Ich weiß nur, nein ich bin mir sicher, dass sie uns ins Gesicht gelogen haben. Und jeder hier scheint das wohl bereitwillig zu schlucken. Angefangen beim Präsidenten bis hin zu Avlis, LaToya und anscheinend auch Ihnen.“<br>„Das reicht Commander“, entgegnete Lewinski verärgert und mit einem Tonfall, der den etwas lächerlich wirkenden Bademantel vergessen ließ. „Wir haben den Auftrag bekommen, den Romulanern bei der Gefangennahme eines Flüchtigen zu helfen. Und ich werde Ihnen helfen, weil ich ganzen Herzens überzeugt bin, dass es das Richtige ist. Die Logiklücken in den Beweisen haben uns nicht zu interessieren. Mit Sicherheit wurden diese von der Admiralität als ignorierbar erachtet, vermutlich aufgrund von diplomatischer Höflichkeit oder wegen was weiß ich... und um ehrlich zu sein ist mir das auch egal. Ich werde den Romulanern helfen. Und Sie tun dasselbe Commander. Ist das klar?“<br>„Langsam glaube ich Avlis hat Sie einer Gehirnwäsche unterzogen.“<br>„Hören Sie mir jetzt genau zu: noch ein Wort und Sie verbringen den Rest dieser Mission in ihrem Quartier. Ardev wartet sicher schon auf die Gelegenheit Erster Offizier zu werden. Und jetzt gehen Sie und führen die Befehle aus.“<br>Lewinski stand ganz dicht vor Price und sah in seine Augen. Natürlich gab Price als erster nach. Er spürte den starken Willen des Captains und er kannte dessen Durchhaltevermögen. „Sehen Sie denn nicht was hier gespielt wird Skipper?“<br>„Hier wird gar nichts gespielt. Wir tun unseren Dienst, führen Befehle aus schützen die Föderation vor Gefahren. Nichts anderes haben wir während der letzten Jahre getan, tun wir in diesem Augenblick und werden wir in den nächsten Jahren tun.“<br>Price biss auf Granit. „Dann notieren Sie wenigstens meinen formellen Protest.“ Er konnte nicht glauben, dass er diese Worte über sich gebracht hatte. Zar war ihm vollkommen klar, dass dieser Protest nichts ändern würde, doch er fühlte sich schon allein durch diese Geste etwas erleichtert. Auch wenn er nichts damit nichts erreichte.<br>„Ist vermerkt“, bestätigte Lewinski nickend darauf kühl.<br>„Ich muss Ihnen sagen, dass ich zum ersten Mal glaube, dass wir etwas falsch tun, Sir.“<br>Lewinski antwortete nicht darauf. Das Gespräch war für ihn beendet und ein für alle mal abgeschlossen. „Sorgen Sie dafür, dass es unseren Gästen an nichts fehlt.“<br>„Zu Befehl Sir“, antwortete er zähneknirschend anstelle seines üblichen Klar, Skipper.<br>„Sie könne jetzt Wegtreten Commander“, wies Lewinski noch an und war damit auch auf seinem Höchstmaß an Formalität angelangt.<br>Und als Price sein Quartier verlassen hatte, wurde ihm klar, dass er im Begriff war etwas Wichtiges zu verlieren. Das Vertrauen seines Ersten Offiziers.<br><br>Auf der Brücke herrschte eine bis zum zerreißen gespannte Atmosphäre. Die Indikatoren des blauen Alarms blinkten ebenso wie die für den gelben Alarm. Schließlich konnten die Sensoren jederzeit das kleine romulanische Shuttle orten und dann war Schnelligkeit gefragt. Im Moment saß Ardev im Stuhl des Kommandanten. Doch viel zu kommandieren hatte er nicht. Daher studierte er einige Sensoranalysen, die auf den kleinen Bildschirmen an der Seite des Stuhls angezeigt wurden.<br>Seine Frau Arena saß an der wissenschaftlichen Station und hielt Ausschau nach dem Shuttle, Danny Bird bereitete alles für einen schnellen Angriff vor und Nick Locarno saß am Steuer. Zudem überprüfte der Vulkanier T’Ker gerade einige Details an der technischen Station.<br>Niemand sagte ein Wort. Was sollte auch gesagt werden? Arena Tellom ergriff schließlich die Initiative und ging zum Replikator, der sich im hinteren Teil der Brücke befand – direkt beim Lagebesprechungstisch – und holte sich von dort einen terellianischen Tee.<br>Ardev sah auf und assoziierte in der richtigen Weise. Wenn seine Frau diesen Tee trank, musste sie sehr angespannt sein. „Alles in Ordnung mit dir?“, fragte er.<br>„Dieses Warten macht mich verrückt.“<br>„Wir machen das doch nicht zum ersten Mal“, versuchte er die unangenehme Situation etwas runterzuspielen.<br>„Ich weiß, aber dieses Mal ist es was anderes. Ich fühle mich als säße mir ein Skorpion im Nacken“, antwortete Aren gereizt.<br>Ardev stand auf, ging zu seiner Frau und nahm sie in den Arm. Vielleicht konnte eine Berührung mehr helfen als bloße Worte.<br>„Niemand fühlt sich zurzeit wohl. Aber jeder gibt sein Bestes, so können wir versuchen dieses Skorpion etwas wirkungsloser zu machen.“<br>„Danke“, sagte sie leise.<br>„Ich liebe dich“, entgegnete er und gab seiner Frau einen kleinen Kuss. Die beiden bemerkten während dieses kleinen Endorphinschubs jedoch nicht, wie sich eine der Türen zur Brücke öffnete.<br>„Wie ich sehe arbeitet ihre Crew eng zusammen“, hörten die beiden Stimme des Romulaner Veritas.<br>Sofort lösten sie sich aus der Umarmung und stellten sich nebeneinander. In Veritas Gesicht war ein leichtes schelmisches Grinsen nicht zu übersehen. Commander Sted hingegen zeigte nicht das geringste Anzeichen eines Muskelzuckens. Und Commander Price, der die beiden begeleitete war eine leichte Empörung auch deutlich anzusehen. Doch schnell schüttelte er dieses Gesicht ab und ging zum offiziellen Teil über.<br>„Das ist Lieutenant Ardev, unser Wissenschaftsoffizier. Und dies ist seine Frau Lieutenant Tellom.“<br>„Admiral“, entgegneten Ardev und Tellom gleichzeitig und sehr formell.<br>„Ein Andorianer und eine Terellianerin. Soviel böses Blut scheint zwischen ihren Völkern nicht mehr vorhanden zu sein. Anscheinend waren die Berichte übertrieben, die ich letztes Jahr gelesen hatte...“<br>Price spürte Ardevs Blut wallen. Dazu musste man kein Empath sein um zu spüren, dass der Vulkan Ardev kurz vor dem Ausbruch stand.<br>„Sie wollten doch die Sensoranzeige sehen Admiral“, warf Matt ein und lenkte damit Veritas ab. Und der ließ sich auch ablenken. Sogleich nahm er nämlich Blickkontakt mit dem Ersten Offizier des Schiffes auf. „Die wissenschaftliche Station befindet sich...“<br>„Ich weiß Commander. Die Station ist dort vorne.“ Veritas ging schnurstracks auf Arena Telloms Station zu. Diese folgte den drei Herren auch sogleich. Und bevor auch nur einer von Ihnen „Wissenschaftliche Station“ sagen konnte, saß Veritas auch schon an ihr und überprüfte die Eingaben.<br>„Die Parameter sind unpräzise“, lautete seine schnelle Diagnose. „Die Auflösung der Sensoren kann um 3% pro Raummeter erhöht sowie um 1 Parsec ausgedehnt werden. Commander Sted...“ noch ehe Price oder auch Tellom eingreifen konnten, saß nun auch Sted an der Konsole und gab in Windeseile neue Daten ein.<br>Der Moment war gekommen, indem Price eingriff. Er packte eine von Steds Händen und hielt ihn somit davon ab neue Daten einzugeben. „Admiral, das ist unsere Aufgabe.“<br>„Wir sind die Spezialisten bei dieser Mission. Der Zeitgewinn ist immens wenn Sie uns unsere Arbeit machen lassen Commander“, erklärte Veritas.<br>„Das mag sein. Aber ich möchte einmal einen Sternenflottenoffizier an Bord eines Warbirds sehen, der einfach so Befehle in ein empfindliches System eingeben kann.“<br>„Stellen Sie damit etwa unsere Kooperationsbereitschaft in Frage, sollte die Föderation das romulanische Imperium einmal um einen ähnlichen Gefallen bitten?“<br>„Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass dies ein Teil unserer Aufgaben ist. Ihre Mission startet erst, wenn wir das Shuttle gefunden haben.“<br>„Vielleicht kommt es aber aufgrund ihrer Inkompetenz gar nicht dazu, dass wir unsere Mission beginnen können. Das will ich nicht riskieren. Oder wollen Sie Commander, etwa die Schuld an Millionen Toter Vulkanier tragen?“<br>„Natürlich nicht.“<br>„Dann sollten Sie ihre Vorurteile beiseite räumen um Platz für das Gelingen dieser Mission zu machen. Denn nie hatte unser Imperium etwas anderes im Sinn, als den Frieden in unseren beiden Quadranten zu sichern...“<br>„Natürlich...“, murmelte Ardev.<br>„Was meinten Sie Mr. Ardev?“, fragte Veritas mit einer sehr scharfen Betonung auf Ardevs Namen.<br>Der Andorianer stand vor dem Captainsstuhl und sah etwas überrascht zu dem Romulaner. Hatte er ihn tatsächlich gehört?<br>„Ich habe nichts gesagt“, antwortete Ardev.<br>„Wir Romulaner besitzen ein äußerst scharfes Gehör müssen Sie wissen. Sie sagten etwas. Was meinten Sie damit?“, erläuterte Veritas und trat zu Ardev.<br>„Ich habe damit nichts gemeint, Admiral.“<br>„Scheuen Sie sich nicht ihre Meinung kund zu tun. Im Gegenteil. Es ist eine romulanische Eigenart immer zu sagen was man denkt. Diese Heimlichtuerei der Föderation war uns schon immer unverständlich.“<br>Price wollte noch einschreiten. Doch aus irgendeinem Grund ließ er Ardev gewähren. Vermutlich weil er spürte, dass der Andorianer im Begriff war einiges klar zu stellen.<br>„Ihre Arroganz geht mir gewaltig auf die Antennen. Sie kommen an Bord, mit den Worten unsere Beziehung verbessern zu wollen, doch in der Tat scheint es mir als infiltrierten sie das gesamte Schiff...“<br>„Zwei Leute sollen ein Schiff infiltrieren? Kommen Sie Ardev. So gut sind wir dann doch nicht. Noch nicht.“<br>„Jedes ihrer Worte ist eine Lüge. Man kann nie wissen was man Ihnen glauben soll und was nicht?“<br>„Gaben wir Ihnen denn einen Grund zu zweifeln? Sie haben dieselben Beweise gesehen wie ich. Merkwürdig, dass Sie nicht dieselben Schlüsse ziehen wie ich.“<br>„Beweise? Sind das etwa dieselben Beweise wie damals, als sie den Krieg gegen die Talarianer geführt hatten?“ Ardev kam immer mehr in Fahrt. Seine Gesichtshautfarbe färbte sich auch schon etwas dunkler aufgrund der Aufregung.<br>„Können wir etwas dafür, dass die Talarianer unsere Friedensbemühungen nicht tolerieren? Sollten wir etwa einen solch feigen Anschlag auf uns sitzen lassen?“ konterte Veritas ruhig.<br>„Ach kommen Sie. Die Talarianer waren doch nur das Mittel zum Zweck. Keine andere Macht war bereit Ihnen in diesen Krieg zu folgen.“<br>„Zweck? Wir würden nie einen Krieg aufgrund eines Zwecks führen. Wir wurden bedroht und hatten zu reagieren.“<br>„Und was ist mit den Remanern? Was haben die so schlimmes getan, dass Sie mit Völkermord reagieren mussten.“<br>Veritas schwieg. Nur eine Sekunde lang, die reichte um ihm eine kleine Niederlage zu bereiten. „Die Umstrukturierungen auf dem Remus sind Angelegenheiten, die Sie nichts angehen.“<br>„Den Völkermord der Talarianer übertrugen sie auf Großleinwände, bis in den letzten Winkel des Quadranten. Und dieser geht uns jetzt plötzlich nichts mehr an?“<br>Veritas lächelte. „Sie sind gut Mr. Ardev. Sie werden ihrer Akte nicht im Mindesten gerecht...“ er wandte sich an Price. „Kommen Sie mit, Commander Price? Ich möchte mir die Tarnvorrichtung ansehen. Commander Sted, bitte komplettieren Sie die Eingaben und begeben sich dann in unser Quartier.“<br>Es verging kein Atemzug bis sich Veritas wieder an Ardev wandte. „Es hat mich gefreut Sie kennen zu lernen Mr. Ardev. Es ist lange her, seit ich das letzte Mal auf Andoria war. Vielleicht trifft man sich dort ja mal.“<br>Veritas ging mit einem lächeln auf den Lippen. Price folgt ihm mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck, den Ardev nicht so recht interpretieren konnte. Er zuckte einfach hilflos mit den Schultern.<br>Price konnte nicht mehr reagieren. Und er hasste das Gefühl einem Fremden auf seinem eigenen Schiff ausgeliefert zu sein.<br>Veritas gab Price auf dem Korridor die Chance aufzuholen. Zielstrebig schritten dann beide zum Maschinenraum.<br>„Welche Schlüsse ziehen Sie aus dieser Situation Commander?“<br>„Ich werde den Befehlen folgen, die ich bekommen habe“, antwortete Price.<br>„Das habe ich nicht gefragt. Vertrauen Sie uns?“<br>„Um ehrlich zu sein: Nein, das tue ich nicht.“<br>Price und Veritas standen vor der Tür zum Maschinenraum, die sich auch schon öffnete. „Schade“ entgegnete Veritas und betrat das technische Zentrum des Schiffes.<br>Sofort spürte Price wie das geordnete „Chaos“ verebbte und alle Techniker von dem Besucher fasziniert waren. Natürlich sah auch Veritas dies in den Augen der Crew, doch Price spürte hinzu noch die tiefe Abneigung, geradezu Hass in deren Seelen. Matt musste sehr darauf achten, von dieser Abneigung nicht erfasst und beeinflusst zu werden. Denn nichts konnte er in diesem Augenblick weniger brauchen als von der eigene Crew von der Mission im Allgemeinen und dem Romulaner im Speziellen abgelenkt zu werden.<br>Zielstrebig kletterten die beiden dann auch die Treppe hinunter, wo sie auch schon vom Chefingenieur empfangen wurden.<br>„Das ist Lieutenant Sanchez, unser Chefingenieur.“<br>Veritas reichte ihm sogleich die Hand zum Gruß, den Sanchez zögerlich erwiderte. „Admiral Veritas.“<br>„Sie sehen sehr jung aus, Lt. Sanchez. Sie müssen sehr gut sein, schließlich betreuen sie eines der empfindlichsten Stücke romulanischer Technik.“<br>Matt konnte es kaum glauben. Schon wieder stand dieser Veritas einfach da und beleidigte einen seiner Offiziere. Blitzschnell musste er eingreifen, auch wenn er wusste, dass Sanchez nicht so schnell austicken würde wie Ardev.<br>„Ich versichere Ihnen, dass Lieutenant Sanchez der beste Techniker ist, den wir an Bord haben und zudem einer der fähigsten der Flotte“, lobte Price den Chefingenieur und hoffte so etwas Spannung aus dem Raum zu nehmen. Insgeheim wusste er, dass die Spannung das Schiff erst mit Veritas wieder verließe.<br>„Sie haben Recht Commander. Zeigen Sie mir nun bitte die Tarnvorrichtung“, stimmte der Romulaner mit ein und drehte sich zu der Richtung, die Price andeutete. Beide gingen zu einer Tür, die in der vorderen Wand zwischen einigen Monitoren war und eigentlich recht unscheinbar wirkte. Price presste seinen Daumen auf das Kontrollfeld neben der Tür und entriegelte damit die Tür. Denn nur wenige Personen an Bord des Schiffes besaßen Einlass für diesen Raum. Nur etwa ein Dutzend Personen besaßen Zugang.<br>Price und Veritas betraten den dunklen, achteckigen Raum und als sich die Tür wieder schloss beschlich Price das düstere Gefühl in einem Bunker eingeschlossen zu sein. Die weiße Kugel in der Mitte des Raumes schimmerte unendlich hell, fand er. Doch seltsamerweise schien dieser Raum das Licht zu verschlucken. Nicht einmal die wenigen Kontrollen, die sich unmittelbar unter der Kugel und an den Wänden befanden, hatten die Kraft den Raum zu erhellen.<br>Ihn beschlich in diesem Moment ein seltsamer Gedanken. Matt fragte sich in diesem Moment, ob er in diesem Raum schon öfter gestanden hatte wie im Quartier des Captains. Denn die Besuche in jedem der beiden Räume konnte er mit Leichtigkeit an einer Hand abzählen.<br>„Was denken Sie von mir Commander?“, fragte Veritas hinein, was Price wirklich etwas überraschte. Denn im Grunde hatte er eine mehr technische Frage erwartet. Obwohl er in der letzten gelernt hatte im Bezug auf Veritas nichts mehr anzunehmen.<br>„Wieso sind Sie so an unserer Meinung interessiert? Versuchen Sie etwa die Mission zu rechtfertigen, weil sie falsch ist?“<br>„Versuchen sie mich zu analysieren?“, antwortete Veritas mit einer geschickten Gegenfrage.<br>„Versuchen Sie mich zu analysieren?“, wiederholte Price die Frage.<br>„Das habe ich nicht nötig. Unsere Daten in Bezug auf diese Crew sind äußerst umfangreich. Ich brauche Sie nicht zu analysieren, da wir schon ein psychologisches Profil von Ihnen haben.“<br>Verwundert blickte Matt zu Veritas. „Woher haben Sie dieses Datenmaterial?“<br>„Sie stehen vor dem Grund...“, er deutete zur Tarnvorrichtung. „Vor zehn Jahren kam zum ersten Mal offiziell eine Tarnvorrichtung auf einem Föderationsschiff zum Einsatz. Auf der Defiant. Die Bestimmungen für die großzügige Überlassung der Tarnvorrichtung sahen einen Austausch der Geheimdienstberichte vor... zu unserem Vorteil.“<br>Es stimmte, rief sich Price in Erinnerung. Der Vertrag über die Auslieferung der Tarnung hatte den Romulanern in der Tat einen tiefen Einblick in die Föderation gewährt. Dazu noch in einen der sensibelsten Bereiche. Was vor zehn Jahren als Zeichen des gemeinsamen Miteinanders ausgehandelt worden war stellte sich nun als Fehler heraus. Natürlich hatte damals noch keiner mit einem Krieg wie diesem rechnen können. Doch, so machte er sich klar, die Tarnung hier war es wert. Wie sähen wohl die Geschehnisse ohne sie aus? Er mochte es sich gar nicht erst vorstellen. Aber eine andere Frage zwängte sich ihm auf. Würden die Romulaner bereit sein weitere Tarnvorrichtungen zu liefern, sollte die Mission erfolgreich sein? Und was geschähe wenn sie scheiterten?<br>„Nun, wie denken Sie über mich?“, fragte Veritas erneut.<br>„Ich spüre...“, begann er ohne nachzudenken und sammelte all seinen Mut um fortfahren zu können. Was ihm zudem half war Veritas schon beinahe penetrante Siegesgewissheit. „... ihre unerträgliche Arroganz.“<br>„Wir sind ein selbstbewusstes Volk Commander.“<br>„Sie wirken eher wie eine sterbende Supermacht, mit dem Rücken zur Wand, die kaum ein kleines Volk kontrollieren kann.“ Price atmete tief durch und sah zu der glühenden Kugel fremder Technik, die ihnen schon so viel nützliche Dienste erwiesen hatte. „Die letzten Aktionen ihrer Regierung wirkten mehr planlos... hilflos... verzweifelt.“<br>„Ich würde unseren Prätor nicht als verzweifelt beschreiben. Im Gegenteil... er ist ein kompetenter Politiker und hoch dekorierter Militär. Ein erstklassiger Commander-in-Chief.“<br>„Wo wir auch schon beim nächsten heiklen Thema wären... der Prätor. Wie starb denn der alte?“<br>„Ich glaube die Nachricht hat sich sogar bis in die Föderation getragen: Senator Gertek hatte noch eine Rechnung offen und deshalb einen Killer engagiert.“<br>„Das war die offizielle Erklärung... aber ob es auch die richtige war?“<br>„Unsere Gerichte haben ihn verurteilt. Die Polizei fand eindeutiges Beweismaterial gegen ihn. Gertek hatte keine andere Strafe verdient wie den Tod...“<br>Price konnte es nicht glauben. Veritas sprach so ruhig, als diskutierten sie die momentane Wetterlage auf dem Romulus. „Und wieder diese unsägliche Arroganz. Sie meinen doch nicht etwa im ernst, dass sie alles im Universum bestimmen könnten?“<br>„Nur weil die Föderation zu arrogant ist um unseren Herrschaftsanspruch anzuerkennen, hassen Sie uns? Commander jetzt überraschen Sie mich.“<br>„Was mich wirklich überrascht ist, dass Sie Lewinski auf ihre Seite ziehen konnten. Und damit Sie auch mich auf ihrer Seite.“<br>„Nun, wer hätte denn gedacht, dass wir einmal auf der selben Seite stehen“, verkündete Veritas, mit einem leichten Lächeln.<br>„Ich fürchte mich nur herauszufinden, welche Seite dies denn ist.“<br>„Die Seite des Gewinners“, antwortete Veritas siegessicher.<br>„Oder die des Lügners?“<br>„Sie machen da einen Unterschied?“<br>„Ich möchte mein Leben nicht auf einer Lüge errichten“, antwortete Price selbstbewusst.<br>„Aber Sie haben kein Problem damit, wenn Millionen sterben für ihre Wahrheit. Hm, typisch Föderation. Sie haben noch einiges in Punkto Verantwortung und Moral zu lernen.“ Veritas legte sein bestes Pokerface auf und blickte mit unterkühltem Blick zu Price. Er konnte ruhig die Geringschätzung spüren, die er ihm gegenüber empfand. Erhobenen Hauptes trat er darauf zum Ausgang.<br>„Hochmut kommt vor dem Fall...“, sagte Price, als Veritas neben ihm stand und die Türe öffnete.<br>„Vielen Dank, dass Sie mich begleitet haben... und mir einen kleinen Einblick in die menschliche Seele gewährten“, sagte Veritas und zog damit das Gespräch wieder auf seine Bahn. Denn nichts in der Universum sollte dafür sorgen, dass einem Romulaner die Kontrolle entglitt. Und schon gar nicht sollte dies einem kleinen Menschen gelingen.</p><p>John Lewinski betrat die Brücke. Zu seiner großen Überraschung fühlte er sich sogar recht fit, da er letzte Nacht genügend Schlaf bekommen hatte. So fühlte er sich gestärkt für die kommende sehr heikle Mission und eine erneute Konfrontation mit Romulanern.<br>Ardev bemerkte den Captain sofort, als dieser eintrat und fing ihn gleich ab, noch ehe er sich um etwas kümmern konnte.<br>„Captain, wir haben ein Problem.“<br>„Was gibt’s denn Mr. Ardev?“<br>Ardev deutete in den hinteren Bereich der Brücke und Lewinski folgte seinem Wissenschaftsoffizier zum Lagebesprechungstisch. Dort rief er sofort ein Diagramm auf.<br>„Ich bin vor einigen Minuten die Sensorenaufzeichnungen nochmals durchgegangen und etwas Abnormales festgestellt. Sehen Sie hier. Das ist der Tachyonscan unseres Flugs. Er bewegte sich immer beim selben, niedrigen Niveau. Plusminus einer geringen Abweichung durch stellaren Staubs. Vor ein paar Stunden aber saß Commander Sted an der Sensorkontrolle und hat einige unserer Suchparameter verändert. Veritas behauptete zwar, dass sie nur die Suche effizienter gestalten wollten, doch sehen Sie hier...“ Ardev zoomte einen kleinen Ausschnitt der Kurve heran. An einer Stelle war deutlich zu sehen, wie die Kurve kerzengerade absackte.<br>„Welche Erklärung haben Sie dafür?“<br>„Keine vernünftige... dies dürfte nicht möglich sein.“<br>„Haben Sie das schon jemand anderem berichtet?“<br>„Nein, nur Ihnen.“<br>„Belassen wir es vorerst dabei. Schicken Sie mir das alles in meinen Bereitschaftsraum. Übernehmen Sie wieder das Kommando, bis Commander Price wach ist. Ich werde mir solange die Daten genauer ansehen.“<br>Ardev nickte. Auf den Captain war eben Verlass.</p><p><i>Sie lächelte. So wie sie es immer tat. Er fühlte sich wohl. Sogar jetzt. Nur mit Mühe brachte er ein lächeln zustande. Niemals, aber wirklich niemals wäre er in der Lage gewesen einähnlich bezauberndes Lächeln wie das ihre zu erzeugen. Ein lächeln, das Welten in Bewegung setzen konnte.<br>Sie fühlte sich gut an. So wie sie es immer tat, wenn er sie in den Arm nahm, wenn sie in seiner Nähe war, was viel zu selten geschah. Er wusste auch genau, was der Grunde dafür war. Nämlich er selbst.<br>Noch nie hatte er sich aber so gut gefühlt wie mit ihr. Bei ihr fühlte er sich aufgehoben. Sogar seine Arbeit kam ihm unwichtig vor.<br>Er atmete tief ein und roch ihr wundervoll nach Früchten duftendes Haar, die zarte Haut verursachte immer noch eine Gänsehaut, wenn er sie berührte. Doch er freute sich über das Gefühl. Er verzehrte sich regelrecht danach.<br>Er liebte sie. Für all die Gefühle, die ihm bisher gefehlt hatten, für das Wissen nun perfekt, vollkommen zu sein.<br>Und sie liebte ihn. Für den Respekt der er ihr entgegenbrachte. Und für die bedingungslose Liebe ohne auch nur eine Frage zu stellen.<br>Aus diesem Grund hatte er sie geheiratet. Sie schenkte ihm dafür einen wundervollen Sohn. Dies waren, so wusste er jetzt, die wunderbarsten Jahre seines Lebens. Mit einem Mal kamen sie ihm so verschwendet vor.</i></p><p>„Hey, wachen Sie auf!“<br>Kret schreckte hoch. Er benötigte nur den Bruchteil einer Sekunde um wieder Herr seiner Sinne zu sein. „Ich habe nicht geschlafen. Ich war nur in Gedanken.“<br>„Natürlich“, sagte Endar. Der Talarianer saß neben Kret in der ersten Reihe des Shuttles. Durch das Fenster vor ihnen sahen sie die Warpsterne vorbeiziehen.<br>Kret blickte auf die Anzeigen. Mit dem Augenwinkel erkannte er die Uhr. Er hatte etwa eine Stunde geschlafen. Was nicht verwunderlich war. Denn nun stand er schon beinahe 10 Tage unter Hochspannung. Schlaf hatte er dabei seltenst gefunden. Er verdankte es einer Wunderdroge des Tal Shiar, dass er nicht im Stehen einschlief.<br>Endar war ebenso in schlechter Laune. Noch immer trug er die schäbige Gefängniskleidung. Zudem hatte er im letzten Jahr einiges an Gewicht verloren und war im Moment nur noch ein Schatten des berühmten Admiral Endar von Talar. Natürlich hatte er sich über die Befreiung aus dem romulanischen Internierungslager gefreut. Doch als er sah, dass er vom Regen in die Traufe gekommen war schlug seine Stimmung auch schon wieder um.<br>„Ich habe auf die Anzeigen gesehen. Wir fliegen zum Vulkan, stimmts?“, fragte der Talarianer.<br>„Das ist richtig“, antwortete Kret. Jetzt hatte er ja keinen Grund mehr zu schweigen. Sie alle saßen im selben Boot... und zudem konnte man die Anzeigen nur verändern, wenn er einen persönlichen Code eingab.<br>„Wieso tun Sie das alles? Es ergibt keinen Sinn für mich.“<br>„Plötzlich wollen Sie also reden? Nachdem wir uns tagelang angeschwiegen haben?“<br>„Es gibt eben nicht viele Gesprächspartner an Bord. Außerdem möchte ich erfahren wofür ich gekidnappt wurde. Nicht, dass mir viel daran liegt zurückzukehren...“<br>„Sie sollten ihm nichts sagen, Romulaner“, empfahl der dritte Passagier an Bord des Shuttles. Der Remaner mit dem Namen Techniker saß an einer der hinteren Konsolen und überwachte die Maschinen.<br>„Wieso denn nicht?“, fragte Kret, nachdem er sich zu Techniker umgedreht hatte. „Ich bin schon ein Verräter. Der Tod wartet schon seit einigen Tagen auf mich. Ich kann jetzt tun und lassen was ich will.“<br>„Ich vertraue Ihnen nicht. Keinem von ihnen beiden“, bekundete Endar.<br>„Nun, ich vertraue Ihnen auch nicht. Das ist doch schon mal eine gemeinsame Basis, auf die wir bauen können.“ Kret wandte sich wieder zu den Anzeigen und den Sternen. „Ich möchte dass Ihnen klar ist, dass wir die drei wichtigsten Personen in diesem Krieg waren.“ Kret deutete auf den Remaner „Fragen Sie nicht wie schwer es war, den Erbauer der Bombe zu finden und zu überzeugen mit mir an Bord zu kommen. Da war es ja geradezu ein Kinderspiel in das Hochsicherheitsgefängnis auf Talar einzubrechen.“<br>Endar rollte mit den Augen. „Ein Remaner hat die Bombe gebaut? Und uns hat man deshalb beinahe ausgerottet? Wieso?“<br>„Weil ich es so beschlossen habe. Ich war der Leiter des Teams, der die Bombe untersuch hat, der herausfand, dass die Remaner Schuld trugen und ich war derjenige der beschloss, dass nichts besser sei für ein zerstrittenes Volk als ein kleiner Krieg gegen einen unterlegenen Gegner.“<br>„Du meine Güte!“, stöhnte Endar. Des Öfteren hatte er sich schon gefragt, wie es zu diesem Krieg kam. Doch den wahren Grund wirklich einmal zu erfahren war mehr als er erträumt hatte.<br>„Machen Sie sich beide von dieser Situation keine falschen Hoffnungen. Es ist ein kleines Wunder, dass wir hier sind und um ehrlich zu sein rechne ich eigentlich nicht mit einem Erfolg.“<br>„Mit einem Erfolg?“, fragte Endar.<br>„Ich will endlich reinen Tisch machen. Ich überbringe der Föderation die wahren Kriegsgründe. Ich habe die Reste der Bombe dabei, ich habe denjenigen dabei, der sie gebaut hat und ich habe den Anführer der Talarianer dabei, der beweisen kann, dass sein Volk niemals einen Aggression gegen uns hegte – zumindest bis heute nicht.“<br>„Und wie kommen Sie zu dieser überraschenden Einsicht ihrer Motive?“, fragte Endar verächtlich. Noch immer wahr es für ihn wahrscheinlicher in einer von den Romulanern künstlich erzeugten Simulation zu sein, mit dem Vorhaben verbliebene geheime Verstecke zu verraten.<br>„Es gibt mehrere Gründe. Es begann alles vor... es fühlt sich schon an wie eine Ewigkeit. Mein Sohn starb auf Talar bei einem Anschlag ihrer Leute auf einen unserer Konvois. Ich mache Ihnen keine Vorwurf deshalb, nein, nicht im Geringsten, ich hätte ebenso gehandelt wie die Rebellen auf Talar, wäre der Romulus besetzt.<br>Ich begann nachzudenken. Über all die Toten. Über all das, was als Kollateralschäden anfiel in diesem Krieg anfiel... zwei vernichtete Völker, Dutzende Bestechungen, Intrigen, dunkle Machenschaften, ein toter Prätor, mein toter Sohn.“<br>Kret schwieg einen Moment und unterdrückte die Tränen.<br>„Die letzte Frage, die mir meine Frau stellte, bevor ich abflog lautete: War es das wert? Ich sagte: nein. Ich stellte fest, dass all die Toten auf meinem Gewissen lasteten. Dies hier ist nur der verzweifelte Versuch all die Toten im richtigen Licht sterben zu lassen. Für die Wahrheit und nicht für meine Lüge.“<br>Endar sah erschrocken zu Kret. „Ich sitze hier mit einem Verrückten.“<br>„Er hat Sie gerettet“, konterte der Remaner.<br>„Dies ist ein Himmelfahrtskommando!“, schrie Endar. „Ich glaube ich hätte in meiner Zelle auf Talar eine längere Lebenserwartung wie hier.“ Eindringlich sah der Talarianer zu dem romulanischen Tal Shiar Agenten. „Aufgrund ihres schlechten Gewissens ist Ihnen nichts Besseres eingefallen als mit einem kleinen Shuttle zum Vulkan zu fliegen? Ihre Arbeit muss Sie wirklich weltentfremdet haben.“<br>„Es tut mir leid, dass ich nicht rückgängig machen kann, was geschehen ist. Glauben Sie mir, ich würde es tun“, antwortete Kret so ehrlich er nur konnte.<br>„Oh nein. Sie würden nur den Tod ihres Jungen rückgängig machen. Denn dann hätten Sie die ganzen Probleme nicht.“<br>Kret schwieg. Was sollte er auch dazu sagen. Endar wollte ihm nicht glauben. Aber Endar hatte auch recht zu einem gewissen Teil. Erst nach dem Tod seines Sohnes war er von der Falschheit seiner Taten überzeugt gewesen. Wäre er dies auch ohne dieses tragische Ereignis? Zählte dies überhaupt noch aufgrund dessen, was er nun vor hatte?<br>Er spürte das Ende der Zweifel kommen, das Ende der Fragen und... sein Ende.<br><br>Ein Warngeräusch riss alle auf der Brücke aus einer Art Lethargie. Noch bevor Arena Tellom die alles entscheidende Meldung gab wusste Lewinski, dass es losging.<br>„Wir haben die Warpspur des Shuttles.“<br>Lewinski sprang sofort auf aus seinem Stuhl auf. „Kurs angleichen. Roter Alarm!“<br>Die Indikatoren blinkten auf. Endlich, fuhr es Price durch den Sinn, der an der Steuerkonsole saß. Hat diese elende Warterei ein Ende und bald auch diese Mission.<br>„Legen Sie die Daten auf den Schirm.“<br>Sofort nachdem der Captain den Befehl ausgesprochen hatte wurden auf dem Hauptbildschirm nicht mehr die Warpsterne angezeigt sondern eine schematische Darstellung des vor ihnen liegenden Raumes. Eine Reihe an Daten gab dabei die Warpspur an und approximierte die Position des Shuttles.<br>„Gute Arbeit“, lobte Veritas. Gemeinsam mit Sted stand dieser nun im hinteren Bereich der Brücke. Dabei wirkten sie so entspannt als hätten sie alle Zeit der Welt. „An Sie alle. Sie sind eine vorbildliche Crew. Ihrem Captain treu ergeben, loyal und selbstbewusst. Ich könnte fast meinen, ich sei auf einem romulanischen Schiff.“<br><i>Er kann es nicht lassen,</i> dachte sich Price. <i> Selbst in Lob verpackt er die Geringschätzung, die die Romulaner gegenüber anderen Völkern empfinden.</i><br>„Ich nehme dies mal als ein Kompliment“, entgegnete Lewinski so diplomatisch wie es ihm möglich war.<br>„Oh in der tat Captain, das war eins. Und das romulanische Imperium ist ihnen allen zutiefst für die Hilfsbereitschaft dankbar, die sie uns haben zukommen lassen“, fuhr Veritas ungerührt fort.<br>„Sie wissen genau, wem Sie diese Hilfe verdanken haben...“ warf Price ein.<br>„...und unsere Regierung wird die gesamte Föderation mit einer großzügigen Geste belohnen aber Captain...“, Veritas wandte sich an Lewinski und der Gesichtsaudruck des Romulaners wurde erneut zu Stein. „Ab hier übernehmen wir. Ganz wie es ihre Befehle vorschreiben.“<br>Alle hielten einen Moment inne und warteten auf die Entscheidung des Captains. Diese Momente waren immer die schwersten für einen Captain. Er verlor praktisch die Kontrolle über sein Schiff und musste auch ein wenige die Verantwortung abgeben, die er gegenüber der Crew hatte. Doch noch konnte er nachgeben, gegensteuern oder etwas anderes machen.<br>„Die Mission gehört Ihnen“, bestätigte Lewinski.<br>„Dann lassen Sie die Tarnung fallen und ergreifen das Schiff mit einem Traktorstrahl. Bringen Sie es aus dem Warp raus. Sie brauchen nicht zu zimperlich sein, das Shuttle ist stabil gebaut. Warten Sie damit auf mein Zeichen. Ich werde mich dann rüber beamen, bevor sie reagieren können.“<br>Price sah zu Lewinski. Matt konnte die Adern sehen, die auf der Stirn des Captains pulsierten und verzweifelt Blut zum Gehirn pumpten.<br>„Ich begleite sie zum Transporterraum, Commander Price Sie haben die Brücke.“<br>„Aye Skip“, bestätigte Price und sah ein klein wenig fassungslos zu, wie Lewinski und Veritas Seite an Seite die Brücke verließen.</p><p>Die wenigen Meter bis zum Transporterraum hatten sie schnell hinter sich gebracht. Veritas gab die Koordinaten für den Transport ein und trat dann auf die Plattform.<br>„Ich gebe Ihnen ein Zeichen, wenn Sie mich wieder zurückholen sollen.“<br>Lewinski sah stumm zu Veritas. Deutlich war die Waffe zu erkennen, die der Romulaner in einer Seitentasche trug. „Verstanden.“<br>„Veritas an Brücke. Ausführen“, wies er über die Interkom an.<br>Nach nur einer Sekunde verblassten die blauen Indikatoren und der Geräuschpegel nahm ab. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass das Schiff aus dem Warp gefallen war.<br>„Wir haben das Schiff“, bestätigte Price über die Lautsprecher.<br>Veritas nickte Lewinski zu und dieser betätigte die Transportkontrolle. Veritas entmaterialisierte. Lewinski hingegen tippte einen neuen Befehl ein und stellte sich in Windeseile ebenfalls auf die Plattform.<br><br>Nur einen Moment später fand auch er sich auf dem romulanischen Shuttle wieder. Zu Veritas großer Überraschung.<br>„Sie sollten auf Ihrem Schiff bleiben“, protestierte Veritas lautstark. Seine Waffe hatte er schon im Anschlag und zielte damit auf die beiden Passagiere, die vor ihm saßen. Das Shuttle war schon recht groß. Größer wie Lewinski es sich vorgestellt hatte. Irgendwo ein Mittelding aus den neuen Flyern, die die Voyager Crew entwickelt hatte und den großen Runabouts der Danube-Klasse. Auf jeden fall gab es hier genug Platz um sich zu bewegen und auf die Konsolen Zugriff zu nehmen.<br>An einer der Flanken saßen zwei Männer. Der Talarianer Endar sowie ein Remaner.<br>„Das ist ein Remaner, kein Romulaner...“<br>„Das ist mir auch aufgefallen Mensch!“, fertigte Veritas Lewinski ab und wandte sich dann an die beiden Passagiere, die ruhig auf ihren Sitzen warteten. „Wo ist er? Wo versteckt er sich?“<br>Endar drehte den Kopf und sah zu Lewinski. Direkt in seine Augen. „Ich hätte mir denken können, dass die Föderation diese feige Aktion der Romulaner unterstützt. Wahrscheinlich habt ihr den dreckigen Bastarden auch noch im Krieg geholfen.“<br>„Wir haben niemandem im Krieg geholfen. Wir haben alles versucht um ihn zu verhindern“, antwortete Lewinski.<br>„Das sieht man ganz deutlich. Seite an Seite stehen Sie hier mit den Romulanern!“<br>„Sie planen einen Anschlag auf den Vulkan, das können wir nicht zulassen.“<br>„Einen Anschlag? Sind Sie wahnsinnig?“, staunte Endar. Er konnte Lewinskis Worten nicht glauben. Zu widersprüchlich standen sie zu seinen Erlebnissen und zu Krets Aussagen.<br>„Sie sind zu allem entschlossen“, antwortete Lewinski ruhig.<br>„Ich habe genug...“ Veritas schoss auf Endar. Der Knall der Waffe war ohrenbetäubend und hörte sich wie ein Donnerschlag an. Endar musste sofort tot gewesen sein. Denn es konnte nicht schmerzfrei sein, wenn sich der Körper Schicht um Schicht auflöste. Lewinski musst sich wegdrehen so grauenvoll war der Anblick. Veritas schien es nichts auszumachen, ebenso wenig dem Remaner.<br>„Wo ist er?“, fragte Veritas und hielt die Waffe an den Kopf des Remaners.<br>„Was wird hier gespielt Veritas?“, fragte Lewinski, nachdem er sich wieder etwas von den Bildern des Mordes an Endar erholt hatte.<br>„Sie brauchen niemand erschießen“, klang Krets Stimme aus dem Interkom. „Ich bin hier.“<br>„Sie sind erledigt.“<br>„Ich wusste irgendwie, dass Sie es schaffen mich zu finden Nummer 2. Nur Sie hatten das Potenzial dazu. Und wie ich sehe haben Sie einen neuen Freund in der Föderation gefunden.“<br>„Ich helfe Admiral Veritas nur dabei Sie aufzuhalten...“<br>„Ich habe es gehört. Captain, ich plane keinen Anschlag auf den Vulkan. Das Gegenteil ist der Fall. Ich will einen großen Fehler erklären. Mehr nicht.“<br>Veritas entdeckte in diesem Moment etwas, dass seine gesamte Aufmerksamkeit forderte. Es war der Rucksack, den Kret mit an Bord gebracht hatte. Mit schnellen Handgriffen wurde der Rucksack geöffnet und Veritas sah den Inhalt. „Sie haben es gestohlen... unglaublich.“<br>Die Worte waren noch nicht verhallt, als Veritas auch auf den Rucksack schoss und dieser sofort verdampfte.<br>„Was da eben vernichtet wurde, Captain, waren die Reste der Bombe, mit der damals der Anschlag auf den Senat verübt wurde. Die winzigen Reste wurden in flüssigem Stickstoff eingefroren. Doch jetzt sind sie endgültig verloren... und mit ihnen jede Hoffnung.“<br>„Verdammt Nummer 1... Ist es denn richtig den Frieden nur aufgrund der Wahrheit zu riskieren?“<br>„Ist es richtig einen Krieg aufgrund einer Lüge zu führen?“, fragte der Remaner.<br>„Oder ist es etwa richtig Menschen zu töten, nur weil man Angst vor der Wahrheit hat? Wie weit sind denn unsere Tugenden gefallen, Nummer 2?“<br>Lewinski sah verwirrt zur Decke. „Was soll das? Ich verstehe nicht was hier gespielt wird.“<br>„Zählen Sie eins und eins zusammen Mensch...“, forderte der Remaner auf. „Beginnen Sie den Wald zu sehen und nicht die Bäume...“<br>„Welche Rolle spielen Sie in diesem Puzzle?“, fragte Lewinski den Remaner.<br>„Er hat die Bombe gebaut“, lautete die Antwort von Nummer 1.<br>Die Stimme war noch nicht verhallt als Veritas erneut schoss. Direkt in den Kopf des Remaners. Auch der Remaner löste sich Schicht um Schicht auf ohne auch nur ein Atom zu hinterlassen.<br>„Jetzt hören Sie genau zu, Lewinski...“, begann Nummer 1.</p><p><i>... was wirklich geschah:</i></p><p><i>... „Die Untersuchung der verwendeten Materialien und die Genanalysen lassen keinen Zweifel mehr zu“, wiederholte der Leiter abermals, „die Bombe stammt von Remus und...“<br>„... die Genanalysen deuten auf Remaner als die Urheber dieses Attentats hin“, vervollständigte Nr. 2 den Satz. „Was Schlimmeres hätte nicht eintreten können.“<br>„Vor allem nicht in Anbetracht des letzten Zwischenfalls mit den Remanern und Shinzon“, brummte Nr. 1.<br>„Verdammt, “ fluchte der Leiter und blickte kurz seine ihm treu ergebenen Stellvertreter an, „schon nach dem Enterprise-Zwischenfall ist der Föderation bewusst geworden, dass die Remaner aufständig geworden sind. Mehr denn je wollen sie ihre Freiheit haben. Wenn nun herauskommt, dass sie für diesen schrecklichsten Anschlag in der romulanischen Geschichte verantwortlich sind, wie stehen wir dann da?“<br>„Wir erscheinen wie ein Imperium, dass sein Volk nicht kontrollieren kann“, dachte Nr. 1 laut.<br>„Man wird uns für zerrissen und in Folge dessen für schwach halten“, meinte Nr. 2, was ein Nicken der beiden anderen Romulaner hervorrief. „Im schlimmsten Fall hält man uns für so verwundbar, dass dies äußere Feinde auf den Plan rufen könnte. Ich muss ja niemanden hier im Raum an die Klingonen erinnern.“<br>„Sie glauben doch nicht im Ernst, dass die Klingonen als Mitgliedsvolk der Multiplanetaren Allianz uns etwas antun könnten?“ Nr. 1 hielt diese Möglichkeit für undenkbar. „Die MPA würde sofort einschreiten.“<br>„Möglich ist alles.“<br>„Ich wünschte nur, wir hätten dies nie entdeckt“, murmelte der Leiter und niemand konnte ihm diesen Gedankengang verübeln. „Wir dürfen dies jedoch nicht zulassen. Das Romulanische Sternenreich muss stark erscheinen und stark sein. Wir brauchen etwas, was die Moral unseres Volkes wieder aufrichtet.“<br>„Haben sie etwas Spezielles im Sinn, Sir?“<br>Kurz dachte der Leiter nach.<br>„Wissen andere Tal Shiar Abteilungen etwas über unsere Erkenntnis?“<br>„Nein, niemand.“<br>„Die Regierung?“<br>„Wartet immer noch auf unsere Ergebnisse.“<br>Nun lächelte der Leiter. Die Lösung war einfach, aber genial.<br>„Wie schweißt man ein Volk zusammen?“ fragte der Leiter rhetorisch.<br>„Man gibt ihm ein gemeinsames Ziel“, antworteten Nr. 1 und Nr. 2 zeitgleich.<br>„Am besten geht dies mit einem äußeren Feind, nicht wahr?“<br>„Korrekt, die Geschichte lehrt einem, das ein Volk zusammenhält, wenn es von außen bedroht wird“, erklärte Nr. 2.<br>„Sie denken doch nicht an die Klingonen?“ fragte Nr.1 sorgenvoll. „Unsere Ressourcen sind nach dem Dominionkrieg immer noch zu erschöpft, um uns einem solch totalen und langwierigen Krieg zu stellen.“<br>„Nein, “ der Leiter schüttelte den Kopf, „die Moral unseres Volkes wird am besten dadurch hergestellt, dass wir unsere Stärke und unsere Überlegenheit demonstrieren können.“<br>Der alte Leiter ließ eine Sternenkarte auf dem Projektor erscheinen, sah sie sich kurz an und deutete dann mit einem Finger auf eine Stelle nahe der Grenze. Seine beiden Stellvertreter lasen beide, was dort stand:<br>„Die Talarianische Union.“<br>„Die Talarianer sind uns mindestens 50, wenn nicht gar 100 Jahre in der Entwicklung zurück, “ erklärte der Leiter den aus seiner Sicht genialen Plan. „Ein Sieg über sie wäre nur eine Frage von Monaten, wenn nicht sogar von Wochen. Wie gesagt: ein schneller Sieg, der unsere Entschlossenheit und Überlegenheit demonstriert. Dadurch wird uns niemand für schwach halten.“<br>„Wie schaffen wir es die Talarianer zu attackieren ohne...“<br>„Wir manipulieren die Beweise“, schlussfolgerte Nr. 1. „Wir lassen die Talarianer, die ohnehin eine kriegerische Spezies sind, als die Attentäter erscheinen. Infolgedessen würde der Krieg als ein legitimer Akt der Selbstverteidigung aussehen.“<br>„Genial“, konstatierte Nr. 2<br>Auch der Leiter war zufrieden. Wenn alles gut ging, würde das Romulanische Reich gestärkt aus dieser Sache hervorgehen. Sie musste nur vorsichtig sein.<br>„An die Arbeit, meine Herren! Wir haben nicht viel Zeit, um unser Volk neu erblühen zu lassen!“<br><br>... „Inzwischen bin ich zu der Ansicht gelangt, dass die Talarianer nicht den Anschlag auf den romulanischen Senat begangen haben. Um sie jedoch in diese Ecke zu drängen hat man diesen zweiten Angriff inszeniert, um den Romulanern die Begründung für eine Invasion geben zu können.“<br>„Das ist harter Tobak. Hast du dafür irgendwelche Beweise?“<br>„Nein, es ist nur ein Gefühl.“<br>„Das Gefühl haben wir zwar alle“, gab John Lewinski zu und erntete dafür zustimmende Blicke seiner Crew, „aber um so eine perfide Täuschung aufzudecken bräuchten wir mehr als nur unsere Vorahnungen.“<br>„Mehr haben wir jedoch nicht.“<br><br>... „Und wer sind sie?“ fragte der Prätor seinen Gegenüber, der sich höflich verneigte.<br>„Ich bin der Leiter dieser Abteilung“, stellte sich der Chef ruhig vor.<br>„Wie lautet ihr Name?“<br>„Der geht sie nichts an.“<br>Das Gesicht des Prätors verfärbte sich angesichts dieser Worte, es wurde rot und nahm einen wütenden Ausdruck an.<br>„Es geht mich nichts an?“ wiederholte der Anführer des Romulanischen Reiches, so als sei er sich nicht sicher, ob er das eben Gesagte richtig verstanden habe. „Es geht mich nichts an, meinen sie? Sind sie sich überhaupt im Klaren, wen sie hier vor sich haben?“<br>„Selbstverständlich“, entgegnete der Leiter mit gefasster Stimme, „sie sind der Prätor des romulanischen Senats.“<br>„Und damit de facto ihr Vorgesetzter!“<br>„Laut der Verfassung schon“, stimmte ihm der Leiter zu.<br>„Laut der Verfassung? Die Verfassung ist das einzig maßgebliche in diesem Staat!“<br>Amüsiert schmunzelte der Leiter der Abteilung Blau. Es war schon lange her, seitdem er so viel Idealismus gehört hatte; Empfindungen, die er schon vor langer Zeit abgelegt hatte.<br>„Hier unten, “ erklärte er und deutete auf den sie umgebenden Raum, „spielt die Verfassung keine Rolle. Und mit ihr keine Gesetze, keine Beziehungen, keine Freundschaft. Hier unten arbeiten wir nur mit kühler Logik. Aus diesem Grund wurde dieser Bereich des Tal Shiar geschaffen.“ <br>„Wann?“ wollte der Prätor wissen.<br>„Lange vor ihrer Zeit, sogar lange bevor ich überhaupt Leiter dieses Bereiches wurde. Auch wenn ich ihnen gerne eine definitive Antwort auf ihre Frage liefern würde, so muss ich sie leider enttäuschen. Ich selbst weiß nicht, wie viele Vorgänger ich habe. Diese Informationen unterliegen der Geheimhaltung.“<br>Langsam kam der Prätor auf ihn zu, starrte ihm in die Augen und versuchte irgendwelche Informationen darin zu finden. Doch er fand nichts davon und so wendete er sich den Darstellungen auf den Monitoren zu, die den Kriegsverlauf zeigen.<br>„Sie scheinen gut informiert zu sein.“<br>„Wir sind die Tal Shiar“, entgegnete der Leiter, so als würde diese Antwort alle Fragen überflüssig machen.<br>„Ich habe gehört, dass sie eine recht interessante Rolle in diesem Krieg gespielt haben“, meinte der Prätor schließlich und brachte so den Leiter erstmals außer Fassung. Wie kam er nun darauf?<br>„Wer sagt ihnen das?“ fragte der Leiter, wobei nun seine Stimme weniger gefasst klang als noch zu Beginn.<br>„Eine verlässliche Quelle“, war das einzige, was der Prätor als Antwort von sich gab.  Scheinbar genoss es der Politiker nun einmal auf der Siegerstrasse dieser Konversation zu sein. „Ich bin aus dem einfachen Grund hier, um sie zu fragen, ob dies alles stimmt. Obwohl ich mich scheinbar der Tatsache stellen muss, dass meine Informationen richtig sind. Wenn ich diesen Raum hier so betrachte gibt es einiges, was meinem Amt bisher vorenthalten worden ist.“<br>„Was soll denn stimmen?“ blockte der Leiter scheinbar begriffsstutzig die Frage ab.<br>Abermals wandte der Prätor nun seine gesamte Aufmerksamkeit auf den Leiter der Abteilung Blau und ein weiteres Mal fixierte er ihn mit seinem Blick. Ein äußerst seltsames Bild, da der Prätor fast zwei Köpfe kleiner als sein Gegenüber war.<br>„Haben sie diesen Krieg ausgelöst?“ stellte der Führer Romulus die entscheidende Frage.<br>„Ja, dies habe ich“, antwortete der Leiter ehrlich. Aus irgendeinem Grund versuchte er keine Sekunde lang die Wahrheit zu verheimlichen, doch kurioserweise machte dies den Prätor nicht stutzig. Dieser war viel zu sehr damit beschäftigt diese schockierende Wahrheit zu verarbeiten. Auch wenn dieser Jellico ihm gesagt hatte, dass genau dies geschehen war, so hatte er nicht mit dieser Wahrheit gerechnet. Dies durfte doch nicht alles wahr sein!<br>„Sie geben also zu, dass wir seit über einem halben Jahr einen Krieg führen, in dem Tausende Talarianer gestorben sind, in dem unzählige Kolonien vernichtet wurden und das alles aufgrund einer Lüge ihrerseits?“<br>„Ja.“<br>Diese einfache und neutral vorgetragene Antwort erschallte in dem bläulichen Raum wie ein Donnerschlag.<br>„Mein Gott, wir sind dabei einen ganzen Planeten zu bombardieren...“ murmelte der Prätor erschrocken und taumelte langsam zurück. Das Blut schoss ihm ins Gesicht, als er sich den fatalen Konsequenzen dessen bewusst wurde, was ihm eben bestätigt wurde.<br>„Wenn sie möchten, “ fuhr der Leiter erklärend fort, „kann ich ihnen sogar ein Transscript der Planung dieser Tat zeigen. Ich habe alles archiviert.“<br>Langsam wich der Prätor von dem Leiter zurück, angewidert schüttelte er sich. Er machte sich auf den Weg zum Ausgang und rief:„Wir müssen diese Invasion stoppen! Dieser ganze Krieg ist falsch! Seien sie sich sicher, ich werde sie vor Gericht bringen!“<br><br>... „Was ist geschehen, John?“<br>Kurz räusperte sich der Kommandant der Monitor, dann erklärte er:<br>„Es ist noch nicht publik gemacht worden, aber der romulanische Prätor ist tot.“<br>„Was?“ entfuhr es Bruce Land erschüttert. „Aber wie kann das sein? Er war doch noch so jung...“<br>„Unsere Informanten auf Romulus haben uns einige Details übermitteln können, bevor die Kanäle dicht gemacht wurden,“ fuhr Lewinski mit seinen Ausführungen fort, „und wir haben keinen Zweifel daran, dass der Prätor ermordet wurde.“<br>„Unglaublich!“ war das einzige, was Commander Land dazu noch einfiel. Ausgerechnet nun ein toter Politiker! Schließlich begann er stutzig zu werden.<br>„Dies sind natürlich brisante Nachrichten, John, aber wieso erzählst du mir davon? Immerhin bin ich nicht mehr im aktiven Dienst des SFI.“<br>Abermals räusperte sich John und blickte für einen Moment verlegen zu Boden. Anscheinend musste er nun etwas sagen, was ihm ganz und gar nicht gefiel:<br>„Mithilfe der wenigen Informationen, die wir zusammentragen konnten, war es uns möglich den Attentäter zu ermitteln und es scheint so als stimme uns der Tal Shiar zu. Es war Nocks.“<br><br>... Zufrieden war wohl der eheste Ausdruck, mit dem man die Gefühlswelt von Nummer Zwei beschreiben konnte. Der zweite Stellvertreter des Direktors von Abteilung Blau des Tal Shiars befand sich auf der großen Brücke eines Scimitair-Klasse Schlachtschiffes und beobachtete erfreut, wie ein weiterer, von dem Schiff abgefeuerter, Torpedo auf Remus einschlug. Die Offensiven liefen ausgezeichnet. Noch einige Wochen mehr und dann würde dieses widerspenstige Volk endlich gezähmt worden sein. Eine Rebellion, die mit dem Angriff auf den romulanischen Senat begann, würde dann endlich vorbei sein. Nummer Zwei freute sich auf diesen ruhmreichen Moment. Wenn die Galaxis doch nur die Wahrheit über dies alles wüsste… Süffisant lächelte er, als ihm die nächste Phase ihres Plans bewusst wurde. Es konnte nicht mehr lange dauern.<br>„Exzellenz“, meldete ein Techniker, der wie alle Romulaner bei dieser Operation zur Abteilung Blau gehörte, „das Signal wurde übermittelt.“<br>„Gut, nehmen sie Kurs auf.“<br>Wieder lächelte er. Alles lief nach Plan...</i></p><p>„... nun, es lief allerdings nicht alles nach Plan.“ Nummer 1 schwieg kurz und gab Lewinski einen Moment die neuen Informationen zu verarbeiten. „Tun Sie mir einen Gefallen, Captain?“<br>„Was für einen?“, fragte Lewinski.<br>„Auf dem Pilotensitz liegt ein PADD. Darin steht so etwas wie ein Testament. Ein letzter Wunsch wenn Sie es so wollen. Er betrifft vor allem meine Familie...“<br>„Ihre Frau ist tot! Wissen Sie das?“, schrie Veritas in die Interkom.<br>Schweigen.<br>„Ich weiß es.“<br>„Ihre Leiche wurde vom Meer angeschwemmt.“<br>„Auch das weiß ich...“, erklärte Kret weiter.<br>„Woher wollen Sie das wissen?“, fragte Veritas.<br>„Meine liebe Frau ist... war die einzige Person, die mich von dieser Mission hätte abhalten können. Ein Blick von ihr hätte genügt um mich zurückzuholen. Das konnte ich nicht zulassen...“<br>„Sie haben sie getötet“, erkannte Lewinski richtig.<br>„Sie sind krank“, ergänzte Veritas.<br>„Es tut mir leid Captain, aber ich war nie ein guter Mann... Ich war für Kriege, Intrigen und Morde verantwortlich, egal ob es nur einen oder Millionen betraf... Skrupel hatte ich nie.“<br>„Ich ebenso wenig...“ Veritas hob seine Waffe und zielte damit auf Lewinski.<br>„Senken Sie die Waffe Nummer 2.“, befahl Kret.<br>„Ich bin nicht mehr ihre Nummer 2. Ich bin jetzt die Nummer 1.“<br>„Mir ist egal welche Nummer Sie haben oder wie Sie sich nennen mögen. Tatsache ist nur, dass ich meine Waffe an Ihre Schläfe halte. Und das mit dem Skrupel hatten wir schon einmal.“<br>Veritas zögerte.<br>Lewinski nutzte diese Gelegenheit. „Warten Sie... alle beide. Wir können das nicht tun.“<br>„Was können wir nicht tun?“, fragte Veritas.<br>„Wir können das niemand erzählen. Denken Sie doch nach. Was nutzt dem Quadranten ein instabiles romulanisches Imperium? Wie schnell hätten sie sich mit den Klingonen wegen Grenzstreitigkeiten in den Haaren? Die diplomatische Arbeit würde um Jahrzehnte zurückgeworfen. Was nützt denn die Wahrheit jetzt noch?“<br>„Sie öffnen damit Tür und Tor für unsere Regierung und den Tal Shiar genau so weiter zu machen. Außerdem lässt sich die Föderation jetzt schon erpressen. Meinen Sie denn, die Probleme werden weniger?“, stellte Nummer 1 dahin.<br>„Das weiß ich nicht. Aber wenn wir jetzt richtig handeln haben wir vielleicht noch eine Chance, dass das alles nicht in einem Desaster endet“, mutmaßte Lewinski.<br>„Menschen...“, seufzte Kret verärgert und machte damit einen Fehler. Verächtlich drehte er sich nämlich von Lewinski weg und streifte Veritas unbewusst. Dieser kombinierte und drehte sich herum. Seine Hand griff in die leere Luft und packte etwas. Wieder hallte ein donnernder Schuss durch das Shuttle. <br>Die Luft erzitterte, als Veritas das Objekt los ließ. Plötzlich wurde Kret sichtbar. Gerade rechtzeitig, damit jeder sehen konnte, wie auch er sich Schicht um Schicht auflöste. Bevor der fallende Körper dann den Boden erreicht hätte, gab es ihn auch schon nicht mehr. Lewinski hatte diesen Akt beobachtet ohne auch nur einmal zu blinzeln. Ein komische Gedanke kam ihm in den Sinn. Er hatte gar keine Waffe erkennen können. Kret hatte geblufft. Um sein Leben zu retten.<br>Damit war aber auch klar: ihre eigentliche Mission war erfüllt. Endlich hatte er deren wahre Natur erkannt und erfahren, wieso die Romulaner logen und betrogen und wieso sie alles in die Waagschale legten um dieses Shuttle aufzuhalten.<br>Lewinski sah zu Veritas und direkt in den Lauf der Waffe.<br>„Jetzt wissen Sie es. Jedes Detail.“<br>Doch Lewinski blieb stumm. Wenigstens jetzt wollte er wie ein aufrechter Mann handeln.<br>Bis er etwas hinter Veritas sah. Lewinski stand genau so, dass er durch das vordere Fenster sehen konnte, der Romulaner jedoch hatte diesem den Rücken zugewandt.<br>John Lewinski sah geschockt an seinem Gegenüber vorbei. „Haben Sie Freunde mitgebracht?“<br>„Meinen Sie etwa, dass ich darauf reinfalle?“<br>„Das würde den plötzlichen Abfall im Tachyonscan erklären. Sted hat die Tarnspur ihres Schiffes verschleiert...“<br>Da wurde Veritas doch neugierig. Er drehte sich um und sah den romulanischen Warbird, der ihnen als Geleitschutz mitgeschickt wurde. Doch der sollte eigentlich die gesamte Zeit über getarnt bleiben. Wieso hatte dieser jetzt seine Tarnung fallen lassen? Seine Frage wurde stehenden Fußes beantwortet, als er den Torpedo sah, den der Warbird abfeuerte.<br>Ein heller Blitz zuckte über das Shuttle hinweg und kollidierte mit dem Torpedo. Eine Salve Torpedos folgte – von der Monitor.<br>Veritas staunte. Einen Moment zu lange. Lewinski nutzte diesen Moment und stürzte sich auf den Romulaner. Er verpasste ihm einen kräftigen Schlag in den Nacken. Reflexartig ballte Veritas seine Fäuste und versuchte zu parieren, doch Lewinski war in der besseren Ausgangslage. Er konnte die nächsten Schläge gleich hintersetzen und ihm die Waffe aus den Händen schlagen.<br>„Price an Lewinski, wie ist ihr Status?“, tönte plötzlich Matts Stimme aus der Interkom.<br>Lewinski stöhnte laut. Noch immer forderte sein Konkurrent die gesamte Aufmerksamkeit. Er musste all seine Kenntnisse aus Kampfsportarten aufbringen um sich mit der Tal Shiar Ausbildung messen zu können. „Beamen Sie das ganze Shuttle an Bord und Veritas in ne Zelle!“, schrie er sobald er wieder Luft bekam.<br>„Bereithalten“, bestätigte Price.<br>Der Captain setzte darauf mit einem Fußkick an und donnerte seine Fuß direkt in die kurzen Rippen des Romulaners – beziehungsweise in sein äquivalent dazu. Es wirkte. Veritas schnappte nach Luft und wurde von der Wucht des Schlages an die gegenüberliegende Wand geschleudert.<br> Durch das vordere Fenster sah Lewinski, wie sich die Monitor verzweifelt zwischen den Warbird und das Shuttle quälte und dabei Torpedo um Torpedo einstecken musste. Da erglitzerten sie auch schon in blauem Licht.<br>Und als Lewinski wieder Herr seiner Sinne war, stand er allein im Shuttle und sah durch das Fenster Shuttlehangar 2.<br>Jetzt hieß es, sich zu beeilen.<br>Der Weg zur Brücke gestaltete sich schwierig. Das Schiff erbebte immer wieder aufs Neue. Rauch lag in der Luft und auch das Hauptlicht war schon ausgefallen.<br>Chaos herrschte auf der Brücke, als Lewinski sie erreichte.<br>„Wieso sind wir noch hier Commander?“, fragte Lewinski.<br>„Wir haben ein Leck in der Backbordgondel“, antwortete Price, räumte sofort den Captainsstuhl und nahm die Navigation ein. „Schilde offline, wir haben nur noch 40% Phaserenergie und die vorderen Torpedowerfer.“<br>Lewinski sah auf den Hauptbildschirm. Der Warbird feuerte aus allen Rohren. Price gab wie wild Befehle ins eine Konsole ein. Er führte Ausweichmanöver um Ausweichmanöver durch. Danny Bird feuerte aus allen Rohren die er noch hatte.<br>Doch noch immer erbete das kleine Schiff.<br>Die Navigationskonsole ging plötzlich in Rauch auf. Matt Price hatte gerade noch die Möglichkeit seinen Kopf in Deckung zu bringen. Mit verrußtem Gesicht und zerrissener Uniform sah er auf die wenigen Anzeigen, die er noch hatte. „Wir haben jetzt keinerlei Antriebssysteme mehr.“<br>„Arena, übermitteln Sie Logbuch an das Kommando. Danny...“ Lewinski hielt plötzlich inne, irgendetwas stimmte nicht mehr.<br>Alle hatten es bemerkt. Die Einschläge hatten aufgehört. Der nächste Blick galt dem Hauptbildschirm. Die Romulaner feuerten nicht mehr. <br>„Was geschieht da?“, fragte Lewinski.<br>„Ein weiteres Schiff enttarnt sich Sir“, meldete Bird.<br>„Zeigen Sie es uns...“, forderte Lewinski.<br>Der Hauptbildschirm schaltete und offenbarte das dritte Schiff in dieser Schlacht.<br>Es enttarnte sich direkt über der Monitor.<br>Ein Scimitair.<br>„Oh Scheiße“, murmelte Price.<br>„Arena...“, forderte Lewinski und sah zu der jungen Frau. Nur durch Arbeit konnte er seine Crew wieder auf die Sache konzentrieren.<br>„Das Log ist raus“, antwortete sie.<br>„Sie feuern!“, schrie Bird heraus.<br>„Auf Einschläge gefasst machen“, ergänzte Lewinski und alle hielten sich an ihren Station fest... doch nichts geschah.<br>„Danny?“, fragte Lewinski verwirrt und sah zu seinem taktischen Offizier. Der sah nur verwundert von seiner Konsole auf. <br>„Der Scimitair schießt den Warbird kampfunfähig.“ Birds Worte wurden bestätigte. Der Scimitair flog eine Schliefe um den Warbird und dichter Qualm drang aus Lecks in der Hülle. Große Trümmerstücke entfernten sich zudem von dem Schiff. Wie ein Meteorit trieb es im All. In wenigen Sekunden hatte der Scimitair die Kehrtwende in dieser Schlacht hervorgerufen und den Aggressor zum Opfer gemacht.<br>„Der Warbird ist schwer beschädigt. Gegen den sind jetzt sogar wir in Topform“, erklärte Ardev zusätzlich.<br>Der Scimitair, das große, dunkle und gefährlichste Objekt im All, nach einem Borg Kubus, vollendete seine Schleife und flog direkt auf die Monitor zu.<br>Ein Blitz zuckte plötzlich über den Bildschirm. Doch der Auslöser für diesen war der Warbird, der sich in diesem Moment selbst zerstört hatte.<br>„Wir werden gerufen“, meldete Tellom.<br>Lewinski nickte. Die Ruhe um ihn war beklemmend und befreiend zugleich. Noch immer saßen sie auf einem Pulverfass. „Auf den Schirm.“<br>Das Bild wechselte. „Föderationsschiff, hier ist der remanische Scimitair P47. Können wir Ihnen Hilfe anbieten?“, fragte der Remaner. Er meinte es ehrlich. Lewinski erkannte dies an Price leichtem grinsen auf den Lippen.<br>„Hier ist Captain Lewinski von der Monitor. In der Tat, die können wir gebrauchen“, antwortete Lewinski erleichtert.<br>„Machen Sie sich darauf gefasst, dass wir an Bord kommen.“ Der Remaner schloss den Kanal. Lewinski musste lächeln. Wenn er es nicht besser gewusst hätte, würde er annehmen die Remaner enttarnten gleich das Schiff. Aber vermutlich lag dies nur an der selten Praxis dieses Volkes, anderen zu helfen.<br>Und als sich Lewinski in seinem Stuhl zurücklehnte wurde ihm klar, dass sie alle Hilfe brauchten. Denn das, was er vor wenigen Minuten auf dem Shuttle gesehen und gehört hatte war unglaublich. Vielleicht zu unglaublich.<br>Denn es gab keinen Beweis, der seine Geschichte belegen würde.<br>Ist dies das Ende der Wahrheit?, fragte sich Lewinski ohne eine Antwort zu erhalten. Er konnte sich nicht einmal für einen Kommentar entscheiden. Sollte er Glücklichweise denken? Oder Leider?<br>Eine Last kehrte zurück. <br>Jetzt war er der wichtigste Mann im Quadranten.<br>Er war der Erbe dieser drei Männer.<br>Und er musste dieses Erbe verwalten. <br>Doch wie sollte er etwas verwalten, dass es nur in seinem Kopf gab?<br>Wieder lag eine Entscheidung auf seinen Schultern. Doch dieses Mal war es nicht seine. Sie war schon getroffen worden.<br><br>Die Atmosphäre auf einem Scimitair war atemberaubend. Lewinski hatte schon mindestens drei Mal seit seiner Ankunft komplett die Orientierung verloren und folgte inzwischen nur noch den remanischen Sicherheitsbeamten, die ihn zum Kommandanten dieser fliegenden Festung begleiteten.<br>Die Brücke war gewaltig. Viel größer sogar noch als in den Berichten von der Enterprise. Und sogar das Bereitschaftsbüro am Kopf der Brücke war noch größer wie die Brücke der Monitor.<br>Eben ein typisches Beispiel für die Geltungssucht der Romulaner und ihren Hang zu Prunkbauten... zugegebenermaßen war dies hier verdient, denn die Föderation hatte im Moment nichts Vergleichbares.<br>Lewinski wurde wie eine Ware in das Büro geschoben und stand dort zusammen mit den Leibwächtern, bis der remanische Captain nickte. Dann waren sie allein.<br>„Captain, ich möchte Ihnen zuallererst für die Hilfe danken. Wir werden in wenigen Minuten wieder Warpgeschwindigkeit erreichen können...“, begann Lewinski.<br>Der Remaner nickte. „Das ist gut für Sie.“<br>„Aber wenn Sie mir die Frage gestatten: Was machen Sie hier?“<br>„Nun eigentlich sind wir gar nicht hier. Wir befanden uns auf Patrouille auf dem alten talarianischen Grenzgebiet, als wir das Shuttle entdeckten. Was aufgrund der hoch entwickelten Sensoren nicht schwierig war. Wir entdeckten das Lebenszeichen eines Remaners an Bord, sowie das eines Romulaners und eines Talarianers. Wir beschlossen dem Shuttle zu folgen um zu sehen, was passiert. Das brachte uns her. Als dann die Romulaner das Shuttle zerstören wollte griffen wir ein. Und wenn Sie mir die Frage gestatten: Lebt der Remaner noch?“<br>Lewinski schüttelte den Kopf. „Es tut mir leid, alle an Bord wurden getötet“, antwortete er so ruhig wie er nur konnte und ließ dem Remaner einen Moment um diese Nachricht zu verarbeiten. „Ich muss Ihnen eine Frage stellen: Was wissen Sie?“<br>„Von was soll ich wissen?“<br>„Über die Personen an Bord des Shuttles. Was wissen Sie über die?“<br>„Gar nichts“, antwortete der remanische Captain.<br>Lewinski seufzte. Es war nur ein Zufall, dass sie hier waren. Ein Glücksfall der Geschichte. Ein Remaner hatte das Schicksal an sich gerissen und beschlossen einem Rätsel nachzugehen. „Ich möchte Ihnen nochmals danken. Auch dafür, dass Sie nicht auf uns geschossen haben, sondern auf die Romulaner.“<br>„Wir haben im Moment einige Differenzen mit unseren Herren. Wir sind eines der letzten Schiffe, dem gestattet wird frei zu fliegen.“<br>„Ich weiß was auf ihrer Heimat vor sich geht, auf dem Remus. Es tut mir Leid, was mit ihrem Volk geschieht“, bekundete Lewinski und wandte sich Richtung Ausgang.<br>„Der Remus ist der Ort an dem wir im Moment arbeiten und leben. Jedoch würde wohl kein Remaner ihn als Heimat beschreiben.“<br>Lewinski nahm diese Worte nickend auf.<br>„Werden wir erfahren, was dort vorgefallen ist?“, fragte der Remaner.<br>„Haben Sie so etwas wie einen Gott? Dann kann ich Ihnen nur raten, zu beten“, antwortete Lewinski und verließ das Büro des Remaners.<br><br>Schon zum zweiten Mal innerhalb nur weniger Tage läutete Price an der Tür zu Lewinskis persönlichem Quartier. Dieses Mal jedoch trug er wenigstens noch nicht den Schlafanzug sondern hatte sich nur aufgrund der Bequemlichkeit dem oberen Teil der Uniform entledigt. Zudem saß der Captain an seinem kleinen Tisch und las einen Text in seinem Computerterminal. Wie immer brannte die kleine Kerze, die neben dem Familienfoto der Lewinskis stand.<br>Der Captain erwartete Price schon und bat ihn sich ihm gegenüber zu setzen. „Haben Sie das Debriefing von Avlis schon durchgelesen?“, fragte er. Bei Avlis war es üblich, dass er sich in den seltensten Fällen persönlich die Zeit nahm um ein Debriefing durchzuführen. Er verfasst auf Basis der Berichte der Teilnehmenden eine Missionsanalyse und verschickte die dann an alle, die sie etwas anging. In den meisten Fällen landete diese auch auf dem Schreibtisch des Föderationspräsidenten. Zudem galt die Direktive, dass sich die beiden Kommandanten einer Mission dieses Transscript nicht gemeinsam durchlesen durften.<br>So hatten es jetzt auch Price und Lewinski gemacht. Nun nicht ganz, denn Lewinski befand sich gerade noch im letzten Absatz.<br>„Er stellt die Mission als vollen Erfolg dar“, fasste Price zusammen.<br>Lewinski deaktivierte sein Terminal und sah betrübt zu seinem Ersten Offizier. „Wenn mal von der Zerstörung eines romulanischen Warbirds, dem Freitod der beiden Romulaner durch Nervengift und einer offiziellen Abmahnung in meiner Akte absieht weil ich nicht ganz das gemacht habe, was dieser Romulaner wollte.“<br>„Nicht zu vergessen, dass sie offiziell für eine Woche beurlaubt wurden.“<br>„Sagen Sie es nicht so laut, ich hatte es schon beinahe wieder verdrängt“, antwortete Lewinski und hob dabei die Hände zu einer Art Schutzschild. Natürlich konnte er es dadurch nicht ungeschehen machen. Doch nun, da es auch Price ausgesprochen hatte, war es mehr als nur ein stummer Befehl in einem Dokument.<br>„Sie wissen, dass ich Sie sofort auf die Brücke rufe, wenn wir Sie brauchen.“<br>„Das weiß ich zu schätzen, aber wir werden den Großteil der Woche in einem Raumdock verbringen um noch Kleinigkeiten zu reparieren. Nehmen Sie daher auf mich keine Rücksicht. Ich werde mich eben etwas intensiver mit dem Holodeck beschäftigen.“<br>„Und wie gehen wir mit... der Wahrheit um?“, fragte Price, der nun, nachdem er auch Lewinskis Bericht über die Geschehnisse gelesen hatte wusste, was es mit dieser Mission auf sich hatte.<br>„Es gibt keine Wahrheit mehr. Die letzten Wissenden von der Wahrheit sind tot. Die Beweise sind vernichtet. Das Shuttle haben wir so schnell einem anderen Warbird übergeben, dass wir meinen konnten, wir befänden uns in romulanischem Raum. Das einzige was übrig geblieben ist bin ich... ein Geheimdienstoffizier, der die Wahrheit nicht sagen darf.“ Lewinski massierte sich die Stirn. „Haben Sie die Glückwunschkarte des Präsidenten schon gelesen? Er hat mir persönlich seine Freude über den Ausgang der Mission geschickt. Auch die romulanische Regierung sei sehr zufrieden mit dem erwarteten, wenn auch nicht ganz problemfreien Verlauf und Ausgang der Mission.“<br>Price seufzte. „Wir werden also gar nichts tun“, resümierte er.<br>„Die Politik hat schon entschieden, was gemacht wird. Die Entscheidung liegt jetzt eine Etage höher. Wir sind eben nur keine Teile im Getriebe der Föderation.“<br>„Wieso haben Sie ein romulanisches PADD auf ihrem Bett liegen?“, fragte Price verwirrt, als er den PADD sah.<br>„Das ist etwas, das ich nicht im Bericht erwähnt habe. Dieser Kret bat mich sein Testament an mich zu nehmen“, antwortete Lewinski locker.<br>„Haben Sie es schon gelesen?“<br>„Haben Sie jemals ein Testament gelesen? Ich habe schon das meiner Mutter und meines Vaters gelesen. Mit der Zeit ekeln Sie einen an. Zudem habe ich jetzt ja etwas Zeit. Ich werde mich erst mal ausschlafen und versuchen, diese ganze Bilder aus meinem Kopf zu kriegen.“<br>„Darf ich es lesen Skipper?“, fragte Price.<br>Lewinski nickte und Price nahm es in die Hand. Zu seiner großen Überraschung waren die Worte in Standard geschrieben und nicht in romulanisch und schon nach wenigen Zeilen wusste er wieso.<br>„Sie haben doch jetzt eine Woche frei, nicht wahr?“, fragte Matt und sah mit blitzenden Augen zu Lewinski.<br>Der Captain antwortete nicht. Er sah die Botschaft schon in Price Augen. Schnell ergriff er sich das PADD und las die ersten Zeilen:</p><p><i>Mein Testament, meine Lüge.<br>Bitte verwalten Sie dies, wer auch immer es lesen möge, nach bestem Gewissen und Wissen. Es enthält jedes Detail der größten Lüge des Quadranten.</i></p><p>Es folgte ein Inhaltsverzeichnis mit jeder Datei, die die Lügen des Tal Shiars dokumentierte. Von den falschen Spuren auf der Bombe über den Mord am Prätor bis zur Dezimierung der Remaner.<br>„Dieser Schuft“, kommentierte Lewinski.<br>„Und was werden Sie damit tun?“<br>John überlegte einen Moment. „Ich habe jetzt ja Urlaub, gezwungenermaßen zugegeben, aber es ist immer noch Urlaub. Und die Raumstation die wir anfliegen ist doch im Orbit eines Planeten?“<br>„Ja, Mavan 2.“<br>„Wenn ich dann dies hier lese, während ich auf diesem Planeten in einem Cafe sitze und dann dieses PADD zufällig vergesse...“, mutmaßte Lewinski.<br>Price griff ein in diese gespielten Überlegungen. „Reden Sie nicht davon. Es könnte einem Dritten in die Hände fallen, gar jemand von der Presse.“<br>„Das wäre ja ein unverzeihlicher Fehler“, heuchelte Lewinski Sorge und schüttelte den Kopf. „Hoffen wir, dass das auf keinen Fall geschieht.“<br>Price grinste. Er spürte, dass der Captain seine Freizeit gut nutzen würde. Er würde sie nutzen um eine Fehler zu beheben und um einen bekannten einen letzten Gefallen zu tun.</p><p align="center"><b><u>Ende</u></b></p><p align="center"><b>DAMOKLESSCHWERT</b><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by CHRISTIAN GAUS<br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</p>]]></description><guid isPermaLink="false">5587</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 6x13: Der Wert der Familie</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-6x13-der-wert-der-familie-r5526/</link><description><![CDATA[<p align="center"><a href="http://downloads.scifinews.de/file_41754.html"><img border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x13.jpg" width="340" height="475"></a></p><p align="center"><i><u>Vor 38 Jahren...</u></i></p><br><p><i>Der große, einschneidende Moment für die Familie Lewinski war gekommen. An der Hand seines Vaters wurde John in das Krankenzimmer geführt. Er fürchtete sich ein wenig vor diesem Ort, denn er war fremd. Die Wände wirkten kühl und abweisend, hatten nichts von der Wärme, die ihr Zuhause in Toronto aufwies. Auch der Grund für den Besuch hier erschien dem kleinen Jungen skurril. Das einzige, was er wusste, war die plötzliche Abwesenheit seiner Mutter vor einigen Tagen gewesen, gepaart mit der gestiegenen Nervosität seines Vaters. <br>Ab und an hatten sie mit John Gespräche darüber geführt, dass sich ihre Familie bald verändern würde, doch so richtig hatte er den Grund nicht verstanden.<br>Endlich konnte er aus seiner niedrigen Position seine Mutter erkennen. Wie sehr er sie doch vermisst hatte! Langsam wurde er von seinem Vater Luke zum Bett geführt und dann darauf gehievt.<br>Dann erst erkannte er das ungewöhnliche Objekt in den Armen seiner Mutter. Es war klein, fast schon zart und wirkte wie eine Puppe. Bei näherem Hinsehen konnte man jedoch erkennen, dass sich die Puppe bewegte. Sie atmete und bewegte ab und an die Augenlieder. Sie schlief! Es schien sich in der Tat um ein menschliches Wesen zu handeln, dies war John schon mit seinen fünf Jahren klar! Seine Mutter lächelte ihn an und auch sein Vater schien überaus glücklich.<br>„John, das ist hier dein Brüderchen“, erklärte seine Mutter. Sie war zwar noch geschwächt von der Geburt, aber dennoch überaus glücklich. „Sag Hallo zu Martin!“<br>Der kleine John Lewinski konnte nicht anders, als fasziniert auf das kleine Objekt, dass sein Bruder sein sollte, zu starren. Sanft berührte er das Wesen und fühlte seine weiche, warme Haut. Das Baby wirkte so zerbrechlich! Irgendwie konnte sich John beim besten Willen nicht vorstellen, wie das funktionieren sollte. Im Gegensatz zu vielen anderen Kindern in dieser Situation empfand er keinen Neid oder dergleichen, er war einfach nur nicht in der Lage sich vorzustellen, wie das ganze nun funktionieren sollte. Neben seinen Eltern, ihm, nun eine Person namens Martin? Was für eine Person würde er sein, wie würde er sich entwickeln?<br>Ein ganz neues Abenteuer stand den Lewinskis bevor, soviel stand für John schon einmal fest! </i><br><br>Ganz in zivil gekleidet, liefen Captain Lewinski, Lieutenant Bird und der Sicherheitsmann Henderson durch die Gassen der Stadt. Menschenmassen drängten sich an ihnen vorbei, nahmen jedoch nicht von ihnen Notiz. Für die Einheimischen waren sie nichts Weiteres als eine weitere Gruppe an Touristen. Dass sie in Wirklichkeit Sternenflottler waren, mehr noch, für den Geheimdienst arbeiteten, das war niemandem bewusst. John Lewinski setzte eine grimmige Miene auf. Erst vor wenigen Stunden waren sie auf der Föderationskolonie Proxima Centauri eingetroffen, doch er fühlte, dass er hier richtig war. Seit einer guten halben Stunde wanderten sie durch die Hauptstadt des Planeten, auf der Suche nach einer ganz bestimmten Person. Dabei irrten sie ganz und gar nicht herum, ihr Gang erschien nur ziellos, um keinen Verdacht zu erregen. In Wahrheit wussten sie alle ganz genau, wo ihr Ziel war.<br>Während der bisherigen Mission hatte die Gruppe nicht miteinander gesprochen. Danny Bird hatte zwar mehrfach versucht ein Gespräch über den Ablauf anzufangen, doch der Captain war wortkarg geblieben. Dieses Mal gab sich der Kommandant keinerlei Mühe seine Anspannung zu verstecken, sie war auch so deutlich sichtbar. Niemand konnte es ihm verdenken. Meistens, wenn sich die Monitor auf einer Mission befand, konnte man berufliches und privates voneinander trennen. Doch was, wenn diese beiden Faktoren miteinander verknüpft waren? Dann wurde es schwierig.<br>Endlich erreichten sie ihr Ziel, einen scheinbar einfachen Laden, in dem elektronisches Gerät verkauft wurde. Falls man Uhren, Computer, Spielzeug oder ähnliches suchte, hier fand man es. Die Inhaberin war eine Frau Anfang dreißig, die für diese Art von Verantwortung noch zu<br>Jung wirkte. Dennoch schien sie im Gespräch mit ihren Kunden vollste Kontrolle zu besitzen. Die drei Männer betraten den Mann, schauten sich dann beinahe beiläufig um und warteten, bis die letzten Kunden, ein älteres Ehepaar, den Laden verlassen hatten. Dann ging Lewinski auf die Inhaberin mit dem Namen Talula zu. Bird und Henderson stellten sich in jeweils eine Ecke des überschaubaren Ladens und achteten unauffällig darauf, dass niemand Zeuge des folgenden Gesprächs werden würde.<br>„Kann ich irgendetwas für sie tun?“ fragte Talula. Die Bajoranerin sah genauso aus wie auf dem Foto, welches John nach mühsamer Suche hatte finden können. Ungewöhnlicherweise trug sie keinen Ohrring, normalerweise das religiöse Symbol ihres Volkes. Der Kommandant gab sich alle Mühe in diese Auffälligkeit nichts hineinzuinterpretieren, was ihm jedoch nur leidlich gelang.<br>„Ich bin auf der Suche“, erklärte John mit ruhiger Stimme und log dabei nicht mal. Kurz strich er seine Jacke zurück, stemmte die Hände in die Hüften und setzte eine trotzige Haltung auf.<br>„Und was darf es denn sein, mein Herr? Sind sie möglicherweise auf der Suche nach einem Geschenk?“<br>Talula lächelte im Anschluss an diese Frage, doch John merkte, wie unecht diese Geste doch war. Schon zu lange hatte er mit solchen Personen zu tun. Menschen, die Masken aufsetzten, um von der Wirklichkeit abzulenken; Leute, die nur spielten.<br>„Ich bin auf der Suche nach einer Person“, erklärte Lewinski mit bewundernswert ruhiger Stimme und holte ein Padd hervor, auf dem ein Bild abgespeichert war. Das von Martin Lewinski. Er zeigte es der Verkäuferin und versuchte eine Reaktion aus ihrem Gesicht herauszulesen. Für diese Identifizierung hatte John kein Fahndungsfoto genommen, sondern ein Familienfoto. Eine Aufnahme aus glücklicheren Tagen. Es war eine der letzten gewesen, bevor Martin aus ihrem Leben verschwunden war. Zwar war es schon einige Jahre alt, doch es würde reichen, um zu erkennen, wer die gesuchte Person war. John hatte es einfach nicht übers Herz gebracht ein Verbrecherfoto seines Bruders mit sich zu führen. <br>„Tut mir Leid, kenne ich leider nicht.“<br>Rein sprachlich klang ihre Antwort überzeugend, doch der Kanadier konnte deutlich die Lüge in ihren Gesichtszügen ablesen. Er hatte in den letzten Wochen nicht so hart gearbeitet, hatte nicht so viel geopfert, um sich nun kurz vor Schluss so abspeisen zu lassen.<br>„Sind sie sicher?“ fragte er noch einmal mit bemerkenswerter Ruhe.<br>„Ja, absolut“, entgegnete Talula. „Ich weiß nicht, wer dieser Mensch ist.“<br>John wandte seinen Blick ab, schaute zu Henderson und dann zu Bird. Danny erwiderte seinen Blick, fragte sich, was der Captain wohl nun tun würde. Seit Tagen konnte man bei ihm die Anspannung beobachten und nun diese Abfuhr?<br>Dann tat der Mensch etwas, was keiner erwartet hatte. Er lächelte schief. Diese Geste wirkte zum momentanen Zeitpunkt so deplaziert wie eine Geburtstagsparty auf dem Friedhof. Dann griff er unter seine Jacke, holte einen Phaser hervor und richtetet ihn blitzschnell auf die Ladeninhaberin. Talula wich erschrocken einen Schritt zurück und lief gegen ihre Theke.<br>„Was... was geht hier vor sich?? Ist dies ein Einbruch?“ rief sie schockiert und versuchte den stummen Alarm auszulösen, der an der Theke angebracht war. Doch das Sternenflottenteam hatte ihn schon beim Betreten des Geschäfts ausgeschaltet und so waren ihre Bemühungen zwecklos.<br>„Sie brauchen ihre Spielchen nicht mehr weiterzuspielen. Ich weiß, wer sie sind und ich weiß ganz genau, dass sie wissen, wo sich Martin Lewinski aufhält, “ keifte John und richtete dabei weiter die Waffe auf die Frau. „Sie werden mir nun auf der Stelle sagen, wo sich dieser Mann befindet oder sie werden so lange in einem Gefängnis schmoren, dass sie nicht mehr wissen, wann sie überhaupt Geburtstag haben!“<br>„Wer sind sie?“ Panik stieg langsam in Talula auf. „Sind sie von der Polizei?“<br>„Nein, ich bin etwas viel schlimmeres. Sagen sie mir jetzt endlich, wo ich Martin Lewinski finde!“<br>„Oder was? Töten sie mich dann?“<br>Die Frage kam überraschend für alle Anwesenden, doch John blieb cool. Vielleicht sogar zu cool.<br>„Die Waffe ist auf jeden Fall auf Töten eingestellt.“<br>Irritiert blickten sich Henderson und Bird an. Der Crewman weitete überrascht die Augen, während Danny versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Vielleicht funktionierte der Bluff ja. Es war doch ein Bluff, oder etwa nicht? <br>Talula blickte zu Lewinski, auf die Waffe und dann wieder zurück auf den Fragesteller. Schließlich nickte sie.<br>„Mr. Bird, “ befahl John, ohne dabei den Blick von der Gefangenen zu nehmen, „wir bringen Ms Talula an Bord des Schiffes, wo sie uns einige Fragen beantworten möchte. Ich bin immer glücklich, wenn man mit den offiziellen Stellen zusammenarbeitet.“<br>Endlich steckte der Captain den Phaser wieder in den Hohlster und ließ Danny die Koordinaten an das Schiff durchgeben. Für einen kurzen Moment hatte der Sicherheitschef befürchtet, dass... <br>Ja, was hatte er eigentlich befürchtet? Seit einigen Tagen wirkte der Captain anders. Hoffentlich ging diese Sache gut aus.<br><br>Das seine Frau aufgeregter als sonst war, war Ardev schon vor einer ganzen Weile aufgefallen. Obwohl sie alle in die Bewältigung der aktuellen Mission vertieft waren, konnte der Andorianer sein Privatleben nicht außer Acht lassen. Seine Frau wirkte lebendiger als sonst, sprunghafter. Irgendetwas ging in ihrem Kopf vor und der Lieutenant beschloss der Sache auf den Grund zu gehen. Während eines kurzen Abstechers in den Maschinenraum fing er Arena ab und bat sie um ein kurzes Gespräch.<br>„Mir ist aufgefallen“, meinte der Andorianer, „dass du heute irgendwie anders bist. Ich habe das Gefühl, du bist auf etwas gespannt. Hat es etwas mit unserer Mission zu tun?“<br>Arena Tellom blickte kurz zu Boden, dachte darüber nach, wie sie die Sache am besten sagen sollte. Es war wunderbar.<br>„Ich war vor kurzem bei Elisabeth“, erklärte die Terellianerin und bezog sich dabei auf die Bordärztin der Monitor, „und habe mich untersuchen lassen. Es besteht die Möglichkeit, dass ich schwanger bin.“<br>Im Anschluss an diesen Satz herrschte für einen Sekundenbruchteil bedeutungsschwangere Stille. Den meisten wäre sie gar nicht aufgefallen, doch für Ardev kam sie wie eine Ewigkeit vor. Noch einige Male hallten ihre Worte in seinen Gedanken nach und langsam begann er zu lächeln. Konnte es denn möglich sein? Er wollte keiner Sache vorgreifen, doch der Gedanke daran, dass es wahr sein könnte, war wundervoll.<br>„Was bedeutet es besteht die Möglichkeit?“ fragte Ardev und war auf einmal genauso aufgeregt wie seine Frau.<br>„Nun, die Physiologie unserer beiden Spezies ist recht verschieden. Kompatibel, wie sie es uns schon einmal erklärt hat, dennoch komplex. Ich habe ihr eine Blut und Urinprobe hinterlassen, mit der sie genauere Untersuchungen durchführen wird. Sie setzt diese Sache ganz oben auf ihre Prioritätenliste!!“<br>Seiner Frau war deutlich die Freude anzusehen und auch er selbst konnte sich der Magie dieses Momentes nicht entziehen. War es denn tatsächlich möglich? Vielleicht meinte es das Schicksal, nachdem letzten schweren Jahr, doch noch gut mit ihnen beiden.<br><br><i>„Nächster Down!“<br>Professionell imitierte John den Schlachtruf eines Quarterbacks. Es war ein frostiger kanadischer Herbstmorgen. Das Laub fiel von den Bäumen, der Wind blies ihm und seinem Bruder ins Gesicht. Mit seinen zehn Jahren war John zwar im schulpflichtigen Alter, doch endlich gab es Ferien und Zeit, das Leben zu genießen. Martin musste noch nicht zur Schule, aber auch er würde bald den Ernst des Lebens kennen lernen. Doch jetzt war es erst einmal an der Zeit die Sorgen des Lebens zu vergessen. Die beiden Lewinskis standen auf einer großen Wiese und John hielt einen Football in der Hand. Ihm gegenüber, etwa 30m entfernt, wartete Martin nur darauf seinen Angriff abzublocken. Aus dem kleinen Bündel war inzwischen ein Junge geworden, der eigene Sprache und Gedanken entwickelt hatte. Für John war es kaum vorstellbar, dass er selbst einmal in diesem Alter gewesen war. Wie so viele Kinder in seinem Alter wollte er auf der einen Seite erwachsen behandelt und ernst genommen werden. Doch auch seine kindliche Seite sollte nicht zu kurz kommen. Ein schwieriger Spagat, dies hatten seine Eltern mehr als einmal feststellen müssen.<br>Doch in einer Rolle war er felsenfest: der als älterer Bruder. Es hatte seine Zeit gedauert, bis er sich in dieser Position akklimatisiert hatte, doch inzwischen empfand er stolz dabei, Martin die Weisheiten des Lebens zu zeigen; auch wenn sein eigener Fundus an Erfahrungen noch nicht so groß sein mochte. Doch ab und an nahm er Martin an die Hand, passte auf ihn auf und sorgte dafür, dass sich seine Eltern ab und an auch mal zurücklehnen dürften. <br>Doch das höhere Alter von John war logischerweise der Grund für eine seinem Bruder überlegene körperliche Kraft. Beide Brüder rannten aufeinander los, doch für den älteren Lewinski war es ein leichtes dem Angriff von Martin auszuweichen und bis zur Ziellinie zu sprinten. Triumphierend schleuderte John den Football zu Boden und feierte. In seinem Kopf ließ er einen mentalen Film ablaufen, wähnte sich im großen Stadion, der von Tausenden Zuschauern bejubelt wurde. Wie alle Kinder in seinem Alter besaß er eine lebende Fantasie. Doch es gab auch etwas, was ihn von anderen Jungs unterschied: eine fast schon väterliche Weitsicht. John bemerkte, wie sein junger Bruder entmutigt den Football aufnahm und sich daran machte seinen eigenen Angriff zu starten. Bisher lag er 0:4 zurück und es sah alles andere als so aus, dass er das Spiel noch drehen könnte. John ging in die Verteidigungsposition und fasste einen Entschluss. Siegessicher, aber langsamer als John, rannte Martin Lewinski auf seinen Bruder zu. Doch unerwarteter weise konnte er dem Angriff des Verteidigers ausweichen und seinen ersten Punkt in dem Spiel erzielen. Mit einem Lächeln schaute John seinen Bruder hinterher. Endlich hatte dieser auch ein Erfolgserlebnis.<br>Leider akzeptierte Martin diese Geste nicht. Ganz im Gegenteil!<br>„Was soll denn dieser Mist?“ fragte Martin wutentbrannt und tapste drohenden Schrittes in Richtung seines älteren Bruders.<br>„Ich weiß nicht, was du meinst!“<br>Angesichts der Situation hielt es John für besser, den Ahnungslosen zu spielen.<br>„Dieser Angriff war Mist!“<br>„Wenn er dies gewesen wäre, dann hättest du ja wohl keinen Touchdown erzielt, Martin.“<br>„Nein das meine ich nicht“, schrie der kleine Bruder und versuchte John zu schubsen, was ihm natürlich nicht gelang. „Du hast mich absichtlich vorbei gelassen!“<br>„Nein, habe ich nicht.“<br>„Doch, das hast du!“ In Martins Augen loderte der Zorn. „Ich will nicht, dass du mir hilfst. Niemand soll mir helfen! Entweder schaffe ich etwas aus eigener Kraft oder gar nicht.“<br>Nach diesen Worten stampfte der Bruder wutentbrannt in Richtung Haus. John blickte ihn noch lange Zeit nach und fragte sich, was er falsch gemacht hatte. <br></i><br>Direkt nach der Befragung betrat der Captain die Brücke und ging in seinen Bereitschaftsraum. Commander Matthew Price, der in seiner Abwesenheit das Kommando über das Schiff inne gehabt hatte, erhob sich und folgte dem Kommandanten ungefragt in dessen Büro.<br>„Haben sie etwas herausgefunden, Skipper?“ fragte Price und blieb vor dem Schreibtisch Lewinskis stehen. Dieser wandte sich jedoch an seinen kleinen Spind, wo seine Sternenflottenuniform fein säuberlich aufgehängt war und begann diese gegen die Zivilkleidung auszutauschen. <br>„Ja, Ms Talula war mehr als kooperativ, “ raunte John und zog den Pullover über den Kopf und legte ihn so gut wie möglich zusammen, bevor er ihn in den Spind steckte. „Es ist schon erstaunlich, was man alles herausbekommen kann, wenn man nur mit der Staatsgewalt droht.“<br>Price blickte kurz betreten zu Boden, überlegte seinen nächsten Schritt.<br>„Mir ist zu Ohren gekommen, dass sie mit weit mehr als nur der Staatsgewalt gedroht haben.“<br>Lange hatte Matt, nachdem er von Lieutenant Bird gehört hatte, was vorgefallen war, überlegt, ob diese Sache ansprechen sollte. Gerade aus seinem Mund würde es zynisch wirken, wenn er sich auf die Vorschriften berief. Mehr als einmal hatte er selbst Mist gebaut und dabei die Regeln gebogen. Man denke nur einmal an den Vorfall vor drei Jahren zurück, als er die Drogenschmiede eines Ferengis mit Torpedos zerstört hatte. <br>Und irgendwie konnte er den Captain bei diesen ganzen Sachen verstehen. Immerhin ging es bei dieser ganzen Sache um seinen Bruder!<br>Genervt stoppte John für einen kurzen Moment seine Umzugsaktion und blickte zu Boden.<br>„Hat Danny also nicht seine Klappe halten können?“<br>„Danny sprach zu mir im Vertrauen und genau das tue ich bei ihnen auch, Skipper“, entgegnete Price und tat etwas, was er noch nie gemacht hatte: der Halbbetazoid legte seinem Kommandanten kameradschaftlich eine Hand auf die Schulter. „Sir, ich kann sie gut verstehen. Seit Wochen sind sie angespannt und haben nur ein Ziel vor Augen. Jeder hier weiß, dass ich auf ihrer Seite. Das Schiff steht auf ihrer Seite! Aber dazu müssen sie die Regeln einhalten! Die Regeln, die wir beschützen und an die sie auch so fest glauben. Sie jetzt über den Haufen zu werfen, wäre falsch.“<br>John schloss die Uniformjacke und heftete sich als letzte Aktion den Kommunikator wieder an die Brust. Nun war er wieder für alle gut sichtbar ein Captain der Sternenflotte. Nachdenklich schloss er den Spind und wanderte durch sein kleines Büro.<br>„Seit Wochen habe ich schon privat gegen meinen Bruder ermittelt“, erklärte John mit Grabesstimme. Zum ersten Mal war ihm deutlich die Erschöpfung anzusehen. „Immer wieder, zwischen unseren Aufträgen und in meiner Freizeit, habe ich Spuren verfolgt, Leute angerufen und befragt. Jetzt endlich habe ich genug Beweise gesammelt und Admiral LaToya gab uns die Erlaubnis meinen Bruder zu schnappen.“<br>Price nickte. Natürlich kannte er dies alles schon, doch er hätte es als falsch empfunden seinen Captain zu unterbrechen. Für Lewinski war dies eine schwierige Phase. Wer an Bord dieses Schiffes hatte eigentlich keine Familienprobleme mehr? <br>„Ich muss ihn schützen“, murmelte John geistesabwesend, „am meisten vor sich selbst. Er ist ein Waffenhändler. Wer weiß, wie viele Menschen durch seine Verkäufe gestorben sind. Haben sie Geschwister, Commander?“<br>„Nein“, entgegnete Price und dachte kurz nach. Obwohl es unsinnig war, lächelte er. „Na ja, inzwischen habe ich ja einen Halbbruder und eine Halbschwester, wie mir Arsani gesagt hat...“<br>Mehr sagte Price nicht. Deutlich konnte er erkennen, dass der Mensch ihm nicht richtig zuhörte. John war inzwischen wieder in seine eigene Welt versunken und ein wenig ärgerte sich Matt darüber. Dachte der Captain etwa, er wäre der einzige mit Sorgen? Seit Wochen schon hatte Price nichts mehr von seinem Vater gehört und auch seine Tochter vermisste er. Sollte er beide anrufen? Wie ging man in solchen Fällen vor?<br>„Setzen sie Kurs ins Sirius-System“, riss ihn Captain Lewinski unabsichtlich aus seinen Gedanken. „Dort soll mein Bruder laut Ms Talula seine Basis haben.“<br>„Und woher weißt die Frau das?“<br>Price´ Einwand war berechtigt. Außer, dass diese Frau den Aufenthaltsort kennen sollte, wusste er nichts über sie.<br>„Sie und mein Bruder hatten eine gemeinsame Basis.“<br>„Eine gemeinsame Basis?“ fragte Matt überrascht.<br>„Sex.“ Mehr brauchte John nicht zu sagen, denn sein erster Offizier verstand. „Bevor wir gehen, übergeben sie bitte die Bajoranerin an die örtlichen Behörden. Ich bin sicher die Staatsanwaltschaft wird sehr interessiert über ihre Kontakte zu einem Waffenverkäufer sein.“<br>„Aye, Sir, ich kümmere mich darum!“ bestätigte Price und verließ den Bereitschaftsraum. Im Moment war es wohl besser, wenn man den Skipper in Ruhe ließ.<br><br><i>Campen war inzwischen zu einer festen Tradition im Hause Lewinskis geworden. Nicht nur Luke und seine Kinder führten dieses Ritual durch, nein, von einem Vater zum nächsten war dies weitergegeben worden. Luke hatte von seinem Vater die Fertigkeiten des Überlebens in der Natur gelernt und dieser von seinem, und so weiter und so weiter. Generationen von Lewinski hatten schon ihre Freizeit in den kanadischen Wäldern verbracht und nun war es an der Zeit, dass auch John und Martin diese Fähigkeiten lernten. Natürlich war die Situation nicht mehr so wie vor zweihundert Jahren. Wilde Tiere gab es kaum noch und die Technik hatte den Campern Annehmlichkeiten gebracht, die früher undenkbar gewesen waren. Doch am Ende kam es immer auf den Menschen an und diese Lektion sollten die Jungs lernen. <br>Luke war stolz auf seine Kinder. John war mit seinen 14 Jahren ungewöhnlich reif und besonnen. Dies machte den Vater überaus glücklich, doch ab und an betrachtete er diese Entwicklung auch mit Sorge. Genoss sein Ältester überhaupt seine Kindheit? In einigen Momenten wirkte John sehr nachdenklich, so als denke er über alle Probleme des Universums nach und wie er die Last auf seinen Schultern tragen könnte. Ab und zu musste John auch einmal sich fallen lassen können. Möglicherweise bot dieser Ausflug genau die richtige Gelegenheit, um seine Gedanken einmal treiben zu lassen.<br>Martin war mit seinen 9 Jahren nicht minder erstaunlich, jedoch völlig anders als sein Bruder. Er war lebhaft und ehrgeizig; zudem sehr emotional. Der kleine Bruder besaß einen fabelhaften Willen, was jedoch auch manchmal zu Frustration und Jähzorn führte. Immer häufiger kam es zu Streit zwischen den Geschwistern.<br>Luke saß mit John am Lagerfeuer, während Martin unterwegs war, um etwas Brennholz zu sammeln. Das Feuer hatten sie auf völlig altmodische Art und Weise entfacht. Zwar hatte der junge John genörgelt und mehr als einmal ein Feuerzeug benutzen wollen, doch Luke hatte ihn daran gehindert.<br>„Schon vor 20.000 Jahren hat der Mensch Feuer gemacht, “ erklärte der Vater, „und dabei hatte ganz gewiss nicht den Stand der Technik, den wir heute haben. Dennoch haben sie es geschafft. Wir sollten nichts unsere Wurzeln vergessen. Wer weiß, vielleicht wirst du es ja eines Tages brauchen.“<br>„Wenn unsere Vorfahren ein Feuerzeug gehabt hätten, sie hätten es sicher eingesetzt.“<br>Johns Antwort war launisch, doch er akzeptierte die Sache. Nun starrten sie beide in das Feuer, wärmten sich an ihm und genossen das knisternde Geräusch. Irgendwann, so empfand Luke, war der richtige Moment gekommen.<br>„Ich mache mir Sorgen um euch, John.“<br>„Um wen?“ fragte der Junge und richtete sich auf. „Um Mama?“<br>„Nein, um Martin und dich. Eure Entwicklung in letzter Zeit gefällt mir nicht.“<br>„Was meinst du damit?“ <br>Entweder versuchte John abzublocken oder er verstand wirklich nicht, was sein Vater meinte. Kinder in seinem Alter neigten dazu vieles schnell zu vergessen.<br>„Immer öfters kommt es zu Streit zwischen euch“, erklärte Luke. „Manchmal schreit ihr das ganze Haus zusammen. Wieso?“<br>Kurz dachte John nach. Er blickte kurz ins Feuer, so als würden dort die Antworten verborgen sein und entgegnete:<br>„Ich finde ich habe nichts falsch gemacht...“<br>„Es geht mir nicht darum, wer angefangen hat“, unterbrach ihn Luke. „Mir geht es darum, dass diese Reiberein enden und ihr euch wieder vertragt. Wir alle sind eine Familie. Niemand wird dir jemals näher sein als deine Mutter, ich oder dein Bruder. Blut ist dicker als Wasser, kennst du diesen Ausspruch?“<br>John schüttelte den Kopf.<br>„Was bedeutet das?“ fragte er.<br>„Es bedeutet, dass dein Bruder immer dein Bruder sein wird, egal was geschieht. Ihr beide seid bis ans Ende eures Lebens miteinander verbunden und müsst füreinander aufpassen.“<br>„Ich möchte ja auf ihn aufpassen. Aber er lässt mich nicht!“<br>„Und wieso denkst du das?“<br>„Weil... ich weiß es nicht.“<br>Fürsorglich lächelte Luke.<br>„Dein Bruder ist nicht dieselbe Persönlichkeit wie du, John. Dies haben deine Mutter und ich schon sehr früh festgestellt. Doch nur weil ihr unterschiedliche Individuen seid, heißt dies noch lange nicht, dass ihr nicht miteinander auskommen könnt.“<br>„Ich liebe ihn ja!“ unterbrach ihn John sauer.<br>„Daran habe ich auch keinen Zweifel. Und Martin liebt dich auch. Ihr seid Geschwister und werdet immer füreinander da sein, ich weiß das. Dennoch müsst ihr auch den normalen Alltag miteinander bewältigen. Wir sind so stolz auf euch beide. Es wird Zeit, dass aber eure Streitereien aufhören, noch bevor sie eskalieren. Wollt ihr das versuchen?“<br>Verstehend nickte John und schmiegte sich an seinen Vater. Egal was war, seine Eltern hatten immer eine Lösung für jedes Problem. John und Martin bewunderten sie. Keiner von beiden konnte sich jemals eine Welt ohne sie vorstellen.<br></i><br>Im getarnten Zustand bremste die USS Monitor ab und flog in das Sirus-System ein, welches zu den zentralen Systemen der Föderation zählte. So ganz konnte Lewinski nicht glauben, dass sich sein Bruder hier aufhalten sollte. Aufrecht saß der Captain in seinem Sessel und starrte auf den Wandschirm. Um ihn herum arbeitete seine Crew fieberhaft. Sie alle wussten, worum es bei dieser Mission ging und leider konnte John ganz und gar nicht seine Anspannung verbergen. Kerzengerade saß er da und seine Hände hatten die Armlehnen so fest umschlossen, dass seine Knöchel weiß hervortraten. Seinen Blick konnte er nicht vom Wandschirm nehmen, als die Raumstation Paradise Island erschien. Eine riesige kommerzielle Raumstation, gleichzeitig Raumhafen für alle Reisenden zum Planeten als auch Warenumschlagplatz und sogar Erholungsort. Tausende von Personen waren gegenwärtig an Bord und so langsam begriff der Captain die Strategie seines Bruders. Wo sonst konnte man besser untertauchen als an diesem Ort, im Zentrum des Gegners und umgeben von unzähligen Unschuldigen. <br>Kurz blickte Lewinski zu seinem ersten Offizier. Wie üblich hatte Commander Price seinen Platz an der Con eingenommen und flog das Schiff sanft zu seiner Warteposition. Gekonnt umging er alle Sensorenstationen und sonstige Phalanxen, die dem Schiff gefährlich werden konnten. Eigentlich war die Tarnvorrichtung der Monitor kaum aufzuspüren, doch sicher war sicher. <br>„Wir sind da.“<br>Die Information des Halbbetazoiden war lakonisch, doch für den Captain stellte sie eine fast schon spirituelle Botschaft dar. Er wandelte derzeit auf einen schmalen Grat, dies wusste John Lewinski. Noch nie waren Privates und Mission so sehr miteinander verschmolzen wie heute. Sicherlich, die Begegnungen mit Edward Jellico hatten auch inzwischen etwas von einer Privatfehde. Doch diese Situation hier war eine andere. Hier ging es um Familienangelegenheiten.<br>Price drehte sich auf seinem Platz herum und blickte zum Captain. Mittels seiner empathischen Fähigkeiten konnte er ganz genau fühlen, was Lewinski derzeit durchmachte. <br>In gewisser Weise verstand er den Skipper auch, aber was er hier tat, war gefährlich. Denn er ließ sich von seinen Gefühlen leiten und diese hatten, dies würde jeder Vulkanier bestätigen, nicht immer etwas mit Logik zu tun. Zwar würde er dies niemals vor anderen Offizieren zugeben, doch Matt hatte Angst, dass Captain Lewinski das ganze Schiff wegen dieser Sache in Gefahr brachte. Sicher, er hatte die Erlaubnis des Oberkommandos, doch wieso war ihm diese überhaupt erteilt worden? Irgendjemand hätte da doch mal mitdenken müssen?<br>Obwohl völlig unpassend zur Situation, erinnerte sich der erste Offizier an das Gespräch, welches er vor kurzem mit Edward Jellico geführt hatte. Eigentlich war es kein richtiges Gespräch gewesen. Der alte Verschwörer hatte ihn angerufen und mehr als einmal war der Commander versucht gewesen die Verbindung wieder zu kappen. Aus heutiger Sicht war es gut gewesen sich dagegen entschieden zu haben. Der Grund dafür waren die hochexplosiven Informationen, die ihm so zuteil wurden. <br>„Leider muss ich ihnen mitteilen, dass ihr ehemaliger Chief auf die schiefe Bahn geraten ist. Nun paktiert er mit Stella Tanner, einem Namen, den sie schon mal gehört haben dürften.“<br>Dies waren die Worte des alten Mannes gewesen. Schon schlimm genug, aber dann setzte Jellico noch einen drauf: „Jozarnay Woil hat mich heute umbringen wollen.“<br>Und obwohl sie sich mitten in einer gefährlichen Mission befanden, obwohl sie bald die Station stürmen würden, kam Commander Price nicht umhin, über diese Worte nachzudenken. War denn schon so viel Zeit seit Jozarnays Weggang geschehen? Erst nach diesen Worten von Jellico war ihm aufgefallen, wie wenig sie von dem Antosianer gehört hatten. Eigentlich so gut wie gar nichts. Die Sternenflottenüberwachung, die routinemäßig ehemalige Agenten verfolgte, hatte den Chief irgendwann aus den Augen verloren und nicht wieder gefunden. Kein ungewöhnlicher Vorgang, je länger jemand draußen war, desto weniger Mühe gab man sich ihn zu beschatten. Doch wenn die Informationen Jellicos der Wahrheit entsprachen, so hatte man in diesem Fall damit einen Fehler begangen. <br>War dies denn überhaupt vorstellbar? Dass Jozarnay Woil zur Erde flog, um den ehemaligen Admiral der Sternenflotte zu töten, konnte er sich kaum vorstellen. Ergäbe es denn irgendeinen Vorteil für Edward Jellico, wenn er dies Geschichte erfände? Matthew konnte sich beim besten Willen keinen vorstellen. Inzwischen suchte die gesamte Föderationsjustiz nach Woil, die Sternenflotte inklusive. Egal ob diese Geschichte der Wahrheit entsprach oder nicht, am klügsten wäre es, wenn sich Jozarnay bei seinen alten Kameraden meldete. Doch bis heute blieb der befreiende Anruf aus.<br>„Lieutenant Ardev, sind wir entdeckt worden?“ Die Frage des Captains riss Price aus seinen Gedanken.<br>„Nein, Captain. Der Frachtverkehr geht seinen üblichen Geschäften nach und die Tarnung arbeitet optimal.“<br>Blitzschnell drehte Lewinski seinen Captain zu der von ihm aus gesehen linken Brückenseite und wandte sich an den Chefingenieur.<br>„Mr. Sanchez...“<br>„Ja“, unterbrach ihn Lieutenant Sanchez und grinste, „ich garantiere ihnen für die volle Funktionsfähigkeit der Tarnvorrichtung.“<br>In solchen Momenten pflegte Lewinski immer diese Frage zu stellen und Miguel Sanchez diente schon lange genug auf der Monitor, um diesen Sachverhalt zu erkennen.<br>Überrascht erwiderte Lewinski den Blick, doch er schien die Sache nicht verstanden zu haben. Stattdessen erhob er sich aus seinem Kommandantenstuhl und befahl:<br>„Mr. Bird, sie begleiten mich mit Henderson auf die Station.“<br>Fast schon sprungartig erhob sich Commander Price von seinem Platz.<br>„Ich halte das für keine gute Idee!“<br>„Wie bitte?“ Die Verwunderung Lewinskis war ihm deutlich anzusehen und auch die anderen Brückenmitglieder blickten irritiert zum ersten Offizier. Normalerweise waren Alternativvorschläge beim Captain immer willkommen, doch in dieser Situation hätte sich niemand getraut ihm zu widersprechen. Alle, bis auf Price.<br>„Sie wollen ihren Bruder suchen? Wie bitte sehr wollen sie ihm auf die Schliche kommen, wenn er sie entdeckt?“ fragte Price direkt.<br>„Ich passe schon auf“, entgegnete Lewinski und wandte sich in Richtung Ausgang. Doch abermals kam ein Einwand seines ersten Offiziers.<br>„Glauben sie etwa ein so gewitzter und vor allem gesuchter Mann wie Martin Lewinski würde auf dieser Station sein Domizil aufschlagen, wenn er sich nicht in die Sicherheitssysteme der Station gehackt hätte? Sobald er ihr Gesicht auf den Überwachungsbildschirmen sieht, verschwindet er.“<br>Die Ansicht des Halbbetazoiden hatte etwas für sich. Ganz genau konnte er die Zustimmung der restlichen Brückenbesatzung fühlen, auch wenn es niemand wagte dies offen kund zu tun.<br>„Ich werde statt ihnen runter gehen“, schlug Price vor und machte einen Schritt auf Lewinski zu. Beide sahen sich fest in die Augen und der Captain versuchte etwas in den tiefschwarzen Augen seines ersten Offiziers zu erkennen. Wie immer misslang ihm dies. „Bitte, John.“<br>„Na schön. Gehen sie... aber passen sie auf sich auf, “ raunte der Kanadier und setzte sich wieder in seinen Stuhl. Erleichtert seufzte Matt unhörbar und bedeutete dann Bird ihm zur Transporterplattform zu folgen.<br><br>Wie sein Kommandant bei der letzten Außenmission, so hatte sich Matt Price nun auch zivile Klamotten angezogen und beamte mit seinen beiden Untergebenen auf die Raumstation. Als erfahrener Transporterchef hatte Fähnrich Bolder den richtigen Moment abgepasst, um den Transfer tarnen zu können und so hatte niemand die Ankunft der neuen „Gäste“ bemerkt. <br>Die Crew des Schiffes war inzwischen mehr als geübt darin geheime Operationen durchzuführen.<br>Das drei Mann starke Außenteam war in einem Nebenkorridor materialisiert. Sofort trat Price in die Mitte der gewaltigen Promenade. Am auffälligsten wäre es, sich krampfhaft tarnen zu wollen und so gab sich der Halbbetazoid als staunender Tourist aus. Lieutenant Bird und Crewman Henderson beschlossen es ihrem Vorgesetzten gleichzutun, was ihnen nicht sehr schwer fiel. Paradise Island war atemberaubend. Menschenmassen drängten sich aneinander, sich lautstark in den verschiedensten Sprachen und Dialekten unterhaltend. Eine unglaubliche Zahl an Geschäften säumten die Promenade. Egal was das Herz begehrte, hier schien man es zu finden. Überrascht schaute Danny Bird durch ein Schaufenster und erspähte einen Anzug, den er schon lange gesucht hatte und den auch noch zu einem fantastischen Preis.<br>„Wir müssen weiter“, raunte der erste Offizier und vermied es seinen Sicherheitsoffizier mit Namen oder Rang in der Öffentlichkeit anzusprechen.<br>„Zu dumm, dass ich jetzt nicht einkaufen kann“, seufzte der Mensch und folgte dem Commander. Aufgrund ihrer Kleidungswahl hatten sie nur Phaser mitnehmen können, die sie unter ihren Jacken versteckten und die Tricorder konnten sie nur nutzen, wenn sie sich in eine Gasse stellten und sicher waren, nicht beobachtet zu werden.<br>Endlich war ein solcher Moment gekommen.<br>„Empfängst du irgendwelche Biosignale von Martin Lewinski?“ fragte Price und versuchte auf das Display von Birds Tricorder zu blicken.<br>Der Lieutenant zog seine Stirn kraus und justierte das kleine Gerät neu.<br>„Ich habe zwar seine genetischen Werte eingespeichert, aber hier sind so viele Personen an Bord! Wir haben nur eine Chance, wenn ich den Tricorder mit den Sensoren der Monitor kopple.“<br>Nun war es an dem ersten Offizier die Stirn kraus zu ziehen.<br>„Das könnte uns verraten.“<br>„Wollen wir Martin finden oder nicht?“ entgegnete Bird kühl, ohne ernsthaft eine Antwort auf diese Frage zu erwarten.<br>„Wozu immer sie sich auch entscheiden“, warf Henderson ein, der Schmiere stand, „sie sollten sich beeilen. Ich für meinen Teil würde es sehr auffällig finden, wenn drei Männer über einen längeren Zeitraum hinweg in einer dunklen Ecke miteinander tuscheln.“<br>Nachdenklich blickte Matt zu Henderson und dann wieder zu seinem Sicherheitsoffizier. Schließlich nickte er. Ohne zu zögern betätigte Bird die Monitor, stellte eine Verbindung zu Ardev her und ließ ihn die Sensoren des Schiffes an den Tricorder koppeln. So wurde die Station extern und intern von den leistungsstarken Scannern abgesucht. <br>Wären sie hier auf ausländischem Territorium, Price hätte diese Vorgehensweise niemals erlaubt. Zu stark wären die elektrischen Abstrahlungen gewesen, die auf jedem Sichtschirm wie ein Weihnachtsbaum aufgeblinkt wären. Doch hier, im Heimatgebiet der Föderation, war die Chance auf Enttarnung durch andere Geheimdienste oder Spionageabwehr eher gering. Die Sekunden zogen sich, wurden zu Minuten. Langsam gingen die drei Männer weiter, schlenderten über die Promenade und versuchten interessiert die Läden zu bestaunen. <br>Dann endlich piepste der Tricorder...<br><br>Ardev war ein Naturtalent. Nicht nur im Gebiet der Einsatztechnik, sondern auch in der Wissenschaft; dem Bereich, in dem er seine Karriere bei der Sternenflotte begonnen hatte. Er besaß die seltene Gabe sich auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren zu können, ohne den einen oder anderen Punkt zu vernachlässigen. Mit der einen Hälfte seiner Konzentrationsfähigkeit befasste er sich mit der aktuellen Suche nach Martin Lewinski und wie man ihn dingfest machen konnte. Die anderen fünfzig Prozent nutzte er, um über seine Privatangelegenheiten nachzudenken. Es war erst wenige Stunden her, dass Arena ihm von der großartigen Möglichkeit erzählt hatte. Seitdem hatte sich alles für Ardev geändert. <br>Aus irgendeinem Grund hatten sich ganze Prioritäten verschoben und er dachte über Dinge nach, die ihm nie zuvor in den Sinn gekommen waren. Eigentlich hatte er niemals ein Vater sein wollen. Andere Dinge hatte für ihn im Vordergrund gestanden. Er bewunderte seine eigene Familie, seine Eltern, wie sie ihn großgezogen hatten. Doch für ihn selber war dies niemals in Betracht gekommen. Möglicherweise jedoch würde er bald in die Fußstapfen seines Vaters treten. Arena hatte nicht explizit versucht schwanger zu werden, es ist möglicherweise einfach geschehen. Wie sehr man sich doch irren konnte! <br>Ursprünglich hatte Ardev ja nicht einmal heiraten, hatte sich voll auf seine Karriere konzentrieren wollen und nun konnte er sich keinen Tag mehr ohne Tellom vorstellen. Genauso verhielt es sich nun mit dieser eventuellen Schwangerschaft. Was dies doch nur für weit reichende Konsequenzen mit sich bringen würde. Auf der Monitor ein Kind großzuziehen war so gut wie unmöglich. Matt Price grübelte immer noch darüber, was er erst einmal mit Yasmin anstellen sollte, wenn sie zu ihm kommen würde. Wie würde ihr eigenes Kind aufwachsen sollen und wer würde die Verantwortung dafür tragen wollen? Es stand außer Frage, dass beide sich um das Kind kümmern wollten, doch einer musste dies mehr tun als der andere, vor allem in den ersten Monaten. Die Frage, wen Captain Lewinski mehr entbehren konnte, schoss Ardev in den Kopf. Sie beide waren wichtig und sie beide liebten ihre Arbeit. Würde es ihnen so leicht fallen darauf zu verzichten? Sorge stieg in dem Andorianer auf, aber auch Zuversicht.<br>Seit Hunderttausenden von Jahren bekamen die verschiedensten Spezies des Universums Nachkommen. Und obwohl viele von ihnen unter den widrigsten Umständen geboren wurden, hatten sie ein erfülltes Leben gelebt und ihrerseits wieder Nachwuchs gezeugt. Eine tiefe Zufriedenheit machte sich in Ardev breit. Egal was geschehen würde, sie beide würden es schon schaffen!<br><br><i>Der große Moment, auf den er so viele Jahre lang hingearbeitet hatte, war endlich gekommen. Wie viele andere seines Jahrgangs stand John Lewinski auf dem großen Platz vor der Sternenflottenakademie und hatten Paradeaufstellung genommen. Wie so oft, eigentlich wie immer, herrschte Sonnenschein in San Francisco. Gerade an diesem besonderen Tage hatte man nichts dem Zufall überlassen und die Wetterkontrollen entsprechend justiert. Um die jungen Männer und Frauen verschiedenster Spezies herum hatten sich ihre Angehörigen aufgestellt. Zeitweilig war es schwer zu unterscheiden, wer nervöser war: die Kadetten der Abschlussklassen oder ihre Eltern. John lächelte verschmitzt. Die letzten vier Jahre waren hart gewesen. Direkt nach der Schule, im Alter von 18 Jahren, war er auf die Akademie gegangen. Er war seiner Berufung gefolgt. Schon seit Jahren war es für John klar gewesen, dass er ein Kommando wollte. Die Jahre auf der Akademie waren voller Entbehrungen gewesen, doch lehrreich und sinnvoll. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er sein Elternhaus und damit auch seine Familie verlassen. Ein neuer Lebensabschnitt hatte begonnen; er war nun für sich selbst verantwortlich. <br>Endlich betrat der Leiter der Sternenflottenakademie das Podium, welches extra für ihn angefertigt worden war. Der Bolianer hielt eine kurze, einleitende Rede, bevor er das Wort an den heutigen Ehrengast übergab: dem Sternenflottenminister der Vereinigten Föderation der Planeten. Die Kadetten vergaßen für einen winzigen Moment ihre Diskussion und tuschelten aufgeregt miteinander, als diese wichtige Persönlichkeit das Wort ergriff. Sein Besuch war eine große Ehre und viele von ihnen würden ihn heute das erste und auch letzte Mal zu Gesicht bekommen. Auch der Minister sprach kurz über ihre kommenden Aufgaben und Pflichten, lobte alle für ihre Leistungen und, zu guter letzt, vollführte die wichtigste Aktion: der Reihe nach wurden die einzelnen Kadetten aufgerufen und zu Fähnrichen ernannt. Zum ersten Mal war es John und seinen Kameraden gestattet die reguläre Dienstuniform zu tragen und nicht die der Kadetten, die ihn überall als Schüler entlarvte. Aufgeregt hielt er den Atem an, als der Sternenflottenminister ihm seinen ersten Rangpin an den Kragen heftete und ihm die Hand reichte.<br>„Ich gratuliere ihnen, Fähnrich Lewinski!“<br>Dies war der einzige Satz, den der Minister zu ihm gesprochen hatte, doch für John bedeutete er die Welt. Endlich war er ein Offizier, endlich war er jemand.<br>Am Ende der Veranstaltung erspähte John seine Familie und lief auf sie zu. Die stolzen Eltern umarmten ihren Sohn und auch Martin fiel seinem Bruder um den Hals.<br>„Wir sind so stolz auf dich!“ gratulierten ihm seine Eltern und Mutter Lewinski kullerten sogar Tränen über die Wangen. Bisher war die Familie Lewinski immer erdbezogen gewesen, hatte nur selten die Heimatwelt oder gar Toronto verlassen. Nun also würde einer der ihren die Sterne bereisen. Was für ein Moment dies doch war!<br>Schnell stellte John seinen Eltern noch einigen Freunden vor und dann machte er sich gemeinsam mit seinen Bruder auf einen kleinen Spaziergang durch die prächtigen Gärten der Akademie. Boothby, der Gärtner der Installation, leistete großartige Arbeit und hatte sich, sowie den Kadetten, ein kleines Paradies erschaffen.<br>„Wir sind alle so stolz auf dich“, meinte Martin und bewunderte die Grünanlagen. „Junge, in der Schule bin ich ein Star. Alle wissen, dass mein großer Bruder nun Offizier in der Sternenflotte ist. Junge, ich bin gefragter bei den Mädels als je zuvor.“<br>Angesichts dieser Worte konnte sich John sein Lächeln nicht verkneifen. Sein 17-jähriger Bruder war, anders als er selbst, ein ganz schöner Frauenheld. Er hatte schon einige gebrochene Herzen hinterlassen und umgekehrt. Es war einfach seine Art und Weise Erfahrungen zu machen. Vor Jahren hätte den älteren Bruder dies vielleicht aufgeregt, doch er war in ein Alter gekommen, wo er die Unterschiede seines Bruders akzeptierte.<br>„Du kannst ja auch dem Ruf des Alls folgen. Auch dir stehen die Pforten der Akademie offen, “ schlug John vor.<br>„Nein, das wird nichts“, entgegnete Martin abwehrend. „Meine Noten reichen bei weitem nicht aus, um die Aufnahmeprüfung zu bestehen und ich weiß nicht, ob ich mich diesem System von Befehl und Gehorsam unterordnen kann.“<br>„Das ganze Leben besteht aus einem System...“<br>„Glaube mir, du hast dir das richtige für dich ausgesucht“, fand Martin und lächelte, wobei diese Geste gezwungener wirkte als noch zu Beginn. „Nein, für mich ist das nichts.“<br>„Und was hast du stattdessen vor?“<br>„Ich... weiß es nicht.“<br>Überrascht blieb John stehen und blickte seinem Bruder eindringlich in die Augen.<br>„Martin, du beendest in einem Jahr deine Schule! Du musst doch irgendeine Vorstellung haben, was du mal tun möchtest.“<br>„Ich habe keine genauen Vorstellungen. Vielleicht selbstständig sein, mein eigener Chef.“<br>„Sehr vage.“<br>Genervt drehte sich Martin weg und blickte in den strahlend blauen Himmel.<br>„Herrje, du klingst schon wie Mama und Papa! Können wir das Thema nicht einmal lassen? Ich werde schon zurechtkommen.“<br>Der frischgebackene Fähnrich Lewinski ließ diese Worte auf sich einwirken und lächelte dann. Vertrauensvoll legte er eine Hand auf die Schulter seines Bruders. Martin würde schon seinen Weg gehen, so viel war sicher. Es bestand absolut kein Grund zur Sorge und John würde ja eh ein wachsames Auge haben. Immerhin handelte es sich hier um seinen Bruder.</i><br><br>Die Raumstation bestand jedoch nicht nur aus Hotels, Erholungszentren und Geschäften, sondern auch aus Frachträumen und einem Hafen. Paradise Island war eine gewaltige Wirtschaftszone, lukrativ für die Kolonie und die Föderation. Gewaltige Frachträume säumten den Außenring der Station, wo sich Tausende von Kisten, Containern und stellenweise sogar Frachtern türmten. So gut wie alles wurde hier verschifft. Waren im Wert von mehrere Billionen Krediteinheiten lagerten hier.<br>Aus diesem Grund war es wohl auch kaum verwunderlich, dass auch so manches Geschäft hier abgeschlossen wurde. Nicht nur legale, manchmal auch illegale. Hinter einer dieser Machenschaften steckte Martin Lewinski. Tief durchatmend und wie immer Herr der Lage stand er hinter zwei großen Transportkisten, die sein Eigentum waren. Noch, denn schon bald hoffte er seine Ware gegen etwas Profit eintauschen zu können. Er war ein Dienstleister, wie so viele andere Menschen auch. Moralisch verwerflich fand er seine Arbeit nicht. <br>Wieso auch? Immerhin war er nicht verantwortlich dafür, was seine Kunden mit seinen Produkten machten. Sie alle waren doch erwachsene Menschen und selbstständig. Im Grunde genommen war es nicht einmal seine Ware, sondern er nur der Übermittler.<br>Endlich kam sein neuer Kunde. Fast schon nervös drehte sich die talarianische Frau um, wollte anscheinend sicher gehen von niemanden verfolgt zu werden. Martin lächelte die überrascht attraktive Frau an; eine Geste, die nicht erwidert wurde. Sie war vielleicht Mitte Zwanzig, wenn man menschliche Maßstäbe ansetzte. Ihre Kleidung war zwar nicht ungepflegt, aber einfach. Es waren keine einfachen Zeiten für dieses Volk.<br>„Es ist kalt hier“, meinte die Frau und fröstelte demonstrativ.<br>„Nicht so kalt wie ein Morgen auf Rurapenthe“, entgegnete Martin und verschränkte seine Hände hinter dem Rücken. Dies war das vereinbarte Codewort gewesen. Nun wussten sie beide, dass sie es mit der richtigen Person zu tun hatten.<br>„Sie sind spät“, fand Martin und verschränkte selbstsicher die Arme vor der Brust.<br>„Es tut mir leid, aber ich muss Vorkehrungen treffen. Hier erwischt zu werden wäre sicher auch nicht in ihrem Interesse.“<br>Schief grinste der Mensch. Es machte ihm Spaß etwas mit seinen Kunden zu spielen, sie zu verunsichern. Dies mochte sich am Ende positiv auf den Kaufpreis auswirken.<br>„Nun gut, dann wollen wir doch mal zu dem geschäftlichen Teil kommen“, erklärte Martin und öffnete eine der beiden Kiste. Im Inneren befanden sich, sorgfältig sortiert, mehrere Gewehre. Eines davon nahm Lewinski heraus und nahm es in Probeanschlag. „In diesen beiden Kisten finden sie fünfzig Jem´Hadar-Gewehre neuester Bauart. Rotierende Modulation, mehrere Desintegrationsstufen. Die Waffe liegt perfekt in der Hand, ist gut ausbalanciert und kinderleicht zu bedienen. Meiner bescheidenen Meinung nach eine der besten Handfeuerwaffen auf dem Markt.“<br>Zufrieden blickte die Talarianerin auf die Waffen. Genau so hatte sie sich den Deal vorgestellt.<br>„Ich würde ihnen ja gerne einen Probeschuss vorführen, aber sie wissen selbst, dass wir an Bord einer Föderationsstation keine Waffe abfeuern können“, erklärte Martin lächelnd und senkte das Gewehr, bereitete sich darauf vor sie wieder in die Kiste zu packen. „Kommen wir also zur Bezahlung.“<br>Nun jedoch räusperte sich die Talarianerin und wirkte äußerst verlegen. Genervt rollte Martin Lewinski mit den Augen. Er wusste ganz genau, was nun kommen würde.<br>„Leider konnten wir nur 25.000 Credits aufbringen“, erklärte die junge Frau gedrückt.<br>„Vereinbart waren jedoch 30.000.“<br>„Es tut uns leid, aber mehr haben wir nicht...“<br>„Dieser Preis ist schon ein Sonderangebot“, erklärte Martin direkt, jedoch ohne Zorn. „Für diese Gewehre könnte ich locker ein Drittel draufschlagen, jedoch war ich zu dem vereinbarten Preis bereit. Und nun wollen sie mir sagen, dass sie das Geld nicht aufbringen können?“<br>„Der Widerstand finanziert sich nicht über Steuern oder Fonds, Mr. Lewinski“, erklärte die Talarianerin und wirkte auf einmal sehr aufgebracht. „Viele Talarianer haben dieses Geld aus ihren eigenen Beständen gespendet. Wir brauchen diese Waffen, um den Kampf gegen die Besatzung weiterführen zu können. Haben sie etwa kein Verständnis für uns?“<br>Martin hielt ihrem Blick selbstsicher stand.<br>„Nein“, antwortete er. „Ich habe kein Verständnis dafür. Es interessiert mich auch nicht. Was sie mit diesen Waffen auf ihrem Planeten machen ist mir völlig gleichgültig. Was mir wichtig ist, ist meine Bezahlung. Für diese beiden Kisten möchte ich 30.000 Credits haben. Falls sie sie nicht aufbringen können, bitte sehr! Ich werde mit Sicherheit einen anderen Abnehmer finden.“<br>Martin wollte noch einen drauf setzen, sie noch mehr zermürben. Doch er konnte nicht. Aus den Augenwinkeln sah er mehrere Personen, die aus einer Ecke zu ihm rüberlugten. Kurz ging Lewinskis jüngerer Bruder die Möglichkeit durch, dass es sich um Dockarbeiter handeln könnte. Doch dem war nicht so. Man hatte ihn entdeckt.<br>„Sie haben mich verraten“, erklärte Martin und blickte die Talarianerin finster an.<br>Diese war genauso überrascht wie der Händler und wusste nicht, wie ihr geschah.<br>Im nächsten Moment rannte das Sternenflottenteam los. Deutlich hatte Price erkennen können, dass Martin ihre Präsenz entdeckt hatte. Nun hieß es schnell zuschlagen.<br>Blitzschnell brachte Martin Lewinski das Gewehr, welches er immer noch in den Händen hielt, in Anschlag und feuerte einen ungezielten Schuss ab. Der erste Offizier der Monitor sah entsetzt den Disruptorimpuls. Ein schlechtes Zeichen, denn aus zahlreichen Gefechten wusste er, dass wen man die Entladung sah es schon zu spät war. Er versuchte noch auszuweichen, doch instinktiv war ihm klar, dass es zu spät war. Doch sehr zu seiner großen Überraschung raste die Entladung an ihm vorbei. Sie war für einen anderen bestimmt. Wie in Zeitlupe blickte Matte hinter sich und musste mit ansehen, wie Crewman Henderson zu Boden gerissen wurde. Der Impuls hatte ihn mit voller Wucht erwischt, verbrannte seinen Brustkorb und die Organe. Henderson starb mit einem Schrei auf den Lippen. Danny Bird wirbelte ebenfalls herum und untersuchte seinen Untergebenen, nur um dessen Tod festzustellen. Die Augen des Crewman blickten ins Leere, hatten jeglichen Glanz des Lebens verloren. <br>Martin war selbst überrascht, dass er jemanden erwischt hatte. Er hatte nur einen Deutschuss in die ungefähre Richtung abgegeben und dennoch jemanden getroffen. Als nächstes wandte er sich der Talarianerin zu. Ob sie diese Leute, Polizei oder Sternenflotte, zu ihm geführt hatte, wusste er nicht. Auf jeden Fall konnte er keine Zeugen gebrauchen. Mit kaltem Gesichtsausdruck richtete er die Waffe auf die potentielle Käuferin und desintegrierte sie. <br>Das letzte, was er von ihr sah, war ein entsetzter Ausdruck in ihren schönen Gesichtszügen. Im Anschluss rannte er los. Commander Price, immer noch geschockt von dem Tod eines Besatzungsmitglieds, sah ihre Zielperson los rennen. Er blickte zu Bird, der Hendersons Leiche in den Armen hielt, dann wieder zu Martin Lewinski. Der Waffenhändler entfernte sich immer weiter; eine Entscheidung musste getroffen werden. Für den Crewman konnte man nichts mehr tun, aber es bestand die realistische Chance seinen Mörder zu fassen. <br>Wenn sie diese Gelegenheit verstreichen ließen würde sich möglicherweise nie mehr eine bieten. Mit gezücktem Tricorder sprintete Price ebenfalls los und versuchte mittels der Anzeigen den Menschen zu verfolgen. <br>„Lewinski an Außenteam, was ist hier los?“ erklang die aggressive Stimme des Captains aus seinem Kommunikator.<br>„Ich verfolge unsere Zielperson!“ hechelte Price und wich einigen Dockarbeitern aus. „Er befindet sich auf der Flucht, vermutlich zu einem Shuttle.“<br>Nun ganz unter Strom stehend sprang Lewinski aus seinem Stuhl auf und beugte sich über Ardev, um die Anzeigen auf seinem Bildschirm lesen zu können.<br>„Ja, wir haben Martin auf den Anzeigen. Er nähert sich den Andockbuchten. Matt, sie werden keinerlei Chance haben ihn noch zu erreichen. Wir beamen das Außenteam an Bord.“<br>„Negativ!“ schrie Matt Price. „Ich komme an ihn heran; bin gleich bei ihm.“<br>„Commander, wir werden ihn uns im Shuttle schnappen. Kommen sie an Bord zurück, das ist ein Befehl!“<br>Price stoppte, völlig außer Atem und blickte durch die endlosen Gänge der Raumstation.<br>Was sollten sie nur in dieser Situation tun? <br>„Bereit zum Beamen“, bestätigte der Halbbetazoid schließlich und wartete auf das Prickeln des Transportervorgangs. <br><br>Martin Lewinskis kleines Reiseshuttle fuhr die Systeme hoch. Natürlich war es kein normales Schiff, sondern mit allen möglichen technischen Spielereien ausgestattet. Er hätte wohl kaum so lange überlebt, wenn er nicht einiges investiert hätte. Ohne auf irgendwelche Genehmigungen zu warten, löste sich das Shuttle von den Andockklemmen und flog aus dem Bereich der Station heraus. Womit er jedoch auf keinen Fall gerechnet hatte, war das plötzliche Enttarnen eines Schiffes der Defiant-Klasse direkt über ihm. Es hatte weder Kennung noch Schriftzüge auf dem Rumpf und war so nicht zu identifizieren. Wozu ihm eh keine Chance geblieben wäre, denn Martin drehte hart ab, entging so nur knapp der Erfassung eines Traktorstrahls.<br>„Ich habe ihn verloren“, erklärte Ardev überrascht. „Sein Shuttle hat sich schneller bewegt als die Zielerfassung.“<br>„Feuern sie auf seinen Antrieb“, befahl Captain Lewinski und fixierte das auf dem Bildschirm dargestellte Shuttle.<br>„Sir, der Antrieb ist sehr nahe am Warpkern des Schiffes. Es besteht die Möglichkeit eines...“ warf Danny Bird ein, wurde jedoch von seinem Kommandanten zum Schweigen gebracht:<br>„Feuern sie!“<br>Die Waffen der Monitor entluden ihre destruktive Energie und ließen die Schilde des Shuttles kollabieren. Was sie hier taten war mehr als gefährlich. Vor so vielen Zeugen das Schiff zu enttarnen und ein Gefecht zu beginnen, war alles andere als geheim und der Geheimdienst würde Mühe haben die ganze Sache zu decken. Doch im Moment war dies John egal. So kurz vor dem Ziel würde er nicht zulassen, dass sein Bruder verschwand. Hier nun würde der Schlussstrich gezogen werden.<br>Der Bruder wurde von den Treffern hart durchgeschüttelt. Die Beleuchtung fiel aus und der Computer zeigte eine ganze Reihe von ausgefallenen Systemen an. Instinktiv flog er sich aus dem Schussfeld und versuchte auf Warp zu gehen, was ihm jedoch misslang. So musste er versuchen seine Verfolger abzuschütteln. Haarscharf jagte er an anderen Raumschiffen vorbei, zwang das andere Schiff dadurch zu Ausweichmanövern, was die Monitor stark abbremste. Mehr noch, auf diese Art und Weise war ein Einsatz von Waffen zu gefährlich.<br>„Verdammt, der Junge ist gut!“ rief Matt Price, der wieder seinen Platz am Steuer eingenommen hatte und versuchte dem Shuttle auf den Fersen zu bleiben.<br>„Sie sind besser, Matt! Bleiben sie dran!“<br>Die Worte von John waren ernst gemeint und ein schönes Lob, doch derzeit hatte der erste Offizier keine Zeit, um sich über dieses Kompliment zu freuen. Zu anstrengend war es in diesem Chaos das Shuttle weiterhin zu verfolgen.<br>„Der Abstand wird größer!“ meldete Lieutenant Tellom. <br>Die Verzweiflung in John wurde mit jedem Mal größer. So viele Schiffe waren in dem Gebiet, viele davon zivil und Martin tat sein bestes, um immer mindest eines zwischen ihm und der Monitor zu haben. So würden sie ihn niemals kriegen. Wahrscheinlich versuchte er gerade fieberhaft seinen Warpantrieb wieder zu reparieren und dann würden sie ihn nicht mehr einfangen können. Es musste hier und jetzt entschieden werden.<br>„Torpedos vorbereiten“, raunte Captain Lewinski und erntete dafür einen entsetzten Blick seines Sicherheitschefs.<br>„Da sind zu viele andere Schiffe, Captain! Ich kann ihnen nicht garantieren, dass wir nicht...“<br>„Dann zielen sie gut!“ schrie John und sein Blick ließ keinen Zweifel daran, dass er es ernst meinte.<br>Danny blickte zu seinem Freund Ardev, der genau neben ihm saß und genauso ratlos war.<br>Was sollten sie nur tun?<br>„Vertrauen sie mir nicht, Lieutenant?“ fragte Lewinski frei heraus und wartete auf Dannys Antwort.<br>„Sir, ich... halte es für zu gefährlich.“<br>„Denken sie denn etwa ich würde ihnen dies nicht befehlen, wenn ich nicht absolut überzeugt davon überzeugt wäre, dass sie es schaffen würden?“<br>Im Gegensatz zu seinem Wutausbruch vor einer halben Minute waren diese Worte völlig ruhig vorgetragen worden und dies irritierte die gesamte Brückenbesatzung. Diese Mission ging Captain Lewinski schwer an die Nieren.<br>Dann drehte sich Lieutenant Bird zu seiner Station, versuchte das Ziel zu erfassen. Er verlor jedoch immer wieder das kleine Schiff.<br>„Feuern sie nach eigenem Ermessen“, befahl John und beobachtete, wie die Monitor dem Shuttle seines Bruders hinterher jagte.<br>Schließlich setzte Danny alles auf eine Karte. Für einen winzigen Moment erklang der Erfassungston und sofort betätigte er den Auslöser. Ein Quantentorpedo wurde abgefeuert, schlängelte sich an zwei Passagierschiffen vorbei und traf tatsächlich das Shuttle, welches aus der Bahn geworfen wurde. Die Außenhülle begann zu reißen, Explosionen ruckten durch das Schiff und Martin glaubte nun sein Ende vor sich zu haben. Wie hatte man ihn treffen können? Nur ein Meisterschütze hätte einen solchen Schuss abfeuern kann. Er schloss mit seinem Leben ab, als der Kern überlastet wurde. Dann jedoch spürte er das vertraute Gefühl eines Beamvorgangs und er schrie. Man hatte ihn gefangen genommen!<br><br>Gedrückt betrat Commander Price den Bereitschaftsraum und wollte etwas sagen, doch er schaffte es nicht. Stattdessen blickte er zu seinem kommandieren Offizier, der in seinem Stuhl saß und aus dem Fenster auf die Sterne blickte. Zwar schien er das Hereintreten seines Stellvertreters bemerkt zu haben, doch er konzentrierte sich weiterhin auf den Ausblick.<br>"Ihr Bruder... Martin Lewinski ist nun im Casino“, erklärte Matt schließlich. "Dr. Frasier hat ihn schnell durchgecheckt, er hat keinerlei Verletzungen."<br>Resignierend ließ Lewinski den Kopf sinken. Dann endlich drehte er den Stuhl, fragte:<br>"Und Henderson?"<br>"Er war sofort tot gewesen."<br>Die Nachricht war kaum zu verarbeiten. Nun endlich hatte er seinen Bruder, doch dafür einen Mann verloren. Wie ungerecht die Welt doch sein musste.<br>"Ich kannte ihn kaum“, meinte der Captain traurig. <br>"Da sind sie nicht der einzige. Larry Henderson war ein stiller Mensch gewesen. Zwar beliebt, doch oft in sich gekehrt. Angeblich hätte er Offizier werde können, doch er zog die Mannschaftsränge vor."<br>"Angeblich?" fragte Lewinski überrascht. <br>Price schluckte traurig. Irgendwie war es ihm peinlich dies zu sagen: "Wir wissen so gut wie nichts über Henderson. Er war einfach immer zur Stelle, wenn man ihn brauchte, meldete sich freiwillig, aber sonst... ich weiß gar nichts über den Mann! Ob er Familie hat, Hobbies, all das muss ich in der Personalakte später nachlesen. Henderson gab sein Leben für diese Mission und für die Föderation und ich weiß nicht einmal, wo er geboren wurde."<br>Traurig blickte John seinen ersten Offizier an. Dann erhob er sich und legte ihm freundschaftlich eine Hand auf die Schulter. Wie weit sie doch beide gekommen waren. Als vor drei Jahren ihre schwierige Zusammenarbeit begann, war sich Lewinski nicht sicher, ob er es mit einem solchen Stellvertreter aushalten würde. Nun konnte er sich keinen Dienst mehr ohne Matt Price an seiner Seite vorstellen.<br>"Matt, ich empfinde genauso wie sie. Wir werden Henderson mit allen Ehren beisetzen und seine Familie benachrichtigen. Nun, wo wir gesehen haben, wie er starb, müssen wir herausfinden, wie er gelebt hat!"<br>Diese Worte wirkten ungemein tröstend auf den Halbbetazoiden. Er nickte trotzig und bedankte sich.<br>"Seien sie aber nicht sauer, „ erklärte Matt vor dem Hinausgehen, "wenn ich ihren Bruder für das, was er getan hat, verabscheue."<br>John presste seine Lippen aufeinander, wog seine Reaktion sorgsam ab.<br>"Ich denke da werden sie nicht der einzige sein."<br><br><i>„John! Endlich höre ich wieder etwas von dir!“<br>Luke Lewinski war alt geworden. Nicht nur er, sondern auch sie alle. Dies war einer der ersten Gedanken von John Lewinski, als er seinen Vater auf dem Komschirm sah. Sein alter Herr hatte eine vorwurfsvolle Miene aufgesetzt, die natürlich nur gespielt war. Private Kommunikation in Kriegszeiten war äußerst schwierig und John konnte seltener zuhause anrufen, als ihm lieb war. Doch dies würde sich hoffentlich bald ändern.<br>„Vater, ich melde mich mal wieder bei dir, um zu versichern, dass alles in Ordnung ist.“<br>Deutlich war Luke die Erleichterung anzusehen.<br>„Es tut gut dich wohlauf zu sehen, John. Als ich die Nachricht erhielt, dass die Teneriffa zerstört wurde... ich habe bei allen möglichen Abteilungen der Sternenflottenauskunft angerufen, aber man konnte mir nicht weiterhelfen.“<br>Kurzzeitig flammte Schmerz in John auf, als er an den tragischen Verlust hatte. Die Zerstörung der Teneriffa war immer noch ein großer Schock für ihn. Seit seiner Beförderung zum Fähnrich war dies sein Schiff gewesen und mit vielen Kameraden war er gemeinsam die Karriereleiter hinaufgeklettert. Nun waren viele von ihnen tot, gestorben bei der Rückeroberung von Deep Space Nine. War es dies wert gewesen? Aus strategischer Sicht schon, aber aus emotionaler?<br>„Es ist einiges passiert, Papa. Du hast es ja in den Nachrichten gehört...“<br>„Ja, der Krieg nimmt eine Wendung, wir sind endlich einmal in der Offensive. Vielleicht ergibt sich daraus ja die Möglichkeit auf Verhandlungen.“<br>„Möglicherweise“, war die ernüchternde Antwort Johns. Ihm war natürlich klar, dass das Dominion nur die Möglichkeit eines Siegfriedens in Betracht zog und diesen Konflikt nicht vorzeitig beenden würde. Doch er wollte seinem Vater die Illusion nicht rauben.<br>„Du siehst anders aus!“ fiel es ihm endlich auf.<br>„Ich bin nun Captain geworden!“<br>In den Augen von Luke spiegelte sich stolz wieder.<br>„Das ist ja großartig! Ich gratuliere dir von Herzen.“<br>Doch John war nicht nach feiern zumute, denn er wusste ganz genau, wie diese Beförderung zustande gekommen ist.<br>„Mein ganzes Leben lang habe ich für ein eigenes Kommando gearbeitet“, murmelte John traurig. „Ich wollte es mir verdienen. Nun bin ich Captain, aber in Kriegszeiten spielt dies keine Rolle. Wir haben so viele Verluste, Beförderungen gehen schneller vonstatten als üblich.“<br>„So eine Entwertung deiner Leistung will ich nicht hören!“ fuhr ihm Luke dazwischen. „Du bist ein fabelhafter Offizier und hast diesen vierten Rangknopf verdient. Deine Mutter wäre stolz auf dich und dein Bruder auch, glaube mir das.“<br>Die Erwähnung dieser beiden Personen tat weh, aber sie verfehlte ihre Wirkung nicht. John hörte auf zu lamentieren und fragte stattdessen:<br>„Hast du inzwischen was von Martin gehört?“<br>Doch die Antwort war seit Jahren dieselbe.<br>„Nein, er hat sich immer noch nicht gemeldet“, erklärte Luke traurig. „Ich habe das Gefühl, John, wir haben deinen Bruder verloren. Er ist hinfort und will auch keinen Kontakt zu uns. Seit Jahren ist er weg und wir wissen nicht einmal, was er tut. Deine Mutter starb in der Ungewissheit...“<br>Mehr konnte sein Vater nicht sagen. Noch immer war der Schmerz zu frisch. Nicht nur seine Frau hatte er verloren, sondern auch einen seiner Söhne. Ob Martin jemals wieder auftauchen würde?<br>„Du wirst doch weiter auf deinen Bruder aufpassen, oder Captain?“ fragte Luke hoffnungsvoll. Vielleicht würden sie Martin nie wieder finden, aber John nickte. Immerhin war er der ältere Bruder und es war seine Aufgabe für ihn da zu sein. Wo immer er sich auch befand.</i><br><br>Gerade noch rechtzeitig war Martin Lewinski von seinem explodierenden Shuttle gebeamt worden. Wenn er ehrlich war, so war dies für ihn nicht überraschend gekommen. Anders als vielleicht die Klingonen hatte die Föderation Interesse an einer Strafverfolgung und einem Prozess.<br>Was ihn jedoch sehr wohl überraschte, war seine Verlegung in das kleine Casino des Schiffes. Martin hatte damit gerechnet sofort in die Arrestzelle gebracht zu werden, doch scheinbar wollte man ihn verhören. Nun saß er hier, an einem Tisch in der Mitte des Raums. An beiden Zugängen stand jeweils ein bewaffneter Sicherheitsposten, der ihn mit Argusaugen beobachtete. Doch wohin hätte Martin schon fliehen können? Derzeit arbeitete er fieberhaft an einem Plan, aber im Moment war er ratlos.<br>All diese Gedanken wurden jedoch unwichtig, als eine Person das Casino betrat. Natürlich hatte der Waffenhändler damit gerechnet vom Captain des Schiffes persönlich vernommen zu werden. Jedoch zu sehen, wer der Kommandant tatsächlich war, stellte mehr als nur eine große Überraschung dar.<br>Auch für John Lewinski war dies ein schwerer Moment. Nachdenklich stand er in der Tür, blickte zu seinem Bruder und stellte sich instinktiv die Frage, wo dies alles noch hinführen sollte. Hier war er nun, nach einer fast einjährigen Jagd und hatte seinen Bruder festgenommen. Ob es dies schon einmal in der Geschichte der Föderation gegeben hatte? Erstaunlich selbstsicher saß sein Bruder da und starrte ihn an. Dass Martin eben fast ums Leben gekommen wäre, schien für ihn keine Rolle zu spielen. Keine Regung zeigte sich in seinem Gesicht. In diesem Moment bemerkte der Captain, wie alt sie doch geworden waren. Martin war nun 38 und er selbst 43. Fast ein halbes Jahrhundert hatten sie beide auf dem Buckel und was war ihre Bilanz? John sah seinen Bruder zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren nicht auf einem Komschirm, sondern in Natura. Die ganze Situation wirkte so unwirklich. John konnte nur hoffen, dass sich ihr Vater beim Anblick dieser Situation nicht im Grabe umdrehte.<br>Der Einstieg in ein Gespräch war immer der schwerste Moment. John überlegte lange, was<br>er zu Beginn sagen sollte. Er setzte sich gegenüber seinem Bruder auf den Stuhl und blickte ihn eindringlich an.<br>"Im Namen der Vereinigten Föderation der Planeten nehmen wir dich wegen unerlaubten Waffenbesitzes, Waffenschmuggel und Mord fest“, erklärte Captain Lewinski. "Ich nehme mal an, ich muss dir nicht deine Rechte erklären, oder?"<br>"Die scheinen ja eh keine Rolle zu spielen“, entgegnete Martin überaus selbstsicher. "Dies scheint mir ja kein reguläres Schiff zu sein. Ich glaube mich zu erinnern, dass du für den Geheimdienst tätig bist. Habt ihr überhaupt die Möglichkeit mich festzunehmen?"<br>"Mit der Tötung eines Sternenflottenmitgliedes gabst du mir diese Erlaubnis."<br>Johns Worte waren kalt und enthielten all den Schmerz, den er beim Verlust Hendersons empfand. Es war schon schlimm genug, dass sein eigener Bruder ein Krimineller war. Ihn jedoch als Mörder festzunehmen war noch grausamer.<br>"Du hasst mich dafür, nicht wahr?" Martin schien seine Gedanken erraten zu haben. "Weil ich einen deiner Männer getötet habe."<br>Lange dachte der ältere Bruder über diese Frage nach. Wie konnte man eine solche Frage beantworten?<br>"Nein“, antwortete er schließlich. "Ich hasse dich nicht dafür. Du bist mein Bruder und ob du es glaubst oder nicht, ich liebe dich. Aber ich kann nicht gutheißen, was du getan hast. Nicht als kommandierender Offizier dieses getöteten Mannes... und nicht als liebenderBruder."<br>Scheinbar war Martin überrascht über diese Aussage. Natürlich ließ er sich so gut wie nichts in seinen Gesichtszügen anmerken, aber als Bruder erkannte John sofort seine Reaktion.<br>"Würde es für dich einen Unterschied machen, „ fragte der Waffenhändler, "wenn ich sage, dass der tödliche Schuss nicht gezielt abgegeben worden ist? Dass ich selbst überrascht war zu treffen?"<br>Angesichts dieser Worte gab John sein Möglichstes, keine emotionale Reaktion zu zeigen, doch diese Intention schlug fehl. Er weitete seine Augen und innerlich jubilierte er. Es machte die Sache zwar nicht besser, aber zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer hatte er.<br>"Und wie wird es nun weitergehen?"<br>Als Zeichen einer wieder gefundenen Gelassenheit drehte sich John leicht herum und schlug seine Beine übereinander. Auch wenn er nicht als unbarmherzig dastehen wolle, eine gewisse<br>Festigkeit musste er bei seinem Auftreten haben, besonders in diesem Fall.<br>"Gegenwärtig befinden wir uns auf dem Weg zur Erde, wo du in Untersuchungshaft kommen und auf deinen Prozess warten wirst."<br>Scheinbar teilnahmslos nahm sein jüngerer Bruder diese Worte auf, dachte über sie nach und schien sich fast jede einzelne Silbe auf der Zunge zergehen zu lassen. Schließlich fragte er: "Und du als älterer Bruder möchtest mir nicht helfen aus diesem Schlamassel herauszukommen?"<br>Ruckartig stemmte sich John hoch und blickte auf seinen Bruder herab. Diese Worte hatten bei ihm im wahrsten Sinne des Wortes eine Sicherung durchbrennen lassen. Glaubte Martin wirklich nun an die Familienehre appellieren und wieder frei kommen zu können? "Nein, ich werde dir dabei nicht helfen. Weder als Offizier der Sternenflotte noch als dein älterer Bruder. Du verdienst einen fairen Prozess, bei dem dir jedoch hoffentlich das Handwerk gelegt werden wird. Glaubst du etwa, ich wäre nur zufällig hier? Das letzte Jahr über habe ich mühsam deine Spuren verfolgt, habe diskret ermittelt, um dich schließlich heute zu stellen. Ich wollte es sein, der deinem illegalen Treiben ein Ende setzt." "Du wolltest es also innerhalb der Familie regeln?" "Vielleicht könnte man es so ausdrücken“, gab der Kommandant zu.<br>"Und wieso regelst du es jetzt nicht innerhalb der Familie?" fragte Martin und reckte ihm seine Hände entgegen, an denen Handschellen befestigt waren. "Bestrafe mich! Tu das, was Vater an deiner Stelle möglicherweise getan hätte."<br>"WIE KANNST DU ES WAGEN VON VATER ZU SPRECHEN?" flippte Captain Lewinski aus. Seine Reaktion war in einer solchen Heftigkeit, dass selbst die Sicherheitsleute nervös zu ihren Phasern griffen. Dann beruhigte er sich wieder. Fast, denn panisch bemerkte er, wie sich Tränen in seinen Augen abzeichneten Die ganze Situation war einfach nur grauenvoll. Instinktiv fragte er sich, was aus ihm nur geworden war. "Er starb im Wissen, dass einer seiner Söhne etwas Falsches tat. Er wusste nicht was du getan hast, Martin, aber er ahnte es. Papa hat sich Sorgen gemacht! Und als er starb, warst du nicht an seiner Seite."<br>"Du warst doch für ihn da“, entgegnete der jüngere Bruder kalt, "das hat doch gereicht."<br>"Nein, hat es nicht! Ich schäme mich immer noch dafür nicht an seiner Seite gewesen zu sein, als es zu Ende ging und bei Gott, wir beide hätten an seinem Sterbebett stehen müssen!"<br>Nun war es an Martin aufzuspringen. Sofort traten die beiden Wachen einen Schritt nach vorne, was den Waffenschieber dazu veranlasste sich wieder zu setzen. Mit gepresster Stimme erklärte er:<br>"Vater hat dich immer mehr gemocht als mich."<br>"Das stimmt nicht und das weißt du!"<br>"Du warst das Wunderkind und ich ein Störfall. Es war doch kein Wunder, dass ich mir schließlich Anerkennung im Illegalen suchte."<br>Drohend erhob John einen Zeigefinger.<br>"Wage es niemals, dein verkorkstes Leben auf Vater zu schieben."<br>"Muss ich gar nicht. Möglicherweise ist es DEINE Schuld!"<br>Irritiert stand John vor seinem Gefangenen und sie starrten sich in die Augen. Schließlich drehte sich der Captain resignierend um und verließ den Raum. Das Verhör war zu Ende.<br><br><b><i>Persönliches Computerlogbuch<br>Captain John Lewinski<br>Die dramatische Ereigniskette der letzten Zeit scheint nicht abzureißen. Wenigstens ist nun etwas Positives geschehen. War es überhaupt positiv? Je mehr ich darüber nachdenke, desto unsicherer bin ich mir in Bezug darauf.<br>Es war nur kurze Zeit später, nachdem Admiral LaToya die Verbindung beendet und ich wieder einmal sinnierend in meinem Büro gesessen hatte. Meine Wut auf Dr. Frasier war maßlos, gelinde gesagt, und ich war dabei meine nächsten Schritte zu bedenken. Dann jedoch piepte das Komm-Terminal erneut auf und als ich meinen Blick auf den Ursprung warf richtete ich mich überrascht auf. Ich kannte diese Koordinaten nicht!<br>Wer würde nun auf der anderen Seite der Leitung sein? Das Oberkommando oder irgendein Admiral, der mich von meinem Kommando entbinden würde?<br>Doch als ich das Gespräch entgegennahm und mein Gegenüber auf dem Bildschirm erschien erlebte ich eine viel größere Überraschung als ich sie mir jemals vorgestellt hatte.<br>Auf dem Bildschirm sah ich eine Person, die ich seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte: meinen Bruder Martin.<br>Fast schon hatte ich seinen Anblick vergessen und so überraschte es mich zu sehen wie jung er eigentlich noch wirkte. Er war nur drei Jahre jünger als ich, also 38 Jahre alt, und wirkte dabei noch so fit. Auch ich bin eigentlich in einer physisch guten Verfassung, doch die Ereignisse der letzten Jahre haben ihre Spuren bei mir hinterlassen. Fast schon amüsiert stellte ich bei meinem Bruder ebenfalls leichte Geheimratsecken fest.<br>Martin blickte mich mit scheinbar ausdrucksloser Miene an und fragte:<br>„Ich habe gehört du wolltest mich sprechen?“<br>So wie der dies sagte klang es als hätten wir uns erst heute Morgen zuletzt gesehen. Das es jedoch mehr als fünf Jahre waren kam ihm scheinbar nicht in den Sinn. Und ich muss gestehen dieser Einstieg in das Gespräch verletzte mich zutiefst. Keine freundliche Begrüßung, keine Liebeserklärung an den älteren Bruder, den man so lange schon nicht mehr gesehen hat. Eine tiefe Trauer erfasste mich. Mein Verhältnis zu Martin war nie das Beste gewesen, aber mit wem war mein Bruder schon gut klar gekommen? Er war ein Einzelgänger gewesen, jemand der seinen Weg ging.<br>Wenigstens hatte Edward Jellico tatsächlich sein Wort gehalten und meinen Bruder aufgespürt. Allein das überraschte mich. Was würde der alte Mann wohl irgendwann als Gegenleistung einfordern?<br>„Es tut gut dich wieder zu sehen“, begrüßte ich ihn mit traurigen Worten. <br>„Danke, es geht mir gut“, war die seltsame Antwort Martins. Scheinbar wollte er jedweden Smalltalk abblocken. Kurz betrachtete ich das Ambiente des Raumes, aus dem er telefonierte. Ich erkannte nicht gerade viel, aber das was ich sah war bemerkenswert. Ein sehr teures Bild an der Wand, welches vermutlich ein Original war, eine stillvolle Couch und auch das Hemd, welches mein Bruder trug, hatte sicherlich seinen Preis gehabt. Seltsam, all die Jahre hatte ich Angst gehabt meinen Bruder irgendwann verarmt in einer dunklen Ecke wieder aufzufinden, aber er schien mehr Wohlstand zu besitzen als ich. Womit verdiente er wohl seinen Lebensunterhalt.<br>Noch einmal betrachtete ich Martin und stellte absolut keine Emotionen in seinem Gesicht fest. Schade. <br>Ich beschloss sogleich zum Punkt zu kommen. <br>„Vater ist tot“, erklärte ich ihm und wartete auf eine Reaktion meines Bruders.<br>Dieser blinzelte zweimal, wendete kurz seinen Blick vom Bildschirm ab und entgegnete dann:<br>„Wann starb er?“<br>„Vor zwei Tagen. Ich habe schon seit Ewigkeiten versucht dich zu erreichen. Ich bin sicher Vater hätte dich gerne noch einmal gesehen, bevor er...“<br>„Hast du noch etwas?“ unterbrach Martin mich kalt und diese Herzlosigkeit schnürte mir fast die Kehle zu. <br>„Du meinst außer dass unser Vater tot ist?“<br>„Außer das, ja.“<br>„Nein, es ist nichts.“<br>„Dann danke ich dir für diese Informationen. Leb wohl.“<br>Damit schaltete mein Bruder den Bildschirm ab. Fassungslos, noch unverständlich als ihm Gespräch mit Admiral LaToya zuvor, starrte ich das Schwarz der Projektionsscheibe an. Das war es? Fünf Jahre habe ich ihn nicht gesehen und nach diesem kurzen Informationsaustausch war er wieder weg? Ich wusste doch gar nichts von ihm! Wo war er, was machte er? Und berührte ihn Lukes Tod überhaupt nicht?<br>Mein Bruder war schon immer ein Rätsel für mich gewesen, doch am heutigen Tage erschien er mir wie ein Fremder.</i></b><br><br>Lieutenant Bird freute sich über seinen Dienstschluss. Jeder freute sich darüber, ganz besonders nach dieser Mission. Es war ein hartes Unterfangen gewesen und jeder an Bord war gefordert gewesen, um Martin Lewinski zu fassen. Endlich hatten sie diesen Kriminellen hinter Schloss und Riegel gebracht, würden ihn bald auf der Erde abliefern. Was er jetzt brauchte, war eine Pause. Natürlich dachte er über Henderson nach. Einen Mann oder Frau bei einer Mission zu verlieren war immer schwer. Morgen würde eine kleine Trauerfeier abgehalten werden und der Leichnam auf traditionelle Sternenflottenweise bestattet werden. Auch Danny hatte vor, einige Worte über Larry zu verlieren. Wie jeder andere auch wusste er so gut wie kaum etwas über den Crewman, doch als sein Abteilungsleiter sah er es als seine Pflicht an, das Opfer des Mannes herauszuheben. <br>Dannys Weg führte ihm am Quartier des ersten Offiziers vorbei und etwas brachte ihn dazu, davor stehen zu bleiben. Trotz der Schallisolierung konnte er dort drinnen ungewöhnliche Geräusche vernehmen. Es war eine Art Gerumpel, ab und an auch ein Klirren. Der Sicherheitschef fackelte nicht lange, gab seinen Sicherheitscode ein und betrat das Quartier.<br>Was er dort fand, war ein erschöpft keuchender und verschwitzter Matthew Price.<br>Der Commander blickte ihn überrascht an und nicht minder überrascht war Bird, als er das Chaos im Quartier seines Vorgesetzten sah. Matt hatte seine ganzen Möbel umgeworfen, Gläser zersplittert und den Inhalt des Wandschranks im gesamten Raum verteilt.<br>„Was machst du hier?“ fragte der Halbbetazoid und fuhr sich mit einer Hand durch seine klatschnassen Haare.<br>„Dasselbe könnte ich dich auch fragen“, entgegnete der Lieutenant. „Ich habe den Lärm von draußen gehört und wollte nachsehen, ob es ein Problem gibt. Offenbar hatte ich recht.“<br>„Ich bin nur gestolpert.“<br>Diese Erklärung war nur ein schwacher Versuch den Menschen abzuwimmeln. So einfach jedoch ließ sich Danny Bird nicht vertreiben. Er trat einen Schritt auf den immer noch schwer keuchenden Price zu und meinte:<br>„Möchtest du reden?“<br>Kurz dachte Matt nach. Elisabeth hatte noch keine Zeit und musste sich selbst erholen. Ehrlich gesagt wollte er nicht noch mehr Strapazen zumuten und als Schwächling wollte er ihr gegenüber auch nicht erscheinen. So altmodisch war Price noch, dass er als starker Mann erscheinen wollte. Konnte es denn schaden über Probleme mit einem Freund zu reden?<br>„Mir geht es nicht gut“, gab der erste Offizier schließlich zu.<br>„Das sehe ich auf jeden Fall. Du hast hier gut aufgeräumt. Aber was ist geschehen?“<br>Kurz zögerte Price, versuchte sich seine Worte zurechtzulegen.<br>„Mir geht das alles auf den Geist“, erklärte er schließlich. „Diese ganze Mission, diese Fixierung des Captains auf seinen Bruder…“<br>„Aber kannst du nicht sein Problem verstehen? Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, wenn so etwas in meiner Familie geschähe…vorausgesetzt, ich hätte noch eine.“<br>Noch einmal wartete Price mit einer Erwiderung, musterte stattdessen den Lieutenant. <br>Im letzte Jahr hatte es einige Spannungen zwischen ihnen beiden wegen Elisabeth Frasier gegeben. Danny hatte sich auch in die schöne Ärztin verliebt und war auf Matt sauer gewesen. Nun, fast zwölf Monate später, hatte sich die Beziehung zwischen ihnen beiden wieder normalisiert und Matt war mehr als glücklich darüber. Schlechte Stimmung konnten sie untereinander nicht gebrauchen, ganz besonders nicht auf diesem Schiff, wo es auf gegenseitiges Vertrauen ankam.<br>„Aber sieht er denn nicht, dass wir alle Probleme haben?“ fragte Price schließlich. „Er und sein Bruder… mir geht es auch nicht gut und ich habe meine Probleme wegen der Sache zurückgestellt!“<br>„Welche Probleme meinst du?“<br>„Denkst du etwa nicht, ich würde mir etwa keine Sorgen machen? Erst taucht mein angeblich verlorener Vater auf, der irgendwie versucht etwas wieder gut zu machen, was man nicht kitten kann. Und ich habe eine Tochter, sowie eine ehemalige Imzadi, die mich das Kind kaum sehen lässt. Nicht nur in der Familie Lewinski gibt es Probleme! Auch die Price´ haben es nicht leicht.“<br>Kameradschaftlich legte Danny eine Hand auf die Schulter seines Vorgesetzten. Nun verstand er ganz genau, was Matt meinte. Natürlich wollte er dem Captain nichts böses, er war einfach nur aufgewühlt wegen der ganzen Sache. <br>„Du vermisst deine Tochter?“<br>„Ich vermisse eine Familie“, gestand der Commander traurig. „Meine Tochter, meinen Vater und meine Mutter. Es müssen Jahrzehnte vergehen, bevor wir uns klar werden, was wir eigentlich haben... oder hatten.“<br>„Du hast Elisabeth“, munterte Danny ihn auf und erntete dafür einen überraschten Blick. „Sie liebt dich und sie ist glücklich mit dir. Ich bin mir ganz sicher, dass sie für dich da ist und dir helfen möchte. Geh zu ihr, sprich mit ihr über deine Gefühle und ich bin sicher, ihr werdet eine Lösung finden können. Und was das andere angeht… ruf einfach an.“<br>„Arsani oder Selina?“<br>„Beide“, fand Danny und lächelte aufmunternd. Dies war wahrscheinlich das erste Mal, wo einem Betazoiden emotional geholfen werden musste. Aber er tat dies gerne, weil er ein Freund war.<br><br>Diese Mission hatte alles von ihnen gefordert. Captain Lewinski hatte am meisten persönliche Opfer bringen müssen, aber auch die anderen Teile der Crew waren erschöpft. Sie waren in eine Privatfehde geraten, die so niemand erwartet hatte. Der Turbolift sauste auf seiner kurzen Fahrt durch die Röhren des Schiffes und Ardev lehnte gegen die Wand, schloss seine Augen und atmete tief durch. <br>Familie war nicht immer nur Harmonie und Frieden. Diese Lektion war nicht neu für ihn, Arena und er hatten es letztes Jahr nach den Unruhen auf Terellia zu spüren bekommen. Vielmehr war die Familie ein immerwährender Kampf für diese beiden Werte. Zu sehen, dass auch Captain Lewinski nicht vor diesen Probleme gefeit war, machte ihn nur noch menschlicher und dadurch sympathischer. Ob Arena bei der ganzen Sache an ihren ermordeten Bruder Reno hatte denken müssen? <br>Endlich erreichte der Lift sein Ziel und Ardev stieg aus, ging in Richtung des gemeinsamen Quartiers. Er brauchte eine Dusche und Schlaf, soviel war ihm klar. Sehr zu seiner Überraschung wartete schon seine Frau auf ihn. Lieutenant Tellom saß auf dem gemeinsamen Bett, welches den größten Teil des Quartiers ausmachte. Sie wirkte nicht mehr so früh wie heute Morgen, viel nachdenklicher und zurückgezogener. Als sich das Schott öffnete und der Andorianer hereinkam, blickte Arena ihn mit traurigen Augen an. Sofort spürte der Einsatzoffizier, dass etwas nicht stimmte.<br>„Ist das Ergebnis von Dr. Frasier da?“ fragte Ardev und kannte doch schon die Antwort.<br>„Ich bin... leider nicht schwanger, “ meinte Arena traurig und fiel in die Arme <br>ihres Mannes. „Elisabeth hat mich vor wenigen Minuten informiert, dass meine Werte negativ sind.“<br>Der Andorianer hielt sie ganz fest, drückte sie an sich. Nicht nur um Trost zu geben, sondern sich auch selbst zu trösten. Wie sehr hatte er sich doch auf einen möglichen Nachwuchs gefreut! Die Möglichkeit, selber das Abenteuer des Vaterseins anzutreten, hatte ihn frohlocken und aufhorchen lassen. Nun jedoch war dieser Traum zerplatz.<br>Nein, korrigierte er sich selbst, dies war nicht richtig. Der Traum war nur aufgeschoben worden. Dieses Mal hatte es vielleicht nicht geklappt, doch beim nächsten Mal. <br>Weder Arena noch Ardev mussten ein Wort sagen, um zu beschließen, dass sie von nun an versuchen würden ein Kind zu bekommen. Es war der nächste logische Schritt in ihrer Entwicklung: die Gründung einer eigenen Familie. Denn heute hatten sie den Wert derselben erkannt.<br><br>Doch es war nicht alles so schlecht, wie Matt dachte. Vielleicht war es auch so, dass andere Personen seine Empfindungen teilten. Wie viele andere war er nicht mit seinen Empfindungen allein.<br>Lichtjahre entfernt befand sich ein Dr. Dr. Arsani Parul, ehemaliger Sonderbotschafter der Vereinigten Föderation der Planeten. Nachdem er alles verloren hatte, seinen Posten, seine Frau und seine Kinder, war er nach Rigel geflogen, um wenigstens eine Sache in Ordnung zu bringen. Trotz allem, was er verloren hatte, bereute er nichts. Was ihm jedoch fehlte war eine Familie und so klingelte er an einer ganz bestimmten Haustür. Es dauerte eine Weile, dann schob sich das Schott zur Seite und eine Frau, die er jahrzehntelang nicht mehr gesehen hatte, erschien. Ihre Augen weiteten sich überrascht, als sie sich bewusst wurde, wer eigentlich vor ihrer Tür stand. Natürlich hatte sie ihn oft in den Nachrichten gesehen, im Fernsehen, aber seit Jahrzehnten nicht in Natura.<br>„Birgit“, stammelte der Betazoid die Mutter seines Sohnes Matthew an, „es tut mir leid… für alles.“<br>Die menschliche Frau wusste nicht, was sie sagen sollte. Doch obwohl sie diesen Mann für das Verlassen gehasst hatte, konnte sie nicht vergessen, was sie einmal für ihn empfunden hatte. Was sie möglicherweise immer noch empfand und so bot sie ihm an in ihre bescheidene Wohnung einzutreten. Es war Zeit über einige Dinge zu reden…<br><br>Wiederum einige Lichtjahre weiter, an Bord eines Raumschiffes namens USS Community, saß Commander Selina Kyle auf ihrem Sofa und beobachtete ihre Tochter Yasmin, wie sie mit einer Puppe spielte. Das kleine Mädchen war wunderschön und ihr größter Stolz. Ganz deutlich konnte man erkennen, wer die Eltern dieses kleinen Geschöpfs waren. Es hatte dieselben schwarzen Augen wie ihr Vater. Immer wenn Selina ihre Tochter ansah, so würde sie an ihren Imzadi erinnert werden. An den Mann, der sie für eine andere verlassen hatte.<br>Instinktiv fragte sich Kyle, ob sie sich nicht etwas vormachte. Hatte sie sich denn jemals Hoffnungen gemacht, Matt wiederzugewinnen? Die Entfernung zwischen ihnen beiden war zu groß und genauso unterschiedlich waren ihre Aufgaben. Dennoch, sie liebte Matt über alles. Er hatte mal gesagt, er würde sie immer noch lieben; eine Imzadi könne man nicht vergessen. Doch war er nun mit einer anderen Frau zusammen.<br>Natürlich hatte Selina zu Beginn darüber nachgedacht es ihm heimzuzahlen. Ihre gemeinsame Tochter wäre dazu das ideale Mittel zum Zweck gewesen. Sie hatte das Sorgerecht, darauf hatten sie sich geeinigt und bisher hatte Selina ihm nicht Yasmin gebracht, damit auch er etwas Zeit mit ihr verbringen konnte. <br>Doch nun, während sie ihre Tochter beim Spielen beobachtete, wurde ihr klar, dass eine solche Idee falsch war. Sie schickte sich nicht als Offizier der Sternenflotte und schon gar nicht als liebende Mutter. Das Kind brauchte ebenso sehr einen Vater wie eine Mutter. <br>Ab und zu deutete das Kind auf Bilder von ihnen aus gemeinsamen Tagen und Selina bildete sich ein, daraus eine Frage nach Papa zu erkennen. Ihren Streit auf das Kind zu verlagern wäre das schlechteste, was man tun konnte.<br>Und so beschloss Selina ihren Frieden mit Matt zu machen. Des Kindes zuliebe…<br><br>Und Captain Lewinski, der Hauptakteur dieser Geschichte? Er schaute nachdenklich aus dem Fenster seines Bereitschaftsraums auf die Sterne und dachte nach. Soeben hatte er Admiral LaToya berichtet, dass sie Martin geschnappt hatten und auf dem Weg zur Erde waren. Seine Oberbefehlshaberin war darüber mehr als glücklich gewesen und hatte ihn ausdrücklich gelobt. <br>Nun würde sich John an die schwere Aufgabe machen müssen einen Brief an die Familie von Crewman Henderson zu schreiben. Doch derzeit wusste er nicht, wie diese Zeilen formulieren sollte. Larry Henderson war auf einer Mission gestorben, ja, aber auch für den Captain. <br>Würde der Crewman noch leben, wenn sich John nicht um diese Mission gerissen und seinen Bruder hatte unbedingt fangen wollen? Möglicherweise wäre dieser Mann dann noch am Leben. Leider würden sie diese Frage niemals beantworten können. Was wäre geschehen, wenn Price seinen Captain nicht hätte davon überzeugen können an Bord des Schiffes zu bleiben? Es hätte einiges anders verlaufen können und möglicherweise wäre am Ende er selbst der Tote gewesen. Traurig schüttelte John den Kopf und setzte sich an seinen Schreibtisch. Er aktivierte sein Terminal und ließ sich ein Kamerabild der Arrestzelle zeigen. Deutlich erkannte er seinen Bruder, wie er auf der schmalen Pritsche lag und an die Decke starrte. Seinem Gesicht war keine Reue zu entnehmen, kein Zorn oder dergleichen. Dass er zwei Personen bei dieser Aktion getötet hatte, schien ihn überhaupt nicht zu tangieren.<br>Eigentlich hätte John Lewinski froh sein müssen einen solchen Kriminellen das Handwerk gelegt zu haben. Doch wieso hatte er dann das Gefühl mit dieser Tat endgültig seine Familie zerstört zu haben?<br></p><br><p align="center">It's not time to make a change<br>Just relax, take it easy<br>You're still young, that's your fault<br>There's so much you need to know<br>Find a girl<br>Settle down<br>If you want you can marry<br>Look at me, I am old<br>But I'm happy<br>I was once like you are now<br>And that's not easy<br>To be calm when you found<br>Something going on<br>But take your time, think a lot<br>Think of everything you've got<br>For you will still be here tomorrow<br>But your dreams may not<br><br>How can I try to explain<br>'Cause when I do<br>He turns away again<br>It's always been the same<br>Same old story<br>From the moment<br>I could talk<br>I was ordered to listen<br>But there's a way and I know<br>That I have to go away<br>I know I have to go<br><br>It's not time to make a change<br>Just sit down<br>Take it slowly<br>You're still young, that's your fault<br>There's so much you have to know<br>Find a girl<br>Settle down<br>If you want you can marry<br>Look at me, I am old<br>But I'm happy<br><br>All the times that I've cried<br>Keeping all the things<br>I know inside<br>It's hard, but it's harder<br>To ignore it<br>If they were right, I'd agree<br>But it's them they know, not me<br>Now there's a way<br>I know that I have to go away<br>I know that I have to go<br><br>Ende<br></p><br><center>DER WERT DER FAMILIE<br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR<br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center>]]></description><guid isPermaLink="false">5526</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor-Special: Nachlese zu "Die Summe aller &#xC4;ngste"  </title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-special-nachlese-zu-die-summe-aller-%C3%A4ngste-r5508/</link><description><![CDATA[<center>STAR TREK<br>MONITOR<br><br>„Making of: Die Summe aller Ängste“<br><br>DIE ZEITLINIE AUS „DIE SUMME ALLER ÄNGSTE“<br><br><br>Ende 2380: „Nox Vacua“ Zwischenfall<br>2381: Gegenwart<br>2385: Price verlässt Monitor<br>2386: Romulaner beginnen sich zu isolieren<br>2387: Doktor Frasier verlässt die Monitor                     	&#8627;Botschaften werden geschlossen<br>2389: Lewinski verlässt die Monitor<br>2390: Erster Anschlag eines „Talarianischen<br>Falken“ auf dem Vulkan 			<br>2391: Danny Bird stirbt bei einem Anschlag<br>auf Risa<br>2394: Immer mehr Anschläge finden statt	<br>bis 2402: Die Klingonen und die Föderation <br>töten beinahe alle Talarianer			<br>2401: Letzter Anschlag eines Falken		<br>bis 2409: Die Föderation verliert beinah	<br>die Hälfte ihrer Mitglieder			<br>2409: Bruce Land stirbt<br>2410: Tellom und Ardev gehen in Ruhestand<br>Die Monitor wird verschrottet<br>2411: Lewinski verschwindet, ebenso die<br>Kopie der Monitor<br>2413: Zweite Anschlagserie von		 <br>Talarianischen Falken beginnt</center>		<br><br>DER INHALT<br><br>Zuerst ein wenig zum Verständnis des Inhalts und zur Erläuterung des Schaubilds oben. Zu Beginn haben die drei Handlungsstränge scheinbar wenig miteinander zu tun. Denn gerade, wenn man eine Art Weiterführung erwartet, wechselt die Handlung zu einem anderen Ort und auch manchmal in eine andere Zeit. Je weiter die Geschichte jedoch fortschreitet umso klarer wird, wie eng die Handlungen miteiner verwoben sind und werden.<br>Da haben wir Danny Bird und seinen Arzt Chester Phoenix. Phoenix ist ein Verlierer Typ. Immer spielte er nur die zweite Geige. Sogar Tolbar hat den Posten der Leiterin der Anstalt vor ihm bekommen, obwohl er schon länger dort tätig war. Und auch Privat sieht es bei ihm trostlos aus. Da kreuzt der kopierte Bird aus der Episode „Nox Vacua“ auf und stellt ihn vor das größte Rätsel seines Lebens. Ist er wirklich von einem fremden Wesen in Besitz genommen?<br>Zum zweiten haben wir John Lewinski, der einiges auf der Erde zu erledigen. Der Besuch bei McMor, am Grab seines Vaters und die Krebsdiagnose erschüttern ihn. Die Krebsdiagnose war ursprünglich als größerer Teil der Staffel geplant, wurde jedoch durch andere Entwicklungen stark zurückgedrängt. Dann offenbart ihm ein Zeitreisender McMor, dass ein zukünftiger Lewinski für Massenmorde verantwortlich ist. Was steckt da dahinter?<br>Zuletzt sehen wir Matt Price. Der 23 Jahre in der Zukunft immer noch als Commander seinen Dienst verrichtet und damit beauftragt wird, Lewinski zu finden. Der für die Anschläge verantwortlich sein soll. Was ist mit ihnen geschehen?<br>Schon bald zeigt sich, dass die beiden letzteren Handlungsstränge unweigerlich zusammengehören. Price/Ardev und Lewinski/McMor haben dasselbe Ziel, die beiden Zeitreisenden dürfen sich jedoch nicht offen zeigen um die Zeitlinie nicht noch zusätzlich zu verletzen.<br>Dass die Bird Handlung die Triebfeder der beiden anderen ist, wird erst gegen Ende klar. Es gibt verschiedene Anzeichen, die dies belegen. Zum einen haben Bird und der zukünftige Lewinski den gleichen Charakter. In einigen Fällen sagen sie sogar dasselbe, besonders wenn es Bezug nimmt auf ihre Vergangenheit. Und schlussendlich erkennen wir die Parallele, als sich das Wesen, das von Bird Besitz ergriffen hat, als Variigo zu erkennen gibt. So nannte sich auch der zukünftige Lewinski.<br>Und wir sehen sogar wie das Ganze seinen Anfang nahm oder besser, nehmen sollte. Als nämlich Lewinski Bird besuchen will, tritt er im letzten Moment nicht ein. Somit hatte Variigo keine Chance von Birds Körper in Lewinskis Körper zu wechseln. Zumindest noch nicht.<br>Und damit ist die Zukunft, die wir in dieser Episode gesehen haben, wieder sehr fraglich. Um genauer zu sein. Ist sie nur eine von vielen Möglichkeiten.<br><br>„Die Summe aller Ängste“ präsentiert uns eine umfangreiche Palette an Charakteren. Doch viel neue sehen wir nicht in diesen Episoden. Jeroen McMor sah man bereits zwei mal in Star Trek: Monitor („Der Spion, der von der Erde kam“; „Dreimal im Leben“) und auch Counselor Tolbar, die Leiterin der psychiatrischen Anstalt, hatte sogar schon in der ersten Staffel ihren Auftritt. Im übrigen kommt die Episode (abgesehen von Price Vorgesetzten Suvek und des J’naii Admirals) ohne große Gaststars aus, bis auf einen.<br>	Dies ist der Psychologe Doktor Chester Phoenix.<br>Phoenix ist ein Betazoid mittleren Alters. Er betreut Danny Bird seit seiner Ankunft auf der Erde. Auch wenn er nicht viel an seinem Zustand bewirkt, kümmert er sich konsequent um den Sternenflottenoffizier mit dem mysteriösen Geheimnis.<br><br>Lewinskis Name in der Zukunft ist wieder ein Name aus dem Esperanto. Variigo bedeutet dort „Veränderung“. Im Übrigen gilt dies auch für Price Arbeitsstelle. Nekonsolebla ist das Esperanto Wort für „trostlos“.<br><br>Ich begann die Arbeiten für diese Episoden mit der Frage was wohl aus dem zweiten Danny Bird wurde. Die Ausgangssituation war mir klar, jedoch ging es nun darum eine Geschichte zu entwickeln. Zuerst fand ich dir Vorstellung interessant, die Leerräume von Nox Vacuus auszunutzen, sprich den Zeitraum von der Deaktivierung aller Energie über den Logbucheintrag bis hin zur Auffindung Birds durch Land und die Voyager.<br>Bird sollte noch einiges erleben in diesen zwei Tagen, auch sollte ein unbekanntes Wesen auftauchen, dass ihm das Leben zur Hölle macht. Jedoch trat ich mit den Ideen auf der Stelle.<br>Parallel arbeite ich an einer zweiten Geschichte. Sie sollte das dritte Aufeinandertreffen Lewinkis und McMors zum Inhalt haben. Dabei kamen mir zwei Alternativen in den Sinn.<br>In der ersten sollten die beiden entführt werden und so eine geheimnisvolle Geschichte beginnen. Und in der zweiten sollte McMor ein Zeitreisender sein.<br>Schlussendlich kam es mir in den Sinn beide Geschichten zusammenzuwerfen und noch etwas drittes anzuhängen, dass die anderen Charaktere des Schiffs berücksichtigt.<br>So wurde aus der von mir geplanten kleinen einteiligen Episode dieses zweiteilige Mammutwerk.<br>Und von der Idee Bird mit einigen Insassen ausbrechen zu lassen, nur damit sie von den beiden Zeitreisenden Lewinski und McMor wieder eingefangen werden blieb gerade mal eine Szene übrig.<br>Die, in der Danny Bird seinen letzten Tag auf der Monitor wieder erlebt. Und selbst diese Szene war in der Originalversion von „Die Summe aller Ängste“ noch nicht drin. Sie kam erst rein, als klar wurde, dass diese Episode geteilt werden musste.<br><br>Die Episoden verlangen viel vom Leser. Man muss zwischen drei Handlungen hin und her wechseln, die teilweise überhaupt nichts gemeinsam haben und erst am Ende zueinander finden. Zudem ist auch das Ende alles andere als ein Ende. Schließlich müsst ihr euch damit abfinden, dass die Geschehnisse in dieser Episode kein Blick in eine in Stein gemeißelte Zukunft sind. Denn am Ende des zweiten Teiles betritt Lewinski nicht den Raum, in dem dieses böse Wesen noch in Besitz von Birds Körper ist. Damit ist es Variigo nicht möglich (zumindest noch nicht) in Lewinskis Körper überzuwechseln. Wodurch die ganze geschilderte Zukunft auf wackligen Beinen steht.<br>Auch aus einem anderen Grund fordert diese Episode viel von den Lesenden. Schon zu Beginn war mir klar, dass diese Episode meine letzte Stand Alone Episode werden würde. Schließlich wusste ich, dass danach nur noch Folgen kämen, die sich dem Haupthandlungsstrang widmen würden und ich war mir auch den Planung für die Zukunft von Star Trek: Monitor bewusst. Daher vollzog ich in dieser Episode rigoros was ich auch in den anderen Episoden tat. Ich schrieb nur das, was ich lesen wollte. Eines der Elemente, die ich unbedingt drin haben wollte, war der Batleth Kampf. Schon frühzeitig war dieser Kampf Bestandteil der Episode. Auch wenn sich die Gegner zu jedem Planungsstand anders entwickelten. Aus McMor vs. Lewinski wurde mal Price vs. Lewinski und schlussendlich Price vs. McMor.<br>Auch schrieb ich diese Episode bewusst sehr düster. Zu keinem Zeitpunkt wecken die Charaktere Hoffnung. Sie sind zwar alle bemüht die Situation zum Besseren zu wenden, jedoch liegt über ihnen allen der Schatten der Ereignisse ihrer Vergangenheit. Alle wissen, dass die Geschehnisse zu groß für sie sind. Selbst das Wissen, dass eine bessere Zukunft kommt, schafft es nicht, die Personen aus ihrer Lethargie zu reißen.<br>Zumal es für jeden in dieser Geschichte eigentlich nur Rückschläge gibt. So wie durch den Besuch Prices und Ardevs auf dieser alten Station. Zwar bekommen sie einige Hinweise, die sie jedoch mit einem zu hohen Blutzoll bezahlen müssen.<br><br>So entstand die Geschichte die ich zeigen wollte. Eine Star Trek Geschichte die düster, brutal, kompromisslos, mutig und hoffnungslos ist. Etwas das ich zu selten in den Serien sehe.<br><br>Somit schließe ich diese Nachlese in der Hoffnung, einige Verwirrungen gelöst zu haben. Falls doch noch Fragen da sind, bin ich im Forum zu finden.<br>]]></description><guid isPermaLink="false">5508</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 6x12: Der rechte Weg </title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-6x12-der-rechte-weg-r5454/</link><description><![CDATA[<center><a href="http://forum.scifinews.de/index.php?act=ST&amp;f=6&amp;t=838&amp;st=1515#entry182964"><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x12.jpg" border="0"></a><br><br><i><u>Was bisher geschah...</u></i></center><br>Der Antosianer war mit seiner menschlichen Begleiterin noch einige Zeit durch die Station geirrt. „Geirrt“ war wohl in diesem Fall das falsche Wort, denn es implizierte eine Art von Ziellosigkeit. Ziellos war jedoch ihr Weg ganz und gar nicht gewesen, viel eher geprägt durch den Versuch ihren unbekannten Häschern zu entgehen. Schließlich erreichten sie die belebte Promenade, wo sich Hunderte von Angehörigen verschiedenster Spezies aneinanderreihten und die Schaubuden. Woil blickte Stella an und ihr stummer Blick signalisierte Zustimmung. Beiden war klar, dass es manchmal am besten war sich an einem belebten Ort zu verstecken, in der Menge unterzutauchen. Also setzten sie sich an einen Ecktisch in einer schmierigen Kneipe und bestellten sich etwas zu trinken. Sie spekulierten darauf, dass Sektion 31 nicht so dumm wäre eine Konfrontation in der Öffentlichkeit zu suchen. Hoffentlich.<br>„Was will Edward Jellico von dir?“ fragte Jozarnay leise, nachdem man ihnen das Bier gebracht hatte.<br>„Ich sage mal so: unsere politischen Ansichten sind eher gegensätzlich, “ erklärte Stella mit normaler Stimme, so als bereitete es ihr keine Sorgen über diese Verschwörerorganisation in der Öffentlichkeit zu sprechen.<br>„Du hattest also näher mit ihm zu tun?“<br>„Du etwa?“<br>Die rothaarige Frau blickte ihn erwartungsvoll an und Jozarnay wog ab, wie viel er sagen konnte. Doch irgendwie hatte er ein unglaubliches Vertrauen zu dieser Dame gefasst. Sie verursachte in ihm ein Gefühl, welches er schon lange nicht mehr gekannt hat. Wohl fühlte er sich in ihrer Nähe, geborgen. Ob sie auch so empfand? Zumindest schien sie ihm ebenfalls zu vertrauen, ansonsten würde sie nicht mit ihm darüber reden zu wollen.<br>„Ich war früher bei der Sternenflotte und kenne Edward Jellico schon seit einigen Jahren.“<br>„Tatsächlich?“ Stella weitete überrascht ihre bezaubernden Augen. „Dientest du auf einem Raumschiff?“<br>„Ja“, erklärte Woil und ließ routinemäßig seine Augen über die Promenade schweifen. Bisher nichts Verdächtiges zu sehen. „Erst kannte ich ihn nur vom Hörensagen, dann von persönlichen Kontakten und die gab es reichlich. Wir, also meine ehemaligen Kameraden und ich, hatten einige unerfreuliche Begegnungen mit ihm.“<br>Unruhig trippelte er mit seinen Fingern auf dem Tisch herum. Seine letzte Injektion lag schon Tage zurück und die Auswirkungen begann er immer deutlicher zu spüren. Das White, welches ihm von Tanner angeboten worden war, fiel den Flammen der Bombe zum Opfer. Noch ein wenig länger konnte er es ohne aushalten, doch irgendwann würde er eine Injektion brauchen, so viel stand fest.<br>„Und du? Was verbindet euch?“ fragte der ehemalige Chefingenieur, teils um sich abzulenken, teils aus echtem Interesse.<br>Die angesprochene Frau schien für einen Moment zu überlegen, wie viel sie von ihrem Leben preisgeben durfte, dann erklärte sie:<br>„Auch ich war früher ein Mitglied von Sektion 31.“<br>Diese Aussage war überraschend, gänzlich unerwartet. Früher, als er noch Mitglied der Sternenflotte gewesen war, wäre Jozarnay aufgesprungen und hätte sonst etwas gemacht. Doch heute nicht mehr. Viel zu sehr war er interessiert an der Geschichte dieser Frau, die ihn so sehr faszinierte. Sein Schweigen schien für sie nur noch mehr eine Aufforderung zum reden zu sein. Wie so oft, es schien eine Marotte zu sein, warf sie ihr langes Haar mit einer Hand zurück und erklärte:<br>„Lange Zeit sogar habe ich dort verbracht, mich hochgearbeitet und an die Ideale dieser Organisation geglaubt. Ob du es glaubst oder nicht, früher wollte Sektion 31 nur das beste für die Föderation. Aber durch Edward Jellico wird alles pervertiert. Er möchte die Organisation zu seinem persönlichen Zwecke nutzen und nicht zum Wohl der Allgemeinheit. Ich bin die letzte Vertreterin der alten Ordnung, die, die sich ihm am hartnäckigsten widersetzt. Daher jagt er mich.“<br>„Die Gruppe, von der du sprichst, habe ich aber anders erlebt.“<br>„Ach ja? Wie denn?“<br>„Verschlagen. Gemein. Selbstsüchtig, “ zählte der Antosianer auf. „Sie erhoben für sich den Anspruch den gottgleichen Auftrag zu haben die Föderation zu schützen, auch wenn ich dieses Wort nicht gerade benutzen würde. Sektion 31 zerstörte unzählige Existenzen und Leben, einige von ihnen waren mir bekannt.“<br>„Dies waren schon die eingerissenen Strukturen“, beschwichtigte Stella ihn und legte ihre Hand auf seine. „Ich gehöre noch zur alten Garde, die dies alles genauso abstößt wie dich. Daher jagt man mich.“<br><br>Weit entfernt von der Monitor, auf einer geheimen Basis, befand sich der ehemalige Chefingenieur eben jenes Schiffes und wanderte mit verschränkten Armen auf und ab. Jozarnay Woil befand sich in einer riesigen Halle, die gleichzeitig für Lagerung als auch als Shuttlerampe benutzt wurde. Links und rechts von ihm säumten mehrere kleine Raumschiffe die kalten Metallwände und einige Menschen in Overalls liefen hin und her. Bei ihnen handelte es sich um Techniker, die für die reibungslose Funktion dieser Anlage verantwortlich waren. Kurz hatte der Antosianer überlegt, ob er den Arbeitern zur Hand gehen sollte, hatte sich dann jedoch dagegen entschieden. Zu gering war inzwischen sein Interesse an jeglicher technischen Arbeit. Viel mehr interessierte er sich derzeit für die Person, die diese Anlage mit mehreren Dutzend Kameraden betrieb: Stella Tanner. <br>Die erste Frau seit Larla, für die er wieder etwas empfand. Die er aus tiefsten Herzen liebte. Für einen Außenstehenden mochte es unsinnig sein, dass man schon nach so kurzer Zeit solche Gefühle für eine Person hegen konnte, doch tief in seinem Inneren war sich Jozarnay sicher, dass er diese Frau wollte. Und auch Stella selbst liebte ihn, davon ging er fest aus. Wenn sie nichts für ihn empfinden würde, hätte sie ihn dann in ihre wahre Existenz eingeweiht? Ihm von ihrer Fehde mit Edward Jellico, dieser geheimen Anlage und dem Kampf innerhalb von Sektion 31 erzählt? Einer Art Bürgerkrieg, die die mächtigste und konspirativste Geheimorganisation in der Geschichte der Menschheit, wenn nicht gar des Quadranten, zu entzweien droht. Doch hier, an jenem Ort, waren sie sicher vor den Zugriffen von Jellico und seinen Häschern, die Tanner und ihn schon bei ihrer ersten Begegnung umbringen wollten. Schon zu seinen Zeiten auf der Monitor hatte Woil nichts anderes als Verachtung für den ehemaligen Admiral übrig gehabt, nun hasste er diesen Mann. Wer Stellas Feind war, der war auch seiner. Er hatte sich geschworen mit dieser Frau, die er liebte, durch alle Widrigkeiten des Lebens zu gehen. Ihr Kampf zur Restaurierung der Sektion 31 in eine legale Gruppe war der gerechte Weg, dies stand für Woil fest und er wollte sie bei diesem ehrbaren Ziel unterstützen.<br>Derzeit jedoch hatte sich Stella in ihre privaten Arbeitsräume zurückgezogen und sogar den ehemaligen Chief von sich gewiesen. Als dies vor gut zwei Stunden geschehen war, hatte sie dies damit begründet, dass sie nachdenken müsse. Jozarnay hatte ihr natürlich diese Freiräume gestattet und war etwas durch die Basis gewandert. Nun, nach diesen 120 Minuten, beschloss er noch einmal bei ihrem Büro anzuklopfen und sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Sehr zu seiner Überraschung wurde er in den Raum hinein gebeten. Das Büro war altmodisch eingerichtet, mit alten Holzvertäfelungen und alten Gemälden an der Wand. Laut ihrer Aussage handelte es sich bei jenen Werken ausnahmslos um Originale und dienten dazu, die „englische Clubatmosphäre“ zu unterstreichen. Woil hatte keine Ahnung, was eine englische Atmosphäre sein sollte, aber er fand diesen Raum auf jeden Fall beruhigend. Es war kein Wunder, dass Stella an diesem Ort am besten arbeiten konnte. Seine Liebe saß in dem Schreibsessel, ihren Kopf auf der aufgestützten Faust abgestellt, ihre roten Haare ummalten ihr zartes Gesicht. Wie in jeder Situation bot sie einen fabelhaften und anbetungswürdigen Anblick. Ihre grünen Augen richteten sich auf Jozarnay, als er in das Büro eintrat und fragend vor ihrem Schreibtisch stehen blieb.<br>„Ich wollte sehen“, meinte der Antosianer fürsorglich, „ob es dir inzwischen besser geht. Vorhin sahst du sehr gestresst aus.“<br>Für eine kurzen Moment sah die Frau sehr ratlos aus, dann lächelte sie herzerwärmend und antwortete:<br>„Danke, dass ist lieb von dir. Ich war vorhin ein wenig grob zu dir. Bitte verzeih! Du musst verstehen, dass einiges geschehen ist, worüber ich mir Gedanken machen muss.“<br>„Schlechte Nachrichten etwa?“ fragte Woil.<br>„Eine Aktion ist nicht so verlaufen, wie ich sie mir erhofft hatte“, erklärte Stella Tanner ehrlich. Wie schon gesagt, diesen Vertrauensbeweis wusste der ehemalige Chefingenieur am meisten zu schätzen. Sie sprach mit ihm offen über ihre Operationen, zog ihn ins Vertrauen und hatte ihn sogar schon einmal konsultiert.<br>„Eine große Sache?“<br>„Nein, aber eine wichtige... so gesehen war es also doch eine große Sache. Du siehst, alles ist eine Frage der Ansicht und Auslegung.“<br>Angesichts dieser Worte lächelte Jozarnay und ließ kurz seinen Blick durch den Raum schweifen. Bücherregale säumten die Wand, unterbrochen durch Terminals und Computerstationen.<br>„Was denn für eine?“<br>Woil erwartete nicht wirklich, auf seine Frage eine Antwort zu erhalten. Eigentlich interessierte es ihn auch nicht wirklich. Jedoch hoffte er vielleicht eine Last von der Frau, die er liebte, nehmen zu können. Wie erwartet blickte Stella ihn einige Sekunden lang an, dachte darüber nach, ob sie ihm dies anvertrauen konnte.<br>Sehr zu seiner Überraschung gestand sie schließlich:<br>„Edward Jellico ist nicht tot.“<br>„Dies ist mir bekannt“, entgegnete Woil zynisch, „sonst hätte man es in den Nachrichten verlauten lassen. Jellico ist zwar ein Schwein, aber auch eine Berühmtheit innerhalb der Föderation.“<br>„Nein, so meine ich dies nicht“, erklärte Stella seufzend und fragte sich, ob sie nicht gerade einen Fehler machte. Doch dieser Schritt hatte früher oder später erfolgen müssen. „Ich habe vor kurzem versucht das Shuttle dieses Verräters zu zerstören, doch er überlebte. Zwar litt er kurzweilig an einer Amnesie, doch er ist wohlauf und laut meinen Informationen auch wieder ganz der alte.“<br>Die Worte stellten zwar keinen Schock, dennoch eine gewaltige Überraschung für den Antosianer dar. Natürlich wusste er, dass in diesem Bürgerkrieg Personen ums Leben kamen, doch niemals hatte er sich der Möglichkeit gestellt, dass es um gezielte Tötungen, Mord, gehen konnte. Wie überaus kurzsichtig von ihm. Immerhin redete man hier von einer intriganten Geheimorganisation, die schon seit Jahrhunderten sich dieser Mittel bediente. Wieso sollte sie also nun davon abweichen? <br>Jozarnay war nur geringfügig entsetzt, dass Stella diesen Schritt getan hatte. Dennoch fragte er fast automatisch:<br>„Du hast ihn töten wollen?“<br>„Ja. Hast du ein Problem damit?“<br>Für einen kurzen Moment kam in ihm noch einmal der alte Sternenflottler zum Vorschein und daher antwortete er:<br>„Unter Umständen.“<br>„Hör mal zu“, meinte die Frau und erhob sich aus ihrem Sessel. Sie umrundete den großen Schreibtisch und blickte ihrem Liebhaber direkt in die Augen. „Edward Jellico versucht mich schon seit langem zu töten. Du hast es selbst gesehen und auch selbst die Aktionen der letzten Wochen mitbekommen. Dieser Mann, dieser Verräter an den Idealen von Sektion 31, will mich tot sehen. Ist es da so unverständlich, dass ich ihm zuvorkommen möchte? Du kennst ihn, du weißt, mit Jellico kann man nicht verhandeln. Das einzige, was er verstehst, sind Taten.“<br>Diese Worte ließ Jozarnay für einige Minuten auf sich einwirken. Krampfhaft versuchte er zu einer Entscheidung zu gelangen, diese Tat zu verurteilen. Doch bevor er eine definitive Aussage machen konnte, flüchtete er aus dem Arbeitszimmer und gab sich seinen Gedanken hin.<br><br>Tief unten, in den Katakomben des Hautgebäudes des Tal Shiars auf Romulus, wo nur die allerwenigsten Zutritt haben, befand sich das Zentrum der Abteilung Blau, jenes geheimen Ordens innerhalb des romulanischen Geheimdienstes, der so gut wie unbekannt war. Selbst die meisten regulären Tal Shiar-Agenten, die nur wenige Meter oberhalb jener Abteilung ihr Büro hatten, wussten nichts von der Existenz jener Gruppe.<br>Der Stellvertreter des Leiters dieser Abteilung, aus Geheimhaltungsgründen nur „Nummer 1“ genannt, saß in seinem großen und mit Arbeitsdokumenten übersäten Büro und startete auf den neusten Bericht, der gerade hereingekommen war. Endlich hatte die Offensive auf Remus Erfolg gehabt. Nach den wochenlangen Kämpfen und Bombardements war es Sondertruppen des Tal Shiar endlich gelungen die aufständischen Remaner zu besiegen. Die Kämpfe hatten länger gedauert, als so mancher Analytiker angenommen hatte, doch für Nummer 1 war dies keine Überraschung gewesen. Der romulanische Geheimdienst hatte bei weitem nicht die reguläre Stärke einer Armee und hatte seine Kräfte dosiert einsetzen müssen. Jeder Verlust war deutlich zu spüren gewesen und die Aufständischen hatten mehr als eine romulanische Anlage vernichten können. Sogar mehrere Kriegsschiffe waren gezielten Sabotageakten zum Opfer gefallen. Hinzu war die Geheimhaltung das größte Problem gewesen. Quasi die gesamte Abteilung Blau hatte die Aufgabe gehabt diese Kämpfe vor dem romulanischen Volk geheim zu halten. Für den einfachen romulanischen Bürger hatten diese Kämpfe gar nicht stattgefunden. Für sie herrschte im gesamten Romulanischen Sternenreich immer noch trügerischer Friede, man war vereint in der gemeinsamen Anstrengung, den Talarianern den Frieden aufzuzwingen. Doch in Wahrheit, dies wusste Nummer 1 nur zu gut, tobte ein Zweifrontenkampf. So sehr man sich auch bemühte Vorsicht walten zu lassen, die Zahl der Toten stieg täglich. Vor allem auf dem besetzten Talar kam es fast stündlich zu gewaltsamen Angriffen auf die romulanischen Besatzungstruppen, die zahlreiche Todesopfer forderten. Zwar gelang es der Regierung noch durch die gezielte Propaganda, das Abstempeln jener Täter als „Terroristen“ die Bevölkerung halbwegs zu beruhigen, doch immer mehr Romulaner fragten sich, ob all dies noch die Mühe wert war. Einer von ihnen war Nummer 1. Gedankenverloren wanderte sein Blick auf das Familienfoto, welches auf seinem Schreibtisch stand. Normalerweise war dies eine höchst irreguläre Angelegenheit, denn selbst untereinander wussten die Mitarbeiter der Abteilung Blau so wenig wie möglich von einander. Bei den persönlichen Familien machte man Ausnahmen, doch ansonsten wusste Nummer 1 nichts von seinen Kollegen. Nicht mal der Name des Leiters der Abteilung Blau war ihm oder jemand anderem bekannt. Je weniger man wusste, desto weniger konnte man bei einem eventuellen Verhör preisgeben. <br>Auf dem Foto war seine Frau zu sehen und sein Sohn, ihr einziges Kind. Das Bild war schon älter, denn inzwischen war aus seinem Jungen ein stattlicher Mann geworden, der Verantwortung trug und seinen eigenen Weg ging. Er hatte eine altruistische Ader, die schon fast bewundernswert war. Normalerweise hätte es ihn als Vater nicht überrascht, dass sein Sohn voller Stolz die zweijährige Wehrpflicht auf sich nahm und in die romulanischen Streitkräfte eintrat. Es hatte einfach zu der Art seines Sohnes gepasst. Doch weder Nummer 1 noch seine Frau hatten damit gerechnet, dass er zu den Besatzungstruppen auf Talar versetzt wurde. Neben Remus der derzeit gefährlichste Ort im gesamten Reich. Täglich erhielten sie Nachrichten von ihrem Sohn, wo er versicherte, ihm ginge es gut und alles sei in bester Ordnung. Seine Frau war immer äußerst erleichtert diese Nachrichten zu erhalten, aber für Nummer 1 brachten sie nur wenig Trost. Der Grund hierfür waren die Schuldgefühle, die sie in ihm weckten. Immerhin waren er und seine Kollegen es erst gewesen, die diese furchtbare Ereigniskette in Gang gesetzt hatten. Die Abteilung Blau war es gewesen, die die Spuren vom Bombenattentat auf den romulanischen Senat zu gefälscht hatten, dass man die Talarianer dafür verantwortlicht machen konnte.<br>Und dieses Wissen zerstörte ihn langsam von innen heraus. Ein Krieg war angezettelt, ein Volk besetzt und gedemütigt worden, nur weil er dabei mitgeholfen hatte Beweise zu fabrizieren, die keine waren. Er selbst hatte Millionen von Lebewesen in einen Krieg gestürzt, der unbarmherzig und vor allem eins gewesen war: sinnlos. Seit dem Moment der Kriegserklärung waren von Tag zu Tag die Zweifel in seinem Innersten angestiegen. Hätte er sich nicht besser gegen diese Idee stellen sollen? Hätte er nicht einfach „nein“ sagen können. Nun war es zu spät, doch er musste mit den Konsequenzen der Tat leben. Doch während Remus scheinbar befriedet worden war ( jeder Romulaner müsste eigentlich wissen, dass man die Remaner niemals in die Knie zwingen konnte ) wurde Talar zum Pulverfass. Das Romulanische Reich war politisch fast isoliert und stand als aggressiv da. War es das alles wert gewesen?<br><br><i>Einige Stunden waren vergangen, seitdem das Außenteam von ihrer Mission zurückkehrt war. Die letzten Tage hatten ihren Tribut bei allen gefordert. Nachdem man die romulanischen Soldaten in Quartiere verfrachtete hatte waren die Senioroffiziere des Schiffes müde ins Bett gefallen. Jeder von ihnen brauchte diesen dringend benötigten Schlaf, der ihnen allen wie eine Erlösung vorkam. Doch Chief Woil wurde in seiner dringend benötigten Ruhe gestört. Die letzten drei Schichten hatte er ohne Pause gearbeitet, um das Wunder zu erreichen. Ohne seine aufopferungsvolle Arbeit wäre dies niemals möglich gewesen. So fühlte er sich auch und daher war der Antosianer alles andere als glücklich, dass man ihn mitten in der Nacht weckte. Verschlafen öffnete er die Tür und erlebte das nächste Ärgernis.<br>„Was wollen sie denn hier?“ schnauzte er Edward Jellico an, der vor seinem Quartier stand. Der Angesprochene lächelte nur nachsichtig und hielt ihm eine kleine Phiole entgegen.<br>„Als kleines Dankeschön von mir, dass sie uns alle gerettet haben“, erklärte Edward und überreichte ihm das kleine Gefäß.<br>Woil ergriff es neugierig und erkannte gleich, was es war: Ketracel-White.<br>„Ich habe gehört, ihr Vorrat wäre etwas knapp. Damit wollte ich mich erkenntlich zeigen, “ meinte Jellico und verschwand wieder.<br>Jozarnay wusste tief in seinem Inneren, dass er diese Gabe hätte ablehnen müssen. Doch er tat es nicht. Er selbst wusste nicht wieso.</i><br><br>Über dieses Erlebnis hatte Jozarnay lange nachgedacht. Ein Jahr war es her gewesen, während einer Geheimmission, bei der sie aufgrund des Einsatzes einer biologischen Waffe ermittelt hatten. Edward Jellico war bei dieser Mission dabei gewesen und hatte ihm am Ende eine Dosis Ketracel-White gegeben.<br>Doch wozu? Hatte er damit irgendwelche Sympathien für sich wecken wollen? Betrachtete man die Szene aus der heutigen Perspektive, so wirkte sie fast wie eine gruselige Zukunftsvision. Ja, wie stand er eigentlich zu diesem Mann, der so lange ihr Widersacher gewesen war. Nein, korrigierte sich der Antosianer selbst, so ganz war diese Formulierung nicht ganz richtig. Jellico war der Kontrahent von Captain Lewinski gewesen. Ihn hatte er ausschalten oder gar töten wollen. Die Monitor und ihre Crew war nur in das Kreuzfeuer geraten, mehr nicht. Je länger Woil von seinen ehemaligen Kollegen getrennt war, desto mehr wurde ihm bewusst, dass sie alle in eine Privatfehde zwischen zwei Männern geraten waren. Es ging längst nicht mehr um die Föderation oder Sektion 31, sondern um den Kampf zwischen John Lewinski und Edward Jellico. Es war erst Jozarnays Austritt aus der Sternenflotte nötig gewesen, um dies zu erkennen. Eigentlich eine traurige Tatsache, wie er fand. Ob er seinen alten Freunden ebenfalls die Augen öffnen sollte? Jedoch war sich der ehemalige Chefingenieur nicht all zu sicher, ob man seinen Worten Gehör schenken würde. Manchmal war es nur einigen wenigen bestimmt, die Wahrheit zu erkennen. <br>Ob man sich überhaupt noch an ihn erinnerte? Dem Antosianer fiel auf, dass er seit dem Verlassen des Schiffes keinerlei Kontakt zu der Besatzung aufgenommen hatte. Nicht einmal hatte er eine Nachricht versendet, einen Brief formuliert oder dergleichen. Es war ihm gelungen sich der routinemäßigen Überwachung des Sternenflottengeheimdienstes zu entziehen und damit schien er auch mit seiner Vergangenheit abgeschlossen zu haben. Die Monitor, die Missionen und die Besatzungsmitglieder, all dies war nun Vergangenheit für ihn. Wenn sich die seine ehemaligen Kollegen für ihn interessierten, wieso meldeten nicht sie sich bei ihm? Ja, dies war die verquere Logik, die Jozarnay Woil inzwischen an den Tag legte. So viel hatte sich im letzten Jahr verändert. Nein, diese Ansicht war nicht so ganz richtig. Er hatte sich verändert, auf eine dramatische Art und Weise. Doch in seinem momentanen Zustand war er nicht in der Lage dieses zu erkennen.<br>Stella Tanner, derzeit der einzige Haltepunkt in seinem Leben, trat neben ihn. <br>„Ich habe dich schon gesucht“, flüsterte sie und tätschelte dem Antosianer liebevoll den Arm.<br>„Wieso denn?“ grummelte der Angesprochene.<br>„Na ja, unser letztes Gespräch ist ja beileibe nicht ganz angenehm verlaufen und ich dachte mir schon, dass du dir um diese Sache einen Kopf machen würdest.“<br>„Einen Kopf machen?“ fragte der ehemalige Chief verdutzt. „Wegen Edward Jellico? Niemals.“<br>„So kam dies aber vorhin ganz und gar nicht herüber. Es erschien mir vielmehr so, als hättest du Mitleid mit diesem Verbrecher empfunden.“<br>Wieso sollte er Mitleid mit diesem Mann haben? Einer Person, die ihm und seinen Kollegen von der Monitor schon so oft hatte schaden wollen und nun seine Liebste töten wollte. Verschwunden waren angesichts der Präsenz von Stella die Gedankengänge, die er noch vor wenigen Minuten gemacht hatte. Was nun zählte, war das Leben von Stella Tanner. Sie hatte mit ihrem Versuch richtig gehandelt; Jellico verdiente angesichts seiner Taten ein solches Schicksal.<br>Stella konnte deutlich in seinem Gesicht ablesen, dass er verstand und sie lächelte.<br>„Komm“, lud sie ihn ein, „lass uns essen gehen. Ich bin hungrig.“<br>Er nickte und folgte ihr in die Küche. Ein voller Magen war nun genau das, was gebrauchen konnte. Ganz besonders, um sich von einem anderen Hunger abzulenken...<br><br>Sie beide aßen in ihren Privaträumen, in einem komfortablen Essenszimmer. Die Mitarbeiter, die für Tanner an diesem geheimen Ort arbeiteten, hatten diese Möglichkeit nicht. Sie mussten mit einer großen Kantine vorlieb nehmen, in der sie ihr Essen zu sich nehmen konnten. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: dieser Ort war alles andere als unbequem. Die Essensauswahl war großzügig, das Platzangebot ebenfalls und keiner der Bediensteten konnte sich beschweren. Es hatte auch keiner ein Interesse an Beschwerden, denn die meisten von ihnen waren ehemalige Sträflinge und hatten deutlich schlechtere Umstände als die gegenwärtigen erlebt. Sie hatten Essen, Unterkunft und reichlich Freizeit. Es gab schlimmere Arbeitgeber als sie. Eine Weile beobachtete Jozarnay Woil die Personen bei Tisch, dann bemerkte er, wie seine Liebschaft neben ihn trat. Doch im Gegensatz zum letzten Mal, wo er sie gesehen hatte, war ihr Gesicht versteinert, fast mürrisch. Ein Hauch von Trotz lag auf ihren zarten Wangen. <br>„Was hast du?“ fragte der Antosianer und lächelte. Sehr zu seinem Missfallen wurde diese Geste nicht erwidert.<br>„Es ist nichts“, grummelte Stella und versuchte das Gespräch abzubrechen. Doch Jozarnay ließ nicht locker.<br>„Du brauchst mir nichts zu erzählen. Ich sehe dir ganz genau an, dass dich etwas bedrückt!“<br>Statt einer Antwort erntete er nur eisiges Schweigen und so beschloss er weiter nachzubohren.<br>„Es ist wegen Edward Jellico, nicht wahr? Du denkst immer noch darüber nach.“<br>Immer noch verzichtete Stella auf eine verbale Antwort, doch nun drehte sie ihr Gesicht in seine Richtung und ihren Augen war deutlich zu entnehmen, dass der ehemalige Chief voll ins Schwarze getroffen hatte.<br>„Du errätst auch alles, oder?“ grummelte die schöne menschliche Frau und fokussierte ihren Blick wieder auf die Untergebenen.<br>Für einen kurzen Moment schwieg Jozarnay, überlegte, wie er die Stimmung der Frau wieder anheben konnte. Ein Essen, ein Geschenk? Manchmal bedurfte es nicht solcher komplizierten Dinge. Ab und an reichte auch mal eine einfache Frage, um an sein Ziel zu gelangen.<br>„Und wie kann ich dir helfen?“ fragte Jozarnay Woil frei heraus. „Wie kann ich deine Stimmung wieder etwas anheben?“<br>Die Antwort war genauso unerwartet wie unmöglich:<br>„Töte Edward Jellico.“<br>Tanner hatte diesen Satz so selbstverständlich, so scheinbar emotionslos ausgesprochen, als spräche sie über etwas völlig selbstverständliches. Doch hatte sie das eben Gesagte ernst gemeint? Der ehemalige Chief verzog seine Lippen zu einem schiefen Grinsen und entgegnete:<br>„Na ja, gibt es auch etwas Einfacheres?“<br>Abermals drehte sich Stella in seine Richtung, so dass er wieder in ihren Augen die Wahrheit lesen konnte und ihm gefiel ganz und gar nicht, was er dort fand. Sie meinte das, was sie eben gesagt hatte, ernst.<br>„Ich möchte, dass du Jellico umbringst“, wiederholte sie noch einmal ihren Wunsch. „Dann würde es mir auch besser gehen.“<br>„Das kann ich nicht tun“, entgegnete Woil entschieden und ihm gefiel ganz und gar nicht, welche Richtung dieses Gespräch nun nahm.<br>„Wieso nicht?“<br>„Weil… weil ich keinen Menschen einfach ermorden kann!“<br>Jozarnay verstand nicht, wieso dieser Punkt nicht selbstverständlich war. Immerhin redeten sie hier über die gezielte Tötung eines Individuums.<br>„Aber du hast doch schon getötet. Mehrfach, “ widersprach Stella Tanner argwöhnisch.<br>„Ja, aber dies war immer zur Selbstverteidigung gewesen. Im Krieg zum Beispiel.“<br>Genervt rollte die Frau mit den Augen, so als spräche sie mit einem kleinen Kind, welches begriffsstutzig ist.<br>„Und dies hier ist keine Selbstverteidigung oder was? Vielleicht muss ich dich ja daran erinnern, aber Edward Jellico führt einen Krieg gegen uns und hat schon mehr als einmal versucht mich zu töten.“<br>„Du verdrehst die Angelegenheit zu deinen Gunsten“, widersprach der Antosianer, der innerlich immer unruhiger wurde. Auf der einen Seite standen die moralischen Abwägungen, auf der anderen die Frau, die er liebte.<br>„Nein, du versteckst dich nur“, entgegnete Stella zornig und verschwand, ohne dass ihm die Möglichkeit blieb noch etwas zu sagen. Sie hatten ihren ersten Partnerschaftsstreit! <br><br>Seine Frau war die einzige, die von seinem Beruf wusste. Nachbarn, Freunde, selbst seine Geschwister wussten nichts von seiner Stellung als Nummer 1 der Abteilung Blau des Tal Shiars. Natürlich war es ein Gesetzesbruch, aber innerhalb der Abteilung galt es als offenes Geheimnis, dass jeder seinem Ehepartner von seinen Tätigkeiten erzählte. Jedem einzelnen von ihnen war klar, dass bei einer eventuellen Weitergabe von Informationen die Todesstrafe für die Ehefrauen und -männern bevorstand und daher konnte man auf die Verschwiegenheit der Partner hoffen.<br>Als Nummer 1 auf seinem kleinen Computerbildschirm die Kom-ID seiner Frau aufblinken sah, fragte er sich instinktiv, was vorgefallen sein mochte. Im Regelfall rief seine Frau ihn nicht im Büro an, behelligte ihn aus Sicherheitsgründen nicht während der Dienstzeit. Nur in unbedingten Ausnahmesituationen oder Notfällen war es ihr gestattet seine Nummer zu wählen. Ein solcher Fall schien nun eingetreten zu sein. Mit fast zittrigen Fingern tippte der Romulaner den Befehl ein das Gespräch entgegen zu nehmen. Das zarte Gesicht seiner Frau erschien auf dem Kombildschirm und verhieß nichts Gutes. Über die Jahre war sie natürlich gealtert, doch in fast fünfundzwanzig Jahren Ehe schien sie nur schöner geworden zu sein. Hinzu war eine Reife gekommen, die man nur durch jahrelange Lebenserfahrung erhalten konnte und einen nur noch viel sinnlicher machte. Doch am heutigen Tage war das Gesicht seiner Frau von Tränen überströmt. Sie wirkte kraftlos, verzweifelt und der Nummer 1 wurde Angst und Bange. Noch versuchte er sich gegen das Unvermeidliche zu wehren, den Gedanken nicht aufkommen zu lassen, doch mit jeder Sekunde, die verstrich, wurde ihm die Unausweichlichkeit der kommenden Nachricht bewusst. <br>„Hallo Schatz“, begrüßte er seine Frau, wobei seine Stimme anfing zu beben. Er wusste, was nun kommen würde. Nun würde er für seine Sünden zahlen.<br>„Ich... ich habe einen Brief vom Verteidigungsministerium erhalten“, erklärte seine geliebte Frau und auch ihr fiel es schwer die Fassung zu behalten.<br>„Und was steht drin?“<br>Seine Frage war überflüssig, unsinnig. Ein verzweifelter Versuch etwas hinauszuzögern, was man nicht abwehren konnte. Die schreckliche Wahrheit war nur noch einen Atemzug entfernt.<br>„Unser Sohn“, platzte aus seiner Ehefrau heraus und neuerliche Tränen schossen aus ihren Augen hervor, „ist gestorben.“<br>Von dem ungeheuren Schmerz, der ihn überwältigt, schloss Nummer 1 seine Augen und kämpfte gegen die Tränen an. Diesen Kampf verlor und mit weinerlicher Stimme stellte er die Frage, die alle Eltern in einem solchen Moment interessierte:<br>„Wie?“<br>„Er war auf Patrouille in der talarianischen Hauptstadt, als er mit seinem Trupp in einen Hinterhalt geriet... niemand überlebte.“<br>Mehr wollte, mehr konnte seine Frau nicht sagen. Die Erklärungen genügten auch. Ermattet ließ sich Nummer 1 in seinen Sessel zurückfallen und starrte gen Decke, fragte die Götter, wieso ihm dieses Opfer abverlangt wurde. Doch er kannte die Antwort nur zu gut. Nun wurde auch von ihm der Preis für seine Lügen verlangt. Tausende von Familien hatten ähnliche Verluste erleiden müssen in einem fingierten Krieg. Jetzt hat es auch seine Familie erwischt. Benebelt erinnerte sich der Stellvertreter daran, dass er versucht hatte seinen Einfluss geltend zu machen, als er von der Stationierung seines Sohnes auf Talar erfahren hatte. Doch es war sein geliebter Junge gewesen, der sich gegen diese Bevorteilung gewehrt hatte. Er hatte an einen gerechten Krieg geglaubt, an den Kampf gegen die aggressiven Feinde, die Romulus angegriffen hatten. Nur zu gerne hätte die Nummer 1 seinem Sohn die Lügen gebeichtet, die er selbst mit seinen Kollegen erarbeitet hatte, doch der Zwang der Geheimhaltung hatte dies verhindert. <br>Und jetzt war sein Sohn tot, gestorben für eine Lüge. Er hatte den Preis für seine Sünden gezahlt.<br><br>Ihre Beziehung war bisher nur von kurzer Dauer und dieser Streit war der erste überhaupt. Jozarnay war mit diese Situation alles andere als glücklich, doch wie konnte er die Sache verbessern? Immerhin hielt er an seiner Meinung fest. Ja, Edward Jellico war ein Schwein, ein böser Mensch, doch er würde doch niemals auf die Idee kommen, ihm umzubringen. Einem anderen Menschen das Leben zu nehmen war schon schwer genug und dies auch noch vorsätzlich zu tun, dies kam für den Antosianer überhaupt nicht in Frage. Nur zu deutlich konnte sich Woil an das erste Mal erinnern, als er getötet hatte. Es war während des Dominionkrieges gewesen, als sein altes Schiff, die USS Damaskus, nach einem schweren Raumkampf mit drei Jem´Hadar-Schiffen geentert wurde. Alle Sternenflottler wurden mit Handwaffen ausgestattet und bereiteten sich auf das Eintreffen des Feindes vor. Dennoch wurden sie alle überrascht. Wie aus dem Nichts materialisierten die geklonten Krieger des Dominion in den Gängen des Schiffes und eröffneten das Feuer. Chief Woil war damals gerade auf dem Weg zurück in den Maschinenraum gewesen, als drei Jem´Hadar an einer Wegegabelung erschienen. Er war so überrascht über dieses plötzliche Auftreten gewesen, dass er nicht schnell genug seinen Phaser hatte ziehen können. Die erste Phaserentladung rauschte an ihm vorbei und traf einen jungen Maat, der mit ihm auf den Weg in den Maschinenraum war. Instinktiv, ohne nachzudenken, hatte Woil die Waffe angelegt und den ersten Krieger erschossen. Seine Leiche war zu Boden gestürzt, mit einem dumpfen Knall und ohne das theatralische Röcheln, welches man aus Filmen kannte. Eine Existenz war ausgelöscht worden, von einer Sekunde auf die nächste. Was folgte war ein stundenlanger Feuerkampf zwischen den Invasoren und der Schiffsbesatzung gewesen. Erst als Jozarnay gefangen genommen und in ein Arbeitslager des Dominion gebracht worden war, hatte er die Gelegenheit über seine Tat nachzudenken. Obwohl er in Notwehr gehandelt hatte, zur Verteidigung seines Lebens und dem seiner Freunde, hatte er Schuldgefühle. Ein Counsellor, der Mithäftling gewesen war, hatte ihm erklärt, eine solche Reaktion wäre normal. Und wenn Jozarnay ehrlich war, so war er froh über diese Gefühle gewesen. Denn sie bewiesen, dass er nicht ein eiskalter Krieger wie die genetisch gezüchteten Krieger des Dominion war, sondern ein denkendes, fühlendes Individuum, welches noch zwischen Richtig und Falsch unterschieden konnte. <br>Irgendwann entschloss sich Jozarnay in ihr privates Gemach zu gehen. Angetrieben wurde er dabei von einem ganz speziellen Bedürfnis, welches er dort stillen wollte. Wie erwartet war dort Stella. Sie saß in einem bequemen Sessel und las noch ein Buch, bevor sie sich zu Bett legen wollte. Scheinbar ignorierte sie den eintretenden Antosianer; sie blickte nicht von ihrer Lektüre auf. Woil ließ sich nicht von dieser Geste ärgern. Er sah sich im Recht und wenn sie eine Nacht darüber geschlafen hatte, dann würde Stella ganz sicher die Sache verstehen. Wie so viele Männer hoffte der ehemalige Chief, dass man die Sache aussitzen konnte. Mit scheinbar selbstverständlichen Schritten ging er zu der Kommode, öffnete die Schublade und wollte etwas ganz bestimmtes hervorholen. Doch zu seiner Überraschung fand er das Objekt seiner Begierde nicht vor. Irritiert grub er etwas in der Schublade herum, doch seine Suche blieb erfolglos.<br>„Wo ist denn die Box?“ fragte Jozarnay schließlich.<br>Nun endlich schien seine Freundin von ihm Notiz zu nehmen. Sie blickte auf, klappte das altmodische Buch zu und legte es auf ihrem Schoß ab.<br>„Nicht mehr in der Kommode“, war die schlichte Antwort.<br>„Und wo ist die Box jetzt?“<br>„Du wirst nicht mehr herankommen.“<br>Die Antwort war alles andere als zufrieden stellend für den Chefingenieur. Die Box selbst war nicht so wichtig, viel eher der Inhalt jenes Metallkastens: in ihm lagerte das Pärchen ihren privaten Vorrat an Ketracel-White samt Injektoren. Die letzte Dosis war für Jozarnay schon einen halben Tag her und langsam meldete sein Körper das Bedürfnis nach Nachschub.<br>„Ich kriege kein White mehr?“ fragte Woil und versuchte seine Stimme nicht zu panisch klingen zu lassen.“<br>„Nein.“<br>Die Antwort schlicht und dennoch ernüchternd.<br>Woil starrte die Frau an, die er liebte und sich plötzlich so kindisch benahm. Dass sie auf diese Art der Kriegsführung zurückgriff, empfand er als lächerlich.<br>„Alles nur, weil ich deine völlig unrealistische Forderung zurückgewiesen habe?“<br>„Du willst dich nicht an meinen Angelegenheiten beteiligen, na schön. Dann darfst du aber auch nicht mein Eigentum benutzen.“<br>„Es ist unser White!“ schrie der Antosianer wütend.<br>„Nein, es gehört mir.“<br>„Na gut, “ schnaufte Woil angesichts der Starrköpfigkeit seiner Freundin. „Ich habe es nicht eilig. Mir ist es gut möglich noch länger auf die nächste Injektion zu verzichten. Irgendwann wirst du ja mit deinem kindischen Verhalten wieder aufhören!“<br>Und mit diesen Worten rauschte ein erboster Jozarnay Woil aus dem Zimmer. Er hoffte nur, dass er lange genug durchhielt, bis Stellas Gemüt sich wieder gefangen hatte. Denn langsam machte sich der Entzug deutlich bemerkbar... <br><br><i>Auch wenn er hundemüde war, weigerte sich Lieutenant-Commander Bruce Land vom Krankenbett seines Mannschaftskameraden zu weichen. Er hatte sich einen freien Stuhl genommen und vor dem Krankenbett Platz genommen, den immer schwerer werdenden Kopf auf seine Fäuste gestützt. Leise, geradezu hypnotisch summten die medizinischen Geräte der Krankenstation vor sich hin und machten Land noch schläfriger. Dr. Frasier huschte wie die sprichwörtliche gute Fee immer wieder hin und her, justierte ein paar Geräte oder nahm Überprüfungen vor. Aus einem unerfindlichen Grund sprach niemand. Man schien zu glauben, dass nur ein einziges Wort ein fataler Fehler, gleich welcher Art auch, sein mochte. Bruce verdrängte eine weitere Müdigkeitsattacke und beobachtete Woil, wie der so im Bett lag. Die Sternenflotteuniform hatte man ihm ausgezogen und gegen ein Nachtgewand ausgetauscht. Sein Atem ging ruhig und gleichmäßig und der leichte Anflug eines Bartes zeigte sich inzwischen auf seinem Gesicht. Sein ganzer Körper war am Kämpfen gegen die teuflischen Drogen, die er sich selbst injiziert hatte. <br>Wieso?<br>Dies war die zentrale Frage, die sich alle an Bord stellten. Wie konnte ein solch standhafter Mann wie Jozarnay Woil, der in seinem Glauben fest verankert war, in den Drogensumpf abdriften? Ihm ging es doch beileibe nicht schlecht. Er hatte Freunde, Besitz, eine Aufgabe, die ihn ausfüllte. Was konnte man sich mehr wünschen? Immer und immer wieder sinnierte Land über diese Frage, kam jedoch zu keiner Antwort.<br>Plötzlich eine Regung und ein leises Husten seitens Woil. Der erste Offizier der Monitor war sofort hellwach und nahm überglücklich zur Kenntnis, dass der Chefingenieur seine vollkommen gelben Augen geöffnet hatte. <br>„Bruce“, röchelte der Antosianer leise.<br>Der Commander legte seine Hand auf die von Woil und befahl ihm so stumm, nun nicht zu sprechen. Elizabeth Frasier stieß nun auch zu ihnen und nahm einen schnellen Scan mit ihrem medizinischen Tricorder durch. Sie machte vorsichtshalber noch einen zweiten Check, bevor sie glücklich verkündete:<br>„Ich glaube, der Chief wird so schnell nicht wieder ins Koma fallen.“<br>Land nickte und blickte wieder zu Woil, der wieder dazu ansetzte, etwas zu sagen. Doch der Engländer hielt es für nötig, ihm zuvorzukommen:<br>„Sie brauchen uns nichts zu sagen, Chief. Wir wissen bescheid.“<br>Für einen kurzen Moment weitete Woil seine Augen und schien sich überlegen zu wollen, ob er alles abstreiten wollte, doch dann stieß er einen langen ( und schwachen ) Seufzer aus. Mit einem merkwürdigen Mischung aus Überdrehtheit und Müdigkeit musterte er die graue Decke der Krankenstation. Sein Organismus schien verrückt zu spielen. Diesmal hatte sein Körper vor der Übermacht des White kapituliert. Es war vorbei.<br>Glücklich, dass der Chefingenieur wach war, wollte sich Commander Land von seinem Stuhl erheben und auf die Brücke zurückkehren, doch Chief Woil, der seine Hand gepackt hatte, hinderte ihn daran. <br>„Bitte… bleiben… sie,” bat der Antosianer mit schwacher Stimme.<br>Nur kurz musste Bruce überlegen und dann nickte, setzte sich zurück auf seinen Platz. Er wusste, dass es noch etwas dauern würde, bis der Chief ihnen etwas erzählte, vorerst brauchte er einfach nur Unterstützung und die wollte er ihm zukommen lassen. <br>Für mehrere Stunden saß Bruce Land einfach nur da und schwieg. Der Chief tat es ihm gleich. Mal schien der Antosianer für einige Minuten zu dösen, dann blickte er sich immer mal wieder in der Krankenstation um. Auch er sagte nichts. Commander Land wollte ihn nicht drängen. Falls die Zeit reif wäre, würde Woil schon anfangen, zu erzählen.<br>Und dann, Stunden später, war es soweit:<br>„Sie fragen sich sicher, wieso jemand wie ich zu Drogen greift,“ sagte Woil leise und dabei klang es so, als spräche er mehr zu sich selbst denn zu seinem Vorgesetzten.<br>Land richtete sich auf. Er wollte nun seine ganze Konzentration dem Chief zuwenden. <br>„In der Tat, Jozarnay. Dies frage nicht nur ich mich, sondern die ganze Besatzung.“<br>Wieder seufzte Woil. Dies alles hier, die Ereignisse, die erst seit kurzer Zeit hinter ihm lagen, erschienen ihm nun schon wie ein Traum. Wie sehr sich doch alles ändern konnte. <br>„War es wegen des Krieges?“ fragte Bruce Land behutsam nach.<br>Eine solche Lösung wäre nicht unwahrscheinlich gewesen. Der Krieg gegen das Dominion war der größte militärische Konflikt in der Geschichte der Föderation gewesen und hatte Schreckliches wahr werden lassen. Der Engländer kannte einige Offiziere, die er jahrelang gekannt hatte und sich immer noch, drei Jahre nach dem Ende des Konflikts, in psychologischer Behandlung wegen ihrer Erlebnisse befanden.<br>Doch Woil schüttelte leicht den Kopf. Zu einer größeren Bewegung war sein schwacher Körper immer noch nicht in der Lage. <br>„Nein, meine Sucht begann, wie sie sicherlich schon bemerkt haben, später.“<br>„Und was war der Grund?“<br>Wieder eine Pause. Abermals musterte der Antosianer die Decke der Krankenstation. <br>„Die Integrität des Geistes ist unsere heilige Aufgabe“, zitierte er und als er daraufhin das leicht ratlose Gesicht des Commanders sah, lächelte er schwach. „Dies ist eines der wichtigsten Zitate der antosianischen Religion; einer der Grundfesten meines Glaubens. Dieser Satz stammt von der dritten Tafel namens Ylljil, die zu den wichtigsten Tafeln innerhalb der Reihe der antosianischen Gebetstafeln gehört.“<br>Plötzlich, ohne dass er damit gerechnet hatte, wurden die gelben Augen des Chiefs feucht und nach ein paar Sekunden lief eine einzige, verloren aussehende Träne seine Wange herunter. Land musste zweimal hinsehen, um zu begreifen, was er da eben gesehen hatte. Neben dem Captain selbst war der Chief die Symbolisierung für eine fast schon lässige Selbstbeherrschung. Aus seinem Glauben schien er die Kraft für alle Anstrengungen zu erhalten, die das Universum für ihn vorsah. Noch nie hatte er bisher eine solch traurige Emotion bei Woil sehen dürfen, selbst während ihrer harten Zeit im Gamma-Quadranten. Aus Höflichkeit brachte er jedoch nicht das eben gesehen zur Sprache. <br>„Ich weiß, dass sie einen starken Glauben haben,“ entgegnete Bruce, „ich habe sie immer dafür bewundert, dass sie für jede mögliche Situation ein Zitat vorbringen konnten, dass ihnen die Richtung vorgibt. Aber wieso brechen sie denn nun eines der Dogmen ihrer Religion?“<br>Wie als wenn man ihm ein Messer in den Leib gestoßen hätte, zuckte Woil bei dieser Frage zusammen. Fast schon tat es Land leid, dass er diese Frage gestellt hatte, doch diese Themen mussten endlich zur Sprache gebracht werden. Er musste einfach reden. <br>„Ich...ich..., “ stammelte der Antosianer und verstummte dann für einige Minuten, um die passenden Worte zu finden. Land gab ihm die benötigte Zeit. Schließlich griff Woil nach dem Haar, das ihm über die Schultern fiel. „Sehen sie dies, Bruce? So lange sie mich kennen, trage ich nun schon einen Pferdeschwanz. Es ist das religiöse Symbol meines Volkes. „Die wahrhaft Standhaften erkennen wir dadurch, dass sie das Gefäß ihres Geistes schützen. In meiner Kultur ist es selbst heute noch verpönt, sich eine Glatze rasieren zu lassen. Wir sagen, dadurch könne unser Geist Gefahren ausgesetzt werden. Darum trugen und tragen die Gläubigen ihr Haar lang, um den Geist zu schützen. Leider erscheine ich wie ein Paradiesvogel auf Antos und auch hier. Verstehen sie das? Ich bin hier unter Freunden und zu Hause wartet meine Familie, meine Geschwister und Eltern auf mich, aber nichtsdestotrotz fühle ich mich ALLEIN!“<br><br>Bruce Land ging auf direktem Wege auf die Krankenstation, um weiter dem Chief zur Seite zu stehen. Mit dabei hatte er zwei grüne Steine. Der Antosianer richtete sich bei deren Anblick überrascht von seiner Liege auf. <br>„Das sind ja Meditationssteine!“ rief er überrascht auf.<br>Trotz der eben geschehenen Ereignisse lächelte der erste Offizier. <br>„Ja, ich habe mich etwas schlau gemacht und möchte sie unterstützen. Wir werden gemeinsam eine antosianische Meditation durchführen.“<br>Woils gelbe Augen funkelten, als er diese Worte hörte. Nicht, weil er unter dem Einfluss einer Droge stand, sondern weil er einen Freund hatte. Er war nicht mehr alleine.<br>Woils gelbe Augen funkelten, als er diese Worte hörte. Nicht, weil er unter dem Einfluss einer Droge stand, sondern weil er einen Freund hatte. Er war nicht mehr alleine.</i><br><br>Doch wie jede Person, die unter irgendeiner Form von Sucht litt, belog sich Jozarnay selbst. Besonders tragisch an der Sache war, dass er es eigentlich hatte besser wissen müssen. Sein Krankheitsschema ähnelte frappierend dem vor drei Jahren. Der Antosianer verleugnete seine Sucht, verklärte die Sicht der Dinge und gestand sich nicht die schwere Wahrheit ein. Er war keineswegs in der Lage länger als ein paar Stunden auf die nächste Injektion Ketracel-White zu verzichten. Dies war vielleicht noch im letzten Jahr möglich gewesen, doch inzwischen hatte sich sein Körper zu sehr an die Droge gewöhnt. Die mehrtägliche Einnahme war zu einem Ritual geworden, welches von ihm kaum bis gar nicht mehr kritisch hinterfragt worden war. Fast überhaupt nicht mehr dachte er über seinen Zustand nach und darüber, was er seinem Körper eigentlich antat. Wo andere Personen aßen oder tranken, nahm Jozarnay Woil Ketracel-White. <br>Aus diesem Grund fiel es ihm ganz und gar nicht so leicht auf die Drogen zu verzichten, wie er es sich selbst gerne einreden wollte. Stundenlang wanderte er durch die geheime Basis, ruhe- und rastlos. Ohne Ziel, ohne klare Vorstellung trugen ihn seine Beine quer durch die Lagerhallen und Räume, Hauptsache weg von den Entzugserscheinungen, die sich schon so deutlich bemerkbar machten. Letztes Jahr, als er noch auf der Monitor gewesen war, hatte er schon einmal versucht für einen längeren Zeitraum auf die Drogen zu verzichten. Das Ergebnis war ein Desaster gewesen und hätte für ihn eine Warnung darstellen müssen, wie weit es schon mit ihm gekommen war. Doch der ehemalige Chefingenieur hatte nicht auf die Stimme der Vernunft gehört und auch in diesem Fall war sein Scheitern absehbar. Auf seiner Stirn perlte der Schweiß, seine Körpertemperatur war stark erhöht und sorgte für ein gesteigertes Aggressionspotential, welches er nirgendwo abbauen konnte. Ein paar Mal hätte er fast einige unschuldige Arbeiter angefahren, doch im letzten Moment hatte sich Woil noch zügeln können. Seine Herzen schlugen schneller und immer wieder überkamen ihn Schüttelanfälle. Seine Muskeln, sein Blut und sein Verstand verlangten nach Ketracel-White. Irgendwann rauschte der Gestresste zurück in die privaten Gemächer und stellte eine Komverbindung her. Er hatte sich an das Ereignis vor drei Jahren erinnert, als man ihm zur Hilfe gekommen und ihn aus dem verhängnisvollen Strudel der Sucht hervorgeholt hatte. <br>Die Komverbindungen von dieser Basis aus waren alle geschützt und unmöglich zurückzuverfolgen. Es dauerte einige Minuten, dann war eine Leitung zur USS Voyager aufgebaut worden. Eine Person erschien auf dem Bildschirm, welche Jozarnay lange nicht mehr gesehen und der er so vieles zu verdanken hatte.<br>„Jozarnay! Mit ihnen hätte ich jetzt gar nicht gerechnet!“ begrüßte Commander Land seinen alten Weggefährten.<br>„Commander Land, ich hoffe ich störe sie gerade nicht“, entschuldigte sich der Angesprochene.<br>„Nein, Captain Chakotay hat mir gestattet den Anruf entgegenzunehmen. Wie geht es ihnen? Das letzte, was ich von ihnen gehört habe, war, dass sie die Sternenflotte verlassen haben.“<br>„Ja, meine Dienstzeit endete Anfang des Jahres. Nun bin ich glücklicher Zivilist.“<br>Bruce lächelte angesichts dieser Worte. Es tat gut mit dem Antosianer zu reden. Wie viele andere auch hatte sich der ehemalige erste Offizier Sorgen gemacht und nun ein Lebenszeichen zu erhalten, war mehr als beruhigend. Aber fast augenblicklich fiel dem Engländer der schlechte Zustand von Woil auf.<br>„Ist mit ihnen alles in Ordnung?“<br>„Ja“, beschwichtigte Woil einen Tick zu schnell. „Ich wollte einfach nur… einfach nur mal mit einer bekannten Person reden.“<br>„Selbstverständlich“, verstand Bruce, der sich ebenfalls erinnerte. Nicht nur an die Ereignisse vor drei Jahren, als der Chefingenieur zum ersten Mal zusammengebrochen und er an dessen Krankenbett geharrt hatte, sondern auch an die verdoppelte Monitor am Ende des letzten Jahres. Durch die Holoaufzeichnungen hatte er erschreckender Weise festgestellt, dass der Antosianer rückfällig geworden war. Doch er hatte beschlossen nichts zu sagen. Nicht, weil es ihm gleichgültig war oder dergleichen, sondern weil Jozarnay selbst mit sich ins Reine kommen musste. Es war sein Weg, den er beschritt und nur er allein war in der Lage wieder von der Droge loszukommen. Zumindest hatte Land dies damals gedacht. Wenn er nun den heutigen Zustand des alten Kollegen betrachtete, so kamen ihm erhebliche Zweifel an seiner Einstellung. War dieser Mann wirklich in der Lage von der Droge loszukommen.<br>„Bruce“, stammelte Woil und plötzlich fühlte er sich sehr, sehr einsam. „Sie glauben gar nicht, wie gut es tut sie zu sehen.“<br>Der Antosianer hatte natürlich keine Ahnung von dem Wissen des ehemaligen Vorgesetzten. Verkrampft versuchte er etwas zu verheimlichen, was schon längst bekannt war.<br>„Geht mir genauso, Chief!“<br>„So hat man mich schon länger nicht mehr genannt.“<br> Sogar ein schiefes Lächeln bekam er angesichts dieser Worte zustande. Für einen kurzen Moment fühlte er sich wieder zu Hause, an Bord der Monitor und umgeben von seinen Kameraden und Freunden. All die Jahre hatte er sich eingeredet, dass er an Bord des Schiffes keine Freunde besessen hatte, doch nun begriff er die Falschheit dieser Ansicht. Sie waren für ihn da gewesen und wie Bruce Land auch wäre jeder andere bereit gewesen sich damals an sein Krankenbett zu setzen. Dass er dies damals nicht erkannt hatte, war ein Versäumnis, welches man nicht mehr rückgängig machen konnte.<br>„Brauchen sie mich, Jozarnay?“ fragte Land und zielte mit seiner Frage auf einen ganz bestimmten Punkt. Er konnte nur helfen, wenn man seine Hilfe auch annehmen wollte. Nur so war eine Heilung möglich. Der Engländer betete für eine positive Antwort und für einen kurzen Moment herrschte eine nachdenkliche Stille. Der Antosianer war versucht die Wahrheit zu sagen. Sich zu offenbaren und ein weiteres Mal helfen zu lassen.<br>Doch dann überwog die Scham noch einmal gescheitert zu sein und so winkte er ab.<br>„Nein, es ist alles in Ordnung. Ich wollte mich nur mal wieder bei ihnen melden.“<br>Deutlich konnte Commander Land erkennen, dass nichts in Ordnung war, doch er konnte seine Hilfe nicht aufzwingen. Wie auch, der momentane Standort seines Gegenübers war ihm unbekannt.<br>Und so verabschiedete sich der ehemalige Chief. Einige letzte Grußworte wurden ausgetauscht und dann wurde der Kombildschirm wieder schwarz. Unterbewusst war Jozarnay klar, dass er den endgültigen Absprung verpasst hatte. Nun hatte er sich vollkommen der Sucht ergeben.<br><br>Nach der Nachricht war alles sinnlos geworden. Wie ein träger Geist schleppte sich Nummer 1 durch die Verwaltungstrakte von Abteilung Blau, immer auf der Suche nach Ablenkung von der schrecklichen Trauer. Doch egal was er anstellte, überall wurde er nur an den schrecklichen Tod seines Sohnes erinnert. Auf seinem Schreibtisch stapelten sich inzwischen die Akten, zu deren Bearbeitung er sich nicht mehr in der Lage sah. Ein durchaus gefährlicher Zustand, denn wenn er noch mehr mit der Arbeit in Verzug kam, so würde man sich wohl früher oder später nach den Gründen erkundigen.<br>Irgendwann erreichte der Romulaner die Küche, wo er sich eine Tasse frischen Kaffees einschenken wollte. Zwar tat er dies auch, doch statt sich das warme Getränk zuzuführen, starrte er nur die schwarze Flüssigkeit an, die dampfend vor ihm stand. Einige Minuten vergingen, dann bemerkte Nummer 1, dass er sich nicht mehr allein in der Küche befand. Soeben war Nummer 2 herein getreten, nach dem Leiter und ihm selbst die drittwichtigste Person innerhalb der Abteilung Blau. Freundlich nickte sein Stellvertreter ihm zu und schenkte sich ebenfalls etwas Kaffee ein. Nummer 2 wollte sich daraufhin schon wieder auf den Weg nach draußen machen, da nahm Nummer 1 allen Mut zusammen und fragte:<br>„Empfanden sie jemals Reue deswegen?“<br>Die Frage war unerwartet und fast schon schien es, als würde das Echo seiner Stimme in dem kleinen Raum widerhallen. Doch dies war nur eine Sinnestäuschung. Langsam drehte sich der Angesprochene herum.<br>„Wie meinen sie das?“ fragte er verwirrt. Anscheinend konnte er sich beim besten Willen nicht denken, worauf sein Vorgesetzter hinaus wollte.<br>Kurz fragte sich Nummer 1, ob sein Stellvertreter ebenfalls eine Familie besaß. Eine liebende Frau, Kinder? <br>„Ich meine die manipulierten Beweise, die wir dem Senat vorgelegt haben. Den Krieg, den wir verursacht haben.“<br>„Worauf wollen sie hinaus?“<br>„Haben sie Gewissensbisse deswegen? Empfinden sie Scham?“<br>Diese Frage war innerhalb der Mauern des Tal Shiar und vor allem in der Abteilung Blau niemals gestellt worden. Dementsprechend verwirrt war der Gesichtsausdruck der Nummer 2. Es dauerte einige Sekunden, bevor er sich zu einer Antwort durchrang. Kurzzeitig nahm der Stellvertreter an, bei dieser Frage handle es sich um einen Test, mit dem man seine Loyalität prüfen wolle. Aber aus welchem Grund? Bisher hatte er immer dem Reich treu gedient und niemals Anlass zur Sorge geboten. <br>Vielleicht stand hinter dieser Frage wirklich nur der Wunsch nach etwas Konversation. In solchen Momenten hieß es die verschiedenen Möglichkeiten abzuwägen und im Anschluss eine Entscheidung zu treffen.<br>„Nein, ich empfinde gar nichts dabei“, antwortete Nummer 2 schließlich. „Was wir taten, taten wir zum Wohle unseres Volkes. Aus dieser schrecklichen Krise sind alle Romulaner gestärkt hervorgegangen und ohne unsere Manipulation hätte sich alles zum schlechteren wenden können.“<br>„Und die Toten?“<br>Die Frage von Nummer 1 machte all zu deutlich, dass er sich schon viel zu lange mit dieser Frage herumgetragen hatte. Seine Selbstbeherrschung war inzwischen vollkommen verschwunden und er konnte nur hoffen, dass man ihm nicht schon bald auf die Fährte kommen würde.<br>„Überall sterben Lebewesen. In jeder Sekunde, die wir leben, entsteht und endet Leben. Ob hier oder dort einige mehr oder weniger sterben ist für das Gesamtgefüge des Universums unerheblich.“<br>Mehr wollte Nummer 2 nicht zu diesem Thema sagen, denn es wartete Arbeit auf ihn und so verließ er die Küche. Nummer 1 jedoch blieb noch etwas in dem kleinen Raum und dachte über die gleichgültigen Worte seines Stellvertreters nach. Dabei fragte er sich, ob dies noch das Romulus war, für das er früher eingetreten ist...<br><br>So schnell es im getarnten Zustand möglich war, raste der getarnte Reiseshuttle in Richtung Erde. An Bord des kleinen Schiffes befand sich niemand geringeres als Jozarnay Woil. Nun war er auf einem Kurs, den er niemals hatte einschlagen wollen. Verzweifelt hatte er sich dagegen gesträubt, sich dagegen gesträubt, doch am Ende hatte er vor den Bedürfnissen seines Körpers kapitulieren müssen.<br>Stella Tanner, die Frau die er liebte und mit der er zusammen war, hatte ihn im Sessel vorgefunden. Der Antosianer war kaum noch ansprechbar gewesen, hatte hohes Fieber gehabt. Schweißperlen hatten seine Stirn übersät und Woil hatte Angst um sein Leben empfunden. Schon einmal war dieser Zustand aufgetreten, kurz vor seinem Zusammenbruch auf der Monitor und instinktiv hatte er gespürt, dass er abermals nicht allzu weit vom endgültigen Kollaps entfernt war. Sein Körper verlangte mit jeder Faser nach dem inzwischen lebenswichtig gewordenen White und rebellierte. Ihm war kotzübel gewesen. Irgendwann hatte ihn seine Freundin in diesem Zustand vorgefunden und er hatte um Hilfe geröchelt, um Erlösung und Gnade. <br>Doch statt ihm sofort zu helfen, hatte sie erst höhnisch gegrinst. Die Angelegenheit hatte sich so entwickelt, wie sie es erwartet hatte und wenn Jozarnay ehrlich zu sich selbst war, so wurde ihm bewusst, dass er niemals diesen Konflikt hatte gewinnen können. Ein mehrstündiger Entzug von der Droge war inzwischen für ihn unmöglich geworden und er hatte sich selber einer Tour der Force hingegeben, die unnötiger nicht hätte sein können. <br>„White... bitte“, hatte der ehemalige Chefingenieur geröchelt und seine zittrige Hand Stella entgegengestreckt.<br>„Nur unter einer Bedingung, “ erklärte die schöne Frau, „du tötest Edward Jellico.“<br>Natürlich empfand Woil Ekel bei diesem Gedanken. Er wollte niemanden ermorden, auch wenn derjenige ein noch so schlechter Mensch war. Doch noch viel weniger hatte der Antosianer Interesse am eigenen Tod und so hatte er, nach viel Überwindung, mit dem Kopf genickt. Anschließend hatte er sich die lang ersehnte Injektion geben dürfte. Mehr noch, für die Reise zur Erde hatte Stella ihm weitere Rationen mitgegeben, mit denen sich Jozarnay über Wasser halten konnte. Ein Teufelskreis, aus dem er jedoch nicht mehr entkommen konnte.<br>Und nun saß er hier im Shuttle auf dem Weg zur Wiege der Menschheit, wo er etwas höchst Unmoralisches tun sollte. Natürlich hätte der ehemalige Admiral der Sternenflotte aufgrund seiner Taten den Tod verdient gehabt, doch wer Woil, dass er entscheiden durfte, wer leben und wer sterben sollte? Er befand sich nur in dieser Lage aufgrund seiner Sucht. Nur für die war er bereit zu töten... und für die Liebe. Es war paradox. Obwohl Stella ihn ausgetrickst, ihn hatte leiden lassen und ihn so für ihre Zwecke manipulierte, empfand er nichts anderes als Liebe für diese Frau. <br>Liebe macht blind sagen die Menschen. Auf keinen traf dieser Satz so sehr zu wie auf Jozarnay. Auf was hatte er nicht alles in seinem Leben verzichten müssen? Durch viele Widrigkeiten des Lebens hatte er gehen müssen; war es da nicht nur fair, wenn es ihm auch einmal gut ging? Und wenn Edward Jellico diesem Glück im Weg stand, so musste er halt beseitigt werden. Je länger die Reise dauerte und je mehr Ketracel-White durch seinen Körper floss, desto mehr freundete sich der Antosianer mit seiner Mission an. Wie schwer konnte es schon sein? Er hatte immerhin schön getötet. Einfach dem alten Mann auflauern und ihn erschießen. Eine Sache von wenigen Sekunden.<br>Was würden nur seine Eltern sagen, wenn sie ihn in dieser Lage sehen könnten? Jozarnay vermisste sie und bereute, dass ihre letzten Worte im Zorn gesprochen worden waren. Vielleicht war es an der Zeit sich mal wieder bei ihnen zu melden und über die ganze Sache zu reden. Später, wenn er erst einmal Edward Jellico getötet hatte. <br><br>Angesichts der Ereignisse im letzten Jahr hätte er vorsichtiger sein müssen. Er selbst hatte sich geschworen, dass niemand mehr so leicht an ihn herankommen und ihm gefährlich werden konnte. Doch ein jeder wurde alt und dies darf wohl auch im weitesten Sinne auf Edward Jellico zu. Natürlich war er immer noch ein Verschwörer und Intrigant, doch sein politischer Posten im Justizministerium hatte ihn träger gemacht, als er es sich selbst eingestehen wollte. Die alte Wachsamkeit war durch Bequemlichkeit ersetzt worden. <br>Daher dürfte es auch niemanden überraschen, dass den ehemaligen Admiral der Sternenflotte im Turbolift eine Überraschung erwartete. Jellico wollte sich gerade auf dem Weg zu einer weiteren Besprechung machen. Wie so oft trug er einen teuren Anzug und in seiner linken Hand eine Aktentasche mit allen wichtigen Dokumenten, die er für eine solche Sitzung brauchte. Er war zufrieden mit sich selbst und der Arbeit. Immer tiefer wurde er ins Vertrauen gezogen, immer höher stieg er in der Gunst seiner Vorgesetzten. Aus dem ehemaligen Verräter, der beinahe für den Rest seines Lebens im Gefängnis gelandet wäre, war ein respektierter Mann geworden. Grund dafür waren die zahlreichen Erfolge gegen Sektion 31, die er vorweisen konnte. Beinahe schon war es zu einfach die alten Kollegen ans Messer der Justiz zu liefern. Wer weiß, vielleicht war irgendwann das Amt des Justizministers in greifbarer Nähe. Die öffentliche Meinung über ihn hatte sich gewandelt, Edward Jellico war beliebt und sicherlich ein guter Mandatsträger. Ein kleiner Ausgleich für den Tod seiner geliebten Familie, den er im letzten Jahr hatte hinnehmen müssen. <br>Doch als er gedankenverloren in den Lift einstieg und sich die Türen schlossen, wurde ihm seine Nachlässigkeit bewusst. Ein Phaser wurde auf seinen Kopf gerichtet, summend erwachte die tödliche Waffe zum Leben. Aus dieser Entfernung bestand kein Zweifel an der Tödlichkeit eines Treffers. <br>Langsam, ohne seinen Angreifer provozieren zu wollen, drehte sich Edward in die Richtung des Schützen und hob amüsiert die Augenbrauen.<br>„Mr. Woil, es überrascht mich, sie zu sehen!“ meinte der alte Mann unerwartet <br>fröhlich. „Noch mehr überrascht mich, was sie hier mitgebracht haben.“<br>Der Antosianer erwiderte nichts, konzentrierte sich weiterhin darauf die Waffe auf den Kopf seines Feindes zu richten. Keine leichte Aufgabe, denn Jozarnay war kotzübel und er musste sich alle Mühe geben nicht zu zittern.<br>„Nun sind sie also gekommen, um das Werk zu vollenden“, schwadronierte Edward Jellico weiter. „Haben sie keine Angst, dass sich schon im nächsten Moment die Türen dieses Turboliftes öffnen könnten?“<br>„Ich habe das System manipuliert. Ohne mich wird hier wieder jemand ein- noch aussteigen, “ entgegnete der ehemalige Chief endlich. Jedes einzelne Wort hatte ihn eine unbändige Kraft gekostet. Abermals perlte Schweiß von seiner Stirn, diesmal jedoch nicht hervorgerufen durch den Entzug, sondern die Angst.<br>„Ah, bei ihren Qualifikationen hätte ich mir dies auch selbst denken können. Dies erklärt auch, wie sie unbemerkt in das Ministerialgebäude haben eindringen können. Sehr clever von ihnen, wirklich. Nur denke ich nicht, dass das töten ebenfalls zu ihren Fähigkeiten gehört. Gehe ich recht in der Annahme, Mr. Woil?“<br>Die Worte des alten Mannes ließen ihn nur noch nervöser werden. Was war hier los? Während des ganzen Fluges hatte er sich die ganze Sache so leicht vorgestellt. Einfach hineingehen und abdrücken. Doch nun, kurz vor dem Ziel, versagten ihm die Hände ihren Dienst. Oder war etwas anderes der Grund dafür?<br>„Wie wäre es, wenn sie einfach die Schnauze halten?“ fauchte der Antosianer.<br>„Sie sind nervös, Chief. Ich darf sie doch so anreden, auch wenn sie die Sternenflotte schon lange verlassen haben. Deswegen müssen sie sich keine Sorgen machen. Das erste Mal ist immer etwas Heikles. Als ich meinen ersten Menschen ermordete, war ich auch mehr als verängstigt. Doch je öfter man es macht, desto leichter geht es von der Hand.“ Kurz zögerte Edward Jellico und zum ersten Mal seit Woil ihn kannte, zeigte sich so etwas wie Menschlichkeit in den Augen des alten Gegners. „Manchmal jedoch, in den ruhigen Momenten, kehren vor dem geistigen Auge die Gesichter der Toten wieder und holen einen heim. Daran kann man sich leider nicht gewöhnen. Sind sie bereit für diese Bürde, Mr. Woil?“<br>Der Angesprochene wünschte sich mit jeder Faser, dass der alte Mann endlich mit seinem Gequatsche aufhörte. Dabei hatte er das Mittel, ihn zum Schweigen zu bringen, in der Hand. Eine einzige Fingerbewegung und die Sache wäre erledigt gewesen. Schon zu lange befand er sich an diesem Ort, die Gefahr einer Entdeckung stieg kontinuierlich. Doch es ging nicht.<br>„Wieso machen sie die Drecksarbeit für diese Frau?“ fragte Jellico direkt. „Wieso tötet sie mich nicht selbst, wieso schickt sie jemand anderes? Und wieso tun sie es? Tun sie es für das White? Falls ja, ich kann ihnen auch mehr als genug davon liefern. Erinnern sie sich noch an das letzte Jahr, als ich ihnen eine Phiole schenkte? Unzählige warten noch auf sie, falls sie möchte. Was also ist es?“<br>Wieder schwieg Jozarnay. Immer mehr verkrampfte er und es fiel mehr als schwer die Fassung zu behalten. Die Worte des alten Mannes erzielten einen bestimmten Effekt bei ihm und dies war wohl beabsichtig.<br>„Sie lieben sie“, stellte Jellico schließlich mit zusammengekniffenen Augen fest, so als hätte er die Gedanken seines Gegenübers gelesen. „Ja, sie tun es, weil sie in Stella Tanner verliebt sind und sie denken felsenfest, dass die Frau diese Gefühle erwidert. Doch dem ist nicht so. Sie spielt nur ein Spiel mit ihnen, glauben sie es mir!“<br>Eigentlich waren diese Worte eine große Beleidigung für Jozarnay. Er kochte innerlich vor Wut, fluchte und raste. Doch der gute Mensch in ihm, der ehemalige Sternenflottler und alte Gläubige, gewann die Oberhand und fast schon panisch flüchtete er aus dem Turbolift. Vielleicht würde Edward Jellico schon im nächsten Moment die Wachen auf ihn hetzen oder sogar töten lassen, aber Woil musste hier weg.<br>Noch lange nach dieser Aktion schaute Jellico in den Gang hinaus, in den Woil entflohen war. Obwohl ihm sofort der Gedanke gekommen war, ließ er den Gedanken der Rache an dem Antosianer fallen. Der ehemalige Chief war nur eine Marionette, dies wusste er. Vielmehr war Tanner das Ziel. Und irgendwie hatte er das Gefühl, dass seine Rache nicht mehr allzu weit entfernt war.<br><br>Nummer 1 bewunderte seine Frau dafür, dass sie immer so geduldig gewesen war. Sie wusste nicht genau, was ihr Mann beim Tal Shiar machte und so gut wie kaum hatten sie jemals über die Arbeit sprechen können. Auch sie wusste nichts von der Kriegslüge, die er mitentwickelt hatte. Doch sie hatte ihm immer Kraft und Halt gegeben. Nun war es an der Zeit diese Gefühle zu erwidern. Selbstverständlich fiel es auch ihm schwer bei Fassung zu bleiben, doch er musste stark für sie bleiben. Das Haus wirkte auf einmal so leer ohne ihren Sohn. Überall, wo sie hingingen, sei es die Küche, das Wohnzimmer oder das Bad, an jedem Ort wurden sie an den schrecklichen Verlust erinnert. Nun standen sie beide am Fenster und beobachteten den Regen, der dagegen prasselte. Er hielt seine Frau zärtlich im Arm und versuchte sich der Situation klar zu werden. Vor kurzem hatten sie erfahren, dass sein Körper nicht beerdigt werden konnte. Die Talarianer hatten die Leichen der Romulaner verschleppt, schändeten sie wahrscheinlich in ihrem Zorn auf die Besatzer. In einigen Wochen würde es ein militärisches Begräbnis geben, doch ein leerer Sarg würde zu Boden gelassen werden. Ein weiterer Schicksalsschlag für die kleine Familie.<br>Es war in diesem Moment, wo Nummer 1 entschied, dass es vorbei war. Würde die Besatzung noch weitergehen, so würde man täglich mit weiteren Toten rechnen müssen. Wie viele Familien würden noch bereit sein diese Last zu tragen? Den Gedanken daran, dass er für dieses Leid verantwortlich war, konnte Nummer 1 nicht mehr ertragen. Es musste enden.<br><br>Es war mitten in der Nacht, als Commander Price geweckt wurde. Der Grund für die Stimmung war das piepende Komsignal, welches ihm eine Verbindung signalisierte. Mit krächzender Stimme befahl der Halbbetazoid „Licht!“ und richtete sich auf. Kurz warf er sich ein Shirt über und nahm das Gespräch entgegen.<br>Schon im nächsten Moment bereute er diese Entscheidung.<br>„Jellico! Ihre Fratze mitten in der Nacht ertragen zu müssen ist wirklich eine Pein. Bitte sagen sie mir, dass dies ein Albtraum ist!“<br>„Nein, dem ist leider nicht so, Commander“, erklärte der ehemalige Admiral grinsend.<br>„Gut, dann werde ich einfach die Verbindung beenden und so tun, als hätten sie niemals angerufen.“<br>Der erste Offizier der Monitor wollte gerade seine Ankündigung in die Tat umsetzen, da rief Jellico:<br>„Nein, warten sie, ich muss ihnen unbedingt etwas mitteilen!“<br>„Und wieso ausgerechnet mir?“<br>„Weil ihr Captain mir nicht zuhören wird. Lewinski ist derzeit mit ganz anderen Sachen beschäftigt.“<br>Matthew zögerte kurz, seufzte anschließend und beschloss sich das Geschwätz des Verschwörers anzuhören. Was konnte es schon schaden, immerhin war er schon wach.<br>„Was wollen sie?“<br>„Jozarnay Woil hat mich heute umbringen wollen.“<br>„Soll das ein schlechter Scherz sein?“<br>Wieder hob Price die Hand mit der Absicht die Verbindung zu unterbrechen. Einen solchen Nonsens wollte er sich nicht anhören.<br>„Sie sind doch empathisch veranlagt. Können sie nicht spüren, dass ich es ernst meine?“<br>Und obwohl ihm dies alles andere als gefiel, hatte Jellico recht. Selbst mit seinen schwachen Ausprägungen war der Commander in der Lage zu ermitteln, dass Jellico nicht log.<br>„Sehen sie? Ich habe die Wahrheit gesagt. Leider muss ich ihnen mitteilen, dass ihr ehemaliger Chief auf die schiefe Bahn geraten ist. Nun paktiert er mit Stella Tanner, einem Namen, den sie schon mal gehört haben dürften.“<br>„Allerdings“, entgegnete Price und nun war sein Interesse geweckt und so beschloss er sich die Geschichte von Jozarnay Woil erzählen zu lassen. Immerhin ging es um das Leben eines Freundes...<br><br>„Es tut mir leid, dass ich deinen Auftrag nicht habe ausführen können.“<br>Er hatte mit Wut gerechnet, Zorn, aber nicht mit Vergebung. Wie ein geprügelter Hund war Jozarnay nach Hause zurückkehrt und beichte seinen Fehltritt. Doch statt Hass erntete er nur Liebe. Zärtlich nahm Stella Tanner ihn in den Arm und drückte ihn. Ihre Berührung tat gut und spendete Trost. Wieso hatte er es nicht tun können? Steckte noch so viel vom alten Woil in ihm, einem Mann mit festen moralischen Grundsätzen? Bisher hatte er immer angenommen, dass diese Person verschwunden war, doch anscheinend war sie noch mehr als lebendig. Weder die Liebe zu dieser Frau noch die Abhängigkeit hatten den guten Mann in ihm töten können.<br>Stella vergab ihm, denn sie war zufrieden. Nicht im Geringsten hatte sie erwartet, dass er Jellico töten würde. Noch zu viel Gutes steckte in ihrem Liebhaber. Jedoch hatte er sich schon einmal auf den Weg zu der Mission gemacht, ein erster Schritt in die richtige Richtung. Es würde seine Zeit dauern, doch Schritt für Schritt würde ihn Stella formen und zu einem der ihren machen. Dieser Krieg war noch lange nicht entschieden. Er trat nun erst in die heiße Phase ein. Und am Ende würde nur einer übrig bleiben: <br>Edward Jellico oder Stella Tanner.<br><br><center>I hurt myself today to see if I still feel.<br>I focus on the pain, the only thing that´s real.<br>The needle tears a hole.<br>The old familiar sting.<br>Try to kill it all away, but I remember everything.<br><br>What have I become my sweetest friend?<br>Everyone I know goes away in the end.<br>And you could have it all.<br>My empire of dirt.<br>I will let you down.<br>I will make you hurt.<br><br>I wear this crown of thorns on my liar´s chair.<br>Full of broken thoughts I cannot repair.<br>Beneath the stains of time the feelings disappear.<br>You are someone else. I am still right here.<br><br>What have I become my sweetest friend?<br>Everyone I know goes away in the end.<br>And you could have it all.<br>My empire of dirt.<br>I will let you down.<br>I will make you hurt.<br><br>If I could start again, a million miles away,<br>I would keep myself. I would find a way.<br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/promo_6x13_a.jpg"><br><br>DER RECHTE WEG<br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR<br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center><br>]]></description><guid isPermaLink="false">5454</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 6x11: Gut oder B&#xF6;se?</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-6x11-gut-oder-b%C3%B6se-r5425/</link><description><![CDATA[<center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x11.jpg"><br><b>Die PDF-Version wird in Kürze nachgereicht!</b></center><br><br><i>Einen Anruf von seinem besten Freund zu erhalten war für Bruce Land eine angenehme Überraschung. Freundlicherweise war Captain Chakotay, sein Kommandant auf der Voyager, so großzügig ihm seinen Bereitschaftsraum zur Entgegennahme dieses Gesprächs zu überlassen. Erfreut setzte sich der erste Offizier auf den Stuhl und drehte das Terminal zu sich herum. Seine Arbeit auf der USS Voyager füllte ihn inzwischen vollends aus und er war äußerst glücklich über seine Versetzung hierher. Mit etwas Glück und Fleiß würde vielleicht schon in wenigen Jahren der Rang eines Captains in greifbarer Nähe sein. Zumindest scheute sich Captain Chakotay nicht die gute Arbeit seines Stellvertreters desöfteren in seinen Berichten zu erwähnen. In den letzten Tagen hatte das Schiff wieder einige Forschungsmissionen geflogen, in denen sie neue Gebiete kartograhpiert hatten. Fast schon kam es einem so vor als würde nicht dieser furchtbare Krieg toben. Aber nur fast...<br>Das Gesicht John Lewinskis erschien auf dem Bildschirm und Land lächelte ihn an.<br>„Gut wieder von dir zu hören, John!“<br>„Geht mir ebenso, alter Freund,“ entgegnete der Kanadier die Begrüßung. „Wie steht es so auf der Voyager?“<br>„Bestens! Wir haben ziemlich viel Arbeit hinter uns und ich kann nur sagen es macht wirklichen Spaß. Am Anfang bin ich ja skeptisch gewesen ob ich nach den Jahren auf einem Kampfschiff wieder Dienst auf einem Forschungsschiff tun könnte, aber es ist wunderbar. Wir haben schon zwei Erstkontakte erlebt; das kannte ich gar nicht mehr.“<br>„Freut mich zu hören, Bruce,“ meinte Captain Lewinski und wurde anschließend schlagartig ernst. Auch sein ehemaliger erster Offizier registrierte natürlich diesen Stimmungswechsel und fragte:<br>„Was ist geschehen, John?“<br>Kurz räusperte sich der Kommandant der Monitor, dann erklärte er:<br>„Es ist noch nicht publik gemacht worden, aber der romulanische Prätor ist tot.“<br>„Was?“ entfuhr es Bruce Land erschüttert. „Aber wie kann das sein? Er war doch noch so jung...“<br>„Unsere Informanten auf Romulus haben uns einige Details übermitteln können, bevor die Kanäle dicht gemacht wurden,“ fuhr Lewinski mit seinen Ausführungen fort, „und wir haben keinen Zweifel daran, dass der Prätor ermordet wurde.“<br>„Unglaublich!“ war das einzige, was Commander Land dazu noch einfiel. Ausgerechnet nun ein toter Politiker! Schließlich begann er stutzig zu werden.<br>„Dies sind natürlich brisante Nachrichten, John, aber wieso erzählst du mir davon? Immerhin bin ich nicht mehr im aktiven Dienst des SFI.“<br>Abermals räusperte sich John und blickte für einen Moment verlegen zu Boden. Anscheinend musste er nun etwas sagen, was ihm ganz und gar nicht gefiel:<br>„Mithilfe der wenigen Informationen, die wir zusammentragen konnten, war es uns möglich den Attentäter zu ermitteln und es scheint so als stimme uns der Tal Shiar zu. Es war Nocks.“<br>Dieser Name klingelte in Lands Ohren, der zurückwich.<br>„Du meinst den berühmten Attentäter, für dessen Aufspürung mir vor einem Jahr eine andere Persönlichkeit einprogrammiert worden war und wo ich...“<br>„...wo du mich fast getötet hast,“ vervollständigte John Lewinski den Satz. „Ja, genau dieser Nocks, der beste Profikiller des Quadranten. Ein Mann, der eigentlich mehr eine Legende denn eine wirkliche Person ist, denn niemand hat ihn jemals gesehen noch ermitteln können zu welcher Spezies er gehört oder welchen Geschlechts er ist. Der Mann bleibt ein Mysterium. Fakt ist nur, dass er den Prätor ermordet hat und den Romulanern fehlt jede Spur nach ihm.“<br>„Oh je... aber noch mal, wieso erzählst du mir dies?“<br>„Bei der Leiche des Prätors fand man eine Karte, die offenbar von Nocks zurückgelassen wurde. Natürlich gibt es auf ihr weder Fingerabdrücke noch DNA-Reste, dafür jedoch etwas anderes.“<br>„Was denn?“ fragte Bruce Land mit einem unguten Gefühl im Magen.<br>„Es befinden sich zwei Buchstaben auf der Karte: XU.“<br>Land wich erschrocken vom Monitor zurück. Nun verstand er, wieso John ihm von diesem Mord erzählt.<br>„XU soll wohl für Xander Ulich stehen,“ meinte Land mehr zu sich selbst denn zum Captain.<br>„Ja, die Identität, die man dir vor einem Jahr eingepflanzt hat. Wie es ausschaut hat Nocks wohl doch von Xander Ulich Notiz genommen und will ihn wohl nun herausfordern. Anders können wir uns diese Botschaft nicht erklären.“<br>„Er hat von ihm Notiz genommen?“ stammelte Bruce entgeistert. „Was heißt das? Kennt er nur den Namen oder auch das Gesicht? Weiß er womöglich, dass Xander Ulich in Wirklichkeit Commander Bruce Land ist und Dienst tut auf der USS Voyager?“<br>Captain Lewinski konnte nur zu gut die plötzliche Angst in den Augen seines besten Freundes verstehen. Doch was sollte er ihm sagen außer der Wahrheit?<br>„Das wissen wir nicht.... was wir jedoch wissen, ist dass du bzw. Xander Ulich dich eines Tages Nocks stellen musst. Dies mag nicht morgen sein oder nächste Woche oder in diesem Jahr, aber irgendwann mit Sicherheit. Ich wollte dich nur informieren, weil ich nicht weiß, ob der Sternenflottengeheimdienst diese Information überhaupt freigibt.“<br>Wie betäubt nickte Land. Natürlich schätzte er die Bemühungen seines Freundes, aber was sollte man dazu sagen? Womöglich würde der größte Attentäter des Quadranten nach seinem Leben trachten und er konnte derzeit nichts dagegen machen. Na wunderbar!</i><br><br><center><u>Ein knappes Jahr später...</u></center><br>Urlaub war etwas herrliches. Umso mehr, wenn man diesen Zuhause verbringen durfte. Dabei war dies es für jemanden, der seinen Dienst im All versah, etwas ganz besonderes. Bruce Land schloss sein Haus auf, welches sich inmitten der grünen Wiesen Englands befand, und betrat es. Mehrfach atmete er tief ein und aus, versuchte die Atmosphäre dieses Baus, welcher sich schon seit Generationen in den Händen der Lands befand, aufzunehmen. Wie lange war er schon nicht mehr hier gewesen? Ein Jahr mindestens. Nach dem langen Dienst auf einem Raumschiff kam es dem Commander fast schon seltsam vor aus dem Fenster blicken zu können und eine unglaublich weitläufige Landschaft zu erblicken, inklusive eines Horizontes. Es war ein großartiger Anblick, malerisch und beruhigend zugleich. Der erste Offizier des Raumschiffs Voyager hatte sich vier Wochen Urlaub genommen, damit sich der Trip zurück zur Erde auch wirklich lohnte. Hier würde er endlich das tun, was er sich schon so lange vorgenommen hatte. Zuerst natürlich ausschlafen und dann endlich wieder ausgedehnte Spaziergänge machen, ohne nach wenigen Minuten wieder bei einem weiteren Schott anzukommen. Bruce würde einfach losgehen und dann schauen, wie weit ihn seine Füße trugen. Der Gedanke daran ließ bei ihm eine wahnsinnige Vorfreude aufkommen.<br>Doch sehr zu seiner Überraschung musste er feststellen, dass er nicht allein war. Durch die halb geöffnete Tür des Wohnzimmers konnte er sehen, wie sich eine Person in diesem Raum befand. Misstrauisch trat Bruce herein, stellte dann mit Überraschen fest, dass sich sein alter Freund John Lewinski hier befand.<br>„John,“ meinte Land irritiert, „es freut mich zwar, dich zu sehen, dennoch muss ich fragen: was tust du hier?“<br>Der Angesprochene Kommandant des Raumschiffs Monitor erhob sich von seinem Sessel, strich die Zivilklamotten glatt und reichte seinem Freund erst einmal die Hand.<br>„Was ich hier tun muss, gefällt mir ganz und gar nicht, jedoch muss es getan werden.“<br>„Wovon zum Teufel redest du? Und wie geht es dir überhaupt?“<br>Die Frage zielte natürlich auf den Tod von Johns Vater ab, der inzwischen schon fast ein Jahr vergangen war, jedoch noch immer am Captain nagte. Inzwischen ging es ihm besser, doch war ein vollkommenes Verarbeiten überhaupt möglich? Der Zeitsprung, der ihm ermöglicht worden war, hatte einiges besser gemacht und seiner Seele eine gewisse Linderung verschafft, aber eine Narbe würde immer zurückbleiben. Vielleicht war dies ja auch gut so, denn Vergessen durfte man niemals.<br>„Mir geht es gut, danke der Nachfrage,“ entgegnete John ehrlich und beschloss zum Punkt seines Besuchs zurückzukehren. „Es tut mir leid, aber ich muss deinen Urlaub aufheben.“<br>Entsetzt rollte der Engländer mit den Augen. Sein alter Freund hatte recht gehabt, es gefiel ihm ganz und gar nicht, was er da hörte.<br>„Aber hör mal, ich habe mich schon so auf diese Heimkehr gefreut und noch einiges vor, was ich erledigen möchte. Ist dir überhaupt klar, wie lange ich schon ununterbrochen im Dienst war?“<br>„Niemand weiß dies besser als ich und glaube mir, ich gönne dir eine kleine Pause von herzen. Aber es ist eine ernste Angelegenheit.“<br>„Wie ernst?“ lautete die prompte Frage Lands.<br>„Es könnte um dein Leben gehen.“<br>Kurz entstand eine kleine Gesprächspause zwischen den beiden, in denen der ehemalige erste Offizier der Monitor über diese Worte nachdachte. Dann wurde ihm mit einem Mal bewusst, worauf sein Freund anspielte.<br>„Nocks,“ meinte Commander Land und sprach damit den Namen aus, der ihm so gefährlich werden könnte.<br>„Ja, du erinnerst dich noch daran, wie ich dir letztes Jahr gesagt habe, dass er auf der Suche nach dir ist, besser gesagt seinem Rivalen Xander Ulich.“<br>„Einem Rivalen, der nie existiert hatte,“ erinnerte er den Captain. „Eine Person, die vom Sternenflottengeheimdienst erschaffen worden war, um den besten Profikiller des Quadranten aufzuspüren.“<br>John wusste, dass dies eine schwierige Situation war. Hier stand er nun, im Haus seines besten Freundes, der sich schon so lange auf etwas Ruhe gefreut hatte und musste ihm sagen, dass sein Leben in Gefahr war. Wie gerne würde er ihm mitteilen, dies alles wäre nur ein schlechter Scherz, doch das war es nicht. Es war blutiger Ernst und der Wetteinsatz war nichts geringeres als das eigene Leben.<br>„Es hat etwas gedauert, aber Nocks ist auf deine Figur aufmerksam geworden,“ erklärte der Captain. „Scheinbar irritiert es ihn, dass Ulich seit einiger Zeit von der Bildfläche verschwunden ist. Natürlich hat der SFI immer mal wieder einige Informationshappen fallen lassen, doch du bist nicht mehr so aktiv wie früher. Und nun jagt er dich.“<br>„Um mich zu töten?“<br>„Leider ja.“<br>Verstehend nickte Bruce. Er hatte damit gerechnet. Seit er von dieser geheimnisvollen Mission erwachte, war er sich bewusst gewesen, dass dieser Tag irgendwann kommen würde. Er würde sich der Nemesis, der er damals nicht begegnet war, stellen müssen. Dieses Mal sollte es also soweit sein. Obwohl er sich die Antwort denken konnte, fragte er den Captain:<br>„Was soll ich tun?“<br>„Der Geheimdienst reaktiviert dich und stellt dich unter mein Kommando. Sobald du bereit bist werden wir auf die Monitor beamen, die sich getarnt im Orbit befindet und gemeinsam Nocks aufspüren.“<br>„Du meinst ihr benutzt mich als Köder?“<br>Obwohl die Thematik alles andere als heiter war, musste John lächeln. Sein Freund hatte ihn zu schnell durchschaut. Aber für Bruce war die Sache nicht so leicht. Zum ersten Mal seit den schaurigen Ereignissen mit der Verdopplung sollte er wieder an Bord der Monitor kommen. All die Kameraden wieder zu sehen, die damals tot waren... Aber er musste die Sache hinter sich lassen und mit dem normalen Leben fortfahren.<br>„Ja, dies ist der Plan.“<br>„Nun ja, wenn es sein muss. Lass mich eben meine Tasche nehmen, die ja noch gepackt ist, und wir können los.“<br>Angesichts dieser Situation blieb Bruce Land erstaunlich locker. Captain Lewinski konnte nur hoffen, dass sich das Geheimdienstoberkommando bei dieser Sache nicht gewaltig verschätzte. Er hatte absolut kein Interesse daran seinen besten Freund an einen Mörder zu verlieren. Mittels eines simplen Tastendrucks auf seinen Kommunikator ließ er sich und Bruce auf das Schiff beamen. <br><br>Der gegenwärtige erste Offizier des Raumschiffs Monitor wollte sich auf den Weg zur Brücke machen, hatte davor jedoch noch etwas wichtiges zu erledigen. In seinem Quartier hatte das Komterminal aufgeleuchtet, ein deutliches Zeichen dafür, dass ihm jemand eine Nachricht geschickt hatte. Nach genauerem Hinsehen und Identifikation des Absenders schoss der Puls von Matthew Price in die Höhe. Niemand geringeres als Selina Kyle, seine Imzadi und ehemalige Geliebte, hatte ihm eine Nachricht zukommen lassen. Über den Inhalt der Nachricht bestand für den Halbbetazoiden absolut kein Zweifel. Vermutlich würde es um ihre gemeinsame Tochter Yasmin gehen. Vor einigen Wochen hatte Matt seine ehemalige Liebe gebeten eine gemeinsame Lösung für das Kind zu finden. Er hatte absolut kein Interesse daran so zu enden wie sein eigener Vater, der sein Kind für Jahrzehnte nicht gesehen hatte. Nein, Commander Price hatte es sich zum Ziel gesetzt immer für seine Tochter da zu sein. Er wollte sie aufwachsen sehen, sie bei ihren ersten zaghaften Schritten in diese Welt begleiten und eine Hilfe sein. Aufgeregt aktivierte der erste Offizier das Terminal und stellte fest, dass es sich bei der Nachricht um ein aufgezeichnetes Video handelte. Mit fast schon zittrigen Händen betätigte Price die „Abspielen“-Taste und blickte gespannt auf den Bildschirm.<br>Selina Kyle erschien auf dem Bildschirm, immer noch so schön wie bei ihrer letzten Begegnung, und versuchte möglichst neutral in die Kamera zu blicken, als sie die folgenden Worte sprach:<br><br>„Hallo Matt,<br>ich denke mal diese Botschaft kommt überraschend für dich, auch wenn du sie natürlich herbeigesehnt hast. Lange habe ich über deine Worte und deinen Wunsch nachgedacht. Immer noch bin ich sauer auf dich und fühle mich von dir mehr als enttäuscht. Aber unsere Tochter kann nichts für unsere Unstimmigkeiten und sie soll auch nicht die Leidtragende in dieser Situation sein. Daher habe ich beschlossen, dass wir uns mit der Erziehung abwechseln sollen. Falls dir dies recht ist werde ich Yasmin die nächsten vier Wochen bei mir behalten und sie dann für den nächsten Monat zu dir bringen.<br>Du hörst von mir!“<br><br>Glück und Erleichterung durchströmten Matt, nachdem er diese Botschaft vernommen hatte. Endlich würden er und seine Tochter etwas Zeit miteinander verbringen können. Er dankte seinem Glück und auch Selina dafür, dass sie so vernünftig war. Er konnte es gar nicht abwarten, bis die 30 Tage vorbei waren und er endlich die kleine Yasmin in die Arme schließen konnte. <br><br>Wieder hier zu sein war ein seltsames Gefühl für Bruce Land. Das letzte Mal, als er durch die Gänge der Monitor gestreift war, hatte er um sich herum die Leichen seiner Freunde und ehemaligen Kollegen gesehen, die sich gegenseitig umgebracht hatten. Zum Glück war dies alles nur Teil eines alternativen Schiffes gewesen, welches durch ein Paradoxon entstanden war. Doch war dadurch die zweite Monitor-Crew nicht weniger real gewesen? Immer noch beschlich ihn ein Schauer, wenn er an diese Ereignisse zurückdachte.<br>Doch für diese Überlegungen war derzeit kein Platz. Innerhalb von Sekunden war der ehemalige erste Offizier im Transporterraum materialisiert und wurde von einigen alten Freunden willkommen geheißen. Ardev und Arena Tellom standen dort, ebenso Danny Bird. Nur Dr. Frasier und Commander Price waren nicht anwesend, da beide ihre Positionen besetzen mussten. <br>„Schön sie wiederzusehen, Commander,“ begrüßte ihn der andorianische Einsatzoffizier und umarmte den ehemaligen Vorgesetzten.<br>„Geht mir genauso, Ardev. Ich hoffe ihnen und ihrer Frau geht es gut.“<br>„Wir können nicht klagen,“ bestätigte die Terellianerin und lächelte. <br>Auch der Sicherheitschef Danny Bird wurde herzlich begrüßt. Es war ein schönes Widersehen, welches viel zu lange auf sich hatte warten lassen. Nur der Grund für diese Zusammenkunft war kein erfreulicher. Dies wussten alle Anwesenden und daher schlug die Stimmung schnell in Ernsthaftigkeit um. Mit einer Handbewegung bedeutete Lewinski seinem Freund zur Brücke und anschließend in den Bereitschaftsraum zu gehen.<br>Auch wenn er sich schon seit über zwei Jahren nicht mehr an Bord befand, so wusste Bruce immer noch, wie die Gänge und Schotts der Monitor verliefen. Natürlich war er alles andere als unzufrieden mit seiner Position auf der Voyager, doch es schien ihm, als würde nie wieder eine Zeit so schön werden wie auf dem Geheimdienstschiff. Das Arbeitsklima, die Atmosphäre und die Kameraden, die zu Freunden wurden, waren einmalig. Es war eine Freude wieder hier zu sein. <br>Auf der Brücke angekommen begrüßte der Engländer noch schnell Commander Price, welcher sich eiligst von seinem Platz auf dem Kommandantensessel erhob.<br>„Matt! Schön, sie wiederzusehen!“<br>„Die Freude ist ganz meinerseits, Bruce,“ entgegnete der Halbbetazoid ehrlich. Natürlich fühlte sich dieses Widersehen recht seltsam an, wenn man bedachte, wie beide zu ihren Posten gekommen waren. Noch vor 24 Monaten war Matt Price der Kommandant des Schiffes und Bruce sein Stellvertreter gewesen, bevor sich der Halbbetazoid freiwillig degradieren ließ, um John Lewinski die Chance zu geben, wieder auf sein altes Schiff zurückkehren zu können. Nun also befanden sie beide sich auf Augenhöhe, auch wenn Matthew Price niemals der Mann gewesen war, der sich durch das Protokoll hatte einschränken lassen. Immer hatte er den Rat von Land zu schätzen gewusst und ihm, auf seine eigene Art und Weise, Respekt entgegengebracht. Im Anschluss an diesen kurzen Handschlag begaben sich Bruce Land und John Lewinski in den Bereitschaftsraum des Captains. Der Kommandant ließ sich in seinen Bürostuhl fallen und kurz musste Commander Land daran denken, wie oft er selbst an dieser Stelle gesessen hatte. Vor allem in der Phase vor gut sechs Jahren, als John aufgrund mentaler Probleme das Schiff hatte verlassen und Bruce das Kommando über die Monitor inne gehabt hatte. Wie lange dies doch schon alles her war!<br>„Ich denke wir sollten gleich zum Punkt kommen,“ schlug Captain Lewinski vor und erntete zustimmendes Nicken von seinem besten Freund. „Wir werden uns sofort auf den Weg nach Bentar IV machen.“<br>„Wieso ausgerechnet dorthin?“ war die logische Frage Bruce Lands.<br>„Weil der SFI in der Lage war den nächsten Auftrag von Nocks zu ermitteln. Er soll dort eine lokale Unterweltgröße erledigen.“<br>„Ein kleiner Fisch für einen Mann wie Nocks,“ meinte der Engländer.<br>„Im Gebiet der Föderation gibt es halt nicht so viele Ziele, denen sich der Killer nähern kann. Auch wenn er die Klasse eines Nocks besitzt. Wir werden dorthin fliegen und du wirst am Tatort auftauchen. Dies müsste eigentlich genügen, um ihn auf dich aufmerksam zu machen.“<br>Land seufzte entnervt auf. Dies klang alles andere als gut für ihn.<br>„Und dann?“<br>„Dann schnappen wir ihn.“<br>„Ist das dein Plan oder der des Oberkommandos? Ich tippe auf letzteres, denn so etwas Unausgefeiltes würdest du dir niemals ausdenken.“<br>Angesichts dieser Worte lächelte Lewinski. Sein ehemaliger erster Offizier kannte ihn einfach viel zu gut.<br>„Du hast recht, es war nicht mein Plan und ich halte ihn für Mist. Aber wir müssen ihn ausführen. Es ist immanent wichtig Nocks endlich den Garaus zu machen und das, bevor er auf dich aufmerksam wird. Indem wir dich dort platzieren schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: wir verhindern einen Mord und nehmen dich gleichzeitig aus der Schusslinie.“<br>„Wenn es uns gelingt den Killer zu schnappen...“<br>„Vertraust du uns nicht mehr?“ entgegnete John lächelnd. „Du magst von Bord gegangen sein, doch dies heißt nicht, dass wir nicht mehr so gut sind wie früher. Wir werden dies schon schaffen.“<br>„Mutige Worte angesichts der Tatsache, dass wir nicht einmal wissen, wie Nocks aussieht oder welcher Spezies er angehört,“ war die trockene Erwiderung des Engländers.<br>„Wir werden es schaffen. Wir müssen es.“<br>„Ja,“ bestätigte Bruce Land, dem dies alles gar nicht gefiel. Doch der Captain hatte recht. Früher oder später musste er sich dem Killer stellen und es war besser, wenn er selbst die Initiative ergriff.<br>„Wenn du mich entschuldigen würdest,“ bat der Commander, „ich würde gerne ein Quartier beziehen und mich noch etwas ausruhen. Immerhin hast du meinen Urlaub zerstört.“<br>„Kein Problem,“ zwinkerte Lewinski und sah zu, wie sein Freund das Büro verließ. Er selbst machte sich Sorgen. Der Plan des Oberkommandos war vorschnell und ausgereift. Sie waren beseelt von dem Wunsch diesen Mann zu stoppen. Hoffentlich verschätzten sie sich nicht bei dieser Sache. Ansonsten würde ein guter Mann dabei sterben und dies wollte John nicht. <br><br><i>Der Urwald gab die selben Geräusch wie seit Tausenden von Jahren von sich. Regentropfen perlten von den riesigen Palmen, die meterhoch in den Himmel ragten. Gras raschelte, als sich Schlangen durch die Landschaft bewegten, auf der Suche nach neuen Opfern. Vögel zwitscherten und erzeugten ein trügerisches Gefühl von Frieden. Die Temperaturen lagen bei über 30 Grad, hinzu kam eine mörderische Luftfeuchtigkeit, die Schweißströme bei jedem ausbrechen ließen, der sich hierhin traute. Dem Urwald war es egal, was draußen, in der Welt geschah. Er war einfach da und überdauerte die Zeit. Er interessierte sich nicht für Schicksale oder Politik. Er stand schon seit Urzeiten da und er würde auch noch da sein, wenn der mörderische Bürgerkrieg, der hier auf Kleistron tobte, schon längst vorbei war. Andere jedoch waren nicht so gleichgültig. Andere, das waren in diesem speziellen Fall die kleistronischen Rebellen, hatten sehr wohl ein Interesse daran, dass der Bürgerkrieg auf die Art und Weise endete, wie sie es für Richtig hielten. Daher hatten sie einen Mann engagiert, der für diese Aufgabe wie geschaffen schien:<br>Xander Ulich fuhr sich mit seinem Handrücken über die Stirn und wischte den Schweiß weg. Er machte eine kurze Pause und setzte sich auf einen Baumstamm, stellte das Gewehr neben sich ab und griff zu seiner Getränkeflasche, aus der er einen großzügigen, aber gut eingeplanten Schluck nahm. Für einen kurzen Moment fragte seine innere Stimme ihn, wieso er so einen schwierigen und mühsamen Auftrag angenommen hatte. Doch Xander kannte die Antwort. Eben weil es eine Herausforderung war, tagelang durch den kleistronischen Urwald zu wandern, auf dem Weg zu seinem Ziel. Er hatte seine Ausbildung bei den Rangern genossen und war daher auch für den Dschungelkampf ausgebildet worden, eine Erfahrung, die ihm nun deutlich zu Gute kam. Er sattelte wieder sein Gepäck auf und setzte seinen Marsch fort, bei dem er weiterhin sorgsam darauf bedacht war, dass er nicht irgendwelche Vögel aufscheuchte oder Sträucher zu laut knacken ließ, die ihn ansonsten verraten könnten. Denn heute war der große Tag gekommen. Er näherte sich mit jedem Schritt einer der Fronten in diesem Bürgerkrieg,. Es war nicht irgendeine Front, es war die härteste, eben weil sie so schwer zugänglich war. Die Gefechte hier waren die schlimmsten im ganzen Krieg, da beide Parteien sich bis aufs Äußerste Kämpfe lieferten. Jeder von ihnen wusste, dass nur wenig Nachschub durch das Dickicht des Waldes zu ihnen gelangen konnte und daher hatte man sich auf andere Sachen spezialisiert: Fallen, Baumstämme, die von Hügeln herunterrollten und andere Teufeleien. Ein paar Mal wäre Xander aus Versehen fast selbst ins Kreuzfeuer geraten. Hier gab es keine aufschlussgebenden Tricorderanzeigen, der Wald hatte irgendetwas an sich, was die Sensoren störte. Also konnte nur auf Sichtkontakt gekämpft werden und dies bedeutete, dass jederzeit irgendjemand aus diesem Wald auftauchen konnte. Bei diesem Gefecht hatte er sogar den Rebellen einen kostenlosen Dienst getan und mehrere der Regierungssoldaten „umsonst“ getötet. Natürlich nicht aus politischer Liebe, sondern einfach nur, weil Xander Ulich überleben wollte. Wäre es um Politik gegangen, so hätte der Mensch niemals das Angebot der Rebellen hätte annehmen dürfen. Denn die Rebellen kämpften für ein diktatorisches Regime, weil sie meinten, die republikanische Regierung hätte versagt. Die kleistronische Armee war hin und her gerissen und schließlich gespalten worden. So kämpften ehemalige Freund gegeneinander, sogar ab und an Familienangehörige. Im gesamten kleistronischen System herrschte seit Jahren schon Krieg. Im Weltall kämpften die Raumflotten gegeneinander und auch hier, auf dem Heimatplaneten dieses Volks. Doch wie gesagt, für ihn spielte Politik keine Rolle. Nur Geld. Und für Geld würde er den härtesten Verteidiger der Republik töten: heute, also in wenigen Stunden würde sich General Ardelon Tandro mit seinem Konvoi auf dem Weg zur Front machen. Dies war eine der wenigen Gelegenheiten, den Befehlshaber zu töten, den er verließ nur sehr selten seinen Kommandostand, wohl wissend, dass alle Leute nach seinem Leben trachteten. Wie recht der arme Mann nur hatte. Keuchend kämpfte sich Xander weiter durch das Dickicht. Das ständige Schleichen und Gebücktgehen, verbunden mit der Luftfeuchtigkeit, setzte ihm hart zu. Er hatte sich lange für diesen Auftrag vorbereitet und war daher auch recht stolz, dass er es schaffte, diese Belastung überhaupt zu überstehen. Stundenlang wanderte er umher, blickte ab und zu auf seinen Kompass, um sich zu orientieren und nahm ab und zu ein Paar Schlucke Wasser. Irgendwann erreichte er endlich sein Ziel. Einen kleinen Hügel, der von dichten Palmwedeln bedeckt war. Xander erklomm ihn und legte sich hin, holte sein Gewehr hervor und klappte das Gestell vorne auf. Unter ihm hatte er freien Ausblick auf eine Straße, die man durch den Urwald geschlagen hatte. Die Position war ideal. In wenigen Minuten würde der General von Norden her kommen und für mehrere Minuten im Visier von ihm sein. Aufgrund der matschigen Straßen konnten sich die Fahrzeuge nur langsam vorwärts bewegen; der ideale Moment. Xander beruhigte seinen Puls und blickte ab du zu in sein Visier, justierte die Einstellungen, um optimal vorbereitet zu sein. Doch es gab ein Problem: der Konvoi kam nicht. Doch der Killer war weit davon entfernt, nervös zu werden. Er war ein geduldiger Mann und so wartete er. Eine lange Zeit. Langsam legte sich Dunkelheit über den Urwald und neue Tiere erwachten zum Leben, die uhrzeitähnliche Geräusche ausstießen. Doch Xander wartete geduldig. Und dies sollte belohnt werden. Schließlich hörte er die Geräusche der Kettenfahrzeuge, die einzige Möglichkeit, hier fortzukommen. Eine respektable Taktik des Generals, wie Ulich fand. Obwohl es undenkbar schien, dass sich ein Einzelkämpfer wie er durch den Urwald begeben und einen Angriff planen konnte, hatte Ardelon Tandro auf den Einbruch der Nacht gewartet, um sich fortzubewegen. Langsam kam der Konvoi von vier Wagen näher; in dem dritten Wagen war der General. Doch der gute Mann hatte nicht mit der Hitze gerechnet. Auch nachts war es so heiß, dass man die Fahrzeuge ohne Dach hatte ausstatten müssen, um nicht einzugehen. So waren die Herrschaften ungeschützt. Xander blickte sich kurz um. Die Nacht war pechschwarz und er schaltete auf seinem Visier die Thermalsicht an. Sofort wurde die ganze Umgebung in blaues Licht getaucht, bis auf die Körper der kleistronischen Soldaten, die orange und rot flimmerten. Ihre Körperwärme verriet sie in der Dunkelheit. Nun war es soweit. Der Attentäter beruhigte seinen Puls und visierte den General an. Und drückte ab. Der tödliche Phaserstrahl fauchte durch die Luft und riss die Brust von General Tandro auf. Es war unmöglich, dass er dies überlebt hatte. <br>Die Dunkelheit, die am Anfang noch so klug erschienen war, wurde nun den Soldaten zum Verhängnis. Sie konnten nicht den Attentäter sehen, der geräuschlos von dem Hügel herunterkletterte und sich auf den langen Rückweg zur Rebellenbasis machte. Die Nachricht vom Tod des Generals überschattete bald sämtliche Kampfaktivitäten. Ironischerweise hatten die Rebellen nicht damit gerechnet, dass dieses Ereignis die Kampfmoral der regierungstreuen Truppen sogar noch steigern würde und so verloren die Rebellen diesen schrecklichen Krieg. Xander war dies egal. Er konnte nur hoffen, dass Nocks diese Demonstration seiner Kunst auch mitbekommen hatte... </i><br><br>Bruce Land schreckte auf, sah sich um und stellte fest, dass er sich immer noch in seinem Quartier befand. Er hatte nicht geschlafen oder dergleichen, noch immer saß er vor seinem kleinen Tisch und hatte ein Padd vor sich liegen. Seine Gedanken waren abgeschweift und hatten ihm die Erinnerungen an ein Leben wiedergebracht, welches niemals real gewesen war. Er hatte sich an Ereignisse zurückerinnert, die niemals stattgefunden hatten. Dies hatte sich bei der ganzen Operation nicht verhindern lassen. Das vom Geheimdienst aufgebaute zweite Leben des Xander Ulich würde für immer in seinem Geist bleiben, quasi eine parallele Existenz darstellen, die manchmal versuchte an die Oberfläche zu gelangen. Meistens schaffte Bruce es diese Erinnerungen tief zu vergraben, doch manchmal, in solchen unachtsamen Momenten, erschienen sie wieder und vermischten sich manchmal mit tatsächlichen Erinnerungen. Dann fiel es schwer reales von fiktiven zu trennen und dies machte dem ersten Offizier des Raumschiffs Voyager Angst.<br>Dann raffte sich der Engländer auf, denn es wurde Zeit. Mühsamen Schrittes begab er sich zu Transporterraum, wo schon John Lewinski und Danny Bird auf ihn warteten. Sie alle drei waren in zivil gekleidet und jeder hatte einen großen, silbernen Koffer bei sich, in dem die Ausrüstung transportiert wurde. Ohne große Worte beamte sich das Außenteam auf Bentar IV hinunter. Was hätte man auch sagen sollen? Jedem war der Plan bekannt und man wusste, was auf dem Spiel stand. Ihr Ziel war ein mittelgroßes Appartement in der Hauptstadt des Planeten unweit des Hotels, welches das Domizil des Unterweltbosses darstellte. Die Wohnung war nicht allzu weit von dem Bau entfernt und mit einem Feldstecher konnte man ideal bis in die Lobby des Hotels blicken. Sobald alle drei Sternenflottenoffiziere vollständig materialisiert waren, machte sich jeder an den Aufbau des Materials. Die Koffer wurden geöffnet und die darin befindlichen Geräte aktiviert. Bei den meisten handelte es sich um Abhörgeräte mit starker Reichweite, ein paar Kameras waren dabei und mehrere Handphaser sowie ein Gewehr, welches in einem Schrank deponiert wurde. Hier befand man sich nicht in einem billigen Agentenfilmchen, sondern in einer echten Mission und der Einsatz von Waffen sollte nur als allerletztes Mittel dienen. Die meiste Zeit würde Bruce Land unbewaffnet vorgehen müssen, um keinen Verdacht zu erregen. Eine Vorstellung, die ihm zwar ganz und gar nicht gefiel, aber mit der er klar kommen musste. Immerhin galt es nun ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Nachdem die leistungsstarken Kameras auf den Stativen vor den Fenstern angebracht worden waren, nickte John seinem besten Freund zu und dieser machte sich ohne zu zögern auf den Weg. Er nahm den altmodischen Weg über die Treppe ins Erdgeschoss und trat schließlich auf die große Hauptstraße. Rechts und links von ihm flanierten Passanten, die sich das reichhaltige Warenangebot ansahen oder einfach nur einen schönen Spaziergang machten. Für einen kurzen Moment wünschte sich Commander Land ein ebenso sorgloses Leben wie diese Menschen führen zu können, dann verdrängte er diesen Gedanken. Es galt sich zu konzentrieren, nichts geringeres als sein eigenes Leben stand auf dem Spiel. <br>Es war überraschend, dass sich hier so etwas wie eine kriminelle Unterwelt hatte entwickeln können. Bentar IV war eine blühende Kolonie unweit der Erde, mit vielen Rohstoffen und gutem Klima gesegnet. Die Städte waren groß, dennoch sauber und die Kolonisten fühlten sich wohl. Dennoch hatte es wohl irgendwo einen Fehler im System geben müssen, denn sonst hätte sich niemand wie Thomas Yaris ansiedeln können. Yaris war die Person, die Bruce Land in dem Hotel aufsuchen wollte. Eine Lichtgestalt der freien Wirtschaft, politisch und ökonomisch geachtet, wenn da nicht ein kleiner Makel wäre: dies war nur sein offizielles Leben. Hinter den Kulissen zog Thomas Yaris die Fäden einer Verbrecherorganisation, die im Laufe der letzten zwanzig Jahre beträchtlich gewachsen war. Obwohl sich die lokale Polizei, die Bundespolizei der Föderation und sogar der Geheimdienst die allergrößte Mühe gegeben hatte, war es niemanden von diesen Gruppen gelungen dem Geschäftsmann etwas nachzuweisen. Zu gut verwischte er seine Spuren, verbarg er sich hinter Doublen und Tricks. Auch dieses Mal würde die Föderation ihn nicht hinter Schloss und Riegel bringen können, denn am heutigen Tage ging es darum diesem Verbrecher das Leben zu retten. Alles zu dem Ziel einen anderen Verbrecher einzufangen, der noch weitaus gefährlicher war. <br>Mittels seines elektronischen Fernglases beobachtete Captain John Lewinski, wie der erste Offizier das Hotel durch den Vordereingang betrat. Schnell wechselte er einige Einstellung und schon gestattete der Feldstecher es ihm auch in die Lobby des Gebäudes zu blicken, so seinen Freund weiter im Auge zu behalten. <br>Bruce hatte für diese Aufgabe gehobene, aber nicht förmliche Kleidung ausgewählt. Er wollte einen guten Eindruck machen, ohne zu sehr als eine mögliche Bedrohung zu wirken. Der Moment der Kontaktaufnahme war das schwierigste Unterfangen bei der ganzen Geschichte. Irgendwie musste es ihm gelangen mit Yaris ins Gespräch zu kommen. Jedoch war es mehr als fraglich, ob man ihm zu dem Hotelbetreiber durchlassen würde. Hier galt es sein ganzes Können einzusetzen. Kurz blickte er sich in der prächtigen Eingangshalle an. Man sah mehr als deutlich, dass Thomas Yaris unzählige Mittel zur Verfügung standen. Die gesamte Einrichtung war geschmackvoll, strahlte eine ruhige und entspannende Atmosphäre aus. Dieses Hotel war definitiv ein Ort, an den sich die Menschen gerne zurückzogen. Bruce´ Blick wanderte an die Rezeption, wo er den Chefrezeptionisten erspähte und gemächlichen Schrittes ging er auf diesen zu.<br>„Guten Tag,“ begrüßte ihn der ältere Mann freundlich, „was darf ich für sie tun?“<br>„Ich bin auf der Suche nach Mr. Yaris,“ entgegnete Commander Land ebenso freundlich und in einem ruhigen Tonfall.<br>Kurz wirkte der Angestellte überrascht, dass man nach dem Leiter fragte. Im Anschluss war ihm deutlich anzusehen, wie der die Möglichkeiten durchging, wieso man den Besitzer sprechen wollte. Anhand jener Reaktion konnte Bruce deutlich ersehen, dass dieser ranghohe Mitarbeiter in die kriminellen Aktivitäten seines Arbeitgebers eingeweiht war.<br>„Tut mir leid,“ antwortete dieser schließlich, „Mr. Yaris ist nicht im Hause.“<br>Kurz legte Bruce eine methodische Pause ein, bevor er mit der selben ruhigen Stimme weitersprach:<br>„Ich möchte sie noch einmal bitten mich mit ihm sprechen lassen zu dürfen. Es geht um eine dringliche Angelegenheit.“<br>„Und ich habe keine andere Möglichkeit als ihnen zu sagen, dass er nicht im Hause ist!“<br>Nun wendete sich das Gesprächsblatt. Eine Art Wachmann, den Bruce zu Beginn nicht als solches erkannt hatte, denn er hatte einen zivilen Anzug an, näherte sich der Rezeption und fragte mit fester, jedoch nicht drohender Stimme:<br>„Gibt es ein Problem, Andreas?“<br>Der Rezeptionist blickte zu dem Wachmann, deutete dann auf Bruce und entgegnete:<br>„Der Herr hier möchte mit Mr. Yaris sprechen, akzeptiert jedoch nicht dessen Abwesenheit.“<br>„Worauf ich hinausmöchte,“ erklärte der Offizier in geheimer Mission und hob fast schon beschwichtigend seine beiden Hände, „ist, dass es sich um eine Angelegenheit von äußerster Dringlichkeit handelt. Fast schon eine um Leben und Tod; Mr. Yaris wäre mehr als erbost darüber, wenn er nicht informiert worden wäre. Ich handle doch nur in ihrem Interesse!“<br>Im Anschluss an diese Worte tauschten die beiden Angestellten einen vielsagenden Blick aus, welcher Land sehr wohl deutlich machte, dass sich Thomas Yaris im Hotel befand. Die Aussage des Sternenflottlers hatte wohl doch eine gewisse Beunruhigung geschürt und so meinte der Wachmann schließlich:<br>„Bitte folgen sie mir.“<br>Es ging durch einen kleinen Nebenraum in einen weiteren Raum, gespickt mit Sicherheitssystemen, dann einen langen Gang hinunter und schließlich zu einer Art unterirdischem Büro. Noch bevor ihm die Tür geöffnet wurde, war Bruce klar, wer sich dahinter befinden würde. Hier war die inoffizielle Residenz von Thomas Yaris, wo er seinen kriminellen Aktivitäten nachgehen konnte. Wie erwartet war dieses Büro fensterlos, jedoch großzügig ausgeleuchtet, mit einem großen Schreibtisch und mehreren Computer ausgestattet. Hinter dem Schreibtisch saß ein Mann mit weißen, jedoch vollem Haar, der scheinbar Anfang 50 war und einen edlen Anzug trug. Er wirkte alles andere als begeistert über den Besucher.<br>„Herrje, ich habe doch explizit darum gebeten, nicht gestört zu werden!“<br>„Entschuldigen sie, Mr. Yaris, aber dieser Mann hier möchte mit ihnen sprechen. Es handle sich um eine Angelegenheit von höchster Dringlichkeit.“<br>Jetzt erst schien der Hotelbesitzer Bruce zu beachten und musterte ihn kurz. Dann seufzte er, meinte „na gut, wenn er schon einmal da ist“ und bot ihm einen Platz ihm gegenüber an. Er nahm den Platz ihm gegenüber an und wartete auf den Beginn des Gespräches. Ein Gespräch, welches inhaltlich eigentlich völlig unwichtig war und nur zum Ziel hatte Nocks auf ihn aufmerksam zu machen. Hoffentlich ging es gut!<br>„Wie heißen sie denn?“<br>„Xander Ulich,“ kam es wie aus der Pistole geschossen und Land erschrak selbst über seine prompte Reaktion. Er begann wieder die alte Rolle anzunehmen, wirkte selbstsicher und gelassen.<br>„Angenehm, Mr. Ulich,“ erwiderte Yaris und ihm war nicht anzusehen, ob er etwas mit dem Namen anzufangen wusste. Vermutlich nicht, denn die Macht dieses Unterweltbosses war nur lokal begrenzt und reichte nicht über die Hauptstadt von Bentar hinaus. „Was gibt es also so dringendes, dass sie mich sprechen möchten?“<br>„Jemand möchte sie umbringen.“<br>Eigentlich hatte Bruce gedacht, eine solche Nachricht würde mehr Aufregung verursachen. Nicht jedoch bei Thomas Yaris. Der Geschäftsmann blickte ihn weiter völlig neutral an und entgegnete:<br>„Dies ist nichts neues für mich. Viele möchten mich tot sehen, manche haben es gar versucht. Was soll ihre Nachricht also so besonders machen?“<br>„Weil derjenige, der es dieses Mal versuchen will,“ erklärte Bruce Land sachlich, „auch etwas von seinem Handwerk versteht. Es handelt sich um Nocks.“<br>Nun endlich zeigte der scheinbar so gelassene Geschäftsmann eine Reaktion. Er weitete überrascht seine Augen, sein Puls schien kurz schneller zu werden.<br>„Reden wir hier über den selben Nocks?“<br>„Ich kenne nur den Auftragskiller Nocks,“ entgegnete der Commander gelassen. „Jedoch bin ich hier, um sie zu warnen. Retten sie sich, solange sie noch dazu in der Lage sind.“<br>„Wieso tun sie dies?“<br>„Nennen wir es eine Gefälligkeit?“<br>Der Blick von Thomas Yaris schien ihn zu durchbohren. Ganz genau versuchte er die Intentionen des Besuchers zu ermitteln, zu erfahren, worauf er hinauswollte. Dann nickte er dem Wachmann, der immer noch hinter Bruce stand, zu und dieser zog einen Phaser, richtete ihn auf Land.<br>„Mr. Ulich,“ begann der Geschäftsmann in sachlichem Tonfall, „ich weiß nicht, wieso sie mir diese Nachricht übermitteln und welchem Herrn sie dienen, falls ich dies einmal so ausdrücken darf. Wer weiß, vielleicht haben sie ja sogar recht und Nocks hat tatsächlich den Auftrag mich zu töten. Vielleicht verhält es sich ja aber auch so, dass sie Nocks sind. Oder wenn nicht, so haben sie dennoch den Auftrag mich zu töten und sind nun an mich herangekommen. Dies werde ich jedoch nicht zulassen. Viel eher werde ich ihnen zuvorkommen und sie zuerst umlegen. Verzeihen sie diese unflätige Wortwahl!“<br>In Bruce´ Geiste raste es, doch er versuchte sich nichts anmerken zu lassen. So gelassen wie möglich antwortete er:<br>„Es wird ihnen nichts bringen, wenn sie den Überbringer der schlechten Nachrichten töten. Auch wenn ich sterbe wird Nocks kommen und seinen Auftrag ausführen. Ohne mich wüssten sie nicht einmal, dass sie zum Ziel geworden sind. Aber nun haben sie eine realistischer Chance. Lassen sie mich ihnen helfen.“<br>Noch einige Zeit verharrten sie alle, der Phaser auf den Hinterkopf von Commander Land gerichtet. Dann nickte Yaris dem Wachmann zu und dieser steckte die Waffe wieder ein. Ein ganzer Felsen fiel Land vom Herzen.<br>„Und wie wollen sie mir helfen?“<br>„Dies überlege ich mir noch. Bitte geben sie mir etwas Zeit,“ entgegnete der Sternenflottler und erhob sich, etwas zu ruckartig, aus dem Stuhl. „Ich werde sie aufsuchen, einverstanden?“<br>Der Hotelbesitzer war alles andere als einverstanden, doch er hatte keine andere Wahl, als sich zu fügen und so nickte er. Der Wachmann geleitete Bruce nach draußen an die frische Luft und dort angekommen wurde ihm fast schlecht. Beim Auslegen des Köders wäre er fast schon getötet worden. Alles andere als eine gute Aussicht für diese Mission. Dabei wurde dem Commander schmerzlich bewusst, dass er selbst der Köder war. Hoffentlich hatte Nocks angebissen, denn umsonst sollte das ganze nicht gewesen sein. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen machte sich Bruce auf den Weg zurück zum Appartement. <br><br>Auch dem kommandieren Offizier des Raumschiffs Monitor fiel mehr als nur ein Stein vom Herzen, als er seinen guten Freund durch die Tür des Appartements treten sah. Sofort trat Captain Lewinski auf den erschöpft wirkenden Land zu und legte ihm fast schon väterlich die Hand auf die Schulter.<br>„Was ist da drinnen passiert, Bruce? Du siehst furchtbar aus! Wir hatten dort drinnen fast zehn Minuten lang keinen Kontakt zu dir.“<br>Der Angesprochene brauchte einige Momente, um durchzuatmen und sich noch einmal klar zu werden, dass er sich nun in Sicherheit befand. Dann antwortete er:<br>„Noch vor ein paar Minuten war eine geladene Waffe auf meinen Kopf gerichtet und Thomas Yaris wollte den Befehl zu meiner Exekution geben.“<br>Auch Danny Bird drehte sich, nachdem er diese schockierenden Worte vernommen hatte, in Richtung seines ehemaligen ersten Offiziers und offenbarte einen schockierten Gesichtsausdruck.<br>„Ich habe doch gesagt, wir hätten ihn da nicht unbewaffnet reinschicken sollen,“ meinte der Lieutenant in einem fast schon vorwurfsvollen Tonfall. „So hätte er zumindest eine Chance gehabt sich zu wehren.“<br>Doch Bruce Land trat diesem Punkt sofort vehement entgegen.<br>„Nein, mit einer Waffe in meinem Holster wäre ich nicht als lebender Mann wieder herausgekommen,“ erklärter er mit besonnener Stimme, setzte sich an den Küchentisch und schenkte sich eine Tasse Kaffee ein. Eigentlich eine unsinnige Reaktion, da ihm immer noch schlecht war und der Kaffee dieses Übelgefühl nicht beseitigen würde, doch im Moment hatte der Commander das Gefühl, dass er etwas Koffein brauchte. „Yaris nahm an, dass ich der Auftragskiller war, der zu seiner Tötung ausgeschickt worden war. Mit einem Phaser hätte ich seine Ansichten nur bestätigt. Abgesehen davon wäre so niemals bis zu ihm durchgekommen. Die Informationen des SFI waren exakt gewesen, die Sicherheitsmaßnahmen in dem Hotel sind enorm.“<br>„Ist er auf die Sache eingegangen?“<br>„Ja, das ist er,“ beantwortete Land die Frage des Captains. „Er denkt ich werde ihm helfen. Eigentlich jedoch ist es, wenn ich euren Plan richtig verstanden habe, ja eh egal, was Thomas Yaris machen wird oder was nicht. Wir können nur hoffen, dass Nocks dieses Hotel beobachtet und gesehen hat, wie ich einmal hinein und wieder hinaus spaziert bin.“<br>Diese Worte entbehrten nicht eines gewissen Zynismus, doch Captain Lewinski musste seinem Freund recht geben. Was der Sternenflottengeheimdienst mit Bruce machte, war eine schmutzige Sache. Ihn nach zwei Jahren wieder in diese Sache mit reinzuziehen, ihn als menschlichen Lockvogel zu verwenden, war gefährlich und undankbar zugleich. Doch wäre ihm selbst eine andere Art und Weise eingefallen den gesuchtesten Killer des Quadranten einzufangen? Am liebsten wollte John über diese Frage nicht nachdenken. Viel zu sehr fürchtete er sich davor, dass er zu dem Schluss käme, es gebe keine andere Möglichkeit als diese.<br>„Gehen wir nun so vor wie geplant?“ fragte Lieutenant Bird, der sich wieder ein Sichtgerät geschnappt hatte und den Hoteleingang beobachtete.<br>„Ja,“ bestätigte Lewinski. „Wir warten nun etwas ab, während Bruce hier ab und an in der Stadt Präsenz zeigen wird. Nocks soll noch einmal deutlich gemacht werden, dass Xander Ulich vor Ort ist und im schlimmsten Fall sogar mit seinem Opfer in Kontakt tritt. Dabei werden wir dich nicht aus den Augen lassen, Bruce.“<br>„Habt ihr eigentlich keine Sorge, dass Nocks uns alle zu diesem Haus hier zurückverfolgen kann?“ war der berechtigte Einwand des Engländers.<br>„Ich denke in der Hinsicht brauchen wir uns keine allzu großen Sorgen machen. Du bist nicht auf direktem Wege hierher gekommen, das Appartement ist offiziell an ein älteres Ehepaar vermietet und wir tarnen uns so gut es nur gut ab. Wir haben die modernsten Geräte der Föderation bei uns.“<br>„Deine Worte in Gottes Ohr,“ murmelte Bruce und trank weiter aus seinem Kaffee. Nun begann die schlimmste Phase bei einem Einsatz: das Warten.<br><br><i>Die an ihm vorbeiziehenden Personenmassen bemerkten ihn nicht einmal. Wieso auch? Jeder von ihnen war ein einzelnes Individuum, mit eigenen Wünschen, Gedanken, Ängsten und Träumen. Jeder war für sich selbst verantwortlich. Anhand des bloßen Aussehens, des Auftretens vor einer Menge bekam man nur selten die Aufgabe oder den Beruf eines Menschen heraus. Wer konnte schon sagen, wer von den Lebewesen, die man tagtäglich auf der Straße sah,  ein Arzt, eine Lehrerin, ein Pilot, ein Bäcker oder sonstiges war? Doch selbst wenn es wirklich einen Menschen gab, der aus irgendeinem besonders gearteten Grund die Fähigkeit besaß, die Berufe von Personen auf den ersten Blick zu erraten, die Passion von Xander Ulich würde kein Ottonormalbürger erraten. Ulich ging, gekleidet in einem eleganten, aber nicht zu protzigen Anzug, durch die Straßen von Romulus. Er vermied es geschickt, in der Menge aufzufallen, ganz besonders in Anbetracht der Tatsache, dass er ein Mensch war und dies war immer noch ein sehr seltener Anblick auf der Hauptwelt des Romulanischen Sternenreichs. Doch Ulich besaß diese Fähigkeit. Ab und zu schien es, als würde er mit dem Schatten verschmelzen, natürlich nicht zu häufig, denn völlige Unauffälligkeit konnte den gegenteiligen Effekt verursachen und jemanden erst recht auf sich aufmerksam machen. Xander Ulich war selbstbewusst und hatte ein markantes Auftreten, welches er jedoch zu jenem Moment gekonnt zu kaschieren wusste. Für die romulanischen Passanten, die ihn ab und zu neugierig musterten, musste er wie ein Geschäftsmann erscheinen, der wohl einen Wirtschaftsvertrag für die Föderation abschließen musste. In gewisser Weise war er ja auch ein Geschäftsmann: Angebot und Nachfrage regelten sein Leben. Er bot eine Dienstleistung an, die man für materielle Güter erwerben konnte. In den meisten Fällen handelte es sich dabei um Credits, die nach getaner Arbeit auf sein privates Konto wanderten. Zielsicher wanderte er durch die Straßen. Auch wenn er sich nur für kurzes Zeit auf dem Planeten aufhalten würde, hatte er, wie es für ihn Methode war, die Straßennamen und den Stadtplan von Romulus auswendig gelernt. Xander Ulich war nämlich ein Mensch, der gerne auf alle Eventualitäten vorbereitet war. Nicht, dass er solche Vorsichtsmaßnahmen nötig hatte, zumindest bisher noch nicht, aber es war immer klug, vorbereitet zu sein.<br>Der Mensch, der seine braunen Haare sorgsam zu einem leichten Scheitel gekämmt hatte, passierte schließlich die Eingangstür eines Wohngebäudes. Die ihm von seinem Arbeitgeber ausgehändigte Schlüsselkarte hatte ihm einen problemlosen Zugang ermöglicht und so führte ihn sein nächster Weg die altmodische Treppe hoch. Er benutzte sie anstelle des Turboliftes, da er so ein vollkommen freies Sichtfeld hatte und sich einen kurzen Überblick über die Flure verschaffen konnte. Alles war in Ordnung. Dies hier war eine der besseren Wohngegenden der Hauptstadt. Hier wohnte zwar nicht die Oberschicht der romulanischen Gesellschaft, doch ärmlich waren die Anwohner auch nicht. Sein Klient, den er in wenigen Minuten treffen sollte, verfügte zwar über jede Menge Geld, doch er war ein Mann, der nur ungern auffiel und daher wohnte er hier, in diesem Hochhaus. Xander betrat den richtigen Flur und schaute sich kurz nach der Haustür um. Die Nummer 13 war sein Ziel.<br>13. Na wenn das ihm mal kein Pech bringt! waren die Gedanken, die Ulich durch den Kopf schossen. Er stellte sich vor die Tür und stellte, bevor er Anstalten machte, einzutreten, seinen Aktenkoffer, den er schon die ganze Zeit über bei sich trug, ab und öffnete ihn. Heraus nahm er sein favorisierten Verhandlungsführer: einen klingonischen Disruptor. Summend erwachte die Waffe zum Leben, als er den Energieregler hoch drehte. Er atmete noch einmal tief durch. Nun würde alles schnell gehen, daher war kein Raum für Fehler. Er schob abermals seine Schlüsselkarte durch das Türschloss und das Eingangschott zum Appartement Nr. 13 öffnete sich zischend. Behände, quasi auf leisen Sohlen, huschte er in den Raum, die Waffe im Anschlag. Er musste nicht lange suchen, um seinen Klienten zu finden. Er fand ihn an seinem Esstisch, wie er ein Mittagessen zu sich nahm. Schnell trat Ulich in die Küche ein und richtete die Waffe auf den Romulaner. Dieser wirkte zwar schockiert, aber nicht sehr überrascht, dass plötzlich ein Mann mit einer Waffe in seinem Quartier stand.<br>„Ich bringe ihnen eine Nachricht von dem Orion-Syndikat,“ sagte Ulich in neutralem Tonfall.<br>Der Romulaner nickte. Er hatte dies erwartet.<br>„Wie lautet sie?“ fragte er.<br>Als Antwort schoss Ulich. Der grüne Impuls traf den Romulaner in der Brust und riss ihn vom Stuhl. Der Killer trat näher und sah in die leblosen, geöffneten Augen des Mannes, den er gerade getötet hatte. Obwohl es eigentlich unsinnig und altmodisch war, schoss er dem Romulaner noch einmal vorsichtshalber ins Gesicht, so dass auch wirklich keine Überlebenschance bestand. Damit war es vorbei. Aus seinem Aktenkoffer holte er ein kleines Gerät, mit dem er erst eine genetische Probe des Toten zwecks späterer Identifikation für seine Arbeitgeber mitnahm und dann säuberte er den Raum mittels eines „Säuberers“ von allen möglichen Spuren, die auf seine Präsenz hindeuten vermochten. Schließlich ließ er die Waffe am Tatort zurück; sie hatte keinen Nutzen mehr für ihn. Als Xander Ulich das Gebäude verließ, war er zufrieden darüber, wieder einmal einen Auftraggeber glücklich gemacht zu haben. </i><br><br>Ruckartig, geradezu entsetzt, riss sich Commander Land aus dem Schlaf. Abermals war es geschehen, hatte er von Taten geträumt, die weder begangen, noch erlebt hatte. Angesichts der momentanen Situation war es jedoch nur natürlich, dass diese von der Sternenflotte eingepflanzten Erinnerungen wieder hochkamen. Mehrfach keuchte Bruce, stellte dann nach einem flüchtigen Blick auf die Uhr fest, dass es mitten in der Nacht war und erhob sich aus dem Bett. Müde rieb er sich die Augen, dann das schweißnasse Shirt und stellte fest, dass Danny Bird leise schnarchend auf dem Sofa, welches sich ebenfalls in diesem Schlafzimmer befand, schlief. Scheinbar hatte der junge Sicherheitsoffizier nichts von dem Alptraum seines Vorgesetzten mitbekommen. Noch benommen von dem plötzlich Erwachen taumelte der erste Offizier der Voyager in das Wohnzimmer und zur integrierten Küchenzeile, wo er sich ein Glas schnappte und es mit Leitungswasser voll laufen ließ. Gierig schlank er das kalte Nass herunter und bemerkte sichtlich zufrieden, wie er sich wieder langsam beruhigte. Jetzt erst fiel ihm auf, dass John Lewinski am Fenster stand und auf die fast menschenleere Straße blickte.<br>Es war kein Wunder, dass sie drei auf dieser Außenmission waren, denn den Großteil der Kolonisten von Bentar IV machten Menschen aus. Der Grund hierfür war nicht leicht zu finden, möglicherweise entsprach das Klima und die sehr erdähnliche Planetenbeschaffenheit mehr den Ansprüchen ihrer Spezies.<br>„Was tust du das?“ fragte Bruce leise und stellte sich ebenfalls an das Fenster.<br>„Ich kann nicht schlafen,“ entgegnete John ehrlich und blickte weiter auf die von Laternen erleuchtete Straße. „Mir gehen zu viele Gedanken durch den Kopf.“<br>„Da haben wir ja was gemeinsam.“<br>„Dass mit den Gedanken?“<br>„Ja,“ entgegnete Bruce ironisch, „zumindest drehen sich deine um reale Dinge.“<br>Nun blickte der Captain zu seinem alten Freund und versuchte in dessen Gesicht zu lesen, was er damit meinte.<br>„Hast du immer noch diese Alpträume?“<br>„Immer noch? Die richtige Formulierung ist wohl eher wieder. Ich habe diese ganze Geschichte rund um Xander Ulich schon fast vergessen gehabt und nun werde ich wieder urplötzlich in dieses Leben katapultiert, welches ich niemals geführt habe. Ein Leben, das nur eine Erfindung von einigen Analytikern im Geheimdienstoberkommando war. Was immer sich diese Kerle jedoch dabei gedacht haben, die eingepflanzten Erinnerungen fühlen sich mehr als real an. Und sie gehen nicht weg.“<br>Sorgsam betrachtete der Captain Bruce und ihm war deutlich anzusehen, dass er verstand. Er konnte sich nicht einmal annähernd vorstellen, was sein ehemaliger erster Offizier gerade durchmachte, was diese ganze Sache für eine Prüfung darstellte.<br>„Das Sonderbarste ist: du hattest dich dafür freiwillig gemeldet.“<br>„Seltsam, nicht wahr?“ gab Land offen zu. „Ich dachte ich tue der Föderation damit einen Gefallen...“<br>„Das hast du! Ohne die Erkenntnisse, die du damals gesammelt hättest, wären wir heute nicht so weit... vermutlich nicht einmal in der Lage Nocks diese Falle zu stellen.“<br>„Zu dem Preis, dass ich dich fast getötet hätte.“<br>„Das warst nicht du,“ widersprach ihm John, „sondern Ulich.<br>„Xander Ulich ist ich und ich bin Xander Ulich. Es gibt keinen Unterschied. Wir sind ein und dieselbe Person. Je länger dieses Theater andauert, desto mehr gleichen wir beide uns an. Dies ist das Verhängnisvolle.“<br>„Denkst du, dass weiß ich nicht?“ fragte Captain Lewinski und der Mond erhellte für einen kurzen Moment sein Gesicht in dem ansonsten dunklen Raum. „Denkst du etwa, ich mache mir hier keine Sorgen? Bruce, du bist mein bester und ältester Freund! Ich war dagegen, dass man dich für dieses Mission auswählt, dich noch einmal diesen Belastungen aussetzt, aber der Befehl kam direkt von Admiral LaToya. Meine einzige Wahl war es gewesen, ob ich selbst diese Mission leiten möchte. Wäre es dir lieber gewesen, wenn jemand anderes, Fremdes, hier das Sagen hätte? Der dich und deine Sorgen nicht kennt?“<br>„Nein, das sicher nicht,“ gab Bruce Land leise zu und war in der Tat dankbar für die Hilfsbereitschaft seines Freundes. Kurz blickten sie wieder auf die Straße hinaus, sahen einige Jugendliche, die um die Häuser zogen.<br>„Die Monitor fühlt sich anders an, ohne Jozarnay,“ meinte Land schließlich und wechselte so das Thema.<br>„Ja, du hast recht. Der Maschinenraum ist nicht mehr der selbe.“<br>„Wie schlägt sich Lieutenant Sanchez denn so?“<br>„Er ist gut... sehr gut sogar,“ gab Lewinski seufzend zu.<br>„... aber er ist kein Chief Jozarnay Woil,“ vervollständigte Land den abgebrochenen Satz.<br>„Das hast du nun gesagt!“<br>„Es muss dir nicht peinlich sein, wenn du manche Personen lieber magst als andere. Es ist nur natürlich, dass wir uns an gewohnten Dingen orientieren. Ich frage mich nur, was unser alter Antosianer nun macht.“<br>„Gemeldet hat er sich seit seinem Ausscheiden bei der Sternenflotte nicht mehr. Routinemäßig hat ihn der Geheimdienst noch einige Zeit lang beobachtet, doch irgendwann hat man ihn aus den Augen verloren.“<br>Das, was er eben gehört hatte, löste bei Commander Land ein leichtes Schmunzeln aus.<br>„Hat der Chief etwa seine Überwacher abgeschüttelt?“<br>„Wir wissen es nicht,“ gab Lewinski zu und klang dabei auf einmal sehr düster. „Ich hoffe ihm geht es gut.“<br>„Sollte es das denn nicht?“<br>Statt einer Antwort schwieg der Captain. Was hätte er auch sonst sagen sollen? Wohin man auch sah, überall gab es derzeit nur Sorgen im Leben. So viele Dinge, auf die man sich konzentrieren musste. Und so vieles, was man verlieren konnte. <br><br>Für einen kurzen Moment hatte sich Matt Price von der Brücke stehlen können. Natürlich vernachlässigte er auf keinen Fall seine Pflichten, den er war immer noch voll erreichbar. Dennoch musste er eine Sache erledigen, eine erfreuliche obendrein. Wäre da nicht die momentane Mission, man hätte schon fast sagen können Commander Price betrat überaus gut gelaunt die Krankenstation und trat sofort zu der Frau, die er suchte. Die Frau, die er liebte und die er nie verlassen wollte.<br>„Hallo!“ begrüßte Elisabeth ihren Liebsten und lächelte glücklich, „was verschafft mir die Ehre deines unerwarteten Besuchs?“<br>„Reicht es nicht, wenn ich dich einfach nur sehen möchte?“ antwortete Price keck mit einer Gegenfrage und lächelte ebenfalls.<br>„Doch, sicherlich, es ehrt mich. Aber ich sehe es dir ganz deutlich an, dass du etwas auf dem Herzen hast.“<br>Price tat beleidigt und setzte einen Schmollmund auf, während er Elisabeth Frasier umarmte.<br>„Bin ich etwa inzwischen so leicht zu durchschauen? Was ist nur aus dem harten Bandenführer von Rigel geworden?“<br>„Ein unglaublich sanfter und liebevoller Mann,“ munterte Elisabeth ihn auf und löste sich aus ihrer Umarmung. Sie zeichnete zwei Padds ab und meinte im Anschluss: „Also raus mit der Sprache!“<br>Der Halbbetazoid seufzte. War er nicht eigentlich derjenige mit den empathischen Fähigkeiten? Sie waren erst so kurze Zeit zusammen und schon las sie aus ihm wie aus einem offenen Buch. Was für eine wundervolle Person sie doch war.<br>„Ich habe eine Nachricht von Selina bekommen.“<br>„Und?“ fragte die Ärztin gespannt.<br>„Sie hat sich wieder etwas gefangen. Wir werden uns mit der Erziehung von Yasmin abwechseln.“<br>„Matt, das sind ja großartige Neuigkeiten,“ frohlockte Elisabeth. „Ich freue mich so für dich!“<br>„Tust du dies wirklich? Ich weiß, es ist eine schwierige Situation für dich. Du musst zeitweise mit einem Kind unter einem Dach leben, welches nicht das deinige ist...“<br>„Dies macht mir doch nichts,“ würgte Frasier seinen Satz ab. „Es ist deine Tochter und damit auch Teil meines Lebens. Ich freue mich darauf dir bei ihrer Erziehung helfen zu können... dir und Selina.“<br>Dankbar schaute Matt die Frau an, die er so sehr liebte. Wie verdiente er nur eine so wundervolle Person, die mit einer solchen Angelegenheit keine Probleme hatte? Er hatte mehr Glück als Verstand, so viel stand fest!<br><br>Die nächsten beiden Tage waren von Ruhe geprägt und dem unerträglichen Warten, welches eine Mission immer so schwierig und nervtötend machte. Im Fall von Bruce Land war das Warten darauf, dass etwas passieren würde, noch viel schlimmer als sonst. Denn diesmal ging es um niemand geringeren als ihn selbst und sein Leben. Er vertrieb sich die Zeit in der Hauptstadt von Bentar IV, ging spazieren und essen, zeigte sich in der Öffentlichkeit. Alles zu dem Zweck, dass Nocks von ihm Notiz nahm. Einmal noch redete er mit einem völlig aufgelösten Thomas Yaris, der ihn um Hilfe anflehte. Der Commander der Sternenflotte versuchte den Unterweltmogul zu beschwichtigen und riet ihm sich in seinem Hotel zu verstecken. Ein klein wenig hatte Bruce schon ein schlechtes Gewissen, dass sie Yaris für diese Operation benutzten. Sicher, er war ein krimineller und verdiente eine Strafe, dennoch war es alles andere als richtig ihn in eine solche Todesangst zu versetzen. Dies war wohl der Unterschied zwischen Verbrechern wie Nocks und Offizieren wie Land selbst: er wusste noch um Gut und Böse, bemitleidete sogar die Bösen. <br>Am dritten Tag wachte Bruce wie immer recht früh auf und bemerkte, wie sein Captain schon bei der Arbeit war. In den Tagen seit Beginn der Operation hatte sich John Lewinski wenig Ruhe gegönnt, pausenlos gearbeitet und so viele gesammelte Daten wie möglich ausgewertet. Er hatte es zwar nur einmal erwähnt, doch man sah ihm ganz deutlich an, wie ihm diese ganze Krise an die Nieren ging. Land war mehr als stolz und glücklich darüber einen solchen Freund zu besitzen. Der erste Offizier der Voyager zog sich an, wusch sich und trank einen Kaffee, bevor er beschloss wieder in der Stadt etwas frühstücken zu gehen. Kurz blickte er zu Lewinski und Bird, diese nickten ihm beide zeitgleich zu und schon war „Xander Ulich“ durch die Tür des Appartements verschwunden. Er ging die Treppen zum Erdgeschoss herunter, genoss die Sonnenstrahlen eines neuen Tages und bemerkte nicht, dass er schon längst verloren hatte. Ein kräftiger Schlag auf den Hinterkopf ließ ihn das Bewusstsein verlieren und so bemerkte Land nicht, wie er in einen Hoverwagen geschleift und weggefahren wurde.<br>John Lewinski hatte in den letzten Tagen nicht allzu viel gesprochen, dies war Lieutenant Bird aufgefallen. Was hätten sie beide auch großartig sagen können? Es handelte sich um eine heikle Situation, die nach hinten losgehen konnte. Das Leben eines alten Kameraden und Freundes stand auf dem Spiel. Manchmal hasste der junge Sicherheitsoffizier den SFI für seine Methoden. Durfte man so mit Menschen umgehen? Sie benutzen, manipulieren und so für die eigenen Zwecke benutzen? Ja, Commander Bruce Land hatte sich damals freiwillig gemeldet, doch war sein Leben dadurch weniger schützenswert geworden?<br>Er bemerkte, wie Lewinski sich ein Fernglas nahm und angestrengt durch die Optik auf die Straße hinaus blickte. Der Kommandant suchte einige Sekunden lang die vor ihnen liegende Hauptstraße ab und meinte schließlich mit Grabesstimme:<br>„Etwas stimmt hier nicht!“<br>„Was meinen sie, Captain?“ fragte der Lieutenant und trat einen Schritt näher an das Fenster heran, so als ob er auf diese Art und Weise mehr sehen konnte.<br>„Er hätte schon längst da unten zu sehen sein müssen,“ erklärte Lewinski und deutete auf ein kleines Straßencafé, „er braucht nie länger als eine Minute, um sich dort draußen hinzusetzen. Nun sind schon drei vergangen.“<br>Unmerklich schmunzelte Bird angesichts dieser Aussage.<br>„Sir, sie können doch nicht wegen zwei Minuten annehmen, dass...“<br>„Man muss immer mit dem schlimmsten rechnen, Danny,“ entgegnete Captain Lewinski hektisch und schnappte sich in Windeseile einen Kommunikator, stellte eine Verbindung zur Monitor her.<br>Dort oben, auf der Brücke, befand sich Matthew Price und hatte gegenwärtig das Kommando über das Schiff inne.<br>„Hier Monitor! Was gibt es, Skipper?“<br>John brauchte einige Sekunden, um sich zu sammeln. Schon während der Operation hatte er sich unzählige Sorgen gemacht, nun war es schwer für ihn konzentriert zu bleiben. Normalerweise gab es an seiner Professionalität keinen Zweifel, doch wann schon hatte ein Fall solch private Ausmaße angenommen?<br>„Commander Land ist verschwunden! Starten sie eine volle Sensorensuche der Hauptstadt!“<br>Unmittelbar im Anschluss an diesen Befehl brach hektisches Treiben auf der Brücke aus. Alle anwesenden Offiziere und Besatzungsmitglieder begaben sich an ihre Stationen, wollten ihren Beitrag zur Wiederfindung eines alten Bekannten leisten. Commander Price drehte sich in Richtung des Einsatzoffiziers Ardev.<br>„Du hast den Befehl gehört, Ardev!“ wies der er den jungen Andorianer an. „Beginn mit einer vollen Sensorensuche.“<br>„Bin schon dabei,“ entgegnete der Lieutenant und begann mit einer Einstellung auf die entsprechenden Parameter.<br>Weiter jedoch kam der OPS-Offizier nicht. Völlig unerwartet erklang ein Geräusch auf der Brücke, ein Piepen, welches sich kontinuierlich steigerte und aus der Konsole direkt vor Ardev kam. Das Geräusch schwoll an, wurde lauter und dringlicher; Price blickte den jungen Offizier an und reagierte innerhalb von Sekundenbruchteilen. Mit einem beherzten Griff zog er Lieutenant Ardev von seiner Konsole weg und drückte ihn zu Boden. Keine Sekunde zu spät, denn in einem lauten Knall und einem Leuchtkranz aus Funkeln explodierte die Sensorenkonsole. Die automatischen Feuerlöschsysteme wurden ausgelöst und löschten den Brand innerhalb weniger Sekunden.<br>„Bericht!“ rief Price in den Lärm und die aufgeregten Stimmen hinein, „ist die Tarnung noch aktiv?“<br>Lieutenant Sanchez warf nur einen kurzen Blick auf seine Anzeigen, dann erklärte der Chefingenieur:<br>„Die Tarnvorrichtung ist immer noch aktiv, ich denke man hat uns nicht bemerkt. Jedoch sind sämtliche externen Sensoren ausgefallen!“<br>Die besorgte Stimme von Captain Lewinski war deutlich aus den Lautsprechern zu vernehmen, die fragte:<br>„Price, was ist da passiert?“<br>„Ardevs Arbeitskonsole ist explodiert, John! Sämtliche externen Sensoren der Monitor sind ausgefallen! Wir haben keine Möglichkeit von hier aus eure Suche zu unterstützen.“<br>Entsetzt blickte Lieutenant Bird seinen kommandieren Offizier an. Sein Gesichtsausdruck verriet schon die Frage, die er stellen wollte:<br>„Sabotage?“<br>„Ja,“ bestätige John Lewinski sorgenvoll, „Nocks hat zugeschlagen.“ <br>Natürlich hatte auch Matt Price diese Worte an Bord des Schiffes vernommen und schluckte besorgt. Man hatte sie ausgetrickst, ohne dass jemand von ihnen etwas bemerkt hatte. Dieser Killer musste unglaublich gewitzt sein, wenn er ein Schiff des Geheimdienstes ausschalten konnte.<br>„Wir werden versuchen die Sensoren wieder online zu bringen,“ versprach Price, „aber es kann noch etwas dauern.“<br>„Die Zeit hat Bruce möglicherweise nicht,“ entgegnete Captain Lewinski düster und begann schon seine Sachen zusammenzusuchen. „Wir führen eine eigene Suche durch. Die mag langwieriger sein, aber wir haben keine Chance.“<br>„Verstanden,“ erklärte Price und beendete die Verbindung. Was mehr hätte er schon sagen können? Sofort teilte er alle verfügbaren Kräfte für die Reparatur ein. Lewinski und Bird schnappten sich einige Handsensoren, schnallten sich Gürtel mit Phasern um und eilten hinaus auf die Straße. Doch wo nur sollten sie anfangen zu suchen?<br><br><i>Jales 5 bot nur wenige echte Sehenswürdigkeiten. Der Planet war einfach als industrielle Kolonie eingerichtet worden, zu nichts anderem. Die meisten der Anwohner waren in der Industrie beschäftigt oder beschäftigt gewesen. Sonst gab es nicht viel anderes. Liebhaber der schönen Künste hielten sich ohnehin fern von diesem Planeten, da es wirklich nicht viel zu holen auf diesem Planeten gab. Aber auch Arbeiter brauchten einmal hochklassige Entspannung, denn dies steigerte die Moral und nur ein zufriedener Arbeiter konnte gute Leistungen abliefen. Diese Gedanken schossen Ulich durch Kopf, als er das beste Lokal der Stadt durchschritt und einen bestimmten Tisch suchte. Auch wenn dies eigentlich gar nicht zum Moloch der restlichen Stadt passte, war dieses Restaurant im Stil osteuropäischer Städten errichtet worden. Dieses Lokal, in dem man herrlich speisen konnte, hätte mühelos auch im Altstadtviertel von Prag stehen können. Endlich sichtete Ulich seinen Gesprächspartner und setzte sich zu ihm. Captain John Lewinski, Offizier der Sternenflotte, anscheinend beim Geheimdienst beschäftigt und bald tot, begrüßte ihn und aß dann weiter sein Mittagessen, ein paniertes Hühnchen mit reichhaltigen Beilagen.<br>„Sie sollten auch etwas bestellen,“ meinte der Captain zu ihm, doch Xander hatte nicht viel Appetit. Als ihn der Kellner nach seinem Wunsch befragte, bestellte er nur ein stilles Wasser, welches ihm umgehend serviert wurde. Er nahm einen kurzen Schluck zu sich und ließ die Energie des Lebensspenders durch seine Adern fließen.<br>„Sie haben gute Arbeit geleistet, Mr. Ulich. Die Föderation ist ihnen zu Dank verpflichtet,“ begann Lewinski das Gespräch und nahm einen weiteren Bissen seiner Mahlzeit.<br>„Keine Ursache,“ antwortete der Mensch, „solange die Bezahlung stimmt, stehe ich ihnen gerne zu Diensten.“<br>„Sagen sie, haben sie eigentlich keine Angst vor mir?“ fragte John frei heraus.<br>„Wieso sollte ich?“<br>„Immerhin existieren in der Föderation mehr als ein Dutzend Haftbefehle auf sie. Haben sie keine Sorge, dass ich sie nicht im nächsten Moment festnehme?“<br>„Nein,“ antwortete Ulich wahrheitsgemäß. „Wenn sie dies vorhätten, so hätten sie dies schon längst getan. Desweiteren bezweifle ich, dass sie eine so aufsehenerregende Aktion in einem solch belebten Ort wie diesem Restaurant durchführen würden. Auch sie wollen im Schatten bleiben, Captain.“<br>„Sehr schlau erkannt. Ist das Geld inzwischen angekommen?“<br>„Ja, alles ist vollzählig da. Danke für die prompte Überweisung.“<br>Xander erhob sich und reichte dem Sternenflottenoffizier die Hand.<br>„Ich darf mich nun von ihnen verabschieden. Mein Flug geht in wenigen Stunden und ich möchte noch in mein Hotel zurückkehren und meine Sachen wiederholen.“<br>Lewinski tupfte sich den Mund mit einer Serviette ab und erhob sich ebenfalls, reichte dem Killer die Hand.<br>„Vielleicht dürfen wir noch ein weiteres Mal auf sie zählen.“<br>„Wieso nicht?“ meinte Xander mit einem Lächeln und nutzte den Moment, um schnell und unbemerkt aus der Tasche des in Zivil auftretenden Captains seinen Kommunikator zu entwenden. Er war natürlich auch ein Meisterdieb, auch wenn diese Fähigkeit in seinem Beruf nicht sehr häufig beansprucht wurde. Lewinski hatte nichts von alldem bemerkt. Xander verabschiedete sich noch einmal und verließ das Lokal durch den Vordereingang, während sich Lewinski wieder seinem Hähnchen zuwandte, welches, wie er fand, exzellent schmeckte. <br>Doch Xander Ulich lag es fern, schon jetzt den Planeten zu verlassen. Sobald er auf der Straße war, rannte er in das Treppenhaus des Nebengebäudes und raste die Treppen hoch, so schnell wie er nur konnte. Dank seines ausgezeichneten konditionellen Zustandes schaffte er die sieben Stockwerke in einem exzellenten Tempo und als er oben auf dem Dach ankam, musste er nur kurz verschnaufen. Sein Blick glitt kurz über die Stadt, die leider einfach nur hässlich war. In der Ferne bliesen die Fabriken immer noch ihre schädlichen Abgase in die Luft. Nichts änderte sich hier. Diese Welt war einfach verloren. Jedoch war es nicht an der Zeit, sich mit diesen Gedanken aufzuhalten. Bestimmt ging Xander zur Brüstung und fand dort, wie er es verlassen hatte, sein Gewehr auf. Er wickelte es aus seinem Tuch aus und begann es aufzubauen. Für eine ruhigere Lage baute er vorne wieder ein Dreibein auf und Xander begann das Gewehr anzulegen. Er aktivierte die Präzisionswaffe und blickte durch das Zielfernrohr in das Restaurant hinein. Zufrieden bemerkte er, dass er sich die richtige Position ausgesucht hatte. Captain Lewinski war in ausgezeichneter Sicht.<br>Ein grimmiges Lächeln erschien auf Xanders Gesicht, als er sich wieder darum bemühte, seinen Puls zu beruhigen. Auch dieser Kill war fast schon zu leicht. Kurz schaltete er die Thermalsicht ein und stellte zufrieden fest, dass John Lewinski auch wirklich da saß. Es gab ja einige Personen, die es schafften, nur ein Hologramm von sich erscheinen zu lassen, was recht verwirrend sein konnte. Er deaktivierte wieder diese Einstellung und kehrte zum alten Fadenkreuz zurück. Alles war bereit. Lewinski war genau in seiner Schusslinie. Er begann, seinen Finger auf den Abzug zu legen. Ein letzter Atemzug, dann drückte er ab. <br>Nun war es so, dass es im Universum einen Faktor gab, der gemeinhin als Zufall bekannt war. Er trat, wie der Name schon sagte, zufällig und recht selten auf, was manche dazu verleitete, gar nicht daran zu glauben, doch es gab ihn tatsächlich. Und obwohl es keinerlei rationale Erklärung für das Wieso dieses Zufalls gab, geschah er in dem Moment, in dem Xander Ulich den Abzug durchdrückte und ein weiteres Leben auslöschen wollte. Denn Captain Lewinski hatte beim Essen die Gabel verloren und bückte sich, um sie wieder aufzuheben. Diese Aktion rette ihm das Leben, als der Phaserstrahl das Fensterglas zersplitterte und hinter ihm einschlug. Sofort kam eine Panik auf und Menschenmassen flüchteten aus dem Restaurant. Ulich fluchte. Er konnte kein klares Ziel mehr ausmachen und als die letzten Personen das Lokal verlassen hatte, war Lewinski erwartungsgemäß auch geflohen. Er packte sein Gewehr wieder ein und dachte scharf nach, wohin der Captain nun gehen würde. Dann fiel es ihm ein. </i><br><br>Nur langsam entfernte sich der Schleier der Dunkelheit und ließ Bruce Land von seinem zeitweiligen Koma erwachen. Er blinzelte mehrfach, versuchte deutlicher zu sehen und fragte sich, wo er war. Instinktiv sagte ihm sein Geist, dass er in Schwierigkeiten steckte. Angestrengt dachte er darüber nach, was eigentlich geschehen war und langsam erinnerte er sich daran, dass er wie üblich sein Frühstück im Café einnehmen wollte. Und dann? Dann war die Dunkelheit gekommen. Langsam gewöhnten sich seine Augen wieder an das Licht und Bruce sah sich um. Er befand sich in einem kleinen Raum, gefesselt auf einem Stuhl. Eine einzelne Lichtquelle baumelte an der Wand, eine einfache Glühbirne, die hin und herbaumelte, da sie an einer Schnur befestigt war. <br>Gefangenschaft, dies war das Wort, welches seinen momentanen Zustand wohl am besten beschrieb. Doch von wem? Die Antwort auf diese Frage war mehr als eindeutig. Alle Unklarheiten wurden beseitigt, als sich langsam eine Person aus der Dunkelheit herausschälte. Langsam trat sie auf Bruce zu, seine Schritte hallten deutlich in dem kleinen Raum wieder. Die Person, offenbar ein Mann ( nach menschlichen Maßstäben Ende 40 ), trat etwas ins Licht und dem ersten Offizier stockte der Atem. Hatte er es hier mit einem Denobulaner zu tun? War dies der Moment, in dem er auf Nocks traf und seine wahre Identität erfuhr? Deutlich waren die denobulanischen Gesichtsmerkmale zu erkennen und obwohl das Gesicht im Halbschatten lag, konnte Land eine seltsame Wärme, ja geradezu Freundlichkeit in der Mimik seines Gegenübers erkennen. Der unbekannte Mann betrachtete ihn kurz, dann meinte er:<br>„Endlich lernen wir uns kennen. Es hat einige Zeit gedauert, aber ich war mir sicher, dass wir früher oder später ein Treffen vereinbaren konnten.“<br>Mehr brauchte der Mann nicht zu sagen. Bruce Land schluckte, als seine Theorie bestätigt wurde: vor ihm stand tatsächlich Nocks, die Person, die sie so lange gesucht hatten.<br>„Ich nehme an, sie sind Xander Ulich?“ fragte der Denobulaner mit ruhiger, fast schon gleichgültiger Stimme.<br>Müde nickte der erste Offizier und stellte dabei ein furchtbares Dröhnen in seinem Kopf fest. Schmerzerfüllt verzog er das Gesicht und stöhnte.<br>„Tut mir leid, dass ich etwas härter zuschlagen musste, sie haben einen ziemlichen Dickschädel. Ich denke, es ist nur höflich klare Verhältnisse zu schaffen. Wie sie sich sicher denken können bin ich Nocks.“<br>Er war es! Der Mann, wegen dem sie das ganze Theater veranstalteten! Und schon jetzt war die Mission ein voller Erfolg. Vor diesem Moment hatten sie nicht einmal gewusst, ob Nocks ein Mann oder eine Frau war, geschweige welcher Spezies er angehörte oder wie er aussah. Möglicherweise war dies ihr Durchbruch. Gesetz dem Fall Bruce Land würde diese Sache hier überleben und derzeit würde er keine Wetten auf sich selbst annehmen.<br>„Es ist mir eine Ehre sie endlich zu treffen,“ raunte Bruce und gewann langsam seine Stimme zurück. „Da sie mich hierher eingeladen haben, denke ich nicht, dass ich mich noch vorstellen muss.“<br>„Sie sind Xander Ulich,“ ergänzte Nocks wissend und lächelte sogar nachsichtig.<br>Die Art und Weise, wie er diesen Namen aussprach, machte Bruce Land klar: der Profikiller wusste nichts von seiner Doppelexistenz. Er war ihm zwar aufgelauert, doch er wusste nicht, dass er in Wirklichkeit ein Offizier der Sternenflotte war. Auf diesem Vorteil konnte er aufbauen.<br>„Es freut mich, dass ich kein Unbekannter für sie bin,“ meinte der Mensch und grinste schief.<br>„Die aufstrebende Generation ist für mich nie unbekannt,“ erklärte Nocks und seine Stimme nahm im Anschluss einen schärferen Ton an, „vor allem wenn sie versucht sich in meine Geschäfte einzumischen!“<br>„Was meinen sie?“<br>Doch Bruce´ Versuch den unwissenden zu spielen brachte nichts.<br>„Sie brauchen mich nicht für dumm zu verkaufen, Ulich. Ich weiß von ihrem Aufenthalt hier, ihrem Treffen mit Thomas Yaris und ihrer Warnung vor mir. Normalerweise ist es für Männer in unserer Profession die Aufgabe Personen zu töten. Sie wollten Yaris jedoch vor mir schützen. Sie warnten ihn und rieten, sich im Hotel zu verstecken. Wieso?“<br>„Weil es mein Auftraggeber so wollte.“<br>„Der da wäre?“<br>„Sie wissen, dass ich ihnen dies nicht sagen kann, Nocks,“ erwiderte Land und versuchte einen kalten Gesichtsausdruck aufzusetzen. Hier waren zwei Killer untereinander, die sich über die Themen ihres Berufs unterhielten. Unsicherheit oder Unwissenheit war hier völlig fehl am Platz.<br>„Das brauchen sie auch nicht,“ schockte der Denobulaner ihn, „es ist die Sternenflotte.“<br>Die Aussage kam einem Inferno gleich. Im Kopf des Menschen rasten die Gedanken hin und her. Woher wusste Nocks dies und was hieß dies für seine Deckung? War nun alles verloren?<br>Der Profikiller bohrte weiter. Gerade dadurch, dass er weder Schmerz noch Schläge androhte, wirkte alles noch viel bedrohlicher.<br>„Wie kommt ein so guter Mann wie sie dazu mit der Sternenflotte zu arbeiten?“ fragte Nocks in neutralem Tonfall.<br>„Sie machten das beste Angebot.“<br>„Hatten sie keine Angst, dass man sie reinlegen würde? Dass man sie in eine Falle locken wollte?“<br>„Ich bin gut,“ entgegnete Land locker und entlockte dem Denobulaner so ein Lächeln.<br>„Ja, in der Tat, Xander, das sind sie. Ich habe ihre Karriere verfolgt. Natürlich interessiere ich mich für den Nachwuchs... vor allem wenn er mir in die Quere kommen will. Sie können mir nicht erzählen, dass sie es nur wegen dem Geld gemacht haben. Es reizte sie auch mir einen Auftrag kaputt machen zu wollen. Ich habe jedoch eine schlechte Nachricht für sie.“<br>„Die da wäre?“<br>Nocks seufzte, dachte kurz nach. Während des ganzen Gesprächs bewegte er sich keinen Millimeter von der Stelle. Immer noch stand er im Halbschatten, blickte auf seinen Gefangenen herab und hielt seine mysteriöse Scharade aufrecht.<br>„Die Sternenflotte benutzt sie nur, um mich zu kriegen. Und wenn dies geschehen ist, dann werden sie auch eingesperrt werden.“<br>Angesichts dieser Aussage setzte „Ulich“ einen grimmigen Gesichtsausdruck auf, innerlich jubilierte der Commander jedoch. Nocks hatte die Situation also völlig falsch eingeschätzt. Er wusste nichts von seiner Doppelidentität, von der ganzen Tarnung und der Jagd. Besser als nichts.<br>„Sie brauchen sich übrigens keine Hoffnung auf Rettung zu machen,“ ergänzte Nocks süffisant. „Ich habe die Sensoren des Sternenflottenraumschiffs zerstören lassen. Sie sind blind und nicht in der Lage sie zu finden.“<br>Bruce konnte nur spekulieren, auf welche Art und Weise der Denobulaner dies angestellt hatte. Hoffentlich war dies auf eine unblutige Art und Weise geschehen, die keine Opfer gefordert hatte. Kurzfristig stieg Sorge um die Freunde in ihm auf, dann konzentrierte er sich wieder auf die momentane Situation. Es galt hier lebend raus zu kommen, um sich im Anschluss Nocks schnappen zu können!<br>„Ach übrigens, wenn wir gerade von Thomas Yaris sprechen,“ fuhr der Killer fort und hob ein kleines Padd hoch, „ich habe da noch etwas.“<br>Ungerührt, ohne mit der Wimper zu zucken, betätigte Nocks einen Knopf auf dem Padd. <br>So recht wusste Bruce Land nicht, womit er gerechnet hatte; ganz bestimmt jedoch nicht damit, dass nichts geschah. Erst im Anschluss wurde ihm klar, dass er die Luft angehalten hatte.<br>„Was war das gewesen?“ fragte Xander Ulich.<br>„Mit diesem Tastendruck habe ich eine Bombe ausgelöst, die ich in Yaris´ Büro deponiert hatte. Somit habe ich meinen Auftrag auf Bentar IV erledigt; ergo ist ihrer gescheitert. Nur so nebenbei.“<br>Die Kaltblütigkeit und Gleichgültigkeit dieser Aussage widerte den Sternenflottenoffizier an.<br><br>Ein gewaltiges Donnergrollen war zu hören, dass weit über die Stadtgrenzen der Hauptstadt zu vernehmen war. So gut wie alle Passanten auf den Straßen wirbelten herum und versuchten die Geräuschquelle ausfindig zu machen. Auch John Lewinski und Danny Bird, die durch die Straßen eilten, blickten sich um und bemerkten eine gewaltige Rauchsäule, die aufstieg. Alarmsirenen heulten los, manche Menschen schrieen panisch oder starten apathisch gen Horizont.<br>„Das kam von unserem Viertel,“ murmelte Lieutenant Bird entsetzt und beobachtete, wie einige Rettungskräfte mittels Shuttles zur Unglücksstelle flogen.<br>„Ja, es muss das Hotel von Thomas Yaris gewesen sein,“ bestätigte der Captain ihn. „Er muss eine Bombe ausgelöst haben.“<br>Angesichts des Wissens, dass sie nicht in der Lage waren einen Menschen beschützt zu haben, blickte Danny Bird betreten zu Boden. Yaris war ein krimineller gewesen, doch man hätte ihn vor Gericht stellen müssen. <br>Nicht immer jedoch musste diese Mission von schlechten Nachrichten überschattet werden. <br>Der Tricorder von Captain Lewinski piepte aufgeregt und machte John deutlich, dass das Gerät seine Suche abgeschlossen hatte.<br>„Endlich, wir haben ein Signal!“ erklärte der Kommandant aufgeregt. „Auf geht’s, wir dürfen keine Zeit verlieren!“<br><br>Nocks war zwar ein sensationeller Kopf, ein Genie auf seinem Spezialgebiet des Tötens und kannte eine Menge Tricks. Jedoch war er nicht mit geheimen Forschungsprojekten und Prototypen vertraut. Eines jener Geräte war ein Mikrosender, den man vor Beginn der Mission Bruce Land direkt ins Hirn implantiert hatte. Versteckt in einer Nische, die man unmöglich per Scannern entdecken konnte, war in einer riskanten und durchaus schmerzhaften Operation ein kleiner Sender implantiert worden, direkt mit dem Padd von Captain Lewinski verbunden war. Nun, in Gefangenschaft dieses Mannes, wusste Commander Land, dass diese kleine Unannehmlichkeit die Schmerzen wert gewesen waren. Wie sonst hätte Captain Lewinski ihn finden können?<br>„Sie haben Yaris getötet,“ röchelte Bruce Land gespielt, „mein Auftraggeber wird enttäuscht sein. Ich habe noch nie versagt.“<br>„Es gibt immer ein erstes Mal,“ versicherte Nocks fast schon väterlich.<br>„Sind sie schon einmal gescheitert?“<br>„Nein, noch nie,“ entgegnete der Denobulaner und schaffte es, bei diesen Worten weder selbstsicher noch überheblich zu wirken. Er schilderte einfach die Fakten, mehr nicht.<br>„Und nun? Was werden sie mit mir anstellen?“<br>„Verehrter Mr. Ulich, niemand stellt sich mir in den Weg. Vielleicht wäre eine friedliche Koexistenz von uns beiden möglich gewesen, aber ein Gegeneinander, welches sie gestartet haben, kann nur auf eine Art und Weise enden.“<br>Und im Anschluss an diese Worte holte Nocks eine Waffe hervor und richtete sie auf seinen Gefangenen. Der Engländer musste sich alle Mühe geben, um nicht nervös zu schlucken. Wenn nun nichts geschah, dann wäre dies sein Ende. Die Sekunden schienen sich endlos zu dehnen, als er auf das unvermeidliche Ende wartete. Dies hatte er nun von seinem Engagement beim Geheimdienst gehabt. Ein aufregendes, aber kurzes Leben. <br>Plötzlich geschah alles ganz schnell. Ein Alarm wurde ausgelöst, auf einem Sendegerät, welches sich an Nocks Jacke befand. Er brauchte nur Momente, um zu verstehen, dass jemand in seine vorbereitete Sensorenfalle getappt war. Verärgert angesichts dieser Unannehmlichkeit blickte der Killer zu dem Mann, welchen er für Xander Ulich hielt, trat zum ersten Mal vollständig ins Licht und hob abermals seinen Phaser, um dem ganzen ein Ende zu machen. Unmittelbar im Anschluss fiel er in sich zusammen. Eine schmerzhafte Wunde klaffte an seinem rechten Arm, aus der Blut tropfte. Überrascht, ja geradezu irritiert angesichts dieser unerwarteten Situation, röchelte Nocks und wollte sich aufrichten. Dann jedoch flog die Tür auf und Danny Bird rannte in den kleinen Raum, drückte einen Fuss auf die Brust des Angeschossenen und kickte mit dem anderen die Waffe unerreichbar in eine Ecke des Raums. Dankbar und glücklich blickte der erste Offizier der Voyager erst zu dem jungen Sicherheitsoffizier, dann zu seinem zweiten Lebensretter, der durch die lichtdurchflutete Tür trat: Captain John Lewinski mit einem TR-116 Gewehr in den Händen. Eine experimentelle Waffe, die ein Projektil abfeuerte, welches durch einen Mini-Transporter zu seinem Opfer teleportiert wurde. Die einzige Waffe, mit der man sich Nocks hatte nähern können. Dieselbe Art von Waffe, die Xander Ulich ebenfalls benutzt hätte. <br><br><i>Bruce Land öffnete ruckartig die Augen und erkannte, dass er sich auf der Krankenstation befand. Sein Kopf dröhnte höllisch, doch er versuchte diese Schmerzen zu ignorieren, als er sich aufrichtete und in das Gesicht von seinem besten Freund John Lewinski blickte, der ihn anlächelte. Lewinskis Bein war gerade behandelt worden und fühlte sich wie neu an. <br>„Hallo, wie geht’s dir?“ fragte ihn der Kommandant lächelnd, während Dr. Frasier mit dem Tricorder einen Scan des ehemaligen Navigators der Monitor durchführte. <br>„Er beginnt sich wieder zu erinnern“, erklärte Frasier und wirkte ebenfalls erleichtert.<br>„Was ist hier denn los?“ fragte Land verwirrt.<br>„Kannst du dich daran erinnern, was die letzten Tage hier geschehen ist?“ fragte Lewinski vorsichtig.<br>„Erinnern? Ja, aber irgendwie... es scheinen die Erinnerungen eines anderen Menschen zu sein. Ich fühle mich wie ein Trill. Was ist hier los?“<br>John begann zu erklären:<br>„Du hast dich freiwillig für einen riskanten Undercover-Einsatz gemeldet. Seit Jahrzehnten versucht die Föderation schon Nocks, den wohl besten Profikiller der Galaxis zu fassen, doch bisher war er niemals aufzufinden. Command hatte also die Idee, dass man die Szene infiltrieren sollte. Ein junger, aufstrebender Konkurrent würde irgendwann die Aufmerksamkeit Nocks´ auf sich ziehen und ihn aus der Reserve locken.“<br>„Und was habe ich damit zu tun?“<br>„Wie gesagt, du hast dich freiwillig gemeldet. Dir wurde eine komplett neue Identität gegeben, mit entsprechen Hintergrund und Lebenslauf, der Stückchenweise in den Nachrichtenäther des Quadranten freigesetzt worden ist. Als finales Sahnehäubchen hat man deine eigene Identität unterdrückt und dir wirklich Xander Ulich eingepflanzt.“<br>„Ich erinnere mich an die Morde... das Geld... das war alles nicht real?“ fragte Land schockiert nach.<br>„Nein. Es waren alles nur implantierte Erinnerungen. Nocks sollte absolut keinerlei Hinweise erhalten, die ihm glauben machen könnten, dass du ein Agent bist.“<br>„Und dazu habe ich mich freiwillig entschieden?“<br>„Ja.“<br>„Werden diese schrecklichen Erinnerungen von den Morden...“<br>„Es ist nicht real gewesen, Bruce“, beschwichtigte John ihn.<br>„Aber sie fühlen sich so an! Werden sie jemals verschwinden?“<br>Kurz blickten sich Lewinski und Frasier geradezu traurig an.<br>„Nein, sie werden immer ein Teil von dir bleiben. Doch du warst einverstanden. In wenigen Tagen wirst du dich wieder vollkommen an dein altes Selbst erinnern können. Bis dahin solltest du Bettruhe haben.“<br>Bruce Land seufzte. Dieses Ganze war dermaßen unglaublich, ihm fiel es schwer, es zu glauben. Was für ein Opfer hatte er da gebracht? Er hatte nun praktisch eine komplett neue, böse Persönlichkeit in sich, mit Erinnerungen an Dinge, die niemals geschehen waren.<br>„Wie lange war ich denn weg?“ fragte er.<br>„Über einen Monat“, antwortete der Captain. „Die Monitor war eingeladen worden, um die Scharade mit einigen Aktionen glaubwürdiger zu machen. Wenn sogar die Föderation auf Xander Ulich zurückgriff, so musste Nocks merken, wie aufstrebend der neue Konkurrent ist.“<br>„Hat es denn was gebracht?“ <br>„Oh sicher. Wir haben einige wertvolle Infos über die Szene erhalten. Ich denke, man wird dich auszeichnen, Bruce. Dank deiner Daten können wir bald einige gute Festnahmen machen.<br>„Aha.“<br>Sie schwiegen. Bruce würde noch einige Zeit brauchen, um all diese Informationen zu verdauen. Sein Freund verstand dies und wollte die Krankenstation verlassen.<br>„John?“<br>„Ja?“ entgegnete Lewinski und blieb noch einmal in der Tür stehen.<br>„Es tut mir Leid!“<br>„Das muss es nicht“, meinte Lewinski und lächelte schief. „Immerhin warst es nicht du gewesen.“</i><br><br>Es glich einer Wiederholung der Geschichte. Auch dieses Mal, zwei Jahre später, traf Captain John Lewinski in der Krankenstation seines Schiffes ein, um seinen guten Freund zu besuchen. Bruce Land, der von der Mission reichlich mitgenommen aussah, hockte auf dem medizinischen Behandlungstisch und beobachtete Dr. Frasier, die seine Ergebnisse auswertete. Die Ärztin bemerkte, wie der Kommandant ihr Reich betrat und lächelte.<br>„Dem Commander fehlt nichts,“ meinte sie glücklich. „Und der Sender in seinem Hirn macht auch keine Probleme. Die befürchteten Nebenwirkungen sind nicht eingetreten. Nach meinem Dafürhalten ist er vollends gesund.“<br>„Freut mich dies zu hören,“ entgegnete der Captain und wandte sich seinem Freund zu. „Doktor, würden sie uns kurz entschuldigen?“<br>Elisabeth nickte und zog sich in den hinteren Teil der Krankenstation zurück. Die beiden Männer brauchten noch etwas Zeit zum reden, dies respektierte sie vollends. Wie lange hatten sich vor dieser Mission die beiden Freunde nicht mehr gesehen? Über ein halbes Jahr, soviel stand fest.<br>„Ich habe ein Deja vué,“ kommentierte Bruce Land trocken und spielte damit auf die vergleichbare Situation vor gut zwei Jahren an.<br>„Da bist du nicht der einzige. Doch damals befanden wir uns erst am Anfang, nun ist das Ziel erreicht worden.“<br>„Ja,“ raunte der Navigator. „Nocks befindet sich endlich in Föderationshaft.“<br>„Mehr als das. Wir kennen nun seine Identität, sein Aussehen und noch vieles mehr. Ohne dich hätten wir dies nie erreicht.“<br>Die Worte von John Lewinski waren ernst gemeint und dafür war Bruce mehr als dankbar. Wer weiß, wie diese Mission ausgegangen wäre, wenn nicht seine Freunde von der Monitor da gewesen und auf ihn aufgepasst hätten? Der Engländer bezweifelte, dass dann die ganze Sache noch so glimpflich ausgegangen wäre. Die Crew der Monitor bestand ausnahmslos aus Profis. <br>„Und nun?“ fragte Bruce und meinte damit die gesamte Situation.<br>„Wir befinden uns auf den Weg zu einem Hochsicherheitsgefängnis, wo wir Nocks abliefern werden. Dich setzen wir an einem Transitpunkt ab, von wo aus du zurück zur Erde fliegen kannst. Es tut mir leid, dass ich dich nicht selbst nach Hause bringen kann.“<br>„Ist schon gut. Ich bin nur froh, dass es vorbei ist.“<br>Mehr gab es angesichts des Geschehenen nicht zu sagen. Die beiden Freunde schwiegen, wie es alte Bekannte manchmal taten, um so ihr geheimes Einverständnis zu symbolisieren. Dann reichte John seinem ehemaligen ersten Offizier die Hand.<br>„Ich hoffe wir sehen uns wieder!“ meinte der Kommandant.<br>„Klar! Schau einfach mal bei mir zu Hause vorbei, wenn du Zeit hast. Andernfalls werde ich dich einmal von Toronto aus auf die Voyager entführen, um bei einer unserer Missionen zu helfen.“<br>„Ich nehme dich beim Wort,“ entgegnete John und beide Männer lachten.<br><br>Auch dieses Mal war ein kleiner Raum der Ort der Handlung, nur die Seiten hatten gewechselt. Nocks, der bekannte Profikiller, war in der kleinen Arrestzelle der Monitor eingesperrt worden und befand sich nun hinter einem sicheren Kraftfeld. Vor dem Feld, mit vor der Brust verschränkten Armen, befand sich Captain John Lewinski und betrachtete ihren Gefangenen. So viele Mühen, so viele Anstrengungen waren unternommen worden, um diesen Mann zu fassen und nun war es endlich soweit. Seine Identität war bekannt, seine Personaldaten in den Computer eingegeben und derzeit befand sich die Monitor auf den Weg zu einem Hochsicherheitsgefängnis, wo man Nocks bis zur Dauer seines Prozesses festhalten würde.<br>Bruce Land war nicht anwesend, obwohl er die Wahl dazu gehabt hatte. Doch er wollte nicht dem Denobulaner gegenübertreten. Auch wenn er dies nicht explizit gesagt hatte, so war klar, dass er Angst vor diesem Mann hatte. Nicht zu unrecht, denn er trachtete ihm nach dem Leben. Derzeit wusste Nocks nichts von der wahren Identität des Commanders und so sollte es bleiben. Es war besser, wenn Nocks weiterhin an Xander Ulich glaubte.<br>„Sie denken, ich sei böse, nicht wahr?“ fragte Nocks frei heraus. Es waren seine ersten Worte, seitdem John Lewinski den Arrestbereich betreten und noch einmal die Anklage verlesen hatte.<br>„Sie töteten Menschen… sie mordeten. In meinen Augen macht sie dies zu einem bösen Menschen,“ entgegnete John Lewinski ungerührt, „zu einem Kriminellen.“<br>Angesichts dieser Worte seufzte Nocks traurig.<br>„Ihr Föderationsleute macht euch das immer so einfach. Dauernd versucht ihr in Gut und Böse zu kategorisieren, schwarz und weiß. Doch so einfach gestrickt ist die Welt nicht.“<br>„Doch, manchmal ist die Welt so simpel gestrickt,“ entgegnete Lewinski kühl und imitierte dabei den Tonfall seines Gegenübers. „Sie sind böse und ganz ehrlich war es mir ein Vergnügen sie zu fangen.“<br>„Wenn ich böse bin, dann sind sie es auch.“<br>„Wie kommen sie denn darauf?“<br>„Wir dienen dem selben Herrn,“ erklärte Nocks und schockte damit den Captain. Auch wenn er sich alle Mühe gab dies zu verhindern, John war es nicht möglich seine Überraschung zu verbergen. Diese Reaktion war wohl wie ein Gewinn für den Profikiller, denn Nocks lächelte.<br>„Erklären sie das genauer!“ forderte Captain Lewinski den Gefangenen auf. Irgendwie hatte er das beunruhigende Gefühl, dass sich die ganze Angelegenheit nun in eine andere Richtung drehte.<br>„Sie arbeiten für die Föderation,“ erklärte der Denobulaner in einem unnatürlich ruhigen Ton, „dies tue ich auch.“<br>Erbost erhob sich der Kanadier und stemmte seine Arme auf dem Tisch ab.<br>„Wie können sie behaupten für die Föderation zu arbeiten? Denken sie etwa, mit ihren Morden und Taten würden sie den Bürgerinnern und Bürgern unseres Staates einen Dienst erweisen?“<br>„Ich denke dies nicht einfach nur,“ waren die kalten Worte des Gefangenen, „es ist auch so. Andernfalls würde mich der Staat, welcher auch der meinige ist, nicht engagieren.“<br>„Wie zum Teufel kommen sie darauf, dass die Föderation sie engagiert.“<br>„Weil es so ist. Ich habe alles gespeichert. Aufträge, Kontakte, Bezahlungen. Die Föderation hat mehr als einmal für meine Dienste bezahlt. Mehr noch, der Geheimdienst hat mich dauerhaft rekrutiert.“<br>„Der Geheimdienst?“ stammelte John, der nun zusehends die Fassung verlor. Was meinte dieser Kriminelle damit? Versuchte er die Wahrheit zu verdrehen, von sich selbst abzulenken und den Kommandanten zu verwirren? Er durfte nicht auf diese Spielchen eingehen.<br>„Erinnern sie sich denn noch an einen Mann namens Bill?“<br>Diesen Namen hatte John schon lange nicht mehr gehört. Dennoch erschien sofort ein Bild dieser Person vor seinem geistigen Auge. Ein kleiner, leicht untersetzter Mann mit Glatze und einem fast schon schmierigen Lächeln. Jemand, der sich als guter Freund und Gönner ausgegeben hat, dennoch nur eines im Sinn hatte: so viele Agenten wie möglich für die Zombie-Abteilung zu rekrutieren.<br>„Sie wollen mir doch nicht erzählen,“ fasste Captain Lewinski das eben gehörte zusammen, „dass sie für die Zombie-Abteilung gearbeitet haben.“<br>„Nein, ich sage ihnen, dass ich immer noch für diese Abteilung arbeite. Daher sind auch sie kein Unbekannter für mich. Ihr kurzes Jahr als freier Agent war mehr als interessant.“<br>Erwartungsvoll blickte der Denobulaner den Sternenflottencaptain an und wartete auf eine Reaktion. Urplötzlich hatte sich die Dynamik des Gesprächs verändert. Noch vor wenigen Minuten war es John gewesen, der den Gesprächsverlauf vorgegeben hatte. Nun hatte Nocks das ganze gedreht und ihn mit dieser Aussage schockiert.<br>„Ich glaube ihnen nicht,“ meinte Lewinski schließlich.<br>„Sie denken also ich sage die Unwahrheit?“<br>„Ich sage sie lügen.“<br>„Wenn dem so wäre,“ erklärte der Killer und zählte bedächtig seine Argumente auf, „wie wüsste ich dann von der Zombie-Abteilung? Im Gegensatz zu Sektion 31 konnte sie ihr Geheimnis wahren. Wie wüsste ich von Bill und davon, dass Commander Price ihn vor drei Jahren bei einem Raumkampf getötet hatte? Immerhin existieren über diesen Menschen keine Akten oder sonstige Vermerke. Für die Föderationsgeschichte hat er niemals existiert. Und was denken sie, wie ich die Monitor kampfunfähig habe machen können? Jemand musste mir die Koordinaten ihres getarnten Schiffes geben und die Computercodes, damit ich ihre Sensoren ausschalten konnte. Später wird ihr erster Offizier, der liebenswerte Commander Price, zu ihnen kommen und sagen, dass mittels eines exakt ausgerichteten Peilstrahls ein Computervirus in die Datenbanken der Monitor übertragen wurde. Was denken sie, wie ich das alles geschafft haben soll? Diese Informationen konnte ich mir nur innerhalb der Föderation holen. Sehen sie es ein, Captain: wir beide stehen auf der selben Seite. Sie kämpfen für die Föderation; ich tue dasselbe. Ich jedoch erledige die Missionen, über die keiner spricht und von denen man nichts wissen darf. Genau wie sie vor drei Jahren, als sie für Bill gearbeitet haben.“<br>In Johns Kopf raste es. Alles, was er bisher geglaubt hatte, war auf den Kopf gestellt worden. Alles in ihm sträubte sich dagegen die Worte seines Gegenübers zu glauben. Er wollte nicht akzeptieren, dass eine Splitterfraktion des Geheimdienstes einen Killer für schmutzige Missionen rekrutierte. Doch war dies nicht im Bereich des Möglichen? Er selbst war einmal ausgeschickt worden, um einen Mord zu begehen. Konnte die Zombie-Abteilung da mit drinstecken?<br>Langsam drehte sich der Kommandant in Richtung Ausgang, machte Anstalten die Zelle zu verlassen. Doch Nocks wollte ihn nicht gehen lassen, sprach ihn noch auf einen weiteren Punkt an:<br>„Captain, es verwundert mich etwas, dass sie so sehr an die scharfe Trennung von Gut und Böse glauben. Dabei muss doch ihre eigene Familie das beste Beispiel für die Graustufen des Lebens sein...“<br>Zornig wirbelte John herum und durchbohrte den Häftling mit seinem Blick.<br>„Was soll das heißen, Nocks?“ fragte er mit bebender Stimme. „Spielen sie keine Spielchen mit mir!“<br>„Mit ihnen spiele ich nicht, keine Sorge. Es ist mir nur eine große Freude, endlich auch mal den anderen Lewinski kennenzulernen. Den Mann, der noch an das geordnete Universum glaubt.“<br>Und noch bevor Nocks weitergesprochen hatte, wusste John, worum es ging.<br>„Meinen sie meinen Bruder?“ fragte er entsetzt. „Sprechen sie von Martin?“<br>„Sie wissen ja schon, dass er mit Waffen handelt?“<br>„Ja, er hat Probleme.“<br>„Vielleicht unterschätzen sie ihren eigenen Bruder, Captain Lewinski, aber das sollten sie nicht. Obwohl ich sie bis zu einem gewissen Grad verstehen kann. Es fällt leichter zu glauben, dass der Bruder nur ein kleiner Fisch ist. Dies ist er aber nicht.“<br>„Sondern?“ John fürchtete die nächste Antwort.<br>„Im Laufe der Jahre habe ich den Großteil meiner Waffen und Ausrüstung über Martin Lewinski erhalten. Ihr Bruder ist ein zuverlässiger Lieferant, pünktlich und von guter Qualität. Ich habe gerne mit ihm zusammengearbeitet. Er hatte sie öfters einmal erlebt. Seltsam, manchmal war mir so, als vermisste er sie.“<br>Die Worte brannten sich in das Hirn von John. Es wurde zuviel für ihn. Erst diese seltsame Enthüllung des Killers, nun die Erwähnung seines Bruders. Spielte der Denobulaner kleine, dreckige Spielchen mit ihm? Die Arrestzelle schien auf einmal immer kleiner zu werden. Lewinski musste hier heraus, Luft holen. Am Ende floh er von diesem Ort.<br><br>Commander Matthew Price hatte lange auf das Zeichen warten müssen. Fast schon dachte er, dass niemand im Büro anwesend war. Dann endlich bat ihn der Captain in seinen Bereitschaftsraum. Lewinski saß auf seinem Bürostuhl, starrte gedankenverloren vor sich hin und schien zu grübeln. Der erste Offizier legte ein Padd mit Aufzeichnungen vor seinen Kommandanten und erklärte:<br>„Wir haben die Ursache für die Sensorenstörungen gefunden. Mittels eines exakt ausgerichteten Peilstrahls ist ein Virus auf die Computersysteme der Monitor transportiert worden. Es hat zwar einige Zeit gedauert, aber Lieutenant Sanchez hat nun alle Fragmente des Störers eliminiert.“<br>Fast schon geschockt blickte John seinen Stellvertreter an. Es war genauso gekommen, wie es Nocks gesagt hatte. Ein Indiz dafür, dass er recht hatte.<br>„Was ist mit ihnen, Skipper?“ fragte der Halbbetazoid, der natürlich die Besorgnis spüren konnte. „Ist etwas geschehen?“<br>„Ja, einiges,“ murmelte Captain Lewinski. „Ich habe vor einigen Stunden ein mehr als interessantes Gespräch mit unserem Gefangenen geführt und den Inhalt natürlich an das Geheimdienstoberkommando gesendet. Admiral LaToya teilte mir mit, dass die übermittelten Erkenntnisse mehr als beunruhigend sind und daher als streng geheim klassifiziert wurden. Eine Untersuchung werde eingeleitet. Werde...“<br>„Sie glauben nicht an eine solche?“<br>„Beschmutzt man sein eigenes Nest?“ entgegnete Lewinski. „Nocks arbeitete für die Zombie-Abteilung, eine halblegale Splittergruppe des Geheimdienstes, welche sich schon vor Jahrzehnten abgekapselt hat und nun eigene Wege geht. Ohne Rechenschaft abzulegen, ohne Kontrollinstanzen.“<br>Auch Price erinnerte sich an diese Organisation, mit der sie es kurz zu tun gehabt hatten.<br>„Klingt für mich sehr nach Sektion 31.“<br>„Zumindest sind sie auf dem besten Weg dahin. Hier, ich möchte ihnen etwas zeigen.“ <br>Ohne richtig hinzusehen hob Captain Lewinski ein kleines Padd von seinem Schreibtisch und reichte es seinem ersten Offizier. Matt schaute sich den Inhalt dieses Schreibens, welches vom Oberkommando kam, an und runzelte die Stirn. <br>„Man hat ihnen die Erlaubnis erteilt ihren eigenen Bruder zu verfolgen?“ fragte Matt, so als befürchtete er das Schreiben nicht richtig verstanden zu haben.<br>„Ja, Martin ist nicht so ein kleiner Fisch, wie ich es gerne gewollt hätte,“ erklärte John mit einer Mischung aus Trauer und Zorn. Was nur ihr Vater dazu sagen würde, wenn er wüsste, dass der ältere Bruder nun den jüngeren jagen würde. „Erinnern sie sich an das versuchte Attentat auf den Minister zu Beginn des letzten Jahres, das wir knapp vereitelt haben. Die Waffen dazu lieferte ebenso Martin.“<br>Angesichts dieser Worte schwieg Price. Was sonst hätte Price auch sagen sollen.<br>„Mein Bruder ist eine Gefahr für die Sicherheit der Föderation und es ist niemand besser dazu geeignet ihn einzusperren als ich.“<br>Die Worte des Captains klangen fest und selbstsicher. Doch in seinem Inneren hatte er Angst seine eigene Familie zu zerstören. In den heutigen Zeiten verschwammen die Grenzen zwischen Gut und Böse.<br><br><center>Ende<br><br>GUT ODER BÖSE?<br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR<br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center>]]></description><guid isPermaLink="false">5425</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 6x10: Die Summe aller &#xC4;ngste, Teil 2</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-6x10-die-summe-aller-%C3%A4ngste-teil-2-r5351/</link><description><![CDATA[<center><a href="http://downloads.scifinews.de/file_33868.html"><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x10.jpg" border="0"></a><br></center><br><br>„Wo sind wir?“, fragte Lewinski. Er stand McMor in einem kleinen Waldstück und beobachtete mit ihm ein kleines Haus, das dort friedlich ruhte. Er konnte sich des Gedanken nicht verwehren, dass ihm das Haus gefiel.<br>„Wir befinden uns auf Merkon II“, antwortete McMor.<br>„Merkon II? Sagt mir gar nichts.“<br>„Kann es auch nicht. Die Kolonie wird von dir aus gesehen auch erst in zwei Jahren gegründet. Hier, sieh mal.“ Er reichte Lewinski eine Art Fernglas. Dieser nahm es entgegen und sah damit auf das Haus. Doch mit diesem Instrument konnte er mehr als nur das Haus an sich heranzuzoomen. Er konnte durch die Wände sehen und sah... sich.<br>„Das ist mein Haus?“<br>„Ja. Und nach unseren Angaben müsstest du jetzt verschwinden.“<br>Lewinski sah verwirrt zu McMor. Er wusste zwar nicht, was diese Worte genau bedeuteten, doch er sah wieder zu sich. Es war richtig komisch sich selbst zu beobachten. Im Grunde war es für ihn nichts ungewöhnliches mehr. Denn er war schon einmal sich selbst gegenübergestanden. Jedoch war jener Lewinski nur ein Klon gewesen. Angefertigt von Sektion 31.<br>Er dachte gerade über all diese Punkte nach, als Lewinski verschwand. Erschrocken zoomte er durch das ganze Haus, doch von sich war keine Spur zu finden.<br>„Er ist weg“, stellte er fest.<br>McMor nickte. „Wie berechnet.“ Er sah auf eine Art Tricorder, den er in den Händen hielt. „Ich kann keine Anzeichen dafür erkennen, wer es gewesen sein könnte.“<br>„Und was jetzt?“<br>„Wir gehen rein. Vielleicht erfahren wir dort mehr.“<br>Beide erhoben sich von ihrem Versteck und traten in das Haus ein. Lewinski fühlte sich in ihm sofort heimisch. Kein Wunder, schließlich war es auch sein, präziser, es würde seins sein. Überall entdeckte er vertraute Dinge aus seinem Leben.<br>McMor interessiert sich nicht dafür. Er umrundete seine Stelle im Wohnzimmer und scannte diese mit seinem Tricorder. Doch auch hier musste er den Kopf schütteln. „Nichts. Wer immer es war ist gut im Spuren verwischen.“<br>„Aber es gibt eine Spur, die wir finden können“, sagte Lewinski, als er vor dem großen Bücherregal stand, das randvoll war mit alten Büchern.<br>„Nur wo, wir können uns schlecht jedes einzelne Buch durchsehen, das hier steht.“<br>„Nein, das können wir nicht“, bestätigte Lewinski. Doch der war schon mit seinen Gedanken ganz wo anders. Er sah sich jeden Buchrücken einzeln an.<br>McMor seufzte. „Ich mach mir solang was zu essen. Du hast doch nichts dagegen?“, fragte er.<br>„Nein, bedien dich ruhig“, erlaubte Lewinski, ohne sich aus seiner Konzentration bringen zu lassen.<br>Zwei Wurstbrote späte und am Boden des Regals angelangt stand McMor wider neben Lewinski. Frustriert kniete der auf dem eleganten Parkett und sah sich das letzte Buch lange an. Nicht etwa, weil es eine Spur war, sondern weil es nachdachte.<br>Da fiel ihm etwas auf. Etwas stimmte nicht. Er sah einen kleinen Kratzer im Parkett. Sein Hirn raste und kombiniert sofort. Dieser Kratzer konnte nur zustanden gekommen sein, wenn das Regal hin und her geschoben wurde. Sofort stand er auf und schob das Regal einige Zentimeter vor. Wozu er seine gesamte Kraft aufbringen musste. Denn das ganze Papier brachte mit Sicherheit einiges an gewicht auf die Waage. Schließlich sah er den Lohn seiner Mühen.<br>Auf dem Boden unter dem Regal lag ein kleines Buch. Lewinski nahm es an sich. Es bestand nur aus leeren weißen Seiten. Sooft er darin blätterte, sooft stellte es ein Mysterium da.<br>„Es ist eine neue Erfindung. Leg deine Hand drauf und sag deinen Namen“, wies ihn McMor auf die Lösung hin.<br>Ohne zu Zögern tat Lewinski wie geheißen. Er legte seine Hand auf das Deckblatt und sagte: „John Lewinski.“ Im selben Moment nahmen die Seiten Gestalt an und offenbarten ihr Geheimnis. Auf dem Umschlag stand geschrieben: „SFI Bericht über klingonische Raumbasen“. Lewinski blätterte darin. Und nach nur wenigen Seiten sah Lewinski das Bild einer alten verlassenen Station der Klingonen.<br>„Das ist es“, murmelte er. „Dort ist er.“ Er zeigte McMor das Bild.<br>„Eine alte Station. Seit dem Dominion Krieg treibt Sie in herrenlosen Raum. Es sind keine genauen Koordinaten angegeben“, erkannte McMor. „Und du bist dir sicher, dass es diese Station ist?“<br>„Ja. Das bin ich.“<br>„Dann lass uns gehen. Wir müssen rauskriegen, wo die Station jetzt rumdriftet.“ Voller Tatendrang verließen beide Männer das Haus. Ohne darauf zu achten, was sie alles in ihm verändert hatten. <br>Doch das würde bald nichts mehr ausmachen, dachte sich McMor und wähnte sich schon einen Schritt näher an seinem Triumph.<br><br>Ardev und Price saßen müde in der Kanzel des Flyers „Picard“ und brüteten über den Daten, die sie hatten. Was  nicht gerade eine kleine Menge war.<br>Price behalf sich mit einigen Tassen rigelanischem Kaffe um die Unmenge an Daten aufzunehmen. Immer wieder sah er auch aus dem Fenster und blickte auf Merkon II. Sie hatten sich dafür entschieden den Orbit erst zu verlassen, wenn Sie ein klares Ziel hatten. Doch dieses war noch lange nicht gegeben.<br>Ein Hupen riss Price aus seiner „Lektüre“. Price wandte sich an die Kontrollen und las den Text, der sie soeben erreicht hatte. Geschockt wandte er sich um und sah zu seinem Kollegen. „Ardev, wir haben etwas.“<br>Doch Ardev reagierte nicht. Er lag in seinem Stuhl mit geschlossenen Augen.<br>„Ardev!“, schrie Price erneut und darauf reagierte der Andorianer.<br>Verwirrt sah dieser zu ihm. „Entschuldige, ich muss kurz weggenickt sein.“<br>Price lächelte. „Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Lass mich raten, das ist normal, wenn Andorianer Älter werden.“<br>„Woher weißt du das?“, fragte Ardev erstaunt.<br>„Wir haben eine Nachricht empfangen. Es gab einen neuen Anschlag.“<br>Dies hatte Ardevs volle Aufmerksamkeit. Sofort rappelte er sich auf und ging zu Price Station. Er sah ihm über die Schulter auf die Konsole.<br>„Deneb. Über eine dreiviertel Millionen Tote in der Hauptstadt Farpoint“, las Price vor. Beiden war der Schock deutlich anzusehen. „Die ersten Scans und Daten kommen auch gerade an.“<br>Price und Ardev überflogen die ersten Analysen. Wieder offenbarte sich Ihnen eine Unmenge an Zahlen und Diagrammen.<br>„Seltsam“, staunte Price.<br>„Was ist los?“, fragte Ardev. Doch Price antwortete nicht. Er ließ sich eine Anzeige detaillierter darstellen.  Dann sah er zu seinem Kollegen. „Was ist das?“, fragte er.<br>Ardev setzte seine Lesebrille auf und sah auf das Diagramm. „Wenn mich mein Fachwissen nicht im Stich lässt ist das nur ein Hintergrundrauschen im Theta Band. Völlig normal.“<br>„Und das hier?“, fragte Price, nachdem er ein zweites Diagramm direkt neben das Erste gelegt hatte. Es waren beides Mal die selben Kurven.<br>„Seltsam“, staunte Ardev.<br>„Also Captain, was sagt ihr Fachwissen dazu? Woher kommen solche Verschiebungen im Theta Band?“<br>„Verschiedene Möglichkeiten sind denkbar. Es gibt mehrere natürlich Phänomene die dies auslösen können...“, dachte Ardev laut.<br>„Doch die beiden Planeten liegen Hunderte Lichtjahre auseinander. Also fallen natürliche Phänomene weg.“<br>Ardev nickte. „Stimmt. Also muss es künstlich sein.“<br>„Ardev, wir sollten nicht um den heißen Brei reden. Das ist die Tarnfrequenz der Monitor. Und das wissen wir beide. Nur die Tarnung Monitor hat eine Verschiebung im Theta Band. Das ist eine Auswirkung von romulanischer und Föderationstechnik, sowie der Bauweise der Monitor als Geheimdienstschiff gewesen.“<br>„Aber die Monitor wurde demontiert. Ich war dabei, als die Einzelteile herausgerissen und in andere Schiffe integriert wurden. Die Monitor als solches gibt es nicht mehr... Und auch eine rekonstruierte Monitor bekommt keine solche Verschiebung mehr hin. Die Tarnvorrichtung wurde unter Aufsicht des romulanischen Botschafters zerstört.“<br>Price wusste nicht weshalb, aber im kam ein verrückter Gedanke in den Sinn. Er musste selbst lachen, denn der Gedanke klang zu verwegen. „Was, wenn die Monitor gar nicht demontiert wurde?“<br>„Sie wurde verschrottet Matt, einhundertprozentig“, konterte Ardev.<br>„Wenn Sie wirklich verschrottet wurde, dann belügen uns zwei Diagramme, zwei unabhängige Analysen.“<br>Ardev setzte sich auf die kleinen Treppenstufen. „Aber die Anzeigen Lügen nicht. Was bedeutet das?“<br>„Es muss eine Kopie der Monitor geben. Eine Eins zu Eins Kopie.“<br>„Aber es gibt keine...“ Ardev stockte in seinem energischen Vortrag, als er Price Gesichtsaudruck sah. Und in diesem Moment fiel es ihm wie schuppen von den Augen. „Oh mein Gott, es gibt eine Kopie.“<br>„Wo ist diese Monitor?“<br>„Wie konnte ich das nur vergessen?“, raunte Ardev und nahm einige tiefe Atemzüge. „Wir haben ja auch nie wieder darüber gesprochen.“<br>„Ardev, wo ist diese Monitor? Wo hat man sie hingebracht?“, drängte Price.<br>Entgeistert sah Ardev zu seinem Freund und Kollegen. „Soweit ich weiß... war es eine geheime Werft auf Utopia Planitia. Man untersuchte da Wrack genau auf die Schäden und...“<br>„Hat man sie wieder restauriert?“<br>„Ja ich denke“, gestand Ardev ein.<br>„Dann loggen wir uns in die Datenbanken von Utopia Planitia ein.“ Gesagt, getan rasten Price Hände über die Kontrollen. In Null Komma Nichts hatte er eine Verbindung zum Rechner des Geheimdiensts hergestellt und griff auf die Rubrik Utopia Planitia zu. Mit dem Code, der ihm mitgegeben wurde, konnte er jede noch so geheime Datei entdecken. Und in der Tat fand sich dort auch eine über die Monitor.<br>„Ich hab’s“, jubelte er und überflog den Text. Nach wenigen Minuten sah er lächelnd zu Ardev. „Du wirst es nie erraten.“<br>„Was?“<br>„Man hat die Monitor gestohlen. Etwa zur selben Zeit, in der auch Lewinski verschwand.“<br>Ardev schüttelte den Kopf. „Ein Zufall jagt den nächsten.“<br>„Und in der Tat haben wir sogar eine Spur. Die Monitor hinterließ eine leichte Spur, die die Scanner der Mars auffingen, als das Schiff getarnt davon flog. Sie führt nach Helendril III.“<br>„Dann nichts wie hin“, folgerte Ardev und nur wenige Sekunden später war die „Picard“ unterwegs. Wie ein Blitz jagte sie die Monitor. In der Hoffnung, dass es nicht schon zu spät war.<br><br>Danny Bird setzte sich nur mit einem Glas Wasser bewaffnet an den Tisch, den er sich immer aussuchte. Er litt zurzeit an Appetitlosigkeit. Und das Essen hier regte ein mehr an Appetit auch nicht an.<br>Neben ihm am Tisch saß schon ein junger Vulkanier. Nun, er war nach menschlichen Maßstäben jung, er könnte genauso gut schon älter wie Danny Bird sein. Auf jeden Fall saß der Vulkanier auch vor seinem Tablett ohne etwas von der Nahrung zu sich zu nehmen. Das Messer übte viel mehr Faszination auf ihn aus.<br>„Ihnen schmeckt das Essen wohl auch nicht?“, fragte Bird betont freundlich<br>„Die Klinge“, entgegnete der Vulkanier. „Sie ist nicht besonders scharf.“ Er nahm während dieser Worte kein Auge von dem Messer.<br>„Mein Name ist Ardev. Wie heißen Sie?“<br>„Es wird sehr schmerzhaft werden, wenn man sich damit verletzt.“<br>„Sie wollen sich doch nicht etwa verletzen?“, fragte Bird vorsichtig, wurde dann aber barsch von dem Bajoraner abgelenkt, der sich einfach neben ihn setzte.<br>„Und, haben Sie schon etwas neues?“, fragte dieser.<br>„Was meinen Sie? Kennen wir...“, entgegnete Bird, wurde jedoch sofort wieder unterbrochen.<br>„Pssst. So sprechen Sie doch leise“, forderte der Bajoraner.<br>Bird tat wie geheißen und nahm ebenfalls einen verschwörerischen Gesichtsausdruck an. „Kennen wir uns?“, flüsterte Bird.<br>„Natürlich Bird. Wir sprachen gestern über Lewinski.“<br>„Wir sprachen über den Captain? Und wieso nennen Sie mich Bird? Mein Name ist Ardev.“<br>Der Bajoraner rollte mit den Augen. „Oh mein Gott. Eine multiple Persönlichkeit“, stellte er fest und schlug die Hände über dem Kopf zusammen. „Wenn Sie Andorianer sind, wieso ist ihre Haut dann nicht blau?“, fragte er herausfordernd.<br>Bird rümpfte die Nase. Schließlich hob er seine Hände uns sah sie sich genau an. „Sie sind doch... Oh mein Gott, was ist mit meinen Händen geschehen?“ Geschockt sah Bird seine Hände, wechselte jedoch im nächsten Moment schon wieder seine Gemütsstimmung.<br>„Entschuldigen Sie, ich versuche die anderen in diesem Körper zu kontrollieren, doch es gelingt nicht immer.“<br>„Was gibt’s neues Bird?“<br>„Phoenix hat einige unserer Sitzungen abgesagt. Er meint, dass ich nicht kooperativ sei.“<br>„Und stimmt das?“<br>„Natürlich nicht!“, entgegnete Bird wütend.<br>„Aber...?“<br>„Aber ich verfolge eben meine Ziele. Und ich bin noch nicht bereit mich ihm anzuvertrauen. Wenn ich es überhaupt tue.“<br>„Du solltest das aber. Er ist der einzige, der dich hier rausbringen kann.“<br>Bird hielt inne und dachte nach. Doch so richtig wollte ihm das nicht gelingen. Denn noch immer bestaunte der Vulkanier neben ihm sein Messer. Gefrustet drehte sich Bird um und nahm dem Vulkanier das Messer weg. Dabei entschuldigte er sich mit den Worten: „Das ist nur Reis, da braucht man kein Messer dazu.“ Der Vulkanier reagiert. Er schnappte sich seine Gabel und aß das Reisgericht.<br>„Wie schaffe ich es, dass er mich hier rausbringt.“<br>„Hm... Im Normalfall sollte es so sein, dass der Arzt nach einer Weile bemerkt, dass Si eine Person sind, die vollkommen frei von ihrer Traumata ist. Doch im Grunde ist es so: Die haben gar kein Interesse Sie richtig zu behandeln. Also versauern wir hier.“<br>„Das ist alles sehr verwirrend.“<br>„Ich habe noch nichts mit Phoenix zu tun gehabt. Sagen Sie mir: was fragt er so? An was ist er bei Ihnen interessiert?“<br>„An meinen frühesten Erinnerungen“, antwortete Bird.<br>„Und? Welche haben Sie?“<br>Bird schüttelte den Kopf. „Kein. Ich weiß nur, dass ich irgendwann hier erwachte. Die Zeit davor ist sehr verschwommen. Die Erinnerung daran ist sehr vage. Als gehören diese Erinnerungen nicht mir.“<br>„Sehr interessant. Ich denke deshalb wird Phoenix so interessiert an Ihnen ist.“<br>„Ich denke, ich werde mal sehen, wie weit ich bei Phoenix gehen kann. Ob er in der Tat in der Lage ist, mich hier rauszubringen“, ergänzte Bird und sah mit leerem Blick zu den Fenstern an der Decke.<br><br>Jeroen McMor und John Lewinski erschienen in einem sehr futuristisch anmutenden Raum. Das Wort, das wohl am ehesten darauf passte war wohl „Stellarkartografie“. Es befand sich nur eine Konsole in der Mitte des Raums. Bedeckt war der darauf von einer Kuppel. Eine Tür oder sonstiges war nicht zu erkennen.<br>McMor ließ sich von dem Raum nicht irritieren, ein sicheres Indiz darauf, dass er schon öfters hier war. Sogleich stellte er sich an die Konsole und gab einige Daten ein. Nur wenige Sekunden später erschienen Sterne über ihnen. Eine Stelle wurde näher herangezoomt und eine klingonische Raumstation erschien.<br>„Ja, das ist sie“, sagte Lewinski. „Sie sieht aus als hätte sie einiges... durchlitten“ Er hielt kurz inne, als ein greller Schmerz seinen Bauch durchfuhr. In der irrsinnigen Annahme, den Schmerz dadurch zu lindern, legte er seine hand auf seinen Bauch. Und in der Tat beruhigte sich der Schmerz wieder und klang recht schnell wieder ab. Ohne, dass McMor etwas davon merkte.<br>Der sah inzwischen wieder zu der Station, die einer schematischen Darstellung der Region gewichen war. Die Sterne befanden sich plötzlich um sie herum und sogar am Boden waren Sterne zu sehen. Sie befanden sich somit in einer interaktiven Weltallsimulation.<br>„Hier ist die letzte gemeldete Position der Station, nachdem das Dominion der Angriff auf die Station beendet hat.“ Er deutete auf eine markierte Stelle, einige Zentimeter neben Lewinski.<br>„Mir ist etwas eingefallen“, bekundete John.<br>„Was ist?“<br>„Aus welchem Jahrhundert kommst du noch mal?“<br>„Dem siebenundzwanzigsten“, antwortete McMor.<br>„Wenn du aus der Zukunft kommst, dann muss doch alles, was wir tun, schon Geschichte sein. Wieso weißt du dann nicht, wo die Station ist? Anders gefragt: weißt du, wie das hier ausgeht?“<br>McMor sah ihn einfach nur an. Er wusste nicht, was er sagen sollte.<br>„Jeroen, ich weiß nicht, was ich denken soll.“<br>„Wir haben eine Aufgabe und ich weiß auch nicht mehr, als man mir sagt.“<br>„Du lügst“, erwiderte Lewinski ruhig.<br>„Nein. Naja, zum Teil. Ich wüsste, wie es ausgeht, wenn es keine Einmischung von einer dritten Partei gebe, was in diesem Fall vorliegt. Im Grunde dürfen wir nicht die Geschehnisse einer Zeitperiode eingreifen. Nehmen wir diesen Fall als Beispiel. Es ist zwar tragisch, dass diese erneuten Angriffe stattfinden, aber sie sind nicht der Grund aus dem wir in die Vergangenheit gereist sind. Das heißt in diese Zeit gereist sind. Wir dürfen diese Anschläge nicht rückgängig machen. Was passiert, passiert. Im Moment läuft alles noch nach der gewohnten Zeitlinie ab. Und wir haben dafür zu Sorgen, dass das auch so bleibt. Aber dafür müssen wir zuerst die temporalen Eingriff entdecken. In jedem Moment könnten die Konsequenzen sichtbar werden.“<br>„Wir helfen also Price nicht dabei, Lewinski zu finden. Wir suchen ihn auch.“<br>„Du hast es erfasst“, lobte McMor.<br>Lewinski hielt inne und sah wieder zu den Sternen um sich herum. McMor hatte sich gerade wieder zu den Kontrollen gewandt, als John die alles entscheidende Frage stellte.<br>„Wie geht es weiter? Was sollte geschehen?“<br>McMor atmete tief durch. Wie viel durfte er ihm erzählen? Andererseits hatte er ihm eigentlich schon zuviel erzählt. „Es finden insgesamt 4 Anschläge statt. Man hat nie herausgefunden, wo sich die neue Zelle befunden hat oder warum sie plötzlich stoppten. Man nahm an, dass denen die Rohstoffe ausgegangen waren. Aber genau herausgefunden haben die damaligen Behörden das nie. Wahrscheinlich war man auch einfach froh, dass es wieder vorbei ging und man die erwachenden Erinnerungen wieder in die Kiste stecken konnte. Bis etwa 2430 ging es dann so weiter. Die Föderation sank immer weiter im Vertrauen aller Rassen. Die MPA hatte gänzlich an Einfluss verloren und Angst regierte das Universum.“<br>„Ist die Föderation wieder hochgekommen?“<br>„Ja, das tat sie. Etwa in der Mitte des 25. Jahrhunderts. Es dauerte 100 Jahre, bis sie wieder die Vormachtstellung einnahm, wie zu deiner Zeit. Danach, und das dauert bis heute an, leben die meisten Rassen friedlich nebeneinander und erforschen den Weltraum friedlich.“<br>„Wie geschah es?“, wollte Lewinski wissen. „Wie kann es sein, dass sich dieses Blatt plötzlich wieder wendete.“<br>McMor lachte kurz. „Du wirst mir nicht glauben. Es waren die Klingonen.“<br>„Die Klingonen?“<br>„Ja. Denn im Jahr 2435 begann die klingonische Zeitrechnung praktisch von neuem. Ein Mann trat auf die politische Bühne und brachte Ruhe in das Chaos. Nicht nur im Reich, sondern im gesamten Alpha und Beta Quadranten.“<br>„Und wer war das?“<br>„Kahless. Er kehrte zurück. Nach Jahrtausenden kehrte er aus dem Stovokor zurück. Diesmal war es kein Klon oder eine andere art der Kopie. Es war Kahless.“ McMor ließ Lewinski mit dieser Information allein und arbeitete weiter an dem Kurs der alten klingonischen Raumstation. „Aber wer weiß was geschieht, wenn wir diesen temporalen Eingriff nicht orten können.“<br>„Was geschieht mit Price? Hat er Erfolg bei seiner Mission?“<br>„Man hört lange nichts mehr von ihm. Man findet ihn schließlich auf einem fernen Planeten, der als eine Art Aussteiger – Planet bekannt ist. Viele unterschiedliche Menschen leben dort einfach um ihr Vergangenheit hinter sich zu lassen. Um es anders auszudrücken: Price gab nie bekannt, wie lange er wirklich seiner Mission folgte und wie lange er wirklich versucht hat, dich zu finden. Am Ende beging er aber Fahnenflucht.“<br>„Das kann ich mir bei ihm gar nicht vorstellen...“ staunte Lewinski und hielt sich an der Konsole fest um sich nicht von den ganzen Worten umhauen zu lassen.<br>„Ehrlich nicht?“, fragte McMor.<br>Lewinski sah zu ihm und erkannte, dass er recht hatte. Was durfte er schon annehmen? Im selben Moment ertönte ein Signal und eine Stelle im Raum wurde angezeigt. McMor vergrößerte die Stelle. Die selbe Raumstation wie zuvor war zu sehen. Nur etwas zerfallener.<br>„Der Computer hat sie gefunden. Etwas gebrechlich, aber in der Lage Personen aufzunehmen. Ich bringe uns hin“, sagte Jeroen und wollte schon einige Kommandos in seinen Tricorder eingeben, als Lewinski ihn noch einmal an seinem Arm festhielt. Sie sahen sich darauf in die Augen und waren in der Lage, in ihre Seelen zu sehen.<br>„Welche Befehle hast du?“<br>„Das darf ich dir nicht sagen“, antwortete McMor entschuldigend.<br>„Du erzählst mir, was in den nächsten Hundert Jahren Menschheitsgeschichte vorfällt aber deine Befehle sind geheim? Das verstehe ich nicht.“<br>McMor nickte. „Das musst du auch nicht. Jetzt noch nicht.“ Einen Tastendruck weiter befanden sie sich auch schon wieder auf der Reise in eine andere Zeit.<br><br>Helendril war ein kalter und karger Planet. Zerklüftet durch unzählige Erdbeben. Ardev und Price materialisierten auf einem Bergkamm. Ein eisiger Wind pfiff ihnen um die Ohren. Sofort nahm Ardev seinen Tricorder zur Hand und scannte die Umgebung. Natürlich nicht ohne seine Lesebrille.<br>„Der Planet ist seismisch sehr aktiv. Das Gestein verhindert genaue Scans. Ich erhalte von überall Echos. Zudem sind die Felsen radioaktiv.“<br>„Wie lange können wir hier bleiben?“, fragte Matt.<br>„Nun“, begann Ardev, während er seinen Tricorder wieder einschob. „Einen Urlaub würde ich hier nicht verbringen.“<br>Price nickte zwar, war jedoch mit den Gedanken schon ganz wo anders. Er sah zu einem Objekt, das etwa 500 Metern neben ihnen lag. Es war eine alte baufällige Station. Ardev sah ebenfalls zu ihr. „Kein Wunder, dass die Klingonen sie aufgegeben haben. Anscheinend haben die nicht mit den Erbeben gerechnet.“<br>„Dann lass uns besser gehen, bevor sie einstürzt und die letzten Geheimnisse mit sich nimmt.“<br>„Aye Sir“, antwortete Ardev, steckte seine Lesebrille wieder in die Brusttasche und begab sich hinter Price auf den steinigen und holprigen Weg zu dieser Station.<br>Nach einer mühsamen Stunde harter Kletterarbeit erreichten sie schließlich den Eingang. Staunend blieb Ardev vor ihr stehen und betrachtete sie. Natürlich betrachtete er die Station nicht wirklich. Er wollte nur eine kleine Pause machen. Vor Price hätte er freilich nie zugegeben, dass er außer Form war.<br>Vorsichtig begaben sie sich ins Innere. Ardev trottete Price einfach hinterher. Der schien einem Drang zu folgen. Als zog ihn etwas zu der Lösung ihrer Mission. Der Andorianer hingegen versuchte sich nur vor herunterfallenden Schotts und Ratten zu retten, die überall herumsprangen.<br>Nachdem sie etwa 10 Minuten ins Zentrum der Station gelaufen waren und zwei Decks hinab, wobei sie einige gefährliche Leitern hatten hinuntersteigen müssen, erreichten sie schließlich die Kommandoebene des Außenposten. Das Ausmaß der Schäden war sehr groß. Die Zeichen der Zeit waren nicht zu übersehen. Die Konsolen waren beinahe nicht mehr als solche zu erkennen. Die meisten waren zerstört oder von unzähligen Trümmern bedeckt.<br>„Hier drüben“, sagte Price und legte eine der wenigen noch intakt wirkenden Konsolen frei. „Gib mir deinen Tricorder.“<br>Ardev tat wie geheißen. Auch wenn er keine Ahnung hatte, was Matt vorhatte. Der machte sich sogleich an die Arbeit. Er öffnete die Verkleidung des Terminals nahe am Boden und nahm zwei Kabel aus dem ganzen Wirrwarr heraus. Dann schloss er die Kabel an den Tricorder an. Beinahe sofort erwachte die Konsole zum Leben.<br>Freudestrahlend nahm Price seinen Tricorder zur Hand und legte ihn auf die Konsole. „Ich lade die Datenbank herunter. Vielleicht finden wir in ihr Hinweise.“<br>„Wie lange wird das dauern?“, fragte Ardev.<br>„Nicht lange. Etwa 5 Minuten“, antwortete Matt trocken, ohne den Blick von der Konsole zu nehmen. Er sah sich die Daten an, die auf dem Schirm vorbeirasten. Immer wieder war er in der Lage einige Passagen zu lesen. Ardev hingegen interessierte dies nicht. Er sah sich auf der Kommandoebene um. Er konnte das mulmige Gefühl in seinem Magen einfach nicht abstellen.<br>Er lief gerade an einem der heruntergefallenen Schotts vorbei, als er wieder eine der Ratten bemerkte, die sich hier zu Tausenden tummelten. Doch diese war anders. Sie lief nicht vor Schreck weg.<br>Verwirrt sah Ardev zu ihr hinab. Die Ratte schnüffelte kurz an ihm und verschwand dann wieder in dem Vorsprung, den das Schott bildete. Ardev beugte sich hinunter und sah hinein. Er konnte nicht viel erkennen. Alles war zu dunkel. Die einzige Lichtquelle hier unten stammte von der Lampe, die Price auf seiner Konsole hatte.<br>Also nahm Ardev seine kleine Taschenlampe und leuchtete hinein. Er fühlte etwas seltsames. Seine Fühler legten sich ganz nahe an die Kopfhaut an. Panik durchflutete ihn. Er erfasste, was er sah. Es war ein Lager. Es war eine Schlafstelle. Neben der Decke war ein kleiner Fressnapf, aus dem sich die Ratte gerade bediente.<br>„Sie ist handzahm...“, erkannte er.<br>„Anscheinend war die Monitor nur kurz hier“, sagte Price, der die ersten Brocken der Datenbank entdeckte. „Lewinski war tatsächlich hier...“ er sah weiter auf die Konsole. „Hier sind sogar Daten über den gewählten Kurs des Schiffes. Wir haben eine Spur zu...“ Price hielt inne, als er Ardevs Panik spürte.<br>„Was ist Ardev?“ Er sah seinen Freund immer noch vor dem Schott kniend. Mit wenigen Schritten näherte er sich ihm und sah ebenfalls unter das Schott.<br>„Die Station ist nicht so verlassen, wie es scheint. Das ist ein Schlaflager. Es sieht noch benutzt aus. Außerdem ist die Ratte zahm.“<br>Price richtete sich wieder auf und trat etwa in die Mitte des Kontrollzentrums. Er öffnete seinen Geist und sah über die Grenzen des Raumes hinaus. Nach nur wenigen Sekunden sah er mit großen Augen zu Ardev. „Ich kann sie fühlen. Sehr schwach. Anscheinend können die ihren Geist abschirmen...“ Er öffnete sich wieder dieser anderen Ebene des Seins. „Wir sollten uns beeilen. Offenbar kommen Sie näher.“<br>Im selben Moment zirpte der Tricorder. Der Download war beendet. Price schnappte ihn sich und steckte ihn zurück in seine Tasche. Dann befestigte er die Taschenlampe an seinem Unterarm und machte sich auf den Weg zur ersten Leiter. Ardev tat es ihm gleich. Auch er befestigte die Lampe an seinem Unterarm. Er war froh diese Station zu verlassen.<br>Er spürte etwas in diesem Moment. Er sah seine Frau. Seine Freunde. Doch vor allem sah er die Leiter hinauf Price Hintern.<br>In diesem Moment fühlte sich diese alte klingonische Station wie ein Grab an.<br>„Ist der Planet nicht von den Klingonen verlassen worden?“, fragte Ardev.<br>„Nun offenbar haben die einige im Exil zurückgelassen.“<br>Sie hatten die erste Leiter überwunden und mussten nun einige Meter laufen um zur nächsten Leiter zu kommen, die sie dann zurück auf die Hauptebene führte.<br>Price strauchelte plötzlich wie wild. Ardev musste ihn stützen, damit er nicht geradewegs gegen einen Balken donnerte.<br>„Matt, alles in Ordnung?“<br>„Ja ja, es geht schon wieder. Ich hatte nur vergessen, meinen Geist wieder zu verschließen. Und die Einwohner des Planeten kommen schnell näher. Ich spüre ihre Wut und ihre Aggression.“ Er lachte kurz auf. „Ironie des Schicksals. Ich habe meine Fähigkeiten die letzten Jahrzehnte tief eingepackt. Die ganzen Ängste während der ersten Welle von Anschlägen hätte mich fast in den Wahnsinn getrieben. Also habe ich es seither gelassen mich zu öffnen. Das rächt sich wohl nun.“<br>„Wir können gern an Bord des Flyers darüber reden“, bot Ardev an und ging mit Price, der seinen Arm um ihn gelegt hatte zur nächsten Treppe vor. „Können wir uns noch nicht hinauf beamen?“<br>„Nein“, antwortete Price flach atmend. Langsam löste er sich aus Ardevs Griff und lief wieder selbstständig. Doch die Anspannung war ihm noch immer anzusehen. „Die Klingonen bauen ihre Stationen immer so, dass man sich nur aus den Transporterräumen rausbeamen kann...“ Price stockte wieder. „Zittere ich so?“, fragte er.<br>„Nein“, antwortete Ardev. „Das ist ein Erdbeben.“ Die beiden ließen sich jedoch nicht von der zitternden Erde abhalten, die im Moment etwa eine 2 auf der Richterskala belegte. Es war wirklich schwierig zu laufen, wenn die Erde nachgab. Sie stürzten immer wieder fast. Zum Glück war das Beben nicht so stark, ihnen ein weiterkommen total zu versagen. Sie waren erst wenige Schritte weit gekommen, als die angestrebte Leiter einstürzte und mit ihr der gesamte Bereich dieses Korridors. An ein Weiterkommen war dort nicht mehr zu denken.<br>„Verdammte Scheiße“, kommentierte Ardev.<br>„Aber Captain Ardev“, sagte Price übertrieben schockiert. „Das hört sich gar nicht wie einer der höchstdekorierten Captains der Flotte an.“<br>„Ich bin im Ruhestand, schon vergessen? Also was machen wir jetzt Commander?“<br>„Es gibt hier mit Sicherheit noch einen weiteren Ausgang Skipper.“<br>Beide drehten sich um und liefen den Korridor in die andere Richtung hinab. Die Erde hatte inzwischen aufgehört zu beben, jedoch stürzten immer noch Trümmerteile hinab. Price begann zu rennen. Anscheinend spürte er die Gegner kommen. Ardev schloss sich dem Tempo von Price natürlich an.<br>Aus einem komischen Gefühl heraus griff er zu seiner Seitentasche und stellte fest, dass er keinen Phaser mithatte. Er bestrafte sich bereits innerlich für diese unentschuldbare Vernachlässigung der gewohnten Routine. Aber erst recht mulmig wurde es ihm, als er sah, dass auch Price seinen Phaser nicht dabei hatte.<br>Zum Glück entdeckten sie in diesem Moment eine zweite Leiter. Price kletterte sie schnell hinauf. Ardev ergirff die Sprossen nur wenige Sekunden später. Und als Price schon die ersten Sonnenstrahlen auf seiner Haut spürte – immerhin war die Hülle hier schon leicht brüchig, auch wenn Matt wohl die Strahlen mehr fühlte als sah – spürte Ardev dunkle Schatten an sich vorbei ziehen.<br>Nervös leuchtete er mit seiner Lampe von einer Ecke in die andere und... whumm fühlte er den harten Schlag einer blanken Faust in seinem Nacken. Benommen fiel er auf den Boden. Price spürte dies alles. Nicht nur mit seinem Geist, nein er spürte den Gegner auch noch an seinem Knöchel, bevor er seinen Fuß hochziehen konnte.<br>Geschockt sah er die Luke wieder hinunter. Er schrie Ardevs Namen und fand ihn schließlich zwei Meter neben der Leiter. Einer der Fremden hatte sich über ihn gebeugt.<br>„Sternenflotte! Boten der Verdammnis“, zischte das Alien.<br>Ardev bekam davon nicht viel mit. Er litt an den Folgen des unerwarteten Schlages.<br>„Arena...“, murmelte er, bevor sein Körper unter weiteren Schlägen des Alien erbebte. Price versuchte diesen Außerirdischen zu erkennen. Und in der Tat sah er für einen flüchtigen Moment das Gesicht. Es war eine Mischung aus Klingonen und Talarianern. Er mochte sich nicht einmal vorstellen, wie es zu einer solchen Mischung gekommen war.<br>Matt wollte gerade die Leiter wieder hinunter steigen um seinen Freund zu helfen, als von unten ein weiterer Alien hochgeklettert kam. Im Affekt reagierte er und stieß ihm seinen Fuß ins Gesicht, wodurch dieser wieder runter fiel. Doch er konnte untern schon die nächsten erkennen.<br>Für eine Sekunde hielt er inne.<br>Es tut mir leid Ardev.<br>Dann stand er auf und rannte zum Ausgang. Wobei ihn die Gedanken der Aliens verfolgten. Er wähnte sich schon in Sicherheit. Doch als er die letzten Meter bis zum Ausgang zurücklegte sah er eine kleine Horde Aliens über die Hügel zur Station rennen. Und die ersten erreichten schon den Eingang.<br>So schnell er konnte bog er in einen anderen Korridor. Er rannte so schnell wie seit dem Hundert – Meter Lauf auf der Akademie nicht mehr. Immer dem heller werdenden Licht zu. Er wagte es fast nicht, einen Blick über seine Schultern zu werfen. Er brauchte dies nicht. Wie konnte ein alter Betazoide einer Horde ausgewachsener Halbklingonen entkommen?<br>Es war ein Ding der Unmöglichkeit.<br>Doch er legte noch einen Zahn zu. Der Atem des Todes, der in diesem Moment den Gestank klingonischen Schweißes annahm, trieb ihn, wie die Peitsche eines unbarmherzigen Folterknechts.<br>Er rannte an einer Korridorkreuzung vorbei und sah dort weitere Aliens auf sich zukommen. Wenn er sich nicht täuschte waren es welche von den ersten, denen er begegnet war. Untermauert wurde dies durch die Tatsache, dass einer der Klingonen Ardevs Arm wie eine Trophäe bei sich trug.<br>Nur noch wenige Meter trennten ihn von dem zweiten Ausgang. Also rannte er weiter.<br>Den letzten Schritt auf Boden der klingonischen Station.<br>In diesem Moment stellte er sich die Frage, warum sich kein Klingonen diesem Eingang von außen näherte. Zwar überwog die Freude, dass keine Klingonen kamen, doch er konnte den Funken Zweifel nicht beiseite schieben.<br>Im nächsten Moment wusste es, warum ihn von dieser Seite niemand jagte. Er stürzte eine tiefe Schlucht hinab.<br>Für den Bruchteil einer Sekunde blieb ihm der Atem weg. Doch schon einen Bruchteil später war er bereit sein Leben zu retten. Gegen die Schwerkraft schlug er seine Hand auf seinen Kommunikator.<br>„Price an Flyer. Transport!”, schrie er.<br>Nur eine Sekunde später lag er im Flyer und spürte die Welt über sich zusammenstürzen. <br><br>Friedvoll ging über der Küste San Franciscos die Sonne unter. Phoenix erachtete diesen Anblick für das schönste an seiner Wohnung. Seine bescheidenen Bleibe war recht klein. Nicht weil er sich nicht mehr leisten konnte, sondern weil ihn eine größere Wohnung überforderte. Er konnte schon diese kaum in Ordnung halten.<br>Phoenix nahm einen kräftigen Zug aus der Flasche romulanischen Ale, die er in den Händen hielt.<br>Ab und zu benötigte er eben etwas Aufmunterung durch Alkohol. Besonders wenn es sehr stressig war. Wie jetzt zum Beispiel mit Danny Bird. Der verwirrt ihn zusehends. Eine kleine Pause in den Sitzungen schien da nur angebracht, vielleicht sorgte die für einen kleinen Ruck in ihrer Beziehung.<br>Die Sonne verschwand hinter dem Horizont und Phoenix ging in seine Wohnung. Er schnappte sich eine Pizzaecke, die auf einem Teller vor der Couch stand und aß sie. Es störte ihn nicht, dass die Ecke kalt und schon von gestern war.<br>Dies glich er durch einige Schlücke aus der Flasche Ale wieder aus.<br>Er wandte sich dem Bildschirm vor ihm zu und betätigte einige Taste auf einem PADD, das neben ihm auf dem Sofa lag. Sofort wurde ein Film abgespielt, der den Verheißungsvollen Titel „Orionische Liebessklavin 2 – Rückkehr zur andoriansichen Stellung“ trug.<br>Hätte Phoenix diese Szene bewusst von außen gesehen, wäre ihm aufgefallen wie jämmerlich dieses Bild war. Doch so reihte er dieses Geschehen als den Höhepunkt seines Tages ein und erklärte ihn zur einzigen wirklichen Leistung eines Tages. Denn in seinem Alter konnte man schon von Leistung sprechen, wenn man noch in der Lage war sich mit seinem eigenen Körper zu beschäftigen. Schließlich benötigten Männer seines Alters normalerweise betazoide Frauen seines Alters, die ihn mit ihrer „Phase“ aus diesem Tal halfen.<br>Nach einer Stunde, die er mit diesem Film verbracht übermannte ihn die Müdigkeit und er kippte einfach zu Seite. Die leer Flasche Ale fiel auf den Boden, wurde aber glücklicherweise durch einen Teppich gebremst, wodurch sie an einem Stück blieb.<br>Und es war auch nicht die erste Flasche, die Phoenix fallen ließ, als er in einen dieser Zustände fiel, die andere so salopp als Schlaf bezeichneten.<br><br>Die Kälte der alten Raumstation nahm sie sofort in Beschlag. Und um ehrlich zu sein, so fand Lewinski zumindest, die Klingonen waren auch noch nach Jahren zu riechen.<br>Die ersten Zeichen dafür, dass die Station bewohnt war, erkannte Lewinski in der funktionierenden Lebenserhaltung und dem matten Licht, das typisch war für die klingonische Flotte.<br>McMor nahm gleich seinen Tricorder zum Einsatz. „Es ist niemand hier. Keine Lebenszeichen. Auch keine Schiffe im Orbit der Station. Am besten wir sehen uns etwas um...“<br>Lewinski nickte und wollte sich gerade seine Taschenlampe einschalten, als wieder ein unsäglicher Schmerz seinen Bauch durchfuhr. Überwältig von dem Stechen sank Lewinski zu Boden und legte sich auf die Seite ab. Sein Gesicht war immer noch schmerzverzerrt. Jeroen setzte sich sofort neben ihn und scannte Lewinski mit seinem Tricorder.<br>„John, was ist mit dir?“, fragte er.<br>„Verdammt ich habe Schmerzen!“<br>„Ach nein? Geht das vielleicht auch etwas genauer?“<br>„Hier am Bauch“, antwortete er.<br>McMor sah nachdenklich auf seinen Scanner. „Leidest du an Krebs John?“<br>Die Aussage traf ihn wie ein harter Schlag, der beinahe härter war, wie der Schmerz selbst. „Nein... ich meine ja. Erinnerst du dich, dass du mich gefragt hast, warum ich zurück gekommen bin? Als wir uns in der Zelle trafen.“<br>„Hm... Das ist schon eine Weile her. Aus meiner Sicht.“<br>„Ich sagte zwar, dass ich nach dir sehen wollte, aber ich war zur Erde gekommen um mich operieren zu lassen. Es ist antallianischer Krebs. Stadium zwei.“<br>Jeroen steckte seinen Tricorder weg. „Wir haben ein neues Problem. Der Krebs ist durch die Zeitsprünge gewachsen. Er befindet sich im vierten Stadium. Es tut mir leid, er ist nicht mehr behandelbar.“<br>„Was meinst du mit nicht mehr behandelbar?!“, fragte Lewinski, während er unter großen Schmerzen McMor am Revers griff und sich etwas zu sich zog. Doch schon nachdem er die Worte aus sich herausgepresst hatte, legte er sich vor Schmerzen wieder auf den Boden.<br>„Nicht mehr zu deiner Zeit. Seine Vermehrungsgeschwindigkeit hat sich vervielfacht. Die Zeitsprünge sind sehr anstrengend und belastend... Aber wir kriegen das hin. Wir werden das behandeln, wenn wir hier fertig sind.“<br>Lewinski ließ seinen Kopf auf den Boden sinken und sah um sich. Seine Gedanken rasten. Und gerieten plötzlich ins Stocken, als er etwas bemerkte.<br>Verwirrt stemmte sich John wieder hoch, wobei ihm Jeroen half. Er ging einige Schritte vor und sah dann das, was er bemerkt hatte. In dieser Ecke des Korridor lag eine Leiche. Beide erkannten die Person. Es war Matthew Price.<br>„Matt?“ Lewinski taumelte erneut. Doch dieser Schmerz war viel schlimmer als der in seinem Bauch. Der Schmerz in seinem Kopf trieb ihm Tränen aus den Augen.<br>„Wir sind zu spät“, raunte McMor. Er nahm erneut seinen Tricorder zur Hand. „Ich werde uns einige Stunden zurück versetzen.“<br>„Wie kann er tot sein, wenn du gesagt hast, dass er lebt?“, fragte Lewinski ohne auf McMors Worte zu achten.<br>„Die Zeitlinie muss sich schon verändert haben... wir müssen zurück und das aufhalten.“<br>Lewinski sah zu Price hinab. „Kein Sorge Matt, ich werde dich retten.“<br>„Meinst du, du hältst noch einen Zeitsprung aus? Dieser wird auch nicht so schlimm wie der letzte.“<br>Lewinski nickte. Dies musste er jetzt durchziehen. Allein um die ganzen Fragen zu klären.<br><br>Langsam näherte sich die „Picard“ der alten klingonischen Raumstation. Er hatte sich diese Entscheidung nicht einfach gemacht. Nachdem er wieder im Flyer materialisiert war, hatte er zuerst einmal einige Stunden einfach so am Boden gelegen.<br>Als er es dann auf einen Stuhl und zu etwas Wasser geschafft hatte, rasten seine Gedanken. Was sollte er jetzt tun? Vor allem: Wie sollte er das Arena erklären? Seine Gedanken kreisten immer wieder um diese Frage. Bis ihm plötzlich die Gedanken einen Streich spielten. Er erinnerte sich an ein Gerücht. Eher eine moderne Sage. Ein entfernter Planet, der buchstäblich das Paradies war. Jeder konnte dort leben wie er wollte ohne von jemandem gestört zu werden.<br>Er wollte gerade den Kurs setzen, als er eine aktive Anzeige auf dem Display erkannte. Verwirrt sah er sich das Diagramm an. Schon kurze Zeit später realisierte er, dass es die Analyse war, mit der sich Ardev beschäftigt hatte.<br>Komischweise saß er aber nicht an Ardevs Station. Er sah sich um und erkannte das Diagramm auf allen Terminals um sich herum. Kopfschüttelnd hatte er sich das Diagramm angesehen und etwas bemerkenswertes festgestellt. Schlussendlich war diese Angabe der ausschlaggebende Punkt gewesen, weshalb er sich durch unzählige Daten gewühlt hatte um die jetzige Position der Raumstation festzustellen.<br>Nun war er hier. Staunend betrachtete er das Wrack an Station. Komisch, dass sie noch so intakt wirkte, dachte er sich. Nach all den langen Jahren hatte er erwartet, dass die Station ebenso eingefallen wirkte wie die auf Helendril.<br>Price beschloss in diesem Moment nicht mehr inne zu halten. Denn nur dann zwang er sich in die Routine zurück, die ihm als Offizier Halt gab. Und er wusste auch, dass er vermutlich nicht weitermachen würde, sollte er sich die Zeit nehmen über die Sache nachzudenken. Deshalb materialisierte er auch nur wenige Sekunden später in voller Montur in einem der Korridore. Sogleich leuchtete er den Korridor mit der Taschenlampe an seinem handgelenk aus und hielt den Phaser im Anschlag. Das Licht war dumpf. Zu dumpf für seinen Geschmack, aber schließlich musste er auch nicht an Bord einer solchen Station dienen. Zum Glück war seine eigene Station hell genug.<br>Schnell nahm er den Tricorder zu sich und scannte die Umgebung. Keine Lebenszeichen erkennbar. Auch mit seinen empathischen Fähigkeiten konnte er kein Leben spüren. Diese Angabe hatte er auch schon von den Anzeigen im Flyer erhalten, jedoch ging er auf Nummer sicher. Tja, das Alter... Price war es nicht gerade behaglich, als er sich bei diesem Gedanken ertappte.<br>Er steckte den Phaser beiseite und ging strikt auf das Kommandozentrum zu. Im Anflug auf die Station hatte er natürlich auch nach der Monitor gescannt. Das Schiff war zwar drei Jahrzehnte im Rückstand aber nichtsdestotrotz immer noch eines der gefährlichsten Schiffe der Flotte. Doch Price hatte einen Vorteil. Die Tarnvorrichtung war ebenfalls drei Jahrzehnte alt. Und die Scanner an Bord der „Picard“ waren in der Lage diese Tarnung aufzudecken. Er hatte die Monitor nicht entdeckt. Jedoch... ging er auf Nummer sicher. Die Sache war einfach zu groß, als dass er sich einen Flüchtigkeitsfehler leisten konnte. Daher kreiste der Flyer nun auch getarnt im Orbit der Station.<br>Er musste nicht weit laufen um das Kommandozentrum zu erreichen. Und zu seinem großen erstaunen waren einige Terminals aktiv. Er suchte sich eines heraus und stöberte etwas in den Dateien.<br>Sein klingonisch war zwar etwas eingerostet, aber mit jeder Minute stiegen mehr Erinnerungen in ihm hoch. Er arbeitete sich richtig rein. Und er war in der Tat erfolgreich. Price fand Anzeichen auf die Monitor in den Sensorlogbüchern. Zudem einige Notizen, deren Kurzschrift er eindeutig John Lewinski zuordnen konnte. Die Monitor war beim Rigel gewesen. Und bei Deneb. Im Moment, so zumindest die Notizen war sie im klingonischen Raum unterwegs.<br>„Verdammt“ murmelte er. Alle Theorien hatten sich bestätigt. Er konnte seine Gefühle nicht beschreiben. Im Grunde war dies der Augenblick, an dem er sie verlor.<br>Die Person, die er in diesem Moment wohl am wenigsten gebrauchen konnte erschien in diesem Moment vor ihm. John Lewinski.<br>Er nahm zusammen mit drei Talarianern feste Form an.<br>Die beiden sahen sich einige Sekunden fassungslos an. Price fand, dass sich Lewinski nicht sehr verändert hatte. Allein sein Haar war nun graumeliert. <br>„Sie sind Matt Price, nicht wahr?“, begann Lewinski. „Sie haben mich also gefunden.“<br>Mit angespannten Schritten und einem verkrampften Gesichtsausdruck trat er auf Lewinski zu. Der gab den Talarianern mit einem kurzen Handzeichen zu erkennen, dass sie sich zurückziehen konnten.<br>„Wie geht es Ihnen?“, fragte der Captain im Ruhestand. Es schien ihn kein Wässerchen zu trüben.<br>„Du verdammtes Arschloch!“, entgegnete er und schlug John die Faust ins Gesicht. Lewinski taumelte einige Schritte zurück. Und noch bevor Price etwas anderes tun konnte standen die drei Talarianer bei ihm und hielten ihn fest.<br>Lewinski fasst sich an seine Lippe und bemerkte, dass es dort etwas blutete. Jedoch wandte er sich gleich wieder an Price. „Eine nette Begrüßung...wieso habe ich so etwas erwartet?“<br>„Ich habe es während der Suche nach dir nie für möglich gehalten. Nicht einen Moment. Nicht als ich das Bild von dir sah oder erfuhr, dass die Monitor entführt wurde. Oder als ich diese Station fand. Zu keinem Zeitpunkt habe ich es dir zugetraut. Doch dich jetzt hier zu sehen... du ekelst mich an.“<br>„Ach kommen Sie. Was haben die Offiziere der Sternenflotte getan, während der Verfolgung der Talarianer? Werfen Sie nicht mit Steinen, wenn Sie im Glashaus sitzen.“<br>„Das ist doch keine Entschuldigung. Nicht mal eine Begründung. Wo sind deine hohen Moralwerte? Deine Ideale?“ Price sah geschockt zu Lewinski. „Starb Bird dafür? Ardev starb auf der Suche nach dir... meine Mutter starb auf dem Rigel. Wo ist der John Lewinski, den ich einst kannte.“<br>„John Lewinski ist Vergangenheit. Hier werde ich von allen nur Variigo genannt. So heiße ich nun. Zum anderen muss ich das nicht mit dir diskutieren.“<br>„Weil du die Diskussion verlieren würdest?“, legte Price nach. „Und was soll das mit dem neuen Namen? Fürchtest du dich vor den John Lewinski? Ist es ein Name um dich zu verstecken? Macht das dein gewissen leichter? Denn wenn dem so ist verdienst du den namen John Lewinski tatsächlich nicht.“<br>„Ab einem bestimmten Punkt in meinem Leben beschloss ich John Lewinski und dessen armseliges Leben hinter mir zu lassen. Seit ich, Variigo das Sagen haben fühle ich mich zum ersten Mal im Frieden mit mir selbst.“ Er trat an Price, nahm ihm seinen Phaser, Tricorder und Kommunikator ab. „Ich habe dein Schiff gar nicht bemerkt. Einer der neuen Fyler? Ich werde es suchen lassen. Vielleicht kann man es für einen neuen Anschlag gebrauchen.“<br>Noch bevor Price antworten konnte, geschah etwas, dass ihn mehr verwirrte als alles andere zuvor. Plötzlich erschien ein zweiter John Lewinski aus dem Nichts. Im gleichen Moment zuckten Phaserstrahlen aus dem nichts und trafen die Talarianer, die sogleich bewusstlos umkippten.<br>John Lewinski trat ohne darauf zu achten vor Variigo und sah ihm in die Augen. Er war mit McMor schon vor einigen Minuten angekommen. Jedoch hatten sie beschlossen, sich erst noch getarnt hier aufzuhalten. Schließlich sollten sie ja nur beobachten. Doch Lewinski war während der letzten Minuten der Kragen geplatzt.<br>„Du verdammtes Arschloch!“, schrie er sein älteres Ebenbild an und donnerte ihm ebenfalls die Faust ins Gesicht.<br>„Ich glaube ich spinne?!“ gab Price fassungslos von sich.<br>„Das ist verwirrend“, gab der geschlagene Variigo zu, der sich gerade wieder aufrichtete. McMor hatte dabei die ganze Zeit seinen Phaser auf ihn gerichtet. Price holte sich in der Zwischenzeit seine Sachen zurück.<br>„Was denkst du wohl ist das für mich? Ich werde ein Massenmörder werden. Das ist nicht gerade das, was ich mir für meine Zukunft vorgestellt habe.“<br>„Die Zukunft entwickelt sich anders als du angenommen hast. Du kannst das jetzt noch nicht verstehen“, entgegnete der grauhaarige Lewinski ruhig.<br>Dem jüngeren Lewinski lief bei diesen Worten der Kopf feuerrot an. „Ich pack es nicht! Wie kannst du ich sein? So würde ich nie reagieren. Ich spreche ja noch nicht einmal so, dazu dieser unglaublich einfältige Name. Fühlst du denn gar nichts mehr?“<br>„Glaub mir... ich bin du.“ Variigo wandte sich von sich ab und sah zu McMor. „Sie sind Jeroen McMor. Seit wann bist du aus dem Gefängnis raus? Du warst doch im Gefängnis, wenn ich mich recht erinnere.“<br>McMor reagierte auf diese Worte und sah zu dem älteren Lewinski und Matt Price. „Ich muss wohl einiges klarstellen. Ich komme aus der Zukunft um einen temporalen Eingriff aufzudecken. John Lewinski half mir nur dabei sich selbst zu finden.“ <br>Price nickte. „Dann gibt die temporale Zerstreuungswelle einen Sinn, die wir in den Trümmern von Lewinskis Haus gefunden haben“, realisierte er.<br>„Mein Haus ist zerstört?“, fragten beide Lewinskis gleichzeitig.<br>Jeroen McMor sah entschuldigend zur Decke. „Mit der Sache habe ich nun ehrlich nichts zu tun“, gestand er. Price spürte zwar, dass er nicht offensichtlich log, doch überzeugt war er davon trotzdem nicht. McMor ließ sich davon nicht abbringen und sprach zu dem jungen Lewinski, als er immer noch die große Verwirrung bei ihm bemerkte. „John, du bist dieser Variigo. Er war vor – aus seiner Sicht – drei Jahrzehnten mit mir hier. Sein Gedächtnis wurde nur gelöscht. So wie deines gelöscht werden wird.“<br>„Einen Moment...“, griff Price ein und trat zu McMor. „Sie wollen sein Gedächtnis löschen?“<br>„Ja, das ist eine Standardprozedur.“<br>„Wie wollen Sie dann John Variigo Lewinski daran hindern, diese Anschläge zu verüben?“, fragte Price. McMor konnte jedoch nur mit einem traurigen Gesichtsaudruck antworten. Matt sah zu Lewinski.<br>„Matt, wir sind nicht hier um Lewinski aufzuhalten.“ Für niemanden fiel es wohl schwerer dies zu sagen, doch es war wichtig für ihn, dies zu sagen. Denn die temporale Oberste Direktive musste berücksichtigt werden. „Wir sind hier um den Verlauf der Geschichte zu sichern.“<br>„Und zum Verlauf der Geschichte gehört es Millionen Menschen sterben zu lassen?“, fragte Price und sah zu den Lewinskis. Und die beiden mussten gleichzeitig schmunzeln, als sie bemerkten wie wenig sich Matt verändert hatte. „Skipper Sie irren sich, wenn Sie sagen, dass sie niemals so werden wie dieser Variigo. Denn das sind Sie schon.“<br>Sie schwiegen alle und sahen zu wie Price im Kreis lief um sich etwas zu beruhigen und nachzudenken. John Lewinski dachte ebenso über diese Worte nach. Sie gaben ihm einiges zum denken. Hatte Matt recht? War er ein Massenmörder? Sein Aspekt stimmte natürlich. Er tat nichts um diese Menschen zu retten. Im Gegenteil. Er hatte sie schon getötet. Noch ehe er auch nur in diese Position der Geschichte gekommen war. Denn dieser Lewinski neben ihm war er. Das hatte Jeroen McMor bestätigt. In diesem Moment kam auch ein klein wenig Stolz in ihm auf. Price Moralvorstellungen hatten sich in den letzten Jahren also gefestigt. Wenn er da nur an ihr erstes Zusammentreffen dachte, war wenigstens er ihm „gelungen“.<br>Price sah dann aber mit steinernem Gesichtsaudruck zu ihm. „Sie haben mir viel erklärt Skipper. Dafür bin ich Ihnen dankbar. Aber ich habe auch eine Mission zu erfüllen. Aus diesem Grund...“ Matt zog seinen Phaser und zielte damit auf Lewinski.<br>„Warte!“, beklagten sich beide Lewinskis gleichzeitig. Zudem sah der Jüngere, wie McMor mit seinem Phaser auf Price zielte.<br>„Und du erschieß ihn nicht“, rief Lewinski McMor zu.<br>Price sah verwirrt zu seinem Skipper. „Was soll das? Wieso soll ich warten? Ich erschieße dich hier auf der Stelle und erwische damit euch beide. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Damit ändern wir alles auf einen Streich. Es ist genial... und die einzig logische Vorgehensweise.“<br>„Lass mich mit ihm reden. Ich versuche ihn von dieser Art des Lebens abzubringen.“<br>„Was soll das nutzen? Was willst du...“ Price wurde gestoppt, als McMor ihn plötzlich mit einem Kinnhaken stoppte. Price hatte sich von seiner Wut treiben lassen und McMor aus dem Blickwinkel verloren.<br>Dieser stand nun ruhig da und sah zu „seinem“ John Lewinski. „Ich hab ihn nicht erschossen.“<br>„Noch nicht“, berichtigte Variigo.<br>„Ihr könnt euch etwas unterhalten. Ich kümmere mich um ihn hier... und um die.“ McMor deutete auf die bewusstlosen Talarianer.<br>„Dann bin ich je gespannt, was du mir erzählen willst“, sagte Variigo und deutete auf eine nahe Tür. „Wollen wir in meinen Raum gehen?“<br>Lewinski nickte und folgte sich selbst. Sie verließen das Kontrollzentrum und gingen über einen Korridor zu einem nicht allzu nahen Raum.<br>„Es tut mir leid für den Fußmarsch. Aber hier muss man eben mit dem Vorlieb nehmen, was funktioniert.“ Variigo lächelte und öffnete auch schon eine Tür. Sein Raum war ein altes Crewquartier, das ihm als Bereitschaftsraum diente. „Um es dir vorweg zu nehmen: ich kann mir denken, was du sagen willst. Du könntest dir das alles sparen, denn ich werde meine Meinung nicht ändern. Ich habe genug innere Kämpfe wegen diesen Themas ausgefochten, da wird dieser nichts daran ändern. Aber so wie ich mich kenne, hält dich das nicht davon ab, es trotzdem zu versuchen.“<br>„Du hast recht. Wie hältst du es hier nur aus?“<br>Variigo lächelte. „Ich habe eine kleine Vorliebe für die klingonische Architektur entwickelt. Außerdem ist mein richtiges Quartier auf der Monitor.“<br>„Die Monitor?“<br>„Ja. Die Kopie des Schiffes. Die Richtige wurde demontiert, also stahl ich die Kopie.“<br>Lewinski erinnerte sich an diesen Vorfall. Seltsamerweise musste er in diesem Moment an Bruce Land denken. Zu lange hatte er schon nicht mehr mit ihm gesprochen. Er beschloss, dies so schnell wie möglich nachzuholen. „Aber wie...?“<br>„Frag nicht wie ich das geschafft haben“, winkte Variigo schnell ab. „Das ist eine Episode für sich.“<br>„Ist die Monitor jetzt da?“<br>„Nein. Einige meiner Leute sind unterwegs auf einer... neuen Mission“, antwortete er.<br>„Du meinst, sie verüben einen weiteren Anschlag!“, provozierte John.<br>„Sie suchen Gerechtigkeit.“<br>„Gerechtigkeit, dass ich nicht lache. Price hatte recht. Ich bin schuldig der Beihilfe mehrerer Massenmorde...“<br>„Du bist zu egozentrisch John“, unterbrach ihn Variigo. „Wieso kannst du nicht akzeptieren, dass du dich änderst? Mit welchem Recht meinst du beurteilen zu können, wie ich mich entwickelt habe? Du fällst hier ein Urteil bevor du die Zeugen gehört hast. Denn glaub mir: du würdest das Selbe tun. Und das wirst du auch.“<br>John schwieg und ließ sich die Worte auf der Zunge zergehen. Er hatte recht. Er konnte sich nicht gegen sein Schicksal, seine Zukunft stellen. Sie würde ungebremst auf ihn zudonnern. Er sah sich etwas in dem Raum um und entdeckte ein kleines Regal. Variigo hatte in diesem einige Fundstücke aufbewahrt. Einige klingonsiche Disruptor, Handwaffen, aber auch medizinische Tricorder, die nicht sehr häufig waren auf klingonischen Schiffen und Basen.<br>„Ich will das nicht tun“, erklärte John ruhig.<br>„Es ist das einzig Richtige. Ich fühle es ganz tief in mir. Auch wenn ich weiß, dass viele sterben, die mir einst wahrscheinlich etwas bedeuteten.“<br>„Dann hör doch auf damit.“<br>Variigo schüttelte den Kopf. Doch seine Geduld schien auch bei der neuesten Attacke seines Ichs nicht auszugehen. „Wann hast du dich je von einer Mission abbringen lassen, von der du zu Einhundert Prozent überzeugt warst, dass es das Richtige ist?“<br>Resignierend lehnte sich John an die Wand neben dem alten Regal voller Antiquitäten. „Wie viel haben wir schon erlebt?“, fragte er und sah dabei seiner Kopie direkt in die Augen. „Sooft flogen wir in feindliches Territorium, haben uns gegen übermächtige Gegner gestellt und uns nicht klein kriegen lassen. Egal ob es Borg Drohnen, Jem’Hadar, Cardassianer oder sogar Offiziere waren, die sich für andere Ziele einsetzen.“<br>„Ich habe nur noch wenige Erinnerungen an diese Zeiten“, erklärte Variigo. „Es ist als gehörten sie nicht mir. Irgendwie...“<br>„Irgendwie...was?“<br>„Es ist, als habe mit meinem Ruhestand eine völlig neue Periode für mich begonnen. Ich hatte endlich die Zeit über so vieles nachzudenken. Unerledigtes aufzuarbeiten.“ Variigo schüttelte frustriert den Kopf. „Die Monitor ist wie ein früheres Leben für mich. Ich kann es nicht erklären. Nur ab und zu dringen einige Fetzen wieder zu mir hoch... wenn ich durch irgendetwas daran erinnert werde.“<br>„Zum Beispiel?“, fragte John.<br>Variigo versuchte ein Beispie zu finden. Einige Sekunden später kam ihm etwas in den Sinn und er musste dabei sogar lachen. „Weißt du noch, dieser verrückte Filmer, der uns auf Leinwand gebannt hat? Ich konnte mich erst wieder an diesen Mann erinnern, als ich den Film sah.“<br>John grinste. „Quentino Tarantel“, antwortete er und wechselte sofort nach diesen Worten seine Stimmung. Er sprach streng und sauer weiter.  „Der Film ist furchtbar.“<br>„Ach weißt du, die Special Extended Edition ist gar nicht so schlecht. Je öfter ich mir die angesehen hab um so mehr fasziniert mich dieser, wie sagt man: Trash Faktor.“<br>„Nun ich denke... wenn man den Film so oft sieht muss man wohl zum Massenmörder mutieren.“<br>Variigo seufzte. „Es ist gerade etwas locker geworden.“<br><br>Matt Price erwachte mit einem Kopf, der das doppelte Ausmaß der Milchstraße annahm. Doch eines hatte ihn das hohe Alter gelehrt. Er war sofort hellwach und wieder ganz bei der Situation. Langsam öffnet er seine Augen und sah sich um. Er lag neben den betäubten Talarianern und war, wie eben diese, unbewaffnet. Er erspähte McMor aus den Augenwinkeln an einer Konsole stehen. Anscheinend überprüfte er irgendwelchen Sensoraufzeichnung. Auf jeden Fall stand er nicht gerade günstig um alle seine „Häftlinge“ im Augen zu haben.<br>Doch Price wusste gleich, dass er zuerst an ihm vorbei musste um zu den Lewinskis vorzustoßen. Denn nur dort hatte er eine Chance seine Mission zu erfüllen. Er drehte seinen Kopf wieder zu den Talarianern und erspähte dort etwas, das hinter einer Konsole an die Wand gelehnt stand: ein Bat’leth. In einem großen Sprung, der selbst für einen Mann jungen Alters bemerkenswert wäre, schnappte er sich das Schwert und stellte sich auf. Dabie kam er nur wenige Meter neben McMor zu stehen, der ihn verblüfft anstarrte.<br>„Gut gemacht“, sagte Jeroen. „Aber es wird dir nichts nützen.“ Er griff an seine Gürteltasche und stellte erstaunt fest, dass sie leer war. Geschockt sah er zu dem kleinen Lage an Waffen und Technik, dass er den vermeintlich Bewusstlosen abgenommen hatte. Dort lag auch seine Waffe. Außer Reichweite um schnell dorthin zu springen.<br>„Es ist aus Price. Diesmal gewinne ich“, kündigte Price an und holte aus mit dem großen Schwert. Es wirkte dabei nicht so kraftvoll und elegant wie bei einem geschulten Kriger, jedoch erfüllte es seinen Zweck. Wie besessen ließ er das Bat’leth durch die Luft gleiten und McMor konnte nur knapp entkommen. Zum Glück hatte er sich neben eines der Schotts rollen können, an dem ein zweites Bat’leth lehnte. In diesem Moment bewunderte er die Eigenart der Talarianer als ein unordentliches Volk bekannt zu sein.<br>Mit aller Kraft stemmte er sich Price ihm entgegen. Er schaffte es ihn wegzudrücken und stand so schnell auf, wie er nur konnte. Doch Price hatte ihn fast in die Enge gedrängt. McMor parierte einige Hiebe und stürzte sich zu der Tür, die in den Hauptkorridor führte.<br>Price schlug auf ihn ein wie ein Besessener. Sein Blick war starr und glühend. Und McMor hatte viel Mühe, mit ihm mithalten zu können.<br>Da, ein Fehler des Zeitreisenden. Er ließ seine Deckung zu weit fallen und sich von Price zu stark treiben. Matt holte aus und verfehlte McMors Kopf mit der Spitze des Bat’leths nur um wenige Zentimeter. Er rammte das Schwert in die Abdeckung der Wand. Sofort zischte ein Schwall Druckluft aus der geplatzten Leitung, die er erwischt hatte. Beide Kämpfer waren für wenige Momente blind. Doch dies hielt Price nicht davon ab, durch die Gischt zu springen um einen neuen Angriff zu starten.<br>Jeroen konnte mit einem improvisierten Schwinger Price etwas ablenken. Doch dieser stand nach dieser Aktion in einer viel besseren Angriffsposition als zuvor. Es folgte ein Schlag von oben. McMor blockte zwar wieder mit seinem Schwert dagegen, doch dieser Schlag kam zu überraschend für ihn.<br>Dies erkannte auch Price. Siegessicher starrte er McMor an. „Dies ist für Ardev“, raunte er ihm zu und legte noch etwas Kraft nach. McMor konnte ihn nicht mehr von sich halten. Sein Bat’leth rutschte ab und damit auch das seines Gegners, wenn auch etwas abgefälscht.<br>Price rammte es mit voller Kraft durch McMors linken Oberarm, der im selben Moment zu Boden fiel wie Jeroen.<br>Fassungslos glitt sein Blick ins Leere. Sein Kopf fiel zur Seite, wo er seinen Arm liegen sah. Er begann zu lachen, denn das Bild wirkte einfach zu abstrus.<br>„Und das ist für meine Mutter“, hörte er Price sagen. Doch seine Stimme verlor sich hinter unsichtbaren Nebelschwaden. McMor fühlte sich ruhig. Geradezu gelassen und entspannt sah er, wie Price sein Bat’leth in die Luft hob und zum finalen Schlag ausholte.<br>Jeroen spürte sein Blut unter seinem Kopf. Doch ihn störte nichts mehr.<br>Gerade in diesem Moment, als sein Ende nicht mehr nah war, sah er ein helles, gleißendes Licht über sich. Doch das Interesse daran wich immer mehr aus ihm. So wie sein Leben. Er nahm alles nur noch in Zeitlupe wahr.<br>Er sah Price fallen. Und im nächsten Moment sah er beide John Lewinskis über sich. Der ältere hatte sich über ihn gebeugt und sah zu seinem Arm. Der jüngere stand vor ihm. Sowie vor Price Leiche.<br>Im nächsten Moment schloss er seine Augen und gab sich einem traumlosen Schlaf hin.<br><br>„John, dieser Mann benötigt Hilfe.“ Variigo sah auf zu seiner jüngeren Ausgabe. Doch dieser reagierte nicht. Sein Gehirn versuchte zu verstehen, was geschehen war.<br>Dabei gab es nicht so viel daran zu deuten. Er hatte auf Matt Price geschossen um McMors Leben zu retten. Noch vor wenigen Sekunden hatten sie beide das ausweichende Gas gehört, das auch jetzt noch ein leises Rauschen im Hintergrund war. Er hatte sich instinktiv einen Phaser geschnappt und war nach draußen gestürmt.<br>Ohne zu denken hatte er abgedrückt. Ohne darauf zu achten, dass er einen klingonischen Disruptor in den Händen hielt, der nur eine Einstellung kannte. Tödlich.<br>John Lewinski war noch in seiner Traumwelt, als sein Ebenbild ihn herumdrehte und ihm in die Augen sah. „John, du musst mit ihm zurückkehren. Ich kann Jeroen hier nicht helfen.“<br>„Ich habe Matt Price getötet.“<br>„Vergiss Matt Price!“ schrie Variigo.<br>„Du kannst das nicht verstehen. Was interessiert dich schon das Leben eines einzelnen Menschen? Du bist doch nur daran interessiert Leben auszulöschen“, konterte John.<br>„Daran darfst du jetzt nicht denken.“ Variigo ergriff den Disruptor und warf ihn weg. Als dieser Aufschlug flogen einige Teile von ihm ab. Er war zertrümmert worden. „Ihr müsst gehen.“<br>„Mich interessiert so etwas.“ John sah auf und sich selbst in die Augen. „Deshalb bist du immer noch der furchtbarste Mensch den ich kenne.“<br>„Ich verstehe“, antwortete Variigo und kniete sich zu McMor. Er griff in eine seiner Seitentaschen und holte das kleine Gerät heraus, dass Jeroen oft als Tricorder eingesetzt hatte. In der Tat war es aber viel mehr. Schnell aktivierte er es und sah auf die Anzeigen. Zufrieden nickte er und drückte es John in die Hand. Anschließend wies er John an neben McMor auf den Boden zu knien. Er legte eine von Johns Händen auf Jeroen, sowie den abgetrennten Arm.<br>„So wie ich es sehe musst du auf die Taste Home drücken“, riet Variigo und sah noch einmal zu John. „Hast du mich verstanden? Du musst ihn nach Hause bringen und sein Leben retten.“<br>John nickte. Variigo stand auf und trat einige Schritte zurück um nicht von dem Transportfokus erfasst zu werden.<br>John Lewinski verstand. Er hatte seine Aufgabe erfüllt. Er hatte sogar mehr getan. Er griff in Ereignisse ein, die ihm noch bevorstanden. Doch er durfte dem Lauf der Geschichte nicht im Weg stehen.<br>Er betätigte die Taste Home mit dem Wissen nie wieder der selbe zu sein.<br><br>„In Ordnung, ich bin bereit, etwas auf Sie zuzugehen.“ Danny Bird wirkte wie ausgewechselt. Beinahe hätte Chester Phoenix vermutet, dass es sich um eine weitere Persönlichkeit handele, jedoch war der Nomenlose immer noch der Gleiche. Auch wenn sich der Arzt wunderte, dass seine Schocktherapie von der letzten Sitzung schon so schnell so positiv wirkte. Zudem hatte er auch das letzte Gesuch Birds abgelehnt, ihn aufzusuchen. Es schadete nie, wenn man diese spezielle Persönlichkeit etwas zappeln ließ.<br>„In Ordnung, das freut mich“, antwortete Phoenix.<br>„Nun“, räusperte sich Bird und rutschte nervös in seinem Stuhl hin und her. „Meine erste Erinnerung ist eher eine Art Gefühl.“<br>Phoenix spürte, wie schwer es Bird fiel darüber sprechen. „Gut, sehr gut“, lobte er.<br>„Ach lassen Sie die Heuchlerei. Ich bin nicht einer ihrer geistesgestörten Patienten. Also lassen Sie mich erzählen. Denn ich muss dies jemandem erzählen.“<br>Phoenix schwieg. Denn er wusste, dass Bird recht hatte.<br>„Ich fühlte... Angst.“<br>„Was machte die Angst aus?“, fragte Phoenix.<br>„Die hatten Angst. Panische Angst. Sie rannten umher auf ihrem Schiff wie Mäuse in einem Labyrinth ohne jemals den Ausweg zu finden.“<br>„Sie meine damals, als das mit Bird geschehen ist?“, erkundigte sich der Psychologe.<br>Der nickte einfach. „Ja, da hat alles angefangen.“ Er atmete tief ein und gab sich der Erinnerung hin. „Ich roch den Angstschweiß, fühlte wie sie starben und ihre Toten beklagten. Spürte, wie sie sich berührten und ansahen. Wie ihre Blicke töten und sie sich mit jeder Sekunde von einander entfernten.“ Bird sprach die Worte, als berührten sie ihn überhaupt nicht. Wenn Phoenix den Klang der Stimme hätte beurteilen müssen, es wäre wohl Ekel gewesen, der ihn geprägt hätte.<br>„Sie hatten alle verfluchte Angst.“<br>„Wovor?“<br>„Vor mir.“<br>Phoenix antwortete nicht.  Er versuchte noch einzuordnen, was er eben gehört hatte. Doch seine Gedanken standen in diesem Moment still. Er war gebannt von Birds plötzlich traurigem Gesichtsausdruck.<br>„Was bedeutet das?“, fragte Bird.<br>„Ich weiß es nicht“, antwortete er wahrheitsgemäß.<br>„Können Sie mir helfen?“, fragte Danny noch trauriger<br>„Ich weiß es nicht“, wiederholte Phoenix.<br>„Bitte machen Sie, dass es aufhört...“, flehte er.<br>Chester konnte nicht antworten. Er wurde überflutet von Birds Gefühlen. Von der ganzen verfluchten Angst. Geschockt stand er auf und lehnte sich an die nahe Wand. „Was tust du mit mir?“<br>„Ich tu doch nichts.“<br>„Du lügst!“, schrie Phoenix.<br>„Sie können nur verstehen, was mit mir geschieht, wenn Sie dasselbe fühlen wie ich“, gestand er dann doch ein. Noch immer rannen ihm kleine Tränen über das Gesicht.<br>„Hör auf damit!“, forderte Phoenix und hielt sich die Hände über die Ohren. Doch es gelang ihm nicht, Bird aus seinem Geist auszuschließen.<br>Chester konnte inzwischen kaum mehr scharf sehen und auch der Raum begann sich um ihn zu drehen. Danny Bird war aufgestanden und stand nur wenige Zentimeter vor seinem Arzt. Dieser hörte ihn sprechen, jedoch bewegten sich seine Lippen nicht. Und in seinem Kopf hörte und sah er ein Bilderrauschen, dass er noch nie erlebt hatte.<br>„Sie können mir nicht helfen“, sagte Bird in Phoenix Kopf. „Sie wollten mir doch gar nie helfen. Vergessen Sie nicht: Danny Bird ist tot.<br>Ich habe ihn getötet.<br>Und Sie... sind nur ein armer alter bemitleidenswerter Mensch.“<br>Bird kam noch näher, bis sein Mund direkt neben Phoenix Ohr war. Er sprach weiter, immer noch nur zu Hören von Phoenix Geist. „Ich kann einen Erfolg ihrer Therapie vermelden Doktor. Ich werde Ihnen meinen Namen verraten.“<br>Verängstigt und mit Tränen in den Augen schielte Phoenix zu seinem Patienten. Und nun bediente sich dieser auch wieder der „normalen“ Form und artikulierte seinen Namen wie alle anderen Menschen. Doch er war nicht mehr wie alle anderen Menschen.<br>Denn als Phoenix denn Namen hörte, sackte er vor Schmerzen in sich zusammen. Und auch Bird fiel bewusstlos zu Boden. Einige Sekunden später reagierten die Wachmannschaften und stürmten den Raum. Doch sie konnten nicht mehr viel tun. <br>Sie kamen zu spät. Für beide.<br><br>Als John Lewinski seine Augen wieder öffnete fand er sich in einem hellen weißen Raum wieder. Blinzelnd setzte er sich auf und sah sich um. Die weißen Wände schienen zu leuchten. Ebenso wie der Boden und die Decke. Selbst das einfache hohe Biobett schien zu leuchten. Zudem fand er keine Besonderheiten an dem Raum. Keine Fenster, keine Türen, keine Terminals.<br>Er selbst trug die Zivilkleidung, die er schon die ganze Zeit getragen hatte. Ansonsten fühlte er sich gut. Überraschend gut.<br>„Willkommen im 27. Jahrhundert John.“<br>Lewinski drehte sich um und sah Jeroen McMor. Er lächelte und setzte sich neben ihn auf das Biobett.<br>„Wie ich sehe ist dein Arm wieder dran.“<br>„Ja“, antwortete McMor und streckte den Arm zum Beweis einige Male in die Höhe. „Unsere Ärzte haben ihn wieder ganz bekommen. Auch wenn mir dein Commander Price einiges zugesetzt hat.“<br>„Ja, er kann austeilen...“<br>McMor legte seine Hand auf Lewinskis Schulter. „Wir sind dir sehr dankbar für deine Hilfe. Nach unseren Analysen wurde der temporale Eingriff durch unser Einwirken neutralisiert. Auch wenn wir nicht wissen, wodurch dieser Eingriff ausgelöst wurde.“<br>„Ist es nicht wichtig dies herauszufinden.“<br>McMor legte den Kopf etwas zur Seite und rümpfte die Nase. „Man kann nicht immer alles erklären. Auch unsere Möglichkeiten sind begrenzt. Es wird vielleicht an jemand anderem liegen dies aufzudecken.“<br>„Ich habe da noch einige Fragen.“<br>„Wir alle haben Fragen.“<br>„Was wurde hier mit mir gemacht?“<br>„Dein Tumor wurde behandelt. Er ist wieder in dem Stadium, der deinem Alter entspricht. Zudem“, begann McMor. „Wurden deine Zellen etwas verjüngt. Damit niemand bemerkt, dass du durch die Zeit gereist bist.“<br>Lewinski griff sich unbewusst an seinen Bauch. „Ich wurde verjüngt?“<br>„Nur um wenige Stunden.“<br>Der Captain sah zu McMor. „Wie alt bist du?“<br>McMor lächelte wieder. „Schwer zu sagen bei den ganzen Zeitreisen. Aber ich war 92 als ich von dieser Behörde rekrutiert wurde. Und ich würde sagen ich mache dies schon eine ganze Weile.“<br>John nickte verstehend.<br>„Sag es nicht“, griff ihm McMor vor. „Ich weiß ich hab mich gut gehalten.“ Beide lachten. Und als sie sich wieder beruhigten sah Lewinski verwirrt zu ihm.<br>„Und was jetzt? Wie geht es jetzt weiter? Mit mir als Massenmörder.“<br>„John, noch bist du kein Massenmörder. Du hast deine Zukunft noch vor dir.“<br>„Wie oft hast du das schon gesagt? Wie oft sind wir hier schon gesessen und haben darüber gesprochen? Wie oft habe ich danach schon meine Zukunft zerstört.“<br>McMor verstand. „Wir sitzen hier zum ersten und letzten Mal. Und was du tust hängt nur von dir ab.“<br>„Das beruhigt mich keineswegs.“<br>„Ich weiß. Dafür ist ja auch die Gedächtnislöschung zuständig.“ McMor deutete zu einer Seite des Raumes. Ohne dass Lewinski jedoch einen Unterschied an dieser Seite, gegenüber den anderen, sehen konnte. „Dort wartet noch etwas auf dich. Ein kleines Dankeschön.“<br>„Dankeschön?“<br>„Ich habe da etwas geregelt für dich.“<br>Lewinski stand auf und trat auf die Wand zu. Kurz bevor das weiße Leuchten ihn total umgab drehte er sich noch einmal um. „Sehen wir uns noch mal?“<br>„Du weißt wo du mich findest. In einer Gefängniszelle auf der Venus.“ McMor lächelte zum Abschied. Lewinski trat wortlos vor und verschwand. Jeroen blieb noch einen Moment lang sitzen. Was er jetzt hinter sich bringen musste fiel ihm leicht. Doch die Pflicht wartetet und schließlich trat auch er durch dieses weiße Leuchten.<br><br>Als das weiße Leuchten verglühte fand sich John Lewinski an einem bekannten Ort wieder. Es war eindeutig sein Elternhaus in Kanada. Doch etwas stimmte nicht. Durch die vielen Fenster schien die Sonne herein. Wenn es also zurückgeschickt wurde wieso schien dann die Sonne? Jeroen hatte ihn bei Nacht mit sich genommen. Und außerdem: wieso erinnerte er sich noch an alles?<br>Während die Gedanken rotierten hörte er ein Geräusch aus einem der Zimmer. Er stand in der Diele des zweiten Stockes, wo sich alle Schlafzimmer und ein Badezimmer befanden.<br>Lewinski horchte genau hin und trat schließlich instinktiv einige Schritte in Richtung der Geräuschquelle.<br>Ehe er sich versah stand er im Schlafzimmer seines Vaters und fand dort seinen Vater vor. Röchelnd lag er im Bett. Das Gesicht kreidebleich und so eingefallen wie er es noch nie gesehen hatte.<br>Erschrocken trat John einige Schritte zurück. Doch schon im nächsten Moment rügte er sich für diese Tat. Das war nur sein Vater. Er musste keine Scheu haben.<br>John fühlte wie ihm einige Tränen über die Wangen liefen. Er sah zur Decke und nahm einen tiefen Atemzug. „Danke Jeroen“, murmelte er und kniete sich neben das Bett. Er ergriff eine von Lukes kleinen weißen Hände. Die Haut fühlte sich wie Pergament an und er konnte jede Sehen und Vene durch sie hindurch sehen. Vorsichtig hielt er sie und wärmte sie etwas mit seiner Hand. Dabei hatte er die große Angst diese zierliche Hand zu zerbrechen.<br>Die andere Hand legte er an den Kopf seines Vaters und strich ihm damit etwas über die Wangen und die Stirn. Plötzlich reagierte darauf auch sein Vater. Langsam schlug er seine Augen auf und rollte die blutunterlaufenen Glaskörper zu seinem Sohn.<br>„John“, röchelte er.<br>„Shhhh“, machte John. „Ja Dad, ich bin’s. Ruhe dich etwas aus“, versuchte er so ruhig und froh wie möglich sagen. Und so unmöglich wie es für ihn nur war spürte John einen kleinen Druck in seiner Hand. Luke erwidert in der Tat den Händedruck seines Sohnes. John spürte gleichzeitig, wie Luke etwas ruhiger atmete und sein Herz langsamer schlug. Er entspannte sich tatsächlich.<br>Luke drehte seinen Kopf etwas zu John und suchte seinen Augenkontakt. Auch wenn ihm dies nicht gelang. John neigte seinen Kopf etwas seinem Vater entgegen um ihm die Suche nach ihm zu erleichtern. Auch wenn dies nichts half.<br>„Kümmere dich um Martin“, bat er. Es war der letzte Wunsch eines alten Mannes. Der letzte Wunsch eines sterbenden Mannes.<br>„Das werde ich. Ich verspreche es dir“, entgegnete John.<br>„Ich liebe dich John“, raunte Luke.<br>John begann zu weinen. Sein Gesicht zeigte sich von Trauer erfüllt und seine Augen waren beinahe schon so rot wie die seines Vaters. „Und ich liebe dich Dad“, antwortete John so ruhig wie er konnte.<br>Darauf schloss Luke seine Augen und schlief ein. Mit einem lächeln auf den Lippen und im Frieden mit sich selbst.<br>John spürte Lukes Hand aus seiner gleiten. Vorsichtig legte er sie auf den Bauch seines Vaters. Er beugte sich selbst über ihn und küsste ihn auf die Stirn. Andächtig erhob er sich wieder und sah sich Luke an. Aufs schwerste gezeichnet von der tödlichen Krankheit lag er in seinem Bett. Wie ein Engel schlief er.<br>Im nächsten Moment hörte John ein merkwürdiges Geräusch. Vor der Tür sah er ein Shuttle herfahren. Es war das Shuttle mit dem „Essen auf Rädern“.<br>John sah einen jungen Mann aussteigen. Dieser holte sich ein Tablett aus dem Replikator an der Seite und trat mit diesem zur Tür. Nur wenige Sekunden später hörte er die Türklingel. Dann ein zweites Mal. Und ein drittes Mal.<br>Schließlich benutzte der junge Mann seine ID Card um die Tür zu öffnen.<br>John sah noch einmal zu seinem Vater. „Auf wiedersehen“, raunte er und verschwand wieder in dem weißen Leuchten, das ihn hergebracht hatte.<br><br>„John, dieser Mann benötigt Hilfe.“ Variigo sah auf zu seiner jüngeren Ausgabe. Doch dieser reagierte nicht. Sein Gehirn versuchte zu verstehen, was geschehen war.<br>Dabei gab es nicht so viel daran zu deuten. Er hatte auf Matt Price geschossen um McMors Leben zu retten. Noch vor wenigen Sekunden hatten sie beide das ausweichende Gas gehört, das auch jetzt noch ein leises Rauschen im Hintergrund war. Er hatte sich instinktiv einen Phaser geschnappt und war nach draußen gestürmt.<br>Ohne zu denken hatte er abgedrückt. Ohne darauf zu achten, dass er einen klingonischen Disruptor in den Händen hielt, der nur eine Einstellung kannte. Tödlich.<br>John Lewinski war noch in seiner Traumwelt, als sein Ebenbild ihn herumdrehte und ihm in die Augen sah. „John, du musst mit ihm zurückkehren. Ich kann Jeroen hier nicht helfen.“<br>„Ich habe Matt Price getötet.“<br>„Vergiss Matt Price!“ schrie Variigo.<br>„Du kannst das nicht verstehen. Was interessiert dich schon das Leben eines einzelnen Menschen? Du bist doch nur daran interessiert Leben auszulöschen“, konterte John.<br>„Daran darfst du jetzt nicht denken.“ Variigo ergriff den Disruptor und warf ihn weg. Als dieser Aufschlug flogen einige Teile von ihm ab. Er war zertrümmert worden. „Ihr müsst gehen.“<br>„Mich interessiert so etwas.“ John sah auf und sich selbst in die Augen. „Deshalb bist du immer noch der furchtbarste Mensch den ich kenne.“<br>„Ich verstehe“, antwortete Variigo und kniete sich zu McMor. Er griff in eine seiner Seitentaschen und holte das kleine Gerät heraus, dass Jeroen oft als Tricorder eingesetzt hatte. In der Tat war es aber viel mehr. Schnell aktivierte er es und sah auf die Anzeigen. Zufrieden nickte er und drückte es John in die Hand. Anschließend wies er John an neben McMor auf den Boden zu knien. Er legte eine von Johns Händen auf Jeroen, sowie den abgetrennten Arm.<br>„So wie ich es sehe musst du auf die Taste Home drücken“, riet Variigo und sah noch einmal zu John. „Hast du mich verstanden? Du musst ihn nach Hause bringen und sein Leben retten.“<br>John nickte. Variigo stand auf und trat einige Schritte zurück um nicht von dem Transportfokus erfasst zu werden. Und nur wenige Sekunden später hatte John die Taste auf dem Tricorder betätigt und war vom hellen Leuchten des Zeitreisetransporters verschluckt worden.<br>Variigo stand noch einige Moment so da. Er konnte nicht verstehen, warum er sich an so viele Dinge nicht erinnerte. Betrübt trat er den Korridor entlang und erreichte die Kommandozentrale. Er sah dort seine talarianischen Freunde liegen. Sie würden vermutlich noch einige Minute bewusstlos bleiben.<br>Gerade wollte er sich einem der Terminals widmen, als er jemandem in seinem Augenwinkel sah. Ruhig drehte er sich um und sah Jeroen McMor.<br>„Jeroen. Sehnsucht?“, fragte Variigo.<br>McMor trat zu ihm. „Nein, das nicht. Es geht um etwas anderes.“<br>Variigo sah zu seinem Arm. „Wie ich sehe hast du deinen Arm wieder dran. Den kannst du also nicht vergessen haben.“<br>„Meine Leute haben die Daten analysiert, die ich gesammelt habe“, berichtete McMor ohne auf Variigos Worte zu reagieren. „Wir sind uns zwar noch nicht sicher, wer oder was für den temporalen Eingriff verantwortlich ist, aber wir kennen inzwischen die Auswirkungen.“<br>„Und du wurdest beauftragt sie zu bereinigen?“<br>McMor nickte. „So ist es.“<br>„Also gut“, forderte Variigo auf. „Was sind die Auswirkungen?“<br>„Ohne den Eingriff in die Zeitlinie wäre Price auf die Station gekommen, hätte es geschafft dich zu töten und danach die Station zu zerstören. Er wäre darauf fahnenflüchtig geworden und hätte sich auf einen abgelegenen Planeten abgesetzt.“<br>Variigo ließ McMor weiter sprechen. Auch wenn er wusste, was er nun hören würde.<br>„Aber wir sind aufgetaucht. Und haben unsererseits Price getötet. Was bedeutet, dass du noch lebst und in der Lage bist weitere Anschläge zu verüben und Menschen zu töten, die leben sollten.“<br>„Logisch“, antwortete Variigo nickend. „Aber seid dann nicht ihr beide selbst der temporale Eingriff.“<br>„Zum Teil. Aber nicht vollkommen. Es gibt noch immer Details, die wir nicht verstehen“, gab McMor zu.<br>Variigo überlegte. „Dann will ich deiner Arbeit nun nicht im Weg stehen.“<br>„Du kannst es dir noch überlegen. Setz dich einfach auf diesen Aussteigerplaneten ab und mach dir einen schönen Lebensabend.“<br>„Du weißt, das kann ich nicht“, Variigo schüttelte den Kopf. „Du musst mich schon töten um mich davon abzuhalten das Richtige zu tun.“<br>Variigo hatte noch nicht richtig ausgesprochen, als McMor seinen Phaser zog und ihn erschoss. Dieser löste sich sofort in Nichts auf. Ohne weiterzudenken richtete er seinen Phaser auf die Talarianer und verdampfte auch diese.<br>Ein Hupen, das aus seinem Tricorder drang wies ihn darauf hin, dass der Zeitlinie genüge getan wurde.<br>„Es tut mir leid John“, sagte er leise. Er holte ein weiteres Gerät aus seiner Tasche, das die Form einer Halbkugel hatte. Er legte es in die Nähe einer der Konsolen und betätigte einige Tasten. Dann nahm er erneut seinen Tricorder zur Hand und beamte sich zurück in seine Zeit. Sein Auftrag war erfüllt.<br>Und wenn in wenigen Moment er und John Lewinski hier auftauchen würden, fänden sie nichts außer einer leeren Station und Price Leiche. Nur wenige Sekunden nach deren erneuter Abreise würde sich die Halbkugel aktivieren. Um die Station zu zerstören. Mit ihr alle Beweise. <br>So wie es sein sollte.<br><br>John Lewinski lief diese Gänge zum ersten Mal in seinem Leben ab. Sie befanden sich tief unterhalb der Erde San Franciscos. Die Wände waren kahl. Ein weiteres Zeichen dafür, dass dieser Trakt nicht für Besucher gemacht war. Der Pfleger führte ihn in einen Raum. Counselor Tolbar erwartete ihn dort. Freundlich grüßte sie den Captain und verabschiedete den Pfleger.<br>Der Raum war klein. Es standen einige Terminals in ihm und zwei Stühle. Die große Glasscheibe vor ihnen war noch milchig. Man konnte nicht hindurchsehen. Jedoch fiel von dem anderen Raum dahinter das einzige Licht in diesen kleinen Überwachungsposten herein.<br>„Sie sehen gut aus John“, lobte die Ärztin. „Ihr Urlaub hat Ihnen wohl gut getan.“<br>„Nun ja“, gestand Lewinski ein. „Ich habe vor einer guten Woche eine schwere Operation recht problemlos hinter mich gebracht und... ich weiß auch nicht. Ich Fühle mich seither viel leichter. Ich fühle mich losgelöst, richtig unbeschwert. Als sei mir eine große Last von den Schultern genommen worden.“<br>„Das freut mich für Sie“, fügte Tolbar an und entdeckte dann etwas, das Lewinski in seinen Händen hielt. „Sie haben sich ein Buch gekauft?“<br>„Oh ja“, antwortete er und zeigte es ihr. „Es ist ein Buch über klingonische Architektur.“<br>„Sie interessieren sich dafür?“<br>„Eigentlich nicht. Aber aus irgendeinem Grund wollte ich das Buch einfach haben, als ich es sah.“<br>Tolbar seufzte. „John, ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen. Es ist etwas geschehen.“<br>„Geschehen? Was denn?“<br>„Anscheinend ist Danny Bird durchgedreht. Er hat seinen Arzt angegriffen, Doktor Phoenix.“<br>„Oh mein Gott“, murmelte Lewinski. „Wie geht es Phoenix?“<br>„Er ist in ein Koma gefallen. Er wurde schwer verletzt. Zudem haben wir etwas gefunden. Anscheinend hat es Bird irgendwie geschafft ein Wort auf seinen Bauch brennen.“<br>„Brennen? Was für ein Wort?“<br>„Das Wort lautet: Variigo“, antwortete Tolbar. „Können Sie was damit anfangen?“<br>John Lewinski sah durch die Ärztin hindurch. „Ja. Auch wenn ich mir sicher bin, dieses Wort noch nie gehört zu haben.“<br>„Dies ist nicht das einzige Mysterium, dass dieser Fall mit sich brachte.“<br>Der Captain drehte sich zu der Scheibe. Er schloss seine Augen und ließ die Gedanken fließen. „Was ist mit Bird?“<br>Tolbar wandte sich zu einer der Konsolen. Sie betätigte eine Taste und die Scheibe vor ihnen wurde durchsichtig. Dahinter zeigte sich ein größerer Raum indem ein Bett stand. Bird war darauf festgeschnallt. Um ihn herum war eine metallene Kugel aufgebaut. Die einzelnen kleinen Streben drehten sich langsam und verliehen dem ganzen eine obskure Note.<br>„Er ist ebenfalls in ein Koma gefallen. Wir verstehen die ganze Situation nicht.“<br>„Kann ich zu ihm?“, fragte John. Tolbar nickte einfach und führte ihn in den Korridor zurück. Sie liefen einige Schritte und standen schließlich vor einer weiteren Tür.<br>Lewinski spürte plötzlich etwas seltsames. Ein komisches Kribbeln in seinem Arm. Plötzlich wurde aus dem Kribbeln ein leichtes Zucken und John ließ das Buch fallen, dass er in der Hand hielt.<br>Wie ein Zeichen lag dieses nun vor der Tür und Lewinski sah nur den Titel des Buches: „Nicht eintreten!“. Alles andere, wie den Untertitel „Die kriegerische klingonische Architektur“ oder auch Counselor Tolbar die ihn nach seinem Befinden erkundigte blendete er aus.<br>Er wusste nur: er musste hier weg. So schnell wie möglich. Also flüchtete er panisch.<br>Tolbar sah ihm verwirrt nach. So viel geschah hier im Moment, dass sie nicht verstand. Sie sah hinab und erblickte sein Buch. Hier stellte sich eine weitere Frage. Wieso hatte er es liegen lassen? Sie hob es auf und beschloss, es ihm nachzusenden.<br><br>In dem Raum selbst lag der regungslose Körper von Danny Bird. Doch in seinem innern brodelte es. Die dumme Tat hatte ihm nicht weitergeholfen. Chester Phoenix war ein Schwächling. Der Versuch seine Gefühle auf ihn zu projizieren hatte fehlgeschlagen. Also musste er auf einen neue Chance warten. Auf eine geeignetere Person.<br>So wie diesen Lewinski.<br>Er würde ihn sich schnappen, sobald er durch diese Tür treten würde. Dann war er bereit noch mehr Unheil anzurichten. Ganz deutlich konnte er John Lewinski spüren, wie er vor der Tür stand. Er fühlte die Macht und die Autorität, die ihn umhüllten wie ein schützender Mantel. Doch vor ihm würde er nackt sein.<br>Beinahe sah er die Zukunft schon vor sich. Als könne er sie greifen.<br>Doch was war das? John Lewinski entfernte sich wieder von ihm. Wieso? Dies sollte nicht geschehen. Dies durfte nicht geschehen.<br>Was wurde aus seinem Plan? Seinem Plan das Universum in eine dunkle Zeit zu stürzen und die Crew der Monitor dafür bezahlen zu lassen, dass sie es wagten ihn gestört zu haben.<br>Dieser verdammte Lewinski hatte schon wieder sein Leben und seine Vorhaben aus den Bahnen geworfen.<br>Wie sollte er seinen Plan nun beenden?<br>Etwa mit dieser zweitklassigen Ärztin. Auch diese war viel zu zerbrechlich und zu unbedeutend.<br>Also musste er darauf warten, dass John Lewinski ihn noch einmal besuchte. Irgendwann in der Zukunft. Ihm machte dies nichts aus. Er war schon alt und würde ewig leben. <br>Und mein Plan wird doch noch gelingen.<br>So wahr ich Variigo heiße.<br><br>Er stand gemütlich vor den Trümmern eines Hauses. Soeben hatte er eine Bombe gezündet und dieses Haus zerstört. Niemand durfte mehr eine Spur oder auch nur ein Haar in ihm finden. Und so war es am besten. Der Sprengkörper ließ alles künstliche zerfallen. Und es gleichzeitig so aussehen, als sei es auf natürlich Weise geschehen.<br>Er nahm seinen Tricorder vor und überprüfte erneut seine Einsatzbefehle. Natürlich wusste er, dass er alle Befehle ausgeführt hatte, doch er wollte auf Nummer sicher gehen. Vor wenigen Minuten bereits hatte er dafür gesorgt, das der Disruptor, der den tödlichen Schuss auf Matt Price abgab auch funktioniert. Danach hatte er Matt Price einige Hinweise in die Augen gestreut. Zuerst bei den Analysen und den Anzeichen für die Präsenz der Monitor bei den Anschlägen oder später die Allgegenwärtigkeit von Ardevs Diagnosen.<br>Und er hatte dafür gesorgt, dass die Gedächtnislöschung, die Jeroen McMor an ihm vorgenommen hatte, nicht hundertprozentig war.<br>Nur so konnte der Zeitlinie genüge getan werden. <br>Nur so war der temporale Eingriff zu erklären, den seine Behörde zweihundert Jahre zuvor nicht aufklären konnte, zu erklären.<br>Nur so konnte seine Existenz erklärt werden.<br>Nur so schloss sich der Kreis wieder.<br>Er betätigte die Taste Home und machte sich damit wieder auf den Weg zurück zu seiner Zentrale. Zurück zu einer neuen Aufgabe.<br>Auch wenn es ihn etwas grämte, dass er soeben das Haus zerstört hatte, das für ihn – nach seinem Elternhaus – am ehesten das Wort „Heimat“ beschrieb...<br><br><center>Ende<br><br>DIE SUMME ALLER ÄNGSTE, TEIL 2<br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by CHRISTIAN GAUS <br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center><br><br>]]></description><guid isPermaLink="false">5351</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - Special: Invasion 5 - "Die Seele des Teufels"</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-special-invasion-5-die-seele-des-teufels-r5320/</link><description><![CDATA[<center><a href="http://downloads.scifinews.de/file=34332"><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/I5_die_seele_des_teufels.jpg" border="0"></a><br></center><br><br>Prolog<br><br>Eine Woche nach den Ereignissen aus „ Das Chaos aller Zeiten“<br><br><b>Logbuch des Captains: <br>Die Monitor dockt immer noch an Deep Space Nine an, um sich von den Strapazen der letzten Mission zu erholen. Das habe ich zum Anlass genommen,  der Crew ihren schon lang verdienten Urlaub zu gewähren. Dennoch waren die letzten Tage nicht ruhig. Starfleetcommand ist besorgt darüber, dass nun wieder einmal ein Dämon geweckt wurde, der den Fortbestand der Föderation gefährden könnte.<br>Die Sensorenaufzeichnungen der Monitor und der Independence weisen daraufhin, das  die Golad zu den Furien gehört haben mussten - jener Vereinigung von dämonischen Wesen, denen Captain James T. Kirk zum ersten Mal begegnet war, und deren Planet  Kathryn Janeway durch ein Wurmloch in einen unbekannten Sektor verschwinden sah. Die Möglichkeit, dass sich die Furien sich wieder irgendwo neu formiert haben könnten, ist erschreckend. Denn die Angstprojektoren der Furien gehören zu den effektivsten Waffen, von denen man jäh gehört hatte.</b><br><br><br>(*Nachzulesen in der Buchreihe Invasion. Die TOS, TNG,DS9 und VOY umfasst. Anmerkung des Autors*)<br><br><br><b>7 Monate später…<br><br>Logbuch des Captains: <br>Vor wenigen Minuten haben wir den Notruf des Föderationsforschungschiffes Archer aufgefangen. Die Archer untersucht im Deneb-Sektor Ruinen einer unbekannten Hochkultur, die ungefähr zur gleichen Zeit wie die Iconianern verschwand. Eile ist geboten, da in diesem Sektor orionische Piraten ihr Unwesen treiben und meist keine Überlebende zurücklassen.<br><br>Allmählich begann der Warpantrieb der Monitor zu kreischen und der Rumpf leicht zu knacken. John Lewinski krallte sich an seinem Kommandosessel fest, während Matt Price die Monitor bei Warp 9,9998 auf Kurs hielt.</b><br> <br>„Wann erreichen wir die Archer?“, fragte John zum wiederholten Male.<br>„In 40 Sekunden bei gegenwärtiger Geschwindigkeit, Captain“, antwortete Ardev knapp. Lewinski begann mit den Kiefern zu mahlen. Er hoffte, dass sie nicht zu spät kamen. Mit einem Ruck ging die Monitor unter Warp. <br>„Captain, ich orte einen leichten Scout der Orionier. Sie gehen auf Warp“, meldete Danny Bird.<br>„Lassen sie sie abziehen. Matt, geh mit einem Außenteam rüber und schau nach, was sie uns übrig gelassen haben.“<br>„Aye, Skipper. Ardev, Arena, Danny, Doktor Fraiser und Mr. Sanchez in den Transporterraum“, sagte Price, während er das Steuer Lieutenant Alcazar überließ. John blickte auf das halb zerstörte Forschungsschiff der Nova Klasse. Gewaltige Hüllenbrüche verliefen am ganzen Rumpf. <br>„Denise, achten sie auf weiteren Besuch“, sagte John, nachdem Denise Smith an der Ops Platz genommen hatte.<br>„Aye, Captain“, antwortete die Afrikanerin ihm. <br><br><br>Wenige Minuten später materialisierte das Außenteam auf der Archer. Der Transporterchief hatte sie in einen Korridor auf Deck 3 des Schiffes gebeamt. Die Beleuchtung war auf das Minimalste gedämpft. Die Archer-Crew hatte nicht einmal Zeit gehabt, Roten Alarm zu geben. Die Hülle des Schiffes ächzte laut. <br>„Hier hat jemand ganze Arbeit geleistet, Matt. Die Einschusslöcher stammen von einem Sternenflotten-Handphaser vom Typ 2“, sagte Bird. Matt und Ardev leuchteten mit Handlampen den Korridor aus. Arena und Fraiser sondierten mit den Tricordern das Schiff ab. <br>„Ich orte schwache Lebenszeichen. Etwa 4 Sektionen von uns entfernt. Und seien sie vorsichtig. Die Hülle wird in weniger als einer Stunde ihre strukturelle Integrität verlieren“, antwortete Arena. Matt gab dem Team ein Zeichen, ihm zu folgen. Leichen lagen überall im Korridor verstreut herum. Teilweise Starfleetangehörige, aber auch zivile Crewmitglieder. Jeder von ihnen wies viele Phasertreffer auf. Auch die Wände wiesen Schmauchspuren von Feuergefechten auf. <br>„Was zumGeier, haben die hier gesucht?“ fragte sich Matt leise. 	<br>„Gute Frage. Die Orionier waren bisher klug genug gewesen, die Sternenflotte nicht direkt anzugreifen.“<br>„Bisher, Ardev. Doch aus irgendeinem Grund gehen sie nun in die Offensive und das ist schon beunruhigend genug.“ Die Tricorder piepsten immer energischer, bis das Team vor einer Wand stehen blieb. Arena, Ardev und Fraiser scannten die Wand. Dann wurde Arena stutzig. Sie justierte ihr Gerät neu. <br>„Eine magnetische Verriegelung. Ich rekonfiguriere den Tricorder, um die Versiegelung aufzuheben“, sagte die Terelianerin trocken. Nach wenigen Eingaben in das kleine Gerät öffnete sich knarrend die Wand. Etwas Rauch quoll hervor. Die Luft roch stark nach verbannten Ozon und Fleisch. Matt und Danny betraten als erste den Raum. In einer Ecke sahen sie einen Orionier an der Wand lehnen in dessen Troso ein riesiges Loch klaffte. Dennoch war nur wenig Blut zu sehen, da der Phasertreffer das meiste Blut gleich verdampft und die entstandenen Wunden kauterisiert hatte. Danny ließ derweil seinen Blick weiter durch den Raum schweifen und entdeckte drei weitere Leichen von Piraten. Auch sie waren auf das brutalste von Phaserstrahlen getötet worden. <br>„Da hat wohl jemand die Nerven verloren. Solche Wunden verursacht nur ein Phaser, den man auf Stufe 12 einstellt“, brummte Bird.<br>„Dort drüben“, sagte Fraiser. <br><br>„Captain“<br>„Ja Denise?“ Lewinski erhob sich aus dem Sessel und begab sich zur Ops. <br>„Die Sensoren haben kurz ein Schiff der Akira-Klasse geortet und verloren.“<br>„Konnten sie es identifizieren?“<br>„Nein, Sir. Das Schiff hatte keine Kennung. Außerdem sollten wir eigentlich das einzigste Schiff im Deneb-Sektor sein, Sir.“ John runzelte kurz die Stirn.<br>„Ich weiß, was sie meinen, Denise. Halten Sie Augen und Ohren offen.“<br>„Aye, Captain“, bestätigte Denise.<br><br><br>Kapitel 1<br><br>Das Wrack der Archer<br><br>Professor Desoto musste blinzeln, als ihn der Handstrahler von Matt Price ins Gesicht schien. Langsam versuchte er mit seiner linken Hand den Lichtschein abzudecken.<br>„Ich bin Commander Matthew Price, erster Offizier des Raumschiffs Monitor“, stelle sich Matt vor. Währendessen knieten Elizabeth Fraiser und Arena neben dem alten Mann und begannen seine Wunden zu versorgen. Danny fiel der Phaser in den Hand von Desoto auf. Er hielt ihn immer noch krampfhaft fest.<br>„Desoto. Professor Emanuel Desoto.“<br>„Professor, warum wurden sie von den Orionier angegriffen?“ fragte Matt behutsam. Ein Röcheln drang aus Desotos Kehle, als er versuchte, seine Kräfte für eine weitere Antwort zu mobilisieren.<br>„Sie kamen so plötzlich. Der Captain des Schiffes konnte nicht einmal rechtzeitig die Schilde aktivieren, als eine volle Breitseite Photonentorpedos uns getroffen hatte. Die Hauptenergie fiel sofort aus und wir waren wehrlos. Ich….“ Desoto sah verwirrt sich um.<br>„Ich konnte mich gerade noch hier herein begeben, als ich von diesen Männern überrascht wurde. Was dann geschah, weiß ich nicht mehr“, vollendete der alte Mann seinen Bericht.<br>„Commander, wir müssen ihn sofort auf die Monitor bringen“, schaltete sich Fraiser ein. Matt nickte. Fraiser berührte ihren Kommunikator.<br>„Fraiser an Monitor. Zwei Personen auf die Krankenstation beamen.“ Sofort verschwanden Fraiser und Desoto im Transporterstrahl.<br>„Sanchez, Ardev, versucht den Zentralcomputer der Archer zum Laufen zu bringen.“<br>„Aye, Commander“, bestätigte der Spanier. <br><br>Aufgeregt blickte Denise auf das Display der Ops. Ihre Finger rasten über die Schaltflächen, während Lewinski hinter ihr über ihren Rücken ebenfalls das Display beobachtete.<br>„Captain, es ist wieder etwas auf den Langstreckensensoren erschienen. Und es ist definitiv nicht die Akira von vorhin.“<br>„Wann ist eine Identifizierung möglich?“<br>„In etwa einer Minute, Captain. Sie fliegen mit sehr hoher Warpgeschwindigkeit. Visueller Kontakt in 3 Minuten, Sir.“ John nickte und berührte seinen Kommunikator.<br>„Lewinski an Außenteam.“<br>„Hier Price“, antwortete die Stimme des ersten Offiziers.<br>„Matt, wir bekommen gleich Besuch. Beeilt euch, ihr habt 4 Minuten.“<br>„Verstanden. Price Ende.“ John starrte weiter auf das Display. Denise Smith hatte die Bandbreite der Sensoren eingeengt, um ein besseres Ergebnis zu erhalten. Dennoch waren die leistungsfähigen Sensoren des kleinen Starfleet-Schiffes nicht in der Lage zu sagen, was genau da auf sie zukam.<br><br>Die Brücke des Raumschiffs der Akira-Klasse, das den Namen Melbourne trug, war in ein dunkles, blaues Licht getaucht. Ein älterer Mann saß im Kommandosessel und lehnte sich zurück.<br>„Können wir das Schiff identifizieren, das da auf die Monitor zukommt?“ fragte er. Seine Stimme ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass er vom Kommandieren eines Raumschiffes sehr viel verstand. Ein Ton, der die anderen Crewmitglieder des Akira-Schiffes dazu veranlasste, ihre Arbeit effizient zu erledigen.<br>„Ja, Sir. Es ist ein alter romulanischer Warbird des B-Typs, erste Generation der D´Deridex- Klasse. Die Waffensysteme sind aktiviert.“<br>„Dann wollen wir dem nicht nachstehen. Waffen und Schilde aktivieren, Mr. Oromov. Die Monitor soll keinen Kratzer abbekommen. Zumindest jetzt noch nicht.“<br>„Aye, Sir.“ Zufrieden lehnte sich der alte Mann zurück, als er vernahm, wie die Phaser akkumulierten und die Schilde sich aufbauten. Dieses Schiff der Akira-Klasse unterschied sich enorm von den anderen Schiffen dieser Klasse. Dieser Warbird würde für sie nur eine Aufwärmübung sein.<br><br>„Identifizierung ist erfolgt, Captain. Es ist ein romulanischenr Warbird des B-Typs, D´Deridex-Klasse. Sie haben ihre Waffen aktiviert und werden in 2 Minuten in Feuerreichweite sein“, meldete sich Denise Smith zu Wort.<br>„Nun wissen wir wenigstens, was aus einem der 6 verschwundenen Schiffe der ersten Generation der D´Deridex-Klasse wurde, die die Romulaner seit 12 Jahren vermissen“, brummte Lewinski.<br>„Lewinski an Außenteam. Sie haben eine Minute, um ihre Maßnahmen abzuschließen. Unser Besuch hat sich als ein romulanischer Warbird des B-Typs entpuppt.“<br>„Verstanden, Captain. Werden in einer Minute an Bord sein“, antwortete Price seinem Captain.<br>„Die Piraten müssen auf dem Schwarzmarkt eines dieser Schiffe gekauft haben.“<br>„Richtig, Denise. Romulaner würden niemals ungetarnt zu uns fliegen. Außerdem würden sie ihre Maschinen besser warten. So einen Plasma-Ausstoß habe ich nicht einmal bei einer veralteten Oberth-Klasse zu sehen bekommen“, sagte Lewinski mit zusammengekniffenen Augen.<br>„Roter Alarm! Waffensystem scharf machen und mit den Schilden noch so lange warten, bis das Außenteam wieder an Bord ist“, befahl Lewinski dem derzeit Diensthabenden Sicherheitsoffizier, der Bird an der taktischen Station vertrat.<br><br>„Datenverbindung aktiv, Commander“, sagte Sanchez und blickte immer noch konzentriert auf den Tricorder.<br>„Price an Monitor. Sind bereit für Datentransfer.“<br>„Verstanden, Commander. Transfer eingeleitet und in 2 Minuten abgeschlossen“, meldete sich Denise Smiths Stimme aus Matts Kommunikator. <br>„Haben sie noch was gefunden, Ardev“, fragte Price, als der Andorianer im Lichtkegel von Matts Handlampe erschien. <br>„Ja, Matt. Im Frachtraum sind noch einige Kisten mit Artefakten. Ziemlich kostbare Stücke, wie ich hinzufügen muss.“ Matt nickte. <br>„Price an Monitor. Den gesamten Inhalt des Frachtraums der Archer auf die Monitor beamen. Transporterprotokoll 8.“<br>„Hier Transporterraum. Haben verstanden. Transfer in 20 Sekunden abgeschlossen“, meldete sich der Transporterchief. Matt wurde immer nervöser. Das Schiff wirkte von Minute zu Minute unheimlicher. Kein Wunder, wenn man daran dachte, dass hier 75 Menschen umgebracht worden waren. Das Knarren und Ächzen der Hülle nahm deutlich zu. Dann gab es einen dumpfen Knall und ein kratzendes Geräusch. Deutlich konnte man einen riesigen Riss in der Wand erkennen, der nun immer größer wurde. Die Luft entwich hörbar ins Vakuum des Alls.<br>„Haben wir alles?“<br>„Ja, Commander“, antwortete Arena.<br>„Price an Monitor. Notfalltransfer. Das Team zurück beamen, schnell!“ In dem Moment, als der Dematerialisierungsprozess im Gang war, brach die Hülle und alles was nicht niet- und nagelfest war, wurde ins All gesaugt.<br><br>Auf dem Hauptschirm der Monitor konnte man sehen, wie die Archer langsam in mehrere Stücke zerfiel. Der Angriff musste heftiger gewesen sein, als zunächst angenommen.<br>„Captain, der Warpkern der Archer wird gleich brechen“, sagte Denise.<br>„Schilde hoch“, befahl Lewinski. In diesem Moment verschwand die Archer in einem Ball aus gleißendem Licht, dass das Ende des Schiffes durch einen Warpkernkollaps besiegelte. John sah besorgt auf das verblassende Licht der Explosion.<br>„Lewinski an Transporterraum. Haben sie das Team wieder zurückgebeamt?“<br>„Bestätigung, Captain. Das Team ist vollzählig an Bord zurückgekehrt.“ <br>„Danke, Transporterraum. Lewinski an Price. Melden sie sich mit ihrem Team sofort auf der Brücke.“<br>„Bestätigung, Skipper“, antwortete Matts Stimme. <br>„Captain, der Warbird hat seine Geschwindigkeit erhöht und wird in 21 Sekunden hier sein“, meldete Denise.<br>„Können wir ihnen entkommen?“ fragte John Lieutenant Alcazar.<br>„Ja, Sir.“<br>„Dann Kurs setzen auf Starbase 85. Maximum Warp. Beschleunigen!“ Alcazar bestätigte den Befehl und leitete den Warptransfer ein. Mit einem Ruck ging die Monitor auf Warp 9,5. <br><br>„Sir, die Monitor hat ihre Transporter regelrecht ausgelastet und den Frachtraum der Archer leer gebeamt. Auch der Datenkern der Archer wurde kopiert“, meldete Oromov dem alten Mann, der immer noch im Kommandosessel saß, als ob es das natürlichste der Galaxie wäre, dort Platz zu nehmen. <br>„Immerhin arbeitet Lewinski sehr gewissenhaft. Eine Eigenschaft, die ich an ihm wirklich zu schätzen gelernt habe.“ Ein Sensorenalarm schreckte den alten Mann hoch. Dann sah er auf dem Hauptschirm der Melbourne, wie die Archer in einem gleißenden Lichtball verschwand und die Schildblase um die Monitor sichtbar wurde. Dabei konnte man auch sehen wie der Defaint Raumer leicht schwankte.<br>„Bericht“, forderte er mit fester Stimme.<br>„Die Archer ist einem Warpkernkollaps zum Opfer gefallen. Allem Anschein nach hat die strukturelle Integrität versagt. Die Monitor hat ihr Team gerade noch herausbeamen können.“<br>„Ausgezeichnet. Und nun kümmern wir uns um den Warbird. Mr. Oromov auf Verfolgungskurs gehen und den  Warbird den Garaus machen.“<br>„Verstanden, Admiral Jellico.“ Mit einem Satz preschte die Melbourne nach vorne und beschleunigte auf Warp 9,8. Der Warbird der mit Warp 9 flog wurde schnell eingeholt. Nach einer Minute war die Melbourne in Waffenreichweite und feuerte eine Breiseite Tricobalt- Torpedos ab. Die Schilde des Warbirds versagten sofort und das Schiff platzte in einem Feuerball auseinander. <br><br>Matt Price stellte fest, dass seine Hände immer noch vor Aufregung zitterten. Auch bei den übrigen Teammitgliedern verspürte der Beta Zoid noch die Anspannung, die durch das Adrenalin verursacht wurde. Dennoch stellte sich schnell bei allen wieder die professionelle Ruhe ein. Ein Umstand, für den Matt dankbar war. Mit einem dankbaren Nicken an den Transporterchief verließ Price den Transporterraum der Monitor. Die Indikatoren in den Korridoren blinkten rot. Die Sirene heulte immer noch gequält den Alarmton. Automatisch beschleunigte Price seinen Schritt. Das Schiff erbebte Kurz. Entweder wurde die Monitor  angegriffen oder die Archer war soeben explodiert und die destruktive Energie der Explosion hatte soeben die Schilde der Monitor erreicht. Kurz darauf hörte man, wie der Warpantrieb begann aufzuheulen. <br>„Lewinski an Price. Melden Sie sich mit dem Team sofort auf der Brücke“, ertönte die Stimme des Kanadiers aus dem Lautsprecher von Matts Kommunikator. Er berührte ihn.<br>„Bestätigung, Skipper“, gab Price durch und rannte regelrecht zur Brücke. Die anderen hatten Mühe mit ihrem Vorgesetzten mitzuhalten.<br><br>„Bericht“, forderte Lewinski mit ruhigem, aber bestimmtem Tonfall. Auf dem Hauptschirm war die rückwärtige Sicht zu sehen. Lewinski und die Diensthabenden Brückenoffiziere waren Zeuge geworden, wie ein Schiff der Akira-Klasse in einem Handstreich einen romulanischen Warbird vernichtet hatte. Danach drehte das Schiff der Akira-Klasse einfach ab und verschwand so schnell aus der Ortung, wie es aufgetaucht war. <br>„Unser Verfolger wurde soeben von dem Akira vernichtet. Identifizierung war nicht möglich.“ Lewinski bedachte Denise Smith mit einem Stirnrunzeln.<br>„Das Schiff hatte überhaupt keine Kennung gesendet. Und eine visuelle Identifizierung war auch nicht möglich. Das Schiff hatte keine Bezeichnung auf dem Rumpf“, ergänzte die Afrikanerin und ließ es, wie eine Entschuldigung klingen. <br>„Na schön, Denise. Versuchen sie trotzdem herauszufinden, wer uns in letzter Sekunde den Rücken freigehalten hat.“<br>„Aye, Captain.“ Die Schotten öffneten sich, Price und das Außenteam betraten die Brücke.<br>„Das war verdammt knapp, Captain“, sagte Price leise.<br>„Kann ich mir vorstellen, Matt.“<br>„Ich frage mich nur, was die Orionier mit diesen Artefakten wollten. Das ist normalerweise nicht gerade ihr Stil.“<br>„In der Tat“, stimmte John seinem Stellvertreter zu. <br><br>Planet Chal<br><br>Mit offenen Mündern liefen staunende Kinder durch das große Planetarium, das sich auf Chal seit 150 Jahren befand. Tarses war einer der jungen Lehrer, der die Kinder durch die Ausstellung führte. Mit wachsamen Augen beobachtete der Nachkomme von Klingonen und Romulanern, wie die Kinder den Worten einer älteren Bolianerin lauschten, die sich vor wenigen Monaten hier niedergelassen hatte. Tezzia K`on war eine ehemalige Offizierin bei Starfleet gewesen. Nun seitdem sie ihre Rente genoss, hatte sie sich auf Chal niedergelassen. <br>Tarses sah, wie die Bolianerin es sichtlich genoss, den Kindern das Universum näher zu bringen. <br>Neben den vielen holographischen Simulationen von einzelnen Sternensystemen, wie das Sol System, das klingonische Imperium und die Planeten Romulus und Remus, wurde auch die Föderation in ihrer gesamten Ausdehnung gezeigt. Das Gebäude war einst eine geheime Basis gewesen, in der man vor 100 Jahren auch einen einsatzbereiten D7-Kreuzer der Klingonen fand. Nun war dieser inzwischen selbst zu einem Museumsstück geworden, wobei immer noch Schiffe dieses Typs bei den Klingonen im Einsatz waren. Chal gehörte heute der Föderation an. Der ganze Planet war ein tropisches Paradies mit 2 Kontinenten und vielen Inselketten. Der Planet war inzwischen auch zu einem der beliebtesten Urlaubsziele neben Risa  geworden.  <br>Während die Kinder sich um die Simulation einer rotierenden Galaxie versammelt hatten,  bemerkte Tarses einen älteren Mann im Hintergrund. Jemand, den er aus Geschichtsbüchern kannte. Ein Mensch, dessen Schicksal eng mit dem von Chal verbunden war. <br>Nachdem Tarses sich versichert hatte, dass Tezzia mit den Kindern zurechtkam, ging er auf den Menschen zu, der sich im Halbdunkel aufhielt. Mit einem Lächeln begrüßten sich die beiden Männer.<br>„Hallo Tarses.“<br>„Hallo Jim.“<br>Beide reichten sich die Hand. <br>„Wie macht sich mein Junge?“ fragte James Kirk, nachdem er wieder auf die Gruppe blickte. <br>„Joseph ist ein guter Bursche. Ich denke, er kommt sehr nach seinem Vater“, antwortete Tarses mit einem leichten Grinsen.<br>„Malen sie den Teufel nicht an die Wand, Tarses“, konterte Kirk mit einem Schmunzeln. Doch dann wurde er schnell nachdenklich. Tarses runzelte seine knöcherne Stirn und die Ohren schienen spitzer zu sein als sonst. Kirk glaubte fast seinen alten Weggefährten Spock vor sich zu sehen.<br>„Was ist los Jim?“ <br>„Es geht um deine Bewerbung an der Raumflottenakademie.“ Kirk fing leicht zu grinsen an, als er die großen Augen von Tarses sah. Hinter seinem Rücken holte Kirk ein Pad hervor, das die Antwort der Akademie enthielt. <br>„In drei Wochen wird dich die USS Gorkon zur Erde bringen, Tarses. Du hast es geschafft. Gratuliere dir, mein Junge.“ <br>„Danke Jim….Wahnsinn.“<br>„Ich weiß, wie viel dir daran gelegen ist und…“<br>„Jim, du hast doch nicht etwa nachgeholfen?“<br>„Nun, Spock würde sagen: Nur übertrieben. Ich freue mich für dich, Tarses. Immerhin bist du dann der erste Bewohner von Chal, der in der Flotte dienen wird.“ Kirk legte seine rechte Hand auf Tarses Schulter. In seinen Augen funkelte Stolz. Doch Tarses schien auch etwas anderes zu beschäftigen.<br>„Jim, hast du schon etwas von der Archer gehört?“<br>„Nein bisher nicht. Aber ich kann mich mal umhören, was da los ist. Im Flottenkommando habe ich immer noch Leute, die mir hier und da einen Gefallen schulden“, antwortete Kirk ruhig. Tarses nickte und sah kurz zur Gruppe, die sich anschickte in den nächsten Raum zu gehen.<br>„Jim, ich muss wieder weiter. Danke für deinen Besuch.“<br>„Kein Problem, Tarses. Ich werde mich ebenfalls ein wenig umsehen. Komm heute abend zu  mir ins Haus. Dann werden wir bestimmt erfahren, was mit der Archer und Desoto passiert ist.“<br>„Danke Jim. Bis heute abend.“<br>„Bitte Tarses. Bis bald.“ <br><br><br>Kapitel 2<br><br>Krankenstation der USS Monitor<br><br>Mit einem kritischen Blick kontrollierte Elizabeth Fraiser die Medoanzeigen am Biobett von Professor Desoto. Seit er an Bord der Monitor gebeamt wurde, hatte er bisher nicht das Bewusstsein wieder erlangt. Der Brustkorb des alten Mannes hob und senkte sich ganz leicht und langsam. Die Verbrennungen, die er durch Phasertreffer erlitten hatte, heilten langsam ab. Nachdem Fraiser die Werte wieder kontrolliert hatte, wandte sie sich an John Lewinski und Matt Price zu, die sich im Hintergrund aufhielten und der Ärztin aufmerksam zusahen. Fraiser straffte die Schultern und ging auf ihren Kommandanten und den ersten Offizier zu.<br>„Wie ist sein Zustand, Doktor?“ fragte John automatisch.<br>„Er ist gerade über den Berg, Captain. Ich konnte ihn stabilisieren – soweit, dass eine Befragung möglich ist. Doch bitte ich sie ihn nicht zu sehr anzustrengen. Sein psychischer Stress ist immer noch enorm.“<br>„Verstehe, Doktor. Wecken sie ihn bitte auf.“<br>Fraiser nickte, ging zu einem Rollwagen rüber und entnahm ein Hypospray, das sie an Desotos Hals ansetzte. Das typische Zischen ertönte und Desoto schlug die Augen plötzlich auf. John sah in diesen Augen das pure Entsetzen. Angst. Dieser Mann hatte Todesangst. <br>„Professor Desoto. Ich bin Captain John Lewinski. Kommandierender Offizier der USS Monitor. Sie befinden sich auf unserer Krankenstation und in Sicherheit.“ Doch seine Worte, die Desoto beruhigen sollten, schienen nicht anzukommen. <br>„Doktor, was passiert da?“ fragte John. Fraiser kam mit einem Medotricorder angelaufen und scannte Desoto.<br>„Er leidet unter hohem Stress. Es ist fast so, als ob ihn etwas zu Tode ängstigen würde.“ <br>„Captain….ich fühle….Oh Gott ...betäube ihn, Elizabeth, sofort! Sonst stirbt er“, presste Matt mühsam durch die Zähne. Er lag auf den Boden zusammengekauert und rang nach Atem. Fraiser holte schnell ein anderes Hypospray und versetzte Desoto in ein künstliches Koma. Als Desoto wieder eingeschlafen war, erholte auch Matt sich schnell wieder.<br>Lewinski kniete neben seinem ersten Offizier.<br>„Was ist passiert, Matt? Was hast du gespürt?“<br>„Entsetzen. Die pure Angst. Desoto leidet unter Todesangst. Ich habe gesehen, was er gesehen hat. Skipper, dieser Mann hat den Schlüssel zum Tor der Hölle gefunden.“ <br>John blickte wieder auf Desoto.<br>„Können wir es riskieren, ihn wieder aufzuwecken?“<br>„In einigen Stunden, wenn er sich soweit erholt hat.“<br>„In Ordnung, Doktor.“<br>„Frachtraum an Captain.“ Ardevs Stimme kam aus dem Lautsprecher von Lewinskis Kommunikator.<br>„Hier Lewinski.“<br>„Captain, kommen sie schnell hier her. Wir haben was gefunden, was ihre Anwesenheit erforderlich macht.“<br>„Verstanden Ardev. Bin gleich bei ihnen.“<br>John berührte den Kommunikator, um die Verbindung zu beenden. <br>„Doktor, sie melden sich, wenn Desoto das Bewusstsein wieder erlangt und auch in der Lage ist, Fragen zu beantworten.“<br>„Aye, Sir.“ Danach verließen Kommandant und erster Offizier der Monitor die kleine Krankenstation des Geheimdienstschiffes.<br><br>So etwas hatte Ardev noch nie erlebt. Eine Welle aus Angst schien jeden im Frachtraum zu überwältigen. Alle brachen zusammen, keuchten nach Luft. Das Entsetzen war in ihre Gesichter gemeißelt. Noch immer zuckten Ardevs Fühler verwirrt hin und her. Dann sah Ardev auf den antiken Kasten, der aus einem massiven Holz bestand und mit vielen Schnitzereien verziert war. Kaum hatten sie den Kasten geöffnet, hatte diese Woge aus Angst und Entsetzen alle erfasst. <br>Langsam kämpfte sich der andorianische Wissenschaftsoffizier zu  dem Artefakt vor und schloss die Klappe. Die Angst ebbte langsam ab. Ardev fand wieder genug Kraft, um seine Fassung wieder zu erlangen. Auch die anderen Offiziere schienen sich wieder in der Gewalt zu haben. Ardev berührte seinen Kommunikator.<br>„Captain, kommen sie schnell hier her. Wir haben was gefunden, was ihre Anwesenheit erforderlich macht.“<br>„Verstanden Ardev. Bin gleich bei ihnen“, antwortete Lewinskis Stimme. <br>Ardev holte seinen Tricorder hervor. Doch die Scans zeigten nichts Ungewöhnliches an. Dann betrachtete er sich die Schnitzereien auf dem Kasten. Diese Symbolsprache schien mit dem vulkanischen Alphabet verwandt zu sein, wenn auch nur sehr entfernt. Die anderen Artefakte, die man von der Archer herübergebeamt hatte, waren nur Tonscherben, alte Amphoren und kleine Statuen mit seltsamen Gestalten, die an Kobolde, Hexen und Dämonen erinnerten. Als sich Ardev diese Gestalten näher ansah, erkannte er auch einige Dämonen und Kobolde, die es einst auf Andor gab. Gestalten, die eigentlich in der andorianischen Mythologie zu finden waren. <br>Doch die Andorianer waren nie in den Deneb-Sektor vorgedrungen. Und doch hatte diese namenlose Kultur, die mit den Iconianern verwandt war, die gleichen Kreaturen aufzuweisen, die eigentlich Bestandteil der andorianischen Mythologie waren.<br>„Lieutenant. Schauen sie sich bitte an, was ich hier gefunden habe“, rief Denise Smith.<br>Ardev begab sich zur Afrikanerin und sah, wie sie eine weitere Kiste geöffnet hatte. Diese war etwas schmuckloser, aber auch größer. <br>In dieser Kiste befanden sich Puppen. Alle von verschiedener Statur und mit unterschiedlichen Körpermerkmalen. Einige schienen Hörner auf den Köpfen zu haben. Andere hatten mehrere Arme und Flügel. Ardev legte einige Puppen beiseite und ertastete etwas Hartes. Als er es ins Licht hob, hatte er den Schädel einer Furie in der Hand. Erschrocken ließ Ardev den Schädel in die Kiste zurückfallen. Jenes Wesen, dessen Schädel es einmal gehörte, war die andorianische Version des Teufels.<br><br>„Elawuhr“, hauchte Matt, als er die entsprechende Puppe in der Hand hielt. Entsetzt legte er diese zurück. John hatte sich in der Zwischenzeit den Bericht von Ardev angehört. Dabei stellte er fest, dass die Angstattacke nur auf den Frachtraum und auf zwei Personen auf der Krankenstation beschränkt gewesen war. <br>„Das ist noch nicht alles, Captain. Die meisten Schriftzeichen weisen auf Wesen hin, die in der Mythologie einiger Föderationsplaneten zu finden sind. Das kann kein Zufall sein“, schloss Ardev seinen Bericht ab.<br>„Das kann nur eines bedeuten. Desoto hat greifbare Beweise für die Anwesenheit der Furien im Deneb-Sektor gefunden.“<br>„Dem scheint es so zu sein, Captain“, bestätigte Ardev. Matt machte ein beunruhigtes Gesicht. John bemerkte, dass in seinem ersten Offizier eine Angst zu wachsen begann. Seit der Angstattacke auf der Krankenstation hatte er noch nicht seine Fassung komplett wiedererlangt. <br>„Ardev, machen sie weiter und seien sie vorsichtig. Ich werde mich in meinen Raum begeben.“<br>„Aye, Captain“, bestätigte Ardev knapp.<br><br>Wenige Minuten später erreichte John seinen Bereitschaftsraum. Nachdem er sich gesetzt hatte, aktivierte er seinen Desktopcomputer.<br>„Computer, einen Priorität-3-Kanal zu Sternenbasis 85 öffnen. Genehmigung Lewinski Omega 44 X-Ray 6.“<br>„Kommandocodes akzeptiert. Verbindung wird hergestellt.“<br>Wenige Sekunden später erschien Admiral Kirschbaums Gesicht auf dem Monitor. Das letzte Mal, als es John mit ihm zu tun bekommen hatte, lag mittlerweile 7 Jahre zurück. Seither hatte Kirschbaum mehr graue Haare bekommen. Auch sein Gesicht war zerfurchter, als es John in Erinnerung hatte.<br>„Admiral Kirschbaum. Ich bin Captain John Lewinski. USS Monitor“, begann John.<br>„Was kann ich für sie tun, Captain?“ fragte der Admiral.<br>John berichtete über die Vernichtung der Archer, sowie über den Vorfall im Frachtraum und auf der Krankenstation.<br><br>„Du siehst aus, als ob dir ein Dämon persönlich begegnet wäre“, sagte Arena, als Ardev das gemeinsame Quartier betrat. Seine Gesichtsfarbe war noch immer hellblau - ein Synonym für kreidebleich bei den Andorianern. Ardev bekam ein klägliches Lächeln zustande und ließ sich aufs Bett sinken. Seine Kopffühler hingen leblos herab.<br>„In der Tat. Die Archer hat Artefakte gefunden, die die Anwesenheit der Furien im Deneb- Sektor bestätigen. Zumindest waren sie das vor 5000 Jahren.“<br>„Du meine Güte.“ Arena setze sich neben ihrem Mann aufs Bett.<br>„Ich hatte den Schädel einer Furie in der Hand, Arena.“ Ardev begann zu zittern. Seine Augen weiteten sich und eine Woge aus Angst erfasste Ardev und Arena mit voller Wucht. Diesmal war das ganze Schiff betroffen.<br><br>Die Luft war von einem starken Schwefelgeruch durchzogen. Nebelschwaden waberten durch die Krankenstation. Emanuel Desoto erhob sich vom Biobett und sah sich verängstigt um. Unruhig wanderte er durch den Raum. <br>„Hallo?“ Nun ging er auf das Schott der Krankenstation zu. Neben dem Schott war eine Schalttafel angebracht. Doch diese war deaktiviert.<br>„Ist hier jemand?“ Desoto drehte sich nochmals um.<br>„Computer, Notfall.“ Doch der Computer der Monitor reagierte nicht. Nach einigen Sekunden beschloss Desoto sich auf die Brücke der Monitor zu begeben. Der Korridor war fast dunkel. Das Licht stark getrübt und nur durch das Pulsieren der Alarmbeleuchtung unterbrochen. Auch hier zog Nebel durch, der die Sicht enorm erschwerte.<br>Schreie. Sie kamen von überall und weit weg. Dann hörte er ein Kratzen an den Wänden. Ein Klacken von Krallen und das Poltern von schnellen Schritten. <br>Desoto glaubte, dass jemand hinter ihm stand. Doch als er sich umdrehte, war dort niemand. Desoto setzte seinen Weg fort. <br><br>Matt Price war von dem Wesen wie gefesselt, das sich ihm auf dem Hauptschirm der Brücke zeigte. Nur die Indikatoren, die rot blinkten, erhellten den Raum - verliehen dem Wesen, das Matt sah, eine grausame Kulisse. Bei dem Wesen handelte sich um die irdische Variante des  Teufels.<br>Ein Teil von Matt wunderte sich nicht darüber, da er ja zur Hälfte ein Mensch war. Die schlitzartigen, roten Augen durchbohrten den Halb-Betazoiden förmlich. Die Luft wurde feuchter auf der Brücke. Nebel zog auf, wahrscheinlich versagten die ambientahlen Systeme des Schiffes. Hinzukam ein Schwefelgeruch, der sich auf der Brücke verbreitete und in Matt Übelkeit hervorrief.<br>Der hundeschnauzenähnliche Mund begann zu grinsen. Matt begann vor Angst zu schreien und das Wesen schien sich daran zu laben. Mit aller Kraft konnte sich Matt vom Sessel erheben und sich in einer Nische verstecken. Zusammengekauert wie ein Embryo  zitterte der erste Offizier vor Angst. Das Wesen schien ihn weiterhin zu verspotten. Doch wie kam er auf die Brücke? Eben noch war er doch im Frachtraum gewesen und hatte Denise Smith bei der Untersuchung der Artefakte über die Schulter geblickt. Und jetzt fand er sich hier auf der Brücke - nur er. Allein. Und das Abbild dieses Teufels auf dem Hauptschirm, das ihm nach seinem Leben zu trachten schien.<br>„Computer, hier spricht Commander Matthew Price, erster Offizier USS Monitor. Melde den Status des Schiffes“, sagte Matt . Dabei musste er heftig husten.<br>„Primäre Systeme sind ausgefallen. Lebenserhaltung ist auf 10 %.“<br>„Computer, wie viele Personen befinden sich an Bord?“<br>„2.“<br>„Identifizieren.“<br>„Commander Matthew Price und Professor Emanuel Desoto.“<br>„Computer, was ist mit der Crew passiert?”<br>„Keine Daten vorhanden.“<br>„Computer, wann hat die Crew das Schiff verlassen?“<br>„Unbekannt.“ Matt blickte zur Decke auf. Das konnte doch nicht sein. Es müssten doch mindestens 70 Crewmitglieder an Bord sein.<br>„Computer, zähle die Besatzung der Monitor auf.“<br>„Commander Matthew Price.“ Matt wölbte eine Braue. Dann bemerkte Matt, dass das Wesen  nicht mehr zu da war. Langsam duckte er sich aus der Nische hervor und sah zum Hauptschirm. Dieser zeigte nur noch funkelnde Sterne. Matt stand auf. Er strich seine Uniform glatt und ging wieder in die Mitte des Raumes.<br>„Computer, wo befindet sich Desoto?“<br>„34 Meter vor dem Zugang zur Hauptbrücke“, antwortete die Stimme des Hauptcomputers. Wenige Sekunden später empfing Price Desoto am Zugangsschott der Hauptbrücke. <br><br>Desoto erschrak kurz, als er Price am Schott zur Brücke antraf. <br>„Commander?“<br>„Ganz recht Professor. Was geht hier vor?“<br>„Das ist eine lange Geschichte, Commander.“<br>„Ich bin ganz Ohr.“<br>„Können wir das nicht auf später verschieben. Wir müssen die Waffe der Furien deaktivieren.“ Desoto rann der kalte Schweis am Rücken entlang. Er begann schwerer zu atmen.<br>„Wo haben sie die Artefakte hingebracht?“<br>„In unseren Frachtraum, Professor.“<br>„Mein Gott. Hoffen wir, dass es nicht zu spät ist. Kommen sie, Commander. Wir haben so gut wie keine Zeit mehr, das Ding aufzuhalten.“ Matt gab es auf, weiter zu fragen und führte Desoto zum Frachtraum. Trotz der Lichtverhältnisse und des dichten Nebel, der in den Korridoren waberte, hatten sie diesen schnell erreicht. Als sich die Schotten teilten, glitt noch dichterer Nebel in den Korridor hinaus. In der Mitte des Frachtraumes stand die offene Kiste, aus der ein Licht strahlte. Daneben brannte ein großes Feuer um das seltsame Wesen tanzten. Jene Wesen, die Matt als Puppen in der Kiste gefunden hatte. Auch Elawuhr war da. Er tanzte mit den anderen Wesen um das Feuer und sangen dabei seltsame Lieder. Sie klangen wie Beschwörungen. Die Wesen steigerten sich in ihrem Gesang hinein und wirkten immer  unheimlicher, je länger Matt sie beobachtete.<br>„Kommen sie schnell, Commander. Sie werden uns gleich bemerken und dann ist es zu spät“, flüsterte Desoto erregt.<br>Schnell rannten die beiden Männer zum Kasten und schlossen den Deckel. Die Wesen bemerkten es und fingen an zu fauchen und zu brüllen. Matt befürchtete, dass diese Furien die Beiden jederzeit angreifen würden. <br>Nein, das kann nicht real sein, dachte Matt. <br>„Commander, ihr Phaser. Nehmen sie ihn und vernichten sie den Kasten“, flehte Desoto. Matt bemerkte, dass er tatsächlich einen TypII-Phaser in seinem Hohlster hatte. Er zog ihn, stellte die Waffe auf Maximum und vaporisierte den Kasten. Im gleichen Augenblick verschwanden die Furien und der Frachtraum um Matt schien sich aufzulösen. <br><br><br>Kapitel 3<br><br><br>Bereitschaftsraum von Captain Lewinski<br><br>„Captain! Antworten Sie! Ist bei ihnen alles in Ordnung?“, fragte Kirschbaum besorgt, als er Lewinski unter einer Angstattacke zusammenbrechen sah. Schreiend kauerte John auf dem Boden. Um ihn herum sah er die Dämonen seiner Kindheit auftauchen. Wesen, die eigentlich nur in Bücher existieren, aus denen man Kindern vorlas, damit sie Ruhe geben. Doch nun waren sie da. John spürte ihre Anwesenheit, roch ihren fauligen Atem, konnte ihre Körperwärme regelrecht spüren.<br>„Lasst mich in Ruhe!“, brüllte John und begann zu weinen. <br>„Captain! Hören sie auf meine Stimme. Das ist nicht real, nur meine Stimme ist real“, versuchte Kirschbaum wieder Zugang zu Lewinski zu finden. Nach einigen Augenblicken ebbte die Angst ab. Die Dämonen lösten sich auf und John erlangte seine Fassung wieder zurück. Dennoch zitterte er am ganzen Körper – so, als ob er unter enormen Stress gestanden hätte. <br>„Alles wieder in Ordnung, Admiral. Ich befürchte, Desoto hat die Büchse der Pandora geöffnet.“<br>„Das glaube ich auch, Captain. Kommen sie so schnell wie möglich zur Basis.“<br>„Das werden wir, Admiral. Lewinski Ende.“ Nachdem John die Verbindung beendet hatte, berührte er seinen Kommunikator. <br>„Captain an alle. Roter Alarm.“ Die Indikatoren begannen rot zu glühen und die Sirenen schrieen gequält den Alarmton. John Lewinski betrat die Brücke mit großen Schritten.<br><br>Auf dem Planet Chal <br><br>James Kirk genoss sichtlich die kühle Abendluft, die sanft über die Veranda seines Hauses strich. Joseph spielte mit Nachbarskindern auf der Lichtung vor dem Haus. In solchen Augenblicken vermisste er seine Frau und die Mutter von Joseph. Vor seinen Augen formte sich ein Bild seiner Frau Teilani. <br>Mit einem Seufzen wandte er sich halb von der Szene ab, als er ein Piepsen vernahm. Sein Computerterminal meldete sich. Eine Subraumbotschaft war gerade eingetroffen. Nachdem sich Kirk an den Computer gesetzt hatte, setzte er seine Lesebrille auf und gab seinen Freigabecode ein. Nach wenigen Minuten zirpte das Gerät erneut. Die Verbindung war hergestellt worden.<br>Ein sehr alter Mann erschien auf dem Schirm. Es war Leonard McCoy, der vor einigen Tagen seinen 152. Geburtstag gefeiert hatte.<br>„Hallo Pille.“<br>„Hallo Jim. Wie geht es deinem Jungen?“ fragte der ehemalige Bordarzt der Enterprise.<br>„Ihm geht es prächtig.“<br>„Und das bei deiner Aufsicht?“ Kirk verzog eine Mine. „Erstaunlich“, schloss McCoy ab.<br>„Aber deswegen habe ich dich nicht gerufen Jim. Ich hab die Informationen, um die du mich gebeten hast, Captain.“<br>„Ich bin ganz Ohr, Pille“, antwortete Kirk ernst.<br>„Jim, die Archer ist zerstört worden. Die Monitor bringt Desoto zur Sternenbasis 85. Laut den Berichten ist er bei bester  Gesundheit.“<br>„Weiß man, wer für die Vernichtung der Archer verantwortlich ist?“<br>„Die Orionier. Seit Monaten plündern sie antike Stätten und überfallen Expeditionen, die sich dort im Deneb-Sektor aufhalten.“<br>„Erinnert mich an damals, als wir mit der Enterprise dort ebenfalls diese Burschen gejagt haben.“<br>„Richtig, Jim. Außerdem hat Desoto Artefakte gefunden, die die Anwesenheit der Furien im Deneb-Sektor bestätigen.“<br>„Also deshalb waren die Orionier dahinter her.“<br>„Gut möglich. An was Denkst du gerade, Jim?“<br>„An nichts, Pille. Es ist nur, ich muss wieder an damals denken, als Kellen uns um Hilfe bat gegen die Furien zu kämpfen. Ich habe immer noch die Befürchtung, dass die Furien nicht aufgegeben haben.“<br>„Leider ist dem so. Aber keine Sorge, Jim. Unsere Jungs sind auf Draht und verstehen ihr Handwerk.“ Jim stimmte Pille stumm zu. Er kannte den Bericht von Kathryn Janeway, wie sie im Delta-Quadranten die Furien an einer erneuten Invasion in den Alpha-Quadranten gehindert hatte. Doch konnten sie es erneut versuchen. Zuzutrauen war es ihnen und das wussten die beiden Männer nur zu gut.<br>„Daran zweifle ich auch nicht. Es ist nur ein Gefühl, Pille.“<br>„Ich weiß zu was das führen kann, wenn du was fühlst.“<br>„Und das bereitet mir große Sorgen, Pille.“<br>„Auch das verstehe ich, Jim. Mir geht es nicht anders. Ich werde dich auf dem Laufenden halten, Jim. „<br>„Danke Pille.“<br>„McCoy Ende.“ Der Bildschirm wurde wieder schwarz, bevor er wieder eine Textdatei anzeigte, die sich Kirk am frühen Nachmittag vorgenommen hatte. Kirk zog seine Lesebrille auf und nahm sich die Datei vor. Hierbei handelte es sich um die Logbucheintragungen von der Enterprise D, DS9 und der Voyager – alle hatten es in den letzten 8 Jahren mit den Furien zu tun bekommen. <br>Kirk wollte herausfinden, was sich seit der ersten Begegnung bei den Furien getan hatte.<br><br>„Ardev.“ Arena kniete neben ihrem Mann auf dem Boden. Ardevs Augen waren weit aufgerissen. Die Pupillen starr auf einen Punkt an der Decke fixiert und sein Atem war flach.<br>„Komm zu dir“, flüsterte Arena. Angst vibrierte in ihrer Stimme. Sanft hob sie den Kopf ihres Mannes an und schob ein Kissen darunter. Dann berührte sie ihren Kommunikator.<br>„Tellom an Fraiser.“ Für kurze Zeit konnte man nur leises Rauschen hören. <br>„Hier Fraiser“, meldete sich die Ärztin mit leicht erstickter Stimme.<br>„Elizabeth, Ardev und ich hatten so etwas wie eine Angstattacke. Ich habe mich halbwegs erholt, aber Ardev ist immer noch weggetreten.“<br>„Ich werde sobald wie möglich bei euch sein.“<br>„Danke Elizabeth. Tellom Ende.“ Arena sah auf ihren Mann herab, dessen Hautfarbe immer blasser wurde. <br>„Halte durch, Liebling. Hilfe ist unterwegs.“<br>„Uns kann nichts mehr helfen.“<br>„Wie meinst du das?“<br>„Sie kommen, Arena. Sie werden sich holen, was ihnen zusteht.“ Ardev holte tief Luft und seine Lungen gaben dabei einen seltsamen Ton von sich.<br>„Und wir werden in Finsternis zurückfallen.“<br>„Das wird nicht passieren, Schatz.“ <br>Wenige Minuten später traf Fraiser mit einem medizinischen Notfallkoffer ein.<br><br>„Alle Decks melden Bereitschaft, Captain“, berichtete Danny Bird, als er von der taktischen Konsole aufsah. <br>„Diese Angstattacke hat nicht nur das Schiff erfasst, sondern auch alles im Umkreis von 5 Lichtmonaten.“ Lewinski hob eine Augenbraue.<br>„Das ist enorm“, antwortete John seinem Sicherheitschef. <br>„Eher beunruhigend, Skipper“, brachte sich Matt Price ein. Sein Gesicht war kreidebleich. Schweiß glänzte auf seiner Stirn. Er berichtete Lewinski, was er während der Angstattacke erlebt hatte. <br><br>Edward Jellico schnappte nach Luft, als die Angst wieder nachließ. Auch die restliche Brückenbesatzung beruhigte sich langsam. Berichte aus allen Abteilungen des Raumschiffs der Akir- Klasse trafen nun ein. <br>„Hat Desoto es tatsächlich gefunden?“, flüsterte er zu sich selbst.<br>„Hat er die Büchse der Pandora gefunden?“ Jenes Artefakt, nach dem Desoto all die Jahre gesucht hatte, wurde als die Seele des Teufels bezeichnet. Eine verschollene Technologie der Furien, die in der Lage ist, Angst als Waffe einzusetzen. <br>In den Wirren des Exodus der Furien war diese Technologie verloren gegangen, wie viele andere auch, als sie sich im Delta-Quadranten der Milchstraßengalaxie niederließen. Nur der Gedanke, das alte Paradies wieder zurück zu erobern und es von den Unreinen zu säubern, hatte die Furien nach langen, blutigen Bürgerkriegen wieder zusammengeschweißt. <br>Doch vieles ging verloren, Dinge, die erst nach Jahrhunderten der Dunkelheit wieder auftauchten. Und eine dieser Technologien befand sich nun auf der Monitor und hatte eindrucksvoll seine Macht unter Beweis gestellt.<br>Angespannt sah Jellico auf den Hauptschirm, der die Monitor im Warptransit zeigte. <br>Dann waren die Gerüchte also doch wahr. Dass im Deneb-Sektor noch die letzten Außenposten der Furien zu finden waren. Womöglich sogar noch intakt. Wenn dem so war, dann musste Jellico handeln - bevor Lewinski es tun würde.<br>„Steuermann. Kursänderung um 180 Grad. Wir kehren in den Deneb-Sektor zurück.“<br>„Aye, Sir“, bestätigte der bolianische Steuermann.<br>Jetzt hieß es den Flugplan der Archer abzuarbeiten. Die Monitor würde zu spät auf die Idee kommen, das ebenfalls zu tun. Denn diese Technologie versprach Gewalt über den Rest der Galaxie zu erlangen. <br><br>Eine Stunde nach der Angstattacke hatten sich alle Offiziere im hinteren Bereich der Monitor- Brücke versammelt. Jeder berichtete von seinen Alpträumen, die auf einmal Gestalt angenommen hatten. <br>Matt Price rieb sich unentwegt die Hände, er verspürte bei sich, wie auch beim Rest der Crew Unruhe, Angst und Unsicherheit. Keiner wusste so recht, wie man auf diese Situation  reagieren sollte. <br>„Sie haben Desoto in ihrem Alptraum gesehen?“ fragte John.<br>„Ja. Und er schien mir Einiges sagen zu wollen. Er wusste, wie man dieses Ding, das für die Angst verantwortlich ist, unschädlich macht“, erklärte Matt.<br>„Und wie hast du das geschafft, Matt?“ erkundigte sich Fraiser neugierig.<br>„Ich habe den Kasten mit einem Handphaser vaporisiert“, fügte der erste Offizier hinzu.<br>„Klingt ja nach einem Spaziergang“, kommentierte Bird.<br>„Oh Danny. Sie ahnen nicht einmal im Entferntesten, was wir uns da eingebrockt haben. Kennen sie die Furien?“ fragte Matt Bird und den Rest der Versammlung. Alle zuckten mit den Schultern, bis auf John, der wissend seine Stirn in Falten zog.<br>„Nun, da keiner von ihnen in Geschichte aufgepasst hat, hier eine Kurzfassung.“ Matt berichtete von der ersten Begegnung der Furien mit Kirk und der Enterprise. Dann 100 Jahre später die erneute Begegnung mit Picard und wenig später Janeway und der Voyager im Delta-Quadranten.<br>„Soviel dazu. Was Desoto gefunden hat, war einst das Werk der Furien.“<br>„Und ich habe es in Gang gesetzt“, ergänzte Ardev.<br>„Ich habe den Kasten geöffnet und...“<br>„Es ist nicht ihre Schuld, Ardev“, sagte John in einem Tonfall, der alle beruhigen sollte. Verständnisvoll sah er seinen Wissenschaftsoffizier an, der immer mehr seine ursprüngliche Gesichtsfarbe zurückerlangte. <br>„Desoto hat uns Einiges zu erklären. Immerhin wurde deshalb ein Raumschiff der Sternenflotte samt Besatzung vernichtet. Irgend jemand hat davon Wind bekommen und weiß auch, worum es geht“, sagte Lewinski in einem düsteren Ton.<br>„Orionier sind zwar Banditen, aber keine Dummköpfe. Sie würden nicht die Sternenflotte angreifen, ohne sich einen recht sicheren Vorteil davon zu versprechen.“<br>„Ganz recht, Danny“, bestätigte Matt dem jungen Sicherheitschef der Monitor.<br>John kaute kurz auf seiner Unterlippe.<br>„Wir werden uns den Flugplan der Archer vornehmen. Als letztes hat die Archer bei Calcutta- Station angedockt. Vielleicht sollten wir dort anfangen“, sagte John trocken.<br>„Skipper?“ Matt wölbte eine Augenbraue. „Dir ist wohl klar, dass man sich im Deneb-Sektor keinen übleren Ort aussuchen kann. Selbst die Hölle ist der Garten Eden dagegen.“<br>„Ich weiß, Matt. Du wirst dort Fragen stellen. Und ich werde derweil einem alten Bekannten einen Besuch abstatten“, sagte John mit einem leichten Grinsen.<br>„Ich brauche einen Rat von jemanden, der es schon einmal mit den Furien zu tun hatte. Und zufällig hatten sich unsere Wege vor 9 Jahren gekreuzt“, fügte John hinzu.<br>„Zufällig“, sagte Matt. „Wo sollen wir dich absetzen, John?“<br>„Ich werde mit einem Shuttle zu ihm fliegen.“<br>„Der einzige Planet, der im Aktionsradius des Shuttles liegt, ist Chal.“<br>„Ganz recht. Dort will ich auch hin“, antwortete John seinem Stellvertreter.<br>„In Ordnung, wenn du nichts dagegen hast, werden wir den Kurs so setzen, dass du mit dem Shuttle nur einen Tag brauchst, um Chal zu erreichen.“<br>„Gute Idee, Matt. Machen wir es so.“<br><br>8 Tage zuvor<br><br>Vorsichtig glitt die Archer an Calcutta-Station heran. Eine alte, irdische Raumstation, die vor 87 Jahren von einer privaten Investorengruppe gebaut und nach wenigen Monaten aufgegeben worden war, weil sich die Spannungen zwischen den hier angrenzenden Weltraummächten zuspitzten und die Station unrentabel machten. <br>Orionier hatten die Station gekauft und daraus einen gut gehenden Schmugglerhafen gemacht. Captain Chang war nicht wohl, bei der Sache, dass er mit einem praktisch wehrlosen Forschungsschiff hier her geflogen war.<br>Kein Wunder, wenn man einen alten Klingonischen D7-Kreuzer, 3 Ferengi-Marauders und ein verschollenes Jem Hadar-Kampfschiff vor dem Bug auftauchen sah. Auch ein romulanischer Warbird des B-Typs hatte hier festgemacht. Chang wusste, dass 75 % der Schiffe hier noch immer von ihren Vorbesitzern vermisst wurden. Er konnte nur hoffen, dass die Archer nicht interessant genug für diese Piraten hier war. Doch Desoto hatte darauf bestanden hier her zu fliegen. <br><br>„Wir sind in Transporterreichweite, Professor“, begrüßte Chang Desoto, nachdem dieser die Brücke vom Turbolift aus betreten hatte. <br>„Danke, Captain. Ich werde in wenigen Minuten hinüberbeamen“, sagte Desoto und blickte auf ein Pad. <br>„Sie werden von meinem Sicherheitschef begleitet, Professor.“<br>„Bitte, Captain, ich möchte alleine gehen.“ Chang runzelte die Stirn.<br>„Professor, ich muss sie nicht daran erinnern, dass es weniger gefährlich ist, sich einem nach Rache dürstenden Klingonen in den Weg zu stellen, als sich alleine dort hinein zu begeben.“<br>„Ich weiß, Captain. Aber der Mann, den ich dort treffen soll, will, dass ich alleine komme.“<br>„Dann nehmen sie wenigstens einen Kommunikator und einen Phaser mit“, gab Chang zurück. Natürlich dachte er nicht im Traum daran, einen Zivilisten ohne Schutz da überhaupt reingehen zu lassen. Er würde seinen Sicherheitschef und zwei Sicherheitsleute in Zivil heimlich hinter Desoto herschicken. <br>Desoto nickte erleichtert.<br>„Danke Captain“, bedankte sich Desoto und verließ die Brücke. Chang gab seinem Sicherheitschef ein Zeichen. Kurz darauf verschwand auch der bajoranische Sicherheitschef im Turbolift.<br><br>„Um das geht es hier also nun?“ Erstaunt wendete Daimon Brunt den antiken Kasten im Licht. Zwei in Kutten verhüllte Gestalten standen im Halbdunkel des Frachtraumes der alten Raumstation.<br>„So ist es. Es handelt sich um eine alte Technologie. Eine Waffe“, antwortet eine der verhüllten Gestalten. Dabei klang die Stimme so tief und unheilverkündend, als ob sie aus der Hölle kommen würde. Brunt verzog ungläubig das Gesicht. Ihm war es im Grunde egal, worum es hier ging. Wichtiger war es, dass dies hier einen derartig großen Profit einbringen könnte, der es ihm erlauben würde, sein Schiff reparieren zu lassen. Seit einem Jahr saß Brunt hier fest. Seither versuchte er mehr oder weniger erfolgreich, sein Schiff zu reparieren, das nach einem Angriff der Tholianern halb zerstört wurde.<br>„Es ist ihr Eigentum, meine Herren. Sie haben mich nur aufgesucht, damit ich ihnen einen Käufer auftreibe. Und mehr interessiert mich nicht. Hauptsache, das Geld stimmt.“<br>„Sie werden ihren Lohn für ihre Bemühungen erhalten, Daimon. Seien sie sich dessen immer bewusst.“ Brunt spürte ein Frösteln, das seinen Rücken hinaufkroch. Irgendetwas sagte dem Geschäftsmann, dass die beiden Fremden es nicht aufrichtig mit ihm meinten. Aber  andererseits brauchte er das Geld. Brunt tastete nach seinem Phaser, den er immer bei sich trug. Als er die kalte Hülle der Waffe spürte, beruhigte er sich wieder ein wenig. Irgendetwas schien bei Brunt Angst auszulösen, wenn er die beiden Gestalten nur sah. <br>Tatsächlich erinnerten die Beiden Brunt an Gestalten, die in der Mythologie der Ferengi als Dämonen bezeichnet wurden. Brunt konzentrierte sich nun auf das bevorstehende Geschäft.<br>„Das will ich auch hoffen, meine Herren“, antwortete er. Und rieb sich gierig die Hände. Nun begann Brunts Tricorder zu piepsen. Jemand näherte sich dem Frachtraum.<br>„Unser Käufer ist soeben eingetroffen.Wenn sie uns entschuldigen würden?“ Die beiden verhüllten Gestalten nickten und aktivierten ihre Transporter.<br>Brunt zuckte mit den Schultern. Jede Faser seines Körpers schrie Gefahr. Und Brunt wusste einfach nicht warum.<br>Das Schott öffnete sich und ein älterer Mensch betrat den  Raum. Nachdem er sich umgesehen hatte, ging er langsam auf Brunt zu.<br>„Guten Abend, Mr. Brunt.“<br>„Guten Abend, Professor. Schön, dass sie es einrichten konnten, doch noch hier her zu kommen“, begrüßten sich die beiden Männer.<br>„Haben sie es bekommen?“ fragte Desoto ohne Unschweife. Brunt leckte über seine scharfen und schiefen Zähne. Seine Augen bekamen ein seltsames gieriges Funkeln. <br>„Aber sicher, Professor. Wie sie es gewünscht haben. Kommen Sie, die Ware befindet sich hier drüben“, sagte Brunt und deutete auf die Kiste. Desoto begutachtete das Stück mit einem Tricoder, den er von der Archer mitgenommen hatte. Er gab einige Befehle in das kleine Gerät ein und nahm eine weitere Sondierung der Kiste vor.<br>Danach begutachtete er die Kiste mit seinen Augen. Zufrieden nickte er leicht und klappte den Tricorder langsam zu. <br>„Wunderbar. Sie haben ihr Wort gehalten“, lächelte Desoto. Brunt zuckte mit gespielter Bescheidenheit die Schulter.<br>„Ich bin Geschäftsmann und Ferengi“, antwortete Brunt etwas zu schleimig. „Ich pflege stets mein Wort zu halten“, fügte er hinzu. Desoto runzelte leicht die Stirn. Aber Desotos Aufmerksamkeit wurde wieder von der antiken Kiste in Anspruch genommen.<br>„Wie wahr“, hauchte der Wissenschaftler. Nun griff Desoto in seine rechte Jackentasche und holte einen isolinearen Chip hervor.<br>„Auf diesem Chip sind die Koordinaten gespeichert, wo sie ihre Bezahlung abholen können. Genauso, wie sie es haben wollten.“<br>„Zu gütig, Professor. Ich wünsche ihnen alles Gute“, sagte Brunt und blickte gierig auf den Datenträger.<br>„Vielen Dank, Mr. Brunt. Ich wünsche ihnen auch weiterhin gute Geschäfte“, sagte Desoto und gab Brunt mit einem zufriedenen Grinsen den Chip.<br><br>„Es ist geschehen“, hauchte der eine Fremde seinem Begleiter zu. Beide beobachteten, wie  Desoto den Frachtraum verließ. Nachdem Desoto seine Kleidung etwas geordnet hatte, berührte er seinen Kommunikator und verschwand im Transporterstrahl der Archer.<br>Beide gaben sich mit einem stummen Nicken zu verstehen, dass es hier nichts mehr für sie zu tun gab. Dennoch holte einer der Fremden ein kleines Gerät unter seiner Kutte hervor. Eine klauenartige Hand, die mit giftgrünen Schuppen übersät war, berührte einige Schaltflächen. Danach dematerialisierten beide im Transporterstrahl ihres kleinen Schiffes.<br><br>Mit einem Stirnrunzeln nahm Chang zur Kenntnis, was ihm sein Sicherheitsoffizier  berichtete. Mit 2 Sekunden Verzögerung wurde Desoto erst an Bord gebeamt, nachdem das heimliche Außenteam auf die Brücke gebeamt worden war.<br>„Zu schade, dass wir nicht genau wissen, was Desoto da geholt hat“, sinnierte Chang.<br>„Wir könnten die Transporterlogbücher checken“, meinte der Sicherheitschef der Archer. Chang nickte nur als Bestätigung, woraufhin sich der bajoranische Sicherheitschef an seine Station machte, um die Daten zu prüfen.<br><br>Desotos Puls raste, als er von der Transporterplattform herabstieg. Die Kiste in seinen Händen fühlte sich seltsam kalt an. Eine Aura des Untergangs ging von dem kleinen Objekt aus, das auf den ersten Blick ein Holzkasten mit vielen Schnitzereien war. <br>Auf was habe ich mich da nur eingelassen, fragte sich Desoto im Geiste, als sich die Schotten des Transporterraumes vor ihm teilten.<br><br><br>Kapitel 4<br><br><br>Gegenwart<br><br>„Er träumt“, sagte Matt tonlos, als er auf den bewusstlosen Desoto sah. Die Pupillen unter den Augenlidern des alten Mannes zuckten ohne Unterlass, ein Zeichen dafür, dass Desoto einen recht intensiven Traum hatte. <br>„Ja, vermutlich scheint er wieder einen Alptraum zu haben“, antwortete Fraiser so leise, als ob sie befürchtete, dass sie Desoto wecken könnte. Matt nickte nur leicht.<br>„Was tust du gerade?“ fragte Fraiser, als sie sah, wie Matt auf Desoto blickte und nun die Augen schloss.<br>„Ich versuche herauszufinden, was er träumt, vielleicht erhalten wie weitere Antworten.“ Matts Stimme wurde leiser. Die Krankenstation um ihn herum verschwand in einem undurchdringlichen Nebel. Matt konnte die Kälte und die Feuchtigkeit des Nebels spüren, wie sie durch die Uniform und über seine Haut kroch. Er nahm plötzlich in der Ferne eine flüstern wahr. Viele Stimmen, die durcheinander redeten, so dass man kaum ein Wort heraushören konnte. Dann legte sich der Nebel und Matt fand sich in einer Steppe wieder. Die Kälte und Feuchtigkeit waren einer sehr trockenen Hitz gewichen. Matt musste mit seiner Hand die Sonne abschirmen, um überhaupt was sehen zu können. <br>„Fünf Monde“, murmelte Matt, als er zum Himmel aufsah. Im Deneb-Sektor gab es nur ein System das eine Klasse M-Welt mit 5 Trabanten hatte. <br>„Das ist Dedalus 7“, sagte Matt zu sich selbst. In der Ferne konnte er Silhouetten ausmachen. Der Wind trug auch Geräusche zu Matt hinüber. Matt Price sah vor sich die Expedition der USS Archer. Laut Flugplan waren sie vor 4 Tagen hier gewesen - 29 Stunden, bevor das Schiff angegriffen wurde. <br><br>Langsam ging Matt auf das  Lager zu. Die Sonne schien mit jedem Schritt immer stärker vom Himmel zu brennen.  <br>„Verzeihung, ich…“ Der Fähnrich, der Matt zuerst begegnete, schaute durch ihn hindurch,  schien ihn nicht zu sehen. Auch der nächste Teilnehmer der Expedition schien Matt nicht wahrnehmen zu können. Matt straffte die Schultern und hielt nach Desoto Ausschau. Wenige Minuten später hatte er ihn im Hauptzelt des Lagers gefunden. Gebannt sah Desoto gerade auf den Kasten, den Matt vor wenigen Stunden zuvor zerstört hatte. <br>Dieser Kasten. Verdammt, was hat er zu bedeuten? fragte sich Matt. Desoto drehte sich zu Matt um. Und blickte ihn besorgt an.<br>„Können sie mich sehen?“ fragte Matt.<br>„Ja, Commander. Sie befinden sich in einem meiner Träume“, antwortete Desoto sanft.<br>„Professor. Was ist passiert?“ <br>„Die Tore der Hölle wurden wieder geöffnet. Doch dieses Mal konnten sie nicht mehr rechtzeitig geschlossen werden. Ursprünglich war es das Ziel meiner Forschung gewesen, nachzuweisen, wo die Furien einst gelebt haben“, begann Desoto und wanderte dabei im Zelt umher. <br>„Und sie haben Beweise gefunden, nicht wahr?“ Matt spielte auf den Kasten an. Desoto lächelte kurz.<br>„Ja, Commander, das habe ich in der Tat. Doch ich hatte keine Ahnung, in was für ein Wespennest ich da eigentlich gestochert habe. Auf dieser Expedition haben wir den Kasten  und noch zwei weitere Artefakte gefunden, die Teil eines komplexeren Artefaktes sind.“ Desotos Gesicht wurde ernster.<br>„Nämlich einem Artefakt, das man auch als Seele des Teufels kennt.“<br>„Ich habe mal auf der Akademie in Geschichte davon gehört“, erwiderte Matt. <br>„Dann wissen sie auch, dass Archäologen jahrhundertelang rätselten, was es mit dem Artefakt nun konkret auf sich hat. Doch bis auf eine waren alle anderen Legenden nur Phantasie.“ An dem Zelt begann der Wind allmählich stärker zu rütteln. <br>„Sie meinen, dass es sich um Technologie der Furien handelt“, erwiderte Matt.<br>„Ja, Commander.  Es ist nicht nur eine Waffe, die Angst auslöst. Sie scheint auch ein System zum Laufen bringen zu können, dass Transwarpkanäle steuern kann.“ Matt lief es eiskalt den Rücken herunter. Vor 7 Monaten hatte die Monitor mit der Independence ein antikes Transwarptorsystem vernichtet und somit einer Spezies Namens Goald im letzten Moment die Tür vor der Nase zugeschlagen. <br>Wenn es stimmte, was Desoto ihm berichtete, stand der Milchstraße eine erneute Invasion ins Haus bevor. <br>„Wenn die Furien diese Technologie in die Finger bekommen, wird die Föderation in weniger als 5 Stunden versklavt sein, da die Furien praktisch überall erscheinen können. Wir hätten keine Chance uns zu wehren.“<br>„Ich verstehe nur zu gut, Professor. Außerdem hat auch jemand anders von ihrer Entdeckung Wind bekommen. Denn sonst wäre die Archer nicht von den Orionier angegriffen worden.“<br>„Richtig. Denn sie sind bereits hier, Commander. Besser gesagt ein Erkundungstrupp der Furien ist seit geraumer Zeit hier. Ich habe ihre Anwesenheit vor 3 Wochen bemerkt. Sie haben mich und die Archer beschattet.“ <br>„Das heißt, wir stecken bis zu den Haarspitzen in dem Schlamassel“, bemerkte Matt trocken.<br>„Sie müssen noch nach Avalon 3 fliegen. Dort vermute ich das letzte Teil des Puzzels.“<br>„Wir werden dorthin fliegen, Professor. Und wir werden Sie dort brauchen.“<br>„Wenn die Zeit reif ist, werde ich da sein, Commander. Viel Erfolg.“ Das Zelt und Desoto verschwanden in einem gewaltigen Sog. Wenige Sekunden später fand sich Matt auf der Krankenstation der Monitor wieder. <br><br>„Was hast du gesehen, Matt?“ fragte Fraiser. <br>„Möglicherweise unser Ende, Elizabeth. Ich muss zum Captain.“ Matt Price verließ die Krankenstation mit großen Schritten.<br><br>„Wahnsinn“, hauchte John, nachdem Matt seinen Bericht beendet hatte. <br>„In was sind wir da nur geraten?“ fragte sich der Kommandant der Monitor.<br>„Ich weiß es nicht, Captain. Aber wir müssen schnell handeln, wenn wir das Schlimmste noch verhindern wollen.“<br>„Richtig, Matt. Ich werde nun nach Chal fliegen und einen alten Freund um Hilfe bitten.“<br>„Und ich werde mich auf der Calcutta-Station umhören.“<br>„Viel Glück, Matt.“<br>„Ihnen auch, Skipper.“ John betrat die Fähre und schloss das Schott. Wenige Minuten später war der Druckausgleich vollzogen und die Hangartore unter der Fähre öffneten sich. Sanft glitt das Shuttle aus der Monitor hinaus und beschleunigte sofort auf Warp 2.<br><br>Edward Jellico betrat das Wagnis, die übelste Bar, die man auf der Calcutta-Station nur finden konnte. Der Geruch von Alkohol, Schweiß und anderen undefinierbaren Körperausdünstungen drangen scharf in Jellicos Nase ein. Jellico trug einen schweren schwarzen Ledermantel. Darunter war ein einfacher dunkler Overall.Das erste Mal war er als junger Fähnrich hier gewesen, der noch recht grün hinter den Ohren war und sich auch prompt von einem gewieften und geschwätzigen Ferengi nutzlosen Plunder für einen unverschämten Preis andrehen ließ. Noch wochenlang musste Jellico Sticheleien der Crew ertragen, weil er auf einen Ferengi hereingefallen war. Seither war ihm das zwar nicht mehr passiert, aber dieser Ort weckte die unangenehme Erinnerung daran. Eine der leicht bekleideten Kellnerinnen kam auf Jellico zu und  fragte, was er haben wolle. Nach dem er höflich abgelehnt hatte, erspähte  er einen kleinen, etwas zu dicken Ferengi.<br>„Guten Tag, Daimon Brunt“, begrüßte Jellico den Ferengi, während er sich zu ihm an die Theke setzte. Der Ferengi sah ihn entsetzt an. Doch Brunt hatte sich sehr schnell im Griff. <br>„Ich grüße sie, Jellico“, erwiderte der Ferengi stockend.<br>„Ihre orionischen Freunde waren nicht gerade erfolgreich“, sagte Jellico beiläufig.<br>„Die USS Monitor ist ihrem Trupp in die Quere gekommen und danach bin ich es gewesen, der ihrem Kunden einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.“ Brunt sah Jellico erschrocken an. <br>„Die Artefakte sind nun auf der Monitor. Desoto ist  noch am Leben und sie können sicher sein, dass die Monitor hier auftauchen und Fragen stellen wird“, beantwortete Jellico Brunts unausgesprochene Frage.<br>„Sie haben versagt, mein Freund.“ Brunt schluckte. <br>„Schönen Tag noch, Mr. Brunt.“ Jellico war nun wieder in der Menge im Wagnis  verschwunden. Brunts Hände zitterten. <br><br>„Wir brechen auf,  Mr. Oromov. Und sorgen sie dafür, dass niemand hier auf Calcutta-Station noch Fragen beantworten kann, wenn wir weg sind“, befahl Jellico, nachdem er auf der Brücke der Melbourne materialisiert worden war. Oromov nickte und gab einige Befehle in seine Konsole ein. Kurz darauf ging die Melbourne auf Warp.<br><br>Einer der orionischen Techniker der Station bemerkte, wie etwas in den Maschinenraum der Station gebeamt wurde. Mit großen Schritten ging er auf den Maschinenkern zu. Die Augen des Technikers wurden größer. Ein Photonentorpedo war direkt neben dem Kern materialisiert worden und begann bedrohlich zu summen. Mit großen Schritten hastete der Techniker auf das nächste Intercom zu. Doch in dem Moment, als er die Sprechtaste berührte, spürte er die Hitzewelle. Ein gleißendes Licht durchflutete alles. Eine halbe Sekunde später war die Calcutta-Station nur noch eine Gaswolke im All. Die Schiffe, die angedockt waren, trieben als glühende Trümmerhaufen umher.<br><br>Elegant glitt das Shuttle Galileo in den Orbit von Chal. John betrachtete sich die kobaltblauen Meere, bevor er die Landekontrolle aktivierte. <br>Nachdem das Shuttle die obersten Wolkenschichten durchdrungen hatte, konnte John die Landmasse ausmachen, auf der Kirk sein Haus hatte. Viele, die Chal besucht hatten, berichteten, dass man hier das Paradies gefunden hatte. Dem konnte John Lewinski nur zustimmen. Selbst Risa konnte dem hier nicht gerecht werden. Und dennoch würde das hier kein Erholungsurlaub werden. John verlangsamte das Schiff auf 700 Stundenkilometer und verringerte weiterhin die Höhe. Die Landmasse schwoll immer schneller an. Details wurden immer mehr deutlicher. Nach einer Kurskorrektur schwenkte das kleine Schiff leicht nach rechts in Richtung der Randgebiete der Stadt, wo sich Kirks Haus befand. Das letzte Mal, als er ihn gesehen hatte, lang 9 Jahre zurück - auf der Brücke der Monitor, als sie in der Nähe der Borg-Heimatwelt waren. <br>Als Kirk wieder von dort zurück kam, gab es einen sporadischen Briefwechsel. Den letzten Brief von Kirk hatte John vor 2 Jahren erhalten. Seit dem Dominion-Krieg hatte er sich wieder auf Chal zurückgezogen, um sich um seinen Sohn Joseph zu kümmern. Nun drosselte John das kleine Schiff auf 200 Stundenkilometer herunter und leitete die letzte Phase des Landeanfluges ein. <br><br>Das vertraute Geräusch von Impulstriebwerken und Manöverdüsen, die den Landeanflug eines Shuttles ankündigten, hatte Jim Kirk ins Freie gelockt. Es dauerte nicht lange und Kirk konnte einen kleinen hellen Punkt ausmachen, der schnell größer wurde. Bald darauf erkannte Kirk, dass es sich um ein Starfleet-Shuttle handelte, genauer gesagt wurden diese Shuttles nur auf einer Schiffsklasse verwendet, den Raumern der Defaint-Klasse.<br>Etwa 60 Meter vor seiner Veranda setzte das Shuttle Galileo der USS Monitor sanft auf. Nur ein leises, dumpfes Geräusch war zu hören und der warme Wind, der nun sich abkühlenden Impulstriebwerke streifte über den Rasen.<br>Nachdem das Schott sich geöffnet hatte, trat ein Mann in Starfleetuniform heraus. Vier goldene Sterne an seinem Kragen wiesen ihn als Captain aus. Den entschlossenen Blick kannte Kirk von sich selbst und anderen Kapitänskollegen nur zu gut.<br>„Hallo John. Ich hatte dich schon in gewisser Weise schon erwartet“, begrüßte Jim Kirk John Lewinski.<br>„Kann ich mir denken, Jim. Wir müssen reden“, antwortete John, während er Kirk die Hand schüttelte.<br>„In Ordnung. Gehen wir ins Haus. Es gibt gleich Abendessen, dabei können wir darüber reden“, bat Kirk seinen Gast ins Haus.<br>„Du ahnst nicht, was für einen Hunger ich habe.“<br>„Umso besser, John.“ Beide Männer betraten das Haus.<br><br>Nach dem Essen saß John über dem Logbuch von Kirks erster Enterprise, die den allerersten Kontakt zu den Furien hergestellt hatte. Es dauerte eine halbe Stunde, bis er alle Einträge durchgelesen hatte. John blickte erst auf, als Kirk zwei dampfende Tassen mit Kaffee hinstellte. <br>„Wonach soll ich nur suchen, Jim“, fragte Lewinski, während er sich die Augen rieb. Kirk setzte sich hin und blickte kurz auf den Tisch.<br>„Nach all dem, was du mir erzählt hast, kann ich mir denken, dass die Furien eine erneute Invasion planen. Sie werden solange nicht aufgeben, bis sie ihr Ziel erreicht haben oder vernichtet worden sind. Der Drang ins Paradies zurückkehren zu wollen, hat sich im Laufe der Jahrtausende zu einer Religion ausgebildet. Als die Enterprise vor 97 Jahren mit dem ersten Furienschiff zusammentraf, musste ich das einsehen. Beinahe hätten wir unsere Heimat an sie verloren, wenn nicht die Klingonen damals mit uns zusammengearbeitet hätten.“<br>„Ich verstehe. Desoto scheint auf eine verschollene Technologie der Furien gestoßen zu sein,  hinter der einige Gestalten her sind“, antwortete John.<br>„Und wenn dann auch ein Sternenflottenforschungsschiff angegriffen und die Crew getötet wird, ist das mehr als das Werk von Piraten.“<br>„Wer könnte in Frage kommen, außer den Orionier, denen wir begegnet sind?“<br>„Mir würden drei Dutzend Leute einfallen, die sowas zu gerne in die Hände bekommen wollen,  um der Föderation eins auszuwischen.“ Kirk stand auf und holte noch eine Schüssel mit Schokokeksen, die er ebenfalls auf den Tisch stellte.<br>„Jim, dieses Artefakt hat bei jedem im Umkreis von Lichtmonaten eine Angstattacke ausgelöst. Vier von meiner Crew wären beinahe sprichwörtlich vor Angst gestorben. Vor 11 Jahren konnte Picard mit seiner Enterprise einen Angriff gerade noch zurückschlagen. Wir haben uns deren Schildmodifikationen und die der Voyager  vorgenommen.“<br>„Was aber nicht reichen wird.“ Kirk holte ein Pad.<br>„Nichtsdestoweniger werden wir eine Lösung finden. Ich habe Desotos Untersuchungen verfolgt. Immerhin war es ebenfalls die Enterprise, die 7 Jahre nach dem ersten Vorfall die erste Untersuchung im Deneb-Sektor durchführte. Damals war es Miguel Desoto. Sein Großvater, der damit begann. Er war zu jener Zeit ein junger Fähnrich gewesen. Nicht zu fassen, ich hätte nie gedacht, dass sein Enkel einen Treffer landen würde, den der alte Miguel noch zu gerne selbst erlebt hätte.“<br>„Gab es damals auch Probleme mit den Orionier?“<br>„Die gab es schon immer, John. Aber…da war noch jemand daran beteiligt.“ Kirk blickte John ernst an.<br>„Sektion 31 hatte auch Interesse an dem Artefakt. Sie haben es nie wirklich aufgegeben danach zu suchen.“<br>„Interessant, Jim. Als wir bei der Archer waren, tauchte ein Warbird der Romulaner auf. Dieser wurde von einem unbekannten Schiff der Akira-Klasse vernichtet.“<br>„Für Sektion 31 wäre es kein Problem, sich ein Schiff samt Besatzung zu besorgen.“<br>„Nein, nicht Sektion 31, Jim. Es gibt nur ein Mann, dem ich das zutrauen würde. Edward Jellico. Wie klein doch die Galaxie ist.“ <br><br><br>Kapitel 5<br><br>90 Jahre zuvor<br><br>Die trockenen und heißen Winde von Dedalus 7 strichen über Kirks Gesicht, als er gemeinsam mit McCoy und Spock auf den Planeten gebeamt war. Das Lager, das die drei Männer erblickten, war vor 4 Tagen auf den Planeten gebeamt worden. Eigentlich sollten die Wissenschaftler 3 Monate hier verbringen. Doch die Enterprise war keine 4 Flugstunden vom Planet entfernt, als sich ein orionischer Frachter wie ein Geier auf das Lager gestürzt hatte. Einer der Wissenschaftler, ein junger Fähnrich namens Miguel Desoto, konnte noch einen Notruf absetzen, der recht schnell abbrach. Nun lag das Lager verlassen da. Überall waren schwarze Krater zu sehen, die zeigten, dass Schiffsdisruptoren gefeuert hatten. In einigen Metern Entfernung untersuchten Sicherheitsleute unter der Leitung von Lieutenant Commander Pavel Chekov die Reste des Lagers.<br>Leider erreichte die Enterprise den Planten erst, als die Orionier ihr Werk vollendet hatten. Kirk vermutete, dass sie die Flucht ergriffen hatten, nachdem die Enterprise auf deren Scannern aufgetaucht war. Einen Schlagabtausch mit einem Raumschiff der Constitiution- Klasse überlegte sich jeder Pirat drei bis vier Mal. <br>Kirk ging auf Chekov zu, der gerade einem Sicherheitsoffizier eine Anweisung gab.<br>„Haben sie was gefunden, Pavel?“ fragte Kirk.<br>„Bisher nur Disruptorentreffer und nur noch wenige Spuren der Expedition. Den Tricordermessungen zufolge wurden die Wissenschaftler an Bord des Piratenschiffes gebeamt, bevor man das Lager vernichtet hat“, berichtete Chekov in seinem russischen Akzent. <br>„In Ordnung, Chekov. Machen Sie weiter. Spock.“ Der vulkanische erste Offizier trat an seinen Captain heran und nestelte ebenfalls an seinem Tricorder herum.<br>„Ich kann Chekovs Messungen bestätigen, Captain. Klasse 4-Disruptoren. Diese werden nur von den Orionier verwendet und finden auch auf dem Schwarzmarkt reisenden Absatz bei anderen raumfahrenden Völkern.“<br>„Verstehe. Der Angreifer war doch ein Frachter des Typs F, wenn ich mich nicht irre.“<br>„Typ H, Captain. Die Enterprise kann den Frachter schnell einholen, um genau zu sein, innerhalb von einer halben Stunde dürften wir Sie aufgespürt haben“, ergänzte Spock Kirk. Auf einmal kam einer der Sicherheitsleute aufgeregt aus einem Zelt herausgestürzt. Tiefes Entsetzen zeichnete sein Gesicht.<br>„Captain, Doktor McCoy kommen sie schnell“, brüllte er. Kirk, Spock und McCoy waren schnell bei dem Zelt angelangt. Im Inneren des Zeltes fanden die drei Männer einen jungen Mann neben einem Kasten liegen. In der Hand hielt er einen Tricorder fest. Krampfhaft waren die Finger um das Gerät gepresst.<br>„Wie geht es ihm, Pille?“ fragte Kirk, nachdem McCoy sich neben den Mann hingekniet hatte und mit dem Medotricorder Messungen vornahm.<br>„Er steht unter Schock und ist beinahe vollkommen dehydriert. Aber er wird wieder auf die Beine kommen“, brummte Pille in seinem üblichen Landarztton. Spock betrachtete den Tricorder, den der junge Mann in der Hand hielt.<br>„Faszinierend, Captain. Der Mann hat den Tricorder so programmiert, dass man keine sichere Erfassung mit dem Transporter erreichen kann. Das muss auch der Grund sein, warum wir ihn nicht erfassen konnten.“<br>„Spock, was hat es mit diesem Ding auf sich. Die Zeichen kommen mir bekannt vor.“<br>„In der Tat, Captain. Das sind Schriftzeichen der Furien. Vermutlich eine vorzeitlichere Form“, antwortete Spock seelenruhig. McCoy traten die Augen hervor.<br>„Jim, der Mann muss auf die Krankenstation der Enterprise gebracht werden.“<br>„Natürlich, Pille. Veranlasse alles Notwendige.“ McCoy nickte und klappte seinen Kommunikator auf.<br>„McCoy an Enterprise. Zwei auf die Krankenstation beamen.“ Nach wenigen Sekunden lösten sich McCoy und der junge Mann im Transporterstrahl der Enterprise auf.<br><br>Eine Stunde später war die Enterprise mit Warp 7 hinter dem Frachter her. Kirk traf McCoy in der Krankenstation, wo sich auch Spock aufhielt. Beide Männer unterhielten sich gerade über die Ergebnisse ihrer Untersuchungen. <br>„Konntet ihr nun feststellen, wer der Bursche nun ist?“ fragte Kirk.<br>„Ja, Jim. Der Mann ist Fähnrich Miguel Desoto. Er gehört zu der archäologischen Abteilung der Enterprise und ist erst vor drei Wochen an Bord gekommen, als wir bei K3 neue Crewmitglieder an Bord genommen haben. Er war es auch, der den Notruf gesendet hat“, berichtete McCoy.<br>Jim Kirk nickte. Das Gesicht des Mannes wirkte nun entspannter. Nicht so angstverzerrt, wie im Lager, als sie ihn fanden. <br>„Ist er in der Lage, Fragen zu beantworten?“ wollte Kirk wissen. Pille nahm fast schon sofort eine abwehrende Haltung ein, die er immer annahm, wenn er seine Patienten schützen wollte.<br>„Nur unter Vorbehalt, Jim. Er ist immer noch sehr geschwächt. Also überanstrenge Desoto nicht allzu sehr“, grollte McCoy leicht.<br>Kirk nickte, während McCoy ein Hypospray an den Hals von Desoto ansetzte und ihn wieder aufweckte.<br>„Captain Kirk“, stammelte der junge Mann.<br>„Schon gut, Fähnrich. Erzählen Sie uns, was passiert ist“, sagte Kirk ruhig.<br>„Ja, Captain“, antwortete Desoto leise. Er befeuchtete seine Lippen und versuchte stockend zu erzählen, wie der Überfall der Orionier vonstatten gegangen war.<br>„Brücke an Captain Kirk“, meldete sich Sulus Stimme aus den Lautsprechern. Kirk ging an das nächste Intercom und berührte die Sprechtaste.<br>„Hier Kirk.“<br>„Captain, wir haben den Frachter gefunden. Es sind nur noch Trümmerteile übrig.“<br>„Roter Alarm, Schilde hoch. Ich komme auf die Brücke.“ Kirk nickte zu Spock, der ihn aus der Krankenstation begeleitete. Die Indikatoren auf dem Schiff leuchteten überall rot auf. Die Sirene heulte den gequälten Ton heraus, der jedes Besatzungsmitglied in Sekundenschnelle zu seinem Posten eilen ließ.<br><br>Langsam glitt die Enterprise an die Trümmer heran. Hikaru Sulu brachte das große Schiff etwa 1000 Kilometer vor dem Trümmerfeld zum Stehen. Captain Spock hatte sich über seinen Scanner gebeugt und betrachtete die Ergebnisse.<br>„Den Messwerten zufolge, hat der Frachter seinen Warpkern überlastet. Keine Überlebenden zu entdecken, Captain.“ Kirk nickte.<br>Sie kamen zu spät. Die Schotten des Turbolifts teilten sich erneut und McCoy betrat den Kontrollraum. Neugierig musterte er den Sichtschirm. <br>„Die räumen gründlich auf, wenn es sein muss, Jim.“<br>„Leider, Pille“, antwortete Kirk dem Schiffsarzt der Enterprise. <br>„Captain, die Scanner orten im Interraum eine Strahlung, die ich nicht bestimmen kann.“<br>„Können diese Strahlen unsere Schilde durchdringen, Spock?“<br>„Die Schilde können nicht alles abhalten, Captain. Aber dennoch besteht keine Gefahr.“ Doch Spock hatte es kaum ausgesprochen, als sich ein flaues Gefühl in ihm breit machte. Angst. Wie konnte das sein? Ein Vulkanier kann keine Angst haben. Ein Vulkanier hat überhaupt keine Emotionen. Als Spock sich zu Kirk umdrehte, sah er, dass auch der Captain der Enterprise und die restliche Crew sich zusammenkrümmte und nach Luft rang. Spock glaubte Angst in ihren Augen erkennen zu können.<br>„Spock, die Schilde“, krächzte Kirk.<br>„Einen Augenblick, Captain. Ich versuche die Frequenz zu remodulieren.“ Die Hände des Vulkaniers rasten über die Konsole und veränderten die Schildstrucktur der Enterprise. Kurz darauf ebbte das Gefühl ab. Alle auf der Brücke erholten sich wieder.<br>„Schadensbericht“, forderte Kirk sofort an.<br>„Berichte treffen aus dem ganzen Schiff ein, Sir. Keine Schäden oder Verletzte, Captain, auch keine Toten“, meldete Uhura.<br>„Jim, ich hatte...“ McCoy hielt inne.“ Ich hatte Angst, Jim - und das ohne ersichtlichen Grund.“<br>„Ich auch Pille“, antwortete Kirk.“<br>„Dem muss ich mich anschließen, Captain“, kommentierte Spock. McCoy musste kurz grinsen.<br>„Sie auch, Spock? Himmel, ich dachte, sie haben keine Gefühle?“<br>„Die habe ich auch nicht. Da die Angst mit dem Auftreten der Strahlung aufkam, bin ich der Überzeugung, dass diese Emotion künstlich erzeugt wurde.“<br>„Angst als Waffe?“ fragte der Arzt. Er erwartete nur keine ernsthafte Antwort auf seine Frage.<br>„Sie könnten recht haben, Doktor“, sagte Spock und wandte sich wieder seiner Konsole zu. <br>„Jim, was geht hier vor?“<br>„Eine gute Frage, Pille. Der einzige, der sie beantworten kann, ist Desoto. Wie ist sein Zustand, Pille? Können wir ihn befragen?“ McCoy runzelte kurz die Stirn.<br>„Aber nur kurz, Jim. Der Bursche ist ganz schön geschwächt.“<br>„Danke, Pille. Roten Alarm aufheben. Schilde bleiben oben. Spock, untersuchen sie die Strahlung weiter. Ich will bald wieder nach Dedalus 7 zurück.“<br>„Aye, Captain“, bestätigte Spock. Kirk begab sich mit McCoy wieder in den Turbolift.<br><br>Gegenwart<br><br>„Wer hat die Orionier angegriffen?“ fragte John, als Kirk bei seiner Erzählung eine Pause eingelegt hatte. John wollte wissen, was damals bei der Untersuchung der Enteprise passiert war, nachdem er den entsprechenden Eintrag im Logbuch gefunden hatte.<br>„Sie hatten den Warpkern überlastet. Die Scanner fanden Reste einer unbekannten Strahlung, die bei einigen Crewmitgliedern unbegründete Angst auslöste, die wir aber mit Beruhigungsmitteln in den Griff bekamen. Aber was genau auf dem Schiff geschehen ist, wissen wir bis heute nicht, John. Sicher ist nur das die Wissenschaftler mit ihren Entführern starben. Miguel Desoto war der einzige Überlebende.“<br>„Ziemlich verzwickte Sache, Jim.“<br>„Ja, das ist sie, John. Am Besten mache ich uns noch einen Kaffee.“ John nickte und wandte sich wieder dem Pad zu. Die Antwort musste doch irgendwo zu finden sein. Die Antwort darauf, weshalb ein Raumschiff der Sternenflotte dran glauben musste und die Orionier einen offenen Krieg mit der Sternenflotte riskieren würden.<br><br>Die Indikatoren auf der Brücke der Monitor leuchteten rot auf. Ardev gab eine Reihe von Befehlen in die Konsole der Wissenschaftsstation ein und schürzte kurz die Lippen.<br>„Commander, die Sensoren haben eine massive Materie-Antimaterie-Explosion registriert. Entfernung 0,05 Lichtjahre.“<br>„Position, Ardev?“ fragte Matt. Ardevs Finger flogen abermals über die Flächen.<br>„Calcutta-Station, Matt.“<br>„Steuermann, Geschwindigkeit auf Maximum Warp erhöhen.“<br>„Aye, Sir“, erwiderte der Deltaner, der am Ruder saß. Was für ein Zufall, dass der Station etwas zustößt - gerade jetzt, dachte Matt grimmig. Die Sterne wurden schneller. Die Monitor flog mit aktivierter Tarnung der Position von Calcutta-Station entgegen. <br>Ardev erhöhte die Leistung der Sensoren, so dass die Tarnung nicht davon beeinträchtigt wurde. Vor der Explosion hatte Ardev Hunderte von Subraum-Transmissionen ausgemacht. Jetzt herrschte eine gespenstische Stille im Äther. Ardev engte die Bandbreite ein, um ein feineres Ergebnis zu bekommen. Ein schwaches Signal wurde langsam hörbar. Ardev ließ es durch den Computer filtern, um sicher zu sein, nicht einem Naturphänomen auf den Leim zu gehen.Der Computer jedoch identifizierte das Signal als Notrufbarke eines Ferengischiffes. <br>„Matt, ich habe ein Notsignal. Es stammt von einem Ferengischiff. Koordinaten weichen nur um 0,09 % von denen der Station ab.“ Matt wusste, was das hieß. Einige Schiffe hatten die Explosion überstanden und waren bestenfalls nur noch Wracks, die umhertrieben. Kaum zu glauben, dass das jemand überlebt haben soll.<br>„Können die Sensoren Lebenszeichen ausmachen?“<br>„Nein, Commander, dafür ist die Strahlung noch zu stark“, antwortete Ardev konzentriert.<br>„Bleiben Sie dran, Ardev.“<br>„Ja, Matt. Ankunft in einer Minute.“<br><br>Im getarnten Zustand glitt die Monitor einer Wolke aus Gas und Trümmern entgegen. Auf den ersten Blick konnte man nicht sofort erkennen, was einst Station und was einmal Schiffe gewesen waren. Es dauerte nicht lange und Ardev meldete sich wieder zu Wort.<br>„Matt, die Quelle des Signals liegt direkt vor uns. Es ist der Datenrecorder eines Ferengischiffes der Nagus Klasse.“<br>„Ausgezeichnet, Ardev, beamen sie den Datenrecorder ins Labor und beginnen sie gleich mit der Untersuchung. Vielleicht haben wir Glück und erhalten mal zur Abwechslung Antworten.“ <br>Ardev bestätigte den Befehl. Doch etwas anderes erregte die Aufmerksamkeit des Andorianers.<br>„Da ist noch etwas.“ Matt erhob sich aus dem Sessel und trat an Ardevs Station heran. <br>„Eine Warpsignatur. Sie stammt von einem Raumschiff der Akira-Klasse. Zwar wurde die Signatur maskiert, aber nicht gut genug. Außerdem erkenne ich das Muster.“<br>„Unser unbekannter Retter, der uns vor dem Warbird gerettet hat“, murmelte Matt.<br>„Richtig, die Signaturen stimmen vollkommen überein.“<br>„Ardev, versuchen sie herauszufinden, wohin die Signatur führt“, sagte Matt.<br>„Einen Augenblick.“ Ardev ließ die Richtung der Signatur, die von der Trümmerwolke wegführte, vom Computer überprüfen. Nach wenigen Augenblicken piepste eine Schaltfläche, die Ardev sofort berührte.<br>„Den Daten zufolge fliegt dieses Schiff nach Dedalus 7.“ Matt nickte.<br><br>Elizabeth Fraiser sondierte mit einem Medotricorder erneut Desoto. Seine Vitalfunktionen hatten sie immer mehr beruhigt. Die Gehrinaktivitäten zeigten an, dass Desoto eigentlich nicht mehr unter Alpträumen oder Angstzustände leiden dürfte.<br>„Sergej, geben sie mir einen Injektor mit 10 ml TriOx.“, sagte die Ärztin. Der Pfleger nickte und lud den Injektor mit dem Medikament. Nachdem sie es in der Hand hatte, setzte Fraiser es an den Hals von Desoto an. Das typische Zischen ertönte und Desoto schlug die Augen auf. Sein Blick war nun klar. Nicht mehr starr vor Angst.<br>„Wo bin ich?“ fragte er.<br>„Sie befinden sich auf der Krankenstation des Föderationsraumschiffs Monitor“, antwortete Fraiser. Sie berührte ihren Kommunikator.<br>„Fraiser an Brücke. Professor Desoto ist wieder bei Bewusstsein.“<br>„Verstanden, Doktor. Bin schon unterwegs“, antwortete Matts Stimme aus dem kleinen Kommgerät.<br>„Wie fühlen sie sich?“ fragte Fraiser Desoto, nachdem sie den Mann aufgerichtet hatte. Desoto blinzelte leicht.<br>„Müde, obwohl ich sehr lange geschlafen habe.Was ist aus der Crew der Archer geworden?“<br>„Das wird ihnen Commander Price erzählen, wenn er hier ist. Sie haben 34 Stunden lang geschlafen, Professor.“<br>„34 Stunden?“ Fraiser nickte. Die Schotten der Krankenstation teilten sich und Matt betrat den Raum. Desoto erkannte ihn sofort.<br>„Commander?“<br>„Wir hatten anderweitig schon das Vergnügen, Doktor.“<br>„Ich weiß, Commander. Sie wollen bestimmt Einiges wissen.“<br>„In der Tat, Professor.“ Desoto begann zu schildern, was sich in den letzten Tagen zugetragen hatte.<br><br><br>Kapitel 6<br><br><br>50 Millionen Lichtjahre entfernt<br><br>Mit der Wraht hat es begonnen, mit der Wraht wird es enden, dachte sich Ortunis. Er war der Vergo des neuen Schiffes, das den Namen des Furienkreuzers trug, das als erstes Schiff seit Jahrtausenden das Paradies wieder entdeckt hatte.Jenes Schiff war von den Unreinen zerstört worden, die sich selbst Menschen von der Föderation der Vereinten Planeten und Klingonen nannten. Dann, ein solares Jahrhundert später, versuchte man erneut das Paradies zu erreichen. Doch ein Menschenschiff unter dem Kommando eines weiblichen Vergo namens Janeway verhinderte, dass die Heimatwelt der Furien im Paradies landete. Stattdessen endete der Transfer 50 Millionen Lichtjahre von der Startposition entfernt, in einer unbekannten Galaxie.<br>Seit her waren jetzt beinahe 9 Jahre vergangen. Die Furien hatten nicht aufgegeben das Paradies erreichen zu wollen und hatten ein Schiff konstruiert, das selbst einen Transfertunnel erzeugen konnte. Die Bewaffnung bestand aus Disruptoren und Angstprojektoren. Die Kraft jener Waffen war seit der Begegnung mit den Vergos Picard und Janeway, die sich sehr gut dagegen zur Wehr gesetzt hatten, verstärkt worden. <br>Doch dieses Mal würden die Furien den Sieg davontragen. Und die Unreinen in Knechtschaft enden. Davon war Ortunis überzeugt. Die neue Wraht soll nun gemeinsam mit 100 weiteren, baugleichen Schiffen in das Paradies zurückkehren und die Ankunft des Furienplaneten vorbereiten, der im Laufe der Jahrtausende in ein Raumschiff umgebaut worden war. <br>Geduldig schlenderte der Vergo der Wraht durch einen Korridor seines neuen Schiffes, das sich im Orbit seiner Heimatwelt befand. Nebel waberte im Gang, das Licht war nur ein trübes Rot. Zielsicher steuerte Ortunis seine Schritte in Richtung des Fährendecks der Wraht. Der Eingang wurde von zwei Furien bewacht, auf deren Köpfen sich Schlangen wanden. Mit einem Nicken gingen sie beiseite. <br>Ein schriller Ton kündigte an, dass der Druckausgleich noch im Gange war. Eine Signallampe zeigte schließlich die Beendigung des Vorganges an und den Hangar betreten konnte. Als Ortinus den Hangar betrat, öffnete sich das Schott eines kleinen schwarzen Schiffes. Nebel  strömte aus dem Inneren aus und zwei vermummte Gestalten traten hervor. <br>Goald. Niemand hatte bisher ihre Gesichter zu sehen bekommen. Vor 5000 Jahren gehörten sie einst den Furien an. Doch der Bürgerkrieg, der nach der Verbannung unter den Furien ausbrach, nutzten die Goald aus, um sich zurückzuziehen und eigenen Interessen nachzugehen. Niemand wusste, wo sie waren. Schließlich hatten sie auch die Transfer- Technologie erfunden, die in den dunklen Jahren verloren ging. Vor 5 Jahren hatte dann ein kleines Scoutschiff der Goald den Furienplaneten wieder entdeckt und Kontakt hergestellt. <br>Alte Bündnisse waren erneuert worden. Die Furien waren wieder vollkommen vereint in dem Bestreben, das Paradies zurück zu erlangen.<br>Ortinus straffe seine Schultern und hob den Kopf. Seine gelben Augen versuchten in den dunklen Schatten, hinter denen sich die Gesichter der Goald verbargen, ein Anzeichen für das Aussehen der Goald zu finden. Doch er fand nichts außer Schatten. Ortunis misstraute  grundsätzlich jemanden, dessen Antlitz er nicht sehen kann. Und persönlich traute er den Goald überhaupt nicht. Aber die Möglichkeit, dass sie wieder ins Paradies zurückkehren könnten, ließ ihn darüber hinweg sehen. Nun fast. <br>Leicht breitete Ortinis seine Arme aus.<br>„Willkommen auf der Wraht. Ich bin Ortunis. Vergo der Wraht“, begrüßte Ortunis seine Besucher.<br>„Sei gegrüßt, Ortunis, Vergo der Wraht. Wir sind Solk und Drago“, antwortete die kleinere Gestalt, die in einer gedrungenen Haltung vor Ortunis stand. <br>„Wir müssen unseren Plan schnellstens in die Tat umsetzen“, kam Drago ohne Umschweife zur Sache.<br>„Was ist passiert?“ fragte der Vergo der Wraht.<br>„Die Menschen sind uns möglicherweise auf die Spur gekommen. Auch andere Unreine sind uns eventuell auf den Fersen.“ Ortunis dachte angestrengt nach. Diese Menschen. Immer wieder funkten sie einem dazwischen. Aber andererseits hatte er insgeheim damit gerechnet, dass sich die Menschen einmischen würden. Immerhin hatte er jahrelang die Daten der Unreinen studiert. Dabei hatte er festgestellt, dass die Menschen ein nicht zu unterschätzender Gegner waren, die sich sehr gut auf viele Situationen einstellen konnten. Dass die Menschen jetzt schon von ihren Plänen Wind bekommen hatten, bereitete Ortunis Sorge. <br>„Dann müssen wir in der Tat handeln“, antwortete Ortunis ruhig. Die Goald verbeugten sich leicht und Ortunis deutete auf das Schott. Kurz darauf hatte die kleine Gruppe den Hangar verlassen. <br><br>Ortunis zweifelte daran, ob es noch eine gute Idee war erst ein Schiff, nämlich seine Wraht zunächst alleine ins Paradies zu schicken. Im Geiste ging er verschiedene Szenarien durch. Viele endeten in einem Desaster - wie die letzten drei Versuche der Furien in den vergangen 100 Jahren. Und immer waren es die Menschen gewesen, die immer dafür gesorgt hatten, dass die Furien gescheitert waren. Die Goald machten einen zu ruhigen Eindruck auf Ortunis. Er wurde das Gefühl nicht los, dass die Goald das Bündnis wieder vergessen würden, wenn es darauf ankommen würde. Doch leider war er der einzige von 27 Milliarden Furien, der an den Goald Zweifel hegte. Keiner würde ihm ernsthaft Gehör schenken. Dafür war die Aussicht wieder ins Paradies zurückkehren zu können, einfach zu verlockend. <br><br><br><br><br>Edward Jellico blickte sich in der Höhle um, die Desoto vor kurzem wieder entdeckt hatte. Chemolampen erhellten die 20 Meter hohe Halle. Seit wenigen Stunden befand sich die Melbourne im Orbit von Dedalus 7. Doch Jellico erkannte schnell, dass Desoto gründlichst aufgeräumt hatte. Er schien es geradezu geahnt zu haben, dass jemand hinter diesen Artefakten her war. Nachdenklich auf seiner Unterlippe kauend, ließ Jellico den Lichtstrahl seiner Handlampe durch die Höhle wandern bis er an einer Spalte stoppte. Er runzelte die Stirn und holte einen Tricoder hervor. Energisch begann das Gerät zu zirpen. <br>„Entweder hat er es übersehen oder der alte Knabe will mich zum Narren halten“, murmelte Jellico vor sich hin. Mit großen Schritten ging er auf die Spalte zu und untersuchte sie genauer. Das Gestein an der Stelle schimmerte Grün und war extrem glatt. Mit der Lampe leuchtete er in den Spalt und kontrollierte gleichzeitig die Anzeigen seines Tricorders.<br>„Interessant. Eine Quantumsingularität“, stellte Jellico fest. Er justierte den Tricorder erneut um bessere Scans zu erhalten. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass keine unmittelbare Gefahr drohte, griff er in die Spalte hinein und holte einen weiteren Kasten heraus. Die reichen Schnitzereien auf dem Kasten ähnelten dem, den Desoto vor wenigen Tagen gefunden hatte. Aufgeregt stellte Jellico ihn ab, legte den Tricorder beiseite und öffnete den Kasten einen Spalt. <br><br>Ein gleißendes blaues Licht überflutete die Höhle. Jellico riss einen Arm vor seine Augen um das Licht abzuschirmen. Die Konturen der Höhle schienen sich um Jellico aufzulösen. Der Boden unter seinen Füßen löste sich auf. Jellico wollte nach seinem Tricorder greifen. Doch er war nicht mehr da. Alles verlor auf einmal seine Bedeutung. Orientierungslos starrte Jellico auf den Kasten.Das Licht wurde immer greller, bis sich ohne Vorwarnung Dunkelheit ausbreitete und den schmerzenden Augen von Jellico eine Verschnaufpause verschaffte. Die Umgebung tauchte wieder in einem unheimlichen roten Leuchten auf. Schwefelgeruch lag in der Luft und seltsame Geräusche, die Jellico als Schreie, Rufe, Schaben und Klopfen deutete, wurden lauter. Auch ein Piepsen, das ihm vertraut war, erregte seine Aufmerksamkeit. Der Tricorder lag vor ihm auf dem Boden. Daneben lag auch der Kasten. Jellico hob den Tricorder auf und stellte ihn auf kontinuierliches Aufzeichnen ein. <br>Jellico stellte fest, dass er nicht mehr sich auf Dedalus 7 befand. Nach einigen Scans musste er erkennen, dass er sich auf einem gewaltigen Schiff befand. Ob das Licht ein Transfervorgang gewesen war? Etwa ein interstellarer Transport? Jellico schüttelte kurz den Kopf. Dann tastete er nach seinem Handphaser. Zu seiner Erleichterung stellte er fest, dass die Waffe noch da war und die Energieanzeige noch volle Kapazität anzeigte. Jellico bemerkte, dass es wärmer wurde. Feuchtigkeit schlug sich an den metallenen Wänden nieder.  Es dauerte nicht lange und er konnte einige gedrungene Gestalten ausmachen, die Kapuzen über ihren Häuptern gezogen hatten. Trotz der Kapuzen konnte Jellico bei einigen rote Haut erkennen, andere hatten Flughäute unter den Armen, wieder andere Schlangen auf den Kopf, die sich gegenseitig anzufallen schienen. Jellico wusste sofort, dass er auf einem Furienschiff sein musste, wenn nicht sogar auf deren Heimatwelt. Die Logik ließ keine andere Schlussfolgerung zu. <br>Schwere Schritte kamen immer näher an Jellico heran. Er schnappte sich den Kasten und klemmte ihn unter seinem Arm. Er durfte nicht entdeckt werden. Schnell sah sich der ehemalige Admiral um. Ein kleiner Seitenkorridor erschien ihm richtig, um sich zu verstecken und sprintete auf ihn zu. Als er sich rechtzeitig in eine Nische hinein gedrückt hatte, erkannte er, dass 3 Furien von 2 seltsamen Wesen begleitet wurden, die perfekt auf Daimon Brunts Beschreibung passten. Jellico hielt den Atem an, was ihn nicht schwer fiel, da diese Wesen einen üblen, fauligen Geruch verbreiteten, der Jellico auf eine harte Probe stellte. Nachdem er es geschafft hatte, sein Frühstück nicht preiszugeben, versuchte er zu lauschen. Doch der Universalübersetzer seines Kommunikators schien nicht genug aufnehmen zu können. Er konnte nur Sprachfetzen übersetzen: „Müssen uns beeilen……….Die Menschen ……….zurück ins Paradies…….“ Mehr bekam Jellico nicht mit. Die kleine Gruppe war in einen weiteren Korridor gebogen und bald außerhalb Jellicos Hörweite. Jellico blickte auf den Kasten. Die Schnitzereien verformten sich, schienen sich in einer Art Fluss zu befinden. Auch der Tricorder schien verrückt zu spielen.<br>„Verdammt, was passiert jetzt?“ <br><br>Während Ortunis seine Gäste durch die Korridore seines Schiffes führte, bemerkte er im Unterbewusstsein die Anwesenheit eines Fremden. Er blickte aus den Augenwinkeln in die Richtung, in der er den Fremden vermutete. Ortunis glaubte beinahe, den Fremden riechen zu können. Auch glaubte er sehr kurz eine Bewegung im Halbdunkel ausmachen zu können. War er schon so nervös geworden? Nein, anscheinend spielten ihm seine Sinne einen Streich. Immerhin war er sei 45 Solarstunden aktiv. Da konnte es vorkommen, dass die Müdigkeit einem einen Streich spielt. Daher wischte Ortunis das beiseite und konzentrierte sich auf seine Aufgabe.<br><br>Der Tricorder zirpte energischer. Auf dem Display hatte sich eine Übersetzungsmatrix generiert. Anscheinend konnte der Universalübersetzer mit den vorvulkanischen Symbolen was anfangen. Einige Wörter tauchten auf und wurden den Symbolen zugeordnet. Vielleicht eine Art Bedienungsanleitung? fragte sich Jellico. Nun zeigte der Tricorder eine Liste mit den Begriffen, die dieser entschlüsseln konnte. <br><br>Ortung<br>Entfernung<br>Rückkehr<br>Transfer Einleiten<br>Transfer Unterbrechen<br><br><br>Jellico überlegte nicht lange. Er gab die Begriffe „Rückkehr“ und „Transfer Einleiten“ in den Tricorder ein und drückte die Sendetaste. Sofort begannen die Symbole auf dem Kasten sich  neu zu ordnen. Wieder begann blaues Licht den Korridor zu fluten. Alle Konturen verschwanden, um sich Sekunden später wieder zu der Höhle auf Dedalus 7 zusammenzusetzen. Nach Luft keuchend stützte sich Jellico an der Felswand ab. Dabei bemerkte er, wie ein Schatten sich ihm näherte. Es waren zwei Gestalten, deren Gesichter mit Kapuzen verhüllt waren. Grüne Hände, die mit großen Schuppen bedeckt waren, schauten aus den Ärmeln heraus.<br>Jellico tastete unauffällig nach seinem Phaser.<br>„Wer sind Sie?“ fragte Jellico.<br>„Das tut nichts zur Sache, Admiral. Vielen Dank, dass sie den Kasten gefunden haben. Bitte händigen Sie ihn uns aus“, forderte eine der Gestalten. Die Stimme klang wie ein Krächzen.<br>„Weshalb sollte ich das tun?“ Jellico erhielt keine Antwort. Stattdessen ging einer der Fremden auf Jellico zu. <br>„Bleiben sie, wo Sie sind. Ich nehme an, auch sie wissen, was ein Phaser ist“, sagte Jellico und zielte mit dem Phaser auf die Gestalten. Doch die Wesen ließen sich nicht davon beeindrucken. Jellico zögerte keine Sekunde und feuerte den Phaser ab. Doch der Strahl erreichte die Wesen nicht mehr. Augenblicklich verschwanden sie in einem goldenen Strahl, der ein Transporter sein musste.<br>„Jellico an Melbourne. Beamen sie mich auf die Brücke, schnell.“ Jellico verschwand im Transporterstrahl der Melbourne.<br><br><br><br><br><br><br>Kaum hatte die Brücke des Raumschiffs der Akira-Klasse Gestalt angenommen, bebte diese auch. Ein kleines Schiff, das nicht größer als ein Shuttle war, attackierte den Starfleet-Raumer. Jellico musste sich festhalten, um nicht durch den Raum geschleudert zu werden.<br>Das kleine Schiff umkreiste die Melbourne und nahm sie erneut unter Beschuss. <br>„Mit was feuern die auf uns?“ fragte Jellico, während er sich in seinen Sessel setzte.<br>„Laut Sensoren handelt es sich um einen subatomaren Disruptor. Die Schilde versagen in wenigen Sekunden und die Struktur der Außenhülle beginnt sich aufzulösen“, berichtete der Sicherheitschef der Melbourne.<br>„Alle Phaser auf Ziel ausrichten, volle Breitseite.“<br>„Hauptenergie versagt.“ Jellico sah wie versteinert auf den Hauptschirm.<br>Nun flog das kleine Schiff auf die Backbordgondel der Melbourne zu und feuerte erneut. Eine gewaltige Explosion ließ das Triebwerk auseinanderplatzen und die Melbourne begann zu trudeln.<br>Dennoch feuerte die Melbourne ihre Phaser auf das kleine Schiff ab, das ihr immer mehr lebensbedrohliche Wunden zufügte <br>„Admiral, sie haben aufgehört zu feuern und rufen uns“, meldete Oromov Jellico.<br>„Auf den Schirm“, knurrte der alte Mann. Auf dem Schirm erschienen die beiden verhüllten Gestallten. <br>„Geben sie uns, was uns gehört und sie werden diesen Ort lebend verlassen.“<br>„Niemals.“<br>„Dann werden sie sterben.“<br>„Das werden wir sehen“, antwortete Jellico trotzig. Der Schirm wurde dunkel und zeigte das Shuttle der Fremden, dass mehr Feuerkraft besaß als die Melbourne. <br>„Admiral, sie laden ihre Waffen.“<br>„Tricobalt-Torpedos auf unsere Freunde ausrichten. Maximale Streuung.“<br>„Aber, Admiral, unsere Schilde werden…“<br>„Tun Sie es.“<br>„Bereit“, schluckte Oromov. Allen auf der Brücke fuhr ein kalter Schauer über den Rücken, als Jellico sich aus dem Sessel erhob.<br>„Mr. Oromov. Feuer.“<br>2 Sekunden später verschwanden beide Schiffe in einem Inferno aus Licht und destruktiver Energie.<br><br><b>Fortsetzung folgt</b><br><br><center>INVASION 5: DIE SEELE DES TEUFELS<br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by JÖRG GRAMPP<br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work! </center><br><br>]]></description><guid isPermaLink="false">5320</guid><pubDate>Sat, 02 Jul 2005 13:49:13 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 6x09: Die Summe aller &#xC4;ngste, Teil 1</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-6x09-die-summe-aller-%C3%A4ngste-teil-1-r5298/</link><description><![CDATA[<center><a href="http://downloads.scifinews.de/file_33867.html"><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x09.jpg" border="0"></a></center><br><p align="justify">Er war erst seit wenigen Minuten im Sol – System. Sein Gepäck lag noch in einem Schließfach in San Francisco. Doch John Lewinski hatte zuerst hierher kommen müssen. <br>Auf den städtischen Friedhof der Stadt Toronto. <br>Lewinski stand vor dem Grab seiner Eltern. Für beide war nicht mehr als ein kleines Grab vorgesehen gewesen in dem ihre Aschereste vergraben wurden. <br>Jetzt hier zu stehen war schlimmer als er sich je vorgestellt hatte. <br>Langsam kniete er vor dem Grab ab und legte Blumen darauf, die er sich vorhin gekauft hatte. Weiße Rosen. Die Lieblingsblumen seiner Mutter und mit den Jahren auch die seines Vaters. <br>Still berührte er die kleine Platte, in der die Namen seiner Eltern eingraviert war. Nun waren sie wieder vereint. <br>„Viele haben schon an diesem Grab gestanden.“ <br>Lewinski drehte sich zur Quelle des Geräusches. Er entdeckte einen alten Mann, der direkt neben ihm stehen blieb. John musste nicht einen Moment lang überlegen um das Gesicht zuzuordnen. Es handelte sich bei dem alten Mann um den Nachbarn seines Vaters. Connor Stevens. <br>„Viele ja, aber noch nie jemand von seiner Familie“, fuhr Connor fort. <br>„Ich war beschäftigt... zu lange“, antwortete John. <br>Connor lächelte und streckte ihm seine Hand entgegen. John ergriff sie und ließ sich gleichzeitig von ihm nach oben ziehen. <br>„Du bist groß geworden John“, sagte Connor und die beiden Männer fielen sich in die Arme. John spürte in diesem Moment die Trauer. Und er spürte die Tränen, die er schon so lange zurückhielt. <br>„Er fehlt mir so“, gestand John. <br>„Er fehlt uns allen. Er war ein guter Mann. Und er war stolz auf dich, das sollst du wissen.“ <br>John löste sich aus der Umarmung und rief sich wieder zur Ruhe. Er wischte die Tränen von seinen Wangen und schaute wieder auf das Grab hinab. „Du hast das alles arrangiert, nicht wahr?“ <br>„Ja. Ich hab mich um alles gekümmert. Es war eine schöne kleine Feier, so wie er sie gewollt hatte. Nur seine engsten Freunde. Die Sternenflotte hat mir deine Nachricht zukommen lassen, dass du keine Zeit hast.“ <br>„Ich hätte da sein sollen.“ <br>„Jetzt bist du es ja.“ <br>Niedergeschlagen und müde rieb sich Lewinski die Stirn. Er spürte eine große Last auf ihm. Mehr als er im Stande war zu tragen. <br>„Lass dir ein wenig Zeit. Und komm mal bei uns zum Essen vorbei.“ Connor legte seine Hand auf Johns Schulter. <br>Er ergriff diese Hand und sah zu dem alten Freund. „Das werde ich machen. Ich hab nur noch ein paar Sachen zu erledigen in den nächsten Tagen. Aber ich werde vorbeischauen.“ <br>Connor nickte und ging wieder seines Weges. „Du machst das schon richtig Johnny. Hast du immer“, sagte er Lewinski noch bevor er ging. <br>Und dann stand Lewinski wieder alleine da. <br>  <br>Mit einem leichten Fingerdruck betätigte er ein Tastenfeld auf dem PADD, das vor ihm auf dem Tisch lag. „Start der Aufzeichnung Sternzeit 58632. Wöchentliche Sitzung mit Danny Bird. Der Patient zeigt weiterhin sein weltentferntes Verhalten. Er hat nun seit mehr als 8 Monaten kein Wort mehr gesprochen...“ Dr. Chester Phoenix hielt inne. Acht Monate waren seit der Einweisung des jungen Mannes vergangen, der ihm nun gegenüber saß. Acht Monate hatte er sich mit ihm beschäftigt, tagaus, tagein und doch waren ihre Treffen immer auf die gleiche schweigsame Art verlaufen. <br>Dr. Chester Phoenix besaß eine Fähigkeit, die einem Psychiater nie fremd sein durfte. Geduld. Eine Person mit einer geistigen oder seelischen Schädigung durfte zu nichts gedrängt werden. Und sie ließ sich auch zu nichts drängen. Denn jede Abweichung vom gewohnten Lebensstil ließ die Person nur noch weiter in die Tristesse ihres alten Lebens abrutschen. <br>Doch dieser Danny Bird blieb Phoenix ein Rätsel. Seit 8 Monaten saß er schon neben ihm in seinem kleine gemütlichen Zimmer in der „psychiatrischen Anstalt für Sternenflottenangehörige San Francisco“, doch nicht das geringste hatte sich verändert. Bird schien nicht einmal zu registrieren, dass sich noch jemand bei ihm befand. Im Moment saß der ehemals athletische Mann auf einem Stuhl an den Fenstern und sah auf die Skyline San Franciscos. Zwar war die berühmte Hängebrücke von diesem Zimmer aus nicht zu beobachten, doch Bird schien dies nicht zu stören. Wie gesagt war nicht einmal klar, ob er überhaupt bewusst sah. <br>Chester Phoenix sah sich nachdenkend in Birds Zimmer um. Es war nicht groß. Es befand sich ein Bett in ihm, ein Tisch und zwei Stühle. Auf dem Tisch stand ein kleiner Strauß Blumen, die dem Raum Leben verliehen, an der Wand hing ein selbstgemaltes Bild eines unbekannten Künstlers. Zudem besaß dieser Raum, wie jeder andere auch, einen Zugang zu einem Bad und einen kleinen Replikator. <br>Eines der Fenster war geöffnet. Eine sanfte Brise wehte zu ihnen herein und strich leise über sie hinweg. Phoenix roch das Meer. Doch tat Bird dies auch? Körperlich war er in bester Verfassung. Dies bestätigte jede medizinische Untersuchung. Nur sein Geist schien abgeschaltet zu haben. In einen Zustand immer währender Nacht. So sehr sich Phoenix auch bemühte, der Betazoid konnte keine Gedanken empfangen. Als schien Bird nicht mehr zu denken. Mit jedem verstreichenden Tag näherte sich Phoenix immer mehr dieser These an. Wenn er beobachtete, wie Bird täglich aus dem Bett gehoben werden musste und er dabei wie ein nasser Sack in den Armen der Pfleger hing. Wenn er sah, wie ihm die Nahrung mittels Hypospray verabreicht wurde. Wenn er sah, wie die Pfleger in regelmäßigen Abständen seine Blase entleerten, damit er sie nicht unwillentlich dort entleerte, wo er sich gerade befand. Wenn er sah, wie Physiotherapeuten täglich seine Körperteile bewegten, damit seine Muskeln nicht in sich zusammenfielen wie ein Kartenhaus. Wenn er mit ansehen musste, wie ein Pfleger einmal beim täglichen Waschen, durch einen dummen Unfall, kochend heißes Wasser über seinen Körper geschüttet hatte und Danny Bird keinen Ton von sich gab, obwohl er Verbrennungen zweiten Grades davongetragen hatte. <br>Doch Phoenix Verstand weigerte sich an diese These zu glauben. <br>Danny Bird dachte. <br>Er hatte nur noch nicht den Ort in seiner Seele gefunden, der es tat. <br>Seine Augen glitten auf das PADD, das vor ihm lag. Aufmerksam las er Danny Birds Akte. Dies war natürlich nicht nötig, denn er kannte sie in und auswendig. Auch wenn man ihm nicht viel mitgeteilt hatte. Er vermutete daher, dass Birds Arbeit zu einem großen Teil der Geheimhaltung unterlag. Beziehungsweise unterlegen hatte. Trotzdem rief er die Daten noch einmal ab. Danny Bird war der einzige Überlebende auf seinem Schiff gewesen. Er sah mit an, wie alle seine Freunde und Kollegen gestorben waren. Sein Martyrium hatte nach den Angaben des Arztes und des Counselors des Schiffes, das ihn rettete, eine Woche in Anspruch genommen. Sie fanden ihn bereits in diesem Zustand. Einige Verletzungen waren vom Schiffsarzt behandelt worden. Jedoch trat keine Besserung seines Zustandes ein. Offenbar, so die Meinung des Counselors, hatte er die Hoffnung auf Rettung schon aufgeben, als er sich aufgegeben hatte. <br>Auch über die Raumanomalie, die angeblich der Katalysator dieser Ereignisse war, gab es keine näheren Informationen. <br>Phoenix fand die ganze Sache mehr als merkwürdig. Noch nie hatte er eine solche Verschwiegenheit erlebt. Wie sollte er ihm helfen, wenn man ihm nichts erzählte? Wollte man ihm überhaupt helfen? <br>Langsam, um seine alten Knochen zu schonen, stand Phoenix auf und setzte sich gegenüber von Bird auf den niederen Fenstersims. Er setzte sich direkt in Birds Sichtfeld. <br>„Wissen Sie Danny“ begann er, mit einem betont neugierigen Unterton in seiner Stimme. „Ich vermute, Sie bekommen alles mit, was um Sie passiert. Ja, davon bin ich fest überzeugt. In den ganzen Berichten steht nämlich noch etwas. Sie haben schon einmal auf ihre Umwelt reagiert.“ Er ließ Bird eine kurze Pause. Eine alte Angewohnheit. Schließlich wollte er ihm erlauben, auf seine These zu reagieren. „Ein alter Freund, ihr ehemaliger Vorgesetzter Offizier hat sie ausgelöst. Er erinnerte Sie an die Geschehnisse auf ihrem Schiff.“ Erneut gewährte er Bird Zeit um zu regieren – vergebens. „Also. Was ist geschehen? Machen Sie den Mund auf und sprechen Sie mit mir. Ansonsten müssen Sie nämlich den Rest ihres kleinen verkommenen Lebens hier in diesen Raum verbringen...“ Seufzend hielt Chester Phoenix inne und lehnte sich zurück. Müde rieb er sich die Stirn und ließ dabei Dannys Augen, die kaum mehr waren als Glasbälle. „Was mache ich da eigentlich?“, fragte sich Chester selbst. So weit war es schon gekommen. Bird war in all den Jahren der erste Patient, bei dem er begann Selbstgespräche zu führen. <br>Sinnierend sah er aus dem Fenster und versuchte, sich an alle Vorlesungen zu erinnern, die er mitgemacht hatte. All die Praktika und Fälle, die er studiert hatte. Etwas musste ihm hier doch weiterhelfen. <br>Chester sah erneut zu Bird... und bemerkte eine Veränderung. <br>Seine Augen waren mit Leben gefüllt. Urplötzlich. <br>„Danny?“, fragte er verwirrt. Noch immer „saß“ der bis dato verstummte Patient regungslos in seinem Stuhl. <br>„Danny“, wiederholte dieser. <br>Vor Freude wäre Chester Phoenix in diesem Moment am liebsten an die Decke gesprungen, doch er erlaubte sich keine solchen Gefühle. Denn noch immer empfing er nichts von seinem Gegenüber. <br>„Wie geht es Ihnen?“, fragte Chester. <br>„Wer sind Sie?“, fragte Bird. Ruhig und leise. <br>„Ich bin Chester Phoenix, Ihr Arzt“, antwortete Chester wahrheitsgemäß und ebenso ruhig, wie er konnte. <br>„Ich bin krank“, stellte Bird fest. <br>„Ja, Sie lagen in einer Art Wachkoma. Ich habe Sie während dieser Zeit begleitet und versucht, Ihnen wieder in Ihr Leben zu verhelfen.“ <br>Sachte neigte Bird seinen Kopf zur Seite und legte seine Stirn in Falten. <br>„Danny. Wer ist Danny?“, fragte er. <br>„Das ist Ihr Name. Danny Bird.“ <br>Birds Falten vertieften sich. Wenn dies überhaupt noch möglich war. „Nein“. <br>„Was nein?“ <br>Danny schüttelte energisch den Kopf. „Das ist nicht mein Name.“ <br>„Wie lautet er denn?“ <br>„Ich weiß es nicht... ich bin müde. Ich möchte jetzt schlafen.“ <br>  <br>John Lewinski nahm wieder feste Form an. Während des Transportvorgangs hatte er sich vorgestellt, wie er durch die dicken Wolken der Venus geschickt wurde. Dass dabei kein Atom vom Winde verweht wurde, kam einem Wunder gleich. Für einen kurzen Moment war es ihm sogar so vorgekommen, als habe er die 480° gespürt, die auf der Venus keine Seltenheit sind. Es grenzte an Zynismus, dass die Venus für die Menschen ein Sinnbild für all das Schöne ist. <br>„Willkommen in der Föderationsjustizvollzugsanstalt auf der Venus. Captain Lewinski?“ <br>„Ja, der bin ich“, antwortete der Angesprochene schnell. Er sah in die wunderschönen Augen einer jungen Orionerin. Sie hatte den Rang eines Lieutenant J.G. und trug die charakteristische gelbe Uniform einer Sicherheitsbeamtin. Die Gefängnisse der Föderationen waren natürlich kein Teil der Sternenflotte. Zumindest dieses nicht. Natürlich gab es auch Ausnahmen wie etwa das Gefängnis im Meer der Stille auf dem irdischen Mond. Dort saßen aber nur Kriegsverbrecher ihre Strafe ab. <br>„Dann folgen Sie mir bitte. Wir müssen Sie noch identifizieren, bevor Sie in den Gefangenentrakt gelassen werden.“ <br>Lewinski stieg von der Transporterplattform ab und folgte der jungen Frau durch den Eingansbereich. Er musste feststellen, dass der gelbe Anzug einen seltsamen Kontrast zu ihrer grünen Haut bildete. Zudem wirkte die Uniform an ihrem schlanken Körper sehr unpassend. Schnell schüttelte John diese Gedanken aus seinem Kopf. Das Klischee, dass alle Orionerinnen nur zum Tanzen und zum Vergnügen anderer da waren, spukte schon viel zu lange in der Föderation herum. <br>Die Identifikation stellte sich nicht als großes Hindernis heraus. Schnell waren die nötigen Formulare mit seiner Unterschrift, seiner Sternenflotten ID und einem Irisscan versehen. Dann hatte man ihn auch schon in den Gefangentrakt gebracht, indem sich eine Zelle an die andere reihte. Natürlich waren die Zellen mit Kraftfeldern versiegelt, jedoch hinderten eiserne Gitter die Insassen zusätzlich vor einer Flucht. Und da die Kraftfelder natürlich nicht zu sehen waren verliehen die Gitter dem Gefängnis etwas rustikales. Als wäre man 500 Jahre durch die Zeit gereist. <br>Die Beleuchtung war deaktiviert worden. Auch hier ging wieder ein Tag zu Ende. Das einzige Licht drang von den Fenstern herein. Durch jene sah man die gefährlich hinwegwehenden gelben Wolken der Venus. Eine weitere Lichtquelle war eine Leselampe in der Zelle, vor der John Lewinski stand. <br>Der Inhaftierte schien Lewinski nicht zu bemerken, denn er las ungestört in seinem Buch, das aufgrund der Kulisse keineswegs altmodisch wirkte. Er stand dort also einige Sekunden, bis er entschloss, sich durch ein unauffälliges Räuspern bemerkbar zu machen. Was folgte, lief wie in einem schlechten Holoroman ab. Der Mann in der Zelle spähte kurz über den Buchrand um nach dem rechten zu schauen. Die Augen wanderten zurück zum Buch, weiteten sich jedoch sofort, als er sich klarmachte, wer dort vor seiner „Haustür“ stand. Sofort brachte er seine Reaktion wieder auf ein normales Niveau herunter, schließlich wollte er seine Aufregung nicht zu erkennen geben und las den Absatz weiter, in den er gerade verstrickt war. Dann legte er das Buch beiseite, stand langsam auf und trat an das Gitter. <br>„John, welch Überraschung“, begann der Inhaftierte und grinste dabei schelmisch. <br>„Jeroen, schön dich zu sehen.“ <br>Jeroen McMor schmunzelte. „Was willst du? Ich hab nicht ewig Zeit.“ <br>Verlegen sah Lewinski zu Boden. So hatten sie also wieder zueinander gefunden. Genau so, wie sie das letzte Mal auseinander gegangen waren. „Ich wollte nur mal nachsehen, wie es dir ergangen ist. Außerdem... wollte ich dir persönlich zu deinem Geburtstag gratulieren.“ <br>„Du warst schon immer ein schlechter Lügner John“, konterte McMor und legte auch sogleich nach, als Lewinski ruhig blieb. „Du kommst wegen meines Geburtstages? Dafür nimmt man nicht so einfach Urlaub, lässt sich von seinem Kommando freistellen und einer aktuellen Mission nur um mal auf der Venus nach dem rechten zu sehen. Besonders nicht jemand wie du.“ <br>„Es ist aber so!“, antwortete Lewinski, indem plötzlich wieder Wut aufstieg. Vielleicht geschah dies aufgrund der Arroganz in McMors Stimme, die ihn schon zu Akademiezeiten zur Weißglut gebracht hatten. <br>Enttäuscht ließ McMor die Luft aus seinen Lungen entweichen und rieb seine Stirn. Er wandte sich von Lewinski ab und legte sich wieder auf sein Bett. „Du stiehlst hier nur meine Zeit.“ <br>Lewinski schüttelte seinen Kopf. „Jeroen, was läuft hier ab? Ich verstehe es nicht. Ich dachte, zwischen uns...“ <br>„Zwischen uns?“ Mit einem fragenden und wütenden Gesichtsausdruck blickte er zu John. „Was soll zwischen uns gewesen sein? Ich gebe dir einen guten Rat: Geh jetzt.“ <br>„Wieso?“ <br>„Eben weil etwas zwischen uns war, als wir uns das letzte Mal gegenüber gestanden hatten. Doch dieser Vertrauensvorrat ist aufgebraucht. Und daher rate ich dir jetzt zu gehen, bevor einer von uns etwas sagt, das wir im nachhinein bereuen würden.“ <br>Resigniert trat Lewinski einen Schritt zurück und schämte sich in der Tat innerlich, her gekommen zu ein. <br>„Eine Frage.“ McMor hatte sich noch einmal von seinem Bett erhoben um Lewinski noch für einen Moment aufzuhalten. „Was hast du hiervon erwartet?“ <br>„Wie meinst du das?“ <br>„Stell dich nicht blöder als du bist. Du weißt genau wie ich es meine.“ <br>Lewinski legte in diesem Moment eine neue Marschroute fest. Noch einmal sollte der Inhaftierte nicht den Sieg erringen. Also richtete er seine Augen konsequent auf ihn. „Ich habe nach der einzigen mit mir verwandten Seele gesucht. Und da unserer beider Suche noch zu keinem Ergebnis geführt hat, dachte ich, dass du etwas Gesellschaft brauchen könntest.“ <br>McMor lachte kurz auf. „ <em>Unserer beider Suche </em>“, zitierte er und amte dabei Lewinskis Tonfall nach. Er trat zu den Gittern vor seinen Zelle und rüttelte daran. „Du hast meine beendet. Schon vergessen?“ <br>„Nur vorrübergehend“, warf Lewinski zu seiner Verteidigung ein. <br>„Ich werde nie wieder aus dem Föderationsgebiet herauskommen, solange ich lebe. Meine Möglichkeiten sind beschränkt, einen flüchtigen Kubus zu suchen, eine einzige Drohne ausfindig zu machen, sie zu entführen um anschließend wieder so etwas wie einen Menschen daraus zu machen. Sie waren es schon zu meinen Zeiten in der Flotte. Und jetzt, da ich nie wieder ein Teil von ihr sein werde...“ <br>„Hat das Gefängnis das aus dir gemacht?“ Auch Lewinski trat wieder näher, hütete sich jedoch davor die Gitter zu berühren, da vor ihnen das Kraftfeld die Zelle sicherte. „Einen Zyniker ohne jede Hoffnung?“ <br>„Nein“, antwortete er. „Du warst das.“ <br>Lewinski schluckte. Er hatte natürlich recht. Für immer und ewig würde in McMors Akte stehen, dass es Captain John Lewinski war, der ihn den Behörden übergeben hatte. Auch wenn seine Aussage, die er dem Gericht auf der Erde eingereicht hatte, wohl die Strafe um einige Jahre reduziert hatte. „Wenn du es so siehst Jeroen.“ Damit wandte sich Lewinski nun endgültig von McMor ab und ging ohne sich noch einmal umzusehen. <br>„Ein frohes Leben noch“, rief McMor ihm hinterher. „Du hast immerhin noch eins.“ Er war sich zwar nicht sicher, ob er diese Worte gehört hatte und, wenn er ehrlich war, war ihm dies auch gleichgültig. An einem solchen Ort konnte er eines am wenigsten gebrauchen: geheucheltes Mitleid und falsch verstandene Verbundenheit. Besonders von einem Mann, den er beinahe ausschließlich nur mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen verband. Nicht einmal hier, in einer der ungemütlichsten Ecken des Sonnensystems hatte er seine Ruhe vor John Lewinski. Vor dem Mann, den er schon lange genug hatte ertragen müssen, mit dem er die entscheidendsten Wendungen seines Lebens erlebt hatte. Seine einzige Hoffnung lag darin, ihn so lange wie möglich nicht mehr wieder zu sehen. <br></p><p align="center"><em>Die Zukunft </em></p><p align="justify"><em>Commander Matthew Price befand sich im Anflug auf seine Arbeitsstelle. Sternebasis Theta 12 drehte sich, wie immer, im Schatten des Planeten Nekonsolebla. Doch heute wirkte dieser ansonsten graue Mienenplanet sogar für ihn fröhlich. Er kam gerade vom Rigel, seiner Heimat. Dort hatte er seine Mutter besucht. Sie hatten im engsten Kreise, zusammen mit einigen ihrer Freundinnen, ihren 80. Geburtstag gefeiert. </em><br>  <em>Es war eine so schöne Feier gewesen. Sie wirkte so glücklich. Ihr Gesicht war voller Freude. Nicht einmal sah Matt seine Mutter eine betrübte Miene ziehen. Natürlich war sie nicht gerade froh, als sie sich zusammen am Raumhafen verabschiedet hatten. Schließlich hatte sie ihren Sohn lange Zeit nicht gesehen. Doch nichtsdestotrotz war sie erfüllt vor Freude. Und das während dieser Umstände. Oft hatte Matt sie gebeten, vom Rigel wegzuziehen. Vielleicht auf die Erde oder einen anderen, freundlicheren Planeten. Doch sie lehnte dieses Angebot stets mit den Worten: „Hier bin ich zu Hause Matt. Und hier wird auch immer dein zu Hause sein“ ab. </em><br>  <em>Den Rigel hatte es nicht gerade gut erwischt während der letzten zwanzig Jahre. Jetzt, nachdem man die letzten Rohstoffe ausgebeutet hatte, war der Planet vollkommen von der Föderation und den Versorgungsschiffen abhängig. Die einst so stolze Welt hatte ihren Abstieg zu einem Entwicklungsplaneten begonnen. Und nichts deutete auf ein baldiges Ende hin. Dies würde wahrscheinlich erst kommen, wenn die Bevölkerung den Planeten vollständig verlassen hatte. Schon heute ist das Wort „Rigelaner“ ein Synonym für einen Flüchtling. </em><br>  <em>Aus diesem Grund war Matts Arbeit auch so wichtig. Auch wenn er noch zu seinen Zeiten als Raumschiffcommander sich niemals hatte vorstellen können, dass die Arbeit auf einer Mienenstation etwas ehrenvolles hätte. Doch lieber grub man auf einem kalten Fels nach Rohstoffen, als auf einem bewohnten Zentrum der Föderation, wie es der Rigel einst war. </em><br>  <em>Wie im Zeitraffer waren die letzten Andockmanöver vergangen und die Luftschleuse öffnete sich. Matt verabschiedete sich von dem Piloten des kleinen Shuttles und trat auf den Korridor seiner Station. Wie eh und je wirkte sie schäbig und heruntergekommen. Überall waren die Zeichen erkennbar, dass es sich um eine Mienenstation handelte. Staub sammelte sich überall an, wo er auch nur einen Millimeter Platz fand. </em><br>  <em>Es glich einer Ironie des Schicksals, dass es überall in der Föderation so aussah. Ausgezehrt und dreckig. Und dabei musste die Föderation noch froh sein über jede Station die sie noch hatte. Nekonsolebla lag immerhin recht zentral und fernab der alten Frontlinien. Nur selten mussten sie sich in die Konflikte einmischen, die im All tobten. </em><br>  <em>Auf dem Korridor wurde Matt schon von Captain Suvek erwartet. Der, für seine Maßstäbe, noch recht junge Vulkanier versuchte natürlich, sich nichts anmerken zu lassen. Doch Matt roch den Braten gleich. Er spürte, dass ihn etwas bewegte. </em><br>  <em>„Bitte um Erlaubnis, die Station zu betreten“, begrüßet Matt den Vulkanier, der viel Wert auf die Form legte. In den letzten Jahren hatte sich Matt, der sonst eher ein Gegner des Protokolls war gelernt, dass Suvek sich nur an der Form festhielt um seinem Leben eine Form zu geben. Er hatte beinahe seine ganze Familie in den Kriegen verloren. Und die Form war beinahe alles, was er noch hatte. </em><br>  <em>Matt grinste wie üblich. Auch wenn Suvek diese Gefühlsflut nach außen hin abzulehnen schien, wusste der Halbbetazoid, dass sein Captain dieser Ausgleich sehr wohl recht war. Besonders für seine Crew waren zwei Kommandanten, die in vielen Punkten verschieden sind, besser, als zwei mit gleichen Ansichten. Aus diesem Grund erwartete Matt schon sein „Erlaubnis erteilt. Willkommen zurück Commander“, doch dieses Mal wurde er enttäuscht. Es blieb aus. </em><br>  <em>„Wir müssen reden Commander“, sagte der Vulkanier und wirkte traurig. </em><br>  <em>Price antwortet nicht sondern folgte seinem Captain sogleich. Verwirrt fuhr er sich durch sein erstaunlicherweise immer noch recht dunkles Haupthaar. Auf dem Weg zum Bereitschaftsraum des Captains begrüßte er freundlich die Crewmitgliedern, denen er begegnete. Suvek sagte kein Wort. Auch dies war seltsam, war er doch sonst einem Small Talk nicht abgeneigt. </em><br>  <em>Als sie den Bereitschaftsraum erreichten, ließ sich Price sogleich in den Stuhl vor dem Schreibtisch sinken. Das Alter ging eben auch nicht spurlos vorüber. Mit seinen inzwischen 61 Jahren Lebzeit hatte er zwar gerade einmal die Hälfte seines Lebens erreicht, jedoch nagten die letzten Jahre auch an ihm. </em><br>  <em>Suvek stand vor dem einzigsten Fenster des Raumes, der recht geräumig war. Neben dem großzügig eingerichteten Büro befand sich auch noch ein Bett in diesem Raum, zusammen mit einem kleinen Bad. </em><br>  <em>Durch das Fenster konnte man die karge Oberfläche des Planeten erkennen. Zudem ging gerade die Sonne auf und erfüllte den Bereitschaftsraum mit hellem, blauen Licht. </em><br>  <em>„Es hat einen Anschlag gegeben“, fuhr es aus Suvek heraus. </em><br>  <em>„Einen Anschlag?“, fragte Matt nach. </em><br>  <em>„Es war ein Talarianischer Falke.“ </em><br>  <em>Matt stockte und atmete schwer aus. „Oh mein Gott. Ein Falke? Nach so langer Zeit?“ Er lehnte sich zurück und rieb sich die Stirn. Nur ungern erinnerte er sich an die Zeiten der Talarianischen Falken. Und an die Gräueltaten, die an ihnen begangen wurden. „Wann ist es geschehen? Weiß man schon etwas über das Ausmaß der Schäden?“ </em><br>  <em>Suvek nickte. „Es geschah vor etwa einer Stunde. Ich wurde vor wenigen Minuten vom Sternenflottenkommando benachrichtigt. Man schätzt die Zahl der Oper auf etwa 450.000.“ </em><br>  <em>Matt schüttelte den Kopf. „Ich verstehe so etwas nicht.“ </em><br>  <em>„Commander, da ist noch mehr.“ </em><br>  <em>„Mehr?“, er riss die Augen auf. „War es etwa ein Fallout Anschlag?“ </em><br>  <em>„Nein, zum Glück nicht.“ Er ließ sich einen Moment Zeit. „Commander, der Anschlag fand auf den Rigel statt. Es tut mir leid Matt, ihre Mutter ist unter den Opfern.“ </em><br>  <em>  </em><br>  Ohne die Formen der Höflichkeit zu übergehen, aber auch ohne auch nur eine Sekunde an Zeit zu verlieren betrat Phoenix das Büro seiner Chefin. Das Büro war mit edlem Holzmobiliar ausgestattet und wirkte wie ein Relikt aus der Zeit Freuds, dem bedeutendsten irdischen Psychoanalytikers. <br>  Counselor Tolbar saß an ihrem Schreibtisch und studierte einige PADDS, als sie ihren Kollegen bemerkte. <br>„Ah Chester“, sagte die Trill Frau, die in etwa Phoenix Alter hatte, und winkte ihn herein. Sie gab ihm schnell die Hand. „Lass dir nochmals gratulieren.“ Sie gab ihm die Hand. „Dein 50. Geburtstag. Es tut mir leid, dass ich bei deinem Fest vor zwei Wochen nicht dabei sein konnte.“ <br>„Ach, das macht nichts. Du hattest den Urlaub mit deiner Frau schon lange geplant. Und um ehrlich zu sein...“ er lächelte verschmitzt. „Konnte ich dann schon mal in dem Stuhl da Probe sitzen.“ <br>Tolbar erwiderte das Lächeln. „Mach dir nur keine zu große Hoffnungen, ich habe noch einige Jahre vor mir. Besonders jetzt, da ich es mir gerade hier bequem gemacht habe.“ <br>Beide lachten kurz und gewährten sich somit einen kleinen Ausbruch von den Problemen, die die Arbeit in der Anstalt mit sich brachte. <br>„Also, was ist der Grund für deinen Besuch?“ <br>„Ein Fortschritt mit einem Patienten.“ <br>„Es muss etwas besonderes sein, wenn du damit zu mir kommst.“ <br>„Das ist es in der Tat“, stimmte Phoenix zu. „Es handelt sich um Danny Bird.“ <br>„Danny Bird?“, wiederholte Tolbar ungläubig. „Das ist in der Tat etwas besonderes.“ <br>Phoenix hingegen legte plötzlich seine Stirn in Falten. „Wieso erschreckt dich das?“, fragte er. Deutlich hatte er ihre Angst gefühlt. <br>Tolbar fühlte sich ertappt. Sie sah ihren guten Freund eindringlich an. Natürlich wusste sie, dass sie von diesem Vorwurf nicht mit irgendwelchen Ausflüchten davonkommen konnte. Ihre Rettung war ihre Sekretärin, die sich über die Interkom meldete. <br>Schnell drückte sie auf die Bestätigungstaste. „Ja Melanie?“ <br>„Es ist jemand für Sie hier. Ein gewisser Captain Lewinski. Er sagt er sei ein ehemaliger Patient von Ihnen. Außerdem möchte er sich nach einem Freund erkundigen, der jetzt Patient ist.“ <br>„Verstanden. Er soll rein kommen“, antwortete Tolbar und stand auf. Phoenix tat es ihr gleich, ohne seinen durchdringenden Blick von ihr zu nehmen. <br>Sie atmete einmal tief durch, als sich die Tür öffnete und John Lewinski eintrat. Sofort brachte sie sich wieder unter Kontrolle und legte ein Grinsen auf. <br>„Störe ich?“, fragte der Sternenflottencaptain, der in Zivilkleidung erschienen war. <br>„Nein, ganz und gar nicht John, kommen Sie herein“, erwiderte Tolbar freundlich. Dann wandte Sie sich an Phoenix. „Dr. Phoenix, darf ich Ihnen John Lewinski vorstellen.“ Phoenix und Lewinski begrüßten sich mit einem einfachen Händedruck. Lewinski setzte sich darauf auf den zweiten Stuhl neben Phoenix. <br>„Ich habe Mr. Lewinski vor fünf Jahren behandelt. Er litt an einem schweren Trauma“, erläuterte Tolbar für den anwesenden Phoenix. <br>„Ich danke Ihnen, dass Sie mich wieder daran erinnern“, scherzte John. <br>Tolbar überhörte diese Bemerkung und wandte sich ernst an ihn. „Wie geht es Ihnen?“ <br>„Danke gut. Ich habe mein Leben unter Kontrolle. Und Sie? Sie sind jetzt die Chefin der Anstalt?“ <br>„Ja, in der Tat. Aber lassen wir dies. Sie sind wegen Danny Bird hier, nicht wahr?“ <br>„Was hat er mit Danny Bird zu tun?“, fragte Phoenix frei heraus, als sei Lewinski überhaupt nicht anwesend. <br>„Ich bin sein Captain“, antwortete er selbst. <br>„Der Captain? Ich dachte er sei der einzige Überlebende seiner Crew.“ <br>„Nun... nicht ganz. Ich nehme an, Sie sind Dannys Arzt?“ <br>Phoenix nickte und versuchte gleichzeitig aus Lewinski schlau zu werden. „In der Tat, der bin ich.“ <br>„Dann muss Ihnen meine Antwort genügen, dass der Rest geheim ist.“ <br>Bevor Phoenix auch nur ein weitere Wort herausbringen konnte, mischte sich Tolbar wieder in die Diskussion ein. „Es wird Sie freuen zu hören, dass Dr. Phoenix einen bedeutenden Fortschritt erzielt hat.“ <br>„Wirklich?“, fragte Lewinski erstaunt. <br>„Wollen Sie dem Captain nicht davon berichten?“ <br>Phoenix seufzte. „Er hat gesprochen... Ich konnte wenige Worte mit ihm wechseln. Allerdings scheint er sein Leben verdrängt zu haben. Denn er behauptet, dass Danny Bird nicht sein Name ist.“ <br>„Kann ich zu ihm?“ <br>„Ich halte dies im Moment nicht für klug“, antwortete Phoenix. „Ein bekanntes Gesicht würde ihn im Moment vermutlich zurückwerfen. Sie sollten warten, bis er sich etwas gefestigt hat.“ <br>Unzufrieden nickte John. „Nun gut. Wenn Sie das für das Beste halten.“ <br>„Hm. Das Beste wäre natürlich, wenn man mir alles erzählen würde. So kann ich nur schwer mit ihm arbeiten“, kommentierte er sarkastisch. <br>„Doktor Phoenix“, zischte Tolbar und warf ihm einen strafenden Blick zu. <br>„Nun“, sagte Lewinski, mit einem deutlich verlegenen Ausdruck im Gesicht. „Ich werde dann mal wieder gehen. Ich habe noch einen anderen Termin. Hat mich sehr gefreut Counselor Tolbar. Doktor Phoenix.“ So schnell er konnte machte sich Lewinski davon und ließ die beiden Ärzte allein zurück. Keinen Moment länger hätte er es in diesem Käfig ausgehalten. <br>„Du gehst jetzt wohl besser wieder an deine Arbeit zurück“, riet Tolbar. <br>Ohne ein weiteres Wort stand Phoenix auf und verließ das Büro. Er wusste, dass sie ihm wichtige Dinge verschwieg. Und er wusste, dass er sich den Namen John Lewinski würde merken müssen. <br>  <br>Dessen Wege führten ihn nicht weit von der Anstalt weg. Praktisch das Nebengebäude der Anstalt war der allgemeinen Medizin gewidmet. Genauer, dem Sternenflottenkrankenhaus. Dieser Komplex war noch größer und gewaltiger wie der der psychiatrischen Anstalt. <br>Schnell, auch mithilfe der Computer, hatte er die Abteilung gefunden, die er aufsuchen wollte. Dort wurde er schon von einigen Ärzten erwartet. Und noch ehe er auch nur einen Atemzug machen konnte, lag er schon, vollkommen entkleidet auf einem blanken Tisch in einem sonst leeren Raum. Um ihn herum war eine große Maschine. Sie umgab ihn von der Seite wie ein Hufeisen. Die Prozedur an sich dauerte nicht lange. Der Apparat begann blau zu leuchten. Ein seltsames Kribbeln durchfuhr seinen Körper. Und nur fünf Minuten später saß er einem Arzt gegenüber, hinter dem ein Terminal aufgebaut war und auf dem man die Ergebnisse des Scan sehen konnte. Einige Bereich in seinem Körper, Lewinski ordnete sie seiner Leber zu, waren speziell gekennzeichnet. <br>„Ihre Ärztin hat recht behalten“, begann der irdische Mann, der etwa in Lewinskis Alter war. „Es sind deutlich die antallianischen Krebszellen zu erkenne. Insgesamt haben sich vier Herde gebildet, drei davon an ihrer Gallenblase, die vierte an der Leber.“ <br>„Wie schlimm ist es?“, fragte Lewinski entmutigt. Innerlich musste er lachen. Es war keine halbe Stunde her, als er mit einem Lachen auf dem Gesicht zu seiner Psychologin gesagt hatte, dass es ihm gut ginge. Ob sie, oder auch dieser Phoenix, wohl bemerkt hatten, dass er gelogen hatte? <br>„Der Krebs befindet sich im Zweiten Stadium. Er ist also noch behandelbar. Wir sollten jedoch so schnell wie möglich einen Termin für eine Operation vereinbaren.“ <br>Lewinski schwieg. Mit gläsernem Blick sah er auf das Diagnosefeld. <br>„Sie brauchen keine Angst zu haben. Ein Team von Krebsspezialisten wird sich um Sie kümmern. Der Eingriff wird zudem nicht lange dauern.“ <br>Müde nickte John Lewinski und sah zu dem Arzt, dessen Name er schon wieder vergessen hatte. Und noch ehe er auch nur ansatzweise überlegen konnte, hatte der Arzt seine Operation schon auf den morgigen Nachmittag terminiert. <br>  <br><em>Matthew Price saß in seinem Quartier. Er hatte es abgedunkelt. Nur eine kleine Kerze spendete etwas Licht. Es stand vor einem Foto seiner Mutter. Dies war einer der wenigen betazoiden Bräuche, die er angenommen hatte. Die kleine runde Kerze spendete einen wohltuenden Duft, der beruhigend wirken sollte. Doch Price fühlte sich nicht so. In ihm brodelte ein Vulkan. </em><br><em>Das Licht der Kerze wirkte hypnotisierend. Er konnte gar nicht anders, als von seinem Sessel aus auf die Kerze zu blicken und seiner Mutter ins Gesicht zu sehen. Auf dem Bild lächelte sie so wunderbar. Es war eines der neusten Bilder, das er von ihr hatte. Er hatte es vom Rigel mitgebracht. Eine der Freundinnen seiner Mutter hatte es aufgenommen. </em><br><em>Das Bild einer stolzen Mutter und ihres Sohnes. Ja auch er war auf dem Foto zu sehen. Und auch er lachte. </em><br><em>Im Grunde konnte er es noch immer nicht glauben. Sie war tot. Einfach so aus dem Leben gerissen. Von einem längst vergangenen Relikt. </em><br><em>Plötzlich ein Geräusch. Price sah erschrocken zu seinem Computerterminal. Es war aus seinem Stand - by Modus erwacht und zeigte nun das Logo der Föderation. Müde stand Price auf, setzte sich vor das Terminal und nahm den Anruf entgegen. </em><br><em>„Du wolltest mich sprechen?“, fragte Elizabeth Frasier. </em><br><em>„Ja“, antwortete Price leise. </em><br><em>„Matt, du solltest wissen, dass ich noch immer sauer bin. Ich habe eine neue Beziehung, die mich sehr glücklich macht und... und um ehrlich zu sein, kannst du nicht einfach so nach Jahren bei mir anrufen und so tun, als sei nichts vorgefallen.“ </em><br><em>„Ich weiß Liz. Und es tut mir leid.“ </em><br><em>Frasier blickte Price verwirrt an, der kaum zu sehen war in dem Halbdunkel, in dem er saß. „Was ist los?“ </em><br><em>„Meine Mutter ist gestorben.“ </em><br><em>Frasier seufzte. „Das tut mir leid.“ </em><br><em>„Ich brauche einfach jemanden, mit dem ich reden kann“, gestand Price kleinlaut ein. </em><br><em>Sie schüttelte ihren Kopf. „Ich weiß nicht, ob ich im Moment der richtige Gesprächspartner für dich wäre. Es ist einfach zu viel vorgefallen. Es tut mir leid.“ Sie ließ sich beiden eine kleine Pause. „Was ist denn mit deiner Imzadi? Oder deiner Tochter... oder deinem Sohn?“ </em><br><em>Price schniefte. „Aber wir haben doch früher so gut miteinander reden können.“ </em><br><em>„Matt... Ich kann das nicht. Und ich will es nicht. Ich habe schon zuviel Zeit für dich geopfert. Um ehrlich zu sein habe ich darauf keine Lust mehr. Du hattest oft genug die Möglichkeit dazu... früher. Früher, ja, da konnten wir reden. Aber das ist nicht mehr. Wir dienen nicht mehr auf der Monitor.“ </em><br><em>„Aber ich dachte doch nur...“ </em><br><em>„Ja, das ist das Problem. Du </em>dachtest nur <em>...aber das stimmt nicht. Du willst nur. Im Grunde bin ich dir doch egal.“ </em><br><em>Matt schwieg. </em><br><em>„Das mit deiner Mutter tut mir wirklich leid... aber ansonsten wäre ich sehr froh darüber, wenn du dich nicht mehr bei mir melden würdest.“ Mit diesen Worten beendete Frasier das Gespräch und Price kehrte in die Dunkelheit seines Quartiers zurück. </em><br><em>Nur eines störte diese Stille, die eisiger war als das dunkelste Grab. Es war die Stimme Suveks, die über die Interkom erklang. „Commander Price, bitten kommen Sie in meinem Bereitschaftsraum.“ </em><br><em>Träge reagierte Price als er den Kopf hob und antwortete. „Ich bin unterwegs.“ </em><br><em>Der Weg zum Bereitschaftsraum erwies sich jedoch als sehr beschwerlich. Er schien um das dreifache angewachsen zu sein. Und auch der Turbolift schien heute zu schleichen. Schlussendlich schaffte er es doch. </em><br><em>Als er den Bereitschaftsraum betrat und den Admiral sah, der sich in ihm befand, zog er es für einen Moment in Erwägung seine Uniform in eine ordentliche Position zu rücken. Doch er entschied sich dagegen. Sollten ruhig alle sehen, wie er litt. </em><br><em>Price bewegte sich zuerst zum Nahrungsverteiler und holte sich ein Glas Wasser, bevor er sich setzte und den beiden Offizieren seine Beachtung schenkte. </em><br><em>„Es tut mir leid, wenn wir Sie stören müssen...“, begann der Admiral, bei dem es sich um einen J'naii handelte. </em><br><em>Price wollte zuerst einen sarkastischen Spruch ablassen, aber sogar dazu fehlte ihm die Motivation. Also fuhr der Admiral fort. </em><br><em>„Wir haben eine erste Spur auf die Drahtzieher des Anschlags.“ </em>Er <em> stand auf und trat neben eine leere Wand des Bereitschaftsraums. Mit einigen Tastendrücken auf dem Sensorfeld am Rande der Wand projizierte der Computer ein Bild an Wand. „Dieses Bild wurde von einer Überwachungskamera auf dem Rigel aufgenommen. Einen Tag vor dem Anschlag. Am Rande des Bildes, sind für einen Moment Zwei Personen zu erkennen.“ Der Admiral zoomte den entsprechenden Teil des Bildes heran. Tatsächlich waren dort zwei Personen zu erkennen. Sie standen neben einem alten, leerstehenden Laden. Die eine Person war in der Tat als Talarianer zu erkennen. Die andere Person hatte der Kamera den Rücken zugedreht. Beide Personen sprachen miteinander. Deutlich war die Gestik des einen und die Mimik des anderen zu erkennen. </em><br><em>Price blickte fragend zu dem J'naii. „Und was hat das alles mit mir zu tun?“ </em><br><em>„Kennen Sie eine der Personen auf dem Bild?“, fragte das J'naii. </em><br><em>Seufzend kniff er seine Augen zusammen und versuchte die Person zu erkennen. Doch schon nach kürzester Zeit schüttelte er den Kopf. „Tut mir leid. Ich kenne nur sehr wenig Talarianer. Und dieser ist keiner davon.“ </em><br><em>„Was ist mit der anderen Person?“ </em><br><em>„Sie machen Scherze? Ich sehe nur dessen Rücken“, konterte Price. </em><br><em>Doch den Admiral schien dies nicht zu interessieren. Er betätigte einige Tasten und vergrößerte einen weiteren Ausschnitt. Diesmal war es ein Teil des Schaufensters. Und als es vergrößert war, sah Price die zweite Person darin. Es war ein Mensch. Und die Tatsache, wer es war, versetzte ihm einen Schlag in die Magengrube. </em><br><em>„Commander Price, ich muss Sie fragen ob Sie noch Kontakt zu John Lewinski haben.“ </em><br><em>„Nein,“ stammelte er wahrheitsgemäß. „Er ist doch schon vor mehr als zehn Jahren verschwunden.“ </em><br><em>„Wieso taucht er dann hier, am Tatort mit dem Tatverdächtigen wieder auf? Nach 10 Jahren?“, fragte der Admiral eindringlich. </em><br><em>„Ich weiß es nicht“, antwortete, hauchte Matt Price. </em><br><em>Besorgt deaktivierte der Admiral das Bild. „Wir sind uns zwar nicht zu 100 Prozent sicher, da wir keinen DNS Scan dieser Person haben, aber allein nach dem was wir haben, gehen wir davon aus, dass es sich um John Lewinski handelt.“ Der Admiral setzte sich. „Wir gehen auch davon aus, dass er noch lebt. Wir konnten von dem Shuttle des Falken einen kurzen Scan machen, bevor er aufschlug. Wir konnten nur ein talarianisches Lebenszeichen erkennen.“ </em><br><em>Matt Price hörte nur mit einem Ohr zu. Sein Blick war immer noch auf die inzwischen wieder leere Wand gebannt. </em><br><em>„Was hat das Kommando jetzt vor?“, fragte Suvek. </em><br><em>„Commander Price.“ Der Admiral wartete, bis sich Price zu ihm gedreht hatte. „Wir wissen, dass Sie aus dem Geheimdienst ausgeschieden sind. Jedoch sind Sie die beste Verbindung, die wir zu John Lewinski haben. Sie erhalten den Befehl ihn zu finden und zu verhaften. Sollte Lewinski etwas mit dem Anschlag zu tun haben, müssen wir ihn aufhalten. Müssen Sie ihn aufhalten.“ </em><br><em>Price wollte gerade einen weiteren Schluck Wasser zu sich nehmen, als er sah, wie seine Hand zitterte. Also zog er seine Hand schnell wieder zurück und massierte sie mit der anderen. Was sollte er tun? Was sollte er sagen? </em><br><em>„Sie erhalten eines unserer High Speed Shuttles. Damit kommen Sie hin, wohin Sie wollen. Sie bekommen sämtliche Codes, die Sie benötigen um sich in allen Einrichtungen der Föderation zutritt zu verschaffen. Natürlich dürfen Sie auch rekrutieren, wen Sie wollen. Es wäre uns natürlich lieber, wenn möglichst wenig Leute davon bescheid wissen, aber das müssen Sie entscheiden.“ Der Admiral schob Price ein PADD unter die Nase, das die Befehle nochmals in schriftlicher Form enthielt. In einer automatischen Handbewegung nahm Price das PADD entgegen. </em><br><em>„Sie sollten jetzt besser packen Commander“, wies der Admiral an. </em><br><em>„Viel Glück Commander. Ihr Platz wird hier noch frei sein, wenn Sie wiederkommen“, gab ihm Suvek noch mit auf den Weg. </em><br><em>Und noch bevor er den Raum verlassen hatte, befand sich Price wieder in seinem alten Leben als Geheimdienstoffizier. </em><br><em>  </em><br>„Wieso fragen Sie mich die ganze Zeit über Danny Bird aus?“ <br>„Mich interessiert er eben sehr“, gab Chester Phoenix zu. „Wie stehen Sie zu ihm?“ <br>Sanft fiel das Licht des zu Ende gehenden Tages in das kleine Zimmer von Danny Bird. Wieder einmal saßen sich die beiden gegenüber. Wie immer lag das kleine Aufnahmegerät auf dem Tisch und zeichnete alles auf, was in diesem Raum geschah. <br>„Ich hab im Grunde nie so viel mit ihm zu tun gehabt“, gestand Bird ein. „Ich habe eher in Woil oder Price gute Freunde gesehen. Danny konnte sehr... rechthaberisch wirken. Obwohl sich das in den letzten Jahren erst so entwickelt hat. Zu beginn war er noch recht naiv. Ihm mussten oft die Grenzen aufgezeigt werden. Er handelte auch oft ohne an die Konsequenzen zu denken. Jetzt würde ich sagen ist er eine Spur zu arrogant für meinen Geschmack.“ <br>„Nun gut... Ardev. Wie stehen Sie zu John Lewinski?“, fragte Phoenix. Gerade rechtzeitig hatte er sich noch an den Namen der Person erinnern können, die Bird im Moment war. <br>„Der Captain?“ <br>„Ja.“ <br>„Der Captain ist toll. Es war mir jeden Tag eine Ehre unter ihm zu dienen...“ Müde rieb sich Bird plötzlich an der Stirn. Dann sah er auf und blickte verwirrt zu Phoenix. <br>„Kennen wir uns?“, fragte Bird. <br>„Mein Name ist Chester Phoenix. Wer sind Sie?“ <br>„Matthew Price“, antwortete Bird. <br>„Commander Price, es freut mich Sie kennen zulernen.“ <br>„Bitte, nennen Sie mich Matt“, unterbrach Bird. <br>„Sie sind der kommandierende Offizier von Danny Bird?“ <br>„Ja, er ist der Sicherheitschef der Monitor.“ <br>„Wie stehen Sie zu ihm?“ <br>„Er ist ein tüchtiger Offizier und einer unserer besten Leute“, antwortete Bird sofort. Sogar für Phoenix war die Veränderung in der Stimme zu hören. Deutlich hatte Bird auch Price Tonfall angenommen. <br>„Wie würden Sie ihn charakterisieren?“ <br>„Hm... Engagiert, tapfer, hilfsbereit... allein.“ <br>„Allein? Wie meinen Sie das?“ <br>„Er ist oft... Er leidet an dem Phänomen, das alle Offiziere des Geheimdiensts betrifft. Er öffnet sich nicht. Vielleicht liegt es auch an dem Schiff. Es ist sehr klein und es gibt nur sehr wenig Privatsphäre. Daher verschließt sich jeder an Bord. Und Danny hat auch außerhalb des Schiffs nur wenig Bezugspersonen. Daher ist er einer der Menschen, die sehr an der Einsamkeit leiden. Ich glaube nur der Captain leidet mehr an ihr.“ <br>„Wie ist er so? Der Captain.“ <br>„Der Skipper? Ein toller Mensch. Wissen Sie, er hat vor kurzem seinen Vater verloren. Das hat ihn verbittert. Ich denke er ist auch noch nicht darüber hinweg. Er schiebt das ganze vor sich her. Er braucht dringend jemanden zum reden. Ansonsten wird er wohl an dieser Last zerbrechen.“ <br>„Wieso sprechen Sie nicht mit ihm? Ich meine als Erster Offizier geht Sie das doch auch was an.“ <br>Bird schüttelte den Kopf. „Er würde mir gegenüber nie zugeben, dass etwas nicht in Ordnung ist. Wir haben ein recht gespanntes Verhältnis. Er sieht in mir nicht die Möglichkeit, sein Leben etwas einfacher zu machen. Sondern eher die Wurzel allen Übels. Auch wenn er sich in den letzten Jahren immer auf mich verlassen konnte.“ <br>„Was ist ihre letzte Erinnerung?“ <br>Bird zögerte. „Hm...“, machte er. Doch Phoenix stellte etwas vollkommen verwirrendes fest. Birds Herz begann zu rasen. Er begann zu schwitzen. Seine Hand zitterte. Gleichzeitig empfing Phoenix seltsame Gefühle und Bilder von ihm. <br>Ein dunkler Korridor, Kälte, das leise Sirren einer Maschine, eine Brücke... <br>Die Flashbacks waren so schnell verschwunden, wie sie in ihm aufgetaucht waren. Und noch ehe Phoenix auch nur blinzeln konnte, war Bird verwirrt aufgestanden und saß in einer Ecke seines Raumes. Er hatte sich zusammengekauert und weinte. Sein Gesicht wirkte schmerzverzerrt. Er schluchzte bitterlich. Zwischendurch schrie er auch. Schreie, die das Knochenmark erstarren ließen. <br>Chester nahm einmal tief Luft um die erlebten Flashbacks beiseite zu schieben. So starke Bilder hatte er von einem Menschen nicht erwartet. Dann kniete er sich neben Danny Bird, der jetzt viel kleiner wirkte, als noch vor einen Moment. <br>„Was ist mit dir?“, fragte er. <br>„Es ist nichts mehr da“, brachte Bird schluchzend heraus. <br>„Was ist nicht mehr da?“, versuchte Chester beruhigend zu fragen. Obgleich er wusste, dass er nur mir provozierenden Fragen zum Kern der Schmerzen vordringen konnte. <br>„Meine Heimat... Meine Eltern... Meine Freunde...“, stammelte Bird. <br>„Was ist mit Ihnen geschehen?“ <br>„Ich war doch nur eine Woche fort... mit meiner Klasse...“ Wieder ließ Bird einen verzweifelten Schrei los und schien noch mehr zu weinen, als zuvor. <br>Langsam setzte sich Phoenix neben Bird und nahm ihn in die Arme. Bird ergriff diese Möglichkeit, hielt sich an Phoenix praktisch fest und weinte an seiner Schulter. Der Arzt versuchte, so ruhig wie möglich zu wirken, wie er konnte. Dieser Bird wurde immer verwirrender. <br>Gerade als sie eine einigermaßen bequeme Sitzposition gefunden hatten, verstumme Bird plötzlich. Chester löste ihn aus seiner Umarmung und sah, wie sein Patient mit völlig neutraler Miene aufstand und ihn ansah. <br>„Sie schon wieder.“ Keine Spur mehr von Trauer oder Verzweiflung. Bird war wieder zum Eisblock geworden. <br>Phoenix stand ebenfalls auf. Er erkannte diese Person. Es war die erste, mit der er gesprochen hatte. „Können Sie sich jetzt an ihren Namen erinnern?“ <br>„Ist das so wichtig?“ <br>„Ihr Name ist ein wichtiger Teil Ihrer Identität. Außerdem würde es mir leichter fallen Sie anzusprechen. Wollen wir uns nicht setzen?“, Phoenix bot Bird einen Platz an. Sogleich setzte er sich dann auch. Chester folgte seinem Beispiel. <br>„Namen sind nur eine Grenze. Eine Schublade, wenn Sie wollen. Wir werden in Schubladen geschoben, noch ehe wir ein Wort sagen können. Von unserem Namen hängen Vertrauen, Selbstbewusstsein und Vorurteile ab. Nennen Sie mich, wie Sie wollen. Jedoch will ich nicht in eine Schublade gezwängt werden. Ich bin ein freies Wesen.“ <br>„Dann haben Sie eine Namen?“ <br>„Was macht das für einen Unterschied?“ <br>„Nun, entweder Sie können sich nicht an Ihren Namen erinnern oder Sie wollen ihn mir nicht sagen. Da ist ein großer Unterschied.“ <br>„Wieso ist das so wichtig für Sie?“ <br>„Weil ich wissen will, ob ich Ihnen vertrauen kann.“ <br>Bird überlegte. Ausweichend sah er aus dem Fenster. Hoch zu den ersten erscheinenden Sternen. „Kann ich Ihnen vertrauen?“ <br>„Natürlich“, antwortete Phoenix ohne zu zögern. „Ich bin Ihr Arzt. Ich unterliege der Schweigepflicht.“ <br>Ein leichtes Funkeln zeigte sich in Dannys Augenwinkeln. „Na schön. Ich habe einen Namen. Ich kann mich an ihn erinnern, will ihn Ihnen aber nicht offenbaren.“ <br>Phoenix nickte leicht. „Gut. Dann machen wir weiter. Wie fühlen Sie sich?“ <br>„Ich spüre, dass irgendetwas nicht mit mir stimmt. Irgendwie fühlt sich das ganze nicht richtig an.“ <br>„Wie meinen Sie das?“ <br>„Mir ist bewusst, dass dies nicht mein Körper ist. Er gehört diesem... Danny Bird.“ <br>Phoenix staunte. „Sie haben recht.“ <br>„Ich bin in einer psychiatrischen Anstalt, nicht wahr?“ <br>Er nickte. „So ist es.“ <br>„Wissen Sie, wieso dieser Danny Bird hier eingeliefert wurde?“ <br>Phoenix schüttelte den Kopf. „Ich weiß nur wenig. Anscheinend war er anwesend, als seine gesamte Crew dahingestreckt wurde.“ <br>„Ein wirklich traumatisches Ereignis. Verständlich, dass er eingewiesen wurde.“ <br>„Kennen Sie einen John Lewinski?“ <br>Bird nickte. „Dieser Bird kennt ihn. Also kenne auch ich ihn. Schließlich benutzen wir das selbe Gehirn.“ <br>„Stört Sie diese Tatsache nicht?“ <br>„Nein.“ <br>„Sie sind merkwürdig. Was sind Sie?“, fragte Phoenix, doch statt einer Antwort erhielt er wieder nur ein schmerzverzerrtes Gesicht. Vorsichtig lehnte sich Bird in seinem Stuhl zurück und zog sich anschließend wieder in sich selbst zurück. Die Augen blickten wieder starr und leblos ins Nichts. Seufzend betätigte Phoenix eine Taste auf seinem PADD. Die Sitzung war beendet – für den Moment. Und er hatte viel Stoff, über den er nachdenken konnte. <br>  <br>In das Haus seiner Jugend zurückzukehren war ein seltsames Gefühl. Lewinski hatte diesen Moment so lange vor sich her geschoben, wie er nur konnte. Zuerst sein Besuch am Grab seines Vaters, dann auf der Venus und auch sein anschließend kleiner Rundgang durch San Francisco, hatten nicht verhindert, dass er jetzt an der Schwelle zu seinem Elternhaus stand. <br>Hinter ihm lag der kleine Vorgarten, den während des letzten Jahres niemand mehr gepflegt hatte. Das Gras und alle anderen Gewächse stand hoch und verliehen dem Haus etwas wildes. <br>John Lewinski war schnell mit seiner Tasche daran vorbeigeschritten und hatte die Haustür mit seinem Daumenabdruck geöffnet. Vor ihm lag jedoch eine ganze Hölle an Erinnerungen. <br>Erst nach einigen Minuten wagte er es das Licht zu aktivieren. Anschließend fühlte er sich in seine Kindheit zurückversetzt. Er atmete den Duft des Holzes ein, mit dem das Haus verkleidet war. Linker Hand ging es einige Stufen ins Wohnzimmer hinunter. Dort ruhte auch ein großer Kamin, eingefasst in weiße Steine. Durch die Glasfront sah man hinaus zum hinteren Bereich des Garten. <br>Direkt vor ihm befand sich die große Treppe, die in den oberen Stock führte. Rechter Hand befanden sich das Esszimmer und die Küche. Lewinski konnte sich daran erinnern, wie seine Mutter sehr viel von Hand gekocht hatte. Doch nach ihrem Tod war sein Vater dazu übergegangen, öfters den Replikator zu benutzen. <br>Langsam ging Lewinski die drei Stufen hinunter ins Wohnzimmer. Mit einer üblichen Handbewegung warf er seine kleine Reisetasche auf die Couch. Wie er es früher mit seinem Schulranzen getan hatte. <br>Müde ließ sich Lewinski in den Sessel fallen. Noch müder rieb er sich seine Schläfen. Schließlich erspähte er den Computer, der auf dem Tisch stand. Er drehte den Bildschirm und sah sich die letzten Anrufe an. Während des letzten Jahres hatten einige Leute angerufen und Nachrichten hinterlassen. Die meisten Namen kannte er. Es waren alte Freunde seines Vaters. Ob einer von denen bei ihm gewesen war, während er starb? <br>Noch ehe er diesen Gedanken fortführen konnte, deaktivierte er das Terminal wieder und drehte es wieder in die alte Position. Er würde sich nach seiner Operation darum kümmern, alle Anrufe durchzugehen. Bei den meisten handelte es sich sowieso um Beileidsbekundungen. Zudem warteten mit Sicherheit noch einige Dokumente darauf von ihm angesehen zu werden. Er hatte auch die Adresse eines Anwalts aus den Anrufern herauslesen können. Aber alles in allem gab es hier recht wenig zu beanstanden. Connor hatte sich anscheinend wirklich recht gründlich um die Beerdigung seines Vaters gekümmert. John beschloss ihm irgendwie seine Dankbarkeit zu zeigen. Doch aus dies würde bis nach der Operation warten müssen. <br>Lewinski stand auf und verließ das Wohnzimmer wieder. Er sah im vorbeigehen auf die Uhr. Es war kurz vor Mitternacht. Und er freute sich jetzt wirklich auf sein altes Bett. Ob sein Vater etwas an seinem Zimmer verändert hatte? Oder an Martins? Vermutlich nicht. <br>Dazu wird ihm die Kraft gefehlt haben. <br>Lewinski hatte gerade die ersten Stufen der großen Treppe genommen, als es an der Tür klingelte. <br>Verwundert sah er die Stufen hinab zu der großen hölzernen Tür. Gerade als er beschloss, dass er sich dieses Geräusch nur eingebildet hatte, ertönte das Klingeln wieder. Gefolgt von einem Klopfen. Es schien wirklich wichtig zu sein. Zumindest für den Besucher. <br>Langsam trat er die Stufen wieder herunter. War er vielleicht von einem der Nachbarn gesehen worden? Dabei hatte er sich doch extra so unauffällig wie möglich dem Haus genähert. Zudem: selbst wenn er gesehen wurde, wieso sollte dieser jemand dann ausgerechnet zu dieser Abendstunde noch hier auftauchen. Bestimmt gab es morgen auch noch genug Zeit alte Erinnerungen auszutauschen. <br>Noch ehe sich Lewinski der Tatsache bewusst war, dass sein Phaser in der Tasche im Wohnzimmer lag, hatte er die Türklinke auch schon in der Hand und die Tür geöffnet. <br>Was er sah, war gelinde gesagt ein kleiner Schock. <br>„Wieso überrascht es mich nicht, dich hier zu sehen?“, fragte Lewinski den Besucher. <br>„Es tut mir leid John, ich war gemein zu dir, das hattest du nicht verdient.“ Jeroen McMor lehnte entspannt am Türrahmen. Auch er trug, wie John, Zivilkleidung. „Darf ich eintreten?“ <br>Lewinski trat aus der Tür und ließ McMor herein. Zielstrebig ging er ins Wohnzimmer und sah sich in diesem um. Lewinski folgte ihm verwundert. <br>„Du wohnst hier recht schön“, lobte McMor. <br>„Was willst du hier?“, fragte Lewinski. „Vor allem, wie kommst du hier her? Bist du aus dem Gefängnis ausgebrochen?“ Er wunderte sich selbst darüber, wie blöd diese Frage klang. Es war in der heutigen Zeit beinahe unmöglich aus einem Gefängnis auszubrechen, das auf einem unbewohnbaren Planet angesiedelt war. <br>„Erst mal...“ McMor sah auf seine Uhr und zählte einige Sekunden herab. Als die Uhr schließlich eine gewünschte Uhrzeit erreicht hatten, sah er freudestrahlend zu Lewinski. „Alles Gute zum Geburtstag.“ <br>„Was?“, platzte es aus Lewinski heraus. <br>„Heute ist der 1.Mai 2381. Gestern war mein vierzigster, heute wirst du 43.“ <br>Lewinski musste kurz auflachen. Dabei hatte er recht. Heute war sein Geburtstag. Den hatte er fast verdrängt. Sein erster Geburtstag ohne Vater. „Danke“, murmelte er versunken. Doch schon nach wenigen Sekunden hatte er sich wieder gesammelt. „Mein Geburtstag. Du kommst doch nicht etwa deswegen.“ <br>„Nun, nicht direkt deswegen. Auch wenn es mich im nachhinein sehr freut, dass du anlässlich meines vorbeigesehen hast.“ <br>„Im nachhinein?“, fragte John. „Das hört sich so an, als sei er schon Jahre vergangen und nicht erst eine Minute.“ <br>Jeroen McMor lief einige Schritte umher, bis er sich schließlich am Kamin festhielt. „Ich bin aus einem bestimmten Grund hier John. Ich benötige deine Hilfe.“ <br>„Du sprichst in Rätseln Jeroen.“ <br>„Ich bin nicht der Jeroen McMor, den du heute morgen getroffen hast. Ich komme... aus der Zukunft“, versuchte McMor so glaubwürdig wie es ihm nur möglich war zu erklären. <br>„Aus der Zukunft? Kann es nicht eher sein, dass du eine Art Halluzination von mir bist? Vielleicht tut mir die Luft der Erde nicht mehr gut“ kommentierte Lewinski mit der selben Arroganz, die sein gegenüber noch vor wenigen Stunde an den Tag gelegt hatte. <br>„Ich bin im Dienste einer Zeitreiseabteilung der Föderation aus dem 27. Jahrhundert hier. Wir untersuchen die Zeitlinie nach temporären Fehlschaltungen... und eine solche ist aufgetreten.“ <br>„Entschuldige mich einen Moment“, warf Lewinski ein. Zielstrebig trat er zu einem der Schränke im Wohnzimmer und öffnete eines der Fächer. Darin standen einige Glasflaschen. Er nahm eine heraus und füllte sich etwas von der Flüssigkeit in ein Glas. Zwei Gläser später sah er erneut zu McMor. „Du bist immer noch da. Okay, könntest du bitte wiederholen, was du eben gesagt hast.“ <br>McMor seufzte. „Ich komme aus der Zukunft und benötige deine Hilfe um die Zeitlinie wieder in Ordnung zu bringen.“ <br>Lewinski nickte. „Und du bist sicher, dass du keine Halluzination bist?“ <br>„Ja, da bin ich mir sicher. Obwohl ich oft nahe dran war, eine zu werden“, antwortete McMor, wenngleich Lewinski nicht wusste, was er mit dieser Antwort anfangen sollte. <br>„Du bist dir sicher, dass ich dir helfen soll?“ <br>„Nun, nur du kannst mir helfen, denn dieses temporäre Problem betrifft dich.“ <br>„Mich? Was geschieht mit mir? <br>„Wir wissen es nicht, das ist es ja. Bist du dabei?“ <br>„Habe ich groß Möglichkeiten, mich zu wehren?“, fragte Lewinski. <br>„Nein.“ <br>„Dann lass uns aufbrechen.“ <br>  <br>Schweißgebadet und gleichzeitig frierend schritt Danny Bird durch die Korridore der USS Monitor. Schnell schluckte er den Kloß in seinem Hals herunter und ging weiter. <br>Er spürte die Dunkelheit auf sich lasten. Er spürte das Gewicht des Phasergewehrs in seinen Armen. Der kleine Lichtkegel des Scheinwerfers, der auf der Waffe montiert war ließ die Szenerie nur noch irrealer wirken. <br>Im Grunde erkannte Danny Bird sein Schiff nicht mehr. Er sah die Verwüstungen auf dem Schiff. Er sah die Leichen auf den Korridoren liegen. Was war nur geschehen? <br>Natürlich erinnerte er sich an die letzte Woche. An die Woche der Qual und des Todes in der er gesehen hatte, wie jeder, den er kannte gestorben war. Diese Woche mit dem verdammten Planeten, der ihnen fast das Leben gekostet hätte. Diese verdammte Woche mit dem Machtkampf zwischen Lewinski und Woil, mit einem an Shakespeare anmutenden Drama um die Liebenden Price und Frasier. <br>Seine Uniform klebte auf seiner Haut. Sie war für ihn beinahe schon zu einer zweiten Haut geworden. Und das Gewehr war wie ein zweiter Arm für ihn. Am liebsten hätte er weggeworfen. In irgendeine Ecke des Schiffes, die er noch nie gesehen hatte und auch nie wieder sehen würde. Doch er tat es nicht. Sein Selbsterhaltungstrieb war größer. Nein, dies stimmte nicht. Seine Angst war größer. <br>Er fühlte sich beobachtet, verfolgt, gejagt. Plötzlich sah er mehr. Plötzlich sah er etwas anderes. <br>Er sah John Lewinski und Bruce Land. Aus einer komischen Perspektive. Er sah ihre Köpfe. Als beugten sie sich hinab. Als beugten sie sich über ihn. <br>Und richteten über ihn. <br>Was dachten sie in diesem Moment? Doch wieso sah er sie überhaupt? <br>Nur einen Moment später fand sich Danny Bird in dem dunklen Korridor der Monitor wieder. Doch wieso? <br>Verwirrt drehte sich Danny Bird um. Er atmete schwer und sah in alle Richtungen. Er war Angsterfüllt. Wie noch nie in seinem Leben. Nein, es stimmte nicht. Nach dem Angriff der Borg auf seine Heimatwelt hatte er sich schon einmal so gefühlt. So allein. <br>„WER IST DA?!“, schrie er in die Dunkelheit. In der Hoffnung zu verjagen, was immer dort auf ihn wartete. Er war sich sicher, dass dort etwas auf ihn wartete. <br>Doch dort wartete nichts. Er war allein. Und das war ihm klar. Klarer als in jedem anderen Moment seines Lebens. <br>Danny Bird drehte sich erneut um und stand plötzlich auf der Brücke des Schiffes. Tief atmend setzte sich Bird in den Stuhl des Captains. Er sah auf eines der Displays hinab und deaktivierte die gesamte Energie des Schiffes. Alles wurde abgeschalten. Nur noch die Lebenserhaltung war auf einem Mindestniveau aktiviert und sorgte dafür, dass die wenige noch vorhandene Luft atembar blieb und Bird nicht durch die Brücke schwebte. Dies würde früh genug geschehen. <br>Also schloss er die Augen und gab sich seinem Schicksal hin. Er fühlte nicht mehr, wie die Sekunden vergingen. Er fühlte die Stunden nicht mehr. Er registrierte nicht einmal mehr, dass er einen Logbucheintrag machte. Mit den Systemen auf der Monitor hatte er auch sein Selbst abgeschalten. <br>Dann geschah etwas, dass er nicht für möglich gehalten hätte. <br>In der Dunkelheit war plötzlich ein heller Ring zu sehen. Ein Ring, der sich um ihn gelegt hatte. Nur langsam erwachte er und sah sich den Ring an, der zu einem Band wurde, dass sich um den Stuhl des Captains befand. <br>Noch ehe Danny wusste, was geschah, sah er Personen in diesem Licht. Er sah John Lewinski, Matt Price, Doktor Frasier, Jozarnay Woil, Arena Tellom, Ardev und sich selbst, als kleinen Jungen. All diese Leute standen um ihn herum. Sie blickten wütend zu ihm. Mit eiserner Miene. <br>Nach wenigen Sekunden der Ruhe traten sie in Aktion. Sie gingen auf Danny Bird zu. Und mit jedem Zentimeter, den sie sich näherten wuchs seine Angst. Eine Angst, die er nicht kannte. Der Spuk war so schnell vorbei wie er erschienen war. Diese merkwürdigen Personen lösten sich in eine Form von Licht auf und strömten in Dannys Körper. <br>Dieser ächzte kurz auf. <br>Doch da war noch mehr. Er sah etwas anderes vor sich. Eine weitere Art von Licht. Doch dieses Mal strahlte die Lichtquelle kein Licht aus. Was sehr bizarr wirkte. <br>„Wer bist du?“, fragte Bird, mehr hauchend als mit irgendeiner Art von Sprache behaftet. Doch dieses Licht schien ihn zu verstehen. Und die Stimme dieses Wesens dröhnte dafür umso lauter. Wie ein Grollen breitete es sich aus und schien von allen Seiten zu kommen. <br>„Ich bin die Frage und die Antwort. Ich bin Licht und Schatten. Ich bin das Gute und das Böse. Ich bin... der Grund.“ <br>Danny Bird verstand nicht. Doch das war ihm egal. Entspannt beobachtete er wie sich dieses Wesen näherte. Es kam ihm merkwürdig vor, dass er keine Angst verspürte. Wieso hatte er keine Angst vor diesem unbekannten Wesen, aber vor den Bildern seiner Freunde? <br>Noch ehe er eine Antwort auf diese Frage fand, hatte sich dieses Wesen mit Danny Bird vereint. Und was darauf geschah war das brutalste in seinem Leben. Ihre Geister vereinten sich. Nicht von jetzt auf nun. Es würde mehrere Monate dauern bis Danny Bird wieder im Stande war, sein Außenwelt wahrzunehmen. Und es wurden lange, dunkle Monate. <br>  <br><em>Stumm glitt Matt Price Shuttle dahin. Das kleine wendige Schiff ließ sich leicht steuern. Besonders für einen alten Piloten wie ihn, auch wenn seine Fähigkeiten an Bord der Raumstation etwas eingerostet waren, war das Schiff so leicht zu steuern, das er es beinahe noch im Schlaf gekonnt hätte. Dieser Flyer, der den stolzen Namen “Picard“ trug, ging auf die Konzeptionen des Delta Flyers zurück. Natürlich hatte sich in den letzten Jahrzehnten alles beträchtlich weiterentwickelt und von dem Urmodell des Piloten Tom Paris war nur noch der Name Flyer übrig geblieben. </em><br><em>Matt Price hatte sich sehr viele Gedanken gemacht. Er dachte an das letzte Mal, als er Lewinski gesehen hatte, kurz bevor er seinen Posten wechselte um näher bei seiner Tochter zu sein. In Wirklichkeit gab es da noch etwas anderes. Er war vor Elizabeth Frasier geflüchtet. Wie dumm war es doch von ihm gewesen sie jetzt anzurufen. Ein Wunder, dass sie überhaupt auf seine Nachricht reagiert und ihn zurückgerufen hatte. </em><br><em>Schlussendlich gab es nur eines, dass er jetzt tun konnte. Er brauchte Hilfe. Allein konnte er sich unmöglich an Lewinski erinnern. Er beschloss den Mann aufzusuchen, der Lewinski gegenüber am loyalsten war und den er als besten Freund Lewinskis ansah. Bruce Land. </em><br><em>Doch schon bei der Suche nach seinem Aufenthaltsort war er auf die ersten Probleme gestoßen. Bruce Land war tot. Sein Schiff war schon vor 6 Jahren bei einem Scharmützel mit den Romulanern vernichtet worden. </em><br><em>Es musste also einer aus der alten Monitor Crew sein, dem Price vertrauen konnte und der Lewinski gut kannte. Frasier schied aus. Sie würde nicht einmal mit ihm sprechen wollen. Bird war ebenso kein Thema. Er war eines der ersten Opfer eines Talarianischen Falken geworden – ausgerechnet bei seinem Urlaub auf Risa. Woil war – abgesehen von seiner schlechten Beziehung zu Lewinski – auch dadurch kein Thema, da er sich sein ganzes Gehirn durch Ketracel Weiß weggespritzt hatte und heute nur noch ein Wrack auf zwei Beinen war. Wenn er überhaupt noch lebte. Price versuchte sich an das letzte Mal zu erinnern, als er mit Woil gesprochen hatte. Vermutlich war es auf seiner Hochzeit gewesen. Also blieb nur noch eine Möglichkeit. </em><br><em>  </em><br><em>Es war Arena Tellom, die Matthew Price die Tür öffnete. Für einen winzigen Moment fühlte er sich in die Vergangenheit versetzt. Und er spürte, dass es auch ihr so ging. Die Uniform hatte sich zwar verändert, doch Price machte noch immer eine stattliche Figur in ihr. Und Price war ebenso überrascht. Sie war zwar gealtert. Aber immer noch eine bezaubernde Frau. </em><br><em>„Matt“, staunte sie und sah ihn mit großen Augen an. „Meine Güte...“ schnell wandte sie sich in den Flur ihrer Wohnung. </em><em>„Ardev, komm </em><em> her!” Dann sah sie wieder zu Matt und lachte nur. „Schön dich zu sehen, komm rein.“ Sie bot ihm Einlass. </em><br><em>Nur wenige Minuten später saß er am Esstisch der geräumigen Wohnung. Durch die Fenster sah Matt die anderen Häuser dieser Straße auf Arenas Heimatwelt Terellia. </em><br><em>Ardev hatte ihn beinahe nicht mehr aus seiner Umarmung losgelassen. Daher tat die Tasse terellianischen Tees besonders gut. Auch da interstellare Reisen ihn immer mehr anstrengten. Die Wissenschaftler behaupteten zwar immer, dass die neuen Warpantriebe, die die bisherigen Geschwindigkeiten verdoppeln konnten, bis nahe an den berühmt berüchtigten Slipstream, vollkommen harmlos war, doch Price spürte den Zahn der Zeit immer härter an ihm nagen. </em><br><em>„Also, wie ist es euch so ergangen?“, fragte Price. „Wann habt ihr euch zur Ruhe gesetzt?“ </em><br><em>„Das ist jetzt etwa 5 Jahre her...“ antwortete Ardev. </em><br><em>„Genau, fast fünf Jahre“ ergänzte Arena, während sie liebvoll ihre Hand auf die ihres Mannes legte. Matt spürte es genau. Sie waren immer noch so verliebt wie am ersten Tage. „Und was ist mit dir? Hängst du so an der Arbeit?“ </em><br><em>Price seufzte. „Nun, das hat etwas damit zu tun...“ Er deutete auf seine Rangpins. </em><br><em>„Ah, verstehe...“ erklärte Ardev und ein betretenes Schweigen setzte ein. </em><br><em>„Aber“, versuchte Price die Stille zu durchbrechen. Auch wenn er wusste, dass das Thema, das er anschneiden musste, all dies nicht besser machen würde. „Ich bin nicht einfach so hier. Es ist dienstlich.“ </em><br><em>„Dienstlich?“, fragte Arena. „Haben wir was angestellt?“ </em><br><em>„Wann habt ihr Lewinski das letzte mal gesehen?“, fiel Price mit der Tür ins Haus. </em><br><em>„Hm“, machte Ardev und sah zu seiner Frau. „Das war wohl an dem Tag, als er die Monitor verließ. Du warst ja zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr da. Wir hatten uns alle vor der Luftschleuse versammelt. Die ganze Crew stand in diesem einen Korridor. Lewinski kam und verabschiedete sich bei jedem einzelnen. Am Ende standen nur noch wir, die Führungscrew im kleinen Kreis. Zuerst verabschiedete er sich bei Doktor Kraslick, der gut ein Jahr zuvor an Bord gekommen war für Doktor Frasier. Dann war Lieutenant Locarno an der Reihe, schließlich Danny, dann Arena, die inzwischen meinen Posten des Wissenschaftsoffiziers angenommen hatte. Und dann kam er zu mir. Ich werde seine Worte nie vergessen. </em><br><em>&gt;Sie gehört Ihnen Captain Ardev.&lt; </em><br><em>&gt;Es war mir eine Ehre Sir&lt; sagte ich. </em><br><em>&gt;Oh nein&lt; er legte seine Hände auf meine Schultern und sah mich an. &gt;Kein Sir mehr. Nie wieder.&lt; </em><br><em>Ich nickte stumm und murmelte ein leises &gt;Danke.&lt; </em><br><em>&gt;Sie haben es verdient Sir&lt; raunte er mir zu. &gt;Ich wünsche Ihnen stets klare Sicht und eine gute Fahrt. Sowie eine ruhige Hand. Die werden Sie brauchen.&lt; </em><br><em>Abermals konnte ich nur nicken. Um ehrlich zu sein musste ich mich beherrschen nicht auf der Stelle zu weinen, denn mir war sehr danach gewesen. Lewinski trat einen Schritt zurück und sprach wieder so laut, dass jeder ihn hören konnte. Ein letztes Mal sprach er mit seiner autoritären Stimme. </em><br><em>&gt;Bitte um Erlaubnis das Schiff verlassen zu dürfen Captain.&lt; </em><br><em>Ich sah ihn an und versuchte dabei so sehr wie ein Captain zu wirken, doch ich sah wohl nur wie eine blasse Kopie Lewinskis aus. &gt;Erlaubnis erteilt... Mister Lewinski.&lt; </em><br><em>Lewinski lächelte. Ein letztes Mal sah er zurück, sah praktisch jeden seiner Offiziere noch einmal an, sah dann zu mir und zwinkerte mir zu. Dann trat er durch die Luftschleuse auf die Basis, an die wir gedockt hatten. Er sah sich nicht mehr zurück. </em><br><em>Aber du kannst mir glauben Matt. So glücklich wie an diesem Tag habe ich den Captain noch nie gesehen. Und ich glaube auch dieses Gefühl war es, diese Unbeschwertheit, die Lewinski nie wieder zurück zur Flotte zog.“ </em><br><em>„Es stimmt, danach haben wir ihn nicht wieder gesehen“, fügte Arena an, die selbst die lang vergangene Erinnerung an dieses Ereignis noch bewegte. </em><br><em>„Wann war es bei dir?“, fragte Ardev. </em><br><em>„Es war ein Symposium, an dem wir gemeinsam teilnahmen, etwa drei Jahre, bevor er sich in den Ruhestand absetzte. Wir hatten in all den Jahren sowieso nie viel Kontakt. Daher weiß ich auch nicht, wo er sich zur Ruhe gesetzt hat.“ </em><br><em>„Soviel ich weiß, ist er sehr viel gereist. Er hat sich die ganzen Planeten angesehen, die wir in den Jahren nur von oben angesehen haben“, kommentierte Ardev. </em><br><em>Price seufzte enttäuscht. „Dann wird es eine schwierige Suche werden.“ </em><br><em>„Wieso willst du ihn suchen? Stimmt was nicht mit ihm?“ </em><br><em>„Ardev, ich habe den Befehl bekommen, John Lewinski zu finden. Im Moment weiß niemand, wo er sich aufhält und der Geheimdienst ist der Meinung, dass ich am geeignetsten bin, ihn zu finden.“ </em><br><em>Ardev und Arena sahen sich verwirrt an. </em><br><em>„Ardev ich bin berechtigt, jeden zu Hilfe nehmen, um ihn zu finden. Hiermit hole ich dich in den aktiven Dienst zurück. Du solltest deine Uniform aus dem Schrank holen, denn wir werden sofort abfliegen.“ </em><br><em>  </em><br>Es war das erste Mal, das Danny Bird aktiv am gemeinsamen Essen der Insassen teilnahm. Er saß an einem der vielen runden Tische in dem großen Saal. Alles war in recht sterilem weiß gehalten und überall waren Aufsichtspersonen zu sehen, die gut auf die Insassen achteten. Natürlich nur, wenn man wusste, wohin man zu sehen hatte. <br>Doch die meisten waren wohl zu sehr mit ihrer eigenen Welt beschäftigt, als dass sie sich um so was Gedanken machten. <br>Bird sah auf sein Tablett hinab. Darauf stand ein Teller mit dem heutigen Hauptgericht, bei dem es sich – nach seinen Schätzungen – um ein Stück Fleisch, ein paar Nudeln, etwas Brei und kalter Soße handelte. Er hoffte dies zumindest. <br>Jedoch wurde er von der quälenden Frage, ob er dies nun essen sollte oder nicht, von einem Mitinsassen erlöst. <br>„Ich habe Sie hier noch nie gesehen.“ <br>Bird sah zu dem Mann hinauf, der dieselbe Kleidung trug wie er selbst. Er ordnete ihn der bajoranischen Spezies zu. „Ich bin erst vor kurzem aus einer Art Wachkoma erwacht.“ <br>„Wie heißen Sie?“ <br>Einen Moment lang erwog er, ihm zu berichten, dass er eine fremde Person sei, gefangen in diesem Körper, dass seinen Namen nicht preis geben wollte. Doch dann entschied er sich für die einzig richtige Möglichkeit. „Mein Name ist Danny Bird“, sagte er und versuchte die korrekte Aussprache zu erwischen. <br>Der Unbekannte setzte sich neben Bird und beugte sich zu ihm hinüber. „Wir müssen leise reden. Wir werden wahrscheinlich beobachtet.“ <br>„Natürlich werden wir beobachtet“, sagte Bird in normaler Lautstärke und deutete anschließend auf die Wachposten. „Oder meinen Sie, das sind lebensgroße Wachsfiguren. Zudem ist der gesamte Raum verwanzt. Es hat also keine Grund zu flüstern. Man hört Sie auch so.“ <br>„Woher wissen Sie das alles?“, fragte der Bajoraner verwirrt. <br>„Pure Logik und Fachwissen.“ <br>Der Bajoraner gab sich aber nicht mit der Antwort zufrieden. „Oh nein. Sie gehören zu <em>denen </em>. Sie sollen uns ausspionieren. Sehr clever, aber ich werde darauf nicht hereinfallen.“ Verärgert wandte er sich von Bird ab und verließ ihn ohne ein weiteres Wort zu sprechen. <br>Frustriert wollte sich Bird gerade dem Essen widmen, wenn auch nur widerwillig, denn dieser Körper benötigte Kohlenhydrate, als auch schon der nächste Störenfried auftauchte. Er stand einfach nur ruhig neben dem Tisch, mit seinem Tablett in der Hand und starrte Bird mit ausdruckslosem Gesicht an. Es handelte sich bei ihm um einen Menschen mittleren Alters. <br>Nervöse wippte dieser von einem Fuß auf den anderen. „Mein Platz, mein Platz, jemand sitzt auf meinem Platz“, murmelte er vor sich hin und Bird verstand. Er rutschte etwas auf die Seite und gab so diesem Menschen „seinen“ Platz frei. Der setzte sich sogleich und machte sich in beinahe mechanischer Art daran, sein Essen zu verspeisen. <br>Bird konnte nichts anders. Die Regsamkeit seines Nachbarn steckte ihn an, also aß er auch. Aber er spürte auch, dass etwas nicht stimmte. Noch immer wippte der Mensch nervös hin und her. <br>„Stimmt etwas nicht?“, fragte Bird deshalb. <br>„Er war wieder hier“, lautete die prompte Antwort. <br>„Wer?“ <br>„John Lewinski.“ <br>Erschrocken riss Bird die Augen auf. „Sie kennen John Lewinski?“ <br>„Ja“, lautete die automatisch wirkende Antwort. „John Lewinski, Captain der Sternenflotte. Aufenthalt in der Anstalt von 53723,3 bis 54019,4. Schwere traumatische Erlebnisse. Kehrte gestern zurück.“ <br>„Gestern bin ich auch wieder erwacht. Ob es da einen Zusammenhang gibt?“ <br>Plötzlich hörte er eine Stimme von hinten. „Da haben Sie es.“ Es war wiederum der Bajoraner. „Ein alter Insasse war hier. Sie sind zum selben Zeitpunkt erwacht. Ich sehe schon was geschehen ist. Sie sollten spionieren, aber die neuralen Hämmer haben versagt. Also sorgt sich dieser Lewinski um Sie.“ <br>„Das ist doch unmöglich.“ <br>„Ach nein? Die Föderation ist eine Supermacht. Für Sie ist es nicht unmöglich“, konterte der Bajoraner. <br>„Wieso sollte sie so etwas tun?“ <br>„Die Insassen könnten Dinge wissen, die sehr wichtig sind. Daher wollen Sie zuerst davon wissen. Lewinski ist vom Geheimdienst“, ergänzte der junge Mensch. Wieder klang seien Antwort so automatisch, als sei sie auf Band gesprochen. <br>„Na, was wollen Sie noch?“, fragte der Bajoraner. <br>„Es gibt da etwas, das mich verwirrt.“ Bird versuchte sich krampfhaft zu erinnern. „Immer wenn ich an Lewinski denke sehe ich einen abgekämpften Mann im Dunkel sitzen. Und ich bin im Grunde fest davon überzeugt, dass er tot sein sollte.“ <br>„Er sollte tot sein?“, fragte der Bajoraner. <br>Bird wandte sich an ihn. Plötzlich zeigte sich etwas anderes in seinen Augen. <br>„Lewinski sagte, dass er zurückkehren wird. Schon in wenigen Tagen wird dies der Fall sein“, fügte der Mensch an, der in diesem Moment sein Mittagessen beendet hatte, sich den Mund mit einer Serviette abwischte, sich vom Tisch erhob und die Runde verließ. Als seien die anderen nicht anwesend, ging er einfach seinem gewohnten Tagesablauf nach. <br>„Lewinski sollte nicht leben. Und wenn er zurückkehrt wird dieses Paradoxon eliminiert.“ <br>Der Bajoraner nickte. „Und Sie können auf meine Hilfe zählen.“ <br>  <br>„Was tun wir hier?“, fragte Lewinski. Er stand neben McMor auf der Spitze eines Berges. Er erkannte die Stadt, die dem Berg zu Füßen lag. Es war die Hauptstadt des Vulkan. <br>„Ich will sicher gehen, dass du mich verstehst“, antwortete Jeroen. Lewinski nickte verstehend und sah auf die Stadt. „Wir befinden uns etwa 10 Jahre in der Zukunft. Die allpolitische Lage der Großmächte spitzt sich bis zu diesem Zeitpunkt zu. Das Romulanische Imperium steht wegen des Kriegs gegen Talar schwer unter der Kritik aller anderen Mächte. Die Föderation und die Klingonen haben ihre Botschaften auf dem Romulus geschlossen, ebenso geschieht das gleich von den Romulanern auf der Erde und Qo'nos. Eine neue Eiszeit bahnt sich an, wie wir sie vor 2360 hatten. Die Romulanern haben zudem nicht die Kraft sich um diplomatische Details zu kümmern, sie konzentrieren sich auf Talar und andere innenpolitische Probleme.“ <br>„Warum sind wir dann auf dem Vulkan?“, fragte Lewinski. McMors Schlussfolgerungen klangen logisch und zwingend. Er hatte solche Berichte bereits von den Analytikern des Geheimdiensts gelesen. Und auch in der Zivilbevölkerung kursierte bereits wieder das Gespenst eines weiteren langen kalten Krieges. <br>„Nun, diese ganzen Komplikationen können die Föderation natürlich nur minimal beeinträchtigen. Eine weitere Eiszeit zwischen den beiden Blöcken stellt keine große Gefahr da. Die Romulaner sind an einem Krieg nicht interessiert. Doch dann geschieht etwas, mit dem keiner gerechnet hat. Die Romulaner haben sich wieder einmal überschätzt... und die Talarianer unterschätzt.“ <br>Plötzlich war ein Geräusch zu hören. Als näherte sich ein Raumschiff. Lewinski sah nach oben. McMor hingegen hielt seinen Blick weiter auf den Captain gerichtet. <br>„Was du siehst ist ein sogenannter Talarianischer Falke. Sie kommen aus dem Nichts. Es sind kleine Shuttles. Ausgestattet mit einer Vorrichtung, die es den Bodengeschützen schwer macht sie genau anzuvisieren.“ <br>Lewinski sah auf die Stadt. Tatsächlich reagierten die Bodengeschütze. Er sah Phaserblitze in die Luft steigen, doch der Falke näherte sich noch immer. Jetzt konnte Lewinski ihn erkennen, als hellen weißen Punkt am dunklen werdenden Horizont. <br>„Sind wir hier sicher?“, fragte er böses ahnend. <br>„Natürlich“, antwortete McMor monoton. <br>Nur eine Sekunde später schlug der Falke am Rande der Stadt ein. Sofort entstand ein riesiger Feuerball, der bis in die höhere Atmosphäre reichte. Eine Druckwelle raste über sie hinweg, der Boden bebte. Ein gleißendes Licht hatte sich einen Moment lang über sie gelegt. Und als sich die ersten Staubwolken gelegt oder verzogen hatten, sah Lewinski erneut auf die „Stadt“ hinab. Dort wo der Falke eingeschlagen war, klaffte ein riesiges Loch. Alle anderen Häusern waren nicht einmal mehr Trümmerhaufen, denn auch diese hatte es Kilometer weit weggeschleudert. <br>„Dies war der erste und heftigste Anschlag. Die Talarianer hatten es geschafft zu überleben. Sie hatten es geschafft, sich einiger Shuttles und Tarnvorrichtungen zu bemächtigen. Also nahmen sie Rache. An allen, die nicht verhindert hatten, dass ihre Welt auf Jahrzehnte ein interstellarer Eisklotz wurde. <br>Allein hier starben etwa 10 Millionen. Es folgten weitere Anschläge auf weiteren wichtigen Planeten der Föderation, der Klingonen und der Romulaner. Sowie auf Cardassia, Ferenginar und Breen. Verteilt auf etwa 5 Jahre. <br>Die Verluste gingen auf allen Seiten in die Hunderte Millionen. Es wurde die blutigste Periode der neuzeitlichen Geschichte.“ <br>„Wurde denn nicht versucht zu verhandeln?“ fragte Lewinski entgeistert. <br>„Mit wem? Selbstmordattentätern? Sie waren nicht zu finden.“ <br>„Was war mit den Talarianern auf Talar? Die konnten diese Aktionen doch unmöglich gutheißen?“, wollte Lewinski wissen. Er gab nicht auf, einen Ausweg zu finden. <br>„Die wenigen Talarianer, die in der Gefriertruhe Talar überlebten, war dies egal. Sie beschäftigten sich vor allem damit nicht zu erfrieren.“ <br>Resigniert setzte sich Lewinski auf den inzwischen verdorrten Boden. „Was geschieht weiter?“, fragte er. <br>„Nun, jetzt beginnt das Drama erst. Der Präsident kann nach den ersten Anschlägen die Bevölkerung noch ruhig halten. Doch nach weiteren Anschlägen auf Föderationsgebiet, sowie zweien auf romulanischen und einem auf Qo'nos bricht das Chaos aus. Die Klingonen und die Föderation starten eine gemeinsame Offensive gegen die verbleibenden und geflüchteten Talarianer. Zuerst versuchte der Präsident die Aktionen allesamt auf die Klingonen zu schieben, doch alsbald wurde bekannt dass auch Sternenflottenschiffe an den Aktionen beteiligt waren. <br>Die neugegründeten Kolonien der Talarianer auf einem Gebiet der MPA wurden vernichtet. Der Blutdurst der Klingonen und auch der Föderation war nicht zu stillen. Selbst die Talarianer, die auf Föderationswelten Asyl gesucht hatten, blieben nicht verschont. Sie wurden oft vom Mob gelyncht. Zuerst verhängen die Gerichte noch hohe Strafen gegen die Täter, doch nach einiger Zeit und weiteren Anschlägen kommen die Täter oftmals nur mit Bewährungen davon. <br>Die Taktik fruchtete. Es wurden immer weniger Anschläge... und immer weniger Talarianer. Als die Offensive <em>New Freedom </em>endete gab es nach Schätzungen des Geheimdiensts nur noch etwa 1000 Talarianer in der gesamten Galaxie.“ <br>Ungläubig sah Lewinski zu McMor hoch. „Du lügst. Die Föderation wäre niemals zu Völkermord fähig.“ <br>„Oh doch. Als das Problem Talarianer beseitigt war, sah jeder Bürger im anderen einen Mörder. Sie fühlten sich alle schuldig. Die Föderation war kaum mehr als die Summe aller Ängste. <br>Doch die Thematik wurde totgeschwiegen. Am liebsten hätte man sie mit den Talarianern getötet, also trug jeder seine Last mit sich herum. Jahrzehnte lang wird darüber weder gesprochen noch gelehrt. Man hoffte so diese Schande von sich zu nehmen. Doch dies geschah nicht. <br>Die ersten Welten wandten sich von der Föderation ab. Immer mehr treten aus. Die Föderation schwindet in sich zusammen und kann nur noch flach atmen, bildlich gesprochen. Der Luxus, der Status Quo der letzten Jahrzehnte kann nicht mehr gehalten werden. Die Kleinmächte beginnen Kriege um Rohstoffe, die Föderation muss oftmals zusehen, wie einige ihrer Welten fallen nur damit sie andere schützen kann, die rohstoffreicher sind.“ <br>„Was ist mit den Klingonen?“ <br>„Die Klingonen waren ja seit der Allianz mit der Föderation nur eine Importnation. Auch sie bekamen Probleme, als die Romulaner ihnen Rohstoffe stahlen und die Föderation ihnen nicht helfen konnte. Der Weltraum ist ein unruhige Ort für einfache Schiffe geworden.“ <br>„Und wie komme ich da ins Spiel?“, fragte Lewinski um das Rätsel seine Anwesenheit hier zu erkennen. Noch immer wirkte McMors Geschichte äußerst unglaubwürdig, doch er musste glauben, was seine Augen sahen. Und die sahen einen Stich in Vulkans Herz. <br>„Etwa 20 Jahre nach dem hier“, begann McMor und kniete sich dabei neben Lewinski um ihm in die Augen sehen zu können. „Findet erneut ein Anschlag eines Talarianischen Falken statt. Und es scheint als seiest du darin verwickelt.“ <br>„Ich?“, fragte Lewinski erschrocken und stand auf. <br>„Es gibt unwiderlegbare Beweise. Doch das Problem ist, dass du verschollen bist. Matthew Price ist damit beauftragt dich zu suchen. Und wir werden ihn bei dieser Suche unterstützen.“ <br>„Und wieso tun wir das?“ <br>„Weil wir einen temporalen Fehler bei dieser Suche festgestellt haben. Und wir beide werden dafür sorgen, dass dieser nicht stattfindet.“ <br>  <br>Counselor Tolbar sah auf den Bildschirm, der auf ihrem Schreibtisch stand. Sie sah dort eine der Sitzungen, die Doktor Phoenix mit Danny Bird abgehalten hatte. Die Trill Frau mittleren Alters entschied, dass sie genug gesehen hatte. Mit einem einfachen Tastendruck deaktivierte sie den Bildschirm und wandte sich an Chester Phoenix, der vor ihr saß. <br>„Ich bin ratlos. Sie sehen es ja selbst. Danny Bird ist mir ein Rätsel“, erklärte Phoenix verzweifelt. Und in der Tat hatte Tolbar ihren guten Kollegen und Freund noch nie so verzweifelt gesehen. Sie wusste genau, dass viel geschehen musste, bis ein Chester Phoenix ratlos war. In den letzten fünfzehn Jahren, die Phoenix in dieser Anstalt arbeitet hatte er mehr als genug gesehen. Hatte er mehr Erfahrung gesammelt als jeder andere, vielleicht sogar mehr als sie. <br>„Die Rolle, die er spielt ist wirklich sehr interessant. Es scheint eine von ihm erfunden Figur zu sein, die die Führerschaft in seinem Geist übernommen hat und kühl versucht die Situation zu retten. Es scheint ein Charakter abseits des ganzen Dramas zu sein. Daher ist auch nur dieser Charakter bereit darüber zu reden. <br>„Nein, es ist sogar noch mehr. Dieser Charakter akzeptiert die Tatsache, dass er nur Gast ist in Birds Körper.“ <br>Tolbar schüttelte den Kopf. „Nein, ich sehe es nicht so heftig. Dieser Charakter weigert sich Details preiszugeben. Er gibt sich mysteriös. Doch dies ist alles nur Maskerade.“ <br>„Du verstehst das nicht. Du hast nicht ein halbes Jahr lang neben ihm gesessen und ihn dahinvegetieren sehen...“ <br>„Chester“, unterbrach sie ihn. „Wir haben Bird einige Male untersucht. Es gibt absolut keinen Hinweis darauf, dass ein fremdes Wesen Besitz von ihm ergriffen hat. Es ist noch immer nur einen Geist in seinem Körper.“ Tolbar atmete tief durch und sah dann tief in Phoenix Augen. „Du hast dich von seinen Gefühlen einlullen lassen Chester. Danny Birds Geschichte und Hintergrund mag vielleicht glaubwürdig klingen. Aber Danny lebt noch immer in seiner eigenen Traumwelt. Er nimmt an, dass alle seine Freunde tot sind. Doch Lewinski lebt. Danny Bird leidet ganz einfach an dem John-Steinfelder Syndrom.“ <br>Phoenix kniff die Augen zusammen. „Du meinst er bildet sich nur ein von einem fremden Wesen besessen zu sein?“ <br>„Das ist zwar selten, aber diese Krankheit gibt es schon seit die Menschen in den Weltraum reisen. Es ist ein Schutzreflex für Überlebende schlimmer Katastrophen im All.“ <br>„Hast du jemals einen solchen Fall behandelt?“, fragte Phoenix, dem Erfahrung auf diesem Gebiet fehlte. <br>„Während meiner Lehrzeit habe ich einmal eine Frau mit dem Syndrom behandelt. Sie war der Meinung, dass Sargon von ihrem Körper Besitz ergriffen hätte.“ <br>„Dieses körperlos Wesen aus Kirks Zeit?“, fragte Phoenix nach und erhielt ein schnelle bestätigendes Nicken von Tolbar. „Was soll ich also nach deiner Meinung tun?“ <br>Tolbar grübelte. „Lock ihn aus der Reserve. Dann wirst du sehen, was von dem neuen Charakter übrig bleibt.“ <br>  <br><em>Nervös saß Ardev an einer der erhöhten Stationen des Flyers. Durch die Fenster sah er die Warpsterne vorbeiziehen. Langsam wurde es ihm zu blöd. Er griff in eine Tasche seines Hemdes und zog eine Lesebrille hervor. Gewohnt setzte er sie auf die Nasenspitze. Nun tippte er schon deutlich schneller Befehle ein, auch wenn er noch immer unter dem Niveau jedes Offiziers blieb. </em><br><em>„Pass auf“, sagte Price, der sich plötzlich an die Station neben Ardev setzte „Ansonsten gibt noch ein Rigelanisches Faultier schneller Befehle ein wie du.“ </em><br><em>„Witzbold“, antwortete Ardev, der sich sichtlich an Price plötzlichem Erscheinen erschrocken hatte. „Die Konfigurationen haben sich seit meinen Austritt deutlich verändert.“ </em><br><em>„Einen Moment“, sagte Price, als er zu Ardev hinüber sah und die Brille entdeckte. „Seit wann trägst du die?“ </em><br><em>„Es reicht. Ich werde eben alt. Und die Andorianer bekommen schneller schlechte Augen wie manch andere Spezies.“ </em><br><em>Price lächelte. „Ich glaub es einfach nicht...“ </em><br><em>„Sei ruhig. Wenn du mir noch einmal vorhältst, dass ich zu dick für meine Uniform bin, gehe ich sofort zurück zu meiner Frau.“ </em><br><em>Price lachte weiter. „Zu Befehl Captain Ardev.“ </em><br><em>„Lass uns von was anderem reden. Bevor ich mich zu sehr daran gewöhne, dass ich einen höheren Rang habe wie du.“ </em><br><em>„OK, was willst du wissen?“ </em><br><em>„Wie geht es dir so auf deiner Station?“, fragte Ardev, während er weiter, durch seine Brille linsend Befehle in die Konsole eingab. Mit dem Einfingersuchsystem. </em><br><em>„Es ist... eine gute Arbeit.“ </em><br><em>„Du klingst nicht zufrieden“, erkannte der Andorianer. </em><br><em>„Hast du dich etwa zum Counselor umschulen lassen?“, fragte Price. Schon im nächsten Moment jedoch bereute er seine Worte. „Durch die Prozesse gegen Sektion 31 wurde ich nicht nur daran gehindert jemals Captain zu werden, ich wurde auch dazu verdammt, auf entfernten Station Ebene1 Dienste zu verrichten... also nein, ich bin ganz und gar nicht zufrieden.“ </em><br><em>„Wieso hast du die Sternenflotte dann nicht verlassen?“ </em><br><em>„Wohin hätte ich gehen sollen? Zurück zu meiner Mutter?“ Ein seltsamer Schmerz durchfuhr ihn, als er dies aussprach. Natürlich hatte er Ardev vom Tod seiner Mutter erzählt. Doch für ihn war dieser Umstand wohl noch am schwersten zu verstehen. „Nach der Scheidung von Elizabeth ging es bergab. Selina hat sich von mir distanziert, als meine Verbindung zu Sektion 31 herauskam. Mit meinen Kindern habe ich seither auch nicht mehr gesprochen. Ich bezweifle sogar, ob mein Sohn seinen Vater kennt. </em><br><em>Also: ich habe nichts anderes als meine Arbeit.“ </em><br><em>„Du quälst dich doch nur damit.“ </em><br><em>„Reden wir nicht mehr davon, wie geht es euch?“, wechselte Price das Thema. Auch wenn er nur aus Höflichkeit fragte und mehr mit sich und den Kontrollen vor ihm beschäftigt war. </em><br><em>Auch Ardev wusste natürlich, dass Price nicht tatsächlich an einer Antwort interessiert war. Jedoch wusste er auch um die Eigenarten seines alten Ersten Offiziers. „Uns geht es gut. Wir haben uns ein schönes Heim eingerichtet und sind glücklich. Ab und zu arbeiten wir ehrenamtlich für das astronomische Institut, kleine Führungen im Planetarium und so.“ </em><br><em>„Was ist mit Kindern?“, fragte Price. Der wohl doch zugehört hatte und die Traurigkeit in Ardev spürte. </em><br><em>Ardev seufzte spürbar. Zudem nahm er seine Brille ab und sah zu den Sternen. „Terellianer und Andorianer sind biologisch nicht kompatibel. Es hat nie geklappt. Also haben wir uns damit abgefunden, nur zu zweit glücklich zu sein. Auch wenn wir die Hoffnung natürlich nie aufgaben.“ Der Andorianer wandte sich wieder zu Price. Er lächelte ihm ermutigend zu. „Wir sind heute glücklicher denn je.“ Matt spürte, dass es die Wahrheit war. </em><br><em>Price wollte gerade etwas erwidern, als ihn ein Warnsignal zur Steuerkonsole rief. „Wir erreichen Merkon II“, stellte er fest. „Ich gehe unter Warp.“ Sofort zogen sich die Sterne zusammen und vor ihnen erschien Merkon II. Er erschien Ardev erdähnlich. Ein Blick auf seine Anzeigen bestätigten dies. Etwa 80 Prozent der Oberfläche waren mit Wasser bedeckt. Die restlichen Landmassen verfügten über größtenteils mediterranes und subtropisches Klima. </em><br><em>„Was wollen wir noch mal hier?“, fragte Ardev. </em><br><em>„Neigen die Andorianer im Alter etwa auch noch zu Vergesslichkeit“, scherzte Price, spürte aber, dass Ardev nicht besonders erfreut auf diesen Witz reagierte. </em><br><em>„Witzbold. Du solltest mir doch wenigstens sagen, was ich tun soll, wenn du mich schon aus meinen Ruhestand rekrutierst.“ </em><br><em>„Nach Angaben des Geheimdienstes hat Lewinski hier ein kleines Haus besessen. Bis zu seinem Verschwinden. Über Nachmieter ist mir nichts bekannt. Seine Sachen müssten also noch dort sein.“ Er hatte gerade ausgesprochen, als der Flyer ein paar Mal kräftig ruckelte. </em><br><em>„Was war das?“, fragte Ardev erschrocken. </em><br><em>„Wir treten in die obere Atmosphäre ein“, erklärte Price ruhig. </em><br><em>„Das ging aber auch schon mal ruhiger. Wie lange hast du schon kein Shuttle mehr geflogen?“, wollte Ardev mit einem großen Lächeln auf den Lippen wissen. </em><br><em>„Witzbold“, konterte Price. „Ich passe wenigstens noch in meine Uniform. Festhalten für den Sinkflug.“ </em><br><em>Ardev lachte. Und hielt sich dabei an seiner Konsole so fest, wie er nur konnte. </em><br><em>  </em><br><em>Nur wenige Minuten später hatten sie ohne größere Probleme aufgesetzt. Doch an der Stelle, an der Lewinskis Haus hätte stehen sollen, deutete nur ein Trümmerhaufen von der Präsenz menschlichen Lebens. Ansonsten war es ruhig um das kleine Feldstück, das am Rande eines Waldes stand, abseits aller Städte. </em><br><em>„Da wollte wohl jemand nicht, dass wir etwas finden“, erkannte Ardev. </em><br><em>Price nickte. „Wir müssen dann wohl von vorne beginnen. Und die gesamten Datenbanken durchforsten. Lewinski hat durch seine ID überall Abdrücke hinterlassen in der Föderation. Vielleicht erfahren wir so etwas.“ </em><br><em>„Das klingt gut“, sagte Ardev während er seinen Tricorder heraus holte und die Gegend scannte. </em><br><em>„Was machst du?“, fragte Price. </em><br><em>„Einen allgemeinen Scan. Ich werde ihn im Flyer auswerten.“ Ardev steckte seinen Tricorder wieder ein und sah zu Price. „Von mir aus können wir gehen.“ </em><br><em>Matt nickte. „Gehen wir. Hier finden wir nichts mehr.“ </em><br><em>  </em><br>Wieder hielten sie ihre tägliche Sitzung ab. Danny Bird mit dem Blick auf die Skyline San Franciscos und Phoenix mit dem Blick auf Bird. <br>„Mit wem spreche ich?“, fragte Phoenix, nachdem sich Birds Charakter wieder einmal verändert hatte. <br>„John Lewinski“, antwortete Bird. „Ah, Sie sind es wieder. Phoenix, nicht wahr?“ <br>Chester nickte. „So ist es?“ <br>„Geht es Bird inzwischen besser?“, fragte Danny. <br>„Noch nicht so richtig. Deshalb möchte ich nochmals mit Ihnen sprechen. Wissen Sie, was mit Danny Bird geschehen ist?“, fragte Phoenix. <br>Bird überlegte. „Ich verstehe die Frage nicht“, wich er aus. <br>Phoenix verstand. „Wann haben Sie Bird das letzte Mal gesehen?“ <br>Er überlegte. „Auf der Brücke der Monitor. Er erstattete mir Bericht.“ Phoenix sah, wie seine Hände zu Zittern begannen. <br>„Was sagte er?“ <br>Seine Hände zitterten immer mehr und Phoenix spürte Angst in ihm aufsteigen. Das nackte Entsetzen. Plötzlich zog Bird seine Füße wieder zu sich und begann zu weinen. <br>„Wo sind Sie?“, schrie er. „Wo ist meine Familie?“ <br>Der Psychologe verstand, kniete sich neben Bird und redete beruhigend auf ihn ein. „Hab keine Angst Danny. Die Borg sind weg. Sie werden dir nichts mehr tun.“ <br>„Aber meine Familie? Wieso kann ich nicht nach Hause?“ <br>Chester schluckte schwer. „Die Borg haben deine Welt zerstört Danny. Sie haben niemanden am Leben gelassen.“ <br>Bird schrie laut auf, als er diese Wort hörte. Phoenix hatte mit dieser Reaktion gerechnet. Dieser Bird, mit dem er sprach war eine viel jüngere Ausgabe des Danny Bird, der vor ihm saß. Eine der ersten Angriffe der Borg hatte seiner Heimat gegolten. Er war der einzige aus seiner Familie der überlebt hatte. <br>Doch der Anfall endete aber genau so schnell, wie er begonnen hatte. Bird entspannte sich wieder etwas und sah verärgert zu Phoenix. <br>„Bird trägt die Schuld an allem.“ <br>„Wie meinen Sie das?“, fragte der Arzt und setzte sich wieder auf seinen Stuhl. <br>„Er hat das Schiff in diese Situation gebracht. Gegen alle Logik... Er sympathisierte mit dem Captain. Und jetzt stecken wir ganz tief in der Scheiße.“ <br>„Erzählen Sie mir davon, von Anfang an...“, bat Phoenix. <br>Bird rollte mit den Augen. Frustriert sah er zu ihm. „Es fing damit an, dass...“ Er stockte plötzlich. „Also, wir...“, begann er erneut, ebenso erfolglos. „Ich kann mich nicht genau erinnern.“ <br>„Das macht nichts. Erzählen Sie mir von den Dingen, die Sie sehen, die Sie fühlen.“ <br>„Ich fühle Verrat. Tief in mir“, erklärte Bird. <br>„Beschreiben Sie das Gefühl näher.“ <br>Er schüttelte den Kopf. „Ich fühle es einfach. Etwas läuft falsch und die andern wollen das nicht begreifen.“ Er hielt inne und gab sich dem Gefühl hin. „Der Captain hat eine falsche Entscheidung getroffen. Und die reißt uns ins Verderben.“ <br>„Was noch?“, fragte Phoenix und versuchte dabei seine Stimme mehr zu einem Hintergrundrauschen werden zu lassen, die Bird nur sanft antrieb zu erzählen, ohne seinen Charakter wieder wechseln zu lassen. <br>„Ich sehe dunkle Korridore. Ich sehe Danny Bird. Er will mich töten.“ <br>Wieder rieb sich Bird am Kopf. Ein sicheres Zeichen dafür, dass sein Charakter wechselte. Nachdem er erneut zu Chester Phoenix aufsah, war der verbissene Gesichtsausdruck verschwunden. Doch das Gefühl blieb das selbe. <br>„Doktor Phoenix?“, fragte Bird. <br>„Sind Sie es wieder? Der Namenlose?“, fragte dieser. <br>Er nickte. „So ist es. Lewinski war hier, nicht wahr?“, fragte er. <br>„Ja das stimmt.“ <br>„Wie kann das sein, wenn Bird der einzige Überlebende ist?“ <br>Phoenix zuckte mit den Achseln. „Ich habe keine Ahnung. Aber sagen Sie mir doch. Was wissen sie davon? Was ist ihre letzte Erinnerung bevor Sie erwachten?“ <br>„Ich kann mich vor dem hier an gar nichts erinnern.“ <br>„Aber Sie erinnern sich an Ihren Namen, den Sie ja schon vor dem hier gehabt haben müssen. Also frag ich mich, was Sie von mir wollen?“ <br>„Ich sagte doch, dass mein Leben bevor ich hier erwachte, anders war, als Sie es sich vorstellen können.“ <br>„Versuchen Sie es doch“, lockte Phoenix ihn aus der Reserve. „Was war vorher? Wie soll ich Ihnen helfen, wenn Sie mir alles verschweigen?“ <br>„Hören Sie, wenn Sie mich einfach nur für eine Ausgeburt dieses verrückten Hirns hier halten, liegen Sie falsch. Denn das bin ich nicht.“ <br>„Ach ja. Das würde jede der anderen Persönlichkeiten auch sagen. Und solange Sie nicht bereit sind, einen Schritt auf mich zuzugehen. Bin ich es auch nicht.“ Ohne ein weiteres Wort stand Phoenix auf und verließ den Raum. Bird saß einfach nur da und sah ihm hinterher. <br>„Das wird Ihnen noch leid tun Phoenix!“, schrie er. <br></p><p align="center"><em><strong>Fortsetzung folgt...</strong></em></p><center>    <img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/promo_6x09-10.jpg"></center>  <br>  <br>  <center>    DIE SUMME ALLER ÄNGSTE, TEIL 1 <br>    based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by CHRISTIAN GAUS <br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!  </center>]]></description><guid isPermaLink="false">5298</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 6x08: Der Fremde</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-6x08-der-fremde-r5259/</link><description><![CDATA[<center><a href="http://downloads.scifinews.de/ssi_getmedia.php?file=33866"><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x08.jpg" border="0"></a></center><br><br>Langsam öffnete er seine Augen. Mehrfach blinzelte er, bevor sich seine Pupillen an das Licht gewöhnten und ihm so ein Sehen ermöglichten. Nach kurzer Überlegung musste er feststellen, dass er sich in der Horizontalen befand. Noch eine Sekunde später und realisiert, wieso ihm sein Gleichgewichtssinn dies mitgeteilt hatte: sein Körper befand sich auf einer Liege. Kurz testete er seine Muskeln aus, ob sie überhaupt sein Gewicht tragen konnten, und richtete sich dann auf. Benommen blickte er seine Hände an. Sie wirkten alt und runzlig, dennoch schien er keine Altersgebrechen zu besitzen, die ihn einschränkten. Kurz streckte er seinen gesamten Körper und erhob sich endgültig von der Liege. Auf den Beinen fühlte er sich noch etwas wacklig, so dass er sich an der Liege abstützen musste, doch dann fand er sein Gleichgewicht wieder und stand sicher. Jetzt erst nahm er die Umgebung war. Er befand sich in einem hell erleuchteten Raum, dessen Armaturen und Wandverkleidungen darauf schließen ließen, dass er sich an Bord eines Raumschiffs befand. Dieser Eindruck wurde durch die beiden Personen bestätigt, welche sich in einem Abstand von zwei Metern vor ihm befanden. Hierbei handelte es sich um einen Mann und um eine Frau. Deutete man die Ranginsignien richtig, so befand sich der Mann im Range eines Captains der Sternenflotte, während die Frau ein Lieutenant-Commander war. Ihre blaue Kragenfarbe ließ zudem den Schluss zu, dass sie Ärztin war. Dementsprechend musste er selbst sich auf der Krankenstation befinden. Wieso und weshalb, dies war ihm noch unbekannt, doch er hoffte, dass die beiden Sternenflottler ihn hoffentlich bald aufklären würden. Ihre beiden Gesichter boten einen seltsamen Gesichtsausdruck, der scheinbar eine Mischung aus Argwohn und Verwunderung darstellte. Sicher musste mit ihm selbst etwas Außergewöhnliches geschehen sein. Wenn er nur wüsste, was es gewesen war?<br>„Erkennen sie uns?“ fragte der Captain mit ausdrucksloser Miene. <br>Diese Frage schien ihm höchst unpassend zu sein. Wäre nicht eine Erklärung oder Begrüßung viel sinnvoller?<br>„Nein, bedauere. Ich erinnere mich nicht an sie, “ antwortete er wahrheitsgemäß.<br>Angesichts dieser Worte seufzte der Captain und blickte zu der Ärztin (?), die ihm zunickte. <br>„Ich bin Captain John Lewinski und dies hier ist Dr. Elisabeth Frasier“, stellte der Mann sie beide vor. „Sie befinden sich gegenwärtig auf einem Raumschiff der Föderation.“<br>Er wollte gerade zu einer Erwiderung ansetzen, da fragte die Ärztin:<br>„Wissen sie, wer sie sind?“<br>Was für eine dumme Frage? Welche Person in diesem Universum wüsste denn nicht, wer sie war. Er befeuchtete seine Lippen, wollte gerade antworten... und stockte. Wie war dies möglich? Gerade wollte er die gewohnten Worte aussprechen, doch sein Geist versagte es ihm. <br>Atemlos, entsetzt über das, was sich hier abspielte, gestand er:<br>„Ich weiß nicht, wer ich bin!“<br><br>Das alles, die ganze Situation, war für den ersten Offizier des Raumschiffs immer noch eine ganz neue Sache. Natürlich war er absolut kein unbescholtenes Blatt und sollte eigentlich in solchen Dingen erfahrener sein, doch derzeit fühlte sich Price, als sei er das erste Mal in seinem Leben so richtig verliebt. Als Dr. Frasier an seiner Tür geklingelt und er sie in sein Quartier gelassen hatte, fühlte er ein Glück in sich hochsteigen, welches er nicht mehr für möglich gehalten. Die offizielle Beziehung zwischen Elisabeth und ihm bestand erst seit wenigen Wochen und vielleicht mochte daraus das Hochgefühl herrühren, aber für Matt war es etwas Magisches. Ein Jahr lang hatte er gewusst, dass die Chefärztin ihn liebte. Und auch er liebte sie, seitdem er vor fast zwölf Monaten nur knapp dem Tod entronnen war. Leider hatte es bei ihm etwas länger gedauert, sich dem bewusst zu werden. Doch all der Ärger der letzten Monate war vergessen, als sie beide sich tief in die Augen blickten und sich einen kurzen, aber leidenschaftlichen Begrüßungskuss gaben. Noch hatten sie kein gemeinsames Quartier, beide hielten dies angesichts ihrer turbulenten Vergangenheit für verfrüht, daher besuchte jeweils der eine den anderen.<br>„Hallo Schatz,“ begrüßte Matt sie lächelnd.<br>Als Antwort bekam er von ihr einen kleinen Klapps ihrer flachen Hand und sie meinte lachend:<br>„Matt, hör auf damit! Du weißt doch, wie sehr ich es hasse so genannt zu werden. Ich habe einen Namen und den kannst du ruhig benutzen.“<br>„Ich vergesse jedes Mal, dass du kein Fan von Kosenamen bist“, gab sich der Halbbetazoid reuig. „In Zukunft werde ich versuchen dies zu vermeiden, Doktor.“<br>„Sehr klug von ihnen. Kann ihrer Gesundheit nur zuträglich sein, “ neckte die Ärztin ihn gekünstelt und holte sich aus dem kleinen Replikator ein Glas Wasser.<br>„Ist unser Patient schon aufgewacht?“ fragte Price interessiert.<br>„Ja, dies ist er in der Tat.“<br>„Und?“<br>„Du wirst es nicht glauben, “ erklärte Elisabeth Frasier und runzelte die Stirn, „aber er kann sich an nichts erinnern.“<br>„An den Unfall?“<br>„Nein, er erinnert sich an gar nichts mehr. Nicht einmal seinen eigenen Namen.“<br>Im Anschluss an diese besorgten Worte schwieg Frasier, trank das Glas in einem Zug leer und stellte es wieder in den Replikator zurück. Price verschränkte die Arme vor der Brust, dachte nach. Auch wenn er nicht kalt oder abweisend wirken wollte, wollte er gerne das Thema wechseln. Er wollte über etwas sprechen, was zumindest für ihn von Belang war, vielleicht sogar für sie beide.<br>„Ich habe heute wieder an sie gedacht“, gestand der erste Offizier und presste die Lippen aufeinander.<br>„An wen?“ fragte Elisabeth und kannte doch schon die Antwort. Sie wollte ihren Partner dazu ermutigen über sie Probleme zu reden, daher stellte sie diese Fragen.<br>„An Yasmin. Seit meinem Streit mit Selina habe ich sie nicht mehr gesehen und…. ich möchte für meine Tochter da sein. Falls dies kein Problem für dich ist.“<br>Beschwichtigend nahm Elisabeth ihn in den Arm und drückte Matthew kurz. Sie wollte ihm auf diese Weise Kraft geben, Zuspruch symbolisieren.<br>„Natürlich ist dies kein Problem für mich“, munterte sie ihn auf. „Es ist deine Tochter und ich finde es lobenswert, dass du dich um sie kümmern möchtest. Für ein Kind ist es ganz wichtig, beide Elternteile zu kennen und von ihnen inspiriert zu werden. Was also wirst du tun?“<br>„Ich werde Selina anrufen und mit ihr sprechen.“<br>Dabei wirkten Matts Worte optimistischer, als er sich selbst fühlte. In der derzeitigen Lage konnte er seine Imzadi nicht einschätzen. Selina Kyle war keine geisteskranke Furie, sondern eine zutiefst verletzte Frau, die ihn geliebt und die er enttäuscht hatte. Sie hatte sich Hoffnungen gemacht, wo keine war und er hatte es versäumt sie gleich abzuweisen. Er hatte nicht hart sein wollen, da ihre Tochter gerade erst zur Welt gekommen war. Leider hatte er damit die Situation nur unnötig verkompliziert. Es war einige Zeit her, seit dem sie das letzte Mal miteinander gesprochen hatten. Am meisten Sorge hatte Matt davor, wie er eigentlich beginnen sollte. Natürlich war ihm klar, worum es sich in ihrem Gespräch drehen sollte, aber wie begann er? Was sollte er nur sagen?<br>„Du wirst das schon schaffen. Natürlich ist Selina enttäuscht von dir, aber sie ist auch eine vernünftige Frau. Sie wird dich nicht vor Yasmin abschirmen.“<br>Elisabeths Worte wirkten aufmunternd, nahmen ihm jedoch nicht komplett die Angst. Schon seltsam. Einem Mann wie Matt, der schon so viel erreicht und erlebt hatte, machte ein Gespräch mit der Ex-Frau Angst.<br>Der Blick der Chefärztin fiel auf das Bett des Halbbetazoiden, wo ein Datenpadd mit der aktuellsten Zeitung lag. Selbst von ihrer Position aus konnte sie deutlich den Titel lesen:<br><b>Sonderbotschafter Parul im exklusiven Gespräch mit uns</b><br>Sie nahm das Padd auf und überflog schnell den Inhalt. Das, was sie las, klang eigentlich gar nicht so übel.<br>„Arsani hat seine Worte wahr gemacht“, meinte sie, „er steht zu dir und spricht offen über dich.<br>„Ja,“ bestätigte Matthew, wobei seine Stimme jedoch angespannt klang.<br>„Was ist mit dir? All die Jahre hast du dir einen Vater gewünscht, der in der Öffentlichkeit für dich eintritt und nun bist du unzufrieden?“<br>„Ich bin nicht unzufrieden…eher ratlos. Ich weiß nicht, wieso er das macht, “ gestand der erste Offizier.<br>„Wie meinst du das?“<br>„Tritt er vor die Öffentlichkeit, um sie über sein uneheliches Kind aufzuklären? Oder versucht er nur seine Karriere zu retten? Nachdem ihn seine Familie verlassen hat und er als scheinbarer Ehebrecher gilt, könnte er sich nun als geläuterter, liebender Vater darstellen.“<br>Angesichts dieser seltsamen Worte blinzelte Frasier, fragte sich, ob dies ernst gemeint war. Sie packte Matthew bei den Armen, sagte:<br>„Das kannst du doch nicht ernst meinen! Du bist doch Halbbetazoid! Hast du nicht gespürt, dass er dich liebt, als ihr euch begegnetet?“<br>„Er hatte sich mir gegenüber immer abgeschirmt. Dies ist mir erst vor kurzem aufgefallen.“<br>„Dann denke ich“, fand Elisabeth und sah ihm dabei tief in die schwarzen Augen, „dass du noch eine Menge Telefonate tätigen musst. Diese Dinge sollten geklärt werden.“<br>Matt wusste, dass sie Recht hatte. Dennoch hatte er Angst. Angst vor der Wahrheit. <br><br>Ab und an musste man persönlich bei bestimmten Personen vorstellig werden. So auch im Fall von Alex Bolder. Der Fähnrich hatte sich aus seinem Transporterraum in den Maschinenraum begeben, um sich eine wichtige Unterschrift vom Chefingenieur abzuholen. Dies bot zudem eine gute Gelegenheit, um sich etwas die Beine zu vertreiben und bekannte Gesichter wieder zu sehen. Im Maschinenraum herrschte wie immer eine konzentrierte, professionelle Atmosphäre. Es dauerte nicht lange und Alex hatte die Person erspäht, die ihm weiterhelfen konnte. Mit einigen flinken Schritten war er bei Fähnrich Sanchez und klopfte seinem Freund auf den Rücken.<br>„Hey, hast du eine Sekunde Zeit?“ fragte er gutgelaunt.<br>„Wenn es sein muss“, schnaubte Miguel, schickte einen Techniker weg und blickte seinen Freund vorwurfsvoll an. „Worum geht es?“<br>Überrascht reichte er ihm das Datenpadd.<br>„Ich habe hier eine Energieanforderung, die du abzeichnen musst. Immerhin bist du ja der Chefingenieur und musst über unsere Energiereserven im Bilde sein.“<br>Angesichts dieser Worte schnaubte der Spanier verächtlich, überflog den Inhalt des Padds und presste dann seinen Daumen auf die Scanneroberfläche. Unsanft drückte er im Anschluss Alex den Gegenstand in die Hand.<br>„Hey, was ist denn los mit dir?“<br>Schon innerhalb kürzester Zeit hatte Bolder begriffen, dass etwas nicht mit Sanchez stimmte. Der Angesprochene blickte sich kurz grimmig um, rieb sich dann die Augen und gestand:<br>„Ich bin derzeit nicht so gut drauf.“<br>„Ach, wie kommt´s?“<br>„Na ja, einer der Gründe ist das, was du eben gesagt hast.“<br>„Was meinst du damit?“ fragte Fähnrich Bolder irritiert.<br>„Dass ich zum Beispiel der Chefingenieur sei...“<br>„Bist du es denn nicht?“<br>„Nein, nur kommissarisch“, erklärte Miguel Sanchez und die Art und Weise, wie er es aussprach, ließ keinen Zweifel an seiner Unzufriedenheit. „O´Brien ist nun schon seit drei Wochen von Bord und der Captain hat immer noch keinen Nachfolger für ihn bestimmt. Ich warte schon so lange auf die Beförderung und er lässt sich immer noch Zeit... es war schon schlimm genug, dass mir jemand vor die Nase gesetzt wurde.“<br>Nun verstand Alex. Beschwichtigend legte er ihm eine Hand auf die Schulter, versuchte ihm so Mut zu machen. In letzter Zeit hatte er tatsächlich eine immer häufigere Frustration bei seinem Freund bemerkt, die ganz und gar nicht gut war.<br>„Du wirst den Posten schon kriegen, Miguel. Keine Angst. Selma und ich glauben ganz fest an dich.“<br>„Ihr solltet euch lieber Sorgen um euch selbst machen“, riet ihm Sanchez. „Schaut euch doch einmal an! Wir sind seit mehr als fünf Jahren an Bord der Monitor und immer noch Fähnriche! Eine Beförderung ist längst überfällig. Langsam frage ich mich, ob man uns hier nur auf den Arm nimmt.“<br>„Miguel, so etwas darfst du nicht sagen! Du weiß ganz genau, dass Beförderungen beim Geheimdienst begrenzter sind, als in anderen Abteilungen. Dies wussten wir, als wir uns freiwillig meldeten und haben es nie bereut. Du hast es doch nie bereut, oder?“<br>Der Spanier dachte kurz über diese Worte nach, schüttelte schließlich den Kopf.<br>„Nein, ich bereue es nicht. Wir haben ein paar aufregende Dinge erlebt, aber mit meinen Fähigkeiten... langsam frage ich mich, ob ich bei der Sternenflotte richtig aufgehoben bin.“<br>„Sag so etwas nicht! Wir können uns es nicht leisten, noch einen guten Ingenieur zu kriegen. Wir werden schon noch zu unserem Recht kommen. Du musst nur Geduld haben. Okay?“<br>Die Reaktion ließ etwas auf sich warten, dann aber nickte Fähnrich Sanchez. Die Worte seines Freundes hatten, auch wenn er es nicht glauben konnte, einen positiven Effekt auf ihn. Schön, wenn einige Leute die Lage nachempfinden konnten. Er bedankte sich für dieses Gespräch und machte sich weiter an seine Arbeit als kommissarischer Chefingenieur des Schiffes. <br><br>Die letzte Stunde war äußerst verwirrend gewesen. Nicht zu wissen, wer man war oder wie man sich befand, war kein allzu angenehmes Gefühl. Er fühlte sich hilflos, ausgeliefert und wehrlos. Er würde der Gnade seiner Gastgeber ausgeliefert sein. Sie waren ihm doch freundlich gesonnen, oder etwa nicht? Immerhin befand er sich an Bord eines Sternenflottenschiffes und er selbst war doch ein Mensch, ein Bürger der Föderation. Als er in den Spiegel geblickt hatte, hatte er ein menschliches Gesicht gesehen, alt und mit weißen Haaren. Es war ihm fremd vorgekommen, ungewohnt und es hatte seine Zeit gedauert, bis er begriffen hatte, dass es seines war. Er war diese Person im Spiegel gewesen, auch wenn er sie nicht wieder erkannt hatte.<br>Immer noch befand er sich auf der Krankenstation des Schiffes, während die medizinischen Geräte seine Vitalfunktionen überprüften und ihn untersuchten. Mit ihm hier befand sich Captain Lewinski, der vor kurzem wieder hereingekommen war. Die Ärztin war verschwunden, doch er konnte es ihr nicht verübeln. Jeder Mensch brauchte einmal eine Pause und scheinbar hatte sich die Frau lange um ihn gekümmert. Sie schien jedem ihrer Patienten eine große Menge an Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Eine Eigenschaft, um die er sie beneidete. Dabei fragte er sich unwillkürlich, was er wohl selbst tun würde. Was war sein Beruf, wodurch machte er sich nützlich? So sehr er auch darüber nachdachte, er fand in seinem Geiste einfach keine Anhaltspunkte, was er getan hatte.<br>„Wie fühlen sie sich?“<br>Die Frage durchbrach seine Gedanken, ließ ihn aufblicken und realisieren, dass diese Worte von Captain Lewinski stammten, der ihn besorgt anblickte. <br>„Ich fühle mich gut, Captain“, antwortete er ehrlich, „wobei ich nicht weiß, ob dies richtig ist oder nicht. Immerhin besitze ich keine Vergleichsbasis, um dies feststellen zu können. So bin ich auf Vermutungen angewiesen.“<br>„Ich akzeptiere dies einfach mal als Ja auf meine Frage“, kürzte Lewinski das Gespräch ab. Er wusste nicht so recht, was er sagen sollte. Wie ging man mit einer Person um, die scheinbar an Amnesie litt? Welche Fragen waren die richtigen, sollte er überhaupt etwas fragen? „Wissen sie denn, wie sie hierher gekommen sind?“<br>Kurz dachte er über diese Frage nach. Doch leider versagte ihm sein Geist den Zugriff auf diese Daten.<br>„Nein, leider nicht. Meine Erinnerungen setzen dort ein, wo ich hier aufwache und sie vor mir sehe.“<br>„Wir haben sie aus den Trümmern eines Shuttles geborgen“, erklärte der Captain, der sich für die Wahrheit entschlossen hatte. „Sie trudelten steuerlos im All und wir sind nur zufällig auf sie gestoßen. Etwas später und sie wären nicht mehr am Leben.“<br>„Dann denke ich, dass ich ihnen meinen Dank schulde. Sie haben mir mein Leben gerettet.“<br>Angesichts dieser Worte wirkte Lewinski peinlich berührt. Betreten blickte er zu Boden, presste kurz seine Lippen aufeinander und überlegte, was er dazu sagen sollte. Ihm fiel nichts ein und daher schwieg er.<br>„Wissen sie, was ich tat? Wohin ich auf dem Weg war?“<br>Vielleicht wussten seine Retter ja mehr über ihn. Möglicherweise brauchte es nur einige Anhaltspunkte, um sein Gedächtnis wieder in Schwung zu bringen.<br>„Nein. Sie waren auf dem Rückweg zur Erde, das ist alles, was ich weiß. Derzeit arbeitet Dr. Frasier an einer Möglichkeit ihren neurologischen Schaden zu beheben. Sie ist eine gute Ärztin und ich denke, sie wird es schaffen.“<br>„Dies hoffe ich auch“, entgegnete er traurig. „Als Namenloser durch die Welt zu streifen, nicht zu wissen, wer man ist oder wen man kennt... so habe ich mir nicht mein Leben vorgestellt. Zumindest weiß ich nicht, wie ich mir mal mein Leben vorgestellt habe, aber bestimmt nicht so.“<br>Lewinski nickte angesichts dieser Worte und machte Anstalten zu gehen. Er hatte noch einen ganzen Haufen Arbeit vor sich, Papierkram und unangenehme Gespräche. Also machte er sich auf den Weg zur Tür, als ihn der Patient mit einer letzten Frage anhielt:<br>„Wissen sie, wer ich bin?“<br>Der Captain der Monitor zögerte kurz, dann verließ er die Krankenstation. Hinter sich konnte er noch den alten Mann hören, wie er rief:<br>„Sie wissen, wer ich bin! So sagen sie es mir doch!!“<br><br>Der Weg des Captains führte ihn direkt in den kleinen Shuttlehangar des Schiffes. Dorthin hatte man das verunglückte Gefährt des Patienten gebracht, um es einer intensiven Untersuchung zu unterziehen. Kurz bevor er sein Ziel erreichte, hielt der Captain plötzlich inne, als der stechende Schmerz zurückkehrte, der ihm in den letzten Wochen und Monaten so schwer zu schaffen gemacht hatte. Er stütze sich an der Wand ab, atmete mehrfach tief ein und aus und erkannte, dass er es mal wieder versäumt hatte mit Dr. Frasier zu sprechen. Es war einfach so viel um sie herum los, ein Besuch auf der Krankenstation schien fast unmöglich zu sein. Er durfte jetzt auf keinen Fall schlapp machen, auch dieser Fall brauchte seine vollste Aufmerksamkeit. Langsam wich  der Schmerz und John konnte sich weiter auf den Weg machen.<br>Lieutenant Bird und Lieutenant Ardev inspizierten mit ihren Geräten jeden Quadratmeter des Schiffes. Dabei bot sich den beiden Freunden endlich die Gelegenheit etwas miteinander zu reden.<br>„Und? Wie geht es dir inzwischen?“ fragte Ardev, justierte seinen Tricorder und scannte mit ihm einen verbrannten Teil der Schiffshülle.<br>„Wenn du mit dieser Frage auf meinen Verrat anspielst... den habe ich überwunden, “ antwortete Danny grundehrlich. Mit diesem Kapitel seines Lebens hatte er abgeschlossne. Zwar würde er ihn niemals vergessen, was wohl auch besser war, dennoch hatte er es geschafft, seinen Frieden mit sich selbst zu machen. Er hatte akzeptiert, dass der Danny Bird, der damals übergelaufen war und der Danny, der er heute war, zwei grundverschiedene Personen waren. Sie mochten im selben Körper stecken, doch von ihren Charakteristika unterschieden sie sich ganz massiv. Ab und an erschien ihm sein früheres Ich noch im Traum, versuchte ihn zu überzeugen seinen Körper wiederherzugeben, aber inzwischen ließ sich der Sicherheitschef nicht mehr von diesen Träumen beeindrucken.<br>„Nein, dies meinte ich nicht. Es ging mir eher um dich und Dr. Frasier.“<br>Nun stockte der Mensch für einen kurzen, unmerklichen Moment, bevor er sich ein technisches Gerät schnappte und eine Klappe an dem Shuttle öffnete. Mit dieser Frage hatte ihn Ardev kalt erwischt. In dem ganzen Trubel um die anderen Dinge hatte er diese Enttäuschung völlig aus seinem Leben verdrängt.<br>„Ich denke, “ erklärte Danny schließlich, „dass man sagen kann, ich habe auch mit diesem Teil abgeschlossen.“<br>„Dies klingt weit weniger überzeugend als noch die vorherige Antwort.“<br>Ardevs bohrende Fragen waren nervend und ihm auf eine suspekte Art und Weise unangenehm, dennoch fühlte er den Wunsch über die Sache zu reden. Wozu waren denn Freunde da, wenn man sich ihnen nicht anvertrauen konnte?<br>„Doch, ich hab es aufgeben. Sie und Matt sind nun ein Paar und wer bin ich, dass ich dies nicht akzeptiere?“<br>„Aber es gefällt dir nicht?“ war die unangenehme Erwiderung des Andorianers.<br>„Nein“, gestand der Lieutenant nach kurzem Überlegen. „Natürlich gefällt es mir nicht. Ich hab Elisabeth geliebt, mit allem, was dazugehörte. Aber sie entschied sich für jemand anderen.“<br>Bedächtig legte Ardev seinen Tricorder zur Seite und machte einen Schritt auf seinen Freund zu. Auch wenn Danny diese Sache am liebsten nicht besprechen wollte, so bestand seiner Meinung nach dringender Klärungsbedarf. Nicht, dass es eines Tages zu Unstimmigkeiten gar Streitereien kam. Also stellte der Einsatzoffizier die Frage, die ihm schon länger auf der Zunge lag:<br>„Hast du seitdem ein Problem mit Matt?“<br>Angesichts dieser unerwarteten Frage blickte Lieutenant Bird von seinen Untersuchungen auf, musterte das Gesicht seines Gegenübers und fragte sich, was er mit dieser Frage bezweckte.<br>„Ich verstehe nicht, wieso du diese Frage stellst.“<br>„Aber ich sehe sehr wohl einen Sinn in ihr. Wenn du, der taktische Offizier dieses Schiffes, ein Problem mit dem Stellvertreter des Captains hast, was nicht dienstlich, sondern wegen einer Frau ist, dann müsst ihr das klären. Diese Sache kann die Atmosphäre auf einem Schiff vergiften, ganz besonders auf einem wie unseren, wo wir so sehr auf die Kameradschaft angewiesen sind. Jeder von uns muss sich sicher sein, dass er sich im Ernstfall auf den anderen verlassen kann. Also stelle ich die frage noch einmal: hast du nun ein Problem mit Commander Price?“<br>Intensiv blickte Danny seinem Freund in die Augen und überlegte, was er tun sollte. Rein dienstlich stand er eine Stufe über dem Andorianer und hätte daher die Frage nicht beantworten müssen. Doch ein Berufen auf den Rang wäre nicht die Art und Weise, wie man sich gegenüber einem Freund verhielt und würde nur noch die Beunruhigungen Ardevs verstärken. Danny entschloss sich für die Wahrheit:<br>„Ich finde es nicht in Ordnung, wie Matt im letzten Jahr mit Elisabeth umgegangen ist und wenn ich sie gewesen wäre, so hätte ich ihm niemals seine Eskapaden, seine Verirrungen, verziehen. Aber sie hat sich auf ihn eingelassen und derzeit scheint er sie nicht zu verletzen. Das ist es letztendlich, worum es mir geht: dass Elisabeth glücklich ist und nicht von ihm verletzt wird.“<br>„Eine erwachsene Antwort“, fand Ardev und verstummte, als er den herannahenden Captain vernahm. Dieser legte Danny väterlich eine Hand auf die Schulter und fragte:<br>„Haben sie beide schon herausgefunden, was für die teilweise Zerstörung des Shuttles verantwortlich ist?“<br>„Wir haben einige Vermutungen, Sir“, erklärte Danny Bird und zeigte dem Kommandanten die Aufzeichnungen des Tricorders. „Ausschließen können wir auf jeden Fall den Beschuss durch Phaser. Anhand der Art und des Grades der Zerstörungen gehen wir von einem Sprengsatz aus, der nicht funktionsgerecht detoniert und daher nicht die vollständige Zerstörung des Shuttles ausgelöst hat.“<br>„Also können wir einen Angriff durch ein anderes Schiff ausschließen“, fasste Lewinski zusammen und dachte kurz nach. „Eine Bombe wiederum führt zu dem Schluss, dass ihn jemand ganz bestimmtes töten wollte.“<br>Instinktiv dachte John an den Fall vor einigen Wochen zurück, als sie einen Mann gefunden hatten, der ebenfalls durch einen Anschlag eine Amnesie erlitten hatte. Eine Person, die sich am Ende als ein auf ihn engagierter Attentäter herausgestellt hatte. Wie sich die beiden Fälle doch glichen! Es schien wie eine göttliche Gerechtigkeit zu sein, dass nun die Gegenseite diese Krankheit erlitten hatte und nur wenige Tage danach.<br>„Weiß er schon, wer er ist?“ fragte Ardev behutsam nach.<br>„Nein, noch nicht. Aber ich denke, wir können es nicht mehr lange verheimlichen.“<br>„Wieso nicht?“ entgegnete Bird entsetzt und wunderte sich über die Einstellung seines Captains. „Es mag herzlos klingen, aber ist es nicht so besser für uns? Nach allem, was wir durchgemacht haben... es wäre nur fair, wenn auch wir einmal einen Sieg davontragen würden.“<br>„Es klingt herzlos“, unterbrach ihn der Captain und blickte ihn strengen Blickes an. Er selbst konnte zwar nicht glauben, was er eben sagte, doch eigentlich war dies ein gutes Zeichen. Es bedeutete, dass er nach all den Jahren noch immer nicht seinen Sinn für Richtig und Falsch verloren hatte. „Wir können nicht von einem Sieg reden, wenn ein Mann im mentalen Sinne verkrüppelt wurde. Immerhin wurde er fast Opfer eines Mordanschlags. Und wie stellen sie sich überhaupt das weitere vorgehen vor, Lieutenant? Dass wir ihn wie einen Fisch im Wasser zappeln lassen, nur um unsere Gier nach Rache zu befriedigen?“<br>Peinlich berührt angesichts dieser Standpauke blickte Bird zu Boden.<br>„Nein, Sir, tut mir leid. Ich denke, bei mir sind eben etwas die Gefühle durchgegangen.“<br>„Kein Problem, Danny. Ich kann ihren Zorn verstehen. Aber derzeit ist unser Patient so wehrlos wie ein Kleinkind. Zumindest auf die Wahrheit hat er ein Anrecht. Und alles weitere... derzeit wissen wir noch nicht, ob sein Schaden irreparabel ist oder nicht.“<br>Die beiden Lieutenants blickten sich kurz an, signalisierten sich so ihre Zustimmung. Der Captain hatte Recht. In diesem Fall durften sie sich nicht von niederen Rachegefühlen leiten lassen, sondern von ihrer Barmherzigkeit. Denn diese war es, die am Ende die Menschen auszeichnete.<br><br>Jetzt oder nie! Matt Price hatte sich in sein Quartier begeben, um endlich den längst überfälligen Anruf zu tätigen. Sehr zu seiner Überraschung zitterten seine Hände, als er mittels eines verbalen Befehls die Herstellung einer Verbindung zur USS Community befahl. Ein kleiner Teil in ihm hoffte, dass Selina in diesem Moment nicht da sein würde, doch dies würde nichts anderes darstellen als eine Flucht. Irgendwann mussten sie dieses Thema klären, so viel war Matt klar. Innerhalb weniger Sekunden erschien das Gesicht seiner Imzadi auf dem Kombildschirm.<br>„Was möchtest du, Matt?“ fragte der erste Offizier der Community argwöhnisch, „ich habe nicht allzu viel Zeit.“<br>Die Begrüßung war recht unfreundlich und Price konnte ihr dies nicht verdenken. Sie hatte allen Grund sauer auf ihn zu sein.<br>„Ich möchte mit dir reden. Es ist einige Zeit her, seitdem wir das letzte Mal miteinander gesprochen haben, “ erklärte der Halbbetazoid ehrlich.<br>„Wenn man den Leuten Glauben schenkt, die behaupten Zeit heile alle Wunden, dann ist es noch nicht lang genug her. Ich bin immer noch zornig, Matt.“<br>„Und du hast auch allen Grund dazu“, beschwichtige er sie. Auf keinen Fall durfte sie nun das Gespräch beenden, nun, da sie schon dabei waren. „Ich habe im letzten Jahr einige Fehler gemacht und viele Personen verletzt. Nicht nur dich, sondern auch andere, die mir nahe stehen…“<br>„Wie geht es deiner Ärztin?“ fragte seine Imzadi aus heiterem Himmel, brachte ihn so ins Stocken.<br>„Bitte, dies soll jetzt nicht das Thema unseres Gespräches sein.“<br>„Sondern?“<br>„Wir müssen über Yasmin reden“, gestand Matt Price und versuchte in den Augen Selinas eine Reaktion zu erahnen. Leider gelang ihm dies nicht. „Es ist unser Kind und ich möchte mich an seiner Erziehung beteiligen.“<br>„Ich erinnere mich! Das hast du schon einmal gesagt, als du mir Hoffnungen machtest, wir könnten eine kleine Familie werden.“<br>Mahnend hob Price angesichts dieser Worte den Zeigefinger und schüttelte den Kopf.<br>„Nein, ich habe dir keine Hoffnungen gemacht. Du magst zuviel in einige meiner Gesten interpretiert haben, aber ich war nie an einer neuen Beziehung zu dir interessiert.“<br>„Lügner“, war die ruhige, dennoch böse Reaktion Kyles.<br>„Hör mal, wir können uns noch stundenlang über dieses Thema streiten und möglicherweise sollten wir dies auch eines Tages tun. Wir haben viel Klärungsbedarf und wenn wir die Zeit finden, so sollten wir darüber reden. Im Moment jedoch habe ich nur wenig Zeit und möchte daher zu meinem wichtigsten Anliegen kommen: unsere Tochter.“<br>Nun war es Selina, die ihn musterte und in seinem Gesicht nach Emotionen suchte. Sie kannte ihn schon so lange, war bestens in der Lage ihn einzuschätzen. Für Price stand ohne Zweifel, dass sie ihn immer noch liebte und dies sagte er nicht aus einem überhöhten Selbstwertgefühl, sondern weil er dies bei ihrem letzten Treffen gespürt hatte. Wieso sonst wäre auch Selina so enttäuscht von ihm gewesen.<br>„Was schlägst du vor?“ fragte sie schließlich.<br>„Ich… ich weiß nicht so recht. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir darum noch nicht so recht Gedanken gemacht, da ich niemals rechnete unser Gespräch würde so schnell zu diesem Punkt gelangen. Vielleicht wäre es ja möglich gemeinsamen Landurlaub zu machen oder etwas in der Art.“<br>„Und dann unserer Tochter eine perfekte Familie vorspielen?“<br>„Nein, das meine ich doch nicht!“ schüttelte Matt eifrig diesen Vorwurf ab. „Unsere Tochter soll nicht mit einer Lüge aufwachsen, sondern mit der Wahrheit. Doch für ein Kind ist es überaus wichtig mit beiden Elternteilen aufzuwachsen. Dies habe ich doch bei mir selbst bemerkt. Sie soll ab und zu die Möglichkeit bekommen, ihren Vater zu sehen. Vielleicht könnte ich sie ja auch ab und an zu mir an Bord nehmen.“<br>„Auf die Monitor?“ Selinas Reaktion war pure Fassungslosigkeit angesichts dieses Vorschlags. „Auf keinen Fall! Dein Schiff ist zu gefährlich für ein kleines Kind und…. Ich überlege es mir.“<br>Ihr Einlenken rührte daher, dass sie ebenso sehr wie Matt wusste, wie dringlich eine Lösung des Problems war. Einfachs Abblocken würde niemanden von ihnen weiterbringen. Sie sollten sich alle Optionen offen halten und darüber reden.<br>„Wann kann ich dich wieder anrufen?“ fragte Price hoffnungsvoll. Endlich sah er Licht am Horizont.<br>„Ich werde mich bei dir melden. Bis dahin warte einfach ab.“<br>„Okay und gib unserer kleinen einen Kuss von mir.“<br>Selina Kyle wollte etwas erwidern, verkniff es sich jedoch und deaktivierte die Verbindung. Erleichtert und geschafft starrte der Halbbetazoid noch einige Zeit auf den schwarzen Bildschirm. Er war nun weiter gekommen, als er es zu hoffen gewagt hatte. Vielleicht würden sie ja tatsächlich eine gute Lösung für sie beide finden.<br><br>Der Raum, in dem er sich nun befand, war um einiges komfortabler und angenehmer als der vorherige. Er hatte zwar keine Ahnung, wieso man ihn nun ins so genannte Casino gebracht hatte, doch hier gab es wenigstens die Möglichkeit zu essen und zu trinken. Doch die Phase seiner Einsamkeit war nur kurz. Nur wenige Minuten, nachdem er hierher gebracht wurde, betrat Captain John Lewinski das Casino.<br>„Möchten sie etwas trinken?“ fragte er den Patienten höflich und begab sich zum Replikator.<br>„Ich denke ein Kaffee würde mir zusagen.“<br>Der Captain entschied sich für dasselbe Getränk, gab die Bestellung in den Computer ein und holte zwei dampfende Tassen aus dem Replikator heraus. Er stellte sie an einem Tisch ab, die beiden Männer setzten sich und schienen gedankenverloren in ihrem Getränk herumzurühren. Schließlich entschloss sich der namenlose Patient ein Gespräch zu beginnen:<br>„Sie kennen mich also?“<br>Lewinski nahm einen kurzen Schluck aus seiner Tasse, antwortete dann:<br>„Ich habe lange darüber nachgedacht, ob und wie ich ihnen dies sagen kann. Schließlich entschloss ich mich dazu, es hier und jetzt zu tun. Sie haben ein Anrecht darauf die Wahrheit zu wissen.“<br>Augenblick bemerkte der Kommandant, wie schal diese Worte angesichts der Person wirkten, die ihm gegenüber saß. Er schob dem Patienten ein Padd zu, welches dieser aufnahm und sich ansah. Auf dem Padd war eine Personalakte aufgespielt worden. Das Foto zeigte ihn selbst, so wie er sich im Spiegel erkannt hatte, und neben dem Foto war ein Name abgedruckt:<br>Edward Jellico.<br>„Ist dies mein Name? Edward Jellico?“ fragte er und der Name fühlte sich ungewöhnlich auf seinen Lippen an. Falls er gehofft hatte, durch die Aussprache einige weitere Erinnerungsfetzen zu erlangen, so musste er leider enttäuscht werden.<br>„Ja, dies ist korrekt. Sie heißen Edward Jellico.“<br>John Lewinski blickte sein Gegenüber streng an, durchbohrte ihn geradezu mit seinem Blick. Irgendetwas versuchte er hinter dieser hilflosen Fassade zu entdecken, einen Rest des alten Jellicos, doch er fand nichts. Der alte Mann hatte jegliche Erinnerung an sein früheres Ich verloren.<br>Bedächtig legte Jellico das Padd zur Seite, nahm einen Schluck Kaffee und fragte schließlich:<br>„Kennen wir beide uns?“ <br>Wieder dachte der Kanadier lange über diese Frage nach. Wie nur sollte er mit dieser Situation umgehen? Immerhin saß er hier mit seinem schlimmsten Feind an einem Tisch, der sich nicht an ihre gemeinsame Vergangenheit erinnerte.<br>„Ja, wir haben eine gemeinsame Geschichte.“<br>„Ich hoffe, sie ist positiver Natur“, schockte ihn der Patient. „Sie sind ein sympathischer Mann, dem ich noch nicht für meine Rettung gedankt habe. Ohne sie wäre ich scheinbar in meinem Shuttle gestorben. Haben sie Dank.“<br>Angesichts dieser unerwarteten, völlig irrsinnigen Worte verschluckte John fast seinen Kaffee. Nie im Leben hätte er erwartet, dass ihm der alte Mann einmal danken würde. Nicht einmal damals, als er als junger Fähnrich dem Verschwörer das Leben gerettet hatte, hatte ihm dieser gedankt. Scheinbar war der alte Mann so hilflos wie ein Kind.<br>Edward Jellico bemerkte, dass er auf diese Aussage keine Antwort erhalten würde und wechselte zu einer anderen Frage, die ihn schon lange beschäftigte:<br>„Habe ich eine Familie?“<br>Was war besser? Geliebt und verloren oder niemals geliebt zu haben? Seit Jahrtausenden stritten sich die Philosophen über diese Frage, ohne jemals zu einer eindeutigen Antwort zu gelangen. Niemals hätte Lewinski erwartet, dass er sich jemals mit diesem Problem befassen musste. Der Geisteszustand von Jellico war immer noch instabil und es war nicht zu deuten, wie er mit der Wahrheit umgehen konnte. <br>„Ich denke“, meinte John, nahm das Padd und stand auf, „dass wir Schritt für Schritt vorgehen müssen. Sie wissen nun ihren Namen. Der Rest der Informationen sollte Schritt für Schritt ihnen vorgelegt werden. Dr. Frasier arbeitet immer noch an einer Methode, um ihre Amnesie zu heilen und sie empfiehlt ein vorsichtiges Vorgehen.“<br>Den Augen Jellicos war deutlich die Enttäuschung anzusehen, doch er verstand. <br>„Ich danke ihnen dennoch, Captain. Sie haben mir einen Namen gegeben.“<br>Irritiert war Lewinski nicht einmal in der Lage etwas zu entgegen und verließ daher eiligst das Casino. Ihm war schlecht. Er erinnerte sich an die Sache vor drei Wochen, als sie die Krise mit dem Attentäter gelöst hatten, der eigens auf seinen Kopf angesetzt worden war:<br><br>Ungefragt betrat Matt den Bereitschaftsraum, knallte Lewinski mehrere Padds auf den Schreibtisch und erwartete stillschweigend dessen Reaktion, die er prompt zu spüren bekam.<br>„Können Sie mir mal verraten, was dieser Auftritt hier soll?!“<br>Wütend teilte der Halbbetazoid dem Kanadier mit, was Erdal ihm mittels Empathie verständlich gemacht hatte, bevor jener auf den Commander geschossen hatte: „Es war Jellico, er ist unser Auftraggeber!“<br>Angesichts dieser Worte blickte John betreten an Price vorbei. Sie hatten sich also das letzte Jahr nicht in dem Chefverschwörer von Sektion 31 getäuscht. Er war nicht zum Guten bekehrt worden, sondern strebte mehr denn je nach Macht. Und schreckte dabei nicht einmal vor Mord an Captain Lewinski zurück. John war sich sicher: eine neue Runde in dem Zweikampf hatte begonnen…<br><br>Und nun die umgedrehte Situation: der Auftraggeber als das Opfer! Wie sollte John mit einem Mann umgehen, der ihm schon mehrfach nach dem Leben getrachtet, es zur Hölle gemacht hatte und mit den Verschwörern von Sektion 31 paktierte, wenn nicht sogar der Kopf war?<br>Edward Jellico hatte sich im Laufe seines Lebens so vieler Verbrechen schuldig gemacht, war er da nicht auf einmal an der Reihe zu leiden? Eine definitive Antwort auf diese Frage konnte der Kommandant nicht finden. Wie jemanden bestrafen, wenn derjenige nicht einmal wusste, wofür?<br>Nachdenklich betrat John Lewinski die Brücke, hielt für einen kurzen Moment inne und beobachtete, wie seine Mannschaft zusammenarbeitete. Wie ein gut geöltes Uhrwerk ging jede einzelne Person ihrer Aufgabe nach, dabei immer im Verbund mit anderen. Für sie mochte dies alles selbstverständlich geworden sein, doch dies war es nicht. Um ein solches Verständnis für die Belange des anderen aufzubringen bedurfte es einer langen Zeit. Die Crew der Monitor war über die Jahre hinweg und durch die gemeinsamen Erlebnisse zu einer Einheit geworden, stellenweise sogar zu Freunden. Dieses Glück war ein Geschenk und manchmal bedurfte es einen Moment der Ruhe, um sich dieses bewusst zu werden.<br>„Was gibt es neues?“ fragte Lewinski, der sich von seinen Überlegungen gelöst und wieder in das Hier und Jetzt zurückgekehrt war. Erst jetzt schien die Brückenbesatzung von ihm Notiz zu nehmen, viel zu sehr waren sie in ihre Überlegungen vertieft gewesen. <br>Arena Tellom trat auf ihn zu und berichtete:<br>„Wir haben alles im Umkreis mehrerer Lichtjahre abgesucht, jedoch nichts gefunden. Wer auch immer diesen Anschlag auf Edward Jellico ausgeführt hat, hat sein Bestes getan, um seine Spuren zu verwischen.“<br>„Heißt dies, wir haben gar nichts?“<br>„Captain, ich muss sagen“, gab die Terellianerin zähneknirschend zu, „derzeit könnte ich nicht einmal beweisen, dass jemand anderes an Bord von Jellicos Schiff war. Jedoch hat irgendjemand die Bombe dort platziert. Der oder die Täter könnte Hunderte von Lichtjahren entfernt sein, etwas Genaues kann ich ihnen nicht sagen.“<br>John nickte frustriert und schickte Arena wieder an ihre Station. Also gab es auch in dieser Richtung keine Fortschritte. Was konnten sie, was konnte er jetzt noch tun? Scheinbar schien der Zufall eine sehr große Rolle in dieser Sache zu spielen. Jellico hatte sich mit seinem Shuttle auf dem Weg zurück zur Erde befunden, nachdem er auf einer Konferenz gewesen war. Auch die Monitor war für einen kurzen Zwischenstopp zurück zur Erde gerufen worden. Wie hoch war die Chance, dass sich diese zwei Schiffe in diesem riesigen Universum aufeinander trafen? Hatte jemand möglicherweise gewollt, dass ausgerechnet sie die Überreste des explodierten Shuttles fanden? Einmal mehr fühlte sich John in seiner Ansicht bestätigt, dass die Schicksale Edward Jellicos und seine untrennbar miteinander verknüpft waren.<br>Die Schotts zur Brücke öffneten sich und Commander Price trat herein. Sofort näherte er sich dem Captain. Mittels seiner empathischen Fähigkeiten spürte der Halbbetazoid sofort die tiefe Sorge, die von seinem Kommandanten ausging. Wie so oft zermarterte sich Lewinski den Kopf, schien die gesamte Last des Universums auf seinen Schultern tragen zu wollen. Nachdem Matt die Brücke verlassen hatte, um das dringende Telefonat mit Selina zu führen, beschloss er nun seinem Captain zu helfen.<br>„Wie geht es unserem Patienten?“ fragte Matt im vertraulichen Flüsterton und blickte seinen Vorgesetzten wartend an. Dieser bedeutete dem ersten Offizier ihm in den Bereitschaftsraum des Captains zu folgen. Lewinski nahm auf seinem Stuhl hinter dem Schreibtisch Platz, während Price natürlich ungefragt auf dem Platz ihm gegenüber Platz nahm.<br>„Nun“, beantwortete der Kanadier schließlich die Frage, „er weiß endlich, wer er ist. Ich habe ihm seinen Namen gesagt.“<br>„Und seine Reaktion?“<br>„Er verlangt nun nach noch mehr Informationen. Sein Name hat noch keine Flut an Erinnerungen ausgelöst, er kann mit ihm nichts anfangen und so möchte er mehr Details erfahren, “ gab John zerknirscht zu.<br>„Wie zum Beispiel?“<br>„Er möchte wissen, ob er eine Familie hat.“<br>„Wieso sagen sie ihm nicht einfach die Wahrheit?“ fragte Matt Price fast schon gutgläubig.<br>„Das kann nicht ihr ernst sein, Commander!“<br>„Wieso nicht, Skipper? Sind sie nicht selbst der Meinung, dass er ein Anrecht auf die Wahrheit hat?“<br>Matts Aussage spiegelte genau das tiefe Dilemma wieder, in dem sich John derzeit befand. Für ihn stellte sich die Frage, wie weit die Wahrheit gehen durfte.<br>„Mich überrascht ihre Reaktion, Matt“, gab Captain Lewinski schließlich zu. „Immerhin waren sie es gewesen, der hier vor drei Wochen wutentbrannt hereingerast ist und mir mitgeteilt hatte, dass Edward Jellico den Killer auf mich angesetzt hatte. Nun machen sie sich für ihn stark?“<br>„Ich glaube, wir haben es hier mit einem Missverständnis zu tun“, wiegelte der Halbbetazoid ab. „Mir geht es nicht darum die Wünsche dieses Mannes zu erfüllen. Ich kann ihn genauso wenig leiden, wie sie, Skipper, aber ich versuche das Gesamtbild im Auge zu behalten. Ein Nichtswissender Edward Jellico kann uns niemals helfen Sektion 31 zu schlagen.“<br>Endlich kamen sie zum Kern des ganzen Problems. Alles, was sie vorher besprochen hatten, war nichts anderes gewesen, als um den heißen Brei herumzureden. Hier ging es um weit mehr, als nur um das Schicksal einer Person. Es ging um etwas weitaus größeres.<br>„Es ist unglaublich“, gab John lächelnd zu, „aber wir scheinen tatsächlich die selbe Ansicht zu vertreten. Noch vor kurzem hatte ich mit Danny Bird dieselbe Diskussion. Er machte sich dafür stark, dass wir Jellico in seinem Zustand belassen.“<br>„Dies können wir nicht tun. Es bringt uns nichts.“<br>„Uns etwas bringen? Glauben sie etwa, durch unsere Hilfe könnten wir diesen Mann etwa läutern?“<br>Price dachte kurz über diese Worte nach, bevor er antwortete:<br>„Ich denke, dies läge tatsächlich im Bereich des möglichen.“<br>„Nein, diese Möglichkeit ist absolut unrealistisch. Ich kenne Edward schon länger als sie und wenn es um den Kosten-Nutzen Faktor geht, so wäre es am besten gewesen, wenn er in dieser Explosion...“<br>Weiter kam er nicht, denn John erschrak über seine eigenen Worte. Wie hatte er nur diese Worte aussprechen können? War es überhaupt rechtens, sich den Tod dieses Menschen zu wünschen. Immerhin war er ihr Feind, der Böses im Schilde führte.<br>„Wir reden so“, fuhr schließlich Lewinski fort, nachdem er sich wieder gefasst hatte, „als ob es eine hundertprozentige Möglichkeit gäbe, Jellico sein Gedächtnis wieder zu geben. Dem ist jedoch nicht so. Dr. Frasier arbeitet fieberhaft an einer Möglichkeit, ist jedoch noch nicht an einer Lösung dran. Bis dahin müssen wir mit diesem Mann umgehen.“<br>„Und wieso berichteten sie ihm nun nicht von seiner Familie?“<br>„Dieser Mann ist instabil, Matt! Was würde passieren, wenn wir ihm von der Ermordung seiner Frau und seines Sohnes erzählten? Es könnte seinen neurologischen Schaden verschlimmern und eine Heilung völlig unmöglich machen.“<br>Kurz dachte Matt über diese Aussage nach, dann fragte er:<br>„Kennen sie das Sprichwort Es ist besser geliebt und verloren, als niemals geliebt zu haben?“<br>„Ja, ich kenne es und es ist schwachsinnig“, entgegnete John und dachte an die Frau, die er geliebt und verloren hatte. Captain Maria Enriquez, die sich mit ihrem Schiff heldenhaft in ein Borg-Schiff gestürzt und so eine Invasion des Alpha-Quadranten verhindert hatte. Wer auch immer sich diese Weisheit ausgedacht hatte, musste so etwas noch durchgemacht haben.<br>„Sie lassen sich hier von ihren eigenen Erfahrungen lenken, John.“<br>„Tun wir dies nicht schon die ganze Zeit über?“ fragte Lewinski ratlos und erhob sich von seinem Platz. Er blickte aus dem kleinen Fenster auf die Sterne hinaus, so als hoffte er zwischen ihnen die Lösung für ihre Probleme zu finden. „Alles was wir tun, ist nach unseren Erfahrungen vorzugehen. Der an Amnesie leidende Edward Jellico ist zu einem Spielball unserer Experimente geworden. Wir können nicht wissen, was unsere nächsten Schritte bewirken könnten.“<br>„Sagen sie es ihm. Er hat, wie sie selbst sagten, ein Anrecht auf die Wahrheit. Am Ende erinnert er sich möglicherweise wieder an alles und er wird es ihnen danken. Und was ist die Alternative? Wenn wir keine Möglichkeit finden seinen Schaden zu beheben, so muss Jellico für den Rest seines Lebens mit der Amnesie leben. Da ist es nur fair, wenn er so gut wie möglich über sein früheres Leben Bescheid weiß.“<br>„Je mehr Informationen wir ihm geben, desto mehr will er haben“, brachte Lewinski es auf den Punkt. „Irgendwann wird er nach seinem Beruf fragen und dann wird Sektion 31 zur Sprache kommen müssen. Dieser Zeitpunkt macht mir Sorgen.“<br>„Sie können nicht ermessen, wann oder ob er überhaupt eintreten wird.“<br>„Er wird es, keine Angst“, murmelte John, der schlussendlich doch seine Entscheidung getroffen hatte. Er konnte dem Patienten nur einige Brotkrumen vorwerfen. Was daraus werden würde, dies lag nicht in seinen Händen.<br><br>Der Mann, der erfahren hatte, dass er Edward Jellico hieß, saß immer noch im Casino und harrte der Dinge, die noch auf ihn zukommen würden. Die letzten Stunden hatte er damit verbracht sich an irgendwelche Details zu erinnern, die ihm jedoch nicht einfielen. Hunderte von Male hatte er jede einzelne Silbe dieses Namens ausgesprochen, gehofft so sein Erinnerungsvermögen ansprechen zu können, war jedoch erfolglos geblieben. Die Amnesie schien stark ausgeprägt zu sein. Zur Entspannung hatte er sich mehrere Mahlzeiten aus dem Replikator genommen. Teilweise wegen des Hungers, aber auch in der Hoffnung, dass ein bekanntes Gericht ein Erinnern auslösen könnte. Doch auch gab es eine Fehlanzeige.<br>Die Schotten zum Casino der Monitor öffneten sich und Captain John Lewinski, die einzige Person, die Edward bisher kannte, betrat den großen Raum.<br>„Ich fragte mich schon, wann sie wieder auftauchen würden“, begrüßte ihn Edward mit einem Lächeln und setzte sich erwartungsvoll auf einen der zahlreichen freien Stühle. John nahm ohne Umschweife ihm gegenüber Platz und faltete die Hände. Offenbar hatte er ein ernstes Anliegen.<br>„Ich habe sehr lange und intensiv über ihren Wunsch nachgedacht“, erklärte der Kanadier mit ruhiger Stimme. „Ehrlich gesagt bin ich dagegen, doch ich selbst habe meiner Crew gesagt, dass sie ein Anrecht auf die Wahrheit haben. Sie fragten nach ihrer Familie; jeder weiß, dass die Familie zu den wichtigsten Dingen im Leben eines Menschen gehört. Und möglicherweise könnte es ihnen bei der Suche nach Gedächtnisfragmenten helfen.“<br>„Freut mich, dass sie sich so entschieden haben“, entgegnete Jellico und wartete gespannt.<br>„Sie hatten eine Frau und einen Sohn“, begann der Captain und versuchte in den Augen seines Gegenübers irgendeine Reaktion zu erspähen.<br>„Wie ist ihr Name?“<br>„Sie hießen Jessica und Mark“, erklärte Captain Lewinski mit behutsamer Stimme.<br>Erst jetzt schien dem Patienten die Wortwahl des Kommandanten aufzufallen. Er runzelte die Stirn, ließ die beiden Sätze noch einmal in seinem Kopf Revue passieren und meinte anschließend:<br>„Sie sprechen in der Vergangenheitsform. Muss mir dies Angst machen?“<br>Kurz zögerte John, fürchtete sich vor den nächsten Sekunden. Jedoch hatte er mit dieser Sache nun begonnen, es galt sie zu Ende zu bringen.<br>„Ihre Frau und ihr Sohn“, erklärte er mit Grabesstimme, „sind seit einem Jahr tot.“<br>Schon im nächsten Moment erwartete John Tränen, Gezeter und Wehklagen. Während er von dem Schicksal Jellicos Familie erzählte, musste er an seine eigene denken. An seine Mutter, die schon vor Jahren verstorben war und natürlich an seinen Vater Luke, der krankheitsbedingt im letzten Jahr verschieden war. Es war eine schmerzhafte Zeit gewesen, die er immer noch nicht vollends verarbeitet hatte. Ersichtlich wurde dies an seinem Kampf gegen die Tränen, die in seinen Augen aufsteigen wollten.  <br>Doch Jellicos Reaktion überraschte ihn: nichts geschah. Kein Zorn, kein Frust, keine Trauer. Das Gesicht des Patienten blieb so ausdruckslos wie zuvor und den alten Mann schien dies selbst am meisten zu irritieren.<br>„Es ist seltsam“, gestand er sich selbst ein, „aber ich empfinde nichts bei dieser Information. Wie soll man um jemanden trauern, den man nicht gekannt hat?“<br>„Sie erinnern sich also immer noch nicht?“<br>„Nein. Selbst die Erwähnung meiner Familie löst keinerlei Erinnerungen bei mir aus... es ist seltsam. Sie sagen mir, dass ich eine Frau hatte und einen Sohn, die beide tot sind. Wie starben sie?“<br>„Man ermordete beide“, erklärte John ehrlich. „Der Täter ist bis heute unbekannt.“<br>Kurz wartete Edward, ließ die Worte auf sich wirken.<br>„Jessica und Mark Jellico“, sagte der an Amnesie leidende noch einmal zu sich selbst und dachte über diese Worte nach. Er hatte in der Tat eine Familie besessen. Eine Frau, die auf ihn zu Hause gewartet hatte und einen Sohn, einen Stammhalter sozusagen. Zu gerne würde er wissen, wie sie aussahen, was sie getan und was sie so besonders gemacht hatte, doch er konnte sich absolut nicht an sie erinnern.<br>„Es macht mir Angst“, gestand der alte Mann.<br>„Was?“<br>„Dass ich keine Reaktion zeige. So gefühlskalt kann doch kein Mensch sein. Ich meine, sie berichten mir von einer Frau und einem Kind, welche nicht mehr unter uns weilen und ich empfinde gar nichts. Was für ein Mensch muss dies sein, der die Nachricht vom Tod so leicht hinnimmt?“<br>Unglaublicher, ja geradezu beängstigender, hätte Edward Jellico dies nicht sagen können. Aus gutem Grund wich John Lewinski für Millisekunden zurück, erschrocken über diese Worte. Was ging hier nur vor sich? Edward Jellico war in der Tat ein Mann, der den Tod anderer Menschen leichtfertig hinnahm, ganz besonders, wenn dies in seinem Interesse stand. Ganz deutlich erinnerte sich der Captain an das Ereignis vor knapp zwei Jahren, als Jellico den Chefverschwörer von Sektion 31, Nathan Sloan, getötet hatte:<br><br> <i>„Sie wollen uns doch nicht sagen, dass wir umsonst geflogen sind?“ fragte Lewinski wütend. Ein neuerlicher Trick von Jellico wäre in diese Situation äußerst kontraproduktiv.<br>„Nicht wenn ich mir das Inventarverzeichnis dieses Schiffes ansehe“, erwiderte der ehemalige Admiral mit einem Seitenblick zu Yates.<br>„Wie meinen sie dies?“<br>„Wie ich dies hier lese haben sie aufgrund des Krieges noch zwei Photonentorpedos an Bord?“<br>„Dies ist korrekt“, antwortete die Frachterkommandantin.<br>Ohne ein weiteres Wort betätigte Jellico den Auslöser und das Schiff erbebte unter dem Torpedostart.<br><br>Er genoss wirklich die Ruhe, wenn er hier war. Nathan Sloan atmete einmal tief durch und genoss das Ambiente, welches dieser Laden ausstrahlte. Er fühlte einen inneren Frieden, der ihm manchmal bei der Arbeit fehlte. Es war immer gut, wenn man Orte hatte, an die man sich zurückziehen konnte. Gerade beriet er ein Ehepaar, das auf der Suche nach einem alten Grammophon war. Ab und zu mal etwas ganz anderes machen, dies lockerte den Geist. Gerade wollte er über die Zahlungsmodalitäten verhandeln, da piepte sein Computerterminal. Nathan entschuldigte sich und rief die entsprechenden Daten auf. Es näherte sich ihm ein Objekt mit großer Geschwindigkeit... ein Gefechtskopf!<br>Sekunden nach der Realisierung dieser Nachricht explodierte das Geschäft.<br><br>„Was zum Teufel haben sie da getan?“ schrie Lewinski und stürmte vorwärts, packte Jellico am Kragen und drückte ihn gegen die Wand.<br>„Ich habe nur ein Problem beseitigt. Es war doch ihr Wunsch, dass Sloan neutralisiert wird, “ erklärte Jellico fröhlich und schien nicht den Zorn von John Lewinski nachvollziehen zu können. <br>„Ich wollte ihn schnappen und vor ein Föderationsgericht stellen, nicht ihn einfach umbringen. Wer gab ihnen überhaupt das moralische Recht diese Entscheidung zu treffen?“<br>Jellico riss sich los und ordnete erst wieder sein Hemd neu, bevor er antwortete:<br>„Moralisch, dies ist genau das worum es hier geht, John. Dieser Nathan Sloan hat Hunderte von Leben auf dem Gewissen. Er hat Tausende Existenzen zerstört. Es ist nur Gerechtigkeit, wenn ihm dasselbe widerfährt.“<br>„Es sind Unschuldige bei der Detonation gestorben!“<br>„Kollateralschäden“, winkte Edward Jellico verächtlich ab. „Wir führen einen Krieg gegen den Terror, John, und im Krieg gibt es Verluste. Ihre Familien können sich mit dem Gedanken trösten, dass sie für eine gute Sache gestorben sind.“<br>„Sie Schwein!“ brüllte John wieder, „sie verdammtes Schwein! Ich mache sie persönliche für den Mord an diesen Menschen verantwortlich.“<br>„Dies mag ja sein, “ erwiderte Jellico mit einem süffisanten Lächeln, „aber nichtsdestotrotz brauchen sie mich. Ich bin der einzige, der Sektion 31 ans Messer liefern kann. Und ich kann sagen, ich freue mich schon auf unsere weitere Zusammenarbeit.“</i><br><br>An dieses Ereignis konnte sich der Kommandant erinnern, als ob es gestern gewesen wäre. Jellico hatte keine Wimper gezuckt und die Waffen abgefeuert. Nicht einen Anflug von Reue hatte dieser Mann gezeigt, ganz im Gegenteil, er hatte sich herausgewunden und war seiner Strafe entgangen. Von diesem Moment an war John überzeugt gewesen, dass der alte Mann dies getan hatte, um den Platz Nathan Sloans als Führer von Sektion 31 einzunehmen. Natürlich hatte er ihm dies bis heute nicht nachweisen können und derzeit sah es alles andere als gut für seinen Kampf gegen die Untergrundorganisation aus.<br>Gerade aus diesem Grund war John so schockiert über diese Selbsteinsicht eines Mannes, der sich dieser Läuterung nicht einmal bewusst war. Edward Jellico kritisierte sich selbst, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein.<br>„Haben sie Familie?“<br>Die Frage des alten Mannes riss John aus seinen Gedanken. Entsetzt stellte er fest, dass er die letzten Sekunden gedankenverloren vor sich hingeblickt hatte. Mehrere Sekunden brauchte er, um die Frage zu realisieren, dann antwortete er:<br>„Nein... nein, meine Eltern sind tot.“<br>„Und ihre Frau? Haben sie Kinder?“<br>„Ich habe keine Frau.“<br>„Dies ist schade“, entgegnete Jellico und hoffte, dass dies die richtige Antwort gewesen war. So etwas sagte man doch in einem solchen Moment, oder etwa nicht? „Gab es denn nie eine Person in ihrem Leben, mit der sie sich hätten vorstellen können für den Rest ihres Lebens zusammen zu sein?“<br>Wieder war John überrascht, gepaart mit einer Mischung aus Entsetzen. Die Fragen des Patienten waren privat und gingen ihn eigentlich nichts an. Doch Edward Jellico fragte aus ehrlichem Interesse. Langsam musste sich der Captain bewusst werden, dass er hier nicht seinen alten Feind vor sich hatte, sondern eine komplett andere Person, die hilflos und krank war. Ging es ihn überhaupt etwas an, wie es um sein Privatleben stand? `<br>„Doch, die gab es“, entgegnete John schließlich und erinnerte sich abermals an Captain Maria Enriquez. „Aber auch sie verschied viel zu früh aus dem Leben.“<br>„Dies tut mir leid“, meinte Jellico und diese Worte taten in Johns Herzen umso mehr weh, da sie ehrlicher Natur waren.<br>„Und nun?“<br>„Ich bin zu alt für so etwas geworden.“<br>Dies war natürlich nicht die Wahrheit, doch wie konnte er die Sache auch seinem Gegenüber erklären? John Lewinski hatte sich dem Kampf gegen Sektion 31 verschrieben und damit sein Privatleben völlig aufgegeben. Es war in den Hintergrund gerückt für eine größere Sache, die seiner Meinung nach getan werden musste und die nur er selbst anpacken konnte. Der Preis dafür war ewige Einsamkeit und der Verzicht auf die eigene Familie. Nicht nur der abgebrochene Kontakt zu seinem nun toten Vater und einem Bruder, den er Jahre nicht mehr gesehen hatte, sondern auch die Aufgabe von einer Frau und eigenem Nachwuchs. Sollte Martin nicht selbst eine Familie gegründet haben, so würde die Linie der Familie Lewinski bald ändern. Alles wegen des Kampfes gegen Sektion 31. Einer Organisation, von der John fest glaubte, dass sie sich in den Händen von Edward Jellico befand. Demselben Mann, der nun vor ihm saß und ihm ehrliches Mitgefühl entgegen brachte. <br>„Wie sieht es mit meiner restlichen Familie aus?“<br>„Ihre Eltern sind tot und sie sind Einzelkind“, war die ernüchternde Antwort auf Edwards Frage.<br>Ruckartig riss sich Captain Lewinski hoch. Plötzlich hatte er nur noch das instinktive Bedürfnis hier wegzukommen. Er brauchte Zeit zum Nachdenken.<br>„Sie wollen mich schon verlassen?“ fragte der Patient, der die Aufbruchstimmung bemerkt hatte.<br>„Ja, ich habe noch einiges auf der Brücke zu tun.“<br>„Und ich habe noch mehr Fragen.“<br>Ohne ein weiteres Wort verließ John das Casino. Er hielt es nicht mehr länger mit dieser Person aus.<br><br>Die Arbeiten waren anstrengend und beanspruchten viel Zeit. Dr. Frasier setzte sich erschöpft an ihren Schreibtisch und fuhr sich mit ihren Händen durch das blonde Haar. Sie brauchte eine Pause. Seit Stunden versuchte sie eine Möglichkeit zu finden, wie man das Gedächtnis von Edward Jellico wiederherstellen konnte, doch sie kam nur Schrittweise voran. Sie brauchte etwas Zerstreuung, denn ansonsten fürchtete sie ihr Kopf würde platzen. Vor ihr lag ein Padd mit der aktuellen Zeitung, welche sie von Matt mitgenommen hatte. Kurz dachte sie darüber nach, ob sie den Leitartikel lesen sollte, dann fing sie an. Jedwede Ablenkung war ihr derzeit recht:<br><br><b>Sonderbotschafter Parul im exklusiven Gespräch mit uns</b><br><br>Danach setzte die attraktive Ärztin wieder das Padd ab. Eine seltsame Art von Skrupel beschlich sie. Noch vor kurzem hatte sie mit Matt darüber geredet, dass es ihm alles andere als gefiel sein Privatleben so öffentlich gesehen werden zu lassen. Doch wie konnte sie ihm helfen, wenn sie nicht wusste, was genau vor sich ging? Sie liebte ihn von Herzen, dies wusste er und sie wollte sich informieren. Also fasste sie sich ein Herz und begann zu lesen:<br><br><b>Sonderbotschafter Parul im exklusiven Gespräch mit uns<br>Universe Today berichtet die Wahrheit<br><br>In den letzten Tagen und Wochen war viel über das private Leben von Dr. Dr. Arsani Parul, einem der Verdientesten Diplomaten der Föderation, geschrieben worden. Die Medien waren beherrscht von Halbwahrheiten und Mutmaßungen, welche nicht selten irreführend, manchmal sogar schlichtweg falsch waren. Universe Today hat den Anspruch die Leser mit der Wahrheit zu konfrontieren. Es geht uns um eine saubere und ehrliche Darstellung der gegenwärtigen Sachlage.</b> <br><i>Aus diesem Grund gestattete es uns Mr. Parul ein exklusives Interview mit ihm zu führen. UT-Redakteur Jake Sisko führte mit dem Betazoiden ein Gespräch über seine Familie, seinen neu aufgetauchten Sohn und die Zukunft.<br><br>Jake Sisko:	 Dr. Dr. Parul, es freut mich, dass sie sich die Zeit zu diesem Interview nehmen.<br>Arsani Parul: 	Es hat mich einige Überwindung gekostet, doch nun freue ich mich auf dieses          <br>          	Gespräch.<br><br>JS: 		Botschafter, es hat einige Wochen gedauert, bis sie sich zu einem Interview mit uns, und der Öffentlichkeit generell, bereiterklärt haben. Woher dieser Sinneswandel?<br>AP: 		Mir war klar geworden, dass etwas geschehen musste. In den letzten Wochen ist so vieles über mich und meine Familie geschrieben worden, was schlichtweg falsch gewesen ist. Daher habe ich mich nach langem Nachdenken zu der Flucht nach vorne entschlossen. Ich möchte Gerüchten entgegentreten, die meine Karriere und mein Leben zerstören könnten.<br><br>JS:	Und ich möchte ihnen versichern, dass ich mich mehr als geschmeichelt fühle, dass sie uns dieser Ehre zuteil werden lassen. Ich versichere ihnen, dass wir das in uns gesetzte Vertrauen nicht enttäuschen werden. <br>		Fangen wir doch also gleich mit der dringlichsten Frage an: haben sie noch einen weiteren Sohn?<br>AP:	Ja, ich habe neben meinen beiden Kindern noch ein drittes Kind, einen Sohn. Er heißt Matthew und ist ungefähr Mitte Dreißig.<br><br>JS:	Mitte? Kennen sie nicht sein genaues Alter?<br>AP:	Doch, dies kenne ich, doch ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen.<br><br>JS:	Aus Sorge um ihn?<br>AP:	Ganz recht. Noch war er in der Lage sich von diesem ganzen Rummel fernzuhalten, doch wenn ich zu viel von ihm preisgebe, könnten ihn die Journalisten aufspüren. Matthew ist schon zu sehr aufgewühlt damit zu erfahren, wer sein Vater ist.<br><br>JS: 	Er wusste also nichts von ihrer Identität?<br>AP:	Nein, er weiß es erst seit Anfang dieses Jahres.<br><br>JS:	Wieso dauerte es so lange, bis er von ihrer Rolle erfuhr? An wem lag es?<br>AP: 	Definitiv an mir. Ich traute mich einfach nicht meine Identität preiszugeben. Zu sehr fürchtete ich eine ablehnende Reaktion. Wer hätte es ihm verdenken können? Wie auch andere Kinder in seiner Lage verachtete er den Vater, der seine Mutter und ihn allein gelassen hatte. Dennoch habe ich über die Jahre hinweg sein Leben verfolgt und unser Aufeinandertreffen war nicht rein zufällig gewesen.<br><br>JS:	Sie hatten also geplant ihre Identität als Vater preiszugeben?<br>AP:	Nein, es... es ist schwierig zu erklären. Mein Geständnis war eher zufällig gewesen. Ich denke, irgendwann bekam ich das unbändige Verlangen in seiner Nähe zu sein und dann führte eines zum anderen.<br><br>JS:	Wie reagierte er auf die Enthüllung?<br>AP: 	Anders als ich erwartet hatte. Vermutlich auch anders, als er selbst es erwartet hatte. Es war kein Zorn oder Gezeter, sondern viel eher Überraschung... und Erschöpfung.<br><br>JS:	Wer war seine Mutter?<br>AP: 	Eine wundervolle Frau, die ich vor langer Zeit kennen gelernt hatte.<br><br>JS: 	Also stimmt es, dass es sich bei dieser Person nicht um ihre Ehefrau handelt, die sich derzeit aktiv um eine Scheidung bemüht?<br>AP:	Ja, es ist eine andere Frau. Wir hatten eine Affäre, zumindest aus meiner Sicht war es eine solche gewesen. Doch mit dieser Einstellung und meinem späteren Verschwinden habe ich sie sehr verletzt. Dies tut mir leid. Genauso tut mir meine Frau und meine beiden Kinder leid, denn sie haben nicht diesen Ärger verdient. Ich liebe meine Frau noch immer.<br><br>JS: 	Und diese Geliebte? Wie waren ihre Gefühle für sie gewesen?<br>AP: 	Ich habe sie gemocht. Doch Liebe? Ich weiß nicht.<br><br>JS: 	In Anbetracht der Tatsache, dass man derzeit überlegt sie aus dem diplomatischen Korps zu entfernen, aufgrund von „moralischen Verfehlungen, die sie untragbar machen“: haben sie damals einen Fehler gemacht?<br>AP:	Mir war ein wunderbarer Sohn geschenkt worden, der sich zu einem starken Mann entwickelt hat. Ich würde daher niemals über ihn als einen Fehler sprechen. Ich stehe zu ihm, ich liebe ihn. Ich kann nur hoffen, dass er mir für meine jahrelange Abwesenheit verzeihen wird.<br><br>JS:	Herr Botschafter, ich danke ihnen für dieses Gespräch.</i><br><br>Überrascht, ja fast schon imponiert, legte Elisabeth Frasier das Padd zur Seite. Nach den<br>Worten von Matt hatte sie einiges erwartet, doch Arsani Parul hatte die Situation großartig gemeistert. Mehr noch, er stand zu Matt und machte in aller Deutlichkeit klar, dass er ihn liebte. Ihr geliebter Matt brauchte sich keine Sorgen zu machen. Es würde schon alles gut werden!<br>Von diesem Liebesbeweis beflügelt machte sich Elisabeth weiter an die Arbeit. Neue Energien durchströmten ihren Körper und sie fühlte sich bereit zu neuen Taten.<br><br>Vernachlässigte er derzeit seinen Dienst? Matthew Price hoffte nicht, denn abermals befand er sich in seinem Quartier, um ein wichtiges Gespräch zu führen. Natürlich waren die Ereignisse rund um den an Gedächtnisverlust leidenden Edward Jellico tragisch, aber an erster Stelle kam seine Familie. Es galt noch so vieles zu klären, also hatte er sich zurückgezogen und eine Komverbindung nach Rigel geöffnet. Schon nach kurzer Zeit erschien seine Mutter auf dem Bildschirm. Birgit war gealtert, doch war immer noch würdevoll und strahlte die Stärke aus, die es ihr ermöglicht hatte in diesen unwirtlichen Bedingungen einen Sohn großzuziehen.<br>„Hallo Mama, “ begrüßte Matt seine Mutter kleinlaut und spürte schon im nächsten Moment, wie er sehr er sie doch vermisste. Sein letzter Aufenthalt zu Hause war schon viel zu lange her.<br>„Matt, mein Junge, ich habe mich schon gefragt, wann du dich melden würdest“, entgegnete seine Mutter warmherzig und ihr war deutlich anzusehen, wie sie sich freute.<br>„Ist alles in Ordnung bei dir? Brauchst du etwas?“<br>„Mir geht es gut, Matt, danke der Nachfrage. Jedoch siehst du so aus, als ob du etwas auf dem Herzen hättest.“<br>Abermals wunderte sich der Halbbetazoid darüber, wie seine Mutter es immer wieder schaffte ihn zu durchschauen, obwohl sie ein Mensch war. Wie wohl alle Mütter schien sie einen sechsten Sinn zu besitzen.<br>„Du hast mich durchschaut und ich denke mal, du weißt worum es gehen wird. Also werde ich dich frei heraus fragen: wusstest du es die ganze Zeit über?“<br>Der Gesichtsausdruck von Birgit Price wurde ernst angesichts dieses Themas. Sie mussten nun über diese Sache sprechen, es war notwendig.<br>„Ja, ich wusste es die ganze Zeit über.“<br>„All die Jahre habe ich also Arsani Parul in den Medien gesehen und niemals geahnt, dass er mein Vater ist? Wieso hast du es mir nicht gesagt?“ fragte Commander Price verzweifelt, der das ganze immer noch nicht glauben konnte.<br>„Junge, dies ist einfach so schwierig zu erklären! Mehr als einmal war ich kurz davor es dir zu sagen, habe mich dann aber dagegen entschieden. Ich war sauer auf Arsani und hatte mit ihm abgeschlossen. Er existierte für mich einfach nicht mehr, war quasi tot für mich. Und zudem...“<br>„Was?“ fragte der erste Offizier, der merkte, dass seine Mutter noch etwas auf dem Herzen hatte.<br>„Ich wollte ihn schützen, Matt. Schützen vor dem, was nun über ihn kommt.“<br>„Schützen? Eben noch sagtest du, dass du mit ihm abgeschlossen hattest.“<br>„Ja, dies habe ich. Aber ich liebte ihn und hatte daher immer noch den Wunsch ihn vor dem ganzen zu bewahren. Manchmal geht die Liebe seltsame Wege, dies müsstest du doch am besten wissen!“<br>„Da hast du recht“, bestätigte er sie und dachte an sein eigenes verkorkstes Liebesleben. „Und was wirst du nun tun? Wirst du dich bei ihm melden?“<br>„Nein. Ich hätte es all die Jahre tun können, habe es jedoch nicht getan. Wieso auch? Er schien mich nicht geliebt zu haben, also wollte er nichts mehr mit uns zu tun haben. Aber lass mich dir etwas sagen, Matt!“<br>„Ja?“<br>„Wenn er jetzt mit mir sprechen wollte“, erklärte Birgit melancholisch, „dann würde ich darauf eingehen. So viele Jahre und so viel Ärger liegt zwischen uns, nun wäre es an der Zeit dies alles aufzuarbeiten. Und dass er sich so öffentlich für dich einsetzt, seine Liebe zu dir deutlich macht und dafür sogar seine eigene Ehe opfert, dies imponiert mir.“<br>„Ja, er ist ein großer Mann“, sagte Matt Price fast selbstverständlich und wunderte sich über seine Worte. Vielleicht würde doch noch alles zwischen ihnen gut werden. Möglicherweise würde er doch noch eine richtige Familie haben. Man musste nur abwarten, was die Zeit mit sich brachte.<br><br>Sein Schlaf war unruhig, dennoch war er dankbar für diese kleine Pause gewesen. Nach dem langen Aufenthalt im Casino hatte man Edward Jellico gestattet sich in ein Quartier zu begeben. Dort angekommen hatte er sich sogleich hingelegt und war eingeschlafen. In seinen Träumen waren ihm Bilderfetzen von Personen und Begebenheiten begegnet, die er nicht zuordnen konnte. Sen Geist versuchte fieberhaft sich zu erinnern, was ihm jedoch nicht gelang. Irgendwann, Edward wusste nicht, ob es schon der nächste Morgen war, wachte er auf und stellte zu seiner Überraschung fest, dass Captain Lewinski neben seiner Liege auf einem Stuhl saß. Sein Gesichtsausdruck war ernst, er schien sich große Sorgen zu machen.<br>„Captain Lewinski!“ begrüßte ihn der Patient freundlich. „Schön, sie zu sehen.“<br>„Haben sie etwas schlafen können?“<br>„Ja, es tat gut mal wieder ein Auge zuzumachen. Sie müssen wissen, ich habe die letzten Stunden sehr intensiv nachgedacht.“<br>„Dies kann ich mir vorstellen“, entgegnete der Captain und blickte zu Boden. Irgendetwas schien in seinem Kopf vorzugehen.<br>„Was haben sie auf dem Herzen?“<br>Die Frage Jellicos war ernst gemeint und er lächelte sogar. Irgendwie mochte er diesen Mann, der sich bisher um ihn gekümmert hatte. Sie beide schienen sich tatsächlich zu kennen, auch wenn er mit dem Namen Lewinski bisher nichts anfangen konnte.<br>„Dr. Frasier ist es gelungen eine Rekonvaleszenzmethode für ihr Gedächtnis zu finden. Der Eingriff wäre schwierig, aber machbar, “ erklärte Lewinski frei heraus.<br>Im Geiste des Captains raste es. Im Grunde hatten sie die ganze Zeit über auf diese Entwicklung gehofft, denn sie bedeutete die Heilung des Patienten. Doch was bedeutete dies noch? Edward Jellico würde zu dem Menschen werden, der er vorher gewesen war. Einem Intriganten, einem potentiellen Mörder und einem Feind der Föderation. John hatte die einmalige Chance gehabt es seinem Widersache endlich heimzuzahlen und dennoch hatte er sich vor der gesamten Mannschaft dafür eingesetzt diese Chance nicht zu nutzen. Erst jetzt wurde ihm bewusst, was dies bedeutete. Der alte Mann, der sich in den letzten Stunden und Tagen so großartig mit ihm verstanden hatte, der scheinbar ein so geläuterter Mann geworden war, würde bald wieder verschwunden sein. Am meisten beschämte es John, dass er Mitlied mit dem Verschwörer empfunden hatte. Durfte man seinen Feind bedauern? Bald, sobald die Therapie abgeschlossen worden war, würden sie beide sich wieder auf gegensätzlichen Seiten befinden.<br>Das Gesicht Jellicos drückte Freude aus. Er sprang von der Liege hoch, umarmte den Captain und meinte:<br>„Das sind ja großartige Neuigkeiten, mein Freund! Ich danke ihnen!“<br>Diese Worte fühlten sich wie Nadelstiche in Johns Herzen an. Er stockte.<br>„Was haben sie?“ fragte der Patient, dem diese Veränderung natürlich aufgefallen war. <br>„Sie haben mich eben einen Freund genannt.“<br>„Und dies sind sie auch? Seit meinem Erwachen haben sie sich so intensiv um mich gekümmert; ich kann ihnen dafür gar nicht dankbar genug sein.“<br>Doch Edward bemerkte, dass etwas nicht stimme. Die Augen des Kommandanten boten eine seltsame Mischung aus Wut und Trauer.<br>„Aber wir sind keine Freunde“, erklärte John Lewinski.<br>„Kennen wir uns denn? Ich habe die ganze Zeit über vermutet, dass sich unsere Wege schon einmal gekreuzt haben.“<br>„Ich versuche seit Jahren gegen sie zu ermitteln“, gestand der Captain schließlich. Zu groß war der Druck auf ihn geworden, er musste endlich die Wahrheit loswerden.<br>Es war dem alten Mann deutlich anzusehen, wie geschockt er über diese Entwicklung war. Mit diesen Worten hatte er ganz und gar nicht gerechnet.<br>„Wieso wollen sie gegen mich ermitteln?“<br>„Sie sind eine Gefahr für die Föderation...“<br>Weiter kam Lewinski nicht, denn er stockte. In dieser Situation konnte er einfach nicht weiter sprechen. Es lenkte auch viel zu sehr von dem eigenen Thema ab.<br>„Sie müssen sich entscheiden, ob sie sich behandeln lassen wollen oder nicht. Zwingen kann sie keiner von uns.“<br>„Noch vor wenigen Minuten war ich fest entschlossen mein Bewusstsein wieder zu erlangen und nun erzählen sie mir das hier“, murmelte Jellico nachdenklich. „Wir beide Feinde... damit hätte ich nie gerechnet. Ich habe unsere gemeinsame Zeit sehr genossen und ich wünschte, wir würden uns unter anderen Umständen kennen gelernt haben. Ich werde mich sofort behandeln lassen.“<br>„Und zu dem Mann werden, der schlechtes im Sinn hat...“<br>„Woher wollen sie das wissen??“ fragte Jellico traurig. „Woher wollen sie wissen, was meine Motive, was meine Ziele sind. Können sie mich überhaupt einschätzen. Und überhaupt: ich bin, was ich bin. Ich kann kein neues Leben in diesem Alter beginnen, ein Leben ohne Erinnerungen und Freunde. Ich bin Edward Jellico und ich werde es immer sein.“<br>„Es ist ihre Entscheidung“, entgegnete Captain Lewinski nachdenklich und erhob sich von seinem Stuhl. „Ich werde Dr. Frasier Bescheid sagen.“<br>„Ich bitte darum“, war der letzte Satz, den John von dem neuen Edward Jellico hörte. <br>Für einen kurzen Moment waren sie beide keine Widersacher gewesen. Eine viel zu kurze Zeit.<br><br>Das Casino, der Ort, der während der letzten Ereignisse der zentrale Handlungsort gewesen war, war nun feierlich gestaltet und geschmückt worden. Nach dem ganzen Stress gab es endlich einmal gute Nachrichten zu verkünden. Ausgewählte Offiziere hatten sich in dem Casino aufgestellt und richteten ihr Augenmerk auf drei Personen, die in der Mitte des Raumes in Reihe standen: die Fähnriche Miguel Sanchez, Salma Halek und Fähnrich Alex Bolder. Feierlich trat Captain John Lewinski nach vorne, er hielt eine Urkunde aus echtem Papier in der Hand und er lächelte den drei jungen Menschen zu. Es war ein feierlicher Moment, auf den sie lange genug gewartet hatten.<br>„Werte Gäste und Offiziere,“ begann der Kommandant der USS Monitor, „wir haben uns hier zusammengefunden, um drei verdiente Kameraden zu ehren, die schon seit langer Zeit auf unserem Schiff dienen und auf diesen Moment warten. Im Namen des Oberkommandos der Sternenflotte der Vereinigten Föderation der Planeten ist es mir eine besondere Ehre<br>Fähnrich Miguel Sanchez, Fähnrich Salma Halek und Fähnrich Alex Bolder in den Rang eines Lieutenants Junior Grade zu befördern, mit allen dazugehörigen Rechten und Pflichten. Gerade für Lieutenant Sanchez ist dies ein wichtiger Moment, da ihn diese Beförderung als neuen Chefingenieur der Monitor bestätigt. Ich habe keinerlei Zweifel, dass er der großartigen Tradition von Chief Woil und Chief O´Brien folgen wird.“<br>Unmittelbar im Anschluss an diese Worte klatschten die anwesenden Gäste und der Captain heftete den glücklich lächelnden Offizieren den zusätzlichen Rangpin an den Kragen. Nachdem der Captain zurückgetreten war, beugte sich Bolder zu seinem Freund Miguel und flüsterte ihm augenzwinkernd zu:<br>„Siehst du? Man muss nur lang genug warten können. Nun haste deine Beförderung.“<br>„Ja. Endlich, “ stimmte der Spanier zu, dessen Brust stolzgeschwellt war. Nun hatte er nach fünf Jahren sein Ziel erreicht: er war der verantwortliche Chefingenieur des Schiffes geworden, er würde die Verantwortung tragen. Um dieser Aufgabe so gut wie möglich zu entsprechen, würde er sein bestes geben. Dies schwor er sich.<br>Nach dieser kleinen Zeremonie begann der gesellige Teil des Abends. Getränke und kleine Häppchen wurden gereicht, die anwesenden Gäste bildeten kleine Diskussionsgrüppchen, in denen es vornehmlich um die neuen Lieutenants ging. Dr. Frasier suchte in der Gruppe der Anwesenden ihren Liebsten und trat auf ihn zu. Der Halbbetazoid stand etwas verloren in der Ecke und schien nachzudenken. Sein Gesicht hellte sich etwas auf, als er Elisabeth sah.<br>„Hi du, “ begrüßte er sie. „Ich hätte nicht gedacht, dass du nach dieser anstrengenden Behandlung noch die Zeit für diese Zeremonie aufbringen könntest.“<br>„Für gute Freunde schaffe ich alles. Und für die Menschen, die ich liebe, auch.“<br>Angesichts dieser Worte runzelte Matt die Stirn.<br>„Wie meinst du das?“<br>„Du solltest dir nicht so viele Sorgen machen, Matt. Die ganzen Dinge um uns herum geschehen und einige davon können wir nicht beeinflussen. Was am Ende zählt, ist unsere Liebe. Auch der Liebe deines Vaters kannst du dir gewiss sein. Ich habe das Interview mit Arsani gelesen und in Verbindung damit, wie wir diesen Mann kennen gelernt haben, denke ich nicht, dass er dich ausschlachtet. Ganz im Gegenteil, er steht in aller Öffentlichkeit zu dir und darauf solltest du stolz sein.“<br>„Vielleicht hast du recht“, entgegnete der erste Offizier, dem diese Worte gut taten.<br>„Was Selina angeht...,“ fuhr die Ärztin fort, „da habe ich auch das Gefühl, dass sich noch alles zum Guten wenden wird. Du wirst deine Tochter noch oft genug sehen, glaube mir... unsere Tochter.“<br>Angesichts dieser Worte lächelte der Halbbetazoid und er umarmte die Frau, die er liebte. Mit ihr, so hatte er das Gefühl, konnte er alles im Leben schaffen. Sie war es, mit der er den Rest seines Lebens verbringen wollte. Er konnte gar nicht genug dankbar dafür sein, dass sie ihn ebenfalls liebte.<br><br>Captain Lewinski selbst hatte sich recht früh von der Feier verabschiedet. Er hatte noch etwas zu tun, was ihm am Herzen lag. Als ob er magisch angezogen werden würde, begab er sich auf die Krankenstation, wo neben einer Sicherheitswache auch Edward Jellico auf einem Biobett lag. Der alte Mann hatte sich, gerade erholt von der Behandlung, im Bett aufgesetzt und las etwas. Als John in sein Sichtfeld kam, zeigte Edward nicht mehr einen Anblick der Freude, sondern der des Verstehens.<br>„Guten Abend, Captain Lewinski“, begrüßte der Verschwörer den Kommandanten und seine Stimme wirkte viel zynischer als vorher.<br>„Mr. Jellico, wie ich hörte, ist ihre Behandlung erfolgreich verlaufen.<br>Mit beiden Händen wuchtete sich der alte Mann vom Bett herunter und machte einige wacklige Schritte auf den Captain zu. Von ihm ging keine Gefahr aus, er wollte nur seinem Gegenüber in die Augen blicken können.<br>„Ja, ich habe mein Gedächtnis wieder vollständig erlang. Mein Dank gilt natürlich Dr. Frasier, deren Behandlung gewirkt hat.“<br>„Schön. Wir befinden uns auf dem Weg zur Erde, wo wir sie absetzen werden.“<br>Eigentlich hatten dies seine letzten Worte sein sollen. John drehte sich herum und machte Anstalten die Krankenstation zu verlassen, dem Ort, wo alles begonnen hatte, doch die Stimme Edward Jellicos hielt ihn auf.<br>„Captain, eine Sache wäre da noch!“<br>„Ja?“ fragte Lewinski misstrauisch und drehte sich noch einmal in Richtung seines Erzfeindes.<br>„Während meiner zeitweiligen Amnesie haben sie sich um mich gekümmert und mir geholfen. Ich habe nicht vergessen, was in dieser Zeit geschehen ist. Dafür haben sie meinen Dank.“<br>Diese Worte schienen Jellico leicht über die Lippen zu gehen, viel schwerer fiel es dem Kanadier zu erwidern:<br>„Gern geschehen.“<br>„Aber wieso haben sie dies getan? Sie hätten mich in meinem Zustand belassen können, allein und verloren. Dennoch kümmerten sie sich um mich. Wieso?“<br>Auf diese Frage wusste John Lewinski selbst keine richtige Antwort. Wie konnte man dies anderen Personen erklären? Es hatte sich mehr um ein Gefühl statt einer Erklärung gehandelt.<br>„Weil sie ein Mensch sind“, meinte der Captain schließlich. „Das unterscheidet uns von den Tieren: man hilft seinem Feind.“<br>„So denken sie immer noch über mich? Ich wäre ihr Feind?“ fragte der alte Mann enttäuscht.<br>„An dieser Einstellung wird sich wohl auch nie etwas ändern.“<br>„Dennoch möchte ich ihnen meinen Dank aussprechen, dafür, dass sie mir geholfen haben. Und auch wenn sie denken, dass ich nicht zur Milde fähig wäre, so mache ich ihnen ein Geschenk: in Zukunft werde ich ihr Leben unangetastet lassen.“<br>Diese Worte schockten John, obwohl sie nicht unerwartet kamen. Meinte er dies ernst?<br>„Ist dies ein Geständnis, dass sie versucht haben mich zu töten?“<br>„Ich gestehe gar nichts“, entgegnete Jellico generös. „Ich verspreche ihnen nur, dass sie am Leben bleiben werden.“<br>Mehr wollte John nicht hören. Die letzten Ereignisse waren ihm wie ein zynischer Witz des Universums vorgekommen. Er flüchtete fast schon panisch aus der Krankenstation und wurde sich klar, dass es abermals in dieser Runde zwischen ihm und Jellico nur ein Unentschieden gegeben hatte. <br><br>Der Türsummer riss ihn wieder aus den Gedanken, die sich seither nur um dieses Gespräch mit Jellico drehten.<br>Schnell sammelte sich Lewinski wieder und erteilte der Tür den Befehl den Besucher den Eintritt in den Bereitschaftsraum zu gestatten. Wie erwartet sah der Captain dann Matt Price dort stehen.<br>„Sie wollten mich sprechen Skipper?“, fragte Matt freundlich.<br>„Ja Matt, setzen Sie sich“, antwortete Lewinski und deutete auf den Stuhl vor dem kleinen Schreibtisch.<br>Matt setzte sich und spürte sofort, dass etwas nicht stimmte. Lewinski hatte seinen Kopf in die Handflächen gestützt und atmetet schwer.<br>„Stimmt etwas nicht?“, fragte Price.<br>Lewinski nahm einen tiefen Atemzug und lehnte sich zurück. „Sagen Sie mir, dass wir das Richtige gemacht haben.“<br>„Sie haben Zweifel?<br>Wieder seufzte er und überdachte dabei seine Frage und seine Antwort. „Nein, eigentlich nicht. Zweifel ist wohl das falsche Wort.“<br>„Auf was wollen Sie hinaus?“<br>„Ich will...“, Lewinski hielt inne und atmete schwer. Verzweifelt versuchte er tief und gleichmäßig zu atmen. Doch es half nichts.<br>„Mit Ihnen stimmt doch was nicht. Skipper, was ist los?“, fragte Price, dem natürlich aufgefallen war, dass Lewinski Schmerzen hatte. Dazu der schwere Atem, der Schweiß auf seiner Stirn, der plötzliche bleiche Gesichtsausdruck.<br>„Es ist nichts... es geht gleich wieder“, wich Lewinski aus. Doch damit belog er sich nur selbst. So schlimm waren die Schmerzen noch nie gewesen.<br>Matt entschied jedoch anders. Er stand auf und trat neben seinen Captain. „Es geht nicht Skipper. Ich bringe Sie jetzt auf die Krankenstation.“ Er ließ seinen Worten Taten folgen und hievte Lewinski aus dem Stuhl. Zuerst wollte sich dieser noch wehren, doch selbst zu einem kleinen Widerstand fehlte ihm die Kraft.<br><br>Doktor Frasier staunte nicht schlecht, als Matt Price die Krankenstation betrat und dabei John Lewinski stützte. Doch dieses Bild schüttelte sie sofort aus ihren Gedanken und widmete sich ihrem Patienten.<br>Im Hintergrund stützte sich Edward Jellico auf und beobachtete das Geschehen.<br>„Was ist mit ihm passiert?“, fragte sie Matt, während sie den Captain mit dem Tricorder scannte.<br>„Ich habe mit ihm gesprochen, da bekam er plötzlich Schmerzen“, antwortete Matt, der Lewinski geholfen hatte, auf eines der Biobette zu liegen.<br>Wo der Herd der Schmerzen lag war nicht schwer zu erkennen für die erfahrene Ärztin. Verkrampft hielt Lewinski seine Hand auf eine Stelle an seinem Bauch. Er war in der Zwischenzeit kaum mehr ansprechbar, so sehr wurde er von den Schmerzen in Anspruch genommen.<br>„Ich kann nichts erkennen“, berichtete die Ärztin, klappte den Tricorder zu und wandte sich an Matt. „Öffne seine Uniform.“ <br>Price tat wie geheißen und entkleidete den Oberkörper des Captains.<br>Frasier holte schnell einige andere medizinische Geräte aus einem der Schränke und trug sie auf einem Tablett zum Biobett.<br>Sie verabreichte Lewinski zuerst ein Hypospray. „Das ist gegen die Schmerzen, sie müssten sich gleich besser fühlen“, berichtete sie und sah, wie sich Lewinski auch gleich wieder etwas entspannte. Dann zog sie einen kleinen Schlauch aus der Wand und befestigte das Ende an Lewinskis Nase. Mit einigen Tastendrücken auf dem Display an der Wand aktivierte sie das System und verabreichte dem Captain Sauerstoff.<br>Sie leget darauf einige Messinstrumente auf Lewinskis Stirn und auch auf seine Brust. Die Daten wurden auf dem Bildschirm über dem Bett ausgegeben. Sie entnahm dem Captain dann auch noch eine Blutprobe, die sie sogleich vom Computer untersuchen ließ. Schließlich nahm sie noch ein etwas größeres Gerät zur Hand, an dessen Ende eine matte Konvexe Fläche war, die nach aktivieren des Geräts leicht rosa schimmerte. Sie hielt das Gerät direkt auf den Bauch des Captains und sah sich die Daten, die dieses Gerät ausgab auf dem Bildschirm an.<br>Schon nach wenigen Sekunden kam ihr ein erschreckender Gedanke.<br>„Captain, hatten Sie schon mal solche Schmerzen?“<br>Lewinski nickte stumm. Noch immer schwächten ihn die Schmerzen, die sich zwar etwas beruhigt hatten, ihn jedoch noch immer quälten und ihm jede Kraft raubten.<br>Ein akustisches Signal wies Frasier darauf hin, dass die Blutanalyse beendet war. Sie rief die Daten mit einem Knopfdruck auf den Schirm und sah sich die Werte an.<br>Sie ließ schon nach wenigen Moment mit dem anderen Gerät von Lewinski ab und ging in die Hocke. So konnte sie Lewinski direkt in die Augen sehen, der inzwischen seinen Kopf müde zur Seite gelegt hatte.<br>„Sir, es bestehen mehrere Möglichkeiten für den Grund ihrer Schmerzen, jedoch weiß ich ja über ihren Vater Bescheid. Demnach nehme ich an, dass es antallianischer Krebs ist.“<br>Geschockt rang Lewinski um Fassung. Doch es gelang im nicht lange. Schon nach wenigen Sekunden rannen ihm einige Tränen über die Wangen.<br>„Haben Sie mich verstanden Sir? Es ist antallianischer Krebs. Ich überweise Sie in die Sternenflottenklinik auf der Erde. Dort können Sie eingehend untersucht werden“, wiederholte Frasier und sah dabei nur, wie Lewinski erneut stumm nickte. Sie richtete sich daraufhin auf und suchte Trost in Matts Augen. Doch auch er war von der Situation mitgenommen. Denn von den Gefühlen, die er von Lewinski empfing, dieser Mischung aus Angst, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit, konnte er sich nicht abschirmen. Er wollte es auch nicht.<br>Lewinski entdeckte jetzt Edward Jellico, der zu ihm vom anderen Biobett sah und nun Augenkontakt mit ihm herstellte. Sein Gesicht bildete den selben arroganten Ausdruck, den er immer trug. „Es scheint, als bräuchten Sie mich gar nicht um zu sterben“, flüsterte Jellico. Doch Lewinski verstand die Worte.<br>Er verstand das Urteil, dass ihm zuteil wurde.<br>Er schloss die Augen und gab sich der Dunkelheit hin.<br>Und zum ersten Mal überhaupt zog sein gesamtes Leben an ihm vorbei.<br><br><br><center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/promo_6x09-10.jpg"></center><br><br><center>DER FREMDE<br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR<br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center>]]></description><guid isPermaLink="false">5259</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 6x07: Bestimmung</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-6x07-bestimmung-r5213/</link><description><![CDATA[<center><b>PDF-Download!</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_33865.html"><img border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x07.jpg"></a><br>Monitor 6x07 "Bestimmung"<br>Dateityp: zip<br>Größe: 0.26 MB<br></center><br><br><br>Die Sonne stand bereits hoch im Zenit, als er barfüßig im Schutze der Schattenspendenden Baumkronen durch das Geäst spähte und sich den beschwerlichen Weg zum Ort seines ‚Erwachens’ bahnte, wie seine junge Ehefrau Christine diesen auf metaphorische Weise gern nannte.<br><br>Es war nichts bei ihm gefunden worden, als die Exobiologen ihn auf einer altmodischen Pritsche aus dem dichten Dschungel ins nächst gelegenste Dorf getragen hatten. Keine Identitätskarte, nur wenige persönliche Gegenstände und eine mächtige Wissenslücke waren ihm geblieben! Mal abgesehen von seinen zahlreichen Schürfwunden hatte er eine Prellung am Kopf davongetragen, die für sein Blackout verantwortlich zu sein schien. Die Ärzte der Sternenflotte hatten ihm eine baldige Wiederherstellung seines Gedächtnisses prognostiziert – doch diese hatte sich auch nach sechs Monaten noch immer nicht eingestellt!<br><br>Heute war er verheiratet, hatte eine schwangere Ehefrau in der wissenschaftlichen Fakultät der Sternenflottenakademie und würde in fünf Monaten Vater seines ersten Kindes werden...oder würde es bereits sein zweites sein? Niemand würde ihm dies beantworten können, niemand außer ihm selbst...und dieser idyllische Ort würde ihm dabei helfen.<br><br>Nahezu jedes Wochenende kamen er und Fähnrich ‚honoris causa’ Christine Ravel, seine bessere Hälfte, zu diesem Teil der Erde, damit er sich wieder und wieder dorthin begeben konnte, wo sie ihn bewusstlos während einer Truppenübung der Sternenflottenakademie gefunden hatte.<br><br>Sie hatte hart gearbeitet und wurde befördert nach einiger Zeit – er hatte stundenlang meditiert und im Gegenzug einen Teil seiner Erinnerungen zurückerlangt: Es war ein Gesicht, mehr der Ausschnitt eines Gesichtes – ein markantes Augenpaar. Dazu ein Name – kein Name einer Person, mehr ein Gegenstand! Ein Tastenfeld, eine Konsole vielleicht – vielleicht eine Art Monitor...<br><br>„Harry?“, vernahm er die rufende Stimme seiner geliebten Christine irgendwo in seiner Nähe und öffnete breit lächelnd seine Augen. Es gab neue Erkenntnisse...!<br><br>„Harry“, wiederholte der Fähnrich den provisorischen Ersatznamen ihres Mannes, „komm endlich zurück ins Lager, du bist jetzt seit drei Stunden hier draußen!“<br><br>Außer sich vor Freude sprang er auf und schloss seine Gattin vor Eifer in die Arme. Wiederholt drehten sie sich lachend umeinander und spazierten Minuten später auf dem Wanderpfad zurück ins Touristencamp.<br><br>„Sag mal, welcher Teufel hat dich denn bloß geritten?“, fragte Christine ihren Traummann, nachdem sie ihr ‚Wochenendapartment’, eine historisch nachempfundene Eingeborenenhütte, von innen verschlossen hatte.<br><br>„Pack unsere Sachen zusammen“, antwortete Harry ihr schnell atmend und setzte sich vor ein portables Terminal, „wir lassen uns noch heute nach San Francisco beamen! Computer, Kommunikationsverbindung mit dem Touristenservice für interne An- und Abreisetransporte aufbauen!“<br><br>„L-Cars versucht Verbindung aufzubauen, bitte warten...!“<br><br>„Du willst bitte wohin?“ Die junge Exobiologin  verschränkte ungläubig die Arme – so diffus hatte sie Harry seit dem Tag ihres ersten Zusammentreffens nicht mehr erlebt.<br><br>„An die Westküste, ich muss unbedingt ins Sternenflottenhauptquartier – ich spüre es, Christine!“<br><br>„Ich hab zwar keine Ahnung, warum du das willst, aber wenn es daran liegt, dass deine Erinnerungen zurückkehren...dann bin ich schon ganz scharf darauf, mit dir dematerialisiert zu werden!“<br><br>Zärtlich umarmte Harry seine verständnisvolle Seelenverwandte. „Etwas anderes“,  flüsterte er liebevoll in ihr Ohr, „hätte ich auch nicht erwartet, Liebling!“<br><br>„Verbindung mit Touristenservice hergestellt, unsere Mitarbeiter werden sich gerne um Sie kümmern...“<br><br><br>Computerlogbuch der Monitor <br>Captain Lewinski<br>Sternzeit ?????,?. <br><br>Nachdem wir unsere letzte Mission im Briar Patch ohne nennenswerte Verluste bewältigt haben, hat sich diese Crew eine kleine Pause verdient – Die Monitor wird abgelegen der Utopia Planitia Flottenwerften generalüberholt und hat mit einer Notoperationscrew an Bord an ein getarntes Trockendock angedockt. Aufgrund des ausgedehnten Metaphasen-Tarnschirms der Reparaturstation, bleibt unser eigener bis auf weiteres deaktiviert. Unter anderem sollen Transportertechnik und Brückenkontrollen optimiert werden, um das Agieren der Mannschaft bei Gefahrensituationen schneller und einfacher zu gestalten. Bei dieser Gelegenheit werde ich versuchen zu veranlassen, dass unser Holodeck über ein weiteres Quartier ausgedehnt wird. Hoffentlich wird nach der Erweiterung mehr möglich sein, als sich einmal darin um sich selbst zu drehen! Was den Aufenthalt der Mannschaft betrifft – sämtliche Crewmitglieder erhielten den Befehl sich von der Station fern zu halten und den Sektor 001 nicht zu verlassen. Binnen einer Woche erwarten Commander Price und ich sie jedoch alle gesund und munter zurück. <br>Unterdessen muss ich von einer traurigen Entwicklung berichten. Vor wenigen Minuten kam Chief Miles O´Brien in mein Büro und berichtete mir von seinem Entschluss das Schiff verlassen zu wollen. Zu schwer sei für seine Familie die Trennung und die letzte Begegnung mit den Romulanern hat ihm mehr als deutlich gemacht, wie gefährlich die Arbeit auf unserem Schiff ist. Ich schätze O´Brien nicht als Feigling ein und kann seine Beweggründe sogar verstehen. Der Chief hat über zwanzig Jahre lang alles für die Sternenflotte gegeben, also wäre es auch in seinem Recht, dass er auch einmal etwas zurückerhalten würde. Natürlich wäre es mein Recht gewesen seinen Wunsch abzulehnen, doch dies habe ich nicht getan. Seine Familie braucht ihn und daher habe ich seinen Antrag bewilligt. Wir gaben uns ein letztes Mal die Hand und er empfahl Fähnrich Miguel Sanchez zu seinem Nachfolger zu ernennen. Da mag der Ire wohl Recht haben, Sanchez ist ein guter Mann, der schon lange auf seine Beförderung wartet. <br>Ich werde mich mit dieser Frage später befassen. Nun bleibt uns allen nur noch dem Chief bei seinem weiteren Lebensweg Glück zu wünschen…<br>Logbucheintrag beenden!<br><br>„Klopf, klopf! – Darf ich reinkommen?“ Es war Commander Price, der sich zwischen die zwei halb geöffneten Türhälften des Bereitschaftsraums gelehnt hatte, welche aufgrund der deaktivierten Elektronik an Bord funktionsuntüchtig waren.<br><br>„Wenn ich ‚nein’ sage, tun Sie’s trotzdem, also bitte nehmen Sie doch Platz!“<br><br>Matt zwängte sich in den von der Sonne erhellten Raum, während der Captain das Diktiergerät für sein Audiologbuch bei Seite legte. Aus dem Sichtfenster erkannte man die Planetenoberfläche des Mars, dessen schimmernde Einzigartigkeit wie ein gerahmtes Kunstwerk an einer kahlen Wand wirkte.<br><br>„Wirkt irgendwie größer, wenn sie erst mal leer ist...“<br><br>Skeptisch blickte Lewinski von der Schreibtischoberfläche auf und sah betrübt in das Gesicht seines ersten Offiziers. „Seltsam“, sagte er, „ich fühle mich, seit wir hier sind, eher beengt, als dass Sie es wahrnehmen, Commander.“<br><br>„Sicher ist es die Dunkelheit in den Korridoren, die uns so fühlen lässt – sie beschränkt unsere Wahrnehmungen oft nur auf das, was wir sehen können.“<br><br>„...und wenn man wie Sie die Dinge emphatisch erfassen kann, sieht man eben mehr als andere.“<br><br>„Nicht unbedingt“, erwiderte der Halbbetazoid, „denn wenn sich niemand in jener Dunkelheit befindet, kann ich auch niemanden wahrnehmen!“<br><br>„Wenn“, wiederholte der Kommandant die Worte des gescheiten Mannes. „Commander, Sie brauchten als Kind wohl nie Angst zu haben vor Monstern unter dem Bett! – Hätte es welche gegeben, hätten Sie sie gespürt.“<br><br>„Ich habe als Kind vor ganz anderen Dingen Angst haben müssen, Skipper! Über ‚Monster unter dem Bett’ hätte ich mich vergleichsweise gefreut!“<br><br>Indem er sich abrupt von seinem Schreibtisch erhob, brach Lewinski die düstere Atmosphäre und deutete auf den verdunkelten Ausgang, der geradewegs durch das verlassene Schiff  führte.<br><br>„Entschuldigen Sie, Matthew, dass ich Ihnen keine Erfrischung anbieten konnte! Dies war eine... interessante Unterhaltung, doch ich denke, es ist langsam an der Zeit den Kommandanten der Station zu begrüßen. Begleiten Sie mich zur Andockschleuse?“<br><br>„...Und verpasse die ganze Spannung, wenn in einer Stunde sämtliche Brückenkontrollen neu programmiert werden?“, fragte der erste Offizier mit einem sarkastischen Unterton.<br><br>Erleichtert fuhr der Captain seinen Arm aus und fasste Matt eindringlich an dessen Schulter.<br>„Dann kommt Ihnen diese so genannte ‚Generalüberholung’ auch bloß wie ein schlechter Scherz vor?“<br><br>„Selbst schlechte Scherze sind dazu bestimmt lustig zu sein! – Dies jedoch grenzt viel mehr an einen Komplott: Unsere Transporter arbeiten effizient, die Brückenkontrollen sind einwandfrei zu bedienen und selbst den beschädigten Schildemitter konnten wir vor unserer Ankunft reparieren.“<br><br>Die beiden Offiziere durchstreiften gemächlich die spärlich beleuchteten Korridore der Monitor. Irgendetwas stank gewaltig und Price würde alles daran setzen, herauszufinden, was es war!<br><br>„Betreten wir diese Station“, befahl ihm sein vorgesetzter Offizier energisch, „und bringen wir ein paar Leute zum Reden!“ Dann öffnete er die Schleuse manuell.<br><br><br>Eine eher spartanisch eingerichtete Aussichtslaunch zierte den Andockbereich der Station. Sie war mit vier weiteren Korridoren verbunden, von denen einer zu einer verspiegelten Glastür führte. Von dieser aus wiederum gelangte man in die ‚sensibleren’ Räumlichkeiten des Reparaturdocks. Um darin vordringen zu können, benötigte man allerdings den betreffenden Passiercode, der nur bestimmten Mitgliedern des Geheimdienstes vorbehalten blieb. Sowohl der Captain als auch Matt besaßen jene Berechtigung.<br><br>In ‚offiziellen’ Kreisen des Sfi war die getarnte Station als Raumdock für spezielle Starfleetschiffe bekannt, um Reparaturen und Überprüfungen an ihnen durchzuführen, von denen Außenstehende nichts zu erfahren brauchten. Inoffiziell jedoch (selbst in den eigenen Reihen) handelte es sich sozusagen um den ‚toten Briefkasten’ des Geheimdienstes der Sternenflotte.<br><br>Wenn also ein Grund bestand, warum die Monitor zu den Flottenwerften beordert worden war, dann wohl nicht aufgrund einer Generalüberholung...<br><br>„Was auch immer die uns sagen möchten, es muss sich dabei schon um etwas verdammt wichtiges handeln!“ Commander Price übertrat jene Türschwelle, die ins ungewisse Innere der Station führte.<br><br>„Es war gewiss zu riskant, sich direkt mit uns in Verbindung zu setzen“, vermutete Lewinski und trat neben ihn,  „Wir werden das Büro des Kommandanten aufsuchen – ich möchte Antworten haben, und ich möchte sie schnell!“ <br><br>Nachdem die Tür sich wieder geschlossen hatte, blieb es einige Sekunden lang totenstill.<br><br>„Captain Jonathan Lewinski, Commander Matthew Price!”, dröhnte plötzlich eine scharfe Stimme aus dem blaulichtgefluteten Bereich vor den genannten Personen. „Wir haben Befehl, Sie beide zur Kommandoebene zu eskortieren. Bitte begeleiten Sie uns!“ Nach und nach zeichneten sich fünf schwarz uniformierte Silhouetten von ihrer fluoreszierenden Umgebung ab. Ein bewaffneter Sicherheitstrupp trat aus der blendenden Sphäre und bezog Stellung vor den Geheimdienstoffizieren.<br><br>‚Vermummtes Sicherheitspersonal’, dachte Matt sarkastisch, ‚auf einer Metaphasengetarnten Station des Geheimdienstes!’ Er empfing keinerlei Emotionen des ungewöhnlich jungen Kampftrupps - weder Stress, noch Aufregung zeigten sich in ihren Empfindungen. Nur intensives Pflichtbewusstsein konnte der Halbbetazoid in ihren Idealen vermuten. Zu welchen Maßnahmen hatte Starfleet Intelligence bloß gegriffen? Hier taten halbwüchsige Geheimdienstler ihren Soll, die vielleicht niemals eine Familie gründen würden, wenn die Flotte sie derartig auf Karrierefang trimmte.<br><br>Nicht ein Wort wurde gewechselt, während die Gruppe treppenähnliche Vorrichtungen passierte, wobei der Führer der Einheit sämtliche male von Zielerfassungsscannern überprüft wurde. Kraftfelder deaktivierten sich – wurden jedoch unmittelbar hinter ihnen wieder aufgebaut. Auf Turbolifte hatten die Ingenieure aus Sicherheitsgründen verzichtet. Zu riskant schien dem Geheimdienst die Gefahr einer Manipulation der komplizierten Mechanik gewesen zu sein.<br><br><br>„Liebe Besucher“, erklang eine sanfte Stimme aus den Komm-Lautsprechern der Starbase 173, „wir heißen Sie herzlich willkommen in den Utopia Planitia Flottenwerften der Sternenflotte! Über Ihre Datenports können Sie alle Informationen über die interessante Geschichte unserer Werften nach Belieben aufrufen und studieren. Wünschen Sie nähere Erläuterungen zu den einzelnen Bereichen unserer Station, werden unsere Mitarbeiter Ihnen gerne weiterhelfen! Um an der Holo-Tour teilzunehmen, drücken Sie bitte auf den Button ‚Emitter on’...“<br> <br><br>„Jetzt mach schon!“, drängte Arena ihren Ehemann und riss ihm den Datenport dabei fast aus der Hand. Ardev seinerseits hatte absolut keine Lust verspürt sie auf diesen überflüssigen Trip zu begeleiten! Wo lag der Sinn? – Er war Mitglied des Geheimdienstes, wenn er Einrichtungen der Föderation besuchen wollte, brauchte er das nicht in der Touristenklasse zu tun!<br><br>„Schon gut, schon gut! – Kannst du mir mal verraten, was mit dir los ist? – Komm wieder runter!“<br><br>„Entschuldige, Darling, aber wie oft kommt es schon vor, dass wir beide zur gleichen Zeit Landurlaub bekommen? – Ich habe nicht vor, diese Seltenheit mit Rumgammeln zu verschwenden!“<br><br>„Verstehe...Darling, aber ich definiere Landurlaub nun mal mit ‚Land’ und ‚Urlaub’ - und nicht mit ‚Weltraum’ oder ‚Arbeit’ oder ‚Arbeit im Weltraum’! <br><br> <br>Schließlich nahm Arena den Datenport doch an sich und schlang triumphierend ihre Arme darum. „Du weißt genau, wie wichtig der Journalismus mir ist!“<br><br>Dies wusste der Andorianer tatsächlich! Es hatte seine Ehefrau hart getroffen, als vor mehr als einem Jahr ihr geliebter Bruder Reno Tellom bei einer Geiselnahme getötet worden war. Wochenlang war die Terellianerin apathisch geblieben, bis sie sich eines dienstfreien Nachmittags ein Herz gefasst und den damaligen Katastrophenbericht eines gewissen Mr. Jake Siskos auf Anraten von Dr. ‚Gesangstherapie’ Frasier überflogen hatte. Es schien, als hatten dessen geschriebene Worte nicht nur Arenas alte Lebenslust wieder hergestellt, sondern auch ihre Faszination am Journalismus erweckt...<br><br>„Wie bitte, seit wann denn das?“, tat Ardev, als wüsste er nicht, wovon Arena sprach.<br><br>„Seit ich vor vier Tagen auf der McKinley-Station eine äußerst interessante Kolumne gelesen habe.“<br><br>Genervt verdrehte Ardev die Augen: Vor vier Tagen hatten sein Frau und er eine heftige Auseinandersetzung wegen dieser Sache gehabt und er war nicht besonders scharf darauf, dass jenes Szenarium sich wiederholte! <br><br>Das Rechtswesen war seit Anbeginn seiner Existenz eine umstrittene Sache gewesen und mit zunehmenden Rechtsgebieten wurde es ständig komplexer. Im ‚Emancipation of the 24th Century’ hatte das Thema der letzten Ausgabe ‘Rechtsstellung künstlicher Intelligenzen’ gelautet. Das vierteljährig erscheinende, virtuelle Magazin (in wenigen Tagen würde die aktuelle Version herausgegeben werden) hatte sich unter anderem mit funktionsfertigen Miniaturrobotern namens Exokompen und einem vom Gesetz der Sternenflotte gleichberechtigten Androiden befasst. Besonders aber war Arena die Kolumne eines Arztes ins Auge gefallen – kein gewöhnlicher Mediziner, sondern das Medizinisch Holographische Notfallprogramm Mark I von der sagenumwobenen Voyager. <br><br>Das Schreibbegabte Hologramm hatte das junge Herz der Terellianerin so sehr erweicht, dass sie beschlossen hatte, sämtliche seiner Publikationen zu erwerben und sich über die Rechtsstellung photonischer Wesen eingehend zu informieren. Sie hatte bereits erfahren, dass eine beträchtliche Anzahl der holographischen Ebenbilder Lewis Zimmerman’s zu niederen Arbeiten in Erzanlagen eingesetzt wurden. Doch mit dieser abscheulichen Tatsache allein hatte sich die Wissenschaftschefin der Monitor nicht abgefunden. Binnen der nächsten Tage würde sie dem Rest der Welt demonstrieren, zu welchen Dienstleistungen jene komplexen Geschöpfe außerdem missbraucht wurden – ein Exklusivinterview genau hier würde nicht nur alle Missverständnisse ausnahmslos aufklären, sondern vielleicht sogar Arenas Sprung in den modernen Journalismus bedeuten...<br><br>Voller Eifer aktivierte Arena den Emitter. Wie sie erwartet hatte, baute sich die holographische Gestalt neben ihr und ihrem Ehemann auf. Sie trug einen gräulich-gelben Overall mit dem Logo der Flottenwerften darauf, war teilweise kahlköpfig und glich exakt seinem Doppelgänger von der Voyager. Mit seinem generierten, italienischen Lächeln begrüßte das Hologramm wie selbstverständlich die fremden Besucher:<br><br>„Willkommen auf Utopia Planitia – Wünschen Sie eine Führung?“<br><br><br>Die Korridore auf der Station schienen kein Ende zu nehmen, immer wieder bog die Gruppe in Nebeneingänge ein und bahnte sich den Weg ins ungewisse Dunkel. Sie mussten bereits seit vier oder fünf Minuten unterwegs gewesen sein, denn die Müdigkeit in ihren Gliedmaßen war merklich spürbar. John konnte es sich nicht erklären, jedoch kam es ihm so vor, als gingen sie schon zum x-ten Male an ein und derselben Kreuzung entlang, was wohl daran lag, dass sämtliche Bereiche um sie herum nahezu identisch aussahen.<br><br>Endlich erreichten sie etwas, was wir eine massive Schleuse aussah. Sowohl der Captain, als auch sein erster Offizier konnten sich denken, worum es sich dabei handelte: Das Büro des Kommandanten jener streng geheimen Station. <br><br>„Sie brauchen nur den Auslöser zu betätigen – dann wird man Ihnen öffnen.“ Mit diesen Worten machte der Gruppenführer kehrt und veranlasste seinen Trupp, ihm im Laufmarsch zu folgen. Das ganze erinnerte Matt jedoch eher an eine miserabel einstudierte Tanzchoreografie, als an den planmäßigen Abgang einer Eskorte.<br><br>„Ich weiß, wie man anklopft!“, zischte John indessen mit einem beißenden Unterton auf der Zunge und presste ungeduldig auf den leuchtenden Button.<br><br>Als die offensichtlich gepanzerte Eingangstür daraufhin seitlich in den Tragewänden verschwand, betraten die beiden Offiziere sozusagen die ‚Postannahmestelle’ des ‚toten Briefkastens’ des Geheimdienstes. Eine farbige Frau Mitte vierzig saß armverschränkt auf ihrem Schreibtisch, dessen Arbeitsoberfläche mit Dutzenden von Datenpadds überseht war.<br><br>„Gentlemen, erlauben Sie mir, dass ich mich Ihnen vorstelle – Commander Alishia La Forge, ich bin die Kommandantin dieser Station. Ich möchte nur ungern um den heißen Brei herumreden und ich nehme an, Captain Lewinski, dass auch Sie schnellstmöglich erfahren wollen, warum Sie hier sind!“<br><br>„Damit liegen Sie verdammt richtig, Commander! Ich gehe nicht davon aus, dass eine Generalüberholung meines Schiffes der Grund ist.“<br><br>Geistesabwesend griff die autoritäre Frau nach einem der Padds und richtete es in das Blickfeld ihrer Gäste. Auf dem flachen Display war die Fotografie eines hell gelockten Mannes abgebildet.<br><br>„Damit liegen Sie verdammt richtig, Captain! – Sagt Ihnen der Name Harrison Ravel etwas?“<br><br>Konzentriert blickte Lewinski auf das relativ charmant aussehende Gesicht der auffällig schlanken Gestalt.<br><br>„Um ehrlich zu sein – nicht das Geringste!“<br><br>„Umso besser, diese Person existiert nämlich nicht!“<br><br>„Wie darf ich das bitte verstehen? Sie haben mir doch gerade sein Foto gezeigt...“<br><br>„Der Mann auf dem Padd leidet bereits seit Monaten an einer akuten Form der Amnesie, ausgelöst durch ‚psychisch bedingte Schutzfunktionen’ seines eigenen Gehirns. Fragen Sie mich nicht, wie genau diese vonstatten gingen – ich bin keine Neurologin...“<br><br>„Ein posttraumatisches Erlebnis?“, fragte Matt dennoch interessiert und unterbrach somit die Ausführungen der Kommandantin, welche daraufhin nur bestätigend nickte.<br><br>„Die Reaktion auf einen Shuttleabsturz nahe dem Rio Negro in den Vereinigten Südstaaten.“<br><br>Zwar war sich John immer noch nicht im Klaren darüber, aus welchem Grund sein erster Offizier und er der Tortur unterworfen worden waren, sich nun mittlerweile seit Tagen in den Mars Yards aufhalten zu müssen, doch ihm war bewusst, dass jener Mann etwas damit zu tun haben musste...<br><br> „War der Pilot allein unterwegs?“<br><br>„Nun, jedenfalls gehen wir davon aus. Es ist fraglich, ob ein möglicher Copilot das Shuttle vor oder nach dem Unfall verlassen haben könnte... denn das öffentliche Transfersystem in dieser Gegend ist mehr als rückständig.“<br><br>„Nun, das ist alles sehr interessant, Commander, aber...“<br><br>„...Was hat dieser Mensch nun mit Ihnen zu tun?! – Das sollten Sie ihn lieber selbst fragen, Captain! Er bewohnt zusammen mit seiner Ehefrau ein Quartier auf dieser Station.“<br><br>Erschöpft verdrehte Price die Augen, jetzt würden sie wieder minutenlang durch die Korridore irren...Wie schwer konnte es wohl sein, einen Transporter zu benutzen?<br><br><br>„Also wünschen Sie nun eine Führung oder nicht?“ Das zynische Hologramm begann seinen Gästen allmählich überdrüssig zu werden – Wenn diese Leute nicht hier waren, um sich von ihm über die geschichtliche Entstehung der wichtigsten Flottenwerften der Sternenflotte unterrichten zu lassen, wieso hatten sie ihn dann erst aktiviert?<br><br>Ungeduldig spitzte Ardev seine Fühler und spähte nach dem Datenport, mit welchem er die photonische Gestalt zurück in den Kernspeicher verfrachten wollte.<br><br>„Nein, vielen Dank“, sagte er und nahm diesen wieder an sich.<br><br>„Ja, liebend gern!“, widersprach Arena ihrem Ehemann jedoch energisch und blickte dem Hologramm enthusiastisch in die generierten, dunklen Augen.<br><br>„Könnten Sie beide sich wohl auch mal entscheiden? – Dieses Dock schließt für Besucher in nur drei Stunden! Wenn Sie weiterhin so lange brauchen, um sich einig zu werden, sollte diese Zeitbegrenzung knapp werden...!“<br><br>Arena, der die Barschheit in den Worten des Mannes nicht weiter aufgefallen war, holte indessen eine Art ‚Diktiergerät’ aus ihrer Handtasche hervor. Sie würde dieses Interview bekommen und für etwas mehr Gerechtigkeit in jener technikorientierten Welt sorgen, in der man fähig war, gefühls- und denkfähige Hologrammmatrizen zu programmieren.<br><br>„Doktor...ähm...verzeihen Sie, ich weiß gar nicht, wie ich Sie ansprechen soll...!“<br><br>„Ich bin eine von sechsundzwanzig holographischen Stationsführungseinheiten dieses Raumdocks und von insgesamt einhundertzwölf der Utopia Planitia Flottenwerften.“<br><br>„Ich kann Sie doch aber unmöglich ‚Stationsführungseinheit’ nennen – wie hört sich denn das an?!“<br><br>„Sie können mich auch gerne in Ruhe lassen und einfach wieder nach Hause gehen! – Eine Ersparnis meiner und Ihrer Zeit...!“<br><br>Während die Terellianerin sich weiterhin mit den makabren Sprüchen einer künstlichen Intelligenz abfinden musste, nahm deren Ehemann einen bequem gepolsterten Sitzplatz an der stationseigenen Bar ein. Ardev hatte Urlaub – und er würde ihn voll und ganz auskosten...<br><br>„Sir“, wies er einen jungen Barkeeper an, „bringen Sie mir Synthehol, und zwar reichlich!“<br><br>Der Bolianer lächelte verschmitzt bei dem Anblick des ermüdeten Andorianers. „Hologramm?“, fragte er den neuen Kunden, als wüsste er um die schlechten Umgangsformen der Führungseinheiten auf seiner Starbase.<br><br>„Hologramm!“, kam die zermürbte Antwort des Offiziers, der sich nun fixierend umsah: In jeder zweiten Ecke stand eines der photonischen Wesen und verärgerte offenbar nahezu jeden Besucher mit seiner spöttischen Art.<br><br>„...Ihr Name – Jubel demjenigen, der einen besitzt -  ist also Arena Tellom und Sie haben vor mich zu interviewen?!“ Die Einheit wölbte eine ihrer Augenbrauen.<br><br>„Ja, ganz Recht, und ich fände es großartig von Ihnen, sich für eine Audioaufzeichnung zur Verfügung zu stellen! Sehen Sie, ich schreibe nämlich für ein Rechtsmagazin...vielmehr habe ich vor für eines zu schreiben...und als mein Medium habe ich sozusagen Sie ausgewählt.“<br><br>„Ach tatsächlich?“ Augenscheinlich hatte Arena die programmierte Eitelkeit in der holographischen Matrix angeregt. Die ‚wandelnde Informationsbroschüre’ jedenfalls entsann sich zu einem Lächeln und massierte sich mit der zu einer Faust geballten Hand sein Kinngrübchen. „Selbstverständlich haben Sie sich mit mir einen anspruchsvollen Interviewpartner ausgesucht! – Sollten Sie also zwischenzeitlich meinen Ausführungen nicht folgen können, machen Sie bitte keine Anstalten, sich bemerkbar zu machen!“<br><br>Arena hatte den perfekten Interviewpartner gefunden! – Denn es sollte nicht weiter schwer werden, ein über die Maßen eitles Hologramm über sich selbst zu befragen...<br><br><br>Wenn interstellare Shuttlereisen langweilig waren, dann verkörperte der Aufenthalt in diesem Quartier die Mutter der Langeweile! Harry hatte es langsam satt, mit seiner schwangeren Ehefrau auf eine ‚Besenkammer’ beschränkt zu sein. Seit Tagen saßen er und Christine in diesem Musterhaus der Anspruchslosigkeit fest, in der das abwechslungsreichste Objekt in dem Zwölf-Quadratmeter-Zimmer der Replikator war. Der orangefarbene Licht-Touch, den der Mars ununterbrochen in den Raum warf, verursachte bei ihnen auf die Dauer Kopfschmerzen.<br><br>„Einen Tag... allerhöchstens zwei!“<br> <br><br>Gähnend legte Christine einige Prüfungsaufgaben bei Seite, welche sie zu bewältigen hatte, während sie sich von der wissenschaftlichen Fakultät der Akademie fern hielt. „Entschuldige, was meintest du?“, fragte sie ihren Gatten, den sie bis dato nicht weiter beachtet hatte.<br><br>„Ich meinte nur, wenn deine Kollegen nicht bald hier auftauchen, fliegen wir zurück zur Erde!“ <br><br>„Das sind ganz bestimmt nicht meine ‚Kollegen’! Was weißt du schon, in wie viele verschiedene Kernbereiche Starfleet heutzutage unterteilt ist?!“<br><br>Betrübt ließ Harry den Blick über das einzige Sichtfenster im Quartier schweifen. „Na ja“, sagte er depressiv gestimmt, „schätze, ich wusste es mal...!“<br><br>Plötzlich geschah das, worauf das Paar seit Tagen gewartet hatte: Das lang ersehnte Türsignal manifestierte sich endlich in ihren Ohren. Ob man sie nun von hier abholen würde? Sicher brächte man sie in einen abgeschotteten Raum, in dem Harry jener Person begegnen würde, der das mysteriöse Augenpaar in seinen Visionen zuzuordnen war. Doch wie mochte der Kommandant der U.S.S. Monitor reagieren, wenn er hörte, dass er möglicherweise das gezielte Opfer eines Kopfgeldjägers werden sollte...<br><br><br>Nachdem auch ihr zweiter Ruf unbeantwortet geblieben war, beschloss Commander La Forge die Tür manuell öffnen zu lassen. Hoffentlich hatte sie die beiden Bewohner des Quartiers nicht bei etwas ‚wichtigem’ gestört! „Miller“, wies sie den bewaffneten Crewman an, der sie und ihre Gäste durch die Korridore geleitet hatte, „verschaffen Sie uns Zuga...“<br><br>Das Zischen der auseinander fahrenden Türhälften unterbrach die kommandierende Offizierin, in deren Blickfeld die aufgeregten Ravels traten. Wer schon konnte von sich behaupten, mit waschechten Mitgliedern des Geheimdienstes zusammenzuarbeiten?! Nervös brachte Harry nicht mehr als ein bebendes „Lewinski...“ hervor, was den Captain dazu veranlasste, ihm die Hand zu reichen.<br><br>„Captain Jonathan Lewinski von der...“<br><br>„Monitor... ich weiß...“<br><br>Skeptisch tauschte John einen flüchtigen Blick mit Matt aus, der andeutungsweise seinen Kopf schüttelte. Scheinbar konnte er nicht sagen, ob der Mensch absichtlich etwas zu verbergen hatte oder ihm lediglich Erinnerungsfragmente fehlten.<br><br>Sekundenlang sahen die Männer sich in die Augen, wobei ihre schemenhaften Gesichter sich in den Pupillen des jeweiligen Gegenüber widerspiegelten – ein unangenehmes Schweigen untermauerte die düstere Atmosphäre, die sich erst durch die Worte Price’ allmählich wieder aufzulockern begann...<br><br>„Sie sind also der Typ, dessen Gedächtnis abhanden gekommen ist! Mr. ...?“<br><br>„Ravel, Sir...Harrison Ravel. Aber dies ist nicht mein richtiger Name, Sir.”<br><br>‚Vielleicht ein ‚Sir’ zu viel’, dachte John, dem das reservierte Verhalten des Namenlosen etwas bizarr vorkam - es passte so wenig zu seinem äußeren Erscheinungsbild.<br><br>„...und dies hier ist meine bezaubernde Ehefrau Christine!“<br><br>Gezwungenen lächelnd deutete Lewinski auf seine ‚Begleitung’: „Mein erster Offizier, Commander Price; Commander La Forge kennen Sie sicher bereits!“<br><br>„Meine Herren“, drängte letzt genannte in einem ernsteren Tonfall als zuvor, „ich denke, die Schmeicheleien wurden lange genug ausgetauscht – lassen Sie uns nun zum wesentlichen Teil unseres Zusammentreffens kommen!“<br><br>Mit einer bestimmenden Handbewegung veranlasste sie die Anwesenden ihr weiter durch die Gänge zu folgen, eingenommen Matt, der dem Ganzen augenrollend nachkam.<br><br>„Bitte hier entlang!“, wies Crewman Miller die Gruppe an und führte sie in einen halbrunden Konferenzraum, welcher mit seinen blinkenden Monitoren eher an die Überwachungszentrale einer Strafkolonie erinnerte, als an ein Besprechungszimmer. Nachdem sich die anderen an den vorhergesehenen Tisch gesetzt hatten, musste Miller den Raum verlassen und bewachte ihn zusammen mit einem Kollegen stattdessen vom Korridor aus – alles Weitere würde ihn nichts angehen. In seiner Position war man ja froh, wenn man neben dem aktuellen Dienstplan überhaupt etwas mitbekam!<br><br><br>„Mr. Ravel“, forderte La Forge das nervöse Wrack vor ihr so sanft als möglich auf, „erzählen Sie dem Captain die Geschichte so, wie Sie sie mir erzählt haben! Keine Sorge, Harry – Ich versichere Ihnen: Was auch immer in diesem Raum an Worten fallen wird, wird ihn auch nicht verlassen!“<br><br>Eine ganze Weile lang schwieg Harry, als hätte er Angst, seine Stimme würde sich, bei dem Versuch einen Satz zu formulieren, überschlagen. Tatsächlich traf jedoch zu, dass ihm nicht recht klar war, wie er die heikle Sache beginnen sollte...<br><br>„Sie werden sterben, John...!“<br><br>Ruckartig stieß Lewinski auf – er hatte durch den ersten Schock etwas eigenen Mundspeichel verschluckt, was einen unangenehmen Schluckauf mit sich führte. Prustend hielt er sich die geballte Faust vor den Mund und räusperte sich als Zeichen seines Verständnisses. Warum auch sollte die Vorhersage seines vorzeitigen Ablebens ihn aus der Fassung bringen...?!<br><br>„...wenn“, sprach Harry chronisch zitternd weiter, „nicht endlich ein paar mehr meiner verdammten Erinnerungen zurückkehren!“<br><br>Besorgt legte Christine die zuckende Hand ihres Gatten in die ihrige und umfasste sie behutsam, so als wäre sie zerbrechlich. „Ganz ruhig, Schatz...ganz ruhig!“<br><br>„Ich möchte Sie wirklich nicht drängen, Mr. Ravel – aber das müssten Sie mir schon etwas näher erklären! – Wie zur Hölle kommen Sie bloß darauf, dass ich sterben werde?“<br><br>„Captain“, fuhr der aufgewühlte Mann mit einem drückenden Schmerz in seinem Hals fort, „ich habe zwar keine Ahnung, woher ich es weiß, aber mir ist bewusst, dass Ihr Leben in Gefahr ist! – Vermutlich wurde sogar ein Kopfgeldjäger auf Sie angesetzt...oder so etwas ähnliches...“<br><br>„Etwas Ähnliches?“ Lewinski schüttelte ungläubig seinen Kopf. „Sie meinen also zu wissen, dass ein Killer dafür bezahlt worden ist, mich umzubringen? – Und woher? – Ich meine, waren Sie etwa dabei?!“ Wieder stieß er schluckend auf.<br><br>„Also ehrlich gesagt, Sir...ich weiß es nicht. Aber wie sonst hätte ich davon erfahren haben sollen? – Das Shuttle, in dem ich gefunden wurde, wies etliche Phaserverbrennungen an der Außenhülle auf. Möglicherweise war man mir gefolgt und hatte mich über der Erde abgeschossen.“<br><br>„Welcher Shuttletyp? Welche Kleidung trugen Sie, als man sie fand? – Irgendetwas, was Aufschluss über Ihre Herkunft geben könnte!“ Price schätzte die Situation folgendermaßen ein: Ein gravierender Verdacht, dass Skipper die nächsten Stunden nicht überleben würde, bestand nicht! War dieser ‚Harry’, oder wie auch immer er sonst heißen mochte, schließlich vor mehr als einem halben Jahr (!) abgestürzt...<br><br>Das Stichwort hatte die Kommandantin der Station ereilt. Diese aktivierte einen der Bildschirme und startete eine Art Diashow: Eine Reihe von Satellitenbildern bauten sich auf dem immensen Monitor auf. Sie zeigten die Absturzstelle des Shuttles in einer nahezu pixelfreien Auflösung.<br><br>Musternd ging Lewinski die einzelnen Überwachungsfotos Bild für Bild durch. Doch mit dem siebten hatte es sich dann auch schon getan: „Was denn, mehr haben wir nicht?“<br><br>Commander La Forge musste die offensichtliche Enttäuschung bestätigen: „Tut mir leid, Captain, das ist alles, was der Geheimdienst uns liefern konnte!“<br><br>„Was ist mit den Anflugaufnahmen? – Was mit den Daten der Annäherungssonden?“<br><br>Wieder schüttelte La Forge den Kopf: „Gar nichts! – Die Sonden haben nicht das Geringste aufgezeichnet! Es ist, als hätte sich dieses Shuttle niemals im Erdorbit befunden.“<br><br><br>„...da stand ich nun – einsam - meiner selbst unbewusst, wohin das Schicksal mich verschlagen hatte! Ich – ein Hologramm, dazu verdammt, mit seinen Hunderten, ebenfalls grandiosen Duplikaten auf die massiven vier Wände einer Raumstation beschränkt zu sein! Doch ein Wesen wie ich wusste sich der Not zu trotzen: Das Hologramm – die Matrix umgeschrieben - um ihr medizinisches Wissen betrogen – bewältigt seine Aufgabe mit äußerster Effizienz...“<br><br>Arena konnte es schlichtweg nicht mehr ertragen! – Seit Minuten philosophierte die holographische Gestalt nun schon über ein und dieselbe simple Frage hinweg: <br><br>‚Sind Sie sich bewusst, was Sie sind?’ <br><br>Leider wusste der Sprachpathos dies nur allzu gut und bewies, besonders was seine Abstammung anbelangte, detaillierte Kenntnisse über seine Herkunft...<br><br>„...ein Mann, dazu bestimmt Unwissende in die Klarheit zu führen – eine neue Führungseinheit ist geboren! Familien mit Kindern wird historisches Know-how vermittelt. Ich – die Verkörperung der Geschichte der Sternenflotte und der Födera...“<br> <br><br>„Jetzt hören Sie schon auf!“<br><br>So hatte sie sich ihren Landurlaub nun auch nicht vorgestellt: „Bitte, Sie...Sie Führungseinheit! Ich wollte doch nur ein Interview mit Ihnen führen und mir keinen umschweifenden Vortrag über ihre Lebensgeschichte anhören, die so tragisch nun auch wieder nicht ist! Die Bewohner von Avalon 3 müssen die Folgen eines schlimmen Krieges mit dem Romulanischen Sternenimperium bewältigen! Tagtäglich finden Attentate auf irgendwelche...Museen statt – und Sie beklagen sich über Ihre veränderte Matrix?“<br><br>„Was soll das heißen, sie wäre nicht tragisch?! – Ich wäre froh, besäße ich eine Lebensgeschichte!“ Der Stolz des Hologramms konnte angekratzter nicht sein! Bekümmert zog es sich an eines der Aussichtsfenster zurück und starrte beleidigt in die unendlichen Weiten des Universums, wobei es sich deprimiert mit sich selbst unterhielt, wie Arena zunächst glaubte: <br> <br><br>„Ich frage mich nur, was das für ein Leben ist, eingesperrt in diesem klobigen, tragbaren Emitter! Wie sie allesamt in Reihe und Glied an ihren sechsundzwanzig Haken hängen und Hand in Hand von Föderationsbürger zu Föderationsbürger weitergereicht werden. Mal wirst du aktiviert, dann wieder deaktiviert und am Wochenende vielleicht sogar zweimal...!“<br><br>Langsam wand sich die Einheit wieder dem Lieutenant zu und sah betrübt in deren glänzende Augen. „In den knapp drei Jahren, in denen ich hier in den Yards bisher arbeiten musste, und das sind immerhin 26280 Stunden, befand ich mich in lediglich 4380 davon im aktiven Zustand! Ich möchte, dass Sie mich deaktivieren und zurück an meinem ‚Haken’ hängen, offensichtlich wünschen Sie keine Führung...!“<br><br>„Ja, das wäre vielleicht das Beste!“, gab Arena energisch, doch verunsichert zu und suchte den betreffenden Button an ihrem Gerät. Mit einem gespielt höflichen „Danke“ drückte sie schließlich darauf und ließ die Gestalt ihres ‚Mediums’ darin verschwinden.<br><br><br>Seit Minuten schon saßen die fünf Personen im Konferenzraum, waren bisher jedoch nicht ein Quäntchen weiter gekommen. Die Rekonstruktion des Shuttleabsturzes hatte nichts Außergewöhnliches ergeben. Momentan war das Personal der Station damit beschäftigt, das Wrack in einem der Hangars auf die Herkunft seiner Phaserschleißen zu untersuchen. Natürlich hatte die Sternenflotte auf der Erde dies bereits vor mehr als einem halben Jahr getan. Doch für eine versprechendere Analyse waren die Mittel, die der Sfi hingegen zu bieten hatte, sehr viel ausgereifter: Auf quantenmolekularer Ebene würde man die verbrannten Außenschotte des Gefährts Atom für Atom abtasten. Die Ergebnisse der komplizierten Untersuchungsmethode allerdings würden frühestens in vierzehn bis fünfzehn Stunden vorliegen, so blieb Harry eine gewisse Galgenfrist, um sich weiterhin auf seine Rehabilitation zu konzentrieren. Der Stationscounselor hatte ihn dazu ermutigt in sich selbst zu gehen...wieder und wieder...und wieder. Es hatte rein gar nichts gebracht! – Sein monatelanges Meditieren in der abgeschiedenen Wildnis war weitaus effizienter gewesen, als das nervenaufreibende Herumhocken zwischen meterdicken Duraniumwänden im Vakuum.<br><br>Krampfhaft versuchte Christine sich mit aller Mühe an ihrer Stuhllehne festzuhalten. Würde sie loslassen, so wusste sie, sie würde definitiv aus ihrem Sitz fallen vor Müdigkeit! Die letzten Wochen waren sehr Kräfte zehrend für sie und das Baby gewesen. Seit dem Zeitpunkt, als Harry mit ihr nach San Francisco gebeamt worden war, hatte sich so vieles verändert...! Und sie war sich nicht sicher, wie lange sie diese Farce noch würde durchhalten können. Jedoch war ihr Ehemann so dermaßen zielstrebig in dieses Hauptquartier marschiert, dass nicht einmal der Sicherheitsdienst ihn davon hatte abhalten können, ungehindert bis ins Zentralbüro zu gelangen. Von dort aus war es ihm eine Leichtigkeit gewesen, sich Gehör für seine Angelegenheit zu verschaffen. Keine vierundzwanzig Stunden hatte es daraufhin gedauert, bis der Starfleet Intelligence sich eingeschaltet und das Paar sich auf jener Metaphasengetarnten Station wieder gefunden hatte. Es war alles aus Liebe geschehen, dass Christine sich dazu hatte hinreißen lassen ihren Harry zu begleiten und zu diesem Zwecke diese ‚Versetzung auf unbestimmte Zeit’ beantragt hatte. Doch allmählich tat sich die Frage auf, was für ein Mensch ihr Lebenspartner wohl gewesen sein musste, dass der Geheimdienst es für nötig befand sich einmischen zu müssen! Er war ja manchmal so...unnahbar.<br><br>„Mrs. Ravel“, erinnerte La Forge Christine daran, dass der Fähnrich ehrenhalber sich nicht allein im Raum aufhielt, „können Sie denn die Aussage ihres Mannes bestätigen?“<br><br>„Die...Aussage?“<br><br>„Haben sie eben etwa nicht zugehört, als er sagte, Sie hätten ihn als Erste entdeckt?“<br><br>Ob sie ihn als erste entdeckt hatte... Sie hatte sich damals von der Gruppe entfernt, um etwas zu verrichten, was keinen weiteren Aufschub zugelassen hätte – die angehende Exobiologin war unbemerkt hinter die Büsche verschwunden, hatte sich schnellstmöglich erleichtert und sich plötzlich vor dem rauchenden Wrack eines demolierten Shuttles wieder gefunden. <br><br>In ihrem Gedankenwandel wurde sich Christine schlagartig wieder bewusst, wo sie sich eigentlich aufhielt:  „Oh, bitte verzeihen Sie, Commander! Ja - ich kann sie bestätigen.“<br><br>„Wir müssen also davon ausgehen“, meinte Lewinski schroff, „dass absolut niemand etwas von dem Absturz des Shuttles, geschweige denn von seinem Piloten tatsächlich gesehen hat!“<br><br>„Bei allem Respekt, Captain, aber ich habe ihn doch gesehen!“<br><br>„Sie sahen lediglich eine bewusstlose Person auf der Shuttleluke liegen, Fähnrich – jedoch nicht, wie und ob sie das Shuttle wirklich gesteuert hatte.“<br><br>„Es scheint“, zog Matt den logischen Schluss, „dass Sie, Mr. Ravel, momentan wohl der einzige sind, der mehr über den Hintergrund dieser netten Geschichte weiß, als alle anderen.“ Welch peinliche Ironie, die sich nach den Worten des Emphaten wie Schall in alle Richtungen ausbreitete! Selbst wenn Harry etwas wusste, wie sollte er dies jemals wissen...?!<br><br>Während ihre Gäste sich in den folgenden Minuten nur sturschweigend gegenübersaßen, war Alishia La Forge etwas in den Sinn gekommen, was die aussichtslose Situation möglicherweise noch zum Guten wenden konnte: Schweigend betätigte sie die Schaltfläche einer nahen Konsole und rief einige vertrauliche Daten über einen gewissen Halbbetazoiden ab...<br><br><br>„Das war’s dann, wir können gerne gehen!“ Arena hatte sich also entschlossen, das Raumdock wieder zu verlassen, was ihr nach der Begegnung mit diesem Hologramm nicht mehr sonderlich schwer fiel. Mit verschränkten Armen stand sie abreisebereit hinter dem Rücken ihres blaublütigen Ehemannes und wartete auf dessen Reaktion. Vergebens.<br><br>„Wir können dann gehen, hörst du nicht?!“ <br><br>Doch Ardev war die Anwesenheit seiner Frau trotz beider funktionierender Fühler nicht aufgefallen. Wahrscheinlich deshalb nicht, weil der billige Fusel des bolianischen Barkeepers ihm zu Kopfe gestiegen war. Dabei hatte er immer gedacht, romulanisches Ale, und war es auch noch so mit Synthehol gestreckt, sei verboten...!<br><br>Mit lallender Stimme und über den halben Tresen gebeugt, unterhielt der Andorianer sich angeregt mit sich selbst: „...und ich frage dich, ist das Urlaub? – Wenn ich nach...Bildung verlange, kann ich auch...gleich zurück in die...Schule gehen, oder was! Ich will Sky...Skyjumping machen, so hübsch mit dem...Shuttle in den Orbit und zack zack mit ’nem Raumanzug zurück auf die Marsoberfläche...“ In seinem ‚aufschlussreichen’ Gespräch hatte Ardev den einen oder anderen schnell entleerten Becher umgestoßen. Bei dem kläglichen Versuch wenigstens einen davon wieder aufzurichten, entdeckte er sein verkommenes Spiegelbild in einer der dekorativen Glasfaserwände der Bar – Direkt hinter diesem blitzte ein ihm wohl bekanntes Augenpaar auf...<br><br>„Schatz, du hier? – Wie kommt’s?“<br><br>„Na prima, das hat mir gerade noch gefehlt! – Das Hologramm schwelgt in Selbstmitleid und mein eigener Mann säuft sich unter den Tisch.“<br><br>In diesem Moment bedauerte Ardev seine ‚leichte’ Trunkenheit bereits. Als er realisierte, wie sehr enttäuscht Arena zu sein schien, übernahm die Nüchternheit wieder die Oberhand über seinen Verstand. Immer noch leicht schwankend drehte er sich zu seiner Gattin um und fuhr ihr anteilnehmend über den Nacken, womit er der Terellianerin ein verhaltenes Lächeln abgewann.<br><br>„Na sag schon, was ist passiert?“<br><br>„Ist nicht so gelaufen, wie es vielleicht hätte sollen!“ Arena stand die gekünstelte Wut geradezu ins Gesicht geschrieben. „Kommst du?! – Wenn wir uns beeilen, bekommen wir vielleicht noch den 19 Uhr Transport zum Mars...“<br><br>Doch Ardev kaufte ihr die resignierende Masche nicht so recht ab. Er spürte, wie sehr die angehende ‚Journalistin’ gerade versuchte, vor ihm in Ausflüchte zu verfallen. „Wie, ‚ist nicht so gelaufen’? – Ja hat der Doktor das Interview denn vorzeitig abgebrochen?“<br><br>„Ich habe es abgebrochen! Mal abgesehen davon, dass er kein Arzt ist, sondern eine holographische...“<br><br>“Stationsführungseinheit – ich weiß, mein Schatz. Und wo bitte ist das Problem?“<br><br>„Er...es...“, stammelte Arena etwas unbeholfen, „das Hologramm war wohl einfach nicht der richtige Interviewpartner für mich.“ Zunehmend versteifte sie sich, warf sich zur Auflockerung ihre langen Haare über die rechte Schulter und errötete bei dem reglosen Anblick der Skepsis in Person: Den Moralapostel Ardev.<br><br>„Das kannst du von mir aus deinem ‚Verleger’ erzählen, aber mich verschone freundlicherweise damit!“<br><br>„Und das von einem Mann, der bis vorhin noch an der Flasche hing!“<br><br>„Tja, dem Anschein nach hing ich stärker an der Flasche, als du an deinem Interview!“<br><br>Er hatte ja keine Ahnung! Natürlich hatte Arena gewisse Erwartungen in die Befragung gesetzt. Wie bei jedem wirklich guten Journalisten waren ihre Vorbereitungen dazu mehr als vorbildlich gewesen – einleuchtend, dass sie sich mindestens genauso viel Engagement von ihrem ‚Medium’ erhofft hatte.<br><br>„Ich sage dir, warum du wieder nach Hause willst: Du dachtest, das Schreiben über irgendwelche Randgruppen liefe ständig nach demselben Schema ab – Dramatischer Aufbau, dramatischer Hintergrund, dramatisches Ende! Gib es doch zu, das Hologramm war dir zu langweilig.“<br><br>„Jetzt werde ich dir mal verraten“, konterte Arena erbittert und schlug mit der flachen Hand gegen die Spiegelscheibe, „warum mir gerade diese ‚Dramatik’ mächtig gegen den Strich geht!“<br><br>Fassungslos registrierte Ardev die gesprungene Glasfaserwand der Bar und den Bruchteil einer Sekunde darauf den blutenden Handballen seiner Frau. Hiermit war die Situation wohl eindeutig außer Kontrolle geraten! Sorgsam umfasste der Andorianer Arenas Handgelenk und musterte argwöhnisch ihre Verletzung. Mit dem Reise-Medkit, welches sich in einem ihrer Rucksäcke befand, würde er die leichte Prellung im Nu wieder beseitigt haben. Während er schweigsam in die Tasche griff, um nach dem praktischen Ding zu suchen, begann Arena, nicht ohne dabei den heftigen Schmerz zu überspielen, energischer denn je fortzufahren:<br><br>„Ich hatte mir erhofft, er wäre weniger weinerlich! Er ist so anders als der Doktor! – Ich habe all die Ideale vermisst, die dieser Mann in seiner Kolumne so faszinierend geschildert hatte! Und ich nahm wirklich an...ich nahm an...“ Ihre Gefühle schienen allmählich von Wut in aufrichtige Enttäuschung überzugehen und endeten schließlich in einer Erkenntnis:<br><br>„...die Hologramme auf dieser Station würden sie auch besitzen!“, vervollständigte Ardev den Satz seiner geliebte Frau, die er in jenem Moment mit einem Hautregenerator behandelte, „Was sie nicht tun.“<br><br>„Ich war mit der festen Überzeugung an die Sache rangegangen, sie würden von diesem Raumdock verschwinden wollen! – Dass sie sich nichts sehnlicher wünschen würden, als den Drang der Freiheit oder die Möglichkeit auf ein wenig Freizeitgestaltung. Stattdessen schwelgte dieses Hologramm in seinem Selbstmitleid!“<br><br>Langsam begriff Ardev. Es war Arena weniger um die Sensation gegangen, auch nicht um das wahre Bedürfnis der Hologramme, als viel mehr um die Idealvorstellungen einer einzigen halbglatzköpfigen, Opernliebenden  Person...<br><br>„Und was wirst du jetzt tun? – Abhauen, weil die Denkweise dieses Individuums dir gerade nicht passt?“<br><br>„Hatte ich eigentlich vor...!“, gab der Lieutenant verhalten zu, „Sähe ganz schön feige aus, was?“<br><br>Bestätigend nickte Ardev und blickte zögernd zu ihr: „Wo ist er jetzt?“<br><br>„Hängt am Haken...!“<br><br>„Na dann weißt du ja, was du zu tun hast“, beendete er von sich aus das Gespräch und wendete sich der mutwillig demolierten Wand zu, deren Schaden ihr aufgebrachter Besitzer, mit einer Holo-Kamera ausgestattet, längst schon inspizierte...<br><br><br>„Vergessen Sie’s! – Ich mache da auf gar keinen Fall mit!“ Matt weigerte sich bereits seit Minuten stur dagegen, als ‚Selenklempner’ missbraucht zu werden. Nachdem La Forge den verzweifelten Vorschlag gemacht hatte, Harrys Gedächtnis mit Hilfe Matthews Empathie zu neuer Frische zu verhelfen, versuchte sie nun beständig zwischen den beiden zu vermitteln. Ihrer leichtgläubigen Ansicht nach sollte es wohl ausreichen, sie in einem Raum gegenüberzusetzen; ein telepatischer Eingriff und schon konnte die Rehabilitation vonstatten gehen! Wenn es doch bloß so einfach wäre... Die Fähigkeit, vielmehr die Kunst, Gedanken zu lesen oder sie zu manipulieren, forderte ein Höchstmaß an Konzentration und Eigenentwicklung jener Gabe. Der Offizier des Sfi hatte dieses Privileg jahrzehntelang vernachlässigt! Es war wie eine Art komplexer Sprache, deren Linguistik man leicht verlernen konnte, wenn man sie eine längere Zeit lang nicht sprach. Erst litt die Aussprache, dann Teile der Grammatik und schließlich vergaß man sogar die Bedeutung einfachster Vokabeln! Dunkel erinnerte Matt sich an einen Wahrspruch seiner Großmutter, welche, immer wenn ihr Enkelsohn im Kindesalter auf ihren Schoß gekrabbelt war, die ganze Angelegenheit etwas anders dargestellt hatte: „Mein Junge“, hatte sie seinerzeit bedeutungsschwanger rezitiert, „Was dir einst hat in der Wiege gelegen, wurde dir für die Ewigkeit gegeben!“ Das mochte ja gut und gerne sein, doch nichtsdestotrotz war und blieb Matt doch nur ein Halbbetazoid, dessen empathische Fähigkeiten sich auf das Wahrnehmen emotionaler Schwingungen beschränkte. Einfachste Gefühle konnte er bestenfalls lesen; Wahrheit von Lüge, so weit es ihm möglich war, unterscheiden. Doch das, was die Kommandantin von ihm verlangte, war schlichtweg utopisch!<br><br>„Können oder wollen Sie es nicht verstehen, Commander? – Mein erster Offizier hätte gar nicht die Ambitionen, solch eine ‚Gedankenverschmelzung’ bei Mr. Ravel durchzuführen! – Oder sehen Sie etwa irgendwelche spitzen Ohren an seinem Kopf?“ Auch wenn er nicht recht wusste, warum, doch John hatte plötzlich das Gefühl gehabt, er müsse seinen...nun seinen Freund unterstützen. Dieser wiederum, von der unerwarteten Hilfe Skippers angenehm überrascht, bemühte sich unterdessen, sich eindringlich in die Situation eines namenlosen männlichen Menschen zu versetzen...<br><br>„Na ja“, wand der Empath sich schließlich nach reiflicher Überlegung an Harry, „einen Versuch wäre es immerhin wert oder was meinen Sie?“<br><br>Schlagartig fiel der Angesprochene aus einem ziemlich surrealen Tagtraum und verlor dabei unwillkürlich den Halt des Kopfes aus seinen zuvor aufgestützten Armen. Welches dumme Zeug hatte er da bloß wieder fantasiert? Nein, niemals! – Es war einfach zu diffus, als dass es wahr sein konnte! Harry beschloss, vorerst niemandem etwas von diesem neuerlichen Hirngespinst zu erzählen...so langsam häuften sie sich an und mit jedem weiteren davon verloren sie an Glaubwürdigkeit! Endlich realisierte er, dass der erste Offizier ihm ein Angebot gemacht hatte und reagierte dementsprechend erfreut: „Oh man, ich wäre Ihnen dafür ewig verbunden, Commander Price!“<br><br>„Nennen Sie mich Matt!“, erwiderte dieser die Dankbarkeit auf seine gewohnt lockere Art, „Und nun werden wir uns bemühen, auch Ihren Vornamen herauszufind...“ Auf einmal stockte Matthew und zog dabei etwas zu viel Sauerstoff in seine Lungen, was zu einem leichten Röcheln führte. Zwingend sah er seinem Gegenüber, von dem er gerade einen heftigen Emotionsschub empfangen hatte, direkt in dessen düstere Augen.<br><br>„Alles in Ordnung, Matt? – Haben Sie irgendetwas?“ Harry war sichtlich besorgt um das Wohlergehen des Geheimdienstoffiziers. Seine Aufrichtigkeit war unumstritten.<br><br>„Nein, nein - alles fein soweit!“, wies Matt die Besorgnis schnell von sich und versuchte das konfuse Gefühlsbündel zu entknoten: Liebe... Verlangen... Freundschaft... Verlangen... Ehrgeiz... Kummer... Unsicherheit.... Kummer... Trauer... Hass… Abneigung... Hass… Hass…Hass!<br><br>“Gibt es  Probleme, Commander?”, forschte La Forge abermals nach und ging Matt damit allmählich auf die Nerven! Wie konnte eine gestandene Frau ihres Formates nur derart kontrollsüchtig sein? Alles war fein! - hatte sie ihn akustisch nicht verstanden oder war sie vielleicht jene Art Mensch, der ständig das letzte Wort behalten musste? Wie sollte ihrer Meinung nach der weitere Verlauf dieser Mission aussehen? Was sollte eine weitere Analyse des Unfallshuttles schon hervorbringen? – Die Waffensignatur, mit der es vom Himmel geschossen worden war? Geschenkt! Jeder Idiot konnte sich eine zweitklassige Phaserphalanx vom klingonischen Schwarzmarkt besorgen, ob legal oder nicht. Und dies war nur eine der unzähligen Möglichkeiten! Da bangten sie doch tatsächlich um einen einzigen Kopfgeldjäger, der hinter John her war – als ob dies etwas vollkommen Neues für den hartgesottenen Captain gewesen wäre! Nur eine kleine Person... Welches Phantom waren sie im Begriff zu verfolgen? Wenn du nicht weißt, wie du zum Attentäter gelangen kannst, warte doch bis er zu dir kommt!<br><br><br>Wenige Momente später saßen sich zwei freundlich dreinblickende Gestalten wie alte Freunde gegenüber. Ganz nah waren sich ihre Gesichter, so sehr, dass sie die Atemluft des anderen auf der eigenen Haut spüren konnten. Und zumindest bei einem der beiden Männer, war diese Freundlichkeit nicht gespielt... Matt war zutiefst erschüttert über das, was Harry ihm an Emotionen vermittelt hatte. Nie und nimmer war dieser Mensch ein unbescholtener Zivilbürger gewesen! Er hatte Feinde gehabt, Todfeinde, die er bis in die Ewigkeit verachtet hatte – vor seinem Unfall. Und wer eins und eins zusammenzählte, fand schnell heraus, wer vergebens versucht hatte, Harry dafür umzubringen: Die Sensoren hatten nicht das Geringste auf ihren Schirmen aufgefangen, ergo waren hierbei alles andere als Laien zu Werke gewesen! Ein unschöner Verdacht tat sich dem Betazoiden auf, der seine dunklen Vorahnungen jedoch vorerst bei Seite schob. Schließlich würde er zur mentalen Vorbereitung innerste Ruhe benötigen, um seine begrenzten Fähigkeiten möglichst effektiv einsetzen zu können. Und selbst dann blieb es fraglich, ob er mehr aus Harry herausholen konnte, als der Mann es von sich aus im Stande war. Wieso hatte man keinen anderen Betazoiden auf diese Station beordert? Es gab Hunderte von ihnen in der Sternenflotte, die seinen Job tausendmal besser würden erledigen können. Also wieso er, fragte er sich, wieso ausgerechnet er? War es am Ende der Zufall, der ihn bis hierher verschlagen hatte? Oder gar das Schicksal, welches man eben akzeptieren musste, weil es nun mal vorherbestimmt war? Bestimmung – Matt glaubte schlichtweg nicht daran! Jedes Individuum war selbst verantwortlich für das, was es aus seinem Leben machte, so schlecht die Voraussetzungen dafür auch immer waren. Niemand zwang einen, Dabo-Mädchen zu werden, Drogendealer oder Kopfgeldjäger... Wer auch immer Harry verfolgt hatte, er wollte verhindern, dass John Lewinski von ihm gewarnt werden konnte. Und wer hatte die nötigen Mittel und den Einfluss, um das ganze wie einen Unfall aussehen zu lassen?!<br><br>Der Hass war verschwunden, wohin war der Hass plötzlich wieder verschwunden? Matthew spürte nicht mehr die geringsten Negativgefühle von seinem Tischnachbarn, so als ob dieser sie nach Belieben abstellen konnte. In einem war der Offizier sich jedenfalls sicher: Harry verheimlichte ihnen etwas, fragte sich nur, ob ihm selbst das klar war! Unterbewusste Schizophrenie, wo war eigentlich Elisabeth, wenn man sie brauchte?<br><br>„Ich denke, ich bin bereit, Matt!“, forderte der mysteriöse Zivilist, sofern er einer war, den Commander auf, sich um ihn zu kümmern. Wie stellte er sich das vor? – Vielleicht wie einen Zahnarzttermin?<br><br>„Na schön, Harry, entspannen Sie sich und versuchen Sie sich in eine andere Zeit zurückzuversetzen! – Rekonstruieren Sie das Bild Ihrer frühesten Erinnerung und...“ Matt kam sich vor wie ein verdammter Therapeut! „...lassen Sie Ihren Gefühlen dabei ruhig freien Lauf!“<br><br>‚Man gut’, dachte Harry etwas ärgerlich, ‚dass all die Sternenflottenpsychologen das nicht längst mit mir versucht haben!’ Doch was blieb ihm anderes übrig, er war ja froh, dass Matt überhaupt bereit war, ihm zu helfen. Und so erinnerte er sich mit jedweder Überwindung...<br><br> <br><br> <br>Sein blutüberströmtes Gesicht schmerzte nicht geringer, als die drei seiner Rippen, die aufgrund des heftigen Aufpralls einfach gebrochen waren. Verängstigt öffnete er die blutverschmierten Augen und kämpfte mit einer ungewöhnlich starken Übelkeit. Das Shuttle – ein funktionsuntüchtiges Wrack, dessen Stabilisatoren seinen Tod verhindert hatten! Sämtliche Systeme  waren offline, sodass er sich nicht einmal sicher sein konnte, wo genau auf der Erde er überhaupt abgestürzt war. Und er musste wohl abgestürzt sein, wie hätte sich sonst die gesprungene Fensterscheibe des Cockpits erklären lassen sollen?  <br><br>Wieso war er bloß hier, viel wichtiger noch: Wer war er?  Seiner zerfetzten Kleidung nach zu urteilen, gehörte er keiner speziellen Fraktion oder Organisation an. Nur das charakteristische Design der Steuerkontrollen wies darauf hin, dass sein Shuttle (Wenn es denn seines war!) zu irgendeinem Typ der Föderation gehörte. Doch etwas hier war ebenfalls nicht in Ordnung: Neben dem Geruch nach verbranntem Fleisch roch es mittlerweile ziemlich ätzend... Er bekam Angstzustände, plötzlich hatte sich tiefschwarzer Rauch gebildet, der sich nun schier unaufhaltsam durch das Ventilationssystem ausbreitete. Panisch watete er durch die giftigen Nebelschwaden auf der Suche zum sicheren Ausgang. Blind tastete er sich an der überhitzten Außenhülle entlang und berührte schließlich unter großer Atemnot die rettende Shuttleluke. Doch wo befand sich der verdammte Öffnungsmechanismus?! Zehn Sekunden – viel länger würde er die Luft nicht mehr anhalten können, bis der Sauerstoffmangel für das Absterben der ersten Gehirnzellen sorgen würde...Endlich! – Keuchend betätigte er die manuelle Kontrolle und stolperte unbeholfen in den Regen. Sehr weit kam er allerdings nicht, bis er erneut in eine tiefe Bewusstlosigkeit sank, in der er für mehrere Stunden verharrte...<br> <br><br><br>„...Nun denn, als meine bezaubernde Frau mich schließlich fand, waren sowohl die Rauchschwaden verschwunden, als auch sämtliche meiner Erinnerungen!“<br><br>Das interessierte Matt zwar nicht sonderlich, aber es war gut zu wissen, dass Harry ihn nicht belog! Während der ganzen Geschichte, hatte der Halbbetazoid nur den Hauch von emotionalen Schwingungen bei ihm verspürt, was sehr für die Verschlossenheit des reservierten Mannes sprach. Matthew musste ihm die Gefühle wohl oder übel austreiben: <br><br>„Das war schon ganz aufschlussreich, Harry, aber versuchen Sie doch bitte etwas weiter zurückzugehen! Ich...verlange dies nur äußerst ungern von Ihnen...aber bevor Sie beginnen, denken Sie zur Abwechslung an ein starkes Hassgefühl – Ich bin mir fast sicher, es wird Ihnen helfen...“<br><br>Skeptisch schüttelte jener Mensch den Kopf, was weniger an der makabren Aufforderung des Commanders lag, als viel mehr daran, wie dieser ihn gerade genannt hatte: „Mein Name ist nicht Harry!“, widersprach er entschieden und bekam dabei leuchtende Augen. „Nein...ich heiße Erdal!“<br><br>„Sie beginnen sich also zu erinnern?“, fragte der Halbbetazoid seinen ‚Patienten’ ungläubig – er war gut, aber so gut?! Wahrscheinlich war es purer Zufall, dass Erdal gerade jetzt damit begann, sich wieder an die Grundlagen zu entsinnen. Oder unterschätzte Matt seine eigenen Fähigkeiten zu sehr? – Immerhin umfasste die Telepathie breite Fächerbereiche, von denen die einen oder anderen noch nahezu unergründet waren. Vielleicht aber handelte es sich auch um eine Psycho-Sache: War die bloße Anwesenheit eines Empathen ausschlaggebend für die Wiederherstellung Erdals Erinnerungen gewesen?<br><br>„Oh wow, es funktioniert tatsächlich!“ Der ehemals Namenlose war hellauf begeistert. Nie hätte er erwartet, dass die Sternenflotte ihm noch jemals würde helfen können, nicht, nachdem sechs ihrer Psychologen es bereits mehrfach versucht hatten! „Matt, wir müssen weitermachen, ich spüre es – ich bin so nah dran...“<br><br><br>„Willkommen auf Utopia Planitia – Wünschen Sie eine Führ...? – Was denn, Sie schon wieder?!“<br><br>Mit verschränkten Armen und ihrem Diktiergerät bewaffnet stand Arena dem Hologramm von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Der Datenport hing nach wie vor um ihren zarten Hals, den Emitter hatte sie aktiviert und alles Weitere lag nun bei ihrem Medium.<br><br>„Ja...Ich!“, antwortete sie diesem mit aller Offenheit. Und es tat ihr aufrichtig leid, wie sie ihn zuvor behandelt hatte, denn offensichtlich hatte die angehende Journalistin seine Gefühle verletzt! „Was meinen Sie“, schlug Arena dem Mann augenzwinkernd vor,  „machen wir einen Neuanfang?“<br><br>Wie stellte dieses Mädchen sich das vor? – Eine Führungseinheit war doch kein ‚Computerspiel’, welches man nach Belieben abspeichern und unterbrechen konnte! Und nun sollte er ihr noch den Gefallen tun und wie ein Vorzeigeköter artig ‚apportieren’? Er dachte ja nicht im Traum daran, sich dem Mediendrang derart leichtfertig hinzugeben! In Wahrheit jedoch hatte er mehr als nur gehofft, sie käme zu ihm zurück – und damit sollte er Recht behalten...sein zynisches Wesen verlangte regelrecht nach noch mehr Meinungsverschiedenheiten! Gerade wollte das Hologramm eine weitere spöttische Antwort erwidern, als ihm schlagartig bewusst wurde, welche Chance es damit vertun würde! Hier bekam es die vielleicht einmalige Gelegenheit, als bestes Beispiel für rassistische Diskriminierungen im wichtigsten Rechtmagazin des Sektors publiziert zu werden. Was hatte er sich bloß gedacht, aus welchem Grund die Sternenflottenoffizierin sich die Bürde aufgenommen hatte, ihn zu interviewen? – aus Spaß und Langeweile? Hier war jemand, der sich für seine Sache und der seiner Artgenossen einsetzen wollte - und nicht das Ausnutzen der Eitelkeit des Befragten, sondern einzig und allein das war die beste Vorraussetzung für ein wirklich perfektes Interview...!<br><br>„Dies täte ich lieber als alles andere, Mrs. Tellom!“ Aufrichtig, dankbar, bestimmt.<br><br>Vor Freude strahlend aktivierte Arena das Aufnahmegerät und setzte sich näher zu dem Hologramm, woraufhin sie es ihm in respektvoller Entfernung ‚unter die Nase’ hielt: <br><br>„Sind Sie sich bewusst, was Sie sind...?“<br><br><br>Von der anfänglichen Euphorie Erdals war ein eher lustlos wirkendes Dahinphantasieren geblieben! Krankhaft hatte der Mensch versucht, sich an weitere Informationen vor dem Shuttleabsturz zu erinnern. Doch mehr als ein Versuch war daraus auch nicht geworden. Selbst die stärksten Hassgefühle hatten nicht das Geringste bewirkt, abgesehen von ersten Depressionsgefühlen, die Erdal mit voranschreitendem Versagen so langsam entwickelte...<br><br>„Verdammt noch mal, wieso funktioniert dieses blöde Ding nicht?“<br><br>„Erdal?“<br><br>„Mein Gehirn, es arbeitet nicht so mit, wie es sollte!“<br><br>Matt hatte sich wohl gerade verhört! – Wie konnte dieser Kerl das Komplizierteste Organ seines Körpers nur so unbeeindruckt als Ding bezeichnen? Natürlich hatte es vollkommen zufrieden stellend funktioniert – andernfalls hätte Erdal längst mit irgendeinem dieser Traumata rechnen müssen, wie man seit Jahrhunderten immer wieder von ihnen hörte. Gedächtnisschwund war eine reine Schutzfunktion, so gesehen konnte sich das Wiederherstellen seiner Erinnerungen auch ebenso negativ auf Erdals Psyche auswirken!<br><br>„Ich denke, wir haben für den heutigen Tag einen wesentlichen Fortschritt erzielt, Erdal – Sie sollten stolz auf sich sein!“<br><br>„Möglicherweise“, entgegnete Erdal dem Counselor auf Zeit, „würde ein weiterer Versuch dennoch nicht schaden – nur noch einer, dann machen wir Schluss.“<br><br>Stöhnend faltete der Commander seine beiden Hände, deren Finger vor Müdigkeit schon ineinander fielen. „Also gut, überredet“, gab er dem unschuldig dreinblickenden Mann schließlich nach, „schließen Sie Ihre Augen und konzentrieren Sie sich ganz auf den Shuttleunfall! Was könnte zuvor geschehen sein, wer könnte Sie verfolgt haben?“<br><br>Ein letztes Mal würde Erdal die Prozedur über sich ergehen lassen, sein Ergeiz war zwar groß, aber er hatte auch seine Grenzen! Wenn es jetzt nicht klappte, so würde es dies nie tun – so verdunkelten seine geschlossenen Augenlider den ohnehin finster wirkenden Raum um ihn und führten Erdal in eine unwirkliche Trance...<br><br><br>In weniger als fünf Minuten würde er ein weiteres Mal zuschlagen und mit jeder voranschreitenden Sekunde kam er seiner diesmaligen Zielperson von Parsec zu Parsec näher! ‚Er bräuchte sich keine Sorgen zu machen’, hatte sein Auftraggeber ihm versichert, ‚die Annährungssensoren des Planeten seien vorsorglich präpariert worden’. John Lewinski würde sterben, so oder so! Die genauen Koordinaten des vereinbarten Objektes waren eingegeben, der Orbitaltorpedo scharf gemacht – Kurs: Richtung Erde; Amerika, nördlicher Kontinent; Hauptstadt der kanadischen Provinz Ontario. Ob in Toronto an diesem Tag wohl strahlender Sonnenschein herrschte? Wie praktisch, dann konnte der Captain seinem Verderben ja direkt ins Auge sehen, wenn er neben dem Rollstuhl seines vom Antallianischen Krebs zerfressenen Vaters auf der Terrasse frühstückte...! Luke und John – Spender und Erzeugnis durch den Tod wieder vereint. Routinemäßig trat Erdal mit seinem Shuttle in den Orbit ein und begann mit der ersten Phase des Sinkflugs. Der Timecode zeigte ‚T –30 Sekunden’ an, perfekt und professionell – so wie alles in seinem Dasein als Kopfgeldjäger! Und ein Ehrenkodex in dieser Profession lautete: Es gibt keine Ehre, vertraue niemandem und schon gar nicht deinen Kunden! Wer konnte Erdal versichern, dass diese Sensoren tatsächlich manipuliert worden waren? In einem risikoreichen Job ging man nun mal keine Risiken ein! So hatte er seinem eigenen Shuttle, welches er später irgendwo in der Walachei zurücklassen würde, vorausschauend und in voller Absicht Kampfspuren beigefügt, damit es so aussah, als ob jemand es angegriffen hätte und es daraufhin abgestürzt sei – Erdal würde das verräterische Gefährt nach dieser Mission ohnehin nicht mehr gebrauchen können, das tat er nie...er hatte andere Mittel und Wege, um sich unbemerkt aus der Affäre zu ziehen. ‚T –10 Sekunden’. Es war Zeit, den Auslöser zu betätigen und zu verschwinden, doch in der wirklich allerletzten Sekunde öffnete sich plötzlich ein Komm-Kanal: „Krzzz...llo...Mr. Turner, hier spricht Ihr Auftraggeber Mr....krzzzzzz...unsere Pläne haben sich ge....krzzz...rt, ich fürchte, Sie werden John nicht mehr....krzzzzzz...tut mir ausgesprochen für Sie leid! Hals- und Beinbr....krzzzzzzzzzzzzzz...“ Damit brach die rauschende Verbindung ab. Was war geschehen? – Hatte der Typ am anderen Ende seine ‚Bestellung’ soeben  annulliert? War Lewinski nicht mehr auf der Erde? Und was viel wichtiger war: Was zur Hölle hatte ‚Hals- und Beinbruch’ bloß zu bedeuten...? Die Antwort darauf ließ nicht sehr lange auf sich warten: Auf einmal erbebte das ganze Shuttle. Erdal wurde angegriffen, der unerwartete Beschuss hatte die Hauptstabilisatoren in Mitleidenschaft gezogen. Er stürzte ab...<br><br><br>Die Vision war vorbei. Starr blickte Erdal vor sich hin, es war ihm wieder eingefallen – alles war ihm wieder eingefallen! Und er wünschte sich nun nichts sehnlicher, als dass es lieber nicht so gewesen wäre...<br><br>„Was haben Sie gesehen? – Kommen Ihre Erinnerungen zurück?“<br><br>Was sollte er dem Geheimdienstler bloß darauf antworten? – Wenn er ihm die Wahrheit verriet, konnte er sich ebenso gut die Arme auf den Rücken legen und in Handschellen abführen lassen! Ein einziger Gedanke schoss ihm durch den Kopf: Christine und das Baby!<br><br>„Tut mir leid, Commander Price, doch leider blieben meine Bemühungen erfolglos...Was soll’s schon, morgen ist wohl auch noch ein Tag!“<br><br>„Meine Worte, Erdal! Tun Sie sich nur keinen Zwang an, wir...“<br><br>Eilig unterbrach der Mensch seinen ‚Mentor’ und stand verdächtig schnell von seinem Platz auf: „Wir...machen ein anderes Mal weiter, ich wünsche Ihnen eine ruhige Nacht...Matt!“ Ohne sich umzublicken verließ er das von Sicherheitsleuten bewachte Zimmer und wurde von eben diesen in sein Quartier eskortiert.<br><br>Dass etwas an dem Verhalten dieses Mannes nicht stimmte, dazu brauchte man nicht mal Vollblut-Betazoid sein, um das zu erkennen! Er hatte Matthew Commander Price genannt, etwas Fauleres konnte es gar nicht geben...allerdings war es bereits ziemlich spät und der Tag war mehr als anstrengend, sowohl für ihn, als auch für Erdal, gewesen. Er hielt etwas zurück, und diesmal war es vorsätzlich...<br><br><br>Sämtliche Systeme im Hauptmaschinenraum der Monitor waren auf ‚Stand by’ geschaltet, das Niveau der Normalbeleuchtung auf ein Minimum reduziert worden. So verlassen wirkte das wackere Schiff wie ein Ort, den man allein lieber nicht aufsuchen wollte! Beengende Metallschotts, beklemmende Ventilationsgeräusche, nicht lokalisierbare Stimmen irgendwelcher Ingenieure dieser so genannten ‚Reparaturstation’... klang wie eine perfekte Atmosphäre für eine Schiffsführung!<br><br>„Wenn ich vorstellen darf: Das Reich meines Chefingenieurs.“ Lewinski verkniff es sich, dessen Namen zu nennen. Zu sehr erinnerte dieser ihn an seinen Vorgänger Jozarnay, welcher die Monitor aus für den Captain unempfindlichen Gründen erst wenige Wochen zuvor verlassen hatte.<br><br>„Beeindruckend!“, gab Alishia La Forge, ohne dabei mit der Wimper zu zucken, zu. „Wenn ich da an den Saustall meines Chefingenieurs denke!“<br><br>„Ein Maschinenraum ist immer so gut wie der, der ihn befehligen darf!“ Gab es denn einen peinlicheren Spruch?!<br><br>„Sagen Sie das mal meinem Cousin von der Enterprise - Er ist der Beste!“<br><br>Um das nachzuweisen, hätte John die Kommandantin wohl fragen müssen, ob auch dieser in seinem Leben schon einmal Drogen konsumieret hatte – Es erschien ihm jedoch eher unwahrscheinlich zu sein...<br><br>„Also auf dem Flaggschiff, was! Man, ihr La Forges scheint ja eine recht Karrierelastende Familie zu sein!“<br><br>Leicht verlegen schmunzelte die charismatische Frau, denn mit dieser Annahme hatte John Lewinski absolut Recht. „Mein Onkel Edward und meine Tante Silva waren ziemlich berühmte Leute in der Afrikanischen Föderation. Captain Silva La Forge befehligte die Hera.“<br><br>„Ihre Eltern müssen stolz auf Sie sein!“<br><br>„Genauso wie Ihre auf Sie!“<br><br>Welch bittersüße Ironie sich auch aus diesem Gespräch doch ergab... Sowohl die Eltern des Captains, als auch die der Kommandantin weilten nicht mehr unter den Lebenden! Schweigsam gedachte John seinem vor kurzem verstorbenen Vater, dessen Entschluss, sich von keinem Arzt der Welt mehr helfen zu lassen, er bis heute nicht nachvollziehen konnte! Es stellte das Ende eines weiteren Kapitels in seinem vom Tod gezeichneten Leben dar, eine Bagatelle im Vergleich zu dem, was bereits hinter ihm lag.<br><br>Beide Geheimdienstoffiziere lächelten resignierend, wobei sich ihre Blicke wie an zwei umgekehrt gepolten Enden trafen – sie zogen sich gegenseitig an. Es schien, dass der Preis ein Sfi-Mitglied zu sein, wie sehr auch immer man dazu stand, weniger von einem selbst, als ständig von allen anderen bezahlt werden musste...<br><br><br>„Sind wir wirklich sicher, dass wir das tun wollen? Wenn wir entdeckt werden sollten, wird meine Matrix gelöscht und Sie bekommen meinen Job!“<br><br>Das Interview war von Arena erfolgreich zu einem Ende geführt worden, wenn sie sich beeilte, würde sie ihr Debüt im ‚Emancipation of the 24th Century’ noch vor Redaktionsschluss der laufenden Ausgabe verwirklichen können! „Keine Sorge“, tat sie die Besorgnis des verunsicherten Hologramms mit aller Selbstsicherheit ab, „ich bin schon mit ganz anderen Dingern durchgekommen.“<br><br>„Mrs. Tellom“, wand sich die Nicht-mehr-länger-nur-Führungseinheit an den Lieutenant und reichte ihr seinen Emitter, „...vielen Dank!“<br><br>Ehrsinnig nickte diese und deaktivierte den neu gewonnenen Freund, woraufhin sie sich gleich mehrmals umsah – immer noch wandelten die sprechenden Lichtgestalten durch die Station – es änderte nichts: Wie besprochen öffnete sie den Verschluss ihres Rucksacks und ließ den Emitter unauffällig darin verschwinden. Nun galt es, dasselbige mit sich und ihrem Ehemann zu veranstalten! Jener hatte dem Bolianer den von seiner Frau verursachten Schaden der Bar mit ungehörig vielen Credits abbezahlen müssen... und da sagte noch einer, Geldmittel seien überholt! Wo war die Emanzipation?<br><br> <br><br>„Ardev, Zeit zu gehen!“ Arena griff nach dem Arm des Andorianers und schaffte es sogar, ihn einige Meter mit sich in Richtung ‚Ausgang’ zu führen.<br><br>„Jetzt warte doch mal ab, das Ding schließt frühestens in einer Stunde! Habt ihr denn das Interview gut überstanden?“<br><br><br>„Ja doch“, drängte die Terellianerin „alles lief ganz phantastisch – jetzt komm aber!“ Im Schneckentempo setzte das Paar sich in Bewegung. Nervös spähte Arena zum Sicherheitsdienst hinüber, ließ den Blick über einen der rettenden Korridore schweifen und spitzte angesichts der davor stehenden Lichtschranke ihre zarten Lippen.<br><br> <br><br>Zu ihrem Unglück hatte Ardev ihr neurotisches Verhalten nicht nur bemerkt, sondern offenkundig auch durchschaut: „Gott stehe uns bei – sie hat das Hologramm gekidnappt!“<br><br>„Lauf, Ardi!“<br><br>Innerhalb von zwei Sekunden passierten sie die Lichtschranke – unmittelbar danach wurde der Alarm ausgelöst – weitere drei Sekunden vergingen, bis auch die Sicherheitsbeamten reagierten.<br><br>„Geheimdienst“, schrie das Ehepaar ausweiszeigend durch die hallenden Korridore, „lassen Sie uns durch!“ Und der Plan ging auf: Sämtliche Besucher sprangen regelrecht zur Seite und sorgten, dadurch dass einige von ihnen daraufhin zu Boden fielen, gleichzeitig dafür, dass der Wachdienst keine Chance hatte, um die Flüchtenden einzuholen.<br><br>Keuchend erreichten Ardev und Arena den Andockbereich der Station, betraten den fast völlig überfüllten Massentransporter zum Mars und schmissen sich totlachend auf die Sitzbänke. Es war genau das, dachte der Andorianer freudestrahlend, was seine Frau nach dem Tode ihres Bruders jetzt brauchte!<br><br>Beim Aktivieren der Triebwerke jedoch legte sich seine positive Stimmung wieder: „Und wie geht es jetzt weiter?“<br><br><br>Das harmonische Geräusch einer Schalldusche hatte schon immer eine anregende Wirkung auf Christine gehabt, besonders, wenn sie sich nun vorstellte, wie ihr Ehemann vollkommen entblößt darunter stand und sein Körper Molekül für Molekül gereinigt wurde...als das Summen verstummte, legte die gelernte Exobiologin einen Roman bei Seite, den sie aus langer Weile angefangen hatte zu lesen. Irgend so ein Kriminalschmöker aus dem 21. Jahrhundert: Die Hauptfigur würde am Ende der Geschichte vermutlich sterben, aber wen interessierte schon der Plot...! <br><br>Mit einem weißen Badetuch um seine schlanken Hüften geschwungen verließ Erdal die ‚Nasszelle’ und legte sich nachdenklich neben seine Frau ins kompakte Doppelbett. Sekundenlang verhaarten sie so Seite an Seite, bis Christine vorsichtig nach der linken Hand ihres Mannes tastete. „Also Erdal, häh?“, meinte sie kess und fühlte die rauen Finger, deren spröde Haut ihr bisher nie so recht aufgefallen war. „Wusste doch, dass du tief in deinem Inneren türkisches Temperament besitzt!“ Doch angesichts seiner fast blonden Locken zog dieser Spruch nicht sonderlich...<br><br>Erdal war mehr als verzweifelt über die derzeitige Situation. Den Tränen nahe biss er sich auf die Lippen, damit Christine ja nicht mitbekam, in welch tiefer Depression der Mensch sich befand. Er liebte sie, was sollte er bloß tun?<br><br>„Ist was mit dir, du wirkst so niedergeschlagen!?“<br><br>„Was sollte schon sein?“, wich er der Frage seiner Frau mit bebender Stimme aus und schmiegte dann seinen nackten Oberkörper an den ihrigen. „Ich liebe dich!“<br><br>„Dito!“, erwiderte Christine, deaktivierte die Zimmerbeleuchtung und schlief in den sanften Armen ihres Harrys ein...wenn sie wieder aufwachte, würde nichts mehr sein wie zuvor!<br><br>Eine halbe Stunde darauf verließ auch Erdal den Zustand des Wachseins.<br><br><br>Entgegen aller Müdigkeitserscheinungen hatte Matt sich - nach dem zwielichtigen Counseling mit Erdal - mutterseelenallein im Konferenzraum verbarrikadiert. Das seltsame Verhalten des Menschen war dem ersten Offizier der U.S.S. Monitor nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Wieso hatte er gar fluchtartig das Quartier verlassen, wenn er doch damit rechnen musste, dass Matthew etwas witterte? Allein schon, dass er ihn Commander Price genannt hatte, verlangte regelrecht danach der Sache weiter nachzugehen...<br><br>„Computer, Auflistung aller vorhandenen Geheimdienstakten über männliche Person: Erdal, Föderationsbürger; geschätztes Alter zwischen...nun, sechsundzwanzig und dreißig würde ich mal sagen!“<br><br>„Suchparameter komplett, bitte warten! – Dieser Vorgang kann einige Minuten Zeit in Anspruch nehmen...“<br><br>Plötzlich fiel ein greller Lichtstrahl in das schattige Besprechungszimmer. Eine dunkle Silhouette zeichnete sich in dem gleißenden Türrahmen ab und wanderte gespenstisch auf den Halbbetazoiden zu. Wie Matt erst jetzt bemerkte, handelte es sich dabei um keine geringere als Commander La Forge. Nachdem er sie erkannt hatte, deaktivierte er vorsichtshalber den Bildschirm.<br><br>„Also hier stecken Sie!“<br><br>„Mir war nicht bewusst, dass jemand mich vermisst. Kann ich Ihnen helfen, Commander?“<br><br>Tröstend verzog La Forge ihr ansonsten faltenfreies Gesicht und nahm neben dem gleichrangigen Empathen Platz. „John und ich fragten uns bereits, wo Sie beide bleiben. Gab es denn Fortschritte bei Ihrem gemeinsamen Gespräch?“<br><br>Matt wusste nicht, wofür er die attraktive Frau mehr hassen sollte: Dafür, dass ihr Plan, ihn und Erdal so einfach in einen Raum zu sperren und miteinander machen zu lassen, bestens funktioniert hatte oder dass Lewinski ihr mittlerweile erlaubte, ihn bei seinem Vornamen zu nennen! Er selbst hatte Monate gebraucht, bis Skipper ihn als Person überhaupt anerkannt  hatte...<br><br>„Dass...“ Price stockte, sie hatten so lange auf die Wiederherstellung Erdals Erinnerungen gewartet, ein weiterer Tag würde da auch nicht die Welt bedeuten! „...kann man nicht gerade behaupten, aber wir arbeiten dran!“ Wenn er ihr erzählt hätte, dass Harry sich an seinen richtigen Namen erinnert hatte, hätte er ihr wohl auch von dessen bizarrem Verhalten berichten müssen...dabei war es doch nur so eine dunkle Ahnung von ihm...!<br><br>„Gut zu wissen - sagen Sie bescheid, wenn Harry und Sie etwas erzielen!“<br><br>Oh, das täte er sicher... jedoch würde der Captain ein wenig eher davon erfahren. Es war eine Sache zwischen ihm und Erdal – La Forge ging diese Geschichte nichts an! „Alishia“, sprach Price die Kommandantin daraufhin an, „wo befindet sich John jetzt?“<br><br>„In seinem Quartier auf der Monitor, auf die auch Sie langsam zurückkehren sollten, Matt!“<br><br>„Aber halten Sie das auch für eine gute Idee, angesichts der dortigen Gefahr für den Captain? – Schließlich verfügt unser Kahn ‚nur’ über eine veraltete romulanische Tarnvorrichtung, oh, ich vergaß: Ihr Metaphasenschirm wurde ja auf das Schiff ausgedehnt...“<br><br>„Ihr Sarkasmus in Ehren, Matt – Sie mögen unsere Sicherheitsvorkehrungen vielleicht für übertrieben halten, aber von Zeit zu Zeit haben wir hier mit noch viel gravierenderen Fällen zu tun! Jedenfalls wurde Starfleet Intelligence bisher noch nie von unserer Arbeit enttäuscht.“<br><br>Wusste er doch, dass diese Frau ein Problem mit ihrem Selbstwertgefühl hatte! Leute wie sie starben regelrecht für ihren Job. Man konnte es mit dem Ehrgeiz auch übertreiben!<br><br>„Machen Sie nicht mehr so lange, Commander Price! Gute Nacht.“<br><br>„Gute Nacht“, gab Matt die Worte der Offizierin wieder und wartete sehnsüchtig darauf, dass sie endlich den Raum verließ. Nachdem die Tür sich verschlossen hatte, reaktivierte er den Suchbildschirm. Es war eine einzige Katastrophe: Die Liste des gesuchten Namens umfasste über eintausend Einträge allein auf der Erde! Doch da überkam dem Halbbetazoid ein Geistesblitz – welche Person knüpfte seit kurzem gewisse Kontakte zum Journalismus und würde so viel schneller und besser an die benötigten Informationen gelangen? – Na hoffentlich war die Frau während ihres Urlaubs auch erreichbar...<br><br>„Computer, Chiffrekontakt Tellom, Lieutenant Arena. Fotographie von Harrison Ravel und diese Liste als Zusatzdateien anhängen...“<br><br><br>Zur selben, späten Stunde überflog Arena bereits die geschriebene Version ihres Interviews in einer Vier-Sterne-Hotelsuite...und das schon zum dritten Mal! Immer wieder schienen ihr Kleinigkeiten aufzufallen, vereinzelte Worte, die sie sich parallel dazu auf Tape anhörte und durch Synonyme ersetzte. Mit Kopfhörern verhinderte sie, dass das laufende Tonband Ardev aufweckte. Irgendwann zwischen vierundzwanzig und sechsundzwanzig Uhr war dieser schließlich ins Bettchen marschiert, was die Terellianerin allerdings nicht davon abgehalten hatte eifrig weiterzuarbeiten...<br><br>„...hmmm ‚unbefriedigende Arbeit’... ‚unbefriedigend’... wie wäre es stattdessen mit ‚aussichtsloser Alltagstrott’...“<br><br>Wie besessen gab sie die veränderten Zitate in den Monitor ein, auf dessen Benutzeroberfläche urplötzlich das schimmernden Emblem des Sternenflotten Geheimdienstes erschien. „Sie haben Post“, dröhnte die computerisierte Stimme aus den Lautsprechern.<br><br>„Tja, das war’s dann wohl mit deinem Schönheitsschlaf, mein Lieber!“ Neugierig öffnete Arena die multimediale Mitteilung, nicht ohne zu vergessen, zuvor deren Absender zu checken: „Sieht ganz so aus, als wäre ich nicht die einzige mit Schlafstörungen...na wollen doch mal sehen, was Matt von mir möchte, was! – Computer, Nachricht leise abspielen!“<br><br>„Ich mach’s kurz, Arena – tut mir leid, Sie und Ardev gerade in Ihrer kostbaren Urlaubszeit stören zu müssen, und das auch noch mitten in der Nacht...aber es eilt, und ich hoffe inständig, dass Sie beide noch wach sind. Im Attachment werden Sie eine Liste von Namen finden und noch ein Foto, zu dem einer davon mit Sicherheit gehört. Bitte finden Sie um jeden Preis heraus, welcher es ist...möglicherweise lassen Sie ein paar Ihrer neuen Kontakte spielen?! Der Captain und ich zählen auf Sie, Grüße  an Ihren Mann.“<br><br>Mit dieser ‚Fülle’ an Informationen hatte es sich dann auch schon – kopfschüttelnd rief der Lieutenant das von Matt erwähnte Bild ab, zusammen mit dem anderen Textdokument. „Hübsches Gesicht!“, wie sie fand, „Nur zu schade, dass gerade diese Typen immer zu den bösen Jungs gehören müssen...!“<br><br><br>Schweißgebadet erwachte Erdal aus einem abnormem Alptraum, der näher betrachtet wohl nichts weiter als die Realität wiedergegeben hatte: Einige Gesichter seiner Opfer waren ihm schemenhaft erschienen, zumindest glaubte er, dass es welche waren – denn manche von ihnen hatten mehr Ähnlichkeit mit einem Fleischklumpen gehabt, als mit humanoiden Körperteilen! Mehr noch, sein Nachname war ihm wieder eingefallen...doch dieser war genauso gefaked wie dessen Vorname! Erdal Turner; Erdal Steinberg; Erdal...aber es machten keinen Unterschied. Das einzige, was zählte, war die Verfassung seiner Frau – Wenn Christine oder dem Kind etwas zustieße, er würde es sich niemals verzeihen können. Er musste verschwinden, sie zurücklassen! Sein Auftraggeber hatte versucht ihn umzubringen und Erdal (er blieb nun selbst bei diesem Namen) kannte sich in der Branche gut aus, wenn es um Druckmittel ging: Fast immer wurde die Familie zum Ziel, auch bei seiner Arbeit war dies nicht anders gewesen...<br><br>„Christine!“, flüsterte er seiner Frau zu, um sich zu vergewissern, dass sie tief und fest schlief. Leise stand er dann auf, zog sich im Schimmer des Mars seinen Lieblings-Overall an und stellte sich gähnend vor den Replikator: „Kaffee - viel Milch, viel Zucker!“ Nachdem das bittersüße Getränk auf der Plattform erschienen war, stellte Erdal es vorsichtig auf dem runden Glastisch ab und setzte sich auf einen der beiden Stühle. Es gab objektiv betrachtet eigentlich nur zwei Möglichkeiten für ihn: Entweder er verschwand unbemerkt aus diesem System, und wenn ja, dann für immer und in Angst, dass sein letzter Kunde ihn schließlich töten würde – oder er brachte seinen Job zu Ende, verschwand aus diesem System, und wenn ja, dann ebenfalls für immer und in Angst, dass die gesamte Föderation hinter ihm her sein würde...es blieb also alles beim alten!<br><br>Als Erdal die dampfende Kaffeetasse anhob und müde daran nippte, überkam ihn plötzlich eine Art emotionaler Schwingung (!): Der Betazoide, was machte er da...? Verstört verschwappte er das Kaffee-Milchgemisch auf den blitzblanken Tisch, als er zitternd die Porzellantasse festhielt. Was auch immer Erdal gerade empfangen hatte, er musste Matt um jeden Preis aufhalten...und er musste sich beeilen, denn schon bald würde auch die Analyse seines Shuttles beendet sein, welche ohne Zweifel ergeben würde, dass die einen oder anderen Unfallspuren absichtlich herbeigeführt worden waren!<br><br>Verheißungsvoll spähte Erdal zu dem Replikator hinüber, seine Mimik blieb dabei unverändert träge: „Computer...“<br><br><br>Seit mittlerweile dreieinhalb Stunden wartete Matt nun schon auf eine Nachricht von Arena. Angespannt blickte er auf die digitale Anzeige – Zwei Uhr Stationszeit stand auf dem leuchtenden Display – Plus minus einer Viertelstunde... Er brauchte die verkürzte Liste unbedingt, ob er die Wissenschaftschefin vielleicht anrufen sollte? - Die Frage erübrigte sich, als das Terminal vor ihm ein wiederholtes Piepen von sich gab. Wahrscheinlich war Erdal auch ‚sauber’ und Matt bildete sich dessen heuchlerische Falschheit nur ein. Das würde es wohl sein, trotzdem aber musste der Halbbetazoid sich vergewissern: Ungeduldig lud er die fraglichen Dateien herunter und las sie sich behutsam durch. Die Länge der Liste war aufgrund Harrys nicht türkischer Abstammung extrem reduziert worden. Drei Personen hatte die ‚Journalistin’ ihm zur Auswahl übrig gelassen, von denen ihm die ersten beiden eher uninteressant erschienen: Erdal Nimoy, Familienvater von sieben Kindern aus drei verschiedenen Ehen und Erdal Konstanz, Pfarrer von Beruf in einem Kanton in der Schweiz. Der dritte Mann wirkte da wesentlich viel versprechender: <br><br>„Erdal Turner, betazoidische Vorfahren sechsten oder siebten Grades...und da schließt sich der Kreis! Auch bekannt unter...oh man, das nenne ich mal ein ordentliches Sortiment an Decknamen!“ <br><br>Fassungslos scrollte Matt weiter durch diese letzte Geheimdienstakte, hiermit war es sicher: Erdal, oder wie auch immer er sonst heißen mochte, hatte Dreck am stecken und davon nicht wenig! <br><br>„...eventuelle Verbindungen zum Orionsyndikat konnten nicht nachgewiesen werden...noch nicht, meine Lieben...!“<br><br>Auf einmal hörte der Geheimdienstoffizier Schritte auf dem Korridor, gefolgt von einer dumpfen, verbalen Auforderung: „Verzeihen Sie Mr. Ravel, Sie können dort leider nicht rein ohne eine entsprechende Genehmigung!“ ‚Leider muss ich das aber’, meinte Matt gedanklich von Erdal vernommen zu haben, woraufhin ihm das zischende Geräusch eines Typ III-Phasers zu Ohren kam – gefolgt von dem schmerzerfüllten Schrei des Sicherheitsoffiziers auf dem Gang. Wie Matt schon erwartet hatte, öffneten sich die Türschotts, was der Halbbetazoid nur akustisch wahrnehmen konnte, da er mit seinem Rücken zum Eingang saß. Langsam hob er beide Hände über den Kopf und verdrehte die Augen.<br><br>„Ich sehe, wir verstehen uns, Mr. Price! – Wenn ich jetzt um Ihren Kommunikator bitten dürfte...!“<br><br>Ohne zu zögern zwickte Matt den Metallpin von seiner Uniform ab und richtete ihn wie selbstverständlich in die Luft.<br><br>„Und wenn Sie jetzt noch so freundlich wären und Ihren Transporterchief bitten würden, Sie auf die Monitor zu beamen...!“<br><br>„Wenn er nicht schon schläft, gern!“, antwortete der erste Offizier schnippisch und drückte auf das Starfleetemblem: „Commander Price an Monitor, entschuldigen Sie die nächtliche Störung, aber erfassen Sie doch bitte mein Signal und bringen Sie mich zu sich!“<br><br>Zufrieden entnahm Erdal ihm den Kommunikator und lächelte traurig. „Vielen Dank!“, sagte er, konzentrierte sich für einen Moment intensiv auf den Halbbetazoiden und löste die Waffe aus, mit der er seinen ‚Mentor’ kurzerhand betäubte. Der Kopfgeldjäger brauchte sich deswegen keine großen Sorgen zu machen, denn mit einer speziellen Justierung des replizierten Phasers hatte er die Waffensignatur von den internen Stationssensoren perfekt abgeschirmt. Zwei Sekunden später wurde sein Signal erfasst und er begann sich zu dematerialisieren...<br><br><br>Heftig wälzte Christine sich in dem fast leeren Doppelbett umher, als sie mit aufgerissenen Augen daraus hervorschnellte und sich in der absoluten Dunkelheit keuchend umblickte: „Harry?!“<br><br><br>Erdal verließ derweilen mit entschlossener Haltung den Transporterraum. Der modifizierte, leicht überhitzte Phaser befand sich wieder in seinem Halfter...automatisch schloss sich die graue Schiebetür, zurück blieb ein bewusstloser Transporterchief... <br><br>Zielsicher streifte er durch die finsteren, verlassenen Korridore, auf denen sich keine einzige Seele aufhielt. Es schien ihm, als seien sämtliche Crewmitglieder ausgeflogen, was die Sache noch viel einfacher machte! Als der Siebtel- beziehungsweise Achtelbetazoid den nächsten Knotenpunkt erreichte, rief er an einer Wandverkleidung den Konstruktionsplan des Starfleetschiffes auf und lokalisierte Lewinskis privates Quartier. Gehessig lächelnd bog er in die angezeigte Richtung ab und remodulierte seine Waffe – der Emitter war somit auf die höchst mögliche Destruktivstufe eingestellt, die jedes erdenkliche Ziel vaporisieren würde...<br><br>Vor dem Quartier stehend brachte der Profikiller eine kreisrunde Vorrichtung an der Eingangstür an, verschaffte sich mit deren Hilfe Zugang in den verdunkelten Raum und richtete den Lauf seines Phaser auf das darin befindliche Bett aus.<br><br>„Computer, Licht!“<br><br>Zu seinem Entsetzen war jenes jedoch vollkommen leer...<br><br>„Suchen Sie etwa mich?“, hallte John Lewinskis Stimme hinter Erdal quer durch das nun beleuchtete Zimmer. Dieser zielte ebenfalls mit einem Kompressionsgewehr auf den nächtlichen Eindringling. „Nette Sensorabschirmung, die Sie da für ihre Waffe verwendet haben, als Sie auf meinen Transporterchief schossen! – Und ich möchte gar nicht wissen, woher Sie sie haben!“ Stolz dachte der Captain an seinen ehemaligen Chefingenieur, der in all den Jahren vor seinem Verschwinden so einiges an dem Schiff getan hatte: „Aber ich muss Sie enttäuschen, Mr. Ravel, denn unsere Sensoren sind alles andere als der übliche Standart!“<br><br>„Sieht so aus, Captain, als hätten Sie gewonnen...“<br><br>„Das ist richtig, und damit sind Sie am Zug – geben Sie mir die Waffe!“<br><br>Zögernd ließ Erdal von seinem vermeintlichen Ziel ab und hob den Phaser etwas höher, immer weiter, bis der Lauf schließlich seinen eigenen Schädel berührte. „Grüßen Sie Christine von mir und sagen Sie ihr, dass ich sie und das Baby über alles liebe...“<br><br>„Nein, nicht...“, schrie John geschockt und machte einen unüberlegten Schritt auf den Mann zu, der ihn noch bis vor einer Sekunde umbringen wollte. „...denken Sie an Ihre Familie!“<br><br>„Von einer Strafkolonie der Föderation aus, nein, vielen Dank!“<br><br>„In einer Rehabilitationsanstalt wird man Sie allerhöchstens ein paar Monate festhalten können und wenn ich mich für Sie einsetze, sind Sie schneller wieder ein freier Mann, als Sie denken!“<br><br>„Ein paar Monate“, wiederholte Erdal Johns Zusicherung niedergeschlagen, „so lange werde ich mit Sicherheit nicht mehr leben!“<br><br>„Wie bitte, wovon reden Sie da bloß?“<br><br>„Jedenfalls nicht, wenn ich Sie jetzt nicht töten kann – und das kann ich nun mal nicht!“<br><br>„Das verstehe ich nicht, wer hat vor Sie zu töten, vielleicht Ihr ehemaliger Auftraggeber...?“<br><br>Mit dieser eigentlich als Scherz gemeinten Annahme lag der Kommandant der Monitor richtiger, als er dachte.<br><br>„Auf Wiedersehen, Captain Lewinski...!“<br><br>„Sagen Sie mir, wer Ihr Auftraggeber war – wir werden ihn für Sie außer Gefecht setzen!“<br><br>Im nächsten Moment hörten die Beiden schillernde Transportergeräusche – Sowohl Christine, als auch Commander La Forge waren zusammen mit einer Eliteeinheit der Station direkt auf das Schiff gebeamt worden. Nachdem Erdals besorgte Frau das Sicherheitspersonal über dessen Verschwinden verständigt hatte, war sofort der Rote Alarm ausgelöst und unmittelbar danach Matts bewusstloser Körper aufgefunden worden. Letzterer hatte nach seinem Zusichkommen die Kommandantin über die fragliche Biografie ihres Gastes aufgeklärt.<br><br>„Harry, tu es nicht, bitte!“, bat Christine ihren Ehemann, den sie von ihrer Position aus überhaupt nicht sehen konnte.<br><br>„Es tut mir Leid, Darling – ich liebe dich ja so sehr!“<br><br>„Sie müssen das nicht tun“, versuchte Alishia den offensichtlich verwirrten Mann von seinem Vorhaben abzubringen, „Die Föderation wird Ihnen Schutzhaft anbieten, wenn es sein muss!“<br><br>„Die Föderation war mein Untergang, Commander La Forge – aber Sie in Ihrer feinen Sternenflotte bekommen davon natürlich nichts mit!“ Erdal bezweifelte irgendwie, dass diese Frau sich seine Worte wirklich zu Herzen nehmen würde, aber angesichts der derzeitigen Situation, war das auch nicht weiter verwunderlich. „Und hier ist noch ein Tipp für Sie, John: Wieso fragen Sie nicht Ihren ersten Offizier? – Er wird Ihnen schon sagen, was Sie wissen wollen.“<br><br>Im nächsten Augenblick sah Lewinski in das wimmernde Gesicht Fähnrich Ravels. Wie in Zeitlupe hörte man das Loslösen des Phaserstrahls aus Erdals Waffe, woraufhin die Schwangere heulend zusammenbrach.<br><br><br>Computerlogbuch der Monitor <br>Captain Lewinski<br>Nachtrag.<br><br>Ich freue mich behaupten zu können, dass die Mannschaft meines Schiffs vollzählig und bei bester Gesundheit ist. Mehr noch, Dank Lieutenant Tellom haben wir für kurze Zeit einen holographischen Gast an Bord, den wir auf Starbase 67 absetzen werden. Klingt so, als hätte meine Wissenschaftschefin ein neues Hobby gefunden, durch welches sie in nicht absehbarer Zeit sehr berühmt werden dürfte. Gerade halte ich die aktuelle Ausgabe der ‚Emancipation of the 24th Century’ in meinen Händen und es ist ein verdammt gutes Gefühl zu wissen, dass hier in den letzten Tagen Recht geschaffen wurde...auf die eine oder andere Weise! Die Generalüberholung der Monitor verlief des Weiteren planmäßig, ansonsten gab es keine besonderen Vorkommnisse. Logbuch Ende.<br><br><br>Ungefragt betrat Matt den Bereitschaftsraum, knallte Lewinski mehrere Padds auf den Schreibtisch und erwartete stillschweigend dessen Reaktion, die er prompt zu spüren bekam.<br><br>„Können Sie mir mal verraten, was dieser Auftritt hier soll?!“<br><br>Wütend teilte der Halbbetazoid dem Kanadier mit, was Erdal ihm mittels Empathie verständlich gemacht hatte, bevor jener auf den Commander geschossen hatte: „Es war Jellico, er ist unser Auftraggeber!“<br><br>Angesichts dieser Worte blickte John betreten an Price vorbei. Sie hatten sich also das letzte Jahr nicht in dem Chefverschwörer von Sektion 31 getäuscht. Er war nicht zum Guten bekehrt worden, sondern strebte mehr denn je nach Macht. Und schreckte dabei nicht einmal vor Mord an Captain Lewinski zurück. John war sich sicher: eine neue Runde in dem Zweikampf hatte begonnen…<br><br>Ende<br><br><br><br><center><b>BESTIMMUNG</b><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by THOMAS RAKEBRAND<br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved. <br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES <br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!<br><br><b>Nächstes Mal:</b><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/promo_6x08.jpg"></center>]]></description><guid isPermaLink="false">5213</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 6x06: Verzerrte Darstellung</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-6x06-verzerrte-darstellung-r5070/</link><description><![CDATA[<center><b>Diese Folge als PDF-Version downloaden:</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_29063.html"><img border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x06.jpg"></a><br><b>Monitor 6x06 "Verzerrte Darstellung"<br>Dateityp: pdf<br>Größe: 0.27 MB</b></center><br><br>In dem Teil der Milchstraße, der sich der Alpha-Quadrant nannte, hatte sich eine Vielzahl intelligenter Spezies etabliert, deren Kultur jahrtausende alt geworden war. Viele von ihnen hatten einen langen Weg bestreiten müssen, um zu diesem Punkt gelangen zu müssen. Zahlreiche dieser Zivilisationen hatten Kriege, Seuchen und Naturkatastrophen überstehen müssen, doch aus all diesen grauenvollen Dingen waren sie gestärkt hervorgegangen und mit dem unbändigen Willen eine bessere Zukunft für ihre Nachkommen zu erschaffen. Nach und nach entwickelten sie den Raumflug. Viele von ihnen begannen erst mit kleinen, unbemannten Sonden, die nur wenige Tage im Orbit ihres Heimatplaneten blieben. Doch diese Erfahrungen waren unschätzbar, um mit der nächsten Stufe zu beginnen: dem Versuch eine bewaffnete Mission zu starten. Immer aufwendiger wurde die Technik und immer schneller die Antriebe. Am Anfang maß man die Geschwindigkeit noch in Stundenkilometern, dann in Lichtgeschwindigkeit und eines glorreichen Tages schafften es die raumfahrenden Völker einen Antrieb zu entwickeln, der als Warpantrieb bekannt war. Er gestattete überlichtschnelles Reise und etwas, was man vorher niemals für möglich gehalten hatte: den Transfer zu einem anderen Sonnensystem. Zaghaft setzten diese Völker einen Fuß vor den anderen und begannen durch ihre unmittelbare interstellare Nachbarschaft zu stolpern. Mit zunehmender Erfahrung trauten sie sich immer größere Distanzen zu und irgendwann begannen sich die Völker untereinander zu treffen. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte mussten die Völker einsehen, dass sie nicht allein im Universum waren. Natürlich gestalteten sich die Aufeinandertreffen dieser verschiedenen Kulturen aus äußerst schwierig. Jahrelange Konflikte und Kriege waren zu Beginn die Regel, basierend auf Missverständnissen und Ängsten der jeweiligen Seite. Doch irgendwann rauften sich einige der Völker zusammen und begannen etwas zu gründen, was man niemals vorher für möglich gehalten hatte: eine Vereinigte Föderation der Planeten. Eine interstellare Allianz, die Sicherheit und Wohlstand für die Mitgliedsvölker garantieren sollte. Natürlich waren beileibe nicht alle Spezies Mitglied der Föderation, viel genauer handelte es sich nur um einen Bruchteil, denn auch andere Imperien bildeten sich. Dennoch schaffte man es innerhalb der Föderation und damit dem Alpha-Quadranten einen gewissen Wohlstand zu schaffen. Es war eine gute Welt, nicht makellos, dennoch mit Chancen für jedes einzelne Individuum.<br>Doch nicht alle Bewohner dieses Universums hatten nicht dasselbe Glück wie die anderen.<br>Hier nun die Geschichte einer Welt, in der es niemals eine Föderation gegeben hat:<br><br>Die Welt hinter dem Spiegel. Umgangssprachlich war es auch als Spiegeluniversum oder <br>"Das Paralleluniversum bekannt" ( auch wenn dies nicht wissenschaftlich exakt war ).<br>Der Föderation und dem Alpha-Quadranten war es schon seit mehr als hundert Jahren bekannt, seit der Zeit von James T. Kirk. Jener glorreiche Pionier der Raumfahrt war während einer harmlosen Außenmission aufgrund eines Transporterunfalls in das Spiegeluniversum geraten, dass ein verzerrtes Abbild der Menschheit zeigte. Dort gab es nicht die Vereinigte Föderation der Planeten, sondern das Terranische Empire, dass mit eiserner Hand über ein Gebiet herrschte, dass zweimal so groß wie das der Föderation war. Zahllose Völker waren durch das brutale Bündnis von Menschen und Vulkaniern unterjocht und ausgelöscht worden, es herrschte Barbarei. Die Sternenflotte existierte nicht hauptsächlich, um zu forschen oder zu verteidigen, sondern um die innere Ordnung mit unglaublicher Härte aufrecht zu erhalten. Doch diese Schreckensversion eines Quadranten, diese abstoßende Gesellschaft erschien noch als ein Segen, im Vergleich dazu, was im 24. Jahrhundert auf den Alpha-Quadranten hinzukam. Die Allianz formte sich, ein politisches, wirtschaftliches Bündnis aus Klingonen, Cardassianern, Bajoranern und einem Dutzend anderer Spezies. Es hätte das Äquivalent der Föderation sein können, doch stattdessen wurde es ein militärischer Block, der nur auf eines aus war: die Vernichtung des Empires. In einem langen, blutigen Konflikt, in dem fast der ganze Alpha- und Beta-Quadrant involviert waren, wurde das Empire langsam zurückgedrängt, erst von den Außenwelten, dann schließlich nach Vulkan und der Erde. Und genauso wie das ruchlose Empire kannte die Allianz keine Gnade, als sie den Planten vier Tage und Nächte lang bombardierte, bis der ganze pazifische Ozean verdampft und soviel Staub in die Atmosphäre aufgewirbelt worden war, dass sich aus der Weltraum nur noch schwarze Wolken über aschgrauen Landmassen zeigten. Dann war Vulkan dran. Trotz ihrer Kapitulation wurde auch dieser Planet verwüstet. Das gesamte Raumgebiet des Empire diente nun als gigantisches Gefangenenlager, wo Milliarden von Menschen und Vulkaniern nur einen geringfügig höheren Status als Tiere hatten und eine neue Zeit der Dunkelheit legte sich über den Quadranten. Exekutionen, Arbeitslager, Folterungen, auch von Frauen und Kindern, sind an der Tagesordnung bei der Allianz, die vom brutalen klingonischen Regenten Worf geführt wird. Und abermals sollten Besucher aus dem anderen Universum eine Veränderung einleiten. Aufgrund eines Plasmalecks strandeten Major Kira Nerys und Doktor Julian Bashir in diesem Universum, auf Terok Nor, einem weiteren Internierungslager, indem zahllose Menschen in den Minen schuften mussten. Ihr Besuch stachelte die Leute an, allen voran den alles andere als ehrenwerten Frachterkapitän Ben Sisko und Miles "Smiley" O´Brien, einen Aufstand anzuzetteln, die große Terranische Rebellion, welche innerhalb kürzester Zeit Terok Nor eroberte und Widerstandszellen in den Badlands und auf Dutzenden von anderen Planeten einrichtete. Wieder einmal zerreißt ein Krieg dieses Universum, ein Krieg, der nur schleppend vorangeht, dank der Hilfe der hier nachgebauten Defiant, die mithilfe unseres Captain Sisko gebaut wurde. Der Transfer in dieses Universum war verboten...<br><br>Bajor war ein wunderschöner Planet. Zumindest, wenn man kein Angehöriger eines Volkes des ehemaligen Terranischen Imperiums war, denn dann galt man auf dieser ehemals von Menschen besetzten Welt als vogelfrei. Alle anderen konnten sich an der schönen Architektur, der großartigen Geschichte und der spirituellen Ruhe dieser Welt erfreuen. Wunderbare Bäche flossen durch grüne Gartenanlagen, durch die Mönche wanderten und religiöse Prozessionen abhielten. Die Religion war auf Bajor nur noch schwach vertreten. Zu stark hatten die Menschen hier während der Besatzung gewütet und so den Bajoranern den Glauben an ihre Propheten geraubt. Inzwischen galt die Religion als antiquiert und nur wenige suchten die Kloster auf der Suche nach dem Heil auf. Daher konnten die Kloster als ideale Verstecke herhalten, in denen Personen, die nicht gefunden werden wollten, hier untertauchten. Natürlich nur, wenn die zu suchende Person nicht wusste, wonach sie Ausschau halten musste.<br>Arena Tellom war jedoch niemand, den man leicht über das Ohr hauen konnte. Die junge Terellianerin hatte zu viel Zeit und Mühe in diese Suche investiert, als dass man sie an diesem Punkt noch hätte austricksen können. So viele Monate war sie durch das All gereist, hatte gefährliche Orte und Personen aufgesucht, die ihr nach und Puzzlesteine liefern konnten, die ein fertiges Bild ergaben. Ein Bild, vielmehr eine Karte, die ihr den Weg zu ihrem Ziel wies. Das Ziel war in diesem Fall ein Andorianer, ein junger Mann, der einmal auf ihrer Seite gestanden hatte. Dieses blauhäutige Volk war bekannt für seine wechselhaften Loyalitäten und auch dieser Angehörige seiner Spezies hatte keine Ausnahme gemacht. Die kriegerischen Andorianer machten immer gemeinsame Sache mit dem Stärkeren, drehten ihre Fähnchen so nach dem Wind, wie es ihnen gerade passte. Arena hasste das Volk für diese Angewohnheit und noch mehr verabscheute sie diesen Mann, auf dessen Suche sie war. Damals, in der Blütezeit des Terranischen Imperiums, waren die Andorianer willfährige Untergebene gewesen, immer auf der Suche nach dem besten Stück des galaktischen Kuchens. Dann kam der Niedergang der alten Herrschaft, die Allianz etablierte sich und wie viele alte Herrscherrassen gingen die Andorianer in den Untergrund, um dort den bewaffneten Kampf gegen die neue Ordnung aufzunehmen. Doch nicht allzu lange, denn schon bald schloss sich Andor der Allianz an. Sie wechselten die Seiten und mit dem Wissen, welches sie über die Rebellen hatten, löschten sie Tausende von Widerstandskämpfern aus. <br>Bei diesem Andorianer, auf dessen Suche Arena war, dachte sie immer er wäre nicht so. Er schien so überzeugt von ihrem Freiheitskampf zu sein, von ihrem Willen zu siegen. Und sie dachte er würde sie lieben. Viele Jahre lang war die Terellianerin mit diesem Andorianer verheiratet gewesen, bis er sie betrog. Nicht nur im körperlichen Sinne, sondern auch im geistigen. Er verriet die Rebellen und setzte sich zur Allianz ab, wie Hunderte seiner Vorfahren schon vor ihm. Dieser Ardev, so hieß der junge Mann, war verabscheuungswürdig. Inzwischen hasste Arena ihn mit jeder Phase seines Körpers. Nicht nur, dass er mit anderen Frauen schlief, nein, er hatte auch unzählige seiner alten Kampfgenossen an den Feind verraten. Hatte er an sie gedacht, als die mächtigen Schiffe der Allianz erschienen und einen nach dem anderen getötet hatten? Oder hatte er es sich in diesem Moment gerade mit seiner Geliebten gemütlich gemacht, im Überfluss gespeist und gelacht?<br>Allein für diesen Gedanken hasste sie ihn. Arena hatte keinerlei Ahnung, ob dieses Bild echt war oder obwohl es nicht vielmehr ein Produkt ihrer blühenden Phantasie darstellte. Was am Ende zählte war, dass es sie motivierte Ardev zu finden. Die Suche hatte lange gedauert, doch nun hatte sie ihren Ex-Ehemann auf Bajor gefunden. Ein passender Ort, wie sie böse grinsend fand. Ein Planet, der sich des persönlichen Vorteils auf die Allianz eingelassen hatte und grausam regiert hatte. Genauso instabil und willfährig wie Ardev waren die Bajoraner. Da war es nur gerecht, dass er auf ihrer Heimatwelt starb.<br>Leise stieg Arena die Treppe zu dem bajoranischen Klosterkeller herab. Hier unten befanden sich die Quartiere und wie sie dem altmodischen Gästebuch entnommen hatte musste sich Ardev hier unten befinden. Sie hatte die wenigen Mönche, die über den Flur liefen, genau abgepasst und war ihnen ausgewichen. Nervös umklammerte sie ihre Strahlenpistole und lugte um die Ecke. Niemand zu sehen. Nun, nachdem sie so viel Zeit in die Suche investiert und so kurz vor dem Ziel stand, stieg tatsächlich Anspannung in ihr Hoch. Dabei gab es dafür überhaupt keinen Grund. Ihr ehemaliger Mann würde keinerlei Gefahr für sie darstellen. <br>In dem Keller hier unten befanden sich die Unterkunftsquartiere. Einfache Räume, die von alten Holztüren verschlossen wurden. Arena wusste genau, hinter welcher Tür sich Ardev befand. Geschwind ging sie zu dem entsprechenden Raum, drückte den Türknauf herum und huschte in den Raum. So unscheinbar wie von außen wirkte seine Unterkunft gar nicht. Nicht, dass Arena dies nicht erwartet hätte. Der entsetzte Andorianer lag in einem großzügigen Bett, zusammen mit einer bajoranischen Mätresse. Rings um sie herum standen Schalen und Teller mit kostbaren Früchten, Speisen und Getränken. Im Hintergrund wurde leise bajoranische Musik abgespielt. Es war eine Ironie, dass sie Ardev genau in der Situation fand, wie sie ihn sich immer vorgestellt hatte. Erst blickte ihr Exmann geschockt auf, dann erkannte er den Eindringling und setzte dieses schmierige, selbstgefällige Lächeln auf, welches sie so sehr an ihm hasste. Dies war der einzige Auslöser, den sie brauchte, um ihre Tat zu beenden. Ohne zu zögern drückte sie den Abzug und desintegrierte Ardev. Um Zeugen zu beseitigen tötete sie auch dessen Geliebte. Dann endlich war die Jagd zu Ende. Zufrieden verließ Arena das Kloster. Nun endlich konnte sie ein neues Leben beginnen. <br><br>Nach einem langen und schwierigen Einsatz dockte die USS Defiant an der ehemaligen Allianz-Raumstation Terok Nor an. Nachdem die Andockklammern festgerastet waren gestattete sich Bruce Land einen tiefen Seufzer und drehte sich herum, blickte von seiner Navigationskonsole zum Kommandantensessel, in dem sich Captain Julian Bashir befand. Der Araber erwiderte den Blick seines Steuermanns grimmig, lächelte schief und erhob sich dann wie der Rest der Besatzung, um sich eine kurze Erholungspause an Bord der Heimatbasis zu gönnen. Der englische Navigator jedoch blieb noch für einen kurzen Moment allein auf der Brücke, ließ die Atmosphäre auf sich einwirken. Stück für Stück rekapitulierte er die vergangenen Stunden, rief sich ihr nervenaufreibendes Gefecht ins Gedächtnis. Fast hätte der Hinterhalt auf einen cardassianischen Konvoi in einem Fiasko geendet, als sich mehrere klingonische Bird of Preys enttarnt und das Feuer auf die kleine Defiant eröffnet hatten. Nur seiner schnellen Reaktion war es zu verdanken gewesen, dass nicht schon die erste Salve ihr Leben ausgelöscht hatte. Auch wenn dieses Schiff auf den Konstruktionsplänen einer Defiant aus einem anderen, besseren Universum basierte, so waren die beiden Schiffe nicht miteinander zu vergleichen. Hier hatten sie nicht die freie Auswahl an hochwertigen Materialien, sondern hatten das nehmen müssen, was ihnen zur Verfügung gestanden hatte. Panzerung und Schildenergie waren nicht einmal ansatzweise mit der originalen Defiant vergleichbar. Nein, jeder an Bord dieses Schiffes wusste, dass sie ihr Leben den Fähigkeiten von Bruce Land zu verdanken hatten. Schon früh war dem Rebellenoberkommando sein scheinbar in die Wiege gelegtes Talent für das Steuer aufgefallen und so hatte man ihn zum Piloten des wohl wichtigsten Schiffes der Rebellion gemacht. Zu Beginn hatte Bruce sich völlig überfordert gefühlt. So viele Knöpfe und Funktionen, die ihm völlig unbekannt gewesen waren und die er erst hatte lernen müssen. Doch nach einiger Zeit hatte er sich mit der Defiant angefreundet und nun war er ein unverzichtbarer Teil des Schiffes. Wahrscheinlich war er sogar der einzige Spezialist an Bord dieses Kahns. Alle anderen Besatzungsmitglieder waren Ungelernte, austauschbar und namenlos. Tag für Tag verloren die Rebellen Unzählige Leben, doch der Strom an neuen Freiwilligen schien nicht abzureißen. Müde rieb sich Bruce durch das Gesicht, spürte dabei deutlich seinen Vollbart. Vor Wochen hatte er sich eine Rasur vorgenommen, doch war er nie dazu gekommen. Die Nächte auf Kampfpatrouillen waren kurz und die Freizeit noch kürzer. Auf Außenstehende mussten sie wie ein zusammengewürfelter Haufen wie Barbaren aussehen, ungewaschen und zornig. Doch jeder der Rebellen hatte einen ganz persönlichen Grund in diesem Konflikt mitzukämpfen.<br>Endlich erhob sich auch Land und begab sich durch die Luftschleuse auf die Raumstation, die nun schon seit mehreren Jahren den Kern des terranischen Widerstandes darstellte. Trotz ihrer Nähe zu Bajor und Dutzenden von Versuchen des Feindes hatten sie immer wieder diese wichtige Festung halten können. Der Verlust Terok Nors war zwar nur ein Nadelstich für die mächtige Allianz gewesen, doch für die Menschen hatte dieser Sieg einen unglaublichen moralischen Wert gehabt. An Hunderten von Personen drängte sich Bruce vorbei, auf der Suche nach dem nächsten Turbolift. Die OPS war sein Ziel, wo er zusammen mit Captain Bashir seinen Bericht abgeben sollte. Endlich fand er eine leere Kabine und ließ sich in das Nervenzentrum transportieren. Immer noch wirkte die Einsatzzentrale der Raumstation imposant auf ihn, auch wenn er sie schon so oft gesehen hatte. Hier hatte man wirklich das Gefühl, dass sie vorankamen, auch wenn es sich nur um wenige Meter handelte. Terok Nor war einfach ein immens wichtiges Symbol für sie alle.<br>Im Büro der ehemaligen Intendantin dieses Sektors saß Miles O´Brien, von allen nur „Smiley“ genannt und einer der führenden Köpfe der Rebellion. Durch die geschlossenen Glastüren konnte Land deutlich erkennen, wie Julian Bashir lässig an einer Wand neben O´Brien lehnte. Geschwinden Schrittes betrat der Navigator das Büro, legte seine Lederjacke ab und warf sie scheinbar achtlos auf ein altes Sofa, welches sich an einer Längswand befand.<br>„Gut, dass du da bist“, raunte Julian und strich sich eine Strähne seines Haars zurück. Immer noch schaffte er es nicht seine Haare vernünftig zusammenzubinden, damit sie ihn nicht ständig störten. Inzwischen vermuteten sie alle, dass er dies absichtlich tat, um einen verwegenen Eindruck zu machen. Julian Bashir war ein Wahnsinniger, ein Killer, der sich für jede mögliche Mission meldete, nur um der Allianz eins aus zu wischen. Bei ihm handelte es sich um einen modernen Piraten, der hauptsächlich des Abenteuers wegen an der Rebellion teilnahm. Und der Rache wegen, so wie sie alle. Seit Jadzia, seine Lebensgefährtin, vor einigen Jahren bei einem Gefecht getötet wurde, war Julian nicht mehr derselbe gewesen. Nun kämpfte er noch verbissener, gnadenloser. Auf der Brücke der Defiant waren Julian und er Verbündete, die sich aufeinander verlassen konnten, doch außerhalb des Gefechtsdienstes hielt es Bruce für besser sich etwas vom Araber fern zu halten. Für ihn war es unverstellbar, dass Bashir jemals etwas anderes machen könnte außer töten. Dies war seine Natur und vielleicht war es auch gut so diese zu akzeptieren.  <br>„Ja, Julian wollte mir gerade einen Missionsbericht abliefern“, stimmte Smiley O´Brien zu und lächelte warmherzig. Eine Geste, die bei dem Iren immer noch seltsam wirkte, da völlig ungewohnt. Sein Spitzname rührte nicht von der Tatsache, dass er so oft lachte, sondern weil er es eben nicht tat. Der alte Captain Benjamin Sisko, ein übler Trinker und Glücksheld, hatte ihm nach dessen Befreiung diesen Spitznamen gegeben und seitdem kam O´Brien nicht davon los. Es war wie ein Stigma für ihn; ein Erkennungssymbol.<br>„Viel braucht man eigentlich nicht zu sagen“, protzte Bashir und kratzte sich am unrasierten Kinn. „Wir sind zum Konvoi geflogen, haben drei Frachtschiffe platt gemacht und einen Bird of Prey, bevor wir uns zurückziehen mussten.“<br>„Die Beschreibung ist zwar recht kurz und blumig“, erklärte Bruce Land, „dennoch trifft sie im weitesten Sinne zu. Nur möchte ich hinzufügen, dass ich die Begegnung mit den klingonischen Schiffen weitaus weniger amüsant fand als Mr. Bashir hier. Um ehrlich zu sein hatten sie uns ganz schön am Wickel.“<br>„Aber was soll uns schon passieren mit dem besten Piloten der gesamten Rebellenflotte?“ rief Julian heiter und klopfte ihm viel zu fest auf die schmerzende Schulter. „Heute Abend gebe ich dir einen Drink im Morn´s aus, was hältst du davon?“<br>„Du solltest weniger trinken.“<br>„Dies liegt im Auge des Betrachters“, erwiderte der Araber und schien zu schmollen. Es war schon eine seltsame Situation. Eigentlich war ein Sieg wirklich schön und selten genug, doch Julian Bashir neigte dazu zu oft das Tanzbein zu schwingen und sich in die Bewusstlosigkeit zu trinken. Er war leicht zu beeindrucken, zumindest schien es so. Nur die engsten Freunde von ihm, und dazu zählte Miles O´Brien, wussten, dass er so nur seine eigene Angst überspielen wollte. Eine Angst, die sie alle teilten.<br>„Nennenswerte Schäden an der Defiant?“ fragte der nominelle Anführer der Rebellion.<br>„Nichts, was man nicht reparieren könnte.“<br>Die Antwort Lands war knapp, aber präzise. Jeder von ihnen wusste um die knappe Ersatzteilsituation. Es war nun nicht gerade so, dass sie einfach den nächsten Großlieferanten anrufen und so etwas wie neue Triebwerke bestellen konnten. Die Allianz kontrollierte penibel die Transaktionen in ihrem Raumgebiet und andere Großmächte wollten sich nicht in diesen internen Konflikt einmischen. Niemand legte sich mit der Allianz an, dem größten Völkerbund in der Geschichte der Quadranten. Sie hätte ein leuchtendes Symbol für Frieden und Freiheit sein können, doch hervorgegangen aus einer barbarischen Diktatur war sie zu einer noch viel schlimmeren Geißel geworden als das Regime vor ihr. Die Namen und Orte mochten getauscht worden sein, die Methoden blieben dieselben.<br>„Noch etwas, was ich für meinen Lieblingsiren tun kann?“ fragte Julian übertrieben freundlich und stieß sich kraftvoll aus seinem Stuhl heraus.<br>„Ja, da wäre noch etwas, “ erläuterte Smiley nach einigem Nachdenken, „ich möchte, dass du bis morgen früh ein Team deiner Wahl zusammenstellst.“<br>„Ein Team? Für was?“<br>„Das sage ich euch morgen, bei einer Besprechung. Wichtig ist jetzt nur, dass du eine schlagkräftige Mannschaft zusammenstellst. Deine Wahl, deine Risiken. Morgen früh in der Offiziersmesse erfahrt ihr dann mehr.“<br>Die Worte von O´Brien waren geheimnisvoll und aufregend zugleich. Land und Bashir blickten sich gegenseitig an und schon im nächsten Moment wusste der Pilot, dass er auf jeden Fall dabei sein würde. Auf jeden Fall schien es um eine große Sache zu gehen.<br>„Hauptsache uns bietet sich die nächste Gelegenheit die Allianz zu vernichten!“ raunte Bashir und verließ das Büro. Bruce blickte ihm noch kurz nach, seufzte angesichts dieses Ausrufs und begab sich dann in sein Quartier. Er musste sich ausruhen.<br><br>Es hatte einige Zeit in Anspruch genommen, doch schließlich hatte Julian Bashir eine kleine Schar an Freiwilligen erwählt, die sich nach und nach im Besprechungsraum der Station einfanden. An diesem Treffen wurde deutlich, dass es sich bei den Rebellen nicht um eine organisierte Streitmacht, sondern um einen lockeren Verbund von Gleichgesinnten handelte. Viel zu spät trafen die Auserwählten in dem ehemaligen Offizierskasino der Allianz ein. Seit dem die Rebellen die Herren der Station Terok Nor wurden, hatte man jegliche Zeichen der Allianz entfernt. Überall an Bord müssen die Dutzenden von Symbole der Allianz entfernt werden: der cardassianische Schattenkrieger, der mit seinen Schwingen den klingonischen Dreizack umschloss. Diese Darstellung von den Wänden und Böden der Station zu entfernen wirkte auf viele ehemalige Sklaven, die in den Erzaufbereitungsanlagen Terok Nors schuften mussten, wie eine Befreiung. Eine solche Aktion hatte sicherlich nur symbolischen Wert, dennoch durfte man ihre moralische Intensität nicht unterschätzen. Der nächste Schritt zur Etablierung der Rebellenherrschaft über die Station war weitaus schwieriger gewesen: die zahlreichen versteckten Wanzen und Spione hatte man aufspüren und vernichten müssen. Letztere, die menschlichen Kollaborateure und Verräter, waren schnell aufgespürt und ihrer gerechten Strafe zugeführt worden. Die technischen Geräte, die jedoch die Allianz für den Fall der Fälle auf ihrem Stützpunkt angebracht hatte, waren weitaus schwieriger zu finden gewesen. Aufgrund ihrer jahrzehntelangen Unterdrückung waren nur die wenigsten von ihnen in der Lage komplexe technische Arbeiten durchzuführen. Dies stellte immer noch ihr größtes Problem dar. Obwohl sich viele der Rebellen immer mehr technisches Wissen aneigneten war es immer noch ein großes Desaster, wenn wichtige Geräte ausfielen. Dann nämlich wurde es äußert schwierig jemanden zu finden, der das Problem wieder beheben konnte. Selbst der Anführer der Rebellion, Smiley O´Brien besaß trotz seiner langen Arbeitszeit als Techniker der Stufe Theta nur das Basiswissen.<br>Doch über solche Probleme wollten die meisten nicht nachdenken. Viele von ihnen handelten nach der Devise: wenn ich das Problem nicht sehe, dann existiert es auch nicht. Mit dieser Belastung mussten sie alle leben, denn derzeit sah es nicht so aus, als würde sich an diesem Mangelzustand in naher Zukunft etwas ändern.<br>Ganz der Anführer hatte O´Brien als erster im Konferenzraum Platz genommen und wartete auf das Eintreffen des Einsatzteams. Wie bereits gesagt nahmen es die meisten von ihnen mit der Pünktlichkeit nicht allzu genau. Nach so langer Zeit der Leibeigenschaft genossen sie diese kleine Freiheit sich ein paar Minuten verspäten zu können. Was früher schwerste Bestrafungen nach sich gezogen hatte lockte heute kaum einen mehr hinter dem Ofen hervor.<br>In der Wahl der Freiwilligen hatte Smiley seinem Weggefährten Captain Bashir die völlige Freiheit gelassen. Wenn er jetzt jedoch auf die Schar derer blickte, denen er die vor ihnen liegende Mission erklären wollte, stiegen in ihm Zweifel angesichts dieser Entscheidung hoch. Die meisten der hier versammelten besaßen einen zweifelhaften Ruf, galten als faul und nicht gerade diszipliniert. Natürlich war es schwierig unter dem bunt zusammengewürfelten Haufen der Rebellen ein passables Einsatzteam zu finden, jedoch war sich Smiley mehr als sicher, dass er andere Personen gewählt hatte. Die sechs Personen, inklusive Julian Bashir, hatten ihren Platz an dem großen Tisch angenommen und warteten auf das, was nun folgen würde. Kurz blickte der Ire zu Julian, runzelte die Stirn, was der Araber mit einem kurzen Lacher quittierte. Sie beide hatten zwar dasselbe Ziel, jedoch unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie man jenes erreichen sollte. Sei´s drum! Nun waren die Mannen hier und es galt die Sache zu riskieren. <br>„Ich danke ihnen allen für das doch recht kurzfristige Erscheinen“, begann O´Brien ungewohnt förmlich. „Bevor ich zu dem Thema des heutigen Zusammentreffens komme würde ich gerne sie alle bitten sich vorzustellen. Natürlich kennt jeder einen anderen aus diesem Kreis, doch ich bezweifle, dass sie über jeden einzelnen der hier Anwesenden Bescheid wissen.“<br>„Was soll das denn?“ unterbrach ihn ein aufsässiger Betazoid, der seinen rechten Fuß auf den Tisch gelegt hatte. O´Brien kannte den Störenfried leider nicht. „Kannst du nicht einfach loslegen und uns sagen, was Sache ist?“<br>„Dies werde ich tun… nachdem ich weiß, mit wem ich es zu tun habe und ich denke mal dies geht den anderen ähnlich. Tatsächlich glaube ich sogar, dass es immanent wichtig ist den Kameraden zu kennen, mit denen sie alle sich in das Abenteuer stürzen werden. Wieso fangen sie nicht einfach an?“<br>Die Aufforderung des Rebellenanführers hallte noch einige Zeit im Raum nach und fast schon schien es so, als würde der Angesprochene nicht reagieren. Dann grinste der Betazoid feixend und erklärte:<br>„Mein Name ist Matthew Price, ein Name, den man sich merken sollte ( falls man ihn nicht jetzt schon kennt ). Ich verdiene meinen Lebensunterhalt mit dem Bewältigen von schwierigen Aufträgen, bei denen – sagen wir es mal so – der Einsatz von Schusswaffen manchmal erforderlich ist. Ich bin hier aufgrund eines passablen Interviews von Julian Bashir.“<br>„Er ist ein Söldner“, kürzte Captain Bashir die Vorstellung ab. „Ich brauchte noch einen fünften Mann.“<br>„Bin ich etwa ein Lückenfüller??“<br>„Nein, ganz und gar nicht! Sie sind essentieller Bestandteil dieser Mannschaft!“ konterte Bashir schnell ab und blickte zu der Person, die neben Price saß; als stummes Zeichen, dass diese nun an der Reihe war.<br>„Mein Name ist Bruce Land und ich bin der Pilot der Defiant“, war die knappe Erläuterung des Briten. Mehr brauchte er eigentlich auch nicht zu sagen, denn er war zumindest auf der Station bekannt.<br>„Und ich sollte ebenfalls den meisten ein Begriff sein. Ich bin Arena Tellom, “ stellte sich die Terellianerin vor und beugte sich dabei verschwörerisch vor. „Nachdem ich einige Zeit in privater Mission unterwegs gewesen bin freue ich mich nun endlich wieder meinen Beitrag zu unserem bewaffneten Kampf leisten zu können.“<br>O´Brien und Land blickten sich kurz an, wobei jedem ersichtlich wurde, was der andere dachte. Die meisten wussten, was Tellom mit ihrer privaten Mission gemeint hatte. Tatsächlich hatte Smiley sogar ihre Exkursion unter der Hand unterstützt, denn er hatte Ardev genauso verachtet wie sie selbst. Der Quadrant war ohne ihn besser dran, zumindest wenn man dies aus der Perspektive der Rebellen sah.<br>„Jozarnay Woil ist mein Name und ich habe mich freiwillig hierfür gemeldet“, erläuterte die nächste Person in der Runde. Es handelte sich um einen Antosianer mit langem Haar, welches er sorgsam zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte. „Keiner von euch dürfte mich kennen, denn ich bin erst vor kurzem auf die Station gekommen. Jedoch habe ich schnell Wind davon bekommen, dass Captain Bashir Leute für eine Mission sucht und ich habe mich sofort gemeldet.“<br>„Ah, ein Idealist, “ spottete Price und grinste den Antosianer an. <br>Dieser ließ sich jedoch nicht beeindrucken, entgegnete stattdessen mit selbstsicherer Stimme.<br>„Jeder leistet seinen Beitrag in unserem Kampf für die Freiheit. Ich möchte da nicht außen vor bleiben.“<br>„Also ich tu´s für Geld, “ fasste Matthew Price ziemlich schnell zusammen, wieso er sich hier befand. <br>„Und ich, weil ich daran glaube“, konterte Woil und ließ keinen Zweifel daran, was er von der Einstellung des Betazoiden hielt: gar nichts.<br>„Da wir uns nun alle miteinander bekannt gemacht haben möchte ich nun zu dem Grund ihres Hier seins kommen“, meinte O´Brien und beendete so den aufkommenden Streit. Hier und jetzt war kein Platz über eine kleinliche Diskussion über Werte. Die Lage war ernst genug und es galt zur Sache zu kommen.<br>Doch der Ire kam nicht dazu seine Erläuterungen fortzuführen. Denn schon im nächsten Moment läutete es am Schott des Konferenzraumes. Überrascht blickten sich Julian und Miles an, dann wurde die vor dem Schott stehende Person hereingebeten. Schon im nächsten Moment bereuten sie alle diese Entscheidung. Man lief Gefahr, dass ein Tumult losbrach, als sich so gut wie alle im Raum Anwesenden erhoben und losschrien. Nur mit Mühe schaffte es O´Brien Ruhe in den Raum einkehren zu lassen. Nach und nach setzten sich die Anwesenden, wobei es bei Arena Tellom am längsten dauerte. Ihr Blick schien Giftpfeile zu verschießen, denn in ihren Augen war der Neuankömmling auf einer Stufe mit dem getöteten Ardev. <br>Es war an Julian Bashir, selber ein Heißsporn, das in Worte zu fassen, was die meisten dachten:<br>„In diesem Raum“, schien er förmlich auszuspucken, „ist kein Platz für Verräter.“<br>Der Angesprochene erwiderte den Blick Bashirs selbstsicher, machte so deutlich, dass er keine Angst hatte.<br>„Nur weil mein Bruder ein Verräter gewesen ist, muss dies nicht zwangsläufig auch auf mich zutreffen.“<br>Die Worte Martin Lewinskis hallten lange im Raum wieder. Die meisten von ihnen schienen über seine Worte und darüber, was sie nun tun sollten, nachzudenken.<br>„Und was willst du hier, Martin?“ griff O´Brien den Gesprächsfaden wieder auf. „Dies hier ist eine nichtöffentliche Sitzung und wir würden gerne damit fortfahren.“<br>Der Bruder von John Lewinski fuhr sich mit der Hand durch das kurz geschnittene blonde Haar, seufzte und erwiderte:<br>„Ich weiß, dass ihr da eine Sache plant und ich möchte dabei sein.“<br>„Wieso sollten wir dich dabei haben wollen?“ warf Bruce Land ein. Zwar besaß er keine Vorurteile gegenüber Martin, doch wie alle anderen in diesem Raum hatte er hautnah den Verrat John Lewinskis miterlebt.<br>„Weil mir dies hier die Möglichkeit geben kann meinen Namen, der durch meinen Bruder beschmutzt worden ist, wieder reinzuwaschen. Wenn ich an dieser Mission teilnehme, die scheinbar recht wichtig sein muss, denn sonst würdet ihr nicht so ein Aufsehen darum machen, so kann der Name Lewinski bald endlich wieder für Integrität stehen.“<br>Wieder herrschte Stille im Konferenzraum. Bashir und O´Brien blickten sich mal wieder an. Nach einer so langen gemeinsamen Zeit schienen sie beide die Form der nonverbalen Kommunikation zu beherrschen.<br>„Wenn du uns verrätst…“ drohte Julian mit dem erhobenen Zeigefinger.<br>„Auch wenn ihr meinen Bruder für seinen Verrat hingerichtet habt, hege ich keinen Groll gegen euch. Ganz ehrlich, ich hätte in eurer Situation dasselbe getan!“<br>Und mit diesen Worten setzte sich Martin Lewinski an den noch einzigen freien Platz neben Arena Tellom, die sich bezeichnenderweise etwas von ihm wegsetzte.<br>Was soll´s, der Haufen ist eh schon verrückt genug, fand O´Brien und machte sich daran den Einsatzplan zu erläutern. Ob jetzt der Bruder eines Verräters an der Mission teilnahm, ein Söldner oder eine rachsüchtige Ehefrau, skurriler konnte die Zusammenstellung des Teams eh nicht werden. Und Martin hatte recht: eine Vorverurteilung seinerseits nur aufgrund der Taten von John war weder fair noch clever. Denn so würden sie möglicherweise nur eine zweite Person in die Arme der Allianz treiben.<br>„Ich denke mal jetzt komme ich endlich zu dem Thema unser allen Hier seins, “ wagte Smiley O´Brien einen zweiten Versuch. „Es dürfte niemanden von ihnen ein Geheimnis sein, dass unsere Rebellion nur schleppend vorangeht. Ja, wir haben Erfolge und jeder einzelne von ihnen tut uns wirklich gut. Jedoch haben wir nur wenige dieser Erfolgserlebnisse und sie nehmen stetig ab. Langsam beginnt sich die Allianz unseren Taktiken anzupassen, zudem wächst ihr Misstrauen gegenüber Angehörigen unserer Rassen, was sie zu Massenverhaftungen und –hinrichtungen zwingt.“<br>„Ein Grund mehr der Allianz in den Hintern zu treten!“ rief Jozarnay Woil dazwischen und erntete anerkennende Zwischenrufe der anderen Anwesenden.<br>„Genau dies werden wir auch tun.“ Die Worte von O´Brien waren genau richtig platziert. Inzwischen hatte er gelernt, wie man eine Gruppe von Menschen durch die Kraft des gezielten Wortes motiviert. „Ich habe vor ein Team auszusenden, dies sind sie, welches uns einen taktischen Vorteil verschaffen soll. Wem ist die Amtszeit von Imperator Kirk ein Begriff?“<br>Eine überflüssige Frage, da jeder von der Zeit James T. Kirks wusste. Sein brutales Herrschaftsziel pflanzte die Saat für den Hass auf die Allianz. Wäre seine Regentschaft nur etwas ausgewogener gewesen… wer weiß, wie sich die Zukunft dann entwickelt hätte?<br>O´Brien lächelte. „Meine Frage war eh nur rhetorisch. Kirk war ein brutaler und durch scheinbar nichts zu stürzender Herrscher. Schließlich gelang es Spock, doch dies ist nicht Gegenstand unserer Sitzung hier. Was viel wichtiger ist, ist die Beantwortung der Frage, wie Imperator Kirk so lange seine Position halten konnte, obwohl er zahlreiche Feinde, auch innere, besaß.“<br>Wieder stoppte Miles, blickte in die Runde des Einsatzteams, welches auf ihn wie eine Truppe von Kreuzrittern wirkte. Alle dachten über seine Worte nach, ohne jedoch auf die Lösung zu stoßen. Wie auch? Der irische Anführer der Rebellen hatte selbst erst vor kurzem diese brisante Information erhalten und sofort diesen Plan ersonnen.<br>„Wer war Hikaru Sulu?“ fragte O´Brien in die Runde hinein.<br>Es dauerte einige Zeit, denn bei vielen waren die geschichtlichen Kenntnisse nur lückenhaft vorhanden oder eingerostet, dann antwortete Bruce Land:<br>„Kurz vor seinen Aufstieg zum Imperator war James Kirk Captain der ISS Enterprise, dem Flaggschiff der imperialen Flotte. Hikaru Sulu war sein Sicherheitschef / Taktikoffizier an Bord und entwickelte sich nach dessen Krönung zu einem seiner härtesten Rivalen. Schließlich verschwand Sulu und tauchte nie wieder auf.“<br>„Wurde jemals der Grund für sein Verschwinden aufgedeckt?“<br>„Nein“, entgegnete Land und schien nicht ganz zu verstehen, worauf sein Anführer hinaus wollte. „Natürlich vermutete James Kirk als Urheber der Aktion, aber es gab niemals eine Leiche. Es schien fast so, als wäre Sulu von der Bildfläche verschwunden.“<br>„Und dies trifft den Nagel auf den Kopf!“ Nun kam der große Auftritt von Smiley, der sich seine Worte sorgsam zurecht gelegt hatte. „Imperator Kirk hatte zahlreiche Feinde, die irgendwann verschwanden und nie wieder auftauchten. Der Grund dafür war in der Tat der Imperator, dennoch auf eine Art und Weise, wie keiner sie vermuten würde. Er besaß schon seit seiner Zeit als Kommandant der Enterprise ein Gerät namens &gt;, welches man auf bestimmte Personen richten und sie einfach entfernen konnte. Ohne organische Rückstände, ohne Spuren. Kirk hatte das Gerät schon an Bord des Schiffes gehabt und nahm es später in den Regentenpalast in Paris mit. Sparsam eingesetzt und unscheinbar gehandhabt war es ihm möglich seine ärgsten Widersacher zu eliminieren, ohne dass es großartig auffiel.“<br>„Woher hast du diese Information?“ fragte Matthew Price, der bei den Worten einer solchen Waffe sofort hellhörig wurde. Was sich damit alles anstellen ließe war unvorstellbar.<br>„Irrelevant. Was zählt ist der hundertprozentige Wahrheitsgehalt. Ich selbst habe untrügliche Beweise für die Existenz dieses Gerätes gesehen.“<br>„Und wir sollen dieses Gerät beschaffen?“ fragte Arena Tellom, grinste dabei. Auch ihr schien die Anwendungsweise dieses Gerätes zu gefallen.<br>„Ja! Denkt doch alle nur an den immensen Vorteil, den wir dadurch hätten. Zahlreiche Würdenträger und Funktionäre der Allianz könnten dann Ziel unserer Angriffe wären. Niemand, nicht mal der uns entwischte klingonische Regent, wäre vor uns sicher.“  <br>„Nicht einmal der Regent...,“ murmelte Bashir, immer noch laut genug, dass es die anderen mitbekamen.<br>„Und wo befindet sich dieser Schlüssel zu unserem Sieg?“ fragte Jozarnay, sprach damit die wohl wichtigste Frage des Tages an.<br>Die Antwort O´Briens hätte nicht entmutigender und schlimmer sein können:<br>„Auf der Erde.“<br>Ein Raunen ging durch die versammelte Menge, der Söldner Price lachte sogar nur verächtlich. Da das Geld stimmte würde er nicht von dieser Mission abspringen, dennoch war er an einem Punkt angelangt, wo er das ganze Vorhaben als lächerlich abtat. Dennoch war Matthew Price kein Mann, der einen Vertrag brach, egal wie gefährlich ein Auftrag war.<br>„Reden wir von derselben Erde, die nach dem alliierten Bombardement nichts mehr als ein gewaltiger Schlackehaufen ist, wo nie wieder Leben existieren kann? Wo sich der Himmel  dunkel verfärbt und die Ozeane verdampft sind?“<br>Jedes einzelne Wort von Martin Lewinski klang wie Donnerhall. Ob er nun bereute sich so sehr für die Teilnahme an dieser Sache eingesetzt zu haben?<br>„Es ist genau die Erde“, bestätigte Smiley und es schien ihm todernst zu sein. „Seit Jahrzehnten hat niemand mehr die Wiege der Menschheit betreten. Dort gibt es nichts mehr zu holen. Die letzten Rohstoffe sind von der Allianz geplündert worden und auch als Basis taugt diese Welt nichts mehr, denn sie besitzt keinerlei strategischen Wert. Abgesehen davon, dass wir gar nicht in der Lage sind dort eine Basis zu unterhalten. Die Allianz sieht darin keine Notwendigkeit.“<br>„Und wo soll sich das Tantalus-Gerät befinden? Immerhin ist die Erde nicht gerade ein kleiner Hinterhof, in dem wir frei nach Belieben herumschnüffeln können.“<br>„Ich war in der Lage den vermeintlichen Aufenthaltsort des Gerätes zu ermitteln…“<br>„Vermeintlich?“ unterbrach ihn Arena Tellom entrüstet. „Entweder man weiß es oder man weiß es nicht.“<br>„Das Gerät wird sich in einem unterirdischen Versteck befinden, welches wiederum unter dem ehemaligen Palast des Imperators ist. Genaue Koordinaten finden sie alle auf den Karten.“<br>Bruce Land wollte eigentlich nicht diese Frage stellen. Im Gegensatz zu den meisten anderen in diesem Raum vertraute er dem Iren ohne Vorbehalte und er wollte ihn unterstützen. Dennoch juckte es ihn zu sagen:<br>„Wir alle wissen, dass der imperiale Palast damals als erstes dem Bombardement zum Opfer fiel. Niemand konnte überhaupt zählen, wie viel Kilotonnen an Sprengstoff dort überhaupt niederfielen. Wieso sollte das Versteck noch da sein?“<br>„Weil Kirk paranoid war. Er baute sich unter dem Palast eine undurchdringliche Festung, die quasi unzerstörbar war. Man muss nur den Eingang finden.“<br>„Mehr nicht?“ fragte Price.<br>„Und ihr Vorteil: wir wissen genau, wo sich der Eingang befindet.“<br>Nun, nachdem er alle Karten offen auf den Tisch gelegt hatte, blickte Miles O´Brien noch einmal in die wackere Runde der Glücksritter. Er sah die unterschiedlichsten Reaktionen und Meinungen auf das eben Gesagte in den Gesichtern der Auserwählten, doch wie er es erhofft hatte bemerkte er zudem Abenteuerlust. Den Willen etwas noch nie da Gewesenes zu tun. Sie würden alle die Mission antreten. Eine Mission zum Wohle des gesamten Quadranten. <br><br>Noch ein kleiner Schnitt an dieser Stelle und schon war das Objekt fertig. Zufrieden, ja schon ein klein wenig stolz, blickte der Schneider der Station Terok Nor, auf den Rock, den er eben genäht hatte. Edward Jellico lächelte. Er freute sich schon auf den Gesichtsausdruck der jungen Frau, wenn er ihr das gewünschte Kleidungsstück überreichen konnte. In dieser Welt hatten Menschen nur wenig Freude und Mode war eines der Laster, welches man sich in diesen schweren Zeiten nur schwerlich leisten konnte. Daher war es umso wichtiger, ab und an mal den Menschen eine Freude zu machen. Deswegen mochte Edward seine Aufgabe: des Lächelns der Kunden wegen. Natürlich war er kein gelernter Schneider. Doch von dem Menschen wurde Flexibilität erwartet und so hatte sich Jellico dieses kleine Handwerk angeeignet. Über Arbeit konnte er sich meist nicht beklagen. Die meisten Menschen auf der Station und Angehörige der ehemaligen imperialen Völker liefen in Lumpen herum, dreckig und voller Löcher. Ein Großteil seiner Arbeit bestand aus dem Flicken solcher Oberteile, Hosen und Socken. Doch dann, wenn er mal Zeit hatte, dann konnte er sich dem künstlerischen Teil der Arbeit widmen. Dann kreierte er den Kunden modische Kleidungsstücke, die gut aussahen und in denen man sich wohl fühlte. Der Mangel an adäquaten Materialien machte die Arbeit nur noch aufregender und so ging der alte Mann wirklich in seiner Aufgabe auf. <br>Die Tür zu der Schneiderstube, welche sich am unteren Ende der Promenade befand, öffnete sich und Martin Lewinski trat herein. Jellico lächelte, als er einen alten Freund wieder erkannte.<br>„Martin, du bist auf der Station? Welch angenehme Überraschung!“ frohlockte der Schneider.<br>Der Bruder des Verräters trat auf Edward zu, umarmte ihn und lächelte ebenfalls.<br>„Ja, ich bin hier, um den Namen der Familie Lewinski rein zu waschen.“<br>„Ein ehrenwertes Ziel“, fand der alte Mann. Seit Jahrzehnten waren ihre beiden Familien miteinander befreundet und zwischen John sowie Edward hatte sich eine Vater-Sohn Beziehung entwickelt. „Ich hoffe du erreichst es.“<br>„Dies werde ich“, entgegnete Martin felsenfest überzeugt und blickte sich in dem kleinen Laden um. Er war sichtlich beeindruckt. „Und bei dir scheinen die Geschäfte gut zu laufen?“<br>„Die Geschäfte würden gut laufen, wenn ich Geld für meine Arbeit bekommen würde. Doch da die meisten von uns ehemalige Sklaven sind, wird dies wohl nicht so schnell passieren. Daher sehe ich in meiner Arbeit eher einen gewissen Ehrgeiz.“<br>Anerkennend nickte Martin und strich über ein Stück Stoff.<br>„Wann wirst du deine Kleidung zu mir bringen? Du könntest einige neue Schnitte gebrauchen, “ fand Jellico.<br>„So schnell nicht. Wir werden schon bald auf unsere Mission aufbrechen.“<br>„Du erwähnst diese nun schon zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Minuten. Es scheint sich um eine wirklich große Sache zu handeln.“<br>„Ist dies nicht verständlich?“ war die rhetorische Frage Martins. „Immerhin lastet der Fluch des Verrats auf meiner Familie schon seit einigen Jahren auch auf mir. Ich bin der letzte Lewinski, der Bruder des Mannes, der die Rebellen an die Allianz betrogen haben soll. Ich will nicht, dass meine zukünftigen Kinder ebenfalls als Verräter angesehen werden.“<br>„Du glaubst also auch an das, was man über John sagt?“ fragte Edward traurig.<br>„Es ist die vorherrschende Meinung und die zählt im Endeffekt. Was ich denke ist da völlig unwichtig.“<br>Edward nickte und verstand das Problem. Er konnte die Motive des jüngeren Bruders deutlich nachempfinden. <br>„Und was soll da ablaufen?“<br>Die Frage an sich war heikel, denn die Mission mehr als geheim, dies hatte O´Brien deutlich gemacht. Doch Edward Jellico war ein alter Freund und wenn man nicht einmal seinen Freunden mehr vertraute, wem dann noch?<br>„Wir werden zur Erde fliegen, schon in wenigen Stunden. Mehr kann ich nicht sagen.“<br>„Die Erde?“ Jellico wirkte mehr als entsetzt über diese Vorstellung. „Das meinst du doch nicht ernst?“<br>„Mir war nie etwas ernster.“<br>Dann reichte der Schneider dem jüngeren Bruder die Hand und Martin verstand. Auf diese stumme, althergebrachte Art und Weise wünschte der alte Mann ihm Glück.<br>„Pass auf dich auf!“ meinte Edward, als Martin den Laden verließ. Ein letztes Mal lächelte er ihm zu, dann schritt er durch das sich öffnende Schott.<br>Unmittelbar im Anschluss verriegelte Edward den Zugang. Was er eben gehört hatte war mehr als interessant. Bestimmt hatte sich Smiley O´Brien diese Sache ausgedacht. Im Gegensatz zu vielen anderen hielt er nichts von dem Rebellenführer. Immerhin hatte er John Lewinski hingerichtet und dies völlig zu unrecht. Lange hatte Edward überlegt, wie er es der ganzen Rebellenführung heimzahlen konnte. Sicher, sie kämpften für die Freiheit, aber wie sie mit John umgegangen waren… es war falsch gewesen. Genau aus diesem Grund hatte sich Edward schon vor einiger Zeit an die Allianz gewendet: um O´Brien zu schädigen. Und auch wenn er damit Martin in Gefahr brachte musste er dies tun. Vielleicht würde dann der jüngere Lewinski als Held sterben und so hätte er dennoch sein Ziel erreicht. Hauptsache John würde gerächt werden. Aus diesem Grund öffnete Edward Jellico eine sichere Komleitung zu seinem Allianz-Informanten und berichtete ihm eine interessante Neuigkeit…<br><br>Die Vorbereitungen auf den Start hatten kaum Zeit in Anspruch genommen. Was hätten die Rebellen auch sonst tun sollen? Das Schiff wurde immer direkt nach dem Andocken so notdürftig wie möglich hergerichtet. Personen, von denen man sich verabschieden konnte, existierten nicht, da sie entweder tot oder in Gefangenschaft waren und die Freizeitangebote an Bord der ehemaligen Minenraumstation Terok Nor waren auch nicht gerade vom feinsten. Daher hatte man sich nur knappe anderthalb Stunden nach der Einsatzbesprechung auf den Weg gemacht. Captain Bashir hatte, so wie er es für seinen Status beanspruchte, in den Sessel des Kommandanten der Defiant gesetzt und befahl das Abkoppeln von der Station; ein Wunsch, welchen ihm Bruce Land am Steuer umgehend erfüllte. Direkt nach dem Ablegen tarnte sich das Schiff mithilfe des Gerätes, welches ihnen aus dem anderen Universum in die Hände gefallen war. An Bord war nur eine Rumpfcrew vorhanden, denn O´Brien wollte den Kreis der Mitwisser so klein wie möglich halten. Zudem war diese Mission zur Erde mehr als gefährlich und auch wenn niemand dies so recht zugeben wollte, so war man nicht Willens zu viele wertvolle Leben zu opfern. Zufrieden sah sich Julian auf der Brücke um, wo sich alle Teilnehmer der Mission versammelt hatten. Land saß, wie so oft, an der Conn, während sich Matthew Price es nicht hatte nehmen lassen an der taktischen Station Platz zu nehmen. Der Mann spielte einfach gerne mit jedweder Art von Waffen und so ließen sie ihm seinen Spaß. Arena Tellom hatte sich an die wissenschaftliche Station gesetzt, ganz einfach aus dem Grund, weil kein anderer Platz mehr frei war. Martin Lewinski und Jozarnay Woil standen rechts und links neben dem Kommandosessel und blickten auf den Wandschirm, der das Sternenmuster des Warpfluges zeigte. Die Reise bis zur Erde würde zwei Wochen in Anspruch nehmen, eine viel zu lange Zeit. Die Chance mit einer Flotte der Allianz zusammenzutreffen war leider viel zu hoch. Umso wichtiger war es den Leuten eine Aufgabe zu geben, damit sie nicht an die Gefahr dachten. Also wandte sich der Araber an den Antosianer zu seiner Linken:<br>„Jozarnay, möchtest du dich nicht auch etwas nützlich machen? Die Maschinenraumbesatzung ist minimal und die da unten freuen sich über jede helfende Hand.“<br>„ICH?“ Entsetzt deutete Woil mit seinem Finger auf sich selbst und taumelte sogar einen Schritt zurück. „Alles, nur nicht Technik! Ich habe von solchen Dingen doch absolut keine Ahnung. Kann ich nicht was anderes machen??“<br>„Nur Mut! T´Per, der alte, stoische Vulkanier hat im Maschinenraum das Sagen und hat auch absolut keinerlei technische Ausbildung genossen. Dennoch schmeißt er den Laden, “ versuchte Captain Bashir dem Antosianer Mut zu machen.<br>„Aber er hat nicht zwei linke Hände! Um der Sicherheit des Schiffes Willen: nicht Technik!“<br>Das Betteln Jozarnays war fast schon herzzerreißend. Dennoch mochte keiner auf der Brücke so recht glauben, dass jemand technisch absolut unbegabt war. Julian grinste ihn nur an und bedeutete ihm mit einer Kopfbewegung in den Maschinenraum zu gehen. Der Angesprochene zögerte kurz, trottete dann mit hängendem Kopf von der Brücke. Der jüngere Lewinski war es, der sich dann einschalten:<br>„Und wie kann ich mich nützlich machen?“<br>„Folgendermaßen,“ erläuterte Julian mit knirschenden Zähnen „Du bleibst ständig in meiner Sichtweite und hältst dich von allen lebenswichtigen Systemen dieses Schiffes fern. Wenn ich es mir recht überlege hältst du dich von allem und jedem fern. Capisce?“<br>„Wie bitte?“<br>„Dies ist ein Ausdruck für verstanden!“ <br>„Verstehen tue ich hier gar nichts“, erwiderte Martin und baute sich vor Julian bedrohlich auf; stemmte die Hände in die Hüften. „Ich glaube das Thema hatten wir schon mal: ich bin nicht wie mein Bruder und ich werde keinen Verrat begehen.“<br>Julian Bashir lächelte angesichts dieser Worte nur und strich sich kurz über das unrasierte Gesicht. Scheinbar gefiel es ihm in dieser Machtposition zu sein. Smiley O´Brien war sein Freund und ein allseits respektierter Anführer der Rebellion, doch hier an Bord hatte er nun das Sagen.<br>„Du magst Smiley überzeugt haben, aber ich traue dir nicht… werde es wohl niemals tun. Also setzt dich da hinten an den Tisch… oh, der ist ja schon belegt. Also stell dich hier hin und tu nichts. Gar nichts!“<br>Und wie um zu demonstrieren, dass er zu diesem Thema nichts mehr zu sagen hatte wandte sich Julian seinen Instrumenten zu und ignorierte Lewinski völlig. Dieser seufzte, wusste aber, dass er sich fügen musste. Mit diesen Reaktionen hatte Martin gerechnet. Doch wenn sie bald diese Mission erfolgreich hinter sich gebracht hatten würde man nicht mehr so mit ihm umspringen. Und wenn Julian Bashir wollte, dass er ihm auf die Nerven ging… bitte, dies konnte er tun. Immerhin konnten zwei Wochen sehr, sehr lang werden. <br><br>Und sie wurden lang. Lang und äußerst anstrengend. Die Freizeitangebote an Bord der Defiant waren nicht gerade überragend; wenn man ehrlich war sogar nicht vorhanden. Außer dem Dienst und dem anschließenden Schlaf gab es nichts, womit sich die Crewmitglieder beschäftigen konnten. Der Dienst war fordernd, denn ständig hieß es Einsatzbereitschaft aufrecht zu erhalten. Zwar war das Schiff getarnt und versuchte so den Sensoren der Allianz zu entgehen, doch niemand konnte eine Garantie geben, ob man sie nicht doch aufspürte. Während der zweiwöchigen Reise war die Crew bisher in einen Hinterhalt geraten. Dies klingt nicht nach viel, jedoch stellte dies für ein getarntes Schiff eine äußerst schlechte Quote dar. Hinzu kam der Umstand, dass sie sich die Entdeckung selbst zuzuschreiben hatten. Im ungünstigsten Moment, als man gerade mit Unterlichtgeschwindigkeit ein cardassianisches Schiff der Galor-Klasse passierte, fiel die Tarnung aus. Es war nicht die Schuld einer einzelnen Person, viel eher handelte es sich um ein Zusammenspiel von mehreren Missgeschicken. Unkenntnis der Techniker kam zusammen mit den schlechten Teilen, mit denen das Schiff gefertigt worden war. Doch es war in jenem Moment, als deutlich wurde, wie erfahren Captain Bashir, Bruce Land und die anderen im Umgang mit diesem Kampfschiff waren. Sie brauchten nur wenigen Sekunden, um sich an die Situation anzupassen und zu reagieren. Jeder einzelne von ihnen agierte als wichtiges Mosaiksteinchen und sicherte so den Sieg in einem kurzen Zweikampf zwischen den Schiffen. Dabei konnte man nur hoffen, dass die Cardassianer nicht die Möglichkeit bekommen hatten einen Funkspruch mit der Position der Defiant abzusetzen. Doch was hätte ihnen dies auch gesagt? Dass ein Schiff der Menschen irgendwo im Weltall unterwegs war, also nichts Besonderes oder zumindest nicht so wichtig, dass es das Oberkommando der Allianz misstrauisch machen würde. <br>Irgendwann, ungefähr zur Hälfte der Reise, war eine gewisse Routine entstanden. Natürlich war man noch weit davon entfernt von einem eingespielten Team zu sprechen, aber dennoch hatten sich die einzelnen Besatzungsmitglieder aufeinander eingespielt. An einem Abend, die Hauptwache hatte gerade geendet, ging Arena Tellom in das Casino der Defiant und holte sich einen Kaffee. Zu ihrer Überraschung traf sie dort auf Matthew Price. Überraschend deswegen, weil sie den betazoidischen Söldner nicht gerade für einen geselligen Typen gehalten hatte. Zwar war ihr etwas an diesem Mann suspekt, dennoch zog sie irgendetwas an seinen Tisch. Außer ihnen beiden befand sich sonst niemand in dem kleinen Aufenthaltsraum. Fast schon schien es, als wäre er den meisten Crewmitgliedern völlig unbekannt. Dies schien jedoch normal für die Menschen dieser Zeit zu sein. Freizeit hieß für sie Abgeschiedenheit, Schlaf und Flucht vor dem Sklavenalltag, dem sie tagtäglich gegenüberstanden. Aus vielen Menschen waren so Einzelgänger geworden, die nur noch schwerer in die Gemeinschaft der Rebellion einzugliedern waren. Teamfähigkeit war ein seltenes Gut geworden. Sollten die Menschen und andere Völker des ehemaligen Imperiums endlich ihre Freiheit erhalten, so würde es schwierig sein auf diesen Grundlagen eine Gesellschaft aufzubauen.<br>„Sie hätte ich nicht hier erwartet“, begrüßte Arena ihr Gegenüber und brachte ein schiefes Lächeln zustande.<br>Price blickte sie an, getreu dem Motto Wer hat sie denn eingeladen?, erwiderte stattdessen jedoch:<br>„Wie du siehst, bin ich ein Mann mit vielen Überraschungen.“<br>Angesichts seines „Berufs“ schien die mangelhafte Kinderschule des Betazoiden nicht verwunderlich. Bisher hatte er noch niemanden hier gesiezt und scheinbar schien dies bei ihm Gang und Gebe zu sein. Anfangs hatte sich Arena daran noch gestört, dann es jedoch irgendwann ignoriert.<br>„Das sind sie in der Tat, Matt.“<br>Price´ vorher noch neutrale Miene verfinsterte sich und ließ Tellom zurückschrecken. <br>„Niemand, der an seinem Leben hängt, sollte mich so nennen“, erklärte der Söldner und durchbohrte sie fast mit seinem Blick. „Ich hasse diesen Spitznamen. Meine Mutter hat ihn mit gegeben.“<br>„Haben sie etwa ein schlechtes Verhältnis zu ihrer Mutter?“ fragte Arena interessiert. Der kauzige Mann faszinierte sie auf eine seltsame Art und Weise.<br>„Sie ist tot.“<br>„Dies tut mir leid.“<br>Verächtlich grinste der Söldner. Es war ein kaltes Grinsen, welches der Terellianerin Angst machte.<br>„Muss es dir nicht. Meine Mutter und ich hatten nie ein gutes Verhältnis… wir gingen im Zorn auseinander. Als sie starb… hatte ich sie schon Jahre nicht mehr gesehen.“<br>Angesichts dieser kalten Worte, selbst für einen Söldner, wandte sich Arena ab. Sie wusste nicht, was sie dazu sagen sollte. Sie selbst und ihre Mutter hatten ein hervorragendes Verhältnis gehabt, bis zu dem Zeitpunkt, als sie von der Allianz hingerichtet wurde. Diese nun so bedrückenden Worte zu hören tat ihr weh.<br>„Und wieso nehmen sie an dieser Mission teil?“<br>„Das Geld, ist doch klar.“<br>„Das kaufe ich ihnen jedoch nicht so ganz ab“, entgegnete Tellom. „Wir Rebellen haben nur begrenzte Ressourcen und das wenige Geld, welches wir haben, können wir nur für die notwendigsten Dinge ausgeben. Ein Söldner kostet Geld, viel Geld und ich kann mir nicht vorstellen, dass Miles genug für einen einzigen Mann aufbringen konnte.“<br>Abermals durchbohrte Matthew sie mit seinem Blick, eine gruslige Geste. Hatte sie etwas Falsches gesagt und sich so einen gefährlichen Mann zum Feind gemacht? Dann jedoch blickte Price starr geradeaus und seine Miene entspannte sich. Fast schon zaghaft gestand er:<br>„Wegen meiner Mutter.“<br>Diese Aussage als Überraschung zu werten, wäre noch eine glatte Untertreibung gewesen. Eben noch schien es, als wäre Matthew Price ein kalter und herzloser Mann, nun jedoch berührte sie dieses überraschende Geständnis. Seine Worte hatten zu ehrlich geklungen, um gespielt zu sein. <br>„Dies verstehe ich nicht“, gestand sie offen.<br>„Kann ich mir vorstellen“, erklärte der Käufliche ebenso ehrlich. „Eben noch erschien ich dir wie ein herzloser Mann und nun verwundern dich meine Worte. Du kannst es mir glauben, ich verstehe es selbst gar nicht. Meine Mutter war ein Mensch und damit bin ich auch zur Hälfte menschlich. All die Jahre habe ich mein Erbe verleugnet und mich nur meiner betazoidischen Seite gewidmet. Doch als Smiley mich ansprach… irgendetwas in mir wurde berührt durch sein Angebot. Ich kann es nicht erklären.“<br>Und damit schwieg er. Doch mit diesem Schweigen machte er mehr deutlich als mit seinen Worten. Nun wirkte dieser Mann auf Arena Tellom sympathisch, denn er gestand sich eine weiche Seite ein, die er selbst noch nie gekannt hatte. Vielleicht hatte Price sein Herz doch auf dem rechten Fleck.<br>„Themenwechsel: ich denke nach diesen Tagen sollte ich auch etwas über meine Mitstreiter erfahren, “ fand Matthew grinsend. „Mir sind Geschichten über dich zu Ohr gekommen.“<br>„Welcher Art?“<br>„Von einem privaten Rachefeldzug, der sein Ende fand.“<br>Nun versteinerte sich Arenas Miene, als sie diese Worte hörte. Doch konnte sie dies tatsächlich überraschen? Immerhin war ihre Suche nach Ardev innerhalb der Rebellion bekannt gewesen. Eine jahrelange Odyssee, die sie Blut, Schweiß und Tränen gekostet hatte und nun endlich zu Ende war.<br>„Es überrascht mich nicht, dass sie davon Wind bekommen haben“, gab die Frau unumwunden zu, „immerhin ist der Tod ihr Geschäft.“<br>„Befriedigte es sie?“<br>Die Frage an sich schockierte sie, obwohl diese Reaktion völlig idiotisch war. Wieso sonst hätte sie die ganzen Strapazen und Mühen auf sich genommen, wenn nicht wegen dieses Glücksgefühls? Als sie in sein entsetztes Gesicht geblickt hatte, war in ihr eine Genugtuung aufgekommen, die sie schon lange nicht mehr gekannt hatte. Vermutlich war der Grund für ihren Schock wohl eher die Direktheit dieser Frage, mit der sie ganz und gar nicht gerechnet hatte.<br>„Ja, es war eine Befriedigung ihn sterben zu sehen. Er hatten den Tod verdient.“<br>Price musterte sie, schien sogar ein kleines Lächeln anzudeuten. Dieser Mann war einfach unheimlich. Auf eine seltsame Art und Weise schienen ihn ihre Worte zu stimulieren, ihm eine klammheimliche Freude zu bereiten.<br>„Wegen dem Verrat an der Rebellion oder an dir?“<br>Wieder zögerte die Terellianerin. Matthew wagte es Fragen zu stellen, die kein anderer bisher sich getraut hatte. Natürlich hatte Tellom mehr als einmal über diese Sache nachgedacht, aber wie sollte sie ihre Erkenntnisse in Worte fassen? Ihre Empfindungen waren mehr ein Gefühl denn eine Erklärung. Nach langem Zögern entschied sie sich dafür nichts zu sagen.<br>„Ist auch eine Antwort“, brummte der Söldner und beide schwiegen sich noch eine Zeitlang an.<br><br>Die Schotts zu der kleinen Schneiderwerkstatt auf Terok Nor flogen auf und ein überraschter Edward Jellico musste mit ansehen, wie mehrere bewaffnete Personen seinen Laden stürmten und mit ihren Waffen in Stellung gingen. Die Läufe zeigten alle auf den alten Mann und machten ihm stumm deutlich, dass er bei der geringsten Bewegung ein trauriges Ende finden würde. Nur wenige Sekunden nach dem Auftauchen des Sicherheitsteams betrat Smiley O´Brien energischen Schrittes den Laden und fixierte den Stationsschneider mit grimmigem Blick. Normalerweise war der Ire niemand, der puren Hass fühlte und diesen auch per Mimik deutlich machen konnte. Oft zeigte sich in seinem Gesicht eine permanente Traurigkeit, die von den Erlebnissen während seiner Zeit als Theta herrührte, doch zu unbändiger Wut schien dieser Mann nicht fähig zu sein. Zumindest erzählten sich die Leute auf der Station dies. Jellico wüsste gerne, was jene Leute sagen würden, wenn sie nun den Anführer der Rebellion sehen könnten. O´Brien hatte seine Lippen aufeinander gepresst, seine gesamten Gesichtsmuskeln waren angespannt und in seinen Augen loderte ein Zorn, der fast schon biblische Ausmaße hatte. Edward setzte dennoch sein bestes Geschäftslächeln auf, um die Situation zu entspannen. An sich eine zum Scheitern verurteilte Idee, denn aller Wahrscheinlichkeit war seine wahre Identität nun aufgeflogen. Doch der Schneider war nicht bereit allzu leicht aufzugeben. Er war bereit für seine Überzeugung zu sterben, doch vorher sollte die Welt noch das Warum erfahren.<br>„Mr. O´Brien!“ begrüßte Jellico den Iren, „es ist wahrlich eine Freude sie hier in meinem bescheidenen Laden willkommen zu heißen.“<br>Als Antwort erhielt Edward etwas, was er von Smiley ganz und gar nicht erwartet hatte: eine schallende Ohrfeige, deren Klatschen man noch im Raum widerhallen hören konnte.<br>„Sie verdammtes Schwein, Jellico! Hören sie auf Spielchen mit mir zu spielen. Ich weiß alles über sie, “ drohte Miles und schien diese Worte geradezu auszuspucken. Ja, in der Tat, dieser Mann konnte doch sehr zornig werden.<br>„Pardon, aber ich weiß nicht, was sie meinen.“<br>„Hören sie auf mit mir ihre dummen Spielchen zu spielen, Jellico. Wir haben ihre letzte Transmission abgefangen. Jene, mit der sie ihren Allianzkontaktmann erreicht haben. Viele hatten sie schon seit einiger Zeit in Verdacht, aber ich habe mich immer gegen diese Vorstellung gewehrt. Sie wirkten immer so ehrlich, so zuverlässig... so harmlos.“<br>Anhand von Miles´ Worten konnte man erahnen, wie nah ihm dieser Verrat ging. Er hatte bis zum Schluss warten wollen, hatte immer an der Unschuld des alten Mannes keinen Zweifel gehabt. Seine Gutmütigkeit schien jedoch ausgenutzt worden zu sein.<br>Jellico musterte sein Gegenüber und blickte dann aus den Augenwinkeln zu den bewaffneten Wachen, welche immer noch auf ihn zielten. Die Hinhaltetaktik schien dieses Mal nicht aufzugehen. Es war nicht ersichtlich, wie lange diese Diskussion noch gehen sollte, also schien es Zeit sich zu erklären.<br>„Nun, was soll ich sagen?“ meinte der Schneider. „Sie haben mich entdeckt.“<br>Trotz seiner Wut und den Beweisen zeigte sich immer noch ein kleiner Funken an Überraschung in O´Briens Gesicht, als er diese Worte vernahm.<br>„Sie geben es also zu?“<br>„Ja, ich bin ein Informant der Allianz. Einer von vielen auf dieser Station.“<br>Kurz ließ O´Brien diese Worte auf sich wirken, verdrängte sie dann jedoch. Ob sie der Wahrheit entsprachen oder nur ein Ablenkungsmanöver waren ließ sich im Moment nicht feststellen.<br>„Und was haben sie...“<br>„Och, nur Kleinigkeiten, “ meinte Jellico mit harmloser Stimme. „Ihre Mission zur Erde, ihre Hoffnungen dort etwas wichtiges zu finden.“<br>Der Raum schien sich um den Anführer der menschlichen Rebellion zu drehen, als er diese Worte vernahm. So viel Mühen und Energien hatten sie darin gesteckt, die Mission geheim zu halten und nun hatte man sie verraten. Instinktiv drehte er sich weg, holte ein Kommunikationsgerät aus der Hosentasche und ließ sich zur OPS verbinden.<br>„Hier Paris“, kam die Antwort von der Kommandozentrale der Station.<br>„Tom, wir haben ein ernsthaftes Problem“, erklärte Miles und schnappte mehrfach nach Luft. Ihm wurde schlecht. „Sind wir in der Lage die Defiant zu erreichen?“<br>„Negativ, sie ist schon längst außerhalb unserer Kommunkationsreichweite.“<br>„Ist es nicht möglich, sich in die Komsatelliten der Allianz einzuhacken?“<br>Kurz dachte der Mann nach, erklärte dann:<br>„Dies wäre zwar eine Idee, aber würde nicht gerade dem Zweck unserer Mission dienen. Die Allianz wüsste, dass das Schiff unterwegs wäre und könnte mittels der Satelliten, die wir nutzen, dann die Position der Crew anpeilen. Ich würde dringendst davon abraten.“<br>O´Brien setzte frustriert das Komgerät ab und blickte in Jellicos scheinbar so ausdrucksloses Gesicht. Was sollten sie nun tun, wo bestanden die größten Überlebenschancen? Ihre beste Möglichkeit war es wohl zu hoffen, dass Edward Jellico der Allianz nicht genug Informationen mitgeteilt hatte, um die Flugroute der Defiant deutlich zu machen.<br>„Tom, hier O´Brien. Wir unternehmen derzeit nichts.“<br>„Alles klar, Smiley.“<br>„Und wieso?“ fragte der Ire in Richtung des Verräters. „Wieso tun sie das? Gerade von ihnen habe ich dies nicht erwartet!“<br>„Ich tat es, um ihnen zu schaden.“<br>„Mir?“ <br>„Ja, ihnen“, meinte der Schneider und lächelte verächtlich. „Ich tat es gegen sie und für John Lewinski. Einen guten Freund von mir, den sie einfach so hingerichtet haben.“<br>Nun verstand O´Brien. Jellico und Lewinski waren Freunde gewesen, gehörten fast schon zu einer Familie. Aber niemals im Leben hätte man erahnen können, dass diese Beziehung zu Verrat führen könnte.<br>„John Lewinski war ein Verräter an der Sache und hatte den Tod verdient“, erklärte Smiley.<br>„Ja, das sagt sich so leicht. Sie kannten ihn jedoch nicht so gut wie ich. John war kein Verräter, sondern ein Mann von Ehre. Er wäre niemals in der Lage gewesen seine Kameraden und Freunde dem Tod zu opfern; dies passte einfach nicht in sein Wertesystem. Dennoch wurde er nach einem scheinheiligen Gerichtsverfahren hingerichtet.“<br>„Die Beweise waren in einem fairen Prozess ausgewertet worden...“ widersprach der Anführer.<br>„Fair!?! Seit dreihundert Jahren kennt die Menschheit schon keine fairen Prozesse mehr. Wir haben doch schon längst die Zivilisation verlernt. Erst das Imperium und nun die Sklaverei... unsere Gesellschaft ist nicht am Abgrund, sie ist zerstört. Menschen mit der Integrität von John Lewinski hätten sie wieder aufbauen können, doch sie wurden getötet.“<br>An dieser Stelle brachte es wohl überhaupt nichts mehr zu diskutieren. Jellico hatte seine Meinung und vertrat diese auch, ohne von ihr abzurücken. Diskutieren war sinnlos.<br>„Eine Frage habe ich noch“, meinte Miles. „Johns Bruder ist bei dieser Mission dabei. Wenn sie soviel für die Familie Lewinski empfinden: wieso wollen sie ihn opfern?“<br>„Weil nur sein Heldentod den Namen Lewinski wieder reinwaschen kann“, erklärte der alte Mann.<br>„Scheinbar, “ schloss Miles O´Brien diese Diskussion ab, „bringt der Name Lewinski nur Unglück. Aber wenn sie so viel für John übrig hatten, so habe ich nun eine gute Nachricht für sie, Edward: sie werden sein Schicksal teilen und als Verräter sterben. Führt ihn ab!“<br>Die bewaffneten Wachen ergriffen den Schneider, der sich ohne Widerstand festnehmen ließ. Wie hätte er sich auch wehren können?<br>„Es ist zu spät“, raunte er, als er an O´Brien vorbeigeführt und in den Arrest gebracht wurde. Betreten, ratlos blickte Miles zu Boden. Die gesamte Mission stand nun auf Messers Schneide.<br><br>Just bei dem Thema Verrat wechselt der Fokus unserer Geschichte wieder zu dem sich auf der Defiant befindlichen Martin Lewinski. Dies soll kein Werturteil über ihn darstellen, auch keine Vorverurteilung, sondern ist in diesem Fall reinster Zufall. Der Bruder des getöteten Verräters streifte während der gesamten Reise ziellos durch das Schiff. Während der spärlichen Gefechte auf dem Weg zur Erde hatte er natürlich seine Station eingenommen und kämpfte Seite an Seite mit der Crew, doch außerhalb dieser wenigen Momente wollte so gut wie niemand etwas mit ihm zu tun haben. Die meisten ignorierten ihn, manche schmähten und beleidigten Martin gar. Auch wenn meinen könnte er hätte sich an eine solche Behandlung gewöhnt, so war jeder einzelne abfällige Kommentar wie ein Nadelstich, der tief in sein Herz drang. Er hatte das Bedürfnis sich nützlich machen zu wollen und so schnappte er sich ein Padd, welches in den Maschinenraum gebracht werden musste und machte sich auf den Weg dorthin. An jenem Ort angekommen griff er sich den erstbesten Techniker, der in jenem Fall Jozarnay Woil war.<br>„Jemand muss diese Energieaufschlüsselung unterschreiben“, raunte Martin den Antosianer an.<br>„Ich?“ Der Angesprochene schien schockiert angesichts dieser Aufforderung zu sein. „Von diesen Sachen habe ich doch absolut keine Ahnung. Ich verstehe ja nicht einmal, was diese Tabelle uns sagen will? Ich schlage vor, dass sie sich dafür jemand anderes nehmen.“<br>Ungeduldig, fast schon sauer, bohrte sich Martins Blick durch Woil hindurch und seine Geduld schien langsam abzunehmen. Eigentlich eine recht unfaire Geste, denn der Antosianer war eine der wenigen Personen, die ihn bisher nicht getriezt hatten, doch irgendwann musste sich der Frust einmal entladen.<br>„Hören sie mir mal zu, sie Anfänger. Diese ganzen Vorschriften, die Smiley O´Brien bei dem Bau des Schiffes mitgebracht hatte, sind vollkommen überflüssig. Denken sie etwa tatsächlich, dass auch nur zwanzig Prozent derjenigen, die an Bord der Defiant Dienst tun, wissen, was es damit auf sich hat? Also unterschreiben sie den Schrott schon, damit die Führungsetage zufrieden ist. T´Per wird davon auch nichts erfahren.“<br>Kurz schien Woil nachzudenken, dann nahm er sich das Padd und ließ seinen Daumenabdruck von dem Laser scannen.<br>„Ich hoffe, sie sagen die Wahrheit. Der alte Vulkanier kann einen ganz schön mit seiner Pedanterie nerven. Er ist wohl einer der wenigen, der diese Liste verstanden hätte. Wieso sind sie nicht zu ihm gegangen?“<br>„Weil sie gerade greifbar waren“, druckste der Mensch herum.<br>„Sie sagen nicht die Wahrheit“, erkannte Jozarnay folgerichtig. Er mochte zwar von technischen Dingen absolut keine Ahnung haben, jedoch kannte er sich mit Menschen aus. Und hier erkannte er, dass mehr im Busch war. Er packte Martin am Arm und schob ihn in eine Ecke, in der weniger los war und sie sich relativ ungestört unterhalten konnten. <br>„Was haben sie auf dem Herzen, Mr. Lewinski?“<br>Kurz blickte Martin sein Gegenüber an, dachte über seine Optionen nach. Dieser Antosianer war einer der wenigen, die ihm bisher nicht mit Misstrauen gestraft, sondern ihn völlig neutral behandelt hatten. Wie viel durfte er ihm anvertrauen? Wie viel konnte er überhaupt jemals einem anderen anvertrauen? Immerhin konnte er niemals sicher sein, dass andere Menschen überhaupt seine Probleme verstehen konnten.<br>„T´Per war auch einer derjenigen...die meinen Bruder, “ flüsterte Martin und sehr zu seiner Überraschung versagte es ihm die Stimme. Schon so oft hatte er über diese Sache geredet und dabei hatte er es geschafft, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass sein Bruder ein Verräter war. Doch selber wie einer behandelt zu werden, war mindestens ebenso schlimm.<br>„Ich verstehe“, entgegnete Jozarnay mitfühlend und nickte. „Es fällt ihnen immer noch schwer, oder?“<br>„Nein, dies tut es nicht. Was mein Bruder getan hatte, war falsch und folglich hatte er den Tod verdient. Nur mit ihm gleichgesetzt zu werden... zehrt an meinen Kräften.“<br>„Erzählen sie mir mehr!“ forderte ihn der Antosianer auf. Aus eigener Erfahrung wusste er, dass manchmal nur reden half. Wer weiß, ob er seine Drogensucht überwunden hätte, wenn er sich nicht irgendwann einer anderen Person anvertraut hätte. Vielleicht wäre er dann immer noch von den verschiedensten Stoffen abhängig oder im schlimmsten Fall sogar tot, gestorben an einer Überdosis.<br>„Auch auf diesem Schiff bemerke ich es. Egal wo ich hingehe, immer bemerke ich, wie die Leute über mich tuscheln. Sie stellen Mutmaßungen über mich an, vertrauen mir nicht und begegnen mir mit Hass. Alles wegen den Taten meines Bruders. Der Name Lewinski ist in der gesamten Rebellion verflucht, dabei war es doch nur John gewesen, der sich von der Allianz hatte kaufen lassen. Denken sie denn nicht, dass wir ebensoviel gelitten haben wie auch andere Familien?“<br>„Doch, dies denke ich. Auch wenn es ihnen seltsam erscheinen mag, ich teile diese Vorurteile nicht. Ich sehe in ihnen einen Mann wie jeden anderen auch, der sein Bestes für die Freiheit unserer Völker gibt. Möglicherweise liegt meine Aufgeschlossenheit auch daran, dass ich kaum was über ihren Bruder weiß.“<br>Überrascht blickte Martin ihn an.<br>„Wie?“<br>„Ja, ich weiß nur, dass er wegen Verrats hingerichtet wurde. Doch die Umstände... sind mir nicht bekannt.“<br>„Sie sind noch nicht lange auf Terok Nor, oder?“<br>„Ja, dies stimmt.“<br>„Das mag ihre Unwissenheit erklären, Woil“, erkannte der jüngere Lewinski.<br>„Bitte, nennen sie mich Jozarnay!“<br>„Jozarnay“, sprach Martin die ungewohnten Laute nach, „ich heiße Martin. Sie wollen also mehr über meinen Bruder erfahren?“<br>„Wenn sie dazu bereit wären“, entgegnete Jozarnay zurückhaltend.<br>„Mein Bruder hat sich in der Hierarchie der Rebellion hochgearbeitet. Er war von Anfang an auf Terok Nor gewesen, als Sklave in den Erzminen. Anders als O´Brien hatte er niemals das Glück gehabt zu einem Theta zu werden, einem Sklaven mit erweiterten Rechten. Während ich in einem Internierungslager auf Rigel dahinvegetierte, schuftete er in den Minen, wie andere Sklaven auch. Dann kam der von Benjamin Sisko initiierte Aufstand und wie alle anderen schloss sich auch John dem Aufstand an. Er war Feuer und Flamme, denn endlich gab es die Aussicht auf Hoffnung, Freiheit und eine lebenswerte Existenz.“<br>„Aber wieso verriet er dann die Rebellion?“<br>Martin stoppte kurz, schien über die passenden Worte nachzudenken.<br>„Er wurde zu einem Geschwaderkommandanten, mit immer mehr Befugnissen. Irgendwann hatten O´Brien und Bashir die Idee ausgetüftelt den cardassianischen Kanzler mittels eines gezielten Anschlags auf seiner Heimatwelt zu töten. Der Plan war genial, ausgeklügelt bis ins letzte Detail und fast narrensicher. Von Perfektion zu sprechen, wäre vielleicht etwa zu viel gewesen, doch es gab eine realistische Chance auf Erfolg. Jadzia, die Freundin von Julian Bashir, sowie einige freiwillige Piloten, bestiegen einige Raiders und machten sich auf den Weg nach Cardassia Prime. Leider erreichten sie ihr Ziel nie, denn sie gerieten in einen Hinterhalt und ihren sabotierten Schiffen gelang es nicht zu fliehen. Für beides, sowohl der Hinterhalt der Allianz als auch die Sabotage, war mein Bruder verantwortlich.“<br>„Sind sie sicher?“<br>„Ja, an seiner Schuld gibt es keinen Zweifel“, erklärte Martin und blickte ins Nichts. „Die Beweise selbst waren schon erdrückend gewesen, doch kurz vor seinem Tod beichtete mir mein Bruder die Tat. Und auch wie alle anderen verachte ich seine Tat... dennoch ist er mein Bruder, den ich liebe.“<br>Jozarnay verstand. Für Einzelkinder, Menschen ohne Familie, mochte diese Aussage paradox klingen, doch Geschwister verstanden sie. Liebe war in einer Familie unabdingbar, egal was geschah.<br>„Und wieso tat er es, wenn er so sehr von der Rebellion überzeugt war?“<br>„John kämpfte für ein besseres für unsere Familie. Genau dies bot ihm ein Kontaktmann der Allianz: Geld, ein gutes Haus, Frieden und Freiheit. Ich weiß nicht, wie andere Personen bei diesem verlockenden Angebot reagiert hätten. Himmel, ich weiß nicht einmal, wie ICH reagiert hätte? Natürlich glaube ich an unseren Kampf, doch nach einem Leben voller Schmerz und Erniedrigung die Aussicht auf ein wenig Glück... ich kann verstehen, wieso mein Bruder es annahm. Und ich kann es wiederum nicht verstehen, wieso er seine Spezies verriet.“<br>Vertrauensvoll legte Jozarnay eine Hand auf die Schulter des Menschen. Er verstand das Dilemma, nun, nachdem er die volle Wahrheit kannte.<br>„Sie sind ein guter Mensch, Martin. Dies sollten sie niemals vergessen.“<br>Statt einer Antwort nickte der jüngere Lewinski nur und ging. Er selbst hatte schon längst den Glauben an Vergebung verloren, dennoch nahm er an dieser Mission teil. Die Familie Lewinski schien aus lauter Widersprüchen zu bestehen.<br><br>Die Reise zur Erde war lang und beschwerlich gewesen, verbunden mit der ständig lauernden Gefahr der Entdeckung oder gar Vernichtung. Doch schließlich hatte man es geschafft. Das gesamte Einsatzteam versammelte sich auf der Brücke, als Captain Bashir Anweisung gab in den Orbit der einstigen Wiege der Menschheit einzuschwenken. Wie lange war es schon her, seitdem das letzte Mal ein Mensch diesen Planeten betreten, ja gesehen hatte? Für viele von ihnen war es das erste Mal. Die meisten Rebellen kannten die Erde nur von den alten Erzählungen, Aufzeichnungen und Bildern, die schon längst veraltet waren. Die Bilder hatten ihnen eine grüne Welt gezeigt, mit tiefblauen Ozeanen und sanften, weißen Wolken, die über die Kontinente zogen.<br>Nichts konnte der Wirklichkeit ferner sein als diese antiquierte Vorstellung! Entsetzt blickten die Menschen und Außerirdischen auf den Wandschirm, der ihnen einen schrecklichen Planeten präsentierte. Eine Welt, die durch das Bombardement der Allianz vor Jahrzehnten aschfahl geworden war. Die einstigen Ozeane waren verdammt und grauen Kratern gewichen, die einstige Vegetation schien vollkommen verschwunden zu sein. Seltsam lilafarbene Wolken schlichen über den Horizont, schienen giftigen Regen auszusetzen. <br>„So habe ich mir nicht meine Rückkehr zum Anbeginn der menschlichen Spezies vorgestellt“, meinte Bruce Land, nachdem er die Defiant in den Orbit manövriert hatte, und schluckte.<br>„Der Anblick ist... atemberaubend“, kommentierte Martin Lewinski und niemand zweifelte daran, dass seine Aussage nicht gerade ein Ausruf der Verzückung darstellte.<br>„Das einzig positive, was ich über diese Welt sagen kann, “ meinte Arena Tellom und las einige Daten von der wissenschaftlichen Station ab, „ist, dass sich der nukleare Winter, ausgelöst durch das Flächenbombardement, langsam verzogen hat. An manchen Teilen der Erde kann man sogar schon die Sonne sehen.“<br>Ruckartig, so als müsse er sich aus diesem Alptraum lösen, erhob sich Captain Bashir von seinem Kommandantensessel und klatschte in die Hände.<br>„Wir sind nicht hier, um eine Fremdenführung zu machen“, sagte er mit bebender Stimme, „sondern wir haben einen Auftrag auszuführen. Das ganze Team sofort in den Transporterraum.“<br>Bei diesen Worten schaffte er es sogar Martin Lewinski dieses Mal nicht giftig anzustarren. Der raubeinige Araber schien genauso mitgenommen von diesem Anblick zu sein, wie jeder andere an Bord auch.<br>Die Versammlung des Außenteams dauerte nur wenige Minuten. Bashir, Land, Woil, Lewinski, Tellom und Price hatten sich eine spärliche Kampfausrüstung zugelegt, mit Handwaffen und Messgeräten. Intensiv hatten sie ihre Landekoordinaten untersucht und zu ihrer Überraschung festgestellt, dass sie keine Schutzanzüge benötigen würden. Seltsamerweise hatte sich am ehemaligen Standort des imperialen Palastes längst jede Strahlung verzogen und war auf diese Art und Weise wieder für menschliches Leben betretbar. Nervös nickte Bashir der Frau an der Transporterkontrolle zu und das Team wurde hinunter gebeamt.<br>Der Anblick auf dem Sichtschirm war schon furchtbar gewesen, aber nun leibhaftig auf der Erde zu stehen war noch viel, viel schlimmer. Die Luft war widerlich, verursachte bei ihnen allen Hustenanfälle, und ein Sturm wehte, der ihnen allen das Haar zerzauste. Ansonsten gab es absolut nichts zu sehen. Theoretisch befanden sie sich nun mitten im Palast, doch von dem einst so prächtigen Gebäude war nichts übrig geblieben außer verbrannter Erde.<br>„Und wo soll nun dieses geheime Versteck sein?“ rief Woil gegen den Wind an.<br>Statt eine Antwort von sich zu geben, zückten Bashir und Land simultan ihre Messgeräte, begannen die sie umliegende Umgebung zu untersuchen. Die anderen Personen taten es ihnen gleich. Minutenlang schritten sie das Gelände ab, gebannt auf ihre Instrumente blickend. Dann schließlich hob der Söldner Matthew Price die Hand.<br>„Hey! Ich habe hier was!“ rief der Halbbetazoid.<br>Die anderen näherten sich seiner Position und blickten auf seine Anzeigen, die in der Tat einen Zugang vor ihm anzeigten. Wohlgemerkt nur auf der Anzeige, denn mit dem bloßen Auge war nur Erde vor ihnen zu erkennen.<br>„Da ist nichts!“ fand Land.<br>„Und ob da etwas ist“, widersprach ihm Arena. „Hierbei muss es sich um ein holografisches Siegel handeln, welches der Allianz nicht aufgefallen ist. Doch wie lösen wir es?“<br>Angestrengt dachte das Außenteam nach. Martin blickte sich kurz um und machte dann einen Schritt auf das vermeintliche Siegel zu. Schon im nächsten Moment löste es sich auf und gab den Weg zu einer Treppe frei.<br>„Hey, was haben sie getan?“ fragte Julian Bashir misstrauisch und trat bedrohlich vor.<br>„Er hat nichts getan, nur seine DNA!“ erklärte Tellom, die scheinbar verstanden hatte. „Kirk muss dieses Holosiegel so programmiert haben, dass es die Allianz nicht entdecken konnte. Ergo machte er es nur für Menschen zugänglich. Price hat den Zugang gefunden und ich näherte mich ihm als nächstes. Wir beide sind keine Menschen, Lewinski jedoch schon. Der Imperator war schon ein cleveres Kerlchen gewesen.“<br>„Und schaut wohin unsere Spezies seine Cleverness geführt hat“, murmelte Bruce Land und erntete von den anderen stumme Zustimmung. „Bevor wir da reingehen, sollten wir uns noch eine Frage beantworten: wenn dies hier der Zugang zu den geheimen Räumen von James T. Kirk ist, dann wird er ihn wohl mit Fallen gespickt haben, nicht wahr? Wie finden wir heraus, ob diese noch aktiv sind?“<br>Kurz dachten alle nach, dann meinte Matthew:<br>„Diese Räume müssen von Kirk mehr als einmal betreten worden sein. Sicher hatte er keine Angst tausendfach im Jahr diese Anlagen zu deaktivieren. Möglicherweise hat er diese Anlagen mit demselben System ausgestattet, wie das Holosiegel. Sie dürften also nicht aktiviert werden, wenn ein Mensch vorausgeht.“<br>„Logische Schlussfolgerung“, fand Woil, auch wenn der Antosianer nichts von Technik verstand.<br>„Haben wir denn einen Freiwilligen, der diese Theorie überprüfen würde?“<br>„Ja, haben wir“, entgegnete Bashir grimmig und blickte zu Martin. „Er möchte seinen Namen reinwaschen? Schön, dann kann unser Lewinski hier vorgehen.“<br>Wenn der Araber irgendeinen Kommentar von dem Angesprochenen erwartet hatte, so musste er enttäuscht werden. Ohne zu murren begab sich Martin als erster in die Katakomben, gefolgt von den anderen Mistreitern (im gehörigen Abstand, wohlgemerkt). Sie begaben sich eine Treppe hinunter und befanden sich dann in einem Flur, der seltsamerweise noch völlig intakt war. Hier unten war nichts von dem Bombardement zu sehen, sondern die Räume boten noch den klassischen Aufbau des 23. Jahrhunderts. Sogar das Licht brannte noch und an den Wänden hingen Gemälde, sowie Bilder. Gleich zu seiner linken befand sich ein in Öl gemaltes Porträt des ehemaligen Imperators des Terranischen Imperiums. Martin machte einen Schritt darauf zu, bewunderte die außergewöhnliche Verarbeitung und den dargestellten Mann. Die Kleidung schien sündhaft teuer gewesen zu sein, für einen Menschen, der in Sklaverei aufgewachsen war, eine unglaubliche Vorstellung. Kurz blickte er in die Augen Kirks, die selbst auf diesem Bild noch eine ungeheuere Kraft ausstrahlten. Dieser Blick Martins in die Augen Kirks löste jedoch einen versteckten Mechanismus aus. In das Gemälde war ein Mechanismus eingelassen worden, der direkt in einer heimtückischen Falle endete. Auf der gegenüberliegenden Wand, also im Rücken des jüngeren Bruders, öffnete sich eine Verkleidung und drei spitze Klingen schossen hervor. Martin reagierte zu spät und nur einem wagemutigen Hechtsprung von Jozarnay Woil war es zu verdanken, dass er nicht aufgeschlitzt wurde. Entsetzt blickte Martin zu den in der Wand steckenden Klingen und dann zu seinem Retter.<br>„Wenn du jetzt stirbst“, raunte der Antosianer, „dann ist dein Name noch nicht reingewaschen.“<br>„Danke“, war die flüsternde Antwort des Menschen.<br>„Wie konnte das passieren? Ich dachte für Menschen wäre diese Anlage zugänglich?“ fragte Price entsetzt und obwohl der Tod sein Geschäft war, zeigte er sich entsetzt über das fast geschehene Ende eines Mitstreiters. <br>„Weil wir einen Denkfehler begangen haben“, meinte Bruce Land und lächelte grimmig. „Eben noch haben wir vermutet, dass Kirk dieses ganze unterirdische Versteck vor der Allianz schützen wollte. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit. Gegen wen setzte denn der Imperator seinen Tantalus-Strahler ein? Gegen Feinde im Inneren! Menschen, Andorianer, Vulkanier... Völker des Empires! Also muss er diese Gemäuer nur für sich selbst betretbar machen. Diese reagieren dürfen nur ihn nicht töten, sonst jeden anderen! Und wie hat er das gemacht?“<br>„Er stellte die Geräte auf seine persönliche DNA ein“, schlussfolgerte Julian Bashir und holte ein kleines Gerät aus der Hosentasche. „Bashir an Defiant.“<br>„Hier T´Per, Captain!	“<br>„Konsultieren sie unsere Datenbank, ob wir DNA-Spuren von James T. Kirk haben und übertragen sie diese auf unsere Messgeräte!“<br>Da das gesamte Schiff auf den Konstruktionsplänen eines anderen Universums basierte, ja sogar eine exakte Kopie war, sollte sich eigentlich jenes im Speichersystem befinden. Und tatsächlich, alle ihre Geräte fiepten bestätigend, als sie die Daten erhielten.<br>„Wenn das nicht hilft, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.“<br>Vorsichtig bewegten sie sich vorwärts, immer auf der Hut, doch nichts geschah. Scheinbar funktionierte ihre Idee und sie konnten sich ungestraft durch den Korridor auf den vor ihnen liegenden Eingang zubewegen. Während sie so dahin schritten, immer noch vorsichtig, fielen ihre Blicke auf die zahlreichen Bilder, die Einblick in eine längst vergangene Epoche boten. Eine Zeit, in der die Menschen Könige des Quadranten waren und sich nur so ihr eigenes Grab geschaufelt hatten. Es waren Aufnahmen von der pompösen Krönungszeremonie Kirks, wie sein Konterfei in den Nachthimmel der großen Städte der Erde projiziert wurde. Bilder, die berühmte Schlachten und Siege des Imperiums darstellten. Vor einem Bild blieb Martin Lewinski stehen und schaute genauer hin. Es zeigte das Hauptquartier der Sternenflotte, die prächtigen Anlagen und Gebäude, in denen die hohen Admiräle getagt hatten. Auf den großen Platz hatte sich eine Menschenmasse zusammengefunden, um einem unglaublichen Spektakel beizuwohnen: mehrere erhängte Personen baumelten dort am Strick und die immer noch makellose Bildunterschrift erklärte, dass hier Dr. McCoy, Montgomery Scott und Uhura hingerichtet worden waren. Der Grund stand nicht auf der Inschrift, doch Lewinski war in der Geschichte bewandert genug, um zu wissen, dass Kirk in seinen ehemaligen Mitstreitern von der ISS Enterprise eine zu große Gefahr gesehen hatte. Also hatte er sie prophylaktisch hinrichten lassen.<br>„Ich weiß, was sie jetzt denken“, murmelte Land, nachdem er sich neben Martin gestellt und das Bild betrachtet hatte. „Sie fragen sich, ob wir es überhaupt verdienen uns aus der Sklaverei zu erheben und unser eigenes Schicksal zu bestimmen. Wir, unsere Vorfahren, haben so viele grausame Dinge getan, dass es scheint, als wäre es für das galaktische Gefüge besser, wenn wir nie wieder etwas zu sagen hätten.“<br>Statt einer Antwort nickte Martin nur betreten. Mit dieser Formulierung hatte der Navigator genau dies ausgesprochen, was der gedacht hatte.<br>„Ich sage ihnen was, Lewinski: wir verdienen die Freiheit, weil es keine Erbsünde gibt. Niemand von ihnen, weder sie, noch ich oder sonst jemand hier in diesem Korridor kann etwas für die Taten, die unsere Vorfahren vor einhundert Jahren begangen haben. Die Verbrechen, die unsere Vorgänger an anderen verübten, werden nun an uns begangen und so bleibt das Ganze immer noch falsch. Man kann Feuer nicht mit Feuer bekämpfen. Wir verdienen eine zweite Chance.“<br>Bruce Lands Worte wirkten wie ein Trost, ein Leuchtfeuer in der Dunkelheit. Besser hätte niemand von ihnen den Grund formulieren können, wieso sie sich in diesem aussichtlosen Kampf befanden.<br>Die Gruppe bewegte sich weiter vorwärts und erreichte schließlich die sich automatisch öffnende Tür, scheinbar ausgelöst durch ihre Tricorderabstrahlungen. Dort drinnen befanden sich Schätze, wie sie sie noch niemals gesehen hatten. Gemälde, Trophäen, Bilder, Waffen und andere unbezahlbare Gegenstände, die James T. Kirk seinem Privatbestand hinzugefügt hatte. Hier drin schien sich die Geschichte von Hunderten von Völkern zu finden. Überwältigt schaute sich die Gruppe in dem großen Raum um.<br>„Ihr wisst alle, wonach wir suchen“, ermahnte Bashir sie. „Sucht den Tantalus-Strahler.“<br>Zwar wusste keiner von ihnen, wie dieses Gerät tatsächlich aussah, doch eigentlich musste es recht unverwechselbar sein; zumindest hofften sie dies. Ratlos wanderten sie umher, blickten sich um, betrachteten die zahllosen Gegenstände. Was nur konnte es sein? Sie alle hatten eine wage Beschreibung, wie das Gerät funktionieren sollte, aber wie es aussah wusste niemand.<br>Irgendwann, nach langem Suchen, bemerkte Matthew Price einen klobigen Monitor, der einfach im Raum stand. Seine Kanten und scheinbar veraltete Bedienung passten überhaupt nicht zu den sagenhaften Reichtümern, die sich sonst im Raum befanden. Eher stand er im völligen Kontrast dazu. Ohne den anderen etwas zu sagen nährte sich der Halbbetazoid dem Monitor. Er besaß drei Knöpfe und ein Sensorfeld. Intuitiv betätigte der Söldner den linken und bemerkte keineswegs überrascht, wie der Monitor anging und ihm einen Teil des Raumes präsentierte. Scheinbar hatte er das Gerät aktiviert. Automatisch glitten seine Hände über das Bedienfeld und das Bild auf dem Monitor wanderte umher. Vermutlich war eine kleine Kamera eingebaut worden. Probeweise ließ Matthew das Bild durch den Raum wandern und blieb dann am Eingang stehen. Nicht freiwillig jedoch, denn was er auf dem Bildschirm sah gefiel ihm ganz und gar nicht. Langsam, ja geradezu ängstlich, drehte er sich herum, so als hoffe er das dargestellte sei nur eine Fata Morgana. Doch seine Hoffnungen mussten leider enttäuscht werden. Im Eingang standen tatsächlich zwei bewaffnete Cardassianer.<br>„Oh nein!“ meinte Price und daraufhin drehten sich alle anderen, die ebenso überrascht waren wie der Halbbetazoid, zu den Eindringlingen.<br>Der Cardassianer, ein älterer Mann mit sauber zurückgekämmtem Haar und großem Körperbau, klatschte höhnisch und grinste.<br>„Ich danke ihnen“, meinte der Mann im Range eines Guls, „im Namen Cardassias und natürlich der Allianz danke ich ihnen, dass sie uns zu dieser Kammer des Reichtums geführt haben. Ohne sie und ihre gescheiten Ideen hätten wir niemals diesen Ort gefunden, geschweige denn die Sicherheitssysteme überwunden. Sehr clever von ihnen, meinen Respekt haben sie!“ <br>Julian Bashir blickte die Cardassianer grimmig an, in seinen Augen loderte das Feuer des Zorns. Er war nicht willens sich an nun eine Niederlage einzugestehen. So nahe waren sie dem Erfolg gekommen und nun warteten schon die finsteren Schergen der Allianz auf sie. Wie hatte man sie nur entdeckt? War ihre Mission etwa verraten worden? Eine andere Möglichkeit schien es nicht zu geben. Instinktiv dachte der Araber an Martin Lewinski. War es also doch eine schlechte Idee gewesen diesen Mann mitzunehmen? Doch Martini wirkte genauso schockiert wie alle anderen und auch machten die Cardassianer keine Anstalten ihn zu enttarnen. Obwohl es ganz sicher nicht das erste Mal wäre, dass die Allianz ihre Informanten ebenfalls aus dem Weg räumt.<br>„Wie unhöflich von mir“, warf der Gul ein und lächelte wieder schmierig, „ich muss mich ja vorstellen. Immerhin sollten sie wissen, wer ihnen das Ende bereiten wird. Mein Name ist Gul Dukat. Der Name meines Begleiters hier hingegen dürfte sie nicht interessieren. Mein Kreuzer befindet sich direkt im Orbit über uns und ich muss gestehen, dass ihre Tarnvorrichtung bemerkenswert ist. Bisher waren wir nicht in der Lage sie aufzuspüren. Schade, dabei hatte ich mich so auf einen fulminanten Doppelerfolg gefreut: diese wichtige Mission sabotieren und gleichzeitig die Defiant zerstören. Nun ja, man kann nicht alles haben.“<br>„Sie haben heute auch nur Pech, was?“ warf Arena Tellom zynisch ein, was bei Dukat wieder ein widerliches Lachen hervorrief.<br>„Ich gebe mich auch mit einem Teilerfolg zufrieden“, entgegnete der Gul und bedeutete seinem Begleiter, der ein Phasergewehr in den Händen hielt, in Stellung zu gehen.<br>„Noch irgendwelche letzten Worte, bevor es mit ihnen zu Ende geht?“<br>„Vielleicht“, fragte Bashir und blickte dabei zu Lewinski, „würden sie uns sagen, wie unsere Mission enttarnt wurde?“<br>Kurz dachte Dukat darüber nach und beschloss dann, dass er ihnen dies sagen würde. Es würde den ganzen Tod nur noch diabolischer machen. Er wollte ihre entsetzten Augen sehen, wenn sie die Wahrheit erfuhren:<br>„Ihr tapferes Schneiderlein Edward Jellico hat sie verraten.“<br>Seine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Die Anwesenden, zumindest diejenigen, die auf Terok Nor ihr Zuhause hatten, trauten ihren Ohren nicht. Der freundliche alte Mann sollte die Person sein, die alles sabotierte? Kurz spekulierte Julian, ob es sich hierbei nur um ein Ablenkungsmanöver handelte, doch dann bemerkte er den Wahrheitsgehalt in den Augen Dukats. Er konnte gut in den Augen seiner Gegenüber lesen und aus diesen verstand er, dass es sich um die Wahrheit handelte. Ausgerechnet Jellico, dem alle an Bord der Station trauten. <br>„Gut, ich denke mal, dies ist es gewesen. Wenn sie nun verzeihen würden, ich möchte gerne ihrem Leben ein Ende setzen, “ grinste Dukat noch einmal und brachte seine Waffe in Anschlag.<br>Es war in jenem Moment, als Price alles auf eine Karte setzte. Er hatte nur eine vage Vermutung, doch er musste diese Chance nutzen und hoffen, dass sie sich so aus ihrer Lage befreien konnten. Blitzschnell drehte er sich herum und betätigte den Knopf auf dem seltsamen Monitor, den er für den Auslöser hielt. Im nächsten Moment waren die beiden Cardassianer verschwunden. Sie hinterließen keine Überreste, keine Asche und nicht einmal ein Schmerzensschrei war ihnen über die Lippen gekommen. Ihr Ende war einfach zu schnell gekommen, als dass sie es überhaupt hätten realisieren können.<br>„Scheint so“, meinte Matthew lakonisch, „als wäre dies hier der Tantalus-Strahler.“<br>Überrascht, aber zweifelsohne glücklich, drehten sich die anderen Mitglieder des Außenteams in seine Richtung. Erst betrachteten sie ihren Retter, dann das sagenumwobene Gerät, weswegen sie hierher gekommen waren. Für einen kurzen Moment stiegen dunkle Gedanken in Price hoch. Mit einem solchen Gerät konnte er effektiver töten als jeder andere Konkurrent in seinem Geschäft. Sein Profit würde enorm sein. Alles, was er tun musste, war mit einem weiteren kleinen Tastendruck seine Begleiter ausschalten und dann...<br>Doch seine Gedankenkette wurde von der weichen Hand unterbrochen, die sich auf seine legte.<br>„Danke“, meinte Arena Tellom und ihre Augen funkelten beruhigend. Angesichts dieser netten Frau beschloss der Söldner seine Pläne noch etwas zurückzustellen. Vielleicht sollte er noch etwas Zeit mit den Rebellen verbringen und schauen, wie sich die Situation entwickelte. Man musste sich den Zeiten anpassen und für den Moment sah es so aus, als würde Matt sich noch etwas in den Dienst dieser tapferen Personen stellen.<br>Schnell packten sie alle das Gerät ein und brachten es an die Oberfläche der Erde, wo sie sich alle auf die getarnte Defiant beamen ließen. Captain Bashir kehrte mit den anderen eilig auf die Brücke zurück, wo sie alle wieder ihre Stationen besetzten.<br>„Das cardassianische Schiff der Galor-Klasse hat den Transfer nicht bemerkt,“ erklärte Tom Paris, der Bashir als Kommandanten vertreten hatte, „und sie haben uns auch bisher nicht gefunden. Sie sind absolut blind.“<br>„Ausgezeichnet“, murmelte Bashir und konnte sich nur zu gut das Chaos an Bord des Kriegsschiffs vorstellen. Ob sie schon wussten, dass ihr Captain getötet worden war? Diese Verwirrung mussten sie zweifelsohne ausnutzen. Er würde ihnen diesen versuchten Mord heimzahlen.<br>„Bereiten sie einen Angriff vor. Fertigmachen zum Fallenlassen der Tarnung!“ raunte der Araber, doch Bruce Land trat vor und packte ihn am Arm.<br>„Nein!“ rief dieser.<br>„Nein?“<br>„Nein, du solltest das jetzt nicht tun“, erklärte sein Navigator und ließ Bashir wieder los, nachdem dessen zornige Augen ihn erschreckt hatten. „Es wäre nicht klug.“<br>„Wie kann es nicht klug sein? Wir sind im Krieg und haben die Aufgabe so viele Feinde wie möglich zu töten.“<br>Kurz blickte sich Land auf der Brücke um, versuchte die Empfindungen der anderen zu sondieren. Er lehnte sich mit seinen Worten sehr weit aus dem Fenster, doch irgendwie hatte er das Gefühl, dass dies sein musste.<br>„Aber wir dürfen keine unnötigen Risiken eingehen. Wir müssen den Tantalus-Strahler zurück zur Station bringen. Wer weiß, was bei dem Kampf, den du planst, geschiehst.“<br>Irritiert deutet Julian Bashir mit der einen Hand auf den Sichtschirm, welcher das cardassianische Schiff zeigte. Es trieb im Orbit der Erde, nichts ahnend, scheinbar wehrlos.<br>„Wir sind diesem Schiff waffentechnisch überlegen und sie erwarten unseren Angriff nicht“, erklärte der Captain. <br>„In einem Kampf kann alles Mögliche passieren und sie erwarten sehr wohl einen Angriff durch uns. Immerhin sind sie auf der Suche und wissen um unsere Präsenz. Bitte Julian, wir dürfen keine unnötigen Risiken eingehen. Sie werden es nicht einmal merken, wenn wir von hier verschwinden.“<br>Ratlos blickte Bashir den Navigator an, dann zum Sichtschirm und dann wieder die anderen Mitglieder des zurückgekehrten Außenteams. In seinem Gesicht war deutlich abzulesen, wieso er dies vorhatte. Man hätte sie fast getötet, sie um ihren Lohn gebracht. Er verdiente eine Chance auf Rache. Rache für all das Leid, welches er erfahren hatte. Rache für die Ermordung seiner geliebten Jadzia. Wieso begriff niemand von ihnen dies?<br>Martin Lewinski, die von ihm so verachtete Person, trat nun ebenfalls auf ihn zu und meinte:<br>„Sie erinnern sich doch an die Wandbilder, die uns ein Imperium der Grausamkeit und Brutalität gezeigt haben. Wollen wir nicht genau dies verhindern? Wir Menschen haben uns weiterentwickelt. Lassen wir uns besser nicht mehr von Rache und Blutvergießen leiten, sondern von Vernunft. Wäre es unbedingt notwendig, ich wäre der erste, der einem Angriff nun zustimmen würde. Aber dies ist es nicht. Lassen sie uns nach dieser harten Mission nach Terok Nor zurückkehren und das Gerät dort näher studieren.“<br>Angesichts dieser zweifachen Front wechselten Bashirs Augen hastig zwischen Lands und Lewinskis Gesicht hin und her. Schließlich traf er seine Entscheidung:<br>„Bruce, wende das Schiff und bringe uns von hier weg. Aber vorsichtig, so dass wir nicht aufgespürt werden können.“<br>„Klaro, Captain“, zwinkerte der Engländer ihm zu und begab sich an die Navigationskontrolle.<br>Auch wenn dies keiner offen zugab, so waren die meisten von ihnen mehr als zufrieden mit der Entscheidung ihres Kommandanten. Vielleicht hatten sie damit den ersten Schritt getan, die erste neue Stufe zu einer neuen Menschheit erklommen. Eine, die nicht nur reiferes Denken befürwortete, sondern es auch umsetzte. Die nicht nur nach dem „Auge um Auge“ Prinzip vorging, sondern auch nachdachte. Bashirs Handlung war nur ein winziges Mosaiksteinchen gewesen, aber ein wichtiger Schritt.<br>Ein Schritt in eine möglicherweise bessere Zukunft für sie alle.<br><br><center><b><u>Ende</u></b></center><br>]]></description><guid isPermaLink="false">5070</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor-Special: Nachlese zu "Reine Fiktion"</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-special-nachlese-zu-reine-fiktion-r5033/</link><description><![CDATA[<center>„Nachlese zu: Reine Fiktion“</center><br><br>Einem Schriftsteller bieten sich viele Möglichkeiten. Wenn man mal die Probleme, die einem das Schreiben bringt (welche des öfteren von Stephen King dargestellt wurden) beiseite lässt, breitet sich ein unendlicher Kosmos vor dem Autoren aus. Jeder Ort, jede Zeit, jede Person kann gewählt werden um Themen zu erörtern, die so unendlich sind wie der Kosmos selbst. Das Star Trek Universum ist ein ebenfalls unendlicher Kosmos und schon viele Themen wur-den dort aufgegriffen, seien es Rassismus, verwerfliche Experimente oder auch einfach nur eine Folge der Unterhaltung willen.<br>Dieses Mal habe ich mich dazu entschieden wieder über etwas zu schreiben, dass noch nie zuvor da war. Mit dieser Folge warf ich einen Blick in mich selbst hinein.<br>Zuerst aber zur Entstehung dieser Geschichte. Schon einige Zeit trug ich mit mir diese Idee herum, einer Geschichte, in welcher der Autor selbst auftritt. Zugegeben, selbst diese Idee war nicht neu, doch sie ist interessant. Als ich die Planungen zu 5. Monitor Staffel las, sah ich wie Nadir eine Folge mit dem Titel „Reine Fiktion“ plante. Sofort fühlte ich mich an meine, in-zwischen beinah in Vergessenheit geratene, Geschichte erinnert. Als dann Nadir diese Episo-de auch noch in „And Action“ umbenannte, sicherte ich mir sogleich den Titel und machte mich an die Planungen.<br>Die Grundidee der Folge ist wohl die Frage: Was würde ich tun, wenn ich auf der Monitor wäre? Was würde ich tun, wenn ich Teil des Star Trek Universums wäre?<br>Mehr als diese Gedankenspielerei, die zwar ganz amüsant ist, offenbart diese Episode noch eine andere Thematik.<br>Die bedeutende Frage, wie viel Star Trek wirklich ist. Kann so etwas großes wirklich nur Rei-ne Fiktion sein? Wir müssen die Frage mit Ja beantworten. Doch wir belügen uns damit zum Teil selbst. Denn allein die Tatsache, dass irgendjemand dies hier liest beweist, dass sich Star Trek verselbstständigt hat. Und wie kann sich reine Fiktion verselbstständigen? Nein, diese Eigenschaft ist zweifelsohne etwas zuzuordnen, das lebt.<br>Die Episode bringt uns ebenso zu der Frage über uns selbst. Wer sind wir? Wer bin ich selbst? Hat ein anderes Leben vielleicht nicht doch mehr Nach- als Vorteile? Und natürlich handelt die Folge von dem allmächtigen Gefühl eines Schriftstellers, der ihn zu einem kleinen Gott werden lässt.<br>Ein kleiner Gott. Hört sich gut an, nicht? Auch wenn es eine Sünde ist, sich anzumaßen Gott zu sein ist es schon eines der erhabendsten Gefühle mehr zu sein als ein kleiner Mensch.<br>Doch auch hier belehrt uns diese Episode eines besseren. Es ist viel besser, wenn man ver-sucht ein guter Mensch zu sein, als sich auf den kleinen Gott einzuschießen.<br>Ian verkörpert einen großen Teil von mir. Auch wenn er genauso wenig ich ist wie jede ande-re Figur in der Geschichte. Jedoch ist Ian die Verkörperung meiner Ängste und Fürchte. Jetzt an einer der Wendestellen meines Lebens ein wichtiges Thema. Auch wenn sich die Ände-rungen, die sich für mich einstellen vielleicht doch nicht als so gewichtig herausstellen mögen besteht immer noch für mich die große Angst zu versagen. Eine Angst die man nicht unbe-dingt einfach so nehmen kann.<br>Auch wenn ich auf meinen Lebenswegen nun, sowohl zum Zeitpunkt da ich dies schreibe als auch zum Zeitpunkt da ihr dies lest, um einiges weiter bin, beschäftigen mich diese Gefühle sehr. Denn diese sind etwas, mit denen man selbst kämpfen muss. Niemand kann einen selbst bei einem solchen Kampf gegen Gefühle unterstützen.<br>Gewiss kann man es sich aussuchen, ob man sich noch Unerstützung holt durch Freunde oder Familie. Doch am Ende steht man alleine da, gegenüber die Personifizierung seiner eigenen Gefühlswelt. <br>Jedoch ist es noch ein relativ schöner Kampf, wenn sich diese als John Lewinski herausstellt...<br>Am Ende ist diese Episode doch ein wahres Stück Star Trek. Denn es handelt von den The-men, die dieses Franchise groß gemacht haben. Den kleinen Gefühlen und den großen Aus-wirkungen. Welche Schutzmechanismen ergreifen wir um uns zu schützen? Um unsere Ge-fühlswelt so aufrechtzuerhalten, wie wir es nur wollen. Und ist dies nur eine Lüge?<br>Diese Episode war ein Versuch mehr zu zeigen als nur die übliche Science Fiction. Star Trek ist und bleibt für mich ein wichtiges Rückzugsgebiet. Jedoch darf man sich dadurch nicht blenden lassen. Star Trek ist keine Ausrede sich um das „wirkliche“ Leben zu kümmern. Star Trek wird niemanden jemals vor wichtigen Entscheidungen bewahren. Dazu ist und bleibt Star Trek, was es ist. Eine Serie. Aber eine, die einen großen Platz in unseren Herzen ein-nimmt.<br><br>Übrigens: Mein Zimmer sieht wirklich so aus wie Ians. Es ist ein wahrer Star Trek Schrein!<br><br>Und um diese Nachlese zu versüßen gibt es nun ein ganz besonderes Special. Bei den Arbei-ten für diese Episode kam mir noch ein anderer Ansatz in den Sinn. Dieser lehnt sich an eine Episode der Serie Hercules an, in der die Schauspieler über den Weitergang der Serie disku-tieren. Hier nun der zweite Ansatz der Episode, den ich jedoch verworfen habe, da er mir der Thematik nicht angemessen schien...<br><br>	John Lewinski sah gespannt zum Hauptbildschirm. Langsam stand er auf und trat ei-nen kleinen Schritt näher. Er schien nicht zu glauben, was seine Augen ihm vermittelten. Die anderen Brückenoffiziere hatten an ihren Stationen alle Hände voll zu tun. Die Brücke an sich war abgedunkelt. Die Indikatoren des roten Alarms blinkten und den Offizieren war der Stress der Situation deutlich anzusehen.<br>	„Das ist unglaublich“, brachte Lewinski müde hervor. „Mr. Price setzen Sie einen Kurs auf Sternenbasis 24.“<br>	Doch der Steuermann antwortete nicht. Er sah nur verwirrt auf seine Konsole. Lang-sam drehte er sich zu seinem Captain um und sah ihn an. „Wie lautete noch mal mein Text?“<br>	„Cut!“, ertönte plötzlich die verärgerte Stimme des Regisseurs. Alle sahen zu ihm. Dort wo normalerweise der Hauptbildschirm war befand sich im Moment eine klaffende Lü-cke. Dahinter war das Kamerateam zu sehen, sowie die Leute vom Ton und natürlich der Re-gisseur, der in einem Klappstuhl saß. Verärgert stand dieser aus seinem Stuhl auf und trat auf das Brückenset der Monitor. Er lehnte sich verzweifelt an die Steuerkonsole und sah zum „Steuermann“ hinab. „David, dein Text lautet: Aye Sir, Kurs gesetzt.“ Er wandte sich an den Captain. „Und du stehst das nächste Mal etwas energischer auf Bob. Ansonsten war es gut so.“<br>	„Gut, mach ich so Ian“, antwortete „Captain Lewinski“<br>Ian wollte sich schon wieder auf seinen Stuhl setzen, als er sich noch einmal umdrehte. „Und du Arena...“<br>	„Du sollst mich nicht die ganze Zeit Arena nennen. Seh ich aus wie ein Stadion oder was? Ich habe auch einen richtigen Namen.“<br>	„Ich weiß Arena. Also bei der nächsten Klappe vergisst du nicht deine Konsole zu betätigen.“ Ian setzte sich wieder in seinen Stuhl und nahm das Drehbuch zur Hand. „Also alles noch mal von der Stelle eben. Licht und Ton bereit?“<br>	Bestätigende Antworten kamen von verschiedenen Richtungen.<br>	„Klappe?“ fragte Ian und sofort kam ein junger Mann hergesprungen, der die berühm-te Klappe in die Kamera hielt. „Star Trek Monitor – Akt 1 Szene 4 die Neunte.“ Er schlug die Klappe zusammen und alle warteten auf die magische Anweisung eines jeden Regisseurs: „Und bitte.“<br>	Sofort wandelten sich die Schauspieler wider in ihre Rollen. Lewinskis saß in seinem Stuhl und sah noch gespannter wie zuvor auf den Hauptschirm. Er stand auf, etwas energi-scher als zuvor und trat hinter seinen Steuermann Matt Price.<br>	„Das ist unglaublich“, brachte Lewinski darauf staunende hervor. „Mr. Price, setzen Sie einen Kurs auf Sternbasis 24.“<br>	„Aye Sir. Waffen ausgerichtet“, bestätigte Price.<br>	„Cut!“ schrie Ian erneut und alle sahen wieder zu ihm. Müde saß dieser in seinem Stuhl, den Kopf hatte er in eine Hand gesenkt, das Drehbuch war ihm zu Boden geglitten. „Michelle!“, schrie er erschöpft und sofort kam eine junge Frau angesprungen, die sich sofort hinter ihn stellte und seinen Nacken massierte. „Ja Ian?“, fragte sie höflich.<br>	„Haben die eigentlich das gleiche Drehbuch wie ich bekommen?“<br>„Ich werde das sofort überprüfen lassen.“<br>„Danke Michelle. Bring mir bitte noch eine Flasche Wasser.“<br>„Wird gemacht“, antwortete sie und verschwand so schnell wieder, wie sie erschienen war. Ian setzte sich langsam auf und sah zum Set. Dabei versuchte er so freundlich zu wirken, wie es ihm nur möglich war.<br>„David“, begann er ruhig. „Müssen wir wieder rüber gehen in die Nachbarhallen und uns ansehen, wie Stargate gedreht wird?“<br>„Nein“, antwortete David verlegen. „Mein Text lautet Aye Sir, Kurs gesetzt.“<br>Ian sieht zur Decke und streckt seine Arme nach oben. „Jetzt kann er seinen Text.“ Er-schöpft sackt er wieder in sich zusammen. „Na schön. Machen wir erst einmal Mittagspause.“<br>Wie mit Zauberhand standen alle auf und begaben sich zum Speiseraum. Nur Ian blieb in seinem Stuhl hängen. In diesem Moment kam auch schon Michelle wieder und reichte ihm seine Wasserflasche. „Danke Michelle.“<br>„Kein Problem Ian.“<br>Genüsslich trank er die halbe Flasche an einem Zug aus und sah dann wieder zu seiner Assistentin. „Dieser Duchovny macht mich fertig. Langsam glaube ich daran, dass Akte X nur so viele Logiklöcher hatte, weil der sich seinen Text nicht merken konnte.“ Er seufzte einmal tief. „Wieso haben wir den noch mal eingestellt?“<br>„Weil die Serie zu der Zeit schwache Quoten hatte und wir ein junges bekanntes Ge-sicht brauchten“, klang die Antwort, die schon so oft aufgesagt wurde, dass sie sich schon wieder abgedroschen anhörte.<br>„Ach ja, richtig. Erinnere mich das nächste Mal wenn ich wieder Regie führen will daran, dass mir mein Job als Creative Producer vollkommen ausreicht.“<br>„Genau so wie die letzten 8 Male?“<br>„Ja, genauso wie die letzten 8 Male“, gab er resigniert von sich.<br>„Ähm...“, begann Michelle, stellte sich wieder hinter den Stuhl und begann seine Schultern zu massieren.<br>„Was ähm?“<br>„Die haben schon wieder angerufen.“<br>Leicht geschockt sah er zu ihr. „Hast du sie noch mal vertröstet?“<br>„Ja, aber die haben gesagt, wenn du nicht zurückrufst kommen sie vorbei.“<br>Ian schloss seine Augen und gab sich ganze der Massage hin. „Immer wenn man denkt, es kann nicht schlimmer kommen.“ Nach einem tiefen Atemzug und nachdem er sein Hemd glatt gestrichen hatte, stand Ian auf und sah zu Michelle. „Erinnere mich daran, nie Ausführender Produzent zu werden, sollte mich danach bitten.“<br>„Ich werde dich daran genau so erinnern, wie damals als du Kreativproduzent wur-dest.“<br>„Michelle, was würde ich nur ohne dich machen?“, fragte er ohne eine Antwort zu er-warten und verließ nun auch das Set.<br><br>In der einfach ausgestatteten Cafeteria des Produktionsstudios hatte man sich schon lange an die manchmal fremdartig wirkenden Schauspieler gewöhnt. Im Moment standen sie mal wieder in einer Schlange vor der Essensausgabe, natürlich in Uniform und mit Maske.<br>„Haben die äh dich schon wegen einer äh Vertragsverlängerung angesprochen?“, frag-te Robert Patrick unerwartet den vor ihm stehenden David Duchovny.<br>„Nein“ antwortete dieser. „Dich etwa?“<br>„Nein, auch noch nicht. Das ähm macht mir ja äh Sorgen, will ich mal sagen.“<br>David blieb plötzlich stehen. So plötzlich, das Patrick beinahe auf ihn aufgelaufen wä-re. „Was ist denn?“<br>„Meinst du, die setzen uns ab?“, fragte David dann frei heraus.<br>„Ach Quatsch...“<br>„Nein, jetzt überleg doch. So spät sind die noch nie auf uns zugekommen. Und die ha-ben <font >Colm Meaney</font> an Bord geholt. Doch nicht nur etwa aus Spaß.“<br>Patrick dachte über die Worte nach. Noch ehe er etwas einbringen konnte, fuhr Du-chovny auch schon fort. „Jetzt überleg doch, in den letzten 4 Episoden sah man entweder mich oder Ben oben Ohne. Hast du eigentlich einen Überblick über die Quoten?“<br>„Ähhh, nein, hab ich nicht...“ verwundert sah Robert nun David an. „Für den Um-stand, dass du dir äh nicht mal ein einfaches Aye Sir merken kannst, war das richtig äh, scharfsinnig will ich mal sagen.“<br>Duchovny dachte nach. „Danke“, antwortete er schließlich und nahm sich einen Salat-teller von der Theke heraus.<br>Nur zwei Schritte hinter Ihnen standen die nächsten Darsteller. Es waren die einzigen zwei Frauen in der Riege der Hauptdarsteller. „Was ist mit dir?“, fragte Meg Ryan. Auch sie war schon in Uniform, da ihr Auftritt für die nächste Szene geplant war.<br>„Ach, meine Maske juckt schon wieder?“, antwortete „Arena Tellom“.<br>„Ich dachte die hätten einen neuen Klebstoff verwendet?“<br>„Haben sie auch, das ist es ja.“<br>„Was war denn mit dem alten Klebstoff?“, wollte Meg verwundert wissen.<br>„Irgendwas mit dem Inhalt“, mutmaßte sie und zuckte dabei unwissend mit ihren Schultern. „Ich glaube die haben krebserregende Stoffe darin gefunden. Meinst du, das ist gefährlich?“<br>„Hm“, machte Meg. „Keine Ahnung, ich spiel nur eine Ärztin.“<br>Ihr Gespräch wurde jäh durch das Klingeln eines Telefons unterbrochen. Beide dreh-ten sich um und sahen, wie Ben Affleck sein Handy aus seiner Hosentasche herauskramte. Schnell sah er auf das Display und erkannte auch sogleich den Anrufer. Er murmelte ein lei-ses „Oh Gott“, räusperte sich kurz und legte den Danny Bird Slang ab.<br>„Was willst du? Ich sagte doch, du sollst hier nicht anrufen“, begrüßte er seinen Ge-sprächspartner am anderen Ende der Leitung.<br>Die beiden Damen vor ihm hatten sich zwar wieder von ihm weggedreht, jedoch lauschten sie dem Gespräch aufmerksam, beinahe schon auffällig. Und sie waren dabei nicht allein, denn hinter Ihnen stand „Ardev“. Sogar seine mechanischen Fühlern schienen sich etwas näher zu Ben gebeugt zu haben.<br>„Nein, ich habe die Fotos noch nicht gesehen, falls du es nichts weißt, ich arbeite. Ich will nämlich mit dem Hollywood Trubel nichts mehr zu tun haben.“ Kurze Pause. „Nein Jen-ny, ich mag dich natürlich schon noch, aber...“ wiederum eine kurze Pause in der Ben genervt seine Augen rollte. „Hallo, hallo“, sagte er plötzlich und hob sich das Handy vor seinen Mund. Dabei machte er laute Knistergeräusche. „Ich versteh dich nicht, die Verbindung ist ganz schlecht.“ Und ohne auch noch ein Wort zu sagen legte er auf und steckte sein Handy weg. Mit deutlicher Wut in den Augen griff auch er in ein Fach der Theke und stellte sich einen Joghurt auf sein Tablett. Erst jetzt fiel ihm auf, dass ihn seine Kollegen (vor und hinter ihm) wieder beobachteten.<br>„Alles Klar?“, fragte Meg.<br>„Ja“, gab Ben kleinlaut zu. „Das war nur...“<br>„Jaja, wir können es uns denken“, sprach Meg allen dreien aus der Seele.<br>„Nein, du verstehst nicht. Anscheinend wurden beim letzten Außendreh Fotos von uns beiden gemacht, auf die die Beschreibung eindeutig zweideutig bestens passt.“<br>Meg Ryan fiel die Kinnlade herunter. „Oh mein Gott.“ Doch ihre Empörung verwan-delte sich schnell in ein Stirnrunzeln. „Seh ich vorteilhaft auf ihnen aus?“<br><br>Das Mittagessen war wie im Flug vergangen. Doch anstatt an die Arbeit zurückzukeh-ren saß die ganze Darstellerriege in der Messe der Monitor. Auch bei Ihnen hatte sich diese Angewohnheit eingebürgert, wenn Ian Ihnen wichtige Mitteilungen zu überbringen hatte.<br>Alle saßen wie üblich am Tisch. Robert Patrick gegenüber am anderen Tischende saß dazu Ian, neben ihm Michelle.<br>„Also Leute, ich habe euch aus einem bestimmten Anlass zusammen geholt“, begann Ian. „Ich habe gerade mit den Ausführenden gesprochen... in der Sauna.“<br>Ein allgemeines Gemurmel ging durch die Reihe. Aber alle wirkten sichtlich depri-miert über die Aussage „Sauna“.<br>„Nun, es ist kein Geheimnis. Unsere Quoten sind im Sturzflug. Daher haben wir die beiden Ausführenden mir schon praktisch den Stuhl vor die Tür gesetzt. Sie fordern neue kre-ative Vorschläge für den Rest von Staffel 6. An den jetzigen ersten 5 Folgen können wir ja sowieso nichts mehr ändern. Und wenn keine Vorschläge kommen sehe ich schwarz... für meinen Job.“<br>„Dann hat auch Kiefers Gastrolle nichts gebracht?“, fragte Robert überrascht.<br>Ian schüttelte dezent den Kopf. „Die Kritiken für diese Episoden waren nicht gerade herausragend.“<br>„Aber wir haben den doch für wie viel Dollar zu einer Gastrolle überreden können? Ganz zu schweigen von Nicole und Michael“, ergänzte David.<br>„Reden wir nicht davon, sondern lieber für neue Ideen für die noch bevorstehende Staffel“, wich Ian aus und sah fragend in die Runde.<br>„Also damals bei Deep Space 9 haben wir einfach das Dominion eingeführt und die Föderation in Krieg gegen die Klingonen geführt.“<br>„Ich weiß ich weiß“, wiegelte Ian Colm Meaneys Hinweis ab. „Und ihr habt dazu ein bekanntes Gesicht an Bord geholt. Das haben wir schon mit Locarno und dir versucht. Erfolg-los.“<br>„Um ehrlich zu sein, dachte ich mir schon so etwas. Nichts gegen dich Ian, aber die Drehbücher dieser Staffel wirken recht lustlos. Ich meine, ein Überfall von Killerbienen aus dem All wirkt mehr trashig als trekig“, ergänzte Meg Ryan.<br>Resignierend sackte Ian zusammen und legte seinen Kopf in seine Hände. „Ihr habt recht. Ich bin der kreative Bremsklotz am Star Trek Fuß.“<br>„So würde ich das nicht sagen Ian. Die Handlung um Arena Tellom und Ardev ist recht gelungen.“<br>„Danke Arena“, antwortete Ian.<br>„Ich heiße nicht... ach vergiss es!“, konterte die junge Schauspielerin.<br>„Aber er hat recht. Ich meine wann hat die Serie zuletzt einen Emmy bekommen?“, fragte Ben kritisch in die Runde. „Warst das du Robert als bester TV Darsteller in Staffel 3?“<br>„Ja ich denke“, antwortete dieser. „Aber solche Diskussionen bringen uns jetzt auch nicht weiter.“<br>„Wie wär’s wenn Ardev so etwas bekommt, wie Siskos Baseball?“, fragte der Ardev Darsteller.<br>Ian sah zu ihm hinüber und sah, dass er plötzlich einen Baseball in der Hand hielt und ihn immer wieder in die Höhe warf.<br>„Bitte? Was soll das?“, fragte Ian. In genau diesem Moment warf „Ardev“ den Ball etwas zu hoch, worauf dieser an einer der Scheinwerfer abprallte und unkontrolliert durch die Gegend flog. Um ehrlich zu sein, flog er nicht unkontrolliert, sondern mit direktem Kurs auf Ian. Und noch ehe der überraschte Regisseur und Kreativproduzent auch nur andeutungsweise Ausweichen konnte, traf ihn der Ball direkt an der Stirn. Mit weit aufgerissenen Augen kippte Ian darauf um und knallte mit seinem Stuhl direkt auf den harten Boden der Tatsachen.<br>Als sich seine Sicht langsam wieder klärte sah er die Gesichter seiner Kollegen über ihm. Vorsichtig hob er seine Hand zu seinem Kopf und versuchte die Kopfschmerzen zu ver-treiben, die der Baseball verursacht hatte.<br>„Ah verdammt tut das weh?“<br>„Helfen Sie ihm auf...“, hörte Ian die Stimme von Robert Patrick. Sogleich spürte er zwei paar starke Arme an seiner Seite, die ihn wieder in seinen Stuhl setzten.<br>„Doktor, helfen Sie ihm“, hörte er Patrick wieder. Sogleich sah er Meg Ryan, die ihn mit einem Trikorder scannte.<br>Verwirrt sah er in ihr Gesicht und dann zu den anderen, als er wieder klar denken konnte. „Wieso fuchtelst du mit diesem Spielzeug vor mir herum“, giftete er wütend und schlug Ryans Arm weg. „Michelle, bring mir bitte eine Kopfschmerztablette.“<br>Doch nichts tat sich auf seine Anweisung.<br>„Michelle?“, rief er erneut durch die Messe  und drehte sich dabei zum ersten mal ganz herum. Erstaunt stellte er fest, dass alle Wände aufgestellt waren. Zudem hing die Decke über der Location.<br>„Was geht hier vor? Wo ist Michelle?“<br>„Wer ist Michelle?“, fragte Ben.<br>„Was noch wichtiger ist: Wer sind Sie?“, fragte Patrick.<br>Verstehend nickte Ian und lächelte siegesgewiss. „Ich verstehe. Ihr hättet mich beinahe dran gekriegt. Also, wo ist dieser Ashton Kutcher? Wo hat er seine Kamera aufgebaut?“<br>Alle sahen sich etwas verwirrt an. „Ich glaube, er versteht nicht, wo er ist“, kommen-tierte Meaney.<br>Patrick wandte sich nach diesem Einwand an Duchovny. „Commander.“<br>„Er glaubt sich im Recht...“, antwortete der angesprochene sofort.<br>„Ist ja gut“, wandte Ian sofort ein und stand auf. „Ihr müsst damit nicht weitermachen. Ihr geht ja richtig in euren Rollen auf. Und so gut habt ihr das ja schon seit Monaten nicht mehr gemacht“, fügte er leise und bitter zynisch an und begab sich auf die Suche nach der Kamera. Er trat zu den Replikatoren und sah dort hinein, doch er konnte keine entdecken. Er begab sich darauf zur anderen Seite des Raumes und kam dabei an der Tür vorbei. Etwas er-schrocken sprang er auf die Seite, als sich diese automatisch öffnete. Doch nach wenigen Se-kunden stemmte er locken Seine Hände in die Hüfte und lachte. Zuerst sah er zurück in die immer noch verwirrten Gesichter seine Crew, doch dann sah er zur Decke. „OK Ed, du kannst raus kommen.“ Doch wieder erhielt er keine Antwort. „Ed, ich weiß das du da irgendwo bist und die Türen betätigst.“<br>Immer noch blieb alles ruhig. Erneut sah er zur Decke. „Ed, bitte melden.“<br>„Anfrage wurde nicht erkannt“, erhielt er als Antwort. Jedoch nicht von Ed, sondern von der weiblich neutralen Computerstimme.<br>Ian taumelte zurück. Sein Herz schlug wie wild, als er mit Ben Affleck zusammen-stieß. Gespannt schärfte er in diesem Moment alle seine Sinne. Er fühlte weder die Hitze der Scheinwerfer, doch der Raum schien beleuchtet zu sein. Er roch weder die besondere Duftno-te der Kulissen, noch hörte er das Knarren des Holzbodens unter seinen Füßen. Er hörte statt-dessen... etwas, das er hier nicht hören sollte. Das Summen des Warpkerns. Die Tür hatte zu-vor gezischt, der Trikorder gesummt.<br>Er taumelte weiter und sah direkt in Ben Afflecks Augen. „Ben?“, fragte er vorsichtig. Doch dieser antwortete nicht. „Danny?“, wiederholte er. Und dieses Mal sah er etwas anderes in seinen Augen. Er hatte richtig geraten.<br>„Was soll das?!“ schrie Ian panisch. Langsam trat er einige Schritte zurück und starrte dabei gebannt auf seine Kollegen. „Ihr hört jetzt sofort damit auf.“<br>„Ich bin Captain Lewinski. Von der USS Monitor. Wer sind Sie? Wie kommen Sie an Bord?“, fragte Lewinski.<br>„Na schön. Ihr habt euren Spaß gehabt. Ihr seid alle entlassen. Fristlos.“<br>„Sie können uns nicht entlassen. Das ist Sache de Admiralität“, korrigierte Price.<br>So langsam begann sich die Welt vor Ian erneut zu drehen. Schnell wandte er sich wieder der Tür zu und lief durch die Korridore des Schiffes. Aus den Augenwinkeln sah er, dass Lewinski, Price und Bird ihm folgten. Auch hier endete nirgendwo das Set. Er ging in eine Seitengasse. Er war überzeugt, dass dort das Set enden musste. Doch auch hier sah er nur die Monitor. Er lief weiter. Auf die drei kommandierenden Offiziere achtete er gar nicht.<br>Immer wieder stützte er sich an den Wänden ab, die sich so gar nicht nach Holz an-fühlten. Schließlich stand er vor der Tür mit der großen Aufschrift: „Maschinenraum“. Wie-der war er etwas überrascht, als sich die Tür einfach so vor ihm öffnete. Er betrat den Maschi-nenraum natürlich auf der unteren Ebene. Er hörte das Summen der Warpenergie und die ver-schiedenen Signale der Konsolen. Nach nur wenigen Sekunden hatte er die Aufmerksamkeit aller Techniker. Noch ehe er auch nur einen Ton herausbringen konnte, sah er auch schon, wie einige Sicherheitsoffiziere den Maschinenraum betraten und sich um ihn versammelten.<br>„Sie sollten endlich mitkommen, bevor wir handgreiflich werden müssen“, erklärte Lewinski. Und Ian wusste, dass er es nicht noch einmal erklären würde.<br>„Okay. Ich komme...“, gestand Ian ein, drehte sich zu Lewinski um und fiel dabei in Ohnmacht.<br><br>Ian lag wenige Momente später auf eine der Betten in der Krankenstation. Lewinski, Price und Frasier befanden sich bei ihm und beobachteten die Anzeigen. „Meine Diagnosen lassen nur einen Schluss zu: Er ist ein Mensch. Jedoch nicht aus unserer Zeit. Besonders die Brille. Seine Art von Sehfehler ist leicht behandelbar. Die Art der Behandlung der Zähne. Die Krümmung seiner Wirbelsäule. Die radioaktive Verstrahlung seines Körpers... Alles lässt nur einen Schluss zu: Er stammt aus der Zeit um den Beginn des 21. Jahrhunderts.“ <br>„Das stimmt damit überein“, ergänzte Price, der einen Geldbeutel in den Händen hielt. „Es befinden sich verschiedene Identifikationskarten hier drin. Sowie Geldscheine und andere Schriftstücke, die diese These kräftigen. So wie dieses Gerät“, Price reichte Lewinski eine kleine Maschine, mit einigen Tasten und einem kleinen Display.<br>„Was ist das?“<br>„Eine Art Kommunikationsgerät. Der Computer bezeichnet es als Mobiltelefon.“<br>Lewinski seufzte.<br>„Dann haben wir da noch dies hier... Ein Schlüsselbund.“<br>„Es reicht Commander. Ich glaube Ihnen“, wandte Lewinski ein, gab seinem ersten Offizier die ganzen Dinge zurück und wandte sich dann an Doktor Frasier. „Wecken Sie ihn auf.“<br>Die Ärztin tat wie geheißen und verabreichte Ian ein Hypospray.<br>Der errichte recht schnell wieder die Besinnung und setzte sich auf. „Ich bin ja immer noch hier.“<br>„Wo sollten Sie auch hin?“, fragte Lewinski.<br>„Ich dachte ich würde wieder in LA erwachen und dies alles wäre nur ein Traum.“<br>„Nun, dann muss ich Sie leider enttäuschen. Sie befinden sich, nach Ihrer Zeitrech-nung, im Jahre 2381. Mein Name ist...“<br>Ian nickte. „John Lewinski. Ich weiß das. Sein Name ist Matt Price und ihrer Elizabeth Frasier. Ich befinde mich an Bord des Sternenflottenschiffes Monitor.“<br>„Woher wissen Sie das alles?“<br>„Sie würden mir nicht glauben David.“<br>„Wieso nennen Sie mich David, wenn Sie wissen, dass ich Matt heiße?“, erkundigte sich Price verwirrt.<br>„Ach... Das ist ein Teil dessen, wieso Sie mir nicht glauben würden.“<br>Beide sahen Ian total verwirrt an.<br>„Wieso“, begann Lewinski. „Lassen Sie es nicht drauf ankommen und erzählen uns ih-re Version der Wahrheit.“<br>Der perplexe Mensch aus dem 21. Jahrhundert seufzte so laut er nur konnte. Seine Ge-danken rasten.<br>„Wieso sträuben Sie sich? Es wird schon nicht so schlimm sein. Schließlich sind Sie ein etwa 400 Jahre alter Mensch und kein romulanischer Spion“, ergänzte Price.<br>Ian sah in die Augen der beiden. „Nun, ich muss dazu etwas ausholen.“ Er holte noch einmal tief Luft und begann dann seinen Erklärungsversuch: „In den 60er Jahren des 20. Jahr-hunderts erfand ein Mann namens <font >Gene Roddenberry</font> eine Fernsehserie. Eine Art Vorläufer ihrer Holoromane...“<br>„Wir sind durchaus mit dem Medium der Television vertraut“, warf Lewinski ein.<br>„...nun gut. Diese Serie heißt Star Trek. Es ist Science Fiction aus unserer Sicht, denn Sie hat die Abenteuer eines Raumschiffes namens Enterprise zum Thema. Unter dem Kom-mando von Captain James T. Kirk.“ Ohne auf seine beiden Gegenüber zu achten fuhr Ian fort. „Dieser Serie folgten einige weitere Serien. Zuerst eine um Picards Abenteuer, dann die von Sisko auf DS9 und den Krieg mit dem Dominion. Schließlich noch die Reise der Voyager zurück durch den Delta Quadranten und die ersten Schritte der Menschheit im All auf Archers Enterprise und zu guter letzt die eines geheimen Schiffes mit dem Namen Monitor unter dem Kommando von John Lewinski.<br>Es tut mir leid, wenn ich Sie enttäusche, aber Sie sind nichts anderes als pure Fiktion, in der ich auf geheimnisvolle Art und Weise gefangen bin. Eben saß ich noch mit Ihnen allen am Tisch und habe die Ideen für die kommenden Episoden besprochen, da traf mich ein Baseball... und erwacht bin ich hier.“<br>Hoffnungsvoll sah Ian auf. „Klingt das einigermaßen verständlich?“<br>Noch ehe er auch nur einen Satz herausbringen konnte, befand er sich auch schon in der Arrestzelle der Monitor und erlebte ein weiteres Wunder seiner „Fiktion“. Das Kraftfeld.<br><br>Matt Price betrat Lewinskis Bereitschaftsraum. Er hatte ihn zu sich gerufen. Natürlich nicht ohne Grund. Der saß, wie sich Price bereits richtig dachte, in der Arrestzelle. Der Cap-tain saß nachdenklich an seinem Schreibtisch, richtete sich aber sofort auf, als er seinen Ers-ten Offizier sah. Was im Grunde nicht nötig gewesen wäre, denn diese menschliche Eigenart auf sein äußeres Erscheinen den meisten Wert zu legen, wirkte auf jeden Betazoiden geradezu lächerlich. Vielmehr wirkten solche Menschen, die eine große Differenz zwischen dem äuße-ren visuellen und dem inneren geistlichen aufwiesen, eher störend da der betazoide Geist da-mit beschäftigt war diesen Unterschied zu erklären. Eine vergleichbare Analogie wäre etwa die Wirkung eines optischen Tricks auf den menschlichen Geist. Auch wenn man damit Schiffe versenken mit Schach verglich.<br>„Doktor Frasier hat mir ihren Bericht zukommen lassen“, begann der Captain ohne Price einen Platz anzubieten. Was auch sinnlose gewesen wäre, denn Matt saß bereits. „An-scheinend ist er wirklich ein 400 Jahre alter Mensch. Alles passt ins Bild...“<br>„Ich weiß was Ihnen Kopfschmerzen bereitet. Wieso taucht er gerade jetzt auf?“<br>„So ist es Commander.“<br>„An dieser Stelle der Mission können wir Ablenkung oder eine solch potenzielle Ge-fahrenquelle überhaupt nicht gebrauchen.“<br>„Hat er die Wahrheit gesagt?“, fragte Lewinski plötzlich.<br>„Hm“, machte Price. „Er hat an das geglaubt, was er sagte. Auch wenn es in meinen Ohren keine Sinn macht.“<br>„Könnten wir seine Worte in irgend einer Art nachprüfen?“, fragte der Captain nach.<br>Price nickte. „Ich habe bereits im großen Buch der Künste nachgeschlagen. Sollte die-se... Serie... wirklich die Ausmaße gehabt haben, wie er berichtet, hätte sie dort stehen müs-sen. Tat sie aber nicht.“<br>„Wieso lügt er dann?“<br>„Wieso ist er hier?“, verbesserte Price.<br>„Ich muss zugeben, dass mir diese Situation immer merkwürdiger erscheint.“<br>„Da sind Sie nicht allein Skipper.“<br>Ohne auch nur einen weitren Gedanken daran zu verschwenden sah er auf die PADDS, die vor ihm lagen. „Wir halten ihn in der Zelle gefangen, bis wir wieder in Föderati-onsgebiet sind. Dann können wir auch wieder mit dem Kommando in Kontakt treten und de-nen Bescheid geben.“<br>]]></description><guid isPermaLink="false">5033</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 6x05: Reine Fiktion</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-6x05-reine-fiktion-r5007/</link><description><![CDATA[<center><b>PDF-Download!</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_28821.html"><img border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x05.jpg"></a><br>Monitor 6x05 "Reine Fiktion"<br>Dateityp: zip<br>Größe: 0.26 MB<br></center><br><br>Matthew Price gab sich einfach mit diesem Gefühl zufrieden. Schon lange hatte er sich nach einem solchen Zustand gesehnt. Sich einfach mit etwas zufrieden zu geben. Er wusste nicht, wie es bei der Frau aussah, die er an der Hand hielt. Doch für ihn reichte allein diese Berührung aus. Auch wenn er, kraft seiner angeborenen Fähigkeiten, natürlich mehr spürte. Allein die alleinige Fokussierung auf seine Partnerin löste in seinem Körper eine größere Flut an Emotionen aus, als er in der Lage war zu beschreiben.<br>	Aus diesem Grund war es auch so schwierig einem Menschen das Band der Imzadi zu beschreiben. Doch dies war ihm egal. Er erfreute sich an dem, was er hatte. Wie erwähnt begnügte er sich einfach damit. Und er musste zum ersten Mal in seinem Leben erstaunt feststellen, dass ihn das voll und ganz ausfüllte und er ewig so weiterleben könnte.<br>	„Wie wär’s mit Urlaub über den Jahreswechsel. Meine Kusine hat ein schönes Haus in den Alpen“, schlug Elizabeth Frasier plötzlich vor. Sie sah ihm wie beiläufig in die Augen. Was auch gut so war, denn in den Korridoren der Monitor, war kaum Platz für zwei Personen, die nebeneinander hergingen. Und sobald dann noch jemand überraschend um eine Ecke stach, war ein Zusammenstoß unvermeidlich.<br>	„Die Alpen?“, fragte Matt. „Ich kann aber nicht Ski fahren.“<br>	Frasier lächelte verschmitzt. „Wer sagt denn, dass ich zum Ski fahren da hin will?“ Sie drückte ihm einen Kuss auf die Wange und sah ihn darauf verwirrt an. „Du kannst nicht Ski fahren? Du bist auf dem Rigel groß geworden und kannst nicht Ski fahren?“ Ihre Verwirrung war berechtigt. Schließlich lag auf dem Rigel selbst in den gemäßigten Zonen 4 Monate durchweg Schnee. Und selbst dann sprachen alle von einem schlechten Winter.<br>	Mit großen Augen holte Matt Luft und versuchte ihr dies zu erklären. Immer wieder vergaß auch sie die Verhältnisse, die auf dem Rigel üblich waren. Obgleich dieser Planet schon seit Anbeginn der Sternenflotte als interstellarer Handelsplanet bekannt war, lebte der Großteil der Bevölkerung nur auf dem Minimum des Föderationsstandards.<br>	Gerade als er die ersten Worte aussprechen wollte, hielt Matt inne und legte seine Stirn in Falten. Doktor Frasier tat es ihm gleich. „Was ist mir dir?“, fragte sie besorgt.<br>	Er hob seinen Zeigefinger und überlegte. Irgendetwas stimmte nicht, das fühlte er genau. „Einen Moment“, vertröstete er sie und ging einige Schritte zurück, zu der letzten Korridorkreuzung, an der sie vorbeigeschlendert waren. Frasier lief ihm verwirrt nach.<br>	Beide sahen in das kurze Korridorstück hinein und trauten ihren Augen kaum. Price übernahm schließlich die Initiative. „Computer: Eindringlinsalarm.“ Sofort erschrillte die mechanisch erklingende Sirene und die Indikatoren des roten Alarms blinkten auf. „Sicherheitsteam zu Deck 2, Sektion 3.“<br>	Danny Bird antwortete auf Price Anweisung. „Wir sind schon unterwegs.“<br>	Erst jetzt nahm sich der Erste Offizier der Monitor Zeit, das gesehene zu verarbeiten und trat auf die Person zu, die in vor ihnen stand. „Wer sind Sie?“, fragte er. „Und wie kommen Sie hierher?“<br>	Der junge Mensch drehte sich zu Matt um. Sein Blick war auf die gesamte Umgebung gerichtet, die er, wie ein kleiner Junge bestaunte. Als wäre ihm dies alles völlig unbekannt oder als hätte er so etwas noch nie gesehen.<br>	„Ich weiß es nicht...“, begann er zögerlich „...Matt.“<br><br>	Nur wenige Minuten später befanden sich dieser junge Mann, Matthew Price, Doktor Frasier und Captain Lewinski in der Krankenstation des Schiffes. Der Captain hatte den unerwarteten Besucher natürlich eindringlich gemustert, als er die Station betreten hatte, die inzwischen von Sicherheitsoffizieren bewacht wurden. Auch in der Station selbst stand einer der Wachleute.<br>	Zu seiner großen Überraschung war er förmlich und freundlich mit „Guten Morgen Captain Lewinski“ begrüßt worden. Verwundert hatte er den Gruß erwidert und sich dann zu seinen beiden Offizieren gestellt, die vor dem großen Diagnoseschirm standen.<br>„Was können Sie mir sagen Doktor?“<br>„Nun“, begann sie unsicher. „Ich habe ihn komplett durchgecheckt. Nachdem was ich herausgefunden habe, ist er ein Mensch. 20 Jahre alt. Jedoch...“<br>Lewinski nickte. „...jedoch habe ich noch nie einen solchen Menschen gesehen.  Ich weiß sie meinen.“ Aus den Augenwinkeln beobachtete er den Patienten, der ruhig auf einer der Liegen saß und die Krankenstation beobachtete.<br>„Ich habe vielleicht eine Erklärung dafür.“ Frasier pausierte, bis sie die volle Aufmerksamkeit des Captains hatte. „Sein Körper weißt eine Strahlenverseuchung auf.“<br>„Bitte?“, fragten Lewinski und Price beinahe gleichzeitig.<br>„Es ist nichts Ernstes. Er stellt für niemanden eine Gefahr da, jedoch war er während seiner frühen Kindheit atomarer Strahlung ausgesetzt“, antwortete sie schnell. „Dies und andere medizinische Details, wie die Verwendung einer Brille wegen eines leicht zu korrigierenden Augenfehlers und auch die Art der Zahnbehandlung, sowie die Narben lassen nur einen Schluss zu: er stammt nicht aus unserer Zeit.“<br>„Er kommt aus der Vergangenheit. Wann?“, fragte Lewinski.<br>„Spätes 20. Jahrhundert“, schätzte Frasier.<br>„Sie irren sich!“, fuhr der junge Mann dazwischen.<br>Verwundert drehten sich alle drei um und traten auf ihn zu. „Was meinen Sie damit?“, fragte der Captain interessiert aber auch eingeschüchtert. Wie hatte er ihre Unterhaltung verfolgen können? Sie hatten doch sehr leise miteinander gesprochen.<br>„Ich komme aus dem Jahr 2004.“<br>„Dann hätten wir wenigstens eine Frage geklärt. Aber Sie können sich denken, dass wir noch mehr haben.“ Lewinski bedachte ihn mit einem betont freundlichen Blick. Gerade jetzt wollte er nicht zu einschüchternd wirken und den Informationsfluss stoppen. „Es wird ihnen nicht bewusst sein, aber Sie befinden sich nicht mehr im Jahr 2004. Und Sie sind auch nicht mehr auf der Erde.“<br>Der Zeitreisende nickte wissend. „Das ist mir klar.“ Er atmete tief durch, bevor er die nächsten Worte sprach: „Das All. Wir schreiben das Jahr 2381. Die sind die Abenteuer des Raumschiffs Monitor, das viele Lichtjahre von der Erde entfernt in neue Galaxien eindringt und immer auf der Suche nach dem nächsten Mysterium ist.“<br>„Woher wissen Sie das alles?“, fragte Doktor Frasier<br>Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht Doktor. Ich weiß nur, dass Commander Price Vater Betazoid ist... und dass Mr. Ardev gleich durch die Tür treten wird.“<br>Während alle noch verwirrt an den Lippen des jungen Mannes hingen betrat Ardev die Krankenstation, seinen Blick auf das PADD in seiner Hand vertieft. „Captain, ich habe die Sensorensuche beendet. Es gibt keine Anomalien in der Umgebung.“ Erst jetzt hob er den Kopf und sah, dass ihn die drei anstarrten.<br>Lewinski löste sich als Erste davon, lief um Ardev herum und musterte ihn ganz genau. Etwas beängstigt erwiderte der Andorianer Lewinskis Blicke. „Stimmt etwas nicht mit mir?“, fragte er mit leicht zittriger Stimme.<br>„Es gibt ein Wesen“, begann Price, der sich wieder dem Unbekannten zuwendete „das Ihnen gottähnlichen Erscheinen mag...“<br>Schnell jedoch schüttelte er den Kopf. „Nein Commander, Q hat damit nichts zu tun.“<br>„Woher wollen Sie das wissen?“<br>„Ich weiß es einfach. So wie... Ian.“<br>„Ian?“, fragte Doktor Frasier. „Wer ist Ian?“<br>„Ich. Mein Name ist Ian.“<br>„Na schön Ian“, begann Lewinski. „Solange wir weder wissen, wie Sie hier her kamen, noch, was wir mit Ihnen anstellen, sind Sie unser Gast. Ein Mann von der Sicherheit wird allerdings die ganze Zeit bei Ihnen sein. Zu unserer Sicherheit.“<br>Ian nickte. „Ich verstehe.“<br>„Wen Sie etwas brauchen, wenden Sie sich bitte an Commander Price.“ Und auch Lewinski wandte sich jetzt an seinen Ersten Offizier. „Wenn Sie ihm sein Quartier gezeigt haben, kommen Sie bitte in meinem Raum.“<br>„Klar Skipper“, antwortete Price schnell, bevor Lewinski sich davon machte.<br>Es herrschte eine Stille in der Krankenstation, die die Luft bis zum zerreißen spannte. „Was habe ich hier verpasst?“, fragte Ardev in diese Stille hinein. Doch seine Kollegen seufzten nur.<br><br>Es dauerte zwei Stunden, bis Doktor Frasier Ians Behandlung abgeschlossen und Price ihn in sein Quartier gebracht hatte. Die Monitor verfügte nur über zwei Gästequartiere, die allesamt auf dem zweiten Deck lagen. Eines war etwas größer als das andere und damit für höhere Würdenträger wie Admirals vorgesehen. Das kleiner der beiden hatte ihn etwa „nur“ die Größe eines der normalen Quartiere der Crewmitglieder. Jedoch befand sich nur ein Bett in diesem Raum, anstatt wie üblich 4. Doch Ian genügte dies. Es bedankte sich herzlich und sah sich noch staunend um, als Price schon lange wieder gegangen war.<br>Anschließend „klopfte“ er auch gleich an die Tür von Lewinskis Bereitschaftsraum. Auf ein flüchtiges „Herein“, trat er ein und setzte sich sogleich auf den Stuhl vor Lewinskis Schreibtisch. Der fackelte auch nicht lange und kam gleich auf den Punkt.<br>„Also Commander, was halten Sie von ihm?“<br>„Er verkraftet es bisher sehr gut, dass er drei Jahrhundert übersprungen hat. Was auch nicht überrascht, bei seinem Wissen.“ Price sah kurz zur Decke und überdachte seine nächsten Worte. „Er ist natürlich auch sehr verwirrt, da er über die Umstände des ganzen nichts weiß. Ansonsten würde ich ihn für einen ganz normalen Menschen halten.“<br>Lewinski schüttelte den Kopf. „Mir bereitet er Magenschmerzen. Kein Mensch reist einfach so durch die Zeit und hat anschließend dieses Wissen. Besonders nicht, wenn dieser Jemand aus dem 21. Jahrhundert stammt.“<br>„Vielleicht wurde er von jemand aus der Zukunft entführt?“, riet Price.<br>„Wozu? Ich kann in so etwas kein Motiv erkennen.“<br>„Und vor allem erklärt dies noch nicht sein Wissen“, fuhr Price fort. Lewinski schwieg und so sahen sie sich einige Minuten an. Keiner wusste so recht, was sie sagen sollten. Natürlich gab es Protokolle, die den Umgang mit Zeitreisenden beschrieben. Doch keines der Protokolle erfasste das Problem eines „altertümlichen“ Menschen mit übermenschlichem Wissen.<br>„Ich habe Kurs auf die nächste Sternenbasis setzen lassen. Wir werden sie in 3 Tagen erreichen und Ian dort abliefern. Die temporale Aufsichtsbehörde nimmt in Empfang und wird sich um ihn kümmern. Das Beste wird sein, wir lassen die entscheiden was zu tun ist. Bis dahin werden wir Ian als unseren Gast behandeln“, entschied Lewinski, der zu seinem gewohnten autoritärem – würdevollem Tonfall zurückgefunden hatte.<br>„Ist klar Skipper.“<br>„Und Sie werden sich an ihn ran hängen.“ Diese Worte platzen förmlich aus Lewinski heraus. Er hatte Price auch kaum ausreden lassen.<br>„Bitte?“, fragte er verdutzt nach.<br>„Verbringen Sie etwas Zeit mit ihm und bringen Sie in Erfahrung, was er für sich behält.“<br>„Ich dachte, Sie sagten gerade, dass wir uns da heraus halten sollten.“<br>Lewinski nickte. „Das ist richtig. Aber Sie halten sich sowieso nicht oft an Regeln. Außerdem sind es dann ja nur Sie, der ihm etwas näher rückt und nicht wir. Zudem kann uns niemand einen Vorwurf machen, wenn wir schon mal vorab ein paar Infos sammeln. Dafür sind wir schließlich ausgebildet worden.“<br>Mit etwas zugekniffenen Augen sah Price zu Lewinski. Er überlegte, was er von diesem Ausspruch halten sollte. „Woher plötzlich der Zynismus, Skip?“<br>Der Captain lächelte etwas gezwungen. Doch Matt spürte, dass auch er rätselte. „Ich weiß nicht. Vielleicht habe ich schlecht geschlafen.“ Dann fasste er sich wieder und sah zu Price. „Machen Sie sich an die Arbeit. Das wäre doch gelacht, wenn wir dieses Rätsel nicht gelöst bekommen.“<br><br>Wie immer saßen einige Crewmitglieder in der Messe. Freundlich begrüßten sie Commander Price, als er selbst die Messe betrat und er erwiderte ebenso freundlich ihre Grüße. Das einzige, das etwas deplaziert an dieser Szene wirkte, war der Mensch, der in Freizeitkleidung an einem der Tische saß, vor einem riesigen Eisbecher, den er genüsslich verzehrte.<br>Langsam näherte er sich ihm. Er beobachtete ihn genau. Es hatte sich einiges an ihm verändert. Er trug seine Brille nicht mehr.<br>„Setzen Sie sich doch Matt“, bot Ian sogleich an. Matt überging dabei seine Überraschtheit – an die er sich schon fast gewöhnt hatte – und setzte sich.<br>„Wie geht es Ihnen? Was haben Sie die letzten Stunden über gemacht?“, fragte Price, der Ian einige Stunden Zeit gegeben hatte um sich zu akklimatisieren und um sich das Schiff anzusehen.<br>Ian hob nur die Augenbrauen. „Nun ja. Doktor Frasier hat mich eingehend behandelt. Sie hat meinen Sehfehler korrigiert“, er fletschte die Zähne „meine Zähne auf Lebzeit versiegelt, meine Wirbelsäule in die richtige Position gebracht und zudem einen vom Tschernobyl Unglück verursachten Gendefekt behoben. Hätten Sie gedacht, dass diese Strahlung damals gereicht hat um mich für die andorianische Grippe anfällig zu machen?“<br>„Das hätte doch in Ihrer Zeit nichts ausgemacht. Zudem ist die Grippe heutzutage doch ausgerottet.“<br>„Ja, aber den Defekt hätte ich an meine Nachfahren weitergegeben.“<br>„Sie wissen, dass Sie damit die Zeitlinie verändert haben?<br>„Wir alle sind der Teil einer Zeitlinie. Sollte ich zurückkehren ins Jahre 2004, dann wird das, was eben mit mir gemacht worden ist, ein Teil der Geschichte sein, die die Menschheit ins Jahre 2380 geführt hat.“<br>Price sah ihn verwundert an und dachte über diese Worte nach. „Die temporale Mechanik hat es in sich, das muss ich zugeben.“<br>„Aber lassen Sie uns nicht davon sprechen. Was hat der Captain entschieden?“<br>Zuerst wollte Price nachfragen, woher er dies schon wieder wusste, doch dann erinnerte er sich daran, dass Ian ja dabei gewesen war, als Lewinski ihn zu sich gebeten hatte. Demnach hatte er keinen Grund etwas zu verbergen. „Wir werden Sie auf der nächsten Sternenbasis absetzen. Dort werden Sie von unseren Kollegen von der temporalen Aufsichtsbehörde übernommen und zur Erde gebracht.“<br>Ian nickte leicht. „Würde ich auch so machen. Schließlich hat die Monitor auch noch anderes zu tun, als mich durch die Gegend zu fliegen.“<br>„Es scheint Ihnen nichts auszumachen, dass Sie einfach so 4 Jahrhunderte in die Zukunft versetzt wurden“, Price wechselte das Thema. Vielleicht konnte er auf einer persönlicheren Ebene mehr herausfinden. „Vermissen Sie ihre Familie denn nicht?“<br>Plötzlich hielt Ian inne. „Das ist mir auch schon durch den Kopf gegangen. Um ehrlich zu sein, vermisse ich sie sehr. Wenn ich mich ganz fest anstrenge, glaube ich, sogar ihre Gesichter vor mir erkennen zu können. Doch dann... verpufft alles vor mir, wie eine Seifenblase.“<br>„Möchten Sie nicht zurück? Ins Jahr 2004?“<br>Ian legte den Löffel beiseite, mit dem er eben noch an seinem Eisbecher gelöffelt hatte und sah Price in die Augen. „Ich glaube zu einem gewissen Teil an das Schicksal. Und ich glaube an Gott. Also werde ich nur tun, was ich zu tun habe. Sollte ich ins Jahr 2004 zurückkehren, steht dies nicht in meiner Macht.“<br>„Hören Sie Ian, ich habe schon meine Erfahrungen mit Gott und dem Teufel gemacht. Allerdings weigere ich mich daran zu glauben, dass irgendein übernatürliches Wesen an seiner Schreibmaschine sitzt und eine Art Masterplan für mich bereitgelegt hat, der einfach der Reihe nach abgearbeitet wird.“<br>Ian grinste. Auch wenn Price nicht verstand, was denn so belustigend an dieser Aussage gewesen sein soll.<br>„Aber“, begann Ian anschließend „Sie glauben auch daran, dass alles, das in ihrem Leben passiert einen Sinn hat. Dass es einem gewissen Zweck erfüllt.“<br>Price nickte stumm und folgte Ians Worten aufmerksam.<br>„So wie die Geburt ihres Kindes oder Ihre eigen Jugendzeit auf dem Rigel“, zählte Ian auf. Schnell schnappte er sich wieder seinen Löffel und aß weiter an seinem Eis. „So wie das Eis auf meinem Löffel schmilzt, schmilzt auch unser Leben dahin. Nur auf eine komplexere Weise.“<br>„Wieso glaube ich“, widersprach Price „dass Sie selbst nicht daran glauben.“<br>„Weil ich gern an das glaube, dass mir mein Leben etwas erleichtert.“<br>„Das passt aber nicht zudem, was Sie eben gesagt haben.“<br>Ian sah ihn mit großen Augen an. „Das mag sein. Jedoch will ich mir im Moment nicht den Kopf darüber zerbrechen. Ich will nur genießen, was mir gegeben wurde.“<br>Matthew schwieg. Er war zu sehr damit beschäftigt, die Gefühle zu untersuchen, die er von Ian empfing. Überraschenderweise, was inzwischen nicht überraschendes mehr war, empfing er nicht gerade allzu viel Emotionen. Zumindest keine, aus denen er schlau wurde.<br>„Wer ist das da hinten?“, fragte Ian plötzlich.<br>„Wer ist wer?“, Price verstand nicht recht, auf was Ian hinaus wollte. Er drehte sich jedoch zu der Richtung um, in die Ian deutete.<br>„Fähnrich Myers. Ein junger Sicherheitsoffizier. Er ist frisch von der Akademie“, antwortete Price schnell. Als er die Worte aussprach stellte sich ihm jedoch eine große Frage. „Wieso wussten Sie das nicht?“<br>Ian zuckte mit den Schultern. „Ich bin nicht allwissend.“ Er nahm einen Happen des Eises und wandte sich mit einer weiteren Frage an den Ersten Offizier. „Ich bin mit diesen Sachen vierhundert Jahre im Rückstand. Aber macht er mir Avancen?“<br>Price drehte sich erneut zu Myers um. Er saß dort und unterhielt sich gemütlich mit einer Kollegin. Doch nichtsdestotrotz konnte er seine Gefühle nicht verbergen.<br>„Ja“, antwortete Matt. „Stört Sie das?“<br>Ian nahm erneut einen Happen Eis. Jedoch nur um sich ein paar weitere Sekunden Bedenkzeit zu verschaffen. „Nein. Es ist nur ungewohnt.“<br>„Vielleicht sollten wir...“ Price wurde in seinem Gedankengang jäh durch den Roten Alarm unterbrochen, der in diesem Moment ertönte. Nur eine Sekunde später erklang Lewinskis Stimme über die Interkom. „Alle Mann auf die Kampfstationen. Führungsoffiziere auf die Brücke.“ Price fackelte nicht lange und befand sich schon an der Tür, noch ehe der Captain ausgesprochen hatte. Ian folgte ihm stehenden Fußes.<br><br>Der Weg zur Brücke war nicht weit und so dauerte es auch nicht lange, bis die beiden die Brücke erreichten. Price setzte sich sofort an die Navigation und löste damit Fähnrich Locarno ab. Ian hielt sich bewusst im Hintergrund und beobachtete von dort alles.<br>„Was ist passiert?“, fragte Price sogleich.<br>Ardev antwortete, indem er ein Bild auf den Schirm legte. Es zeigte eine riesige Kugel, die sich im Schatten eines Planeten befand. „Wir haben es geortet, als wir durch dieses System flogen“, ergänzte der andorianische Wissenschaftsoffizier.<br>„Was ist das? Eine Dyson Sphäre? Eine Borg Sonde?“, riet Price.<br>„Negativ. Die Signale von dem Objekt sind uns unbekannt. Außerdem hat es beinahe die Größe des Mars“, antwortete Danny Bird.<br>„Aber was kann es sonst sein? Und wer hat es erschaffen?“, fragte Tellom in die Runde. Keiner antwortete.<br>„Wir werden gerufen“, berichtete Bird, nachdem das typische Signal dafür von seiner Station erklang.<br>Lewinski nickte. „Legen Sie es auf den Schirm.“ Das Bild wechselte und zeigte ein total in schwarz gekleidete Person. Sogar das Gesicht war von einer schwarzen Maske bedeckt.<br>„Ich bin Captain...“, begann Lewinski, doch er wurde sofort von dieser Person unterbrochen.<br>„Wo ist Luke?“, fragte dieser Fremde mit tiefer, metallisch klingender Stimme.<br>„Luke?“, wiederholte Lewinski verwirrt. Er hatte das Gefühl, dass sein Herz stehen blieb. Ein eiskalter Schauer lief seinen Rücken hinab. „Mein Vater?“, flüsterte er benommen.<br>„Ihr Vater? Sie sind Lukes Sohn? Das ist unmöglich. Verraten Sie mir, wo er ist.“<br>„Mein Vater hieß Luke. Er ist tot!“, schrie Lewinski perplex auf den Bildschirm. Kein anderer auf der Brücke wagte es, auch nur ein Wort zu sagen.<br>„Der Skywalker ist tot? Dann interessiert mich auch ihr Schicksal nicht weiter.“ Mit diesen Worten schloss der Fremde den Kanal und der Schirm zeigte wieder die riesige Kugel.<br>„Skywalker?“, murmelte Lewinski vor sich hin. „Was meint der damit?“<br>„Sir, soeben sind kleine Kampfschiffe gestartet, die Kurs auf uns nehmen“, berichtete Bird.<br>„Ausweichmanöver Mr. Price.“ Das Schiff erzitterte. Die ersten Einschläge detonierten an den Schilden. „Mr. Bird, halten Sie uns die Schiffe vom Hals. Taktische Analyse Mr. Ardev.“<br>„Sir, die Schiffe sind nur mit rückständigen Laser- und Phasenkanonen bewaffnet. Es sind Einmanngleiter ohne Schilde“, berichtete Ardev schnell.<br>„Das stellt keine Gefahr für uns dar“, fasste der Captain folgerichtig zusammen. Doch das Schiff erbebte immer wieder.<br>„Das Mutterschiff feuert ebenfalls auf uns. Zwar auch mit rückständigen Waffen, jedoch ist deren Summe auch gefährlich für uns“, legte Ardev nach.<br>„Eröffnen Sie das Feuer auf das Mutterschiff. Zielen Sie auf die Waffensysteme“, befahl Lewinski.<br>„Verstanden Sir.“ Bird machte sich sofort an die Arbeit. Schon nach wenigen Sekunden konnte er die ersten Antworten liefern. Das Licht auf der Brücke begann zu flackern und aus einer Leitung an der Decke drang irgendein Gas aus. „Wir richten zu wenig Schaden an. Das Schiff ist zu groß.“<br>„Schilde auf 89% gefallen“, erklang es von einer Station auf der anderen Seite.<br>Verwirrt sah Lewinski zum Schirm. Dort sah er unzählige Gleiter, die auf die Monitor zurasten. „Matt, bringen Sie uns endlich hier weg.“<br>„Es sind zuviel Sir. Ich kann keinen Kurs setzen.“<br>„Es gibt einen Abluftschacht.“<br>Alle auf der Brücke drehten sich zum Sprecher dieser Worte um. Und es überraschte niemanden, dass dies Ian war.<br>„Was meinen Sie damit?“, fragte Lewinski.<br>„Es gibt eine Art Abluftschacht oder so etwas. Er führt direkt zum Energiekern. Ein Torpedo genügt um dieses Schiff zur Explosion zu bringen“, erklärte Ian.<br>„Ardev?“ Schnell wandte sich Lewinski an den Mann an den Sensoren.<br>„Ich habe es“, antwortete er. „Übermittel Koordinaten an die Taktik.“<br>Bird nickte beinahe im selben Augenblick.<br>„Dann bringen Sie uns in Position Mr. Price. Feuern wenn bereit.“<br>Alle Männer bestätigten diesen Befehl und sofort raste die Monitor auf das Schiff zu. Nur wenige Sekunden später löste sich ein Torpedo vom Schiff, der mit beinahe Lichtgeschwindigkeit in eine kleine Öffnung donnerte. Die Monitor wendete sofort und entfernte sich von dem riesigen Würfel. Dabei gelang es Bird noch weitere der Gleiter zu zerstören um damit der Monitor noch mehr Fluchtmöglichkeiten zu geben, die der Pilot Matt Price auch geschickt ausnutzte.<br>Es dauerte noch etwa 20 Sekunden, bis diese Kugel in einer riesigen Explosion vernichtet wurde. Die Monitor erbebte nur kurz unter den Ausläufern der Druckwelle. Danach trat eine beinahe unerträgliche Stille ein. Das Blinken der Indikatoren des roten Alarms trug nicht wirklich zur Auflockerung der Situation bei. Im Gegenteil, die Blicke der Brückencrew wirkten richtig bedrohlich.<br>Das Objekt ihrer „Begierde“ war Ian, der sich irgendwo im Dunkel der Brücke versteckt hielt.<br>„Was hatte das zu bedeuten?“, fragte Lewinski, der deutliche Mühe hatte, all den Zorn aus seiner Stimme zu verdrängen.<br>Doch statt einer Antwort Ians, meldete Ardev einen brisanten Bericht. „Sir, ich kann keine Trümmer orten.“<br>Nur zögerlich realisierte die Brückencrew diese Worte. Sie lösten sich aus ihrer Starre und sahen entweder zu Ardev oder dem Bildschirm, der nur einige Sterne offenbarte.<br>Lewinski musterte seinen Wissenschaftsoffizier genau. „Wie kann das sein? Sie müssen sich irren. Lieutenant Bird, was sagen Ihre Sensoren?“<br>Der angesprochene Sicherheitsoffizier sah auf sein Terminal hinab. Um sicher zu gehen ließ er auch gleich das Diagnoseprogramm der Sensoren laufen um ein Fehlversagen dieses Systems auszuschließen. Doch all seine Bemühen zum trotz erhielt auch er kein anderes Ergebnis. „Ich bestätige dies Sir“, meldete er trocken.<br>Während jeder x – beliebigen Situation zu jedem x – beliebigem Zeitpunkt in seiner Laufbahn als Kommandant hätte John Lewinski nun seinen Offizieren die Aufgabe erteilt, diesen Vorfall zu untersuchen. Er hätte sie jeden Moment analysieren lassen um herauszufinden, was diese Unbekannten von ihnen wollten. Doch nicht so heute. Angespannt drehte er seinen Stuhl wieder herum und suchte dort nach Ians Blick in der Dunkelheit.<br>„Was war das gerade?“<br>Unsicher blickte sich Ian um und versuchte irgendwo Halt zu finden, doch den gab es nicht. Er schluckte den dicken Kloß in seiner Stimme herunter, doch ruhiger wurde seine Stimme nun doch nicht. „Ich denke, dass dieser Mann Darth Vader hieß. Er hat einen Gegenspieler namens Luke Skywalker. Wieso der jetzt aber plötzlich aufgetaucht ist, weiß ich auch nicht.“<br>„Und Sie wissen natürlich auch nicht, wieso plötzlich keine Spur mehr von diesem Schiff da ist.“<br>Ian zuckte nur mit den Achseln. Lewinski nickte müde und legte den Kopf in seine Hände. „Nehmen Sie den Vorherigen Kurs wieder auf Mr. Price“, befahl Lewinski resigniert, ohne seinen Blick zu heben. „Ian, bitte verlassen Sie meine Brücke.“<br>Der junge Mensch nickte und trat schnell durch die nächste Tür. Er hinterließ eine seltsame Atmosphäre, die alle zu erdrücken schien.<br><br>Diese Atmosphäre hatte sich bis ins Casino getragen, indem sich wieder einmal die Führungsoffiziere eingefunden hatten. Doch von der üblichen Gesprächsfreudigkeit war dieses Mal nichts zu spüren. Keiner wusste, mit was er beginnen sollte.<br>Schließlich war es der Captain der die Runde eröffnete. „Mir ist noch nie ein Fall untergekommen, indem ich ein so ratloses Gefühl hatte.“ Er wartete, bis er die Aufmerksamkeit seiner Offiziere hatte. „Mich interessieren Ihre Meinungen.“<br>„Er ist nett“, begann O’Brien. „Er hat mir sogar vorhin bei der Reparatur einer Sensorphalanx geholfen. Ob Sie’s mir glauben oder nicht, er hat die Sensorleistung sogar verbessern können.“<br>„Ich habe ihn währen der letzten Stunde mehrere Male genau untersucht“, schloss Dr. Frasier direkt an O’Brien an. „Ich konnte keine Anomalitäten feststellen. Mal von den biologischen Besonderheiten des 20. Jahrhunderts abgesehen.“<br>„Kann es sein, dass er gar nicht aus dem 20.Jahrhundert kommt?“ fragte Tellom. „Vielleicht lässt sich sein Wissen so erklären. Er kommt aus der Zukunft und weiß daher über alles bescheid.“<br>„Das widerspricht aber Doktor Frasiers Ergebnissen und der Tatsache, dass seine Sprache seit dem Ende des dritten Weltkrieges ausgestorben ist. Ein solches Deutsch ist mir noch nie untergekommen“, entgegnete Ardev.<br>„Aber es wäre durchaus möglich“, ergänzte Price.<br>„Jedoch fehlt dazu das Motiv. Wodurch seine Erklärung, aus dem Jahre 2004 zu stammen wieder mehr Sinn macht. Auch wenn er dieses unerklärliche Wissen hat“, komplettierte Lewinski.<br>„Was sollen wir nun tun? Ihn auf sein Quartier beschränken?“, fragte O’Brien.<br>„Wenn er tatsächlich aus der Zukunft ist wird ihn das nicht aufhalten“, warf Price ein.<br>„Und nur, weil er über die Zukunft Bescheid weiß, ist er noch lang keine Gefahr. Wir dürfen ihn nicht dafür bestrafen, dass er eine Art Cassandra ist“, gestand Bird ein. Und mit diesen Worten ruhten wieder alle Erwartungen auf Lewinski, der nun den Sachverhalt entscheiden musste. Doch der war noch viel zu sehr damit beschäftigt, den Sachverhalt zu entwirren.<br>„Für mich stellt sich die Frage, wie viel er wirklich weiß und wie viel er davon bereit ist uns mitzuteilen“, resümierte Lewinski verschwörerisch.<br>„Sind Sie der Meinung, er verschweigt uns etwas?“ fragte Tellom.<br>„Er ist uns gegenüber definitiv nicht ganz ehrlich“, antwortete Price.<br>„Dann stellt sich nur die Frage, was er uns verschweigt.“<br>„Nein“, widersprach Ardev. „Wir sollten uns fragen, ob dies wichtig ist.“<br>„Was uns wiederum zu der Frage führt“, warf Lewinski ein, der mit seiner autoritären Stimme alle Flüstereien unterband. „Ist Ian gefährlich?“<br>„Ich denke“, räumte Price ein „wir sollten es der temporalen Aufsichtsbehörde überlasse dies zu entscheiden. Ich bin davon überzeugt, dass Ian keine Gefahr für uns darstellt. Im Gegenteil, er hat uns ja sogar gerettet vor diesen mysteriösen Unbekannten.“<br>Lewinski nickte. „So sei es denn beschlossen. Wir überlassen es der Behörde, dies zu entscheiden – vorerst. Machen Sie bitte einen umfassenden Bericht fertig Mr. Price, den wir dann ans Kommando schicken. Sie sollen auf den neuesten Stand gebracht werden.“<br>„Verstanden“, bestätigte Matt.<br>Lewinski stand gerade auf und wollte den Befehl erteilen, die Runde aufzulösen, als erneut der Rote Alarm durch das Schiff hallte. Nur Bruchteile einer Sekunde später war auch Nick Locarno zu hören, der momentan das Schiff steuerte. „Alle Mann auf die Kampfstation, Captain auf die Brücke. Wir werden von einem unbekannten Gegner anvisiert.“<br>Die Worte waren noch nicht verhallt, als alle Mitglieder der Brückencrew das Casino verlassen hatten und auf dem Weg zur Brücke waren. Und innerlich brannten alle darauf zu sehen, wer ihnen dieses Mal auf dem Hauptbildschirm begegnen sollte.<br>Und irgendwie überraschte es dann auch keinen von Ihnen, dass Ian auch schon auf der Brücke auf sie wartete. Angespannt und mit einem kleinen Anflug von Angst in seine  Augen sah er immer wieder zum Bildschirm und in die Gesichter der Crew. In ihren Gesichtern war keine Angst zu sehen. Sie waren immerhin Profis. Mit gewohnter Routine setzten sie sich auf ihre Plätze und nahmen schnell die neuesten Informationen auf.<br>„Bericht“, forderte dann auch Lewinski sogleich.<br>„Es ist ein unbekanntes Schiff. Ich kann keine üblichen Energiesignaturen erkennen und auch keine mir bekannte Antriebsart. Jedoch fliegt es. Es kommt mit hohem Warp auf uns zu“, berichtete Ardev.<br>„Es kommt nun aus dem Warp heraus in Sichtweite“, meldete Bird.<br>„Legen Sie es auf den Schirm“, befahl Lewinski unnötigerweise. Und in der Tat hatte Lewinski noch nie ein solches Schiff gesehen. Die Komponenten waren ihm natürlich vertraut, jedoch wirkten sie an einem solchen Ort völlig surreal.<br>Auch Price empfand dies so. Rickartig drehte er sich zu seinem Captain um. „Eine Pyramide?“ Es war in der Tat eine riesige Pyramide. Umgeben von einem massiven Ring. Zusammen füllte dieses Schiff beinahe den gesamten Hauptbildschirm aus. Und dabei war es noch Hunderttausende Kilometer entfernt.<br>„Ich kann mehrere Tausend Lebenszeichen ausmachen“, meldete Tellom entsetzt. „Sir, die meisten sind menschlich. Sie scheinen eine Art symbiotische Beziehung mit anderen mir unbekannten Lebensformen eingegangen zu haben.“<br>Fragend sahen alle auf der Brücke zu Tellom. Sie konnten nicht glauben, was sie eben gehört hatten.<br>„Was ist das nur?“, murmelte Lewinski leise vor sich hin.<br>„Es ist ein Goa’uld Mutterschiff“, platzte es aus Ian heraus, der plötzlich neben Lewinski stand und ihn eindringlich ansah. „Die Goa’uld sind eine äußerst gefährliche...“<br>„Verlassen Sie meine Brücke!“, befahl Lewinski schroff. So schroff, dass Ian beinahe erschrocken einen Schritt zurücktat. Er wirkte vollkommen perplex, als sei in diesem Moment sein Weltbild zerbrochen.<br>„Aber Captain, ich...“<br>„Mir ist egal, was Sie meinen oder wollen. Sie verlassen auf der Stelle meine Brücke“, wiederholte John Lewinski sogleich.<br>„Captain“, demonstrierte Ian energisch. „Sie können sich...“<br>„Es reicht“, wandte Lewinski schlicht ein und wandte sich an seinen Sicherheitschef Danny Bird. „Schaffen Sie ihn in die Arrestzelle Mr. Bird.“<br>„Verstanden“, antwortete dieser sogleich und trat hinter Ian. Mit einem gekonnten Griff, der weit über den ihm bekannten Polizeigriff hinausging, führte Danny Ian von der Brücke. Natürlich protestierte er lautstark, doch unter den Schmerzen, die der Griff verursachte, ergaben die ausgesprochenen Worte nur irgendwelchen Unfug. Nach wenigen Sekunden war der Spuk vorbei und die gewohnte Stille trat wieder auf der Brücke ein. Kein gespannte Stille, eher eine erwartungsvolle.<br>„Haben die Goa’uld uns entdeckt?“, fragte Lewinski.<br>„Nein Sir, unsre Tarnung arbeitet einwandfrei“, meldete Ardev.<br>„Setzen Sie einen Fluchtkurs Mr. Price, Maximum Warp.“<br>„Kurs gesetzt“, berichtete Price nur wenige Sekunden, nachdem Lewinski den Befehl dazu gegeben hatte.<br>„Beschleunigen.“<br>Price betätigte eine Taste und die Sterne auf dem Bildschirm verzogen sich zu langen, unnatürlich wirkenden Strichen. Nur Bruchteile von Sekunden später waren sie Millionen von Kilometer von diesem neuen, fremden und mutmaßlich bösartigem Schiff entfernt.<br>„Mr. Ardev, beobachten Sie das Schiff weiter. Ich will genau wissen...“<br>Lewinski Anweisungen wurden von einem leisen Alarmsignal unterbrochen, das von Ardevs Station kam. Bird betrat in diesem Moment wieder die Brücke und so verpasste auch er nicht die Botschaft, die der Andorianer in diesem Moment verkündete. „Sir, das Schiff ist von den Sensoren verschwunden!“<br>„Verschwunden? Wie meinen Sie das? Hat es sich getarnt?“, mutmaßte Lewinski.<br>„Nein Sir. Es ist verschwunden. Als wäre es nie da gewesen.“<br>Beinahe beängstigend versuchten alle, ihre Blicke nicht auf den Captain zu richten. Nur Price spürte, dass der Captain ratloser war, wie jeder andere auf der Brücke.<br>„Roten Alarm beenden. Sie haben die Brücke Mr. Price. Ich suche ein paar Antworten.“ Mit diesen Worten stand Lewinski auf und verließ das Kommandozentrum des Schiffes.<br><br>Auch ohne telepatische Fähigkeiten spürte Lewinski Ians Wut, noch ehe er den Arrestbereich betraten hatte. Hinter der unsichtbaren Energiebarriere marschierte er wütend auf und ab. Und sofort, als er Lewinski auch nur aus den Augenwinkeln erkannte wütete er los. „Captain, Sie wissen ja nicht, welcher Gefahr Sie das Schiff ausgesetzt haben. Die Goa’uld werden die Monitor entern und ihre Körper als Wirte benutzen. Warum hören Sie nicht auf mich? Ich will doch nur helfen.“<br>Doch der Captain antwortete nicht. Stattdessen trat er in aller Ruhe an den Replikator und bestellte sich ein Glas Wasser. Dann nahm er sich einen der Stühle, setzte sich vor die Zelle und trank erst einmal das Glas in einem Zug aus.<br>„Die Goa’uld sind weg“, erklärte er dann.<br>„Weg? Wie weg?“, fragte Ian verwundert.<br>„Sie sollten lernen keine Fragen zu stellen, bei denen Sie die Antwort schon kennen.“<br>„Wie kommen Sie darauf?“<br>Lewinski seufzte. Er musste sich wirklich überwinden dies zu erklären. „Seit Sie hier sind, was schon mysteriös genug ist, sind wir zwei Unbekannten begegnet. Beide Unbekannte sind plötzlich unauffindbar. Und Sie, ein Mensch aus dem 21. Jahrhundert weiß mehr über diese Fremden als jeder aus dem 24. Jahrhundert. Können Sie sich jetzt ein Bild davon machen, wieso ich Ihnen mehr zutraue als sie uns glauben lassen?“<br>Ian antwortete nicht.<br>„Hören Sie, nach all dem stellen sich für mich nur zwei Fragen: wer sind Sie? Und was wollen Sie von uns?“<br>Überrascht sah Ian zu Lewinski. Und auch er setzte sich. Er suchte die Ruhe. Zum ersten Mal, seit er an Bord der Monitor war. „Geben Sie mir eines ihrer Shuttles und lassen Sie mich gehen.“<br>„Nein. Sie bekommen kein Shuttle.“<br>„Captain, ich verspreche, dass Sie danach wie gewohnt weiter leben können“, bat Ian, mit tiefer Verzweiflung in seiner Stimme.<br>„Aha. Dann haben Sie also etwas damit zu tun?“<br>„Wenn ich Ja sage, lassen Sie mich dann gehen?“<br>„Nein“, antwortete Lewinski energisch. „Sie werden den Behörden überstellt.“<br>„Aber Sie müssen es tun. Bitte.“<br>Lewinski schüttelte den Kopf. Äußerlich versuchte er immer ruhiger und lässiger zu werden, doch in seinem Innern tobte es. Wenn er jetzt am Ball blieb, konnte er vielleicht erfahren, was hinter Ian steckte. „Wieso sollte ich?“<br>„Weil es das ist, was ich will.“<br>„Das haben Sie schon gesagt“, legte John Lewinski nach.<br>„Nein, verstehen Sie doch. Ich glaube daran, dass vieles aus einem bestimmten Grund geschieht. Also hat es auch einen Grund, dass ich jetzt hier bin“, Ian holte tief Luft für die nächsten Worte. „Es gibt zwei Arten von Menschen Captain. Diejenigen die wissen, was sie wollen. Und die anderen. Im Jahre 2004 habe ich Freunde um mich, die ihre Zukunft vor Augen haben. Doch ich sehe nur eine hohe unüberwindliche Mauer, an der ich nicht vorbei komme. Mein Traum ist und war es immer, zwischen den Sternen zu reisen. Jetzt bin ich hier und bin so kurz davor, dass meinen Traum wahr wird.“ Mit glänzenden Augen und fester Stimme richtete er sich weiter an Lewinski. „Auch sie haben Träume Captain. Lassen Sie meinen wahr werden.“<br>Nachdenkend stand Lewinski auf. Er ließ sich natürlich nichts anmerken, doch immer noch tobte es in ihm. Behutsam stellte er das Glas, das er bis eben noch in den Händen gehalten hatte – vielleicht als eine Art Rettungsanker – zurück in den Replikator.<br>„Recyceln“, befahl er und das Glas löste sich in einem Energiewirbel auf. „Ich glaube Ihnen nicht.“<br>„Aber das ist die Wahrheit!“, demonstrierte Ian.<br>„Ja. Allerdings nur ein Teil. Außerdem erklärt dies nicht ihr unerklärliches Wissen. Immer noch erzählen Sie mir nur, was Sie erzählen wollen.“ Lewinski ging einige Schritte in Richtung Ausgang. „Sie werden den Behörden überstellt. Mein Entschluss steht. Es sei denn, Sie sind endlich bereit mir zu sagen, was Sie sind.“<br>„Ich bin ein Mensch“, sagte Ian. Als sich die Türen gerade öffneten. Und aus seinem Mund hörte es sich wie ein Geständnis an. „Ich bin nur ein Mensch. Wie Sie.“ Ian wartete, bis sich Lewinski zu ihm umdrehte. „Wenn ich Ihnen dies erzählen soll, müssen Sie sich zuerst von allem lösen, an das Sie bisher geglaubt haben.“<br>Interessiert folgte der Captain seinen Anweisungen. Er setzte sich und sah, wie Ian es ihm gleich tat. Anscheinend bereitete er sich darauf vor, einen Stein von der Größe des Jupiter vom Herzen fallen zu lassen.<br>„Ich möchte Sie bitten, mich ausreden zu lassen. Denn die Geschichte, die ich Ihnen berichten werde, wird unglaublich klingen. Aber sie ist wahr.“<br>Lewinski nickte. Ians Worte hatten seine Spannung nur noch weiter erhörte. Und innerlich wusste er, dass er die Wahrheit erfahren würde.<br>„Ihnen ist doch das alte Massenmedium des Fernsehens vertraut? Der Vorläufer der Holoromane?“ Wieder wartete er einen Moment, bis der Captain wissend nickte. „Im Jahr 1966 hatte eine Serie Premiere, die den Titel Star Trek trug. Diese war eine Science-Fiction Serie. Ihr Handlungsthema: Das Raumschiff Enterprise unter dem Kommando von Captain James T. Kirk.“<br>Lewinski riss die Augen auf. Sein Herz schien still zu stehen. Doch noch ehe er etwas sagen konnte, hob Ian beschwichtigend die Hände. „Captain, bitte, bleiben Sie ruhig. Hören Sie mir zu. Ich sagte doch, dass es unglaublich klingt.“<br>„Erzählen Sie weiter“, bat Lewinski, nach einem tiefen Atemzug, der seinen Puls auf 160 absenkte.<br>„Nach dieser Serie folgten weitere, ab den späten 80ern. Zuerst die Abenteuer um Captain Picard auf der Enterprise D, dann die von Sisko auf DS9 und schließlich die Reise der Voyager durch den Delta Quadranten. Inzwischen läuft sogar Archers Reise auf der Warp 5 Enterprise.“ Ian schluckte einen tiefen Kloß in seinem Hals herunter. „Ich habe all das gesehen. Im Fernsehen. Von Archers Flug nach Qo’nos bis zu Picards Kampf gegen Shinzon.“ Er blinzelte müde und lehnte sich zurück. „Und da kommen Sie ins Spiel. Diese Serie hat viele Fans und einer davon hat eine weitere Serie entwickelt. Zwar nur in schriftlicher Form aber nicht minder bedeutsam. Diese Serie trägt den Titel Star Trek Monitor. Er hat dies alles erfunden. Das Schiff, seine Aufgabe... die Crew. Die Personen auf die sie treffen, die Ereignisse, die im Universum geschehen. Haben Sie das verstanden Captain? All das, was Sie seit dem Jahre 1960 als Geschichte kennen, ist nur erfunden. Daher weiß ich, was geschieht. Weil ich einige Teile zu dieser Serie beigetragen habe.“<br>„Lassen Sie mich das kurz zusammenfassen. Alles, was hier geschieht ist nur erfunden?“, fragte Lewinski.<br>„Ja“ bestätigte Ian. „Nun fast, schließlich bin ich jetzt hier. Was ich mir nicht erklären kann.“<br>Sinnierend stand der Captain auf. „Sie verstehen sicherlich, wenn ich mich jetzt zurückziehe. Ich muss mich mit meinen Offizieren beraten.“<br>„Natürlich Captain.“<br>Wieder ging Lewinski zur Tür, ohne auf Ians Worte zu hören.<br>„Ich warte einfach hier“, sagte dieser noch, bevor Lewinski auf den Korridor trat. Wenn es überhaupt so etwas gab, wie einen Korridor.<br><br>Lewinski hatte seine Offiziere schon wieder um sich versammelt. Und schon wieder sah er in ratlose Gesichter. Doch dieses Mal war noch etwas anderes mit dabei. Er hatte ihnen soeben von Ians Version der Geschichte berichtet. Und dies löste ein tiefes Gefühl der Verzweiflung aus. Und der Hoffnungslosigkeit.<br>„Können wir wirklich davon ausgehen, dass es stimmt?“, fragte Ardev.<br>„Ja, das können wir“, antwortete der Captain. „Commander Price hat alle Mittel eingesetzt, die ihm zur Verfügung standen um dies zu überprüfen. Schlussendlich hat er seine Geschichte bestätigt.“ Der Captain verschwieg, dass Ian Ihnen noch mehr berichtet hatte. Unglaublich viele Details, die für sich keinen Sinn gaben. Jedoch trugen auch sie zur Welt von Star Trek bei. Zum Beispiel: das seltsam häufige Auftreten der Zahl 47, das unglaubliche Phänomen der „Rot – Hemden“ oder auch das Faktum der 7 Staffeln – was auch immer dies bedeutete – sowie den Umstand, dass die Offiziere nur zu schnell vergaßen, dass noch Shuttles an Bord waren, mit zusätzlichen Sensoren und Transportern.<br>„Wenn es eine Lüge war, dann die beste, die mir je untergekommen ist“, fügte Price hinzu. Er selbst war derjenige, der am wenigsten an diese Theorie glaubte.<br>„Dann ist es wahr. Wir sind nur Figuren in einem Roman. Wir existieren nur um andere Menschen zu unterhalten“, philosophierte Frasier.<br>„Sie dürfen sich sogar noch freuen Doktor. Ihre Spezies gibt es. Meine ist nur eine Chimäre“, platzte es aus Ardev heraus.<br>„Sie verstehen es nicht Ardev!“, konterte Bird. „Wir existieren alle nicht. Wir sind nicht mehr als eine Windung in einem lausigen Gehirn.“<br>„Beruhigen Sie sich meine Herrn“, fuhr Lewinski dazwischen. „Es gilt noch etwas anderes zu berücksichtigen. Ian ist hier. Er besitzt Materie und Geist. Und er kann sich nicht erklären, warum er plötzlich in einer seiner Traumwelten lebt. Also müssen auch wir mehr sein als nur eine lausige Windung.“<br>„Das beruhigt mich keineswegs“, fügte O’Brien an.<br>„Es ist so etwas wie Gott“, brach es plötzlich aus Price aus. Mit dem Effekt, dass er sogar den verwunderten Blick des Captains aus sich ruhen hatte. „Natürlich. Er bestimmt unser Leben. Also ist er in dieser Hinsicht unser Gott.“<br>„Wenn Sie jetzt noch von mir verlangen ihn anzubeten...“ kommentierte Tellom.<br>„Nein, nicht im geringsten. Aber stellen Sie sich vor, welche Macht uns damit zur Verfügung steht. Wir stehen so dicht vor der Perfektion. Die Föderation könnte damit zur Allmacht des Universums werden.“<br>„Mir stellt sich eine andere Frage: was, wenn denen die Lust ausgeht über uns zu schreiben? Wenn wir die Quote nicht erreichen?“, fragte der Chief, der immer noch mürrisch war.<br>„Und wenn er gar keine Lust hat, uns zur Allmacht zu verhelfen? Wenn er einfach nur dasitzen will um uns zu beobachten, wie wir versuchen unsichtbare Feinde zu jagen?“ kritisierte Frasier offen. „Überhaupt, woher kommen diese Unbekannten jetzt plötzlich? Sie können mir nicht sagen, dass er nichts damit zu tun hat.“<br>„Wir sollten uns doch nicht jetzt um solche Kleinigkeiten wie diese Unbekannten kümmern“, warf Tellom ein. „Er hat unsere Existenz in Frage gestellt. Nicht nur das, er gibt zu, uns erfunden zu haben. Aus reiner Vergnügungssucht. Wie moralisch ist das?“<br>„Ich stelle mir gerade vor, ein Hologramm zu sein, das erfährt nur ein Hologramm zu sein. Nur sind wir lebende Menschen aus Fleisch und Blut, die erfahren, dass ihre Existenz nur Schwarz auf Weiß real ist“, sinnierte Bird.<br>„Ich sehe keinen Unterschied zwischen den beiden Fällen“, antwortete Price.<br>„Was tun wir nun?“, fragte der Captain. „Weiterleben wie bisher wird wohl unmöglich sein.“ Lewinski erwartete Vorschläge von seiner Crew. Immer hatte sie ihm mit Rat und Tat zur Seite gestanden, doch heute sah er etwas Neues. Besonders stark ausgeprägt war es in Aren Telloms Gesicht. Es war ein unbändiger Wille, den nichts aufzuhalten schien. Ruckartig stand sie auf und rannte beinahe aus dem Kasino. Sie setzte sich über jede Art von Formalität oder Protokoll hinweg. Und Lewinski konnte es ihr nicht einmal verübeln.<br><br>Nur wenige Sekunden später stand sie in der Arrestzelle und hörte das Zischen der Tür, die sich hinter ihr wieder schloss. Sie versuchte unscheinbar zu wirken, doch dieser Versuch misslang ihr kläglich. Ian wirkte keineswegs überrascht sie zu sehen.<br>„Wieso?“, fragte sie einfach.<br>„Ich trage daran keine Schuld“, antwortete Ian.<br>„Sie haben meinen Bruder getötet, zwei Völker in eine sinnlose Propagandaschlacht gestürzt und mich... in eine Mörderin verwandelt“, zählte Tellom kalt auf. Gefühlskalt.<br>„Ich bin nicht ihr Gott Arena. Auch wenn sie darüber gerade spekuliert haben. Ich bin nur ein Schriftsteller, der Geschichten niederschreibt. Ich kann nichts für die Entwicklung in ihrem Universum oder die ihres Charakters. Ich halte sie nur fest.“<br>„Was ist das für eine Gesellschaft, die so vergnügungssüchtig nach Mord und Tod ist?“<br>„Ich habe diese Episode zwar nicht verfasst, aber es ist so: wenn es diese latente Angst ihrer Völker voreinander nicht gegeben hätte, wäre dies alles nicht geschehen. Sie sind für ihr Leben selbst verantwortlich.“<br>„Leben?“, fauchte Arena. „Ich habe kein Leben und auch kein Volk.“<br>„Oh doch, das haben sie. Und es ist so real wie meines. Ich kann nicht bestimmen, in welche Richtung sich ihr Charakter entwickelt. Dafür sind Sie genau so selbst verantwortlich wie ich für den meinen.“<br>Ian erwartete eine weitere Nachfrage. Doch die kam nicht. Im Gegenteil sah er etwas, das nicht im Geringsten erwartet hatte. Es glitzerte in Telloms Augen. „Warum tun Sie das?“<br>„Was?“<br>„Einfach so hier aufzutauchen? Nur aus weiterer Freude? Macht es Ihnen etwa Spaß mich so zu sehen?“<br>Er schüttelte den Kopf. „Nein. Es schmerzt mich so wie Sie. Alles was Sie durchleben, fühle auch ich. Verstehen Sie das? Sie sind ein wichtiger Teil von mir. Und wenn Sie leiden, leide auch ich. Nicht etwa aus Spaß oder weil es mich interessiert zu leiden. Sondern weil das der Lauf der Dinge ist. Ich habe sie wachsen sehen, habe gesehen, wie sie fielen und wieder aufstanden.“<br>Tellom schniefte. Sie drehte sich um und verließ die Arrestzelle. Sie wandte sich jedoch in der Tür noch einmal um und verabschiedete sich mit den Worten: „Sie ekeln mich an.“<br><br>John Lewinski saß, wie gewohnt und beinahe schon automatisch an seinem Schreibtisch in seinem Bereitschaftsraum. Er wollte gerade einen Eintrag ins Logbuch machen und dabei erwähnen, dass das Schiff in drei Tagen die angestrebte Basis erreichen würde. Wollte, erwähnen, dass die Admiralität sich mit dem „Ian – Problem“, wie es nun in Fachkreisen genannt wurde, auseinander setzte. So wie er erfahren hatte, hatten sich die besten Köpfe der gesamten Flotte zusammengefunden um diese Thematik zu erörtern.<br>Doch er schaffte dies nicht. Auch er fragte sich nach dem Sinn des ganzen. Wieso sollte er einen Logbucheintrag machen? Um irgendwelchen verrückten, zurückgebliebenen Menschen des beginnenden 21. Jahrhunderts einen Überblick über die Neuigkeiten der letzten Stunden zu verschaffen?<br>Plötzlich spürte er wieder diesen unsäglich stechenden Schmerz in seinem Magen. Beinahe automatisch legte er seine Hand auf die Schmerzstelle. Doch dies gewährte ihm keine Linderung. Lewinski atmetet mehrere Male tief ein und aus. Er lehnte sich dabei zurück und schloss seine Augen so fest er nur konnte.<br>Und mit jedem Atemzug zog sich der Schmerz einen Schritt zurück. Als er nach einigen wenigen Minuten wieder wagte, die Augen zu öffnen, sah er eine Frage vor sich. Sie stand praktisch an die Decke geschrieben. Was hatte Ian mit den Schmerzen zu tun?<br>Schnell schüttelte er diese Gedanken beiseite. Er hatte schon seit einigen Wochen immer wieder leichte Bauchschmerzen.  Also konnte dies natürlich nicht an Ian liegen. Mehr am mangelnden und schlechten Schlaf sowie an dem vielen Stress.<br>Er atmetet noch ein paar mal durch, bis er sich wieder einigermaßen fit fühlte, erhob sich dann von seinem Stuhl – wobei ihm die ernsthafte Frage in den Sinn kam, ob der Stuhl wirklich echt war – und verließ seinen Bereitschaftsraum. Ihn hatte plötzlich das Gefühl der Sinnlosigkeit dieser Tat an sich überkommen. Viel zu oft war er während der letzten Zeit in diesem Raum gewesen. Zeitweise kam er ihm sogar wie sein Quartier vor. Doch jetzt sah er darin nur einen Käfig. Nur zäh löste sich diese Gefühl von ihm, als er die Brücke betrat. Dumpf nahm er die gewöhnlichen Geräusche des Kommandozentrums war. Doch auch hier schienen die Wände plötzlich näher aufeinander gerückt zu sein. Ein plötzliches Gefühl des Neides kam in ihm auf. Wie gern hätte er doch ein Schiff der Galaxy-Klasse kommandiert. Dort gab es genügend Platz und man musste sich nicht wie in einer Sardellenbüchse fühlen. Außerdem war es auf diesen Schiffen viel heller.<br>Doch auch hier hielt er es nicht lange aus. Plötzlich wirkten die Anzeigetafeln neben seinem Stuhl wie metallene Pranken, die jeden zu fassen versuchten, die es wagten, sich zu setzen. Mit einem letzten schweifenden Blick verließ er die Brücke auch wieder, dieses Mal jedoch durch die zweite Tür und lief darauf den Korridor hinunter zum Maschinenraum.<br>Wenigstens dort war es hell. Die wabernde Energie in der Materie/ Antimateriereaktionskammer erhellte den gesamten Raum. Doch die Atmosphäre war zum zerreißen gespannt. Schnell kletterte er die Leiter zur Hauptebene hinunter. Reflexartig begrüßte er seine Crewmitglieder, die alle ihre Gespräche einstellten, als sie ihren Captain erkannten.<br>„Können wir Ihnen helfen Sir?“, fragte einer der Techniker.<br>„Nein, nein“, antwortete Lewinski beschwichtigend. „Ich dreh nur eine kleine Runde.“<br>„Sir?“, wandte sich ein anderer, junger Techniker an den Captain. Erst jetzt erkannte er, dass alle Techniker, die sich im Maschinenraum befanden, gebannt auf ihn starrten. „Was bedeutet das, was Ian gesagt hat?“<br>„Nichts“, log er. „Nur, dass er eine psychologische Behandlung benötigt.“<br>„Aber er hat doch die Wahrheit gesagt“, warf ein anderer ein.<br>„Er glaubt an das, was er gesagt hat, das ist richtig. Aber mehr bedeutet es nicht.“<br>„Wie erklären Sie dann sein unglaubliches Wissen?“, fragte eine Technikerin. „Sie wissen doch gar nichts über ihn. Sie halten uns doch nur bei der Stange.“<br>Lewinski spürte, wie Schweißtropfen von seiner Stirn stürzten. Er musste hier raus, so schnell wie möglich. Doch die Art, wie er dieses Gefühl schlussendlich wahr machte, war auch für ihn erschreckend. Er wählte nicht den diplomatischen Weg sondern rannte zur Tür und in den dunklen Korridor. Im Stechschritt lief er wieder zur Front des Schiffes, vorbei an den unzähligen Türen zu Crewquartieren und wichtigen Einrichtungen wie der Krankenstation. Schlussendlich fand er sich auf dem dritten Deck wieder. Und im Vergleich zu den beiden oberen Decks war es hier richtig ruhig. Auf dem dritten Deck gab es beinahe nur Frachträume. Zwar befand sich hier auch der Zugang zu den Shuttlerampen, doch während eines Warpfluges wurden diese ja nicht benötigt.<br>Er lehnte sich an eine Wand und genoss die Ruhe. Hier konnte er schon beinahe die Warpspulen hören, die an den Flanken des Schiffes saßen. Es gab keinen anderen Schiffstyp in der Flotte, bei dem dies sonst noch möglich war.<br>Gerade hatte er alle Gedanken aus seinem Bewusstsein verdrängte, als er das Zischen eine Tür hörte. Er sah in die Richtung, aus der das Geräusch kam und sah den Vulkanier T’Ker. Mit einem Nicken trat der erfahrene Offizier an ihm vorbei zum Turbolift. Doch er wirkte verändert. Etwas in seinem Blick wirkte verwirrend. Da fiel es Lewinski auf. Er hatte deutlich Erschütterung in seinen Augen sehen können. Erst da realisiert er, wo T’Ker hergekommen war. <br>Von der Arrestzelle.<br>Auch diese befand sich hier. Nachträglich installiert in einem ehemaligen Frachtraum, der sowieso zu klein geraten war für irgendwelche Art von Fracht.<br>Jetzt befand sich in diesem ehemaligen Frachtraum die größte Gefahr der Galaxis. Der Mann, der behauptete, es gebe diese Galaxis überhaupt nicht.<br>In diesem Moment war John Lewinski wieder glücklich darüber, nicht auf einem Schiff der Galaxy-Klasse zu dienen. Denn ihm wurde klar, dass nicht einmal dieses Schiff genug Decks gehabt hätte um vor ihm wegzulaufen.<br><br>In dieser Nacht konnte Elizabeth Frasier keinen Schlaf finden. Unruhig wälzte sie sich in ihrem Bett hin und her. Immer wieder musste sie an Ian denken. Genauer an seine Worte. Sie hatte mit ihm gesprochen. Sie hatte Fragen gestellt und er hatte geantwortet.<br>Sie aktivierte das Nachtlicht und sah auf die Uhr. Im Grunde war es viel zu früh für den Gedanken, den sie hatte, doch sie konnte nicht widerstehen. Schnell stand sie auf und zog sich ihren Morgenmantel über. So unauffällig wie es ihr möglich war, huschte sie durch die Korridore, wenige Meter nur, bis zu Matt Price Quartier.<br>Ihr Finger verharrte über der Klingel. Sie wusste, dass er schlief, doch sie brauchte ihn jetzt. Sie brauchte eine starke Schulter, an die sie sich lehnen konnte. Gerade, als sie den Entschluss gefasst hatte, zu klingeln, öffnete sich die Tür und ein verschlafener Matt Price, nur mit Boxer-Short und T-Shirt bekleidet stand vor ihr.<br>„Komm schon rein“, sagte er und Frasier zögerte nicht lange. Er hatte in der Tat geschlafen. Sein Bettdecke war etwas zurückgekrempelt worden und nur sein Nachtlicht brannte. Man musste kein Detektiv sein um dies zu analysieren.<br>„Es tut mir leid, wenn ich dich geweckt habe.“<br>„Schon in Ordnung“, antwortete er, drückte ihr einen Kuss auf die Wange und legte sich wieder in sein Bett. Er hob die Decke etwas auf und bot ihr damit an, zu ihm zu schlüpfen. Dieses Angebot nahm sie auch gleich an und legte sich in seine starken Arme.<br>„Woher hast du eigentlich gewusst, dass ich vor der Tür stand?“, fragte sie noch, bevor er die Möglichkeit hatte, das Licht wieder auszuschalten.<br>Matt hatte diese Frage erwartet. Wieder hätte er eine ganze Vortragsreihe damit füllen können, ihr die Art betazoider Telepathie in Bezug auf den Lebenspartner zu erklären. Zwischen ihnen bestand ein starkes emotionales Band. Es glich dem von Imzadi, zwar sehr, auch wenn es einige bedeutende Unterschiede geben mochte, an die Matt gerade nicht denken wollte, das sie viel zu kompliziert waren, für ein im Halbschlaf befindliches Gehirn.<br>„Deine Sorgen waren so groß, dass sie mich geweckt haben.“<br>„Entschuldige“, entgegnete sie nochmals und nahm einen tiefen Atemzug. Allein dies beruhigte sie.<br>„Schon gut“, murmelte Price verschlafen und schaltete das Licht ab. Dann schlang er die Arme fest um seine Liebste und glitt wieder ins Reich der Träume ab. Doch er spürte, dass sie nicht schlafen wollte. Sie wollte reden. „Was hast du für ein Problem?“, fragte er.<br>„Ich habe vor einigen Stunden mit Ian geredet.“<br>„Oh.“<br>„Oh? Mehr hast du dazu nicht zu sagen?“, fragte Frasier leise.<br>„Was hat er dir gesagt?“, wollte Price wissen, ohne auf ihre Frage einzugehen.<br>Elizabeth Frasier sammelte sich. Die Worte fielen ihr sichtlich schwer und auch Matt fühlte, dass hier und jetzt nicht der Platz für irgendwelche unangebrachte Sprüche war. Er öffnete nur seine Augen und konzentrierte sich voll und ganz auf seine Freundin.<br>„Ich habe ihn gefragt, ob wir für einander geschaffen sind“, begann die Ärztin. „Und er hat Ja gesagt.“<br>Matt legte seine Stirn in Falten. „Und was besorgt dich dann?“<br>„Ich habe ihn dann weiter gefragt ob wir füreinander geschaffen sind, weil wir uns wirklich innig lieben oder ob wir nur zusammen sind um seiner voyeuristischen Ader nachzugeben“, antwortete sie wahrheitsgemäß. Price widerstand der Versuchung gleich weiterzuhaken, da er wusste, dass sie sowieso fortfahren würde. „Und er sagte, dass er unser Liebesleben nicht wegen seiner voyeuristische Ader aufs Spiel setzt.“<br>„War das nicht, was du hören wolltest?“<br>„Nein, er war meiner Frage nur ausgewichen.“ Sie drehte sich zu Matt um. In der Dunkelheit sah sie nur, wie sich einige Lichter in seinen Augen spiegelten. „Ist unsre Liebe real oder nur ein Wunschgedanke?“<br>Matt schwieg, Sanft hob er seine Hand und strich mit ihr durch Frasiers Haar. „Das ist mir egal“, antwortete er schließlich.<br>„Wie kann dir so etwas wichtiges nur egal sein?“<br>„Weil ich unsere Liebe spüre. Und dieses Gefühl kann unmöglich erfunden sein.“<br>„Warst du schon bei ihm?“<br>„Nein. Und ich werde auch nicht zu ihm gehen“, stellte Price ernst fest.<br>„Wieso nicht? Wovor fürchtest du dich?“<br>„Wovor ich mich fürchte?“, wiederholte Price. „Vor gar nichts. Ich weiß nur nicht, was er mir sagen könnte, was ich noch nicht weiß. Er hat ja auch dir nichts gesagt, was du nicht schon wusstest. Er ist Schriftsteller. Er kann nur Dinge sagen, die wir schon wissen.“<br>„Du tust so, als störe dich das gar nicht.“<br>„Tut es ja auch nicht.“<br>„Aber er bestimmt, was mit uns geschieht, wie wir handeln, uns fühlen und entscheiden. Woher weiß ich, dass du zu mir sprichst und nicht er?“<br>„Erstens ist er nur einer von vielen Autoren die unser Leben bestimmten und zweitens hat er dann schon immer aus meinem Munde gesprochen.“<br>„Verstehst du es nicht?“, fragte Frasier verzweifelt. „Unser Leben ist erfunden. Wir sind nichts als reine Fiktion. Wir existieren nur in den Köpfen einiger Menschen.“<br>Zärtlich griff Price Elizabeth Hand und legte sie auf seine Brust. Sie fühle die Wärme seines Körpers, spürte, wie sich der Brustkorb hob und senkte und leicht unter den Schlägen seines Herzens vibrierte. „Das ist real. Allein das ist mir wichtig. Über mehr will ich mir keine Gedanken machen.“<br>„Aber ich“, entgegnete sie. „Weil mir das zu wichtig ist, als dass ich es aufs Spiel setzen will. Aus diesem Grund bin ich zu Ian gegangen. Um Antworten zu bekommen. Doch ich bekam keine von ihm. Und von dir genau so wenig.“<br>Price hatte gar keine Zeit diese Worte zu verarbeiten. Er sah nur noch, wie sie aufstand und sein Quartier verließ. Zuerst wollte er ihr noch folgen. Doch er fühlte, dass er im Moment mehr Schaden angerichtet hätte. Also blieb er liegen und hoffte.<br><br>Lewinski sah mehr widerwillig auf seinen Bildschirm. Er verspürte nicht die geringste Lust jetzt auch noch mit einem Admiral zu sprechen. Doch dies war jetzt der Fall. Also brachte er auch diese Pflicht hinter sich.<br>Das Föderationslogo wich einem Admiral, den Lewinski flüchtig kannte. Mak’toral wirkte äußerst überarbeitet. Tiefe Augenringe waren zu sehen.<br>„Captain Lewinski, das Sternenflotten Kommando ist zu einer Entscheidung bezüglich des Ian Problems gekommen.“<br>„Das wie lautet?“, fragte Lewinski ohne auf irgendwelche Formalitäten zu achten.<br>„Sie werden uns Ian überstellen. Er wird dann von uns verhört. Ich selbst werde ihnen entgegenfliegen um die Verhöre schon bei Ihnen an Bord beginnen zu können. Dann werden wir gemeinsam zu Sternbasis S17 fliegen, wo er schlussendlich untersucht wird.“<br>„Mit welchem Ergebnis, wenn ich fragen darf?“ Lewinski hatte in der tat mit dieser Antwort am wenigsten gerechnet.<br>„Ian ist eine großer taktischer Vorteil für uns. Wir könnten unsere Position gegenüber anderen Großmächten ausbauen und uns besser auf kommende Gefahren vorbereiten.“<br>„Sir, haben Sie überhaupt verstanden, was Ian ist? Er ist ein Schriftsteller, der in seiner eigenen Kreation gefangen ist...“<br>„...und der daher über alles in dieser Milchstraße bescheid weiß und es sogar bestimmen kann.“<br>„Er hat uns gestanden, dass wir nicht real sind. Stört Sie das nicht?“, fragte Lewinski schockiert.<br>„Ich bin ein Militär Captain. Ich habe mit meinem Stab die Sache erörtert, dem Kommandanten der Flotte und dem Präsidenten meinen Vorschlag unterbreitet. Beide waren einverstanden. Über den anderen Aspekt, den Sie ansprachen, diskutiert im Moment noch die Ethikkommission.“<br>„Nun, wenn dies so ist. Ich werde Ihnen Ian wie befohlen ausliefern.“<br>Zufrieden nickte der Admiral. „Ich sehe wir verstehen uns. Ich wünsche noch einen schönen Tag.“ Wieder wurde das Föderationslogo eingeblendet. Ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass das letzte Wort gesprochen war. Noch vor einer Woche wäre Lewinski eine solche Behandlung zuwider gewesen. Doch an diesem Tag war es ihm egal. Ebenso wie die kleine Anzeige im Display, die darauf hinwies, dass Ian schon wieder ihn um ein Gespräch bat. Doch er ignorierte diese Anzeige. So wie die anderen 15 zuvor. <br>Er lehnte sich stattdessen wieder in seinem Stuhl zurück und versuchte seinen Geist mit einigen schönen Gedanken abzulenken.<br><br>Ardev fand seine Frau in einer Kreuzung zweier Jeffriesröhren. Ihre Schicht hatte schon vor einer halben Stunde geendet. Und nachdem sie nicht in ihrem Quartier war und auf seine Rufe nicht reagiert hatte, musste der Andorianer sie eben so finden.<br>So saß in einer Kreuzung und starrte die Wand an. „Stör ich dich?“, fragte Ardev.<br>Erschrocken sah sie nach links, wo ihr Mann gerade aus der Röhre heraus kletterte und sich neben seine Frau in die Kreuzung setzte. „Nein, natürlich nicht“, antwortete sie und gab ihm einen Begrüßungskuss. Sofort ergriff sie auch seinen Arm und schlang sich um ihn herum, den Kopf legte sie dabei auf seinen Schulter ab.<br>„Was machst du hier?“, fragte er schließlich, als er vor Neugier schier platzte.<br>„Ich habe nachgedacht“, antwortete sie mit einem tiefen Seufzer. „Wusstest du“, fuhr sie mit etwas lauterer und überraschter Stimme fort, „dass man Wetten darauf abgeben kann, wer Ian als letztes aufsucht?“<br>„Ehrlich?“ sagte er erstaunt. Obgleich er von dieser Wette wusste.<br>„Ja, im Moment liegen Price und Lewinski Kopf an Kopf. Ich glaube sie sind auch die einzigen, die noch nicht bei ihm waren.“<br>„Ja, das stimmt“, ergänzte Ardev.<br>„Was hat er dir gesagt?“<br>„Ich habe mich nur danach erkundigt, für welche unserer Missionen er verantwortlich war“, antwortete er, während er seinen anderen Arm auch um Arena legte.<br>„Und?“, wollte sie nun wissen.<br>„Er hat die Sache mit Moriarty und dem Datenblock geschrieben, sowie das mit McMor, der sich damals als Iluzio verkleidet hatte. Und dann noch unser Undercover-Abenteuer, bei dem wir den Außenminister beschützen hätten sollen.“<br>„So wenig?“, hakte sie nach. Sie drängte die Gedanken an diese Missionen zurück. Was brachte es auch schon, jetzt noch nach seinen Motiven zu fragen. Es war zu spät. Für alles.<br>„Ja, das meiste stammt von einem anderen Autor.“ Ardev schloss seine Augen. „Was hat er dir gesagt?“<br>„Ich habe ihm den Tod meines Bruders an den Kopf geworfen... und den Bolars“, antwortete sie. Nach einigen tiefen Atemzügen und einigen Schluchzern, sprach sie weiter. „Er hat sie nicht getötet. Es waren Bolar und ich, die gemordet haben. Er, oder wer auch immer, saß nur an einem Computer und hat dies aufgeschrieben.“<br>„Aber es tut trotzdem weh“, erkannte Ardev. „Und du suchst einen Schuldigen.“<br>Sie nickte. „Macht mich das zu einem schlechten Menschen?“<br>„Nein“, raunte er liebevoll. „Es macht dich zu einem Menschen.“<br>Arena löste sich aus ihrem Griff und legte ihren Kopf in seinen Schoss. Ardev sah zu ihr hinab und legte zärtlich seine Hände um sie. Mit einer Hand strich er ihr sogar immer wieder durchs Haar. Ein Gefühl, dass sie schier verrückt machte. Aber sie liebte es auch.<br>„Wie soll man weiterleben, wenn das eigene Leben kein Leben ist? Wenn man nichts ist, als ein Scherbenhaufen? Wie sollen wir wieder auf die Beine kommen?“<br>Ardev lächelte. „So wie wir es nach dem Tod deines Bruders auch geschafft haben. Mit unserer Liebe.“<br>„Weißt du was?“<br>„Hm?“, machte Ardev.<br>„Ich war widerlich zu Ian. Das will ich aber nicht sein. Denn er ist für etwas anderes ebenso verantwortlich. Dafür, dass ich folgendes sagen kann: ich liebe dich.“<br>„Ich liebe dich auch. Bis in die Ewigkeit. Und dafür kann Ian auch nichts.“<br>Es hätte nicht viel gefehlt und Arena hätte nur noch geheult. Doch stattdessen schlang sie ihre Arme um Ardevs Hals und zog sich zu ihm hoch. Leidenschaftlich küsste sie ihn. Und dieser Moment hatte etwas Magisches. Er schien ewig zu dauern. Auch wenn es nur Minuten waren.<br><br>So langsam kannte er den Raum auswendig. Jedes Zischen und jedes Sirren war ihm bekannt und so konnte er schon vorhersagen, was geschah. Besser gesagt, er musste, denn dieser ganze Lärm hinderte ihn am einschlafen. Auch durch die Tatsache, dass alle fünf Minuten jemand aus der Crew bei ihm stand, förderte dies nicht gerade.<br>Er hatte Lewinski deswegen sogar schon kontaktet, doch aus irgendeinem Grund antwortete dieser nicht. Auch die Nachrichten, die er an andere Leute schicken wollte, wie etwa an den Sicherheitschef Danny Bird, kamen immer nur bei Lewinski an, wo sie unbeachtet in seinem Postfach verstaubten.<br>Also lag er wach. Er wälzte sich hin und her. Im Innern plante er zwar schon die ersten Kapitel des Romans, den er über diese Geschehnisse verfassen wollte, doch auch bei diesem Vorhaben wollte ihm kein wirklich klarer Gedanke in den Sinn kommen.<br>Seine Überlegungen wurden durch das Zischen der Tür unterbrochen. Müde drehte er sich um. Er hatte zuvor in Blickrichtung Wand gelegen, doch auch diese Liegeposition erwies sich als wenig erfolgreich. „Wurde auch Zeit, dass Sie kommen Captain...“<br>Überrascht zuckte er zurück, als er die unbekannte Person sah, die vor seiner Zelle stand. „Wer sind Sie?“, fragte Ian verwirrt.<br>„Ich bin Admiral Mak’toral. Die Sicherheitsabteilung der Sternenflotte schickt mich. Wir würden gerne mit Ihnen sprechen.“<br>„Moment, Moment. Wo kommen Sie so plötzlich her? Und wieso hat mich keiner darüber informiert?“, fragte Ian müde. „Und wieso bin ich plötzlich ein Sicherheitsrisiko?“<br>„Mein Schiff fliegt im Moment parallel zur Monitor, ich hab keine Ahnung wieso Lewinski Ihnen nichts gesagt hat und Sie sind ein Risiko, sollten Sie einer mit uns verfeindeten Macht n die Hände fallen.“<br>Ian nickte verstehend. Mak’toral grinste erleichtert. „Sehen Sie, ich zeige mich kooperativ. Tun Sie es auch? Ich habe nur einige kleinere Fragen an Sie. Für den Anfang.“<br>„Was für Fragen?“<br>„Inwiefern sind Sie mit den militärischen Strukturen des... sagen wir, Dominions vertraut, oder denen der Breen?“<br>„Nicht mehr wie Sie. Ich bin Schriftsteller und kein Prophet.“<br>„Dann schreiben Sie doch einfach etwas über die militärische Struktur des Dominion. Müsste das dann nicht wahr werden?“<br>Ian schüttelte den Kopf. „Ich habe dies schon versucht. Doch es hat nichts bewirkt. Glauben Sie mir, ich bin in meiner Fantasie gefangen und komme hier nicht wieder heraus.“<br>„Sie bezeichnen dies als Fantasie, doch wir existieren offensichtlich.“<br>„Ja, in der Tat, das verstehe ich noch nicht. Ich bekomme immer Kopfschmerzen, wenn ich darüber nachdenke. Stellen Sie sich doch nur vor: was ist, wenn einer der anderen in meinen Team beschließt, die Monitor zu zerstören? Auch wenn wir uns noch nicht in der 7. Staffel befinden. Sterbe ich dann hier?“<br>„Das sind interessante Fragen. Sie können dies gern mit der Ethikkommission auf Basis S17 erörtern. Mich interessiert die Frage, ob Sie vielleicht auch in Interna des Geheimdienstes eingeweiht sind. Dessen Aufbau ist nur einer handvoll Leuten bekannt und wurde über Jahrhunderte geheim gehalten.“<br>„Wieso sollte ich ihre Fragen beantworten? Aus Freundlichkeit etwa?“<br>„Nein, natürlich nichts deshalb. Sondern weil Sie ansonsten den Rest ihres Lebens in einer Gefängniszelle sitzen werden.“<br>Ian hielt inne. Seine Gedanken rasten. Und wenn es möglich gewesen wäre, sein Kopf hätte gequalmt. „Ich werde nichts mehr sagen. Ich werde von meinem Recht auf einen Anwalt gebrauch machen.“<br>„Dann werden Sie wohl einen neuen Schweigerekord aufstellen. Aber, nur zu, ich habe Zeit. Wir werden dieses äußerst ergiebige Gespräch morgen fortsetzen.“<br>Damit verließ dieser Admiral Ian. Dieser legte sich erschöpft auf die Pritsche zurück und schloss seine Augen. Zum ersten Mal schlief er. Er träumte einen schönen Traum. Er war in Freiheit und reiste durch das All. Er tat nur, wonach ihm der Kopf stand und sah die größten Wunder der Milchstraße. Und am Ende stand die Erde. In all ihrer Pracht. Doch dazu musste er hier raus.<br>Deshalb hoffte er. <br>Auf ein Wunder.<br><br>Das Klopfen seiner Schuhe auf dem Boden des Korridors hallte durch das gesamte dritte Deck des Schiffes. Während des gesamten Weges von seinem Quartier bis zu diesem Moment hatte er versucht sich Gedanken über das nun folgende Gespräch zu machen. Doch es gelang ihm nicht, sein Kopf blieb leer. Als ob eine riesige Flutwelle alles weggespült hätte.<br>Die Tür öffnete sich zu der kleinen Arrestzelle und er sah ihn. Ian stand schon erwartungsvoll vor dem Kraftfeld. „Ich habe Sie erwartet.“<br>Seit Mak’torals Eintreffen waren etwa zehn Stunden vergangen. An den Briefings, die der Admiral abgehalten hatte, hatte er nur körperlich teilgenommen. Im Grunde war ihm egal, was dieser Admiral oder die Sternenflotte für unglaubliche Chancen in diesem Moment sah. Ihn interessierte etwas anderes. Zwar hatte er sich geschworen nie her zu kommen. Doch nun war er hier.<br>Und Ian würde ihn nicht los lassen.<br>„Während der letzten Stunden ist viel schief gegangen.“<br>Ian schnaubte. „Das können Sie laut sagen.“<br>„Habe ich Elizabeth verloren?“<br>„Ich weiß es nicht Matt“, antwortete Ian wahrheitsgemäß.<br>„Ist Sie jetzt bei Bird?“, fragte Price.<br>Ian atmete tief durch. „Ich kann Ihnen helfen, Sie zurück zu bekommen.“<br>Wut stieg in Price auf. Unbändige Wut. Auf Bird, auf ihn selbst, auf alles in dieser Welt. „Wie?“<br>„Kommen Sie her“, forderte Ian ihn verschwörerisch auf und beide traten ganz nah an das Kraftfeld heran. „Sehen Sie mir in die Augen“, sagte Ian schließlich, als sie beide in Position standen.<br>„Was haben Sie vor? Raus mit der Sprache!“<br>„Ganz langsam Matt“, beruhigte Ian, der ein seltsames Grinsen auf den Lippen trug. „Was ist typisch für Sie Matt? Ihre hervor stechendste Eigenschaft?“<br>Price überlegte. Doch im Moment konnte er über so etwas nicht nachdenken. „Was soll das? Was bringt uns das weiter?“<br>„Es war Ihre Art die Regeln auszulegen. Diese Eigenschaft haben Sie zwar abgelegt während der letzten Jahre, da sie etwas reifer und erwachsener wurden, doch sie ist noch da.“<br>Price konnte nur den Kopf schütteln. „Ich gehe jetzt. Das hat doch keinen Sinn.“ Er wollte sich schon umdrehen, als er bemerkte, dass ihm sein Körper nicht mehr gehorchte. Nicht einmal mehr einen Arm konnte er heben, so starr stand er vor Ian. Panisch sah er ihn an. „Was soll das? Was machen Sie mit mir?“<br>„Jetzt sagen Sie Matt, was bin ich? Ein Mensch?“, fuhr Ian unbeeindruckt fort. Er erwartete zudem keine Antworten. Die gab er selbst. „Ja. Ein Schriftsteller? Ja. Ihr Schöpfer? Zum Teil. Ihr Gott?“ <br>Plötzlich veränderte sich etwas in Ians Augen. Price konnte es zwar nicht sehen, aber er konnte es fühlen. Verdammt, wieso hatte er dies nicht schon eher gefühlt? Wieso hatte er die letzten Tage über nichts gefühlt?<br>„Ich weiß was Sie denken Matt. Sie hatten schon den Teufel in sich. Und jetzt stehen Sie ihrem Gott gegenüber. Einem jungen Menschen, einem Relikt aus grauer Vorzeit.“<br>Price wusste nicht, was er denken sollte. Er sah nur, dass Ians Grinsen immer größer wurde. Entspannt trat dieser einen Schritt zurück und beobachtete Price. „Denken Sie darüber nach Matt.“<br>Dann drehte sich Ian um und verließ die Arrestzelle. Ein bizarres Bild, wie Price zugeben musste. In diesem Augenblick erkannte er, was daran so bizarr war. Er stand plötzlich in der Arrestzelle. Er war eingesperrt und Ian frei.<br>Wie war dies nur geschehen?<br>Price taumelte zurück und setzte sich auf die Pritsche. Und in der Tat dachte er über Ians Worte nach. Er erschuf ihre Welt. Jeden tag aufs Neue. Also war er ihr Gott. Eine rein logische Schlussfolgerung.<br>Wer war demnach in der Lage ihn aufzuhalten?<br><br>Erhobenen Hauptes schritt Ian durch den Korridor. Alles lief nach Plan. Siegessicher trat er an das nächste Wanddisplay und gab neue Befehle ein. Natürlich kannte er dieses Schiff besser als jeder andere. Und während seiner ersten Stunden an Bord und während der Zeit, in der er mit Chief O’Brien zusammen gearbeitet hatte, konnte er allerhand vorbereiten.<br>Als er an den Chief dachte, hielt er kurz inne. Er hatte O’Brien einiges erzählt. Von seiner Zeit auf der Enterprise bis über seine Karriere auf DS9. Sie hatten einiges an Erfahrungen auszutauschen.<br>Doch Ian ließ sich nicht abhalten. „Computer, initiiere Programm Ian Alpha.“<br>Der Computer reagierte sofort. „Bestätigt.“<br>Unzählige Programme wurden mit diesem einen, kurzen Befehl gestartet. Zu aller erst wurde das Schiff getarnt. Dann begannen die Transporter auf Hochtouren zu laufen. Alle Crewmitglieder wurden in ihre Quartiere transportiert und dort eingesperrt.<br>Nichts hielt Ian weiter auf. In nur wenigen Sekunden hatte er es geschafft die Situation an Bord umzukehren. Nun war er frei und alle anderen gefangen.<br>Und als er die Brücke betrat fühlte er sich, als käme er nach Hause. Trotz der Tatsache, dass er alleine dort war, war es ein unheimlich befreiender Moment.<br>Genüsslich ließ er sich in den Stuhl des Captains fallen und atmete die Autorität ein, die dieser mit sich brachte. Mit einem großen Gefühl der Genugtuung legte er seine Hand auf eines der Displays neben dem Stuhl. Wiederum reagierte auch hier der Computer sofort.<br>„Computer, alle Kommandofunktionen auf mich übertragen.“<br>„Kommandofunktionen werden übertragen... bitte warten“, antwortete der Computer.<br>Ian lächelte. Er hatte alle Zeit der Welt.<br><br>Lewinski sah sich verwirrt um. Eben noch hatte er auf seinem Stuhl auf der Brücke gesessen, saß er nun in seinem Stuhl in seinem Bereitschaftsraum. Er war transportiert worden, doch wieso und weshalb?<br>„Computer, Statusanfrage“, wandte er sich an den Computer.<br>„Computer Bereit, Programm Ian Alpha in Arbeit.“<br>Lewinski riss seine Augen auf. Diese Antwort war in der Tat die schlechtest mögliche. Auch die Tatsache, dass der Computer sehr langsam geantwortet hatte, beunruhigte ihn. Irgendetwas Großes musste verarbeitet werden. Dies konnte die einzig richtige Antwort sein.<br>Schnell aktivierte er sein Terminal und sah, dass Kommandofunktionen umgeleitet wurden. „Computer das Programm stoppen, den Hauptcomputer verschlüsseln.“<br>Sofort kehrte etwas Ruhe auf den Bildschirm ein und die neutrale klingende Computerstimme antwortete. „Befehl nur zum Teil ausführbar. Nur der Hauptcomputer wurde gesperrt, Kommandofunktionen wurde wie angewiesen auf Ian umgeleitet.“<br>„Funktionen wieder zu mir zurückleiten.“<br>„Befehl nicht ausführbar.“<br>„Verdammt!“ fluchte Lewinski und schlug mit der Hand auf seinen Tisch. <br>Er hatte verloren.<br><br>Immer wieder tippte Danny Bird ergebnislos Befehle in sein Terminal ein. „Ich kann mir das nicht erklären. Der Computer muss verrückt spielen.“<br>„Was kann es dafür für Ursachen geben?“, fragte Elizabeth Frasier, die ebenfalls an dem kleinen Tisch saß, ihm direkt gegenüber.<br>„Es muss absichtlich geschehen sein. Anders kann ich es mir nicht erklären.“<br>„Aber wer könnte in der Lage sein das Schiff zu entführen?“<br>„Der Admiral wäre in der Lage. Er hat die entsprechenden Kommandocodes.“<br>„Oder Ian.“<br>Bird sah verwirrt zu Frasier. „Du denkst, dass er eine solche Macht hat?“<br>„Du weißt doch, was er kann.“<br>„Aber wieso sollte er dann das Schiff entführen? Welchen Sinn hat das?“<br>„Vielleicht hat er andere Motive. Du weißt doch wie er ist. Die Wahrheit hat er nur sehr zögernd herausgegeben.“<br>Etwas verärgert stand Bird auf und lief in seinem Quartier auf und ab. „Die Wahrheit. Dieses ganze Gefasel über Star Trek. Unser ganzes Leben besteht nur aus mehreren einstündigen Episoden unterbrochen von Kaufanreizen für Deodorants und Hundefutter. Meinst du diese Wahrheit?“<br>„Ich meine die Wahrheit über Geschichten von einer guten Zukunft. Von Geschichten voller Gefühl, die die Menschen verändert haben“, antwortete Frasier. Auch wenn sie nicht wirklich an diese Antwort glaubte.<br>„Hm. Ich ende als Gute – Nacht – Geschichte. Als Kind hatte ich zwar immer gehofft, dass mal ein Platz oder ein Raumschiff nach mir benannt wird, aber ich muss wohl bescheidener werden.“<br>„Wir sind Teil einer Legende“, korrigierte Frasier. „Was kann man mehr erwarten?“<br>Mit tiefen Runzeln in seiner Stirn sah Bird auf. „Was sagst du? Legende?“<br>„Ja, das habe ich gesagt. Wir sind alle Teil einer Legende.“<br>„Nein, einen Moment“, unterbrach er sie. „Das ist es. Es gibt noch einige Sicherheitsprotokolle. Der Captain hat es noch geschafft, den Hauptcomputer zu verschlüsseln.“ Mit annähernd Lichtgeschwindigkeit rasten Birds Finger über die Konsole des Terminals. „So kriegen wir ihn.“<br>Nur wenige Sekunden später piepste ein Signal bestätigend. Wenn so etwas überhaupt möglich war. Auf jeden fall lächelte Bird. Frasier selbst verstand natürlich nicht so viel von dem, was er tat, aber er musste schon seine Richtigkeit haben.<br>„Bird an Lewinski. Hören Sie mich?“<br>Am anderen Ende der Leitung schreckte John Lewinski überrascht auf. Mit so etwas hatte er überhaupt nicht gerechnet.<br>„Ich höre Sie Mr. Bird, wie geht es Ihnen?“<br>„Ich bin in meinem Quartier Sir, zusammen mit Dr. Frasier. Uns beiden geht es gut... ausgenommen der Tatsache, dass wir eingesperrt sind.“<br>Lewinski wunderte sich zwar über Dannys Gesellschaft, schob diesen Gedanken jedoch beiseite. „Ich nehme an, wir sind alle eingesperrt. Ich wurde sogar von der Brücke in meinen Bereitschaftsraum gebeamt. Alle Kommandofunktionen wurden zu Ian umgeleitet. Keine Ahnung, wie er das hingebracht hat.“<br>„Dann müssen wir in der Tat davon ausgehen, dass er das Schiff entführt hat“, fasste Bird zusammen.<br>„Ja, so ist es“, murmelte Lewinski vor sich hin und öffnete einer der Schubladen unter seinem Schreibtisch. Neben einigen verschiedenen PADDs und einem Foto seines Vaters Luke lag dort auch noch ein alter Phaser des Typs 1. Gerade groß genug, dass er in unauffällig in die Handfläche passte. Fest schloss er seine Hand um ihn.<br>„Was sollen wir tun?“<br>„Nun, da Ian uns wahrscheinlich abhört ist es schwierig etwas zu planen. Wenn ich doch nur die Chance hätte mit ihm zu sprechen...“<br>Lewinski konnte nicht einmal aussprechen, da wurde er auch schon wieder von einem Transporterstrahl erfasst.<br>Ehe er sich versaß, stand er im hinteren Teil der Brücke.<br>„So Captain. Plötzlich wollen Sie also mit mir sprechen?“, fragte Ian zynisch. „Haben Sie sich schon eine Strategie zurecht gelegt, wie Sie mich überzeugen wollen, Ihnen das Schiff wieder zu übergeben?“<br>„Nein, eigentlich nicht“, gestand John ein.<br>„Es tut mir ehrlich gesagt etwas leid, dass ich zu einem solchen Schritt greifen musste. Aber nur so werde ich in der Lage sein, meinen Traum wahr zu machen. Ich werde Sie alle auf dem nächsten Klasse M Planeten absetzen.“<br>„Und dann? Was werden Sie dann machen? Allein durchs All fliegen?“, fragte Lewinski.<br>Ian saß immer noch im Stuhl des Captains. Er wirkte richtig autoritär. Als habe man den Stuhl für ihn gebaut. Außerdem ließ ihn das blaue Licht auf der Brücke reifer und erwachsener wirken, als er war.<br>„Sie verstehen nicht. Ich werde mir alles ansehen, was ich schon immer sehen wollte. Werde mich dann mit Lwaxana Troi zum Tee verabreden, mit Q einen Spaziergang durchs Kontinuum machen und mit Data... Oh Moment. Der ist ja zerstört.“ Ian überlegte und zuckte anschließend mit den Schultern. „Egal. Dann werde ich ihn wieder zusammenbauen.“<br>„Aber Sie werden allein sein.“<br>„Niemand ist in diesem Universum allein Captain“ Ian grinste. „Ian an Maschinenraum, wie sieht’s aus bei dir?“<br>„Ich bin gleich soweit dir Warp 9 zu liefern. Gedulde dich noch etwas“, meldete Fähnrich Myers.<br>„Danke. Ian Ende“, schloss er den Kanal.<br>„War das Myers? Aus der Sicherheit?“, fragte Lewinski.<br>Ian nickte. „Sehen Sie, ich bin nicht allein.“<br>Lewinski ging einige Schritte zurück und setzte sich auf einen der dort stehenden Stühle. Ihm war einiges während der letzten Stunden durch den Kopf gegangen. Und er wusste, dass er sich von nichts davon abhalten lassen durfte, dies zu sagen. Denn nur so konnte er etwas Licht in die Sache bringen. Wenigstens für sich.<br>„Mir ist etwas klar geworden“, begann er. „In dieser ganzen Star Trek Sache gibt es Regeln, die sogar Sie nicht brechen können. Und das muss Ihnen klar sein. Sie werden hiermit keinen Erfolg haben. Denn eine Star Trek Serie läuft 7 Jahre lang. Bis dahin haben wir nach ihren Angaben noch knapp 2. Außerdem gewinnen die Hauptdarsteller immer. Also...“ Lewinski griff in seine Tasche, holte den kleinen Handphaser heraus und zielte damit auf Ian. „...Sie werden damit nicht durchkommen.“<br>Ian lachte auf. „Ich weiß was Sie jetzt denken. Sie glauben meiner Geschichte. Und wenn Sie stimmt, dann haben Sie Recht, dann gewinnen Sie. Aber was, wenn Sie falsch liegen? Was wenn ich doch nur ein Q bin, der sich einen Spaß darauf macht Sie zu verarschen? Oder wenn ich einige wichtige Details vergessen oder Ihnen verschwiegen habe? Meinen Sie denn etwa im Ernst, dass Sie mich damit verletzen können? Ich mache die Regeln. Egal wie.“<br>Lewinski schwieg und dachte über diese Worte nach.<br>„John, was ist, wenn Sie verlieren?“<br>„Verlieren?“, fragte Lewinski verwirrt. „Wie sollte ich verlieren können? In meiner jetzigen Position?“<br>„Ich weiß, dass Sie verlieren werden. Das sollten Sie nie vergessen. Alles was Sie tun wird durch mich vorbestimmt. Ihr ganzes Leben liegt vor mir. Sowohl die Zukunft als auch die Vergangenheit.“<br>Lewinski nickte. Damit hatte er gerechnet. Das hatte er sich erhofft. „Sie haben meinen Zukunft schon geplant?  Dann wird dies ja unmöglich sein...“<br>In einer unglaublich schnellen Handbewegung richtete er den Phaser auf sich selbst und drückte ab. Während keiner Sekunde regte sich auch nur ein Zweifel an seiner Tat. Und als er schließlich abdrückte empfand er nichts. Keinen Schmerz, keine Freude, nichts.<br>Er war plötzlich von weißem, gleißenden Licht umgeben. Er nahm nichts anders wahr. Nur zögernd vernahm er eine Stimme. Eine wirklich wütende Stimme. Zudem zeichnete sich langsam Ians Gesicht in dem weißen Schleier ab.<br>„Verdammt noch mal, was haben Sie getan?“, fragte er.<br>„Ich habe beschlossen, nicht mehr mitzuspielen“, antwortete John.<br>Ian kochte vor Wut. Sogar ein Blinder mit Krückstock hätte dies gesehen. „Fuck!“, schrie er laut, drehte sich um und riss die Helligkeit mit sich. Was übrig blieb, war ein kleines Zimmer.<br>Lewinski sah sich um. Er erkannte nicht viel. Vor ihm befand sich ein Schreibtisch. Unzählige Sachen befanden sich auf ihm: Schreibutensilien, einige elektronische Dinge, die er noch nie in seinem Leben gesehen hatte. Für seinen Geschmack herrscht darauf ein zu großes Durcheinander um an ihm arbeiten zu können, doch jeder sollte nach seiner Fasson glücklich werden. Ebenso befand sich dort ein altmodischer Bildschirm, der noch über eine Bildröhre Daten ausgab. Und der helle Schein dieses Bildschirms war das einzige, das den Raum erhellte.<br>Was sich aber zusätzlich in diesem Raum befand war viel interessanter. Auf dem Bett, das sich hinter dem Schreibtisch befand, lag eine Bettdecke auf der die Voyager abgebildet war. An den Wänden hingen verschiedene Poster. Neben denen eines ihm unbekannten Menschen namens Michael Schumacher sah er auf den anderen des Öfteren das Wort Star Trek. Zudem Motive von der Enterprise (verschiedenster Modelle), den Borg, der Crew von DS9, von Archers Enterprise, sowie der Voyager. Auch wenn es ihm merkwürdig vorkam, Torres ohne Stirnwülste und Tuvok ohne spitze Ohren zu sehen. Hinter ihm, eigentlich überall, fand er weiteres. Modell von verschiedenen Schiffen oder Personen, Bücher, Videos und einen Kalender, alle mit demselben Thema: Star Trek.<br>„Captain.“<br>Lewinski drehte sich zur Tür um und verließ den Raum. Nur wenige Schritte später stand er im Esszimmer. Ian saß dort schon am Tisch und wartete auf ihn. Er sah wieder aus wie zu beginn, bevor Doktor Frasier ihn von allen „Beschwerden“ des 20. Jahrhunderts befreit hatte.<br>„Ich nehme an, das ist ihr zuhause.“<br>Ian nickte. „So ist es, setzen Sie sich doch“, bot er an und Lewinski ließ sich nicht zweimal bitten, sondern setzte sich. An den Wänden hingen Fotos. Auf manchen war Ian zusehen, auf den anderen der Rest der Familie. Durch die Fenster sah er ein Stück der Stadt, in der Ian wohnte. Hinter den Bergen sah er die Sonne untergehen. Ein prachtvolles Abendrot war die Folge.<br>„Kann ich Ihnen etwas anbieten? Einen Kaffee vielleicht? Leider haben wir noch keinen Raktajino im Angebot.“<br>„Danke, nein. Allein wenn Sie mir die Frage beantworten, was ich hier mache.“<br>„Captain, ich denke, Sie wissen es schon. Sie sind nicht hier. Auch ich bin es nicht. Ich sitze gerade in meinem Zimmer an meinem Computer und schreibe die Worte nieder, die wir hier wechseln...“<br>„... so wie die Ereignisse auf der Monitor.“<br>„So ist es Captain.“<br>„Doch wieso das ganze? Es gibt doch für Sie sicher bessere Wege, sich in Ihren Traum zu begeben.“<br>„Gut dass Sie die Frage stellen. Ich weiß es nicht“, antwortete er.<br>Lewinski sah ihm in die Augen. „Nicht ich habe diese Frage gestellt. Sie haben Sie sich selbst gestellt. Ich habe Sie ausgesprochen, in gewisser Weise.“<br>„Dann brauche ich ja nicht zu antworten.“<br>„Alles in ihrem Traum war in Ordnung. Bis ich Sie auf folgendes hingewiesen habe: Sie müssen sich den Regeln der Föderation unterordnen. Sie könnten nicht einfach auf der Monitor verweilen oder gar ein eigenes Shuttle haben.“ Lewinski atmete durch. „Sie träumen nicht vor der Zukunft. Sie haben Angst vor ihr...“<br>„...vor dem Unentdeckten Land.“<br>„Weil Sie nicht wissen, was Sie erwartet. Sie fürchten sich davor die falschen Entscheidungen zu treffen.“<br>„Sie müssen wissen Captain, ich leide unter Prüfungsangst. Auch wenn ich wusste, dass ich nicht durchfallen werde, war ich das reinste Nervenbündel vor jeder meiner Prüfungen. Im Moment wird mein ganzes Leben geprüft und in die Wege geleitet. Verstehen Sie meine Ängste? Star Trek hat mir immer durch diese Ängste geholfen. Star Trek stand immer für eine hoffnungsvolle Zukunft“, sagte Ian. „Egal, was man tat, alles wurde gut. Doch wir leben nicht in der Star Trek Welt. Dieses Mal sind meine Ängste so groß, dass nicht einmal die Flucht in diese Welt half. Wie kann ich hier und jetzt wissen, dass alles gut wird?“<br>„Nun“ antwortete Lewinski. „Es ist natürlich gut zu wissen, dass in meiner Welt alles gut wird, aber auch wir haben Tiefschläge. Niemand kann Ihnen versprechen, dass alles gut geht.“<br>„Sie sind mir nicht gerade ein Trost. Ich wusste, ich hätte mit jemand anderem darüber sprechen sollen. Vielleicht Data oder McMor.“<br>„Auch wenn McMor Ihre eigene Kreation ist und egal, was ich von ihm halte, hätte er Ihnen auch nichts anderes sagen können. Wir sind alle nur Geschöpfe ihres Geistes.“ Lewinski zog seine Uniform zu Recht und lehnte sich zurück. „Sie wohnen schön hier. Ich hatte schon fast vergessen, wie es ist, bei Standardgravitation zu leben.“<br>„Ich danke Ihnen Captain. Auch wenn Sie meinem Traum ein jähes Ende gesetzt haben und mir nicht wirklich helfen konnten.“<br>„Jeder muss für sich selbst erwachsen werden. Sie haben hier sogar einen Vorteil gegenüber einem Leben im 24. Jahrhundert. Sie haben hier Freunde und eine Familie, mit der Sie diese Zeit teilen können. Sie haben eines der größten Auffangnetze, wie ich es nun mal ausdrücken will. Fürchten Sie sich nicht vor der Zukunft oder davor zu versagen. Denn das macht nicht aus, wer Sie sind. Sondern nur, wie Sie damit umgehen.“<br>Ian lächelte gekünstelt. „Setzen Sie mich nicht auch noch unter einen so hohen Erwartungsdruck. Ich weiß nicht, ob ich dem standhalten kann.“<br>„Ich erwarte gar nichts. Sie sind es selbst, der zu hohe Erwartungen an sich stellt. Träumen Sie. Aber lassen Sie Ihre Träume nicht zu Albträumen heranwachsen. Dann werden Sie es schaffen. Davon bin ich überzeugt. Wenn jemand in der Lage ist, eine Welt wie die unsere am Leben zu erhalten, kann er auch in einer anderen Leben. Haben Sie keine Angst.“<br>„Ich werde mein Bestes geben Captain.“<br>„Das weiß ich.“<br>„Danke Captain“, raunte Ian.<br>„Ich habe da nur noch eine kleine Frage“, sagte Lewinski, dessen Tonfall sich nun um 180 Grad drehte und die etwas unbehagliche und ungewohnt Mentor/Schüler Stimmung vertrieb.<br>„Die da wäre?“<br>„Nun, es ist eher eine philosophische Frage. Was ist Realität? Bin ich es? Sind Sie es? Ist es das hier? Ist es die Monitor?“<br>„Wie alles im Leben kommt es auf den Blickwinkel an...“<br>„...und auf die Definition von Realität“, vollendete Lewinski.<br>„Wenn Sie Realität mit einem Puls verbinden, dann sind weder Sie noch ich am Leben. Wenn Sie Realität aber mit Erfahrung verbinden, dann sind Sie es der real ist. Denn ich bin nur ein blasser Schatten der Person, die im Moment dies schreibt“, erklärte Ian. „Alles war wir gemeinsam haben ist nicht viel mehr als die körperliche Hülle.“<br>„Was uns wieder zu der Frage führt: wie viel hiervon ist Realität?“, fasste Lewinski zusammen.<br>„Sie kennen die Antwort Captain“, forderte Ian heraus.<br>„Dies alles hier ist... Reine Fiktion.“<br>„Inklusive Ihnen und mir.“<br>Lewinski nickte stumm. „Dann ist hier wohl nun der Zeitpunkt für mich gekommen, zu gehen“, sagte er und stand auf. Als bereite er sich aufs beamen vor.<br>„Ich bringe Sie noch zur Tür.“ Ian stand ebenso auf und begleitete Lewinski zur Wohnungstür. Er öffnete sie und Lewinski trat hinaus.<br>„Leben Sie wohl Ian.“<br>„Leben auch Sie wohl Captain. Ich werde meinen Teil dazu beitragen.“<br>Lewinski nickte und näherte sich der Treppe. Auch wenn er nicht wusste, wohin er gehen sollte. <br>„Noch etwas Captain. Ein Versprechen. Sie werden all dies zwar vergessen, aber ich möchte Ihnen trotzdem ein Versprechen geben.“<br>„Welches?“, fragte der Captain neugierig.<br>„Ich verspreche Ihnen, dass Sie sich verabschieden können.“<br>Lewinski sah ihn verwirrt an und runzelte die Stirn. Doch Ian lächelte nur. „Beamen Sie ihn hoch Scotty.“<br>Lewinski verschwand. Er schien im letzten Moment verstanden zu haben. Zum Glück. Ian schloss die Tür nicht. Er vollendete einfach die folgenden Zusammenhänge. Er speicherte die Geschichte, die so viel über sein Leben verriet, ging aus seinem Zimmer hinaus ins Esszimmer und aß mit seinen Familie zu Abend.<br>Doch seine Gedanken waren bei den Sternen, die irgendwo über ihm funkelten.<br>Denn eine Frage hatte sich auch ihm gestellt. Was war Realität? Denn wenn die Personen Realität waren, um die er sich am meisten kümmerte, mit denen er sich am meisten auseinander setzte, dann war die Crew der Monitor definitiv Realität. Denn nichts sonst beschäftigte ihn mehr als das Schicksal dieser Hand voll Menschen.<br>Und er fragte sich die ganze Zeit, was er davon halten sollte. Ohne auf diese Frage eine Antwort zu finden.<br><br>Matthew Price gab sich einfach mit diesem Gefühl zufrieden. Schon lange hatte er sich nach einem solchen Zustand gesehnt. Sich einfach mit etwas zufrieden zu geben. Er wusste nicht, wie es bei der Frau aussah, die er an der Hand hielt. Doch für ihn reichte allein diese Berührung aus. Auch wenn er, kraft seiner angeborenen Fähigkeiten, natürlich mehr spürte. Allein die alleinige Fokussierung auf seine Partnerin löste in seinem Körper eine größere Flut an Emotionen aus, als er in der Lage war zu beschreiben.<br>	Aus diesem Grund war es auch so schwierig einem Menschen das Band der Imzadi zu beschreiben. Doch dies war ihm egal. Er erfreute sich an dem, was er hatte. Wie erwähnt begnügte er sich einfach damit. Und er musste zum ersten Mal in seinem Leben erstaunt feststellen, dass ihn das voll und ganz ausfüllte und er ewig so weiterleben könnte.<br>	„Wie wär’s mit Urlaub über den Jahreswechsel. Meine Kusine hat ein schönes Haus in den Alpen“, schlug Elizabeth Frasier plötzlich vor. Sie sah ihm wie beiläufig in die Augen. Was auch gut so war, denn in den Korridoren der Monitor, war kaum Platz für zwei Personen, die nebeneinander hergingen. Und sobald dann noch jemand überraschend um eine Ecke stach, war ein Zusammenstoß unvermeidlich.<br>	„Die Alpen?“, fragte Matt. „Ich kann aber nicht Ski fahren.“<br>	Frasier lächelte verschmitzt. „Wer sagt denn, dass ich zum Ski fahren da hin will?“ Sie drückte ihm einen Kuss auf die Wange und sah ihn darauf verwirrt an. „Du kannst nicht Ski fahren? Du bist auf dem Rigel groß geworden und kannst nicht Ski fahren?“ Ihre Verwirrung war berechtigt. Schließlich lag auf dem Rigel selbst in den gemäßigten Zonen 4 Monate durchweg Schnee. Und selbst dann sprachen alle von einem schlechten Winter.<br>	Mit großen Augen holte Matt Luft und versuchte ihr dies zu erklären. Immer wieder vergaß auch sie die Verhältnisse, die auf dem Rigel üblich waren. Obgleich dieser Planet schon seit Anbeginn der Sternenflotte als interstellarer Handelsplanet bekannt war, lebte der Großteil der Bevölkerung nur auf dem Minimum des Föderationsstandards.<br>	Gerade als er die ersten Worte aussprechen wollte, hielt Matt inne und legte seine Stirn in Falten. Doktor Frasier tat es ihm gleich. „Was ist mir dir?“, fragte sie besorgt.<br>	Er hob seinen Zeigefinger und überlegte. Irgendetwas stimmte nicht, das fühlte er genau. „Einen Moment“, vertröstete er sie und ging einige Schritte zurück, zu der letzten Korridorkreuzung, an der sie vorbeigeschlendert waren. Frasier lief ihm verwirrt nach.<br>	„Ist was Chief?“, fragte Price, als er erkannte, dass es O’Brien war, der die ganze Zeit an die Decke starrte.<br>	„Wissen Sie Commander, dies ist nun das 3. Schiff der Defiant Klasse, auf dem ich Dienst tue. Und obwohl alle drei desselben Bautyps entsprechen sollten, ist jedes Grundverschieden. Zum Beispiel die Decke.“ Er zeigte nach oben.<br>	Price tat ihm den Gefallen und sah ebenfalls nach oben. „Was ist mit der Decke?“<br>	„Sie ist 1,5 cm höher als auf der ersten Defiant und 1,2 cm niederer als auf der zweiten.“<br>	„Und die Erklärung dafür?“, fragte Price, mit wirklichem Interesse.<br>	„Eine andere Beleuchtung. Auf jedem Schiff wurde die Beleuchtung anders geregelt.“<br>	Price lächelte. Er spürte, dass auch Frasier zum Lachen zumute war. Nur beim Chief spürte er einen eisernen Ernst. Als sich ihre Blicke kreuzten, brachte er sich mit einem leichten Hüsteln wieder unter Kontrolle.<br>	„Nun Chief. Vielleicht sind Sie auch geschrumpft. Wir sind schließlich vor drei Tagen an einem Braunen Überriesen vorbei geflogen und nebenbei gefragt... Wie viele Kajakfahrten haben Sie inzwischen hinter sich?“<br>	O’Brien sah ihn entgeistert an. Dann nickte er resigniert. „Wie wird einem die ganze Arbeit gedankt? Nur mit Hohn und Spott.“ Doch er meinte die Worte nicht ganz ernst. Price musste seine Fähigkeiten nicht einsetzen um dies zu erkennen, sondern nur auf O’Briens schelmisch – irisches Grinsen achten.<br>	„Kommen Sie Chief, ich lade Sie auf einen Krug Ale ein.“<br>	O’Brien klopfte seinem Vorgesetzten auf die Schulter. „Da sag ich nicht nein.“ Zwar war er noch immer etwas von Matts Umgangston verwirrt, doch so langsam gewöhnte auch er sich an das informelle „Matt“, anstelle des „Sir“.<br>	Vielleicht wird dieser Job doch nicht so schlecht, dachte er sich. Vielleicht wird doch noch alles gut.<br><br>Ende<br><br><br><center><b>REINE FIKTION</b><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by CHRISTIAN GAUS<br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved. <br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES <br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!<br><br><b>Nächstes Mal:</b><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x06_promo.jpg"></center>]]></description><guid isPermaLink="false">5007</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 6x04: Icarus' Fl&#xFC;gel</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-6x04-icarus-fl%C3%BCgel-r4935/</link><description><![CDATA[<div style="text-align:justify"><p></p><center><b>PDF-Download!</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_28692.html"><img border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x04.jpg" width="340" height="475"></a><br><b><font>Monitor -6x04: Icarus' Flügel</font></b><br>0,27 MB / Zip-File</center><br><br>Der Kontakt zur Heimat gehörte auch im vierundzwanzigsten Jahrhundert zu den wichtigsten Dingen für einen Menschen. Er gab einem Kraft, machte Mut und vertröstete. Oftmals war es für viele, die ihren Dienst an Bord eines Raumschiffs versahen, die einzige Möglichkeit mit der Familie zu kommunizieren, die viele Lichtjahre entfernt war.<br>Chief Miles O´Brien war schon seit einer sehr langen Zeit bei der Sternenflotte und er pflegte die Tradition eines Telefonats intensiv. Oft waren die Gespräche nicht sehr lang, zuweilen sogar banal, dennoch waren sie für ihn und sein Seelenleben äußerst bedeutsam. Ohne sie war er manchmal nicht in der Lage den Tag zu überstehen, zumindest redete er sich dies ein. <br>Langsam wurde die Kommunikationsverbindung aufgebaut und dann, nach einer für ihn schier endlosen Zeit, erschien Keiko auf dem Bildschirm. Nach all den Jahren hatte seine Frau nichts von ihrer Schönheit eingebüsst, ganz im Gegenteil. Der irische Chefingenieur fand sie noch attraktiver als noch zu ihrer Hochzeit. Das Glück, welches sie beide erfuhren, konnte man nicht hoch genug einschätzen.<br>„Hallo Liebes“, begrüßte er sie und lächelte. <br>„Hi, Miles, “ erwiderte sie den Gruß und lächelte ebenfalls. Im Hintergrund war ihr gemeinsames Haus in San Francisco zu sehen und die beiden Kinder, die herumtollten. Ein wunderschöner Anblick.<br>„Wie geht es dir?“<br>„Nun, wir kommen hier ganz gut zurecht“, erklärte die Japanerin und warf einen flüchtigen, kontrollierenden Blick in Richtung Kinder, „heute war ein Elternabend in der Schule, wo wir die Gelegenheit hatten mit den Lehrern zu sprechen.“<br>„Und?“ fragte Miles erwartungsvoll.<br>„Kein Grund zur Beanstandung.“<br>Miles atmete erleichtert aus, nachdem er unbewusst die Luft angehalten hatte. Natürlich hatte er nicht angenommen, dass es ernsthafte Sorgen in Sachen Schule gegeben hätte, aber man konnte ja nie wissen. Vor allem seine Tochter kam langsam in ein Alter, in dem man manche Sachen, die in der Schule geschahen, vor den Eltern verheimlichten. Schade, er wäre gerne selber einmal derjenige gewesen, der zu einem Elternabend ging.<br>„Wo befindet ihr euch gerade?“ wollte Keiko O´Brien fragen, zog dies dann aber fast sofort im Anschluss zurück. „Ach ja stimmt, du darfst sicherlich nicht darüber reden.“<br>„Da hast du Recht, Liebes.“<br>So sehr es ihn auch schmerzte, nicht einmal seine Frau durfte von ihrem gegenwärtigen Aufenthaltsort erfahren.<br>„Ich werde mich wohl nie daran gewöhnen, dass du nun beim Geheimdienst bist“, seufzte sie.<br>„Es tut mir leid, Schatz. Ich vermisse dich und die Kinder über alles, doch die Sternenflotte lässt mich einfach nicht gehen.“<br>„Aber wieso? Es gibt noch andere Ingenieure als dich, die vor allem noch jünger sind. Du hast eine Familie, Miles, und einen guten Posten hier auf der Erde. Ich möchte dich wiederhaben.“<br>Frustriert blickte der Ire kurz vom Komschirm weg, dachte nach, was er ihr nur sagen konnte. Es führte einfach kein Weg an dieser Sache vorbei, auch wenn ihnen beiden dies nicht gefiel.<br>„Ich habe doch mein bestes versucht, Keiko. Selbst mit Captain Lewinski habe ich gesprochen, ohne jedweden Erfolg. Ich werde noch einige Zeit auf diesem Schiff bleiben müssen.“<br>„Wir vermissen dich“, flüsterte Keiko fast und ihr Gesicht zeigte tiefe Trauer. „Die Kinder fragen sehr oft nach dir. Du weißt, dass Yoshi bald Geburtstag hat und er würde ihn so gerne einmal mit dir gemeinsam feiern.“<br>„Es wird schon werden, bitte vertrau mir. Ich versuche mein Bestes.“<br>Seine Frau nickte und verstand. Was sollte sie auch sonst tun? Sie hatte schon so vieles mit Miles durchgemacht, auch diese Sache würde sie hinkriegen. Doch wie lange würde ihre Kraft reichen? Wie lange noch, bis sie aufgab? Miles hoffte, dass dieser Tag noch in weiter Ferne lag.<br><br>Doch nicht nur für private Korrespondenz wurden die Kommunikationsvorrichtungen benutzt. Viel wichtiger waren all die Nachrichten, die sich um den Dienst in der Sternenflotte drehten. Eine davon erhielt Captain John Lewinski gerade. Momentan befand er sich mal wieder in seinem Bereitschaftsraum, aus dem man die Andockrampe der Starbase 67 beobachten konnte, wo die Wartungsarbeiten an der Monitor endlich beendet worden waren. Sein Tischcomputer blinkte auf, als eine bestimmte Person versuchte den Kommandanten zu erreichen. Der Kanadier nahm das Gespräch entgegen und stellte zu seiner Freude fest, dass es sich um Dr. Elisabeth Frasier.<br>„Doktor“, begrüßte John seine Bordärztin und war mehr als erleichtert von ihr zu hören. „Endlich melden sie sich bei uns. Ist bei ihnen alles in Ordnung?“<br>Das Bild flackerte leicht und Schnee war zu sehen, wodurch alles etwas grobkörnig wirkte.<br>„Ja, ich bin gut hier auf Talar angekommen,“ meinte Elisabeth und wirkte fröstelnd, „bitte verzeihen sie, dass ich mich so spät melde, doch das Kommunikationsnetz ist auf Talar noch nicht ausreichend aufgebaut worden und die atmosphärischen Störungen erleichtern die Sache nicht gerade.“<br>„Ich verstehe. Wie läuft es?“<br>Kurz blickte Frasier hinter sich, meinte von jemandem gerufen worden zu sein. Dann bemerkte sie ihren Irrtum und wandte sich wieder dem Kommandanten zu.<br>„Es ist schwierig hier, Sir. Wir haben unglaublich viele Kranke zu behandeln und nicht mal ansatzweise genug Arznei hier, um jeden zu versorgen. Täglich kommt es zu Gefechten und das schlechte Wetter macht uns zu schaffen.“<br>„Tut mir leid“, gestand John ehrlich und wünschte, es gäbe irgendeine Möglichkeit die Ärztin bei ihrer noblen Aufgabe zu unterstützen. Doch leider ging dies nicht.<br>„Sie hätten mir sagen können“, erklärte Elisabeth, „dass sich Commander Sokol in diesem Lager hier aufhält.“<br>„Dann wäre das ganze doch keine Überraschung für sie gewesen. Ich habe ihn beauftragt...“<br>„... ein Auge auf mich zu werfen, ich weiß“, komplettierte die Frau den Satz für ihn. „Er hat mit mir schon darüber gesprochen. Er ist ein guter Mann, Captain, mit hohen Idealen. Doch selbst er ist nur ein Rädchen in dem Getriebe der romulanischen Bürokratie. Übrigens bat er mich ihnen etwas zu übermitteln.“<br>„Und das wäre?“<br>Interessiert beugte sich Captain Lewinski vor. Nachrichten von ihrem romulanischen Informanten waren immer interessant und mochten sich als äußerst nützlich herausstellen. Zwar war es alles andere als sicher, dass ihr Gespräch nicht abgehört wurde, doch Frasier musste diese Chance wahrnehmen. Zu wichtig war der Inhalt der Nachricht.<br>„Laut Sokol finden auf Remus seit Wochen geheime Offensiven gegen die remanische Bevölkerung und ihre Gruppen statt, die bisher geheim sind.“<br>„Dies ist mir ebenfalls neu. Nur wieso?“<br>„Wir wissen es nicht, aber Sokol bringt das Ganze in Zusammenhang mit dem Anschlag vor einem Jahr.“<br>„Sehr gewagt, finden sie nicht?“ fragte Lewinski, der alles andere als überzeugt wirkte.<br>Kurz flackerte das Bild auf, dann stabilisierte sich die Verbindung wieder.<br>„Ich würde dies nicht so abstreiten. Wenn sie etwas auf meinen Rat geben, dann schauen sie sich die Sache mal an. Aber ich bin ja nur Ärztin, ich habe von solchen Operationen keine Ahnung.“<br>„In Ordnung, ich gebe diese Nachricht an das Oberkommando weiter.“<br>„Dies ist gut.“<br>„Sonst etwas, was ich für sie tun kann?“<br>„Nein. Ich muss nun Schluss machen. Passen sie auf sich auf!“<br>„Dies wollte ich gerade zu ihnen sagen“, entgegnete Lewinski. „Passen sie auf sich auf.“<br>Damit wurde die Verbindung wieder unterbrochen. Nachdenklich lehnte sich John in seinem Sessel zurück. Diese Nachricht war in der Tat interessant und bot Anlass zu verschiedensten Spekulationen. Was wollten die Romulaner mit einer Invasion auf Remus? Und wieso wussten sie alle nichts davon? Er entschied sich dafür sofort einen Bericht an das Oberkommando zu senden.<br>Doch wie so oft in den letzten Wochen, wenn wer sich an die Arbeit machen wollte, piepte das Türsignal, ein eindeutiges Zeichen dafür, dass jemand mit ihm sprechen wollte. Lewinski rollte für einen kurzen Moment mit seinen Augen, fragte sich, ob er denn jemals noch zum Arbeiten kommen würde. Diese Einstellung änderte er jedoch schlagartig, denn immerhin war es seine Aufgabe für die Untergebenen da zu sein. Nur so würde das Schiff einwandfrei funktionieren. Er bat den Besucher herein und stellte überrascht fest, dass es sich um seinen Sicherheitschef Lieutenant Bird handelte. Dieses Mal wirkte Danny viel erholter und entspannter als bei ihren letzten Begegnungen. Es schien so, als hätte er zum ersten Mal seit langem wieder richtig schlafen und essen können. Danny sah gesund aus.<br>„Was kann ich für sie tun, Danny?“ fragte der Kommandant und legte das Padd zur Seite.<br>„Eigentlich keine große Sache, Sir. Ich wollte mich nur zum Dienst zurückmelden.“<br>Angenehm überrascht wölbte John eine Augenbraue und lächelte.<br>„Heißt es das, was ich hoffe?“<br>„In der Tat,“ entgegnete Bird und faltete seine Hände hinter dem Rücken, „in den letzten Tagen hatte ich sehr viel Zeit, um über meine gegenwärtige Situation nachzudenken und ich bin endlich ins Reine mit mir gekommen.“<br>„Ach tatsächlich?“ Captain Lewinski erhob sich aus seinem Sessel, umrundete den Schreibtisch und stellte sich vor seinen taktischen Offizier. „Ich hoffe es stimmt, was sie da sagen, denn in einer eventuellen Extremsituation kann ich mir keinen taktischen Offizier leisten, der sich seiner Sache nicht sicher ist.“<br>„In dieser Hinsicht brauchen sie keine Angst haben. Ich bin wieder der Alte, “ beschwichtigte ihn der Lieutenant und zum ersten Mal seit Tagen sah er ihn auch wieder lächeln. Anerkennend klopfte John dem jungen Mann auf die Schultern und freute sich. Wenigstens eine kleine Krise konnte ausgestanden werden.<br><br>In den Büroräumen von Universe Today, der größten Tageszeitung der Föderation, herrschte wie so oft geschäftiges Treiben. Dutzende von Journalisten der unterschiedlichsten Spezies wuselten herum, diskutierten miteinander, tauschten Berichte und Fotos aus. Hier wurde das wichtigste politische Organ der gesamten Planetenallianz produziert und jeder einzelne Mitarbeiter war sich dieses Standards bewusst. Man genoss hohes Ansehen bei den Lesern und Politikern, daher wollte man auch diesen Ruf erhalten.<br>Für Jake Sisko, den Sohn des legendären Captain Benjamin Sisko, war es ein Segen hier zu arbeiten. Sicher, für manche sah es so aus, als hätte er diese Arbeit nur aufgrund der verwandtschaftlichen Verhältnisse erhalten, doch den meisten war der wahre Grund bekannt: Jake war einfach ein guter Schriftsteller. Inzwischen gehörte er zu den wichtigsten Korrespondenten des Blatts, durch seine Reportagen während des Dominionkrieges direkt von der Front hatte er sich einiges Renommee erworben. Nun saß er junge Mann an seinem unordentlichen Schreibtisch und überarbeitete einige seiner Artikel, die in die morgige Ausgabe integriert werden sollten. Er war so sehr in seine Arbeit vertieft, dass er nicht bemerkte, wie sich Megan an seinen Tisch setzte. Megan war eine Frau in fast demselben Alter wie er selbst und zugegebenermaßen eine attraktive Erscheinung. Mit ihrem langen blonden Haaren, den blauen Augen und der schlanken Figur erfüllte sie jedes Klischee einer aufregenden Blondine. Doch für Jake war sie nie mehr als eine nette Kollegin gewesen. Wahrscheinlich war es nicht ihr Schicksal sich zu lieben.<br>„Na du!“ rüttelte Megan ihn aus seinen Studien und erst jetzt bemerkte er sie. „Scheinst ja wie so oft ziemlich in deine Arbeit vertieft zu sein.“<br>„Ja, ich bin noch nicht ganz zufrieden mit meinem Artikel über die Pressekonferenz“, erklärte der junge Mann und lächelte fast schon entschuldigend. „Manche Satzstellungen sind nicht ganz nach meinem Geschmack.“<br>„Du bist ein Perfektionist.“<br>„Dies habe ich von meinem Vater geerbt“, meinte Jake und sah kurz zu Boden. „Ich wünschte ich hätte noch mehr von ihm bekommen.“<br>„Es steckt mehr von ihm in dir, als du womöglich glaubst“, munterte sie ihn auf und verschränkte ihre Arme vor der Brust. „Ich hätte da eventuell etwas für dich.“<br>„Um was geht’s?“<br>„Einen umfassenderen Artikel, der einige Recherchen in Anspruch nehmen könnte.“<br>„Sprich nur weiter“, forderte Jake Sisko sie auf und lehnte sich weit in seinem Bürostuhl zurück. Dabei fiel ihm auf, wie hungrig er war.<br>„Dir sagt doch Dr. Dr. Arsani Parul etwas?“<br>„Wem nicht?“ stellte er die Gegenfrage.<br>„Was ist, wenn ich dir von Gerüchten erzähle, er hätte ein weiteres Kind. Einen Sohn.“<br>„Na und?“<br>Verschwörerisch beugte sich Megan zu ihm hinunter, wobei ihm ihr penetrantes Parfum auffiel. Weniger war tatsächlich manchmal mehr.<br>„Es ist unehelich.“<br>„Auch das ist... noch nichts weltbewegendes, “ blockte Jake ab, dem ganz und gar nicht gefiel, worauf dieses Gespräch vermutlich hinauslief.<br>„Das wird es aber, wenn er das Kind jahrelang verheimlicht hat. Vor sich, vor seiner Familie und der Öffentlichkeit.“<br>Jake seufzte und blickte kurz aus seinem Fenster, erblickte eine verregnete Landschaft.<br>„Ich weiß nicht ob dies die Art von Nachrichten sind, die unserem Blatt angemessen sind“, gestand er freimütig.<br>„Es wird aber wichtig, “ versuchte Megan ihn zu überzeugen, „wenn man bedenkt für was Arsani Parul bisher eingetreten ist. Ehre. Familie. Ehrlichkeit gegenüber den Bürgern, die ihn in dieses Amt gebracht haben. All diese drei Punkte hat er verletzt.“<br>„Du sprichst schon so, als wäre deine Behauptung die Wahrheit.“<br>„Du sollst das erarbeiten.“<br>„Megan, ich weiß nicht, ob dies richtig ist.“<br>„Und ob es das ist!“<br>Scheinbar schien dies wirklich eine Art Herzensangelegenheit für die schöne Frau zu sein. In  gewisser Weise konnte er sie ja verstehen, denn sie selbst hatte ihre Mutter nie kennen gelernt. Durfte man sich so beeinflussen lassen wie sie? Oder hatte am Ende er selbst Unrecht?<br>„Wie soll Parul uns vertreten, wenn er selber unehrlich ist?“ erklärte sie. „Wie kann er noch von anderen Verhandlungspartner ernst genommen werden. Du weißt ganz genau, wie man die Presse nennt: die vierte Instanz. Die Bürger der Föderation haben ein Recht darauf zu erfahren, wer in ihrem Namen spricht. Also, machst du den Artikel?“<br>Lange, sehr lange überlegte Jake. Er versuchte die Konsequenten zu erarbeiten, sich vorzustellen was er möglicherweise mit diesen Recherchen anstellen würde. An und für sich hatte Megan Recht. Diese Geschichte war brisant, so viel stand fest. Und wenn sie ein falscher in die Hände bekam, so konnte sie das Leben von Arsani Parul zerstören. War es da nicht besser, wenn er sie übernehmen würde? <br>Unter diesem Gesichtspunkten nickte Jake. Er hoffte das richtige getan zu haben.<br><br>Die Reise zu dem Kloster war für ihn der letzte Rettungsanker gewesen, die Chance auf Rettung vor dem Unheil. Nun, nach der Abreise von dem Mond, musste sich Jozarnay Woil eingestehen, dass diese Hoffnung vergebens gewesen war. Wie so vieles in der letzten Zeit war auch dieses Ziel nur ein Wunschtraum gewesen, welches er sich nicht hatte erfüllen können. Der Antosianer war nun an einem Punkt angelangt, an dem er sich endgültig aufgegeben hatte. Sein Leben lang in Trümmern und ihm fiel keine andere Möglichkeit ein, wie er es noch kitten sollte. Seinen Beruf hatte er aufgegeben, um seiner Ansicht nach etwas Schlimmeres zu verhindern. In seinen Träumen hatte er gesehen, wie er viele seiner Kameraden getötet hatte, darunter auch den Captain, und Jozarnay hatte keine andere Möglichkeit gesehen es zu verhindern, in dem er den Dienst bei der Sternenflotte beendete. Ob diese Träume, diese Halluzinationen oder gar diese kommenden Taten durch das Ketracel-White hervorgerufen wurden wusste er bis heute nicht. Hatte er möglicherweise vorschnell gehandelt? Hatte er möglicherweise seinen Traumberuf aufgrund eines dummen Alptraums aufgegeben? Dummerweise würde er wohl niemals erfahren, wie viel Wahrheit in seinen Träumen gesteckt hatte. Die Unterstützung seiner Eltern hatte er sich durch einen dummen Streit verspielt, der ihm nun völlig kindisch und dumm vorkam. Mehr als einmal in den letzten Tagen hatte sich Woil vorgenommen zu Hause anzurufen und sich zu entschuldigen, doch bisher war er nie dazu gekommen.<br>Verdammt!<br>Kam er überhaupt noch zu irgendetwas? Was war aus dem Mann geworden, für den Pflichtgefühl und Treue an erster Stelle gestanden hatten? Inzwischen war er nur noch auf der Suche nach der nächsten Dosis Ketracel-White, der einzigen Substanz, die noch sein Leben bestimmte. Freunde, Familie und Ziele besaß er nicht mehr, das einzige Ziel war nur noch der letzte Schuss. Und aus diesem Grund hatte sich Jozarnay Woil mit seinem kleinen Privatshuttle zur Targas-Raumstation begeben, einer Art interstellarer Schrottplatz im neutralen Raum. Hier, in einem Gebiet, welches von keiner politischen Macht beansprucht wurde, trafen sich die Verlierer und Versager, Tagelöhner und Söldner, um Geld zu verdienen. Bittererweise musste sich der Antosianer eingestehen, dass er nun auch zu diesem Personenkreis gehörte. Der Anflug war etwas kompliziert gewesen, denn er hatte einige Ablenkungsmanöver und Störrungen durchführen müssen. Wie es üblich für jemanden war, der vorzeitig aus dem Geheimdienst ausgetreten war, hatte man ihn die letzten Wochen über beobachtet. Doch Woil kannte die Vorgehensweise solcher Agenten und so war es ihm ein leichtes gewesen sie abzuschütteln. Es würde sie Wochen kosten, wenn überhaupt, ihn wieder zu finden und dann wäre es längst zu spät. In gewisser Weise war es gut zu wissen, dass er noch einige seiner Fähigkeiten besaß. So sicher wie er es mit seinen zittrigen Händen konnte landete er das Shuttle in einer Bucht und begab sich auf die überlaufene Promenade der Station, wo Händler ihre seltsamsten Dinge feilboten. Seine letzte Injektion hatte er sich noch vor dem gescheiterten Besuch im Kloster zugeführt und dementsprechend groß war sein Entzug. Das Zittern seiner Hände hielt schon tagelang an und auch sein Schlaf war immer unruhiger geworden. Der ehemalige Chefingenieur fühlte sich erschöpft und aufgedreht zugleich, eine widerliche Mischung. <br>Er hatte die Targas-Station nicht ohne Grund aufgesucht. Ganz gezielt suchte er eine bestimmte Kneipe heraus, setzte sich an den Tresen und bestellte sich einen Drink, an dem er jedoch kaum nippte. Er war gar nicht durstig, aber reflexartig hatte er sich das Getränk bestellt. Der Antosianer nahm einen kurzen Schluck und stellte zu seinem Entsetzen fest, dass es sich nicht um Synthehol handelte. Jedoch beruhigte dieses Original ein wenig sein Zittern und so nahm er noch einen tieferen Zug. Unruhig wandte er sich alle paar Minuten in Richtung Eingang der Bar. Jeder, der nur ein wenig Grips besaß, musste auffallen, dass er auf jemanden wartete und so kam es auch.<br>„Warten sie auf jemanden?“ fragte eine Stimme rechts von ihm und Woil schaute in die Richtung. Was er sah gefiel ihm gar nicht so schlecht, zumindest optisch. Eine menschliche Frau saß auf dem Barhocker neben ihn und musterte ihn fragend. Ihr langes, rotes Haar hatte sie zurückgebunden und sie schien eine große Person zu sein, zumindest so groß wie Jozarnay selbst. Ihre grünen Augen wirkten faszinierend auf ihn und viel zu spät bemerkte er, wie er sie anstarrte. Dann wandte der ehemalige Chief seine volle Aufmerksamkeit dem Getränk vor ihm zu.<br>„Kennen wir uns?“ fragte Jozarnay und nahm einen weiteren Schluck von seinem Getränk. Was war es überhaupt? Bier? Ale? Ein Longdrink? Eine Klassifizierung viel äußerst schwer.<br>„Nein, aber ich dachte dies könnte sich ändern“, entgegnete die menschliche Frau keck.<br>Verächtlich schnaubte der Antosianer. Dies alles kam ihm wie in einem schlechten Film vor.<br>„Wusste gar nicht, dass dies hier ein geeigneter Ort ist um jemanden aufzureißen.“<br>„Oh, so sehen sie das also!“ lachte die Frau, was äußerst attraktiv wirkte. „Ich wollte nur freundlich zu ihnen sein. Aber ich hätte mir denken können, dass ein Mann da nur die sexuelle Komponente hineininterpretiert!“<br>Kurz blickte Woil auf seinen Drink und bereute schon im Anschluss, was er gesagt hatte. Seine schlechte Laune rührte von dem Entzug her und es war nicht fair von ihm, seinen Frust an anderen auszulassen.<br>„Hören sie, ich wollte nicht grob sein“, entschuldigte sich Woil. „Ich habe nur in letzter Zeit etwas Stress, da ist es ungewohnt mal ein freundliches Wort zu erhalten.“<br>Die schöne Frau lächelte ihn an und wandte ihren Hocker wieder in seine Richtung.<br>„Kein Problem, ich kenne dies doch. Auch ich stehe unter gewissem…Stress. Ja, da haben sie wirklich das richtige Wort benutzt. Ich heiße übrigens Stella und sie?“<br>„Jozarnay“, stellte sich der ehemalige Chefingenieur vor. <br>„Nur Jozarnay?“ fragte die Frau keck.<br>„Nur Stella?“<br>„Ihr Punkt. Nein, ich heiße vollständig Stella Tanner.<br>„Jozarnay Woil“, komplettierte der Antosianer.<br>„Jozarnay Woil…ein schöner Name, wie ich finde.“<br>„Vielen Dank“, meinte Jozarnay ehrlich und zu seiner Überraschung errötete er sogar ein klein wenig. Verdammt, was war mit ihm hier los? Er war doch kein kleiner Junge mehr.<br>„Und? Was machen sie hier?“<br>Kurz dachte er darüber nach, wie viel er preisgeben konnte, doch der Alkohol und der Entzug hatten ihn schon zu sehr beschwippst. Sein Leben war eh nur noch ein Trümmerfeld, wieso also noch großartig schweigen?<br>„Ich bin geschäftlich hier. Nein, eigentlich privat. In gewisser Weise ist es beides.“<br>„Sie warten auf Kre´sak, nicht wahr?“ schockte ihn Stella mit einer zutreffenden Einschätzung. Wie konnte die davon wissen? Überrascht wölbte Jozarnay seine Augenbrauen. Seine mimische Selbstdisziplin, die er sich im Laufe der Jahre beim Geheimdienst erarbeitet hatte, war in den letzten Wochen vollkommen degeneriert.<br>„Ich weiß nicht, wovon sie sprechen.“<br>„Natürlich wissen sie das“, erklärte Stella Tanner und stützte ihren Kopf auf dem Arm ab. „Jeder weiß von Kre´sak. Wie soll man denn den einzigen vulkanischen Drogenschmuggler nicht kennen? Der Mann ist ein Unikat.“<br>Schweigend sah Jozarnay seine Gegenüber an. Was sollte er nun tun? Saß er hier in einer Falle oder was bezweckte sie mit ihren Aussagen? Verschwörerisch näherte sie sich seinem Ohr, ganz nah, so dass er ihr wohlriechendes Parfum bemerken konnte, und flüsterte:<br>„Ich warte auch auf ihn.“<br>Wieder musterte Jozarnay sie schweigend, versuchte herausfinden, ob sie ihn neckte oder die Wahrheit sagte. Doch er war nicht in der Lage irgendetwas aus ihrem Gesicht herauszulesen.<br>„Auch ich warte auf eine Lieferung von ihm“, gestand Stella, nachdem sie merkte, dass Jozarnay immer noch schwieg. „Ich würde gerne etwas von ihm kaufen und ich denke bei ihnen steht´s nicht anders, Jozarnay.“<br>„Da haben sie recht“, bestätigte der Antosianer und zu seiner Überraschung hörte er sich <br>sagen: „Was halten sie davon, wenn wir gemeinsam hier auf ihn warten?“<br>„Gerne“, lächelte Stella ihn an und bestellte ihnen neue Getränke.<br><br>„Captain auf der Brücke.“<br>Der rangniedrigste Dienstgrad verkündete dieses Ereignis protokollgerecht und John Lewinski lächelte. Traditionell wurde dies beim Auslaufen des Schiffs gemeldet, wenn der Kommandant seinen Platz einnahm und dies war ein gutes Zeichen. Endlich würde die Monitor wieder in geheimer Mission unterwegs sein und dies fühlte sich gut an. Es schien ihm eine Ewigkeit her zu sein, seitdem er das letzte Mal in dem Sessel des Captains gesessen hatte, dementsprechend fühlte es sich gut an. Er und die Crew waren endlich wieder in seinem Element.<br>„Lieutenant Ardev, öffnen sie einen internen Komkanal“, befahl Lewinski seinem Einsatzoffizier und der Andorianer tat wie ihm befohlen. Auch ihm war deutlich anzusehen, dass er froh war endlich wieder im All aktiv werden zu können.<br>„Kanal offen, Captain“, verkündete er nach einigen wenigen, geübten Griffen.<br>„Besatzung der USS Monitor, hier spricht der Captain, “ begrüßte Lewinski seine Untergebenen mit fester und sicherer Stimme. „Gestern habe ich eine dringliche Meldung an Admiral LaToya gesendet mit der Bitte um Absegnung einer höchst geheimen Mission. Zu meiner großen Freude ist diese gebilligt worden und wie sie alle bemerkt haben dürften laufen wir schon aus. Nach Berichten unserer romulanischen Quellen finden seit Wochen, parallel mit dem Ende des talarianischen Krieges, Offensiven der romulanischen Streitkräfte gegen remanische Gruppen auf ihrer Heimatwelt Remus statt. Diese Berichte sind uns neu und Anlass zu großer Sorge. Die Romulaner haben diese Aktionen gut vor uns abgeschirmt, dementsprechend muss es einen Grund dafür geben. Die Operation Icarus´ Flügel wird zum Ziel haben getarnt das romulanische Heimatsystem zu infiltrieren und uns selbst ein Bild von der Lage auf Remus zu machen. Niemand von ihnen sollte diese Mission auf die leichte Schulter nehmen. Wir alle müssen unser bestes geben, um diese risikoreiche Aufgabe zu vollenden. Seit über einem Jahr hat kein Schiff der Föderation, geschweige denn der Multiplanetaren Allianz einen Fuß in das romulanische Heimatsystem gesetzt und die Romulaner sind sehr daran interessiert, dass es dabei bleibt. Ich bin zuversichtlich, dass wir alle heil nach Hause kommen werden. Weitermachen!“<br>Damit wurde der interne Kanal wieder geschlossen und mit ruhiger Professionalität machte sich die gesamte Brückencrew an ihre Aufgaben.<br>„Tarnen sie das Schiff“, befahl Captain Lewinski, nachdem sein Steuermann sicher die Monitor aus dem Dock von Starbase 67 manövriert hatte. Lieutenant Bird, endlich wieder genesen, aktivierte die Tarnvorrichtung des Schiffes und sogleich wurde die Brücke in dunkelblaues Licht getaucht.<br>„Tarnvorrichtung arbeitet bei 100 Prozent Effizienz“, meldete Chief O´Brien und behielt die Anzeigen weiter im Auge. <br>„Gut“, meinte Lewinski und atmete tief durch. „Wenn wir dies hier heil überstehen wollen, dann muss das Gerät einwandfrei funktionieren. Das Gerät ist romulanischer Bauart und dazu noch veraltet, ergo wissen die Romulaner wonach sie suchen müssen. Ardev, sie ihre Frau und der Chief werden sich zusammensetzen und einen Weg austüfteln, wie wir ungesehen durch die ganzen Ortungsgitter kommen können. Dies ist eine Aufgabe höchster Priorität. Nehmen sie sich soviel Hilfe wie sie brauchen!“<br>Die Angesprochenen nickten und begannen damit ihre Arbeitsstationen zu vernetzen.<br>„Danny, dies hier ist eine scharfe Mission“, erklärte der Kanadier, „daher sollen Handwaffen an alle Besatzungsmitglieder ausgeteilt werden. Nur…“<br>„… für den Fall der Fälle, ich weiß“, beendete Bird den begonnen Satz und erhob sich sofort, um sich auf den Weg zur Waffenkammer zu machen.<br>John nickte zufrieden. Seine Crew funktionierte wie ein gut geöltes Uhrwerk. Was sollte da noch schief gehen?<br>Commander Matt Price drehte sich auf seinem Stuhl an der Conn in seine Richtung und beugte sich vor.<br>„Skipper, darf ich noch schnell eine private Kommunikation loswerden?“<br>„Wir müssen bald absolute Funkstille einhalten“, ermahnte er seinen Stellvertreter.<br>„Es dauert auch nicht lange, Chef! Bevor wir den Föderationsraum verlassen haben sitze ich wieder hier auf dem Posten.“<br>Lewinski musterte den Halbbetazoiden und konnte sich denken, worum es ging. Das Leben des Commanders war in letzter Zeit ziemlich durcheinander gewirbelt worden und in gewisser Hinsicht bemitleidete er ihn.<br>„Na gut, “ willigte er ein, „aber schnell. Gehen sie in meinen Bereitschaftsraum, dessen Komeinrichtungen sind noch einmal zusätzlich verschlüsselt.“<br>Price musterte ihn überrascht, aber glücklich und schien dann förmlich von seiner Station aufzuspringen. Geschwinden Schrittes begab er sich den Raum, der für ein Jahr lang mal seine Arbeitsdomäne gewesen war. Damals, als er noch Captain war und das Kommando über die Monitor inne gehabt hatte. Er setzte sich an den Schreibtisch, drehte das Terminal in seine Richtung und wies den Computer auf eine ganz bestimmte Verbindung herzustellen. Reflexartig legte Matt einen Fuß auf dem Schreibtisch ab, machte dies jedoch schnell wieder rückgängig, als ihm klar wurde wie unhöflich dies für die angerufene Person aussehen musste.<br>Es dauerte eine Ewigkeit, bis die Verbindung aufgebaut worden war, dann endlich erschien Commander Selina Kyle, der erste Offizier des Raumschiffs Community, auf dem Sichtschirm. Seine ehemalige Imzadi.  Jedes Mal, wenn sie sich sahen, überraschte sie Price mit ihrer Schönheit. Scheinbar schien sie wie er selbst in einem Bereitschaftsraum zu sitzen, was nichts Ungewöhnliches aufgrund der Zeit seines Anrufs war.<br>„Hi“, begrüßte er sie schüchtern und versuchte nicht sein Herz in die Hose sacken zu lassen.<br>„Was willst du?“ entgegnete sie barsch und schien ihre Probleme noch längst nicht vergessen zu haben.<br>„Ich wollte mich einmal nach dir erkundigen und wie es dem Kind so geht. Immerhin ist es ja auch meine Tochter, “ erklärte Matt stotternd und wusste schon im nächsten Moment, dass er das Thema völlig falsch anging.<br>„Yasmin geht es gut, danke der Nachfrage…“ erwiderte die Angesprochene immer noch kühl und schien Anstalten zu machen das Gespräch so schnell wie möglich zu beenden. „Wieso rufst du zu dieser Zeit an, Matt?“<br>„Wir brechen gerade zu einer gefährlichen Mission auf und ich habe nicht viel Zeit, dennoch wollte ich mit dir über einige Dinge der letzten Monate sprechen.“<br>„Ach ja?“<br>„Zum Beispiel wieso ich die letzten Wochen nicht zu sprechen war“, meinte Price. Immer mutloser wirkte er. Was hatte er sich nur dabei gedacht? Hatte er wirklich angenommen jetzt auf die Schnelle die Probleme lösen zu können.<br>„Matt, ich bin nicht interessiert an deinen halbgaren Ausreden. Geh zurück zu deiner Ärztin, verbring mit ihr die Zeit und sei glücklich.“<br>Die Worte Selinas zeugten von Bitterkeit und Trauer. Es war mehr als offensichtlich, dass sie den Verlust ihres Lieben immer noch nicht richtig verarbeitet hatte. Auch sie liebte ihn noch, dies wusste Price jedes Mal, wenn sie sich sahen. Dennoch war sie dabei den Trennen-Knopf zu betätigen und Matt musste sie daran hindern.<br>„Ich habe meinen Vater getroffen!“ rief Matt aus.<br>Daraufhin blinzelte die Frau, fragte sich unwillkürlich, ob sie sich verhört hätte.<br>„Deinen Vater?“ fragte sie noch einmal nach.<br>„Ja, meinen Vater. Man mag es kaum glauben, aber ich habe ihn kennen gelernt. Dies ist der Grund, wieso ich mich nicht gemeldet hatte.“<br>„Und… wer ist es? Wie ist er so?“<br>„Ich kann nicht mehr dazu sagen, da ich die Verbindung gleich beenden muss. Ich würde aber gerne mit dir darüber reden, damit du verstehst! Ich rufe dich an!“<br>Und damit beendete Price die Verbindung. Viel zu abrupt, doch was sollte er auch anderes tun? Er wurde gebraucht. Sowohl auf dem Schiff wie auch von seiner Tochter. Doch welche Frau brauchte ihn? <br><br>Müde und geschafft zog Dr. Frasier die Plastikhandschuhe aus, mit denen sie eben noch eine komplizierte Operation durchgeführt hatte, und verließ erschöpft das improvisierte Operationszelt. Der Hauch des Todes wehte unbarmherzig durchs Lager und griff ihre Haut immer mehr an. Ihr ganzer Körper war voller Beulen, Rötungen, sie fühlte sich schmutzig und wollte nichts sehnlicher als wieder einmal in richtigem Wasser zu baden. Hier wurde Medizin auf dem niedrigsten möglichen Niveau praktiziert, so viel stand fest. Die letzten vier Stunden hatte sie mit ihrer Freundin Ixa damit verbracht ein abgetrenntes Bein wieder an eine schwer leidende Frau zu befestigen. Dazu hatte man unbedingt wieder ihr eigenes finden und annähen müssen, denn es gab absolut keine Möglichkeit Prothesen am romulanischen Zoll vorbeizuführen. Zu sehr fürchteten die Besatzer aus den Bestandteilen dieser Dinge könnten Waffen gefertigt werden, die die Rebellen für den Krieg nutzen konnten. Vollmundig hatten die Romulaner vor einem knappen halben Jahr das Ende der Kampfhandlungen verkündet, doch die Realität sah ganz anders aus. Die Talarianer, technologisch weit unterlegen und militärisch dezimiert, waren nicht bereit einen Meter Boden ohne Gefecht abzugeben. Talar war zu einer Hölle geworden, einem interstellaren Mahnmal gegen den Krieg. Wie viele würden noch sterben, bis hier wieder Frieden einkehren würde? Allein der Aufbau dieser Welt würde Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte dauern. Die Bevölkerung hatte nichts anderes mehr als den Kampf, an den sie sich klammern konnte. Die Romulaner an allen möglichen empfindsamen Stellen zu treffen war das einzige, was sie derzeit tun konnten und so bombten, schossen, töteten sie wie verrückt. Verschiedenste Widerstandsgruppen agierten unabhängig voneinander und machten es den Romulanern schwer effektiv sie verfolgen zu können. Daher beschlossen sie sich auf Vergeltungsaktionen, die doch nur noch mehr Rebellen rekrutierten. Je mehr Dörfer und Städte sie im Zuge von Vergeltungsaktionen vernichteten, desto mehr Talarianer nahmen selber den bewaffneten Kampf auf. Inzwischen schreckten die Überlebenden nicht einmal mehr vor Selbstmordattentaten zurück, in dem sie ihre eigenen Körper als lebende Bomben missbrauchten und so militärisches Gerät vernichteten. Wie verzweifelt, fragte sich Frasier, musste man sein, um sein eigenes Leben so wegzuwerfen? Besaßen die Talarianer überhaupt noch eigenes Leben?<br>Müde blickte Elisabeth in den ständigen Nachthimmel von Talar, aus dem langsam Schnee rieselte. Vermutlich war derzeit Tag, denn die Wolken ließen einige wenige Sonnenstrahlen hindurch, wodurch das ganze Szenario bei viel Phantasie als „bewölkt“ zu bezeichnen war. Bei Nacht war es pechschwarz und dunkel. Wie sollte sich die Welt jemals wieder erholen können? Knirschender Schnee kündete von einer zweiten Person, die sich neben sie gesellte. Es handelte sich um Dr. Ixa, ihre denobulanische Kollegin. Auch sie sah nicht minder besser aus, jedoch versuchte sie getreu dem Credo ihrer Spezies die ganze Situation mit Humor zu sehen.<br>„Endlich geschafft“, meinte sie und zog ebenfalls ihre Handschuhe aus, warf sie in einen Müllbehälter.<br>„Ich zweifle ernsthaft daran, dass sie es schaffen wird“, brummte Elisabeth und <br>fröstelte. „Die Verletzungen sind schwer und das Bein war schon zu lange amputiert. Vielleicht hat sie noch eine fünfzigprozentige Chance, nicht mehr.“<br>„Was zählt ist, dass sie noch eine Chance hat!“ munterte Ixa sie auf und legte freundschaftlich einen Arm um sie, der Wärme spendete.<br>„Ich frage mich, wo mein Enthusiasmus bei dieser Aufgabe geblieben ist“, gab die Bordärztin der Monitor freimütig zu. „Als ich mich für diese Sache hier gemeldet hatte habe ich so viel verändern wollen. Nun kommt es mir vor wie ein Tropfen auf dem heißen Stein, mehr nicht.“<br>„Hey, das darfst du nicht sagen! Denk an all die Kinder, denen wir heute Medikamente verabreicht haben. Sie werden dank dieser Impfungen überleben. Allein heute haben wir damit hundert Talarianer gerettet. Das ist mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein, Elisabeth. Es gibt den Talarianern eine Zukunft.“<br>Die Ärztin nickte angesichts dieser Worte und versuchte die positiven Dinge an der Mission zu sehen. Es dauerte einige Zeit, doch dann konnte sie wieder frohen Mut schöpfen. Es würde weiter gehen, so viel stand fest!<br><br>Die Spannung und Energie auf der Brücke der Monitor war deutlich zu spüren. Den einzelnen Crewmitgliedern war es deutlich anzumerken, dass sie sich in ihren Rollen pudelwohl fühlten. Endlich wieder aktiv werden, endlich wieder seiner Aufgabe nachgehen, dies belebte sie alle. Captain Lewinski stand mit seinen Offizieren an der Station von Ardev und schaute sich die Diagramme an, die ihm dort angezeigt wurden.<br>„Was ich da sehe gefällt mir schon einmal ganz gut“, lobte John. „Und sie sind sich alle sicher, dass wir mit diesen Spezifikationen durch die romulanische Flotte durchdringen können?“<br>„Ja, dies denken wir“, erklärte Lieutenant Ardev und deutete mit seinem blauen Finger auf einige Berechnungen. „Auf unserem Weg nach Romulus müssen wir vier Ortungsgitter passieren, alle anderen können wir umgehen. Diese vier passieren wir nacheinander und nach jedem ändern wir einige Variablen in den Signaturen, wodurch niemand unsere Flugbahn nachempfinden könnte. Wir versuchen dabei einige romulanische Schiffe zu imitieren, die wir in unseren Datenbanken haben und die aktuell genug sind, um anerkannt zu werden.“<br>„Ich verlasse mich auf sie alle“, mahnte Captain Lewinski und klopfte Bird auf die Schulter.<br>„Sind die taktischen Stationen alle bereit?“<br>„Wie sie an sich selber bemerkt haben dürfen, “ erklärte der Lieutenant grinsend, „tragen wir nun alle einen geladenen Phaser. Des Weiteren sind alle Torpedorampen voll funktionsfähig und die Phaserbanken warten nur auf ihren Befehl aufgeladen zu werden!“<br>„Was wir jedoch nur um unbedingten Notfall tun sollten“, gab Arena Tellom zu bedenken, „denn dies könnte uns verraten.“<br>„Wenn wir hier alle so gut weiterarbeiten denke ich nicht, dass wir auf ernsthafte Probleme stoßen werden“, erklärte Captain Lewinski zuversichtlich und atmete tief durch, bevor er eine Kommunikationsverbindung zu seinem Chefingenieur öffnete.<br>„O´Brien hier!“ meldete sich der Ire.<br>„Chief, wie steht es um unsere Tarnvorrichtung?“<br>Der Chefingenieur sah sich einmal in dem kleinen Maschinenraum um, blickte dann zu einem ganz bestimmten Techniker, der ihm zunickte. Ein gutes Zeichen.<br>„Immer noch bei 100 Prozent Effizienz, Sir.“<br>„Das ist nicht gut genug, “ scherzte der Kanadier, „im Notfall brauchen wir 110 Prozent!“<br>„Die kriegen sie von mir, das verspreche ich ihnen“, entgegnete Miles O´Brien und musste ebenfalls lachen. Wieso wusste er selbst nicht, aber diese entspannte Atmosphäre tat ihm gut.<br>„Gut. Ach ja, Chief, sie wollten doch noch einmal mit mir über gewisse private Dinge sprechen!“<br>„Private Dinge?“ entgegnete Miles überrascht.<br>„Haben sie mich deswegen nicht vor einiger Zeit angesprochen?“<br>„Ach die!“ fiel es dem Iren wieder ein, „dies hat sich erledigt, Sir!“<br>John wunderte sich zwar, aber er war nicht der Typ, der anderen Leuten ins Privatleben einredete.<br>„Wie sie meinen.“ fand der Kommandant, „Hauptsache sie sind voll bei der Sache.“<br>„Und wie ich das bin!“ bestätigte ihn O´Brien und beendete die Verbindung.<br>Zufrieden setzte sich John Lewinski in seinen Stuhl, der naturgemäß in der Mitte der Brücke stand und beobachtete den Warpflug auf dem Wandschirm. Remus rückte immer näher und damit vielleicht ein wichtiges Mosaik, um eine bedeutende Frage nach dem Ursprung des Krieges zu beantworten. Bald würde es soweit sein.<br><br>Unsanft schreckte Jozarnay aus dem Schlaf hoch und schnappte nach Luft. Keuchend fuhr er sich durch das Haar, wobei er sich immer noch nicht daran gewöhnt hatte, dass er nun keinen Pferdeschwanz mehr trug. Dann sah er an sich herunter und bemerkte seinen blanken Oberkörper, der Rest verhüllt von einer Decke. Nach und nach wurde ihm klar, dass er sich in einer liegenden Position befand und nach einigen Sekunden der Orientierung stellte der Antosianer fest, dass er sich in einem Bett befand. Einem großen Bett, in dem noch eine zweite Person neben ihm lag. Verschlafen wandte er seinen Blick in die Richtung dieser Person und war einmal mehr von ihrer Schönheit verblüfft. Stella Tanner schlief dort, eingemümmelt in eine Decke und genauso nackt wie er selbst. Stetig kehrten langsam die Erinnerungen daran zurück, wie der Abend noch verlaufen war. Er hatte gemeinsam mit ihr noch lange in der Bar gesessen und auf den Händler gewartet, der doch nicht gekommen war. Doch Jozarnay hatte dies nichts ausgemacht. Obwohl er immer noch deutlich die Entzugserscheinungen mitbekommen hatte war der Abend mehr als schön verlaufen. Gemeinsam hatten sie über Gott und die Welt gesprochen, wobei es für ihn erstaunlich gewesen war, wie ernsthaft man sich mit Stella unterhalten konnte. Dann wiederum besaß sie einen wunderbaren Humor, den der Antosianer schon lange nicht mehr erlebt hatte. Ob es nur am Alkohol gelegen hatte oder nicht, dies wusste Jozarnay nicht, doch sie schienen gemeinsam den Weg ins Bett gefunden zu haben. Noch einmal betrachtete er ihr schönes Gesicht, ihr wundervolles Haar und ihm fiel auf, dass er nichts bereute. Es war der krönende Abschluss für einen wundervollen Abend gewesen.<br>Abschluss? Musste es denn genau das sein? Zum ersten Mal seit Larla hatte Jozarnay wieder eine Frau kennen gelernt, die ihn interessierte. Mit der er über viele Dinge, auch private, gesprochen hatte und zu der er sich zugehörig fühlte. Natürlich durfte man nichts überstürzen, aber irgendwie hatte der ehemalige Chefingenieur das Gefühl, dass hier etwas Ernsthaftes beginnen konnte. Schließlich richtete sich Jozarnay auf und taumelte zu dem Bad, welches nur ein paar Schritte entfernt war. Offenbar befand er sich in Stellas provisorischer Unterkunft, einem schäbigen Hotelzimmer, welches nur aus den nötigsten Dingen bestand. Alles war aus Metall, wirkte dadurch kalt und abweisend, dennoch fühlte sich Woil hier geborgen. Er klatschte sich frisches Wasser ins Gesicht und betrachtete sein Spiegelbild. Er sah gut aus, besser als man es von einem Mann in seiner Situation erwartete. Zum ersten Mal seit langem lächelte ihn sein Spiegelbild sogar an. Lag dies alles nur an dieser Frau. Scheinbar hatte sie es verstanden die Lebensenergie in dem Antosianer zu wecken.<br>„Hi“, erklang ihre Stimme hinter ihm und mittels des Spiegels konnte er sehen, dass sie sich ebenfalls aufgerichtet hatte.<br>„Es tut mir leid“, entschuldigte sich der Antosianer, „ich wollte dich nicht wecken.“<br>„Dies hast du nicht. Ich bin ganz von selbst aufgestanden, “ beschwichtigte Tanner und lächelte ihm mit ihren vollen roten Lippen zu.<br>„Gut“, erwiderte er das Lächeln und fand irgendwo seine Hose herumliegen, die er schnell überstreifte.<br>„Die hättest du auch noch eine Zeit lang liegen lassen können“, neckte ihn die menschliche Frau und grinste verführerisch.<br>„Wir müssen auch langsam in die Gänge kommen… zumindest muss ich das, “ fand Jozarnay und war auf der verzweifelten Suche nach seinen Socken.<br>„Aber wieso denn?“<br>„So sehr ich auch den Abend mit dir genossen habe bin ich doch wegen des Treffens mit Kre´sak hierher gekommen. Ich muss ihn sehen.“<br>„Du brauchst etwas von ihm?“ spekulierte sie und richtete sich ebenfalls in ihrem Bett auf, wobei sie ihren Oberkörper entblößte. <br>Jozarnay hatte sichtlich Mühe sie nicht anzustarren und erwiderte:<br>„Ich muss ihn sehen!“<br>„Was brauchst du?“<br>„Wie meinst du das?“ fragte Jozarnay gedämpfte Stimme, die unter dem Bett herkam, wo er seine Socken endlich gefunden hatte.<br>„Was wolltest du von ihm kaufen?“<br>Jozarnay kroch wieder hervor und dachte lange darüber nach, was er nun sagen sollte. Gestern waren sie noch sehr offen zueinander gewesen, doch über seine Sucht hatten sie nichts gesagt. Wie direkt durfte er sein? Wohin könnte ihn eine falsche führen?<br>Doch während er sich um diese Dinge einen Kopf machte fiel ihm auf, wie sehr er Gefallen an Stella gefunden hatte. Er hatte in ihr etwas bemerkt, was er schon lange nicht mehr bei einer Frau gesehen hatte. Viel mehr noch, er hatte es seit Larla nicht gesehen. Niemals hatte er geglaubt, dass er über Larlas Tod hinwegkommen könnte, doch Stella war die erste Frau gewesen, die ihn in Sachen Liebe und Zuneigung wieder interessiert hatte. Immerhin war sie erst die zweite Frau nach ihr gewesen…<br>„Ketracel-White“, gestand er schließlich und war bereit sich den Konsequenzen zu stellen.<br>„Schau mal in meinem Badschrank nach. Dort müsste ich noch etwas haben.“<br>Die Antwort dieser Frau hatte er in dieser Form niemals erwartet. Irritiert erhob sich Jozarnay, ging langsam ins Bad, während auch Stella begann sich anzuziehen. Er öffnete eine Wandscheibe des Spiegels und sehr zu seiner Freude stellte er fest, dass dort tatsächlich kleine Phiolen mit dem weiß-milchigen Stoff herumlagen.<br>„Du rettest mir damit mein Leben“, gestand er und steckte sich eine Phiole ein. Mehr wollte er seine Gastgeberin derzeit auch nicht kosten. Dann jedoch fiel sein Blick auf ein unteres Regal, auf dem ein kleiner schwarzer Kasten stand. Nichts ahnend betrachtete Woil das kleine Ding und fand schließlich ein kleines, rotes Display. Ein Display, auf dem Zahlen aufleuchteten. Zahlen, die rückwärts liefen.<br>Fluchtartig ergriff Woil eine entsetzte Stella Tanner und rannte mit ihr aus dem kleinen Hotelzimmer. Wie in Zeitlupe schien sich die Szene abzuspielen. Kaum hatten sie beide einen Fuß aus der Tür gesetzt, als auch schon die Bombe explodierte und die Druckwelle sie gegen die gegenüberliegende Wand schleuderte. Der Kontakt war schmerzhaft, doch weitaus weniger als das, was sie erwartet hätte, wenn sie beide sich noch in diesem Raum befunden hätten. Die Alarmanlagen des Unterkunftskomplexes schrillten los und Getrampel brach aus, als auch andere das Feuer bemerkten. Panisch blickte Jozarnay zu der Frau neben sich und stellte mit großer Erleichterung fest, dass sie ebenfalls unverletzt war. Stella blickte ihn ebenso entsetzt an und ihrem Blick war deutlich die Dankbarkeit dafür anzumerken, dass man ihr gerade das Leben gerettet hatte.<br>„Verdammt, was war das?“ stammelte Jozarnay und langsam wich dem Adrenalin die Erschöpfung über diese Aktion. Zum Glück hatte er die meisten privaten Dinge eh im Shuttle, doch was würde mit Tanners Sachen sein? Die meisten dürften wohl dem Flammenmeer zum Opfer gefallen sein.<br>„Eine Bombe“, meinte Stella monoton und blickte in das Feuer hinein. Im Gegensatz zu ihm schien Stella weit weniger erstaunt oder überrascht über diese Sache zu sein.<br>„Wer in drei Teufels Namen, “ stammelte Jozarnay immer noch entsetzt, „kann dies nur gewesen sein? Und wieso?“<br>„Auf beide Fragen kann ich dir eine Antwort geben“, meinte Stella und richtete sich langsam auf, während Feuerwehrleute an ihnen vorbei in das brennende Zimmer stürmten. „Sektion 31.“<br>Die Verwendung dieses Namens, den er schon einige Zeit lang nicht mehr gehört hatte, verursachte ein Klingeln in Woils Ohren, schlimmer noch dem der Alarmsirenen. Langsam wandte er seinen Kopf in Richtung der Frau und fragte sich unwillkürlich, ob er richtig verstanden hatte.<br>„Sektion 31?“ fragte er zur Sicherheit noch einmal nach.<br>„Ja, genau diese Organisation hat es auf mich abgesehen“, gab Stella zu und blickte sich hastig im Flur um, so als erwartete sie mehr von denen.<br>„Aber wieso?“ fragte ein ratloser Antosianer, der noch nicht recht wusste, was er von dieser neuen Situation halten sollte.<br>„Edward Jellico will meinen Tod“, erklärte die schöne Frau.<br>„Jellico!“<br>„Du kennst ihn?“<br>„Sagen wir mal so: meine Freunde ich hatten mit ihm einige Begegnungen.“<br>Überrascht blickte sie ihn an, so als ob sie es nicht glauben konnte soeben einen potentiellen Alliierten gefunden zu haben. Wenn dem so war, dann musste man die Chance beim Schopf packen.<br>„Wir müssen hier weg!“ meinte sie und fasste ihn an seiner Hand, zerrte ihn an einen anderen Ort der Raumstation. Irgendwohin, wo sie ungestört reden konnten.<br><br>Der Ort, an dem er sich nun unfreiwillig aufhielt, war nicht einmal ansatzweise so glamourös und bequem, wie er es gewohnt war. Doch das Schicksal hatte ihn hierher, in ein mittelmäßiges Hotel von Betazed verschlagen. Arsani Parul, Sonderbotschafter der Föderation und Träger zweier Doktortitel, legte die Tageszeitung beiseite. Derzeit konnte er sich überhaupt nicht auf die Inhalte konzentrieren und so machte es auch keinen Sinn den Versuch zu wagen. Zu viele Gedanken kreisten in seinem Kopf herum, hauptsächlich solche um seine Vergangenheit. Um Fehler, die er gemacht hatte und um die Frage, wie er diese wieder gut machen konnte. Derzeit fiel ihm leider keine Möglichkeit ein. Bereute er dies, was er getan hatte? Nun, dies war eine gute Frage und alles andere als leicht zu beantworten. Wenn dieser Zwischenfall nicht geschehen und Matthew Price niemals geboren worden wäre, so würde er wohl nicht heute in diesem Hotelzimmer sitzen, getrennt von seiner Familie und über sein Leben nachsinnend. Doch dafür hatte er einen weiteren Sohn geschenkt bekommen, einen Mann mit Initiative und Charakter, der mehr als einmal sein Leben für die Föderation aufs Spiel gesetzt hatte. Wie wägt man einen solchen Sachverhalt gegeneinander ab? Wie traf man eine Entscheidung für das Eine und gegen das andere.<br>Plötzlich piepte das Kommunikationsterminal und riss Parul aus seinen Gedanken. Wer mochte dies nur sein? Für einen kurzen, unwillkürlichen Moment hoffte Arsani es sei seine Frau, die endlich zur Besinnung gekommen war und nun mit ihm reden wollte. Doch diese Hoffnung stellte sich als Trugschluss heraus. Es musste noch viel Zeit ins Land ziehen, bis seine Ehefrau wieder das Wort an ihn richtete. Stattdessen erblickte er auf dem Kommunikationsschirm einen jungen, schwarzen Mann. Es dauerte eine Weile, bis er die Person wieder erkannte.<br>„Hallo Dr. Dr. Parul.” begrüßte ihn der Journalist, „Mein Name ist Jake Sisko...“<br>„Ich kenne sie.“ unterbrach der Betazoid ihn und lächelte müde. „Sie sind Journalist des Universe Today. Ab und zu haben sie über einen meiner politischen Fälle berichtet. Dabei hat mich ihr Fachwissen immer sehr beeindruckt.“<br>Jake lächelte und blickte beschämt zu Boden. Wie konnte er ihn in dieser Situation loben, wo er doch wissen musste, was nun auf ihn zukam.<br>„Ich danke ihnen für ihre Worte, Botschafter, und hoffe sie gerade nicht zu stören.“<br>„Wobei sollten sie schon stören?“ fragte Parul bitter und breitete die Arme zu einer allumfassenden Geste auf. „Aber ich bin neugierig: wie haben sie mich hier gefunden?“<br>„Dies war alles andere als leicht, doch als Journalist hat man so seine Verbindungen.“<br>„Ich verstehe.“ nickte Arsani und lächelte bitter, „Scheinbar muss ich meine Abschirmung verbessern.“<br>„Es lag nicht an ihnen, Botschafter. Aber sie schleppen einen großen Tross an Beamten und Sicherheitspersonal mit sich herum. Dies fällt auf, ganz besonders in einem eher unbekannten Hotel in der Hauptstadt.“<br>Arsani nickte. Man konnte sich nie gänzlich von seinem Beruf trennen, auch wenn es in Lagen wie dieser äußerst nützlich gewesen wäre. Seufzend beschloss Arsani die Gesprächsführung an sich zu nehmen und die Sache auf den Punkt zu bringen.<br>„Ich kann ihnen nichts dazu sagen.“<br>„Dabei habe ich noch nicht einmal eine Frage gestellt“, entgegnete Jake enttäuscht.<br>„Sie wollen sich der Gerüchte um ein uneheliches Kind von mir annehmen.“<br>„Sind es denn nur Gerüchte?“<br>Abermals seufzte Arsani, dem es derzeit absolut nicht gelang so etwas wie eine neutrale Miene zu wahren. Die ganze Situation geriet außer Kontrolle.<br>„Ich möchte dazu nichts sagen.“<br>„Botschafter, sie kennen mich! Mein Name stand bisher immer für seriöse Berichterstattung und Fairness. Genau dies will ich ihnen und den Bürgern bieten. Ich möchte sie ermutigen sich mir und meiner Zeitung anzuvertrauen. Denken sie nur daran was mit ihrer politischen Karriere geschähe, wenn die falschen Leute die Schlagzeile zuerst brächten.“<br>Über diese Worte dachte Arsani Parul lange und intensiv nach. Nun war er wieder an dem Punkt angelangt, an dem Entscheidungen verlangt wurden. Egal welche er treffen würde, beide wären falsch und unumkehrbar. Wie also die richtige finden?<br>„Bitte geben sie mir etwas Bedenkzeit, Mr. Sisko. Ich werde sie gegebenenfalls zurückrufen. Wo befinden sie sich derzeit auf der Erde?“<br>„Ich bin schon auf Betazed“, erklärte der Sohn des Abgesandten und hinterließ seine Rufnummer. <br>Mehr konnte er nicht tun. Es lag nicht in seinem Sinn den Botschafter zu drängen. Denn bei aller Liebe zur Wahrheit: für eine Katastrophe wollte er nicht verantwortlich sein! <br><br>Auf der Brücke der Monitor herrschte eine angespannte Atmosphäre. Alle Offiziere befanden sich nun auf ihren Posten und behielten ihre jeweiligen Tätigkeitsbereiche im Auge. Das abgedunkelte Licht der aktivierten Tarnvorrichtung schien den Effekt einer Crew in Lauerstellung nur noch zu verstärken. Ob dies von den Konstrukteuren ursprünglich so beabsichtig gewesen war? Darüber konnte Captain Lewinski nur spekulieren. Der Kanadier saß in seinem Sessel und blickte auf den Wandschirm, der ihnen ein gefährliches Bild zeigte. Die romulanischen Heimatwelten Romulus und Remus rückten immer näher. Die letzten Stunden waren für sie alle nervenaufreibend gewesen. Mehrere Ortungsnetze und Flottenverbände hatten passiert werden müssen und einmal wäre die Crew sogar fast aufgeflogen. Nur den schnellen Reaktionen von Commander Price am Steuer sowie den neuerlichen Berechnungen Lieutenant Ardevs war es zu verdanken, dass die Romulaner immer noch keine Ahnung hatten wer gerade in ihrem Vorgarten herumschnüffelte. Und nun näherten sich also dem Herzstück des Reiches. Die Finger von Matthew Price bewegten sich geschmeidig und ruhig über die Steuerkonsole, vermieden so jede hektische Bewegung des Schiffes. Mehrere Offiziere waren nur damit beschäftigt die romulanischen Schiffe im Auge zu behalten, während man mit Unterlichtgeschwindigkeit Remus entgegen trieb. Nur die nötigsten Worte wurden gewechselt, keiner wollte den anderen stören.<br>Obwohl er sich normalerweise niemals in seiner Konzentration stören ließ drifteten Johns Gedanken ab. Er versuchte es zu verhindern, doch es gelang ihm nicht. Zu groß war das private Chaos, welches zwischen den letzten Resten seiner Familie tobte. Seit Tagen hatte er sich vorgenommen noch einmal mit Martin zu sprechen, doch nie war er dazu gekommen. Was sollte er auch seinem Bruder sagen? Ihr letztes Gespräch war alles andere als erfreulich gelaufen.  John rollte mit den Augen. War dies auch ein Wunder? Immerhin hatte er erfahren, dass sein jüngerer Bruder, von dem er so lange nichts mehr gehört hatte, ein Waffenhändler war. Ein Krimineller und damit das exakte Gegenteil von John Lewinski, der ein gesetzestreuer Diener des Staates war. Wie hatte es nur so weit kommen können und viel wichtiger noch, hätte man es verhindern können? Diese Frage ging ihm einfach nicht aus dem Kopf. Und wie kühl sein Bruder die Nachricht vom Tod seines Vaters aufgenommen hatte. Wie war dies nur möglich gewesen? Stand es wirklich so schlecht um die Familie Lewinski?<br>Endlich schaffte es der Captain diese störenden Gedanken zu verdrängen. Hier war jetzt nicht die Zeit und der Ort, um darüber nachzudenken. Immerhin befanden sie sich in einer gefährlichen Mission, die ihrer aller Aufmerksamkeit bedurfte, ganz besonders die des Captains. Also konzentrierte er sich wieder auf den Wandschirm, der inzwischen Remus zeigte. Lieutenant Ardev gab zwar einige Statusmeldungen durch, doch die Bilder, die sie alle sahen, sprachen schon für sich. Sie alle blickten gebannt auf den Wandschirm, der ihnen grauenvolle Bilder zeigte. Die pechschwarze Landschaft von Remus, die im ewigen Dunkel lag, wurde immer wieder von Explosionen erhellt, die von aufschlagenden Torpedos herrührten. Es befanden sich Dutzende Schiffe im Orbit, die den Planeten bombardierten und zahllose Verwüstungen anrichteten. Es war für sie alle schwer den Blick von diesen Bildern abzuwenden, schließlich gelang es Lewinski und er aktivierte eine Verbindung in den Maschinenraum:<br>„Chief, Status der Tarnvorrichtung?“<br>„Arbeitet immer noch optimal, Captain.“<br>„Anzeichen dafür, dass wir entdeckt wurden?“ fragte der Kommandant in Richtung seines taktischen Offiziers.<br>Bird checkte noch einmal seine Anzeigen durch und schüttelte den Kopf.<br>„Alle Schiffe halten ihren Kurs, keiner scheint uns bemerkt zu haben“, verkündete er erleichtert.<br>Abermals blickte John zum Wandschirm und konnte nicht glauben, dass keiner von ihnen etwas über diese Offensiven mitbekommen hatte. Immerhin mussten hier Tausenden von Soldaten im Einsatz sein. Wie gelang es den Romulanern dann dies geheim zu halten?<br>„Was geht da unten vor sich, Arena?“ fragte John und schien doch schon die Antwort zu kennen.<br>Die Wissenschaftlerin betätigte einige Tasten auf ihrer Konsole, rief sich verschiedene Daten auf und erklärte im Anschluss:<br>„Alle größeren Städte von Remus werden bombardiert. Es finden Bodenoffensiven statt und erbitterte Stellungskämpfe. Da unten ist die Hölle los.“<br>„Eine Hölle, von der niemand etwas weiß“, murmelte Matthew und sprach damit das aus, was alle dachten.<br>„Können wir konkretere Daten bekommen?“<br>Die Frage Lewinskis konnte er sich quasi selbst beantworten, doch vielleicht bestand doch eine Hoffnung. Eine Hoffnung, die von Ardev enttäuscht werden musste.<br>„Tut mir Leid, Sir, “ erklärte der Andorianer, „aber wenn wir die Scanner noch mehr hochfahren laufen wir Gefahr entdeckt zu werden. Wir arbeiten schon mit dem Maximum.“<br>John nickte. Mehr brauchte er nicht zu wissen. Die Daten, die sie nun gesammelt haben, waren gut genug. Mehr konnten sie nicht für das Oberkommando raus holen. Nun sollten sie sich besser an den mehr als gefährlichen Heimweg machen.<br>„Okay. Matt, bringen sie uns langsam raus hier. Vorsichtig!“<br>„Nichts lieber als das“, meinte der Halbbetazoid und begann mit dem Abflug.<br><br>Zufrieden war wohl der eheste Ausdruck, mit dem man die Gefühlswelt von Nummer Zwei beschreiben konnte. Der zweite Stellvertreter des Direktors von Abteilung Blau des Tal Shiar´s befand sich auf der großen Brücke eines Scimitar-Klasse Schlachtschiffes und beobachtete erfreut, wie ein weiterer, von dem Schiff abgefeuerter, Torpedo auf Remus einschlug. Die Offensiven liefen ausgezeichnet. Noch einige Wochen mehr und dann würde dieses widerspenstige Volk endlich gezähmt worden sein. Eine Rebellion, die mit dem Angriff auf den romulanischen Senat begann, würde dann endlich vorbei sein. Nummer Zwei freute sich auf diesen ruhmreichen Moment. Wenn die Galaxis doch nur die Wahrheit über dies alles wüsste… Süffisant lächelte er, als ihm die nächste Phase ihres Plans bewusst wurde. Es konnte nicht mehr lange dauern.<br>„Exzellenz“, meldete ein Techniker, der wie alle Romulaner bei dieser Operation zur Abteilung Blau gehörte, „das Signal wurde übermittelt.“<br>„Gut, nehmen sie Kurs auf.“<br>Wieder lächelte er. Alles lief nach Plan.<br><br>Schon allein am überraschten Gesichtsausdruck von Danny Bird konnte der Captain bemerken, dass etwas nicht stimmte. <br>„Eines der romulanischen Schiffe ändert den Kurs. Es ist ein Scimitar-Schiff.“<br>„Wohin fliegt es?“ fragte John alarmiert. Just in diesem Moment spürte er wieder den stechenden Schmerz im Bauch, der ihn schon eine ganze Weile lang verfolgte. Er setzte quasi als Vorbote der schlechten Nachricht in diesem Moment ein. Instinktiv rieb sich der Captain über die schmerzende Stille und verdrängte das unangenehme Gefühl.<br>„In unsere Richtung.“<br>„Haben sie uns bemerkt?“<br>Alle Alarmglocken schrillten nun in seinem Kopf. Hatten sie etwas falsch gemacht? Nur was?<br>„Kann ich nicht sagen, Sir. Ihre Geschwindigkeit ist niedrig und sie kreuzen nicht direkt unseren Kurs. Kann auch sein, dass sie nur abziehen.“<br>Gebannt blickten alle zu dem Sichtschirm, der ihnen nun exakt dieses Bild lieferte. Ja, wie wahrscheinlich war ein solcher Zufall? Und was konnten sie alle tun, um nicht aufzufallen? Schwierige Fragen, die nur er selbst beantworten konnte, denn deswegen war er Kommandant. Doch dann…<br>„Das Schiff feuert einen Quantentorpedo ab!“ rief Bird.<br>„Kurs?“<br>Lewinski sprang nun aus seinem Sessel auf. Nun galt es innerhalb von Sekunden zu reagieren. Hatte man sie nun doch entdeckt?<br>„Er steuert auf uns zu…“<br>„Tarnung fallenlassen! Roter Alarm und Schilde hoch!“ brüllte John, doch es war zu spät. Das Geschoss schlug in ihrer Außenhülle ein und rüttelte das sich enttarnende Schiff gnadenlos durch. Funken stoben, Crewmitglieder schrieen und verletzten sich beim Aufprall auf dem Boden. Der wohl kalkulierte Einschlag zerstörte mit einem Schlag den Schildgenerator und machte damit das kleine Schiff mehr als verwundbar. Doch innerhalb weniger Millisekunden wurde die gute Ausbildung der Crew sichtbar. Noch bevor Captain Lewinski irgendwelche Befehle gab hatte Matt Price das Steuer schon herumgerissen und bewahrte die Monitor vor einer weiteren Geschosssalve. Auf dem Hauptschirm war deutlich zu erkennen, wie drei blau funkelnde Quantentorpedos an ihnen vorbeirasten. Die Distanz dabei war so gering, dass man auf der Brücke deutlich die Antriebsgeräusche der Torpedos vernehmen konnte. John Lewinski blickte sich kurz auf der Brücke um, bemerkte zu seiner Zufriedenheit die Gesundheit fast aller Crewmitglieder und formulierte im Geist blitzschnell einen Gegenplan. Er spielte im Geist die möglichen Szenarien durch, die für diese Situation nützlich sein konnten, verglich sie mit den vorliegenden Fakten und Möglichkeiten und hatte sich schlussendlich für eine Variante entschieden.<br>„Commander, hart nach Backbord ausweichen und diese Bewegung in eine 180 Grad Drehung übergehen lassen. Danach feuern nach eigenem Ermessen.“<br>„Worauf feuern?“ fragte Danny Bird ratlos angesichts der schieren Größe des romulanischen Raumschiffs. „Wir besitzen nur ungenügende Daten über ein Scimitar-Raumschiff. Was ist die Schwachstelle dieses Ungetüms?“<br>Der Kommandant blickte zu seinem taktischen Offizier und brachte sogar ein schiefes Lächeln zustande, als er meinte:<br>„Sie dürfen sich glücklich schätzen, Danny, sie werden derjenige sein, der als erster die Schwachstellen des Gegners ergründen darf!“<br>Noch bevor er irgendwelche weiteren Widerworte von sich geben konnte hatte der Halbbetazoid die Monitor schon gewendet und in eine Schussposition gebracht, nutzte dabei den bereits vorhandenen Schub, um quasi „rückwärts“ weiterzufliegen. Lieutenant Bird handelte völlig instinktiv und feuerte einige Impulsfeuerstöße ab, die jedoch fast wirkungslos an den Schilden des romulanischen Schiffes zerstoben.<br>„Verdammt, “ murmelte Captain Lewinski und öffnete einen internen Komkanal, „Maschinenraum, hier Brücke: wann haben wir wieder die Schilde oder die Tarnvorrichtung? Oder am besten beides.“<br>Doch sehr zu seinem Unwohlsein meldete sich niemand. Was war geschehen? Hatte etwa der verhängnisvolle Treffer mit dem Quantentorpedo die gesamte Besatzung des Maschinenraums ausgelöscht? Der Kommandant hoffte es nicht. Schließlich meldete sich endlich jemand aus dem Maschinenraum, jedoch nicht mit der Antwort, die er sich erhofft hatte.<br>„Sir, hier spricht Fähnrich Sanchez! Wir haben hier massive Probleme im Maschinenraum...“<br>Unmittelbar im Anschluss hörte man einen fauchenden Phaserschuss und einige Schreie. Entsetzt weitete die Brückencrew die Augen, während das Schiff unter einem weiteren Treffer erbebte. Matt Price gab am Steuer sein bestes, doch er konnte einfach nicht mehr ausreichend mit dem beschädigten Schiff manövrieren. Die Sekunden zogen sich in die Länge, bis sich Fähnrich Sanchez meldete:<br>„Wir haben hier... oh verdammt...es stimmt etwas nicht mit dem Chief!“<br>„Wie meinen sie das?“ fragte der Kanadier entsetzt und fürchtete schon den Tod des Iren. Doch etwas weitaus entsetzlicheres war geschehen.<br>„Er feuert auf uns, Sir!“ schrie Sanchez und ein weiterer Schuss war zu hören, „er steht an einer Kommandokonsole und verhindert unseren Zugriff auf die Diagnoseprogramme. Außerdem scheint er..., “ wieder fiel ein Schuss und eine Person schrie, „irgendwelche Daten zu senden.“<br>Besorgt blickten sich Lewinski und Ardev instinktiv an, wobei der Andorianer murmelte:<br>„Dies würde erklären, wie die Romulaner uns trotz der Tarnung entdecken konnten. Aber wieso sollte der Chief das tun?“<br>„Wieso auch immer, “ meinte John und sprang von seinem Stuhl auf, „wir müssen ihn stoppen, ansonsten sieht es übel aus!“<br>Wie zur Bestätigung schüttelte sich das Schiff unter einem Phasertreffer und neuerlich explodierten Leitungen, verursachten ein Fauchen und Blitzen auf der Brücke. Kurz blickte er zu seinem taktischen Offizier, der damit beschäftigt war weiter auf die Romulaner zu feuern und entschied sich spontan dazu sich selbst des Problems anzunehmen. Unter den besorgten Rufen von Arena Tellom verließ er die Brücke und rannte in den nächsten Turbolift. <br>Ohne den Captain auf der Brücke hatte offiziell der am Steuerpult sitzende Matt Price das Kommando inne, der jedoch seine gesamte Aufmerksamkeit darauf legen musste den gezielten Schüssen des romulanischen Schiffes auszuweichen. Jedoch gelang ihm dies nur leidlich und so musste die Monitor heftige Treffer einstecken. <br>„Ich kann die Hülle des Schiffes nicht durchdringen!“ rief Lieutenant Bird in das Chaos hinein und wirkte sichtlich verzweifelt. Durchmischt wurde sein Flehen mit den Statusberichten von Ardev:<br>„Hüllenbruch in Sektion 27! Die Kraftfelder arbeiten mit minimaler Effizienz!“<br>„Jetzt reich es mir aber!“ murmelte Price, immer noch laut genug, so dass ihn die anderen verstehen konnten, „jetzt bringen wir uns hier weg.“<br>„Und wie hast du das vor, Matt?“ fragte Tellom besorgt, die sich um ein am Boden liegendes Crewmitglied kümmerte.<br>„Wir sind kleiner und wendiger, also werde ich versuchen in die Atmosphäre von Remus einzutauchen. Dorthin kann uns dieses Ungetüm nicht folgen und die durch die Reibungshitze erzeugten Interferenzen sollten ihre Zielscanner verwirren.“<br>Besorgt blickten sich Bird und Ardev an.<br>„Bist du dir sicher, dass dies funktionieren wird?“ fragte Ardev und musste sich an seiner Konsole festhalten, als sie von einem weiteren Treffer durchgeschüttelt wurden.<br>„Nein, das bin ich ganz und gar nicht. Jedoch sehe ich darin die einzige Möglichkeit uns die Chance zu geben die Tarnvorrichtung oder die Schilde in Gang zu bringen.“<br>Und noch ehe irgendjemand die Möglichkeit bekam gegen diesen Plan zu protestieren riss der Halbbetazoid das kleine Kampfschiff herum und jagte quasi im Sturzflug auf den Nachbarplaneten von Romulus zu. Den Trägheitsdämpfern wurde alles abverlangt und fielen stellenweise aus, wodurch die Crew deutlich die G-Kräfte mitbekam. Das Scimitar-Schiff mit ihrer selbstgefälligen Nummer Zwei an Bord versuchte ihnen zu folgen und schien nicht im Geringsten zu ahnen, was das Sternenflottenschiff vorhatte. Unnachgiebig feuerten sie weiter, beschädigten weiter das stark angeschlagene Raumschiff. Schließlich erreichten sie die äußersten atmosphärischen Schichten von Remus, was Matt zu einem wohl kalkulierten, jedoch dramatischen Hochreißen des Höhenruders veranlasste. Der Einfallswinkel musste exakt kalkuliert werden, ansonsten würde die Monitor von der Atmosphäre abprallen, im schlimmsten Fall sogar zerschmettert werden. Eigentlich war für Berechnungen solcher Art der Computer notwendig, doch niemand von ihnen hatte die Zeit dafür gehabt und so verließ sich der erste Offizier vollkommen auf seinen Instinkt. Der Antrieb heulte auf, als sie in die Sphäre eintauchten und Reibungshitze entstand, die sich durch züngelnde Flammen an der Schiffshülle manifestierten. Wie eine brennende Fackel raste das Raumschiff um Remus herum.<br>„Die Schiffshülle erreicht langsam kritische Werte. Lange halten wir diese Hitze nicht aus!“ meldete Lieutenant Ardev und wie zur Bestätigung stieg die Temperatur auf der Brücke sowie dem Rest des Schiffes merklich an.<br>„Wir müssen nur etwas Zeit herausholen, um uns wieder tarnen zu können“, presste Price zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.<br>Doch seine Taktik ging auf. Das romulanische Schiff hielt sich außerhalb der Atmosphäre, versuchte noch einige weitere Torpedos abzufeuern, die ihr Ziel verfehlten. Anschließend nahmen sie zwar Verfolgungskurs auf, wagten jedoch nicht sich weiter zu nähren. Ihr behäbiges und großes Schiff war für Belastungen solcher Art nicht ausgelegt, was im Grunde ja auch für die Monitor galt. So hatten sie jedoch für einige wenige Momente Ruhe vor dem Angreifer. <br>Derweil durchquerte Captain Lewinski innerhalb kürzester, ja geradezu rekordverdächtiger Zeit, sein kleines Schiff und befand sich schließlich vor der Zugangstür zum Maschinenraum, wo schon zwei Sicherheitsleute auf ihn warteten. Einer von ihnen hatte eine Handverletzung, der andere war scheinbar völlig außer Atem.<br>„Bericht!“ forderte ein fassungsloser Lewinski.<br>„Es ist der Chief, Sir, “ meldete einer der beiden Wachleute, „er hält mit einem Phaser die Maschinenraumbesatzung in Schach und verhindert eine Reparatur der Systeme. Des Weiteren scheint der Signal zu senden.“<br>„Wohin?“ fragte John und kannte doch schon die Antwort.<br>„Ich weiß nicht wieso, aber scheinbar zu dem romulanischen Schiff.<br>„Doch, ich kenne den Grund“, entgegnete der Kommandant und ihm wurde alles klar. Er zählte eins und eins zusammen, erinnerte sich an die Antwort des Chefingenieurs auf seine Frage:<br>„Ach die! Dies hat sich erledigt, Sir!“<br>Das hatte er geantwortet und so die Bitte nach einem Gespräch mit dem Captain verneint. Dabei hatte sich John denken können, worum es bei diesem Gespräch gegangen wäre. Um die Familie des Chief´s und dass er gerne wieder zu ihr zurückkehren wollte. Der Ire war nicht freiwillig auf der Monitor und man konnte ihm sein Unwohlsein nicht verübeln. Und auf einmal waren diese Gedanken weg? Lewinski verfluchte sich dafür, dass er nicht gleich drauf gekommen war.<br>„Das ist nicht Chief O´Brien, “ beendete John seinen Gedanken und schockte damit die beiden Sicherheitsleute. „Dies ist ein romulanischer Infiltrator.“<br>Ja, dies würde alles zusammenpassen. Das romulanische Schiff hatte sie nur aufspüren können, indem man ihnen die Koordinaten der Monitor zugespielt hatte. Würde man eine Prüfung der Sendeberichte vornehmen, so würde sich sicherlich zeigen, wie das Signal aus dem Maschinenraum abgesand wurde. Irgendwie, irgendwann musste der richtige O´Brien ausgetauscht worden sein, kurz vor ihren Aufbruch zu der Mission Icarus´ Flügel.<br>„Können wir Betäubungsgas in den Maschinenraum sprühen?“<br>„Negativ, die Belüftungssysteme arbeiten nicht einwandfrei!“ war die ernüchternde Antwort des Sicherheitsmanns. Durch die geschlossene Maschinenraumtür hörte man einige Phaserschüsse fauchen. <br>„Also Kampf Mann gegen Mann“, resümierte der Captain. „Wir müssen ihn betäuben, um so zu ermitteln, was mit unserem echten Chief geschehen ist.“<br>Und bevor die Sicherheitsleute irgendwelche warnenden Widerworte von sich geben konnten öffnete John Lewinski die Maschinenraumtür, wich haarscharf einem ungezielten Phaserschuss und sprang hinter einer Konsole in Deckung. Dann blickte er sich vorsichtig um. Drei Techniker lagen regungslos am Boden, wobei unklar blieb, ob sie tot oder bewusstlos waren. Der Spion in der Gestalt des Chief hatte sich hinter den Plasmatanks des Warpkerns versteckt. Eine ausgezeichnete Position, durch die er einem zähen Feuergefecht entging. Zu groß war das Risiko mit einem unglücklichen Treffer die Tanks zu treffen und das Organauflösende Plasma freizusetzen. In ähnlichen Stellungen wie der Kanadier selbst waren einige Techniker in Deckung gegangen, darunter Fähnrich Sanchez, der ebenfalls seinen Phaser in der Hand hielt und ratlos zum Captain rüberlugte.<br>„Wir wissen, was sie sind!“ rief Lewinski in den Maschinenraum hinein. Statt einer Antwort bekam er nur ein höhnisches Lachen, was doppelt gespenstisch wirkte, stammte es doch aus der scheinbaren Kehle von Miles O´Brien. „Sie sind ein romulanischer Spion. Wie sie bemerkt haben dürften hat der Beschuss aufgehört. Wir sind ihren Kollegen entkommen. Ich gebe ihnen die Chance sich nun zu ergeben und vielleicht kommen sie frei, im Austausch für den echten Chief O´Brien.“<br>Als Erwiderung erntete er nur einen weiteren Phaserschuss, der funkensprühend an seiner Deckung zerstob. Sofort wurde ihm klar, dass er auf diesem Wege (sprich: Verhandlung) nicht weiterkam. So blieb also nur noch der Weg der Gewalt, auch wenn ihm dies alles andere als schmeckte. Denn dadurch wurde das Risiko einer Tötung des Spions nur vergrößert. Doch wie machen? Lewinski blickte sich um, suchte nach irgendetwas, was ihm nützlich sein könnte. Dann erblickte er abermals Fähnrich Sanchez und eine Idee machte sich in seinem Geiste breit. Scheinbar schien auch der junge Offizier zu verstehen, denn er nickte dem Captain zu und machte dadurch sein Einverständnis deutlich. Also atmete Lewinski noch einmal tief durch und sprang aus seiner Deckung heraus dem Spion fast direkt vor die Füße. Die Sekunden schienen sich endlos zu dehnen, als John beobachtete, wie sich der Romulaner langsam aus seiner Deckung erhob und die Waffe in Stellung brachte. Der falsche O´Brien wog sich in trügerischer Sicherheit, dachte einen wichtigen Treffer landen zu können und vergaß dadurch völlig, dass er sich gerade weit genug aus der Deckung wagte, um Fähnrich Sanchez die Möglichkeit zum gezielten Schuss zu geben. Millisekunden bevor der Spion abdrücken und so dem Leben des Kommandanten ein Ende setzen konnte sprang Miguel Sanchez hervor, nutzte seine einzige Chance und betäubte den Romulaner. Der Plan eines Lockvogels war risikoreich gewesen, hatte jedoch dennoch funktioniert. Doch Lewinski gönnte sich nur eine Sekunde des Erfolgs, erhob sich dann vom Boden des Maschinenraums und bewegte sich zu der Konsole, an der eben noch der falsche Chefingenieur sein Unwesen getrieben hatte. Mittels einer weniger Tastenbefehle beendete er die Datenübertragung zum romulanischen Schiff und entblockte die Tarnvorrichtung. Auf der Brücke registrierte Danny Bird dies erfreut und aktivierte ungefragt die Tarnung, was ihm wohl niemand zum Vorwurf machen konnte. Vor den entsetzten Blicken der Nummer Zwei der Abteilung Blau tarnte sich die schwer angeschlagene Monitor und verließ die Atmosphäre von Remus, verschanzte sich im All. Das Scimitar-Schiff nahm zwar sofort die Suche auf, doch für den Moment waren sie gerettet. <br><br>Der Antosianer war mit seiner menschlichen Begleiterin noch einige Zeit durch die Station geirrt. „Geirrt“ war wohl in diesem Fall das falsche Wort, denn es implizierte eine Art von Ziellosigkeit. Ziellos war jedoch ihr Weg ganz und gar nicht gewesen, viel eher geprägt durch den Versuch ihren unbekannten Häschern zu entgehen. Schließlich erreichten sie die belebte Promenade, wo sich Hunderte von Angehörigen verschiedenster Spezies aneinanderreihten und die Schaubuden. Woil blickte Stella an und ihr stummer Blick signalisierte Zustimmung. Beiden war klar, dass es manchmal am besten war sich an einem belebten Ort zu verstecken, in der Menge unterzutauchen. Also setzten sie sich an einen Ecktisch in einer schmierigen Kneipe und bestellten sich etwas zu trinken. Sie spekulierten darauf, dass Sektion 31 nicht so dumm wäre eine Konfrontation in der Öffentlichkeit zu suchen. Hoffentlich.<br>„Was will Edward Jellico von dir?“ fragte Jozarnay leise, nachdem man ihnen das Bier gebracht hatte.<br>„Ich sage mal so: unsere politischen Ansichten sind eher gegensätzlich, “ erklärte Stella mit normaler Stimme, so als bereitete es ihr keine Sorgen über diese Verschwörerorganisation in der Öffentlichkeit zu sprechen.<br>„Du hattest also näher mit ihm zu tun?“<br>„Du etwa?“<br>Die rothaarige Frau blickte ihn erwartungsvoll an und Jozarnay wog ab, wie viel er sagen konnte. Doch irgendwie hatte er ein unglaubliches Vertrauen zu dieser Dame gefasst. Sie verursachte in ihm ein Gefühl, welches er schon lange nicht mehr gekannt hat. Wohl fühlte er sich in ihrer Nähe, geborgen. Ob sie auch so empfand? Zumindest schien sie ihm ebenfalls zu vertrauen, ansonsten würde sie nicht mit ihm darüber reden zu wollen.<br>„Ich war früher bei der Sternenflotte und kenne Edward Jellico schon seit einigen Jahren.“<br>„Tatsächlich?“ Stella weitete überrascht ihre bezaubernden Augen. „Dientest du auf einem Raumschiff?“<br>„Ja“, erklärte Woil und ließ routinemäßig seine Augen über die Promenade schweifen. Bisher nichts Verdächtiges zu sehen. „Erst kannte ich ihn nur vom Hörensagen, dann von persönlichen Kontakten und die gab es reichlich. Wir, also meine ehemaligen Kameraden und ich, hatten einige unerfreuliche Begegnungen mit ihm.“<br>Unruhig trippelte er mit seinen Fingern auf dem Tisch herum. Seine letzte Injektion lag schon Tage zurück und die Auswirkungen begann er immer deutlicher zu spüren. Das White, welches ihm von Tanner angeboten worden war, fiel den Flammen der Bombe zum Opfer. Noch ein wenig länger konnte er es ohne aushalten, doch irgendwann würde er eine Injektion brauchen, so viel stand fest.<br>„Und du? Was verbindet euch?“ fragte der ehemalige Chefingenieur, teils um sich abzulenken, teils aus echtem Interesse.<br>Die angesprochene Frau schien für einen Moment zu überlegen, wie viel sie von ihrem Leben preisgeben durfte, dann erklärte sie:<br>„Auch ich war früher ein Mitglied von Sektion 31.“<br>Diese Aussage war überraschend, gänzlich unerwartet. Früher, als er noch Mitglied der Sternenflotte gewesen war, wäre Jozarnay aufgesprungen und hätte sonst etwas gemacht. Doch heute nicht mehr. Viel zu sehr war er interessiert an der Geschichte dieser Frau, die ihn so sehr faszinierte. Sein Schweigen schien für sie nur noch mehr eine Aufforderung zum reden zu sein. Wie so oft, es schien eine Marotte zu sein, warf sie ihr langes Haar mit einer Hand zurück und erklärte:<br>„Lange Zeit sogar habe ich dort verbracht, mich hochgearbeitet und an die Ideale dieser Organisation geglaubt. Ob du es glaubst oder nicht, früher wollte Sektion 31 nur das Beste für die Föderation. Aber durch Edward Jellico wird alles pervertiert. Er möchte die Organisation zu seinem persönlichen Zwecke nutzen und nicht zum Wohl der Allgemeinheit. Ich bin die letzte Vertreterin der alten Ordnung, die, die sich ihm am hartnäckigsten widersetzt. Daher jagt er mich.“<br>„Die Gruppe, von der du sprichst, habe ich aber anders erlebt.“<br>„Ach ja? Wie denn?“<br>„Verschlagen. Gemein. Selbstsüchtig, “ zählte der Antosianer auf. „Sie erhoben für sich den Anspruch den gottgleichen Auftrag zu haben die Föderation zu schützen, auch wenn ich dieses Wort nicht gerade benutzen würde. Sektion 31 zerstörte unzählige Existenzen und Leben, einige von ihnen waren mir bekannt.“<br>„Dies waren schon die eingerissenen Strukturen“, beschwichtigte Stella ihn und legte ihre Hand auf seine. „Ich gehöre noch zur alten Garde, die dies alles genauso abstößt wie dich. Daher jagt man mich.“<br>Lange dachte Jozarnay über diese Worte nach. So viele Jahre hatten sie schon mit den verschiedensten Vertretern von Sektion 31 zu tun gehabt und niemanden davon hatte man trauen dürfen. Wieso also dieser Frau? Nur weil er eine schöne Nacht mit ihr verbracht hatte? Nein, der Grund dafür, wieso er ihr vertraute, war, dass sie freiwillig und aufgefordert von ihrer Verstrickung erzählt hatte. Auch wenn er möglicherweise nicht ihre Ansichten teilte, so wollte er sie beschützen. <br>Die Menge der einkaufenden Leute schrie auf, als ein Phaser sich entlud und dessen siedend heißer Energiestrahl an der Wand neben ihrem Ecktisch zerstob. Woil riss seinen Kopf herum, erhaschte den Blick auf eine Person, die erneut die Waffe auf sie richtete, um seinen ersten Fehlschuss wieder wettzumachen. Sie schien aus dem Nichts aufgetaucht zu sein, ohne dass einer von ihnen beiden sie bemerkt hatte. Ohne zu zögern ergriff Woil die menschliche Frau und versuchte sich einen Weg durch den kreischenden Menschenauflauf zu bahnen. Bloß dem Angreifer nicht die Möglichkeit zu einem weiteren Schuss geben. Das Ziel war sein eigenes Raumschiff, mit dem sie entfliehen konnten. Wohin wusste er selbst noch nicht, Hauptsache weg von hier! Sie wühlten sich beide durch die Massen, prallten auf einmal gegen eine stämmige Person, dessen kalter Blick keinen Zweifel ließ: auch er war ein Angehöriger des Jagdkommandos. Er griff unter seine Jacke, wollte scheinbar eine Waffe herausholen und Jozarnay reagierte instinktiv. Ein Schlag gegen die Magengrube, ein Tritt gegen das Schienbein und ein weiterer Hieb auf den Hinterkopf, blitzschnell ausgeführt und ohne nachzudenken, beförderten den Angreifer in das viel zitierte Reich der Träume. Beide hielten sich nicht allzu lange mit ihrem Sieg auf, sondern rannten weiter. Bis zu den Shuttlerampen war es nicht mehr weit.<br><br>Alles passierte so schnell und unerwartet, niemanden von ihnen blieb die Zeit zu reagieren. Dabei hatte es sich angekündigt. Während der letzten zwei Stunden, in denen Dr. Frasier und ihre denobulanische Kollegin Ixa im Operationszelt gearbeitet hatten, waren die Geräusche von Kampf und Tod immer nähre herangerückt. Direkt vor dem Lager war es zu massiven Kämpfen zwischen Rebellen und den romulanischen Besatzungstruppen gekommen. Doch die Ärzte des interstellaren Hilfsprogramms hatten sich nicht in ihrer Arbeit ablenken wollen, immerhin galt es eine komplexe Operation unter primitivsten Bedingungen zu Ende zu führen. Zum Glück für den Patienten war die Behandlung so eben beendet worden, als eine Photonengranate fast direkt vor dem Zelt explodierte und deren Druckwelle sie alle zu Boden warf. Die mitgebrachten medizinischen Geräte splitterten, Pfleger sowie Ärzte wurden verletzt und Chaos brach aus. Die Rebellen hatten das Lager gestürmt und feuerten auf jeden Romulaner, den sie sahen. Elisabeth brauchte nur Sekunden um zu realisieren, dass sie hier wegmussten. Sie erhaschte einen Blick auf Ixa, die per Hand die Lebenszeichen des frisch operierten Patienten untersuchte und erfreut zur Kenntnis nahm, dass er noch lebte.<br>„Wir müssen hier raus!“ rief die menschliche Ärztin und packte ihre Kollegin an der Hand. Sie hatte nur zum Ziel sie beide so weit wie möglich aus der Schusslinie weg zu bringen. Die Zelttür wurde hastig beiseite gerissen und die Bordärztin der Monitor fürchtete schon in den Lauf eines Gewehrs zu blicken. Zu ihrer Erleichterung war es jedoch Commander Sokol, der romulanische Kommandant dieser Installation und heimlicher Spion für die Föderation. Sein Gesichtsausdruck verwandelte jedoch allzu schnell die Erleichterung in Besorgnis. Sokol schien aufgeregt und entsetzt zu sein, Schweiß perlte von seinem verrußten Gesicht und seine heisere Stimme war kaum in der Lage den Schlachtenlärm zu übertönen. Er war nicht ratlos oder dergleichen, jedoch war er wie alle anderen von diesem Angriff überrascht worden und nun versuchte er alle entstandenen Lücken gleichzeitig zu schließen. <br>„Verdammt, was machen sie denn noch hier?“ fragte Sokol und winkte sie beide mit einer Hand zu sich. Die Pfleger und Schwestern, die sich mit ihnen bei der Operation befunden hatten, lagen reglos am Boden. Erst jetzt wurde den beiden Ärztinnen bewusst, wie viel Glück sie eigentlich eben gehabt hatten. Sie waren die letzten Überlebenden dieses Operationszeltes nach dem Beinahe-Volltreffer. „Sie müssen hier raus und in einen Bunker evakuiert werden. Die Talarianer greifen das Lager an, wir haben Mühe sie aufzuhalten und ich glaube nicht, dass sie derzeit in der Lage sind zwischen Freund und Feind zu unterscheiden.“<br>In den Worten des Commanders schwang weder Hass noch Unverständnis mit. Dass Sokol sich gegenüber Captain Lewinski vor einem Jahr bereit erklärt hatte Informationen an die Föderation zu liefern hatte seinen Grund. Der Veteran unzähliger Schlachten gehörte nämlich zu der kleinen Gruppe von Personen innerhalb des Romulanischen Sternenreiches, die sich gegen einen Krieg ausgesprochen hatten. Zu abwegig war ihm damals die Erklärung rund um die Mittäterschaft dieses unterentwickelten Volkes im Falle des Angriffs auf den romulanischen Senat gewesen. Dennoch hatte er in diesem Krieg kämpfen müssen. Hätte er sich verweigern können oder tat er nur das Unvermeidliche? Diese Frage musste er sich selbst beurteilen, niemand anderem wäre es zugestanden ein Urteil über ihn zu fällen. Welch Ironie des Schicksals es doch war: er musste den Schießbefehl auf  Leute geben, deren Meinung er eigentlich im Geheimen teilte. Elisabeth wollte gerade zu ihm ins Freie stoßen, da veränderte sich sein Gesichtsausdruck; zeigte eine Mischung aus Schmerz und Verwunderung. Entsetzt mussten die beiden Ärztinnen mit ansehen, wie der einzige Romulaner, dem sie hatten vertrauen können, zu Boden sank, von einer tödlichen Ladung in den Rücken getroffen. <br>Sokol bekam kaum noch etwas von seinem Tod mit, er starb schnell und mit wenig Schmerzen. Wenigstens einmal hatte er vor seinem endgültigen Ende Glück haben müssen. Die Person, die ihn getötet hatte, stieg über seine Leiche ins Zelt hinein und packte die beiden Frauen grob, warf sie aus dem Zelt heraus und drängte sie mit seinem Gewehr zu anderen Gefangenen. Es hatten noch einige Ärzte sowie romulanische Soldaten überlebt und wurden nun von Rebellen in einen Kreis gebracht. Bei den Angreifern handelte es sich um scheinbar normale Talarianer, Personen, die vorher ganz normalen Zivilberufen nachgegangen waren. Kaufleute, Händler, Metzger, Lehrer, alles Fertigkeiten, die sie in einer zerstörten Welt nicht mehr ausüben konnten. Schuld daran waren die Romulaner mit ihrem gnadenlosen Bombardement gewesen und dies wussten sie alle. Der Widerstand hatte keinerlei Probleme immer neue Kämpfer für sich zu rekrutieren; die Romulaner betrieben durch ihre Taten selbst die beste Werbung für die Aufständischen. Die Nachrichten von den Hinrichtungen, Folterungen und unterlassenen Hilfslieferungen machten überall auf dem Planeten die Runde. Immer noch geschockt von dem Tode Sokols wurde Elisabeth Frasier mit den anderen Überlebenden gezwungen sich hinzuknien und die Hände hinter dem Kopf zu verschränken. Irgendwie beschlich sie das Gefühl, dass das Ende nahte. <br><br>Der betäubte romulanische Infiltrator, immer noch in der unheimlichen Gestalt von Chief Miles O´Brien, war in die Krankenstation gebracht und dort auf einer Liege festgeschnallt worden. Eine Schwester, die in Abwesenheit des Doktors die medizinische Leitung innehatte, weckte den Spion auf Anweisung des Captains mit einem Injektor. Um das Bett herum waren Captain Lewinski und Lieutenant Bird positioniert. Die anderen Offiziere befanden sich auf ihren Stationen und gaben sich Mühe, dass die schwache Tarnvorrichtung nicht ihren Geist aufgab und sie alle wieder für die feindlichen Sensoren sichtbar werden würden. Der falsche O´Brien schlug die Augen auf, sah sich kurz um und schien sofort zu verstehen, was mit ihm geschehen war.<br>„Sie befinden sich auf der Krankenstation“, erklärte der Kommandant mit <br>gestrengem Blick, „obwohl ich mir denken kann, dass sie dies selbst wissen. Immerhin haben sie eine beträchtliche Zeit unter uns verbracht.“<br>Statt eine Antwort von sich zu geben blickte der Infiltrator starr die Decke an.<br>„Sie brauchen auch nichts weiter zu sagen. Wir können uns denken, wie lange sie schon an Bord sind. Was uns jedoch brennend interessiert ist, wo unser echter Chief O´Brien ist. Vielleicht könnten wir in der Hinsicht ja eine gütliche Einkunft erzielen.“<br>Abermals schien es so auszusehen, als würde der getarnte Romulaner nichts sagen zu wollen, dann raunte er schließlich:<br>„Man wird mich nicht eintauschen.“<br>„Sie scheinen sich bei der Sache ja ziemlich sicher zu sein“, bemerkte Danny Bird und blickte genauso unnachgiebig drein wie sein Captain. <br>„In der Hinsicht sollten sie mir vertrauen. Für meine Kameraden und Vorgesetzten bin ich schon tot.“<br>„Nun, da sie noch nicht allzu lange hier sind habe ich einige Vermutungen, “ erklärte Captain Lewinski. „So zum Beispiel, dass sich O´Brien an Bord des Schiffes befindet, welches uns angegriffen hat.  Es würde passen, denn immerhin scheinen sie beide ja in engem Kontakt zu stehen. Vielleicht gehören sie ja derselben Organisation an, ich denke da ganz besonders an den Tal Shiar.“<br>Abermals Schweigen. John wartete noch einige Sekunden ab, wollte dem Gefangenen noch eine weitere Chance geben, dann ließ er es jedoch sein. Er hielt an seiner Idee fest, komme was da wolle.<br>„Wie ich sehe wollen sie nicht mit uns reden. Dies ist ihr gutes Recht. Dann sehen wir uns halt gezwungen uns in einen Kampf mit ihrem Schiff zu stürzen, um unser Crewmitglied zu befreien. Es sei denn, sie wollen mit uns reden.“<br>Doch auch diese letzte Finte stieß bei dem Gefangenen auf taube Ohren. Er schien gut vorbereitet auf eine eventuelle Gefangennahme worden zu sein. Lewinski und Bird verließen zugleich die Krankenstation. Sobald sich das Schott hinter ihnen geschlossen hatte meinte der Kanadier.<br>„Soll ihn doch ein Hochsicherheitsgefängnis erwarten!“<br>„Sir, wieso sind sie sich so sicher, dass Chief O´Brien an Bord des Scimitar-Schiffes ist?“<br>„Ich habe es einfach im Gefühl. Zur Sicherheit überprüft Ardev noch einmal die Sensordaten, die wir sammeln konnten und versucht zu ermitteln, wo sich der Chief versteckt.“<br>„Und dann Angriff?“ fragte der Sicherheitschef fröstelnd.<br>Captain Lewinski blieb im Gang stehen und sah seinen Sicherheitschef eindringlich an.<br>„Ich lasse niemanden meiner Leute drüben“, erklärte er mit fester Stimme.<br>„Dies ist auch nicht das, was ich sagen wollte“, verteidigte sich Danny, „aber wir sind dem gegnerischen Schiff unterlegen. Wir können keinen Zweikampf bestehen und deren Schilde brechen.“<br>„Beides müssen wir auch nicht“, meinte der Captain und lächelte grimmig. „Wir müssen nur einen kurzen Angriff starten, ein kleines Loch in die Schilde schießen und durch diese Lücke ein Eingreifteam beamen, welches den Chief herausholen wird.“<br>Danny traute seinen Ohren nicht. Der Plan war abenteuerlich und kaum zu realisieren.<br>„Sie reden von einer Aktion, die selbst bei den Rangern Wochen der Vorbereitung brauchen würde.“<br>„Sie sind doch inaktives Mitglied dieser Spezialeinheit, Danny“, meinte John und lächelte aufmunternd. „Und wir haben die beste Crew, die sich ein gefangenes Crewmitglied nur wünschen kann. Ich sehe kein Problem.“<br>Danny wollte noch etwas sagen, ließ es aber dann. Scheinbar ließ sich der Kommandant nicht von seinem Plan abbringen. Er war gefährlich, möglicherweise sogar dumm. Doch wenn der Lieutenant mit einer Crew diese Sache durchziehen wollte, dann mit dieser Besatzung und mit diesem Kommandanten auf der Brücke. <br><br>Lange hatte er darüber nachgedacht. Wie sollte er sich nur entscheiden? Wie viel von seinem Privatleben konnte er an die Öffentlichkeit tragen, wie viel musste er? Sollte er dies überhaupt tun? Nach seinem Gespräch mit dem jungen Journalisten war Arsani Parul stundenlang in seinem Hotelzimmer auf und ab gegangen, hatte intensiv überlegt. In seinen besten Tagen, während der Verhandlung Kompliziertester Verträge, war er nicht so nervös gewesen wie heute. Diesmal würde es nur um ihn gehen und um niemand anderes. Jake Sisko hatte Recht. Wenn die Informationen über Matt in die falsche Hände gerieten, so könnte weiß Gott etwas damit geschehen. Der junge Sohn des berühmten Sternenflottencaptains hatte sich einen guten Namen in dem journalistischen Bereich der Föderation gemacht und daher konnte man ihm vollstes Vertrauen schenken. Doch behielt Jake den Einfluss auf den Artikel oder würde man ihm ins Handwerk pfuschen? Diese Fragen geisterten im Geist von Arsani Parul herum.<br>Und schließlich entschied er sich. Sein Leben war eh schon verpfuscht, sagte er sich, da konnte er auch noch den letzten Rest zerstören. Also aktivierte er eine Sprechverbindung zu der die Unterkunft des jungen Mannes und sagte zu ihm ohne Umschweife:<br>„Ich mache es!“<br>Der junge Schwarze schien sehr überrascht über den plötzlichen Einstieg ins Gespräch zu sein und blinzelte daher zweimal verwirrt, bis er fragte:<br>„Sind sie sich da auch sicher, Botschafter?“<br>„Ich hoffe ich kann ihnen vertrauen. Denn mein Leben ist ein Scherbenhaufen, dennoch habe ich noch etwas zu verlieren.“<br>Jake verstand sehr wohl, wie viel Verantwortung er auf seinen Schultern trug. Er bejahte diese Frage und handelte einen Termin für ein Treffen aus. Die Wahrheit würde endlich ans Licht gelangen. <br><br>Mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit, die den raumfahrenden Völkern des Alpha-Quadranten bekannt war, raste das kleine Reiseshuttle von Jozarnay Woil durch die Weiten des Alls. Während der ganzen Fahrt ließ er nicht die Sensoren aus den Augen. Zu groß war seine Angst, dass plötzlich Verfolger auftauchen würden. Erbarmungslose Jäger von Sektion 31, die ihn jagen und abschießen wollten. Er hätte sich aus der Sache heraushalten und dem ganzen Ärger aus dem Weg gehen können, doch der Antosianer hatte sich anders entschieden. Man hätte diesen Schritt damit begründen können, indem er einfach nur den Kampf gegen diese Organisation, den er bei der Sternenflotte begonnen hatte, nun zivil weiterführte. Dass er sich auch jetzt noch seinem alten Captain verpflichtet fühlte und diesem helfen wollte. Doch dies alles traf nicht zu. Der Grund saß leibhaftig neben ihm, auf dem Platz des Copiloten. Es handelte sich um eine betörend schöne Frau, die ihn in seinen Bann gezogen hatte. Für Jozarnay, der sich so lange allein gefühlt hatte, war es weit mehr als nur eine Affäre und er war felsenfest davon überzeugt, dass auch sie so empfand. Die eben stattgefundene Jagd schien sie beide nur noch fester zusammengeschweißt zu haben.<br>„Und wo fliegen wir nun hin?“ fragte Woil.<br>Stella Tanner, die das Steuer seines Shuttles übernommen hatte, blickte von ihren Anzeigen auf und lächelte ihn freundlich an.<br>„Einem sicheren Ort“, erklärte sie freundlich.<br>„Dein Zuhause?“<br>„Eines davon“, entgegnete sie und kicherte, was bezaubernd wirkte.<br>„Denkst du, wir haben sie abgehängt?“ fragte Jozarnay und aktualisierte seine Sensordaten. <br>„Für den Moment ja. Aber wenn es stimmt, was du sagtest, dann dürftest du wissen, dass sich Sektion 31 niemals einfach so abschütteln lässt.“<br>„Dies ist leider wahr.“<br>„Und du bist dir wirklich sicher?“ fragte Stella und legte ihre Hand auf die seinige, symbolisierte so Verständnis für seine kommende Antwort, egal wie sie auch ausfallen mochte.<br>„Ja, dies bin ich“, entgegnete der ehemalige Sternenflottler mit fester Stimme. „Ich helfe dir diesen Bastarden zu entkommen.“<br>Als Dank erntete er ein hinreißendes Lächeln, was ihm fast Lohn genug war. Doch nur fast, denn instinktiv begann seine Hand zu zittern. Deutlich meldete sich der Entzug von der Droge zurück, den er für einen kurzen Moment vergessen hatte. Tanner bemerkte dies und begann in ihrer Hosentasche zu kramen.<br>„Ich habe ein kleines Dankeschön für dich“, erklärte sie und überreichte ihm eine kleine Phiole mit milchiger Flüssigkeit. Eine kleine Dosis Ketracel-White. Dankbar nahm der Antosianer die Dosis und freute sich wie ein kleines Kind. Heute lief also so gut wie alles perfekt. Das Glück schien scheinbar sich scheinbar in der Nähe von Stella Tanner zu zentralisieren und daher beschloss Jozarnay in ihrer Nähe zu bleiben. Anscheinend war seine Gesellschaft ja stark willkommen...<br><br>Die Aktion war mehr schlecht als recht vorbereitet worden und bot damit jedwede Gelegenheit, um zu scheitern. Dennoch wagte die Crew der Monitor das Unmögliche, um ihr entführtes Crewmitglied zu befreien. O´Brien hatte nie einen Hehl darum gemacht, dass er nicht gerne an Bord war. Dies lag jedoch nicht an seiner Ablehnung gegenüber seiner Arbeit oder den Kameraden, sondern an seiner Familie, die er vermisste. Eine Familie, zu der er zurückkehren sollte. So zumindest wollte es Captain Lewinski und er konnte sich der Unterstützung seiner Crew sicher sein. Pfeilschnell raste das kleine Kampfschiff auf das aufgespürte romulanische Schiff zu und enttarnte sich. Unmittelbar im Anschluss wurden alle nicht notwendigen Systeme wie Wissenschaft, Tarnung, Replikatoren und andere abgeschaltet, um die freigewordene Energie in die Waffen der Monitor umzuleiten. Schon unter normalen Bedingungen war das Schwesterschiff der Defiant ein Kraftprotz, nun war es jedoch ein waffenstarrendes Ungetüm. Die verbesserten und eiligst reparierten Waffen feuerten mit einer Intervallstärke, wie sie ungesunder für die Bordsysteme nicht sein konnte. Auf der Brücke und überall sonst an Bord des Schiffes war deutlich zu hören, wie das Heulen der Systeme immer lauter wurde. Leitungen schmorten durch, doch ihnen blieb keine Wahl!<br>„Weiterfeuern!“ befahl Captain Lewinski und der den Sicherheitschef vertretenden Ardev feuerte im Sekundentakt Quantentorpedos ab. Nur eine ganz bestimmte Stelle wurde fokussiert, an der die Schilde des mächtigen Scimitar-Schiffes gebrochen werden sollten. Der Kommandant des Schiffes, die Nummer Zwei der Abteilung Blau, war über das plötzliche Auftauchen des Föderationsschiffes mehr als überrascht und brauchte einigen Sekunden, bis er sich fasste. Dann befahl er die Erwiderung des Feuers mit den besten Waffensystemen. Er landete mehrere Volltreffer, doch die Monitor hatte ihr Ziel erreicht. Innerhalb weniger Sekunden hatten sie mit fokussiertem Feuer eine Lücke in dem Schildsystem der Romulaner verursacht, durch welches sie nun einen Eingreiftrupp beamten. Lieutenant Bird, der sich mit vier anderen Sicherheitsleuten im Transporterraum befand, hörte das Signal und spannte seine Muskeln erwartungsvoll an. Sie alle hatten sich mit Gewehren bewaffnet und waren bereit das Crewmitglied zu befreien. Arena Tellom war an die Transportkontrollen geeilt und benötigte all ihre Konzentration, um die vier Sternenflottler durch das Nadelöhrgroße Gebilde zu beamen. Dann endlich meldete sie ihrem Kommandanten den erfolgreichen Transport und Commander Price lenkte in einem weiteren Wahnsinnsmanöver das Schiff zur Seite, gab erneut Vollgas und brachte es außer Schussweite. Wenn es vor diesem Tag noch irgendwelche Zweifel an seiner Nachfolge als Navigator von Bruce Land gegeben hatte, nun waren sie vollkommen ausgeräumt. Er brachte das Raumschiff hart an die Belastungsgrenze, was ihnen jedoch im Endeffekt mehrfach das Leben rettete. Das kleine Enterkommando war also erfolgreich in der Nähe des Aufenthaltsortes von Chief O´Brien materialisiert. Ein Schiff der Scimitar-Klasse war seit seiner verhängnisvollen Konfrontation mit der Enterprise-E dafür bekannt ein fliegendes Schlachtschiff zu sein. Die Waffensysteme waren weit oberhalb der Norm und geschützt wurde es von mächtigen Schilden. Da dass Schiff scheinbar als uneinnehmbar galt hatten die Romulaner jedoch Kraft ihrer Arroganz auf schützende Innenraumkraftfelder und andere Sicherheitsmaßnahmen verzichtet. Zu abwegig schien der Gedanke einer feindlichen Enterung. Diese Annahme wurde jedoch den Romulanern zum Verhängnis. Eine groß angelegte Offensive war zwar tatsächlich undenkbar, doch ein kleines Team hatte durchaus die Chance ins Innere zu gelangen, wie man eben bewiesen hatte. Selbstverständlich hatte die Besatzung den Übergriff bemerkt und leitete Sicherheitsteams dorthin, doch Danny Bird und seine Mannen waren darauf vorbereitet. Er hatte für diese Mission nur Sicherheitsleute mit Kampferfahrung mitgenommen, die gleichzeitig eine besondere Ausbildung genossen hatten. Wer als Sicherheitsoffizier an Bord der Monitor Dienst tat galt ohnehin als ein versierter Kämpfer und erfahrener Veteran. Abteilung Blau hatte zwar ebenfalls Hochausgebildetes Personal, darunter verdeckte Kampfeinheiten, jedoch wurden diese wenigen Kräfte nicht auf den noch selteneren Raumschiffen dieser geheimen Gruppe des Tal Shiar eingesetzt. Daher waren die romulanischen Matrosen, die sich ihnen in den Weg stellten, nichts anderes als Kanonenfutter. Sie waren zwar zahlreich, jedoch keinerlei Mühe für das kleine Team der Föderation. Mit wenigen Schüssen hatte man den Gegner betäubt und marschierte zielstrebig seinem Ziel entgegen. An ihren Körpern hatten sie Störsender angebracht, die ein Wegbeamen des Teams ins All verhindern sollten und ausgezeichnet funktionierten. Sektion um Sektion rückten sie vor, betäubten einen Romulaner nach dem anderen und vermieden eine gezielte Tötung. Dieser Punkt war Captain Lewinski äußerst wichtig gewesen, denn auch wenn die Aggression von den Romulanern ausgegangen war und die ganze Operation geheim gewesen war, so wollte er absolut keinen diplomatischen Konflikt riskieren. Wenn keine Person ernsthaft zu Schaden kommen würde, so wäre es um einiges leichter den ganzen Vorfalle einfach unter den Teppich zu kehren.<br>Schließlich erreichten sie die Tür, die von Lieutenant Ardev nach reiflicher Analyse als Aufenthaltsort von Chief O´Brien angegeben wurde. Während Danny begann einige Sprengladungen anzubringen nahm sein Stellvertreter Zugriff auf die Bordsysteme. Die anderen drei Sicherheitsleute nahmen mit Gewehren im Anschlag Stellung und sicherten das Gebiet gegen eventuell nachrückende Romulaner. Der Sicherheitschef der Monitor vergeudete keine Sekunde und aktivierte die Wohlplatzierten Sprengladungen. Das Bemerkenswerteste an der ganzen Aktion war die Eingespieltheit, mit der das Team vorging. Es waren keine Worte nötig, jeder kannte seine Fähigkeiten und Handgriffe. Das Schott wurde gesprengt und in der kleinen Kammer befand sich tatsächlich ein furchtbar aussehender Miles O´Brien. Kurz blinzelte der Ire, fragte sich wohl ob er seinen Augen trauen konnte und lächelte dann.<br>„Endlich!“ raunte er.<br>„Kommen sie!“ rief Bird ihm zu und packte seine Hand, bevor der zweite Teil des Plans begann. Der Sicherheitsmann, der Zugriff auf die internen Computersysteme des Schiffes genommen hatte, spielte einen Virus auf, der zwar nicht das gesamte Verteidigungssystem außer Kraft setzte, jedoch eine kleine Schildsektion. Klein genug, um der Monitor die Möglichkeit zu geben ihre Leute zurückzuholen.<br>Auf seinem Schirm registrierte Ardev natürlich den Ausfall der Systeme und meldete dies dem Kommandanten.<br>„Commander Price, wir brauchen noch einmal ihre vollste Aufmerksamkeit“, meinte Captain Lewinski grimmig. „Bringen sie uns zu dem feindlichen Schiff und zwar so, dass wir nicht in Tausend Stücke zerfetzt werden.“<br>Statt einer Antwort brummte der Halbbetazoid nur und wendete das Schiff erneut. Dutzende feindlicher Torpedos rasten auf sie zu, doch die meisten verfehlten ihr Ziel. Die Romulaner waren einfach zu verwirrt darüber, dass nicht nur jemand ihr Schiff gestürmt, sondern es auch geschafft hatte sich Zugriff auf die Systeme zu nehmen. Der eingeschleuste Virus begann auch andere Bereiche anzugreifen, wie zum Beispiel das Zielerfassungssystem und eine Löschung des Virus gestaltete sich als äußerst schwierig. Die Nummer Zwei tobte vor Wut. Das Föderationsschiff raste direkte auf sie zu, bot ein perfektes Ziel, aber konnte nicht zerstört werden. Auch die Eindringlinge hatten nicht gestoppt werden können. Ein totales Desaster!<br>Price vollführte eine scharfe Wendung, gab Arena Tellom nur wenige Sekunden für den Beamvorgang, doch es reichte gerade noch einmal so.<br>„Auf Warp gehen und Tarnung aktivieren! Bringen sie uns nach Hause, “ befahl John Lewinski und sprang von seinem Stuhl auf. Er konnte es nicht fassen. Sein vakanter, eilig zusammengeschusterter Plan hatte funktioniert und sie alle waren noch an einem Stück. Es glich einem Wunder. Dann jedoch wurde ihm klar, wer wirklich für diese Meisterleistung verantwortlich war: seine perfekt aufeinander eingespielte Crew. Jeder hatte sein Bestes gegeben, um den Chief zu retten. Jeder hatte seine individuellen Fähigkeiten in die Sache mit eingebracht. Diese Crew war unbezahlbar, dies wurde dem Kanadier wieder einmal voller Stolz bewusst. <br><br>Die Zeit schien überhaupt nicht voran zu schreiten. Dr. Frasier war immer noch geschockt von dem plötzlichen Tod von Commander Sokol, der so schnell und plötzlich verschieden war. Verschiedenste Angehörige der Ärztegruppe kauerten in dem Halbkreis, hinter ihnen die Talarianer mit geladenen Waffen. Einige der Geiseln wimmerten, andere wirkten apathisch. Elisabeth konnte nicht ermitteln, welchen Eindruck sie auf andere machte, an für sich fühlte sie sich furchtbar.<br>Einer der Talarianer, scheinbar der Rädelsführer, ließ sich von einer Frau informieren. Scheinbar hatte man einen Großteil der Romulaner getötet, der Rest befand sich auf der Flucht. Anschließend wandte sich der Anführer an die Gefangenen und fragte barsch in die Runde:<br>„Wer sind sie und was wollen sie hier?“<br>„Bitte töten sie uns nicht!“ wimmerte Ixa und handelte sich dafür einen noch strengeren Blick des Talarianers ein.<br>„Ruhe!! Sie sprechen nur, wenn sie gefragt werden und dann auch nur zum Thema. Ansonsten werden sie die Konsequenzen schon spüren.“<br>Ixa blickte geschockt, hielt Gott sei Dank jedoch den Mund. Sie schien jedoch völlig durch den Wind zu sein, auch wenn man dies ihr absolut nicht verübeln konnte. <br>„Also?“ fragte der Anführer, „noch einmal: wer sind sie?“<br>Die Runde der Ärzte schwieg und es dauerte einige Zeit, bis der Mann eine Antwort auf seine Frage bekam. Dann nahm Elisabeth all ihren Mut zusammen und beschloss für die Gruppe zu sprechen. Sie wusste nicht, ob sie das Richtige tat oder ihre Erklärung die Rebellen verärgern würde. Sie musste es jedoch probieren.<br>„Wir sind Angehörige eines interstellaren Hilfsprogramms; Ärzte, die ihnen helfen wollen.“<br>Für einen kurzen Moment herrschte Stille und die Bordärztin fürchtete sich zuviel herausgenommen zu haben. Doch dann erwiderte der Talarianer:<br>„Und wenn sie uns helfen wollen, wieso arbeiten sie mit den Romulanern zusammen?“<br>„Wir müssen mit ihnen arbeiten. Sie sind die Mittelsmänner.“<br>„Sie geben also zu mit den Besatzern zusammenzuarbeiten?“<br>„Nein“, entgegnete sie hektisch und versuchte sich nicht in Probleme zu reden. „Wir müssen hier bei ihnen hausen und über sie Nachschub bestellen, weil sie die derzeitige Administration auf Talar stellen.“<br>„Eine widerrechtliche Regierung...“ fuhr eine der bewaffneten Wachen dazwischen.<br>„Ja, ja, dies wissen wir! Denken sie etwa nur weil wir hier im Lager sind teilen wir die Ansicht der Romulaner?“ erklärte die Ärztin. Mit zunehmender Zeit wuchs ihre Sicherheit und sie traute sich mehr zu sagen. Scheinbar war Reden ihre einzige Möglichkeit hier heil herauszukommen und diese Chance wollte sie nutzen.<br>„Sie kollaborieren mit ihnen!“<br>„Notgedrungen! Wenn wir nicht die Romulaner nutzen, so können wir ihnen nicht helfen! Haben sie sich einmal hier umgesehen? Wir haben Hunderte ihrer Angehörigen geimpft, behandelt und Nahrung illegal eingeführt. Wir sind hier, um ihnen zu helfen.“<br>Eine Antwort blieb aus, scheinbar überlegte sich der Talarianer, was er nun tun sollte. Seine Augen wanderten erst über den überschaubaren Kreis der Geiseln, dann über seine eigenen Leute des Trupps. Scheinbar schien er die Worte, die er eben vernommen hatte, zu überdenken. Den größten Fehler, den man machen konnte, ist diese Leute für dumm zu halten. Sie waren hochintelligent, mussten dies sein, um in dieser unwirtlichen und feindlichen Umgebung zu überleben. Es war eine Ironie des Schicksals. Obwohl Frasier genau die Sorgen dieses Volkes teilte, Verständnis aufbrachte und wahrscheinlich in derselben Situation ähnlich handeln würde, war sie nun eine Gefangene.<br>„Bitte!“ flehte Ixa noch einmal wimmernd, „töten sie uns nicht!“<br>Sie hatte scheinbar völlig die Selbstkontrolle verloren und wirkte hysterisch. Ihre Worte waren völlig fehl am Platz gewesen. Eben noch hatte Elisabeth gehofft zu den Rebellen durchgedrungen zu sein, da hatte der überflüssig Einwurf der Denobulanerin alles kaputt gemacht. Ohne eine Miene zu verziehen stellte sich der Geiselnehmer hinter Dr. Ixa, legte sein Gewehr an und erschoss die Frau. Bevor die Denobulanerin auf dem Boden aufschlug war sie schon tot. Sie hatte genau neben Elisabeth gekniet. Entsetzt über den zweiten plötzlichen Tod eines bekannten, einer Frau, mit der sie zwei Wochen lang zusammengearbeitet hatte, starrte sie die Leiche an und wusste nicht, wie sie weitermachen sollte. Würden sie nun alle sterben? Wäre ihr Versuch der armen Bevölkerung dieses gebeutelten Planeten zu helfen schlussendlich ihr eigener Untergang?<br>„Wir gehen“, raunte der Anführer seinen Leuten zu und im Laufschritt verließen die Rebellen das verwüstete Lager. Zurück ließen sie neben einer großen Zahl von Leichen, Romulaner sowie ihrer eigenen Leute, und eine kleine Schar von Überlebenden. Minuten später, nachdem sie sicher waren endlich aus dem Gröbsten raus zu sein, erhoben sich die Überlebenden geschockt. Die Chefärztin der Monitor konnte ihren Blick nicht von der Leiche ihrer Kollegin lösen. Sie war unnötig gestorben, sinnlos. Nur eine Minute später, wenn sie nichts gesagt hätte, und sie wäre noch am Leben. Wieso nur? Wie konnte dies alles sein?<br>Auch wenn sie helfen wollte, Elisabeth war froh endlich nach Hause zu dürfen. <br>Ihre Bemühungen waren vorbei.<br><br>Einige Tage waren seit der heiklen Mission, die ihnen fast den Kopf gekostet hätte, vergangen und die gesamte Crew leckte ihre Wunden. Die ermittelten Informationen waren an das Oberkommando weitergeleitet worden und man war sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Wenigstens dafür hatte es sich gelohnt. Was jedoch diese Offensive auf Remus konkret zu bedeuten hatte wusste man noch nicht. Fest stand nur, dass dahinter weit mehr steckte als man noch zu Anfang dachte. Diese Überlegungen waren jedoch Captain John Lewinski für den Moment egal. Er ging zur Krankenstation seines Schiffes, wo Chief O´Brien lag, diesmal der echte, und sich von seinem kurzen Aufenthalt bei den Romulanern erholte. Zweck seines Besuchs war es sich nach dem Wohlbefinden des Chefingenieurs zu erkunden. In blauer Krankenkleidung lag der Chief auf der Liege und starrte die Decke an.<br>„Na, wie geht es ihnen denn so?“ fragte der Kommandant freundlich.<br>„Mir ist langweilig“, gab der Ire freimütig zu. „Ich bin vollkommen gesund. An Bord des romulanischen Schiffes ist mir zu meiner Überraschung nichts zugestoßen. Ich weiß nicht, was ich hier mache.“<br>„Nur zur Beobachtung, Chief, mehr nicht. Morgen sind sie hier raus, das verspreche ich ihnen.“<br>Der Chefingenieur lachte daraufhin und beschloss, sich diese Worte ganz genau zu merken.<br>„Haben sich die Informationen gelohnt?“ fragte der Nachfolger von Chief Woil.<br>„Das Oberkommando ist mehr als zufrieden. Eine Infiltration des romulanischen Raums galt fast als unmöglich, wir haben es jedoch geschafft.“<br>„Sir, darf ich offen sein?“ fragte Miles plötzlich. John nickte und wusste sogleich, was der Chefingenieur ansprechen würde.<br>„Diese ganze Sache hier“, erklärte O´Brien, „hat mir wieder einmal klar gemacht, wie gefährlich unser Beruf ist. Früher war dies für mich nie ein Problem. Ich habe einiges an Einsätzen mitgemacht und mehr als einer davon war gefährlich gewesen, aber inzwischen habe ich eine Familie, die sich auf meine Anwesenheit eingestellt hat. Ich hatte damals, nach meiner Stationierung auf Deep Space Nine, versprochen endlich bei ihnen sein zu können. Diese Entführung... ich kann meiner Frau und meinen Kindern nicht davon erzählen.“<br>„Möchten sie mich abermals bitten sie zu versetzen?“ kam Captain Lewinski direkt zum Punkt.<br>„Würden sie es denn tun?“<br>„Ich bitte sie sich dies noch mal zu überlegen“, schlug ihm der Kommandant vor. „Geben sie sich und uns noch einmal vier Wochen. Wenn sie danach gehen möchten... steht es ihnen frei.“<br>Der Vorschlag war für den Iren akzeptabel. Er selbst wusste immer noch nicht, wie er sich definitiv entscheiden sollte. Jeden Tag fühlte er sich hin und her gerissen, so als würden mehrere Persönlichkeiten in ihm hausen. Diese vier Wochen waren ein guter Zeitraum.<br>Der Kanadier sah das Gespräch als beendet an und machte Anstalten den Krankenbesuch zu beenden. Dann jedoch hielt er inne und meinte:<br>„Ich finde die Ironie dieser Mission bemerkenswert.“<br>„Wie meinen sie das, Captain?“<br>„Kennen sie sich in antiker Mythologie aus?“<br>„Ein wenig.“<br>Kurz dachte John nach, formulierte im Geist einige Worte.<br>„Die Mission wurde durch das Oberkommando Icarus´ Flügel genannt“, <br>erklärte er. „Icarus war nach griechischer Sage eine Person, die sich Flügel bauen wollte. Er schaffte dies auch und wollte hoch zum Himmel hinaus. Doch als er zu nahe an die Sonne herankam schmolz das Wachs, welches seine Flügel zusammengehalten hatte, und er stürzte ab.“<br>„Sie sehen Parallelen?“ <br>„Auch wir kamen einem Objekt zu nahe und hätten daher fast die Konsequenzen spüren müssen. Statt der Sonne war es in unserem Fall Remus, dennoch wären uns beinahe die Flügel gestützt worden.“<br>Mehr sagte der Captain nicht dazu. Er verließ die Krankenstation und gab so dem Chefingenieur Zeit zum Nachdenken. <br><br>Tief in Gedanken versunken wanderte der erste Offizier Commander Price durch die Gänge des Schiffes und grübelte. Vor kurzem hatte man ihm einen Zeitungsbericht der <br>Universe Today gezeigt, in dem der Botschafter der Föderation, Dr. Dr. Arsani Parul, über seinen unehelichen und bisher geheim gehaltenen Sohn sprach. Seine Ehe war deswegen zerbrochen, sein Ruf im diplomatischen Korps war angekratzt, doch zu Matts Überraschung verleugnete er nicht seinen Sohn. Ganz im Gegenteil, er stand zu ihm und war bereit alles für Matthew aufzugeben. Dies war für den Halbbetazoiden, der jahrelang seinen ihm unbekannten Vater gehasst hatte, ein überraschender und verwirrender Vorgang. Mit dieser Reaktion hatte der Halbbetazoid, der bisher ein ganzes Leben lang verschmäht worden war, nicht gerechnet. Plötzlich wurde er aus seiner Gedankenwelt gerissen, als eine Person ihm im Gang gegenüber stand. Es war Dr. Elisabeth Frasier, vor kurzem von ihrer humanitären Hilfsmission von Talar zurückkehrt. Sie beide starrten sich an, sprachlos und nicht in der Lage irgendeine Reaktion zu zeigen. Sie kam erschwerend hinzu, sie und das ganze Problem, welches Price mit ihr hatte. Doch sehr zu seiner Überraschung sprach sie zu ihm und mehr noch, sie war freundlich.<br>„Hallo“, sagte sie mädchenhaft und still.<br>„Du bist wieder hier“, entgegnete der erste Offizier ebenso leise. „und du bist unverletzt. Ich freue mich darüber. Wie war es?“<br>„Furchtbar“, gab Elisabeth zu und schon im nächsten Moment lag sie in seinen Armen. <br>Ihre Lippen trafen sich und tauschten einen Kuss aus, auf den sie so lange gewartet hatten. Der Ärger, der Schmerz, den sie beide so langen durchgemacht hatten, schien endlich vergessen. Wenn die Ärztin etwas während ihrer Abwesenheit gelernt hatte, dann dass man die Chancen nutzen sollte, solange sie sich noch boten. Viel zu schnell konnte alles vorbei sein. Dies hatte sie bei Sokol miterleben müssen und bei Ixa. Matt war der Mann, den sie wollte, dies war ihr nun mehr denn je klar.<br>Endlich konnten sie offen ihre Liebe demonstrieren. Nicht nur anderen gegenüber, sondern in erster Linie sich gegenseitig.<br><br>Ende<br><br><br><center><b>ICARUS´ FLÜGEL</b><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for  <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR <br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING <br>taff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR<br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!<br><br><b>Nächstes Mal:</b><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/promo_6x05.jpg"></center></div>]]></description><guid isPermaLink="false">4935</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 6x03: Ansichtssache</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-6x03-ansichtssache-r4882/</link><description><![CDATA[<center><b>PDF-Download!</b><br><a href="http://downloads.scifinews.de/file_28674.html"><img border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x03.jpg"></a><br><b><font>Monitor - 6x03: Ansichtssache</font></b><br>0,28 MB / Zip-File</center><br><br>Auf den langen Sternenflügen konnte er immer am besten über die Probleme des Lebens nachdenken, so fand zumindest Matthew Price. Der Halbbetazoid befand sich mit seinem Shuttle auf dem Rückweg zu Starbase 67, wo die Monitor immer noch angedockt war und auf neuerliche Befehle wartete. Die meisten Crewmitglieder begrüßten diese Möglichkeit Urlaub zu nehmen und auch Matt hatte es sich ein paar Tage eine Auszeit gegönnt. Wobei man das, was er während dieser Tage erlebt hatte, wohl nicht als Urlaub bezeichnen konnte. <br>Immerhin hatte er zum ersten Mal seinen leiblichen Vater besucht. Zwar kannte er ihn schon seit einem guten Jahr, doch jetzt erst wusste er überhaupt, um welche Person es sich handelte und wie er lebte. Immer noch wogen die Eindrücke der Reise schwer auf dem Halbbetazoiden. <br>Arsani Parul war sein Vater.<br>Das Undenkbare, etwas, was man eigentlich nur aus schlechten Filmen und Büchern kannte, war tatsächlich eingetreten. Ein langes Jahr lang hatten sie miteinander zu tun gehabt und dennoch war Matt niemals die wahre Natur ihrer Beziehung aufgefallen. Wieso nur?<br>Ihre Beziehung würde Zeit brauchen sich zu entwickeln, dies hatte Parul kurz vor Price´ Abreise gesagt und er hatte recht. Sie konnten nicht innerhalb weniger Tage oder Wochen die Fehler rückgängig machen, die fast dreißig Jahre lang vorgekommen waren. Vater und Sohn mussten sich nun Schritt für Schritt neu kennen lernen und versuchen einen Zugang zueinander zu finden. Dabei fiel dem ersten Offizier schmerzlich auf wie sehr er doch auch sein eigenes Kind vermisste. Yasmin hatte er schon längere Zeit nicht mehr gesehen, was an dem nun unterkühlten Verhältnis zwischen ihm und Selina lag. Sie hatten sich im Zorn getrennt und seitdem nicht mehr miteinander gesprochen. Dieser Stand der Dinge war auf keinen Fall akzeptabel, soviel stand für den Halbbetazoiden fest. Wenn er etwas in den letzten Tagen gelernt hatte, dann den Wert einer Familie.  <br><br>Die Abgeordneten des Romulanischen Imperiums fanden sich nach der kurzen Essenspause, die jedem gestattet war, nach und nach wieder in den prächtigen Hallen des wiederaufgebauten Senats ein. Langsam, aber stetig, füllten sich die Sitzreihen wieder, damit man dem nächsten Punkt auf der Tagesordnung lauschen konnte. Nun endlich war die Zeit für Tek´lor gekommen seinen Vorschlag zu unterbreiten. Bedächtig und langsam, fast schon majestätisch näherte er sich dem Podium und legte sich seine wenigen Notizen zurecht. <br>Kurz wartete er, bis der Lärm auf ein erträgliches Mindestniveau herabgesunken war, dann setzte er an:<br>„Verehrte Abgeordnete, liebe Kollegen!<br>Ich spreche heute zu euch, da ich meine eine Lösung für ein Problem gefunden zu haben, welches dieses ehrenwerte Haus schon länger beschäftigt. Es ist eine Frage, dessen Beantwortung auf den ersten Blick nicht sehr dringlich erscheint. Beim näheren Hinsehen erkennt man jedoch, dass damit auch unzweifelhaft das Ansehen unseres großen Sternenreiches verbunden ist. Seit Monaten nun ereilen uns die Nachrichten vom Planeten Talar, der ehemaligen Hauptwelt der Talarianischen Union, welche seit Kriegsende Teil unserer Imperiums ist. Obwohl der Krieg schon ein halbes Jahr vorbei ist herrscht auf Talar immer noch Chaos. Ein Guerilla-Krieg wird gegen unsere Truppen geführt; ein Kampf Mann gegen Mann. Zu Beginn wollten wir uns nicht eingestehen, dass so etwas möglich ist, doch immer wieder erreichen die Talarianer nennenswerte Siege. Das Terrain ist ihnen bekannt und die neue Untergrundtaktik passt viel besser zu ihrer unterlegenen Technik als der offene Kampf. Die Opfer dieses Krieges, der täglich durch Anschläge und Vergeltungsmaßnahmen durchgeführt wird, ist die leidende Zivilbevölkerung Talars. Millionen Talarianer sind durch unser Bombardement des Planeten mit Antimaterie-Waffen ums Leben gekommen; eine Tat, die wir aus heutiger Sicht kurzsichtig nennen können. Denn der massive Einsatz unserer Kernwaffen hat die Ökologie Talars völlig zerstört. Ein nuklearer Winter ist ausgebrochen, dessen dichte Wolkenschicht in der Stratosphäre kaum Sonnenstrahlen durchlässt. In Folge dessen können keine Pflanzen und Getreide gedeihen, auch die Arbeit gestaltet sich durch die dauerhafte Kälte mehr als schwierig. Viele öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Schulen wurden zerstört, Seuchen breiten sich aus und raffen nur noch mehr Zivilisten hin.<br>Viele von ihnen werden nun sagen: die Talarianer sind der Feind, sie haben es verdient.<br>Doch ich bitte sie alle noch einmal über die Konsequenzen nachzudenken. Unser Ansehen bei den außerirdischen Regierungen schwindet zusehends, denn wir sind nicht in der Lage ein Massensterben zu verhindern. Wir brauchen aber mehr denn je wieder den Anschluss an die interstellare Gemeinschaft!<br>Daher mein Vorschlag: trotz unserer strengen Blockade sollten wir es außerirdischen und interstellaren Hilfsorganisationen erlauben nach Talar zu kommen. Sie können Lebensmittel mitbringen, ärztliche Versorgung sicherstellen und Hilfsprojekte starten. Solange kein außerirdischer Soldat seinen Fuß auf diese besetzte Welt setzt und damit nicht unsere Position dort unterminiert, sehe ich darin keine Gefahr. Bitte überlegen sie gut, morgen wird eine Abstimmung stattfinden. Entscheiden sie richtig!“<br>Glücklich trat Tek´lor vom Rednerpult herunter und begab sich wieder zu seinem Platz. Ja, seine Rede hatte genau den richtigen Ton getroffen und die Probleme, sowie ihre Lösungen, angesprochen. Der Romulaner hatte keinen Zweifel, dass die morgige Abstimmung zu seinem Gunsten ausfallen würde.<br><br>Unmittelbar im Anschluss an das Ende der Rede wurde der Bildschirm schwarz und beendete so die Aufzeichnung der Senatssitzung. John Lewinski ließ für einige wenige Sekunden das eben gehörte auf ihn wirken und blickte dann zu der Person, die ihm in seinem Büro gegenübersaß: Dr. Elisabeth Frasier, Chefärztin des Raumschiffs Monitor. Traurig seufzte der Captain, denn er konnte sich ganz genau denken, was nun kommen würde. <br>Dennoch versuchte er an eine Überraschung zu glauben und fragte:<br>„Was genau wollen sie mir mit der Abspielung dieser Rede, die ich übrigens schon mehrfach in den Nachrichten gesehen habe, sagen?“<br>Die attraktive Ärztin, die in Sachen Privatleben ein schwieriges Jahr hinter sich hatte, suchte sich kurz ihre Worte zurecht und begann dann ihre Bitte zu formulieren:<br>„Basierend auf diesem Hilferuf der romulanischen Regierung haben verschiedene interstellare Organisationen mit der Planung von Hilfsmissionen begonnen, darunter der Galaktische Bund des Ärztekollegiums. In wenigen Tagen wird eine Expedition der Mediziner nach Talar beginnen, wo man bei der Mindestversorgung der zahlreichen Kranken und Verwundeten helfen will.“<br>„Und?“ fragte Captain Lewinski und fürchtete die Antwort.<br>„Sir, ich würde sie gerne offiziell um Sonderurlaub bitten, damit ich mich einem dieser Expeditionsteams anschließen kann. Ich möchte helfen.“<br>„Ihr Engagement in allen Ehren,“ entgegnete John und faltete die Hände vor sich auf dem Schreibtisch, „wenn es nach mir ginge, dann könnten sie jetzt gleich aufbrechen, aber ich glaube kaum, dass das Geheimdienstoberkommando ihnen dies gestatten wird.“<br>„Wieso nicht?“ fragte Frasier fast schon aggressiv, erkannte dann den unzweckmäßigen Gebrauch ihrer Stimme und entschuldigte sich.<br>„Sie sind keine Ärztin wie jede andere,“ erklärte der Kanadier ihr, „sie sind beim SFI und waren somit mehr als einmal bei einer geheimen Operation dabei, die sich auch einmal gegen die Romulaner gewendet hatte. Was ist, wenn die Romulaner oder Talarianer sie entführen und etwas mit ihnen anstellen? Sie könnten verhört, ja sogar gefoltert werden, um einer der beiden Gruppierungen Informationen zu geben.“<br>„Ich glaube sie überschätzen mich, Captain. Natürlich war ich an einigen Operationen beteiligt, doch bei den meisten habe ich nicht einmal die Planung mitgemacht, geschweige sie ausgeführt. In erster Linie bin ich doch hier, um die medizinische Grundversorgung des Schiffes sicherzustellen.“<br>Lewinski schüttelte den Kopf. Sie schien nicht verstehen zu wollen, worauf er hinauswollte und daher entschloss er sich dazu direktere Worte zu wählen:<br>„Doktor, ich mache mir einfach Sorgen um sie!“<br>Angesichts dieser Worte verharrte die Ärztin für einen kurzen Moment und dachte darüber nach, was das eben gesagte bedeutete. Sie waren schon lange gute Kollegen, aber waren sie inzwischen sogar befreundet? Inzwischen dienten sie alle schon so lange an Bord dieses Schiffes, das komplizierte Muster der Freundschaft entstanden waren, die in den meisten Fällen ein großartiges Arbeitsklima schufen.<br>„Ich danke ihnen für diese Worte, Captain,“ antwortete Elisabeth ehrlich, „und ich würde lügen, wenn ich sagte ich hätte keinerlei Angst. Doch ich bin Medizinern und in Folge dessen an den hippokratischen Eid gebunden. Ich möchte doch nur diesen armen Leuten helfen, die schon so große Not leiden. Den Untergang der Talarianischen Union haben wir nicht verhindern können. Vielleicht sind wir jedoch in der Lage ein klein wenig zu helfen.“<br>Der Kommandant blickte sie einige Sekunden lang an und überlegte, was das richtige sein würde. Dann schließlich wandte er sich ab und meinte:<br>„Ich werde ihren Antrag weiterleiten, kann ihnen aber nichts versprechen.“<br>„Das ist schon gut genug. Danke!“ sagte Dr. Frasier und erhob sich, um ihre Sachen zu packen. Egal, was das Oberkommando sagen würde, sie würde diese Mission antreten, soviel stand für sie fest!<br><br>Alles wirkte für ihn auf einmal so monoton und sinnlos. Gemeinsam mit Crewman Tinker befand sich der Sicherheitschef des Raumschiffs Monitor in der Waffenkammer des Schiffes und nahm eine Routineüberprüfung vor. Eigentlich sollte Danny diese Prozedur durchführen, doch die Arbeit hatte er an den jungen Matrosen abgegeben und nun saß er auf einer großen Frachtkiste herum, beobachtete Tinker bei der Arbeit. Eine Materialprüfung fand gerade statt, wie so oft, wenn die das Schiff mal an einer Raumstation angedockt war und sich die Gelegenheit bot diese Arbeiten durchzuführen. Ein Phasergewehr nach dem anderen holte der Crewman aus einem Wandschrank, nahm es kurz in Anschlag ( um die Visiereinstellung zu testen ), aktivierte einmal die Energiezelle ( um die Batterie zu prüfen ) und stellte das Gewehr wieder zurück.<br>„Nr. 374 821 überprüft und voll funktionsfähig,“ erklärte Tinker mechanisch, machte eine Notiz auf seinem Padd, auf dem eine Inventarliste abgespeichert war und wiederholte die Prozedur mit der nächsten Waffe. Danny konnte es kaum glauben, doch dem jungen Mann schien diese Arbeit wirklich Spaß zu machen. Er selbst jedoch fühlte sich schlapp und machte keinerlei Anstalten zu helfen. Viel mehr sinnierte er weiter über sein eigenes Schicksal. <br>Wie hatte es nur so weit kommen können? Wie hatte Danny Bird, der eigentlich so hervorragende Offizier, zu einem Verräter an der Föderation werden können? Wieder und wieder stellte er sich die selbe Frage, ohne jemals eine Antwort zu bekommen. Und wenn alles so für seine Schuld sprach, wieso hatte dann die kürzlich erst stattgefundene Befragung für ihn keine Konsequenzen? Commander Elena Kranick hatte ihn massivst in die Mangel genommen und jedes einzelne ihrer Argumente war wahr gewesen. Wieso war er also nicht schon längst vor ein Gericht gestellt worden? Es konnte nicht ausgeschlossen werden, dass der Captain da ein Wörtchen mitgeredet hatte. Vielleicht sollte er einfach so direkt sein und Commander Kranick fragen. Sie müsste wohl am ehesten in der Lage sein seine Fragen zu beantworten.<br>Irgendwann stellte Danny fest, dass er seit geraumer Zeit einen Phaser anstarrte, der in einer Waffenkiste direkt vor ihm lag. Unangenehme Gedanken kamen in ihm hoch, die dennoch unaufhaltsam waren. Wie einfach wäre es nun sich diese Waffe zu greifen, an die Schläfe zu halten und abzudrücken! Dann wären all die Zweifel vorbei, er müsste sich nicht mehr mit den Problemen dieser Welt herumschlagen. Vielleicht wäre es wirklich besser, wenn ihm der Tod die endgültige Erlösung bringen würde. Keine Zweifel mehr, keine Furcht, sondern nur noch Stille. Wie lange würde ein solcher Selbstmord dauern? Es konnte sich nur um zwei oder drei Sekunden handeln, einer Zeitspanne in der Crewman Tinker ihn niemals hätte aufhalten können. Einfach zugreifen und abdrücken, dann war es vorbei.<br>„Sir, ich bin mit den Gewehren fertig,“ riss ihn plötzlich sein Untergebener mit dieser Meldung aus den unheilvollen Gedanken. „Soll ich nun mit den Sprengsätzen fortfahren?“<br>Danny blinzelte und musterte ihn überrascht, brauchte einige Minuten, um wieder zu sich zu kommen. Dann nickte er, murmelte etwas unverständliches und zog sich in sein mentales Schneckenhaus zurück. <br><br>Bisher war er während seiner Flucht nicht weit gekommen. Nachdenklich saß der ehemalige Chief Jozarnay Woil in seinem privaten Shuttle und dachte über die Ereignisse der vergangenen Tage nach. Noch vor kurzem hatte er sich auf seiner Heimatwelt Antos befunden, bei seinen Eltern und nach einem Zerwürfnis mit eben jenen befand er sich nun auf einer Reise ohne Ziel. Zum ersten Mal in seinem Leben konnte der Antosianer dort hin gehen, wo er selbst hinwollte, denn keine beruflichen oder privaten Verpflichtungen konnten ihn an einen bestimmten Ort binden. Doch was tun mit der neu gewonnenen Freiheit? <br>Müde rieb sich Jozarnay über den Schädel und vermisste immer noch sein zu einem Pferdeschwanz zusammengebundenes langes Haar, welches er erst vor kurzem abgeschnitten hatte.<br>Die alten Zöpfe müssen ab!, so lautete ein alter Kampfspruch von der Erde, wenn sich Woil richtig entsann. So richtig hatte er eigentlich nie verstanden, was er heißen sollte, doch seiner Meinung nach war er im Moment mehr als passend. So viele Jahre lang war sein Haupthaar ein Symbol seiner spirituellen Einstellung gewesen, sein Bekenntnis zum göttlichen Herrn.<br>Nun hatte er mit seiner alten Kraft gebrochen. Zu unsinnig schien es ihm an jemandem festzuhalten, der ihn ohnehin für seine Sünden strafen würde. Für Jozarnay war dies alles nur noch sinnlos. Jedoch schloss er nicht aus, dass diese temporäre spirituelle Krise vom Ketracel-White herrührte und vielleicht bald schon wieder vorbei sein würde. Um dies herauszufinden hatte er Kurs auf Jubalee gesetzt, dem einzigen Mond von Antos. Auf dem Jahrtausende alten Mond, der ungewöhnlicherweise die selben Charakteristika wie ein Planet der Klasse M aufwies, befand sich ein jahrhundertealtes Kloster mit antosianischen Mönchen. Es war das letzte Rückzugsgebiet für die Anhänger einer Religion, die im Aussterben begriffen war.<br>Dort hoffte der ehemalige Chefingenieur endlich Gewissheit zu finden, sei es nun positiver oder negativer Natur. Der Flug hatte nicht lange gedauert und das Shuttle setzte vor dem alten, aus Stein gehauenen Kloster auf. Auch wenn dieser ganze Ort primitiv anmutete, <br>so hatte man hier eigens eine Landerampe für Raumschiffe eingerichtet, auch wurde das ganze Areal von Waffensystemen geschützt. Die Mönche würden sich sehr wohl zu verteidigen wissen, wenn man sie jemals herausfordern würde. Doch in der langen Zeit, in der dieses Kloster existierte, war es kaum zu nennenswerten Zwischenfällen gekommen. <br>Zu gering war einfach das Interesse etwaiger Eroberer an diesem Ort der Kontemplation. <br>Jozarnay Woil verließ das Shuttle, schulterte seine Tasche und begab sich zum Haupttor, wo er, sehr zu seiner Überraschung, schon von einem jungen Mönch erwartet wurde. Der Mann war jünger als er, vielleicht Mitte zwanzig und trug wie alle Gottesdiener eine lange, grüne Robe. Sein Haar war unbedeckt und offen, was auf eine gegensätzliche Art animalisch wirkte. Ob diese Wildheit beabsichtig war? Immerhin galten die Mönche als sehr friedliebend.<br>„Willkommen in Gottes Haus,“ begrüßte ihn der Mönch freundlich und tippte sich mit der rechten Hand erst auf die Stirn, deutete dann mit dieser auf den Gast. Die althergebrachte religiöse Begrüßung.<br>„Haben sie mich etwa erwartet?“ fragte der ehemalige Chief und erwiderte die Geste, die ihm nicht mehr so einfach von der Hand ging wie noch vor einiger Zeit.<br>„Wir haben ihre Ankunft auf dem Radar mitbekommen. Wir mögen Mönche sein, aber wir sind nicht primitiv,“ erklärte der junge Ordensbruder höflich.<br>„Dies habe ich auch nicht angenommen.“<br>„Möglicherweise ist ihnen aber auch die Erklärung lieber, dass wir ihre Ankunft vorausgesehen haben,“ orakelte der Mönch.<br>„Wie meinen sie das?“ entgegnete Jozarnay irritiert.<br>Statt einer Antwort lächelte der Mönch nur wissend und bedeutete ihm ins Kloster zu folgen. <br>„Mein Name ist Tan,“ erklärte er, „ich werde sie bei ihrer Suche begleiten.“<br>„Woher wollen sie wissen, dass ich auf der Suche bin?“<br>Abermals lächelte der Mönch nur und brachte ihn zu seinem Quartier. Es versprach eine interessante Zeit zu werden!<br><br>Es war nur wenig Zeit vergangen seit ihrem ersten Besuch im Büro des Captains, was eigentlich ein gutes Zeichen war. Captain Lewinski hatte also tatsächlich Wort gehalten und den Antrag von Dr. Frasier so schnell wie möglich bearbeitet. Nicht, dass sie etwas anderes von ihrem Vorgesetzte erwartetet hätte. Zwanglos stand sie nun vor seinem Schreibtisch und wartete darauf den Grund zu erfahren, wieso sie ein zweites Mal zu ihm gebeten worden war.<br>„Ich habe ihren Antrag an das Oberkommando weitergeleitet,“ erklärte der Kanadier, „und auch meine ausdrückliche Empfehlung zur Billigung ihres Wunsches gegeben. Leider muss ich sie jedoch informieren, dass ihr Antrag abgelehnt wurde.“<br>„Abgelehnt?“ fragte die Ärztin irritiert und konnte in der Tat nicht glauben, was sie da eben gehört hatte. „Ich verstehe nicht so ganz wieso.“<br>Captain Lewinski erhob sich von seinem Sitzplatz, näherte sich der Ärztin und verschränkte seine Arme vor der Brust. Ihm war deutlich anzusehen, was er eigentlich von dieser Entscheidung der Oberen hielt.<br>„Das Geheimdienstoberkommando möchte nicht, dass aus dienstlichen Gründen ein Offizier der Sternenflotte nach Talar geschickt wird. Es könnte im Widerspruch zu unserem Prinzip der Nichteinmischung stehen.“<br>Überrascht wölbte Elisabeth Frasier die Augenbrauen, dann verfinsterte sich ihre Miene.<br>„Die Föderation hat sich verpflichtet humanitäre Hilfsaktionen zu begleiten und zu unterstützen. Von einer Einmischung in einen Konflikt, der beendet ist, kann gar nicht die Rede sein.“<br>„Er ist nur offiziell beendet,“ erinnerte der Captain sie.<br>Kurz kniff die Bordärztin die Augen zusammen und ordnete mehrere Gedankengänge. Für sie war glasklar, worum es hier wirklich ging. Sie war schon zu lange dabei, um sich von einer solchen Ausrede abspeisen zu lassen.<br>„Hand aufs Herz, Captain,“ forderte sie ihn mit sanfter Stimme auf, „worum geht es wirklich.“<br>Anerkennend musste John feststellen, dass er in der Tat durchschaut worden war. Daher gab es für ihn auch keinen Grund weiter diese Scharade zu spielen.<br>„Der wahre Grund, und den möchte das Oberkommando ihnen gegenüber nicht sagen, ist die Angst vor einer Entführung ihrerseits. Sie arbeiten für den SFI und besitzen Zugang zu geheimen Informationen, die man aus ihnen herausbekommen könnte.“<br>„Ich bin Ärztin,“ entgegnete Dr. Frasier kühl, „ich bin kein taktischer Offizier.“<br>„Und dennoch wissen sie über eine Vielzahl unserer Missionen Bescheid. Hören sie Doktor, ich stehe doch auf ihrer Seite, aber es geht einfach nicht.“<br>„Und nun?“ fragte sie resignierend. Sie hatte sich schon mit dem Abbruch dieser Idee geschlagen gegeben, da überraschte sie der Captain mit einer neuen Variante:<br>„Das Oberkommando gestattet ihnen keine dienstliche Mission auf Talar.“<br>„Das heißt?“ fragte Elisabeth.<br>„Wie wichtig ist ihnen diese Mission?“<br>Kurz dachte die hübsche Frau an die zahllosen Opfer auf dem Planeten, das Elend und die Gebrechen. Sie entsann sich des hippokratischen Eides, der sie zur Hilfe zwang.<br>„Sehr ernst. Ich möchte helfen!“ meinte sie schließlich mit fester Stimme.<br>„Wenn sie mir einen Urlaubsantrag einreichen,“ erklärte Lewinski, „so werde ich ihn unterzeichnen. Ich kann ihnen keine Befehle geben, wo sie ihren Urlaub verbringen möchten. Auf der Erde, Mars, Vulkan, Talar oder Betazed, es ist ihre Sache.“<br>In Frasiers Augen blitzte es, als sie sich dieser Variante bewusst wurde. Sie würde ihren Urlaub opfern müssen, doch dies war es ihr wert. Eine tolle Idee des Captains! Ihr wurde bewusst, was für ein Glück sie doch mit diesem Kommandanten hatte. Andere hätten diese Variante nicht zugelassen.<br>„Ich werde mich sofort ans Schreiben dieses Antrags machen,“ erklärte sie.<br>„Ach ja,“ fügte Captain Lewinski beiläufig hinzu, „bei der Materialprüfung fiel uns ein Überschuss an medizinischen Produkten auf, die wir im Lager haben. Bitte sorgen sie dafür, dass sie an dringend benötigtere Dienststellen verteilt werden.“<br>Wieder wurde der Doktor angenehm überrascht und zwinkerte dem Captain zu. Was für ein toller Kerl er doch war.<br>„Selbstverständlich,“ antwortete sie keck, „ich werde mich persönlich um die Umverteilung kümmern.“<br>„Ich habe auch nichts anderes erwartet,“ entgegnete Lewinski lächelnd und machte sich wieder an seine Schreibarbeiten.  <br><br>Diese Wartungsarbeiten! Niemand machten sie Spaß, dennoch mussten sie erledigt werden, um kleine Fehler nicht zu übersehen, die zu einem späteren Zeitpunkt im schlimmsten Fall die Sicherheit des Schiffs gefährden könnten. Lieutenant Ardev, Andorianer und seines Zeichens Einsatzoffizier der Monitor, befand sich in der kleinen Holokammer des Schiffes und ging die Verzeichnislisten durch. Dieser kleine Raum war das wohl auffälligste Vermächtnis des ausgeschiedenen Chief Woils gewesen. Ein Hologitter in einen so kleinen Raum wie diesen zu integrieren hatte als so gut wie unmöglich gegolten. Dennoch war dem Antosianer dieses Kunststück gelungen und hatte so vielen Besatzungsmitgliedern eine Freude bereitet.<br>Derzeit war Ardev dabei die verschiedenen Programme durchzusehen und alte, nutzlose zu löschen, um neuen Rechenspeicher frei zu machen. Denn jede einzelne Holosimulation, ob sie taktischer oder rein privater Natur war, fraß jede Menge Rechenspeicher, der auch gut für andere Dinge genutzt werden konnte. Erst machte sich der Lieutenant an die dienstlichen Dateien, die hauptsächlich aus taktischen Manövern, Schießübungen und Sportprogrammen bestanden. Er löschte einige alte Simulationen, für die es längst neuere und leistungsfähige Simulationen gab, sowie einige Programme, die noch aus dem Dominion-Krieg stammten und bei der derzeitigen politischen Lage nicht mehr aktuell waren. Im Anschluss daran machte sich Ardev daran die privaten Dateien zu durchforsten. Dieser Bereich musste besonders sensibel behandelt werden, da viele Leute ihre privaten Ideen und Gedanken mittels eines Holodecks manifestierten und es ganz sicherlich nicht in ihrem Interesse war, dass diese bekannt wurden. Captain Lewinski hatte ihn zu Beginn der Arbeiten noch einmal darauf eingeschworen, dass ihn die Belange der anderen Besatzungsmitglieder nichts angingen und der Andorianer war gewillt sich daran zu halten. Er ging sogar mit gutem Vorbild voran und löschte einige Programme, die er selbst nicht mehr gebrauchte. Schon erstaunlich, was sich für altes Zeugs über die Monate ansammelte, den man anschließend vergaß.<br>Dann jedoch wurde seine sonst so vorbildliche Einstellung auf eine harte Probe gestellt. <br>Als nächstes erschien auf dem Bildschirm der Name seiner Frau Arena Tellom, was an sich schon eine Überraschung war. Denn seine terellianische Ehefrau gehörte zu den wenigen Personen an Bord, die nicht das Angebot des Holodecks nutzte. Ihr stand, wie sie selbst sagte, mehr der Sinn nach realen Dingen, wie einem guten Buch oder Gesprächen mit ihrem Mann. Dies bedeutete nicht, dass sie dem Holodeck feindlich gegenüberstand, denn sie nutzte es für dienstliche Zwecke, doch privat ließ es sie völlig kalt. Zumindest hatte sie dies immer wieder behauptet und so überraschte es den Lieutenant um so mehr ihren Namen in der Liste der Privatdateien zu finden. Auch war nur ein einziges Programm eingetragen, welches den nichts sagenden Titel Arena 1 trug, unter dem man sich wahrlich nichts vorstellen konnte. <br>Lange kämpfte Ardev mit seinem Gewissen. In der Tat handelte es sich um ein privates Programm, doch immerhin handelte es sich bei dem Offizier nicht um eine fremde Person, sondern seine Ehefrau. Gab ihm jedoch dies ihm das Recht das Programm zu öffnen? Immerhin besaß sie auch als seine Frau noch ein Recht auf Privatsphäre. Ardev kam sich vor wie eine Figur in einem alten terranischen Comic, auf dessen einer Schulter ein kleiner Engel, auf der anderen ein kleiner Teufel saß und beide wollten ihn lenken eine bestimmte Tat zu tun. Schließlich jedoch musste der Andorianer seiner Neugier Tribut zollen und aktivierte das Programm. Er hatte erwartet, dass sich der gesamte Raum veränderte, doch stattdessen erschien nur eine Person aus dem Nichts, der sich als Andorianer entpuppte. Er war etwas größer als Ardev, deutlich älter und trug dennoch würdevolle Kleidung, die ihn als Politiker auswies. Unmittelbar im Anschluss an diese Materialisierung weiteten sich Ardevs Augen, als ihm bewusst wurde, wen er vor sich sah.<br>„Guten Tag,“ begrüßte ihn das Hologramm, nachdem es kurz einen Zugriff auf die interne Uhr des Schiffes genommen hatte und sich so sicher war, dass sie sich nicht mitten in der Nacht befand.<br>„Bolar!“ rief Ardev entsetzt aus, der die Figur vor sich nun erkannt hatte. Wie hatte er dieses Gesicht nur vergessen können? Der Mörder an unschuldigen Terellianern, der Grund für die Verfolgung zahlreicher Andorianer! Was machte er hier, in einem Programm seiner Frau? <br>Für einen kurzen, irrationalen Moment fragte sich Ardev, ob dieses Monster es aus dem Jenseits geschafft haben mochte seine Frau heimzusuchen, doch dann entsann er sich einer sinnvolleren Erklärung.<br>„Ah, wie ich sehe erkennen sie mich,“ entgegnete Bolar höflich und faltete seine Hände hinter dem Rücken, was erschreckend harmlos wirkte.<br>„Was machen sie hier?“ fragte Ardev wütend.<br>„Ich bin das letzte Überbleibsel Bolars, eines Mannes, der sich sehr wohl seines Schicksals bewusst war. Man könnte in der Tat sagen ich bin sein Nachruf. Ein vor seinem Tode aufgezeichnetes Programm, welches an die Person ausgehändigt werden sollte, die ihn schließlich getötet hatte.“<br>Die Worte klingelten in den Ohren des Andorianers. Ja, Arena hatte ihm vor kurzem gestanden, dass sie es gewesen war, die Bolar getötet hatte. Nachdem ihr von einer unbekannten Quelle mitgeteilt worden war, dass der Mörder ihres Bruders noch lebte hatte sie sich zu der geheimen Internierungsstation begeben und ihn nach einem heftigen Wortgefecht erschossen. Ardev war schockiert über diese Tat gewesen, doch schließlich hatte er ihr verziehen. Ursprünglich hatte er beschlossen dieses Kapitel zu vergessen, doch nun wurde es ihm abermals schmerzlich in Erinnerung gerufen.<br>„Ich werde das Programm löschen!“ raunte der Lieutenant und begab sich zu der Konsole.<br>„Nein, warten sie!“ rief die Projektion Bolars und wirkte auf einmal sehr verschüchtert.<br>„Wieso sollte ich warten?“<br>„Haben sie aber kein Interesse an... einem Gespräch?“<br>Mit hasserfülltem Gesichtsausdruck blickte er den Angehörigen seines Volkes an und schüttelte den Kopf.<br>„Ich wüsste nicht, worüber wir beide uns unterhalten könnten.“<br>„Wie wäre es mit der Zukunft unserer Spezies?“<br>Und obwohl er dies nicht wollte ließ er von der Löschen-Taste der Konsole ab. <br>Aus irgendeinem Grund gewährte dieser Einsatzoffizier dem Programm noch eine Gnadenfrist. Wieso, dies wusste er selbst noch nicht. <br><br>Lange hatte er darüber nachgedacht, ob er es tun sollte. Schließlich entschied sich Danny Bird dafür die Sache durchzuziehen. Es dauerte einige Zeit, bis das Komterminal eine Verbindung zu der Person hergestellt hatte, mit der er sprechen wollte. Ein Indiz dafür, wie beschäftigt die Frau wohl sein musste. Endlich, nach einer schier endlosen Zeit, die in Wirklichkeit nur eine Minute war, erschien das Gesicht vom Commander Elena Kranick auf dem Bildschirm. <br>Der Sonderermittlerin des Sternenflottengeheimdienstes war deutlich die Überraschung im Gesicht anzusehen, als ihr bewusst wurde, wer mit ihr sprechen wollte.<br>„Lieutenant Bird! Also mit ihnen habe ich nun gar nicht gerechnet,“ gab die Frau auch unumwunden zu.<br>Der Sicherheitsoffizier des Raumschiffs Monitor blickte sie nur aus müden Augen und fragte direkt:<br>„Wieso haben sie mich nicht verurteilt?“<br>„Wie bitte?“ entgegnete der Commander verblüfft.<br>„Sie haben mich freigesprochen und das obwohl sie mich zu Beginn der Vernehmung festgenagelt haben,“ erklärte Danny ihr. „Also will ich wissen, wieso ich mit keinerlei Konsequenzen rechnen muss.“<br>„Meine Gründe für die Entscheidung sind in meiner Dissertation niedergeschrieben worden... die allerdings für sie geheim ist,“ erklärte Commander Kranick ihm.<br>Doch dies reichte Danny nicht. Er verstand nicht, wieso man ihm nicht die Wahrheit sagen wollte. Viel mehr noch, er begriff nicht, wieso er nicht schuldig war.<br>„Ich will es aber wissen!“ raunte er.<br>Einige Momente lang überlegte Elena, legte sich ihre Worte zurecht, bevor sie orakelte:<br>„Sagen wir es mal so: mir wurde meine eigene Rolle bei dem Verfahren bewusst.“<br>„Was soll das heißen?“<br>Wieder zögerte die Ermittlerin. Wie viel von ihrem eigenen Leben wollte sie nun in diesem Gespräch preis geben? Immerhin handelte es sich um Privatangelegenheiten, die besser nicht veröffentlicht werden sollten. Schließlich entschied sie sich doch dafür offen zu sein. Ihrer Meinung hatte Bird die Wahrheit verdient.<br>„Ich hätte sie fast aufgrund meiner eigenen Erfahrungen zu Verrat verurteilt,“ erklärte sie.<br>„Und dieser Geistesblitz ist dann wie aus dem Nichts erschienen, was? Nein, lassen sie mich raten: Captain Lewinski hat wieder eine seiner berühmten Reden geschwungen und sie damit überzeugt!“ polterte Bird, der sich mehr als paradox benahm. Scheinbar schien er wirklich daran interessiert zu sein sich selbst zu belasten.<br>„Nein, ihr Captain hat mich nur ermahnt! Er hatte recht, ich durfte sie nicht vorverurteilen. <br>Sie sind unschuldig!“<br>„Ich bin ein Verräter!“ fand Bird und schüttelte irritiert den Kopf. Wieso sahen sie alle dies nicht ein? „Ich wurde als Spion vom Dominion eingesetzt, nachdem ich übergelaufen war. <br>Ich habe ihnen all dies gesagt, es steht in den Akten! Wie kommen sie dann nur darauf zu behaupten, dass ich nicht schuldig bin.“<br>Langsam begriff die Ermittlerin, was der Mann von ihr wollte. Dieser ganze Anruf, dieses Gespräch beruhte auf einem Paradoxon.<br>„Sie wollen ihr Gewissen beruhigen,“ fand Kranick. „Sie haben so hohe moralische Ansprüche an sich selbst, dass sie sich selbst verurteilen möchten. In ihren eigenen Augen sind sie schuldig, obwohl sie die betreffende Tat nicht begangenen haben. Es war ein anderer Bird, der übergelaufen sind. Sie sind eine gänzlich andere Persönlichkeit, Lieutenant, sie müssen dies begreifen!“<br>„Ich bin Danny Bird!“ schrie der Lieutenant traurig.<br>„Ja, dies sind sie, aber ein anderer als zuvor! Sie sind ein guter Offizier und wertvoller Freund. Bitte geben sie sich nicht die Schuld für die Tat eines anderen! Ich würde gerne noch weiter mit ihnen über dieses Problem reden, doch ich muss schleunigst in eine Sitzung. <br>Jedoch hoffe ich, dass sie zu ihrem Frieden gelangen.“<br>Damit beendete Commander Kranick die Verbindung und ließ Danny Bird enttäuscht zurück.<br>In seinen Augen schien die gesamte Welt verrückt zu spielen. Wieso sah niemand ein, dass er schuldig war?<br><br>Die Unterkunft war irgendwie nicht ganz so komfortabel, wie Jozarnay sie erwartet hatte. Andererseits: was hatte der Antosianer überhaupt hier erwartet? Über das Kloster wurde nur wenig in der antosianischen Gesellschaft gesprochen, es wurde kaum wahrgenommen. Dennoch hatte er seinen Weg hierher gefunden, um einen letzte Anlauf zu starten zurück zu Gott zu finden. Während der ehemalige Chefingenieur seine Reisetasche auf das karge Bett warf dachte er darüber nach, wie sein spirituelles Leben früher gewesen war. Die Gebete hatte er verrichtet, die Gebote eingehalten. Sein Leben war nach einer übersinnlichen Richtschnur verlaufen, an der er nie einen Zweifel gehabt hatte. Bis er auf Humana abgestürzt war und trotz zahlreicher Stoßgebete grausam gefoltert worden war. Wo war der Gott in diesem Moment gewesen, an den er sich immer gerichtet hatte? Wieso hatte er ihn im Stich gelassen und diesen unerträglichem Schmerzen ausgesetzt? Mit einem kalten Schauer erinnerte sich Jozarnay daran, wie er fast auf diesem elenden Planeten, dessen Bewohner sich letztendlich gegenseitig vernichtet haben, gestorben wäre. Und dann war er wieder ans Ketracel-White geraten. Ein Jahr des Entzuges waren vollkommen umsonst gewesen. Seine Gier nach dem synthetischen Stoff war nur noch größer gewesen als vor seiner ersten Phase. <br>Langsam drehte sich der Antosianer herum und bemerkte, dass der ihn begleitende Mönch immer noch im Raum stand. Mit einem fast schon an einen Hund erinnernden treuen Blick beobachtete Tan ihn und schien die Andeutung eines feinen Lächelns auf seinen Lippen zu besitzen.<br>„Was ist?“ fragte Jozarnay überrascht.<br>„Ich denke darüber nach, was ihnen im Moment durch den Kopf geht,“ erklärte Tan ihm mit ruhiger, melodischer Stimme. „Dies hier ist die erste Phase ihrer Suche und sie gestaltet sich nicht so, wie sie es sich vielleicht vorgestellt haben.“<br>"Na ja," meinte der ehemalige Chefingenieur, "die ganze Einrichtung ist etwas karg."<br>Wie um seine Worte zu unterstreichen deutete er mit den Händen auf den leeren, unverputzten Raum, der nur durch ein Metallbett möbliert war. Ansonsten befand sich hier gar nichts.<br>"Ich nahm bisher immer an, dass in der antosianischen Religion Askese nicht gewünscht ist," fügte er eiligst hinzu.<br>"Oh, wir leben hier nicht asketisch," erklärte Tan und hatte wieder diesen seltsam melodischen Klang in der Stimme. "Wenn sie möchten, so können sie sich so viele Unterhaltungs- und Informationsgeräte holen wie sie benötigen; es ist ihnen nicht verboten. Nur wir benötigen diese Dinge nicht auf unserer Suche. Jedoch legen wir großen Wert darauf zu betonen, dass wir nicht primitiv sind. Intensiv beschäftigen wir uns mit anderen Anschauungen, beschäftigen uns mit klassischer und moderner Literatur und diskutieren darüber in Lerngruppen. Jedem ist es selbst überlassen, wie er seine Suche gestaltet."<br>"Sie meinen die Suche nach Gott?" stellte Jozarnay schließlich die Frage, die ihm am brennendsten auf der Zunge lag.<br>"Ist es das, was sie wollen?"<br>"Ja... das denke ich zumindest," gestand der ehemalige Sternenflottler. "Früher hatte ich auch einmal so langes Haar wie sie. Doch wie sie nun sehen, Tan, habe ich es abgeschnitten."<br>"Sie haben sich von Gott abgewendet?"<br>"Ich weiß nicht einmal mehr, ob Gott noch existiert."<br>Tan nickte, so als würde er diese Erklärung Tag für Tag hören und faltete seine Hände unter der Robe.<br>"Wir werden uns bald gemeinsam auf die Suche machen," erklärte er und wandte sich in Richtung der alten Holztür, "aber erst einmal sollten sie sich einleben. Ich werde sie morgen holen. Dann, wenn ihre Suche beginnt."<br>Damit verschwand er mit dem knarrenden Geräusch der alten Holztür, welche mindestens ebenso alt wie das Kloster selbst zu sein schien. Jozarnay begann damit seine Tasche auszupacken, nur um festzustellen, wie sinnlos doch dieses Unterfangen war, denn es existierte kein Schrank, in den man hätte etwas einräumen können. Also legte er seine wenigen Klamotten wieder zurück in die Reisetasche und setzte sich auf das Bett. Nach wenigen Minuten war er eingeschlafen.<br><br>"Das Problem, mein lieber Lieutenant, ist die Degenration unserer Gesellschaft!"<br>Einem Professor gleichkommend durchwanderte die Projektion Bolars das kleine Holodeck und dozierte über sein Thema. Ardev, Einsatzoffizier des Schiffes, konnte nicht anders und dem Toten zuhören. Erst vor kurzem hatte er diese Projektion des toten Bolars in den Datenbanken des Raumschiffes gefunden und schon schienen die alten Probleme wieder von vorne zu beginnen. Eigentlich war es sein festes Bestreben gewesen dieses Programm, welches sich in den Daten seiner Ehefrau versteckt hatte, zu löschen, doch aus irgendeinem ihm nicht ersichtlichen Grund hatte er dies noch nicht getan. Handelte es sich bei seiner Tat um eine Art Gnadenfrist? Einem letzten Versuch Bolar die Möglichkeit zu geben sein Verhalten zu bereuen? Sicher, die echte Person war tot, getötet durch die Hand von Arena, doch vielleicht konnte sein digitales Ich zur Reue gelangen.<br>Doch diese Hoffnung schien sich leider nicht zu erfüllen. Stattdessen begann das Programm, welches auf den digitalen Erinnerungen und Gedanken von Bolar basierte, mit ihm eine Diskussion über ihr gemeinsames Volk. Der Weg, den Ardev gerade beschritt, war gefährlich, dies wusste er. Er kannte Bolar erst wenige Stunden, doch schon bemerkte er die Faszination, die von dieser Person ausging. Zu Lebzeiten war dieser Mann ein charismatischer Politiker gewesen und diese Ausstrahlung hatte es ihm auch später ermöglicht Kämpfer für den Untergrund zu rekrutieren. Seine Worte fesselten ihn, nicht so sehr in der Hinsicht, weil er ihnen zustimmte, sondern weil sich aus ihnen eine konstruktive Diskussion herausbildete.<br>"Ich fürchte ich kann ihnen in diesem Punkt nicht zustimmen," widersprach ihm Lieutenant Ardev.<br>"Ach nein?" entgegnete die Holoprojektion Bolars und wirkte überrascht. Hätte sein reales Selbst ebenso reagiert oder ein anderes Verhaltensmuster an den Tag gelegt? Unglücklicherweise würden sie wohl niemals eine Antwort auf diese Frage erhalten.<br>"Ihre Aussage unser Volk sei degeneriert, entbehrt jeder Grundlage."<br>"Aber wir sind vom alten Weg abgekommen!" unterbrach ihn Bolar.<br>"Ja, dies mag stimmen, doch dies muss nicht unbedingt schlecht sein. Wir haben den Weg des Kampfes verlassen, eine Verhaltensweise, die wir Jahrhunderte pflegten und uns Respekt einbrachte. Nun erlangen wir diesen Respekt auf andere Art und Weise: wir verhandeln mit den anderen Föderationsmitgliedern. Wir erwerben uns Respekt durch selbstsicheres und uneigennütziges Auftreten. Zwei Dinge, die sie selbst als Tugenden Andors beschrieben."<br>"Dies ist aber kaum zu vergleichen!" fand Bolar trotzig.<br>"Warum?" fragte Ardev und ihm war deutlich sein Unverständnis anzusehen. "Nur weil wir kein Blut vergießen sind wir doch nicht schwach geworden!"<br>"Oh, da sieht man ihre mangelhafte Erfahrung in Sachen andorianischer Geschichte, mein junger Freund," meinte Bolar und wechselte abermals in den lehrerhaften Ton. "Ich lehne doch nicht den Weg der Verhandlung ab, weil ich ihn als schlecht empfinde! Halten sie mich etwa für so beschränkt in meinem Weltbild? Nein, für Menschen oder Vulkanier ist dies ein absolut ehrbarer Weg zu Respekt zu gelangen, doch unsere Art ist dies nicht! Wir sind Andorianer! Wir sind ein Volk von Kriegern und als solches müssen wir unseren Weg mit Aggressivität beschreiten, mit Stärke und Mut. Früher einmal, als es noch das Andorianische Imperium gegeben hatte, waren wir Herr dieser Fähigkeiten, doch durch den Beitritt zur Föderation haben wir unsere natürlichen Eigenschaften vernachlässigt."<br>"Und durch einen Angriff auf terellianische Zivilisten glaubten sie diese Stärken wieder deutlich machen zu können?"<br>Ardevs stichelnde Frage war provokant und mehr als unklug. Immerhin befand er sich mit einem bekannten Mörder in einem Raum und, ob Projektion oder nicht, er konnte gefährlich werden. Doch immer noch schien Bolar die Ruhe in Person zu sein, hatte scheinbar nichts anderes im Sinn als eine lebhafte Diskussion.<br>"Was würde sie sagen, wenn ich ihnen eröffne, dass jeder einzelne terellianische Zivilist, den ich getötet habe, mir leid tut?" fragte er mit Grabesstimme.<br>"Ich würde ihnen wahrscheinlich nicht glauben," gestand der Lieutenant offen und ehrlich. <br>"Aber es entspricht der Wahrheit. Sehen sie mich an: ich bin ein Familienvater, habe Frau und Kinder. Meine Datenerinnerungen reichen leider nur bis zum Punkt der Abreise meines realen Selbst nach Terellia, also kann ich nicht sagen, wie sich Bolar während des Angriffs fühlte. Doch ich kann ihnen sagen, wie er kurz vor Aufbruch zu der Mission empfand."<br>"Wie?"<br>"Er hatte Angst," gab die Holoprojektion zu. "Und er schämte sich. Ja, sie mögen es kaum glauben, doch er schämte sich für seinen Plan. Ich habe immer die Terellianer dafür angeprangert, wie sie die Geschichte verfälscht haben. Wie sie behaupteten nur wir wären die erbarmungslosen Aggressoren gewesen, die vor allem die Zivilbevölkerung abgeschlachtet hatten. Doch auch die terellianische Armee war leider berühmt für ihren Einsatz von Waffen in belebten Stadtgebieten. Ich wollte das andorianische Volk wieder zurück auf den alten Weg bringen, Lieutenant Ardev, dies beinhaltete ebenfalls den Weg der Ehre. Auch wenn Befehlshaber in unserer Vergangenheit mehr als einmal missachtet haben, so ist die wissentliche Tötung von Zivilisten, von Frauen und Kindern, niemals unser Stil gewesen. Es sollte niemals der Stil von irgendeiner Nation sein."<br>Der Andorianer war in der Tat sprachlos. Dies, was er gerade gehört hatte, konnte er beim besten Willen nicht glauben. Bisher war es immer am einfachsten gewesen sich Bolar als den Schlächter von Terellia vorzustellen, als gewissenlosen Mörder und Verbrecher. Nun wollte ihm dieses Hologramm sagen, dass Bolar bedauerte. Konnte dies alles nur eine Lüge sein? Sagte er dies nur in dem Bewusstsein tot zu sein?<br>"Jede einzelne Zivilperson, die starb," fuhr Bolar fort und sah ins Leere, "war eine zuviel. Dies ist meine aufrichtige Meinung. Ich fürchte nur die Nachwelt wird dies nie erfahren."<br>Überwältigt von den Gefühlen, die ihn nun überkamen, deaktivierte Ardev das Programm. Wortlos, ohne ihm etwas davon zu sagen, ließ er Lieutenant die Projektion verschwinden und befand sich wieder allein in der kleinen Holokammer. Er brauchte Zeit zum Nachdenken. Sehr viel Zeit. <br><br>Die Reise war lang und beschwerlich gewesen. Gerne würde Elisabeth Frasier davon sprechen endlich angekommen zu sein, doch eine innere Stimme warnte sie, dass alles wohl nur noch schlimmer werden würde. Die letzten Stunden hatte sie in mehreren privaten Raumtransportern verbracht, die sie über Umwege nach Talar gebracht hatten. Noch immer gab es keine direkte Verbindung zwischen der von den Romulanern besetzten Welt und der Föderation, also hatte die Chefärztin etwas tricksen müssen, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Über mehrere Randwelten und Außenposten waren die zumeist unbequemen Passagen gegangen, jeweils auf Frachtschiffen verschiedenster Bauweisen, die nicht für den Transport von Passagieren ausgelegt waren. Die Reise hatte einiges an Geld gekostet, denn die meisten Frachterkommandanten flogen dieses Krisengebiet nicht gerne an. Elisabeth zählte ihre Finanzen durch und stellte zufrieden fest, dass sie immer noch genug für den Rücktransport besaß. <br>Zum Glück hatte niemand von ihr verlangt ihre privat Fracht zu versetzen, die zum großen Teil aus den Medikamenten bestand, die sie mit Erlaubnis von Captain Lewinski hatte mitnehmen dürfen. Es war nicht viel gewesen, doch anhand der wenigen Berichte, die von Talar an die Öffentlichkeit gelangten, wusste sie, dass jedwede Art von Hilfe willkommen war. Auf dem letzten Abschnitt ihrer Reise hatte Elisabeth schließlich eine Mitstreiterin kennen gelernt. Es handelte sich um eine denobulanische Ärztin namens Ixa, die aus dem selben Grund wie sie nach Talar unterwegs war: um sich en Ärzteteams anzuschließen. So hatte sich der Bordärztin auch die Möglichkeit geboten die neuesten Entwicklungen auf dem medizinischen Markt mit einer Kollegen zu diskutieren, was den Flug weniger langweilig gemacht hatte als zunächst noch befürchtet.<br>Schließlich war es soweit: der kleine Frachter setzte zu seinem Landeanflug in die Atmosphäre von Talar an. Dr. Frasier und Dr. Ixa drückten sich gegen die kleinen Bullaugen, um sich ein Bild der Situation zu machen. Schon der Anblick aus dem Weltraum war überwältigend. Hunderte von romulanischen Kriegsschiffen umkreisten den Planeten, kontrollierten ein und ausfliegende Schiffe. Raumstationen wurden errichtet, die die dauerhafte Besatzung des Planeten gewährleisten sollten. Doch dies war alles kein Vergleich zu den Eindrücken, die sich ihnen beiden nach Einflug in die Atmosphäre des Planeten bot. Von alten Aufnahmen aus der Sternenflottendatenbank wusste sie, dass Talar eine klassische Welt der Gruppe M gewesen war, der Erde gar nicht mal so unähnlich. Es hatte prächtige Ozeane und Kontinente gegeben, Millionenstädte und Landwirtschaft.<br>Dies alles war jedoch Geschichte. Durch das orbitale Bombardement der Romulaner hatte sich die talarianische Heimatwelt in eine atomare Einöde verwandelt. Die Ozeane waren zu einem großen Teil durch die entstandene Hitze verdampft worden, die großen Städte waren verwüstet und glichen Ruinenlandschaften. Funktionierende Infrastrukturen existierten kaum noch, die meisten Verkehrswege waren unbrauchbar. Doch das schlimmste war der durch den aufgewirbelten Staub verursachte nukleare Winter. Für viele Jahre würden kaum Sonnenstrahlen durch die Wolkenschicht durchdringen können und so Pflanzen das Wachsen ermöglichen. Auf dem ganzen Planeten war eine Kälteperiode ausgebrochen, die die gesamte Situation nur noch verschlimmerte. Und der beißende Wind, der durch die Ruinen wehte, schien niemals abzuflauen. Von den Talarianern wurde er schon traurig der Hauch des Todes genannt.<br>Durch die verwüstete Umwelt gestaltete sich auch der Landeanflug schwieriger als erwartet. Der Transporter schüttelte sich in unerwarteten Turbolenzen und der Pilot hatte alle Hände voll zu tun, um seine Fracht sicher auf den Boden zu bringen. Schließlich gelang es ihm jedoch und die beiden Ärztinnen packten ihr Hab und Gut, machten sich auf dem Weg zur Einreisehalle.  Hierbei handelte es sich um einen gewaltigen Bau, in dem sich alle einreisenden Personen registrieren mussten, wenn sie Talar betreten wollten. An dieser Prozedur gab es kein Vorbei, wer versuchte sie zu umgehen, wurde ohne Umschweife erschossen. An den Einreiseschaltern saßen nur romulanische Beamte, denn Talarianern wurde nicht vertraut. Man fürchtete sie würden Söldner und Widerstandskämpfer durchlassen, die den romulanischen Besatzungstruppen arge Probleme bereiten könnten. Das Gedränge in der Halle war furchtbar. Überall standen Außerirdische verschiedenster Rassen und forderten wild gestikulierend, dass man sie als nächstes abfertigte. Frasier und Ixa brauchten sich nur kurz umzusehen, um zu begreifen, dass sie hier noch eine lange Zeit verbringen würden.<br>Und dem war auch schließlich so. Über zwei Stunden lang saßen sie auf dem kalten Boden der Abfertigungshalle und sahen zu, wie nach und nach die Besucher durchgeschleust wurden. Dann endlich, kurz vor Abend, waren sie an der Reihe. Beide Ärztinnen traten an das Pult, wo sie ein Romulaner mittleren Alters erwartete. Erst nahm er die Personalien von Dr. Ixa auf, die er peinlich genau in den Computer eingab, dann wandte er seine gesamte Aufmerksamkeit Elisabeth zu.<br>"Ihr Name?"<br>"Dr. Elisabeth Frasier," erklärte die Bordärztin in neutralem Tonfall. Trotz des langen Wartens wollte sie nicht durch Gereiztheit den Zorn der Romulaner auf sich ziehen.<br>"Staatsangehörigkeit?" fragte der Beamte routinemäßig und ohne von seinem Computer aufzusehen.<br>"Bürgerin der Vereinten Föderation der Planeten."<br>"Der Grund für den Aufenthalt auf Talar?"<br>"Ich möchte mich dem medizinischen Hilfsprogramm anschließen."<br>"Wie lange wollen sie auf Talar bleiben?"<br>"Ich habe mit einer Woche gerechnet, vielleicht auch zwei."<br>"Sind sie Angehörige der Sternenflotte?"<br>"Ja," gab Elisabeth offen und ehrlich zu. Sie fand nicht, dass es klug wäre die örtlichen Behörden anzulügen, denn dies würde nur Misstrauen verursachen. Eine Lüge wäre wohl eh sinnlos, da wahrscheinlich die Personalien von allen Einreisenden überprüft würden. Was würden sie wohl sagen, wen sie auf die nur mäßig vollständige Akte von ihr stießen?<br>"Welchen Rang bekleiden sie in der Sternenflotte?" fragte der Beamte und sah zum ersten Mal auf. Jetzt erst schien sein Interesse geweckt worden zu sein.<br>"Lieutenant-Commander."<br>"Was ist ihr Dienstposten?"<br>"Medizinische Fakultät der Sternenflotte, San Francisco, Erde." Dies war noch nicht einmal eine große Lüge. Offiziell war dies in ihrer Akte als ihr Dienstort eingetragen, da die Monitor ja nicht in den offiziellen Schiffsdatenbanken verzeichnet war. <br>"Führen sie irgendwelche Handfeuerwaffen mit sich?"<br>"Nein, dies tue ich nicht."<br>"Ich hoffe für sie, dass dies die Wahrheit ist," meinte der Beamte fast schon leidenschaftslos. "Ansonsten könnte dies als Einmischung ihrerseits angesehen werden. Ich weiß nicht, wer ihnen dies übler nehmen würde: wir oder die Terroristen. Wie auch immer, mehr Angehörige ihres Hilfsprogramms warten vor dem Raumhafen auf ihren Abtransport. Sie können sich der Gruppe anschließen."<br>Ihre Begrüßung auf dem Planeten war also alles andere als herzlich gewesen, doch ehrlich gesagt hatte niemand von ihnen ernsthaft mit Freundlichkeit gerechnet. Wer weiß, vielleicht gingen die Romulaner nicht einmal davon aus, dass sie alle noch lange zu leben hätten. Beide traten nun nach draußen, wo tatsächlich einige andere Ärzte warteten und wurden sich zum ersten Mal der niedrigen Temperaturen bewusst, die sie frösteln ließen. Hinzu kam noch ein böser Schneesturm, der die Sicht erheblich beschwerte.<br>Elisabeth fragte sich, wie lange sie wohl hier warten mussten, doch nur wenigen Minuten später traten mehrere bewaffnete Romulaner auf sie zu. Der Älteste von ihnen, der Anführer, rief mit starker Stimme gegen den starken Wind an und erklärte:<br>"Mein Name ist Commander Sokol. Ich werde dafür verantwortlich sein, dass sie sicher ihren Bestimmungsort erreichen, das Flüchtlingslager T-45. Dort werden sie ihr medizinisches Basislager aufschlagen und mit der Behandlung beginnen. Die romulanische Administration hier auf Talar gestattet es ihnen nicht die Umgebung des Lagers T-45 zu verlassen. Bedenken sie, diese Regeln sind nicht dazu da, um ihnen das Leben zu erleichtern, sondern um es zu retten. Wir haben auf so vielen Kanälen wie möglich dem talarianischen Widerstand mitgeteilt, dass wir heute Ärzte transportieren. Leider kann ich ihnen nicht garantieren, dass man darauf Rücksicht nehmen wird. Ich hoffe wir kommen heil im Lager an!"<br>Die Worte verursachten Beunruhigung in der Gruppe. Die meisten der Ärzte waren andere Bedingungen gewohnt, unter denen sie arbeiten konnten. Einige wenige von ihnen waren Veteranen vergangener Hilfsaktionen und hatten schon ähnliche Krisenherde erlebt. Nach und nach stiegen sie in den gepanzerten Truppentransporter, der sich altmodisch auf Rädern fortbewegen musste. Die Wetterbedingungen machten die Fortbewegung mit magnetischen Fahrzeugen zu riskant. Kurz nur dachte Frasier über Sokol nach, dann beschloss mit ihren neuen Kollegen ins Gespräch zu kommen. Der Truppentransporter wurde von drei Militärfahrzeugen der Romulaner eskortiert, wobei zwei der Wagen voraus fuhren und der dritte Rückendeckung gab. Das Tempo der Kolonne war äußerst niedrig, da die Sicht durch den Schneesturm erheblich eingeschränkt war.<br>"Du bist also bei der Sternenflotte?" fragte die Denobulanerin Ixa.<br>"Ja, dies bin ich," entgegnete Elisabeth ohne Umschweife.<br>"Bist du dienstlich hier?"<br>"Nein, ich bin offiziell im Urlaub. Man wollte mir keine Freistellung für diese Mission geben."<br>"Aha, ich verstehe. Hast du schon einmal so etwas mitgemacht?"<br>"Nein. Du denn?"<br>"Ja, es ist mein zweites Mal," erklärte Ixa und blickte kurz durch eines der Bullaugen, welches die verschneite Landschaft zeigte. "Ich habe schon einmal bei der Eindämmung einer planetenweiten Seuche auf Klestus 3 geholfen."<br>"Ich habe von diesem Zwischenfall gehört. Die Situation dort muss nicht allzu erfreulich gewesen sein."<br>"Nein, dies war es ganz sicherlich nicht. Aber ich fürchtete, gegen das, was uns hier noch bevorsteht, war das dort wie ein Ferienlager," meinte die Ärztin und blickte traurig ins Leere.<br>Sie beide schienen die einzigen an Bord zu sein, die Interesse an einer Unterhaltung zu haben schienen. Alle anderen Ärzte blickte nur betreten, teilweise ängstlich, zu Boden und wünschten sich nur, dass die Fahrt so schnell wie möglich vorbei gehen sollte. Elisabeth hoffte inständig, dass alles gut gehen würde. An den fachlichen Kompetenzen der meisten von ihnen bestand kein Zweifel, doch wie würden sie unter Druck reagieren? Immerhin würde Talar nicht die sauberen Bedingungen bieten, die sie alle gewohnt waren.<br>"Was machst du bei der Sternenflotte?"<br>"Ich bin in einer Ambulanz tätig."<br>"Auf der Erde?" fragte Ixa misstrauisch.<br>"Ja."<br>Angesichts dieser Worte lächelte die Denobulanerin nachsichtig.<br>"Ich kenne deine Spezies zu gut, Elisabeth. Inzwischen weiß ich, wann ihr lügt und wann nicht."<br>"Und?"<br>"Deine letzte Aussage war eine Lüge."<br>Kurz dachte Elisabeth Frasier über diese Worte nach, dann fragte sie:<br>"Wie sieht es damit aus, wenn ich sagte, ich könne nicht darüber reden?"<br>"Dies ist die Wahrheit und ich akzeptiere sie."<br>"Vielen Dank für dein Verständnis."<br>"Kein Problem," entgegnete die neugewonnene Freundin und zwinkerte ihr sogar zu. "Ich hoffe ich werde bald Zugang zu einem Kommunikationsterminal finden. Meinen Ehemännern möchte ich sagen, dass ich heil angekommen bin. Bist du verheiratet?"<br>"Nein."<br>"Dir scheint dieses Thema unangenehm zu sein. Dein Körper sendet gewisse Signale."<br>Die Bordärztin der Monitor war imponiert über das immense Wissen ihrer neuen Kollegin. Scheinbar hatte sie den richtigen Riecher für verschiedenste Spezies.<br>"Gibt es aber jemanden in deinem Leben?"<br>Dies war eine viel interessant Frage als Ixa wohl annahm. Elisabeth dachte einige Zeit darüber nach, wie sie antworten sollte.<br>"Ich...," begann sie und kam nicht mehr weiter, denn die Hölle brach um sie herum los.<br>Das erste Führungsfahrzeug der Kolonne explodierte in einem glühenden Feuerball und versperrte so den Weg der Straße, was den Rest der Gruppe zum Stillstand zwang. Commander Sokol, der sich im zweiten Fahrzeug befand, befahl mit lauter Stimme das Fahrzeug zu verlassen, denn ihn beschlich ein ungutes Gefühl. Er schnappte sich ein Disruptorgewehr und sprang aus dem Geländewagen hinaus in den Schnee. Keine Sekunde zu spät, denn auch das zweite Führungsfahrzeug explodierte. Zwei brennende Romulaner flüchteten aus den Trümmern und versuchten die Flammen im Schnee zu ersticken. Der romulanische Anführer hätte gerne seinen Soldaten geholfen, doch er war viel zu sehr damit beschäftigt die Lage zu analysieren.<br>Sie waren in einen Hinterhalt der Widerstandsgruppe geraten. Also hatte man ihren Aussagen man würde zivile Ärzte transportieren, keinen Glauben schenken. Oder aber ihre Nachricht war nicht an alle Gruppen durchgekommen. Inzwischen war das Netz der einzelnen Gruppen so weit verzweigt, dass nicht alle Leute unterrichtet werden konnte. Angespannt verdrängte Sokol diese Gedanken und versuchte die taktische Lage zu erfassen. Die beiden Fahrzeuge waren von einem Photonengranatwerfer zerstört worden, der gezielt eingesetzt worden war. Es musste sich um eine Gruppe von mehreren Talarianern handeln, die ihnen in dieser unwirtlichen Umgebung aufgelauert hatten. Die Schüsse kamen von vorne, also musste der Feind sich dort befinden. Wahrscheinlich versperrten ihnen die Trümmer der beiden Fahrzeuge die Sicht auf den Transporter und das dritte Militärfahrzeug, daher ließ ihr dritter Schuss auf sich warten.<br>Das hieß sie brachten sich in eine günstigere Feuerposition. Sokol sprang aus dem Schnee auf, in dem er bis eben noch gelegen hatte und rannte zu dem Transporter. Er riss die hintere Einstiegsluke auf und schrie:<br>"Bleiben sie hier im Wagen! Wir sind in einen Hinterhalt geraten. Bleiben sie hier drinnen und es wird ihnen nichts passieren!"<br>Dann schleuderte er die massive Tür zu und warf sich unter das Fahrzeug, also unmittelbar danach zwei Phaserimpulse an ihm vorbeirasten. Das dritte Fahrzeug setzte sich nun in Bewegung, manövrierte sich intelligenterweise in die Sicherheit neben den Transporter und drei weitere romulanische Soldaten sprangen von dem Fahrzeug ab. Sie gaben mehrere ungezielte Deutschüsse in die ungefähre Richtung ab, aus der der Angriff erfolgt war und warfen sich dann zu ihrem Kommandanten.<br>"Die beiden Fahrzeugbesatzungen sind tot," flüsterte Sokol ihnen zu und versuchte in dem Schneegewühl etwas zu erkennen. Kurz setzte er die thermische Sichtbrille auf, doch durch die radioaktiven Interferenzen und dem Sturm brachte ihm dieses technische Gerät nichts. Nun galt es also Mann gegen Mann zu kämpfen. Unmittelbar im Anschluss hörten sie Schritte im Schnee, als der offenbar unerfahrene Angreifer auf den Transporter zu rannte und wild gestikulierte. Er schrie etwas auf talarianisch, was Sokol nicht verstand und langsam schälte sich seine Figur aus dem Sturm heraus. Sokol nutzte sofort den günstigen Augenblick und erschoss den Angreifer, der sich als junge Frau herausstellte. Sofort danach wechselten sie die Stellung und verschanzten sich wieder hinter einem der inzwischen ausgebrannten Fahrzeuge.<br>Kein Feuer ohne Bewegung, so lautete ein taktisches Sprichwort. Nun also schienen die Angreifer nahe genug gekommen zu sein, um sie zu erkennen, denn ein Gewitter aus Gewehrschüssen brach aus. Dies bedeutete, dass sie in Feuerreichweite des Transporters waren. Es war zwar nicht abzusehen, ob die Talarianer diesen angreifen würden, doch man konnte nichts ausschließen. Sokol feuerte noch drei weitere Schüsse auf schlecht erkennbare Schemen ab, dann packte er seinen Kommunikator und stellte eine Verbindung zu dem Militärfahrzeug her.<br>"Wir müssen die Talarianer von dem Transporter ablenken. Fahren sie aus der Deckung hervor und lenken sie so das Feuer auf sich, während wir den Feind von der Flanke angreifen!" befahl er dem Fahrer.<br>Seine Anweisungen wurden bestätigt und wild aus seinem Geschützturm feuernd bewegte sich das Fahrzeug nach vorne. Nun wurde die Unerfahrenheit der Talarianer deutlich, denn sie konzentrierten ihre kompletten Anstrengungen nun auf das schwere Gefährt und beschoss es mit ihren Handwaffen, die natürlich aufgrund der Panzerung wirkungslos blieben. Sie wollten eh nur Zeit herausschlagen, um ihre Panzerfaust in Betrieb zu nehmen. Dies war der Moment, auf den Sokol und seine Männer gewartet hatten. Sie verließen blitzschnell ihre Deckung und rannten auf die Talarianer zu. Sobald sie sie besser in Sicht hatten eröffneten sie das Feuer. Die Gruppe bestand aus sechs Leuten, vier von ihnen wurden sofort getroffen. Die anderen beiden schafften es noch den Angriff zu erwidern, schossen einen romulanischen Soldaten nieder, bevor auch sie den Tod fanden.<br>Außer Atem, den Körper voller Adrenalin, blickte Sokol auf das Schlachtfeld, was sich ihnen darbot. Die Straße musst geräumt werden, bevor der Transporter seinen Weg fortsetzen konnte und in dieser Zeit würden sie ein leichtes Ziel abgeben. Es hieß wachsam bleiben und hoffen, dass alles gut ging!<br><br>Die ganze Situation wirkte lähmend auf ihn. Ganz allein, verlassen, saß Lieutenant Bird in der Waffenkammer des Schiffes und starrte vor sich hin. Er hatte sich auf einer der aufgrund der Zählungen zahllos herumstehenden Kisten hingehockt und wartete. Worauf er wartete wusste er selbst nicht genau. Vielleicht die Absolution, die ihm niemand erteilen konnte? Eigentlich hatte er sich hierher verzogen, um sich etwas mit Arbeit abzulenken, doch schon nach wenigen Minuten war ihm klar geworden, dass er nichts machen konnte. Zu sehr belasteten ihn seine persönlichen Probleme. Egal was er auch anfasste, seinen Konzentrationsspanne war zu gering, um die Arbeit zu beenden. So saß er einfach nur hier alleine herum und grübelte über sein Schicksal. Irgendwann schreckte ihn der Ruf vom Kommunikationssystem hoch.<br>Danny blinzelte zweimal, fragte sich unwillkürlich, wie viel Zeit inzwischen vergangen war und betätigte seinen Kommunikator:<br>„Bird hier!“<br>„Sir, ich habe hier einen Anruf für sie,“ erklärte Fähnrich Bolder, der derzeit seinen Brückendienst versah.<br>Müde rieb sich der Sicherheitschef die Augen. Worum konnte es hierbei gehen?<br>„Wer möchte denn mit mir sprechen?“<br>„Dies kann ich leider nicht mit Bestimmtheit sagen, Lieutenant, es handelt sich um ein eine verschlüsselte Mitteilung des Justizministeriums.“<br>„Na gut,“ brummte Bird, „stellen sie es mir auf den Bildschirm in der Waffenkammer durch.“<br>Bolder tat wie ihm geheißen und der Bildschirm der Waffenkammer zeigte nicht mehr einige Bestandslisten, sondern blendete erst das Symbol des Justizministeriums der Föderation ein und dann ein wohlbekanntes, dennoch verhasstes Gesicht ein. <br>„Oh nein, nicht sie!“ spuckte Danny beinahe schon aus, als er die Person erkannte, die mit ihm sprechen wollte. Es war der einzige Mensch, den er derzeit noch mehr hasste als sich selbst.<br>„Ich verstehe gar nicht, wieso ich immer so unfreundlich begrüßt werde,“ meinte Edward Jellico und lächelte einladend. „Man kann nun nicht gerade behaupten, dass ich ihnen in letzter Zeit schlechtes wollte.“<br>Kurz überlegte der Sicherheitschef, ob er erneut eine bissige Erwiderung von sich geben sollte, entschied sich dann jedoch dagegen. Vermutlich legte es der ehemalige Admiral einfach auf diese Wortgefechte an. Der alte Mann schien es wohl zu genießen, wenn sich die Leute vor ihm ekelten.<br>„Wissen sie, Mr. Jellico, heute steht mir einfach nicht der Sinn nach langwierigen Diskussionen mit ihnen darüber, ob sie ein Verräter oder Held der Föderation ist. Ich habe andere Probleme und dringliche Arbeit, also werde ich einfach diese Verbindung beenden und ihren Anruf vergessen.“<br>„Dies ist aber schade, denn ich wollte ihnen gerade ein Angebot machen, dass ihnen vielleicht aus ihrer misslichen Lage heraushelfen könnte,“ erklärte Edward Jellico und ließ so Bird erstarren.<br>„Was meinen sie?“<br>„Ach kommen sie schon, haben sie etwa vergessen, was für Möglichkeiten mir zur Verfügung stehen? Ich bin ein Sonderarbeiter des Justizministeriums und habe da natürlich ihren Prozess sehr interessiert verfolgt.“<br>„Worauf wollen sie hinaus?“<br>„Mein lieber Danny, ich kenne doch ihre Art! Nach so vielen Jahren bin ich dermaßen vertraut mit der Crew der Monitor geworden, dass ich ganz genau weiß, was derzeit in ihrem Kopf vorgeht.“<br>„Und das wäre?“ fragte der Lieutenant und versuchte seine Anspannung nicht zu deutlich zu zeigen. Dieses ganze Gespräch machte ihm Angst und er hätte es am liebsten sofort beendet, doch irgendetwas hinderte ihn daran. Irgendwie schien von Edward Jellico eine unheimliche Versuchung auszugehen, die man nicht so einfach erklären konnte.<br>„Schuldgefühle. Reue und Hoffnungslosigkeit,“ beantwortete der Chefverschwörer von Sektion 31 seine Frage. „Sie fühlen sich schuldig für eine Tat, die sie nicht begangen haben.“<br>„Darüber kann man streiten.“<br>„In der Tat kann man dies und ich denke jeder wird in dieser Sache einen anderen Standpunkt besitzen. Der Punkt ist jedoch, dass Commander Kranick sie für nicht schuldig befunden hat und sie so mit weißer Weste vor der Sternenflotte dastehen. Was jedoch fehlt ist ihre persönliche Einsicht. Ihre Gefühle lähmen immer mehr ihre Arbeit und irgendwann werden sie nur noch ein Nervenbündel sein, welches nutzlos auf dem Schiff umher wandert, wie ein Geist. Aber ich habe die Lösung!“<br>Statt eine verbale Antwort von sich zu geben starrte Danny nur den Bildschirm an, der Jellico zeigte. Im Hintergrund war deutlich das Fenster seines Büros zu sehen, von dem man einen wunderschönen Ausblick auf den Eiffelturm hatte. Eigentlich wollte er nicht mit ihm diese Unterhaltung führen, doch noch immer wagte er es nicht die Verbindung zu unterbrechen.<br>„Ich möchte sie von ihren Schuldgefühlen befreien!“ erklärte Edward.<br>„Und wie wollen sie dies anstellen?“<br>„Auf ihren Wunsch hin werde ich die Löschung ihrer Erinnerungen veranlassen.“<br>„Wie bitte?“ Danny Bird meinte sich eben verhört zu haben.<br>„Keine Angst,“ beschwichtigte ihn der alte Mann, „ich rede nicht von ihren ganzen Lebenserfahrungen, sondern nur von den Erinnerungen rund um diesen Fall. Eine kurze Prozedur hier bei uns auf der Erde und schon werden sie sich nicht mehr an diese ganze Geschichte erinnern. Das Überlaufen, die Umprogrammierung, der Prozess, all dies wird für sie kein Thema mehr sein, denn ihnen wird es so vorkommen als seien diese Dinge niemals vorgefallen.“<br>Dies was er eben gehört hatte, war für den jungen Sicherheitsoffizier unglaublich. Für einen kurzen Moment ging er die verschiedenen Optionen des Angebots durch. Erschreckenderweise war es auf eine gewisse Art und Weise verlockend für ihn. All den Schmerz und die Trauer, die er derzeit empfand, einfach zu vergessen wäre ein Segen für ihn und vermutlich auch für seine Kollegen. Doch was wären die Konsequenzen hieraus? <br>Edward Jellico machte nie etwas nur aus purer Liebe zur Menschheit. Er würde einen Preis verlangen, auch wenn er ihn nun nicht aussprechen würde. Und wer wollte schon in der Schuld eines Mannes stehen, dessen Ziel die Zerstörung der Föderation war?<br>„Ihr lehne ihr Angebot ab.“<br>„Aber wieso denn? Es würde sie befreien,“ zeigte sich Jellico überrascht.<br>„Es würde die Tat nicht ungeschehen machen. Nur weil ich mich daran nicht mehr erinnern würde hieße dies nicht, dass es nicht passiert wäre. Und alle anderen wüssten auch davon.“<br>„Sie wären frei!“<br>„Nein,“ erklärte Bird grimmig, „ich stünde in ihrer Schuld. Mehr entfernt von der persönlichen Freiheit kann man dann nicht mehr sein.“<br>Nach diesen abschließenden Worten beendete Bird die Verbindung mittels Knopfdruck. <br>Ohne Verabschiedung, ohne weitere Worte. Es brachte nichts vor seinen Problemen davon zu laufen. Irgendwann musste man sich ihnen stellen. Doch zu allem Überfluss bemerkte Danny, dass ein kleiner Teil von ihm das Angebot des alten Mannes gerne angenommen hätte.  <br><br>Hart und unsanft war das Wecken, welches Jozarnay aus dem Schlaf riss. Zaghaft öffnete er ein Auge und blickte in das freundlich lächelnde Gesicht von Tan. Dieser hatte einen Eimer Wasser über ihm ausgeleert und ihn so wach gemacht.<br>„Himmel,“ jauchzte Jozarnay, „wie spät ist es überhaupt?“<br>Ansatzweise waren die ersten Sonnenstrahlen zu sehen, die durch das karge Fenster schienen.<br>„Es ist Zeit, um mit der Suche zu beginnen,“ erklärte der Mönch mit der selben melodischen Stimme wie am Vortag. „Ich dachte es würde Zeit sparen, wenn ich dich gleich hier mit dem Eimer wasche. So musst du nicht wertvolle Minuten im Bad verschwenden.“<br>„Sehr rücksichtsvoll von dir, wirklich!“<br>„Komm, zieh dich an! Wir haben einiges vor.“<br>Pitschnass holte sich der ehemalige Chefingenieur ein Handtuch aus seiner Reisetasche und trocknete sich erst einmal ab, bevor er seine Kleidung anzog und endlich einmal auf die Uhr sehen konnte: es war 04:30 Uhr in der Früh! Etwas zu zeitig für Jozarnays Geschmack, der spät zu Bett gegangen war. Im Anschluss schlurfte er mit Tan in den Garten des Klosters, welcher die prächtigen Blumen der Mönche zeigten. Die Vögel begannen ihre Morgenlieder zu zwitschern und sanfter Tau rannte von den Blüten herab. <br>„Wir sind heute hier, um mit der ersten Phase deiner Suche zu beginnen,“ erklärte Tan und machte eine allumfassende Geste auf das, was vor ihm lag.<br>„Ah, ich verstehe,“ meinte Woil und sog ebenfalls die friedliche Atmosphäre in sich auf.<br>„Ich möchte, dass du dir dies hier ansiehst,“ meinte der junge Mönch und deutete auf die Steinwand, die sich hinter ihnen erstreckte. Jozarnay drehte sich ebenfalls um und erklärte:<br>„Es ist eine Wand.“<br>„Dies mag teilweise richtig sein, aber dort ist noch mehr. Sieh genauer hin!“<br>Jozarnay kniff seine Augen zusammen und starrte noch angestrengter die uralte Mauer an, ohne jedoch etwas besonderes zu finden. Die Wand zeigte Risse und manche Stellen waren nicht mehr richtig verputzt, aber ansonsten war an ihr nichts besonderes zu finden.<br>„Ich erkenne an ihr nichts besonderes?“<br>„Nein? Sieh genauer hin!“ forderte ihn der Mönch auf.<br>„Dies habe ich schon getan! Und ich sehe da nichts, was meine besondere Aufmerksamkeit erregen könnte. Was siehst du?“<br>Tan atmete einmal tief ein und aus, lächelte dann so wie er es immer tat und sagte in einem verliebten Tonfall:<br>„Ich sehe dort Gott.“<br>„Wie bitte?“ Jozarnay dachte er hätte sich verhört.<br>„Du hast mich schon richtig verstanden,“ erklärte der junge Antosianer, „in diesem alten Bau sehe ich Gott vor mir, den allmächtigen Schöpfer. Der erste Schritt deiner Suche zur Beantwortung der Fragen aller Fragen liegt darin den Allmächtigen zu erkennen. Bisher hast du dies nicht geschafft, doch du wirst.“<br>Jozarnay trat irrationalerweise einen Schritt näher an die Wand heran und berührte sie mit seiner rechten Hand. Durch den physischen Kontakt versuchte er etwas besonderes herauszufühlen, doch es gelang ihm nicht.<br>„Ich verstehe nicht, was du meinst,“ gab er verwirrt zu.<br>Tan kam ebenfalls einen Schritt näher, legte seine linke Hand an die Wand und blickte gen Himmel. Er dachte für einen kurzen Moment nach, bevor er erklärte:<br>„In dieser Wand steckt Gott. Sie wurde erbaut von Arbeitern, Antosianern, die nach seinem Antlitz und durch seine Macht erschaffen worden sind. Der Stein und der Lehm, der sie zusammenhält, wurden aus Materialien produziert, die er uns gegeben hat. Die Mauer schützt uns vor Wind und Regen, Sonne und Kälte; Dinge, die der Schöpfer steuert. Bezogen auf all die anderen Sachen, die du täglich siehst, kannst du sagen: in ihnen allen steckt Gott. Sie alle sind ein kleines Wunder, nur nehmen wir sie leider nicht mehr als solche dar. Sie sind zu selbstverständlich geworden. Verstehst du?“<br>Woil nickte und entgegnete:<br>„Ich teile deine Ansicht nicht, aber ich verstehe sie.“<br>„Dies ist gut,“ freute sich der junge Mönch, „denn verstehen ist der nächste Schritt bei deiner Suche. Komm, lass uns weiter forschen!“<br><br>Auf der Brücke herrschte eine entspannte Atmosphäre , hervorgerufen durch den Dockaufenthalt. An den Stationen saßen vornehmlich junge Offiziere, die die Zeit so nutzen konnten, um sich mit den Geräten und Aufgaben vertraut zu machen. Ardev betrat das Nervenzentrum des Schiffes und näherte sich sogleich der wissenschaftlichen Station, an der Arena saß.<br>„Kann ich mal eine Minute mit dir sprechen?“ fragte er die Terellianerin direkt.<br>„Sicher! Was gibt es denn?“ fragte Lieutenant Tellom und lächelte ihn erwartungsvoll an.<br>„Ich dachte da eher an ein Gespräch unter vier Augen,“ erklärte ihr andorianischer Ehemann mit leiser Stille und sie erhob sich von ihrer Arbeitstation, folgte ihm ins gemeinsame Ehequartier. <br>„Und? Was ist denn so wichtig, dass wir hierher kommen müssen?“<br>Ardev blickte sie traurig an und überlegte, wie er die Sache am besten angehen sollte. Welche Vorgehensweise würde die sein, die letztendlich am wenigsten Schaden verursachen würde? Letztendlich entschied er sich für die direkte Variante.<br>„Ich habe dein Programm entdeckt,“ erklärte er.<br>Arenas Miene verfinsterte sich für einen Moment, dann jedoch nahm sie wieder neutrale Züge an und meinte:<br>„Keine Ahnung, wovon du sprichst.“<br>„Ach, hör auf mir mit diesem Blech auf! Die Projektion Bolars habe ich während der Routineüberprüfung in deinem Speicherverzeichnis gefunden. Ehrlich gesagt hatten wir beide sogar schon eine intensive Diskussion.“<br>Nun war es seiner Ehefrau deutlich anzumerken, dass sie nichts mehr verheimlichte. Niedergeschlagen setzte sie sich auf die Kante des gemeinsamen Ehebettes und starrte vor sich hin.<br>„Ich habe dir die Tötung dieses Kriminellen verziehen,“ erklärte der Andorianer ihr, „aber ich verstehe beim besten Willen nicht, wieso du dieses Programm installiert hast. Dieser Mann ist gefährlich.“<br>„Mir wurde es ausgehändigt. Scheinbar hatte es sich in seinem persönlichen Nachlass befunden, adressiert an diejenige Person, die ihn schlussendlich töten würde.“<br>Ardev setzte sich neben seine Frau auf die Bettkante und umarmte sie liebevoll. Vorwürfe würden in dieser Situation überhaupt niemanden weiterbringen. Worauf es nun ankam war eine Aufarbeitung der ganzen Geschichte.<br>„Und wieso hast du die Datei nicht gelöscht?“<br>„Ich wollte Bolar kennenlernen,“ gestand Lieutenant Tellom offen und ehrlich. „Ich wollte wissen, wem ich das Leben genommen habe und mir wurde bewusst, dass dieser Mann kein geisteskranker Irrer war, sondern das genaue Gegenteil. Er ist intellektuell, kann debattieren...“<br>„Und er hat deinen Bruder ermordet,“ erinnerte der Einsatzoffizier sie. „Hör zu, Schatz, ich weiß doch genau, worauf du hinaus willst. Von Bolar geht eine unheimliche Faszination aus. Selbst ich habe mich auf lange Gespräche mit ihm eingelassen. Er selbst mag tot sein, sein Gedankengut lebt jedoch weiter. Wir müssen ihn löschen.“<br>Überrascht sah die Wissenschaftlerin ihren Mann an. Scheinbar schien sie nicht ganz mit der Problemlösung Ardevs einverstanden zu sein.<br>„Dies können wir nicht machen!“ erklärte sie mit fester Stimme und erhob sich von der Bettkante. Ardev tat es ihr gleich.<br>„Wieso?“ fragte er überrascht.<br>„Weil wir damit das letzte Vermächtnis dieses Mannes zerstören. Diese Projektion Bolars ist das letzte Überbleibsel seines Selbst. Er mag ein Mörder sein, doch haben wir vielleicht nicht auch das Recht die Erinnerung an ihn zu bewahren? Um zukünftige Generationen zu warnen?“<br>„Du sprichst von ihm, als wäre es Bolar selbst. Doch bei diesem Programm handelt es sich nicht um ihn selbst, sondern nur um die Summe seiner Gedanken und Ideen.“<br>„Was sind wir Individuen denn?“ fragte seine Frau energisch. „Auch nichts anderes als die Summe unserer Ideen. Dürfen wir einfach so diesen Mann aus dem Universum löschen?“<br>„Er hatte kaum Skrupel deinen Bruder aus dem Gefüge unserer Welt zu entfernen,“ warf Ardev mit düsterer Stimme ein.<br>„Denkst du etwa ich ergreife Partei für ihn?“ schrie Arena aufgebracht, nachdem ihr Bruder Reno wieder in die Diskussion eingebracht worden war. „Ich selbst habe für Bolar nichts als Verachtung übrig. Aber ich habe ihn schon einmal unrechtmäßig getötet. Entsteht dadurch für mich nicht die Pflicht diesen Fehler zumindest ein wenig wieder gut zu machen?“<br>„Deine Gedanken ehren dich, aber ich teile deine Ansicht nicht. Es handelt sich nur um ein Programm und daher werde ich es löschen. Du kannst mich aufhalten, wenn du es willst.“<br>Der Einsatzoffizier machte Anstalten das Quartier zu verlassen und erwartete jeden Moment, dass seine Frau versuchen würde ihn zurückzuhalten, doch nichts dergleichen geschah. Scheinbar hatte sie sich damit abgefunden. Ardev seufzte. Dies würde die ganze Sache erleichtern. <br><br>„Sie wollten mich sprechen, Skipper?“<br>Commander Price war in das Büro des Captains eingetreten und hatte seine Arme hinter dem Rücken verschränkt. Dieses unwillkürliche Zurückfallen in normgerechtes Verhalten, welches so unüblich für den Halbbetazoiden war, war der beste Indikator dafür, dass etwas nicht stimmte. John Lewinski nickte und bot seinem Stellvertreter einen Platz an.<br>„Es ist das erste Mal, dass wir uns sehen, seit sie zurückgekommen sind,“ erklärte Captain Lewinski den Grund für den Besuch bei ihm, „und ich würde einfach eine ganz einfache Frage an sie stellen: wie geht es ihnen?“<br>Matt blinzelte überrascht, bevor er antwortete:<br>„Ganz gut, denke ich.“<br>„Sie denken?“<br>„Es geht mir nicht gut,“ gestand der erste Offizier.<br>„Wenigstens sind sie ehrlich zu mir!“ freute sich der Kommandant der Monitor. „Wie ist denn ihr Besuch zuhause verlaufen?“<br>„Sie benutzen das Wort zuhause so selbstverständlich, dabei ist mein Heim auf Rigel,“ widersprach Matt ihm und musste selbst über seine Worte schmunzeln. Mehr als einmal hatte er diesen industriellen Planeten verflucht, auf dem er aufgewachsen war und nun bezeichnete er ihn tatsächlich als seine Heimat. Wie doch die Zeit verging! „Nur weil mein leiblicher Vater auf Betazed lebt heißt dies noch lange nicht, dass ich irgendwelche Verbindungen dort hätte.“<br>„Nun, dies ist ihre Interpretation, Commander. Erzählen sie mir von ihrem Zusammentreffen mit Arsani Parul,“ forderte ihn Lewinski auf.<br>„Es war... ungewöhnlich. Und grauenvoll. Alles wirkte so gezwungen, obwohl sich Arsani echt Mühe gab. Aber ich konnte deutlich die Zwietracht in seiner Familie spüren. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass seine Ehe nicht lange halten wird.“<br>„Und er sollte hoffen, dass manche Aasgeier von der Presse nicht allzuschnell von der Sache Wind bekommen. Sie könnten ihn zerstören.“<br>„Skipper, wieso fragen sie mich das eigentlich?“ wollte Matt von seinem Vorgesetzten wissen.<br>„Darf ich mich nicht nach ihnen erkundigen? Immerhin ist es in meinem Interesse, dass es allen Untergebenen gut geht.“<br>„Oh.“ Matt Price war über diese Aussage sehr überrascht. Immer noch schätzte er John Lewinski steifer ein, als er tatsächlich war. Inzwischen hatte sich sogar zwischen ihnen ein zartes Band der Freundschaft entwickelt, welches noch gepflegt werden musste.<br>„Ich selber habe ihnen den Mut gemacht diese Reise anzutreten,“ erläuterte den Captain, „und ich möchte sichergehen, dass sie diese ganze Sache nicht vielleicht als Fehler ansehen.“<br>„Fehler?“<br>„Erst wenn es zu spät ist, wird uns allen klar, dass wir zuwenig Zeit hatten,“ meinte Captain Lewinski traurig und blickte an seinem ersten Offizier vorbei. „Jahrelang hatte ich meinen Vater nicht gesehen. Auch die letzte Ehre konnte ich ihm nicht erweisen, bei der Beerdigung war ich nicht anwesend. Wie ich ihnen schon gesagt habe möchte ich nicht, dass sie jenen Fehler wiederholen. Nutzen sie diese einmalige Chance ihren Vater kennen zu lernen.<br>Arbeiten sie die Fehler der Vergangenheit gemeinsam auf und am Ende wird alles gut werden!“<br>„Wenn dies doch nur so einfach wäre,“ antwortete der Halbbetazoid düster und erhob sich von seinem Platz.   <br><br>Endlich war man nach der gefährlichen Fahrt im Lager angekommen, in dem sich die Ärztegruppe einfinden sollte. Das ganze Areal wirkte auf keinen Fall so luxuriös, wie es die Mediziner wohl in ihren Krankenhäusern gewohnt waren. Die Unterkünfte, Behandlungsräume und sogar Operationsräume bestanden aus schlichten braunen Zelten, die aufgrund der starken Windentwicklung hin und her wackelten. Die Stromversorgung war mangelhaft und reichte nur für die wichtigsten Installationen. Was einen jedoch am meisten erschreckte waren die Tausenden von Talarianern, die hier auf Hilfe warteten. Die meisten von ihnen hatten schreckliche Verletzungen davongetragen, waren verbrannt und aschfahl. Auch hier war die Seuchengefahr immanent. Die Ärztegruppe wurde abgeladen und zu ihren einzelnen Unterkunftszelten dirigiert, wo sie sich etwas häuslich einrichten sollten. Elisabeth Frasier betrat ihren kleinen Wohnraum und legte ihre Reisetasche ab. Hastig legte sie einige Kleidungsstücke in eine Metallkiste, die vor ihrem schlichten Feldbett ab und wollte sich schon auf den Weg nach draußen machen, da betrat jemand ihr Zelt. Es handelte sich um Commander Sokol.<br>„Wie ich sehe,“ meinte er mit seiner volltönenden und dennoch sanften Stimme, „haben sie sich hier schon etwas eingerichtet.“<br>„Soweit, wie dies hier überhaupt möglich ist,“ war die trockene Antwort Frasiers.<br>Sokol trat einen Schritt näher und setzte sich auf die Metallkiste, blickte leer vor sich hin.<br>„Ich bin froh, dass sie meine Anwesenheit nicht allzu sehr zur Kenntnis genommen haben. Dies hätte ansonsten vielleicht eine Gefahr für meine Sicherheit bedeutet,“ erklärte der Romulaner.<br>„Es war gelinde gesagt eine Überraschung für mich sie hier zu sehen.“<br>„Na ja, besser hätte es ja für die Sternenflotte nicht laufen können. So kann ich ihrem Oberkommando immer die neusten Berichte von Talar schicken.“<br>Sokol wirkte bei diesen Worten fast schon enttäuscht.<br>„Sie haben sich freiwillig dazu entschlossen der Sternenflotte Informationen zu liefern,“ erinnerte Elisabeth ihn.<br>„Ja, da haben sie recht,“ entgegnete der Romulaner und erinnerte sich an sein Gespräch mit Captain Lewinski:<br><br>Das Geheimdienstschiff Monitor hatte nach ihrer Rückreise vom Planeten Chervas 3 an die Starbase 67 angedockt, ihrem Heimathafen. Es war schon einige Zeit her gewesen, dass sie sich hier befunden hatten und obwohl dies hier nicht die Erde war, so fühlten sie sich doch alle sicher und geborgen, so als sei dies ihr richtiges Zuhause. In gewisser Weise waren sie dies auch, denn die Sternenbasis stand offiziell unter dem Oberkommando des SFI und beherbergte Dutzende Schiffe und Agenten. Manchmal fiel es John Lewinski schwer an diese Wirkungsstätte zurückzukehren, einem Bereich, der früher einmal die Domäne von Admiral Kashari gewesen war. Auch wenn der alte Zakdorn schon über zwei Jahre tot war, so vermisste John ihn immer noch. Der Admiral war mehr als ein einfacher Vorgesetzter gewesen, sondern ein Mentor und Freund. Ohne Kashari wäre der Captain wohl niemals zum Geheimdienst gekommen und hätte wohl auch niemals das Kommando über die Monitor erhalten. Nun gab es nach Kashari und dem getöteten Verräter Waseri einen neuen Sektorchef des Geheimdienstes, Admiral LaToya. Er kannte die Brasilianerin nicht allzu gut, doch ihr Ruf eilte ihr voraus: eine kompromisslose Frau, die sich beständig in der Hierarchie des Geheimdienstes hochgearbeitet hatte. Zwei geschiedene Ehen zeugten von ihrer Liebe zur Arbeit. Heute würde Captain Lewinski ihr zum ersten Mal gegenübertreten und seinen Bericht abgeben, zudem wollte er seine Einsatzempfehlung formulieren. Bevor er jedoch die Admirälin besuchte begab er sich noch einmal in das kleine Casino der Monitor. Dort saß Commander Sokol, der romulanische Kommandant, und wartete wie befohlen. Sokol hatte mit seinen Soldaten einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, dass sie die brenzlige letzte Mission überlebt hatten und nach dem erfolgreichen Verlassen des kontaminierten Planeten waren die Romulaner, aller Sicherheitsbedenken zum Trotz, mit ihnen geflogen. Als sich die Schotts des Casinos zischend öffneten und Lewinski das Casino betrat, erhob sich Sokol höflich und nickte ihm zu.<br>„Danke, Commander, dass sie auf mich gewartet haben,“ begrüßte ihn John und bedeutete ihm mit einer Hand sich wieder zu setzen.“<br>„Es gibt ohnehin nicht viele Orte, an die ich hier hätte gehen können,“ entgegnete Sokol und spielte damit auf seine Zugangsbeschränkungen an.<br>„Es tut mir sehr leid, Sokol, jedoch müssen sie während unseres Dockaufenthaltes hier an Bord bleiben. Wir haben jedoch schon ihre Regierung verständigt und ein romulanisches Schiff ist hierhin unterwegs, welches sie schon in ein paar Stunden abholen wird.“<br>„Sehr freundlich von ihnen, Captain Lewinski,“ bedankte sich der Befehlshaber und blickte traurig die gegenüberliegende Wand an. „Man wird uns abholen und dann wieder in diesen unnötigen Krieg zurückschicken.“<br>Dies waren die Worte, auf die John als alter Geheimdienstler gewartet hatte. Nun galt es die Karten sicher auszuspielen.<br>„Ja, wenn er doch nur schnell zu Ende ginge.“<br>Statt einer Antwort nickte der Romulaner nur, was John zum Weitersprechen veranlasste:<br>„Wie sieht es mit ihrem Versprechen aus, sich bei mir für die Rettung zu revanchieren?“<br>„Ich stehe zu meinem Wort wie jeder ehrenvolle Romulaner... zumindest war dies früher einmal so,“ war die lächelnde Antwort Sokols.<br>„Haben sie ein Interesse daran diesen Krieg bald zu beenden? Ich meine damit nicht durch Waffengewalt, sondern durch einen schnellen Waffenstillstand?“<br>„Wie sollte dies möglich sein?“<br>„Nun, ich weiß es zwar auch noch nicht, aber unsere Diplomaten könnten sich sicher da etwas einfallen lassen. Die Politiker brauche nur etwas Informationen, mit denen sie gefüttert werden könnten.“<br>„Welche Arten von Informationen meinen sie?“<br>„Ich denke sie wissen genau was ich meine!“ meinte John und blickte Sokol in die Augen. Dies war nun der kritische Moment, in dem sich entschied, ob er Ja oder Nein sagte.<br>„Sie wollen, dass ich mein Volk verrate,“ sagte Sokol bitter.<br>„Um Gottes Willen, nein! Ihr Volk ist schon verraten worden und zwar von ihrer Führung. Worum bitte ich sie denn? Um Informationen, die ihr Volk gefährden könnten? Die eine Föderationsinvasion verursachen könnten? Ganz und gar nicht! Mir geht es nur um ihre Flottenverteilungen, ihre Frontberichte und andere Dinge, die den Krieg betreffen. Alles andere interessiert mich nicht.“<br>Der romulanische Befehlshaber dachte lange und angestrengt über diese Worte nach. So lange, dass John schon fürchtete versagt zu haben. Dann endlich nickte Sokol und signalisierte ihm so, dass er einverstanden war. Die Worte selbst konnte er jedoch nicht über die Lippen bringen. <br><br>„Und wir sind ihnen dankbar für alles, was sie bisher für die Föderation getan haben,“ munterte Elisabeth ihn auf, die natürlich nicht das Überlaufen des romulanischen Kommandanten vergessen hatte.<br>„Wenn sie das nächste Mal mit ihrem Captain sprechen, dann übermitteln sie ihm eine neue Nachricht von mir,“ bat Sokol sie.<br>„Um welche Nachricht handelt es sich?“<br>Der Romulaner dachte kurz darüber nach, wie er den Sachverhalt formulieren sollte, dann meinte er mit ruhiger Stimme:<br>„Sagen sie ihm, dass ich mehr denn je von einer Kriegslüge überzeugt bin. Während wir hier sprechen finden auf Remus geheime Offensiven gegen remanische Truppen statt, die der Öffentlichkeit nicht bekannt sind. Auch mir fiel es schwer an diese zu gelangen.“<br>„Dies ist tatsächlich neu,“ fand Elisabeth, „doch was hat dies hiermit zu tun?“<br>„Es macht für mich deutlich, dass die Remaner wohl mehr mit dem Anschlag zu tun hatten, als wir erwartet hatten. Wieso sonst toben seit Wochen dort Kämpfe? Ich an ihrer Stelle würde mir das ganze einmal näher ansehen.“<br>„Danke für den Tipp, ich werde es ihm bei unserer nächsten Kommunikation ausrichten,“ versprach sie.<br>„Eigentlich hatte ich gehofft, dass man mich nach diesem sinnlosen und falschen Krieg wieder nach Hause schicken würde, zu meiner Familie. Doch ich muss wohl einen zu guten Eindruck hinterlassen haben. Stattdessen bin ich nun der Befehlshaber dieser Installation und muss nun auf sie alle aufpassen.“<br>„Dies tut mir leid,“ antwortete die Ärztin ehrlich. „Wie lange waren sie schon nicht mehr zu Hause?“<br>„Ich habe meine Frau und meine beiden Söhne seit über einem halben Jahr nicht mehr gesehen. Ich vermisse sie.“<br>An den Worten Sokols konnte kein Zweifel bestehen. Ersichtlich wurde dies an dem trüben Glanz, den seine Augen annahmen; eine Mischung aus Glücksseligkeit und leichter Tränen, wenn er an seine Familie dachte.<br>„Wenn ich ihnen einen Tipp geben darf?“ begann Sokol und blickte zu der menschlichen Ärztin hoch.<br>„Bitte!“<br>„Genießen sie das Leben,“ riet ihr der Romulaner. „Suchen sie sich eine Liebe und verbringen sie so viel Zeit wie möglich mit ihr. Erfreuen sie sich am Leben, lachen sie mit ihr. Streiten sie sich mit der Person, die sie lieben und halten sie gleichzeitig zu ihr. Alles ist besser, als hier an diesem verfluchten Ort zu sein.“<br>Die Worte trafen Elisabeth beinahe wie ein Schlag, hatte sie doch in den letzten Tagen so gut es geht versucht ihre Probleme mit Matt Price zu vergessen. Doch die Worte Sokols hatten ihre eigenen Gefühle schmerzhaft wieder an die Oberfläche geholt. Sie konnte diesen rätselhaften Mann einfach nicht vergessen. So sehr sie sich auch bemühte, ihre Gedanken kehrten immer wieder zu ihm zurück.<br>„Ist es wirklich so schlimm?“ fragte Elisabeth und wollte das Gespräch auf ein anderes Thema lenken. <br>„Es ist ein Alptraum. Ich habe schon einiges gesehen in meinem Leben, doch Talar gehört mit zum schlimmsten. Verhungernde Kinder, die durch die Straßen streifen, überall nur Leichen. Ratten, die sich an ihnen weiden und so nur noch mehr Krankheiten verbreiten. Und dann dieser Geruch... er scheint niemals zu vergehen. Gemeinsam mit dem Hauch des Todes ist er das schlimmste.“<br>„Sie benutzen die gleiche Formulierung wie die Talarianer,“ stellte die Bordärztin fest.<br>„Hier sind wir alle gleich. Gleich in unserem Elend,“ meinte Sokol düster und erhob sich von seinem Platz. „Captain Lewinski hat mich gebeten auf sie acht zu geben und dies werde ich auch tun. Ab und an werde ich mal ein Auge auf sie werfen. Hoffentlich können sie hier etwas bewirken.“<br>„Dies hoffe ich auch,“ antwortete Elisabeth, doch der Commander bekam ihre Antwort schon nicht mehr mit. Er hatte das Zelt verlassen.<br>Die Bordärztin des Raumschiffs Monitor dachte noch einige Zeit über die Worte nach, die der romulanische Befehlshaber an sie gerichtet hatte. Dann richtete sie sich auf, wollte sich an die Arbeit machen, denn dafür war sie schließlich hier. Sie verließ ihr Unterkunftszelt und stellte fest, wie angenehm beheizt es doch im Inneren gewesen war. Wie immer seid den letzten Wochen rieselten Schneeflocken vom bewölkten Himmel und der eisige Wind hauchte durch das Lager. Elisabeths Schuhe knarrten unter der Schneedecke, als sie sich auf den Weg zum Behandlungszelt machte. Dort stellte sie, sehr zu ihrer Freude fest, dass sich Dr. Ixa ebenfalls hier eingefunden hatte, um mit ihrer Arbeit zu beginnen. Die Denobulanerin war hier an diesem Ort wohl das eheste, was einer Vertrauten gleichkam und so fühlte sich Elisabeth in ihrer Nähe äußerst wohl. Ixa war ebenfalls ihr Entsetzen über die hier herrschenden Zustände deutlich anzusehen. <br>„Ich sehe wir hatten den gleichen Gedanken,“ meinte Elisabeth, nachdem sie das Zelt betreten hatte. Unmittelbar im Anschluss fühlte sie sich von dem Gestank, der hier drin herrschte, wie erschlagen. Überall wohin man auch sah lagen Talarianer auf provisorischen Betten und stöhnten vor Schmerzen auf. Es roch nach Schweiß, verbranntem Fleisch, Durchfall und Erbrochenen. Die Patienten waren verschiedenen Alters und aus allen Schichten der talarianischen Gesellschaft. Dr. Frasier zögerte kurz, entschloss sich dann dafür, dass er beste Schritt wohl wäre sich einfach ins Getümmel zu stürzen. Sie nahm sich den erstbesten Patienten vor, einen kleinen Jungen. Setzte man menschliche Maßstäbe an, so mochte er an die acht Jahre alt sein, doch bei dieser Spezies waren Vergleiche schwierig, da sie früher erwachsen wurden. Sein Krankenblatt wurde von einer talarianischen Schwester gehalten, die müde und vollkommen ausgelaugt schien. Dennoch schien sie nicht willens ihre Schicht zu beenden.<br>„Hallo du,“ begrüßte Elisabeth den kleinen Jungen und lächelte ihn an. Leider erwiderte der auf dem Bett liegende Talarianer diese Geste nicht, blickte sie stattdessen nur mit trostlosem Blick an. „Was hast du denn?“<br>„Er hat schweres Fieber und Durchfall,“ erklärte die Krankenschwester, ohne auf das medizinische Blatt sehen zu müssen. „Der Patient ist nicht in der Lage feste Nahrung bei sich zu behalten und hat seit Tagen nichts mehr zu essen. Bei seinem schweren Fieber läuft er Gefahr ins Koma zu fallen.“<br>Die menschliche Ärztin hatte sich die Erklärungen angehört und ging im Geiste die möglichen Behandlungsvarianten durch. Dann entschied sie sachlich:<br>„Verabreichen sie ihm ein Mittel gegen Fiber; ich denke da an Anticlerol, 50mg.“<br>„Haben wir nicht.“<br>Die Antwort traf Elisabeth Frasier wie ein Schlag. Kurz dachte sie sich verhört zu haben, doch dies konnte nicht sein.<br>„Sie wollen mich wohl auf den Arm nehmen,“ entgegnete sie. „Anticlerol ist das weit verbreitetste, weil effektivste Mittel bei diesen Symptomen.“<br>„Dies mag für die Föderation gelten, aber hier haben wir so etwas nicht. Eine Hilfslieferung ist auf dem Weg hierher, aber sie kommt noch nicht durch den Zoll.“<br>„Wie lange wird dies dauern?“ fragte Elisabeth entsetzt.<br>„Tage.“<br>Im Anschluss an diese niederschmetterten Worte packte Frasier die Krankenschwester am Arm und zog sie etwas von dem Krankenbett weg.<br>„Dieser Junge hat nicht mehr genug Tage, um zu warten,“ erklärte die Ärztin.“<br>„Ich weiß. Sie sind neu hier, nicht war?“<br>Frasier nickte.<br>„Dann müssen sie sich an einige unangenehme Wahrheiten gewöhnen,“ erklärte die Krankenschwester düster und rieb sich den Schweiß von der Stirn, was gegen jegliches Sterilitätsgesetz verstieß. „Sie können hier nicht jeden retten. Um ehrlich zu sein können sie kaum jemanden retten. Es geht nur darum so viele zu retten, wie möglich sind.“<br>Entsetzt blickte Frasier die Schwester an. Natürlich ging man dieses heikle Thema während des Studiums durch, aber damit konfrontiert zu werden war eine ganz andere Sache.<br>„Dies glaube ich nicht,“ meinte sie mit fester Stimme, „es muss doch eine Möglichkeit geben diesem Jungen zu helfen.“<br>„Ja, die gibt es. Machen sie ihm seine letzten Stunden so angenehm wie möglich,“ erläuterte die Schwester und ging wieder zum Bett des Jungen, strich ihm traurig über den Kopf. Elisabeth blickte die beiden nur an und wurde sich schlagartig bewusst, dass diese Mission viel schwieriger war, als sie zu Beginn noch angenommen hatte. <br><br>Jegliche Warptests waren erfolgreich verlaufen und das Schiff war bereit für eine neue Aufgabe. Dies zumindest war die Ansicht des neuen Chefingenieurs Chief Miles O´Brien, nachdem er sich die Testergebnisse auf einem Datenpadd angesehen hatte. Auch der Maschinenraum war einer routinemäßigen Prüfung unterzogen worden und wie es für die Standards von O´Brien üblich war hatten sie ihn mit Bravour bestanden. Nun hieß es also warten, bis man endlich wieder etwas richtiges zu tun bekam. Der Ire kletterte die Leiter auf die zweite Ebene des Maschinenraums hoch und setzte sich in sein kleines Büro, wo er sich einige Crewbeurteilungen der Ingenieursbesatzung ansah. Manche seiner Untergebenen würden ein Lob verdienen und er wollte dies beim Captain vorschlagen. Seine Konzentration wurde jedoch durch den Türsummer gestört, der betätigt wurde. Miles warf einen Blick aus dem kleinen Fenster des Büros und sah zu seiner Überraschung Danny Bird vor dem Schott stehen. Er bat den Lieutenant herein.<br>„Lieutenant Bird,“ begrüßte Chief O´Brien ihn, „ich bin überrascht sie hier zu sehen. Was kann ich für sie tun?“<br>Der Anblick des Sicherheitschefs war schauderhaft. Danny wirkte leichenfahl, müde und leer. Es schien so, als würde er seit Tagen unter enormen Stress leiden, dabei saßen sie seit Wochen hier in diesem Dock fest. Was mochte da nur geschehen sein?“<br>„Darf ich kurz mit ihnen sprechen, Chief?“ fragte Danny und blickte den Chefingenieur ausgelaugt an. Selbstverständlich hatte dieser nichts dagegen einzuwenden und bot ihm einen Platz gegenüber dem kleinen Schreibtisch an.<br>„Also, womit kann ich ihnen dienen, Sir?“ fragte der Chefingenieur und faltete seine Hände vor sich auf dem Schreibtisch.<br>„Sie müssen mir einen Rat geben,“ gestand der Sicherheitschef ehrlich.<br>„Das werde ich gerne tun. Aber vorher müssen sie mir schon sagen, wie ich zu dieser Ehre komme.“<br>Bird schien etwas herumzudrucksen und zu überlegen, ob er mit der Sprache rausrücken sollte. Schließlich traute er sich doch.<br>„Wie mir zu Ohren gekommen ist waren sie schon oftmals in unkonventionelle Situationen verwickelt, wenn ich das so sagen darf?“<br>„Von welchen unkonventionellen Situationen sprechen sie denn?“ fragte Miles O´Brien lächelnd und imitierte dabei den Tonfall des Lieutenants.<br>„Nun, da gibt es einige Beispiele. Zum Beispiel ihre in den Akten dokumentierte Zeitreise in die nahe Zukunft, wo sie sich selbst getroffen haben. Oder das Ereignis, wo sie durch einen Doppelgänger vertauscht wurden. Dann ihre Anklage vor einem cardassianischen Gericht mit der Aussicht auf die Todesstrafe. Und nicht zu vergessen ihre illusionäre Freiheitsstrafe von 20 Jahren durch die Agrathi, welche in Wahrheit nur wenige Stunden gedauert hatte.“<br>„Das letzte von ihnen angesprochene Ereignis war das schlimmste gewesen,“ gab Miles zu und blickte kurz ins Leere. Nur zu deutlich entsann er sich noch an diese qualvolle Zeit, die sich nur in seinem Kopf abgespielt hatte und dadurch nur noch schlimmer gewesen war.<br>Erst die Aussicht seine Frau nie wieder zu sehen und dann zu erleben, dass sie alle keinen einzigen Tag gealtert waren, war äußerst verstörend gewesen.<br>„Hatten sie Schuldgefühle? Ängste?“ fragte Bird direkt.<br>„Ich hatte in der Tat Angst,“ gab der Ire freimütig zu. „Mir war nicht klar, wie mein Leben nun weitergehen sollte. Einfach alles vergessen und zum Status Quo wieder übergehen? Dies konnte ich mir beim besten Willen nicht vorgehen.“<br>„Aber?“<br>„Das Leben musste weitergehen. Irgendwann wurde mir klar, dass ich noch etliche Jahre vor mir hatte, die ich mit meiner Familie verbringen konnte. So grausam auch diese Erlebnisse gewesen waren, sie haben mich nur noch mehr in dem Gedanken bestärkt, dass das Leben etwas ist, was wir nicht einfach so wegwerfen dürfen. Es ist einfach viel zu kostbar. <br>Doch wieso fragen sie dies überhaupt, Lieutenant?“<br>Nun  war es Bird, der an O´Brien vorbei ins Leere schaute. Er dachte kurz darüber nach, ob er überhaupt etwas von seinen Probleme erzählen sollte, dann jedoch wurde ihm klar, dass er schon längst den ersten Schritt getan hatte. Das Gute an der Sache war, dass O´Brien keinerlei Ahnung von dem hatte, was Bird zugestoßen war. Er war einfach noch nicht lange genug an Bord, um sich mit den Problemen der anderen Crewmitglieder befassen zu können.<br>„Ich habe etwas getan, was ich sehr bereue,“ erklärte Danny mit monotoner Stimme. „Es ist eine Sache, für die ich selbst nichts kann, aber die mich innerlich auffrisst. Jeden Morgen stehe ich auf und sehe im Spiegel nicht mehr mich selbst, sondern einen Schuldigen. <br>Fast schon scheint es mir, als verlange ich nach einer Bestrafung, um endlich diese Gefühle ablegen zu können. Ich fürchte ich werde bald nicht mehr in der Lage seinen meinen Dienst zu verrichten.“<br>O´Brien dachte kurz darüber nach zu fragen, um was für eine Tat es sich handeln mochte, entschied sich dann jedoch dagegen. Wenn der Lieutenant gewollt hätte, dass es bekannt würde, so hätte er es ihm selbst gesagt. So versuchte der Ire ihm auf diesem Wege zu helfen.<br>„Sind sie selbst von ihrer Schuld überzeugt?“ fragte er.<br>„Ja.“<br>„Sie fühlen Reue.“<br>„Auch das stimmt,“ gab Danny zu.<br>„Reue ist der erste Schritt zur Vergebung,“ fand der Chefingenieur.<br>„Ich bin nicht religiös, Chief.“<br>„Ich auch nicht, aber dennoch ist es ein weiser Satz. Sie selbst halten sich für schuldig. Ob diese Ansicht richtig oder falsch ist kann ich nicht beurteilen, wichtig ist jedoch, was sie selbst darüber denken. Und wenn sie selbst der Meinung sind sie hätten eine Strafe verdient, dann kann dies nur ein gutes Zeichen sein.“<br>„Gut?“ Danny war mehr als überrascht dies zu hören.<br>„Ja! Es beweist, dass sie noch genug Moral und Gewissen besitzen, um ihre Tat zu beurteilen. Sie sind keines dieser gewissenlosen Wesen, von denen es leider mehr als Genug im Quadranten gibt. Sie sind ein Mensch mit Werten und Idealen, und so lange sie diese so ernst nehmen, wie sie es jetzt tun, können sie noch nicht verloren sein. Geben sie sich selbst noch eine Chance! Noch haben sie die Möglichkeit ein erfülltes Leben zu führen. Sie sind durch ihre Selbstzweifel schon genug gestraft worden. Legen sie nun diese Probleme ab und leben sie wieder!“<br>„So einfach? Wir sprechen einfach darüber und schon ist das Problem für sie ausgeräumt?“<br>„Manchmal ist es das Beste einfach nur zu reden,“ riet O´Brien. „Wir müssen uns einfach nur mehr Zeit dafür nehmen.“<br>Dankend erhob sich Lieutenant Bird und atmete tief durch. Dies war nun schon die dritte Person, welche ihm geraten hatte endlich mit der Sache abzuschließen. Vielleicht waren es tatsächlich nicht die anderen, die falsch lagen, sondern er selbst. Möglicherweise war es an der Zeit sich selbst eine neue Chance zu geben. Eine Chance für einen Neuanfang, bei dem er wieder die moralischen Standards vertreten und verteidigen konnte, die für ihn so wichtig waren. Es war an der Zeit...<br>„Danke,“ meinte Danny und zum ersten Mal seit Tagen lächelte er wieder.<br><br>Forschen Schrittes betrat der Andorianer das kleine Holodeck der Monitor. An seinem selbstsicheren Auftreten und seinen Absichten gab es überhaupt keine Zweifel. Ardev hatte sich sein Vorgehen sehr genau und sehr sorgfältig überlegt, nun plante er es in die Tat umzusetzen. Mit gezielten Sprachkommandos aktivierte er das Programm wieder.<br>Wie aus dem Nichts, einer geisterhaften Vision gleich, erschien das holografische Antlitz Bolars vor ihm.<br>„Ah,“ meinte der alte Andorianer, nachdem er seinen Besucher wieder erkannt hatte, „ich hatte mich schon gefragt, wann sie mich das nächste Mal besuchen würden. Wenn ich den Chronometer richtig interpretiere ist einige Zeit seit dem letzten Mal vergangen.“<br>„Ich habe Zeit gebraucht,“ erklärte der Lieutenant. „Zeit, um zu einer Entscheidung zu gelangen.“<br>„Und wie ist diese ausgefallen?“<br>„Ich werde ihr Programm löschen.“<br>Ardevs Antwort war ehrlich und direkt gewesen. Es schien nicht so, als wäre Bolar überrascht von dieser Aussage. Ganz im Gegenteil, er nickte verstehend und begann in der Holokammer auf und ab zu gehen. Abermals glich er einem Professor, der nachdenken musste.<br>„Ich habe mit einer anderen Reaktion von ihnen gerechnet,“ gab der Einsatzoffizier zu.<br>„Mit welcher denn? Haben sie ein Rumzetern von mir erwartet, ein Flehen um ein Leben, welches schon vor einiger Zeit beendet worden ist.“<br>Ardev dachte über diese Worte nach und gab dann zu:<br>„Um ehrlich zu sein schon. Sie nehmen ihr definitives Ende sehr locker.“<br>„Mein junger Freund,“ erklärte Bolar und diesmal wehrte sich der Einsatzoffizier nicht gegen diese Anrede, „mein definitives Ende ist schon vor einiger Zeit eingetreten. Ich bin nicht Bolar, sondern nur dessen Projektion. Nicht einmal ein richtiges Leben bin ich.“<br>„Darüber lässt sich streiten,“ entgegnete Ardev und wunderte sich selbst darüber, wie nahe ihm auf einmal dieses Thema ging. Schließlich würde bald jegliches Vermächtnis dieses Mannes, so gefährlich er auch gewesen war, vernichtet sein. <br>„Eine Sache wäre da noch, um die sie sich Gedanken machen sollten,“ warf Bolar ein.<br>„Und die wäre?“<br>„Wie hat ihre Frau damals erfahren, dass ich noch am Leben bin und wo ich festgehalten wurde.“<br>„Man hatte ihr diese Information gegeben,“ erklärte Ardev.<br>„Wer gab ihr diese Information?“<br>Auf diese Frage wusste der Lieutenant keine Antwort. Auch er hatte erst vor kurzem davon erfahren, was seine Frau eigentlich getan hatte und dabei erfahren, wie sie zu der Information gelangt war. Dabei hatte er nie diesen Punkt beachtet, obwohl er eigentlich immanent wichtig war.<br>„Ich weiß es nicht,“ gab er schließlich zu.<br>„Wer immer ihnen dies mitgeteilt hatte,“ spekulierte die Abbildung von Renos Mörder, „der wollte hieraus einen Vorteil ziehen. Vielleicht können sie den Informanten finden, in dem sie sich fragen: cui bono?“<br>Statt eine Antwort von sich zu geben nickte Ardev nur. Er wollte nicht mehr länger mit dieser Figur sprechen. Er hatte das Gefühl er würde sich noch von ihm einnehmen lassen, wenn er ihm noch länger zuhörte. Also beschloss er es hier und jetzt zu beenden. Bolar erkannte an seinem Gesichtsausdruck, was der Einsatzoffizier vorhatte und atmete noch einmal tief durch.<br>„Danke, dass sie mir noch einmal die Möglichkeit für ein politisches Gespräch gaben,“ meinte er und er schien es in der Tat ernst zu meinen.<br>„Computer, lösche das derzeit laufende Programm aus allen Datenbanken.“<br>„Löschung wird durchgeführt,“ erklärte die weibliche Computerstimme und innerhalb einer Sekunde war die Projektion Bolars von der Bildfläche verschwunden. Nun war es endgültig vorbei.<br><br>„Ich weiß ja nicht so recht, aber ich bin auf meiner Suche noch keinen Schritt weitergekommen.“<br>Die Aussage Woils hallte in den weiten Hallen des Klosters tausendfach wieder und wirkte noch störender als sein bloßes Gerede. Er und Tan saßen im Schneidersitz in diesem Raum und versuchten zu meditieren. Was der junge Mönch mühelos schaffte gelang dem Antosianer ganz und gar nicht. Seit Stunden saßen sie hier und Jozarnay gab sich wirklich alle Mühe, um zum inneren Ausgleich zu gelangen, doch er schaffte es einfach nicht. Fast wäre er sogar schon eingeschlafen, doch zu seinem Glück hatte Tan davon nichts bemerkt.<br>Langsam löste sich der junge Mönch aus seiner Meditation, öffnete zaghaft erst das eine Auge, dann das andere und blickte den Besucher auf die selbe freundliche Art und Weise wie immer an. <br>„Du bist zu ungeduldig,“ erklärte er.<br>„Dies mag vielleicht sein,“ gab Woil zu, „ich schaffe es einfach nicht mich zu konzentrieren. Ich bin einfach zu unruhig.“<br>In Wahrheit wusste er ganz genau, woher diese Unruhe stammte, nur wollte er dies nicht vor dem jungen Mann zugeben. Ein Ausschluss aus dem Kloster wäre die Folge.<br>„Früher, so sagtest du, hast du auch meditiert.“<br>„Dies stimmt,“ bestätigte Jozarnay ihn. „Nur jetzt scheint es nicht mehr zu funktionieren.“<br>Tan richtete sich auf und der ehemalige Chefingenieur tat es ihm gleich. Beide gingen abermals in den Garten des Klosters, auf den beruhigend die Sonne schien. Es war ein mildes Wetter, ausgezeichnet um den Tag im Freien zu verbringen.<br>„Du bist nicht auf der Suche. Stattdessen willst du Gott wieder entdecken,“ stellte Tan fest.<br>Woil dachte einige Sekunden lang über diese Frage nach.<br>„Ja, ich habe früher einmal an Gott geglaubt,“ antwortete er und wunderte sich darüber, wie weit entfernt ihm diese Zeit auf einmal schien. Was war aus den Tagen geworden, wo Commander Price ihn um spirituellen Rat gefragt hatte.<br>„Und nun nicht mehr?“<br>„Nein.“<br>„Wieso?“ war die einfache und direkte Frage des Mönchs. Abermals blickte er ihn erwartungsvoll an, ohne Eile und voller Geduld. Er hatte eine Gelassenheit an sich, die Jozarnay fast wahnsinnig machte.<br>„Es ist... einiges vorgefallen. Dinge, die mir sehr viel Schmerz bereitet haben.“<br>„Körperliche oder seelische?“<br>„Beides,“ meinte Jozarany und spürte wieder die Schläge der humanischen Peiniger auf ihn einschlagen. Er musste sich beruhigen und versichern, dass er sich inzwischen in Sicherheit befand.<br>„Und diese Erlebnisse haben dich dazu bewogen sich von Gott abzuwenden?“<br>„Ich zweifle inzwischen an seiner Existenz,“ gab Jozarnay offen und ehrlich zu. „Früher, noch vor wenigen Wochen, trug ich ebenso langes Haar wie du. Ich war ein tatendurstiger und religiöser Mann, der gegen alle äußerlichen Widerstände an seinem Glauben festgehalten hat. Nun jedoch bin ich des Kämpfens müde. So oft habe ich für den Schöpfer eingestanden und was habe ich von ihm zurückbekommen? Gar nichts!“<br>Tan antwortete nichts, blickte stattdessen nur auf eine rote Blume, die bezaubernd aussah. Einige Minuten lang herrschte Schweigen zwischen ihnen, dann fragte Jozarnay:<br>„Was ist? Hälst du meine Worte für Blasphemie und sagst deswegen nichts mehr?“<br>„Nein, ich verstehe dich sehr gut. Viele Antosianer denken wie du. Sie haben sich vom Herrn abgewendet, weil sie keine irdischen Ergebnisse sehen. Dabei sind sie genau vor ihnen, nur wollen sie sie nicht sehen.“<br>„Wie meinst du das schon wieder?“<br>„Sieh dich an: du bist ein gesunder Mann, der noch sein ganzes Leben vor sich hat. Sie sind jung, haben eine gute Bildung und noch zwei lebende Eltern, die sie lieben und für sie da sind.“<br>„Du suchst nach Beweisen, wo keine sind,“ erwiderte der ehemalige Chief lapidar. <br>„Oder du weigerst dich zu akzeptieren.“<br>„Jetzt werde ich dir mal die Wahrheit sagen und dann hören wir mal, was du dann für kluge Sprüche von dir geben kannst,“ polterte Woil auf einmal los, in einer Art und Weise, wie er sie selber eigentlich gar nicht beabsichtig hatte. Es schien wie eine Lawine, die er losgetreten hatte und die er selber nicht mehr aufhalten könnte. „Dein Gott, der früher auch einmal mein Gott gewesen ist und eigentlich so toll sein soll hat mir schon zu Beginn meines Lebens das liebste genommen, was ich hatte. Meine Frau starb in einem sinnlosen Transporterunfall, einem Ereignis, dessen Wahrscheinlichkeit eigentlich so gering ist, dass es nicht passieren dürfte. Ich habe Kriege mitgemacht, in denen ich grausames gesehen habe und in denen ich töten musste, um nicht getötet zu werden. Letztes Jahr bin ich grausam gefoltert worden und fast gestorben. Noch immer wache ich nachts schweißgebadet auf, weil die Erinnerung an diese Schmerzen und meine Erniedrigungen mich heimsuchen. Und nun bin ich Sklave einer Droge, die ich inzwischen täglich konsumiere und von der ich nicht mehr wegkomme. Sie ist mein einziger Tag in einem Leben, welches schon mehrfach verpfuscht wurde.“<br>Wütend blickte Woil den jungen Mann an und fragte sich, ob dieser schon wieder dümmlich vor sich hin grinsen würde oder eine philosophische Antwort von sich geben würde. Wenn ja, so schwer er sich, würde er ihm das Nasenbein brechen. Doch stattdessen bemerkte man echte Betroffenheit in Tans Augen.<br>„Das sind schreckliche Dinge, die du mitmachen musstest und du hast mein Beileid dafür,“ entgegnete Tan und er schien es wirklich ernst zu meinen. Nur half ihm diese Antwort nicht im geringsten weiter.<br>„Ich habe in Gefangenschaft zu Gott gebetet,“ flüsterte Woil und musste sich zusammenreißen, um angesichts der Erinnerungen nicht loszuheulen, was ihm äußerst peinlich gewesen wäre, „und nichts kam. Keine Erlösung. Keine göttliche Hand, die mich herausholte. Stattdessen erwartete mich nur ein ewiger Kreislauf aus Fragen und Schmerzen. Es muss zu diesem Zeitpunkt gewesen sein, bei dem ich den Glauben an einen Gott verlor.“<br>Und bevor Tan eine Antwort von sich geben konnte rannte Woil davon. Wie so oft in letzter Zeit verschwand er, ohne sich zu stellen und versteckte sich in seinem provisorischen Schlafraum. Er wollte allein sein; allein in seinem Schmerz. <br><br>Commander Sokol saß an seinem Schreibtisch und wertete einige Berichte aus, die aus der Hauptstadt kamen. Immer noch kam es zu täglichen Angriffen auf die Besatzungstruppen, vornehmlich durch Bombenattentate und Heckenschützen. Und wenn er ehrlich war, so konnte der Romulaner den Talarianern dies nicht verdenken. Er würde ganz genauso handeln, wenn jemand Romulus besetzt hätte und der Bevölkerung seinen Willen aufzwängen wollte.<br>Romulus besetzen...<br>Hatte überhaupt irgendjemand ernsthaft angenommen, dass eine talarianische Invasion überhaupt möglich gewesen wäre? Wie naiv musste ein Volk sein, wenn sie diese Lüge glaubte? Oder war sich ein Großteil der Bevölkerung bewusst, dass sie angelogen wurden und es war ihnen dennoch egal? Von je her hatte eine äußere Bedrohung eine Bevölkerung vereint und so war dies oft ein beliebtes Mittel von Despoten gewesen, um von inneren Problemen abzulenken. War es hier ähnlich abgelaufen? Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr wurde ihm Angst und Bange um die Zukunft des romulanisches Volkes.<br>Dr. Frasier stampfte wutentbrannt in sein Zelt und baute sich vor ihm auf. Ihm war auf der Stelle klar, dass es um eine Beschwerde ging. Langsam richtete er sich von der Straßenkarte auf und blickte sie erwartungsvoll an.<br>„Sie wollen sich beschweren?“ fragte er erwartungsvoll.<br>„Das haben sie aber schnell erfasst!“ wütete die Ärztin und deutlich war ihr anzumerken, dass sie noch nicht allzu lange hier war. Ansonsten würde sie nicht das sagen wollen, was sie im Begriff waren. „Sie blockieren uns!“<br>„Wie meinen sie das?“<br>„Ihr Programm ist scheinheilig,“ fand die Ärztin und kriegte sich in ihrer Wut nicht mehr <br>ein. „Sie rufen ein interstellares Hilfsprogramm ins Leben, angeblich um zu helfen und dann blockieren sie unsere Arbeit.“<br>„Und in wie fern tun wir die?“ fragte Sokol und faltete die Hände vor seiner Brust.<br>„Wieso verzögern sie die Einfuhr unserer Medikamente? Ohne sie ist ein Großteil der  Patienten in unserem Lazarett zum Tode verurteilt.“<br>„Ich kann in dieser Hinsicht nichts machen. Mein Posten ist dieses Lagerkommandanten und kein Zollfunktionär. Ich kann natürlich eine Beschwerde an die nächsthöhere Dienststelle richten, aber das wird kaum...“<br>„Dann tun sie dies!“ forderte Elisabeth ihn zornig auf.<br>Auch wenn er es gut mit dieser menschlichen Frau meinte, so platzte Sokol der Kragen. Auch er hatte in letzter schlimmes durchgemacht und war nicht bereit sich an den Pranger stellen zu lassen.<br>„Sie müssen endlich aus ihrer föderativen Naivität aufwachen!“ schrie er zurück. „Was denken sie eigentlich, was sie hier tun sollen? Nichts anderes als den lebenden Beweis für die Political Correctness der romulanischen Regierung darzustellen. Sie sollen demonstrieren, dass wir bereit sind etwas für die Not leidende Zivilbevölkerung zu tun und um so besser bei den außerirdischen Regierungen dazustehen. Ob es Talar hilft ist für die da oben völlig irrelevant. Werden sie sich endlich ihres Platzes in diesem Spiel bewusst!“<br>Atemlos blickte die Bordärztin ihren Gegenüber an. Mit diesen schonungslosen Worten hatte sie beim besten Willen nicht gerechnet. Offen und ehrlich, so war Sokol zu ihr gewesen.<br>„Dann geben sie mir wenigstens einige Ampullen, mit denen ich Patienten künstlich ernähren kann,“ bat sie ihn. „Es würde uns etwas die Arbeit erleichtern.“<br>„Tut mir leid, dies kann ich nicht tun.“<br>„Wieso? Ich habe ihre Lagerlisten gesehen und sie müssten mehr als genug davon haben.“<br>Traurig blickte Sokol die Frau an. Irgendwie war ihr Enthusiasmus bewundernswert, aber konnte sie nicht verstehen? So einfach liefen die Dinge nicht.<br>„Diese Ampullen sind für romulanische Truppen vorgesehen und genau abgezählt. Ich kann keine davon rausgeben, da sie an anderer Stelle in meiner Armee fehlen würden.<br>„Die Talarianer, die aufgrund dieser fehlenden Ernährung dahinsiechen, wollen nicht sterben,“ erklärte Frasier düster.<br>„Dass wollten die romulanischen Soldaten, die hier sind, auch nicht,“ entgegnete Sokol mit ruhiger und fester Stimme. „Dennoch wurden sie von meiner Regierung in einen ungerechten Krieg geschickt. Es sind junge Leute, die noch ein gutes Leben vor sich hatten und dann aufgrund einer Lüge ihr Leben verloren. Verstehen sie doch bitte, wie gerne ich ihnen helfen würde, aber ich kann nicht. Auch ich muss an meine Leute denken.“<br>„Dann habe ich ihnen nichts mehr zu sagen.“<br>Niedergeschlagen verließ die Ärztin das Zelt des Kommandanten. Sokol blickte ihr noch einige Zeit nach und rieb sich dann müde über die Augen. Es waren diese Entscheidungen, die er so sehr hasste. Egal welche er traf, es würden Lebewesen sterben. <br>Was er auch tat, immer nur war der Tod die Konsequenz.<br><br>Wie er es schon erwartet hatte schlief seine Frau Arena schon, als er das gemeinsame Ehequartier betrat. Immerhin war es schon sehr später Abend und Lieutenant Tellom hatte trotz des Dockaufenthalts ihr volles Augenmerk auf die wissenschaftlichen Arbeiten gelegt. Kurz hielt der Andorianer inne, bewunderte das friedliche Gesicht seiner Frau. Dann küsste er sie sanft und Arena schlug langsam ihre Augen auf.<br>„Hallo,“ flüsterte sie und lächelte ihn an.<br>„Hi du,“ erwiderte Ardev den Gruß und fast waren all seine Sorgen vergessen. Er hatte gehofft mit der Löschung des Programms seinen endgültigen Frieden zu finden, doch dieser blieb ihm bisher versagt. Mit seiner letzten Frage hatte er ihm ein neues Mysterium aufgegeben, welches er lösen wollte.<br>„Es ist vorbei,“ erklärte der Einsatzoffizier und bezog sich auf die Löschung der Bolar-Projektion. Als Antwort drückte Arena ihn an sich und umarmte ihn, was eine überaus beruhigende Geste war. Zu gerne hätte Ardev den nun folgenden Punkt sein gelassen, doch er musste einfach weitermachen.<br>„Sag mal, Schatz, als du damals diese Nachricht bekommen hast, dass Bolar noch lebt... kanntest du den Absender?“<br>Kurz dachte sie nach, rieb sich verschlafen durch ihr Hand und richtete sich auf.<br>„Nein, ich.... der Absender war anonym und in meiner Wut habe ich dem kaum Bedeutung beigemessen. Diese Sache wird mir erst jetzt so richtig klar.“<br>„Du hast also keinerlei Ahnung?“ fragte Lieutenant Ardev noch einmal nach.<br>„Nein, wieso fragst du?“<br>„Weil ich gerne wissen möchte, wer dir diese Nachricht geschickt hat. Und was diese Person damit bezwecken wollte.“<br>Arena antwortete nicht und damit stand diese Frage im Raum. Zu dumm nur, so fürchtete Ardev, dass sich in der nächsten Zeit wohl nichts an diesem Zustand ändern würde.  <br><br>Eigentlich hätte er wissen müssen, dass er in seiner Klosterunterkunft nicht vor der nervigen Präsenz Tans sicher war. Niedergeschlagen und frustriert saß Jozarnay Woil auf dem Klosterbett und starrte vor sich hin. Das Klopfen des jungen Mönchs an der Tür kam ganz und gar nicht überraschend für ihn. Er überlegte einige Zeit, ob er den Besucher hereinbitten sollte, doch dann nahm ihm Tan diese Entscheidung ab, indem er unaufgefordert den Raum betrat.<br>„Und was kommt jetzt?“ fragte der ehemalige Chief zynisch. „Wieder ein seltsames, kryptisches Rätsel, eine Erklärung, der niemand folgen kann? Was haben sie nun für mich auf Lager?“<br>„Nein, diesmal wähle ich eine andere Methode,“ erwiderte der junge Mönch. „Die des Verstehens.“<br>Woil weitete seine Augen, da er schon wieder nicht verstand, was Tan von ihm wollte. Wahrscheinlich würde er aus diesem Mann niemals schlau werden.<br>„Aber ich verstehe nun mal nicht,“ meinte er.<br>„Jedoch verstehe ich deine Sorgen.“<br>Mit dieser Aussage überraschte er Jozarnay und verursachte Staunen bei ihm.<br>„Wie meinst du das?“<br>Tan näherte sich noch ein wenig seinem unbequemen Bett und schien nach Worten zu suchen. Er überlegte, wie er das folgende wohl am besten sagen konnte. <br>„Auch ich war im Drogensumpf gefangen,“ erklärte Tan und schockte damit seinen Zuhörer. Mit dieser Entwicklung hatte er ganz sicher nicht gerechnet. „Ich war abhängig von einer Droge namens Tessin, welche ich schon als Jugendlicher jahrelang konsumiert hatte. Meine Eltern und Freunde hatten mich längst aufgegeben und ich selbst war zu verblendet um zu bemerken, wie ich mich immer mehr in den Abgrund drängte. Irgendwann nahm ich eine Überdosis und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Ich lag kurz vorm Sterben. Einer der Ärzte schien sich tatsächlich um meine Zukunft zu sorgen und wies mich in dieses Kloster ein. Natürlich wollte ich am Anfang nichts von alledem hier wissen, ich wollte raus und wieder meinen Spaß haben. Doch nach und nach, es war harte Arbeit, befasste ich mich mit der Philosophie unserer Religion. Ich begann Literatur und Kunst zu studieren; Dinge, für die ich mich früher nie interessiert hatte. Und je mehr Zeit ich dem Lernen widmete, desto weniger Zeit hatte ich zum Konsumieren der Drogen. Irgendwann war ich davon los. Du siehst also, Jozarnay, ich habe sehr wohl eine vage Vorstellung von dem, was du durchmachst.“<br>Angesichts dieser offenen und schonungslosen Beichte konnte Jozarnay Woil nicht anders als seinen Gegenüber überrascht anzustarren. Dass dieser junge Mann, der so fest im Sattel seines Glaubens saß, ebenfalls einmal auf der schiefen Bahn gewesen ist, war kaum zu glauben. <br>War dies nicht der lebende Beweis dafür, dass man sein Leben wieder korrigieren konnte?<br>War es nicht doch möglich vom Ketracel-White wegzukommen?<br>„Ich danke dir für deine offenen Worte,“ erklärte Woil, „und ich bewundere dich für deinen Ehrgeiz. Ich beneide dich dafür von deiner Sucht losgekommen zu sein. Doch ich habe das Gefühl, als wäre diese Hoffnung bei mir vergebens. Zu viel habe ich in den letzten Monaten durchgemacht, als dass ich auf die erlösende Wirkung der Substanz verzichten könnte. In welches Leben sollte ich denn schon zurückkehren? Ich habe alles verloren. Der Spaß an der Freude ist das einzige, was mir bleibt. Daher gebe ich auf.“<br>Mit diesen abschließenden Worten erhob sich Jozarnay Woil von seinem Bett, packte seine Tasche und verließ das Kloster auf schnellstem Wege. Er hatte seine letzte Chance verspielt.<br>Tan blickte ihm noch einige Zeit lang traurig nach. Nun befand sich sein Leben in der Hand des Teufels.<br><br>Es hatte nicht lange gedauert, bis sie ihre Vorstellungen an ihren freiwilligen Hilfseinsatz beim interstellaren Ärzteeinsatz hatte anpassen müssen. Dr. Elisabeth Frasier war mit dem Ziel nach Talar gekommen zu helfen. Nun war es ihr Ziel so vielen zu helfen, wie es möglich war, auch wenn diese Zahl sich vielleicht nur auf 20 Prozent der Patienten belaufen würde. Innerhalb kürzester Zeit hatte Elisabeth die Ratschläge der talarianischen Krankenschwester beherzigt. Die Dame schien dies zu bemerken und gut zu heißen, denn inzwischen arbeiteten sie beide bevorzugt zusammen und waren ein gutes Team geworden. Frasier unterschrieb gerade die erfolgreiche Behandlung eines talarianischen Mannes, dem endlich einmal umfassend geholfen werden konnte. Dies war nicht weiter schwer gewesen angesichts der Tatsache, da sein einziges Problem ein verstauchtes Handgelenk gewesen war. <br>„So gut wie neu,“ erklärte Elisabeth und lächelte dem Mann zu. <br>Dieser brummte jedoch nur.<br>„Sie sollten etwas dankbarer dafür sein, dass wir sie so schnell behandeln konnten,“ fügte die Chefärztin der Monitor hinzu. „Viele haben weitaus schwerwiegendere Verletzungen und werden dieses Lazarett nicht lebend verlassen.“<br>„Als ob sie dies etwas kümmern würde,“ murmelte der Talarianer und machte Anstalten sich zu erheben, doch Elisabeth hielt ihn zurück. Erst wollte sie wissen, was diese Person gemeint hatte.<br>„Was wollen sie damit sagen?“<br>Wieder starrte sie der Talarianer an, schien zu überlegen, ob er überhaupt das Wort an sie richten sollte. Dann meinte er:<br>„Ihnen ist doch egal, was hier mit uns geschieht.“<br>„Wenn ich so denken würde, wäre ich gar nicht hier,“ erwiderte die menschliche Ärztin verwundert.<br>„Sie denken sie können ihre Schuld dadurch sühnen, dass sie hier Schadensbegrenzung betreiben. Doch dies reicht nicht. Ihre Einsicht kommt zu spät.“<br>„Was meinen sie?“<br>„Sie. Die Föderation. Der Alpha-Quadrant,“ erklärte der Mann zornig und blickte grimmig auf seine verbundene Hand. „Wäre ihnen irgendetwas an unserem Wohlergehen gelegen, so hätten sie niemals zugelassen, dass die Romulaner diese Welt vergewaltigten.“<br>„Hören sie mal,“ rief Frasier entsetzt auf, „sie haben wohl vergessen, dass wir gegen diesen Krieg waren!“<br>„Reden ist immer leicht, aber Handeln... das ist schon ein ganz anderes Kaliber,“ meinte er und seine Stimme bebte. „Wo waren denn die mächtigen Schiffe der Sternenflotte, als die romulanische Flotte Talar in Schutt und Asche gelegt haben? Wo waren da ihre Verteidigungsringe, als die Invasoren eine Welt nach der anderen eroberten? Haben sie überhaupt irgendeine Vorstellung davon, wie viele Talarianer in diesem Konflikt umgekommen sind? Zwei Milliarden und dies ist nur eine Schätzung.“<br>Fest blickte die Ärztin ihren Patienten an, doch sie wusste nicht recht was sie sagen sollte. <br>Zu ungeheuerlich wirkte auf sie dieser Vorwurf der Mittäterschaft. Sie alle waren doch hier um zu helfen, wie konnte man ihnen also dies vorwerfen.<br>„Zwei Milliarden Leben, getötet aufgrund einer Lüge, weil die romulanische Regierung ihren expansionistischen Drang befriedigen wollte,“ fügte der Mann hinzu. „Und auch jetzt unterstützen sie uns nicht. Sie sehen in uns Talarianern doch nichts weiter als Terroristen, obwohl unsere Angriffe auf romulanische Truppen nur unsere Freiheit zum Ziel haben.“<br>„Der Terror beginnt da, wo Zivilisten getötet werden,“ merkte Frasier traurig an.<br>„Nein, Terror liegt im Auge des Betrachters. Ob es sich um Rebellen, Widerstandskämpfer oder Terroristen handelt, ist immer die Sache des Bewertenden. Wenn sie tatsächlich mit uns mitfühlten, dann würden sie unseren Freiheitskampf unterstützen. Stattdessen erledigen sie die Lakaienarbeit der Romulaner. Nichts mehr!“<br>Mit diesen abschließenden Worten erhob sich der Mann und verließ auf eiligstem Weg das Behandlungszelt. Diesmal hielt Elisabeth ihn nicht auf. Zu schwer wog der Vorwurf auf ihren Schulter. Wie konnte man dies nur sagen? Irritiert trat sie ebenfalls aus dem Zelt heraus, um frische Luft zu schnappen. Immer noch schneite es, doch diesmal weniger stark als zuvor. <br>Was war dran an den Worten dieses Mannes? Wie viel Mitschuld trugen sie alle?<br>Ihre Gedanken wurden unterbrochen durch eine gewaltige Explosion am Horizont. Aufgeregt rannten Personen im Lager hin und her, als jedem bewusst wurde, dass ein Gebäude in der Stadt explodiert worden war. In der Ferne heulten Alarmsirenen auf und Shuttles begannen auf die Unfallstelle zuzufliegen. Im Lager wurde die Order ausgegeben sich auf weitere Schwerverletzte vorzubereiten. Ob Romulaner oder Talarianer die Urheber dieses Angriffs waren blieb nicht zu ermitteln. Frasier seufzte. Vielleicht war dies alles hier unten wirklich nur Ansichtssache.<br><br>Ende<br><br><center><b>ANSICHTSSACHE</b><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR<br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved. <br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES <br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!<br><br><b>Nächstes Mal:</b><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/promo_6x04.jpg"></center>]]></description><guid isPermaLink="false">4882</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 6x02: Neue Erfahrungen</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-6x02-neue-erfahrungen-r4829/</link><description><![CDATA[<p></p><div align="center"><center><table><tr><td bgcolor="#202020" valign="top" align="center"><b> <a href="http://downloads.scifinews.de/file_28242.html"><img border="0" src="http://downloads.scifinews.de/ssi_getthumbnail.php?file=28242"></a><br>Star Trek Monitor Opening Credits</b> <br>Dateityp: avi <br>Größe: 3.65 MB </td></tr></table></center></div><br><div align="center"><center><table><tr><td align="center"><a href="http://downloads.scifinews.de/file_28244.html"><img alt="Download" border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x02.jpg"></a></td></tr><tr>  <td bgcolor="#202020" valign="top" align="center"><font color="#ffffff" face="Verdana,Arial,Helvetica" size="1"><b><font>Monitor 6x02 "Neue Erfahrungen"</font></b><br>  Zip File</font></td></tr></table></center></div><br><br><p align="justify">Ein allerletztes Mal genoss er die Atmosphäre, die an diesem Ort herrschte; saugte sie in sich auf und versuchte sie in sein Gedächtnis einzuprägen. Auch wenn Jozarnay Woil ging, so wollte er nicht die Erinnerungen an seine Zeit und Arbeit an Bord der Monitor missen.<br>  Die anderen Techniker, langjährige Kollegen und Freunde, blickten ihn traurig an, gleichzeitig versuchten sie jedoch ihn aufzumuntern und ihm alles Gute für die Zukunft zu wünschen. Noch ein Blick auf den bläulich schimmernden Warpkern, das Objekt, welches er immer für das Herzstück des Schiffes gehalten hatte, dann drehte sich der Antosianer in Richtung Ausgang und begab sich zum einzigen Transporterraum des kleinen Schiffes. Unterwegs kamen ihm weitere Crewmitglieder entgegen, die ihn freundlich grüßte. Ab und an gab es einen Klapps auf die Schulter oder ein aufmunterndes Wort. Je mehr solcher Gesten ihn erreichten, desto weniger wollte Jozarnay die Sternenflotte verlassen. Doch tief in seinem Innersten wusste er, dass es sein musste. Hier an Bord hatte er keine Zukunft mehr.<br>  Wenn seine Sucht ein zweites Mal ans Tageslicht kommen würde, so wären seine Karriere und sein Leben unwiederbringlich vorbei. Doch was war sein Leben ohne die Sternenflotte und seine Arbeit wert? Diese Frage würde er sich in den kommenden Tagen beantworten müssen.<br>  Endlich erreichte er den kleinen Transporterraum, in dem schon die Führungsoffiziere des Schiffes warteten. Captain Lewinski trat traurig auf ihn zu. Auch wenn sie nie das freundschaftlichste Verhältnis zueinander gehabt hatten, so respektierten sie einander und daher war die Traurigkeit des Kommandanten nur zu verständlich.<br>  "Sind sie sicher, dass sie es sich nicht anders überlegen wollen?" fragte Lewinski ein letztes Mal und kannte doch schon die Antwort.<br>  "Mein Entschluss steht fest", entgegnete der Antosianer und deutete auf die Kleidung, die er trug. Heute Morgen hatte er seine letzte Uniform abgegeben und trug nun Zivilkleidung.<br>  In wenigen Minuten würde er nicht mehr Chief Woil sein, sondern nur noch Jozarnay Woil.<br>  "Ich untertreibe, wenn ich sage, dass wir einen guten Ingenieur verlieren werden", fand der Captain und erntete dafür zustimmende Blicke seiner Untergebenen. "Chief, wir alle bedanken uns für die acht großartigen Jahre mit ihnen. Wer weiß, wo das Schiff heute ohne sie stehen würde? Sicherlich nicht so gut wie heute."<br>  "Danke für ihre Worte, Sir", antwortete Woil und war tatsächlich ein wenig gerührt. "Ich danke ihnen allen für ihre Kollegialität. Ich war sicher nicht immer eine einfache Person, doch sie alle hatten Verständnis für mich und meine Bedürfnisse."<br>  Matt Price, Ardev und seine Frau Arena Tellom, Danny Bird und Elisabeth Frasier nickten angesichts dieser Worte, lächelten sogar. Trotz ihres Verständnisses für seine Sorgen hatte er ihnen schlussendlich nicht sein größtes Problem gestanden: die Abhängigkeit zu Ketracel-White. Zum Abschluss gab Jozarnay noch einmal allen die Hand und begab sich schließlich auf die Transporterplattform. Die Offiziere des Schiffes blickten ihm traurig nach. Jeder einzelnen von ihnen fragte sich gerade, ob man sich jemals wieder sehen würde und ehrlich gesagt wusste Woil auf diese Frage keine Antwort.<br>  "Ich danke ihnen allen", meinte der Antosianer ein letztes Mal und gab Fähnrich Bolder schließlich die Anweisung den Transportvorgang einzuleiten, der ihn auf einen interstellaren Raumhafen bringen würde. Stück für Stück verschwand er aus dem Sichtfeld seiner Kameraden und schließlich war er von Bord. Zurück ließ er nur gedämpfte Stimmung.<br>  "Das war es dann wohl", flüsterte Price resignierend, während die anderen nicht in der Lage waren etwas zu sagen.<br>"Begeben wir uns zurück auf die Brücke", befahl Captain Lewinski traurig, wohl wissend, dass sie weitermachen mussten. Auch wenn Versetzungen bei der Sternenflotte zum Alltag gehörten, so war es manchmal schwer einen lieb gewonnenen Kollegen zu verabschieden. Jedes Mal aufs Neue.</p><p align="justify">Mit Überlichtgeschwindigkeit flog die Monitor in Richtung Starbase 67. Dort hatte das Schiff, welches unter dem Kommando des Sternenflottengeheimdienstes stand, den Auftrag ihren neuen Chefingenieur an Bord zu holen. Noch immer war deutlich der Verlust von Jozarnay Woil zu spüren. Müde und genervt von seiner Schicht stolperte Commander Price in sein Quartier und warf sich sogleich auf sein Bett. Ihm ging es nur noch um ein schnelles Einschlafen, damit dieser blöde Tag so schnell wie möglich vorbei war. Leider wurde ihm nicht diese Bitte gestattet, denn sein Komterminal meldete sich. Anscheinend wollte ihn jemand anrufen. Gequält erhob sich der erste Offizier und nahm das Gespräch entgegen.<br>  Es wäre eine Untertreibung gewesen zu sagen, dass die Identität des Anrufers ihn überraschte.<br>"Botschafter Parul", begrüßte Matt den Sondergesandten der Föderation auf der anderen Seite der Leitung, "sie hätte ich ganz sicher nicht zu dieser Zeit erwartet!"<br>"Ich hoffe ich störe sie nicht gerade", entschuldigte sich der Betazoid und ihm schien es in der Tat Leid zu tun.<br>"Nein, dies ist kein Problem", beschwichtigte Price ihn, "ich habe nur gerade Dienstschluss und wollte mich etwas hinlegen. Aber sagen sie, Botschafter Parul, wie komme ich zu der Ehre ihres Anrufes?"<br>"Nun ja, ich wollte mich eigentlich nur einmal erkundigen, wie es ihnen so geht."<br>"Meinen sie mit Ihnen die Crew oder mich speziell."<br>"Wenn ich ehrlich bin geht es mir dabei um sie", gab der Botschafter mit zwei Doktorgraden zu.<br>"Ich bin soweit ganz zufrieden mit mir und meinem Leben, danke", antwortete Matt und wunderte sich über diese Frage. "Arsani, sie sehen so aus als bedrücke sie irgendetwas. Können wir ihnen vielleicht helfen?"<br>"Sie sind ein besserer Menschenkenner, als sie vielleicht zugeben möchten", lobte Parul ihn und blickte mit traurigen Augen in die Kamera. "Da wäre tatsächlich eine Sache. Es gibt da etwas, was ich ihnen schon länger sagen wollte, jedoch bin ich nie dazu gekommen. Es handelt sich dabei auch um eine recht schwierige Angelegenheit."<br>"Ein Grund mehr sie auf den Tisch zu bringen", wie der erste Offizier fand. Er hatte zwar immer noch keine Ahnung worum es ging, doch helfen wollte er dem Gesandten alle Mal.<br>"Leider bin ich absolut ratlos darüber, wie man solche Dinge sagt. Dies mag wohl daran liegen, dass es für eine solche Situation kaum brauchbare Präzedenzfälle gibt, die man als Vorbild zu Rate ziehen könnte."<br>  Langsam konnte Price dem Betazoiden deutlich ansehen, dass er herumdruckste. Er redete um den heißen Brei herum, wie es ein Sprichwort der Menschen so schön ausdrückte; dies konnte er auch ohne seine empathischen Fähigkeiten bemerken.<br>"Ich denke ich werde es frei heraus sagen", beschloss Arsani Parul schließlich.<br>"Dies wäre am besten."<br>"Ich bin dein Vater, Matt."<br>  Im ersten Moment dachte der erste Offizier er hätte sich verhört. Dann begann es in seinen Ohren zu klingeln und sein Blutdruck stieg an. Bei jeder anderen Person, die dies gesagt hätte, hätte Matt es als lächerlichen Scherz abgetan, doch aus irgendeinem Grund wirkte es bei Parul absolut glaubwürdig. Erst nach und nach wurde sich Commander Price der bitteren Konsequenzen bewusst, die diese ungeahnte Offenlegung mit sich brachte. Der Vater, den er nie kennen gelernt hatte und der seine Mutter in Armut verlassen hatte; die Person, die er für all seine früheren Probleme verantwortlich gemacht und die er gehasst hatte, war nun aufgetaucht. Viel schlimmer noch, es handelte sich um eine Person, die er überaus respektierte.<br>"Ich kann mir gut vorstellen, was du nun durchmachen musst", gab der Botschafter kleinlaut zu und schien sich nicht mehr zu trauen seinem verlorenen Sohn in die Augen zu sehen.<br>"Wie lange... weißt du das schon?" presste Matt mühsam hervor, ohne die geringsten Zweifel, dass die Aussage wahr war.<br>"Schon sehr lange."<br>"Wie lange?"<br>"Jahre."<br>"Was?" rief Matt wütend und entsetzt auf. "Du weißt es schon so lange und hast nie den Versuch gemacht mit mir Kontakt aufzunehmen? Und auf einmal laufen wir uns zufällig über den Weg und du eröffnest mir die schockierende Wahrheit??"<br>"Es war kein Zufall", gab Parul ebenfalls ehrlich zu und fühlte sich ganz besonders mies. Bisher war seine Karriere immer ein leuchtendes Vorbild für die Jungpolitiker der Föderation gewesen. Nun würde seine weiße Weste einen ersten Makel aufweisen. "Als ich die Monitor damals nach Terellia verlangt hatte tat ich dies natürlich, weil ich wusste ihr seid die Besten auf eurem Gebiet. Und woher wusste ich dies? Weil ich euren Werdegang verfolgt habe, weil ich die Entwicklung MEINES SOHNES verfolgt habe."<br>  Statt eine Antwort von sich zu geben schwieg Matt nur und fühlte auf einmal eine große Schwere auf ihm lasten. So viele Jahre und nun kannte er also seinen Vater...<br>"Ich möchte mit dir über alles reden, jedoch persönlich. Bitte besuche mich und meine... unsere Familie auf Betazed. Dort können wir uns besser kennen lernen... als Vater und Sohn."<br>  Ohne auf eine Antwort zu warten beendete Arsani Parul die Verbindung und ließ Matt mit seiner neuen Erkenntnis allein. Dieser war innerlich aufgewühlt, erschüttert. Sein Weltbild war soeben ins Wanken geraten und er wusste beim besten Willen nicht, ob er die Einladung annehmen sollte.</p><p align="justify">Die Monitor befand sich im Inneren von Starbase 67 und daher konnte man aus dem Bereitschaftsraum des Captains einen faszinierenden Blick auf das Ladedock der Geheimdienststation werfen. Hier wurde das Schiff neu beladen und Wartungsarbeiten durchgeführt. Für Captain Lewinski war dieser Anblick eine willkommene Abwechslung. Nicht dass er etwas gegen die sonst üblichen Sterne hatten, denn diese boten immer noch einen faszinierenden Anblick, doch öfter mal etwas Neues tat auch der Seele gut. Dies galt jedoch nicht vorbehaltlos für alle Dinge im Leben, wie zum Beispiel der Besetzung des Chefingenieurpostens. Nur zu gerne hätte John Chief Woil auf diese Position belassen, doch der Antosianer hatte es vorgezogen die Sternenflotte zu verlassen. Ein seltsamer Schritt von Jozarnay, doch man hatte seine Entscheidung schlussendlich akzeptieren müssen.<br>  Nun wartete Captain Lewinski hier in seinem Büro auf den Ersatz, der ihm vom Sternenflottenkommando geschickt wurde. Er wusste schon, um welche Person es sich dabei handelte und war überaus zufrieden eine solch kompetente Person zu bekommen. Kurz hielt sich der Captain den Bauch, als ein schneller Schmerz ihn durchzuckte. In letzter Zeit plagten ihn immer öfter kurze Schmerzschübe. Ob dies an dem momentanen Stress lag? John beschloss bei nächster Gelegenheit Dr. Frasier aufzusuchen. Endlich wurde der Türsummer betätigt und der neue Mann trat ein. In Ausgehuniform, so wie es üblich war, wenn man einen neuen Dienstposten antrat, betrat der neue Chefingenieur den Bereitschaftsraum.<br>"Captain, Chief Miles O´Brian meldet sich auf seinem neuen Dienstposten, " vermeldete der ehemalige Chefingenieur von Deep Space Nine korrekt.<br>"Ich begrüße sie an Bord der Monitor, Chief", erwiderte Captain Lewinski und streckte dem erfahrenen Unteroffizier die Hand entgegen. "Bitte setzen sie sich doch."<br>  Der Ire ergriff die ihm dargebotene Hand, schüttelte sie kurz, aber kräftig und setzte sich dann dem Kommandanten gegenüber.<br>"Ich hoffe ihre Reise hierher war nicht allzu beschwerlich, " plauderte Lewinski etwas.<br>"Es ging, Sir", brummte Miles O´Brian und wirkte nicht all zu glücklich.<br>"Ich muss ihnen gestehen, dass ich sehr dankbar darüber bin eine solche Größe im Bereich der Sternenflottentechnik hier an Bord zu haben. Chief Woil hat eine große Lücke hinterlassen, doch gemessen an ihrer Dienstakte und ihrem Rufe denke ich, dass sie diese Lücke locker ausfüllen können."<br>"Danke für ihr Vertrauen, Captain", bedankte sich O´Brian höflich und schaute geistesabwesend an ihm vorbei aus dem Fenster, welches immer noch das Panorama des Ladedocks zeigte. "Darf ich offen sprechen, Sir?"<br>  John war zwar überrascht über diese neue Richtung des Gesprächs, hatte aber nichts dagegen und nickte daher mit dem Kopf.<br>"Was mache ich hier?" fragte der Chief frei und direkt heraus.<br>"Wie meinen sie das?"<br>"Sir, ich war überaus glücklich mit meinem Dienstposten", erklärte der Ire und wirkte sehr gereizt. "Die Möglichkeit in der Sternenflottenakademie zu lehren gab meiner Familie endlich die Möglichkeit auf der Erde zu leben. Ein Kind habe ich schon im Weltraum großgezogen und nun wollte ich meinem Sohn die Möglichkeit geben auf einem Planeten aufzuwachsen, mit Verwandten, die er besuchen konnte. Dann erhalte ich aus heiterem Himmel die Nachricht, dass ich mich auf der Monitor melden soll. Einem Schiff, welches dem Geheimdienst untersteht und daher weiß meine Familie nie, wo ich im Moment bin."<br>"Ich verstehe ihren Ärger, Chief, " entgegnete Lewinski und zeigte sich in der Tat verständnisvoll, "doch wir sind in der Sternenflotte. Versetzungen gehören zu unserem Leben und nicht immer können wir uns unsere Posten aussuchen."<br>"Aber in meinem Alter, Sir! Ich habe so viel für die Flotte getan, da hätte man mir auch mal etwas zurückgeben können. Aus meiner Sicht bin ich... eingezogen worden."<br>"Sie sind also nicht gerne hier?"<br>"Ich bin nicht freiwillig hier. Aber dennoch werde ich meine Arbeit erledigen."<br>"Und ich weiß, dass sie diese so gut wie immer machen werden. Ich habe ihre Sorgen notiert, Chief, aber ich wollte nun Mal den besten zur Verfügung stehenden Ingenieur haben und ganz ehrlich: ich bin froh sie hier zu haben."<br>  Langsam erhob sich Miles O´Brian aus dem Stuhl und machte Anstalten sein neues Quartier zu beziehen.<br>"Es tut mir leid, Sir, aber derzeit ist dies alles so unpassend. Yoshi hat bald Geburtstag und ich kann es wieder einmal nicht miterleben."<br>  Mit diesen Worten verließ der neue Chefingenieur den Bereitschaftsraum und John musste frustriert einsehen, dass es nicht immer nur ein Segen war an Bord der Monitor zu dienen.<br>  Unmittelbar im Anschluss schien ein fliegender Wechsel stattzufinden, denn nur wenige Sekunden nachdem O´Brian das kleine Büro des Kommandanten verlassen hatte kam der erste Offizier herein und wirkte alles andere als glücklich. Mit steinerner Miene überreichte Matt Price dem Captain ein Padd und ging danach in eine halbmilitärische Wartestellung, die bei Lewinski ein überraschtes Hochziehen der Augenbrauen wölbte.<br>"Normalerweise ist es ganz gegen ihre Gewohnheit Urlaubsanträge schriftlich einzureichen, " meinte John, nachdem er einen Blick auf den Inhalt des Padds geworfen hatte. "Üblicherweise kommen sie doch mit den Worten Chef, ich brauche mal Urlaub herein und dann genehmige ich ihnen den Antrag, "<br>"Und was schließen sie aus meiner heutigen Vorgehensweise?" fragte Matt, wirkte dabei seltsam ungeduldig.<br>"Ich schließe, dass es sich um eine äußerst wichtige Sache handeln muss, wenn sie schon so weit gehen die Regeln einzuhalten. Ich genehmige ihren Urlaub."<br>  Dankend nickte Price seinem Kommandanten zu und machte Anstalten das Büro zu verlassen, hielt dann jedoch noch einmal inne und fragte:<br>"Sie wollen gar nicht wissen, warum ich diesen Urlaub brauche?"<br>"Sie sind ein erwachsener Mann, Commander, " entgegnete Captain Lewinski, dessen Überraschung sich langsam ins Unermessliche steigerte, "da brauche ich ja wohl nicht alles über sie zu wissen, oder? Sehen sie es doch einfach als Vertrauensbeweis."<br>  Zum zweiten Mal nickte Price und wollte wieder das Büro verlassen, dennoch schaffte er es nicht seine Absichten zu Ende zu führen. Nun endlich wurde John Lewinski der Grund für dieses seltsame Verhalten klar. Auch wenn man es kaum glauben konnte, der sonst so lässige und gewiefte Matthew Price brauchte tatsächlich jemanden, mit dem er reden konnte. Seufzend setzte sich Lewinski auf die Tischkante seines Schreibtisches.<br>"Was haben sie auf dem Herzen, Matt?" fragte er verständnisvoll.<br>  Eine ganze Fülle von Emotionen spielte sich auf dem Gesicht des Halbbetazoiden ab, als er noch einmal die Ereignisse der vergangenen Stunde rekapitulierte. Es war auch für ihn ein schwieriges Jahr gewesen und diese neue Erkenntnis reihte sich nicht gerade in das best of ein.<br>"Ich habe so eben etwas erfahren, was ich niemals geglaubt habe jemals zu erfahren."<br>"Kryptische Ausdrucksweise. Was haben sie denn erfahren?"<br>"Eben hatte ich einen sehr ungewöhnlichen Anruf und zwar von Dr. Dr. Arsani Parul."<br>"Ah, wie geht es denn Arsani so?" erkundigte sich John höflich nach dem Befinden des Sonderbotschafters, der sie im letzten Jahr des Öfteren begleitet und tatkräftig unterstützt hatte.<br>"Er ist mein Vater!" platzte es aus dem ersten Offizier heraus.<br>  Nun versteinerte sich die Miene des Captains ebenfalls und innerhalb einer Sekunde verstand er den Ernst der gegenwärtigen Situation. Viel schlimmer noch, er wusste worauf dieses Gespräch am Ende hinauslaufen würde.<br>"Sind sie sich da auch ganz sicher?" fragte John noch einmal behutsam nach, obwohl er die Antwort längst kannte.<br>"Wenn sie etwas in der Richtung von DNA-Tests oder dergleichen meinen, da weiß ich nichts. Aber wieso sollte ein so angesehener Mann, der mit einer solchen Enthüllung so viel zu verlieren hätte, lügen?"<br>  Statt einer Antwort blickte John betroffen zu Boden. Diese ganze Entwicklung hatte er so nicht vorausgesehen. Verdammt, er hatte es in der Hand gehabt diese Situation schon frühzeitig zu entschärfen. Er entsann sich an einen Vorfall, unmittelbar nachdem er Arsani Parul das erste Mal auf Terellia kennen gelernt hatte:</p><p align="justify">A propos Parul, aus reiner Langeweile rief John die Akte des Sonderbotschafters auf und las sich einige Informationen über den neuen Freund des Schiffes durch. Zwei Doktorgrade besaß der Betazoid, des Weiteren war er seit langem verheiratet und hatte zwei Kinder, die gerade dabei waren ihr Studium zu beenden. Eine glückliche Familie, eine wie sie die Lewinskis einmal gewesen waren. Doch um sich abzulenken wollte John noch tiefer ins Detail gehen. Vor sich hatte er die normale Personalakte Paruls legen, er interessierte sich jedoch für die Geheimakte, die der SFI angelegt hatte. Um an diese heranzukommen musste er seine Geheimnummer an das Hauptquartier, dem so genannten "Erdgeschoss" senden, was eine sehr nervige Angelegenheit war, denn jeder Code war nur einmal verwendbar. Einmal benutzt musste jedem Captain ein neuer ausgestellt werden. Nun ja, um sich von seinen privaten Nöten abzulenken war diese Sache es John wert und er übermittelte seinen Zugangscode. Innerhalb weniger Sekunden wurde dieser bestätigt und die Geheimakte des Sonderbotschafters wurde übermittelt.<br>  Im nächste Moment fiel der Kanadier aus allen Wolken. Er lehnte sich in seinem Sessel zurück und schnappte ungläubig nach Luft. Nein, dies durfte doch nicht wahr sein! Sicher war dies ein Fehler! Aber es stand dort tatsächlich, schwarz auf weiß. Was sollte er nun tun? Es ihm etwa sagen? Nach langem Überlegen entschied sich John Lewinski dagegen. Dies waren private Angelegenheiten, die ihn nichts angingen. Nichtsdestotrotz würde er Dr. Parul nun mit anderen Augen sehen müssen.</p><p align="justify">Schon seit über einem Jahr hatte er die Wahrheit gewusst und dennoch geschwiegen. Damals dachte John er täte dies zum Wohle aller, doch er hatte sich geirrt. Solche Sachen konnte man nicht geheim halten. Vielmehr, man sollte sie nicht geheim halten!<br>"Matt, es gibt da etwas, was ich ihnen sagen muss", druckste John herum und fühlte sich auf einmal sehr, sehr unbehaglich.<br>"Was wird denn nun kommen? Sind sie etwa meine Schwester?" fragte der Halbbetazoid schwach, ohne dass sein Humor diesmal so recht Wirkung zeigte.<br>"Ich wusste schon eine sehr lange Zeit über, dass Arsani Parul ihr Vater ist."<br>"Was?" fuhr es aus Matt heraus und er wirbelte herum. Ungläubiges Entsetzen zeigte sich nun in seinen Augen, gepaart mit Unverständnis. "Wie lange?"<br>"Ein Jahr mindestens."<br>"Und in all dieser Zeit haben sie es niemals für nötig gehalten mir dies zu sagen? Hielten sie diese Informationen etwa für nicht wichtig genug oder dachten sie ich würde Parul an die Gurgel gehen, ihm all die Jahre, die ich ohne ihn klarkommen musste, vorwerfen?"<br>  Es half alles nichts, Captain Lewinski schämte sich. Er hatte eine falsche Entscheidung getroffen, soviel stand fest. Hinterher war man immer schlauer, Ausreden brachten nun nichts mehr.<br>"Und was ist mit ihrer Mutter?" fragte Lewinski und meinte damit Birgit Price, die immer noch auf Rigel lebte. "Parul ist ein Mann, der im Lichte der Öffentlichkeit steht. Wieso hat sie ihnen nie erzählt, um wen es sich handelt."<br>"Weil sie… weil sie… ich weiß es nicht!" gab sein erster Offizier schließlich geschlagen zu. So viele Jahre lang hatte er eine unbekannte Person gehasst. Eine Figur, die seine Mutter in einer kurzen Affäre geschwängert und dann sitzengelassen hatte. Und nun wusste er, wer diese unbekannte Person war. Ein Mann, den er inzwischen respektierte. Oder respektiert hatte, so genau wusste er es nicht mehr.<br>"Ich weiß nicht, ob ich zu ihm fahren soll", gestand Matt schließlich.<br>"Ihren Urlaub habe ich doch eben genehmigt", erinnerte ihn der Captain.<br>"Ja, aber ihm jetzt gegenüberzutreten…," versuchte der Halbbetazoid zu erklären und schwieg dann.<br>"Nehmen sie einen Rat von mir an?"<br>"Hindern kann ich sie ja nicht dran."<br>"Mein Vater ist tot. Ich werde niemals wieder die Gelegenheit bekommen mit ihm die Zeit zu verbringen, über die Fehler der Vergangenheit zu reden und ihn zu lieben. Sie jedoch haben eine einmalige Chance erhalten. Ihr Vater ist aus dem Nichts aufgetaucht und reicht ihnen die Hand. Ergreifen sie sie, solange es noch möglich ist. Ansonsten werden sie sich eines Tages ewig Vorwürfe machen… so wie ich es tue."<br>Überrascht über diese offenen Worte musterte Price seinen Vorgesetzten und versuchte ihn mit seinen verkümmerten Fähigkeiten zu scannen. Er erkannte, dass John es ernst meinte.<br>"Danke für ihren Rat", antwortete Price und verließ endlich das Büro des Captains. Diesmal fest entschlossen nach Betazed zu reisen.<br>  Hatte Captain Lewinski dadurch jedoch gehofft endlich zu seiner verdienten Ruhe zu kommen, so mussten diese Hoffnungen leider enttäuscht werden, denn schon im unmittelbaren Anschluss wurde ein weiteres Mal der Türsummer betätigt.<br>  Bin ich hier auf dem Bahnhof? fragte sich John unwillkürlich, als er den nächsten Gast hinein bat. Sehr zu seiner Überraschung musste er feststellen, dass er die eintretende Person nicht kannte. Es war ein junger weiblicher Sternenflottenoffizier, die grob geschätzt in den Dreißigern sein musste. Ihre kurzen blonden Haare hatte sie streng zurückgebunden und ihre blauen Augen funkelten kalt. Auf eine herbe Art und Weise wirkte sie attraktiv.<br>"Captain, ich bin Commander Elena Kranick."<br>"Was kann ich für sie tun, Commander?" begrüßte Lewinski die Dame ohne Umschweife und bot ihr höflich einen Platz an, den sie jedoch ablehnte.<br>"Ich bin für kurze Zeit auf ihr Schiff beordert worden, um einem Auftrag nachzugehen, der direkt vom Oberkommando des Sternenflottengeheimdienstes kommt."<br>  Passend zu ihren Worten reichte sie Lewinski ein Padd, auf dem alle relevanten Daten gespeichert waren. Der Captain überflog den Befehl, welcher das Hier sein Kranicks legitimierte und warf dann den Schreibblock unsanft zu den anderen Akten auf dem Tisch.<br>"Dies ist ja alles sehr interessant. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass ich von einer solchen Untersuchung nichts weiß, " stichelte John nach und wartete geduldig auf eine Reaktion des Commanders. Diese ließ sich jedoch nicht von seiner Autorität beeindrucken und entgegnete streng:<br>"Das Oberkommando sah keinerlei Veranlassung sie übermäßig zu informieren. Dies ist nur eine Sache zwischen mir und Lieutenant Danny Bird."<br>"Ich denke diese Sache geht uns alle etwas an. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass sie einiges falsch interpretieren könnten, Commander."<br>"Was bitte schön soll man bei Verrat noch falsch interpretieren, Sir?" fragte Commander Kranick kalt.<br>  Genau diesen Moment hatte Captain Lewinski schon seit längerem gefürchtet. Nachdem im letzten Jahr die dunkle Vergangenheit Danny Birds aufgedeckt worden war, hatte es sich nur noch um eine Frage der Zeit gehandelt, bis man seinen Fall untersuchen würde. Für alle Crewmitglieder an Bord der Monitor war klar, dass es sich bei Danny um einen Verräter ohne Schuld handelte; eine völlig andere Person. Doch würde dies auch das Oberkommando verstehen? Wenn man sich die Person ansah, die sie geschickt hatten, so musste man diese Frage wohl leider mit einem Nein beantworten.<br>"Haben sie sich etwa schon ihr Urteil gebildet?" fragte Lewinski und spürte ganz deutlich,<br>  wie Zorn in ihm hochstieg. "Ich dachte es wäre unrechtmäßig Urteile a priori festzulegen."<br>"Ich habe kein Urteil gefällt. Vielmehr habe ich nur einen Fakt aufgezählt: Lieutenant Bird hat während des Krieges Verrat begangen, " war die kalte Antwort der Frau, vor der es John schon jetzt grauste.<br>"Gegen ihr Hier sein kann ich nichts unternehmen", gab der Kommandant des kleinen Schiffes schließlich offen zu, "vielleicht ist es auch ganz gut, wenn wir diese Sache endlich einmal aufarbeiten. Aber ich warne sie: sollte ich nur das geringste Anzeichen erkennen, dass sie voreingenommen sind, dann sind sie schneller von hier verschwunden als sie Energie sagen können!"<br>"Captain Lewinski, sie mögen zwar ranghöher sein und dies respektiere ich, dennoch bin ich direkt dem Oberkommando des Geheimdienstes unterstellt. Sie können mich nicht von Bord dieses Schiffes entfernen. Ich gehe erst, wenn ich meine das die Zeit gekommen ist."<br>  Ohne auf die Erlaubnis zu warten wegtreten zu können verschwand Commander Kranick im Anschluss an ihre Worte aus dem Büro und machte sich an die Arbeit. Nun hatte Lewinski zwar endlich seinen Frieden, doch an die ersehnte Ruhe war im Moment leider nicht mehr zu denken.</p><p align="justify">Das Wetter hätte für diesen Anlass nicht passender sein können. Dicke Regentropfen fielen aus pechschwarzen Wolken vom Himmel, ertränkten die Natur scheinbar in unendlicher Nässe. Edward Jellico ließ sich jedoch von dieser Naturgewalt nicht beeindrucken. Wenn er wollte konnte er selbst eine Naturgewalt sein und Katastrophen auslösen, doch diese Fähigkeit war dieses Mal nicht der Grund für seine Gleichgültigkeit. Viel eher war es der Ort, an dem er sich gerade befand. Der große Friedhof von San Francisco war jahrhundertealt und gehörte zu den berühmtesten der gesamten Erde. Es war schwierig hier seine letzte Ruhestätte zu bekommen, doch für den ehemaligen Admiral der Sternenflotte war das Beste gerade gut genug für seine verstorbene Frau und seinen Sohn. Mit zusammengekniffenen Augen starrte er auf den Grabstein, der den Namen seiner Frau trug, sowie ihre Lebensspanne und einen aufmunternden Satz, der vor seinen Augen verblasste. Auf einen Schirm hatte er verzichtet und wäre er nicht so sehr in Gedanken er hätte dies sicher bereut. Doch in seiner immerwährenden Trauer nahm er den Regen gar nicht wahr. Gerne hätte er hier einige bittere Tränen des Verlusts geweint, doch inzwischen blieb ihm diese Fähigkeit versagt. Zu viele Tränen hatte er in den letzten Monaten vergossen und so war sein Körper scheinbar ausgetrocknet, nicht mehr in der Lage zu dieser emotionalen Reaktion. So starrte er nur auf den Grabstein und Erinnerungen daran, wie es geschehen war, stiegen in ihm hoch:</p><p align="justify">"Das war´s. Ich habe ihnen alles gesagt, was sie wissen wollten. Alles. Werden sie mich und meine Familie nun gehen lassen?"<br>  Gespannt blickte Edward Jellico die Frau, die ihm gegenüber in dem Sessel saß, an und wartete auf ihre Reaktion. Ihr Phaser war immer noch lässig auf seinen Kopf gerichtet und sie schien keine Anstalten zu machen diese Position zu verändern. Neben Edward saßen auf dem zweiten Sofa seine Frau und sein Sohn, beiden stand die Panik deutlich ins Gesicht geschrieben. Während der vergangenen Stunden hatten sie hier sitzen müssen und den Albtraum teilen müssen, den Edward gerade durchlebte. Sie hatten Dinge erfahren, von denen der ehemalige Admiral ihnen eigentlich nie etwas erzählen wollte. Nun, nachdem dieses getan war, musterten die beiden den alten Mann kritisch und begannen sich zu fragen, ob sie sich in ihrem Vater und Ehemann vielleicht drastisch getäuscht hatten. Liebten sie ihn noch, jetzt wo sie die Wahrheit wussten?<br>  Allein für das würde Edward Stella Tanner am liebsten umbringen. Doch er musste realistisch sein: so wie die Dinge momentan standen würde sie ihm wohl zuvorkommen und sein Leben beenden. Dann hätte Nathan Sloan doch noch seine späte, durch zweite Hand ausgeführte Rache. So furchtlos wie möglich beobachtete er die vor ihm sitzende entflohene Killerin und wartete auf eine Reaktion.<br>"Und nun? Werden wir hier bis ans Ende aller Tage hier sitzen bleiben und uns anschweigen?" fragte er provokativ.<br>"Ich denke nicht, dass dies nötig sein wird", ließ sich Stella Tanner endlich eine Reaktion entlocken. Schon im nächsten Moment wünschte sich Jellico, dass er gar nichts gesagt hätte. Die seltsam attraktive Frau richtete den Phaser auf ihr Ziel und lächelte ein letztes Mal, bevor sie den Abzug betätigte.<br>"Nein!" schrie Edward, doch seine Reaktion kam zu spät...</p><p align="justify">Es war kaltblütiger Mord gewesen, noch dazu an Unschuldigen. Edward hatte jedoch gleich, nachdem er den blutigen Körper seines Sohnes in den Armen gehalten hatte, den Grund dafür verstanden. Stella Tanner wollte ihn für den Rest seines Lebens leiden lassen. Er sollte noch viele Jahre weiterleben und dabei niemals den Schmerz vergessen, den er jeden Tag spürte, wenn er in seinem Haus aufwachte, welches sich nun so unendlich leer anfühlte. Für einen kurzen Moment hatte er überlegt auszuziehen, sich dann dagegen entschieden. Er ließ sich von dieser kranken Hure nicht aus seinem Haus vertreiben. Stattdessen hatte er blutige Rache geschworen. Eine Rache, die er bis heute nicht hatte durchführen können.<br>  Sachte holte er einen kleinen Kommunikator aus seiner Jackentasche, ohne den Blick vom Grabstein zu nehmen, dessen Oberfläche inzwischen so kalt wie Edwards Herz war.<br>"Bujold hier", meldete sich eine weibliche Stimme aus dem kleinen Gerät, nachdem der Chefverschwörer von Sektion 31 eine Verbindung hergestellt hatte.<br>  Jellico vertraute der jungen Frau, die schon seit längerem eine Art Sekretärin von ihm darstellte. Ein relatives neues Mitglied von Sektion 31 und daher sehr engagiert, zuverlässig obendrein. Es war Edward nicht schwer gefallen sie ins Vertrauen zu ziehen.<br>"Haben wir sie inzwischen gefunden?" fragte der alte Mann routinemäßig und kannte dennoch die Antwort.<br>"Nein, es tut mir leid, Mr. Jellico", musste ihn Josephine Bujold enttäuschen. "Auch heute haben wir keine Spur von Stella Tanner."<br>"Alle verfügbaren Agenten sollen weitersuchen."<br>"Verstanden", bestätigte seine Sekretärin und beendete die Verbindung.<br>  Die Jagd würde weitergehen, soviel stand für Jellico fest. Wenn es sein muss würde die Suche nach Tanner bis zum Tag des jüngsten Gerichts gehen, aber er würde sie finden. Irgendwann.</p><p align="justify">Der prächtige romulanische Senat war inzwischen wieder fast vollständig aufgebaut worden. Um an den verheerenden Anschlag, der vor knapp einem Jahr stattgefunden hatte, zu erinnern war dabei bewusst ein kleiner Teil der tragenden Säulen nicht repariert worden, sondern in ihrem jetzigen Zustand belassen worden. Tief innerhalb des Gebäudes, dessen Sicherheitsvorkehrungen dramatisch verschärft wurden, befanden sich die Büros der einzelnen Senatoren. Dort konnten sie in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen, Strategien austüfteln und vertrauliche Gespräche führen. In einem dieser Büros befand sich Senator Tek´lor und hatte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Vor ihm auf seinem Schreibtisch, der aus edlem Marmor bestand, befand sich der Bericht über die derzeitige Situation auf dem eroberten Planeten Talar und was er dort las war alles andere als erfreulich. Die Besatzung hatte sich zu einem überdimensionierten Problem aufgebläht. Egal welchem Punkt des Berichts sich Tek´lor widmete, überall gab es nur schlechte Nachrichten. Die Nahrungsversorgung war katastrophal. Nachdem die Umwelt des Planeten durch das orbitale Bombardement zerstört und Talar in einen nuklearen Winter verfallen war bestand die Nahrung für die hungernde Zivilbevölkerung zu 90 Prozent aus Importen. Importen, die von den Romulanern eingeführt wurden und die nie und nimmer ausreichten, um alle Talarianer zu versorgen. Da das komplette Gesundheitssystem ausgefallen war mussten sich die Besatzer auch um das körperliche Wohl der Talarianer kümmern, auch dieser Abschnitt des Berichtes war katastrophal. Tausende litten unter Strahlungs- und Verbrennungsschäden, ausgelöst durch die Bombardierung. Seuchen machten sich breit und die Hygiene war durch die Millionen Toten, die noch nicht geborgen werden konnten, mehr als mangelhaft. Zu allem Überfluss stieg täglich die Zahl der getöteten romulanischen Soldaten, denn der Widerstand der letzten kämpfenden talarianischen Einheiten war immer noch nicht vollständig gebrochen. Es kam zu Überfällen, Schießereien und Bombenattentaten, die ein Klima der Angst verursachten und so die Besatzer dazu brachten sich an der Zivilbevölkerung zu rächen. Es war ein Teufelskreis, der scheinbar nicht durchbrochen werden konnte. Das Ansehen des Romulanischen Imperiums bei den anderen außerirdischen Regierungen sank stetig, je länger die Okkupation dauerte. Nun endlich mussten sie alle einsehen, dass der Krieg einen Preis hatte. Blind in ihrer Wut hatten die Romulaner um jeden Preis versucht den Feind zu besiegen, ohne sich Gedanken um ein danach zu machen. Jetzt standen sie vor den Auswirkungen ihrer Kurzsichtigkeit. Tek´lor versuchte angestrengt eine Lösung für zumindest eines der Probleme zu finden. Anders als viele Mitglieder seiner Spezies war er nach dem Senatsanschlag nicht der grenzenlosen Wut verfallen, sondern hatte versucht die Talarianer als normale Wesen anzusehen, deren Motive man erst ergründen musste. Leider waren seine Warnungen auf taube Ohren gestoßen, was sich nun rächte. Und siehe da: nun brauchte man auf einmal wieder eine Hilfe und Ideen! Wie schnell sich doch das Fähnchen im Fahrwasser der Politik drehen konnte.<br>  Dann endlich hatte er eine Lösung. Nein, dieses Wort war zuviel des Guten. Viel eher handelte es sich um eine Idee, einem Vorschlag, den er dem Senat unterbreiten konnte. Diese könnte sie zumindest von der Last einer Aufgabe entbinden. Sogleich machte er sich an die Arbeit eine Rede zu erarbeiten.</p><p align="justify">Die Reisetasche, in der sich derzeit seine nötigsten Klamotten befanden, wurde von seinen geübten Händen auf das Bett gewuchtet. Chief O´Brian schaute sich in seinem kleinen Quartier um, welches er aufgrund seiner Stellung alleine bewohnte. Niemals im Leben hatte er daran gedacht wieder an Bord eines Schiffes der Defiant-Klasse Dienst tun zu müssen.<br>  Vielmehr hatte er gehofft, dass die Sternenflotte endlich einmal seinen jahrzehntelangen Einsatz zu würdigen wusste und ihn auf der Erde lassen konnte, wo seine Familie ungestört leben konnte. Doch nichts war aus dieser Hoffnung geworden. Zu jedem anderen Zeitpunkt seiner Karriere hätte er es begrüßt hier auf dieses Schiff versetzt zu werden. Ein Schiff des Sternenflottengeheimdienstes, welches sich auf geheime Missionen begab, dies klang aufregend und war mit einem Hauch von Gefahr verbunden. Doch nach zwanzig Dienstjahren und als zweifacher Familienvater kam ihm dieser unerwartete Adrenalinschub nicht gerade recht. Vielleicht hatte er Glück und sein Engagement würde hier nur wenige Wochen dauern. So wie er dies verstandne hatte wurde er immer noch als temporäre Notlösung gesehen, vielleicht würde man doch noch jemand anderen für diesen Posten finden.<br>  Miles O´Brian widmete sich dem Komterminal und gab routinemäßig eine ganz bestimmte Nummer ein. Schon nach wenigen Sekunden wurde das Symbol der Föderation durch das Gesicht seiner Frau ersetzt, welche nach all den Jahren und zwei Geburten nichts von seiner Schönheit eingebüsst hatte. Im Gegenteil, für den Iren war Keiko schöner als je zuvor.<br>"Hallo Liebes", begrüßte der Chefingenieur sie, "ich wollte nur sagen, dass ich heil angekommen bin.<br>"Gut dies zu hören... auch wenn ich leider nicht weiß, wo dieses Hier ist", entgegnete Keiko traurig.<br>"Tut mir leid, dass ich dir dazu nichts Genaueres sagen kann, aber du kennst ja die besondere Natur dieses Schiffes."<br>"Ich verstehe das schon..." meinte seine Frau und brach dann den begonnenen Satz ab.<br>"Was wolltest du sagen?"<br>"Es ist nur so, " druckste seine Frau herum, "ich hatte in all den Jahren so viel Verständnis.<br>  Zu viel Verständnis für meinen Geschmack. All die Jahre im Weltraum und nun hatte ich mich eigentlich darauf gefreut, dass unsere Kinder auf der Erde groß werden, gemeinsam mit unseren Großeltern."<br>"Schatz, es ist doch nicht meine Schuld. Ich habe doch meinem neuem Captain schon gesagt, was ich von der ganzen Sache halte. Auch er weiß, dass ich am liebsten wieder zurück möchte. Kopf hoch, ich übernehmen für einige Wochen den Laden hier und dann werde ich von einem anderen Ingenieur abgelöst."<br>"Bist du dir sicher?" fragte seine Frau und neuerliche Hoffnung keimte in ihren Augen.<br>"Aber natürlich", log Miles, "es ist alles schon abgeklärt."<br>"Das freut mich!"<br>"Ja, mich natürlich auch. Und nun hol mal meine Kinder an den Schirm, ich würde gerne mal ein paar Worte mit ihnen wechseln, " regte Miles an und lachte, so als ob alles wie immer sei.</p><p align="justify">Sein Vorgänger, der ehemalige Chefingenieur Chief Jozarnay Woil, hatte dafür seine Reise zurück nach Antos beendet. Es war Jahre hier, seit er das letzte Mal auf seiner Heimatwelt gewesen war und dementsprechend groß war seine Vorfreude auf ein Wiedersehen mit seinen Eltern. Naturgemäß herrschte auf dem interstellaren Raumhafen von Antos´ Hauptstadt kein reger Betrieb. Immer noch waren die Antosianer nicht gerade dafür bekannt zu den Sternen zu reisen und so handelte es sich bei den meisten Passagieren, die diese Welt verlassen wollten, um Außerirdische. Geschäftsleute, Touristen und hin und wieder ein paar Sternenflottler. Leise Melancholie stieg in Jozarnay hoch, als er den Uniformierten nachsah. Nein, dies war einmal gewesen. Nun hieß es wieder nach vorne zu schauen und etwas Neues mit seinem Leben anzustellen. Es war besser so.<br>  Zwar hätte er auf eines der verfügbaren Massentransportmittel zurückgreifen können, doch Woil zog es vor die Strecke bis zu seinem Haus per pedes zu bewältigen, um so seine Heimat, die er so lange nicht mehr gesehen hatte, neu zu erkunden. Zu seiner Überraschung hatte sich seit seinem Verlassen des Planeten kaum etwas verändert. So gut wie alle alten Gebäude waren immer noch erhalten und stellenweise erkannte man sogar einige Personen wieder, die ihrem regelmäßigen Tagesgeschäft nachgingen. Irgendwie fühlte er sich wohl in dieser Umgebung, es kam ihm auf eine besondere Art und Weise so vor, als wäre er niemals weg gewesen. Kurz vor seinem Ziel kam er an dem kleinen Kanal vorbei, in dessen Nähe er und Larla sich während ihrer Kindheit oft aufgehalten hatten. Die Zeit mit Larla war eine besondere gewesen, die niemals zurückkehren würde. Kurz bedauerte der Witwer ihren gemeinen und unnötigen Tod, dann setzte er seinen Weg fort und nach einigen weiteren Minuten fand er endlich sein Ziel. Geduldig klingelte er bei dem Einfamilienhaus und die Tür wurde von seiner Mutter Zorla geöffnet. Ungläubiges Staunen stand ihr ins Gesicht geschrieben, denn Jozarnay hatte nichts von seiner Rückkehr erzählt.<br>"Jozarnay!!!! Was für eine Überraschung!" rief sie und ihre laute Freude lockte auch seinen Vater Kolay heran, der sich ebenso glücklich zeigte.<br>"Überraschung!" meinte der ehemalige Chefingenieur augenzwinkernd und wurde fast in das Haus hineingezogen.<br>"Was machst du hier, Junge?" fragte ihn sein Vater und nahm ihm den schweren Reisekoffer ab.<br>"Dies ist eine lange Geschichte, Vater."<br>"Und dein Schiff? Ist es etwa hier im Orbit?"<br>"Dies ist noch eine längere Geschichte. Ich schlage vor wir besprechen sie beim Essen."<br>"Oh ja, natürlich, " meinte seine Mutter, "du musst ja völlig erschöpft sein. Geh doch schon mal dein altes Zimmer beziehen, während ich schnell etwas koche. Für meinen Sohn muss ich doch mal wieder etwas Vernünftiges zubereiten."<br>  Schmunzelnd ging Jozarnay die Treppe hoch und betrat sein altes Jugendzimmer, in dem immer noch seine persönlichen Gegenstände waren. Seine Eltern hatten es nie übers Herz gebracht sie alle wegzuräumen und nun fühlte er sich hier mehr als glücklich. Es war schön wieder zu Hause zu sein!</p><p align="justify">Auch ein zweites Besatzungsmitglied der Monitor befand sich auf dem Weg nach Hause, wobei in seinem speziellen Falle das Wort Hause wohl in Anführungszeichen gesetzt werden musste. Denn obwohl Matthew Price zur Hälfte Betazoid war hatte er kaum nennenswerte Zeit auf diesem Planeten verbracht. Nur einmal war er hier längere Zeit gewesen, während des Dominionkrieges, und hatte mit ansehen müssen wie diese schöne Welt besetzt worden war. Ansonsten hatte es nie einen sonderlichen Grund gegeben hierher zu kommen. Vielleicht hatte sich darin ja eine unterschwellige Ablehnung seines Vaters manifestiert, den er bis dato nie gekannt hatte. Dieser Groll gegen seinen Erzeuger mochte ihn dazu veranlasst haben Betazed zu meiden. Zumindest war dies eine der Thesen gewesen, welche Marissa, die Leiterin des Seminars vor einem halben Jahr, zu ihm gesagt hatte. Vielleicht könnte er die junge Frau ja auch noch besuchen, wenn er etwas Zeit hatte. Doch derzeit gab es dringlichere Probleme. Price entstieg dem Passagierschiff und schleuste sich durch die Abfertigung in die Wartehalle durch, wo zahllose Personen darauf warteten ihre Liebsten wieder in die Arme schließen zu können. Inmitten dieser Personen stand auch Arsani Parul, der geschätzte Diplomat der Föderation und blickte ihn mit scheinbar neutraler Miene an. Doch selbst mit seinen schwachen empathischen Fähigkeiten konnte Matt die Freude des Sonderbotschafters spüren. Seltsamerweise schien niemand Parul zu erkennen, was möglicherweise an der für ihn unüblich legeren Kleidung lag.<br>"Da sind sie ja, " begrüßte Arsani den erste Offizier, "ich hoffe sie sind gut angekommen."<br>"Ist es nicht üblich, dass Eltern ihre Kinder duzen?" fragte Price argwöhnisch und irritiert zugleich.<br>"Ja, es ist üblich... ich wusste nicht, ob es der Sache nicht vielleicht etwas zu vorgegriffen wäre, " gab Arsani offen zu. "Immerhin weiß ich ja, wie sie zu mir stehen."<br>Über diese Offenheit zeigte sich Price in positiver Hinsicht überrascht.<br>"Ich denke wir können es mit der üblichen Anrede probieren", fand Matt. "Vielleicht hilft es mir ja bei der Bewältigung dieser neuen Situation."<br>  Dieses Zugeständnis schien Arsani Parul sichtlich zu erfreuen. Scheinbar hatte er nicht mit einem solchen Verlauf der Dinge gerechnet, der wahrlich ungewöhnlich genug war.<br>  Mit einfachen Handbewegungen bedeutete der Betazoid seinem wieder entdeckten Sohn sich zu einem öffentlichen Transporter zu begeben, der sie direkt zu ihm nach Hause beamen würde. Dort angekommen gab Parul seine geheime Benutzernummer und anschließende Adresse ein, dann konnten sie samt Gepäck den Transportvorgang beginnen.<br>  Schon die Materialisation bot Commander Price einen Schock in zweifacher Hinsicht. Zum einen überwältigte ihn die schiere Größe des Hauses von Familie Parul. Allein der Flur, in dem sie erschienen, war riesig und edel verarbeitet. Zum anderen erwartete sie eine ältere betazoidische Frau, scheinbar die Ehefrau Arsanis, sowie einen Mann, der nur wenige Jahre jünger als Matthew war, und eine noch jüngere Frau. Auch hier war es nicht schwer zu erraten um welche Personen es sich handelte, auch wenn die Antwort dem ersten Offizier alles andere als gefiel: es handelte sich um die erwachsenen Kinder Paruls; folglich seinen Halbbruder und Halbschwester. In alten Filmen kam an dieser Stelle oftmals eine absolut unrealistische Begrüßungsszene vor, in der der Neuankömmling heftig umarmt und eingeladen wird sein neues Bett zu beziehen. Doch hier geschah dies nicht. Viel eher war bei der Familie ebenso große Unsicherheit zu verspüren wie auch bei Matt selbst. Immerhin hatten sie erfahren, dass ihr Ehemann und Familienvater noch einen unehelichen Sohn besaß. Wie lange wussten sie schon davon? Hatte Arsani auch ihnen die ganze Zeit über die Wahrheit verschwiegen?<br>"Matt, darf ich dir vorstellen: dies sind meine Frau Ewala und meine Kinder Arlon und Tenaa... deine Geschwister."<br>  Einige leise Begrüßungen wurden gemurmelt, die noch alle recht unsicher klangen, dann endlich konnte Matt sein Nachtlager in einem freien Zimmer des großen Hauses aufschlagen. Endlich war er allein und konnte seine Gedanken ordnen. Dabei wurde ihm klar wie sehr sich sein Leben doch verändert hatte. Bis vor wenigen Tagen war er eine Halbwaise gewesen, nun besaß er eine gänzlich neue Familie. Wie sich das weitere Zusammenleben gestalten sollte konnte er sich absolut nicht beantworten.</p><p align="justify">Der Türsummer an Birds Tür wurde betätigt und nachdem er das automatische Signal zum Öffnen des Schotts gegeben hatte war er mehr als überrascht über seinen Besucher.<br>"Ich hoffe ich störe nicht", fragte Captain Lewinski höflich und wartete darauf, dass man ihn hereinbat.<br>"Es ist schon ziemlich seltsam, dass der Captain die Quartiere seiner Untergebenen aufsucht, " gestand Danny Bird, "aber tun sie sich keinen Zwang an. Kommen sie herein!"<br>  Dankend nahm der Kommandant des kleinen Schiffes dieses Angebot an und betrat das spartanische Quartier des Sicherheitschefs. Wie alle Führungsoffiziere an Bord konnte er sich den Luxus leisten sein Quartier nicht mit jemand anderem teilen zu müssen und in den meisten Fällen war dies ein echter Vorteil. Doch heute fühlte sich der Lieutenant dadurch sehr einsam und so kam ihm der Besuch des Captains gerade recht.<br>"Wollen sie den Täter vor seiner Hinrichtung ein letztes Mal sehen? Um ihm die Absolution zu erteilen?" witzelte Danny und wirkte dabei überhaupt nicht, als sei ihm nach Scherzen zumute.<br>"Danny, dies ist nicht fair und das wissen sie."<br>  Lewinski wechselte in den freundschaftlichen Plauderton, den er sich für solche Momente aufhob. Ab und an konnte man nicht als Vorgesetzter auftreten, sondern viel besser als Freund.<br>"Was weiß ich? Dass ich ein Verräter bin und nun endlich über mich gerichtet wird? Das ist nur fair und wenn sie ehrlich zu sich selbst sind müssen auch sie dies zugeben."<br>  Diese Worte beschworen Zorn im Captain hinaus.<br>"Das war´s dann also? Sie wollen sich von Commander Kranick auseinander nehmen lassen und ins Gefängnis wandern?"<br>"Es ist das, was ich verdient habe!"<br>"Nein, das ist es nicht!" rief John Lewinski aus und überraschte den Sicherheitschef mit seinen Emotionen. "Denken sie etwa ich hätte all die Monate versucht eine solche Untersuchung zu verhindern, wenn ich nicht von ihrer Unschuld überzeugt wäre? Ich habe versucht ihnen zu helfen und nun geben sie sich auf."<br>"Captain, ich danke ihnen für alles, was sie getan haben, " gab Lieutenant Bird ehrlich zu, "aber ich verdiene dieses Mitgefühl nicht. Ich bin schuldig des Verrats an den Idealen der Föderation."<br>"Der andere Danny Bird mochte ein Verräter gewesen sein, aber sie nicht! Sie sind einer der besten Offiziere, die wir an Bord dieses Schiffes haben, also hören sie auf sich diesen Unfug einzureden."<br>"Dieser Danny Bird, den sie vor sich sehen, " erklärte der Lieutenant missmutig und deutete an sich herunter, "ist nicht echt. Nichts weiter als eine Erfindung des Dominions."<br>  Unfähig noch weitere aufmunternde Worte zu finden drehte sich Lewinski um und machte Anstalten den Raum zu verlassen. Doch im Türrahmen wandte er sich noch einmal um und sagte:<br>"Ich werde für sie kämpfen, Danny, und ich erwarte, dass sie dasselbe tun."<br>  Damit beendete der Kommandant seinen kurzen Besuch und fragte sich insgeheim, wie sie die kommende Schlacht gewinnen sollten.</p><p align="justify">Das Büro Edward Jellicos, welches sich im Justizministerium der Föderation in Paris befand, wurde Woche für Woche beeindruckender. Nach und nach zierten Auszeichnungen und Fotoaufnahmen die Wand, die den ehemaligen Admiral der Sternenflotte meist mit großen Persönlichkeiten der Politik abbildeten. Vielen gab er die Hand und beide Persönlichkeiten blickten lächelnd in die Kamera. Ja, dies war Edward inzwischen geworden: eine Persönlichkeit. Jellico war das perfekte Beispiel dafür, wie man das gutmütige System der Föderation für seine Zwecke ausnutzen konnte. Im liberalen und menschlichen System der Föderation glaubte man felsenfest an das Gute in jedem Einzelnen. Kriminelle und Täter sollten resozialisiert, statt bloß bestraft und im Anschluss an ihre Haft wieder in die Gesellschaft integriert werden. Bei einem Großteil der Personen gelang dies auch auf bemerkenswerte Weise, doch Edward Jellico war ein ausgezeichneter Kenner des Systems.<br>  Er hatte diese Prozedur unterlaufen, Ergebnisse vorgegaukelt, die nicht der Wahrheit entsprachen, um sich so wieder das Vertrauen alter Tage zu beschaffen. Mehr noch, man vertraute ihm mehr denn je. In ihm sahen viele Bürger den Heilsbringer, durch dessen Hilfe man die erst vor kurzem entdeckte Sektion 31 zerschlagen konnte. In gewisser Hinsicht nutzte der alte Mann die Angst der Föderationsbürger aus. Er gaukelte ihnen vor, dass der Feind, in diesem Fall Sektion 31, überall war und jederzeit zuschlagen konnte. Selbst der Regierung hatte er Glauben gemacht er selbst sei der beste Weg um die mysteriöse Geheimorganisation auszuschalten. Eigentlich ein Armutszeugnis für die Föderation, dass man sein Doppelspiel immer noch nicht aufgedeckt hatte.<br>  Der Verschwörer saß an seinem Schreibtisch aus Marmor und betätigte eine Sprechtaste des Interkoms, um so seine persönliche Assistentin hereinzubitten. Josephine Bujold verschwendete keine Sekunde und betrag nur wenige Sekunden später sein Büro.<br>"Was kann ich für sie tun, Mr. Jellico?" fragte sie und kannte die Antwort bereits, ohne dass sie ausgesprochen worden war.<br>"Die übliche Frage, Josephine!" bestätigte der ehemalige Admiral.<br>"Nein, wir haben Stella Tanner immer noch nicht aufgespürt."<br>"Sie klingen gereizt", stellte Edward fest und erhob sich von seinem Schreibtisch, umrundete diesen und stellte sich vor seiner Assistentin auf. "Haben sie etwas auf dem Herzen?"<br>"Sind sie denn überhaupt an meiner Antwort interessiert?" fragte die Französin beinahe schon aufsässig.<br>"Aber unbedingt!"<br>"Auch wenn sie jeden Tag fragen, so wird sich die Suche nach der Mörderin ihrer Familie nicht beschleunigen. Wir alle tun unser Bestes, doch sie müssen sich in Geduld üben."<br>  Die Miene Jellicos zeigte keinerlei Regung, als er das eben gehörte verarbeitete. Man konnte ihm nicht ansehen, ob er ihre Worte billigte oder verachtete.<br>"Sie glauben ich tue dies nur aus Rache für meine Familie?" fragte er direkt.<br>"Dies ist die wahrscheinlichste Annahme. Auch ich würde so empfinden."<br>"Aber sie irren sich, meine gute Josephine."<br>"Tatsächlich?"<br>"Aber unbedingt", erklärte der Verschwörer. "Sie sehen in meiner Jagd nur den verzweifelten Versuch eines Familienvaters den Tod seiner Frau und seines Sohnes zu rächen. Dies ist einer der Gründe, aber nicht der Grund. Genauso wichtig, wenn nicht gar wichtiger, ist das Überleben von Sektion 31; meiner Sektion 31. Stella ist ein instabiles Element in dem sensiblen Gleichgewicht unserer Organisation, die letzte Abtrünnige, die noch immer zum toten Nathan Sloan hält. Sie steht für das Alte, ich für das Neue. Tag um Tag scharrt sie mehr Anhänger um sich und bringt die Organisation immer mehr an den Rand eines Bürgerkrieges. Daher muss sie schnellstmöglich eliminiert werden, bevor sie noch mehr Schaden anrichten kann."<br>"Ich verstehe", entgegnete seine Stellvertreterin kurz und knapp.<br>"Tun sie dies wirklich?"<br>"In der Tat. Würden sie mich nun bitte entschuldigen? Ich muss noch einige Termine für sie koordinieren."<br>"Aber natürlich", entließ Edward sie und beobachtete, wie sie sein Büro verließ. In diesem traurigen Moment wurde ihm klar, dass seine sonst so treue Gehilfin nicht verstand.<br>  Und diese Erkenntnis würde Konsequenzen mit sich bringen.</p><p align="justify">Die kleine Familie Woil saß an dem lang gezogenen Essenstisch und wartete darauf mit dem Abendmahl beginnen zu dürfen. In dieser Situation wirkte die ganze Situation wie in einem altmodischen Film, der das Leben reicher und adliger Personen karikierte. Jozarnay konnte deutlich sehen, wie ihn seine Eltern immer wieder verstohlen musterten und er konnte ihnen ihre Reaktionen nicht im Geringsten verdenken. Wieso auch? Immerhin war es sehr lange Zeit her gewesen, seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatten.<br>"Du siehst irgendwie anders aus", meinte Kolay schließlich.<br>"Könnte daran liegen, dass ich keinen Pferdeschwanz mehr habe", entgegnete der ehemalige Chefingenieur und traf damit genau ins Schwarze.<br>"Ja, ja! Du hast Recht, du trägst kurz geschnittenes Haar! Wie lange schon?"<br>"Nicht sehr lange", erklärte der Sohn und wirkte auf einmal sehr traurig. Kurz vor seiner Abreise hatte er sein Haar abgeschnitten und damit mit einem wichtigen Aspekt seines früheren Lebens gebrochen. Lange Haare waren in der antosianischen Gesellschaft von je her ein Zeichen für tiefe Religiosität gewesen und gegen alle Widerstände hatte Jozarnay immer seinen Stil durchgezogen. Es hatte zu seiner Lebenseinstellung gehört täglich zu Gott zu beten und seine Regeln zu befolgen. Doch seit dem letzten Jahr war anders geworden. Nun waren ihm die Gebote nur noch wie leere Worthülsen vorgekommen, ohne die Magie und den Glanz, der sie früher ausgezeichnet hatte. Jozarnay wusste ganz genau, woher dieser Sinneswandeln kam: sein Drogenrückfall hatte bei ihm tiefe Zweifel verursacht. Wie konnte er zu einem Gott beten, wenn er gleichzeitig seine Regeln missachtete. Und wie konnte es überhaupt einen Gott geben, wenn er diesen Rückfall zuließ. Immer tiefer hatten sich die Zweifel in ihn gefressen und schließlich hatte er seinen Glauben abgelegt. Durch das Abschneiden seiner langen Haare war dies nun äußerlich sichtbar geworden.<br>"Nun habt ihr doch noch euer Ziel erreicht", murmelte Jozarnay traurig.<br>"Wie meinst du das?" fragte seine Mutter Zorla.<br>"Ihr wisst es ganz genau", grummelte Woil und wusste selbst nicht, woher auf einmal dieser Zorn in ihm kam. War es die Gier seines Körpers nach einer neuen Dosis Ketracel-White? Wie lange war schon seine letzte Injektion her? "All die Jahre lang habt ihr mich doch eigentlich bemitleidet. In meiner Kindheit schon war ich doch nur der Außenseiter gewesen, der Junge der noch an Aberglauben litt."<br>"Kind, du weißt nicht, was du da sagst", fuhr sein Vater dazwischen. "Wir haben dich immer unterstützt."<br>"Nach außen ja. Aber wie sah es bei euch drinnen aus?"<br>"Natürlich fanden wir deinen Sinneswandel damals recht eigenartig", gestand seine Mutter. "Du musst uns doch verstehen, Jozarnay. Die alte Religion ist so gut wie ausgestorben und sie hatte kaum noch Anhänger. Das sich auf einmal unser Sohn dafür interessierte, ein moderner und aufgeklärter junger Mann, dies konnten wir uns nicht erklären."<br>  Triumphierend schlug der ehemalige Chefingenieur mit der flachen Hand auf den Tisch.<br>"Aha, da haben wir es also! Ihr hieltet mich für altmodisch und rückständig..."<br>"Nein, das kannst du doch so nicht sagen!"<br>"Lasst mich gefälligst ausreden!" warnte Jozarnay seine Eltern. "Ihr dachtet ich wäre gefährlich, nicht wahr? Ihr habt euch diesen ganzen Mist einreden lassen, dass ich ein Fundamentalist oder dergleichen werden könnte. Fundamentalist, wenn ich dieses Wort schon höre! Ihr habt euch niemals die Mühe gemacht die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes herauszufinden."<br>"Jetzt reich es mir aber langsam!" grollte Kolay ebenso laut wie sein Sohn. "Ich glaube du weißt nicht mehr, was du sagst! Natürlich wussten wir nicht, was wir zu deiner Einstellung zu Beginn an sagen sollten, aber dennoch warst du unser Sohn und wir haben dich unterstützt."<br>"Aber dennoch", meinte Woil und stellte damit die entscheidende Frage, "hättet ihr es lieber gemocht, wenn ich wie die anderen gewesen wäre? Und nicht so anders."<br>  Seine Mutter und sein Vater blickten sich lange an und allein ihr Blick sagte mehr aus als tausend Worte. Jozarnay kannte die Wahrheit, noch bevor sie ausgesprochen wurde:<br>"Ja, wir hätten es damals besser gefunden, wenn du ein junger Mann wie jeder andere gewesen wärst. Aber unsere Einstellung hat sich geändert."<br>  Wütend erhob sich der ehemalige Sternenflottler und wischte sich die Hände mit einer Serviette ab, obwohl er nicht einmal seinen Teller angerührt hatte.<br>"Ich bin ein Individuum", meinte er traurig zu seinen Eltern, "mit Träumen und Hoffnungen, die von mir gemacht sind. Und mit Problemen, die ich hatte und immer noch habe. Ich war nie so wie alle anderen und ich werde nie so sein. Ihr werdet dies nie verstehen."<br>  Mit diesen Worten, die einem Donnerschlag gleichkamen, verließ er den Tisch seiner Eltern und damit auch ihr Haus. Nun war Jozarnay Woil wahrlich allein im Universum.</p><p align="justify">Auch wenn man so lange dabei war wie Chief Miles O´Brian, so gestaltete sich der Einstand doch immer als recht schwierig. Wie sollte man mit den Neuen umgehen, wie konnte man sie motivieren und was waren ihre Arbeitseinstellungen? Ein guter Vorgesetzter musste all diese Punkte abwägen und dann ein gescheites Konzept entwickeln, damit die jeweilige Abteilung wie geschmiert lief. Der Ire hatte sich dafür entschieden sich ins Arbeitsgetümmel zu stürzen und zu beobachten, wie die Techniker agierten. Auch nach fast einem Jahrzehnt, in dem die Defiant-Klasse im Dienst war hatte sich an der Ausstattung des Maschinenraums nicht allzu viel geändert, wodurch sich O´Brian sofort heimisch fühlte. Da die Monitor derzeit ohne Auftrag an die Sternenbasis angedockt war entschied er sich dafür einige Routinearbeiten durchzuführen.<br>"Okay Leute, wir werden jetzt den Warpkernprozessor neu kalibrieren", wies der Chief seine neuen Ingenieure an und beobachtete schon im nächsten Moment wie sie zu ihren einzelnen Arbeitsstationen wieselten und mit ihrer Arbeit begannen. Zu Beginn zog er es vor sich etwas zurückzuhalten, das Ganze aus der Ferne zu beobachten. Aufmerksam wanderte er durch den Maschinenraum umher und schaute jedem über die Schulter, fast so wie er es vor kurzer Zeit noch auf der Akademie getan hatte, als er junge Kadetten ausgebildet hatte. Schließlich fiel ihm etwas auf.<br>"Was machen sie da?"<br>"Ich verfolge nur die übliche Vorgehensweise", erklärte Fähnrich Miguel Sanchez, ohne von dem Display hochzublicken. Obwohl Sanchez ein junger Offizier war besaß er aufgrund seiner mangelnden Erfahrung nicht den Posten eines Chefingenieurs.<br>"Aus meiner Sicht sieht es so aus als verkomplizieren sie nur alles", fand O´Brian und schaute sich die Statusanzeigen genauer an.<br>"Wie kommen sie darauf?" entgegnete der junge Miguel und seine Stimme wirkte leicht gereizt.<br>"Sie wollen einen typischen Fehler, den Schiffe dieser Klasse haben, umgehen; so weit, so gut. Doch die Überbrückung, die sie geschrieben haben um den Makel zu umgehen, ist unnötig schwer."<br>"Es ist ein Algorhitmus, den Chief Woil eigens für dieses Problem geschrieben hat."<br>  Nun verstand O´Brian das Problem. Er mäkelte an den Verfahrensweisen seines Vorgängers herum, einer Person die hoch geschätzt worden war. Doch es half alles nichts, diese Arbeit war eine Bremse in Sachen Effizienz und mit seiner Berufserfahrung dachte Miles er könne sich ruhigen Gewissens diese Aussage erlauben.<br>"Mein Vorgänger hatte einen guten Einfall, doch er hatte zu wenig Erfahrung mit diesem System, um das Problem noch effizienter zu lösen. Vertrauen sie mir, ich weiß wie dieses Schiff funktioniert. Das Programm ist an wenigen Stellen zu komplex, ich werde es vereinfachen."<br>"Wenn sie meinen", brummte Fähnrich Sanchez und drehte sich wieder in Richtung Arbeitskonsole, was beim Chief nur ein müdes Seufzen hervorrief. Ging es hier also wieder einmal um einen typischen Hahnenkampf? Wenn ja, dann war es am besten wenn man das Problem sofort aus der Welt schaffte.<br>"Sprechen sie ihr Problem ruhig offen aus", forderte Miles ihn auf, "sagen sie mir, was sie denken."<br>  Irritiert ob dieser Chance drehte sich Miguel wieder in Richtung des älteren Unteroffiziers und überlegte für einen kurzen Moment was er sagen sollte. Schließlich entschied er sich für die Wahrheit.<br>"Ich bin unzufrieden mit ihrer Kommandierung hierher, " gestand er offen ein.<br>"Aha und wieso?" fragte O´Brian sachlich, war ehrlich an der Meinung des Fähnrich interessiert.<br>"Ich diene nun schon seit sechs Jahren auf diesem Schiff und langsam bin ich frustriert. Meine Beförderung zum Lieutenant ist nicht nur um zwei Jahre überfällig, ich fühle mich ebenfalls übergangen."<br>"Wegen mir?"<br>"Ja, Chief, wegen ihnen. Ich bin ein Offizier und ich traue mir auf jeden Fall zu der Chefingenieur der Monitor zu sein. Aber scheinbar nehmen Captain Lewinski, das Oberkommando oder wer auch immer mich nicht wahr, denn anders kann ich mir meine gegenwärtige Karrierestagnation nicht erklären."<br>  O´Brian nickte verstehend. Er hegte absolut keinen Groll gegen Sanchez, im Grunde genommen hatte er Recht. Aber was sollte er sagen? Dass er auch lieber Sanchez den Laden anvertrauen und wieder zurück auf die Erde gegen würde?<br>"Für uns alle kommt irgendwann die richtige Zeit", munterte er ihn schließlich auf. "Wir müssen uns nur in Geduld üben. Ich danke ihnen für ihre Offenheit und werde nun mich an die Schreibung des neuen Programms machen, wofür ich als Grundlage das Programm von Chief Woil nehme."<br>  Mit dieser Lösung war der Ire recht zufrieden. So ehrte er das Andenken an seine Vorgänger, löschte nicht einfach dessen Ideen und tastete sich Schritt für Schritt an die Crew des Maschinenraumes heran. Vielleicht würden sie so bald besser miteinander klarkommen.</p><p align="justify">Lichtjahre entfernt saß ebenfalls eine Familie am Essenstisch und wartete darauf mit dem Abendmahl beginnen zu dürfen. Doch in jenem Fall befanden sich das Essen und die Familie auf dem Planeten Betazed und das Wort Familie war möglicherweise etwas zu hoch gegriffen. Es war vielleicht mal eine Familie gewesen, doch nun hatte es dort einige Bewegung durch das Auftauchen eines neuen Mitgliedes gegeben, welches man vorher gar nicht gekannt hatte.<br>  Matt Price saß an dem großen Essenstisch, zu seiner Rechten Arsani, links seine Frau Ewala und ihm gegenüber seine neuen Geschwister Arlon und Tenaa. Da keiner von ihnen sich der Peinlichkeit hingeben wollte den anderen anzustarren blickten sie alle auf die Mitte des Tisches, wo eine köstliche Mahlzeit stand. Dampfender risanischer Reis und dazu ein köstlicher betazoidischer Truthahn, dessen authentische Zubereitung Stunden in Anspruch genommen hatte. Alles für ihn, den neuen in der Familie.<br>"Nun, Matthew, " fragte Ewala, nachdem sie ein Teil des Essens auf seinen Teller bugsiert hatte, "was machen sie eigentlich beruflich?"<br>"Sie können mich ruhig Matt nennen", erklärte der Commander seiner Stiefmutter (?) höflich.<br>"Wieso sollte ich dies tun?"<br>"Weil es mein Spitzname ist?"<br>"Ihr was?"<br>"Schatz", erklärte Arsani seiner unwissenden Frau freundlich, "ich habe dir doch gesagt, dass Matt zur Hälfte ein Mensch ist. Bei ihrer Spezies ist es üblich Abkürzungen oder Kosenamen zu benutzen, die je nach Art leicht oder schwer von ihrem Geburtsnamen abweichen können."<br>"Ach ja, ich erinnere mich wieder. Nun, es ist dein gutes Recht so genannt zu werden wie du es gerne möchtest. Also Matt, was machst du beruflich?"<br>"Ich bin bei der Sternenflotte", erklärte der Halbbetazoid, dem dieses steife Prozedere alles andere als gefiel.<br>"Auf welchem Schiff denn?" fragte sein Halbbruder Arlon, der tatsächlich eine leichte Ähnlichkeit zu ihm aufwies.<br>"Darüber darf ich nicht sprechen. Dies ist geheim."<br>"Wie aufregend!" frohlockte die schöne Tenaa, die ganz nach ihrer Mutter kam. "Wie im Film!"<br>"Na ja, es ist nicht immer so aufregend, wie es sich anhören mag. Aber ich liebe meine Aufgabe, " gab Price lächelnd zu und für einen kurzen Moment taute er innerlich auf.<br>"Sag mal", fragte Ewala, "wie lange kennst du Arsani schon?"<br>"Nicht sehr lange. Ein Jahr denke ich, möglicherweise noch weniger."<br>"Ah, da haben wir ja etwas gemeinsam. Wir wussten bis vor kurzem auch nicht von deiner Existenz, " entgegnete die Ehefrau des Diplomaten giftig und warf einen vernichtenden Blick auf ihren Ehemann.<br>"Ewala, bitte!" meinte Arsani streng, "dies ist der falsche Zeitpunkt für das."<br>  Unmittelbar im Anschluss an diese eigentlich als Schlichtung gemeinten Worte erhob sich die Ehefrau wütend und keifte los:<br>"Es ist nie der richtige Zeitpunkt, Arsani! Du kannst mit Parteien sprechen, die seit Generationen verfeindet sind, aber deiner Ehefrau kannst du nicht die einfachsten Sachverhalte erklären."<br>  Die Stimmung kippte innerhalb weniger Sekunden. Matt und seine Halbgeschwister blickten sich mulmig an, ihn wurde bewusst, was nun auf die Familie zukam. Ein handfester Ehekrach.<br>"Wie zum Beispiel?" fragte Dr. Dr. Parul und trotz seiner überwältigenden Contenance begann er ebenfalls die Geduld zu verlieren.<br>"Tu doch nicht so! Erkläre doch mir und deinen Kindern mal, wieso du trotz unserer angeblich so intakten Ehe mit einer Fremden rumgevögelt hast!"<br>"Hey!" fuhr Matt, dem diese Wortwahl in Bezug auf seine Mutter, ganz und gar nicht gefiel.<br>"Liebes, es ist nun schon so lange her; es war ein Ausrutscher."<br>"Wie bitte?" rief Matt und sprang ebenfalls auf. Auch er ließ sich von der geladenen Atmosphäre anstecken. "Ein Ausrutscher? Ich war ein Ausrutscher?"<br>"Ja... und Nein", stammelte der angesehene Diplomat. "Matt, du musst doch einsehen, dass deine Geburt alles andere als geplant war."<br>"Und dennoch stehe ich hier! Ich habe ein Leben geführt, geliebt und gelitten, weil du mich gezeugt hast. Dennoch besitzt du die Frechheit mich als Ausrutscher zu bezeichnen? Dann hättest du mich genauso gut abtreiben können."<br><br>"Das wäre doch illegal gewesen!" ereiferte sich Arsani, dessen Familie inzwischen zu Schaulustigen degradiert worden war.<br>"Das ist Ehebruch auch!" schrie Price und verließ im Anschluss das Haus seines Vaters. Weitaus schlimmer hätte der Abend wohl nicht enden können.</p><p align="justify">Alles war für das große Tribunal vorbereitet worden. Sicher, offiziell war dies nicht die richtige Bezeichnung für das, was im abgesperrten Casino der Monitor stattfinden sollte, aber nur weil eine Sache keinen Namen trug hieß dies noch lange nicht, dass es nicht existierte. Danny Bird wartete geduldig an einem Tisch auf den Beginn der Befragung, sein Kommandant Captain Lewinski hatte als sein Rechtsbeistand neben ihm Platz genommen. Sehr zu seinem Unwillen musste John erkennen, dass sich sein Sicherheitsoffizier scheinbar schon aufgegeben hatte. Mit hängendem Kopf und ausdruckslosem Gesicht starrte er vor sich hin, wie ein Mann, der auf seine Hinrichtung wartete. Endlich betrat Commander Elena Kranick, die Ermittlerin des Sternenflottenoberkommandos, das Casino und setzte sich ohne Umschweife auf den Platz Bird gegenüber. Sie sah ihn direkt an, mit fast schon hasserfüllter Miene, die Zweifel an ihrer angeblichen Objektivität aufkommen ließ.<br>"Lieutenant, sind sie bereit mir einige Fragen zu beantworten?" fragte sie förmlich und statt eine verbale Antwort von sich zu geben nickte der junge Mann nur. Unmittelbar im Anschluss stellte Kranick ein kleines Aufzeichnungsgerät auf, um den ganzen Vorgang für die Akten zu dokumentieren.<br>"Dies ist Commander Elena Kranick", nahm die Frau routinemäßig auf, "ich führe eine Befragung von Lieutenant Danny Bird auf Weisung des Sternenflottengeheimdienstoberkommandos durch. Ebenfalls im Raum anwesend ist sein kommandierender Offizier Captain John Lewinski. Lieutenant Bird, ich werde ihnen nun einige Fragen stellen. Ich bitte sie, sie ohne Umschweife und wahrheitsgemäß zu beantworten. Haben sie mich verstanden?"<br>"Ja", antwortete Bird kurz und knapp und wich dem Blick der Ermittlerin aus.<br>"Ich möchte sie an dieser Stelle noch einmal daran erinnern, dass es sich hier um ein neutrales Ermittlungsverfahren handelt. Sie stehen hier nicht vor Gericht und ich besitze keine vorgefertigte Meinung über sie. Es besteht also kein Grund zur Beunruhigung."<br>  Diese Worte klangen in den Ohren von Captain Lewinski wie blanker Hohn, dennoch vermied er es sich zu diesen Ausführungen zu äußern. Würde er nun schon einschreiten, so sähe es für Kranick so aus als wolle er diese Untersuchung aus irgendeinem Grund behindern.<br>"Lieutenant Bird, bitte nennen sie uns doch kurz ihre Aufgabe in der Sternenflotte, " begann Commander Kranick mit der Befragung.<br>"Ich diene an Bord eines Schiffes, welches dem Sternenflottengeheimdienst untersteht.<br>  Der Name dieses Schiffes lautet USS Monitor und steht unter dem Kommando von Captain John Lewinski. Ich bin der taktische Offizier dieses Schiffes und leite gleichzeitig die Sicherheitsabteilung."<br>"Aufgrund ihres Führungspostens besitzen sie also Zugang zu sensiblen Informationen?"<br>"Jeder, der für den Geheimdienst arbeitet, besitzt Zugang zu brisantem Material..."<br>"Antworten sie einfach mit Ja oder Nein!" unterbrach ihn der Commander barsch.<br>"Ja, ich besitze Zugang zu solchen Informationen", antwortete Danny mutlos.<br>"Waren sie im Krieg gegen das Dominion dabei?"<br>"Wer war dies nicht?"<br>"Ja oder Nein, Lieutenant!"<br>"Ja", antwortete Bird noch kleinlauter als vorhin.<br>"Ein schrecklicher und verlustreicher Krieg?"<br>"Ja, das war er."<br>  Obwohl er ganz genau wusste, wohin die Befragung führen würde, griff Lewinski nicht ein. Wie auch? Er durften unter keinerlei Umständen den Eindruck aufkommen lassen er verschließe sich einer objektiven Befragung, nur weil er Angst um einen Freund hatte. Doch war dieses Verhör überhaupt objektiv? Die Fragen Kranicks waren scharf und fordernd, stellten auf ihre Art und Weise schon eine ganz persönliche Meinung dar.<br>"Viele gute Offiziere und Kameraden verloren ihr Leben, darunter auch Freunde", philosophierte Elena Kranick weiter und ließ ihre ganz persönlichen Eindrücke in die Fragen mit einfließen.<br>"Ja."<br>"Sie hatten Angst um ihr Leben."<br>"Ja, wer hat dies im Krieg denn nicht?"<br>"Ich verstehe sie, Lieutenant, auch wenn sie es mir nicht glauben wollen: ich verstehe sie gut!<br>  Die Fragen wurden zu einem Damoklesschwert, welches sich langsam über Danny positionierte. Bald würde es herunterschnellen und ihm den Kopf abschlagen, davon war Lewinski felsenfest überzeugt.<br>"Sie sehen so viele Personen um sich herum sterben, erleben schreckliche Dinge, tun schreckliche Dinge, " fuhr Commander Kranick fort. "Sie kriegen Angst um ihre Zukunft.<br>  Und dann wurden sie von einem Vorta angesprochen."<br>"Ich weiß es nicht", antwortete Bird kleinlaut.<br>"Was habe ich ihnen vorhin gesagt? Sie sollen einfach mit Ja oder Nein antworten! So schwer ist das doch gar nicht!"<br>"Ich kann diese Frage nicht beantworten, da ich mich nicht daran erinnere von einem Vorta angesprochen worden zu sein."<br>"Sie leugnen also?"<br>"Ich weiß nicht, ob ich leugnen kann!" fuhr es aus Danny heraus und zum ersten Mal erhob sich seine Stimme im Zorn. "Mir wurde vor kurzem vom Dominion mitgeteilt ich wäre während des Krieges von ihnen rekrutiert worden."<br>"Sie erinnern sich also doch!"<br>"Nein, ich erinnere mich daran nicht! Mir wurde es nur gesagt, ob es der Wahrheit entspricht weiß ich selbst doch gar nicht."<br>  Die Ermittlerin sah ihn scharf an, in ihren Augen sah man deutlich, was sie von dieser ganzen Sache hielt: sie hielt Danny Bird für einen Lügner.<br>"Ich habe den Bericht Captain Lewinskis schon einmal gelesen, aber bitte geben sie mir doch noch einmal in ihren eigenen Worten wieder, wie sich der Sachverhalt für sie darstellt."<br>  Bird holte einmal tief Luft, versuchte die vergangenen Ereignisse noch einmal zu rekapitulieren und erklärte dann:<br>"Aufgrund eines Rückholmechanismus, den man mir implantiert hatte, stahl ich ein Shuttle und flog zu einem ganz bestimmten Ort im Gamma-Quadranten, der sich als Stützpunkt des Dominions herausstellte. Dort erwartete mich ein hochrangiger Vorta, der mich seinen Aussagen nach schon erwartet hatte. Ihm zufolge wäre ich während des Krieges zum Dominion übergelaufen und bot mich als Doppelagent an. Um die Tarnung authentisch zu machen implantierte man mir eine neue Erinnerung, eine zweite Persönlichkeit, die bis heute noch aktiv ist. Eine Löschung dieses Programms und die damit verbundene Rückkehr zu meinem alten Wesen lehne ich bisher ab."<br>"Aus welchem Grund?"<br>"Weil ich Angst vor dem Danny Bird habe, der diese Tat begangen hat."<br>"Diese Tat", schlussfolgerte Kranick und fragte, "halten sie sie für Verrat?"<br>  Lewinski schluckte angesichts dieser Worte, denn er konnte sich ganz genau denken, was sein Sicherheitsoffizier nun antworten würde.<br>"Ja, es ist Verrat", gab er zu.<br>"Wir müssen an dieser Stelle jedoch bemerken", schaltete sich der Captain nun endlich ein, der das Abwarten nicht mehr ertragen konnte, "dass der Danny Bird, der vor uns sitzt, nicht der Mann ist, der zum Verräter wurde. Wie uns das Dominion glaubhaft versichert hat, und dies zeigen auch unsere eigenen medizinischen Untersuchungen, hat der Lieutenant eine gänzlich andere Persönlichkeit implantiert bekommen."<br>"Wie meinen sie das?" fragte Commander Kranick und ihr war deutlich anzumerken, dass sie seinen Worten keinen Glauben schenkte.<br>"Der alte Danny Bird war ein gebrochener Mann, dessen innere Einstellung trostlos war. Seine Moral und Arbeitseinstellung befand sich im Keller und machte den Verrat erst möglich. Der Lieutenant hier ist das exakte Gegenteil: engagiert, mit hohen moralischen Standards ausgestattet und ein fabelhafter Offizier."<br>"Mein Leben ist eine Lüge", murmelte der Sicherheitsoffizier und Captain Lewinski hoffte er hätte leise genug gesprochen, damit dieser unsinnige Satz nicht aufgezeichnet worden war.<br>  Die Augen der Ermittlerin sprachen jedoch Bände. Sie musste keinen weiteren Satz mehr sagen, um klarzumachen, dass sie Danny für einen Verräter hielt.<br>"Sagen sie Captain, " fragte sie mit einer beeindruckenden Finesse, "wenn wir eine DNA-Probe nähmen, würden wir dann diesen Mann als Lieutenant Danny Bird identifizieren?"<br>"Auf jeden Fall", antwortete der Kommandant wahrheitsgetreu.<br>"Und wenn wir diese Probe mit einer alten vergleichen würden, was wäre unser Ergebnis?"<br>"Ich denke wir kämen zu dem Schluss, dass beide Proben identisch sind."<br>"Was uns zu der Aussage verleiten würde, " schlussfolgerte der Commander, "dass es sich um ein und dieselbe Person handeln würde: Lieutenant Danny Bird."<br>"Ja", gab John zähneknirschend zu und erkannte die Falle, in die er getappt war.<br>  Triumphierend lehnte sich Commander Kranick zurück und lächelte ihre Gegenüber kalt an.<br>"Lieutenant Bird, ich habe keinen Zweifel daran, dass sie die höchsten Ideale verraten haben, die wir geschworen haben mit unserem Leben zu verteidigen. Genau dies wird in meinem Bericht an das Oberkommando stehen und ich versichere ihnen es wird Konsequenzen geben."<br>  Mit diesen dramatischen Abschlussworten rauschte Kranick aus dem Casino und in ihr Quartier. Frustriert blickte der Captain zu Danny und musste zu allem Überfluss feststellen, dass der Lieutenant alles andere als überrascht war. Er hatte sich schon aufgegeben.</p><p align="justify">Er war lange Zeit nicht mehr auf seinem Heimatplaneten gewesen und es war ihm auch nicht beschieden gewesen eine all zu lange Zeit zu Hause zu verbringen. Jozarnay Woil saß in einem privaten Reiseshuttle und beobachtete, wie die Sterne als Schlierenmuster an seinem Cockpitfenster vorbeifolgen, ein untrügliches Zeichen für den Warpflug. Antos hatte er vor wenigen Stunden wutentbrannt verlassen, ohne sich all zu groß von seinen Eltern zu verabschieden. Er war im Zorn gegangen, immer noch wütend über die Richtung, die das Gespräch bei Tisch genommen hatte. Eine Überreaktion seinerseits, möglicherweise, aber er hatte einfach keine Lust mehr. Seine Toleranz gegenüber dem Universum und seinen widrigen Umständen hatte einen neuen Negativstand erreicht und er hatte nur noch weggewollt. Weg von seinen Eltern, die sowieso nicht verstanden, weg von seinen Problemen, die ihn sowieso einholen würden und weg von der Zukunft, die ihm dennoch unweigerlich bevorstand. Durch seinen Kreislauf zirkulierte eine kürzlich injizierte Menge an Ketracel-White, die in wenigen Minuten diese depressiven Gedanken vertreiben sollten.<br>  Ihm gingen langsam die Rationen aus und es galt sich Gedanken zu machen wie er an Nachschub gelang. Keine leichte Aufgabe, wenn man keine Arbeit und dadurch kein regelmäßiges Einkommen besaß. Doch irgendwie würde der ehemalige Chief schon einen Weg finden, um seine Sucht zu finanzieren.</p><p align="justify">Die Abgeordneten des Romulanischen Imperiums fanden sich nach der kurzen Essenspause, die jedem gestattet war, nach und nach wieder in den prächtigen Hallen des Wiederaufgebauten Senats ein. Langsam, aber stetig, füllten sich die Sitzreihen wieder, damit man dem nächsten Punkt auf der Tagesordnung lauschen konnte. Nun endlich war die Zeit für Tek´lor gekommen seinen Vorschlag zu unterbreiten. Bedächtig und langsam, fast schon majestätisch näherte er sich dem Podium und legte sich seine wenigen Notizen zurecht.<br>  Kurz wartete er, bis der Lärm auf ein erträgliches Mindestniveau herabgesunken war, dann setzte er an:<br>"Verehrte Abgeordnete, liebe Kollegen!<br>  Ich spreche heute zu euch, da ich meine eine Lösung für ein Problem gefunden zu haben, welches dieses ehrenwerte Haus schon länger beschäftigt. Es ist eine Frage, dessen Beantwortung auf den ersten Blick nicht sehr dringlich erscheint. Beim näheren Hinsehen erkennt man jedoch, dass damit auch unzweifelhaft das Ansehen unseres großen Sternenreiches verbunden ist. Seit Monaten nun ereilen uns die Nachrichten vom Planeten Talar, der ehemaligen Hauptwelt der Talarianischen Union, welche seit Kriegsende Teil unserer Imperiums ist. Obwohl der Krieg schon ein halbes Jahr vorbei ist herrscht auf Talar immer noch Chaos. Ein Guerilla-Krieg wird gegen unsere Truppen geführt; ein Kampf Mann gegen Mann. Zu Beginn wollten wir uns nicht eingestehen, dass so etwas möglich ist, doch immer wieder erreichen die Talarianer nennenswerte Siege. Das Terrain ist ihnen bekannt und die neue Untergrundtaktik passt viel besser zu ihrer unterlegenen Technik als der offene Kampf. Die Opfer dieses Krieges, der täglich durch Anschläge und Vergeltungsmaßnahmen durchgeführt wird, ist die leidende Zivilbevölkerung Talars. Millionen Talarianer sind durch unser Bombardement des Planeten mit Antimaterie-Waffen ums Leben gekommen; eine Tat, die wir aus heutiger Sicht kurzsichtig nennen können. Denn der massive Einsatz unserer Kernwaffen hat die Ökologie Talars völlig zerstört. Ein nuklearer Winter ist ausgebrochen, dessen dichte Wolkenschicht in der Stratosphäre kaum Sonnenstrahlen durchlässt. In Folge dessen können keine Pflanzen und Getreide gedeihen, auch die Arbeit gestaltet sich durch die dauerhafte Kälte mehr als schwierig. Viele öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Schulen wurden zerstört, Seuchen breiten sich aus und raffen nur noch mehr Zivilisten hin.<br>  Viele von ihnen werden nun sagen: die Talarianer sind der Feind, sie haben es verdient.<br>  Doch ich bitte sie alle noch einmal über die Konsequenzen nachzudenken. Unser Ansehen bei den außerirdischen Regierungen schwindet zusehends, denn wir sind nicht in der Lage ein Massensterben zu verhindern. Wir brauchen aber mehr denn je wieder den Anschluss an die interstellare Gemeinschaft!<br>  Daher mein Vorschlag: trotz unserer strengen Blockade sollten wir es außerirdischen und interstellaren Hilfsorganisationen erlauben nach Talar zu kommen. Sie können Lebensmittel mitbringen, ärztliche Versorgung sicherstellen und Hilfsprojekte starten. Solange kein außerirdischer Soldat seinen Fuß auf diese besetzte Welt setzt und damit nicht unsere Position dort unterminiert, sehe ich darin keine Gefahr. Bitte überlegen sie gut, morgen wird eine Abstimmung stattfinden. Entscheiden sie richtig!"<br>  Glücklich trat Tek´lor vom Rednerpult herunter und begab sich wieder zu seinem Platz. Ja, seine Rede hatte genau den richtigen Ton getroffen und die Probleme, sowie ihre Lösungen, angesprochen. Der Romulaner hatte keinen Zweifel, dass die morgige Abstimmung zu seinem Gunsten ausfallen würde.</p><p align="justify">Als das Gesicht der gewünschten Person auf dem Kommunikationsbildschirm erschien, entbrannte in Captain Lewinskis Geist wieder eine Sturmflut an Emotionen. Die zeitgenössische Literatur sprach immer vom geliebten Bruder, doch John war sich alles andere als sicher, ob dieses Attribut auch auf Martin zutraf. Irgendwie liebte er seinen jüngeren Bruder immer noch, jedoch nicht auf die gleiche, hingebungsvolle Art und Weise, wie es andere Geschwister taten. Auch Martin Lewinski schien überrascht zu sein, als er seinen älteren Bruder auf dem Bildschirm erkannte.<br>"Die Frequentierung deiner Anrufe hat sich dramatisch erhöht", meinte Martin und verzichtete wie auch schon bei den letzten Malen auf eine Begrüßung. "Erst sprechen wir jahrelang nicht miteinander und nun schon das dritte Mal innerhalb kürzester Zeit. Man könnte meinen du hast was auf dem Herzen."<br>  Angesichts dieser offen zur Schau getragenen Ironie konnte John nur den Kopf schütteln.<br>"Du nimmst das immer noch sehr leicht hin, oder? Vaters Tod, meine Versuche Kontakt zu dir aufzunehmen und mein Entsetzen darüber, was du beruflich machst... es juckt dich gar nicht."<br>"Sollte es denn?" entgegnete Martin gehässig.<br>"Wir sind vom selben Blute, Martin..."<br>"Soll dies auch beinhalten, dass wir dieselbe Meinung haben, Bruderherz? Du bist der Raumschiffcaptain geworden, ich der Waffenhändler. So ist nun mal der Lauf der Dinge. Ich finde du solltest dies akzeptieren."<br>"Es lässt sich für jemanden wie mich nun mal nicht akzeptieren, dass der Bruder ein Krimineller ist. Was ist, wenn du eines Tages im Gefängnis landest?"<br>"Machst du mir etwa ein Angebot? Hilfe, um der Strafverfolgung zu entgehen? In deiner Position kommst du sicher an lukrative Informationen."<br>  Die Worte seines Bruders schockten den Kommandanten. Auch bei diesem Versuch schien Martin Lewinski keinerlei Interesse zu besitzen zur Vernunft zu kommen oder zumindest ein ernsthaftes Gespräch zu führen.<br>"Ich sehe dies bringt nichts", stellte John resigniert fest.<br>"Endlich sind wir uns einig. Wirst du nun aufhören mich zu belästigen?" fragte Martin und er schien seine Worte tatsächlich so zu meinen. Doch irgendwie weigerte sich der älteste Lewinski dies zu glauben.<br>"Dies kann ich nicht!" erwiderte John und diesmal war er es, der die Sprechverbindung unterbrach. Immer noch ging er ohne jeglichen Plan an diese Gespräche heran. Er musste sich einen anderen Weg überlegen, um seinen Bruder aus der Reserve zu locken. Doch dies würde ihm gelungen. Irgendwann.</p><p align="justify">Anders als sein ehemaliger Kollege hatte es Matt Price nicht vorgezogen nach dem Familienstreit das Weite zu sehen. Stattdessen befand er sich im weitläufigen und berühmten Stadtpark der Hauptstadt von Betazed und beobachtete den dunklen Nachthimmel. Deutlich war der Mond zu sehen und irgendwo zirpten einige Insekten. Es war ein wundervoller Ort, der Geruch der Blumen lag wohltuend in der Luft. Hierhin hatte sich der erste Offizier zurückgezogen, um mit seinen Gedanken und sich allein zu sein. Stundenlang war er umher gewandert, hatte die Atmosphäre genossen und sich Gedanken um die Zukunft genossen.<br>  Nun hörte er leise Schritte im Gras hinter sich und es war für ihn keine Überraschung Arsani Parul zu sehen, der sich neben ihn stellte und ebenfalls den Mond anstarrte.<br>"Er ist wunderschön heute Nacht", fand der Diplomat und lächelte.<br>"Ja, es ist außergewöhnlich", musste selbst Matt zugeben, der eigentlich keinen Sinn für die Kunst hatte.<br>"Irgendwie habe ich mir schon gedacht, dass ich dich hier finden würde", erklärte der Diplomat und wandte seinen volle Aufmerksamkeit nun seinem Sohn zu.<br>"Ich war erst einmal vorher auf diesem Planeten gewesen, na gut zweimal, und dennoch hatte es mich magisch an diesen Ort gezogen, " gab Price freimütig zu.<br>"Auch ich komme oft hierher, wenn ich über komplizierte Sachverhalte nachdenken muss", gab Arsani freimütig zu. "Vater und Sohn, die gemeinsam den selben Ort aufsuchen."<br>"Ob wir noch andere Gemeinsamkeiten besitzen? Ich weiß es nicht."<br>  Traurig blickte Parul nun seinen wieder entdeckten Sohn an. Es war so schwer die richtigen Worte zu finden, doch gab es sie überhaupt?<br>"Es tut mir Leid wegen der Sache mit dem Essen."<br>"Ach wirklich? Du kannst froh sein, ich bin bald weg und dann kannst du dich wieder deiner Familienidylle hingeben, " brummte Matt missmutig.<br>"So solltest du die Sache nicht sehen", entgegnete Arsani, "ich habe meine Ehe einer erheblichen Gefahr ausgesetzt, als ich von dir erzählte. Immerhin musste ich zugeben, dass ich eine Affäre hatte."<br>"Für einen Mann wie dich, der in der Öffentlichkeit das Bild einer perfekten Familie repräsentiert, müssen das harte Zeiten sein."<br>"Ach, die Öffentlichkeit und die Medien sind mir doch egal! Viel wichtiger bist du mir!"<br>Über diese Worte war der Halbbetazoid mehr als überrascht. Meinte sein Vater es doch ernst mit ihm?<br>"Wie geht es deiner Mutter?" fragte Arsani traurig.<br>"Sie verleugnet dich. Anscheinend nimmt sie es dir immer noch übel, dass du damals einfach verschwunden bist."<br>"Ja, dies war ein Fehler von mir gewesen. Überhaupt diese ganze Affäre war sehr unglücklich."<br>"Sie hat dich geliebt, Arsani!" erklärte Price seinem Vater.<br>"Und ich habe sie geliebt, Matt, nur nicht auf die selbe Art und Weise. Deine Mutter ist ein ganz besonderer Mensch und sie nimmt immer noch einen gewissen Stellenwert in meinem Herzen ein, aber ich habe ein Familie... wenn ich auch nicht mehr weiß wie lange."<br>"Wie meinst du das?"<br>"Ewala und ich streiten immer öfters. Nun ja, ich denke dies ist nur natürlich angesichts dessen, was sie erfahren hat. Ich möchte meine Ehe retten, aber ich weiß nicht, ob sie ebenso denkt."<br>  Diese Situation lastete schwer auf dem Diplomaten, der schon so viele Krisen gemeistert hatte. Ihm war deutlich anzusehen, dass er es ernst meinte, was er sagte. Er liebte sein Frau und wollte sie auf keinen Fall verlieren.<br>"Es tut mir leid für dich", meinte Matt und sprach damit die Worte aus, von denen er niemals gedacht hatte, dass er sie aussprechen würde. "Es ist schon komisch."<br>"Was?"<br>"Ich habe immer gedacht, dass ich meinen Erzeuger hassen würde. Den Mann, der meine Mutter im Stich gelassen hat. Doch wenn ich hier in deiner Nähe bin fühle ich mich so... wohl."<br>"Matt, " meinte der alte Mann fürsorglich und schaute ihm fest in die Augen, "egal wie dumm die Affäre mit deiner Mutter damals gewesen sein mag: ich bin immer noch glücklich darüber, was für einen Sohn ich bekommen habe. Ich mache zwischen dir und meinen anderen beiden Kindern keinen Unterschied. Du bist ein Teil meines Herzens."<br>  Statt einer Antwort schluckte Matt nur. Er konnte nicht glauben, was eben vor sich ging. Er war sogar bereit seinem Vater für seine Fehler und all die Jahre der Abwesenheit zu vergeben.<br>"Ich denke wir sind die ganze Sache zu schnell angegangen", meinte Arsani Parul<br>  schließlich. "Erst einmal sollten wir beide uns kennen lernen und dann kriegen wir meine Familie auch noch unter."<br>  Mit diesem Vorschlag konnte Matt sich anfreunden. Lachend schlang er seinen Arm um seinen Vater und wanderte mit ihm noch stundenlang durch den duftenden Garten. Er schien endlich seinen Frieden gefunden zu haben und ihm wurde noch einmal klar, wie wichtig ihm seine eigene kleine Tochter war. Vielleicht würde die Zukunft ja wirklich besser werden.</p><p align="justify">"Herein!"<br>  Die Stimme war nicht freundlicher geworden, seit sie sich das letzte Mal gesehen hatten und dies war wirklich nicht lange her. Captain Lewinski betrat das Quartier von Commander Elena Kranick und sah, wie die Frau an ihrem kleinen Tisch saß und einen Bericht tippte.<br>  Der Inhalt jenes Schreibens war nicht schwer zu erraten.<br>"Haben sie nun ihren Willen?" fragte Lewinski direkt. Er wollte immer noch nicht den Ausgang dieses Verhörs akzeptieren und startete einen letzten Anlauf, um die Karriere Danny Birds zu retten. Wenn der Lieutenant dies nicht selbst tun konnte oder wollte, so musste ihm sein Vorgesetzter unter die Arme greifen.<br>"Es ging hier niemals um meinen Willen", antwortete Kranick kühl und ohne von ihrem Bericht aufzusehen, "sondern einfach nur um die Wahrheit."<br>"Vielleicht eher um die Wahrheit, so wie sie sie sehen?"<br>"Was meinen sie?"<br>"Ihr Urteil stand von vorneherein fest, " erklärte der Captain. "Die ganze Befragung war doch nur dazu da, um den offiziellen Teil zu komplettieren. Tief in ihrem Innersten wissen sie, dass Lieutenant Bird niemals ein anderes Urteil als Schuldig ereilen konnte."<br>  Nun endlich blickte die Sonderermittlerin von ihrem Bericht auf und blickte den Captain scharf an, entsann sich dann wieder der vorgesetzten Stellung des Captains und setzte ein leicht neutraleres Gesicht auf.<br>"Er beging Verrat", wiederholte sie noch einmal und ließ keinen Zweifel an ihrer Meinung.<br>"Woher kommt das?"<br>"Was meinen sie?"<br>"Ihr Engagement in dieser Sache", erklärte John, "ihr Ehrgeiz Danny überführen zu wollen. Was spielt sich in ihnen ab, was sie veranlasst so hartnäckig zu sein."<br>"Die Gerechtigkeit", entgegnete Elena Kranick.<br>"Da ist noch etwas, ich sehe es ganz deutlich in ihren Augen."<br>"Sie sehen mehr als da tatsächlich ist."<br>"Raus mit der Sprache!" polterte der Captain, der sich auf der richtigen Spur wähnte. Immer mehr schien der Commander die Selbstsicherheit zu verlieren und etwas anderes kam zum Vorschein: eine verletzte Frau.<br>"Ich hasse Verräter", gab sie zu.<br>"Das tun wir alle", bestätigte Lewinski sie und schlug nun einen sanfteren Ton an. "Sie stehen im Gegensatz zu dem, wofür wir eintreten. Sie erschwindeln sich ein besseres Leben, während andere dafür arbeiten und kämpfen."<br>"Und sie sind schuld am Tod", ergänze Kranick mit zittriger Stimme.<br>"Welchem Tod?" fragte Lewinski, der nun endgültig sicher war, dass hier mehr im Busch war.<br>"Der meiner Freunde... meines Ehemannes."<br>"Das tut mir leid zu hören", antwortete der Kommandant ehrlich. "Was ist geschehen?"<br>  Es dauerte einige Zeit, bis die Frau in der Lage war die Erklärung zu liefern. Sie kämpfte mit sich, suchte die passenden Worte und gab schließlich ihre Zurückhaltung auf.<br>"Aufgrund des Verrates des ersten Offiziers wurde die USS Taipeh während des Krieges auf einer Infiltrationsmission entdeckt und zerstört. Es gab keinerlei Überlebende. Mein Mann hatte auf dem Schiff gedient und fand wie alle anderen den Tod. Den Überläufer hat man bis heute nicht gefunden."<br>"Und sie sehen in Danny Bird jenen Mann?"<br>"Nein, " widersprach ihm Elena, "aber ich möchte verhindern, dass noch einmal so etwas passiert. Diese Menschen müssen bestraft werden."<br>"Dies sehe ich ganz genauso! Aber bei Lieutenant Bird liegt der Fall so anders... in gewisser Weise ist er schon bestraft, denn er muss nicht nur mit dem Wissen leben, dass er einmal ein völlig anderer Mensch gewesen ist, nein sein ursprüngliches Wesen ist unterdrückt und wird nie wieder zum Vorschein kommen. Ist dies nicht Strafe genug für jemanden, dessen jetziges Ich sich nie etwas zu Schulde hat kommen lassen?"<br>  Lange schaute Commander Kranick ihn an und wog ihr Urteil sorgsam ab. Was sollte sie tun? Was hatte sie getan? War sie wirklich dabei eine Person stellvertretend zu verurteilen, jemanden, der schon genug litt?<br>"Sie sagen Lieutenant Bird bereut?"<br>"Er bereut die Tat eines anderen", erläuterte John ihr mit sanfter Stimme. "Für ihn ist es so, dass eine gänzlich andere Person dieser Verräter gewesen ist und er ist ein so gewissenhafter Mensch, dass ihn dieses Wissen beinahe auffrisst. Was er nun braucht ist die Hilfe seiner Freunde. Bestraft wurde er schon und zwar durch sein eigenes Gewissen."<br>  Langsam drehte sich die Ermittlerin herum und hob das Datenpadd hoch, zeigte es John Lewinski, der einen langen Text darauf erkannte. Mittels zwei einfachen Tastenklicks löschte sie den gesamten Text.<br>"Sieht so aus, als müsse ich noch einmal neu anfangen", meinte Kranick leise und erntete dafür von Captain Lewinski stumme Blicke des Dankes.</p><p align="justify">Die Luft hier oben war kühl und windig, was Edward Jellico dazu veranlasste den Kragen seines Mantels aufzuschlagen und in die Weite des Nachthimmels von Paris zu blicken.<br>  Die jahrhundertealte Stadt war immer noch zeitlos schön, ein Meisterwerk der Baukunst und Historie. Der Treffpunkt, den er gewählt hatte, war gleichzeitig verschwiegen und doch exotisch. Wo sonst außer auf dem Eiffelturm konnte man sich in Paris treffen, um das Klischee eines Spions zu vervollkommnen. Edward war allein hier oben, was nicht zuletzt auch sein Verdienst war. Mittels einiger schneller Anrufe hatte er die Besucherpassage schließen und so die Touristen, die in Scharen hier hoch pilgerten, ausladen lassen. Für das folgende Treffen mit seiner Assistentin Josephine brauchte er absolute Ungestörtheit.<br>  Endlich traf die Dame ein und auch ihr war deutlich die Kälte anzusehen, denn auch sie hatte sich in einen dicken Mantel eingehüllt.<br>"Josephine, ich freue mich, dass sie kommen konnten", begrüßte der ehemalige Admiral sie herzlich und umarmte sie.<br>"Kein Problem. Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns zu nachtschlafender Zeit treffen."<br>"Dies ist wohl war, " stimmte Jellico ihr zu und blickte erneut auf die Stadt hinaus. "Der Ausblick ist atemberaubend."<br>"Ja, sie haben Recht. Nach all den Jahren hat diese Stadt immer noch nichts von ihrem Reiz verloren."<br>"Sind sie sich der Entstehungsgeschichte des Eiffelturms bewusst?" fragte Edward beiläufig.<br>"Selbstverständlich. Er wurde 1899 für die Weltausstellung errichtet und sollte ursprünglich ein Jahr später wieder abgerissen werden. Die Pariser meinten damals er verschandele das Stadtbild."<br>  Edward lächelte angesichts dieser Ironie.<br>"Ja, so kann man sich irren", antworte er.<br>"Mr. Jellico, ich freue mich zwar immer wieder über unsere Treffen, aber ich denke kaum, dass wir hier hoch gekommen sind, um den historischen Wert dieses Bauwerkes zu besprechen?"<br>  Wie immer traf Bujold den Nagel auf den Kopf. Was für eine scharfsinnige und intelligente Frau sie doch war! Personal wie sie war so unglaublich schwer zu finden.<br>"Haben sie Stella Tanner nun gefunden?" fragte Jellico frei heraus.<br>"Nein, immer noch nicht."<br>"Sie klingen genervt."<br>"Meinen sie?" entgegnete Josephine Bujold und wirkte auf einmal sehr nervös.<br>"Ja, das denke ich. Man könnte fast meinen sie widmen dieser Aufgabe nicht mehr allzu große Aufmerksamkeit."<br>"Nein, die ist nicht wahr. Ich führe alle ihre Wünsche bis ins kleinste Detail aus, " korrigierte seine Assistentin ihn.<br>"Aber?"<br>  Kurz räusperte sich die junge Frau und überlegte, was sie sagen sollte. Dann wurde ihr schlagartig klar, dass sie verloren hatte. Egal was sie nun sagen würde, ihre Zeit bei<br>  Sektion 31 war vorbei. Sie kannte Edward Jellico lang genug um diese Einschätzung treffen zu können. Schadete es dann noch einmal ein letztes Mal die Wahrheit auszusprechen?<br>"Ich denke sie begehen einen gefährlichen Fehler."<br>"Bitte erklären sie das!" forderte sie der alte Mann auf und zeigte tatsächlich ehrliches Interesse.<br>"Erinnern sie sich noch daran, was sie über Nathan Sloan sagten? Wieso sie seine Führung kritisierten? Sie meinten nach dem Tod seines Vaters habe er die Sektion zu seinem privaten Feldzug missbraucht. Es ging nur noch um die Rache, nicht mehr das Wohl der Föderation."<br>"Dies ist korrekt, das glaube ich immer noch", bestätigte Edward sie mit neutraler Miene.<br>"Und sie?"<br>"Wie meinen sie das, Josephine?"<br>"Sehen sie sich an? Ihre dringlichste Frage lautet jeden Morgen, ob man Stella Tanner gefunden hat. Es ist ihr Ziel Rache für die Ermordung ihrer Familie zu nehmen.<br>  Ein legitimes Ziel, aber sie können dazu nicht die Organisation benutzen."<br>"Sie irren sich leider", korrigierte Jellico, "ich will keine Rache, sondern Sicherheit.<br>  Stella Tanner ist ein Feind der Sektion 31, sie will uns ins Chaos stürzen. Daher muss sie gefunden und eliminiert werden."<br>"Sie verdrehen die Wahrheit. Sie sind Nathan Sloan geworden, " stellte Bujold abschließend fest und lehnte sich damit sehr weit aus dem Fenster. Aber wieso sollte sie nicht zum Abschluss noch einmal etwas riskieren.<br>  Jellico schüttelte angesichts dieser Worte, die er nicht wahr haben wollte, den Kopf.<br>  Wieso hatte alles so weit kommen müssen? Verstand sie denn nicht, dass dies alles hier nicht in seinem Interesse lag.<br>"Sie irren sich."<br>"Dies meinen sie. Und ich weiß, was für Konsequenzen mich erwarten, weil ich nicht mehr auf ihrer Linie bin."<br>"Sie kennen sich inzwischen aus bei Sektion 31. Ich darf sie dann bitten mich zu begleiten."<br>"Nein, dies tue ich nicht", entgegnete Josephine starrköpfig und überraschte so ihren alten Vorgesetzten. "Ich möchte mich nicht zum Schafott führen lassen. Nach all der Zeit unserer gemeinsamen Arbeit, dem gegenseitigen Vertrauen, bitte ich sie mir zumindest die Art meines Abgangs zu überlassen."<br>  Lange dachte Edward nach, dann endlich fällte er eine Entscheidung. Was sollte es schon, dies war er Josephine wirklich schuldig. Sie verdiente diesen letzten Respekt.<br>  Er nickte ihr bestätigend zu und langsam begann die Frau ihrer Beine über das Geländer des Eiffelturms zu schwingen. Erst das eine, dann das andere. Nun hielt sie nur noch ihr fester Griff um das Geländer davon ab in die Tiefe zu stürzen. Ein letztes Mal drehte sie sich zu ihm und sagte:<br>"Denken sie an meine Worte: sie sind Nathan Sloan geworden."<br>  Dann ließ sie los und raste still in die Tiefen des Nachthimmels von Paris. Jellico konnte nicht einmal den Aufprall ihres Körpers auf dem harten Asphalt vernehmen, den er äußerlich regungslos zur Kenntnis nahm. Stück für Stück begannen nun seine Vertrauten um ihn herum zu verschwinden. Dieser Umstand stellte eine neue Erfahrung für den alten Mann dar. Dennoch war er sich sicher: er würde sein Ziel erreichen.<br></p><div align="center"><br>  <u><b>Ende</b></u><br></div><p align="center">  <b><i>Ältere Episoden findet ihr in unserem <a href="http://www.treknews.de/fanfiction/monitor_episoden.php" target="_self">Episodearchiv</a>...</i></b></p><p align="center"><strong>Nächste Woche bei Star Trek: Monitor<br>  <img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x03.jpg" alt="6x03 " ansichtssache></strong><br></p><div align="center"><br>  <b><u>NEUE ERFAHRUNGEN</u></b><br>  based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>producer SEBASTIAN HUNDT<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR<br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved. <br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES <br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</div>]]></description><guid isPermaLink="false">4829</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 6x01: Nox Vacua Teil 2</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-6x01-nox-vacua-teil-2-r4759/</link><description><![CDATA[<p></p><p align="center"><b>Diese Folge als PDF-Download:</b></p><div align="center"><center><table><tr><td align="center"><a href="http://downloads.scifinews.de/index.php?file=26033" target><img alt="Download" border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/6x01.jpg"></a></td></tr><tr>  <td bgcolor="#202020" valign="top" align="center"><font color="#ffffff" face="Verdana,Arial,Helvetica" size="1"><b><font>Monitor 6x01 "Nox Vacua Teil 2 "</font></b><br>  Zip File<br>Größe: 0,27 MB</font></td></tr></table></center></div><br><br><p align="justify">Es kam einer Routine gleich, einem morbiden Ritual, aus dem sich die drei Herren im Konferenzraum trafen. Land hatte eben wieder seinen täglichen Bericht abgeliefert.<br>„Die Sache mit den Rettungskapseln war ein simpler Trick. Lewinski wollte mit diesem Angriff seine Vorherrschaft auf dem Schiff sichern“ resümierte Chakotay.<br>„Was ihm nach Mr. Lands Beschreibungen nicht sehr leicht gefallen sein durfte. Von allem, was wir bisher von ihm wissen, ist Lewinski zu diesem Zeitpunkt ein gebrochener Mann, ein verzweifelter Mann, der nur um das Wohl seiner Leute besorgt ist“, fügte Kalen wieder mit sanfter Stimme hinzu.<br>„Wie passt das aber zu seiner eigenen Aussage, Woils Leben geschützt zu haben? Er hat es doch mit diesem brutalen Angriff selbst aufs Spiel gesetzt.“<br>Kalen zuckte mit den Schultern. „Vermutlich hat er sich auf ein anderes Ereignis bezogen.“<br>„Gehen wir zurück zu diesem Ort, an dem anscheinend alles seinen Ursprung haben soll. Was haben Sie über den in Erfahrung gebracht?“ Chakotay sah eindringlich zu Land, der es an diesem Tag noch besser geschafft hatte, sich aus den Geschehnissen herauszuhalten.<br>„Nichts Sir. Dieser Ort wurde nicht erwähnt“, antwortete Land mit schwacher Stimme.<br>Der Captain nickte. „Dann werden wir wohl allein hinter das Geheimnis kommen müssen.“ Er blickte in die Runde und wartete auf eine Reaktion, aber es kam keine. „Was rezitierten Woil und Lewinski eigentlich? Haben Sie das in Erfahrung gebracht?“<br>„Es stammt aus &gt;Faust&lt;, einem der bekanntesten klassischen Dramen der irdischen Geschichte. Verfasst von Johann Wolfgang von Goethe“, antwortete Kalen.<br>Die beiden Menschen nickten verstehend. Das es gerade ein El-Aurianer war, der ihnen etwas über ihre eigene Geschichte berichten musste, war sehr peinlich.<br>Doch Land interessierte sich im Moment nicht im Geringsten für solche Gedanken.<br>„Captain“, platzte es aus ihm heraus „Ich will die Ermittlungen abgeben. Ich denke, das Counsellor Kalen geeigneter wäre, die Psyche der Crewmitglieder genau zu durchleuchten.“<br>Überrascht sahen beide zum Ersten Offizier. „Woher stammt ihr plötzlicher Sinneswandel Commander?“<br>„Ich werde mit der Gesamtsituation nicht fertig. Während der letzten drei Tage habe ich jeden meiner Freunde sterben sehen. Sie jetzt alle quicklebendig Intrigen schmieden zu sehen ist hart, sehr hart.“<br>„Um ehrlich zu sein“, Chakotay lehnte sich etwas vor, um nicht zu autoritär zu wirken. „Habe ich eine solche Möglichkeit auch schon in Erwägung gezogen.“ Er wartete auf Lands Reaktion, der jetzt große Augen machte. „Sie haben sich nicht an unsere Vereinbarung gehalten. Der Doktor hat mir gemeldet, dass sich Ihr Gesundheitsstatus verschlechtern wird, wenn Sie sich nicht zurücknehmen.“<br>Land nickte. „Dann sind wir einer Meinung. Ich werde Sie gerne auch noch weiterhin beraten, aber Counsellor Kalen kommt mit diesen Ereignissen sicher besser zu Recht wie ich.“<br>Chakotay sah fragend zum Berater ihres Schiffes. „Was halten Sie davon?“<br>„Ich würde Ihnen davon abraten Sir“, antwortete er mit aller Strenge, die er besaß. Dementsprechend sahen die beiden anderen auch entsprechen irritiert zu ihm. „Wenn Commander Land jetzt aufgibt würde das die Gerüchte an Bord nur verstärken. Keiner von Ihnen beiden war in den letzten Tagen in der Messe. Ich zugegeben auch nicht oft, aber jedes Mal, wenn ich da war, habe ich die Flüstereien gehört. Vom Geisterschiff Monitor. Wussten Sie, dass es verflucht sein soll?“ mit großen Augen sah er zum Captain. „Und Laut einer andorianischen Prophezeiung läutet das Ende der Monitor das Ende des Universums ein.“ Kalen hatte diese Worte betont überzogen ausgesprochen um tiefe Gefühle zu wecken. „Commander Land ist stark Sir. Und er kennt die Monitor besser als ich. Er ist der Beste für den Job.“<br>Unsicher sah Chakotay zu Land. „Es ist Ihre Entscheidung.“<br>Doch noch bevor Land antworten konnte, erklang Annika Hansens Stimme in der Interkom. „Brücke an Captain Chakotay.“<br>„Hier Chakotay“, antwortete er sofort.<br>„Sir, wir empfangen einen schwachen Notruf von einem Planeten, der auf unserem Kurs liegt.“<br>„Verstanden, gehen Sie unter Warp und auf Alarmstufe Rot.“<br>„Bestätigt“, meldete Annika, schloss den Kanal und praktisch noch im selben Moment ertönten die Indikatoren des roten Alarms.<br>Fragend sah Land zu Chakotay. „Roter Alarm Sir? Wegen eines schwachen Notrufs?“ Doch noch während er dies fragte, wurde ihm klar, was sein Captain dachte. Auch die Monitor war einem Notruf gefolgt.<br>Verstehend standen alle drei Männer auf und betraten die Brücke. Sogleich setzte sich Kalen ruhig auf einer der kleineren Sitze neben den beiden Plätzen für die Kommandanten.<br>Doch Chakotay und Land dachten nicht daran, sich zu setzen. Beide standen direkt vor dem Bildschirm und betrachteten den Planeten, der dort zu sehen war.<br>„Bericht“, verlangte Chakotay.<br>Doch von Annikas Station kam nicht die prompte Antwort, wie sonst üblich. Irgendetwas stimmte nicht. Beide drehten sich um. Kleine Sorgenfalten bildeten sich auf Chakotays Stirn, als er bemerkte, wie sich seine Frau abmühte, irgendwelche Informationen zu erhalten.<br>„Das Magnetfeld des Planeten erzeugt seltsame Störungen in den Sensoren. Wir sollten in eine niedere Umlaufbahn schwenken um klarere Werte zu bekommen“, meldete Hansen schließlich.<br>Voller Tatendrang wandte sich Land an die romulanische Steuerfrau. „Tema’na, bringen Sie uns in einen niederen Orbit.“<br>„Schon dabei“, antwortete sie und der Planet kam näher.<br>In diesem Moment stand Kalen wie von der Tarantel gestochen auf und sah mit großen Augen zum Bildschirm. „Nein, wir müssen weg vom Planeten.“<br>Irritiert sahen alle zum Counsellor. „Und weswegen?“, fragte Chakotay.<br>„Keine Zeit für Erklärungen, tun Sie es“, forderte er.<br>Doch es war zu spät.<br>Das Licht begann zu flackern.<br>„Sir, wir verlieren die Hauptenergie“, meldete Annika.<br>„Ich kann das Schiff nicht mehr steuern“, erklärte Tema’na.<br>Und die Worte verhallten, als die komplette Dunkelheit einsetzte.<br>Bruce Land überkam plötzlich ein tiefes Gefühl der Angst. Mit ihnen geschah dasselbe wie mit der Monitor. Sie waren in dieselbe Falle getappt.<br>Doch nur wenige Sekunden später wurde die Reserveenergie aktiviert.<br>Schwaches Licht erhellt die Brücke der Voyager.<br>„Bericht“, verlanget Chakotay erneut.<br>„Wir sind in einer Anomalie gefangen, die uns die Hauptenergie abzieht“, berichtete Annika. „Zum Glück waren unsere Schilde aktiviert, sonst stünde uns auch nicht mehr die Reserveenergie zur Verfügung.“<br>„Wie kommen wir hier wieder raus?“<br>„Ich habe keine Kontrolle mehr über irgendwelche Antriebssysteme“, berichtete Tema’na entschuldigend. „Sir, das Schiff befindet sich immer noch auf einem Sinkflug. Wenn wir dies nicht verhindern können, werden wir abstürzen.“<br>Stille breitete sich aus. Ratlos sah Chakotay zu Land. Doch der wusste ebenso keinen Rat.<br>„Die selbe Falle, wie bei der Monitor...“, raunte der Captain.<br>„...dasselbe Schicksal“, vollendete Land.<br>„Sir, es gibt einen Weg, zu erfahren, wie wir uns befreien können“, warf Tema’na ein. „Die Monitor hat es geschafft. Wenn wir wissen wie...“<br>Chakotay sah zu Land. „Sind Sie bereit dafür?“<br>Land suchte Kalens Blick. Doch auch dieser war ihm in diesem Moment keine große Hilfe. „Ja, ich bin bereit.“<br>„Dann gehen Sie aufs Holodeck. Wir werden genug Energie umleiten.“ Chakotay wartete auf Lands Nicken und sah dann zu Kalen. „Und Sie gehen zu Bird und versuchen, etwas von ihm in Erfahrung zu bringen. Egal wie unwahrscheinlich dies sein soll. Wir treffen uns, nachdem Land seinen Tag erlebt hat und tragen dann alle neuen Informationen zusammen.“<br>Auch der Counsellor nickte und folgte Land zu einem Zugang zu einer Jeffriesröhre. Beide hatten eine Aufgabe.<br>Beide mussten das drohende Schicksal abwenden.</p><p align="justify"><strong>Tag 6, 04:00 Uhr Bordzeit der U.S.S. Monitor</strong></p><p align="justify"> „Es freut mich, dass Sie beide Zeit gefunden haben.“ Lewinski begrüßte Bird und Tellom, im anbetracht der Situation, sehr herzlich. Einen spürbaren Einfluss hatte es auf keinen der beiden. Arena Tellom war zu einem emotionalen Eisberg geworden. Ihr Blick blieb wie versteinert auf dem Tisch in Lewinskis Bereitschaftsraum haften. Sie blinzelte nicht einmal. Was wohl auch daher rührte, dass sie in der letzten Nacht kein Auge zugetan hatte.<br>  Birds Stimmung war ebenso auf einem Tiefpunkt. Gestern hatte er noch bis spät in die Nacht (was nicht schwer war, da auf dem Schiff immer noch nur die Reservelampen Licht spendeten) gearbeitet. Unterbrochen wurde er von dieser Arbeit erst vor einer Stunde, als der Captain diese Sitzung einberufen hatte. Seither hatte er es nur geschafft einige Bissen zu essen, da ihm schon nach wenigen schlecht geworden war. Nicht einmal eine schöne Dusche war ihm vergönnt gewesen. Jetzt fühlte er sich zwar so müde wie noch nie in seinem Leben, gleichzeitig hatte er jedoch das Gefühl, ein ganzes Fass Raktajino getrunken zu haben.<br>  Land hatte auf einem holografisch hinzugefügten Stuhl Platz genommen. Rein optisch passte auch er in die Szenerie, auch wenn er nicht dazugehörte. Das Kopfschmerzmittel verlor so langsam seine Wirkung und auch die Müdigkeit nagte so langsam an ihm. <br>  Und Lewinski hatte nur dadurch einige Stunden Schlaf gefunden, indem er sich selbst ein Schlafmittel verabreicht hatte. Dementsprechend war ihm klar, dass seine beiden übrig gebliebenen Leute heute nicht sehr gesprächsfreudig sein würden. Für ihn kam es ja schon einer Qual gleich zu sprechen. „Wir wissen wohl alle, wann dieses Unglück begonnen hat. Ich wüsste zwar gern, wie es zu dem allen kommen konnte, aber damit werden wir wohl warten müssen, bis wir Raumbasis 185 erreichen und uns die nötigen Instrumente und Sensoren zur Verfügung stehen.“<br>„Was, wenn es ein Virus ist? Wir würden die ganze Station damit verseuchen.“<br>  Telloms Einwurf klang durchaus berechtigt. Sie wussten praktisch nichts über dieses Phänomen. Also wieso war es nicht eine hoch entwickelter Virus? Leider stand ihnen Doktor Frasiers Hilfe nicht mehr zur Verfügung. Und auch das übrige medizinische Personal war momentan nur auf ihre Quartiere beschränkt.<br>„Wir werden das klären, wenn wir die Basis erreichen. Danke für den Hinweis“, antwortete Lewinski ruhig – was, wie Bird auffiel, überaus unnatürlich in dieser Situation wirkte – und fuhr dann fort. „Die Folgen sind uns auf jeden Fall bekannt. Allerdings müssen wir uns nun mit einem anderen Problem auseinandersetzen. Was tun wir um das Schiff auch sicher dahin zu bringen, wo es hingehört. Schließlich müssen wir die Möglichkeit immer bedenken, dass die Meuterer ausbrechen können. Egal wie unwahrscheinlich dies auch erscheinen mag.“<br>  Bird schüttelte den Kopf. „Ich habe Woil gesehen. Im Moment interessiert er sich nur für Wahrscheinlichkeiten, sondern nur für Möglichkeiten. Und sobald er eine hat, wird er sie nutzen.“<br>„Was würde er demnach tun, sollte er ausbrechen?“, fragte Lewinski.<br>  Bird überlegte. Nach einigen Tagen ohne Schlaf fiel ihm das sichtlich schwerer als sonst. „Er wird den Kurs ändern wollen. Darum hat er nie einen Hehl gemacht.“<br>„Ah richtig. Er will zurück zu diesem Planeten, natürlich. Doch, wie verhindern wir, dass er den Kurs ändern kann?“ Lewinski erinnerte sich an die Gespräche und Konfrontationen mit Bird.<br>„Wir töten ihn.“<br>  Lewinski und Bird sahen zu Tellom, die ihren Blick immer noch nicht vom Tisch gelöst hatte. Beide verstanden natürlich ihre Reaktion, jedoch waren sie immer noch von diesen Worten geschockt.<br>  Dem Captain war natürlich klar, dass er dies niemals zulassen konnte. „Äh, ihr Vorschlag Mr. Bird?“<br>  Der Angesprochene sah aber immer noch zu Tellom und richtete seinen Blick dann an die Decke, bevor er sich dem Captain zuwandte. „Wir betäuben sie, mit einem Gas, das wir über das Ventilationssystem verteilen.“<br>„Nein, tut mir leid“, Lewinski schüttelte den Kopf. „Daran habe ich auch schon gedacht. Doch im Moment ist das unmöglich. Die Lebenserhaltung läuft nur mit minimaler Energie. Sie würde zusammenbrechen, wenn wir sie jetzt noch wegen so etwas überfordern.“<br>„Dann sehe ich da noch eine Möglichkeit. Sie ist jedoch sehr drastisch“, entgegnete Bird ernst.<br>„Nur raus damit Danny“, forderte der Captain auf.<br>„Wir löschen die Navigationssysteme.“<br>„Das ist wirklich drastisch“, antwortete Lewinski verblüfft. Interessiert lehnte er sich zurück, als Bird weiter sprach.<br>„Wir löschen die Karten, die Kontrolldateien für die Manövrierdüsen, Sensoraufzeichnungen des Fluges, einfach alles. Wenn dann jemand kontrolliert einen neuen Kurs setzen will, muss dieser jemand schon das ganze System neu starten und alle Daten der stellaren Kartografie neu einprogrammieren. Allein damit war das Konstruktionsteam der Monitor etwa 2 Wochen beschäftigt. Und dann hat dieser jemand immer noch einen holprigen Flug vor sich, denn die Sicherheitssysteme müssen ebenso neu gebootet werden.“<br>  Lewinski dachte einen Moment über diese Worte nach. „Wie verhindern wir, dass wir mit diesem Plan nicht unsre eigene Grube graben?“<br>„Wir berechnen die Menge an Antimaterie, die wir noch benötigen, um die Basis zu erreichen. Dann programmieren wir einfach den Antimateriekonverter darauf, nur noch die vorberechnete Menge Antimaterie auszugeben und sich darauf selbst zu deaktivieren.“<br>  Lewinski überlegte und musste eingestehen, dass dieser Plan wirklich sehr wirkungsvoll klang. „Wie lange brauchen Sie dafür?“<br>  Bird zuckte mit den Schultern. „Nicht lange. Eine, vielleicht zwei Stunden.“ <br>„Mit meiner Hilfe sind Sie in 45 Minuten fertig.“ Arena blickte zu Bird und Lewinski. „Ich kenne mich sehr gut mit den Computersystemen und der Software aus. Das würde die Arbeit erheblich erleichtern.“<br>„Danke Arena“, raunte Bird. Lewinski nickte ihr nur stumm zu, wandte sich dann aber schnell wieder an Bird. „Beginnen Sie sofort damit. Danach sorgen Sie dafür, dass die Sicherheitsprotokolle, die eine Meuterei betreffen, so gut wie möglich umgesetzt werden.“<br>„Natürlich Sir. Ich kümmere mich sofort darum.“<br>„In Ordnung.“ Lewinski lächelte etwas gequält als er diese Worte sprach. „An die Arbeit. Wegtreten.“<br>  <br>  Als Jozarnay Woil erwachte, war sein Verstand sofort klar. Seine Augen erfassten sofort die Umgebung. Sein Quartier.<br>  Während er sich aufrichtete rief er sich seine letzte Erinnerungen zurück. Deutlich sah er Birds verzweifelten Gesichtsaudruck, das Gleißen des Phaserstrahls, der ihn traf. Wie aus einem Reflex heraus berührte er die Stelle an der Schulter, an der er getroffen wurde. Man hatte ihn ganz offensichtlich behandelt, denn er trug nur das unterste Hemd seiner Uniform. Daher war er für ihn ein leichtes nachzusehen. Obwohl man ihn ärztlich versorgt hatte, zeigte sich noch ein kleiner blauer Fleck. Doch der würde auch bald abklingen.<br>  Dann fiel sein Blick auf seine Hände. Mit einer in Falten geworfener Stirn beobachtete er seine Handflächen, bis ihm bewusst wurde, wofür sie verantwortlich waren. Sogleich ballte er seine Hände zu Fäusten und atmete tief durch.<br>  Mit festen Schritten stand er auf und trat zur Tür. Als sie sich nicht öffnete betätigte Woil einige der Knöpfe des Kontrollterminals neben der Tür, doch wiederum zeigte sich keine Reaktion. Schnell war Woil klar, welche Option diese Situation verhieß. Da das Licht in seinem Quartier noch funktionierte musste die Tür absichtlich geschlossen sein.<br>„Dieser verdammte Lewinski.“ Woil trat von der Tür zurück. Er wusste genau, dass es keinen Sinn machte, hier auszubrechen zu versuchen. Schließlich hatte er mit Bird die Kraftfelder und Kontrollen programmiert. Doch dies war sein Schiff. Ein Captain mochte es zwar kommandieren. Doch nur ein Chefingenieur vermochte es, ein Schiff zu verstehen.<br>  Und er kannte dieses Schiff besser als seine Westentasche, sogar besser als sich selbst.<br>  Gezielt drehte er sich um und löste die Abdeckplatte neben seinem Bett. Dahinter verbarg sich sein geheimes Fach, das er mit einem kleinen Störfeld vor einer Entdeckung schützte.<br>  Ein Blick in das Fach reichte um ihm zu vergewissern, dass dies bis jetzt ausgereicht hatte. Alle seine Sachen waren noch da. Schnell griff er nach einer kleinen Tasche, in der er einige Werkzeuge verstaut hatte. Er öffnete den Koffer, nahm einen Tricorder heraus und verband diesen, über ein dünnes Kabel, mit dem Terminal auf seinem Schreibtisch.<br>  Schnell hatte er es geschafft, einige kleine Sicherheitssperren zu überbrücken und einige Informationen zu bekommen. Nach wenigen Sekunden wusste er, dass alle seine „Leute“ wie er in ihren Quartieren eingesperrt waren. Ansonsten hatte sich nichts geändert. Der Status des Schiffes war noch derselbe wie vor seinem ausgiebigen Nickerchen.<br>  Angespannt ließ er seinen Kopf kreisen und hörte dabei das Knacken seiner Rückenwirbel. „OK, dann wollen wir mal anfangen.“ Ohne hinzusehen griff er in seine Werkzeugtasche und nahm sich ein längliches Instrument heraus, das er sogleich an die Rückseite des Terminals anschloss. Dann gab er über den Tricorder einige Informationen ein und sogleich änderte sich die Anzeige auf dem Bildschirm. Die Daten, die zu sehen waren, begannen zu flackern und wurden durch statisches Rauschen abgelöst. Nach wenigen Sekunden kristallisierten sich zwei Worte heraus, die am Ende blinkend auf dem Schirm standen: „Kanal geöffnet“.<br>„Hier Woil. Haltet euch auf mein Signal bereit. Wir sammeln uns vor dem Maschinenraum.“<br>  Mit einem einfachen Tastendruck schloss Woil den Kanal wieder und lachte Siegesgewiss. Jetzt musste er nur noch die Verriegelung der Quartiere lösen, dann konnte der große Sturm beginnen. Und mit der gewaltigen Überzahl, die hinter ihm stand, war es ein leichtes, Lewinski endlich zum Teufel zu jagen.</p><p align="justify">Rücken an Rücken saßen Bird und Tellom an zwei Stationen im Hauptcomputerkern. Trotz des immensen Kühlaufwands, der betrieben wurde, um den Kern auf der richtigen Temperatur zu halten, war die Luft warm und stickig.<br>  Bird hatte gerade einen weiteren Stapel Dateien gelöscht, als er seine oberste Uniformjacke auszog.<br>„Ganz schön heiß hier“, stöhnte er. Doch Tellom reagierte nicht. Sie arbeiteten schon seit etwa 35 Minuten und waren beide so fertig wie nach einem kleinen Marathon. Wenigstens hatten sie das Gröbste schon hinter sich und beschäftigten sich jetzt nur noch mit kleineren Details. „Findest du nicht auch?“ Tellom reagierte immer noch nicht.<br>  Besorgt drehte sich Bird um. „Alles in Ordnung?“<br>  Arena blieb immer noch still. „Arena.“ Sprach er sie direkt an.<br>„Was ist?“, fauchte sie, als sie sich zu ihm umdrehte. Erst als Arena in seine erschrockenen Augen sah, bemerkte sie, wie sie ihn angefahren hatte. „Entschuldige. Was hast du gemeint?“<br>„Ich habe nur wissen wollen, wie es dir geht“, antwortete Bird. „Aber das ist damit wohl beantwortet.“<br>  Erschöpft ließ Tellom ihre Schultern fallen. „Nein, ich bin nur...“<br>„Du brauchst nichts zu erklären. Ich weiß, wie du dich fühlst.“<br>„Die Luft hier drückt mir die Lungen zu. Ich kann kaum noch klar denken und meine Arme und Beine sind so schwer wie Blei.“<br>„Wie wär’s, wenn wir eine kleine Pause einlegen?“, schlug Bird vor.<br>„Nein, wir sind ja fast fertig.“<br>  Doch Bird ließ sich nicht abwimmeln. „Wie lange hast du schon nichts mehr zu dir genommen?“<br>  Tellom lächelte. „Das könnte ich dich genau so fragen.“<br>  Der Sicherheitschef lächelte. Sie hatte ihn damit erwischt. „Touchè“<br>„Ich habe das letzte Mal gegessen, bevor Ardev seine Schicht angetreten hat. Bevor ich ihn das letzte Mal gesehen habe“, offenbarte Arena plötzlich. „Immer wenn ich etwas sehe, das mit Essen zu tun hat, muss ich an ihn denken. Und dieser Schmerz, diese Trauer, diese Wut allein dreht meinen Magen um.“<br>  Bird wusste nicht, was er sagen sollte. Also wandte er sich wieder seiner Arbeit zu. Doch als er auf den Bildschirm sah, kamen ihm Tränen.<br>„Es tut mir leid Arena.“<br>  Sie schüttelte den Kopf. „Es war nicht deine Schuld.“<br>„Ich... ich hätte nur meine Waffe weglegen müssen. Ich hätte einfach nachdenken müssen. Doch mein idiotischer Stolz wollte nicht nachgeben... und hat Ardev getötet.“<br>„Du hast getan, was du für richtig hieltest“, erwiderte sie.<br>  Plötzlich mischte sich ein verzweifeltes Kichern in Birds Trauer. „Hör uns nur an. Wir sprechen so, als hätte ich das wichtigste in meinem Leben verloren und nicht du.“<br>„Wir haben beide das Wichtigste verloren Danny.“<br>  Bird drehte sich wieder um und sah direkt in Arenas Augen. Dieser Anblick genügte um ihm Trost zu spenden. „Ich fühle mich so elend.“<br>„Ich mich auch“, antwortete sie und Bird sah, wie auch ihr einige Tränen über die Wangen kullerten. „Doch wir müssen trotzdem weiter machen. Ardev hätte es sicher so gewollt.“<br>  Danny nickte. „Ja, mit Sicherheit.“<br>  Beide machten sich wieder an die Arbeit. Doch die Ruhe wahrte nicht lange.<br>  Beide spürten, wie plötzlich der Boden zu vibrieren begann. Überrascht sahen sie sich an und mussten feststellen, dass nicht nur den Boden vibrierte, sondern auch die Wände und die Decke.<br>„Was ist das?“, fragte Tellom verwirrt.<br>„Ich weiß es nicht. Gehen wir lieber auf die Brücke.“, antwortete Bird und stand sofort auf. Zielstrebig verließen sie den Computerkontrollraum, der sich auf Deck 2 befand, und traten in den nächsten Turbolift. Doch sobald sich die Türen hinter Ihnen geschlossen hatten, wurde das Schiff auch schon von einer schweren Explosion erschüttert.</p><p align="justify"> Die Erschütterung war natürlich auch im Maschinenraum zu spüren, wo sofort nach dieser das Licht ausfiel und an einigen Konsolen Funken sprühten. Im Moment befanden sich nur eine handvoll Offiziere in ihm. Panisch liefen sie umher und schrieen sich verschiedene Befehle zu.<br>„Was war das?“<br>„Hauptenergie ausgefallen. Alle Systeme brechen zusammen!“<br>„Wir haben Navarro verloren!“<br>„Versiegelt das Leck, bevor zuviel Plasma austritt!“<br>  Hektisch versuchten alle, die Situation unter Kontrolle zu bringen, auch wenn keiner von Ihnen wusste, was der Auslöser für die Explosion war. Doch dies war im Moment Nebensache. Denn die Vibration, die der ersten Explosion vorausgegangen war, war immer noch zu spüren. Und bevor die Offiziere daran etwas ändern konnten, wurde das Schiff von einer zweiten Explosion erschüttert. Dieses Mal hatte sie ihren Herd direkt über dem Maschinenraum. Und noch im selben Moment fielen einige Deckenplatten herab.<br>  Zum Glück konnten sie sich alle vor den Trümmerteilen in Sicherheit bringen. Nur etwas Staub bedeckte ihre Köpfe. Doch dieser Staub war nicht ihr größtes Problem. Die Energiemassen im Warpkern begannen zu flackern und kurz darauf zischten dichte Rauchwolken von der Decke herab.<br>„Verdammt! Die Explosion hat die Deuteriumstanks zerstört!“, schrie einer der Offiziere, der versuchte, die wenigen angezeigten Informationen von einem Bildschirm abzulesen.<br>  Praktisch im selben Moment war die monotone Stimme des Computers zu hören. „Warnung. Die Deuteriumtanks sind irreparabel beschädigt und überlasten den Warpkern. Die Tanks werden in zehn Sekunden abgestoßen.“<br>  Die Warnung des Computers war noch nicht richtig verhallt, als der Kern an sich auch schon seine Funktion einstellte und es im Maschinenraum noch etwas dunkler wurde.</p><p align="justify">Die Monitor, die schon nach der ersten Explosion aus dem Warp gefallen war, erbebte nun unter dem starken Ruck, den die Absprengung der Tanks verursachte. Die Tanks schwebten schnell von der Monitor weg und zogen dabei einen langen Schweif aus austretendem Plasma hinter sich her. In „nur“ 500.000 km Entfernung brachen die Schutzwände zwischen den Tanks und explodierten.</p><p align="justify">Auf der Brücke herrschte ebenso Chaos. Lewinski hatte sich nur mit Mühe an seinem Stuhl fest halten können und war dankbar, dass Bird und Tellom zeitig eingetroffen waren, um ihn und die beiden anderen Offiziere auf der Brücke zu unterstützen.<br>  Alle hatten die Explosion der Tanks auf dem Bildschirm beobachtet. Doch Lewinski ließ sich davon nicht ablenken. „Ich will Berichte. Sofort!“, forderte er lautstark.<br>„So ziemlich alle Systeme sind ausgefallen, Sir. Ich glaube sogar, dass...“, berichtete Bird und stockte plötzlich. Er konnte erst fortfahren, als Lewinski seinen durchdringendsten Blick auf ihn warf.<br>„Danny, spannen Sie mich nicht jetzt auf die Folter.“<br>„Sir, ich bin mir sicher, dass die Kraftfelder um die Quartiere der Unteroffiziere nicht mehr bestehen.“<br>  Lewinski stockte der Atem. Konnte es sein? Bestand auch nur eine geringe Wahrscheinlichkeit für diesen verrückten Gedanken, der ihm im Kopf herumspukte. In diesem Moment erinnerte er sich an Birds Worte, die er vor wenigen Stunden ausgesprochen hatte: Ich habe Woil gesehen. Im Moment interessiert er sich nur für Wahrscheinlichkeiten, sondern nur für Möglichkeiten. Und sobald er eine hat, wird er sie nutzen.<br>„Mr. Bird, aktivieren Sie das Meutereiprotokoll. Schotten Sie Deck 1 und die Brücke von allen übrigen Bereichen ab. Deck2 und der Maschinenraum müssen isoliert werden.“<br>  Bird hatte geahnt, was Lewinski angewiesen hatte und hatte die Befehle schon ausgeführt, als der Captain ihn noch nicht einmal zu Ende geführt hatte.<br>„Erledigt.“ Im selben Moment hörten Sie alle, wie riesige Mengen an Druckluft alle Luken und Türen, die zum 2. Deck führten, schlossen. Selbst für einen gewieften Techniker wie Woil stellten sie somit ein immenses Hindernis dar, das er nicht so einfach mit einigen billigen Tricks überwinden konnte.<br>  Und wenn er es schaffte, hatte Lewinski bis dahin alle seine Offiziere mobilisiert.</p><p align="justify"> Für den Maschinenraum kam diese Anweisung zu spät. Als der in der Dunkelheit nach der Explosion der Tanks lag, öffneten sich alle Türen auf der unteren Ebene gleichzeitig. Die vier noch übrigen Offiziere im Maschinenraum saßen in der Falle. Und das spürten sie.<br>  Woil war der Erste, der aus dem Schwarz hervortrat und sich Ihnen offen zu erkennen wagte. Die übrigen, seine Gefolgsleute, waren mehr als nur ein dunkles Schemata im Hintergrund. Sie waren ein Schatten, der über sie herein zu brechen drohte.<br>  Woil hörte Stimmen, leise und verängstigt.<br>„Es ist Woil“, hörte er immer wieder heraus.<br>  Aber er hörte sie nicht, wollte sie nicht hören. Jetzt lebte er nur für diesen einen Moment.<br>„Ich bin zurück“, flüsterte er ebenso leise, doch jeder im Maschinenraum nahm seine Stimme wahr. Dann sprach er lauter und kälter, als je zuvor. „Tötet sie!“<br>  Seine Worte waren noch nicht verhallt, als 4 Phaserstrahlen aus der Dunkelheit drangen und 4 unschuldige Leben auslöschten.<br>„Das Spiel beginnt John...“, flüsterte er für sich. Doch er wusste, dass Lewinski seine Worte verstanden hatte.</p><p align="justify"><strong>Tag 16, 2:15 Uhr Bordzeit der U.S.S. Voyager</strong></p><p align="justify"> „Wie hat Woil es geschafft auszubrechen?“, fragte Chakotay. Bei ihrer Besprechung nahmen heute alle Stabsoffiziere teil. Schließlich musste die gesamte Situation besprochen werden.<br>  Barclay antwortete schließlich auf die Frage. „Vermutlich hat er von seinem Quartier aus einen Zugriff auf die EPS Leitungen und kann sie sogar an ausgewählten Stellen zur Überladung bringen und damit zum Beispiel die Generatoren für die Kraftfelder außer Funktion setzen.“<br>„Genau“, stimmte Land zu. „Dass dabei ein Knotenpunkt bei den Deuteriumtanks explodierte, war ein unglücklicher Zwischenfall. Schließlich benötigte Woil das Warptriebwerk noch.“<br>  Chakotay nickte. „Dann wenden wir uns der Anomalie zu. Wie wir alle gehört haben, wurde sie an jenem Tag auf der Monitor wieder nicht erwähnt. Also wird Commander Land weiter das Holodeck beanspruchen und weiterforschen.“<br>„Da ich die Art der Strahlung jetzt besser verstehe, kann ich die Tage schneller decodieren“, fügte Barclay hinzu.<br>„Gut gemacht Reg. Dann zu unserer Situation: Annika.“<br>„Wir können die Hauptenergie nicht reaktivieren. Außerdem funktioniert kaum ein System. Die Sensoren, Antriebssysteme, Waffen sind ausgefallen“, meldete die ehemalige Borg.<br>„Zudem sind einige Gelpacks durchgebrannt. Die Austauscharbeiten laufen bereits, aber sie gestalten sich als sehr schwierig. Es stellen sich immer neue, unerwartete Defekte heraus“, fügte Reg hinzu.<br>„Außerdem hat sich unser Orbit nochmals verengt. Wir werden in zwei Tagen abstürzen, sollten wir keine Fluchtmöglichkeit finden.“ Tema’na sah eindringlich zu Chakotay. Sie hatte einige Zeit gebraucht um sich an seinen Führungsstil zu gewöhnen. Er hatte zwar einige Eigenarten von Janeway übernommen, doch zwischen beiden lag ein lichtjahregroßer Unterschied. Inzwischen war sie ihm gegenüber genauso respektlos wie sie es bei Janeway war.<br>„Dann sollten wir uns schnell für eine entscheiden.“<br>„Wir haben die größte Chance, wenn wir alle Energie in das Warptriebwerk leiten und einen Warpblitz erzeugen, der der Stufe 7 entspricht. Wenn ich mich nicht verrechnet habe, ist ein solcher Blitz stark genug um uns zu befreien.“ Tema’na lehnte sich stolz in ihrem Stuhl zurück. Sie hatte ihren Plan kurz und prägnant präsentiert.<br>„Ein gebündelter Tachyonstrahl wäre effektiver. Wenn wir ihn gekoppelt mit einem Deflektorfeld einsetzen, schafft es der Strahl die Anomalie zu zerstreuen“, widersprach Annika Hansen.<br>  Chakotay sah zwischen den beiden Frauen hin und her.<br>„Gibt es noch andere Möglichkeiten?“<br>  Beide Antworteten nur mit einem Kopfschütteln.<br>„Dann stehen wir nun vor der gleichen Entscheidung wie die Crew der Monitor. Zwei Möglichkeiten stehen uns zur Verfügung. Beide sind auf die gleiche Weise durchführbar. Aber welche wird uns aus der Anomalie führen?“<br>„Vielleicht tun es beide. Nur eine verursacht das gleiche wie das, was auf der Monitor geschehen ist“, gab Barclay zu Bedenken.<br>„Vielleicht tun dies auch beide“, gab Tema’na, zynisch wie immer, zu bedenken. „Vielleicht war die Crew der Monitor aber auch nur schwach.“ Als sie Lands ernsten Blick spürte, wich sogar ihre Miene etwas auf. „Nichts für ungut Sir“, fügte sie noch hinzu.<br>„Es wird am klügsten sein, wenn wir abwarten, bis Commander Land in Erfahrung gebracht hat, wie sich die Crew der Monitor entschied“, wies Chakotay an. „Was wir wissen ist, dass sie sich für Mr. Birds Plan entschieden. Welcher dies auch immer sein mochte.“<br>  Chakotay sah gelassen in die Runde. Deutlich zeigte sich Anspannung in ihren Gesichtern. Commander Land hatte die zuletzt in den Gesichtern seiner Freunde auf der Monitor gesehen.<br>„Wir haben noch mehr Probleme“, platzte es plötzlich aus Kalen heraus. Als er die Aufmerksamkeit der gesamten Runde hatte, fuhr er fort. „Unter der Crew macht sich Paranoia breit. Tiefe und pure Todesangst. Ich habe auch schon gehört, wie sich manche eine rasche Entscheidung wünschen. Viele glaube, dass Captain Chakotay nicht die Fähigkeit besitzt, das Schiff aus dieser Gefahr zu führen.“<br>  Der Captain wusste, auf was dies hinauslief. Eine Meuterei. Wie auf der Monitor.<br>„Sonst noch etwas?“, fragte er entmutigt.<br>„Die Anomalie hat irgendeinen Einfluss auf die Crew. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie stark dieser ist und ob er überhaupt etwas bewirken kann. Morgen weiß ich sicher mehr“, ergänzte Kalen.<br>„Dann machen Sie sich jetzt an die Arbeit. Wegtreten.“</p><p align="justify"> Die Krankenstation lag noch immer im Dunkeln. Kalen saß auf einem Stuhl neben dem zentralen Biobett. Dort lag Danny Bird mit offenen Augen und starrte zur Decke.<br>  Bruce Land zögerte, als er am Eingang stand. Er hatte sich vor dieser Begegnung gefürchtet. Die Besprechung war vor einer halben Stunde zu Ende gegangen. Und der nächste Tag würde erst in einer Stunde geladen sein. Also nutzte er die Zeit und traf sich mit dem einzigen Freund, der er noch besaß.<br>  Danny Bird.<br>„Wie geht es ihm?“, fragte er.<br>  Kalen sah von dem Stuhl auf. „Er hat die Operationen gut überstanden, wenn Sie das meinen.“<br>  Land trat zum Biobett und sah auf Bird hinab. „Kann er mich wahrnehmen?“<br>  Der Counsellor nickte zaghaft. „Irgendwie schon.“<br>„Es wäre so einfach. Er müsste nur den Mund aufmachen und es uns sagen.“<br>„Sie kennen meine Einschätzung. Und an der hat sich nichts geändert.“<br>„Ich weiß, es wird Jahre dauern“, Land rieb sich erneut die Stirn. „Es tut weh, die Crew zu beobachten. Zu beobachten, wie die Monitor vor meinen Augen vernichtet wird.“<br>  Kalen antwortete nicht, denn beide hatten etwas gehört.<br>  Bird hatte einen tiefen Atemzug genommen.<br>„Habe ich das erzeugt?“, fragte Land.<br>„Ich bin nicht sicher.“<br>  Land beugte sich zu seinem ehemaligen Kollegen herunter. „Danny, sagen Sie mir, was haben Sie auf der Monitor gemacht? Haben Sie den Warpblitz benutzt? Wenn dem so ist, geben Sie einfach einen Laut von sich.“<br>  Nichts geschah. Doch Land wollte nicht nachlassen. „Verdammt noch mal Danny, ich bin’s, Bruce. Ihr alter Erster Offizier, Bruce Land. Sagen Sie mir nicht, dass Sie mich vergessen haben.“ Land blickte Bird tief in die Augen und ahnte dort etwas wie eine Reaktion. „Oh nein, Sie haben mich nicht vergessen. Sie haben auch die Monitor nicht vergessen. Und jetzt sagen Sie mir Danny, was wissen Sie über diese Anomalie? Was ist auf der Monitor so furchtbares geschehen? Sagen Sie es mir Lieutenant!“<br>„Es reicht Commander!“ Kalen griff schnell ein und zog Land vom Biobett zurück. Ein simpler Blick in die Augen des Menschen genügte um Land auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen.<br>„Entschuldigen Sie. Ich bin nur etwas mitgenommen“, erklärte Land.<br>„Sie sollten sich nicht bei mir entschuldigen. Mir haben Sie schließlich nichts getan.“ Kalen ließ Land wieder los.<br>  Langsam drehte sich der Brite dann auch zu seinem früheren Kollegen um. Als ob nichts geschehen war, lag er da und starrte an die Decke. Vorsichtig berührte Land Birds Hand. Sie fühlte sich warm und voller Leben an.<br>„Danny, ich möchte mich entschuldigen. Ich hoffe, Sie verstehen, was wir hier durchmachen. Was ich durchgemacht habe. Während der letzten Tage habe ich erlebt, was Sie erlebt haben. Welchen Horror Sie auf der Monitor erleben mussten.“<br>  Dann geschah etwas Seltsames. Bird drehte seinen Kopf uns suchte Augenkontakt zu Land. Der erkannte diese Bewegung. Kalen trat sofort näher zu ihnen, um diesen Vorgang zu folgen.<br>„Ja, genau so ist es gut. Danny, Sie machen das toll. Erkennen Sie mich? Ich bin Bruce Land. Sie kennen mich, von der Monitor...“<br>  Plötzlich erklangen hupende Geräusche und eine große Anzahl an Lichtern blinkte. Der Doktor kam im selben Moment aus seinem Büro gerannt. „Was haben Sie gemacht?“, fragte er verärgert.<br>  Bird begann schneller und unregelmäßiger zu atmen. Doch noch bevor der Doktor irgendetwas tun konnte, bemerkten alle drei, wie Birds Decke nass wurde.<br>  Schnell verabreichte der Doc Bird ein Hypospray, worauf sich dieser wieder beruhigte. Alle drei rochen den Urin an der Bettdecke.<br>„Er hat eine Panikattacke erlitten, da ist so etwas nicht ungewöhnlich“, erklärte Kalen.<br>  Verstört sah Land zwischen Kalen und dem Doc hin und her. Verzweifelt sah er dann zu Bird. „Es tut mir so leid. Das wollte ich nicht, bitte glauben Sie mir, es tut mir so leid.“ Mit einer in Falten gelegten Stirn rannte er aus der Krankenstation. Er rannte einem neuen Tag entgegen.</p><p align="justify"><strong>Tag 5, 04:52 Uhr Bordzeit der U.S.S. Monitor</strong></p><p align="justify"> Nur wenige Meter entfernt, am anderen Ende des Schiffes, betrat Ardev – Land hätte fast einen Schock bekommen, als er ihn quicklebendig durch die Gänge wandeln sah – den Maschinenraum. Der lag noch immer in einer ungewohnten Dunkelheit. Das einzige System, das normal zu funktionieren schien war der Warpantrieb. Mit ein wenig erhöhter Geschwindigkeit raste das Deuterium von der Raumdecke zur Materie/Antimateriereaktionskammer am Raumboden.<br>  Der Andorianer nahm sich einen Augenblick um den Kern zu betrachten. Dann sah er sich den Rest des Maschinenraumes an. Überall waren Wandplatten abgenommen worden und überall sah er Techniker stehen, die konzentriert arbeiteten. Auch wenn er nicht gerade behaupten konnte, dass sie sich beeilten.<br>„Commander Ardev.“<br>  Der Angesprochene drehte sich um und sah Chief Woil auf der erhöhten Ebene stehen. Der Chefingenieur stand dort kraftstrotzend. Mit angeschwellter Brust und einem selbstbewussten Grinsen kletterte er die Leiter hinunter, ohne den Wissenschaftsoffizier aus den Augen zu lassen.<br>„Chief Woil, genau Sie habe ich gesucht.“<br>„Was kann ich für Sie tun, in meinem bescheidenen Reich.“ Mit großen Gesten deutete er auf seinen Maschinenraum.<br>„Ich will die lateralen Sensoren online bringen. Ich kann damit aber erst fortfahren, wenn die Deflektorsubsysteme laufen. Also, wann kann ich damit rechnen?“<br>„Nun“, demonstrativ trat Woil zu einer Konsole, ohne etwas von ihr abzulesen. „Die Arbeiten kommen dort nur sehr zögerlich voran, es ist eben nur ein Subsystem.“<br>  Ardev seufzte. „Schade eigentlich. Dann werde ich mir eben eine andere Arbeit suchen. Danke trotzdem“, deprimiert über diese Information, wandte er sich schon dem Ausgang zu, als Chief Woil begann, laut, mit einem verschwörerischen Unterton, vor sich hin zu sprechen. „Das wäre nicht passiert, wenn wir ihren Plan ausgeführt hätten und nicht Birds. Das Ausmaß der Schäden wäre dann weitaus geringer. Und wir wären auch nicht in die falsche Richtung unterwegs.“<br>  Ardev drehte sich nur zur Hälfte um, um Woil zu zeigen, dass er den Maschinenraum eigentlich schon verlassen hatte. „Wer weiß. Aber es bringt jetzt auch nichts, darüber zu streiten. Wir müssen mit der Situation jetzt fertig werden.“<br>  Woil drehte sich ganz zu Ardev um und sah ihn eindringlich an. „Aber diese Situation erinnert mich sehr an die vor einigen Tagen. Der Captain“, er spuckte den Titel richtig aus. „scheint auch jetzt mehr an Birds Meinung interessiert zu sein. Auch wenn Sie und ich genau wissen, wer Recht hat.“ Woil wartete und suchte in Ardevs Gesicht nach Anzeichen darauf, dass seine Worte Wirkung zeigten. Er ließ seinem Gegenüber keine Zeit und fuhr fort. „Sie wissen so gut wie ich, dass der Captain falsche Entscheidungen trifft, die uns alle das Leben kosten könnten. Haben Sie schon gehört, was Price und Frasier zugestoßen ist?“ Wieder fiel er in den verschwörerischen Tonfall.<br>  Das erregte aber Ardevs Aufmerksamkeit. „Was meinen Sie?“<br>„Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund Ardev“, Land sah ebenso fragend wir der Andorianer zu Woil.<br>„Bird hat sie aufgesucht, als beide in Price Quartier waren. Vor dem Quartier hat er Wachposten postiert. Nur Lewinski hat den Raum noch betreten.“<br>  Ardev trat näher zu ihm, um nicht so laut sprechen zu müssen. Er wusste, dass er jetzt etwas zu hören bekam, das nicht für alle Ohren bestimmt war. Gleichzeitig sah er alle Techniker aus einem neuen Blickwinkel. Beobachteten Sie ihn? Wieso hatte er heute noch nicht einen einzigen Moment verbracht ohne von einem Techniker beobachtet werden zu sein?<br>  War das Zufall?<br>  Er schob die Gedanken beiseite und versuchte Woil zu folgen. „Was wollen Sie damit sagen?“<br>„Das was ich Ihnen eben berichtet habe, ist vor drei Stunden passiert. Haben Sie Price und Frasier seither gesehen?“<br>  Wieder sprach er mit diesem Unterton, von dem Ardev einen Gänsehaut bekam. Nur zögerlich erinnerte er sich an die letzten drei Stunden. Zuerst überdachte er die Option jetzt einfach zu gehen, ohne auf Woils Chimären zu achten. In der Tat, musste er nach einigen Sekunden feststellen, hatte er Price und Frasier schon lange nicht mehr gesehen. „Nein, ich habe sie nicht gesehen. Aber das muss nichts bedeuten.“<br>„Wissen Sie, was es für mich bedeutet?“ Woil ließ die obligatorische kurze Pause, die nach jeder Frage folgte, auch wenn man sie danach selbst beantwortete. „Price sah die Angelegenheit so wie ich. Damit stand er nicht im Einklang des Kommandanten und war damit ein instabiles Element in seiner Autorität.<br>  Frasier hat sich schon immer auf Price Seite geschlagen. Zusammen bildeten sie eine Front, gegen die der Captain im Ernstfall keine Chance gehabt hätte. Also hat er Bird, seinen neuen Liebling, dazu beauftragt...“ Ardev stand regungslos da und wartete gespannt auf Woils Schlussfolgerung. „...die Front aufzulösen.“<br>  Ardev hätte gelacht, wenn Woils Miene nicht einem kalten Gebirgszug geglichen hätte. Er war in der Tat total von seinen Worten überzeugt.<br>„Ich weiß, was Sie jetzt denken. Sie überlegen, ob es sein kann, dass ich komplett übergeschnappt bin, ist es nicht so?“<br>„Der Gedanke ist mir in den Sinn gekommen“, antwortete Ardev wahrheitsgemäß.<br>  Woil nickte kurz. „Das ist kein Problem. Kontakten Sie Price und wir vergessen das hier sofort.“<br>  Wieder überlegte Ardev. Wenn etwas mit Price und Frasier nicht stimmte, wieso sollte der Captain dies dann verschweigen? Doch nur dann, wenn er selbst etwas damit zu tun hatte. Auf jeden Fall würde er ab jetzt mehr auf die Gerüchte hören, die auf dem Schiff kursierten. Also traf er eine Entscheidung.<br>  Schnell drehte er sich wieder um und ging in Richtung Ausgang. „Danke für die Infos über den Deflektor Chief, ich werde ihn wohl selbst reparieren.“<br>„Ardev!“ schrie der Chef quer durch den Maschinenraum. Der Andorianer blieb darauf hin in der Tür stehen, ohne sich umzudrehen.<br>„Wo wollen Sie stehen? Lewinski hat eben erst begonnen. Und Sie wissen, dass der Captain durchzieht, was er beginnt“, er ließ ihm eine kurze Pause, bevor er Ardev die logische Folgerung vorschlug. „Wenn Sie nicht allein da stehen wollen, haben Sie hier ein Hafen, den Sie ansteuern können.“<br>  Ardev wandte sich noch einmal Woil zu. Lachend stand er in der Raummitte und deutete mit großen Gesten auf seinen „Hafen“. Ardev musste sich eingestehen, dass diese Option zu gut klang, um sie jetzt schon abzulehnen.<br>  Also nickte er und verließ darauf hin schnell den Maschinenraum. Mit großen Schritten trat er in eine dunkle Ecke im Korridor. Dort atmete erst einmal kräftig durch und rief sich diesen Zwischenfall in Erinnerung. Wem oder was hatte er da eben zugestimmt?<br>  Zurzeit jagten so viele Dämonen durch seien Kopf, dass er nicht mehr klar denken konnte. Und diesem, wie er selbst zugeben musste, malträtierten Gehirn fiel auf, dass Woil nur von Tatsachen und Beobachtungen berichtet hatte. Sowie von einer Schlussfolgerung, die soviel Sinn machte, wie alles andere.<br>  Wieso hatte sich Lewinski für Birds Plan entschieden?<br>  Seiner wäre ebenso effektiv und ebenso erreichbar gewesen. Was war dran an seiner Theorie?<br>  In der Tat liefen viele Koordinierungsarbeiten über Bird. Vor zwei Stunden waren noch mehr Pläne und Arbeiten auf Birds Posten übertragen worden. Und einer seiner Offiziere hatte berichtet, dass der Captain seit Stunden nicht mehr sein Quartier verlassen hatte, mit Ausnahme des Vorfalls, den Woil eben geschildert hatte. Zudem hatte der Captain ausdrücklich angeordnet, dass er in den nächsten Stunden nicht gestört werden möchte. Selbst nicht für dringende Fälle.<br>  Was machte der Captain so lange in seinem Quartier?<br>  Also tat Ardev das einzige, das ihn jetzt noch überzeugen konnte. <br>  Er stellte eine Frage, die alle anderen beantworten konnte.<br>„Computer, wo befindet sich Commander Price?“<br>  Die Wartezeit bis zur Reaktion des Computers dehnte sich zu einer Unendlichkeit.<br>„Diese Information ist nicht verfügbar“, lautete die schlichte Antwort. Es war das letzte Teil in Woils Puzzle. Und das Bild war so deutlich zu sehen, dass er eines begriff: Price durfte nicht umsonst gestorben sein!</p><p align="justify"><strong>Tag 5, 13:23 Uhr Bordzeit der U.S.S. Monitor</strong></p><p align="justify">Als Woil die Brücke betrat, waren Ardev und Bird die einzige Führungsoffiziere, die zurzeit auf der Brücke Dienst taten. Ansonsten waren nur wenige Positionen besetzt, da die meisten Offiziere immer noch mit Reparaturen beschäftigt waren oder versuchten, etwas Ruhe und Schlaf zu finden. Ardev saß an seiner wissenschaftlichen Station und Bird saß auf dem wichtigen Stuhl in der Mitte. Allerdings war er viel zu tief in die Daten eines PADDs versunken, als dass er irgendjemanden auch nur annähernd hätte bemerken können. Und wenn er es doch tat, was aufgrund seiner hervorragenden Ausbildung durchaus sehr wahrscheinlich war, dann nur aus seinen Augenwinkeln und nur für den Bruchteil einer Sekunde.<br>  Der Chefingenieur war durchaus über den Zustand der Brücke überrascht. Sie war hell erleuchtet und alle Systeme schienen einwandfrei zu funktionieren. Sie wirkte, als wäre nie etwas geschehen.<br>  Als Ardev den Antosianer bemerkte nickten sie sich stumm zu. Jeder von Ihnen verstand unmittelbar, in welcher Beziehung sie sich befanden und in welchem Zustand.<br>  Schnurstracks setzte sich Woil an die technische Station. Mit einem einfachen Tastendruck aktivierte er sie und lud sich die neuesten Informationen auf den Schirm. Während er wartete griff er in sein Haar und nahm den Haargummi heraus. Mit vorsichtigen und gewohnten Handgriffen, fuhr er sich durchs Haar und schüttelte etwas, damit es in perfekter Art und Weise fiel und damit praktisch die gesamte Schulterpartie seines Rückens bedeckte.<br>  Nachdem er sich somit seelisch etwas befreit hatte, war er bereit die neuesten Daten zu lesen. Als er alle neuen Schiffsinterna durch hatte wurde ihm klar, wie er versagt hatte. Viel zu lange hatte er dem Treiben an Bord dieses Schiffes schon zugesehen, ohne etwas zu unternehmen. Ohne auch nur ansatzweise dafür zu sorgen, dass das Schiff gerettet wurde.<br>  Zudem hatte Price versagt.<br>  Es war keine Untersuchung eingeleitet worden, kein Indiz für die Bereitmachung eines Wissenschaftlerteams, dass die Fehlfunktion des Navigationssystems untersuchen sollte. Der Captain hatte Price rechtzeitig beiseite schaffen können, so dass er seine Pläne ohne Störung fortzuführen vermochte. Doch jetzt würde er es mit dem ultimativen Hindernis zu tun bekommen, das er haben konnte.<br>  Jozarnay tippte eine Information in seine Konsole ein, die an alle „seiner“ Leute gesandt wurde. Sie beinhaltete nur ein simples Wort: Jetzt.<br>  Ein lächeln lag auf seinen Lippen, das über seine Anspannung hinwegtäuschte. In Wirklichkeit tobte in ihm der größte Nervenkrieg seines Lebens. Eine Meuterei war viel mehr als man es sich zu Zeiten eines Kadetts noch vorstellte. Es war der Bruch jeder Regel, jedes Prinzips, welche man auf der Akademie erlernt hatte.<br>  Doch in diesem Moment fühlte er sich siegessicher. Er wusste, dass er zum Wohl des Schiffs handelte. Denn egal wie es weiterging, schlimmer wie es jetzt war, konnte es nicht werden. Es gab zu viele Geheimnisse, Rätsel und Mysterien, die die Crew beunruhigten. Ein für alle Mal mussten diese beseitigt werden.<br>  Und dies alles nur wegen eines falschen Kurses.<br>  Ich tue dies nur, um alle an Bord zu retten, sagte er sich immer wieder.<br>  Doch im Grunde wusste er nicht, ob seine Selbstsicherheit von dieser Überzeugung oder vom Ketracel Weiß stammte. Er wusste nur, dass er es schaffen konnte. Er hatte schon so vieles geschafft.<br>  Vielleicht war jetzt und hier die Zeit gekommen, seine wahren Qualitäten als Führungspersönlichkeit erkennen zu lassen.<br>  Langsam drehte er sich und blickte so zu Ardev, der ihm auf der Brücke genau gegenüber saß, dass er Bird den Rücken zugewandt hatte. Ardev schien zu spüren, was sich gerade abspielte.<br>  Auch er drehte sich um und sah mit großen Augen zu Woil. Ihm war die Unsicherheit regelrecht auf die Stirn geschrieben. Und seine beiden Antennen dienten als Leuchtreklame.<br>  Doch Woils ernster Blick ließ ihm kein Entkommen, stumm sprach er dabei das Wort „Jetzt“ in seine Richtung. Ardev hatte es natürlich verstanden.<br>  Geschockt über diese Entscheidung, richtete er seinen Blick zum Boden und wartete auf den ersten Schritt des Chefingenieurs.<br>  Der stand kraftvoll auf und trat vor Bird, der immer noch in sein PADD versunken zu sein schien.<br>„Was gibt es Chief?“, fragte Bird dann plötzlich. Natürlich hatte er bemerkt, dass Woil da war.<br>„Übergeben Sie mir das Kommando des Schiffes“, forderte er ernst.<br>  Diese Worte veranlasste Bird dann doch, seinen Kopf zu heben und Woil genau zu mustern. Äußerlich blieb er zwar ganz locker, doch innerlich spannte sich jeder Muskel an, den er hatte. „Das steht nicht in meiner Macht Chief und das wissen Sie.“<br>„Veranlassen Sie, dass der Kurs geändert wird“, forderte Woil wieder und hatte spätestens jetzt die vollkommene Aufmerksamkeit aller Offiziere auf der Brücke. Die Spannung hierbei war deutlich in jeder Ader jedes einzelnen zu spüren.<br>„Ich sehe erstens keinen Grund dafür und zweitens muss auch das der Captain entscheiden“, antwortete Bird wieder so locker, wie es ihm möglich war. Schließlich wollte er die Spannung um ihn herum nicht noch zusätzlich erhöhen.<br>„Wenn wir nicht sofort den Kurs ändern, werden uns höchstwahrscheinlich die Vorräte ausgehen. Sie wissen, was dies bedeutet“, kommentierte Woil.<br>„Da die Navigationscomputer immer noch nicht richtig arbeiten, kann ich es nicht verantworten einfach so einen neuen Kurs einzugeben. Dieser könnte unsere Situation noch verschlimmern. Sollten wir aber Raumbasis 185 nicht zur geplanten Zeit erreichen werden wir über einen neuen Kurs sprechen, darauf gebe ich Ihnen mein Wort.“<br>  Woil grinste. Bird gab ihm sein Wort. Das Wort eines Lewinski Anhängers konnte nur ein Lüge sein.<br>„Commander Bird, ich setzte Sie hiermit in Kenntnis, dass ich nicht mit dem momentanen Führungsstiel einverstanden bin. Da ich keine Anzeichen dafür erkennen kann, dass sich dieser in naher Zukunft ändern wird und ich der Ansicht bin, dass dieser eine Gefahr für das Schiff und die Crew darstellt, werde ich als Mitglied der Sternenflotte dafür sorgen, dass diesen guten Frauen und Männern nichts geschieht.<br>  Hiermit übernehme ich das Kommando über die USS Monitor.“<br>  Woils Prolog war in der Tat protokollgerecht. Offenbar hatte er sich genauestens informiert. Alle Offiziere auf der Brücke konnten nichts anderes tun als mit offenem Munde starren.<br>  Schnell drehte sich Woil um und wandte sich dem Steuermann, Nick Locarno, zu. „Mr. Locarno, wenden Sie das Schiff und bringen Sie uns auf Kurs 180,0.“<br>  Doch Locarno reagierte nicht. Als wäre er versteinert saß er da und sah zwischen Bird und Woil hin und her. Während seiner Zeit als Kadett hatte er schon einigen großen Ärger angestellt, aber im Moment fühlte es sich nach einem so großen Ärger an, dass er sich da lieber raushielt.<br>„Mr. Locarno, folgen Sie meinem Befehl!“, schrie Woil. Nachdem er sich so lange unter Kontrolle hatte halten können, kam nun sein wahrer Gemütszustand zum Tageslicht.<br>„Mr. Woil, es wird keine Meuterei stattfinden“, Bird saß immer noch locker in seinem Stuhl.<br>„In diesem Moment übernehmen alle diejenigen, die auf meiner Seite stehen, die wichtigsten Positionen auf dem Schiff. Sie werden bemerken, dass Sie das unvermeidliche durch ihr Gerede nur hinauszögern, aber auf keinen Fall aufhalten können. Denn es hat schon begonnen...“<br>  Müde sah Bird zu Woil und überdacht seine Worte. Wie konnte er es ihm nur schonend beibringen? Als er feststellte, dass dies unmöglich war, sprach er einfach. „Sie hat nicht begonnen. Ich habe die Nachricht, die Sie an alle Stationen geschickt haben abgefangen. Niemand außerhalb dieses Raumes weiß, was gerade geschieht.“ <br>  Bird ließ Woil Zeit diese Information zu verarbeiten. Sein Gesicht blieb einen Weile lang steinern. Doch nach und nach fiel es in sich zusammen. „Sie haben mich in eine Sackgasse laufen lassen“, stellte er schließlich fest.<br>„So ist es. Und hier endet sie.“ Bird sprach immer noch in einem lockeren Tonfall. Wie, als wäre der Phaser auf seinem Schoß gelegen hatte er einen parat und zielte damit auf Woil. „Chief, Sie sind hiermit festgenommen.“<br>  Woil schüttelte allerdings nur den Kopf und lachte wieder. „Sie verstehen es nicht Bird“, begann er, mit einem sehr verschwörerisch klingenden Tonfall. „Die Meuterei hat schon vor fünf Tagen begonnen. Weder Sie noch Lewinski sind in der Lage sie aufzuhalten. Und wenn Sie meinen, dass Sie mich töten müssen, um dies zu schaffen müssen Sie das tun. Denn freiwillig werde ich nicht aufgeben. Außerdem...“ Woil drehte sich herum und sah zu Ardev, der auf den stummen Befehl hin aufstand und neben den Antosianer stand. „...reicht die Meuterei tiefer, als Sie denken.“<br>  Geschockt sah Bird zu Ardev. Jetzt fiel auch seine Schutzhülle der Lockerheit. Wie in Trance stand er auf. Vielleicht hatte er die Hoffnung, so die Situation besser überblicken zu können oder neue Möglichkeiten zu entdecken, doch damit war er einem Trugschluss erlegen.<br>„Sie müssen schon uns beide töten. Jetzt werden wir in der Tat sehen, aus welchem Holz Sie geschnitzt sind.“ Woil blickte triumphierend zu Bird, der immer noch geschockt vor Ihnen stand. Und gerade, als er dachte, das es nicht schlimmer kommen konnte, trat Ardev vor und nahm ihm den Phaser ab.<br>  Der Andorianer warf einen kurzen Blick auf die Anzeige. Er beließ die Intensität der Waffe bei einem leichten Betäubungseffekt.<br>  Ardev atmete tief. Seine Antennen legten sich etwas nach hinten, was bei jedem Andorianer auf große Anspannung hindeutete. Ohne auch noch eine weitere Sekunde zu überlegen drehte er sich wieder zu Woil und hob den Phaser.<br>„Es wird keine Meuterei stattfinden“, wiederholte Ardev Birds Worte und hatte damit die größte Überraschung des Tages auf seiner Seite. „Diese Aktion ist mehr als nur unangebracht. Sie zeugt vor allem von... Schwäche.“<br>  Enttäuscht sah Woil zu ihm. Vorsichtig trat er ein, zwei kleine Schritte auf ihn zu und sprach so eindringlich, wie es ihm möglich war. „Sie wissen, wie Verrat auf diesem Schiff bestraft wird.“<br>  Ardev wusste, dass Woil damit auf ihr Gespräch in den frühen Morgenstunden hinwies. Nervös sah er zu ihm und spürte Birds Blick im Nacken.<br>„Sie hätten es nicht so weit kommen lassen sollen Ardev“, sein Unterton hatte nun mehr etwas Furchterregendes in sich. Etwas geradezu Teuflisches. „Ich werde dies auf kein Fall tun.“ Woil nutzte einen kurzen Moment von Ardevs Unachtsamkeit aus, um ihn anzugreifen. Gestützt durch den Überraschungsmoment schaffte er es, Ardev von hinten mit der einen Hand an der Kehle festzuhalten und mit der anderen Hand an einem seiner Antennen.<br>  Dessen einzige gute Reaktion bestand darin, den Phaser in Birds Richtung fallen zu lassen. Der hatte zwar blitzschnell reagiert und sich den Phaser wieder angeeignet, doch es war nicht schnell genug geschehen.<br>  Als er mit der Strahlenwaffe zielte, war Ardev schon schmerzgequält (Die Antennen sind ja die mitunter empfindlichsten Körperstellen eines Andorianers) in Woils Gewalt.<br>„Werfen Sie sofort die Waffe weg oder ich töte ihn.“ Woil meinte es todernst. Und Bird wusste, dass er seine Drohung wahr machen würde, wenn er nicht schnell reagierte.<br>„Hören Sie, es gibt eine Lösung...“, versuchte Bird zu beschwichtigen.<br>„Drei...“, zählte Woil.<br>„Chief, Sie erreichen damit gar nichts“, erklärte Bird und sah Ardev flehenden Gesichtsausdruck. Die Schmerzen schienen furchtbar zu sein.<br>„Falsch, Sie erreichen damit gar nichts. Zwei“, entgegnete Woil trocken.<br>„So seien Sie doch vernünftig. Ich verspreche, dass Ihnen nichts geschehen wird. Kein Militärgericht, gar nichts“, schlug Bird vor, doch er stieß damit nur auf taube Ohren.<br>„Eins“, zählte Woil. Und daraufhin schien alles wie in Zeitlupe abzulaufen.<br>  Bird und Woil reagierten beinahe gleichzeitig. In einer unglaublich schnellen und präzisen Bewegung griff Woil einmal an Ardevs Hinterkopf und einmal an sein Kinn.<br>  Als ihn der Phaserstrahl traf wirkte dieser wie ein Katapult, der den begonnenen Dreheffekt noch verstärkte. <br>  Beide fielen zu Boden.<br>  Doch während Woil mit dem sicheren Gedanken, dass die Meuterei nun endlich begonnen hatte, in die Bewusstlosigkeit entschwand, entschwand Ardev für immer in die dunkle Leere des Kosmos.</p><p align="justify"> Der Korridor war leer. So leer wie er noch nie seit dem Bau des Schiffes. Und diese Leere konnten auch nicht John Lewinski und Danny Bird füllen. Sie wirkten noch leerer wie das Schiff.<br>  Danny Birds Augen wirkten müde. Dabei war seit dem Zwischenfall auf der Brücke keine Stunde vergangen. Doch er hatte mit einem mal tiefe Augenringe und auch John Lewinski bewegte sich so träge, als sei er eine Marionette.<br>„Sind alle Unteroffiziere arretiert?“ Lewinski kam es einen Moment lang so vor, als würde seine Stimme ein Echo erzeugen. Doch sicherlich existierte dies nur in seiner Einbildung.<br>„Ich habe alle vorgesehene Empfänger von Woils Nachricht ermitteln können“, antwortete Bird müde. Schnell rieb er sich die Stirn und wischte sich etwas Schweiß von ihr ab. Vor wenigen Minuten hatte er sogar seine Uniformjacke geöffnet. Doch der eigentlich leichte Stoff hing so schwer an seinem Körper herab, dass er nicht aus dem Schwitzen heraus kam. „Meine übrigen Männer haben alle schnell und sicher in ihren Quartiere arretieren können.“<br>„Wie viele?“, fragte Lewinski. Man konnte beinahe Angst in seiner Stimme spüren.<br>„28“, antwortete Bird knapp.<br>  Lewinski rechnete schnell durch. 51 Personen dienten auf dem Schiff. Wenn man jetzt noch drei Tote abzog und die 28 Eingesperrten blieben nur noch 20 Offiziere übrig.<br>„Wir sind Ihnen weit unterlegen.“, seufzte der Captain.<br>„Wenn wir es bis zur Raumbasis schaffen...“<br>„Lassen Sie uns morgen darüber reden. Im Moment müssen wir erst einmal die Situation etwas in den Griff bekommen.“ Lewinski dachte einen kurzen Moment nach. „Wo ist Woil?“<br>„Ich habe ihn in sein Quartier bringen lassen. Er ist noch eine Weile ruhig gestellt und dürfte keine Probleme machen...“<br>„Geht es Ihnen gut Danny?“ Lewinski blickte besorgt zu Bird. Er wirkte in der Tat auch etwas fahl im Gesicht.<br>„Ja“, log er und stützte sich mit kurz an der Wand ab. „Ich muss nur kurz eine Pause einlegen.“<br>  Lewinski drehte sich zu ihm. „Ich weiß, dass es Ihnen kein Trost sein wird. Aber Sie haben richtig gehandelt. Sie tragen keine Schuld Danny.“<br>  Mit glänzenden Augen sah er zu seinem Captain. „Ich habe so viel verloren in den letzten zwei Tagen. Und jetzt müssen wir das noch...“<br>„Ich kann auch alleine zu Arena. Ruhen Sie sich aus.“<br>  Bird sah hinab, auf seine Hand, als wäre sie etwas Neues, das er noch nie gesehen hatte. Mit etwas aufgesetztem Elan richtete er sich zu (fast) alter Größe auf und schloss seine Jacke wieder. „Nein. Ich muss das machen. Für Ardev.“</p><p align="justify"> Arena hatte noch bis vor wenigen Minuten tief und fest geschlafen. Sie hatte gerade einen Happen gegessen und wollte sich für ihre Schicht fertig machen, als Sie von Lewinski und Bird besucht wurde. Allein der Besuch an sich war Grund genug um ihr die Tränen in die Augen zu treiben, denn man musste kein Telepath sein um schlechte Nachrichten zu spüren.<br>  Jetzt saß sie den beiden Herren gegenüber zitterte wie Espenlaub.<br>„Es tut mir Leid Arena. Ardev war ein guter Mann, einer der Besten, den ich kannte.“ Lewinskis Beileid war nicht einfach nur eine standardisierte Formulierung. Er hatte mehr als nur einen Offizier verloren. Ardev war ein junger Grünschnabel gewesen, als er die Monitor zum ersten Mal betreten hatte. In den letzten Jahre hatte er sich zu einem erfahrenen, besonnenen und seriösen Offizier gemausert.<br>  Arena sah zu Boden. Nervös kaute sie auf den Fingernägeln ihrer rechten Hand. Lewinski fand, dass sie es sehr gut aufgenommen hatte. Bisher war sie auf jeden fall noch nicht in Hysterie oder Zorn ausgebrochen. „Wie ist es geschehen?“<br>„Er erlag einem Genickbruch“, antwortete Lewinski.<br>„Er war sofort tot, Arena. Er musste gewiss nicht leiden“, fügte Bird hinzu.<br>  Vorsichtig, als wollte sie nichts verletzen, schüttelte sie ihren Kopf. „Verzeihen Sie mir, wenn ich keinen Trost in ihren Worten finde“, flüsterte sie. Und wäre diese Situation nicht so trostlos gewesen, hätte Bird jetzt gegrinst. Nicht einmal ihm hatten seine Worte etwas Trost gegeben. Er hatte sie sich selbst nur immer wieder eingeredet, als er Ardev zu seiner letzten Ruhe gebettet hatte, direkt neben die Leichen der anderen. Inzwischen hatten sie sogar für ihn einen hohlen Klang.<br>„Wir haben noch einige Tage Flug vor uns, bis wir Raumbasis 185 erreichen. Ruhen Sie sich aus. Falls Sie etwas benötigen, rufen Sie mich oder Mr. Bird“, schlug Lewinski vor und sah ihr dabei tief in die Augen. Für ihn war es in diesem Moment schwer zu erahnen, was sie fühlte. Da sie eine Art Mauer um sich errichtet hatte, konnte er nur raten. Doch sie durfte sich ruhig um einiges schlechter fühlen als er.<br>  Und er machte schon die Höhle durch. Welche Qualen würde dann erst sie leiden?<br>„Danke Sir“, entgegnete sie höflich.<br>  Lewinski nickte knapp und verließ dann zusammen mit seinem Sicherheitsoffizier das Quartier.<br>  Als sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, standen sie in einer anderen Welt.<br>„Also gut Mr. Bird“, begann Lewinski mit seinem eher zaghaft wirkenden Versuch, die Stimmung wieder etwas aus dem Keller zu holen. „Machen wir uns wieder an die Arbeit. Ich will wenigstens wieder einige Systeme betriebsbereit haben, wenn wir Raumbasis 185 erreichen.“<br>  Bird bestätigte die Worte knapp. Wenigstens hatte er etwas zu tun. „Ich bin im Maschinenraum“, entgegnete er und ging einige Schritte den düsteren Korridor hinunter.<br>„Mr. Bird.“<br>  Bird blieb abrupt stehen, als er die Stimme seines Captains vernahm. Langsam drehte er sich nochmals zu ihm um. „Ja Sir?“<br>„Jetzt kommt es ganz auf uns beide an. Uns allein.“<br>  Lewinski hatte keine Ahnung, wieso er diese Worte gesprochen hatte. Schließlich wirkten sie weder beruhigend noch fröhlich. Im Gegenteil. Sogar er fühlte sich schlechter als er sie gesprochen hatte. Und was Bird fühlte stand im praktisch auf der Stirn geschrieben.<br>  Mit glänzenden Augen drehte sich Lewinski um und betrat schnell den nächsten Turbolift.<br>  Danny Bird sah dagegen noch eine Weile zu Boden, bis er begriff, dass er nur etwas an der Situation ändern konnte, wenn er sich jetzt wach hielt und sein Verstand klar blieb.<br>  Zum ersten Mal in seinem Leben war dies schwerer, als er es sich vorgestellt hatte.</p><p align="justify"><strong>Tag 17, 6:15 Uhr Bordzeit der U.S.S. Voyager</strong></p><p align="justify"> An diesem Morgen hatten sich Chakotay, Land und Kalen im Bereitschaftsraum des Captains versammelt. Über ihnen, in dem riesigen Fenster, thronte der ihnen unbekannte Planet, dem nun schon das zweite Sternenflottenschiff zum Opfer gefallen war.<br>  Commander Land hatte soeben seinen Bericht vom eben erlebten Tag auf der U.S.S. Monitor berichtet. Geschockt hatte Chakotay die Worte über die beginnende Meuterei auf dem kleinen Schiff vernommen. Sie glichen den Geschehnissen hier bis aufs Haar.<br>„Ich habe vor einer Stunde die ersten Offiziere in ihre Quartiere sperren müssen. Und ich weiß nicht, ob dies eine so kluge Entscheidung war. Einerseits habe ich einige Störenfriede weniger, andererseits werden sie andere nach sich ziehen.“ Ernst sah er in die Gesichter der beiden Männer. „Wir verlieren die Kontrolle. Langsam aber sicher.“<br>  Land schluckte schwer. Durch die Tatsache, dass er das Ende einer Meuterei eben erlebt hatte, schockierte ihn zutiefst. Gleichermaßen bekümmerte es ihn auch.<br>„Dazu kommt, dass Commander Barclay praktisch keine Fortschritte melden kann. Es scheint, als würden die Gesetze der Physik hier nicht herrschen.“<br>„Wie meinen Sie das Sir?“, fragte Land.<br>„Nehmen wir zum Beispiel die Kommunikation. Die Anlagen sind perfekt. Trotzdem haben wir schwerwiegende Fehlfunktionen bei ihnen. Reg kann sie nicht erklären.“ Chakotay sah zu Kalen. „So langsam läuft seine Stimmung auf Grundeis. Ich weiß nicht einmal, ob ich ihm noch trauen kann, sollte eine Meuterei beginnen.“<br>„Ich habe dagegen etwas herausgefunden. Über diese Anomalie.“ Gebannt lauschten die beiden Kommandanten dem Schiffsberater. „Sie beeinflusst die Gefühle. Sie verstärkt sie geradezu. Jede Emotion, die man erlebt, wird gefestigt und zu einer Triebfeder des Handelns.“<br>  Land begriff. Er hatte zwar zuerst an ein Phänomen wie in der Delphic-Ausdehnung geglaubt, doch Kalens Worte machten mehr Sinn. Er sprach seine Gedanken laut aus. „Wenn Woil Zweifel hatte an dem ausgeführten Rettungsplan, festigte sich dieses Gefühl soweit, dass er eine Meuterei antrieb. Telloms Trauer über Ardevs Tod wurde ebenso verstärkt, bis zum Kollaps ihrer Synapsen...“<br>„...und Birds Durchhaltewillen ließ ihn mehr überstehen, als ein Mensch verkraften kann. Was sich jetzt rächt“, vollendete Kalen die Diagnose.<br>„Müsste dann jetzt nicht wieder sein Durchhaltewillen die Kontrolle übernehmen?“, fragte Chakotay.<br>  Kalen schüttelte den Kopf. „Nicht unbedingt. Nachdem, was er durchlebt hatte, machte sich in ihm das Gefühl der Resignation und Hoffnungslosigkeit breit. Dieses wird im Moment verstärkt. Wahrscheinlich ist sein Durchhaltewillen immer noch da und wird auch verstärkt und wir verdanken es ihm, dass er noch nicht tot ist.“<br>  Chakotay lehnte sich auf den Schreibtisch. Er fühlte sich gar nicht so, als ob seine Gefühle beeinflusst wurden, in irgendeine Richtung. Aber vielleicht wurde auch genau dieser Gedanke verstärkt und der Einfluss auf ihn wirkte nicht negativ sondern positiv. Schnell brach er diese Gedankenspiele ab. Er bekam Kopfschmerzen davon. Im Moment durfte er nur daran denken, sein Schiff aus dieser Anomalie zu bringen. Er wandte sich wieder an Land.<br>„Commander, Reg hat mir gemeldet, dass er jetzt viel schneller mit dem Decodieren vorankommt. Er müsste den nächsten Tag bald parat haben. Ich muss Ihnen nicht sagen, dass die Zeit drängt.“<br>  Land schüttelte den Kopf. „Nein, gewiss nicht.“<br>„Halten Sie das auch durch?“<br>  Kalens und Lands Blick trafen sich für einen kurzen Moment. „Ja Sir, ich halte durch“, antwortete Land. Ich muss durchhalten.<br>„Dann wäre für den Moment alles gesagt. Sie versuchen herauszufinden, wie wir das Schiff retten und ich versuche, dass Schiff bei mir zu behalten.“</p><p align="justify"><strong>Tag 4, 09:17 Uhr Bordzeit der U.S.S. Monitor</strong></p><p align="justify"> Der letzte Tag mochte noch so gut geendet haben, der heute begann mit einem großen Berg Arbeit und noch mehr Problemen für Matthew Price.<br>  Wegen der vielen Schäden war auch er eingeteilt worden, einige der Schäden zu reparieren. Für ihn stand zwar nichts Schwieriges auf dem Plan, jedoch erforderte jede Art von technischer Arbeit natürlich sehr viel Konzentration.<br>  Im Moment stand er gerade im Eingangsbereich einer Jeffriesröhrenkreuzung. Röhren verliefen von hier aus waagrecht nach links und recht, sowie senkrecht von oben nach unten. Price trat an die Röhre, die nach rechts verlief und sah auf die Nummer, die auf ihr aufgedruckt war. Schnell stellte er fest, dass es die falsche war und begab sich zur gegenüberliegenden Röhre. Mit einem einfachen Tastendruck öffnete er die Luke und kletterte hinein.<br>  Einmal mehr musste er feststellen, dass er zum Teil auch kommandierender Offizier geworden war um nicht täglich durch Jeffriesröhren kriechen zu müssen. Jetzt hatte er sogar noch einen kleinen Koffer dabei, indem die Ersatzteile verpackt waren. Zudem musste er hinnehmen, dass das Gitter am Boden der Röhre empfindlich in seinen Handflächen schmerzte.<br>  Zum Glück dauerte dieser Weg nicht lang, dann erreichte er sein Ziel. Es war ein kleiner Raum. Ähnlich dem Eingansbereich. Die Röhre verlief auf der Gegenseite weiter. Sonst war in dem Würfel viel technisches Material zu sehen. Eine Unmenge an Kabeln, Mechanismen und Energie war in diesem Raum versammelt um zu allen Teilen des Schiffes weiter geleitet zu werden.<br>  Land war seinem ehemaligen Kommandanten stumm gefolgt. Wieder mal hatte er einen kleinen Schreck bekommen, als er ihn sah. Doch seine Anwesenheit konnte nun den Schluss zur Folge haben, dass sein Leben heute enden würde. Land setzte sich an das Ende der Jeffriesröhre und beobachtete den Halbbetazoiden.<br>  Price Aufgabe bestand darin noch einige kleine Komponenten für Subsysteme auszutauschen. Genau sah er sich in diesem Raum um und fand nach einigen Minuten schließlich die Kontrolleinheit, in der er arbeiten musste.<br>  Der Erste Offizier legte seinen Koffer auf den Boden, öffnete ihn und sah sich die darin befindlichen Teile genau an. Schließlich nahm er sich einen isolinearen Chip heraus und wandte sich wieder der Kontrolleinheit zu. Einen Moment lang suchte er noch nach dem richtigen Chip in der angeschwärzten Einheit.<br>  Seine Hand befand sich nur einen knappen Zentimeter davor, als er von einem starken Ruck nach hinten und auf den Boden gezogen wurde.<br>  Nach einem kurzen Moment der Verwirrung sah er Fähnrich Rushing, die ihn fest umklammert hielt.<br>„Fähnrich Rushing, was haben Sie da...?“<br>  Die junge Frau sah ihn lachend an. Nachdem sie ihn weggezogen hatte, war sie auf ihn gefallen und beeilte sich jetzt nicht gerade damit, sich schnell wieder von ihm zu erheben.<br>„Diese Wand wurde noch nicht entpolarisiert. Hätten Sie sie berührt... 2000 Volt.“<br>  Erschrocken sah Price erst zur Wand, dann an sich herab und zuletzt zu Rushing, die immer noch lächelnd zu ihm sah. „Oh, da hatte ich ja richtig Glück, dass Sie gerade auch hier waren.“<br>„Ich bin stets zu Diensten Sir. Schließlich will ja keiner von uns, dass diesem schönen Gesicht etwas geschieht.“<br>  Plötzlich wurde Price von einer großen Welle überrollt. Und selten hatte er ein Gefühl so klar erlebt. Sexuelles Verlangen.<br>  Möglichst schnell wollte er sich aus ihrem Griff befreien ohne es allzu abweisend aussehen zu lassen, doch die junge Frau hatte ihn so fest im Griff und in einer solch komplizierten Position, dass es sich sehr schwer für ihn herausstellte, aufzustehen. Und wenn er es versuchte riskierte er nur, dass einer von Ihnen verletzt wurde.<br>„Nun, da wollen wir beide wohl das Selbe“, scherzte Price um etwas von seiner Situation abzulenken. Und tatsächlich funktionierte es. Rushing lachte. Jedoch ließ sie sich nicht weit genug ablenken.<br>„Genau das liebe ich an einem perfekten Mann. Den richtigen Sinn für Humor.“<br>  Price beschloss eine andere Taktik zu starten. Es war Zeit, in die Offensive zu gehen.<br>„Wissen Sie, ich habe Ihnen nie gesagt, wie gern ich Sie um mir habe.“<br>Überrascht sah sie ihn mit großen Augen an. Sie konnte das unerwartete und – von Price aus – gelogene Geständnis kaum fassen. Noch bevor sie darauf reagieren konnte, setzte Price noch eins drauf.<br>„Ich weiß nicht, wie Sie das sehen, aber ich finde, dass wir das intensivieren sollten.“<br>  Wenn es denn noch möglich gewesen wäre, hätte sie ihre Augen in diesem Moment noch weiter geöffnet. „Commander, ich wusste ja nicht...“<br>  Zärtlich unterbrach er sie und legte seinen Zeigefinger auf ihren Mund. „Schhhh, sagen Sie jetzt nichts.“, flüsterte er ihr zu. Langsam ließ er seine Hand in ihren Nacken gleiten und zog ihren Kopf in seine Richtung. Gleichzeitig verringerte sie den Druck, mit dem er am Boden gehalten wurde. <br>  Land hörte ein leises Geräusch im Hintergrund. Offenbar entwisch irgendwo gerade etwas Druckluft. Vielleicht von einem Stabilisator oder einer kleinen Tür. Auf jeden Fall störte dieses Geräusch die Romantik in diesem Moment. Kopfschüttelnd vertrieb er diesen Gedanken. Dies war keine Schundholonovelle zum Thema Romantik. Es war das wirkliche Leben auf der Monitor. Also wandte er sich wieder Price und Rushing zu.<br>  Als sich ihre Lippen berührten wäre Price fast von den Gefühlen überrollt und mitgerissen worden, doch er besann sich auf seinen Plan. Wie sie, hielt er Rushing immer noch in der Gegend ihres Nackens. Für Price geschahen die Ereignisse Schlag auf Schlag, während für die junge Fähnrich Äonen verstrichen.<br>  Doch er musste diese schlagartig beenden.<br>  Mit einem vulkanischen Griff, dem wohl berühmtesten der gesamten Föderation, versetzte er sie in das Land Träume. Bewusstlos sank Rushing in Price starken Armen zusammen. Nichts auszudenken, was passiert wäre, hätte sie dies miterlebt. Vermutlich wäre sie aus Liebe zu ihrem ersten Offizier von sich aus bewusstlos geworden und in eine Ohmnacht gefallen.<br>  Schnell, aber immer vorsichtig, legte er die junge Frau auf den Boden der Kabine. Da sie einige Minuten bewusstlos bleiben würde, blieb ihm genug Zeit, zu verschwinden und die Wand entpolarisieren zu lassen, damit sie sich nicht selbst umbrachte, wenn sie erwachte und noch benommen versuchte, sich zu orientieren.<br>  Price nahm seinen Koffer und kroch so schnell, wie er es nie für möglich gehalten hätte durch die Jeffriesröhre zum rettenden Ausgang. Doch dahinter befand sich genau so wenig ein rettender Hafen. Dort lauerte ein Damokles Schwert. Mit den Hauptpersonen Lewinski und Woil.</p><p align="justify"> Das Gespräch der beiden Kommandanten hatte sich während der ersten 30 Minuten von, um es übertrieben auszudrücken, banalem gehandelt. Zuerst hatten sie vom Status der Reparaturen gesprochen. Lewinski hatte angemerkt, dass beinahe sämtliche Abteilungen hinter den Erwartungen zurück lagen. Je weiter hinunter man im Schiff kam, umso schlechter wurde es. Eine glänzende Ausnahme bildeten, wie Lewinski mit Stolz angemerkt hatte, die Brückenoffiziere. Die Brücke war von sich aus wieder vollkommen hergestellt. Jedoch funktionierte immer noch recht wenig, da die Techniker die Systeme eben nicht in Gang bekamen.<br>  Danach kam ein kurzer Plausch über den Zustand der Crew. Price hatte etwas beschönigend geantwortet, dass die Crew es schon schaffen werde. Lewinski ließ sich damit zufrieden stellen.<br>  Der Captain war an sich schon beim Ende des Gesprächs zwischen Ihnen, als Price sein Gespräch erst beginnen sollte um einen Balanceakt zu meistern.<br>„So, dann hätten wir alles durch. Wir sehen uns dann morgen wieder auf der Brücke.“<br>„Skipper, wir haben noch ein Problem“, platzte es aus Price heraus.<br>„Ach ja, was denn?“<br>  Für eine Umkehr war es jetzt zu spät. Price befeuchtete seine Lippen und begann. „Der falsche Kurs liegt an.“ Lewinski schüttelte den Kopf, als er diese Worte hörte und wollte schon etwas einwenden, doch Price ließ sich nicht aufhalten. „Woil hat mir neue Beweise vorgelegt. Sie sind alle stichhaltig. Zugegeben, nichts großes aber zusammen gesehen sind sie nicht widerlegbar. Woil ist...“<br>„Woil ist verrückt!“ Lewinski stand auf und lief um den Tisch. „Seit wir in dieser Anomalie waren ist er verrückt.“ Der Captain sprach mit leichten Ärger, aber auch Enttäuschung in seiner Stimme. „In letzter Zeit sieht er Gespenster, ist nicht mehr konzentriert und ich glaube, dass auch seine Arbeit darunter leidet.“<br>„Das ändert nichts an der Tatsache, dass wirklich der falsche Kurs anliegt.“<br>„Jetzt fangen Sie nicht auch noch an Commander“, wütend blickte er auf ihn herab. „Denken Sie doch mal darüber nach. Wer an Bord hat die Fähigkeiten und Mittel dem Schiff durch gefälschte Informationen zu täuschen?“<br>„Captain, ich verspreche Ihnen, dass Woil so etwas nicht nötig hat.“<br>„Woher wollen Sie das wissen? Der Chief ist in der Lage dazu. Und er hat dies genutzt um Sie von seinem Plan zu überzeugen.“<br>„Aber wieso sollte er so etwas tun?“<br>„Weil er mehr weiß als wir alle. Er will zurück zu dieser Anomalie. Gott weiß warum...“, mutmaßte Lewinski.<br>„Woil will nach Hause“, widersprach Price.<br>„Woil will uns töten!“<br>„Das ist doch Unsinn. Sie sollten sich mal reden hören. Ich frage mich ernsthaft, wer hier verrückt ist Skipper.“<br>  Auch Price war aufgestanden. Beide trennte nur wenige Zentimeter. Beide versuchten herauszufinden, was der andere vorhatte.<br>„Captain, ich hielt Sie bisher für einen weisen Mann. Einen einsichtigen und fairen Captain. Doch ich muss Ihnen jetzt sagen, dass Sie einen Fehler gemacht haben. Und dass Sie alles nur noch schlimmer machen, wenn wir nicht sofort den Kurs ändern. Woil hat Recht. Gestehen Sie sich das endlich ein Skipper.“<br>  Bei diesen Worten platzte Lewinski der Kragen. Mit einem lauten Schrei und einigen schnellen Handgriffen brachte er Price zu Fall und hatte seinen Unterarm an die Kehle des Überraschten gepresst.<br>„Solange ich der Captain bin, wird getan, was ich sage. Woil ist ein arroganter Unteroffizier, der keine Ahnung hat, was es bedeutet ein Schiff zu führen. Und Sie sollten mir jetzt besser einen guten Grund nennen, weshalb ich Sie nicht umbringen sollte. Ich habe endgültig die Schnauze voll von ihrer beleidigenden Art, wie Sie die ganze Zeit versuchen, meine Autorität zu untergraben um sich zurück an mein Kommando zu schleichen. Diese Bemühung wird hier enden, Maat.“<br><br>  Price hörte diese Worte wie in einem Traum. Langsam aber sicher setzte der Sauerstoffverlust ein.<br>„Er wird meutern.“<br>„Er wird keine Chance haben.“<br>„Nein, wenn ich sterbe schlägt er los“, krächzte Price. „Und es wird brutal sein."<br>  Lewinski ließ sich die Worte durch den Kopf gehen. „Dann haben Sie etwas mit der Meuterei zu tun?“<br>„Ja, ich kann sie aufhalten.“<br>  Schlagartig ließ Lewinski von Price ab und setzte sich an die Wand, während Price nach Luft keuchte.<br>  Er rappelte sich langsam auf und sah zum Captain. Noch immer drehte sich die Welt um ihn.<br>  Nachdenklich, sinnierend flüsterte er Price die letzten Worte zu, die er von ihm zu hören bekommen sollte. „Bisher habe ich immer darauf vertrauen können, dass Sie mein Sprachrohr sind. Jetzt wird sich zeigen, ob Sie wirklich in der Lage sind, ein Schiff zu führen, ein Schiff zu retten.“</p><p align="justify"> Der Weg zu seinem Quartier war lang. Noch immer zeigten sich Druckstellen auf seinem Hals, der vermutlich erst in wenigen Tagen wieder genesen sein würde. Doch mit der modernen Medizin sollte sich dies natürlich beschleunigen lassen.<br>  Als er sein Quartier betrat war schon ein Licht eingeschaltet. Es war die „Leselampe“ bei seinem Bett, die eben gerade genug Licht lieferte um in Ruhe einen letzten Bericht vor dem Schlafen gehen zu lesen.<br>  Natürlich wusste Price sofort, wer es war. Nicht nur weil er ihre Konturen oder ihren Duft sogar im Schlaf erkennen würde, sondern auch, weil er sie spürte. Tief in sich.<br>  Doch etwas war anders. Dieses Mal glichen ihre Emotionen einem kalten Windhauch. Plötzlich waren all seine Schmerzen vergessen. Alles schob er beiseite.<br>„Liz, was ist mit dir?“, fragte er ruhig.<br>  Die Antwort bestand aus einem Schluchzen.<br>  Land sah fragend zu der Person und erkannte in ihr Doktor Frasier. Die Art, mit der Price sie ansprach, die Sorge in seiner Stimme ließen nur einen Schluss zu. Zwischen beiden war mehr als nur Freundschaft.<br>„Liz...?“, versuchte er erneut und trat auf sie zu.<br>„Bleib da stehen!“ Die Wut in ihrer Stimme schockierte Price. Nie hätte er gedacht, dass sie je zu so etwas fähig sein konnte.<br>„Was...?“<br>„Ich dachte du bist anders“, begann sie leise, unglücklich. „Ich dachte wirklich, du wärst etwas Einmaliges. Mit dir hatte ich das Gefühl, die Zeit anhalten zu können. Und ich wünschte ich könnte es. Doch dazu bin ich nicht mehr in der Lage.“<br>„Was sagst du da? Ich verstehe es nicht.“ Price schüttelte den Kopf. Er fühlte sich im Moment genau so unglücklich. Die Welt um ihn herum brach zusammen, als er versuchte in ihre Augen zu sehen, die bisher so viel Hoffnung für ihn verhießen hatten.<br>  Frasier ließ einigen Sekunden verstreichen und wusch sich ihre Tränen ab. „Ich liebe dich, Matt. Von ganzem Herzen.“<br>  Mit dem hatte er am Wenigstens gerechnet. Was sollte jetzt noch kommen? „Und ich liebe dich.“<br>„Lüg mich nicht an!“, schrie sie.<br>„Das ist nicht gelogen. Du bist die wahre Liebe meines Lebens. Du bist mein Leben Elizabeth Frasier“, verteidigte sich der in die Ecke gedrängte Mann.<br>  Doch Frasier schüttelte nur den Kopf. Sie stand auf und stellte sich vor Price, bis etwa zwei Meter zwischen ihnen lagen. „Ich wollte dich heute Morgen überraschen. Als ich jedoch zu dir kam, sah ich dich in diesem Raum in den Jeffriesröhren. In den Armen der nächstbesten Frau.“<br>  Land verstand. Die schließende Tür, die er gehört hatte. Frasier war dort gewesen. Zu diesem Zeitpunkt. Sie musste es falsch verstehen.<br>  Matt sackte in sich zusammen. „Das war nicht wonach es aussah.“<br>„Du bist wie alle anderen Männer. Immer auf der Suche nach der nächsten Beute“, sie spuckte die Worte aus, ohne auf ihn zu hören.<br>„So hör mir doch zu...“<br>  Doch sie hörte ihn nicht. „Ich werde nie wieder zulassen, dass du mich verletzten kannst, dass ich mich verletzten lasse.“<br>  Mit kleinen Schritten trat sie zu ihm und zog seinen Kopf zu ihrem. Zärtlich küsste sie ihn.<br>  Als Price die Augen wieder öffnete, fühlte er sich gefangen zwischen den Gefühlen. Liebe, Verwunderung, Angst.<br>  Doch diese Gefühle wurden alle verdrängt, als er plötzlich einen Schmerz in seinem Bauch fühlte.<br>  Er taumelte zurück und sank auf die Knie. Als sein Blick auf seinen Bauch fiel sah er den Phaser in Frasiers Händen.<br>  Und sein Bauch war durch ein Loch ersetzt worden. Schockiert legte er seine Hände darauf. Die Luft blieb ihm weg und die Farben verschwammen vor seinen Augen. Schweiß tropfte in sie hinein und brannten wie Feuer.<br>  Frasier beugte sich noch einmal zu ihm und hauchte einen letzten Kuss auf seine Lippen.<br>„Gleich werden wir vereint sein. So wie es sein soll. Hab keine Angst.“<br>  Price wusste nicht, was er denken sollte.<br>  Doch er wusste, was er fühlte und was sie fühlte.<br>  Reine Liebe.<br>  Und in dem Moment, in dem er starb, sah er, wie sich Elizabeth Frasier den Phaser an den Kopf hielt und abdrückte.</p><p align="justify"> Lewinski betrat zügig Price Quartier. Birds Hilferuf hatte sehr eilig geklungen. Und als er die beiden Wachmänner sah, die vor dem Quartier standen wusste er, dass etwas nicht stimmen konnte.<br>  Er sah Danny Bird auf einem Stuhl nahe der Tür sitzen. Müde stand der auf, als er den Captain sah.<br>  Beide hatten ihren Blick nur auf die beiden Körper gerichtet, die vor Ihnen auf dem Boden lagen, nur mit zwei schwarzen Tüchern bedeckt, die auch schon rote, immer noch feuchte Blutflecken zeigten.<br>  Der Captain wagte es nicht, tief durchzuatmen, denn jetzt schon drängte der Leichengeruch, der Gestank von Blut und verbrannter Haut in seine Nase und damit direkt in sein Mark. Er ließ seine Blicke durch den Raum schweifen. Noch immer war nur das kleine Licht über dem Bett aktiviert, so dass man wenig von den tatsächlich reichlich vorhanden Blutspuren sehen konnte.<br>  Bird schwieg, bis sich der Captains gesammelt hatte und bereit war, die Antwort zu hören.<br>„Was ist passiert?“, fragte er schließlich, nach einigen endlos langen Sekunden.<br>„Ich habe vor 15 Minuten Phaserfeuer registriert. Zwei Schüsse, kurz nacheinander abgefeuert. Als auf meine Rufe niemand antwortete, was auch durchaus noch an den immer noch anhaltenden Systemproblemen liegen konnte, habe ich selbst nachgesehen... das Ergebnis fand sich hier.“<br>  Bird hielt kurz inne um Lewinski die Gelegenheit zu geben, etwas Luft zu bekommen.<br>„Ich fand Commander Price und Doktor Frasier tot auf. Price hatte ein tiefe Wunde im Bauch, verursacht durch den ersten Phaserschuss, einem Schuss der Stufe 2 aus nächster Nähe. Offenbar sollte er nicht sofort sterben. Sein Todeskampf hat demnach etwa 15 bis 20 Sekunden beansprucht. Anschließend hat Doktor Frasier den Phaser auf eine höhere Intensität eingestellt und sich damit selbst hingerichtet. Der Tod ist sofort eingetreten. Kein Wunder, von ihrem Kopf ist auch kaum noch was übrig.“<br>  Lewinski hielt sich einen Hand vor den Mund und schloss die Augen um gegen die Übelkeit anzukämpfen, die ihn im Moment befiel. Doch sobald er die Augen schloss sah er nur die beide Toten vor sich. „Motiv?“<br>  Bird schüttelte den Kopf. „Ohne Nachforschungen kann ich es nicht sagen.“<br>„Können Sie unter dem Einfluss eines fremden Wesens gestanden haben?“<br>„Möglich: ja. Wahrscheinlich: nein“, antwortete Bird knapp. „Es hat den Anschein als ob Doktor Frasier durchgedreht wäre und sich und Commander Price getötet hat.“ <br>„Weiß sonst noch jemand davon Commander?“<br>„Nein, Sir. Nur wir beide“, antwortete Bird schnell. „Doch ich vermute, dass es sich nicht mehr lange geheim bleiben wird. Man vermisst die beiden jetzt schon.“<br>„Tun Sie alles dafür, dass es geheim bleibt. Beamen Sie die beiden in die Leichenkammer und versiegeln Sie den Raum.“ Lewinski konnte den Blick nicht von den beiden Leichen abwenden. Er musste praktisch jedes Detail in sich aufsaugen.<br><br>„Aye Sir.“ Die Bestätigung Birds klang deprimiert. Doch er wusste, dass es nur logisch war, ihn für diese Aufgabe auszuwählen. Schließlich sollten nicht mehr Leute davon wissen, als unbedingt nötig waren.<br>„Und Danny, kein Wort davon in irgendwelchen Berichten oder Logbüchern. Wenn Sie darüber sprechen wollen, dann höchstens mit mir. Alles klar?“<br>„Ja Sir.“ Bird nickte geistesabwesend.<br>  Lewinski verließ das Quartier wieder und eilte, so schnell er konnte, zu seinem Quartier. Er hatte soeben mehr Gewalt und Brutalität gesehen, als er es je für möglich gehalten hatte.<br>  Seine zwei besten Offiziere waren innerhalb von gerade einmal 20 Sekunden gestorben. Und das ohne fremdes Einwirken. Nie wieder würde sein Leben das sein, das er einst kannte.<br>  Und in diesem Moment wünschte er sich, selbst unter diesem Tuch zu liegen um dieses Leid nicht mehr ertragen zu müssen.</p><p align="justify">Danny Bird stand noch einige Minuten regungslos in Price Quartier. Nur langsam schaffte er es, sich aus seiner Starre zu lösen. In dieser Stunde hatte er eine der wichtigsten Lektionen seines Lebens erfahren. Gefühle konnten zu einer gefährlichen Waffe werden.<br>  Er erinnerte sich plötzlich an etwas anderes, weit zurück liegendes. An eine unbeschwerte Zeit. An eine Zeit, in der er ohne Sorgen und ohne Kummer einfach so sein Leben genossen hatte. Er erinnerte sich an seine Kindheit, als er unbeschwert die Welt gesehen hatte, als Jugendlicher mit Träumen so unendlich wie das Universum, als Kadett mit hohen Vorstellungen und noblen Idealen.<br>  Bird verdrängte diese Gedanken, sie schmerzten jetzt nur noch mehr. Denn im Moment stürzte jede dieser Erinnerungen, jeder Traum, jedes Ideal über ihm ein.<br>  Sein Leben zerplatzte wie ein Seifenblase.<br>  Träge verließ er das Quartier und ging zur Leichenhalle, einem kleinen Raum, der neben der Krankenstation lag. Die Krankenstation selbst konnte er nicht betreten. Er hätte nur in jedem Winkel etwas von Doktor Frasier gesehen. Einer der bewundernswertesten Frauen, denen er seit langem begegnet war. Und als er die beiden toten Körper in ihre Kammern beamte, begann er zu weinen.<br>  Er fühlte sich dem Tod ebenso nahe, wie sein Körper jetzt nur wenige Zentimeter von den toten Körpern von Price und Frasier entfernt war.<br>  Zusammengekauert saß er in einer Ecke des Raumes und ließ hier seinem Schmerz freien Lauf. Er wusste nicht, wie lang er dort saß, doch dieser Tag war schon lange vorbei, als diesen Raum verließ. Und gleichzeitig wusste er, dass dieser Tag nimmermehr enden würde.</p><p align="justify"><strong>Tag 18, 0:34 Uhr Bordzeit der U.S.S. Voyager</strong></p><p align="justify"> Die Monitor verschwand wieder und gab das Hologitter zu erkennen. Bruce Land fiel auf die Knie. Dieser Tag hatte es in sich. Mit Price und Frasiers Tod hatte praktisch alles begonnen. Durch dies wurde alles noch schlimmer. Es folgten Ardevs Tod und danach die brutale Meuterei. Alles umhüllt von Verschwörereien und aufgestauten Emotionen.<br>  Land war kurz davor in ein tiefes Loch zu fallen. Und er wusste auch, wessen Bild dieses Loch trug. Das dieses Planeten. Dieses furchtbaren Planeten, der alles mit sich in die tiefe Riss. Zuerst die Emotionen, danach das Schiff. Innerhalb dieses Tages würde das Ende der Voyager gekommen sein, wenn sie sich nicht bald für einen Fluchtplan entscheiden würden.<br>  Beide waren vorbereitet und warteten auf Durchführung.<br>  In diese Stille erklang die Stimme des Computers: „Nächster Abschnitt des Rekorders der U.S.S. Monitor verfügbar.“<br>  Land wurde keine Pause gegönnt. „Den Abschnitt laden und starten“, wies er an.<br>  Um ihn herum baute sich die Monitor damit erneut auf. Was musste er an diesem Tag ertragen müssen?</p><p align="justify"><strong>Tag 3, 03:52 Uhr Bordzeit der U.S.S. Monitor</strong></p><p align="justify"> Jozarnay Woils Gesicht wirkte ausgelaugt und eingefallen. Während des letzten Tages hatte er sehr viel an Kraft verloren. Die Arbeit hatte in mehr beansprucht, als er es gewohnt war. Wahrscheinlich hatte die andauernde Dunkelheit den Stress noch verstärkt.<br>  Zudem belasteten ihn andere Probleme, die er auch in wenigen Minuten beim Offizierstreffen zur Sprache bringen wollte. So ziemlich jedes System war defekt.<br>  Schleppend wandte er sich von seinem Spiegel ab und ging zum Replikator.<br>„Wasser, 10 Grad Celsius.“<br>  Ein abweisendes Hupen ertönte. „Replikatoren sind offline.“<br>„Verdammt!“ Woil schlug wutentbrannt gegen das Gehäuse der immer noch defekten Maschine. Schwer atmend stand er da und versuchte sich zu beruhigen.<br>  Plötzlich zuckten seine Augen verwirrt umher. Er erinnerte sich an etwas. Gerade eben hatte er ein ihm sehr vertrautes Geräusch gehört.<br>  Behutsam schlug er noch einmal mit der Handfläche auf die Wand. Wieder hörte ein leises Klacken.<br>„Natürlich“, murmelte er und entfernte schnell die Abdeckplatte an der Wand. Hinter ihm kam eine kleine Kiste zum Vorschein – die, wie Land feststellte, unter dem Tricorder und den Werkzeugen lag, mit denen Woil in wenigen Tagen aus seinem Quartier ausbrechen und seine Meuterei beginnen würde – die er schnell öffnete, in dem er seinen Finger auf das Lesegerät legte, das sich auf dessen Oberseite befand. Und noch bevor er nachdenken konnte, griff er in die Kiste, hielt ein Hypospray und eine passende Ampulle in den Händen.<br>  Schweißtropfen bildeten sich auf seiner Stirn, als er auf seine Hände sah. Langsam schob er die kleine Ampulle mit dem weißen Inhalt und legte das Hypospray an seine Halsschlagader und betätigte den Auslöser.<br>  Schnell breitete sich das Mittel in seinen Adern aus. Sofort entspannten sich seine Muskeln und Woil war zum ersten Mal seit sie in dieser Anomalie gefangen waren, wieder in der Lage durchzuatmen. Mit wenigen, und geübten Handgriffen verstaute er das Hypospray und die leere Ampulle wieder in der Kiste und setzte die Wandplatte wieder an ihre Stelle.<br>  Und noch bevor er sein Quartier verlassen hatte, um rechtzeitig in der Messe einzutreffen hatte er die Erinnerung an diese Droge wieder gelöscht.<br>  Nur um unbewusst gleichzeitig wieder zu planen, wann er es wieder einnehmen musste.<br>  Es.<br>  Ketracel Weiß.</p><p align="justify"> Woil lief mit gemischten Gefühlen durch die Korridore der Monitor. Zwar war es nicht mehr so dunkel wie noch am vorigen Tag, doch immer noch war das Hauptlicht deaktiviert. Was allerdings nur eines der Probleme auf der langen Reparaturliste war.<br>  Seine Gedanken waren in diesem Moment an ganz anderen Orten. Während er sich in den letzten Stunden nach dem Zustand jedes Systems erkundigt hatte war ihm etwas Besorgniserregendes aufgefallen. Etwas, dass die Anspannung in ihm wachsen ließ. Mit dem Captain hatte er dieses besondere Problem noch nicht erörtert. Irgendwie wirkte der verändert. Als interessiere ihn die Monitor nicht mehr.<br>  Woil machte eine Kurve und trat durch die Tür zur Messe, die wieder einmal für ein Offizierstreffen herhalten musste. Er war kaum durch die Tür hindurch, als er mit Danny Bird zusammenstieß.<br>„Verdammt! Können Sie nicht aufpassen?“, rüffelte Woil lautstark und sah dem Sicherheitschef dabei direkt in die Augen. Seine Muskeln spannten sich und er stellte sich in einen festen Stand um auf alle Eventualitäten gefasst zu sein.<br>  Bird wirkte im ersten Moment etwas eingeschüchtert, doch er ließ sich von der Schroffheit in dessen Stimme nicht beeindrucken. Sofort streckte er sich und wirkte damit etwas größer wie der Antosianer.<br>„Chief. Sie wissen, mit wem Sie sprechen?“<br>  Der autoritäre Tonfall wirkte. Während der letzten Jahre hatte er sich ganz langsam in Danny Bird gebildet. Und jetzt konnte er ihn perfekt ausspielen. Außerdem schienen in diesem Moment seine Rangpins stärker zu blitzen und zu strahlen als sonst.<br>  Woil wollte ihm zuerst eine spitze Bemerkung an den Kopf werfen, beließ es dann aber bei einem leisen, jedoch immer noch aggressiv klingenden: „Ja, Sir.“<br>„Dann hoffe ich, dass Sie sich nichts getan haben bei unserem kleinen Zusammenstoß.“ Birds Stimme klang schon nicht mehr so autoritär, jedoch immer noch über der Situation erhaben.<br>„Nein, danke, Sir“, spuckte der Antosianer aus, immer noch zu allem bereit.<br>„Haben Sie ein Problem?“ Price Stimme klang wie eine Störung, mit der beide nicht gerechnet hatten. Natürlich hatte er die dicke Luft zwischen den beiden gespürt und hatte sich verpflichtet gefühlt, einzugreifen.<br>„Nein Matt“, antwortete Woil reflexartig und wandte sich dann von ihm und Bird ab.<br>  Die beiden sahen ihm hinterher ohne richtig zu verstehen, was sich eben abgespielt hatte.<br>„Was ist mit ihm?“ Fragte Price schnell.<br>„Ich habe eigentlich gehofft, dass Sie mir das beantworten können.“<br>  Price seufzte. „Selbst mit gefestigten Fähigkeiten sind mir Antosianer immer noch ein Rätsel.“<br>„Glaub ich Ihnen gern“, antwortete Bird und setzte sich dann an seinen Platz. Price dachte allerdings noch einmal an Woil. Ein kalter Schauer lief Matt über den Rücken, als er begriff, dass er immer noch die Ruhe in Person war.<br>  Jozarnay Woil hatte sich in der Zwischenzeit zu seinem Platz begeben. Ihm blieb jedoch nur wenig Zeit, um sich dort zu entspannen. Ardev trat auf ihn zu.<br>„Chief, hier sind die Daten, die Sie angefordert haben.“ Ardev überreichte ihm mit diesen Worten das PADD, das er bei sich geführt hatte.<br>  Zuerst war er wieder etwas zusammengezuckt, doch als er begriff, was Ardev von ihm wollte, entspannte er sich schlagartig wieder. Schnell griff er sich das PADD und ging die Daten durch.<br>„Was wollen Sie eigentlich mit diesen Karten?“<br>  Doch anstatt einen Antwort, sah er nur Woils strahlendes Gesicht. „Danke Lieutenant. Sie sind der Held des Tages.“ Woil hatte die Informationen bekommen, die er erwartet hatte. Eigentlich hätte er nicht lachen sollen, denn diese Infos stützen nur seine These. Doch jetzt hatte er alle Trumpfkarten gegenüber Lewinski im Ärmel.<br>  Der betrat in diesem Moment auch die Messe und wirkte deutlich entspannter als noch am Tag zuvor. Anscheinend hatte er etwas Schlaf gefunden. „Setzen Sie sich bitte, meine Damen und Herrn, wir haben ein volles Programm.“<br>  Alle kamen der Aufforderung nach und Lewinski sprach sofort weiter, nachdem alle Konzentration wieder ihm galt. „Meine Damen und Herrn, wir haben wieder ein Problem bravourös gemeistert. Danke Ihnen allen.“ Schnell warf er noch einen Blick in die Runde. Anwesend waren Price, Ardev, Bird, Tellom, Woil und Doktor Frasier, sowie Bruce Land. Es wirkte beinahe wie in den guten, alten Zeiten. Land lächelte, als ihm dieser Gedanke kam. Gleichzeitig konnte er aber weinen. Es würde nie wieder solche Zeiten geben.<br>„Und vor allem Mr. Bird, der dies alles ausgearbeitet und durchgeführt hat. Noch ein Mal möchte ich Ihnen ein großes Lob aussprechen.“<br>„Danke Sir“, erwiderte Bird stolz.<br>„Aber nun zum Status unseres Schiffes. Zuerst, Doktor Frasier, wie geht es der Crew?“<br>„Ich habe insgesamt 11 Offiziere wegen leichten Verletzungen behandelt. Fähnrich Rushing hingegen musste ich operieren. Sie erlitt leichte Verbrennungen und hatte einige Glassplitter in ihrem Körper. Aber alle sind schon wieder diensttauglich. Da gibt es nur eine Sache...“<br>  Lewinski runzelte die Stirn. „Was für eine Sache?“<br>„Ich musste vorhin zwei Männer behandeln, die sich geprügelt hatten.“<br>„Geprügelt?“, fragte Lewinski nach.<br>„Ja Sir.“<br>„Was war der Grund?“ Lewinski richtete seinen Blick auch auf Bird, der schließlich als Sicherheitschef für diesen Fall verantwortlich war. Insgeheim fragte er sich, warum man ihn nicht sofort informiert hatte.<br>  Bird antwortete schließlich. „Ich habe von den beiden noch keine konkrete Antwort erhalten. Im Moment habe ich beide für einen Tag auf ihr Quartier beschränkt und zudem einen Vermerk in ihrer Akte vorgenommen.“<br>„Gut, dann hoffen wir, dass das unser größtes Problem bleiben wird.“ Lewinski wandte sich an Woil. „Wenden wir uns einer anderen Patientin zu. Wie geht es dem Schiff, Chief?“<br>„Nicht äußerst gut. Durch die hohe Beanspruchung bei unserem Befreiungsversuch wurden viele Systeme beschädigt. Viele Subsysteme laufen nur mit Reserveenergie. Ich schätze, dass wenn alle anpacken, in zwei Tagen alles wieder topp sein wird.“<br>„Was bedeutet das? Was muss repariert werden?“, fragte Lewinski nach.<br>„Die Energieverteiler, die Langstreckensensoren, teile des Computernetzwerks, die Tarnung, Kommunikationssysteme, Waffensubsysteme. Reicht das vorerst?“, zählte Woil entmutigt auf.<br>  Lewinski wischte sich schnell auf der Stirn entstandene Schweißtropfen ab. „Sie werden wieder jeden Mann bekommen, den Sie brauchen.“<br>„Wir sollten zudem die nächste Sternenbasis anfliegen“, schlug der Chefingenieur vor.<br>„In Ordnung. Wie schnell können wir momentan fliegen?“<br>„Aufgrund der schwachen Deflektoren und der Schäden am Warptriebwerk nur Warp 3.“<br>  Resigniert riss Land die Arme in die Höhe und stand auf. Er achtete nicht darauf, dass das Gespräch weiterlief. Schließlich störte er niemanden. „Toll, er hat damit beide Pläne erwähnt.“ Aus Woils Worten ließ sich wieder kein Anzeichen für einen der beiden Pläne heraushören. Gestresst umrundete Land die Versammlung der Führungsoffiziere und beobachtete dabei alle genau.<br>  Lewinski nickte. „Mr. Price.“<br>„Unser Kurs liegt bereits auf die nächste Raumbasis an. Wir werden sie mit dieser Geschwindigkeit in 5 Tagen erreichen“, antwortete der Erste Offizier und Pilot, Matthew Price.<br>„Sir, wir werden diese Basis nicht in fünf Tagen erreichen“, warf Woil ein und brachte damit seine These zur Sprache.<br>  Alle Blicke richteten sich schlagartig auf den Antosianer.<br>„Wie meinen Sie das?“<br>„Captain, wie ich bereits erwähnt habe, gibt es Schäden am Computer. Und zwar in dem Bereich, der für die Navigation verantwortlich ist. Um es genau auszudrücken: wir fliegen in die falsche Richtung.“<br>„Matt?“ Lewinski drehte sich so, dass er wieder zu Price sehen konnte.<br>„Nach den Angaben des Computers befinden wir uns im Anflug auf Raumbasis 185. Aber wenn der Navigationscomputer defekt ist, würde ich darauf keine Wetten abschließen.“<br>„Ich habe hier den Beweiß.“ Woil hob das PADD, das ihm Ardev besorg hatte. „Nach den astronomischen Karten, müssten wir bei unserem Flug in die Nähe eines Röntgenpulsars gelangen. Jedoch erhalte ich mit keinem Sensorscan Röntgenstrahlen, die ich jetzt eigentlich schon erhalten müsste.“<br>„In welcher Entfernung passieren wir den Pulsar?“, erkundigte sich Tellom, die damit zum ersten Mal aktiv an dieser Sitzung teilnahm.<br>„16 Lichtjahre.“<br>  Arena schüttelte den Kopf. „Captain, das bedeutet gar nichts. Es bedarf nur einer kleinen Turbulenz auf der Oberfläche des Pulsars um die Röntgenstrahlen für wenigen Stunden zu schwächen. Bei dieser Entfernung lässt sich darüber nichts eindeutig sagen.“<br>„Captain, der Pulsar muss da sein. Laut den Sensoren ist er es nicht!“, bekräftigte Woil noch einmal, wobei er einen etwas missbilligenden Blick zu Tellom warf.<br>„Chief, Sie können sich doch genau so irren. Sie selbst haben gesagt, dass die Sensoren defekt sind“, meinte Danny Bird.<br>„Aber nicht die der Shuttle.“<br>„Ach kommen Sie Chief, Sie wissen genau, dass die niemals für 16 Lichtjahre konzipiert wurden.“ Bird wirkte jetzt selbst etwas fanatisch.<br>  Woil wandte sich wieder an den Captain. „Sir, wir müssen den Kurs sofort ändern.“<br>„Wir ändern den Kurs auf keinen Fall.“<br>„Sir, mit jeder verstreichenden Sekunde entfernen wir uns nur noch mehr von Föderationsgebiet. Wenn wir den Kurs nicht sofort ändern...“<br>„Chief, wir werden dies beobachten. Und solange die Sensoren nicht wieder voll funktionstüchtig sind, werden wir den Kurs auf keinen Fall ändern. Wer weiß, vielleicht fliegen wir ja wieder direkt in die Anomalie, wenn wir den Kurs ändern. Solange die Sensoren nicht funktionieren, werden wir auf diesem Kurs bleiben, ist das klar?“<br>„Das ist ein Fehler!“, brüllte Woil heraus.<br>„Das ist ein Befehl.“<br>  Lewinski war aufgestanden, während er diese Worte gesprochen hatte, was ihn noch mehr Ausdruck verliehen hatte. Land sah dieser Situation fasziniert zu. Er wagte es nicht zu atmen, auch wenn dies natürlich nichts am weiteren Ablauf geändert hätte.<br>„Wenn das alles war, machen wir uns wieder an die Arbeit. Es muss einiges repariert werden. Und schlafen Sie alle mal in Ruhe aus.“ Er sah eindringlich in die Runde, musterte dabei Chief Woil ganz genau und versicherte sich davon, dass er es auch mitbekam. „Befehle klar?“<br>  Price antwortete stellvertretend für alle, in einem ruhigen und ergeben klingenden Tonfall. „Ja Sir.“<br>„Dann wär’s das. Wegtreten.“<br>  Ohne zu zögern standen alle auf und verließen die Offiziersmesse. Auch Lewinski ging schnell wieder, hatte den Blick dabei aber die ganze Zeit auf Woil gerichtet. Wenn er etwas Zeit fand musste er unbedingt mit Price über Woil sprechen. Der Antosianer war natürlich für seine harsche Art bekannt, doch dass er sich so offensichtlich gegen ihn stellte hatte sie alle überrascht, am meisten den Captain selbst. Er vertrat die Ansicht, dass die Führung des Schiffes am Besten über eine solche Runde und ein harmonisches Miteinander funktionierte. Und dass er jetzt gegen Woil sogar auf die Befehlskette hinweisen musste verdeutlichte eine haltlose Missachtung von Woils Disziplin.<br>  Was ihn am Meisten erschreckte, war die Tatsache, dass sich sein Charakter innerhalb von zwei Tagen radikal geändert hatte. Eben saßen sie noch nebeneinander im Theater und jetzt...<br>  Es liegt sicher nur am mangelnden Schlaf, redete sich Lewinski ein und begab sich zurück in sein Quartier.<br>  Die anderen Offiziere hatten kaum Zeit sich mit diesem Vorfall auseinander zusetzen. Es blieb ihnen dafür nur der Weg von der Offiziersmesse zu ihrer Arbeitstation, was für die meisten technischer Dienst bedeutete.<br>  Woil hatte noch etwas anderes vor, bevor er in den Maschinenraum zurückkehrte. Er fand Price auf dem Korridor zur Krankenstation, die sich direkt neben der Messe befand.<br>  Während er sich ihm näherte, bemerkte er, dass sich Price mit Doktor Frasier unterhielt.<br>„19 Uhr? Mein Quartier?“, fragte Price. <br>  Elizabeth Frasier lächelte, als er diese Worte aussprach. „Ich freue mich darauf.“<br>„Commander Price.“ Woil stand direkt neben den beiden. Auf die Privatsphäre der beiden konnte er im Moment keine Rücksicht nehmen. Es ging schließlich um die Sicherheit des Schiffs.<br>  Als die beiden Liebenden zu Woil sahen, ging ihr Gesichtsausdruck wieder zu der professionellen Ebene über, die man von Ihnen kannte.<br>„Kann ich kurz mit Ihnen sprechen?“, fragte der Chefingenieur fordernd.<br>  Price nickte und sah zu Frasier. „Wir sehen uns heute Abend.“<br>„Ja, bis später“, erwiderte die Ärztin und ließ die beiden Männer stehen.<br>„Was gibt es Chief?“<br>„Der Captain ist nicht mehr er selbst. Halten Sie ihn auf.“<br>  Matt sah sich im Korridor um und versicherte sich, dass niemand zuhörte. „Das könnte man von Ihnen auch behaupten.“<br>  Woil überhörte den Zynismus. „Es ist jedem im Maschinenraum klar, dass wir in die falsche Richtung fliegen, Matt. Ein Blick in die Sternkarten genügt.“<br>„Ich bin durchaus bereit Ihnen zu glauben. Doch bisher haben Sie nur Indizien in der Hand.“<br>„Wir stoßen mit jeder Minute noch weiter in leeres Territorium vor. Wir werden so nie eine Sternbasis erreichen.“<br>„Chief, in zwei Tagen funktioniert alles wieder. Dann können wir immer noch umkehren.“<br>„Wir verlieren doch nur unnötig Zeit, Matt. Unsere Energiereserven könnten erschöpft sein, noch bevor wir die Basis erreichen. Und das nur, weil keiner den Mut hat, das Richtige zu tun.“<br>  Price kniff die Augen zusammen. „Habe ich eben verstanden, was Sie da sagten?“<br>„Alle Unteroffiziere und viele Techniker sind bereit, meinen Befehlen zu folgen. Oder auch Ihren...“, antwortete Woil verschwörerisch. „Wir müssen handeln Matt. Jetzt!“<br>  Wieder sah der Erste Offizier durch die Gänge und traf eine Entscheidung. „Wir werden handeln. Doch gedulden Sie sich noch etwas. Morgen spreche ich mich dem Captain. Ich erwarte, dass keiner ihrer Männer bis dahin eine Dummheit tut. Und ich erwarte, dass Sie mir noch weitere Beweise vorlegen.“<br>  Woil strahlte bis über beide Ohren. „Aye Sir.“<br>  Er wollte schon triumphierend gehen, doch Price hielt ihn noch einmal auf.<br>„Hören Sie, ich verspreche nichts. Aber ich tue mein Bestes für das Schiff und die gesamte Crew.“<br>„Nichts anderes habe ich erwartet.“ Gestärkt mit neuem Selbstbewusstsein ließ Woil Price stehen. Der Ingenieur hatte jetzt ein neues Ass im Ärmel. <br>  Und der Erste Offizier bildete den seidenen Faden, die Papierwand zwischen Woil und Lewinski.<br>  Für ihn fühlte es sich an wie die Wahl zwischen Unheil und Rettung.<br>  Nur wusste er nicht, wer die Rettung bedeutete.</p><p align="justify"> Die Teller standen noch auf dem Tisch. Auch kein anderes Geschirrteil hatte bisher die Freude gehabt, abgeräumt zu werden. Da die Replikatoren bis auf wenige Ausnahmen immer noch nicht funktionierten, hatte Matthew Price mit den eigenen Händen etwas zubereiten müssen. Das hatte er schon sehr lange nicht mehr getan.<br>  Und zu seiner Überraschung hatte ihnen das Essen geschmeckt.<br>  Elizabeth Frasier hatte ihn sogar für die Idee gelobt selbst zu kochen. Dass dies natürlich nur eine Ausnahme war, hatte Price elegant weg gelassen und nur mit einem Lächeln geantwortet.<br>  Bei dem Lächeln war es natürlich nicht geblieben. Von dem Essen hatten beide nicht viel genommen, von der Nachspeise dafür umso mehr.<br>  Elizabeth hatte dabei einmal mehr den Einfallsreichtum eines Betazoiden bewundern dürfen. Matt hatte ihren Bauchnabel mit etwas Sahne und einer Kirsche garniert. Allein für dieses Gefühl hatte sich der Besuch gelohnt.<br>  Und der weitere Abend sollte ihr noch weitere Höhepunkte, dieser und anderer Art, bringen.<br>  Jetzt gab sie sich aber voll damit zufrieden in Matts Gesicht zu sehen. Im matten Kerzenlicht warf es viele Schatten und erzeugte eine Tiefe und etwas Geheimnisvolles in seinem Gesicht, die Frasier schon seit dem ersten Tag fasziniert hatte.<br>  Sie wusste nicht, wie lange sie sich schon im Bett gegenüberlagen, doch mit einmal sah sie etwas, dass Price eigentlich fremd war. Er wirkte bekümmert.<br>„Was ist mit dir?“, fragte sie leise und strich mit einer Hand über seine Wange, berührte sanft sein Ohr und sein Haar.<br>„Ich hatte einen schweren Tag. Und er bricht gerade über mir zusammen“, antwortete er mit einem künstlichen Lächeln.<br>„Was ist wirklich? Ich habe dich noch nie so gesehen. So... ängstlich.“<br>  Erschrocken von ihren Worten sah er direkt in ihre Augen.<br>„Ich habe mir da etwas aufgehalst, dass sich vermutlich schon verselbstständigt hat“, gestand er ein, ohne zu viel verraten zu wollen. „Und ich weiß nicht, was ich tun kann. Ob ich überhaupt etwas tun soll.“<br>„Aus deinem Mund klingt es, als sprichst du vom Weltuntergang.“<br>  Price drehte sich auf den Rücken und sah zur Decke, auf der das Kerzenlicht seltsame Formen und Muster bildete. Irgendwie beruhigten sie ihn.<br>„Nun, das gesamte Universum wird nicht betroffen sein.“<br>  Frasier legte sich auf ihren Arm und betrachtete das Profil ihres Geliebten. „Aber?“<br>  Matt drehte den Kopf um wieder zu ihr zu sehen. „Meine ganze Welt befindet sich in diesem Quartier.“<br>  Sie antwortete nicht. Sie ließ diesen Satz mehrere Male in ihrem Geiste klingen um sich seiner Tragweite klar zu werden. Um sich klar zu werden, welche Emotion er bedeutete. Plötzlich war ihr klar, dass kein Counselling Seminar sie je auf diese Emotion hätte vorbereiten können.<br>„Wenn ich mich dem gesamten Schiff öffne“, fuhr Price fort ohne auf die Träne zu achten, die über Frasiers Wange lief. „Fühlt es sich immer noch so an, als wären wir in dieser Anomalie. Die Gefühle aller sind immer noch so chaotisch. Es ist sogar noch schlimmer geworden.“<br>„Für uns aber nicht.“<br>  Price lächelte, als er zu ihr sah. „Nein, für uns nicht. Aber ich weiß nicht, wie lange diese chaotischen Gefühle noch vor unserer Tür bleiben.“<br>  Frasier dachte über seine Worte nach. Während der letzten Tage hatte sie einige chaotische Sachen erlebt. Die Prügelei der zwei Offiziere, war nur eines der Beispiele. Zudem hatte sie Crewman T’Ker behandeln müssen. Bei dem Vulkanier war überraschend das Pon Far ausgebrochen. Sie musste die Behandlung noch die nächste Woche konsequent täglich fortführen, damit es für ihn nicht so schlimm wurde. „Solange wir uns haben, kann uns nichts geschehen.“<br>  Price drehte sich wieder auf die Seite und legte sanft seine Hand auf die von Frasier. „Ja.“ Zart küsste er sie. „Ich liebe dich, Elizabeth. Auf ewig.“<br>„Und ich liebe dich, Matt. Auf ewig.“<br>  Dann küssten sich die beiden wieder und ließen den Tag ausklingen, während sie sich in den Armen lagen und den Herzschlag des jeweils anderen fühlten.</p><p align="justify"> Die Monitor verschwand und gab erneut das Hologitter frei. Bruce Land taumelte auf eine der Wände zu. Die Welt drehte sich um ihn und er musste sich anstrengen, um Luft zu bekommen.<br>  Viele Stimmen und Bilder formten sich in seinem Geiste. Die erlebten Tage formten sich zu einem einzigen. Er sah Lewinski, wütend und verzweifelt. Er sah Price, verliebt und verraten. Er sah Woil, willenstark und entschlossen. Und, seltsamerweise, sah er sich. Wie er auf dem Boden des Holodecks lag.</p><p align="justify">Als Land erwachte sah er in das Gesicht des MHNs. „Commander Land, hören Sie mich? Wie geht es Ihnen?“<br>„Sollten Sie das nicht besser wissen?“, fragte Land noch im Halbschlaf zurück.<br>  Der Doktor sah ernst zu Chakotay, der auf der anderen Seite des Bettes stand. „Es ist ganz der Alte.“ Mit diesen Worten verließ der Doc die beiden und wandte sich seinem anderen Patienten zu, Danny Bird. Counsellor Kalen befand sich ebenfalls in der Krankenstation. Wie schon während der letzten Tage, hatte er auch diesen wieder damit verbracht, über Bird zu wachen.<br>  Chakotay half Land vorsichtig auf, bis er an der Bettkante des Biobettes saß.<br>„Was ist mir passiert?“, fragte der vorsichtig.<br>„Sie haben zu wenig geschlafen und zu wenig gegessen. Das hat sich nun gerächt.“<br>  Der Erste Offizier nickte. „Schlafen kann ich wieder, wenn die Monitor... wenn die Voyager gerettet ist.“<br>„Haben Sie etwas herausgefunden?“, fragte Chakotay sogleich. Der Versprecher interessierte ihn gar nicht.<br>  Land konnte aber nur enttäuscht den Kopf schütteln. „Ich habe nur erfahren, dass der alternative Plan von Ardev stammte. Ansonsten haben alle immer Systeme erwähnt, die mit beiden Plänen in Verbindung gebracht werden könnten. Allerdings sind wir der Lösung nahe. Ich muss nur noch einen Tag zurück um die Antwort zu finden.“<br>„Commander Barclay hat mir eben gemeldet, dass er die Zeit vom Eintreffen des Notrufs bis zu den Ereignissen, die Sie eben erlebt haben, entschlüsselt hat. Er hat mir vorgeschlagen, einfach vorzuspulen, damit er die Antwort gleich hat. Aber ich wollte Ihnen die Wahl lassen.“<br>  Land überlegte. „Wir haben mit Sicherheit noch etwas Zeit. Ich werde mich beeilen, Sir. Wenn Sie nichts dagegen haben, würde ich das gern zu Ende bringen. Bevor es möglicherweise mit uns zu Ende geht.“<br>„Sie sollten sich aber beeilen, ich musste heute schon wieder 10 Besatzungsmitglieder inhaftieren lassen“, Chakotay wirkte sehr gekränkt, als er diese Worte aussprach. Land erinnerte sich an Lewinski, als dieser mit Bird sprach. Er hatte sein eigenes Versagen darauf bezogen, wenn er nicht für jedes Crewmitglied sorgen konnte.<br>  Zum ersten Mal erkannte Bruce Land, dass auch Chakotays Gefühl für die Crew so tief ging. Wenn nicht noch tiefer. Er fragte sich an dieser Stelle, wie es wohl gewesen sein musste, sieben lange Jahre im Delta Quadranten gefangen gewesen zu sein.<br>„Wie geht es dem Schiff?“, fragte er schließlich. Auch in diesem Punkt musste er sich auf den neusten Stand bringen.<br>„Die Belastung für die Schilde wird ganz langsam kritisch. Außerdem haben wir immer noch seltsame Fehlfunktionen bei den Kommunikationsanlagen. Aber ohne Sensoren können wir nicht herausfinden, was der Grund dafür ist.“<br>„Dann werde ich jetzt wieder aufs Holodeck gehen.“ Land stieg vom Bett herunter und ging schon in Richtung Tür. Auf halbem Weg blieb er stehen und drehte sich nochmals zu Chakotay um. „Sir, jeder Tag unter Ihrem Kommando war mit eine Freude und eine Ehre zugleich. Danke.“ Darauf verließ Land die Krankenstation.<br>  Chakotay sah ihm fragend hinterher. Er fühlte die Last eines Kommandos auf seinen Schultern liegen, schwer wie Blei. Mochte sich Kathryn so die langen Jahre über gefühlt haben?<br>„Haben wir noch eine Chance?“, fragte Chakotay.<br>  Kalen, der nun zum ersten Mal sprach, antwortete. „Ich habe viel Vertrauen in Commander Land. Und noch mehr vertraue ich Ihnen.“<br>„Wissen Sie, wie dies endet?“<br>„Ich bin El-Aurianer, kein Seher“, antwortete Kalen diplomatisch. „Und selbst wenn ich es könnte, würde ich mich immer wieder für die Voyager entscheiden.“</p><p align="justify"><strong>Tag 1, 22:17 Uhr Bordzeit der U.S.S. Monitor</strong></p><p align="justify"> „Darf ich mich dazusetzen?“<br>  Elizabeth Frasier wusste sofort, wer sie da bei ihrem Abendessen störte. Mit einem leichten Grinsen sah sie zu ihm hinauf. „Natürlich.“<br>  Price setzte sich ihr gegenüber. Die Welle an Emotionen, wie Liebe, Vertrauen, Zweifel, Ungewissheit und Angst, die er soeben von ihr empfangen hatte, war so stark und überwältigend gewesen, dass er sich nicht darauf hatte vorbereiten können. Um ehrlich zu sein, wollte er sich auch nicht auf die vorbereiten. Er wollte sie. Er wollte Elizabeth Frasier. Das war ihm jetzt klar.<br>  Lange Jahre lang hatte er auf solche Gefühle in sich verzichtet. Dadurch war ein kleiner Teil in ihm abgestorben. Doch es hatte nur ein kleines Ereignis gebraucht um dies rückgängig zu machen. Das Lächeln seiner kleinen Tochter Yasmin hatte ihm, wie man auf der Erde sagt, das Herz geöffnet. Und wenn er jetzt in dieses hineinsah, erkannte er die wichtigsten Frauen seines Lebens. Seine Mutter, seine Tochter und Elizabeth Frasier. Und dieser Teil in ihm, der so lange auf Emotionen hatte verzichten müssen, wartete jetzt sehnsüchtig darauf, Gefühle mit jemand anderem zu teilen, sie speziell für den Gegenüber zu entwickeln.<br>  Vor Frasier stand ein kleiner Teller mit einem gemischten Salat, den sie sich aus den Replikatoren geholt hatte. Er selbst hatte sich da schon mehr gegönnt. Soeben war seine Schicht zu Ende gegangen und jetzt hatte ihn der Kohldampf in die Messe gelockt. Oder hatte ihn vielleicht ein anderes Bedürfnis hierher gelockt? Eine andere Art von Appetit?<br>  Price wusste keine Antwort und nahm einen Bissen von seinem Essen, einer Nudelpfanne auf „Rigel“-Art. Was das bedeutete wusste er nicht. Er hatte zwar auf dem Rigel schon viel gegessen, doch noch nie eine Nudelpfanne. Mehr und mehr drängte sich ihm der Gedanke auf, dass diese Typenbezeichnungen von irgendwelchen gelangweilten Sternenflotten Programmierern auf der Erde vergeben wurde, die noch nie im Leben einen Fuß auf den Rigel gesetzt hatten. Doch alles in allem schmeckte sein Essen doch recht gut.<br>„Wie war dein Tag?“ fragte die Doktorin. Weniger aus Interesse als aus Höflichkeit.<br>„Wie wär’s mit Essen?“, antwortete Price und sah praktisch das Fragezeichen, dass sich soeben in der Ärztin bildete. Manchmal konnte seine neu geschärfte Empathie auch eine Art Fluch sein.<br>„Danke, ich habe etwas“, brachte sie auf ihren Teller deutend hervor, ohne zu wissen, ob er das hören wollte.<br>„Ach, ich meine es nicht so. Ich meine... Morgen Abend. Mein Quartier. Kein Replikatoressen. Ich habe noch etwas Frisches im Lager.“<br>  Frasiers Augen glänzten. Aber – sie wollte es sich ja nicht zugestehen, weil es sehr kindisch klang – so süß war sie noch nie zum Essen eingeladen worden. Vorsichtig hob sie ihren linken Arm an ihre linke Wange um festzustellen, ob sie vielleicht schon rot geworden war. Erst als sie die Hand schon oben hatte fiel ihr wieder ein, dass das eigentlich unsinnig war. Price spürte diesen Zustand wahrscheinlich überdeutlich. <br>„Ich weiß nicht“, antwortete sie unsicher.<br>„Komm“, bat er sie beinahe flehend. „Es ist nur ein Essen. Ohne Zwänge und Erwartungen.“<br>  Sie sah in seine Augen und wusste, wieso sie sich in ihn verliebt hatte. „Wenn das so ist, komme ich liebend gern“, antwortete sie, so zärtlich wie es ihr möglich war.<br>„Gut“, kommentierte Price fröhlich und aß schnell noch etwas von seiner Nudelpfanne. Er strahlte bis über beide Ohren und sah dabei immer wieder zu seiner Liebsten, mit einem Glitzern in seinen schwarzen Augen auf, dass wie die Mikroausgabe eines Universums aussah.<br>  Beide vergasen beinahe die Unruhe um sie herum, als diese wirklich abbrach. Frasier musste er zur Tür sehen um den Grund zu erfahren. Price hatte Lewinskis Autorität und Woils Kühle natürlich schon gespürt, bevor beide den Raum betreten hatten.<br>  Der Umstand an sich wäre nicht außergewöhnlich, wenn da nicht ihre Bekleidung gewesen wäre. Beide trugen edle Anzüge aus dem irdischen neunzehnten Jahrhundert, mit den passenden Hüten. Der Anzug stand Lewinski zweifellos, doch Woil sah in ihm unpassend aus.<br>  In letzte Zeit hatte Lewinski ein neues Hobby entwickelt. Das Theater. Genauer gesagt, das klassische Theater. Und nun sah er sich immer wieder solche Theaterstücke auf dem Holodeck an. Dass ihn aber ausgerechnet Woil begleitete überraschte wohl alle. Price beschloss, später beim Chief nachzuhaken um den Grund zu erfahren.<br>  Lewinski trat an den Replikator und bestellte sich ein Glas Wasser. Dann wandte er sich aber wieder zu Woil.<br>„Ich weiß nicht, wie Sie dieses Stück nicht verstehen können Chief. Es ist das klassischste aller irdischen Gesichten.“<br>  Woil nickte. „Das mag stimmen. Aber es ergibt keinen Sinn. Die religiösen Beziehungen sind vorhersehbar und keineswegs sehr einfallsreich.“<br>„Goethe war der Erste, der den Mensch in eine Beziehung zu dem Teufel stellte. Er thematisiert wie einfach es ist, dem Bösen zu verfallen.“<br>„Vorausgesetzt, man glaubt an die Existenz eines Teufels.“<br>  Lewinski legte seine Stirn in Falten. „Soll das heißen, dass Ihnen das Prinzips eines Teufels unbekannt ist?“<br>„Es ist mir nicht unbekannt. Nur sehe ich meinen Gott als etwas anderes an, als die Menschen dies tun. Mein Gott steckt überall und in jedem. Wo bleibt dort noch Platz für einen Teufel?“<br>„Das ist es ja. Der Teufel entsteht, wenn man sich nicht von Gott leiten lässt.“<br>„Ich dachte, die Menschen hätten ebenfalls einen barmherzigen Gott, der sie vor allem Unheil bewahrt.“ Woil blickte wirklich sehr verdutzt zu Lewinski. Er verstand die Analogien in diesem Werk wirklich nicht. Vielleicht war das Werk aufgrund seines Alters wirklich schon zu weit von etwas allgemein verständlichem entfernt. Obwohl „Faust“ schon in den Grundschulen der Erde thematisiert und analysiert wird.<br>  Der Captain sah keinen anderen Ausweg als zu kapitulieren. Er überlegte, Woil auch den zweiten Teil von Faust zu zeigen. So sollte ihm die ganze Handlung aber wirklich klar werden.<br>  Seufzend sah Lewinski zur Decke und hoffte auf Rettung.<br>„Ardev an Lewinski“, ertönte es plötzlich aus der Interkom und Lewinski sandte ein Dankesgebet an alle Götter, die über ihn wachten. <br>„Hier Lewinski“, antwortete er schnell.<br>„Wir empfangen einen Notruf. Es stammt aus einem nicht kartographisierten System“, berichtete Ardev schnell.<br>„Setzen Sie einen Kurs, ich bin gleich auf der Brücke.“<br>„Aye Sir.“<br>„Lewinski Ende.“ Als der Kanal geschlossen war, wandte er sich wieder an Woil. „Danke, dass Sie mich begleitet haben. Das war eine... einmalige Erfahrung.“<br>„Es war auch für mich einen einmalige Erfahrung. So kann ich zumindest mehr über die Vorgeschichte der Menschen erfahren. Und das noch in gemütlicher Runde.“<br>„Wenn Sie wollen, nächste Woche will ich mir Die Physiker ansehen.“ Während Lewinski diese Worte sprach, trat er langsam wieder nach draußen auf den Korridor.<br>„Um was geht es denn in diesem Stück?“<br>„Keine Sorge, das Stück wird Ihnen gefallen. Es handelt von den Motivationen des menschlichen Geistes, sowie den Abgründen, in die sich Menschen selbst bringen.“</p><p align="justify"><strong>Tag 2, 03:47 Uhr Bordzeit der U.S.S. Monitor</strong></p><p align="justify"> Die Monitor erreichte die Quelle des Notrufs nur wenige Stunden später. Es stammte vom einzigen Planeten seines Systems, der sich nun vor der Monitor drehte. In den prächtigsten Farben präsentierte er sich der Monitor.<br>  Auf der Brücke legten alle kurz ihre Arbeit zur Seite und richteten einen Blick auf den Planeten. Lewinski hörte um sich herum ein paar Mal „Oh, wunderschön“, doch blieben diese Bemerkungen immer leise und diskret.<br>„Mr. Bird, empfangen Sie den Notruf noch immer?“, fragte der Captain.<br>„Ja Sir. Es ist ein automatisches Notsignal. Es stammt von der Oberfläche des Planeten. Ich kann die Quelle noch nicht genau orten. Wir müssen in einen niedrigeren Orbit schwenken. Südliche Hemisphäre“, antwortete Bird schnell.<br>„Antworten noch immer niemand auf unsere Rufe?“, fragte er bei Bird nach.<br>„Nein Sir.“<br>„Vielleicht können Sie das Aufgrund der Störungen in der Atmosphäre nicht. Oder ihr Kom-System ist defekt“, mutmaßte Price, der die Monitor inzwischen in einen tieferen Orbit flog.<br>„Was können Sie mir über den Planeten sagen?“, fragte Lewinski Ardev.<br>  Der sah angestrengt auf seine Instrumente. „Ich weiß es nicht... Ich kann die Störung noch nicht genau bestimmen. Und auch von der Oberfläche bekomme ich seltsame Daten. Ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen, ob dieser Planet überhaupt bewohnbar ist. Aber nach all dem konfusen Zeug, dass hier über meine Bildschirme läuft...“<br>  Ardev stockte plötzlich, als das Licht in seinen Konsolen zu flackern begann. Verwundert sah er sich um und bemerkte, dass es allen so ging. Auch das Hauptlicht flackerte und damit die Hauptenergie.<br>  Sofort erreichten den Captain Statusmeldungen von allen Stationen.<br>„Hauptenergie wird abgezogen“, berichtete Ardevs Frau Arena von der anderen Seite der Brücke.<br>„Keine Kontrolle über Navigation“, lauteten Price Worte.<br>„Keine Kontrolle der taktischen Systeme“, so Bird.<br>  Aus den ersten Konsolen sprühten plötzlich Funken und ließen Qualm entströmen.<br>„Ich verliere alle Sensoren, Deflektoren und Subsysteme“, erklärte schließlich auch Ardev. „Ich versuche die Reservesysteme zu starten...“<br>  Er hatte die Worte kaum ausgesprochen, als die Brücke der Monitor auch schon im kompletten Dunkel lag. Nicht ein Licht brannte mehr und man konnte den Captain seufzen hören.<br>  Allein die Tatsache, dass man dieses Geräusch hören konnte verriet ihnen noch etwas. Wirklich jede Energie war weg. Nicht einmal mehr der Warpkern war in Betrieb, was man sonst an einem leisen Summ Ton erahnen konnte. Doch jetzt.<br>  Absolute Stille.<br>  Es dauerte aber nur wenige Sekunden, bis Matthew Price die erste Handlampe aktivierte. „Matthew Price, Held des Tages. Geht es Ihnen allen gut?“ Schnell sah er sich auf der Brücke um. Alle nickten. Und auch seelisch schien es Ihnen gut zu gehen. Natürlich empfanden Sie alle einen gewissen Grad an Panik, doch sie hatten schon schlimmeres gemeistert. Immerhin wurden sie nicht von einem Borg Kubus oder Breen Angriffskreuzer bedroht.<br>  Lewinski ließ zudem keine Angst aufkommen und beschäftigte sie alle mit Arbeit.<br>„Danny, gehen Sie in den Maschinenraum, ich will einen Bericht. Arena, sehen Sie nach Verletzten auf dem Schiff, nehmen Sie sich dafür Verstärkung mit, soviel Sie brauchen. Verteilen Sie Lampen, Decken, was immer gebraucht wird.“ Er wartete kurz, bis Arena nickte und sich drei weitere Junioroffiziere, die sich gerade auf der Brücke befanden, mitnahm. Dann stellet er fest, wer sonst noch da war. Neben ihm selbst nur noch Price und Ardev.<br>„Was ist da eben passiert Mr. Ardev?“<br>„Ich weiß es nicht Sir. Offenbar ist der Planet an sich eine Anomalie, der noch nie ein Föderationsschiff begegnet ist. So weit ich weiß war in diesem System vor uns auch noch kein Föderationsschiff.“<br>„Diesem Planeten werden wir aber in Recht kurzer Zeit sehr Nahe kommen. Ich war gerade noch auf einem leichten Sinkflug“, ergänzte Price.<br>„Wann wird es dann heikel für das Schiff?“, fragte Lewinski nach.<br>„Wen sich an der Fluglage nichts geändert hat etwa 11 Stunden.“ Price versuchte, so neutral wie möglich zu klingen. Doch es gelang ihm nicht sehr gut.<br>„Dann werden wir noch angestrengter versuchen, die Notenergie zu aktivieren“, erklärte Lewinski und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. Sein Schiff in einem solchen Dunkel zu sehen erschreckte ihn. Mehr, als er den anderen zugeben konnte.</p><p align="justify"> „Chief Woil, was können Sie mir sagen?“ Lewinski stand mit allen anderen Führungsoffizieren im vollkommen dusteren Maschinenraum. Hier und dort standen kleine Lampen und erhellten den Technikern ihre Arbeitsplätze. Wie alle sehen konnte, wurde überall hektisch gearbeitet.<br>  Immer noch herrschte gespenstische Stille.<br>„Uns wurde durch diese Anomalie die gesamte Energie entzogen. Ich habe keine Ahnung wieso. Die Auswirkungen waren auf jeden Fall fatal. Alle Energieverteiler müssen ausgetauscht werden. Aus diesem Grund läuft die Lebenserhaltung auch nur auf Notniveau. Ansonsten läuft kein einziges System mehr.“<br>„Wann haben Sie alle Systeme wieder betriebsbereit?“, fragte Lewinski.<br>„In etwa 4 Stunden sollten sie wieder betriebsbereit sein, aber ob sie dann funktionieren...“<br>„Wir brauchen auf jeden Fall einen Fluchtplan. In etwa 8 Stunden wird die Monitor in die Atmosphäre des Planeten eindringen und abstürzen.“<br>  Schockiert hörten die Zuhörer diese Worte. Als genügte es nicht, dass kein System mehr funktioniert drohte ihnen nun auch so das absolute Ende.<br>„Die Frage ist jetzt also, wie kommen wir hier raus. Und funktioniert die Energie wieder, wenn wir die Systeme repariert haben?“ Lewinski sah zu seinen Offizieren, besonders zu Ardev.<br>„Es ist schwer zu sagen. Die Lampen hier funktionieren nur, da sie einen biologischen Brennstoff haben. Wenn wir jedoch versuchen, einen Tricorder einzusetzen wird auch dem die Energie abgezogen. Allerdings erst nach etwa 10 bis 20 Sekunden.“ Er wandte seinen Blick auf den Warpkern, der im völligen Dunkel hinter Ihnen lag. „Da uns hier mehr Energie zur Verfügung steht, dürften wir viel länger Warpenergie zur Verfügung haben. Rein theoretisch.“ Ardev sah durch die Runde. Er versuchte sich an all die Phänomene zu erinnern, die in der Lage waren, Energie abzuziehen. Bisher hatten aber die meisten Wissenschaftsoffiziere gewusst, was ihnen denn die Energie abzog. Ob es nun ein Relikt aus einem lang vergessen Krieg war oder eine planetare Schutzanlage eines lang vergessenen Raumreiches. Doch er sah keinen Zusammenhang zu einem der ihm bekannten Fälle mit diesem momentanen Phänomen.<br>  Lewinski sah kurz zu Boden und überdachte die Situation. Dann sah er wieder in die Runde, direkt zu Doktor Frasier. „Kümmern wir uns erst mal um das, was wir wissen. Gab es Verletzte Doktor?“<br>„Nur einige Leichtverletzte, die sich in der Dunkelheit irgendwo angestoßen haben.“ Sie rieb sich an ihrem Knie. „Ich war eine von denen. Ansonsten ist meine Krankenstation leer.“<br>„Wenigstens etwas Gutes.“ Lewinski sah wieder im Raum umher. „Welche Möglichkeiten bieten sich uns jetzt?“<br>„Egal was wir machen. Wir werden nur einen Versuch haben.“ Woil sah zu Lewinski. „Wenn ich die Energie reaktiviere und wir noch einmal dieser Anomalie zum Opfer fallen, weiß ich nicht, ob wir noch einmal Kräfte mobilisieren können.“<br>„Ich will Pläne. In spätestens einer Stunde sollen sie auf meinem Tisch liegen.“ Eindringlich begutachtete er jeden. „Nehmen Sie sich, wen sie brauchen Mr. Woil, ich will das Schiff so schnell wie möglich wieder einsatzbereit haben. Dann an die Arbeit. Wegtreten.“<br>  Das letzte Wort musste nicht einmal scharf klingen um seine Wirkung zu entfalten. Er hatte es mehr geraunt. Trotzdem wirkte es wie ein Schrei in der Ruhe des Maschinenraums. Seine Offiziere gingen wieder an ihre Stationen. Nur Price verweilte noch einen Moment bei seinem Captain.<br>  Er spürte den Kampf in seinem Innern genau. Der Tod seines Vaters lag zwar nun schon einige Monate zurück, doch wirklich aufarbeiten konnte man ein solches Problem hier nicht. Irgendwie wollte er ihm helfen. Doch er wusste ebenso genau, dass er ihm nicht helfen konnte. Er musste auf seinen entscheidenden Moment warten.</p><p align="justify"> Eine Stunde später betrat Price Lewinskis Bereitschaftsraum. Im Lichte der einzigen Lampe erschien ihm der Raum noch kleiner, als er sonst schon war. Und Lewinskis Last schien den gesamten Raum auszufüllen.<br>  Bruce Land hatte sich an eine Wand gelehnt. Er wusste, dass jetzt der Moment der Erkenntnis nahe war.<br>„Setzen Sie sich Mr. Price“, begann der Captain und deutete müde auf den Stuhl vor seinem Tisch. Auf dem Tisch selbst lagen zwei kleine Papierstapel. Offenbar die möglichen Optionen.<br>  Ohne zu Zögern setzte sich sein erster Offizier.<br>„Zuerst einmal, wie geht es der Mannschaft?“<br>  Price war von dieser Frage nicht überrascht. Er hatte sogar schon auf dem Weg im Geiste einige Punkte notiert, die er zur Sprache bringen wollte.<br>„Die Crew ist im Moment noch gefasst. Alle machen ihre Arbeit. Auch wenn die düstere Stimmung auf das Gemüt aller schlägt. Sie sind sich alle bewusst, dass uns der Tod drohen könnte. Entweder stürzen wir auf den Planeten oder ersticken hier drin.“<br>„Aber?“ Lewinski gab sich mit dieser Antwort noch nicht zufrieden.<br>„Aber... Ich empfange einige seltsame Empfindungen. Offenbar schlummert in allen Paranoia. Ich kann sie praktisch schon greifen. Als verstecke sie sich nur hinter einem dünnen Vorhang um darauf zu warten, sich im günstigsten Zeitpunkt auf uns zu stürzen.“<br>„Ist das nicht normal?“<br>  In Prince Stirn zeigten sich deutlich die Falten der Anstrengung. Ruhig und klar sah er in Lewinskis Augen. „Das ist es ja. Eigentlich schon. Und auch wieder nicht. Sehen Sie mich an...“ Er ließ Lewinski einen Moment Zeit, damit er sich seinen wichtigsten Mann an Bord ansehen konnte.<br>„Sollte etwas mit Ihnen sein?“ Lewinski verstand nicht, auf was Price hinaus wollte.<br>„Ich sollte durchdrehen wegen des ganzen Stresses, der ganzen Angst, die ich spüre. Doch ich bin die Ruhe in Person. Ich mache nicht einmal den Versuch, meine Selbst vor den ganzen Gefühlen abzuschirmen Skipper.“<br>„Wollen Sie andeuten, dass diese Anomalie auch einen Einfluss auf uns hat?“<br>„Das denke ich. Und ich will nicht wissen, was diese Anomalie alles bewirken kann.“<br>  Land seufzte. Leider konnte er Price nicht sagen, wie Recht er doch hatte.<br>  Lewinski sah erschrocken zu den beiden Konzepten, die vor ihm auf dem Tisch lagen. Er räusperte sich kurz und begann dann auf sie einzugehen. „Mr. Bird und Mr. Ardev haben mir je einen Vorschlag gemacht, uns aus dieser Anomalie zu befreien. Mr. Ardev geht davon aus, dass diese Anomalie, egal wie geartet sie ist, etwa 30 Sekunden braucht, um uns die neu aufgebaute Energie wieder zu entziehen. Er schlägt vor, alle Energie in den Warpantrieb zu stecken um einen Warpblitz einzuleiten. Nach seinen Berechnungen der Raumkrümmung der Anomalie würde ein Warpblitz, der der Warpstufe 7 entspricht, ausreichen um uns aus der Anomalie zu fliegen, bevor die wiederum in der Lage ist, uns die Energie abzuziehen.“<br>  Price überlegte. „Klingt plausibel, was schlägt Bird vor?“<br>„Er ist dafür, mit dem Deflektor eine Überladung der Anomalie herbeizuführen. Ein gebündelter Tachyonstrahl im Deflektorfeld sollte die Anomalie lange genug zerstreuen, um uns aus ihrem Einflussbereich zu fliegen. Selbst wenn wir nur Manövriertriebwerke zur Verfügung haben.“<br>  Land schrie auf. „Ihr nahmt den Tachyonstrahl. Danke Sir.“ Ihm kam dann aber ein anderer Gedanke in den Sinn. Er achtete gar nicht auf das weiterlaufende Gespräch, sondern dachte einfach laut. „Aber ein Tachyonstrahl, gemixt mit dieser Anomalie... Daraus könnten sich viele unbekannte Nebenwirkungen ergeben.“<br>„Klingt ebenso plausibel. Wo sind die Haken?“<br>  Lewinski lehnte sich zurück. „Die Deflektoren brauchen einige Sekunden um einen Tachyonstrahl aufzubauen, der die nötige Intensität hat um die Anomalie aufzulösen. Das Problem liegt im Timing. Wir dürften uns nicht den kleinsten Fehler erlauben.“<br>„Und da wir wenig über die Anomalie wissen...“, begann Price.<br>„...lässt uns Mr. Ardevs Plan etwas mehr Raum zum Atmen“, vollendete Lewinski den Satz und sah zu Price. Der rieb sich die Augen und blickte anschließend müde zu seinem Captain. „Wir müssen aber auch bedenken, dass die Warpspulen so überladen wurden, dass es nach Chief Woils Angaben sogar fraglich ist, ob wir die Warpschwelle schaffen, geschweige davon Warp 7.“<br>„Dann nehmen wir Birds Plan und hoffen, dass Woil wenigsten eine niedrige Warpstufe für uns bereithalten kann.“ Lewinski ballte seine Hand zu einer Faust und schlug mit ihr schlagartig und unerwartet auf den Schreibtisch. „Ich will schleunigst weg von diesem verdammten Planeten. Wieso müssen wir auch jedem verdammten Natruf hinterher fliegen. Als hätten wir keine anderen Aufträge und die Föderation nicht andere Probleme als das Universum vor sich selbst zu retten. Wissen Sie eigentlich, dass wir mit angenommenen Notrufen eigentlich auch schon die oberste Direktive verletzen?“<br>  Price versuchte Lewinskis Wortschwall zu unterbinden, jedoch war der Captain in Hochform und nicht zu stoppen.<br>„Wer gibt uns das Recht, bei Notrufen einzugreifen? Wenn Sie von Föderationsschiffen oder anderen hoch entwickelten Spezies sind, OK. Aber wenn Sie von irgendeinem x-beliebigen Planeten stammen stören wir damit doch nur die natürlich Entwicklung, die Auslese der Evolution.“<br>„Captain!“, Price musste schreien, um zu Wort zu kommen. „Es bringt jetzt auch nichts in Selbstmitleid zu baden. Wir müssen uns für einen Plan entscheiden und dann auf diese hin arbeiten.“<br>  Lewinski starrte fassungslos in die Augen seines Ersten Offiziers. Er konnte nicht glauben, in welcher Stimmung er war und wie er sich fühlte. Offenbar hatte die Anomalie einen noch größeren Einfluss auf sie, als er bisher gedacht hatte. „Sie haben Recht. Wir müssen jetzt alle Anstrengungen bündeln.“ Er atmete noch einmal tief durch und gab dann die entscheidenden Befehle. „Bereiten Sie also Birds Plan vor. Ich werde hier bleiben und mich etwas ausruhen. Sagen Sie mir bescheid... Ach, Sie wissen, was zu tun ist.“ Mit einem Wink bedeutete er Price den Bereitschaftsraum zu verlassen.<br>  Ruhig stand Price auf. Und gleichzeitig wunderte er sich wieso er das tat. Er spürte soviel Stress und Angst bei Lewinski, dass sie ansteckend wirken müsste, doch sie tat es nicht.<br>  Price legte seine Hand auf den manuellen Türöffner und öffnete die Tür einige Zentimeter. Auf dem Korridor war es noch dunkler als im Bereitschaftsraum des Captains. Nur an vereinzelten Punkten waren Lampen aufgestellt worden.<br>  Price sah noch einmal zu Lewinski. Das einzige, dass ihn etwas beunruhigte war, dass es ihn nicht beunruhigte, Lewinski als das Häufchen elend zu sehen, das er im Moment war.<br>  Auch Bruce Land verließ den Bereitschaftsraum, jedoch war sein Ziel eine andere Brücke.<br>„Computer: Ausgang“, wies er das automatische System an, wodurch sich ihm sofort der Ausgang zeigte. „Land an Chakotay, die Monitor Crew hat sich mit dem Tachyonstrahl befreit.“<br>„Verstanden Commander, gute Arbeit.“<br>„Ich bin schon auf dem Weg zur Brücke, Land Ende“, antwortete er, als er auch schon den Turbolift betrat. Er hatte keine Zeit mehr dazu gehabt, die Wiedergabe auf dem Holodeck anzuhalten. Sie lief ungestört weiter...</p><p align="justify"> ...auf der Brücke der Monitor war in diesen Momenten mehr los, als bei einer Generalüberholung. Überall arbeiteten Techniker, Sicherheitsoffiziere, Piloten an geöffneten Abdeckplatten um die Systeme des Schiffes auf ihre Rettung vorzubereiten.<br>  Auch im Maschinenraum wurde hektisch gearbeitet. Die Zeit lief gegen sie. Die Reparaturen hatten länger gedauert als erwartet. Und die Monitor sank ihrem Tod entgegen.<br>  Immer noch lag die Monitor in der Unheil verkündenden Schwärze, die ihr von der Anomalie beschert wurde und nichts deutete im Moment darauf hin, dass dies jemals anders sein sollte.<br>  Doch die Hoffnung schwoll in allen Crewmitgliedern an. Price spürte diese Empfindung ganz genau. Aber er spürte auch die Depression und Paranoia in den Köpfen der Mannschaft.<br>  Jeder von Ihnen hatte schließlich die letzten 24 Stunden durchgearbeitet. Die erste Müdigkeitswelle brach somit über das Schiff herein. Auch wenn jeder Offizier an harte Situationen und viel Stress gewöhnt war, ja sogar ausgebildet war, dieses auszuhalten, war es dieses Mal anders.<br>  Der erste Offizier des Raumschiffs Monitor war froh, dass es so gut wie keine Fenster an Bord des Schiffes gab. Einerseits war er zwar neugierig darauf, die Anomalie und den Planeten zu sehen, doch andererseits fühlte er sie schon übermächtig in seinem Nacken. Als wäre sie ein getarnter Jem’Hadar, der nur darauf wartete, zuzupacken.<br>  Und wie in jedem Moment des letzten Tages war Matthew Price völlig entspannt.<br>  Mit einem letzten Handgriff beendete er gerade seine Montagearbeiten und verschloss die Arbeitsstelle wieder mit einer Abdeckplatte. Wie aus einem Reflex heraus lehnte er sich einen Moment an die Wand und starrte in den dunklen Korridor. Es war vollkommen verständlich, dass es viele Offiziere mit der Angst bekamen. Das wenige Licht verstärkte dieses Gefühl regelrecht. Wer von Ihnen konnte schon behaupten zu wissen, ob nicht irgendeine außerirdische Präsenz an Bord war, die gerade daran arbeitete das Schiff zu übernehmen?<br>  Price kannte die Antwort. Wenn die Fremden Wesen, sofern es welche gab, auch Gefühle hatten wie die meisten Humanoiden, konnte er sie wahrnehmen. Für einen kurzen Moment schloss er seine Augen, blendete die Mannschaft der Monitor aus und öffnete sich ganz dem Umfeld der Monitor. <br>  Doch er empfang gar nichts.<br>  Auch vom Planeten empfing er nichts das Geringste.<br>  Er benötigte nur einen Sekundenbruchteil um wieder ins Hier und Jetzt zurückzukehren. Und die erste „Stimme“, die er wieder vernahm war die von Elizabeth Frasier.<br>  Einen kleinen Moment lang schien nur sie wirklich präsent zu sein. Schien sie das einzige Wesen zu sein, um das sich alle Sterne drehten.<br>  Matthew Price wurde richtig Wohl bei diesem Gedanken. Ihm kam in den Sinn, dass sie sich zum Essen verabredet hatten. Morgen Abend. Glück durchströmte seinen Körper, als er daran dachte.<br>  Doch dazu mussten sie erst einmal aus dieser Anomalie heraus. Und wenn ihn sein Zeitgefühl nicht vollkommen im Stich ließ müsste dieser Moment bald gekommen sein.<br>  Schnell schnappte er sich seine Lampe und ging den Korridor entlang, bis er die Brücke erreichte.<br>  Auf ihr herrschte ein so lauter Lärmpegel, dass man hätte schreien müssen, um sich Gehör zu verschaffen. Also ließ es Price, wenn es nicht nötig war.<br>  Außerdem verließen mit jeder verstreichender Sekunde mehr und mehr Techniker das Kontrollzentrum des Schiffes. Offenbar näherten sich auch hier die Arbeiten einem Ende.<br>  Und schlagartig kehrte Ruhe ein, als John Lewinski die Brücke betrat. Er wirkte immer noch müde und abgekämpft. Offenbar hatte er nicht so viel Schlaf bekommen, wie er es sich erhofft hatte. Doch sein Blick war wie immer konzentriert und fokussiert.<br>  Nichts sollte ihn jetzt daran hindern dieses Schiff aus seiner Misere zu fliegen.<br>  Ein kurzer Blick reichte Price aus um über die nächsten Schritte Bescheid zu wissen. Nickend nahm er sie zur Kenntnis.<br>„Alle Mann auf ihre Stationen!“, schrie er einmal quer durch die Brücke und sofort setzten sich alle an ihren Platz oder verließen die Brücke. Auch Price setzte sich an seinen Platz, die Navigationsstation.<br>  Lewinski wandte sich an Bird, der aufgeregt an der Taktik stand. „Mr. Bird, die Hauptenergie wird in wenigen Momenten reaktiviert. Da sie über den Plan am besten Bescheid wissen, übergebe ich Ihnen die Kontrolle über das Schiff, bis wir die Anomalie verlassen haben.“ Dann richtete er seine Worte an alle auf der Brücke. „Timing ist das Schlüsselwort. Also lassen sie uns keine Zeit vertrödeln mit irgendwelchen Formalitäten. Sobald Mr. Bird sagt, dass es losgeht, geht es auch los.“<br>  Lewinski vernahm bestätigende Worte von allen Männern und Frauen auf der Brücke.<br>„Captain ich bin bereit die Mission zu beginnen“, erklärte Danny Bird. Sein Blick war in diesem Moment so ernst wie noch nie in seinem Leben. Jetzt zählte alles. Die ganzen harten Jahre der Ausbildung, sein ganzer Erfahrungsschatz würden jetzt in die Waagschale geworfen werden.<br>  Zweifel ließ er nicht im Geringsten zu.<br>„Dann läuft jetzt alles nach ihren Befehlen Mr. Bird.“<br>  Lewinski hatte kaum ausgesprochen, als ein Summen den Raum erfüllte. Die Brücke erwachte wieder zu Leben. Die ersten Bildschirme zeigten wieder die vertrauten Konsolen an. Auch das Hauptlicht kehrte zurück und blendetet erst einmal alle. Doch Bird ließ sich davon nicht abhalten und kniff die Augen zusammen. Er konnte den Plan auch blind durchführen.<br>„Ardev, Arena, los“, befahl er knapp. Beide wussten natürlich, was sie zu tun hatten.<br>„Deflektor ist bereit und geladen“, meldete Arena, nachdem sie einige Befehle in ihre Diagnose eingetippt hatte. Auch Ardev und Bird arbeiteten angestrengt.<br>„Deflektorschild voll geladen und stabil.“ Ardev hatte diese Worte kaum ausgesprochen, als alle Systeme wieder mit Energie versorgt waren. Die Offiziere, die im Moment auf der Brücke waren und nichts zu tun hatten sahen sich verwundert um und richteten ihre Konzentration ganz auf Danny Bird.<br>  Alle bis auf die beiden Kommandanten des Schiffes. Lewinski blickte starr zu Boden. Und Price gab einen Fluchtkurs in den Computer ein.<br>„Aktiviere Tachyonstrahl.“<br>  Im Anschluss an diese Worte war ein lautes Pfeifen zu hören, das beinahe unerträglich war. <br>  Der Tachyonstrahl funktionierte. Langsam verteilte er sich im Deflektorfeld um die Monitor.<br>  Doch die Freude hielt nicht lange. Denn das Licht und alle Anzeigen auf den Konsolen begannen schon wieder zu flackern.<br>„Hauptenergie wird erneut entzogen“, berichtete Arena Tellom aufgeregt.<br>  Lewinski drehte sich sofort zu Bird um.<br>  Der bemerkte den strengen Blick seinen Captains. „Gleich Sir.“<br>  Das Pfeifen verstärkte sich noch einmal. Aber auch die Fluktuationen.<br>  Mit Tunnelblick und einem Puls in der 200er Gegend gab Bird neue Angaben in seine Konsole ein.<br>  Leise hörte man ihn Flüche murmeln. Doch noch war die Hoffnung in ihm größer als alles andere.<br>  Plötzlich stoben erneut Funken aus verschiedenen Energieverteilern auf der Brücke. Und auch sonst waren die Vibrationen von kleineren Explosionen an Bord zu spüren.<br>  Die Indikatoren des Roten Alarms begannen zu blinken, als sich die Brücke erneut mit Rauch füllte.<br>  Price sah zu Ardev. Von ihm spürte er überdeutlich eine riesige Welle Resignation. Und tatsächlich sah er, wie Ardev den Kopf schüttelte. „Deflektorfeld beginnt zu versagen.“<br>  Er wusste nicht, ob Bird diese Worte überhaupt verstanden hatte, doch das war auch nicht weiter wichtig.<br>  Im selben Moment endeten das Pfeifen des Tachyonstrahls und das Summen von Explosionen.<br>  Nach einem kurzen Moment der Verwirrung sahen alle schon beinahe andächtig zu Danny Bird, der den Verwirrtesten Gesichtsausdruck von allen hatte. Sofort sah der aber hinunter zu seinen Anzeigen.<br>„Die Anomalie hat sich aufgelöst“, rief er mit einem Grinsen im Gesicht.<br>„Bestätige! Keine Anomalie mehr vorhanden.“ Sofort richtete sich die Aufmerksamkeit auf Tellom, bis es auch jeder verstand.<br>  Lewinski handelte als Erster. „Commander Price. Weg hier. So schnell wie’s geht.“<br>„Aye Sir.“ Price ließ sich dies nicht zweimal sagen und aktivierte den Warpantrieb. Und war glücklicher denn je zuvor, als er das Subraumfeld und die Vibrationen des Antriebs unter seinen Füßen spürte.<br>  Schnell drehte er sich zur Brückenmitte um. „Wir sind im Warp“, bestätigte er knapp und sah, wie sich Lewinski in seinem Sessel zurücklehnte.<br>„Gut gemacht Mr. Bird.“ Er atmete einmal tief durch und stand dann auf. „Mr. Price, Sie haben die Brücke. Offizierstreffen in fünf Stunden.“ Mit diesen Worten verließ er die Brücke.<br>  Und ließ seine Offiziere mit ihren Freudentaumeln alleine.<br>  Price eröffnete die Runde, als er einen Freudenschrei vom Stapel ließ. Ardev und seine Frau Arena lagen sich Minutenlang in den Armen. Bird lachte nur und sank dabei auf die Knie.<br>  Sie hatten es geschafft. Sie hatten es geschafft! Dank seines Planes.<br>  Er hatte es geschafft.<br>  Auch wenn er nicht wusste, wie. Oder gar warum.<br>  Doch das interessierte ihn nicht. Jetzt ließ er sich vom Glück durchströmen.<br>  Und hoffte, dieses auf ewig in sich halten zu können.</p><p align="justify"><strong>Tag 18, 15:57 Uhr Bordzeit der U.S.S. Voyager</strong></p><p align="justify"> Chakotay fackelte nicht lange mit irgendwelchen Förmlichkeiten, als Bruce Land die Brücke betrat. „Commander, wieso hat sich die Crew der Monitor für den Tachyonstrahl entschieden?“<br>  Land trat schnell zu der Kommandoebene und stellte sich neben den Captain.<br>„Sie hatten Probleme mit dem Warp Antrieb und dachten nicht, dass sie einen so hohen Warpsprung schaffen.“<br>„Das Problem haben wir nicht...“ Chakotay überlegte. „Was war sonst noch?“<br>„Die Monitor ist von der Anomalie wesentlich schwerer getroffen worden als wir“, berichtete Land. „Wahrscheinlich haben uns die aktivierten Schilde besser geschützt.“<br>  Chakotay sah zu seinen Offizieren. Alle warteten gespannt auf seine Befehle. Bruce Land hatte im Grunde jetzt zum ersten Mal in Ruhe die Gelegenheit, die Schäden auf der Brücke zu beobachten. Das Licht war dunkler als es selbst bei rotem Alarm üblich war. Und auch nur ein Bruchteil der Displays war funktionstüchtig. Aus den Augenwinkeln konnte er von seinem Display ablesen, dass die meisten Systeme offline waren.<br>  Die Anomalie zog auch an den Energiesysteme der Voyager. Sie verbrauchte die Energie in so hohem Maßstab, dass sie fast gar nicht mehr am Ziel ankam.<br>„Also, wir wissen, dass das mit dem Tachyonstrahl funktioniert. Machen wir es auf dieselbe Weise?“<br>  Land wandte sich ruhig an seinen Captain. Er trug ihm seine Bedenken vor. „Sir, ein Tachyonstrahl kann sehr gefährliche Nebenwirkungen auslösen. Vielleicht war der Strahl ein weitere Faktor, aus dem die Crew ausrastete...“<br>„Sie meinen, dass wir den Warpblitz versuchen sollten?“, fragte Chakotay verwirrt.<br>  Unsicher blickte Land in dessen Augen. „Ja Sir. Der Meinung bin ich.“<br>  Chakotay sah auf den Boden und ging noch mal alle Alternativen durch. Er wusste, was er an Bruce Land hatte. Einen erfahrenen Ersten Offizier, der kein Wort sprach, ohne es auch so zu meinen. Und er erinnerte sich an Kalens Worte. Bis sogar ein El-Aurianer einem Menschen großes Vertrauen entgegenbrachte, musste viel geschehen. Schließlich endete das letzte große Vertrauen der El-Aurianer damit, dass sie sich im gesamten Quadranten verteilten.<br>„Crewman Tema’na, den Warpblitz vorbereiten.“<br>  An allen Stationen der Brücke brach Regsamkeit aus. Die Aufregung stieg. Sogar die sonst immer kühl und unnahbar wirkende Romulanerin konnte dies nicht aus ihrer Stimme verleugnen.<br>„Ich lade den Warpkern.“<br>  Chakotay betätigte seinen Kommunikator. „Brücke an Maschinenraum. Wir laden den Kern. Alles vorbereiten.“<br>„Bestätigt, beginnen Sie nach ihrem Ermessen“, meldete Barclay.<br>„Dann läuft jetzt alles nach ihrem Kommando Tema’na.“ Chakotay und Land setzten sich auf ihre Stühle. Sie warfen noch einen gemeinsamen Blick auf die Statusanzeigen der Systeme und der wenigen Daten, die sie von der Anomalie hatten.<br>  Langsam stieg das Summen des Warpreaktors. Der Boden begann zu vibrieren.<br>„Warpreaktor bei Warp 4,5“, meldete die Steuerfrau.<br>„Chakotay an alle: bereiten sie sich auf einen holprigen Flug vor.“ Er hatte die Worte kaum ausgesprochen, als er sich auch schon krampfhaft an seinem Stuhl festhalten musste, um nicht aus ihm herauszufallen.<br>„Warpstufe 5!“ Tema’na musste schon schreien, um sich Gehör zu verschaffen.<br>„Schon eine Reaktion von der Anomalie?“, fragte Chakotay seine Frau Annika.<br>„Noch nicht!“, schrie sie zurück.<br>„Warp 6!“<br>  Adrenalin schoss Land quer durch den Körper. Wie in einem Rausch blickte er auf den Bildschirm, der immer noch den Planeten und die seltsam wabernde Anomalie zeigte.<br>„Warp 7! Ich initiiere den Warpblitz!“ Doch noch bevor Tema’na die entsprechenden Befehle in ihre Konsole eingeben konnte, explodierte diese und riss die junge Frau zu Boden. Keiner auf der Brücke hatte Zeit dies zu verarbeiten, denn auch an anderen Station stoben Funken und ehe sie sich versahen, wurde jeder von ihnen zu Boden gerissen.<br>  Das Alarmgeräusch des roten Alarms erklang. Bruce Land warf von seinen liegenden Position einen flüchtigen Blick auf den Bildschirm. Und sah, wie das Schiff auf den Planeten zuraste. Mit letzter Kraft stemmte er sich hoch und quälte sich zur Navigationsstation. Aber er schaffte es nicht, das Schiff zu stabilisieren. Die Anzeigen des Computers waren klar und deutlich. Sie hatten sich aus der Anomalie befreien können. Doch jetzt fielen sie wie ein Stein auf den Planeten hinab. In wenigen Sekunden würden sie in den oberen Schichten verglühen, oder von den säureähnlichen Schichten des Gasriesen zerfressen. Auf jeden Fall würde nichts von ihnen übrig bleiben.<br>  Nichts von ihnen und nichts von der Monitor...<br>  ...bis Land plötzlich wieder an die Konsole gedrückt wurde. Als hielte jemand die Voyager plötzlich fest. Und in der Tat stellte Land fest, nachdem sich der stechende Schmerz in seinem Kiefer etwas gelegt hatte, dass der Planet nicht mehr näher kam. Schnell versuchte er, dies von dem Computer bestätigen zu lassen.<br>„Commander Land“, stöhnte Chakotay. Land zögerte nicht und eilte sofort zu ihm. Sofort griff er ihm unter die Arme und setzte ihn in seinen Stuhl.<br>„Captain, alles in Ordnung?“<br>  Chakotay hielt seine Hand auf seine Stirn und versuchte blinzelnd wieder etwas um ihn zu erkennen. „Ich fühle mich, als hätte ich ein ganzes Fass Blutwein geleert. Und das Fass war von einem verdammt schlechten Jahrgang.“<br>„Bleiben Sie ganz ruhig sitzen, ich sehe nach den anderen.“ Land ging sofort zu den anderen Offizieren, die auf dem Boden lagen. Tema’na erwachte gerade wieder aus ihrer Ohnmacht. Sie hatte eine mittelschwere Verbrennung an ihrem linken Oberarm erlitten. Ein Hypospray voll Schmerzmittel half ihr schon. Chakotay hatte in der Zwischenzeit auch schon ein Medizinerteam auf die Brücke gerufen, das sie behandeln würde.<br>  Allen anderen ging es gut. Sie hatten sich nur Irgendwo angestoßen.<br>„Dann berichten Sie mal Commander, was ist passiert?“, fragte der Captain.<br>„Wir haben uns aus der Anomalie befreit, jedoch in Richtung des Planeten. Wir drohten abzustürzen, bis wir jetzt plötzlich gestoppt haben. Die Sensoren sind noch ausgefallen, daher weiß ich nicht...“<br>„Sir, ich habe hier etwas“, unterbrach Annika den Ersten Offizier. Doch Land nahm es ihr nicht übel. Es musste schon wichtig sein, wenn sie sogar ihn unterbrach.<br>„Was haben Sie?“, fragte Chakotay und stand wieder auf.<br>  Verwirrt sah sie zu ihm. „Ein Kommunikationssignal.“<br>  Fragend sahen sich die beiden Kommandanten an.<br>„Der Notruf?“, fragte Land.<br>„Nein Sir. Wir werden gerufen“, lautete die überraschende Antwort.<br>„Auf den Schirm“, befahl der Captain und drehte sich mit Land zum Schirm um.<br>  Zuerst sahen sie nur statisches Rauschen. In der Mitte die vage Form eines Humanoiden.<br>„Ich versuche das Signal zu verstärken.“ Annika hatte kaum ausgesprochen, als das Bild klar wurde und alle die Person erkannten, mit der sie sprachen.<br>  Commander Land taumelte zurück. Seine Puppillen vergrößerten sich, er begann zu zittern und flach zu atmen.<br>  Zwar zeigte kein anderer auf der Brücke genau diese Reaktion, doch jeder war geschockt. So, dass keiner ein Wort herausbrachte.<br>„Ich bin Captain Lewinski von der Monitor. Das war ja ganz schön knapp Voyager. Gott sei Dank funktionierte unser Traktorstrahl noch.“ Die Freude in seinem Gesicht wich großes Verwirrung. Besonders, als er den zusammenbrechenden Land sah. „Stimmt etwas nicht?“<br>„Captain“, stammelte Chakotay. „Wir sollten uns treffen. Es gibt da so einiges zu klären.“<br>  Lewinski nickte stumm und fragte sich, was wohl geschehen sein mochte, dass Chakotay und Land so reagierten.</p><p align="justify"><strong>Tag 18, 18:12 Uhr Bordzeit der U.S.S. Voyager</strong></p><p align="justify"> Lewinski und Chakotay hatten sich in seinem Bereitschaftsraum getroffen, der dem Captain des kleinen Geheimdienstschiffes wie eine Halle vorkam, mit den großen Fenstern und der luxuriösen Ausstattung.<br>  Sie hatten auf dem Sofa Platz genommen. Dort war es leichter über die Ereignisse zu sprechen, die sich zugetragen hatten. Hinter ihnen waberte noch immer die Anomalie. Dieses Mal jedoch über ihnen. Unter Ihnen drehte sich in aller Ruhe der Planet, auf den beide Schiffes beinahe gestürzt wären.<br>„Wollen Sie damit sagen, dass Sie erst 2 Stunden vor uns versucht haben, aus der Anomalie auszubrechen?“, fragte Chakotay.<br>  Lewinski nickte. „Ja. Mein Wissenschaftsoffizier Ardev hat auch den Grund dafür erkannt. Da wir nie alle Sensoren einsetzen konnten, haben wir die Chronotonen in der Anomalie natürlich nicht entdeckt. Hier, im Zentrum der Anomalie läuft die Zeit langsamer ab, als außerhalb. Wir haben übrigens mehrere Male versucht, Sie zu kontakten.“<br>  Chakotay nickte verstehend. „Wir haben dies empfangen. Jedoch nie ein klares Signal erhalten. Vermutlich aufgrund der Chronotonen.“<br>„Richtig. Der Verlangsamungseffekt der Zeit wirkt sich erst hier aus. Der Planet erzeugt diese, sie steigen langsam auf und sammelten sich im laufe der Zeit zu dieser Anomalie an...“<br>„...und je weiter man vom Planeten entfernt ist, umso geringer wird der Effekt auf die Zeit“, vollendete Chakotay.<br>  Eine unangenehme Stille breitete sich zwischen ihnen aus. „Als dann unser Tachyonstrahl mit den ruhenden Chronotonen reagierte, wurde das Schiff verdoppelt. Eines wurde aus der Anomalie raus geschleudert. Wir wurden noch tiefer hinein geschleudert.“ Lewinski blickte seufzend aus dem Fenster. Über ihm sah er sein Schiff. Den Traktorstrahl hatten sie natürlich schon deaktiviert. Die Voyager war schon wieder alleine im Stande, den Orbit zu halten. „Zum Glück konnte Commander Price das Schiff abfangen, bevor wir in der Atmosphäre verglühten.“<br>  Chakotay nickte. „Leider war unsere Steuerfrau zu diesem Zeitpunkt bewusstlos. Wenn Sie nicht da gewesen wären...“<br>  Wieder legte sich eine deprimierende Ruhe zwischen sie.<br>„Wie geht es Bruce?“<br>„Der Doktor hat ihm etwas zur Beruhigung gegeben. Und ein paar Schlafmittel. Er ruht sich gerade in seinem Quartier aus.“<br>„Wieso wollen Sie mir nicht berichten, was an Bord meines Schiffes geschehen ist?“, fragte Lewinski. „War es so schlimm?“<br>„Stellen Sie sich ihren schlimmsten Alptraum vor. Multiplizieren Sie ihn mit der Unendlichkeit und sie wissen ansatzweise, was Bruce Land durchgemacht hat. Glauben Sie mir, Sie wollen nicht wissen, was geschehen ist... Sie würden ihre Crew nicht mehr auf dieselbe Weise behandeln wie zuvor.“<br>„Aber... es befinden sich unsere Leichen in ihrer Leichenkammer. Und das Wrack meines Schiffes wird gerade eben zum Mars gebracht?“<br>  Chakotay atmete durch den Mund aus und suchte nach den richtigen Worten. „Es gibt da noch etwas, das Sie nicht wissen.“<br>  Fragend sah Lewinski zu seinem Kollegen.</p><p align="justify"> Nur wenige Minuten später standen sie vor den Türen der Krankenstation. Counsellor Kalen erwartete sie schon. „Er schläft gerade und wird Captain Lewinski nicht wahrnehmen.“<br>„Wer schläft?“, fragte der angesprochene Captain. Doch statt einer Antwort, trat Chakotay einfach in die Krankenstation und Lewinski folgte ihm.<br>  Sein Blick fiel sofort auf das zentrale Biobett.<br>„Danny“, raunte Lewinski. Er eilte an die Seite des Biobetts. „Was soll das bedeuten?“<br>„Er ist der einzige Überlebende der Geschehnisse“, antwortete Chakotay.<br>„Und was ist mit ihm?“<br>„Er leidet noch immer an dem Trauma der letzten Tage“, antwortete dieses Mal Kalen. „Wir werden ihn zur Erde bringen. Dort wird er von Spezialisten behandelt.“<br>  Genau musterte Lewinski den schlafenden Mann. „Weiß der richtige Danny schon Bescheid?“<br>„Um ehrlich zu sein, überlegen wir, ob es nicht besser wäre, wenn er es nicht wüsste“, antwortete Kalen ausweichend.<br>„Was wollen Sie damit sagen?“<br>„Captain es ist so. Ihre Crew weiß, dass es Kopien von Ihnen gibt. Zwar tot, aber nichtsdestotrotz Kopien. Es würde ein immenser Druck auf Danny Bird lasten, wenn er von seinem Doppelgänger wüsste.“<br>„Um ehrlich zu sein“, unterbrach Chakotay. „Wollten wir Ihnen die Entscheidung überlassen.“<br>„Ich verstehe. Ich verstehe auch ihre Bedenken. Ich frage mich gerade, ob ich es wissen würde wollen.“<br>„Außerdem stellt sich uns die Frage, was wir mit den Leichen machen, die in einem unserer Frachträume liegen“, ergänzte Chakotay.<br>  Lewinski sah auf Bird hinab. Dieses Bild stimmte ihn traurig. Er war ratlos, ahnungslos. „Lassen wir sie hier. Wir beamen Sie in den Planeten und gönnen Ihnen hier die letzte Ruhe. Überall anders würden ihre Leichen nur für Verwirrung und verrückte Spekulationen sorgen.“<br>  Chakotay nickte. „Dann werde ich es so veranlassen.“<br>  Ohne seinen Blick vom schlafenden Bird abzuwenden sprach Lewinski weiter. „Unsere Berichte sollten zudem der höchsten Geheimhaltungsstufe unterliegen und direkt zum Geheimdienst überspielt werden. Danach löschen wir alle Berichte aus unseren Computern.“<br>„Wie Sie meinen“, bestätigte Chakotay. Er hielt sich deutlich zurück. Schließlich hatte Lewinski deutlich mehr Erfahrung mit solchen Sachen. Und es betraf seine Crew. Also galt sein Wort.<br>„Wo wir beim Thema sind, haben wir schon eine Möglichkeit gefunden, den Planeten sicher zu verlassen?“, fragte der Captain der Monitor schließlich.<br>„Ja, die haben wir. Die Wissenschaftsteams unserer beiden Schiffe haben beschlossen, unseren Deflektorfeldern einfach die Signatur der Chronotonen zu geben, die um uns sind. Daraufhin werden wir wie sie nach oben und sicher durch die Anomalie getragen.“<br>„Wie lange wird dies dauern?“<br>„Etwa 3 Stunden. Auf der anderen Seite werden dann etwa weitere 12 Tage vergangen sein.“<br>  Lewinski nickte. Damit konnte er leben. Schließlich bedeutete es, dass er jetzt schon beinahe 3 Wochen länger lebte.<br>„Der Aufstieg hat zudem schon begonnen, wir werden uns also bald wieder im normalen Raum befinden“, ergänzte Chakotay.<br>„Dann habe ich ja noch etwas Zeit, mir das ganze durch den Kopf gehen zu lassen.“<br>  Kalen und Chakotay antworteten nicht. Sie sahen Lewinski nur stumm nach, als sich dieser anschließend entschuldigte und die Krankenstation verließ.<br>  <br>  Matthew Price und Elizabeth Frasier saßen sich still gegenüber. Beide hatten das Essen nicht angerührt, das Price für sie repliziert hatte. Und trotz des warmen Kerzenlichts lag eine Kühle zwischen Ihnen, die keiner durchzudringen vermochte.<br>„Schmeckt dein Essen nicht?“, fragte Price, obschon er die Antwort längst kannte.<br>„Es ist köstlich“, antwortete Frasier schnell. „Ich habe nur keinen Appetit“, ergänzte sie schließlich niedergeschlagen. „Aber du auch nicht, wie es scheint.“<br>  Tief einatmend sah Price sich um, wobei sein Blick nicht seinem Quartier, sondern dem Schiff galt. „Irgendwie ist die gesamte Crew sehr Appetitlos, das schlägt auch auf mich über.“<br>  Hektisch wischte sich Frasier plötzlich den Mund ab und stand auf. Price stand ebenfalls auf.<br>„Es war wirklich ein schöner Abend, aber ich muss jetzt los. Es warten noch einige Patienten und Berichte auf mich.“ Eigentlich hätte sie wissen sollen, dass es nichts brachte, ihn anzulügen. Doch dies war ihr jetzt egal. „Danke nochmals für das Essen.“<br>  Price wollte eingreifen. Er wollte seine Liebe in die Arme nehmen und einfach das Schiff vergessen. Stattdessen sagte er einfach: „Nichts zu danken.“<br>„Gute Nacht Matt.“<br>  Noch bevor er „Gute Nacht“ sagen konnte hatte Doktor Frasier auch schon sein Quartier verlassen. Ratlos stand Matt darauf noch einige Minuten vor seinem Stuhl. <br>  Was war nur falsch gelaufen?<br>  Doch er war einfach zu müde, um sich deshalb Gedanken zu machen. <br>  Er wusste nur eins: Die Liebe zwischen ihnen war immer noch da.<br>  Und er fühlte, dass es auch der Ärztin so ging, die noch einige Minuten vor seinem Quartier stand und dort ratlos zur Decke starrte.</p><p align="justify">Bruce Land trug Zivilkleidung, als gerade aus seinem Bett aufstand um sich etwas zu trinken zu holen. Er hatte die Fenster geschlossen. Er konnte diese Anomalie nicht mehr sehen. So sehr sehnte er sich nach den Sternen.<br>  Gerade, als er sein Glas Wasser geleert hatte, erklang der Türsummer.<br>„Wer ist da?“, fragte er.<br>„Nicht erschrecken Bruce. Ich bin’s, John“, erklang die Antwort.<br>  Land betätigte den Knopf neben der Tür, worauf sich das Schloss entriegelte und sich die Tür öffnete. Als er schließlich John Lewinski sah, wusste er nicht, was er fühlen sollte.<br>„Darf ich eintreten?“, fragte sein alter Freund.<br>„Natürlich.“ Mit einer großen Geste gewährte er ihm Einlass. Zielstrebig setzte er sich auf das Sofa unter den geschlossenen Fenstern.<br>„Ich hoffe, du bist nicht zu schockiert, mich zu sehen“, begann Lewinski.<br>„Nein, ich habe mich so langsam daran gewöhnt.“ Land setzte sich in seinen Sessel und betrachtete Lewinski genau. „Außerdem wirken die Beruhigungsmittel noch nach.“<br>  Lewinski lächelte. „Dein Humor ist auf jeden Fall schon wieder der Alte.“<br>  Doch Land wollte nicht so recht in diese Stimmung eintauchen. Mit feuchten Augen sah er zu seinem Glas. Als er dann schließlich wieder den Blick seines Freunds und Mentors suchte, rann ihm eine Träne über seine Wange. „Es tut so weh John.“<br>  Dieser wusste natürlich nicht so recht, was er sagen sollte. „Sag mir, was dich beschäftigt.“ Er legte das Sie ab, dass jetzt vollkommen unangebracht gewesen wäre. Dafür war die Situation einfach zu ernst. Jetzt sprachen Sie wie zwei Freunde. Als wären sie nie voneinander getrennt gewesen.<br>„Ich habe dich sterben sehen. Vor meinen Augen. Ich habe jeden anderen ebenso sterben sehen. Vor meinen Augen. Und ich konnte nichts dagegen machen.“<br>„Es war nicht deine Schuld. Du hast alles richtig gemacht. Du hast die Crew deines Schiffes gerettet.“<br>„Verdammt, wegen mir, wäre auch dieses Schiff beinahe auf den Planeten gestürzt.“<br>  Lewinski schwieg. „Ich weiß nicht, was ich dir sagen soll. Ich weiß nicht, wie ich dir helfen kann Bruce. Aber ich würde es so gern.“<br>„Während der letzten Jahre habe ich die Monitor so sehr vermisst. Das ist mir erst während der letzten Woche klar geworden. Hätte ich das Schiff nicht verlassen... wäre ich doch nur bei meinen Freunden geblieben.“<br>  Lewinski fehlten wieder die Worte. Er wusste einfach nicht, wie er seinem besten Freund helfen konnte. Noch nie hatte er etwas Derartiges erlebt.<br>  Dann entdeckte er etwas auf dem Glastisch, der neben dem Sofa stand. Es war ein leerer Bilderrahmen. „Ich habe auch so etwas auf meinen Tisch stehen. Wie wär’s... Komm auf die Monitor. Wir machen ein Foto von uns allen, das du dann hier reinmachen kannst. Dann hast du ein Stück von uns bei dir. Dann hast du mehr als zuvor bei dir.“<br>  Mit immer noch gläsernen Augen, sah er Lewinski an. „Es tut mir leid John. Aber ich kann die Monitor nie wieder betreten. Ich werde immer einen Berg von Leichen sehen, wenn ich dies tue.“<br>  John schluckte. Und als ihm die Ideen so langsam ausgingen, stand er auf und trat zu Land.<br>  Dieser verstand stumm und stand ebenfalls auf. <br>  Lewinski drückte darauf seinen Freund fest an sich. Nach wenigen Sekunden spürte er, dass Land dann auch ihn in die Arme nahm. An der Schulter seines besten Freundes weinte Land, wie er es noch nie getan hatte.<br>  Und auch Lewinski bekam feuchte Augen. Doch während Land laut schluchzte, liefen Lewinski stumm die Tränen herab. „Umarme das Leben Bruce, umarme das Leben“, raunte Lewinski. <br>  Mehr konnte er ihm nicht raten.<br>  Bruce Land wusste, dass fortan nun ein Geheimnis zwischen ihnen bleiben würde. Etwas, das er ihm nie mitteilen würde können. Und so versteckte er das Gesehene irgendwo in seinem Hinterkopf.<br>  Die Intrigen, die Morde, die Brutalität.<br>  Lewinskis Angriffspläne, Frasiers Mord aus Liebe, Birds Selbstzweifel und Woils Drogensucht.<br>  All dies würde nie wieder diesen Raum verlassen. <br>All dies würde nie wieder sein Leben verlassen...<br>  <br>  <br>  </p><center>  <u><b>Ende</b></u><br>  <br><b><i>Nächstes Mal bei Monitor:<br><a href="http://downloads.scifinews.de/index.php?file=26033" target><img alt="" border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/promo_6x02.jpg"></a></i></b><p align="justify">  <b><i>Ältere Episoden findet ihr in unserem <a href="http://www.treknews.de/fanfiction/monitor_episoden.php" target="_self">Episodearchiv</a>...</i></b><br>  <br>  <u><b>NOX VACUA TEIL 2</b></u><br>  based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br> produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br> created by NADIR ATTAR<br> executive producer NADIR ATTAR<br>co-executice producer CHRISTIAN GAUS &amp; SEBASTIAN OSTSIEKER<br>lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers THOMAS RAKEBRAND &amp; JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br> written by CHRISTIAN GAUS<br>TM &amp; Copyright © 2005 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved.<br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br> This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work! </p></center>]]></description><guid isPermaLink="false">4759</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor-Special: Season 6 Banner</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-special-season-6-banner-r4590/</link><description><![CDATA[<p>Die Veröffentlichung der nächsten Staffel der Fanfiction Serie Star Trek Monitor ist gar nicht mehr so weit entfernt, wie manche vielleicht annehmen mögen. Aus diesem Grund könnt ihr endlich die ersten Teaserplakate und Banner zur sechsten Staffel bewundern.<br>Sebastian Hundt, nun neu als Produzent ins Team eingestiegen, hat diese entworfen und wird uns in Zukunft mit vielen weiteren Motiven unterstützen.<br><br>Viel Spaß beim Anschauen!<br><br></p><center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s6_banner1.jpg"><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s6_banner2.jpg"><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s6_banner3.jpg"><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s6_banner4.jpg"><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s6_banner5.jpg"><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s6_banner6.jpg"><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s6_plakat1b.jpg"><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s6_plakat2a.jpg"><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s6_plakat2b.jpg"><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s6_plakat3a.jpg"><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s6_plakat3b.jpg"><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s6_plakat4a.jpg"><br><br><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/s6_plakat4b.jpg"><br><br></center>]]></description><guid isPermaLink="false">4590</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor-Special: alle Nachlesen auf einen Blick</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-special-alle-nachlesen-auf-einen-blick-r4435/</link><description><![CDATA[<center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0501.jpg"></center><br>Sechs Tage sind nun vergangen, seit die erste Folge der brandneuen fünften Staffel auf <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> online ging und die Verantwortlichen sind über den Start mehr als zufrieden. Nach nicht einmal einer Woche hat die Episode "Eine neue Situation" mehr als 620 Clicks und 155 Downloads, was einen hervorragenden Wert für eine Fanfiction darstellt, die nicht die Ereignisse einer der fünf Fernsehserien weitererzählt.<br>Dazu Produzent Sebastian Ostsieker:<br>Reeeeeeeeeeekoooooooooooord!!!!!! <br><br>Und das nach nichtmals einer Woche. Ganze 48 Stunden hat es gedauert, dann hatte 5x01 schon deutlich mehr Leser, als die vorherige Folge (1x11) nach 7 Tagen. Mittlerweile hat 5x01 auch schon mehr Leser, als die bisher erfolgreichste Folge 1x06 "Ein Hauch von Heimat".<br><br>Autor und Ausführender Produzent Nadir Attar ist überglücklich mit diesen Zahlen:<br>"Bisher läuft es fantastisch, die Leserzahlen übertreffen meine kühnsten Erwartungen und belohnen die Mühen des vergangenen Jahres. Seit einem dreiviertel Jahr schreiben wir schon an dieser Staffel und die Arbeiten sind immer noch nicht abgeschlossen. Ich denke dies zeigt sich auch in der gesteigerten Qualität der Serie."<br><br>Die Episode zeigte mehr als alle anderen zuvor deutliche Parallelen zur Realität. War dies beabsichtigt?<br>"Definitiv," antwortete Nadir Attar, "die neue Staffel wird sich generell mehr auf aktuelle Ereignisse beziehen. Wir kehren damit zu den Wurzeln von Star Trek zurück, die in den actionorientierten Episoden der vierten Staffel etwas verloren gegangen sind. Es wird an dem Leser liegen diese Zusammenhänge zu erkennen und eigenständig zu bewerten."<br><br><br><center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0502-2.jpg"></center><br>Abermals ist die neue Star Trek Monitor Episode „Sehnsucht nach Frieden“ gut bei den Lesern angekommen, was die Zahlen beweisen: nach einer Woche gibt es über 133 Downloads und 390 Clicks.<br><br>Ein Grund für diese guten Werte mag sein, dass es sich bei dieser Episode um die erste der gesamten Serie handelt, die sich nur um den Chefingenieur der Monitor dreht.<br>„Es wurde Zeit für eine Woil-Episode,“ sagt Autor und Executive Producer Nadir Attar. „Ich meine, wir kennen diesen Antosianer schon fünf Jahre, aber was wissen wir wirklich über ihn? Bisher war er nur wenig im Zentrum der Handlung gewesen, doch dies ändert sich in der fünften Staffel. Er wird einen größeren Part einnehmen als man es sonst gewohnt ist.“<br><br>Attar verfasste diese Episode als Erste der Staffel. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch kein ausgearbeitetes Grundkonzept für die fünfte Season und daher fühlt sich die Folge sehr nach einer Standalone-Folge an.<br>„Ich hatte jedoch das Gefühl, dass diese Episode einfach geschrieben werden musste,“ so der Autor. „Sie gibt auch die Richtung der neuen Staffel vor: diese Episode ist allegorischer als jemals irgendeine zuvor und das wird auch in der fünften Staffel beibehalten. Ich sehe darin die Stärke von Star Trek, das Übertragen auf reale Umstände.“<br><br>Was sind jedoch die Anspielungen dieser Episode? Einen ersten Hinweis gibt schon der einleitende Satz Geschrieben unter Eintrug des Irak-Krieges.<br>„Ich wollte damit nicht melodramatisch klingen und so Leser anziehen. Es war aber wichtig für die Leser zu wissen zu welchem Zeitpunkt ich diese Episode geschrieben habe, um so einige Aussagen nachzuvollziehen. Wir erleben in dieser Episode eine Kultur, die einen zweihundert Jahre langen Krieg führt, den sie inzwischen bis zu den Planeten ihres Sonnensystems getragen haben. Den Grund für ihren Kampf haben sie schon längst vergessen, jeder weiß nur der andere ist böse. Man stelle sich dies nur vor: Angehörige der selben Spezies haben keinerlei Kontakt zueinander. In der gesamten Episode ist die Allianz der gesichtslose Feind, den man nicht zu sehen bekommt. Man spricht von Luft- und Raketenangriffen, zuweilen auch Infanteriegefechte, doch wirklich sehen<br>Der Name dieser außerirdischen Rasse, die in dieser Episode dargestellt wird, ist ebenfalls sehr ungewöhnlich. Hat das Wort Humaner irgendeine Bedeutung?<br>„Allerdings,“ gibt Autor Nadir Attar zu und verweist auf die englische Sprache.<br>Wenn wir uns die Übersetzungen der einzelnen Spezies aus der englischen Sprache ansehen, so erleben wir ein wiederkehrendes Muster:<br>Romulans ( engl. ) = Romulaner ( deutsch )<br>Vulcans ( engl. ) = Vulkanier ( deutsch )<br>Wenn wir nun den Namen Humaner ( deutsch ) rückübersetzen, so erhalten wir Humans ( engl. ), was übersetzt nichts anderes heißt als Mensch. Am Ende kämpfen in 5x02 also Menschen gegen Menschen. <br><br>Und woher kommt der ganze Stoff rund um das Privatleben des Chiefs?<br>„In jenen Rückblenden steckt auch ein großer Teil von mir drin. Es sind nicht so sehr seine Erlebnisse, sondern Ansichten und Probleme. Woil wird dadurch endlich zu einer wahrhaft dreidimensionalen Figur.<br>War der Rückfall auf Ketracel-White ein beabsichtigter Punkt gewesen?<br>„Nein, dies war ein spontaner Einfall gewesen, denn ich nachträglich noch ergänzt habe. <br>Es passt zu dem, was Jozarnay in dieser Episode erlebt hat und dieser Handlungsstrang wird uns noch einige Zeit begleiten.“<br><br><br><center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0503.jpg"></center><br>Wieder mal ist eine Woche vergangen, seitdem eine brandneue Episode aus der fünften Staffel von Star Trek Monitor erschienen ist.<br>Zeit also, um die Episode noch einmal Revue passieren zu lassen.<br><br>Executive Producer Nadir Attar:<br>"Ich finde die Episode großartig. Christian hat dabei großartige Arbeit geleistet. Sie wirkt sehr wirklichkeitsnah und stellenweise fühlte ich mich an den Film Der Schakal erinnert, was wohl absolut beabsichtigt wirkte. Das ganze wirkt wie eine Standalone-Episode und dennoch birgt sie einige Informationen, die in den kommenden Folgen aufgegriffen werden. So war die Idee der Liebschaft zwischen Bird und Frasier nicht von mir, doch die Idee fand ich gut genug, um sie fortzuführen. So wird aus dem unsicheren Techtelmechtel nur zwischen Matt Price und Elisabeth Frasier eine angespannte Dreiecksbeziehung. Wir dürfen abwarten, was dies für die Zukunft bedeutet."<br><br>Auch Autor Christian Gaus hatte bestimmte Vorstellungen von der Episode. Lassen wir ihn einfach selbst sprechen:<br>"Wie mir die Idee zu „Der Minister“ kam weiß ich nicht mehr genau. Schließlich arbeitet man ja auch ab und zu intensiv an Geschichten und entwickelt so Storys. Dies ist die andere Möglichkeit, eine Geschichte zu beginnen. So geschah dies zum Beispiel bei meinen beiden Episoden für Voyager9 „Zu den Wurzeln“ und „Die Gefährten“. Beide Episoden waren praktisch nur eine Anhäufung von Ideen, die ich explizit erarbeitet hatte, da ich so keine guten Ideen parat hatte.<br>Nun aber zum Minister. In diesem Fall waren es glaube ich mehrere Aspekte, die mir in den Sinn kamen. Zuerst der Grundgedanke der Monitor. Das Schiff gehört zum Geheimdienst an, also wollte ich die Crew auch mal in richtiger Geheimdienst Manier Undercover arbeiten und recherchieren sehen. Denn dieser Aspekt ist meiner Meinung nach schon zu lange vernachlässigt worden. Zumeist war die Monitor auf Missionen unterwegs, die jedes andere Schiff der Sternenflotte auch bewältigt hätte. Also stand die Grundidee des Undercover Einsatzes.<br>Dazu kam dann natürlich die Überlegung, wieso denn die Crew undercover unterwegs ist. Neben verschiedenen Möglichkeiten drang sich schnell eine meiner anderen Ideen auf. Die Crew sollte einen wichtigen Mann beschützen. <br>Doch wer sollte dieser Mann sein?<br>Da mir schon immer in Star Trek eine politische Betrachtung der Föderation fehlte, war mir klar, es musste ein Politiker sein. Denn diese wurden in der Geschichte des Genres Star Trek zumeist großzügig übergangen. Mal abgesehen von ein paar Cameo Auftritten einiger Botschafter der Föderation und einiger Präsidenten der Föderation. Und das die politischen Geschichten und Machenschaften auch in 400 Jahren interessant sind zeigt allein schon „Star Trek 6: Das unentdeckte Land“. Jedoch blieb dies eine glänzende Ausnahme. (Mal abgesehen von meiner Geschichte „Zu den Wurzeln“ die auch zur Hälfte von politischen Ansätzen vorangetrieben wird)<br>Demnach hieß es für mich: Die Monitor Crew beschützt einen Senator.<br>Nachdem mir jedoch die Grundzüge der Story so langsam klar wurden kam ich leichte Erklärungsnöte. Wieso ist ein einfacher Senator, der dies ganze macht um Präsident zu werden, zu diesen Planeten unterwegs?<br>Da dies keinen Sinn machte, wurde aus dem Senator schnell ein Minister mit Ambitionen auf das höchste Staatsamt. <br>Das Schreiben konnte also ungestört fortfahren.<br>Nun, so ungestört darf man sich das natürlich nicht vorstellen. Um dies zu kommentieren sei erwähnt, dass ich Geschichten verfasse, seit ich des Schreibens mächtig bin. Und die Zeiten, in denen ich einfach losschrieb, wenn ich eine Grundidee hatte und ich dann am Ende der Story feststellte, was denn da herauskam sind (zum Großteil) schon vorbei. Besonders bei Star Trek und insbesondere bei dieser Geschichte.<br>Einen Krimi mit politischen Hintergründen, Ansätzen von Thrill und Action schreibt man nicht einfach so.<br>Denn es ist nichts einfacher als sich bei einem Krimi so richtig zu verzetteln. Schließlich muss der Täter dem Leser bekannt sein, er muss ein Motiv haben und die Möglichkeiten. Zudem stellten sich bei speziell dieser Folge die Fragen: wie will er den Minister töten? Kann er dies alleine machen oder ist er gar Mitglied einer größeren Organisation? Wenn, welche Organisationen kommen in Frage und könnten Interesse an diesem Mord haben?<br>Schließlich ging es dann für mich daran, die Rollen zu verteilen. An vorderster Stelle stand der Minister. Er manifestierte sich für mich schon schnell zu einer ambivalenten Persönlichkeit: Nach außen hin ganz staatsmännisch professionell, charmant und tatkräftig. Nach innen ist er jedoch zynisch, arrogant, anmaßend und mit einem Ego ausgestattet, dass die Milchstraße füllt. Zudem besitzt er die Fähigkeit seinen Blick auf das zu richten, was ihm wichtig ist und es gleichzeitig so aussehen zulassen, als nütze es dem Gesamtwohl der Föderation. Die Eingliederung der Akronari Planeten in die Föderation stellt für ihn den nötigen politischen Achtungserfolg dar, seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten zu festigen.<br>Dem Minister fehlt allerdings, obwohl er die wichtigste Nebenfigur der Geschichte darstellt, etwas entscheidendes. Ein Name. Ich entschied mich bewusst dagegen. Nicht etwa aus der Sorge heraus, mir würde kein guter Name einfallen (im Gegenteil hatte ich in dieser Episode ungewöhnlich viele Namen zu verteilen) sondern um seine Position zu unterstreichen.<br>Seine Person steht, für ihn, im Hintergrund, wichtig ist ihm ganz sein Ziel, das angestrebte politische Amt zu erreichen.<br>Im Minister spielt natürlich eine Reihe weiterer Leute wichtige Rollen. Die Agenten des Secret Service Krigav und Carter (Eine Zeit lang blieb mir der Gedanke hängen, die Episode Get Carter zu nennen, aber der hätte zuviel vom Ausgang der Geschichte verraten). Der Captain der Prometheus, die trill – vulkanierien Torea Solak, sowie die unbenannte Chefingenieurin, die auch bei Ardev einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Dann natürlich mysteriöse Bekannte wie den Industriellen Kaptana und seinen Helfer Tapiso.<br>Dann war ich an der Reihe unsere Crew zu verteilen. Arena als „Zofe“ des Ministers erlebt einige leicht komödiantische Szenen. Ardev reiht sich als kleiner Techniker auf der Prometheus ein und muss dort auch seine eigenen Demütigungen einstecken. Dann sind natürlich die anderen auch im Einsatz. Price und Woil, sowie Frasier und Bird. Auch hier sind die kleinen Anspielungen völlig beabsichtigt wie Price Name, Sam Becket, oder auch der für Frasier und Bird mit den Ewings.<br><br>Hier muss ich etwas anmerken. Ich schrieb diese Episode, bevor ich etwas von der großen Story der fünften Staffel wusste. Nadir begann die großen Handlungen also nebeneinanderher laufen zu lassen mit mehr oder weniger schwimmenden Grenzen zwischen den Episoden und dann kommt einer daher, der eine Stand alone Episode schreibt ohne die großen Themen der Staffel anzusprechen. Das einzigste, das ich wusste von der Staffel war, dass Price und Frasier noch nicht zusammengefunden haben und dass Woil möglicherweise wieder zum White zurückfindet.<br><br>Hinzu kommen einige kleine Aspekte, die ich zudem noch in eine Monitor Episode einbringen wollte. Allein die Tatsache, dass es mehr gibt als die Sternenflotte sieht man am Secret Service. Dann wie gesagt an den politischen Verstrickungen und der Tatsache, dass die Monitor nicht die Stütze des Universums ist sondern nur ein Teil der Befehlskette. Dieser Umstand wird in einer kommenden Episode noch genauer von mir beschrieben.<br>Hinzu kommt die, wie sie oft genannt wird, Happy – End – Mentalität. Der Umstand, dass jede Geschichte gut und ohne Schäden ausgeht ist zwar ein wundervoller Gedanke, jedoch trägt dieser in den meisten Fällen nicht zu einem realistischen Ende der Geschichte bei. Daher habe ich dieses Mal einen etwas anderen Ausgang gewählt, der der Geschichte eine glaubwürdige und dramatische Abrundung beschert.<br>Natürlich habe ich noch weitere Details in die Geschichte, die sie glaubwürdig werden lassen, zum Beispiel in einer kleinen Szene, wenn der Minister ganz altmodisch Zeitung liest und sich als erstes darüber aufregt, dass ein schlechtes Bild von ihm abgebildet ist.<br><br>Am Ende muss ich feststellen, dass ich eine Episode geschaffen habe, die recht realistisch daherkommt und spannend ist.<br>Besonders wenn die Crew am Ende über die Konsequenzen spricht und ein politisches Gespräch führt und gleichzeitig im Untergrund die Gefühle brodeln.<br>Und die Frage was aus dem Minister wird (oder auch nicht wird), wird beiläufig von Jellico in einer der kommenden Episoden beantwortet. Nur in einem Nebensatz, so wie es Star Trek typisch ist, wenn es um Politik geht. Also, verfolgt die nächsten Episoden aufmerksam.<br><br>Als ich eben über diese Episode reflektierte fielen mir die momentanen Parallelen auf. Die Auswahl des Präsidentschaftskandidat bei uns in Deutschland oder gar die beginnende Schlammschlacht in den USA um das höchste Amt im Staat. Natürlich schrieb ich diese Episode ohne irgendwelche Eindrücke davon.<br>So entstand also „Der Minister“. Ich hoffe natürlich, ihr genießt diese Episode beim Lesen so wie ich beim Schreiben, denn dann habe ich mein Ziel erreicht. Auch wenn ich dieses Mal keine Aussage hinein gepackt habe bin ich sehr stolz auf diese Geschichte. Ich selbst habe nämlich die Ziele erreicht, die ich erreichen wollte. Eine spannende Geschichte zu schreiben, die des Titels „Star Trek“ würdig ist, mit einigen überraschenden Wendungen (auch für die großen Handlungen der Staffel) und ohne störendes „Techno – Babbel“."<br><br><br><center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0504.jpg"></center><br>Knapp eine Woche ist mal wieder vergangen und daher ist es für uns wieder einmal an der Zeit einen Blick zurück zu werfen. Höchst erfolgreich wurde die aktuellste Episode von Star Trek Monitor namens „Am Scheideweg“ aufgenommen und erntete sehr gute Kritiken.<br><br>„Ich freue mich sehr darüber,“ meint Exeuctive Producer und Autor Nadir Attar, „die Arbeit an jener Episode hat sehr viel Spaß gemacht und ich halte sie für eine der besten dieser Staffel. Sie legt nicht nur den Grundstein für eine Trilogie innerhalb dieser Staffel, sondern kann auch für sich allein gesehen voll und ganz überzeugen.“<br><br>Was an der Episode 5x04 auffällt ist die Fülle an Handlungssträngen, die den Leser erwartet. Viele Personen tauchen auf, die sich teilweise an unterschiedlichsten Orten aufhalten und nicht direkt miteinander agieren.<br>„Es war in gewisser Hinsicht ein Risiko,“ erklärt der Autor, „denn bei zu vielen Nebensträngen läuft man Gefahr sich zu verzetteln und so den Leser zu verwirren. Zumindest bei dieser Episode hat es jedoch geklappt. Ich denke  ist ein gutes Beispiel für die Komplexität, die nun in den Monitor-Episoden herrscht. Wenn wir an die erste Staffel mit ihren kurzen und in sich geschlossenen Episoden zurückdenken, so bemerkt man, was die Serie geradezu für einen Quantensprung gemacht hat. Schon längst ist es für den Gelegenheitsleser oder Neueinsteiger schwer mitzukommen, denn einige Personen beziehen sich auf Ereignisse, die schon Jahre zurückliegen. Das soll jedoch niemanden abschrecken.“<br><br>Wie so oft versucht diese Star Trek Episode sich an realen Ereignissen aus der Gegenwart zu orientieren und den Leser zum Nachdenken zu bringen. Bei „Am Scheideweg“ ist es wohl der Hauptplot um die andorianischen Rebellen, der dabei am auffälligsten ist. Ganz bewusst vermeiden wir hierbei die derzeit beliebte Verwendung der Bezeichnung Terrorist, denn was viele Leute inzwischen ignorieren ist, dass Terrorismus immer im Auge des Betrachters liegt.<br>Das Eindringen der andorianischen Gruppe in das historische Museum auf Terellia erinnert stark an die gegenwärtigen Übergriffe sogenannter „Islamisten“. Was genau Nadir Attar aussagen wollte erklärt er selbst:<br>„Ich wollte bei dieser Haupthandlung zwei Dinge deutlich machen. Zum einen wollte ich mit die Sichtweise bestimmter Personen umgehen. Personen wie Bolar, die ihre Vorbilder in den Figuren unserer Gegenwart haben, sehen sich selber nicht als Terroristen, als Mörder von Unschuldigen. Im Gegenteil, sie sehen sich im Recht, getrieben zu ihren Taten durch die äußeren Umstände. Ob man diese Einschätzung teilt bleibt jedem selbst überlassen, durch die ungewöhnlich intensive Beschäftigung mit Bolars Charakter wollte ich jedoch deutlich machen, dass man Probleme erst lösen kann, wenn man sie versucht zu verstehen. <br>Derzeit machen vor allem junge Menschen den Fehler nicht zu verstehen, dass es nicht heißt man teilt eine bestimmte ( radikale ) Ansicht, nur weil man versucht sie zu ergründen / erklären. Wo beginnt Terrorismus? Wo ist es der legitime bewaffnete Kampf gegen Ungerechtigkeit, den sogar unser deutsches Grundgesetz in bestimmten Notsituationen empfiehlt, ja geradezu vorschreibt? Das sollte sich der Leser einmal fragen.<br>Der zweite Aspekt ist eine erschreckende Entwicklung, die ich nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern zeitweise auch bei mir entdeckt habe. In der aktuellen Episode bemerken wir zum Schluss den schleichenden Rassismus, der sich gegen Andorianer richtet. Deutlich wird dies an Jake Siskos Kolumne, die von Übergriffen auf dieses Volk berichtet. <br>Eine kleine Gruppe von Wenigen, in diesem Fall Bolars Freischärler, hat eine grausige Tat begangen und nun wird ein ganzes Volk dafür stigmatisiert. Viele begehen den Fehler und denken sie wären nicht anfällig für xenophobe Tendenzen, doch dies entspricht nicht der Wahrheit. Jeder kann eine schleichende Ablehnung, ja geradezu Hass, gegen Fremde entwickeln, da dies ein Relikt unserer Vorfahren der Frühzeit ist. Hätte die Menschheit überlebt, wenn sie keine natürliche Scheu vor gefährlichen Tieren gehabt hätte? Sicherlich nicht, aber heutzutage müsste eigentlich der Verstand vor diesen Trieben siegen, was leider nicht so ist. Wie gesagt, jeden kann dies treffen und deutlich wird dies an Arenas Reaktion, die zum ersten Mal in ihrem Mann nicht Ardev, sondern einen Andorianer sieht. Vorher wäre ihr nie in den Sinn gekommen die Sache so zu sehen, doch ausgelöst durch den Tod ihres Bruders beginnen unangenehme Gefühle in ihr zu keimen.<br>Jeden kann es treffen und es ist ein täglicher Kampf mit uns selbst, um auch weiterhin die Vernunft siegen zu lassen.<br>Freut euch also auf eine Fortführung der Ereignisse in Episode 5x05!“<br><br><center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0505.jpg"></center><br>Leicht verspätet präsentieren wir euch den üblichen Rückblick auf die Produktionsgeschichte der aktuellen Monitor-Episode mit dem Titel „Der Feind“.<br><br>Episode 5x05 stellt den Mittelteil einer kleinen Trilogie dar, der in die Staffel eingebaut worden ist und dessen Grundstein mit Episode 5x04 „Am Scheideweg“ begonnen wurde. Daher fällt es auch etwas schwer Worte zur aktuellen Folge zu finden, denn in erster Linie stellt sie eine Fortführung der Handlungsstränge dar, die in 5x04 begonnen wurden. <br>Da wäre in erster Linie die Erforschung der Auswirkung der Massenvernichtungswaffen, die von den Talarianern eingesetzt worden sind. Der ganze Plot erinnert an Zombiefilme, die derzeit exzellent durch „Dawn of the Dead“ im Kino vertreten werden und in der Tat stellt diese Handlung eine Reminiszenz an einen Film dar: „28 Days later“, der britische Vertreter dieses Genres, hat Autor Nadir Attar inspiriert. Es herrscht wie im Film eine triste und stille Atmosphäre, lange Zeit bleibt unklar, was auf dem Planeten geschehen ist. Fakt ist nur, dass jegliche Umgebungsgeräusche fehlen. Erst sehr viel später wird klar, dass eine Waffe eingesetzt worden ist, die die Freund-Feind-Erkennung im Gehirn verändert. Am deutlichsten wird die Verwandschaft zu „28 Days later“ als man die letzten romulanischen Soldaten trifft. Wie auch im Film handelt es sich nur noch um acht Überlebende, die verzweifelt versuchen ihre Stellung zu halten und fürchten das gesamte romulanische Imperium sei durch diese Waffe zerstört worden. Sehr wichtig war Nadir Attar die Darstellung von Commander Sokol, dessen Name übrigens eine Anspielung auf die Figur des „Major Sokol“ aus der Fernsehserie „JAG – Im Auftrag der Ehre ist“.<br>„Sokol ist ein Beispiel dafür, dass nicht alle Romulaner der Meinung sind dieser Krieg sei gerechtfertigt,“ so Attar. „Seine Einstellung wendet sich direkt an die Menschen, die die Handlungsweise der Wehrmachtssoldaten im Zweiten Weltkrieg kritisieren. Wieso, so die kritischen Historiker, haben die Soldaten nicht die unmenschlichen Befehle verweigert? Natürlich wäre dies eine richtige Handlung gewesen, doch wenn die Konsequenz daraus aus dem eigenen Tod besteht, so gestaltet sich die ganze Sache schwieriger. Man versucht das moralisch richtige zu tun und scheitert dennoch. Es handelt sich um einen schmalen Grat.“<br><br>Der zweite Handlungsstrang dreht sich natürlich um Arena Telloms Umgang mit dem Tod ihres Bruders. Zum ersten Mal trifft sie persönlich auf den Mörder Renos und der Leser muss mit ansehen, wie Arena immer größeren Hass entwickelt. Dabei schafft sie es nicht diesen Hass nur auf Bolar zu lenken, sondern entwickelt nach und nach eine Antipathie für alle Andorianer. Auch dies soll auf die Probleme unserer Zeit aufmerksam machen. Durch die Taten einiger weniger wird eine ganze Rasse in Verruf gebracht. Beispiele dafür in unserer Gegenwart gibt es leider genug.<br>Sehr unerwartet war die Tötung Bolars durch Tellom am Ende der Episode.<br>„Auch hier ging es um Richtig und Falsch, Moral und Gerechtigkeit. Die Tötung Bolars war gerecht, denn er ermordete den Bruder Arenas. Moralisch gesehen war ihre Tat jedoch höchst fragwürdig, denn nur die Justiz darf Täter richten, um solche Überreaktionen zu verhindern.“<br>Natürlich wird auch dieser Handlungsstrang in der nächsten Episode weiter verfolgt werden.<br><br>Zuletzt ist auch der Titel „Der Feind“ direkt auf die Handlung der Episode bezogen. Wer ist der Feind, wen muss man bekämpfen? Wir sehen Talarianer und Romulaner, die aufgrund der Wirkung der Biowaffe sich gegenseitig bekämpfen; Andorianer und Terellianer, die sich wieder hassen. Und auf der anderen Seite Föderationsleute und Romulaner, die zusammenarbeiten um von diesem Planeten zu entkommen. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen. Frieden und Zusammenarbeit ist möglich, muss aber jeden Tag neu erarbeitet werden. Das ist die Botschaft an die heutige Zeit. <br><br><br><center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0506.jpg"></center><br>Mit der kürzlich veröffentlichten Episode „Einschleusung“ endete der kleine Zyklus rund um das Rätsel der im Krieg verwendeten Massenvernichtungswaffen.<br>„Ich denke wir alle können mit dem Ergebnis zufrieden sein,“ erklärt Exekutive Producer und Autor Nadir Attar. „Wir hatten schon oft episodenübergreifende Handlungsbögen, die uns über längere Zeit begleitet haben, doch dieser ist ein ganz besonderer. Denn die drei Episoden „Am Scheideweg“, „Der Feind“ und „Einschleusung“ hätten von der Art ihrer Konzeption her auch zu einer Einzelepisode zusammengefasst werden können. Daher endeten diese Episoden auch mit dem Hinweis Fortsetzung folgt.“<br><br>Es fällt schwer noch einige erklärende Worte zu der letzten Episode abzugeben, denn die wichtigsten Punkte wurden schon in den letzten Rückblicken gesagt.<br>Bemerkenswert jedoch ist die Rückkehr von Ben Travis in das Universum von Star Trek Monitor. Schon lange war mit dem Gedanken gespielt worden ihn in die Handlung zurückzubringen und endlich war dies möglich, auch vielleicht nicht in der Art und Weise, wie man sich dies ursprünglich vorgestellt hatte. Doch durch den begonnen Handlungsfaden um den Krieg zwischen Romulanern und Talarianern ergaben sich ganz neue Möglichkeiten. Interessant war natürlich zu sehen, wie Ben Travis mit der Situation der Talarianer umging. Noch vor wenigen Jahren hatte er sie erbittert bekämpft, nun liefert er ihnen die Waffen, um Beta-Candor zu helfen. Der moralische Konflikt wird so ersichtlich: nur weil es mir nicht schadet ( im Gegenteil, es hilft der ehemaligen Kolonie sogar ) heißt es noch lange nicht, dass es gut wird. „Man könnte diese ganze Sache an unsere Mentalität des Wegschauens anlehnen. Viele Menschen begründen ihre gleichgültige Haltung zu jedwedem Thema mit den Worten<br>Er schadet ja mir nicht, also kann er ruhig machen. Diese Einstellung ist falsch, denn Probleme gehen uns immer etwas an und müssen diskutiert werden,“ so Attar.<br>Ob uns Ben Travis noch einmal begegnen wird? „Ich hoffe es, denn ich liebe seinen Charakter in Verbindung mit Ardev. Leider habe ich derzeit keine Vorstellung davon, wann und wie er wieder auftauschen soll. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das hinkriegen.“<br><br>Die B-Handlung drehte sich natürlich wie zuvor um Arena Tellom. Nun muss sie sich mit den Konsequenzen ihrer Tat herumschlagen. Ihr wird bewusst, dass sie nicht nur einen einfachen Verbrecher getötet hat, sondern einen Mann mit Familie, Hoffnungen und Träumen. <br>Ein Plädoyer für den Verbrecher?<br>„Nicht unbedingt. Aber um Probleme zu lösen muss man sie begreifen. Dies ist derzeit eines der Dinge, welche die Vereinigten Staaten nicht begreifen: sie können den Terror nicht zerschlagen, ohne dass sie begreifen, wieso ihr Land so unbeliebt ist. <br>Wer Mathematiker ist weiß: vor dem Lösen einer Aufgabe kommt erst das Verstehen.“<br>Auch war dieser Storyteil wichtig um Arena etwas zu entschärfen. In den letzten zwei Episoden hatte sie Züge angenommen, die mehr als beängstigend und für manche Leser sehr ungemütlich waren. Hier findet sie endlich wieder zu ihrem alten Selbst zurück und beginnt ihre Tat kritisch zu überdenken.<br><br><br><center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0507.jpg"></center><br>Wann hatte ich die Idee zu „Dreimal im Leben“? Nun um ehrlich zu sein, hatte ich sie schon bevor ich „Der Spion, der von der Erde kam“ schrieb. Jeroen McMor ist der Captain meiner Fanfiction Serie, die sich im Moment noch im literarischen Aufbau befindet, jedoch in meinem Geiste schon das Entwicklungsstadium von Staffel 7 erreicht hat. Daher wusste ich von Anfang an, was McMor zustoßen wird. Auch die Zeit, die er außerhalb der Sternenflotte verbringt, war schon geplant bevor ich von Lewinskis ähnlicher Situation erfuhr. Schlussendlich stellte ich fest, dass beide ihre Auszeiten zur selben Zeit nahmen und beschloss sie zusammenzubringen. Auch wenn beide aus anderen Gründen ihre Auszeiten nahmen und andere Mittel einsetzten um ihre Ziele zu erreichen.<br>Mit dem Ende dieser Episode legte ich schließlich den Grundstein für „Dreimal im Leben“.<br>„Dreimal im Leben“ ist zuerst einmal die Geschichte von Autorität innerhalb der Flotte. Die Admiräle in den Serien sind (bis auf wenige Ausnahmen) alles arrogante Gestalten die nur an Bord eines Schiffes kommen um die Crew und den Captain zu schikanieren. Zuerst sieht dies hier genau so aus. Doch es wird schnell klar, was wir in den anderen Serien übersahen. Lewinski ist nur ein Captain unter vielen, wirklich sehr vielen anderen. Und ein Admiral kann ihm Befehle geben. So einfach ist es. Und wenn Lewinski sie nicht ausführt landet er vor dem Kriegsgericht, angeklagt der Meuterei. Während Picard immer schnell die Oberhand über einen Admiral gewann, wollte ich dies hier anders darstellen.<br>Und so spitzt sich die Lage an Bord zu. Die Antipathie des Admirals Lewinski gegenüber überblendet für ihn die eigentliche Mission, sowie das Vertrauen, dass Iluzio der Crew entgegen bringt.<br>Am Ende, als sich herausstellt, dass Iluzio McMor ist zeigen sich die wahren Motivationen der beiden. Zudem findet sich zwischen den beiden eine ganz besondere Beziehung. Die Dialoge entwickeln sich nie wie erwartet. Beide messen sich aneinander und wachsen aneinander.<br>Aber auch die anderen Beziehungen auf der Monitor entwickeln sich. Während des ersten Hochzeittages von Ardev und Tellom, die nach all dem Stress wieder zueinander gefunden und sich klar gemacht haben, dass sie einander brauchen, entdeckt Frasier, dass sie Bird näher steht, als sie zugibt. Die Verwirrung ist ihr deutlich anzumerken. Besonders im Gespräch mit Price am Ende, der zeitgleich seine eigenen Gefühlswelten in Einklang bringen muss.<br>Auf dem Betazed erkennt Price durch Marissa, wie sehr er Frasier braucht, er sich aber auch vor der Beziehung ängstigt, besonders, da er ja in Kürze Vater wird.<br>Alles in allem führt uns das zu dem Titel der Episode. Nachdem ich die Episode geschrieben hatte, wollte ich den Titel noch ändern, aber mein Chef Nadir Attar hat mich mit einem diplomatischen „Der bleibt“ davon abgehalten auch nur über Alternativen nachzudenken.<br>Drei verschiedene Arten von Liebe treiben die Hauptpersonen der drei Handlungen an. Zum einen McMor, der die Liebe seines Lebens verloren hat. Wir haben Price, Frasier und Bird, die alle in ihrer Liebe hin und her gerissen sind. Zudem natürlich den perfekten Stand der Liebe in der Beziehung von Ardev und Tellom.<br>Dieses Thema ist für mich pures Star Trek. Die Beziehungen der Menschen und ihre Empfindungen sind immer das spannendste in diesen Geschichten. Aus diesem Grund ist diese Geschichte so menschlich, auch wenn die Borg einen kleinen Gastauftritt haben. Diese Geschichte ist meine menschlichste nach „Beneath“ aus der 9.Voyager Staffel (ein Zufall, dass auch damals Nadir mitschrieb? Oder ein Zeichen einer höheren Macht?). Liebe und Hass, die gegensätzlichsten Gefühle überhaupt liegen so dicht beieinander. Wir haben dies schon in der Beziehung Tellom/Ardev während der letzten Episoden gelesen und haben es jetzt hier wieder bei McMor/Lewinski. McMor vertraut der Person, die er am meisten hasst die Mission an um die Liebe seines Lebens zu retten. Als er erkennt, dass dies unmöglich ist vertraut er sich diesem Mann an, den er für all das schlechte in seinem Leben die Verantwortung gibt. Er weint in seinen Armen sogar.<br>Das ist, was ich immer zeigen wollte. Jeder Mensch kann seine Ansichten ändern, zu jedem Punkt in seinem Leben. Und die Liebe ist etwas so wundervolles, dass es sich lohnt um sie zu kämpfen.<br>Auch das Lied am Ende, das sinnbildlich für Danny Birds Gefühle steht bringt diese Stimmung zusätzlich rüber. Das Lieb heißt übrigens „He don’t love you like I love You“ und ist auf dem Album „Gotta get thru this“ von Daniel Bedingfield zu finden. Kann ich euch nur empfehlen da mal reinzuhören.<br>Ich bin sehr stolz auf diese Episode Monitor, da diese Geschichte eine war, die mir so lange im Kopf herumgespukt war und ich sie unbedingt erzählen wollte. Am Ende wurde sie besser als ich erwartet hatte (auch durch die Zusammenarbeit mit Nadir, der die Handlung um Price und Frasier vervollständigt hat) und ein schöner Moment Monitor und Star Trek. <br><br><br><br><center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0508.jpg"></center><br>Augenblicke“, die achte Episode der laufenden fünften Staffel von Star Trek: Monitor, stellt die Halbzeit des gegenwärtigen Handlungsbogens dar. Einige Themen erreichen ihren vorläufigen Höhepunkt und werden stellenweise sogar zum Abschluss gebracht.<br>Mancher Leser mag sich nun fragen: wieso schon jetzt und nicht erst am Ende der Staffel?<br>Diese Überlegungen existierten tatsächlich, wurden aber schließlich beiseite gelegt. <br>„Was wichtig ist,“ so Autor Nadir Attar, „ist die Nachbereitung. Viele Filme und Serien erzählen großartige Storybögen von epischen Schlachten und großen Ereignissen, enden dann jedoch abrupt. Es ist jedoch auch wichtig zu entdecken, wie das Leben nach diesen Ereignissen weitergeht. Daher entschloss ich mich gegen Mitte der Season die Höhepunkte der gegenwärtigen Konflikte geschehen zu lassen. Alles was danach kommt widmet sich den Auswirkungen dieser.“<br>Im globalen Maßstab ist da sicherlich der beendete Krieg das bemerkenswerteste. Nach knapp über einem halben Jahr mussten die Talarianer schließlich gegenüber der gewaltigen Übermacht der romulanischen Flotte kapitulieren. Was uns gegenwärtige Krisen in der Welt jedoch gezeigt haben ist, dass Kriege nicht von heute auf morgen enden. Sie gehen weiter und ihre Auswirkungen beeinflussen noch in vielfältiger Weise die Zukunft.<br>„In nächster Zeit werden wir uns der besetzten Welt Talar widmen, so viel ist sicher.“<br>Nadir Attar verspricht, dass auch weiterhin ein aktueller Bezug gegeben sein wird.<br><br>Auf menschlicher Eben war sicherlich der entgültige Tod von Lewinskis Vater tragisch. <br>Der Captain des wackeren Raumschiffs muss sich nun in Zukunft der Frage stellen, wie es mit seiner Familie weitergehen soll. Wir haben schon erfahren, dass er noch einen Bruder namens Martin besitzt, diesen jedoch nicht auffinden kann. Er ist das letzte, was von der alten Familie Lewinski noch übrig geblieben ist. Daher wird es in den kommenden Monaten John ein Bedürfnis sein seine alte Familie wieder herzustellen. Etwas, was sich als sehr schwierig herausstellen wird.<br>„John muss sich nun den Fehlern seiner Vergangenheit stellen. Er hat seine Arbeit vor seine Familie gestellt und daher seinen Vater schon lange nicht mehr geschehen. Nun ist es zu spät und er schwört sich, so etwas solle nie wieder geschehen.“<br><br>Zu guter letzt wurde die Handlung um Arena und Ardev zu einem Abschluss gebracht, indem Arena ihre Taten gebeichtet hat. <br>„Vertrauen ist wichtig in einer Liebe und manche Dinge sind so elementar, dass man sie nicht verheimlichen kann. Daher war es umso wichtiger für Arena ihre Gefühle zu dem Zeitpunkt mitzuteilen.“<br>Endlich hat die junge Frau die kurze Phase ihrer geistigen Verwirrung hinter sich gelassen und kann nun wieder zur alten Lieutenant Tellom reifen. Mehr noch, es ist zu hoffen, dass sie aus ihren Fehlern gelernt hat und zu einem besseren Menschen, pardon Terellianerin, heranreifen wird.<br><br><center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0509.jpg"></center><br>Wie die Zeit doch vergeht! „Kaum“ bei <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> online gegangen kann die Fanfiction-Serie Star Trek: Monitor ihre fünfzigste Episode feiern. Ein schönes Erlebnis, wenn man bedenkt wie kurzlebig der Markt in diesem Bereich ist. Noch verwunderlicher wenn man bedenkt, was der Ausführende Produzent der Serie meint:<br>„Das Finale der dritten Season hieß nicht umsonst Das Ende,“ so Nadir Attar, „ursprünglich wollte ich danach die Serie beenden. Drei Jahre kamen mir wie eine ewig lange Zeit vor. Dann jedoch hielt ich inne und dachte darüber nach, dass ich erst vor kurzem es geschafft hatte die Serie auf <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> zu platzieren? Nun schon beenden? Also wurde noch ein viertes Jahr drangehängt und danach fiel die Entscheidung die Star Trek typische 7 anzupeilen.“<br><br>Bemerkenswert an der Entstehungsgeschichte von „Jellico“ ist, dass die Episode schon lange geplant war. Das Grundkonzept stand schon in der dritten Staffel, jedoch war es damals kaum zu realisieren. Nach dem vermeintlichen Tod des Bösewichts zu Beginn der vierten Staffel schien die Episode ebenfalls gestorben zu sein, doch weit gefehlt.<br>„All diese Entscheidungen waren so spontan. Der Tod Jellicos zu Beginn von 4x01 sollte ursprünglich definitiv sein und unumkehrbar. Damals war nicht im geringsten geplant, dass er der geheime Informant sein würde. Herrje, ich hatte nicht einmal eine Vorstellung, wer der Informant sein sollte!<br>Ich wollte neue Figuren etablieren, den ganzen Kampf gegen Sektion 31 nicht auf eine Figur konzentrieren. Doch je länger die Season ohne Jellico lief desto mehr wurde mir bewusst, dass jeder andere Bösewicht ein Abklatsch von ihm sein würde. Also brachte ich Edward Jellico mit einem Paukenschlag in die Serie zurück.“<br><br>Die Rückkehr kam bei den Fans an, die eine Art Hassliebe mit Jellico verband. Nach seiner Rückkehr war es also nur noch eine Frage der Zeit, bis die Episode geschrieben worden konnte. Dabei wurde ihm ein Gegenspieler benutzt, den treue Leser inzwischen kennen dürften: die in einer realen Verfilmung von Nicole Kidman dargestellte Stella Tanner entwickelte sich zum Erzfeind des Chefverschwörers. Sie hatte quasi ihren ersten Auftritt in „Jellico“, einer Episode, die weit vor den anderen geschrieben wurde. Also galt es die Figur nach und nach aufzubauen, dem Zuschauer begreiflich zu machen, woher ihr Hass auf den alten Mann kam. Daher immer wieder die stückweisen Auftritte in den vorangegangenen Episoden. Haben wir nun das letzte Mal Ms Tanner gesehen? „Ich sage dazu nichts,“ so Attar und lächelt.<br><br>Doch stellt 5x09 den Verschwörer nicht zu sanft dar? Vielleicht sogar als Opfer?<br>„Nein, dies denke ich nicht. Mir ist es jedoch wichtig noch einmal deutlich zu machen, dass man ein Problem begreifen muss, um es zu lösen. Wie wurde Edward zu dem, was er heute ist? Es gab Gründe und Personen, die ihn zu dem machten, was er heute ist. Und unschuldig ist er gewiss nicht. Am Ende gibt er zu, dass er zu bequem wurde, um weiter den Kampf gegen Sektion 31 zu suchen. Er hatte sich einfach zu sehr an den Luxus gewöhnt.“<br>Ansonsten war, wie gesagt, alles spontan an der Episode. Seine Gedanken, die Dialoge, quasi alles schrieb sich von selbst. Es schien fast so als hätte die Episode darauf nur gewartet geschrieben zu werden. Sogar der Auftritt von John Lewinski war eine kurzfristige Idee. „Um noch mehr die Antipathie zwischen den beiden herauszustellen und um zu zeigen, dass der jeweils andere eine Nemesis ist.“<br><br>Am Ende war sogar mal wieder geplant worden Edward Jellico sterben zu lassen. Doch auch hier wurde deutlich, dass er inzwischen zu wichtig für die Dynamik der Serie geworden ist. Also musste seine Familie ihr Leben lassen und so Edward Jellico zu einer neuen Aufgabe veranlassen: der Menschenjagd auf Stella Tanner. Es bleibt abzuwarten, wie sich dies auf die Psyche des Mannes auswirkt. Denn treue Leser wissen, dass auch Nathan Sloan seinen Verstand verlor, nachdem sein Vater starb.<br><br>An dieser Stelle gilt unser Dank noch einmal allen treuen Lesern, die uns über die Jahre so wunderbar unterstützt haben. Ihr seid es, für die wir schreiben!<br>Danke!<br><br><br><center><img src="http://www.treknews.de/treknews/ib_html/uploads/post-18-98899-t_0510.jpg"></center><br>Wie auch schon bei 5x09 „Jellico“ ist die Idee zu „Momente“ älter, als viele annehmen mögen. Schon seid mehreren Jahren haben wir versucht eine Episode um Stil von Logbucheinträgen zu gestalten, ohne dass dies bisher möglich gewesen war. Schon in der dritten Staffel war angedacht worden eine solche Episode zu schreiben, realisiert werden konnte das Ganze jedoch erst jetzt. Wieso? Erst zum jetzigen Zeitpunkt waren die Figuren den Lesern gut genug bekannt, um ihr Gefühlsleben glaubhaft darstellen zu können. Die einzelnen Charaktere hatten nun einen individuellen Background, der während der letzten Jahre entstanden ist und den die Fans hautnah mitverfolgt haben. Auch war der Zeitpunkt eine solche Experimentalfolge zu schreiben günstiger denn je. Denn die drei ausgewählten Schicksale, über die berichtet wurde, fanden alle zum gleichen Zeitpunkt statt und boten ein ausreichendes Kontrastprogramm, um die Sache nicht langweilig werden zu lassen.<br><br>Am schwierigsten war es jedoch sich bewusst zu werden, dass man nicht nur über die Gefühle der Protagonisten sprechen durfte. Das Leben an Bord der Monitor musste vielmehr weitergehen, es mussten Dinge geschehen. Immerhin wurden die Logbucheinträge in bestimmten Zeitabständen verfasst und daher wäre es nur wenig realistisch gewesen, wenn die Zeit an Bord des Schiffes einfach stehen geblieben wäre. Daher die Minihandlungen rund um Lewinskis Kommandoenthebung, Price´ Denken über die Vaterschaft und Woils verzweifelten letzten Versuch von seiner Drogensucht wegzukommen. So war es möglich trotz des nicht gerade alltäglichen Konzepts eine Rahmenhandlung in die Episode zu integrieren.<br><br>Bei einer solch persönlichen Episode mag sich so mancher Leser fragen: wie viel vom Autor selbst steckt in dieser Episode? Mehr als manche Leute vermuten würden. <br>Zwar hat Nadir Attar keiner der Haupthandlungsstränge selber durchmachen müssen ( man mag es kaum glauben, aber er ist weder Vater, Waise noch drogensüchtig ), dennoch basieren einige der Zitate und Gedankengänge auf Erlebnissen und Betrachtungen des Verfassers. Welche genau dies sind wird natürlich nicht verraten!<br><br>Zum ersten Mal hautnah „gesehen“ haben wir in dieser Episode die Figur des Martin Lewinski, dem Bruder des Captains. Zugegeben, man hatte vorher in der Serie kaum etwas von ihm gehört, doch dies wird mit dem schlechten Verhältnis der beiden Brüder erklärt. Viel haben wir noch nicht über Martin erfahren, er scheint jedoch nicht der selben Natur wie John zu sein. Rein filmisch würde am besten Kiefer Sutherland in diese Rolle passen, er bringt gleichzeitig das einigermaßen passende Aussehen ( gemessen als Robert Patrick / Captain Lewinski ) und das Charisma für diese noch junge Rolle mit. Sicher ist, dass wir in dieser und der kommenden Staffel noch mehr von ihm hören werden.<br><br>In dieser fünften Season wird es noch eine zweite Experimentalepisode geben, nämlich die Episode 5x12 „And Action!“. In dieser Folge wird es um einen Film gehen, der über die Crew der Monitor gedreht wird. Also freut euch schon mal auf dieses gewagte Experiment! <br><br><br><center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0511.jpg"></center><br>Nun, die Idee zu einer Q Folge war darin begründet, dass es einfach gesagt, noch gar keine gab. Daher hatte ich als Fan der Serie auch die Frage an Monitor Erfinder Nadir Attar gerichtet, wann mal endlich die „obligatorische Q Folge“ kommen würde, die in jeder Serie der TNG Ära eine art Muss war.<br>Zu jener Zeit war die vierte Staffel am laufen, hatte gerade ihr erstes Drittel hinter sich, als Nadir mir dann antwortete, dass er dies eigentlich nicht vor hätte. Also war es in dem Moment beschlossene Sache dieses Projekt selbst zu verwirklichen. Nach fast einem Jahr, durch diverse Unterbrechungen aus beruflichen Gründen, hatte Nadir Attar die fertige Folge erhalten. Seine Begeisterung über die Folge hatte mich veranlasst auch eine Fortsetzung der Episode „Das Chaos aller Zeiten“ zu entwickeln, die voraussichtlich dann in der 6 Staffel ihr Debüt haben wird.<br><br>Die Folge ist eine reine Standalone Folge. Dabei bin ich zugegebenermaßen von dem ST TNG Roman „Ich Q“ mehr als beeinflusst worden. Dies fiel erst so richtig auf, als ich die Episode nach langer Zeit nochmals durchlas. Nichts destotrotz kommt auch viel Neues in das ST Universum. Gleich 2 neue Rassen und viele alte Bekannte werden sich auf 32 Seiten die Ehre geben.<br>Zu einem die S. Eine neue Variante der Q. Sie sind wesentlich mächtiger als die Q. Sie betrachten sogar ihre Vetter als primitive Lebensformen und sind um einiges gefährlicher. Ich wollte damit einen Gegner für Q schaffen, bei dem Q mehr brauchte als nur mit einem Fingerschnippen das Problem zu lösen. Q wird in der Folge auch um einige Faktoren menschlicher rüberkommen. Dennoch werden auch komische Momente nicht zu kurz kommen die ich in Form von Dialogen in der Episode verstreut habe.<br><br>Dann sind noch die Goald. Eine neue mysteriöse Rasse über die sogar der Erfinder Jörg Grampp nicht alles weiß. Die S werfen die Galaxie den Goald zum Fraß vor und Q muss es verhindern. So könnte man den Inhalt der Folge in Kürze beschreiben, schmunzelte der Autor leicht.<br>Ich wollte wieder einen Gegenspieler, der nicht innerhalb eines 2 Teilers entzaubert wird und auch auf lange Zeit mystisch und unantastbar bleibt, um somit spannende Geschichten auch in Zukunft zu ermöglichen, da die Borg leider in Voyager geradezu verharmlost wurden. So der Autor verheißungsvoll. <br><br>Ich hoffe dass die Folge bei dem Leser Anklang findet. Sie ist die erste richtige Q Folge von Monitor und hoffe auch das sie nicht die letzte sein wird.<br><br><br>Mit herzlichen Grüßen<br><br>Jörg Grampp <br><br><br><center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0512.jpg"></center><br>Die Idee eine Episode teilweise oder sogar gänzlich in Scriptform zu verfassen existierte schon lange. Ursprünglich war eine solche Folge schon für die vierte Staffel geplant, doch in jener erschien schon eine Experimentalepisode mit dem Titel „Musik auf den Lippen“. Der Erfolg jener Idee bestärkte jedoch Autor Nadir Attar auch für die fünfte Staffel eine scheinbar wirre Idee zu Papier zu bringen. <br>„Lange Zeit schwebte mir die Idee eines Theaterstücks vor,“ erklärt der Autor, „die Charaktere würden auf dem Holodeck eine klassische Inszenierung aufführen. Doch diese Variante gab es schon zuhauf in der Geschichte von Star Trek. Wieso also nicht etwas, was es noch nicht gegeben hat? Also ein Kinofilm über die Monitor-Crew?“ Immerhin würde diese teilweise Scriptform nicht zuletzt für den Autor selbst eine Herausforderung darstellen, denn so etwas hatte er bisher nie in diesem großen Rahmen gegeben.<br>Die Inspiration kam von der Akte X Episode „Hollywood A.D.“, die seinerzeit von David Duchovny geschrieben und inszeniert wurde. Darin werden die beiden beliebten FBI-Agenten von einem Filmemacher verfolgt, der am Ende einen Kinofilm über sie dreht. Nichts anderes also als der Grundplot für „And Action!“.<br>„Auf diese Art und Weise können wir alle das Monitor-Universum etwas humorvoller betrachten. Diese Staffel war voller Schicksalsschläge für die gesamte Besatzung und nun war es an der Zeit auch einmal lachen zu können.“<br><br>Die Grundidee der Episode war an sich eher simpel, was auch die relative Kürze erklärt. Das Hauptaugenmerk sollte eh auf die Dialoge zwischen dem Filmemacher Quentino Tarantel und der Crew gelegt werden. „And Action!“ wird vornehmlich aus seiner, etwas distanzierter Sich gezeigt, was auch dem eher unregelmäßigen Monitor-Leser die Möglichkeit eines leichten Einstiegs bietet. Immerhin steht die Episode im Grunde für sich selbst und bezieht sich nur wenig auf die vorigen. Für alle Kontinuitätsfans sei gesagt: nächste Woche gibt es mit 5x13 „Alternativen“ wieder eine reinrassige, zusammenhängende Monitor-Episode.<br><br>Manchen mag es vielleicht nicht aufgefallen sein, doch die Episode bietet viele kleine Insidergags und Anspielungen auf andere Begebenheiten aus unserer realen Filmwelt. An dieser Stelle möchten wir euch einen kleinen Einblick bieten:<br><br>- gleich zu Beginn heißt es:<br>„Schnitt zur Brücke: in aufrechter Gestalt steht er da, in seiner siegreichen Pose einem griechischen Gott gleichkommend.“<br>Die Anspielung auf den griechischen Gott ist eine 1:1 Erwähnung aus dem Pilotfilm der Sci Fi-Serie Andromeda, in der mit diesem furchtbaren Kalauer auf die Vergangenheit Kevin Sorbos als Herkules angespielt wird.<br><br>- die Namen von Matthew Price und Danny Bird sind eingedeutscht worden… so wie man es früher bei schlechten Übersetzungen gerne tat.<br><br>- bei dem Lied im Abspann handelt es sich um „Bring me into Life“ von Evanescene, derzeit eine der Lieblingsgruppen des Autors<br><br>- im Abspann gibt es einige Querverweise. „Monitor: Final Conflict“ ist abgeleitet von der hervorragenden Roddenberry-Serie „Earth: Final Conflict“.<br>Allan Smithee ist ein Regiesynonym, falls die Macher so unzufrieden mit ihren Werken sind, dass sie nicht erwähnt werden möchten.<br>Quentino Tarantel ist natürlich eine kleine Abwandlung des wegweisenden Regisseurs Quentin Tarantino.<br>Ed Wood gilt als schlechtester Regisseur aller Zeiten, der dennoch Kultstatus genießt. Sein Film „Plan 9 aus dem Weltall“ gilt als peinlichstes Machwerk überhaupt und ist dabei der Lieblingsfilm von David Duchovnys Charakter des Fox Mulder.<br>John Smith ist der Standardname für einen Amerikaner und zudem die Bezeichnung des Agenten in „Matrix“<br>Und John Doe ist der amerikanische Begriff für Anonymus, also Menschen, dessen Identität nicht geklärt ist.<br><br>- Price´ verächtlicher Kommentar über SciFi bezieht sich auf die Stargate-Episode 5x03, in der Richard Dean Anderson ebenfalls erklärt, dass dieses Genre nicht sein Fall ist.<br><br>- Tarantels Gefasel über die schöne Frau im Film, sowie der „Quotenaußerirdische“ sind kleine Seitenhiebe auf die Filmindustrie, die sich manchmal nur mit diesen Tricks zu behelfen weiß. Zudem ist die unsinnige Abkürzung von Chief Woils Namen ein kleiner Hinweis auf die seltsame Marotte bestimmter Stars sich völlig abwegige Künstlernamen zu geben.<br><br>- die Filmszene in der Krankenstation ist natürlich eine Karikatur von Filmen, die solche effektheischenden OP-Szenen einbauen und dabei nicht die Feinzeichnung von Emergency Room besitzen.<br><br>- die Erwähnung der Techniker #1,2,3, sowie der Statisten soll natürlich an die Tradition der „Redshirts“ erinnern, die in der klassischen Serie wie die Fliegen starben. Die Idee stammt zudem aus „Kill Bill Vol. 1“, in dem der Polizeichef seinen Sohn „Sohn #1“ nennt.<br><br>Dies war zumindest ein grober Überblick! Wer weiß, vielleicht findet ihr ja noch mehr??<br><br><br><center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0513.jpg"></center><br>Das Ende der fünften Staffel von Star Trek: Monitor rückt immer näher. Am letzten Samstag ging die vorletzte Episode mit dem Titel „Alternativen“ an den Start.<br>Erfreulich ist, dass es nach den Lesereinbrüchen bei den letzten Episoden endlich wieder aufwärts geht. Nicht mal innerhalb von einer Woche hat es über 400 Clicks gegeben, ein äußerst erfreuliches Ergebnis. Vielleicht liegt dies auch daran, dass „endlich“ die Gesamtgeschichte weitergeführt wird.<br><br>Der Titel „Alternativen“ ist dabei nicht ohne Bedacht ausgewählt worden, denn er lässt sich passend auf die Handlungsstränge übertragen. <br>Bird muss sich hier mit der Möglichkeit eines alternativen Lebens auseinandersetzen, eines alternativen Ichs, welches an seine Stelle treten könnte. <br>Price muss zwischen zwei Frauen wählen: Selina Kyle, mit der er ein Kind hat, oder Elisabeth Frasier, die er liebt.<br>Lewinski muss sich mit dem alternativen Leben seines Bruders auseinandersetzen. Während der Captain auf der Seite der Legalität steht, macht Martin genau das Gegenteil. Seine Taten sind illegal.<br><br>Inzwischen mag dieser Satz ausgereizt sein, aber auch die Handlung rund um den Verräter Bird war lange geplant. Die wichtigste Frage war jedoch, wer am Ende der Verräter ohne Schuld sein sollte. Zu Beginn sollte Matthew Price es sein, der mit seiner rebellischen Ader noch viel eher dafür vorstellbar gewesen wäre. Aber in dieser Staffel war schon zu viel rund um den ersten Offizier geschehen. Wie hätte man eine weitere Katastrophe in sein Leben einbauen können? Also traf es am Ende den, der in dieser Season am wenigsten zu tun hatte: Danny Bird. Mit seiner ruhigen, sympathischen Art stellte sich sein Verrat zu Recht als Schock für den Zuschauer heraus. Auch zu Beginn der sechsten Staffel wird sich der Sicherheitschef mit diesem Dilemma auseinandersetzen müssen.<br><br>Nach einem Jahr war es zudem endlich soweit: Matthew Price durfte seine Tochter endlich in die Arme schließen. Nachdem wir Selina Kyle während der gesamten Staffel über nur über den Kombildschirm kennengelernt haben, trat sie nun endlich in Natura auf. <br>Die Begegnung der drei war längst überfällig. Zum einen, weil Matt endlich einmal seine Tochter sehen musste, zum anderen aber auch, damit endlich ein Schlusstrich unter diese Affäre gezogen wurde. Ein Jahr lang haben wir gesehen, wie sich der Halbbetazoid es komplett mit Dr. Frasier verscherzt hat und nun bekam er dafür die Quittung; wird von der Ärztin am Ende stehen gelassen. <br><br>John Lewinski muss einsehen, dass auch seine Familie kriminell werden kann. Während der vergangenen Jahre hat er aufopferungsvoll gegen Sektion 31 gekämpft und muss nun feststellen, dass sein Bruder selbst kriminelle Pfade eingeschlagen hat. Er hatte dies nie für möglich gehalten und fragt sich nun, woran diese Entwicklung liegt? Nach dem Tod seines Vaters möchte John seine Familie zusammenhalten, doch wie soll ihm dies gelingen? Auch seinen Bruder haben wir ganz sicher nicht das letzte Mal gesehen. <br><br><br><center><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0514.jpg"></center><br>Nun liegt er vor euch, der erste Teil des Cliffhangers Nox Vacua. Da ich wenig über die Geschichte an sich erzählen kann ohne die Spannung aus dem zweiten Teil zu nehmen erzähle ich etwas darüber, wie diese Geschichte entstanden ist. Es begann alles mit der Grundidee des Filmes Memento. Ich fand die Idee interessant das Ende zu kennen, jedoch nicht zu wissen, wie es dazu kam. So war der Grundplot für diese Monitor Episode geboren. Doch der Stress sollte erst beginnen. Zuerst sollte eine alte Freundin von Danny Bird das Wrack untersuchen und dies alles erleben, doch recht bald schwenkte ich auf Bruce Land über, da er uns allen vertrauter ist und ich auch die Voyager zurückbringen konnte.<br>Also begann ich zu schreiben. Zuerst die ganze Monitorgeschichte in chronologischer Reihenfolge. Natürlich musste ich die Tücken in Acht nehmen, die Geschichte in 8 Tage zu teilen, doch auch dies bewältigte ich. Am Ende kam schon beinahe eine Episode heraus, die für sich allein hätte stehen können – hätte sie noch ein Ende gehabt. Dann hieß es von vorne anzufangen. Ich musste die Handlung auf der Voyager so erzählen, dass sie ebenfalls in den selben Etappen erzählt wird wie die Monitor Handlung und dann hoffen, dass sich diese Handlungen irgendwie ergänzen. Und schließlich musste in der Monitor Handlung darauf achten, nicht zuviel am Ende zu verraten, da man dies ja schon zu Beginn der Geschichte wüsste und so die Spannung bis zum Ende verloren ginge. Eine harte Nuss...<br>Ein anderes Problem musste ich jedoch zuvor lösen. Es war etwa zur Halbzeit der Geschichte, als ich schon absehen konnte das dies das beste sein würde, dass ich zu schreiben im Stande war. Ich erklärte also im Mitarbeiterforum, dass ich den Cliffhanger für Staffel 5 schon zur Hälfte fertig habe. Die Antwort war weniger erfreulich. Nadir Attar hatte andere Pläne für das Staffelfinale und wollte mit der Grundstory abschließen, die er in den letzten Episoden aufbaute und nicht mit einer stand alone Episode, die wenig mit der Staffel zu tun hatte. Daher bot er mir an die Story als Einteiler zu veröffentlichen. Notgedrungen nahm ich das Angebot an, auch wenn ich mich natürlich ärgerte, denn mit jeder Zeile spürte ich das Potenzial dieser Story als Cliffhanger der Staffeln 5 und 6. Ich schrieb die Story zu Ende und stellte sie ins Forum, mit Nadirs begeisterter Antwort: OK, wir nehmen die Story als Cliffhanger.<br>Das hat mich am meisten mit Stolz erfüllt. Die Tatsache, dass Nadir den Staffelabschluss seiner Serie einem anderen überläst und dafür seine Ideen zurückschiebt. Ich kann ihm nicht genug danken dafür.<br><br>Soviel zum Beginn. Mehr gibt es nach dem zweiten Teil von Nox Vacua im sechsten Jahr Star Trek Monitor.<br><br><br><br><br><br><br><br><br>]]></description><guid isPermaLink="false">4435</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 5x14: Nox Vacua</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-5x14-nox-vacua-r4132/</link><description><![CDATA[<p align="center"><b>Diese Folge als PDF-Download:</b></p><div align="center"><center><table><tr><td align="center"><a href="http://www.treknews.de/cgi-bin/gallery-treknews/imageFolio.cgi?action=view&amp;link=Fanfiction/Star_Trek_Monitor&amp;image=0514.zip&amp;img=&amp;tt=all" target><img alt="Download" border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0514.jpg"></a></td></tr><tr><td bgcolor="#202020" valign="top" align="center"><font color="#ffffff" face="Verdana,Arial,Helvetica" size="1"><b><font>Monitor 5x14 "Nox Vacua"</font></b><br>Zip File<br>Größe: 0,29 MB</font></td></tr></table></center></div><br><br><br>Für das ungeschulte Auge wäre dieses Objekt nicht mehr als Raumschiff erkennbar gewesen. Es trieb inmitten des Nichts, Lichtjahre vom nächsten Planeten der Klasse M oder einer Sonne entfernt. Wie ein dunkler Stein hing es in der Schwerelosigkeit und wartete auf seine Rettung. Doch nichts wagte sich an dieses Schiff. Es war verflucht. Von Geistern bewohnt. Nicht ein Lichtstrahl erachtete es für nötig, dieses einst so prachtvolle kleine Schiff den Glanz zu geben, den es verdiente.<br>Doch dieses Schiff sollte anders enden. Im Halbdunkel verschollen, vor dem Firmament der Sterne.<br>Irgendwo in der Vergessenheit...<br><center>Gefangen zwischen den Zeiten, zeitlos...</center><br><p align="right">Das tragische Ende der USS Monitor...</p><br><br><b>Tag 12</b><br><br>	Bruce Land saß allein in seinem Quartier auf der USS Voyager. Kraftlos war er in seinen Sessel gefallen und versuchte sich abzulenken. Sie verbrachten nun schon zwei Tage damit, die Monitor zu suchen. Und Bruce wusste, dass dies ein unmögliches Unterfangen werden könnte. Er kannte dieses Schiff besser als kaum ein anderer. Wenn die Monitor nicht gefunden werden wollte, wurde sie nicht gefunden.<br>Doch dieses Mal handelte es sich um etwas anderes. Der hiesige Sektorchef des Geheimdiensts hatte die Voyager mit dem dringenden Befehl beauftragt, die Monitor zu suchen. Anscheinend hatte sie eine Mission nicht planmäßig angetreten und auch nichts von sich hören lassen.<br>Und hier draußen, am Rande des Föderationsraums, gab es auch nicht sehr viele Stationen oder Subraumtransceiver. Dass Bruce Land nach seinem alten Schiff suchte kam einem Zufall gleich. Die Voyager war vor einem halben Jahr damit beauftragt worden, den unbekannten Raum zu untersuchen. Nichtahnend, dass die Monitor ebenfalls in der Nähe operierte.<br>Doch bisher reagierte sie nicht auf Rufe und war auch nicht auf den Sensoren zu sehen. Land wusste, dass es demnach nur drei Möglichkeiten gab: die erste war, dass sie nicht gefunden werden wollte. Das würde voraussetzen, dass die Monitor irgendeine Mission befolgte, egal ob nun autorisiert oder nicht und die Voyager dabei nur ein Teil dieser Mission war um irgendwelche dritte abzulenken. Der erste Offizier musste sich eingestehen, dass ihm diese Möglichkeit am meisten zusprach.<br>Die zweite Möglichkeit beruhte auf der Annahme, dass die Monitor tatsächlich verschollen war und sie irgendwelche Probleme hatten, die sie soweit in unbekanntes Territorium trieben, dass die Voyager noch tagelang suchen würde.<br>Die dritte war vollkommen unabhängig von irgendwelchen Annahmen. Die Monitor wäre demnach nicht auf den Sensorschirmen, weil sie zerstört wurde.<br>Egal welche Möglichkeit zutraf, hatte die Voyager den Auftrag bekommen den Vorfall penibel genau zu untersuchen. Land hatte Chakotay schon gebeten, die Ermittlungen leiten zu dürfen, was er aufgrund seines Postens als Erster Offizier höchstwahrscheinlich auch so getan hätte.<br>Der Captain hatte zwar zuerst einige Bedenken geäußert, da er ja einst dem Schiff angehörte, doch Land hatte ihn überzeugen können. Gerade aufgrund dessen war es für ihn einfacher, sich in das Schiff einzuarbeiten. Außerdem kenne er die Personen und ihr Verhalten wie kein anderer.<br>Chakotay hatte dem nachgegeben, wenn auch nur unter vorbehalten. Schließlich wusste er ja noch nicht, was mit dem Schiff und der Besatzung geschehen war. Und er konnte seinen ersten Offizier immer noch zurückpfeifen, sollte er nicht unparteiisch bleiben.<br>Also wartete Land jetzt darauf, bis eine Spur gefunden wurde.<br>Neben dem Sessel stand ein kleiner Glastisch, auf dem er ein Bild abgestellt hatte. Er nahm es zu sich und betrachtete es aufmerksam.<br>In Grunde war es gar kein Bild. Es war nur der Rahmen. Dort, wo sich eigentlich ein Bild befinden sollte prangerte nur der blanke schwarze Hintergrund.<br>Trotzdem erinnerte es ihn an die Monitor. Es gab kein Gruppenfoto der Brückencrew. Er wusste nicht, wieso es nie dazugekommen war. Vielleicht aus einem Grund der Geheimhaltung oder auch aus Zeitgründen. Auf jeden Fall prangerte hier nun ein leerer Bilderrahmen.<br>In diesem Moment erklang der Türsummer.<br>Land sah erschrocken zur Tür. Mit einem neutral klingenden „Herein“, gewahr er dem Besucher Einlass.<br>Grelles Licht fiel vom Flur in sein Quartier, das er etwas abgedunkelt hatte um sich besser entspannen zu können.<br>„Captain Chakotay“, begrüßte Land seinen Besucher. „Kommen Sie herein.“<br>„Danke“, erwiderte er und trat schnell ein, wodurch sich die Tür schloss und die Ruhe im Quartier wieder hergestellt war.<br>„Bitte, setzen Sie sich doch.“ Land deutete sogleich auf die Couch neben seinem Sessel.<br>Chakotay nahm dieses Angebot dankend an und setzte sich. Dann schwieg er und sah zu Land.<br>„Kann ich etwas für Sie tun Sir?“, fragte der nach einigen langen Sekunden.<br>„Das wollte ich Sie fragen“, antwortete er schlicht.<br>Land winkte sogleich ab. „Noch haben wir die Monitor nicht gefunden...“<br>„Vielleicht finden wir sie auch gar nie. Sie haben viele Freunde auf jenem Schiff, und auf diesem. Ich will nur sichergehen, dass diese Situation meinen Ersten Offizier nicht zu sehr beeinflusst.“ Chakotay wartete einige Sekunden, bevor er fortfuhr. „Sie wissen, dass Counsellor Kalen immer ein offenes Ohr hat, auch für Sie.“<br>Die Voyager hatte vor ihrem Abflug noch einen zivilen Counsellor an Bord genommen. Dieses Mal wussten sie ja, dass ihre Mission längere Zeit in Anspruch nehmen würde. Also war es immer gut, einen Berater und eine neutrale Ansprechperson an Bord zu haben.<br>Land wollte gerade eben etwas erwidern, als eine Stimme aus der Interkom klang. Es war Barclay.<br>„Barclay an Captain Chakotay.“<br>„Hier Chakotay, was gibt’s?“<br>„Sir, wir haben vielleicht eine Spur von der Monitor.“<br>Noch bevor Chakotay antworten konnte, war Bruce Land schon aufgesprungen und eilte zur Tür. Chakotay folgte ihm, so schnell er konnte.<br>„Wir sind auf dem Weg.“<br><br>Auf der Brücke gingen Chakotay und Land schnurstracks zur wissenschaftlichen Station, an der Chakotays Frau Annika Hansen und der Chefingenieur Reg Barclay schon warteten.<br>„Bericht“, forderte Chakotay sogleich.<br>„Wir haben ein unbekanntes Objekt auf den Sensoren“, antwortete seine Frau, die in solchen Fällen immer noch in einen kühlen Borgtonfall fiel.<br>„Wo?“, fragte Land.<br>„In etwa 7 Lichtjahren Entfernung“, antwortete diesmal Barclay.<br>„Wieso haben wir das nicht früher bemerkt?“, wollte Chakotay wissen. Es klang zwar keine Bedrohung in seiner Stimme, doch jedermann wusste, dass er eine Antwort forderte. Ohne Umschweife.<br>„Wir hielten dieses Objekt zuerst für ein natürliches Phänomen. Bis ein automatisches Notsignal von ihm ausging.“ Barclay wagte es nicht, Chakotay direkt in die Augen zu sehen. Doch es fühlte, dass Chakotay noch einige Erklärungen forderte. „Es ist ein schwaches Unterlichtsignal, das von einer kleinen Bake ausgeht. Dieses Signal ist aber auch das einzige, das dieses Objekt als Schiff der Sternenflotte kennzeichnet.“<br>„Für die Monitor...“, ging Land dazwischen „...ist das nicht ungewöhnlich.“<br>„Was noch?“, fragte der Captain, ungeachtete des Zwischenrufs seines Ersten Offiziers.<br>„Wir sollten uns keine zu große Hoffnung machen“, teilte Annika die traurige Nachricht nach einem tiefen Atemzug mit. „Wir können eine große Menge an Strahlung und Restwerten wahrnehmen, die darauf hindeuten, dass es einige schwere Explosion gab.“<br>„Aber irgendjemand muss den Notruf aktiviert haben“, erkannte Land.<br>„Und dieser jemand hat dies mit sicher nicht gemacht, als er tot war“, spann Chakotay den Gedanken weiter. Dann brach in ihm Aktivität aus und er wandte sich an die Steuerfrau. „Tema’na, setzen Sie einen Kurs auf dieses Objekt. Warp 9.“<br>„Aye Sir“, bestätigte die Romulanerin und praktisch im selben Moment änderte die Voyager ihren Kurs. Und auch Lands Stimmung änderte sich im selben Moment. Plötzlich hatte ihn ein tiefes Gefühl der Euphorie erpackt.<br>Er wusste nicht, dass er keinen Grund dazu hatte, so zu fühlen.<br><br>	Es verging nicht viel Zeit, bis die Voyager das Wrack der Monitor erreichte. Doch für Land dehnte sich diese Zeit ins Unendliche. Umso schlimmer traf ihn dann auch das erste Bild, das die Sensoren übermittelten und auf dem Bildschirm des Schiffes der Intrepid Klasse dargestellt wurde.<br>Wortlos stand Bruce Land da und betrachtete es.<br>Chakotay sah es ebenso fassungslos an. Als er dann die Blicke bemerkte, die sich weniger auf das Schiff konzentrierten, sondern auf Land gab er schnell die nächsten Befehle.<br>„Komplette Analyse“, forderte er und sah zur wissenschaftlichen Station, an der seine Frau noch immer Dienst tat.<br>„Aufgrund eines Strahlungslecks kann ich wenige genau Angaben machen. Allerdings sind die Rettungskapseln des ersten Decks gestartet worden. Ich kann ihre Spur erkennen“, lautete der erste Bericht.<br>„Was ist mit Lebenszeichen?“, fragte Chakotay.<br>„Das Strahlungsleck verhindert, dass ich das Schiff scannen kann. Bisher gibt es keine Lebenszeichen.“<br>„Was ist mit den Rettungskapseln?“<br>Annika Hansen sah erneut auf ihre Anzeigen und richtete die Sensoren neu aus. Ihr Bericht schlug dann auch ein wie eine Bombe. „Keine Sir.“<br>An Bruce Land schienen die Worte spurlos vorbeizugehen. Leicht hatte er seinen Kopf gesenkt und die Augen geschlossen. Verzweifelt versuchte er einen klaren Gedanken zu fassen, doch er konnte nur an die 51 Leben an Bord des kleinen Schiffes denken.<br>„Wie geht es dem Schiff an sich?“, fragte Chakotay, der dabei die Monitor genau beobachtete und die Schäden an ihr deutlich bemerkte. „Stammen die Explosionsherde von einem Angriff?“<br>„Nein. Die Explosionen stammen von überlasteten Energieleitungen. Zudem wurden die Deuteriumkapseln abgesprengt. Allerdings hat die Besatzung offenbar versucht, diese Mangel mit dem Deuterium aus den Shuttles wieder wett zu machen. Sie haben es aber nicht bis zur Vollendung dieses Plans gebracht.“<br>„Funktioniert die Lebenserhaltung?“ Lands laute fragte überrascht alle auf der Brücke. Noch immer hatte er sich keinen Millimeter gerührt.<br>„Nur auf der Brücke“, lautete Hansens prompte Antwort.<br>„Captain, ich erbitte um Erlaubnis für einen Außenmission.“ Land hatte sich nun zu Chakotay umgedreht. Es bestand kein Zweifel, dass er nur eine Antwort akzeptierte. Also gab Chakotay sie.<br>„Aber nur mit einem kleinen Team. Und es bleibt die ganze Zeit ein Kom – Kanal geöffnet.“<br>Land nickte und machte sich sofort auf den Weg. Er wollte herausfinden was mit dem Schiff geschehen war. Er wusste, dass er keine Ruhe finden würde, solange dieses Geheimnis ungelöst blieb.<br><br>Das Glitzern des Transporterstrahls wich der Schwärze der Monitor. Mit dem ersten Atemzug, den Land an Bord des Schiffes nahm, wusste er, dass hier etwas furchtbares und abscheuliches geschehen war. Die Luft war kühl. Zu kühl. Sie lag nur knapp über dem Gefrierpunkt. Was nur rein körperlich kurz schockierte denn die Uniformen wärmten den Körper auch noch bei diesen Temperaturen erstklassig.<br>Bruce Land wartete, wie die anderen seinen Teams auch, das aus Annika Hansen und Barclay bestand, bis sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Zwar hatten sie ihre Taschenlampen bereits aktiviert, doch die Umstellung war immer noch immens.<br>Während dieser Sekunden hörten sie jede Bewegung auf dem Schiff. Winde strichen durch die leeren Decks der Monitor, ausgelöst durch die großen Temperaturunterschiede. Die Verstrebungen krachten unter der Kälte, der das Schiff schutzlos ausgeliefert war.<br>Endlich war Land in der Lage Umrisse und Konturen deutlich zu erkennen.<br>Auf der Brücke herrschte das pure Chaos. Keine Station gab mehr Energie ab.<br>Und in der Mitte. Im Sitz des Kommandanten saß... <br>Danny Bird.<br>Land konnte sich nicht bewegen. „Danny“, flüsterte er. Annika Hansen trat sogleich auf ihn zu. Nur kurz musste sie auf ihren Trikorder sehen um das Abscheuliche zu erkennen. „Er ist tot.“<br>Geschockt sah Land zu seinem ehemaligen Kollegen. Er war älter geworden. Aber er sah auch abgemagert aus. Was mochte mit ihm geschehen sein?<br>Bruce Land riss sich aus seiner Starre. „Barclay beschaffen Sie uns etwas Energie. Crewman Hansen, helfen Sie ihm und versuchen Sie dann an den Schiffsrekorder und das Logbuch ranzukommen.“ Land deutete dabei auf eine Station im hinteren Bereich der Brücke. „Von dort aus werden Sie den besten Zugang haben.“<br>Beide bestätigten den Befehl sofort und machten sich an die Arbeit.<br>In der Zwischenzeit trat er auf Bird zu und beobachtete ihn stumm. Seine geöffneten Augen starrten an die Decke. Wahrlich wie ein Sack hing er in dem Stuhl, den Kopf nach hinten gelehnt, der rechte Arm hing einfach so herab, während der linke auf der Lehne des Stuhles ruhte.<br>„Was ist mit dir passiert Danny?“, fragte er seinen Freund. Ruhig näherte er sich um und schloss mit einer beinahe rituell wirkenden Handbewegung seine Augen.<br>Dann senkte er seinen Kopf und gedachte ihm einige Momente lang. Bis sich die Brücke wieder mit einem Minimum an Leben füllte, als einige der Konsolen wieder mit Energie gespeist wurden.<br>Leicht verwundert drehte er sich zu den beiden Offizieren um.<br>„Gut gemacht Lieutenant“, lobte der erste Offizier Barclay. Der sah darauf nur mit einem knappen Lächeln zu ihm, was in dieser Kulisse mehr als unabgebracht wirkte.<br>„Danke Sir“, fügte Barclay noch stolz hinzu, bevor er sich wieder umdrehte und weiterarbeitete.<br>Doch Annika Hansen wandte sich kurz von den Kontrollen ab und kam zu Land.<br>„Ist mit Ihnen alles in Ordnung?“, fragte sie.<br>„Es geht. Wir müssen nur einen detaillierten Plan ausarbeiten, wie wir bei den Untersuchungen vorgehen. Außerdem werde ich mir dann noch das ganze Schiff ansehen. Und jemand muss sich die Aufzeichnung des Schiffsrekorders und der Logbücher ansehen. Sie könnten auch noch zu den Rettungskapseln fliegen um diese ebenfalls zu untersuchen...“<br>„Sir“ unterbrach sie ihn mit der gefühlvollen „Mutterstimme“, die sie sich während der letzten zwei Jahre als Mutter angeeignet hatte. „Wir werden das schon schaffen. Auch Sie.“<br>Land dankte ihr mit einem kleinen Lächeln. Eine solche kleine Aufmunterung hatte er jetzt benötigt. „Danke, aber...“ er unterbrach sich selbst, als sein Blick zurück auf Danny Bird fiel. Er konnte ihn nicht von dem jungen Mann lösen. Doch nicht wegen den Gefühlen, die ihn mit ihm verbanden, sondern wegen purer Verwunderung. „Seine Augen.“<br>Annika Hansen sah nun ebenfalls zu Bird. Direkt in seine klaren Augen. „Was ist mit ihnen?“<br>„Ich habe sie gerade eben geschlossen.“ Langsam trat er auf ihn zu...<br>Und schrie um sein Leben, als sich Danny Bird in einem krampfartigen Anfall vom Stuhl herunter hustete und vor den Füßen des Ersten Offiziers liegen blieb. Seine trockene Kehle war kaum im Stande, ein klares Wort zu fassen. Doch wenn man genau hinhörte, vernahm man ein Wort.<br><i>Hilfe.</i><br><br>Nur wenige Minuten später wartete Land zusammen Chakotay auf die ersten Untersuchungsergebnisse. Die Krankenstation war abgedunkelt worden um Bird keinen Lichtschock zu versetzen, mit dem Risiko, dass er erblinden könnte.<br>Chakotay wartete, bis Land von sich aus bereit war, etwas zu sagen. Doch zuvor trat der Doktor auf sie zu. Er versucht nicht allzu deprimiert zuwirken, doch er schaffte es nicht, seine Miene aufzuheitern.<br>„Wie steht es um ihn?“, fragte Chakotay schnell um eine Unangenehme Situation zu vermeiden.<br>Der Doktor nahm noch die letzten Schritte durch das Kraftfeld, das um das zentrale Biobett errichtet worden war und stand dann vor den beiden Kommandanten.<br>„Nicht gut Sir“, antwortete er mit einem Flüsterton. Offenbar wollte er diese Worte nicht all zu laut in Birds Gegenwart aussprechen. „Er ist ausgetrocknet und ausgehungert. Seine Augen werden vermutlich nie wieder mehr Licht wie dieses aufnehmen können. Einige seiner Organe sind sehr schwer beschädigt und leiden an Unterfunktionen. Zudem war er mit der Strahlung verseucht, die auf dem Schiff austritt, was ich schon behandeln konnte. Außerdem, und das ist das wichtigste, leidet er an einem traumatischen Schock, aus dem er sich vermutlich nie wieder befreien werden kann.“<br>Mit einem Seufzen nahm Chakotay diese Worte auf und stemmte seine Fäuste in die Hüfte, so wie er es von Janeway gelernt hatte. „Können Sie seine Wunden behandeln?“<br>Niedergeschlagen drehte er seinen Kopf zu Seite. „Ich kann versuchen neue Sehnerven zu klonen. Besser vielleicht gleich ganz neue Augäpfel. Wenige Risiko würden wir mit einem VISOR eingehen, doch eine solche Umstellung könnte seinen Schock noch verschlimmern. Und natürlich sind auch die Schäden an seinen Organen keine großen Probleme, doch all dies wird nichts an seiner Situation ändern.“<br>Chakotay und Land verstanden. Sie sahen sich beide an und der Erste Offizier traf die Entscheidung.<br>„Können Sie sofort damit anfangen?“<br>„Ich könnte natürlich. Aber besser wäre es, wir bringen ihn zur nächsten Raumstation,“ antwortete der Doc.<br>Land schüttelte nur den Kopf. „Solange wir nicht wissen, was geschehen ist und wieso die Monitor sich so weit entfernt von allen Routen und bevölkerten Planeten befindet, bleiben wir hier. Außerdem ist die Schiffshülle der Monitor immer noch eine wertvolle Fracht für Piraten.“<br>„Bereiten Sie hier alles vor Doc. Machen Sie ihm sein Leben etwas angenehmer.“<br>„Natürlich“, antwortete der holografische Arzt und machte sich sogleich an die Arbeit.<br>„Womit wir zur wichtigen Frage kommen, wieso der Trikorder nicht festgestellt hat, dass er lebt, selbst auf solch kurze Distanz?“, fragte Chakotay.<br>„Sie haben den Doc gehört. Er war von der Strahlung verseucht und hat die Sensoren so selbst abgelenkt“, antwortete Land so schlicht er nur konnte. Er wusste, dass dieser Umstand nur für Bird galt. Überall sonst an Bord der Monitor war die Lebenserhaltung schon seit mehr als zwei Tage abgeschaltet. Niemand konnte dort überlebt haben.<br>In diesem Moment trafen Barclay und Hansen ein.<br>„Captain, Commander“, unterbrach der Chefingenieur die beiden Männer.<br>„Was haben Sie?“, forderte Chakotay sogleich.<br>„Wir haben den Schiffsrekorder und das Logbuch bergen können...“, begann Barclay.<br>„...Aber?“, fragte Land, als er die Unsicherheit in Barclays Stimme bemerkt hatte. Seit er an Bord war hatte er den früher so unsicheren Mann nicht so unsicher erlebt. Irgendetwas konnte nicht stimmen.<br>Annika Hansen fuhr fort. Sie schaffte es immer schlechte Nachrichten schnell zu übermitteln ohne dabei selbst zu große Gefühle zu zeigen. „Aufgrund der schweren Beschädigungen am Computerkern des Schiffes und der Strahlung an Bord, war es uns nur möglich den allerletzten Logbucheintrag abzurufen.“<br>„Und der Schiffsrekorder?“, fragte Land nach.<br>„Wie schon erwähnt, aufgrund dieser Umstände müssen wir den Rekorder komplett von der Strahlung befreien um in entschlüsseln zu können. Hinzu kommt, da die jüngsten Aufzeichnung weniger verstrahlt sind wie die älteren, wir die letzten Tage nur in rückwärtiger Reihenfolge abrufen können.“<br>Land legte seine Stirn in Falten. „Nun gut, das ist besser als nichts.“<br>„Und in Anbetracht der schweren Beschädigungen schon sehr viel“, korrigierte Hansen.<br>„Wann haben Sie den ersten Tag entschlüsselt?“, fragte Chakotay.<br>„Morgen Sir“, antwortete Barclay.<br>Der Captain nickte. „Gut, geben Sie Counsellor Kalen Bescheid. Er soll sich die Aufzeichnungen ansehen.“<br>„Sir, dürfte ich einen anderen Vorschlag machen“, warf Land ein.<br>„Bitte Commander.“ Chakotay wartete wie die anderen auf Lands Vorschlag.<br>„Ich werde mir die Aufzeichnungen ansehen. Ich werde dazu ein Holodeck benötigen, da ich dort direkt vor Ort sein kann...“<br>„Einen Moment Commander“, unterbrach Chakotay. „Sie sind zu so etwas nicht ausgebildet. Außerdem könnte mit Ihnen das gleiche geschehen wie mir Lieutenant Bird. Da es ihr Schiff war und ihre ehemalige Crew könnten Sie alles viel zu sehr an sich ranlassen.“<br>„Captain, ich bitte Sie. Ich muss es tun. Kein anderer versteht so schnell wie ich, was dort passiert ist. Besonders wenn es rückwärts geschieht, ist es wichtig, dass sich jemand mit der Materie auskennt. Ich bitte Sie Captain.“<br>Nachdenklich sah Chakotay ihn an. „Nun unter einer Bedingung. Sie werden sich täglich mit Kalen unterhalten. Und sobald er Alarm schlägt, sind Sie weg von der Sache.“<br>„Aye Sir. Danke Sir“, antwortete Land, den plötzlich wieder ein Funken Hoffnung gepackt hatte. Sofort wandte er sich an Barclay und Hansen. „Lassen Sie mir den letzten Logbucheintrag und alle anderen Berichte zukommen, die sie schon haben.“<br>Die beiden Offiziere konnten nicht einmal bestätigen, so schnell war Land aus der Krankenstation in sein Quartier verschwunden.<br>Besorgt blickte Chakotay ihm hinterher und wandte sich dann ebenfalls an die beiden Offiziere. „Lassen Sie mir dasselbe zukommen. Machen sie sich dann an die Arbeit den Rekorder zu entschlüsseln. Und schicken Sie Kalen bei Commander Land vorbei.“<br>„Aye Sir“, bestätigten beide gleichzeitig. Und beide wirkten bei diesen Worten ebenso besorgt wie Chakotay. Auf allen lastete das dunkle Geheimnis der Monitor. Und Land hatte alles auf sich genommen.<br>Wo mochte dies wohl enden?<br><br>	Wie am Morgen dieses Tages saß Bruce Land in dem Sessel in seinem Quartier. In den Händen hielt er ein PADD, auf dem der letzte Logbucheintrag gespeichert war. Seit Stunden hielt er es, wagte es aber nicht, sie abzuspielen.<br>Die Analyse hatte ergeben, dass die Nachricht zwei Tage alt war. Land hatte Angst. Was würde er wohl hören? Ihm wurde jedoch klar, dass sich die Aufgabe nicht bessern würde, wenn er es lange hinaus zögerte. Also drückte er den Knopf und vernahm sofort Danny Birds Stimme. Doch sie klang nicht stark, wie er es gewöhnt war. Sie klang schwach und gebrochen.<br><br><blockquote>Computerlogbuch der USS Monitor<br>Sicherheitschef Danny Bird<br>Sternzeit: ist unwichtig<br><b>Ich sitze hier, im Dunkeln und frage mich, wie es sein wird, wenn sich die Dunkelheit wirklich über mich legt. Ich weiß nur, dass ich sie erwarte.<br>Ich möchte mit diesen Worten jeden warnen, dieses Schiff zu betreten. Es ist verflucht. So wie ich. Bis in alle Ewigkeit.<br>In den letzten Tagen habe ich soviel Horror erlebt und soviel Schrecken, der mich immer noch erzittern lässt. Am liebsten würde ich alles beenden, jetzt, hier, sofort. Doch ich bin zu schwach um mich aus dem Stuhl zu erheben. Meine Beine brennen, wenn ich nur daran denke.<br>Außerdem wird die Luft langsam knapp und die Temperatur fällt. Ich werde einschlafen. Irgendwann werde ich einfach friedlich einschlafen. Ich werde hoffentlich einen schönen Traum haben und aus diesem nie mehr erwachen.<br>Ein schöner Gedanke.<br>Wären wir doch nur nicht diesem Notruf gefolgt. Hätten wir doch nur nicht meinen Plan verwirklicht. Vielleicht hätte sich so alles geändert, vielleicht wäre so alles normal geblieben.<br>Doch dies werde ich nie erfahren.<br>Ich wünsche Ihnen, wer auch immer dies hören mag, Frieden und ein langes Leben.<br><br>Danny Bird.</b></blockquote><br><br>Die Stimme verklang und hinterließ in Lands Quartier eine gänsehauteinflößende Kälte. Land nahm sich das PADD zur Hand und schrieb sich einige Notizen auf. Ihm war bewusst, dass er sich schnell beschäftigen musste, sonst würde er nur in eine tiefe Trauer stürzen.<br>In diesem Moment erklang sein Türsummer.<br>Erschrocken sah er zur Tür und bat seinen Gast herein.<br>Es war Counsellor Kalen.<br>„Commander Land, darf ich Sie sprechen?“<br>Die Stimme des El-Aurianers klang sanft wie immer. So weit Land wusste, war er der einzigste seiner Art in der Sternenflotte. Warum dies so war hatte sogar Kalen nie genau erklären können oder wollen. Vermutlich lag es daran, dass die El-Aurianer zu weise waren, aus ihrer Sicht, um sich einer so engstirnigen Institution wie der Sternenflotte unterzuordnen. Um ehrlich zu sein bekleidete Kalen auch nur den offiziellen Rang eines Crewman, da er nie graduiert hatte. Doch diesen Umstand machte er durch seine Fülle an Lebenserfahrung wieder wett. Er sah zwar äußerlich wie ein Mitvierziger aus, hatte aber mit Sicherheit schon mehr als vierhundert Jahre auf dem Rücken.<br>Land an sich hatte diesen Besuch erwartet.<br>Ohne Aufforderung trat Kalen ein und setzte sich auf die Couch.<br>„Ich habe erst den letzten Logbucheintrag gehört. Noch habe ich keine Neurose“, begann Land mit deutlichem Sarkasmus.<br>„Sind Sie sich da so sicher Commander?“<br>„Hören Sie, ich habe dem Captain versprochen, Sie aufzusuchen. Und das werde ich auch tun. Aber noch nicht jetzt.“<br>„Sie haben anstrengende Ermittlungen vor sich. Eine gute Vorbereitung ist da immer die halbe Miete“, der Counsellor ließ sich nicht abbringen und sprach auch weiter mit sanfter Stimme. „Also, was haben Sie bisher?“<br>Verlegen sah Land zu Boden. Kalen hatte natürlich recht. „Danny Bird war der letzte Überlebende. Nach seinen Worten ist viel furchtbares passiert. Offenbar geschah es, nachdem sie einem Notruf gefolgt sind. Und ich weiß auch, dass Bird etwas mit der Situation zu tun hat. Anscheinend hat er einen Plan ausgearbeitet, der, nach seinen Worten, die Situation erst zu diesem Fiasko geführt hat.“<br>„Das klingt doch schon mal, als wäre da ein Potenzial für eine kleine Neurose“, kommentierte Kalen mit einem Lächeln auf seinen Lippen.<br>Land ließ sich von diesem Lächeln für eine kurze Sekunde anstecken. „Ich werde morgen wieder mit Ihnen sprechen. Wenn ich den ersten Tag erlebt habe.“<br>„Einverstanden“, bestätigte Kalen und stand auf. „Dann sehen wir uns morgen.“ Und schon war er auch wieder verschwunden. So unaufgefordert wie er das Quartier betreten hatte, hatte er es auch verlassen.<br>„Den Mann soll einer verstehen“, murmelte Land und sah zu der geschlossenen Tür. „Dabei sind die El-Aurianer doch das Volk der Zuhörer.“<br>Doch Land wusste, dass Kalen nichts ohne Grund tat. Und wenn es einen Counsellor gab, der etwas von seinem Job verstand, dann war es Kalen.<br>Land lehnte sich zurück und sah zur Decke. Die nächsten Tage warteten mit Unglaublichem auf. Das war ihm klar. Und zum ersten Mal in seiner Karriere hatte er absolut keine Ahnung, auf was er sich vorbereiten sollte.<br><br><b>Tag 13, 5:57 Uhr Bordzeit der U.S.S. Voyager</b><br><br>	„Barclay an Commander Land.“<br>Keine Antwort.<br>„Barclay an Commander Land,“ wiederholte der Chefingenieur seine Durchsage der Interkom. Dieses Mal war sie laut genug um Bruce Land aus seinem Schlaf zu reißen.<br>Verschlafen wandte sich der Erste Offizier zur Zimmerdecke. Seine Augen hatte er immer noch geschlossen, in der Hoffnung, noch etwas von dem erholenden Schlaf zu retten, den er soeben genossen hatte. Auch wenn die Nacht, wie immer, schon wieder viel zu früh zu Ende war.<br>„Was gibt es Reg?“, fragte er.<br>„Sir, es tut mir leid wegen der frühen Störung, aber wir haben den ersten Tag dekodiert“, antwortete er sogleich. Auch ihm war die Erschöpfung anzuhören. Offenbar hatte er eine Nachtschicht eingelegt.<br>Aber die Worte zeigten ihre Wirkung. Bruce Land stand praktisch sofort im Bett und war hellwach.<br>„Laden Sie ihn auf Holodeck zwei“, befahl er. <br>„Wird sofort gemacht Sir“, lautete Barclays Antwort.<br>„Wie sieht es mit der Monitor aus? Wann können wir sie betreten?“, fragte er, während er sich seine Uniform anzog.<br>„Meine Techniker haben die Lebenserhaltung bis heute abend wieder reaktiviert.“<br>„Ausgezeichnet. Geben Sie dem Captain den Status durch. Ich bin dann auf Holodeck zwei.“<br>„Verstanden Sir.“<br>„Land Ende“, schloss der Erste Offizier den Kanal und verließ praktisch im selben Moment das Quartier. Jetzt würde er dem Rätsel einen Schritt näher kommen.<br>Endlich.<br><br>Es verging keine Minute, bis Land mitten in Holodeck zwei stand und auf die kalten Verstrebungen und Emitter sah. Ohne Worte oder ein Zeichen von Ungeduld wartete er auf die Bestätigung des Computers.<br>„Schiffsrekordereinheit geladen und bereit“, verkündete die weibliche Stimme des Schiffscomputers schließlich.<br>Land atmete einmal tief durch und gab dann die Anweisung. „Die Einheit aufrufen und starten.“<br>Er hörte, wie der Computer mit einigen Hupgeräuschen seinen Befehl ausführte. Um sich herum baute sich die Monitor auf. Die Brücke der Monitor.<br>Doch sie befand sich vollkommener Dunkelheit. Er konnte kaum die Hand vor Augen erkennen.<br>„Computer, die Grundhelligkeit der Umgebung um 20% erhöhen.“<br>Wieder ertönten Hupgeräusche und die gesamte Szenerie wurde aufgehellt. Land stockte der Atem, als er das Ausmaß der Zerstörungen sah. Und als er die Leichen sah. Drei Stück befanden sich an den Zugängen zur Brücke. Danny Bird befand sich ebenfalls hier.<br>Er ruhte neben einem der Eingänge.<br>Als er den ersten Schock überwunden hatte – und ihm klar wurde, dass Kalens Hilfe vielleicht doch nötiger war als erwartet – wandte er sich wieder dem Computer zu.<br>Und dem Geheimnis der Monitor.<br>„Computer, Programm starten.“<br>Und der Schrecken begann.<br><br><b>Tag 9, 4:13 Uhr Bordzeit der U.S.S. Monitor</b><br><br>	Bird schrak aus einem langen und traumlosen Schlaf auf. Er war an der Stelle, an der er gestern zusammengebrochen war, einfach eingeschlafen. Nachdem, was gestern geschehen war, hatte ihn die Müdigkeit einfach übermannt.<br>Für einen kurzen Moment glaubte er, dass alles nur ein Traum war.<br>Dass all der Schrecken nur in seiner Fantasie stattgefunden hatte, in einem langen und abstoßenden Albtraum.<br>Doch die Dunkelheit um ihn riss ihn wieder in die Wirklichkeit zurück. Müde – er fühlte sich jetzt müder als vor seinem Schlaf, dessen Dauer er nur raten konnte – stemmte er sich wieder hoch.<br>Dabei spendete ihm die Lampe, die über seinem Phasergewehr montiert war Licht.<br>Schnell sah er sich um und lauerte auf den Feind.<br>Er warf einen Blick auf seinen Trikorder. Noch immer hatte sich die Strahlung nicht verzogen, die die Sensoren störte. Doch das Ergebnis war trotzdem erschütternd.<br>Es waren keine Lebenszeichen, außer seinem eigenen mehr auszumachen. Was durchaus logisch war, denn wenn noch jemand auf dem Schiff überlebt hätte, wäre er entweder geweckt oder im Schlaf getötet worden.<br>Danny sah sich um.<br>Die Monitor wirkte nicht mehr wie ein Raumschiff. Sie wirkte wie ein eisiges Grab. Bird stellten sich die Nackenhaare auf, als er sich umsah. An ein solches Gräuel hatte er sich gar nicht erinnern können.<br>Im Moment befand er sich immer noch am Steuerbordausgang der Brücke. Auf der Brücke selbst konnte er drei Leichen erkennen. Er vermied es aber inne zu halten. Zu lange hatte er während der letzten Tage inne gehalten.<br>Auf dem Korridorkreuz bei seiner Position, das im übrigen vollkommen von der Granate zerschmettert worden war, sah er vier Leichen. Zwei auf dem Gang, zwei in einem Quartier.<br>Mit schussbereitem Gewehr schritt Bird den Korridor hinab, in Richtung Maschinenraum.<br>Bruce Land folgte ihm wie ein unsichtbarer Schatten.<br>Er brauchte nicht weit zu gehen um die nächsten Leichen zu entdecken. Zwei lagen in einer der leeren Lagerbuchten für die Rettungskapseln, eine Leiche lag auf dem Korridor.<br>Bird blieb nicht einmal stehen um sich die Gesichter genau anzusehen. Er ging stattdessen weiter, zu einer der oberen Türen in den Maschinenraum. Mit letzter Kraft stemmte er die beiden Türhälften auseinander. Sein Gewehr hatte er abgelegt. Inzwischen hatte ein großer Teil in ihm die Hoffnung aufgegeben, Überlebende zu finden.<br>Als er die Tür geöffnet hatte, wäre er fast zurückgetaumelt. Der Maschinenraum war hell erleuchtet.<br>Woil hatte es tatsächlich geschafft etwas Energie für sich aufzutreiben.<br>Mit zugekniffenen Augen und erhobener Hand trat er ein. Die langen Tage in Dunkelheit hatten ihn sehr lichtempfindlich gemacht. Doch nach einer Minute konnte er immerhin schon Einzelheiten erkennen.<br>Nichts befand sich hier drin. Alles war ruhig. Zu ruhig.<br>Doch Bird erinnerte sich daran, dass der Kern schon seit einigen Tagen nicht mehr betriebsbereit war und daher das sonst so vertraute Summen und Brummen eines Raumschiffs fehlte.<br>Land machte die Helligkeit weniger aus und sah sich genau um. Zuerst musste er sich am Geländer festhalten. Die meisten der Toten hatte er erkannt. Es waren seine alten Freunde. Mitten in dieser Phase der Verwirrung bemerkte er etwas an der Wand im Maschinenraum. Ein großes und bedrohlich aussehendes Einschussloch. Seine Kenntnisse über den Schiffsbau der Monitor waren etwas eingerostet, also konnte er nicht mit Sicherheit sagen, was sich an dieser Stelle befand, doch er würde dies nachprüfen. Bird hatte die Stelle nicht bemerkt. Seine Augen konnten höchstwahrscheinlich nichts mehr erkennen bei dieser Helligkeit.<br>Jetzt blieb ihm aber nicht mehr Zeit um über so etwas nachzudenken, wenn er Bird folgen wollte.<br>Denn der Sicherheitschef verließ den Raum wieder, schloss die Tür hinter sich und entspannte erst einmal.<br>Doch so richtig schaffte er es nicht.<br>Denn, als er seinen Blick auf die Backbordseite des Korridors schweifen ließ, sah er dort schon die nächsten Leichen liegen. Beiden sahen die Leichen.<br>Drei auf dem Gang, zwei wieder in einem leeren Rettungskapselgehäuse, vergleichbar mit der Stelle, die sie vor wenigen Minuten passiert hatten.<br>Erneut brachte er seinen Phaser in Bereitschaft und lief weiter. Mitten durch die Schlachtszene. Er warf nur einen kurzen Blick über das Schlachtfeld. Offenbar waren alle durch direkte Phaserschüsse sofort getötet worden. Mit einer Ausnahme. Einer seiner Kollegen, einer derjenigen, die auf dem Gang lagen, war seiner Verletzung allem Anschein nach nicht sofort erlegen. Er hielt noch seine Hand über der Wunde. Mit Sicherheit hatte er es geschafft vor seinem Tod noch einen seiner Feinde in den Tod zu schicken.<br>Und an der nächsten Korridorkreuzung, wieder in Richtung der Front des Schiffes, sah er die nächsten Leichen. Er trat auch hier näher, um seinen Rundgang zu beenden.<br>Zwei Leichen befanden sich wie auf der Gegenseite in einem Quartier. Nur waren diese hier durch Phaserenergie zur Strecke gebracht worden und nicht durch eine Granatenexplosion vollkommen entstellt. Auch hier lagen wieder zwei Leichen auf dem Gang, eine dritte befand sich auf dem Korridor, die zurück zu seiner Position auf der Brücke führte.<br>Erschöpft ließ er die Waffe sinken.<br>Es gab keine Feinde mehr an Bord.<br>Es gab keine Freunde mehr.<br>In diesem Moment erinnerte er sich an etwas und betrat eines der Quartiere auf dem ersten Deck. Zahllose medizinische Instrumente lagen dort verstreut. Doch niemand sonst befand sich hier.<br>Fragend sah er sich um.<br>Noch immer war er nicht in der Lage, die Situation vollkommen zu erfassen.<br>Noch immer fehlte ihm ein Teil des Puzzles.<br>„Lewinski,“ murmelte er. Wo war er? Auch von ihm fehlte jede Spur.<br>„Lewinski? Was ist mit Lewinski?“, fragte Land, der sich natürlich bewusst war, dass Bird seine Frage nicht verstand.<br>„Vielleicht“, dachte Bird laut „hat man ihn aufs zweite Deck gebracht und ihn in der Leichenhalle gelagert.“<br>Also machte er sich auf zu einer Jeffriesröhre um ein Deck hinunter zu klettern. Und Land folgte ihm wieder wie sein Schatten.<br>Auch auf Deck 2 machte er einen schnellen Rundgang, begegnete aber niemanden. Weder tot noch lebendig.<br>Als er dann in Richtung Leichenhalle lief, kam er an der Krankenstation vorbei und bemerkte, dass die Tür nicht richtig geschlossen worden war.<br>Sofort schrillten alle Alarmglocken in ihm.<br>Was hatte dies zu bedeuten?<br>Der Soldat in ihm erwacht. Mit voller Wucht presste er sich an die Wand und überdachte erst einmal seine nächsten Schritte. Konnte dort noch jemand sein?<br>Konnte Lewinski dort sein? Oder einer ihrer Gegner.<br>So schnell er konnte drückte er die Tür so weit auf, dass er hineinsehen und eintreten konnte.<br>Vollgepumpt mit Adrenalin – was in dieser Woche ein Dauerzustand war – sah er sich um.<br>Wie er erwartet hatte.<br>Nichts.<br>Enttäuscht ließ er die Waffe sinken. Ein tiefer Atemzug folgte.<br>Doch dann schreckte er plötzlich wieder hoch.<br>Ein Geräusch kam von der Decke. Bird sank in eine tiefe und stabile Hocke und zielte nach oben, sein Kopf dabei an den Gewehrlauf gelegt.<br>Das Summen des Gewehrs war im Moment das einzigste, das vertraut klang.<br>Was er sah konnte er nicht glauben.<br>Es befand sich ein Loch in der Decke.<br>Verwirrt und perplex sah er zu diesem Loch hinauf.<br>Wie kam es dorthin?<br>Er schob diese Frage beiseite, als er wieder ein Geräusch hörte.<br>Dort oben war etwas. Definitiv.<br>Bird nahm den Trikorder wieder zu Hand und hielt ihn nach oben.<br>Ein Lebenszeichen. Sehr schwach.<br>„Das ist doch nicht möglich.“, sagte er vor sich hin, als er die weitere Analyse des Lebenszeichens durchlas.<br>Stehenden Fußes schob er den Trikorder wieder ein und klettere auf das nahe Biobett. Von dort leuchtete er nochmals in den Raum über der Krankenstation. Als er dort nichts weiter erkannte legte er den Phaser dort oben ab. Anschließend zog er sich hindurch.<br>Für Land war das natürlich alles einfache. Er schwebte praktisch nach oben.<br>Kaum hatte sich Bird dort dann richtig hingesetzt erkannte er die Quelle des Lebenszeichens.<br>„Arena“, flüsterten beide gleichzeitig.<br><br>	Danny Bird hatte keine Ahnung, wie Arena Tellom hier her gelangt war. Eines war auf jeden Fall klar. Sie starb. Auch wenn sie im Moment noch lebte hatte sie keine Überlebenschance. Ihr Schock, den sie erlitten hatte, war inzwischen zu weit fortgeschritten.<br>Bird hatte sie mit einem medizinischen Trikorder einige Male gescannt. Das Ergebnis hatte ihn ebenso schockiert wie überrascht. Jetzt lag sie hier, direkt bei der Krankenstation und ihr konnte nicht mehr geholfen werden.<br>Zwar gab es eine Behandlungsmethode, doch er war schließlich kein Arzt.<br>Als er sich eingestand, dass er ihren degenerative Zerfall der Synapsen nicht aufhalten konnte, entschied er sich für die einzige Möglichkeit, die ihm blieb.<br>Er legte den Trikorder beiseite und hielt ihre Hand.<br>Während der nächsten Stunden tat er nichts anderes, als sie zu beobachten, die restliche Wärme ihrer Hand zu fühlen. Die gesamte Welt um ihn herum verschwand, verdichtete sich zu einem einzelnen Punkt in den weiten des Weltraums.<br>Für Danny Bird verstrichen nur wenige Momente, in der Tat waren es Stunden.<br>Das Leben entwich aus Arena Tellom, der lebenslustigen und frohen Person.<br>Deutlich erinnerte er sich an ihre strahlenden Augen, ihr Lachen, ihren Mut, ihre Freude, ihr Glück mit ihrem Mann Ardev... Bird trieb es Tränen in die Augen, als er an ihn dachte. Er hatte sein Leben nur wegen ihm lassen müssen. Außerdem sah er, wie das Glitzern aus Arenas Augen verschwand.<br>Es vergingen weiter zehn Minuten, bis er beschloss, ihre kalte Hand loszulassen. Ruhig entfernte er die kleineren medizinischen Geräte von ihrer Stirn. So sah sie wie ein Engel aus. Der sie auch war.<br>Bird fröstelte es ein wenig, als er sich der Welt um sie wieder öffnete. All der Schmerz, den er in den letzten Tagen ertragen musste, die zerstörten Gefühle und Leben, das hintergangene Vertrauen.<br>Und jetzt saß er hier. Allein mitten im nirgendwo auf einem sterbenden Schiff.<br>Bird stand mit einem Ruck auf um sich aus seiner Lethargie zu reißen. Auch wenn er wusste, dass diese ihn schließlich in die Tiefe ziehen würde.<br>Doch jetzt trat er auf Arena zu und hob sie in seine Arme. Er brachte sie in ihr Quartier. Dort sollte sie ihre letzte Ruhe finden. In ihrem Zuhause.<br>Sie hatte wenigstens noch eins.<br><br>Der restliche Tag verging wie im Flug. Bird war die ganze Zeit damit beschäftigt, die Leichen, die sich auf dem Schiff befanden in das Quartier zu bringen, indem er schon die Leichen der vorherigen Tage untergebracht hatte. <br>Bei dieser Arbeit hatte er das gesamte Schiff  nochmals abgesucht. Doch von Lewinski fehlte immer noch jede Spur. Er konnte es sich nicht erklären.<br>Als er seinen Dienst als „Totengräber“ vollendet hatte, ließ er es nicht zu, sich von Trauer erfüllen zu lassen. Mit seinen bescheidenen Fähigkeiten leitete er alle Energie des Schiffes auf die Brücke um. So konnte er die Energie noch einige Tage länger strecken und damit seine eigene Lebenserwartung verlängern.<br>Er benötigte für diese Arbeiten länger als erwartet. Schließlich musste er erst die Lichter im Maschinenraum deaktivieren um in ihm die Selbe Dunkelheit herzustellen, die auf dem gesamten Schiff herrschte.<br>Als er die Arbeiten schließlich abgeschlossen hatte, neigte sich dieser wahnsinnige „Tag“ auch schon wieder seinem Ende zu. Müde, erschöpft, aber auch stolz auf seine geschaffte Arbeit, stand er vor dem Captainsstuhl. Die Brücke glich zwar nicht einem Trümmerhaufen, aber für Bird fühlte sie sich wie der Vorhof der Hölle ein. Und wie sein zuhause.<br>Er ließ sich in den Stuhl sinken. So wie es Lewinski immer tat.<br>Dann drehte er sich auch auf die Art seines Captains zu dem Display rechts neben seinem Stuhl und griff auf die Informationen dort zu, die mehr als spärlich waren.<br>Innerlich freute er sich schon allein über die Tatsache, dass dieses Display Energie hatte und Daten anzeigte. Er freute sich weiter, als er bemerkte, dass er die Kommunikationssysteme repariert hatte.<br>Wenigstens eine der kleinen Notrufbaken.<br>Mit einem einfachen Knopfdruck aktivierte er sie. Er wusste zwar nicht, ob die Bake auch wirklich sandte oder ob das Signal durch die ganzen Störungen irgendwen erreichte. Doch er fühlte in diesem Moment eine Menge Glück. Als hätte er einen wichtigen Triumph erreicht.<br>Doch damit täuschte er sich nur selbst. Und es dauerte nicht lange, bis ihn die Lethargie wieder im Griff hatte.<br>Bird drehte sich zu der Kontrolltafel auf der linken Stuhlseite und deaktivierte alle übrigen Energiequellen außer der Lebenserhaltung.<br>Mit einem einfachen Knopfdruck machte er das Licht aus.<br><br>	Und im selben Moment erlosch die holografische Simulation und das Hologitter wurden wieder sichtbar. Geschockt vernahm Land die Stimme des Computers.<br>„Ende der Aufzeichnung des Schiffsrekorders.“<br>Bruce Land hatte einiges gesehen. Einiges, von dem er sich selbst überzeugen musste. Wenn dies das Ende einer billigen Holonovelle gewesen wäre, hätte er dies noch akzeptieren können. Doch so ein Unglück an Bord eines Schiffes der Sternenflotte.<br>Besonders fragte er sich, was mit der gesamten Führungscrew geschehen war. Was war mit Lewinski, Matt, Ardev, Woil und Doktor Frasier geschehen? Und wieso litt Arena Tellom unter einem Zerfall ihrer Synapsen?<br>Dies alles waren Fragen, die er nur an einem Ort lösen konnte.<br>An Bord der USS Monitor.<br><br>	Es verging keine Stunde, bis Land mit einem Außenteam wieder an den Ort des Geschehen zurückgekehrt war. Er materialisierte mit Annika Hansen und dem Doktor wieder auf der Hauptbrücke. Ein Technikerteam befand sich bereits an Bord.<br>Barclay empfing sie herzlich.<br>„Commander Land, willkommen an Bord.“<br>Der erste Offizier drehte sich sofort zum Chefingenieur um. „Wie ist der Status des Schiffes?“<br>„Wir haben die Lebenserhaltung auf niederem Niveau reaktivieren können. Wundern Sie sich also bitte nicht über den... Gestank. Zudem etwas Beleuchtung. Mit allen anderen Systeme können Sie erst nach einer vollkommenen Analyse des Schiffes rechnen.“<br>Land nickte zufrieden. „Wann wird die beendet sein?“<br>Barclay überschlug die Zahlen schnell im Kopf. „Bei dem Zustand des Schiffes... in etwa 12 Tagen.“<br>Überrascht sah er in Regs ernsten Gesichtsausdruck. Er konnte nicht anders als dies so hinzunehmen.<br>„Danke Reg.“<br>Barclay antwortete nur mit einem knappen Nicken, das Land sowieso nicht sah, denn er hatte sich schon wieder seinem Außenteam zugewandt.<br>„Kommen Sie, wir haben einiges zu tun.“<br>Annika und der Doktor folgten ihm stumm. Die beiden wollten zuerst über eine der Jeffriesröhren hinunterklettern, doch Land schlug einen komplett anderen Weg ein. Er führte sie in eine der vorderen Bereiche des Schiffes. Er reagiert nicht auf die Einwände der beiden, dass dies ein umständlicher Weg sei. Denn er wusste, was es aufzusuchen galt.<br>Zu dritt betraten sie schließlich eines der kleinen Wartungszimmer an der Front des Schiffes. Erstaunt stellte der Doktor mit, dass sich ein Loch im Boden befand.<br>Doch Land hatte damit gerechnet. Beinahe zeremoniell kniete er an die Stelle, an der er mit Danny Bird während Arenas letzten Minuten gesessen hatte.<br>Abermals überhörte er die Worte seiner Begleiter und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. So langsam hatten sie es auch eingesehen, dass Einwände nur auf taube Ohren stießen.<br>Stumm stieg er anschließend durch das Loch im Boden, von dem er keine Ahnung hatte, woher es stammte, oder was es nutzen sollte.<br>Seine beiden Kollegen und Freunde folgten ihm wie ein Schatten. So wie er Danny gefolgt war.<br>Land schenkte der Krankenstation keine Beachtung. Allerdings führten Annika und der Doktor genau Diagnosen mit ihren Trikordern durch, die immer noch leicht gestört wurden. Auch wenn es Barclay geschafft hatte, den Effekt etwas auszugleichen.<br>„Kommen Sie mit. Hier finden wir nichts“, wies er die beiden an, verließ die Krankenstation und betrat die Leichenhalle, die sich gegenüber des Korridors befand.<br>Land nahm den Türöffner zur Hand, den er in einer Seitentasche trug und stemmte die Tür auf. Als er dieses Hindernis schließlich überwunden hatte, öffnete er die Klapptüren der Leichenkammer auf die selbe Weise. Die insgesamt vier Leichenfächer waren übersichtlich angeordnet. Zwei auf einer etwas höheren Ebene, zwei auf der unteren.<br>Er öffnete die Tür links oben. Ein Zischen war zu Hören und kalte Luft drang heraus. Offenbar funktionierte das automatische Kühlsystem. Mit einem leichten Handgriff schob er die Lade heraus und sah...<br>„Matt.“<br>Der Doktor stand sofort neben der Leiche. Er sah natürlich deutlich die Rangabzeichen. „Ich nehme an, dass dies Commander Price war, der Erste Offizier.“<br>Land nickte.<br>„Hm.“<br>„Was heißt hm?“, fragte Land etwas härter, als er es wollte.<br>„Es war nur ein vorsorgliches hm. Nichts ernstes“, er wartete kurz und fuhr dann mit einer schnellen Diagnose fort. „Der Verwesungsprozess ist nicht weit fortgeschritten. Todesursache ein Phaserschuss.“<br>Annika hob nun auch ihre Augenbraue, als der Doktor seinen Trikorder wieder zuklappte. „Worauf beruht ihre Annahme?“<br>Ohne eine Andeutung einer Hemmung griff der Doktor nach der Decke, mit der man den Leichnam abgedeckt hatte und hob sie etwa bis zur Hüfte. Deutlich war das Einschussloch zu sehen, dass sich in der Magengegend befand.<br>„Genug der Antwort?“, fragte er sarkastisch. Was er sofort wieder bereute, als er zu Commander Land sah, der kreidebleich an der Wand stand.<br>„Ist alles in Ordnung mit Ihnen Sir?“, fragte er sofort wieder mit dem standardisierten fürsorglichen, Landarzttonfall.<br>Land fühlte sich elend. Doch das hinderte ihn an gar nichts. „Öffnen Sie das nächste Fach.“<br>„Sir?“, fragte der Doc nach.<br>„Tun Sie es“, wies Land barsch an.<br>Mechanisch reagierte der Chefarzt der Voyager und schob das Fach unter dem von Price auf. Zu ihrer allen Überraschung fanden Sie es leer vor. Auch der Trikorder bestätigte, dass dort schon seit Jahren niemand mehr gelegen hatte.<br>Rasch wandten sie sich dem dritten Fach zu. Land spürte, dass sein Magen keine großen Verzögerungen mehr ertrug. Im dritten Fach, direkt neben dem von Price lag eine weitere Leiche. Sie war komplett zugedeckt. Was auch daran lag, dass man unter der Decke keinen Kopf erkennen konnte.<br>Bruce stockte der Atem.<br>„Kein Kopf“, stellte er unnötigerweise fest.<br>Auch Annika zeigte Hemmungen, dem Doktor machte dies aber weniger aus. Nur eine kurze Pause in einer Handbewegung deutete darauf hin, dass auch er sehr überrascht war.<br>„Die Person ist weiblich“, stellte er fest, obwohl man dies auch ohne geübten Blick feststellen konnte. „Sie ist ein Mensch. Ich möchte jetzt die Decke heben, ich denke, dass ich die Person dann näher identifizieren kann...“<br>Der Doc wartete und gab seinen beiden Freunden die Zeit sich von dem Anblick abzuwenden. Keiner von beiden ergriff die Gelegenheit. Also hob er seufzend die Decke und legte die grausame Verletzung frei.<br>Land erkannte mit einem Blick, um wen es sich handelte. Das deutlichste Anzeichen war der kleine Äskulap Stab, der an den Resten des Kragens, gegenüber den Rangpins hing.<br>„Doktor Frasier.“<br>Nickend deckte der Doc sie wieder zu und schob das Fach zurück um sich dem letzten zu widmen, das sich unter dem von Doktor Frasier befand.<br>Bruce Land befand sich in einem richtigen Rausch. In diesem Moment fragte er sich, ob er je wieder zu Gefühlen imstande war. Und er war gleichzeitig froh, dass ihm diese Fähigkeit im Moment versagt blieb.<br>Nur wenige Bruchteile einer Sekunde vergingen, bis er auch die letzte Leiche erkannte.<br>„Ardev“, flüsterte er.<br>Der holografische Arzt der Voyager beugte sich über ihn. „Er ist noch nicht so lange tot wie die beiden anderen.“ Er packte seinen Trikorder weg. „Sir, ich schlage vor, alle auf die Voyager bringen zu lassen. Dort werde ich eine genaue Autopsie durchführen. Ich kann Ihnen dann morgen die Ergebnisse liefern.“<br>Land nickte. „Sie haben recht. Ich werde gleich zur Voyager zurückkehren. Zuerst werde ich aber noch jemandem einen kleinen Besuch abstatten. Sehen Sie sich bitte noch das Quartier auf dem ersten Deck an, indem die anderen Leichen gelagert sind.“<br>Noch bevor er eine Antwort erhalten konnte, hatte er diese Station schon verlassen.<br>Nur einige Meter weiter befand sich sein Ziel.<br>Das Quartier von Ardev und Arena Tellom. Dort fand er sie vor. So wie Bird sie dort abgelegt hatte. Immer noch wirkte sie so friedlich wie ein Engel.<br>Er beobachtete sie und versuchte Ruhe zu finden. Er versuchte einen Sinn zu finden.<br>Doch er konnte nichts dergleichen erkennen. Und tief in ihm wuchs die Wut, wuchs Verzweiflung und Depression.<br>Das Bild vor seinen Augen wandelte sich. Plötzlicher Ekel überkam ihn.<br>Er konnte hier nicht mehr stehen. Er konnte nicht mehr Leben.<br>Denn sein ganzes Leben lag in Trümmern.<br>Er konnte es aus seinen Fingern gleiten sehen.<br>Bruce Land drehte sich um wandte allem den Rücken zu. In diesem Moment traf er die Entscheidung die Monitor nie wieder zu betreten. Außer, wenn sie sich in holografischer Form um ihn materialisierte. <br><br>	Bruce Land saß, von Captain Chakotay ausgesehen, der an der Stirnseite des Konferenztisches Platz genommen hatte, rechts am anderen Ende des Tisches. Ihm gegenüber, am linken Ende des Tisches saß Counsellor Kalen.<br>Beide hatten gespannt seinen Ausführungen gefolgt und beide hatten ebenso schwer an den Geschehnissen zu schlucken wie Land. Anschließend hatte er von seinem Besuch auf der Monitor berichtet.<br>Chakotay versuchte nun die Stille mit einem geeignetem Kommentar oder einer geschickten Frage zu überbrücken. Doch ihm wollte beim besten Willen nichts dergleichen einfallen.<br>„Anstatt einiger Antworten haben wir noch mehr Fragen“, begann er schließlich. „Wieso hat Bird die Leichenkammer nicht gefüllt? Wie erklärt sich der große zeitliche Unterschied der Sterbestunden? Gegen wen haben sie gekämpft?“<br>Land sah ernst zu ihm. „Ich muss weiter zurück. Mindestens eine Woche. Bis wann hat Barclay den nächsten Tag entschlüsselt?“<br>Chakotay schüttelte den Kopf. „Er wird ihn morgen so weit haben. Leider lässt sich das Verfahren auch nicht beschleunigen.“<br>„Haben wir wenigstens die Reste der Warpspur?“, fragte Land. Wenn sie den Startpunkt der Reise der Monitor hätte, wäre ihnen mit Sicherheit viel geholfen.<br>„Barclay arbeitet auch daran. Aber, wie Sie selbst wissen, ist die Monitor gut im tarnen. Die Reste sind kaum noch aufzuspüren. Auch in diesem Aspekt müssen wir uns gedulden.“<br>Entnervt sackte Land in seinem Stuhl zusammen und rieb sich die Stirn.<br>„Counsellor, wie geht es Mr. Bird?“, fragte Chakotay schnell um auch dieses Thema zur Sprache zu bringen.<br>„Ich war den ganzen Tag bei ihm. Ich habe die ganze Zeit versucht, eine Art mentalen Zugang zu finden, habe versucht, eine Art von Emotionen zu empfangen. Doch da war nichts. Es ist, als befände er sich in einem Zustand des Träumens. Er kann den Film vor ihm nicht mehr realisieren oder verarbeiten. Dies ist eine durchaus logische Schlussfolgerung der Geschehnisse.“<br>„Ist er wach? Wird er uns bei den Ermittlungen helfen können?“, erkundigte sich der Captain.<br>Lächelnd sah Kalen auf die Tischplatte. „Ja, er ist wach. Aber Sir, er wird uns nicht helfen können. Und wenn Sie mich fragen, ob ich Mr. Bird helfen kann, dann werde ich mit Ja antworten. In einigen Jahren würde es mir sicher gelingen, ihn wieder zum Sprechen zu bringen...“<br>„...aber er wird nie wieder Danny Bird sein“, vollendete Land den Satz.<br>Kalen nickte. „Das steht definitiv fest. Vermutlich sind all seine Erinnerung so tief begraben wie es nur geht.“<br>Chakotay atmete schwer. „Der Doktor meldet, dass er 46 Leichen auf dem Schiff gefunden hat. Laut Sternenflottenverzeichnis waren aber 51 Crewmitglieder an Bord.“<br>Land nickte. „Ich habe die Liste gesehen. Den Unterschied kann ich mir aber auch nicht erklären, ich hoffe, dass ich in einer der nächsten Sitzungen etwas finde. Captain Lewinski und Chief Woil sind unter den Verschwundenen. Ich vermute, dass ihr Verschwinden etwas mit den Ereignissen zu tun hat.“<br>Der Captain nickte. „Dann haben wir für Heute alles durch. Machen Sie weiter so Commander. Wir treffen uns morgen um die gleiche Zeit hier wieder.“<br>Chakotay stand auf, die beiden anderen Herren taten es ihm gleich. Kalen wollte Chakotay schon folgen, der wieder zurück zur Brücke ging, doch nach einem Einwand von Land blieb er im Konferenzraum zurück.<br>Als sich die Tür hinter Kalen wieder schloss, lief Land um den Tisch und lehnte sich an den kleinen Sims vor dem Fenster. „Es ist schlimmer, als ich befürchtet hatte.“<br>Kalen nickte. „Genau zu wissen, dass das, was man erlebt real ist, man aber nicht eingreifen kann...“<br>„Das meine ich nicht“, unterbrach Land. „Nun gut, das ist eine Sache. Aber als ich dann auf die Monitor gegangen bin, fühlte ich mich so, als läge ich in meinem eigenen Grab.“<br>„Reden Sie weiter“, forderte der El-Aurianer.<br>„Ich werde...“, Land schluckte den Klos in seinem Hals runter. Doch trotzdem schaffte er es nicht, seine Gedanken in Worte zu fassen. „Ich werde mich jetzt etwas ausruhen. Bevor ich den nächsten Tag erlebe.“<br>„Sie wissen, dass Sie die Probleme nicht lösen, wenn Sie sie nur weiterschieben. Das mag sich naiv anhören, aber mir können Sie das glauben.“<br>„Ich werde Sie morgen besuchen.“<br>Kalen zeigte sich beruhigt von dieser Ansage. „Sie wissen, wo Sie mich finden.“<br>Land nickte und entließ Kalen damit aus seiner privaten Unterredung. Als er dann allein war begannen seine Beine zu zittern. <br>Er hatte Angst. Angst davor, noch mehr zu sehen. Angst davor, nicht alles zu sehen.<br>Angst davor, keine Angst zu haben.<br><br><b>Tag 14, 3:13 Uhr Bordzeit der U.S.S. Voyager</b><br><br>	Diese Nacht war noch kürzer gewesen wie die Nächste. Doch Land konnte nicht warten. Nachdem Barclay ihn darüber informiert hatte, dass der Computer den nächsten Tag decodiert hatte, musste er sich an die Arbeit machen. Wie am Tag zuvor lud er die Informationen auf Holodeck zwei.<br>Um ihn herum materialisierte sich wieder sein altes Schiff. Die Monitor. Immer noch dunkel, jedoch etwas weniger zerstört.<br>Dieser Umstand ließ nur einen logischen Schluss zu: Heute musste etwas entscheidendes geschehen.<br>Er fasste eine wichtigen Entschluss. Nichts, was hier und jetzt geschah durfte zu ihm durchdringen. Er musste versuchen, nur der stumme Beobachter zu sein, der er auch war.<br>Mit zitternder Stimme befahl Land dem Computer, den Tag zu starten.<br><br><b>Tag 8, 7:21 Uhr Bordzeit der U.S.S. Monitor</b><br><br>	Arena Tellom lag regungslos in einem Bett in einem der Quartiere auf dem ersten Deck. Ein medizinisches Gerät lag auf ihrer Stirn und ein tragbarer Monitor gab ihre medizinischen Daten wieder.<br>Bird hatte sie die ganze Nacht über nicht aus den Augen gelassen.<br>Doch erst, als Lewinski das Quartier betrat und ihn wecken musste, hatte er bemerkt, dass er eingeschlafen war. Zum ersten Mal seit Tagen hatte er etwas Schlaf gefunden. Doch er fühlte sich jetzt keineswegs entspannter oder fiter.<br>Bruce Land brach hier schon mit seinem Versprechen, nichts an sich ran kommen zu lassen.<br>„Computer: Pause“, wies er an und das Bild wurde sofort eingefroren. Langsam umrundete er den Captain, der in dem kleinen Quartier stand. Lewinski lebte. Doch er würde noch an diesem Tag spurlos verschwinden. Jetzt konnte er die Antwort erfahren. Bird machte auf ihn schon den gleichen Eindruck wie gestern. Geschwächt und blass saß er vor Tellom. Offenbar lag ihre Verwundung schon einige Zeit zurück. Wieso hatte man sie nicht auf die Krankenstation gebracht?<br>Es gab nur eine Möglichkeit die Antwort zu erfahren.<br>„Computer: Wiedergabe fortsetzen.“<br>„Wie geht es ihr?“, fragte Lewinski und setzte sich neben seinen Sicherheitschef.<br>„Ihr Zustand ist immer noch kritisch.“, antwortete Bird.<br>„Verstanden Mr. Bird. Und jetzt sagen Sie mir die Wahrheit.“, Lewinski hatte sofort gehört, dass Bird nur eine schnelle Plattitüde von sich gegeben hatte.<br>Danny atmete tief durch und senkte dann seine Stimmhöhe, wodurch er sich reifer und ernster anhörte. „Sie wird nicht überleben, wenn wir sie nicht auf die Krankenstation bringen.“<br>Der Captain reagierte nur mit einem leichten Blinzeln auf diese Worte. Im Grunde hatte er sie erwartet. Doch sie hatten ihn trotzdem schwer getroffen.<br>„Ich hätte mir niemals vorstellen können...“, er unterbrach sich selbst, stand dann auf und sprach dann mit ernster und tiefer Stimme zu Bird. „Als wir den Borg begegnet sind dachte ich, dass wir unser Leben mit einem Okularimplantat vollenden würden. Doch diese Crew hat diese Gefahr überstanden. Als wir dann in den Kriegen aktiv waren war ich fest davon überzeugt, dass eine unserer riskanten Mission die letzte sein müsste. Und, dass unsere Namen irgendwo auf einem Gedenkstein auf der Erde stehen würden. Doch wir meisterten eine Mission nach der anderen und überlebten beide Kriege. Nicht einmal Sektion 31 konnte uns ernsthaft in die Knie zwingen. Ich habe mich ernsthaft zu fragen begonnen, mit was wir wohl nicht fertig werden würden.“ Er ließ etwas Freiraum um die Frage schließlich deprimiert selbst zu beantworten. „Ich weiß es jetzt. Wir werden mit uns nicht fertig.“<br>Bird nickte stumm. „Ich habe mir die selben Dinge auch durch den Kopf gehen lassen. Und ich kann beim besten Willen keine Situation finden, in der Sie als Captain falsch gehandelt hätten.“<br>Ohne Regung nahm Lewinski diese Worte in sich auf. „Ehrlich? Ich habe gerade eben 23 Beileidsbriefe verfasst, da fällt es mir schwer ihre Worte zu glauben Mr. Bird.“<br>Erschöpft strich sich Lewinski mit einer Hand durch sein Haar. In den letzten Tagen schien es sehr grau geworden zu sein. „Jedes Mal, wenn ein Mann unter meinem Kommando stirbt, habe ich als Captain versagt. Weil ich es nicht geschafft habe, der Verantwortung für alle meine Crewmitglieder im gleichen Maße nachzukommen. Denken Sie daran, wenn Sie jemals ernsthaft in Erwägung ziehen, zur Kommandoebene zu wechseln.“<br>Bruce Land lächelte unabsichtlich. Lewinski hatte ihm den selben Rat gegeben, als er zum ersten Mal mit ihm darüber gesprochen hatte, die Chance zu ergreifen, ein vollwertiger Erster Offizier zu werden. Doch dieses Gespräch lag schon Jahre zurück. Und jetzt führte er es mit Bird. Es schien ihm, als hätte er den Sicherheitschef gewaltig unterschätzt.<br>Bird dachte über Lewinskis Worte genau nach. „Ich spüre diesen Druck auch jetzt schon auf mir lasten. Wie kann man, wenn Sie mir die persönliche Frage gestatten Sir, solange und gern Captain sein? Wenn man diese Last tragen muss?“<br>Mit durchdringendem Blick sah er zu ihm herunter. „Ganz einfach. Man wird dafür ausgebildet. Und wer diesen Druck nicht aushalten kann, wird nie Captain.“<br>Schwermütig drehte sich Bird von seinem Captain weg und sah zu Tellom. „Ich muss gehen. Wachablösung.“<br>Lewinski nickte. „Gehen Sie ruhig, ich werde hier bleiben.“<br>Bird stand auf und ging zum Ausgang, bevor er das Quartier jedoch verließ, wandte er sich noch einmal an den Captain. „Sir, Sie wissen, dass Woil jetzt erst Recht das Kommando will.“<br>Land stockte der Atem. Was sollte dieser Satz bedeuten?<br>„Wie sieht ihre Prognose aus?“, fragte der Captain nach einer kurzen Pause.<br>„Seine Mittel sind begrenzt, aber keineswegs so wie unsere. Er wird, wenn nicht etwas von unserer Seite geschieht noch ein paar Tage warten. Er hat schließlich den Vorteil der militärischen Übermacht.“ Bird dachte in diesem Aspekt nur an die vielen Dinge, die in den Frachträumen des dritten Decks gelagert war. All dies stand den Leuten um Captain Lewinski, die auf das erste Deck beschränkt waren, nicht zur Verfügung.<br>Land wurde einiges klar. Auch wenn er es nicht wahrhaben wollte. Fand eine Meuterei an Bord statt? Ein richtiger Kampf zwischen der Besatzung. Zum ersten Mal in seinem Leben hoffte Land, sich zu irren.<br>„Dann stehen unsere Chancen besser, je früher wir die Initiative ergreifen?“, fasste Lewinski zusammen.<br>„So ist es.“, bestätigte Bird.<br>„Dann sagen Sie allen, dass sie sich bereit halten sollen. Ich werde Ihnen Bescheid geben, wann es soweit sein wird.“, entschied der Captain und wirkte bei diesem Befehl genau so eisern, wie bei jedem anderen zuvor.<br>„Verstanden Sir“, bestätigte Bird und war schon fast im Korridor, als Lewinski ihn nochmals zu ihm rief.<br>„Ach Mr. Bird“, er wartete, bis er Birds volle Aufmerksamkeit hatte. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Sie den Druck eines Kommandos tragen können.“<br>„Danke Sir.“, erwiderte er überrascht.<br>Lewinski lächelte verlegen und nickte kurz, als Zeichen dafür, dass er Danny die Erlaubnis gab, wegzutreten. Er wartete anschließend, bis er ganz sicher war, dass Bird einen anderen Posten aufgesucht hatte, als er sich zu Tellom ans Bett saß.<br>Fürsorglich ergriff er ihre Hand. „Halte noch etwas durch Arena. Für dich werde ich nämlich keinen Beileidsbrief schreiben. Für niemanden mehr.“<br><br>	T’Ker tobte. Man konnte gerade meinen der Vulkanier sei ein Romulaner, so gefühlsgeladen schrie er im Maschinenraum. Dabei war die Erklärung ganz einfach. Er befand sich im Blutrausch, dem zyklisch auftretenden Pon Far.<br>„Lassen Sie uns jetzt angreifen und diese Sache ein für alle mal beenden!“ T’Kers Gesicht war schon rot angelaufen, so wütend war er.<br>„Wir müssen zuerst unsere Kräfte sammeln und neue Stellungen aufbauen.“, entgegnete Woil, nicht weniger energisch.<br>Neben den beiden waren noch zwei andere Techniker im Raum. Der junge Bolianer und eine von Woils treuesten Untergebenen, eine menschliche Frau.<br>„Je länger wir warten, um so besser können die ihre Stellungen ausbauen und es uns unmöglich machen, auf die Brücke zu kommen.“, gab die Frau zu bedenken.<br>„Sie irren sich.“, konterte der Antosianer. „Die Zeit arbeitet für uns. Je länger wir warten um so schwächer werden die.“<br>„Wir sollten aber auch daran denken, dass, je länger wir warten, die Wahrscheinlichkeit größer wird, dass uns ein Sternenflottenschiff findet. Und das wird Lewinski helfen, nicht uns.“<br>Woil hatte auch daran schon gedacht. Jedoch waren Sie so lange in die falsche Richtung geflogen, dass die Wahrscheinlichkeit zwar gering war, aber nicht vernachlässigt werden durfte. Dann begann er von einem anderen Standpunkt aus zu denken. „Was wird Lewinski entschieden haben? Er wird sich die gleichen Gedanken gemacht haben wie wir. Was wäre wohl sein logischer Schluss?“ Fragend sah Woil zu T’Ker.<br>„Lewinski ist vor allem eins: Entschlossen. Er wir nicht zulassen, das Kommando über das Schiff zu verlieren.“ T’Ker ließ eine kurze Pause. „Er wird selbst die Initiative ergreifen.“<br>Woil atmete einmal tief durch und wechselte dann für einen Moment das Thema. „Wie sieht es mit unserem Plan aus?“<br>Diesmal antwortete der junge Bolianer. „Wir haben genug Deuterium von den Shuttles in einen provisorischen Tank für den Warpkern gefüllt, um einen kurzen Warpflug mit Warp 2 für etwa 1,8 Stunden zu ermöglichen.“<br>„Das bringt uns nur um einen winzigen Bruchteil eines Lichtjahres näher an Föderationsgebiet heran.“, rechnete T’Ker schnell für alle aus. Details ließ er dabei außer acht, da er während seiner Dienstzeit schon des öfteren bemerkt hatte, dass Details nicht immer hilfreich waren.<br>„So weit müssen wir auch nicht“, warf Woil ein. Allen war klar, wohin er wollte.<br>„Chief, selbst dort hin reicht das Deuterium auf keinen Fall“, widersprach T’Ker.<br>„Wohin? Wohin wollen Sie Woil?“, fragte Land laut in die Runde, auch wenn ihm vollkommen klar war, dass dies keinen Sinn hatte.<br>„Außerdem hat das unser Problem immer noch nicht gelöst, dass wir auf die Brücke müssen. Nur dort können wir auf die noch nicht gelöschten Navigationsdaten zugriff nehmen und die Deflektoren reaktivieren“, fügte die menschliche Frau an.<br>Woil war sich bewusst, dass Lewinski ihm diesen Stein in den Weg gelegt hatte. Nicht nur ein Großteil der Navigationsdaten des Schiffes, auch die der Shuttles war gelöscht worden. Jedoch war dieser Plan anscheinend nicht vollendet worden. Also hatten sie noch gewisse Möglichkeiten.<br>Wenn sie die Brücke erreichten.<br>Dann traf Woil die Entscheidung. „In Ordnung. Wir stärken zuerst unsere Stellungen. Dann suchen wir uns die besten Positionen aus, um nach oben durchzubrechen.“<br><br>	Lewinski hatte sich eine nicht allzu große Fracht aufgeladen. Ein Phaser steckte in einer Seitentasche, in einem Gürtel hatte er einige Hyposprays und andere kleinere Ausrüstungsgegenstände verstaut. Misstrauisch und argwöhnisch sah er aus dem Zimmer, indem Tellom lag, auf den Korridor hinaus. Dann fiel sein Blick auf die blasse Frau. „Noch ein klein wenig Arena. Wir werden bald in der Krankenstation sein.“ Schnell trat er zu ihr, hob sie von ihrem Bett und trug sie vorsichtig in seinen Armen.<br>Der Captain atmete einige Male tief durch und schnaufte schwer, als er Tellom durch den Korridor trug. Zwar lief er hier weniger Gefahr, erschossen zu werden, doch er wollte auch nicht gesehen werden.<br>Beinahe im Laufschritt durchquerte er zwei nahe Kreuzungen und befand sich schließlich in einem Korridor, der so weit vorne im ersten Deck lag, wie es nur ging. Der Korridor war recht eng. Er musste auch nicht größer sein, schließlich musste von hier aus nur der Zugang zu zwei Rettungskapseln erfolgen, der gleich am Beginn des Korridors lag.<br>Aber Lewinski ging weiter, in Richtung Backbord. Es gab in diesem Korridor nur wenige Türen. In Bodennähe befanden sich einige Zugänge zu Jeffriesröhren, doch die waren jedoch nicht sein Ziel, im Gegensatz zu einer kleinen Tür, am Kopfende des kurzen Gangs.<br>Dort legte er Tellom noch einmal kurz ab. Schnell fühlte er ihren Puls, der immer noch nur schwach spürbar war, und holte ein Hypospray heraus, das er in ihre Halsader entlud. Viele Sprays waren in den Medokits nicht mehr übrig. Während der letzten Tage hatten sie schon einige kleinere Verletzungen behandeln müssen. Und Lewinski war sich nicht einmal sicher, ob das Spray wirkte. <br>Als er spürte, dass sich ihre Situation zumindest nicht verschlechterte, wandte er sich der Tür zu. Mit dem manuellen Türöffner schob er die Türhälften auseinander. Hinter der Tür verbarg sich ein kleiner Raum, in dem man auf eine Energieleitung zugreifen konnte. Doch auch dieser Raum ruhte. Keine einzige Anzeige war aktiv.<br>Doch Lewinski hatte keine Zeit um dies zu bemerken. Und mit Sicherheit hätte ihn dies auch nicht interessiert. Ohne darauf zu achten trug er Tellom in den Raum und schloss die Tür hinter sich wieder. Ein geübter Handgriff an seinen Gürtel später und der Raum wurde von einer kleinen Lampe mit hellem Licht beleuchtet.<br>Als der Raum durch das Licht zwar etwas heller, aber keineswegs freundlicher, war, setzte sich Lewinski einen Moment und ruhte sich aus.<br>Noch einmal spielte er seinen Plan durch. <br>Er rettete Tellom das Leben.<br>Dieser Gedanke ließ ihn kurz lächeln. Wenigstens das Leben einer Person konnte er retten. Und nichts sollte ihn jetzt noch davon abhalten.<br>John griff nach seinem Phaser und stellte ihn zügig auf eine niedrige Stufe. Dann zielte er damit senkrecht auf eine freie Bodenpartie und brannte dort einen Kreis hinein. <br>Es dauerte auch nicht lange, bis sich die Platte löste und lärmend auf den Boden des zweiten Decks fiel. Kritisch sah Lewinski durch das Loch hinunter. Dann glitt wieder ein lächeln über sein Gesicht. Er hatte genau die Krankenstation getroffen.<br>Während er sich den Plan durch den Kopf gehen hatte lassen war er sich nicht ganz sicher gewesen, wie dieser kleine Raum lag. Er hätte auch über einem Korridor liegen können.<br>„Wir haben Glück Arena“, flüsterte er der bewusstlosen jungen Frau zu, sich der Tatsache bewusst, dass sie wenig Glück in den letzten Tagen gehabt hatten.<br>Freudestrahlend wechselten seine Blicke hin und her. Dann nahm er die Lampe und ließ sie durch das Loch in die Krankenstation fallen. Anschließend stieg er selbst hindurch. Er hing sich an seine Arme und landete auf einem Biobett, was ihm den Abstieg deutlich leichter machte.<br>Mit einem kleinen Sprung, hüpfte er vom Biobett und trat darauf an einen Schrank. Schnell huschte er über die Hinweistafeln. Irgendwo hier musste eine Antigrav – Einheit sein, die er um Tellom legen konnte und die es ihm deutlich leichter machen sollte, sie auf die Krankenstation runter zu bringen.<br>Doch so weit kam er nicht.<br>Plötzlich hörte er ein leises Klacken und das Summen eines Phasergewehrs.<br>Langsam drehte er sich um und sah zwei Gewehrmündungen. Über ihnen erkannte er die Gesichter von T’Ker und dem jungen Bolianer.<br>Er strafte sich in Gedanken schnell selbst, dass er ihre Ankunft nicht bemerkt hatte. Im Rausch der Tat hatte er übersehen, dass eine Tür schon einen kleinen Spalt weit offen stand. Offenbar um den Zugang leichter zu machen.<br>Das war ihnen gelungen. Überraschend hatten sie ihn geschnappt.<br>Und Lewinski sah in diesem Moment sein Ende kommen.<br><br>	Vor Danny Bird standen 7 der letzten Offiziere der Monitor. 4 von ihnen gehörten zu den 2er -  Teams, die auf den Korridoren Dienst taten. Die anderen 3 bewachten die Brücke und die umliegenden Korridore. Bird selbst würde sich ebenfalls um die Brücke kümmern.<br>Als er so in die Gesichter seiner Kollegen sah, schmerzte es ihn sehr. So viele Freunde hatte er verloren. So viele Menschen, die er nie wieder sehen würde. Und seine nächsten Schritte würden diese Situation nicht einfacher machen.<br>„Ich möchte nicht um den heißen Brei herum reden“, begann er. „Die Situation ist gelinde gesagt... scheiße. Wir erwarten einen Angriff von Woils Männern. Sie werden versuchen, die Brücke einzunehmen. Und sie werden dazu überall durchzubrechen versuchen. Wir sind zwar der Meinung, dass dies noch etwas auf sich warten lässt. Doch nichtsdestotrotz verlange ich volle Wachsamkeit.“ Bird ließ die ersten Worte verklingen. Sie lösten keinen solchen Schock aus, wie er erwartet hatte. Doch dies lag vermutlich daran, dass die Gesichter aller schon zu müde und abgekämpft aussahen, dass keine Veränderung mehr in ihnen möglich war. „Wir werden zudem bald eine Offensive starten. Unsre Möglichkeiten sind begrenzt. Daher ist in diesem Fall der Angriff die beste Verteidigung.“ Bird blickte jedem in die Augen. Doch keiner schaffte es, seinem stand zu halten.<br>„Gehen Sie auf ihre Posten.“<br>Damit entließ Bird seine Untergebenen. Nur die drei, die mit ihm die Brücke bewachten, blieben. Aber auch sie positionierten sich natürlich an den Türen.<br>Einer blieb aber stehen und wartete darauf, bis er mit Danny etwas allein war. Es war Locarno. Bird wartete ebenfalls. Er wartete schließlich auf die Information, die er ihm geben sollte.<br>„Also? Haben Sie nach Lewinski gesehen?“, fragte Bird.<br>Locarno sah verlegen von einer Ecke zu anderen. Er wusste nicht, wie er ihm antworten sollte.<br>Bird bemerkte dies natürlich. „Jetzt sagen Sie es. Frei von der Leber weg.“, drängte Bird.<br>„Nun Sir. Ich habe ihn nicht gefunden.“<br>Danny riss die Augen auf. „Was soll das bedeuten?“, fragte er leise um die anderen beiden, die auf der Brücke waren, nicht zu schocken.<br>„Lewinski ist weg. Und Fähnrich Tellom ebenso.“<br>Fragend sah der Sicherheitschef zu Boden. Er musste die Antwort erst einmal verarbeiten und strukturieren. „Waren Sie auch im richtigen Quartier?“<br>„Natürlich Sir. Ich habe sogar noch medizinische Ausrüstung gefunden – es war das richtige Zimmer.“, erklärte Locarno. Doch Bird sah noch immer nicht überzeugt aus. „Sir, was hat der Captain mit ihr gemacht? Hat er sie zu ihrem Schutz in ein andere Quartier gebracht?“<br>Bird nickte stumm. „Danke Mr. Locarno. Ich werde dem nachgehen. Begeben Sie sich jetzt auf ihre Position.“<br>„Aye Sir.“ Locarno zog seinen Phaser und verließ vorsichtig die Brücke.<br>Bird dagegen blieb einfach nur ruhig stehen und massierte seine Stirn. Seine Möglichkeiten, dieser Sache nachzugehen waren natürlich sehr begrenzt. Und wenn der Captain nicht bald auftauchte, würde er die Gruppe leiten müssen.<br>Und dieser Gedanke bereitete ihm ein großes Unbehagen. Plötzlich fühlte er, wie sich ein flaues Gefühl in seinem Bauch bildete.<br>Die Zeit des Handelns war da. Das wusste er genau.<br><br>Das helle Licht im Maschinenraum blendete Lewinski. Zudem rann etwas Blut von einer Wunde an der Lippe, die ihm von den beiden Offizieren zugefügt worden war, als er sich unnachgiebig gezeigt hatte. So hatte er wenigstens verhindern können, dass die beiden Tellom fanden. Höchstwahrscheinlich hätte T’Ker sie in seinem Blutrausch gleich getötet.<br>Mitten im Maschinenraum wurde er dann auf die Knie gedrückt. So hart, dass er sich sehr zusammennehmen musste um nicht zu schreien.<br>Mit seinen Händen stützte er sich ab um nicht nach vorne zu fallen. Was mit zusammengebundenen Händen gar nicht so einfach war.<br>Land schmerzte es, den Captain so erniedrigt zu sehen. Und es verursachte ihm großes Unbehagen, diesen Konflikt zu beobachten, der eskalieren würde. Das wusste er. Doch er ließ die Bilder an ihm vorbeiziehen, ohne nach einer Antwort zu verlangen. Die würde von sich aus kommen.<br>Schwer atmend sah sich auch Lewinski um. Woil war nicht untätig gewesen. Er hatte viel reparieren können. Allein die Tatsache, dass das Hauptlicht aktiv war, stellte Woils Effektivität und Talent dar.<br>Nur wenige Meter entfernt stand er dann auch. Im Gespräch mit zwei anderen Technikern. Doch als er Lewinski sah, brach er dieses Gespräch sofort ab.<br>Erstaunt trat er auf seinen Captain zu.<br>„John. Welch erfreulicher Besuch.“ Er lächelte diabolisch. „Erspart er mir es doch, Sie zu besuchen.“<br>Auch wenn er vor ihm kniete versuchte Lewinski nichts von seiner Autorität abhanden kommen zu lassen. Im Gegenteil, er versuchte dieses Manko damit auszugleichen.<br>„Sie werden es mir gestatten Jozarnay, wenn ich sage, dass diese Freude nicht auf Gegenseitigkeit beruht“, konterte Lewinski.<br>Woil hatte so etwas erwartet. „Ich habe diese Situation schon so oft in meinem Geist durchgespielt während der letzten Tage. Lewinski, Sie werden mich jetzt nicht mehr abhalten, zu tun, was ich tun muss.“ Er wandte den Blick von ihm ab und sah zu den beiden Männern, die hinter Lewinski standen. „Sind die Gewehre klar?“, fragte er.<br>Beide nickten und richteten ihre Gewehre auf Lewinskis Hinterkopf. Der Captain konnte sie schon Summen hören. Er konnte die Wärme fühlen, die von den Emittern ausging. Doch in diesem Moment dachte er nicht im Geringsten an den Tod.<br>Woil selbst zog auch noch seinen Phaser und richtete ihn direkt auf Lewinski. „Es ist aus Captain. Ich habe die Offensive eben gestartet. Noch kann ich sie stoppen. Wenn Sie mir das Kommando übergeben.“<br>Lewinski reagierte anders als erwartet. Er hob den Kopf und lächelte.<br>„Was ist? Wieso lachen Sie?“, fragte Woil gereizt und verunsichert. Was sollte das? Wollte er nur Zeit herausschinden? Für irgendeinen verrückten Plan?<br>„Ich bin begeistert. Von Ihnen. Sie hatten die Situation die ganze Zeit unter Kontrolle. Von ihrer Befreiungsaktion...“<br>„... die leider ein paar unerwartete Nebeneffekte hervorgerufen hatte...“, fügte Woil ein und spielte damit seine Fähigkeiten herunter.<br>„... bis zu dieser Offensive. Sie haben alles richtig gemacht. Und trotzdem werden Sie verlieren.“ Lewinski lachte noch einmal stumm auf. „Ironie des Schicksals. Heute wären wir wieder nebeneinander in einer Loge gesessen.“<br>Der Chefingenieur blickte den Captain an und dachte über seine Worte nach. Er hatte recht. Ihr Theaterbesuch lag nun genau eine Woche zurück. Und heute hatten sie sich für den nächsten verabredet.<br>Mit einem kurzen Kopfschütteln rief sich Woil zu seiner gewohnten Selbstkontrolle zurück. Dabei kamen ihm einige Worte in den Sinn.<br>„Er wird Erquickung sich umsonst erflehn; Und hätt’ er sich auch nicht dem Teufel übergeben, Er müsste doch zugrunde gehn!“, zitierte Woil ernst aus dem Theaterstück von letzter Woche.<br>Land versuchte sich an die Worte zu erinnern, doch er konnte sie keinem Stück zuordnen.<br>Lewinski ließ sich davon nicht beeindrucken. „Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, Dann will ich gern zu Grunde gehn!“<br>Abermals schüttelte Woil den Kopf. Dieses Mal aber demonstrativ. „Ich verstehe Sie nicht John.“ Dann fiel er wieder in den „Zitierton“: „Verachte nur Vernunft und Wissenschaft, Des Menschen allerhöchste Kraft, Laß nur in Blend- und Zauberwerk Doch von dem Lügengeist bestärken So hab ich dich schon unbedingt.“ Er ließ etwas Zeit, bevor er fortfuhr. „Sie könnten so vielen Menschen das Leben retten John.“<br>Der Captain antwortete nicht, sondern sah nur zu Woil. Innerlich bereitete er sich auf alles vor.<br>Woil schloss kurz die Augen. Anschließend lächelte er wehmütig. „Dann haben Sie ihre Chance hiermit vertan.“ Er verstellte das Niveau seines Phasers. „Ich wähle ein hohes Niveau, das Sie sofort atomisieren wird. Sie werden den Strahl nicht einmal sehen und auch keine Zeit haben, Schmerz zu spüren. Im Gegensatz zu ihren Kameraden.“ Woil wandte sich dann an T’Ker und den Bolianer. „Treten Sie zurück. Ich werde das selbst übernehmen.“ Die beiden gehorchten sofort, nahmen ihre Gewehre herunter und stellten sich einige Meter von ihnen entfernt an die Wand des Maschinenraums, praktisch genau den zwei anderen Technikern gegenüber, die neben ihnen, Lewinski und Woil noch im Raum waren.<br>Dann richtete Woil den Phaser wieder auf Lewinskis Kopf.<br>Und in diesem Moment holte der zum Gegenschlag aus.<br>„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlicher guter Mann, Allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“<br>Woil zuckte zurück. Lewinski hatte seinen wunden Punkt getroffen. Also stichelte er noch weiter zu ihm vor. „Sie sind nicht der Jozarnay Woil, den ich kannte. Der Richtige konnte keiner Fliege etwas zu Leide tun. Geschweige denn war er in der Lage Freunde umzubringen oder Kollegen, egal wie sehr sie ihm verhasst waren. Ich dachte, dass die Religion, dass ihr Glaube in ihrem Leben eine große Rolle einnimmt. Was sagt ihr Glaube, was sagt ihr Gott dazu, dass Sie soviel Unheil bringen?“<br>Verstört sah Woil zu Boden. „Ich versuche nur Leben zu schützen. Ihr Verhalten hat dazu geführt, dass die halbe Crew sinnlos starb.“<br>„Sie mögen vielleicht behaupten, Leben beschützen zu wollen. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Sie wollen nur die Leben derer beschützen, die auf ihrer Seite sind. Ein wahrer Captain muss aber die Leben aller Crewmitglieder schützen. Nichts anderes habe ich getan. Sie werden es mir nicht glauben, aber... Ich habe auch Ihr Leben geschützt Jozarnay.“<br>„Seien Sie still!“, schrie Woil. „Ich will nichts mehr hören von Ihren Wortverdrehereien! Sie haben schon zuviel gesagt.“<br>Wütend trat Woil auf Lewinski zu, bis sein Phaser nur noch wenige Zentimeter von Lewinskis Nasenspitze entfernt war.<br>Für den Captain verfiel die ganze Situation in diesem Moment in den Eindruck, alles wie in Zeitlupe zu erleben. Er konnte praktisch sehen, wie sich Woils Muskeln anspannten, konnte hören, wie der Auslöser klickte und die Vorladekammer die Energie für einen Phaserstrahl mit hoher Stärke lud.<br>In einem letzten verzweifelten Versuch, sein Leben zu retten – Lewinski war ohnehin klar, dass es nur ein Versuch bleiben konnte und er nebenbei dem Gedanken auch nicht abgeneigt war, jetzt und hier alles zu beenden – stürzte er sich auf Woil. Soweit es ihm natürlich möglich war, von seiner knienden Position aus und mit verbundenen Händen.<br>Doch er schaffte es, den Phaser zu treffen und ihn von ihm abzulenken. Gleichzeitig schlug er mit seinem Kopf gegen Woils Knie, wodurch dieser zusammenbrach.<br>Lewinski landete am Ende seiner Aktion auf dem Boden neben seinem ebenfalls gestürzten Kollegen. Beide hatten jedoch weder Augen für die vier anderen Crewmitglieder, die staunenden neben ihnen standen, auch nicht für sich selbst, sondern nur für den Phaserstrahl, der sich aus dem Phaser gelöst hatte, als Lewinski denselbigen weggeschlagen hatte.<br>Unkontrolliert wie es gewesen war, hatte er ein Loch in eines der Systeme neben dem Warpkern geschossen. Und allen war klar, was getroffen worden war.<br>Und auch Land begriff es, der erst jetzt bemerkte, dass das Loch, das er gestern bemerkt hatte, noch gar nicht da war, sondern erst jetzt verursacht wurde.<br>Hinter dieser speziellen Stelle in der Wand lag ihr Schicksal.<br>Es war ein Plasmatank, randvoll gefüllt mit Kühlmittel für den Warpkern.<br>Bevor auch nur einer von Ihnen an Flucht auch nur denken konnte, strömte das grüne Gas auch schon aus dem Leck heraus und verteilte sich in jede Ecke der unteren Eben des Maschinenraums.<br>Woil blickte in den letzten Momenten seines Lebens zu Lewinski. Stumm suchte er in seinen Augen nach etwas. Nach einem kleinen aufblitzen, nach einem Zwinkern.<br>Und dann sah er es. Es war nicht viel, nur ein kleiner Lidschlag von Lewinski, der Bände sprach.<br>Er vergab Woil.<br>Mit Freude und einem Lächeln erwartete er dann das dichte Gas.<br>Der Spuk dauerte nur wenige Sekunden, bis das Gas von den automatischen Systemen und den Entlüftern eingefangen und abgesaugt wurde. Doch diese Zeit hatte ausgereicht um 6 Menschen das Leben zu nehmen und nicht eine Spur von Ihnen übrig zu lassen.<br>Sie hatten nicht einmal schreien können, so schnell war es gegangen.<br>Nur Land hatte geschrieen und versucht, sich damit zu schützen, dass er die Hände vor sein Gesicht hob. Was vollkommen unnötig war. Die aktivierten Sicherheitsprotokolle des Holodecks ließen nicht zu, dass das Kühlmittel ihm etwas anhaben konnte.<br>Und als es schließlich abgesogen war, herrschte zum ersten Mal seit einer Woche wieder Frieden im Maschinenraum der Monitor.<br><br>	Im Rest des Schiffes war von den Ereignissen im Maschinenraum nichts zu spüren gewesen. Auf Deck 2 arbeiteten drei Dreierteams gerade daran, das erste Deck zu betreten. Zwei arbeiteten sich über Turboliftschächte nach oben, das dritte über eine Jeffriesröhre.<br>Danny Bird lauerte mit drei Kollegen auf der Brücke. Noch warteten sie ab. Bird hatte beschlossen noch ein paar Minuten auf ein Zeichen von Lewinski zu hoffen. Natürlich konnte er nicht wissen, dass er vergebens hoffte. Das ärgert ihn auch etwas. Doch diese Gedanken schob er schnell beiseite. Er konzentrierte sich mehr auf die Korridore um ihn.<br>Und dies wurde immer mehr zur Qual. Die Müdigkeit, die schockierenden Ereignisse nagten noch immer an ihm. Langsam wurde dadurch auch sein Nervenvorrat aufgebraucht.<br>Bird fühlte den Abzug des Gewehrs in seinen Händen. Noch immer mussten die Phaser mit einer hohen Energiestufe betrieben werden. Noch immer hatte sich die Strahlung nicht verzogen, wodurch auch die Sensoren keine klaren Ergebnisse lieferten.<br>Plötzlich hörte er etwas. Oder bildete er es sich nur ein?<br>Wollte er etwas hören?<br>Da... wieder.<br>Die anderen hatten das Geräusch ebenfalls gehört und richteten ihre Gewehre zur Geräuschquelle. Keiner wagte es zu atmen um vielleicht ein wichtiges Geräusch zu überhören.<br>Und dann begann es.<br>Plötzlich drang Phaserfeuer aus dem kleinen Querkorridor, der zu dem Jeffriesröhrenzugang zur Backbord – Warpgondel, führte.<br>Noch bevor Bird oder jemand anders von ihnen reagieren konnten, waren die beiden Offiziere, die an der Tür lauerten, die dem Phaserfeuer näher war, tot.<br>Für Bird und seinen zweiten Mann war die Sicht etwas eingeschränkt. Sie konnten keinen der Angreifer erkennen, doch sie feuerten trotzdem, in der Hoffnung, irgendetwas zu treffen, bevor sie getroffen wurden.<br>Doch da wurden sie schon von Phaserfeuer aus einer anderen Richtung abgelenkt.<br>Das Dreierteam, das sich vom Steuerbordkorridor her zu ihnen näherte, hatte problemlos die ersten beiden von Lewinskis Männern hinter sich gebracht. Nur eine kleine Unaufmerksamkeit ihrerseits hatte ihr Ende bedeutet. Doch die Tatsache, dass sich nur Phaserfeuer von zwei Waffen näherte deute darauf hin, dass auch einer von Woils Männern das Leben hatte lassen müssen.<br>Während Woils Team etwas den Korridor hinunter warf hatte Bird genug Zeit zu registrieren, dass das erste Team, das von der Jeffriesröhre aus angegriffen hatte, immer noch mit den Männern beschäftigt war, dass sich in einem der Backbordquartiere versteckt hielt. Aber auch von dort drangen immer weniger Phaserintervalle zu ihm vor. Auch dort hatte es Verluste gegeben.<br>Dazwischen hörte er dumpfe Schreie.<br>Sie stammten vom Ende des Backbordkorridors. Vermutlich war auch dort ein Stellungskrieg ausgebrochen.<br>Dann detonierte die kleine Granate.<br>Sie war jedoch etwas an der Brücke vorbei gerollt, wodurch die Wucht der Explosion auf den Korridor beschränkt war und das Team, das sich dort in einem Quartier verschanzt hatte.<br>Auf der Brücke war „nur“ eine starke Erschütterung zu spüren, die Bird und seinen Kollegen durchschüttelte. Benommen orientierten sie sich kurz. Bird versuchte verschiedene Eindrücke zuzuordnen. Sehen konnte er recht wenig und auch mit dem hören haperte es.<br>Von dem Team im Quartier neben dem Korridor hätte er auch nichts gehört, wenn das Pfeifen in seinen Ohren nicht zu hören wäre.<br>So schnell er konnte, festigte er den Griff seines Gewehres wieder und schoss in den Korridor, zu der Stelle, an der er das gegnerische Team vermutete.<br>Ein heller Schrei klang durch den Korridor. Bird hatte eines der „Ziele“ getroffen. Bird hatte keine Zeit darüber auch nur eine Emotion zu verlieren oder auch nur darüber nachzudenken. Denn aus dem Dunkel traf eine Phaserschuss Birds Kollegen.<br>Bird hatte auch keine Zeit, auf die Leiche zu reagieren, die nun plötzlich neben ihm lag. Er schaltete alle anderen Sinne ab und konzentrierte sich nur auf den Abzug seiner Waffe und den dunklen Korridor vor ihm.<br>Als er ein kleines Blitzen sah, kaum mehr als das Funkeln in einem Auge, richtete er den Gewehrlauf seiner Waffe aus und schoss. Nicht nur einmal, nein, er hielt den Abzug gedrückt und feuerte eine ganze Reihe an Energie in den Korridor.<br>Er stoppte erst, als ein Phaserblitz nur knapp über ihm einschlug.<br>Dieser Schuss hatte ihn voll überrascht. Er war aus einer anderen Richtung gekommen.<br>Richtig, besann er sich und veränderte schnell seine Position um geschützter zu sein. Das erste Team, dass sich von der Backbordjeffriesröhre aus genähert hatte.<br>Schnell feuerte er auch in diese Richtung blind einige Salven ab, bis er sich sicher war, dass er den Angreifer getötet hatte.<br>Nein, er hörte auf, als er sich klar wurde, dass er den Angreifer getötet hatte. Als er sich klar wurde, dass er einen Freund getötet hatte.<br>Erschrocken ließ er das Gewehr fallen und verharrte in der Position, in der er sich eben befand.<br>Bird horchte in sich hinein, hinaus ins Schiff, hinaus ins All.<br>Er hörte immer dasselbe.<br>Nichts.<br>Er war allein.<br>Vollkommen allein.<br><br>	Wieder saßen Chakotay, Land und Kalen im Konferenzraum der Voyager. Soeben hatte der Erste Offizier von den Geschehnissen an Bord der Monitor berichtet. Beide saßen fassungslos da, während man durch das Fenster die Monitor sehen konnte, die immer noch einen gespenstischen Eindruck hinterließ.<br>„Ich kann nicht glauben, dass es zu einem Kampf unter Sternenflottenoffizieren gekommen ist. An Bord eines der höchstdekoriertesten Schiffe der Flotte“, seufzte Chakotay, der sich kraftlos in seinen Stuhl zurücksinken ließ. „Was hat es mit dieser einen Sache auf sich...“, Chakotay versuchte sich zu erinnern. „Diesem Ort, den Chief Woil angesprochen hatte?“<br>Land schüttelte verzweifelt den Kopf. „Wie gesagt, ich weiß nur, dass Woil zu einem Ort zurück wollte. Ihnen war klar, dass der Deuteriumvorrat niemals reicht bis zu bekanntem Föderationsraum. Also schlug er einen anderen Ort vor. Alle schienen von ihm zu wissen. Genaueres kann ich im Moment noch nicht sagen.“<br>In diesem Moment öffnete sich die Tür zur Brücke und Reg Barclay betrat den Raum. Er blieb in der Nähe der Tür stehen. Es war ihm deutlich anzusehen, dass er sich etwas unwohl fühlte, schließlich entstand durch sein Eintreffen ein unangenehmes Schweigen, dass schließlich Chakotay unterbrach.<br>„Reg, was haben Sie herausgefunden?“<br>„Sir“, er trat zum Captain und überreichte ihm ein PADD. „Wir haben die Warpspur der Monitor entdeckt.“<br>Erstaunt sahen alle drei zum Chefingenieur.<br>„Setzen Sie einen Kurs mit Maximum Warp, wir fliegen sofort ab.“<br>„Was ist mit der Monitor?“, fragte Land.<br>„Es sind keine anderen Schiffe in Sensorreichweite. Und in Kürze wird ein Bergungsschiff eintreffen, dass die Hülle zwecks weiteren Untersuchungen nach Utopia Planitia bringt“, antwortete Chakotay verständnisvoll. Land hatte anscheinend noch keine Zeit gehabt, all die Memos zu lesen, die die verschiedenen Abteilungen des Schiffes verfasst hatten.<br>Der erste Offizier nickte und gab sich damit zufrieden. Als diese Sache geklärt war, wandte er sich wieder an Barclay. „Danke Commander. Wenn dies alles ist...“<br>Reg nickte und verließ den Konferenzraum wieder.<br>Chakotay ließ nicht viel Zeit verstreichen, bis er weitersprach. Schließlich spürte er schon wieder eine unangenehme Stille. „Tema’na ist vor einer guten Stunde von ihrer Mission zurückgekehrt. Sie hatte eine der Rettungskapseln der Monitor im Schlepptau des Alpha Flyers.“<br>„Die Kapsel war leer, nicht wahr?“, mutmaßte Land.<br>„So war es. Alle Kapseln waren leer. Die Frage ist nur, wieso wurden sie dann gestartet?“<br>Land überlegte. „Wir müssen uns nur in Geduld fassen, dann wissen wir es.“<br>Im Fenster hinter Chakotay verschwand die Monitor und das normale Bild. Der Warpblitz war zu sehen, als die Voyager die Warpmauer durchbrach.<br>„In Ordnung, machen Sie weiter so. Ich versuche das Ganze nun noch dem Kommando beizubringen.“<br>Der Captain stand auf, Kalen tat es ihm gleich, doch Land blieb sitzen. Als sie beide schließlich allein waren, setzte sich auch Kalen wieder.<br>„Wie schaffen es die El-Aurianer nur, Jahrhunderte zu überleben? Steigt die Selbstmordgefahr nicht, wenn man mal 300 Jahre überschritten hat?“, fragte Land zynisch.<br>Kalen verstand seine Aussage. Er wollte niemanden angreifen. „Nun, es gibt eine Phase, so mit 280, in der steigt die Gefahr, doch wenn man da mal drüber ist... wir haben einen speziellen Fachausdruck dafür: Midlife Crises.“<br>Wieder hatte es Kalen geschafft, Land zum lächeln zu bringen. „Ich habe heute gesehen, wie beinahe jeder meiner Freunde gestorben ist.“<br>„Sie haben etwas furchtbares durchgemacht. Aber Sie werden darüber hinwegkommen. Sie werden neue Freunde finden und ein neues Leben. Ich habe ebenfalls alles verloren, durch die Borg. Doch ich habe weitergemacht. Und habe nun ein neues Leben.“<br>„Ich will kein neues Leben“, bekundete Land trotzig. „Ich will mein altes zurück.“<br>„Ihr Leben ändert sich an jedem Tag ihres Lebens. Jeden Tag erhalten wir ein neues Leben. Das ist der Schritt, der uns von den niedern Lebensformen unterscheidet. Wir sind keine Gefangenen der alltäglichen Monotonie.“<br>„Darf ich fragen, wie mir das helfen soll?“<br>Diesmal lächelte Kalen. „Ich habe die selbe Frage gestellt, als ich nach dieser Sache mit den Borg in Behandlung war. Und jetzt verrate ich Ihnen das Geheimnis. Wir El-Aurianer überleben nur aus einem Grund Jahrhunderte: Wir sind eine Rasse der Zuhörer.“<br>„Wenn Sie jetzt von mir verlangen, dass ich Ihnen mein Seelenleben offen lege, haben Sie sich geirrt.“<br>„Zwei Dinge: niemals würde ich von Ihnen verlangen, dass Sie mir Ihr Seelenleben offenbaren. Und zweitens würde ich nie etwas verlangen“, Kalen ließ Land die Zeit, die Worte zu verinnerlichen. „Sie werden früher oder später alles berichten, das Sie berichten wollen.“<br>Der Counsellor stand auf und ließ Land alleine im Konferenzraum zurück.<br>Er wusste, dass man jedem seine eigene Geschwindigkeit lassen musste. Auch bei Bird war dem so. Er musste ihm nur die Zeit lassen, die er benötigte.<br>Doch bis dahin war Land allein.<br>Vollkommen allein.<br><br><b>Tag 15, 6:12 Uhr Bordzeit der U.S.S. Voyager</b><br><br>	Der Doktor versuchte gute Miene zu bösem Spiel zu machen. Bruce Land saß an der Bettkante in seinem Schlafzimmer. Er hielt die Augen geschlossen, während der Doktor ihn untersuchte.<br>„Ihre Kopfschmerzen haben keine speziellen, körperlichen Gründe. Ihr Blutdruck ist leicht erhöht, der Puls unruhig, die Adrenalinwerte 2% über normal. Ich denke Sie wissen, dass Counsellor Kalen ihnen eher helfen könnte...“<br>„Doktor, geben Sie mir einfach etwas gegen die Kopfschmerzen“, wies Land genervt an.<br>Der Doc griff sogleich nach einem Hypospray. Während der kurzen Zeit, die Land an Bord des Schiffes diente, hatte er gelernt, dass er keinen Widerspruch duldete.<br>„Wie sieht es mit den Autopsien aus Doc?“, erkundigte er sich.<br>„Ich habe Sie beinahe abgeschlossen Sir“, antwortete er, während er Land das Hypospray verabreichte. „Wie lange haben Sie heute geschlafen?“<br>Land überlegte. „Etwa 4 Stunden.“ Er reagierte mit einem Themenwechsel auf das Augenrollen des Doktors. „Was haben Sie über Tellom herausgefunden? Was ist mit ihr geschehen?“<br>„Ihre Annahme wurde bestätigt. Fähnrich Telloms Synapsen sind zerfallen.“<br>„Wie ist so etwas möglich?“, fragte Land.<br>„Bei Terellianern ist so etwas nicht ungewöhnlich. Außerdem hat Fähnrich Tellom eine genetisch bedingte Veranlagung für einen solchen degenerativen Zerfall. Normalerweise kann so etwas schon nach der Geburt geheilt werden.“<br>Land nickte. „Ihre Eltern waren der modernen Medizin immer etwas abgeneigt.“<br>„Verständlich. Die nächste Untersuchung wird sie dann bei der Aufnahme in die Akademie gemacht haben. Und im Erwachsenenalter lässt sich der Defekt nicht mehr beheben.“<br>„Wodurch wird ein solcher Zerfall ausgelöst?“<br>„Durch schwere traumatische Schocks“, erklärte der Doc.<br>Land dachte an die Situation auf der Monitor. „Wie den Verlust eines Ehemanns?“<br>„Da die Terellianer normalerweise keine monogame Beziehung eingehen, die der einer Ehe ähnelt kann ich so etwas nicht definitiv bestätigen.“<br>Der Erste Offizier nickte und stand auf. „Danke Doc. Mir geht es schon viel besser. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden, ich habe noch einiges zu tun.“<br>„Sie sollten die Sache etwas ruhiger angehen Commander. Ansonsten gehen Sie auch noch das Risiko eines Traumas ein.“<br>Land atmete tief ein. Er konnte ihm nicht böse sein. Er tat nur seine Arbeit. Und er musste seine tun.<br>„Ich weiß. Aber ich muss aufs Holodeck.“<br>Denn der nächste Tag wartete schon.<br><br><b>Tag 7, 7:02 Uhr Bordzeit der U.S.S. Monitor</b><br><br>	Danny Bird sah abermals auf die Statusanzeige des Trikorders. Aus seiner Sicht sah er alle 2 Sekunden auf ihn, obgleich er natürlich wusste, dass mehr Zeit dazwischen lag.<br>Noch immer hatte sich nichts an ihrer momentanen Situation geändert. Ein Teil in ihm freute sich darüber, ein anderer hasste dies abgrundtief. Irgendwann, das wusste Bird mit Sicherheit, würde etwas passieren. Und um so länger dieses „etwas“ auf sich warten ließ um so heftiger würde es werden.<br>Und es lag an ihm, „es“ zu verhindern.<br>Schon seit Stunden irrte er durch die verwüsteten und dunklen Korridore des ersten Decks der Monitor. Was an sich nicht viel Zeit in Anspruch nahm. Doch er stoppte beinahe alle zwei Meter um sich nach dem Zustand der positionierten Teams zu erkundigen, die dort in kleinen Teams dem Feind auflauerten.<br>Bird konnte nicht anders als über die Situation lachen. Wie lange ging dies jetzt schon? Im Geister rechnete er und nahm schließlich den Trikorder zu Hilfe, als er auf kein schlüssiges Ergebnis kam. Der kleine Computer offenbarte schlussendlich das grausame. Eine Woche. Eine geschlagene Woche dauerte dieses Martyrium schon an. Eine Woche lang hatte er zusehen müssen, wie das ganze Schiff zu etwas unfassbarem wurde. Zu einer richtigen Hölle. Zumindest konnte er sich keine schlimmere vorstellen. Immerhin kämpfte er gegen seine eigenen Freunde und Kollegen.<br>Diese Tatsache allein ließ ihn beinahe wahnsinnig werden. Und in der Tat konnte er sich im Moment nicht die Frage beantworten, wie lange er selbst dies noch durchmachen wollte und konnte.<br>Der Sicherheitschef erreichte gerade das nächste Kleinteam. Es bestand aus Mr. Locarno und einem seiner Leute aus dem Sicherheitsstab, Lt. Jett. Beide saßen am Eingang eines Quartiers und überwachten ihren Gangabschnitt. Immer noch war das gesamte Schiff in eine lähmende Dunkelheit gehüllt. Nur vereinzelt funktionierten die Reservelampen noch.<br>„Wie ist ihr Status?“, fragte Bird leise. Auch wenn er wusste, dass seine Sprachlautstärke kaum einen Unterschied machte.<br>„Sie sollten sich nicht so frei auf den Fluren Bewegen Sir“, antwortete Locarno keck.<br>Danny wusste zuerst nicht, wie er darauf reagieren sollte. Zuerst wollte er ihn anschnauzen, stellte das jedoch beiseite. Es führte schließlich zu nichts. Also überging er diesen Kommentar einfach. Denn zu so etwas wie einem Lächeln war ihm jetzt auch nicht zumute.<br>„Ich wollte nur sichergehen, dass sie genügend Vorräte haben“, fuhr er schließlich fort.<br>„Ja Sir, wir haben alles“, antwortete Jett ruhig.<br>„Gut, wechseln Sie sich beide ab. Jeder von ihnen sollte wenigstens etwas Schlaf bekommen“, wies Bird weiter an, sah dabei wieder auf seinen Trikorder und dann wieder kurz zu den beiden jungen Männern, die nur wenige Zentimeter neben ihm saßen. „Keine Sorge, das Ganze wird sich bald bessern und sich in einem bösen, dunklen Traum auflösen.“ Erst jetzt fiel Bird auf, wie jung die Gesichter der beiden Männer waren, während er sich jetzt so alt und zerbrechlich fühlte, wie noch nie in seinem Leben.<br>Locarno und Jett reagierten nicht auf Birds Worte. „Ist es wahr?“, fragte Jett.<br>„Was soll wahr sein?“, fragte Bird verwirrt.<br>„Deck 3. Steht Woil jetzt auch Deck 3 zur Verfügung?“, stellte Locarno die Frage zu Ende.<br>Bird sah geschockt zu ihm. Er selbst wusste natürlich, dass dies stimmte. Gleichzeitig erstaunte es ihn aber, dass sich so etwas auch in einer kleinen Gruppe von kaum 20 Leuten so schnell herumsprach.<br>„Glauben Sie nicht jedem Gespenst, dass hier durch die Gänge spukt. Auch wenn es sich noch zu wahr anhört“, antwortete er und wartete kurz auf eine Reaktion. Die beiden erwiderten zwar nichts, jedoch war dies nicht nötig. Bird sah es ihnen an der Nasenspitze an, dass sie ihm nicht glaubten. „Halten sie sich bereit. Ich werde mich bald wieder melden.“ Dieses Mal wartete er erst gar nicht auf eine Reaktion, stand auf und lief im Korridor zurück, in Richtung Brücke. Mit gezogenem Phaser ging er den Gang entlang, immer auf der Hut, etwas ungewissem zu begegnen. Als er schließlich die Tür erreichte, steckte er seine Waffe ein und öffnete die Tür mittels des Griffs, der an ihr hing. Alle Türen mussten so geöffnet werden, schließlich reichte die Energie nur noch aus um die Lebenserhaltung in Betrieb zu halten. Also musste jeder, der eine Tür öffnen wollte, selbst Hand anlegen.<br>Es dauerte keine zehn Sekunden, bis Bird die Tür geöffnet, die Brücke betreten und die Tür wieder geschlossen hatte. Dort angekommen musste er aber erst einmal etwas verschnaufen.<br>Dabei verschaffte er sich einen kurzen Überblick. Auch hier ruhten natürlich alle Systeme. Kein einziger Bildschirm zeigte eine Statusanzeige, sogar der Hauptbildschirm offenbarte nun nur seine holografischen Bilderzeuger. Der einzige Anwesende war John Lewinski, der in seinem Stuhl saß. Er hatte sich nach vorn gebeugt, sein Kopf ruhte in seinen Händen, die Arme waren auf seine Knie gestützt.<br>Lewinski schien ihn nicht zu bemerken. Und bevor Bird ihn stören konnte, hörte er, wie Lewinski einige stumme Worte murmelte. „Was ich besitze, seh’ ich wie im Weiten, Und was verschwand, wird mir zu Wirklichkeit.“<br>„Captain“, sprach ihn der Sicherheitschef verwirrt an.<br>Lewinski löste sich daraufhin langsam aus seiner Starre. Suchend blickte er in der Brücke umher, bis er Bird schließlich entdeckte.<br>„Danny, was gibt’s?“, fragte er. Doch er wirkte keineswegs so, als würde er die Antwort wirklich hören wollen. Vorsichtig lehnte er sich zurück.<br>„Wir müssen handeln Sir“, forderte Bird. Unbeeindruckt von den eben gehörten Worten. „Woil hat die Decks 3 und 4 eingenommen. Er wird bald auch die Brücke wollen.“<br>„Pah“, Lewinski schnaubte. Anschließend legte er so viel Zynismus in seine Stimme, wie er konnte. „Er kann sie haben. Hier gibt es ja nicht mehr viel zu holen.“<br>„Sir, ich denke, Sie wissen was...“<br>„Ja ja Mr. Bird“ unterbrach ihn Lewinski. „Ich weiß, dass er nicht die Brücke will. Er will mich.“ Der Captain atmete tief durch und sprach dann weiter. „Das ist so verrückt.“<br>„Captain, ich denke, dass er die Shuttles einsetzen wird. Ich habe Anzeichen dafür empfangen, dass er sie gestartet hat.“ Bird überhörte Lewinskis Worte einfach. Für ihn zählte in diesem Moment nur die aktuelle Gefahr. Und dies war zum ersten Mal eine, die er bewältigen konnte. „Wir haben zwar Transporterblocker aufgestellt, doch bei weitem nicht flächendeckend. Wenn wir nichts unternehmen läuft uns die Zeit davon.“<br>Es schien, als ob Lewinski Birds drängende Worte nicht vernommen hatte, denn er dachte in aller Ruhe nach. Auch wenn es von außen schien, als ob der Captain eine Wachsfigur sei. „Ich weiß nicht, ob ich das alles verstehe Danny... Ich weiß nicht, was das zu bedeuten hat. Bisher konnte ich noch jedem Ereignis einen Sinn zuordnen, doch dieses Mal... geht es Ihnen nicht auch so?“<br>„Sir, ich habe aufgehört nach dem Sinn zu fragen, als ich zum ersten Mal klar denken konnte. Es gibt Dinge, die wir einfach hinnehmen müssen...“<br>Wütend schlug Lewinski mit seiner Faust auf die kleine Konsole neben seinem Stuhl. „Ich werde nichts mehr einfach so hinnehmen... Ich habe schon viel zu viel einfach so hingenommen.“<br>„Und was sollen wir dann tun? Wie wollen Sie mit dieser Situation jetzt umgehen?“, fragte Bird, der jetzt eine günstige Gelegenheit sah, seinem Captain einige Details zu entlocken.<br>Lewinski überlegte wieder eine Zeit lang. „Haben Sie immer noch Probleme mit den Trikordern?“, fragte er schließlich. Eine Explosion hatte eine Leistung zerborsten, die zu den Warpgondeln führte. Aus ihr trat jetzt diese Strahlung aus, die die Sensoren störte, für die Besatzung jedoch ansonsten ungefährlich war. Seither arbeiteten die tragbaren Sensoren jedoch nicht mehr auf dem höchsten Niveau. Nur noch enorm hohe und herausragende Werte wurden wahrgenommen. Aus diesem Grund musste Bird auch immer wieder aufs neue raten, wenn er zur Zeit auf den Trikorder sah. Er musste herausfinden, welche Werte zur Strahlung gehörten und welche eventuell nicht. Doch dieses Problem bereitete ihm nicht die größten Sorgen. Das andere war, dass die Strahlung auch einen Einfluss auf die Phaser hatte. Sie arbeiteten nicht auf einem niedrigen Niveau. Daher musste eine hohe Stufe gewählt werden – eine tödliche. Bird hoffte daher, die Waffen nicht einsetzen zu müssen. Doch irgendwo in seinem Hinterkopf wuchs mit jeder verstreichende Sekunde, dass sich Woil wegen dieses Details nicht davon abbringen lassen würde, die Phaser einzusetzen. Langsam verstand er, was Lewinski durchmachte. In ihm sammelte sich die Furcht und die Angst aller Crewmitglieder. Sei es jetzt von ihrer oder Woils Seite. Dieser Gedanke erschrak Bird am meisten. Wie hatte es nur so weit kommen können, dass sich eine Crew so gegenüberstand? Schnell schüttelte er diese Gedanken ab und besann sich auf Lewinskis Frage. „Ja Sir.“, antwortete er. „Das Strahlungsleck ist immer noch zu groß.“ <br>Lewinski nickte und baute diese Information in sein Vorhaben mit ein. Beinahe schon andächtig sah er sich in der Brücke um. „Dieses Schiff hat schon mehr ausgehalten wie kaum eines seiner Baureihe. Manchmal wurde es nur durch unsere Familie zusammengehalten. Und jetzt, da unsere Familie auseinandergefallen ist... Erweisen wir ihr die letzte Ehre.“ Seine Stimme wurde mit einem Schlag autoritärer, als er direkt zu Bird sprach und nicht mehr „mit“ dem Schiff. „Rufen Sie unsere Leute zusammen. Und machen Sie die Rettungskapseln startklar.“<br><br>Von außen machte die Monitor einen noch schlimmeren Eindruck als das Innenleben ihn erahnen ließ. Überall zeigten sich Spuren von Explosionen und Feuer. Und jetzt, da die zehn Rettungskapseln, die man vom ersten Deck aus erreichen konnte, gestartet wurden schien die Monitor tatsächlich in ihre Einzelteile zu zerfallen. Die kleinen Triebwerke der Kapseln wurden gezündet, setzten dabei alle einen gemeinsame Kurs, der sie mit Höchstgeschwindigkeit von dem Schiff weg brachte.<br>Diese Aktion blieb natürlich nicht unbemerkt. Tatsächlich hatte Woil die Kontrolle über die Decks 3 und 4 und damit auch über die Shuttles. Im Moment flogen zwei Shuttles über der Stelle, unter der die Deuteriumtanks normalerweise lagerten. Außerdem arbeiteten zwei Techniker an der Stelle In Raumanzügen und führten dort irgendwelche Arbeiten durch. Diese Männer sahen natürlich, wie sich die Luken öffneten und die Kapseln herausgeschossen kamen.<br>Schließlich war es der Vulkanier T’Ker, der die Meldung an den Maschinenraum weitergab.<br><br>„Hier T’Ker, soeben sind alle Rettungskapseln des ersten Decks gestartet worden. Lewinski und seine Schweinehunde haben das Schiff verlassen.“ In T’Kers Stimme war deutlich Freude zu hören, aber auch eine gewisse Wut auf Lewinski. Seine Gefühle stärkten sich mit jeder Minute. Schließlich hatte Doktor Frasier nicht mehr die Zeit gehabt, ihre Therapie gegen das Pon Far zu Ende zu führen.<br>Woil hörte diese Meldung mit großem Erstaunen. Sie hatten alle ihre Kommunikatoren auf Selbstbetrieb umgeschalten, wodurch sich die Reaktionszeit zwar etwas verlangsamte, aber immerhin noch eine Kommunikation möglich war.<br>Der Maschinenraum war, wie der Rest des Schiffes, recht dunkel. Auch wenn es hier natürlich etwas heller war, damit die Techniker genug Licht hatten um etwas zu reparieren. Und da auch vier seiner Leute gerade hier waren um etwas zu reparieren, waren sie Zeuge dieser denkwürdigen Meldung.<br>„Das kann nicht wahr sein“, antwortete Woil entsetzt.<br>„Es ist wahr! Alle Rettungskapseln sind gestartet worden“, wiederholte T’Ker. Seine Stimme schien sich dabei schier zu überschlagen, so erfreut war er.<br>Doch Woil traute dem Braten noch nicht. „Scannen Sie nach Lebenszeichen.“<br>Einige Sekunden verstrichen, bis der Vulkanier versuchte, Woils Aufforderung nachzukommen. „Es tut mir leid“, meldete er schließlich. „Die Strahlung hemmt auch hier noch unsere Sensoren. Außerdem sind sie schon zu weit weg.“<br>Leicht verärgert sah er zur Decke seines „Reiches“. „In Ordnung. Kommen Sie so schnell wie möglich zurück aufs Schiff. Ich will zu allen sprechen.“<br>„Wir sind auf dem Weg. T’Ker Ende“, bestätigte der Vulkanier die Anweisung des Chiefs und schloss den Kanal.<br>Woil wartete nicht lange und wandte sich an einen der anwesenden Techniker. „Sehen Sie nach, ob unsere Horchposten noch Lebenszeichen bekommen.“<br>Der Angesprochene, ein junger Bolianer, bestätigte dies mit einem Nicken. Er kletterte die Wandleiter hoch um die zweite Ebene zu erreichen und damit auch die Türen, durch welche man das erste Deck betreten konnte. Bisher hatten sie es noch nicht geschafft diese Türen zu öffnen – Woil hatte selbst vor Jahren dafür gesorgt, dass diese Türen nicht so leicht zu öffnen sind – jedoch hatten sie es geschafft ein hauchdünnes Glasfaserkabel durch die Tür zu schieben. Dieses lieferte ihnen nun einige wenige Informationen über einen Trikorder. Außerdem liefen an diesem Kabel alle sonstigen Abhorchergebnisse zusammen. Sie hatten es nämlich geschafft an zwei weiteren Stellen im Schiff, Glasfaserkabel durch die Decke des zweiten Decks hindurch ins erste Deck zu schieben. Doch keiner ihrer Horchposten hatte ihnen bisher aufschlussreiche Ergebnisse liefern können.<br>„Sir, die Trikorder zeigen keine Lebenszeichen mehr auf Deck 1 an“, meldete der Bolianer, nachdem er den Trikorder überprüft hatte. „Auch die anderen Horchposten zeigen keine mehr an.“<br>Nachdenklich nahm Woil diese Information auf. „Das kann aber auch an der Strahlung liegen“, gab er selbst zu bedenken.<br>„Das stimmt“, bestätigte der junge Techniker. „Die Strahlungswerte sind immer noch hoch.“<br>Der Antosianer ärgerte sich kurz über das Malheur. Und noch mehr ärgerte er sich darüber, dass dieses Leck immer noch nicht versiegelt war. Das Technikteam, das auf der Außenhülle des Schiffs arbeitete war eindeutig zu langsam.<br>„Das heißt wir wissen nichts...“, begann Woil zu resümieren, als der Bolianer ihn unterbrach.<br>„Sir, die Türen!“ Der Bolianer hatte in Windeseile seinen Phaser gezogen und zielte damit auf die Tür.<br>Der Chefingenieur hatte ebenso sofort reagiert und seine Waffe gezogen. So schnell er konnte kletterte er damit die Leiter hinauf und ah sich an, was geschehen war.<br>Die Türen hatten sich selbst geöffnet.<br>„Was haben Sie gemacht?“, fragte er hektisch.<br>„Nichts Sir, ich habe nichts angefasst“, antwortete oder besser gesagt, entschuldigte sich der Bolianer.<br>Woil kniff die Augen zusammen und riskierte einen kurzen Blick in den Korridor. Dort war nichts zu sehen. „Das Meutereiprotokoll bleibt im Normalfall bestehen, wenn der Captain das Schiff verlässt.“<br>„Aber wir haben es im Moment nicht mit einem Normalfall zu tun, Sir“, warf der Bolianer ein.<br>„Da haben Sie Recht“, gestand Woil offen ein. Er wusste, dass der Bereich des Computerkerns, der die entsprechenden Protokolle beinhaltete, leicht beschädigt war. Mit Fehlfunktionen musste also zu rechnen sein. Und was geschah nun, wenn sich das Protokoll von selbst wieder aktivierte? Vielleicht hatten sie jetzt die einmalige Chance, das Schiff vollständig zu erobern. Sie hatten keine andere Wahl als das Risiko einzugehen. Woil tippte auf seinen Kommunikator. „Woil an alle. Bewaffnet und sammelt euch. Wir stürmen Deck 1. Die Stürmung beginnt unverzüglich.“<br>Der Chefingenieur hatte kaum ausgesprochen, als er mit allen anwesenden Technikern in den Korridor und damit ins Ungewisse trat.<br><br>	Die Korridore glichen Ruinen. Damit Sie mehr sehen konnten, als nur Schwärze, hatten sie sich Nachtsichtgläser aufgesetzt, die die Form altmodischer Brillen besaßen. Langsam schlichen sie sich an den Wänden vorwärts, die Phaser schussbereit in ihren Händen.<br>Woil fokussierte seinen Blick. Nur mit den Augenwinkeln sah er seine Kameraden, sah er, wie immer mehr von ihnen das erste Deck betraten.<br>Adrenalin schoss durch seine Adern und er fühlte sich so lebendig wie schon seit Jahren nicht mehr. Mit jedem Schritt in die Dunkelheit, die für ihn zum ersten Mal wie eine natürliche Umgebung war, fühlte er sich selbstsicherer. Er ließ sich vollkommen von diesem Gefühl einhüllen, denn selten hatte er es in einer solchen Intensität erlebt.<br>Verstärkt wurde es, und das wusste er ebenso, durch eine frische Dosis Ketracel Weiß. Doch es störte ihn nicht. Selbstzweifel waren für ihn seit Tagen unbekannt.<br>Sie hatten gerade die erste Korridorkreuzung hinter sich gebracht, als der junge bolianische Techniker ihm seinen Trikorder entgegenstreckte. Die Werte die er anzeigte waren chaotisch. Was an sich nichts ungewöhnliches aufgrund der Strahlung war, aber sie waren im Moment anders chaotisch als erwartet.<br>Mit einer einfachen Handbewegung bedeutete er seiner Gruppe, stehen zubleiben.<br>Schnell lehnte er sich an die Wand und dachte nach. Dabei fiel sein Blick durch eine offene Tür. Es war ein kleiner Wartungsraum, der genutzt worden war um den Korridor zu überwachen.<br>Dann drang ein Geräusch zu ihm, vom Parallelkorridor auf der Backbordseite des Schiffes.<br>Phaserfeuer.<br>In diesem Moment konnte Woil praktisch riechen, was hier gespielt wurde. Sie waren in eine Falle gelaufen. Und vor ihnen warteten Lewinskis Offiziere nur darauf, dass sie noch einen Schritt vor traten, um das Feuer zu eröffnen. <br>Und bevor Woil seinen Männern das mitteilen konnte, geschah dies dann auch.<br>Phaserblitze zuckten durch die Dunkelheit. Gleich die erste Salve tötete zwei Männer aus Woils Team. Zusammen mit dem jungen Bolianer, der sich, da er die Trikorderdaten auf die gleiche Weise interpretiert hatte, rechtzeitig in Sicherheit hatte bringen können, eröffnete Woil das Gegenfeuer.<br>Zuerst feuerte er wahllos in die Dunkelheit. Doch recht schnell musste er feststellen, dass diese Strategie sehr zu wünschen übrig ließ, denn das Feuer hielt ununterbrochen an. Also gab es nur eine Alternative.<br>Schnell betätigte er seinen Kommunikator und schrie so laut er konnte: „An alle: Rückzug.“ Dann zielte er auf eine Stelle in der Korridordecke und traf dort die gewünschte Leitung. Sofort trat Nebel aus. Der binnen Sekunden den ganzen Korridor füllte.<br>Der positive Nebeneffekt war, dass jetzt alle blind waren, denn der Nebel hatte eine Temperatur von mehr als 50 Grad Celsius und machte damit den Gebrauch der Nachtsichtgeräte unmöglich. Sowohl für seine, als auch für Lewinskis Mannen. <br>Und die Reaktion trat nur wenige Momente später ein. Das Feuer verstummte. Woil zögerte keinen Moment und trat den Rückzug an. Mit der sicheren Gewissheit, Lewinskis Fratze im Nebel zu sehen. Mit der sicheren Gewissheit, Lewinski später für alles doppelt leiden zu lassen.<br><br>	Die Ereignisse waren auf dem Parallelkorridor praktisch ebenso verlaufen. Nur dass hier keiner die nahende Falle bemerkt hatte. Bird lauerte mit sechs anderen seinen Kollegen auf. Sie warteten in den verlassenen Räumen, in denen zuvor die Rettungskapseln geruht hatten.<br>Der Sicherheitschef saß dort und versuchte seine Gedanken auf den Korridor zu fixieren. Doch dieses Vorhaben scheiterte kläglich. Immer wieder glitten seine Gedanken zu seinem rebellierenden Gewissen. Er war doch nicht in die Sternenflotte eingetreten um zu töten. Schon gar nicht seine Freunde.<br>Immer wieder spielte er Szenarien durch, dachte an Alternativen, wie etwa ein automatisches Phasergewehr im Korridor aufzustellen, doch dies war wegen der Störungen der Sensoren unmöglich. Bird hatte auch an andere Waffen wie Nebelbomben oder den Einsatz von Tränengas oder Blendgranaten gedacht. Doch diese waren allen sicher in einigen Containern in einem Frachtraum auf Deck 3 gelagert. Alles was sie hatten waren einige Handphaser und Gewehre, die neben dem Transporterraum verstaut waren, um sie für einen Außeneinsatz parat zu haben.<br>Seine Gedanken wichen, sobald er an die verschiedenen Waffen in ihrem Arsenal dachte, auf die Menschen, die ihm in diesem Korridor entgegenkommen würden.<br>Er konnte kaum das Phasergewehr sicher heben, so zitterten seine Hände.<br>Deshalb versuchte er seine Gedanken auszublenden.<br><blockquote>...Schritte...<br><blockquote>...Atemgeräusche...<br><blockquote>...das Klicken der Abzüge...<br><blockquote>...Phaserblitze...<br><blockquote>...verbranntes Fleisch...<br><blockquote>...Tod.</blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><br>Bird schüttelte kräftig seinen Kopf, in der irrsinnigen Hoffnung, diese Gedanken aus sich heraus schütteln zu können. Es gelang ihm nicht. Sie blieben an ihm kleben, wie das Blut derer, die er erschießen musste.<br>Vielleicht ist es gut, dachte er. Vielleicht ist es gut, dass die Chance besteht, selbst getötet zu werden, dachte er weiter. Jedoch fand er nichts gutes daran.<br>Dann schreckte er plötzlich zusammen. Er hörte deutlich Schritte. Leises Flüstern, Atemgeräusche, summende Trikorder. Er wusste, dass es jetzt begann. Seine Kollegen um ihn hatten dieses Ereignis ebenfalls registriert und machten sich bereit. Er hörte das Klicken der Abzüge, als sie die Gewehre straffer griffen.<br>Er tat es ihnen gleich und brachte das Gewehr in seine endgültige, finale Position, die zum Schicksal so vieler werden sollte. Unter Tränen blickte er durch das Visier am Gewehr. Im Nebel formierten sich die ersten Silhouetten.<br>Einen Moment dachte er noch daran, aufzustehen um zu versuchen, sie zu überreden auf ihre Seite zu kommen. Die Zeit verstrich, unendlich langsam. Aber Danny blieb sitzen.<br>Und wartete.<br>Als sich der Erste der Gruppe vollständig zu erkennen gab und auch die anderen seines Teams mehr waren als nur dunkle Silhouetten, flüsterte er etwas, auf das alle reagierten: „Feuer“.<br>Phaserblitze beleuchteten den Korridor taghell.<br>Danny Bird roch den Gestank verbrannten Fleisches.<br>Danny Bird roch den Tod.<br><br>Es wirkte, als ob sich John Lewinski keinen Millimeter gerührt hätte. Steif saß er auf seinem Stuhl auf der Brücke. Eigentlich hatte er sich in seinen Bereitschaftsraum zurückziehen wollen, doch dieser lag mitten im Schussfeld. Also musste er sich auf der Brücke, seiner zweiten Heimat, so gut es ging, zurückziehen.<br>Als Danny Bird eintrat verließen die zwei Offiziere, die an den geöffneten Türen auf die gelauert hatten, die es trotz des Hinterhalts zur Brücke geschafft hätten.<br>Bird musste ihnen keine Befehle erteilen, damit sie wussten, dass er ein privates Gespräch mit dem Captain führen wollte.<br>„Wie viele?“, fragte er, als würde er sich nach dem Wetter erkundigen.<br>„14...“, antwortete Bird trocken. „Sowie einer der unsrigen.“<br>Lewinski lehnte sich zurück, was aber keineswegs entspannt wirkt. „Wie ist der Status?“<br>„Woils Team hat sich in den Maschinenraum zurückgezogen. Dort haben sie sich verbarrikadiert. Im Moment haben wir einen Patt.“<br>Angespannt rieb sich Lewinski die Stirn. „Barren Sie die Toten auf. Und bringen Sie mir ihre Namen. Ich werde dann den Familien einen Beileidsbrief schreiben“<br>Bird schluckte schwer, bevor er die Brücke verließ und Lewinskis Befehl stumm auszuführen begann.<br>Vielleicht, so dacht er sich, ist es richtig, dass ich dies wieder tun muss.<br>Doch er fand nichts Richtiges daran.<br><br>Erschöpft nahm Bird das PADD zur Hand, das er auf dem Tisch neben dem Eingang liegen hatte. Soeben hatte er die elfte Leiche in einem der Quartiere auf dem ersten Deck verstaut. Da sie nicht an die Leichenkammer kamen, die sowieso schon beinahe voll belegt war, musste er diese Alternative wählen. So langsam fielen in diesem Quartier auch die Temperaturen. Er hatte die Heizung abgeschaltet, um die Leichen seiner Freunde vor der Verwesung zu schützen.<br>Bird warf einen kurzen Blick in das Zimmer. Geistesabwesend notierte er den Namen der elften Leiche. Es war Fähnrich Rushing. Eine junge Frau, die noch so viel vor sich gehabt hätte.<br>Entmutigt legte er das PADD wieder ab. Gerade wollte er wieder auf den Korridor, als Arena Tellom in der Tür stand.<br>„Hallo Danny“, grüßte sie ihn, doch ihr Blick war auf den Berg Leichen gerichtet. Sie waren zwar in schwarze Plastiktüten verpackt, doch trotzdem zogen sie alle Faszination auf sich.<br>„Kann ich dir helfen Arena?“, fragte er sogleich.<br>Arena antwortete nicht, sondern trat in den Raum und an den Leichensack von Rushing. Sanft berührte sie die Stelle, an der ihr Kopf war. Sie schloss die Augen. „Wieso haben wir das nicht verhindern können?“, wollte sie wissen. „Wieso ist dieses Mal alles schief gegangen?“<br>Bird ließ sich mit seiner Antwort Zeit, bis er über jedes Wort nachgedacht hatte. „Bevor dieses... Gemetzel begann, habe ich mir überlegt, einfach aufzustehen um dann mit ihnen zu reden. Sie zu bitten, die Waffen zu senken. Doch ich habe es nicht getan. Ich frage mich seither, wieso ich dies nicht getan habe.“ Er schüttelte den Kopf. „Ich fand bisher keine Antwort darauf.“<br>„Vielleicht hattest du Angst, selbst getötet zu werden.“<br>„Nein“, antwortete er schnell. „Ich hatte keine Angst um mein Leben. Sondern um deren. Es ekelt mich richtig an, wenn ich jetzt ihre toten und kalten Körper sehe. Ich ekle mich vor mir selbst.“ Voller Abscheu schaute er an sich herab. „Dabei wäre es so einfach gewesen, dieses Massaker zu verhindern.“<br>„Dabei wärst du aber das Risiko eingegangen, das Schiff an Woil zu verlieren“, gab Tellom zu bedenken.<br>Dieser Einwand riss Bird aus seiner Nachdenklichkeit, die ihn wieder übermannt hatte, als er an all die Leichen dachte. „Was wäre so schlimm daran Arena? Mal ganz ehrlich. Was wäre so schlimm daran?“<br>Tellom stand auf und richtete ihren Blick genau auf den ihres Kollegen und Freundes. „Du hättest Ardevs Tod damit zu etwas Richtigem gemacht. Ihn im nachhinein legalisiert.“<br>Er deutete mit großen Augen auf den Berg an Leichen. „Macht das deren Tod falscher?“ Geschockt sah er zu ihr, als er die Wahrheit erkannte. „Oder etwa seinen richtig?“<br>Arena nahm die Worte in sich auf. Und Bird konnte mit ansehen, wie sie in ein tiefes Loch stürzte. Ganz langsam, lösten sich ihre Gesichtszüge. Bis sie zu weinen begann.<br>Dann fielen auch seine Gesichtszüge. Erst jetzt bemerkte er, wie schroff er zu ihr gesprochen hatte. Er hatte beinahe geschrieen. „Es tut mir leid.“ Fürsorglich und beinahe väterlich trat er auf Arena zu und nahm sie in seine Arme. „Es tut mir so unendlich leid Arena.“<br>Er hörte, wie Arena schluchzte. Spürte dann, wie ihr Körper anfing zu Zittern.<br>„Mir ist kalt Danny“, brachte sie mühevoll heraus. Bird entließ sie aus seinem Griff um ihr ins Gesicht sagen zu können, dass es eigentlich nicht kalt war. Doch als er ihr Gesicht sah, war es schon blau angelaufen und ihre Augen wirkten seltsam verdreht.<br>„Arena, was ist mit dir?“, fragte er.<br>Doch Arena reagierte nicht auf Dannys sorgenerfüllte Stimme. Sie murmelte nur ein leises „Ardev“, vor sich hin und brach dann in Birds Armen zusammen.<br>Langsam legte er sie auf den Boden und sah, wie jeder ihrer Muskeln wie verrückt zuckte. Wenn er nicht gewusst hätte, dass Epilepsie schon seit dem letzten Jahrhundert vollständig heilbar war, hätte er gesagt, dass sie einen solchen Anfall erlitt.<br>Und der Anfall endete auch nicht nach einigen Minuten, sondern dauerte eine kleine Ewigkeit. Bird wich nicht von ihrer Seite. Erst als sie sich wieder beruhigt hatte, holte er Hilfe. Doch insgeheim wusste er, dass nur zwei Personen ihr wirklich helfen konnten. Und die lagen tiefgefroren in der Leichenkammer.<br><br>	Es kam einer Routine gleich, einem morbiden Ritual, aus dem sich die drei Herren im Konferenzraum trafen. Land hatte eben wieder seinen täglichen Bericht abgeliefert.<br>„Die Sache mit den Rettungskapseln war ein simpler Trick. Lewinski wollte mit diesem Angriff seine Vorherrschaft auf dem Schiff sichern“ resümierte Chakotay.<br>„Was ihm nach Mr. Lands Beschreibungen nicht sehr leicht gefallen sein durfte. Von allem, was wir bisher von ihm wissen, ist Lewinski zu diesem Zeitpunkt ein gebrochener Mann, ein verzweifelter Mann, der nur um das Wohl seiner Leute besorgt ist“, fügte Kalen wieder mit sanfter Stimme hinzu.<br>„Wie passt das aber zu seiner eigenen Aussage, Woils Leben geschützt zu haben? Er hat es doch mit diesem brutalen Angriff selbst aufs Spiel gesetzt.“<br>Kalen zuckte mit den Schultern. „Vermutlich hat er sich auf ein anderes Ereignis bezogen.“<br>„Gehen wir zurück zu diesem Ort, an dem anscheinend alles seinen Ursprung haben soll. Was haben Sie über den in Erfahrung gebracht?“ Chakotay sah eindringlich zu Land, der es an diesem Tag noch besser geschafft hatte, sich aus den Geschehnissen herauszuhalten.<br>„Nichts Sir. Dieser Ort wurde nicht erwähnt“, antwortete Land mit schwacher Stimme.<br>Der Captain nickte. „Dann werden wir wohl allein hinter das Geheimnis kommen müssen.“ Er blickte in die Runde und wartete auf eine Reaktion, aber es kam keine. „Was rezitierten Woil und Lewinski eigentlich? Haben Sie das in Erfahrung gebracht?“<br>„Es stammt aus &gt;FaustDie beiden Menschen nickten verstehend. Das es gerade ein El-Aurianer war, der ihnen etwas über ihre eigene Geschichte berichten musste, war sehr peinlich.<br>Doch Land interessierte sich im Moment nicht im Geringsten für solche Gedanken.<br>„Captain“, platzte es aus ihm heraus „Ich will die Ermittlungen abgeben. Ich denke, das Counsellor Kalen geeigneter wäre, die Psyche der Crewmitglieder genau zu durchleuchten.“<br>Überrascht sahen beide zum Ersten Offizier. „Woher stammt ihr plötzlicher Sinneswandel Commander?“<br>„Ich werde mit der Gesamtsituation nicht fertig. Während der letzten drei Tage habe ich jeden meiner Freunde sterben sehen. Sie jetzt alle quicklebendig Intrigen schmieden zu sehen ist hart, sehr hart.“<br>„Um ehrlich zu sein“, Chakotay lehnte sich etwas vor, um nicht zu autoritär zu wirken. „Habe ich eine solche Möglichkeit auch schon in Erwägung gezogen.“ Er wartete auf Lands Reaktion, der jetzt große Augen machte. „Sie haben sich nicht an unsere Vereinbarung gehalten. Der Doktor hat mir gemeldet, dass sich Ihr Gesundheitsstatus verschlechtern wird, wenn Sie sich nicht zurücknehmen.“<br>Land nickte. „Dann sind wir einer Meinung. Ich werde Sie gerne auch noch weiterhin beraten, aber Counsellor Kalen kommt mit diesen Ereignissen sicher besser zurecht wie ich.“<br>Chakotay sah fragend zum Berater ihres Schiffes. „Was halten Sie davon?“<br>„Ich würde Ihnen davon abraten Sir“, antwortete er mit aller Strenge, die er besaß. Dementsprechend sahen die beiden anderen auch entsprechen irritiert zu ihm. „Wenn Commander Land jetzt aufgibt würde das die Gerüchte an Bord nur verstärken. Keiner von Ihnen beiden war in den letzten Tage in der Messe. Ich zugegeben auch nicht oft, aber jedes Mal, wenn ich da war, habe ich die Flüstereien gehört. Vom Geisterschiff Monitor. Wussten Sie, dass es verflucht sein soll?“ Mit großen Augen sah er zum Captain. „Und laut einer andorianischen Prophezeiung läutet das Ende der Monitor das Ende des Universums ein.“ Kalen hatte diese Worte betont überzogen ausgesprochen um tiefe Gefühle zu wecken. „Commander Land ist stark Sir. Und er kennt die Monitor besser als ich. Er ist der Beste für den Job.“<br>Unsicher sah Chakotay zu Land. „Es ist Ihre Entscheidung.“<br>Doch noch bevor Land antworten konnte, erklang Annika Hansens Stimme in der Interkom. „Brücke an Captain Chakotay.“<br>„Hier Chakotay“, antwortete er sofort.<br>„Sir, wir empfangen einen schwachen Notruf von einem Planeten, der auf unserem Kurs liegt.“<br>„Verstanden, gehen Sie unter Warp und auf Alarmstufe Rot.“<br>„Bestätigt“, meldete Annika, schloss den Kanal und praktisch noch im selben Moment ertönten die Indikatoren des roten Alarms.<br>Fragend sah Land zu Chakotay. „Roter Alarm Sir? Wegen eines schwachen Notrufs?“ Doch noch während er dies fragte, wurde ihm klar, was sein Captain dachte. Auch die Monitor war einem Notruf gefolgt.<br>Verstehend standen alle drei Männer auf und betraten die Brücke. Sogleich setzte sich Kalen ruhig auf einer der kleineren Sitze neben den beiden Plätzen für die Kommandanten.<br>Doch Chakotay und Land dachten nicht daran, sich zu setzen. Beide standen direkt vor dem Bildschirm und betrachteten den Planeten, der dort zu sehen war.<br>„Bericht“, verlangte Chakotay.<br>Doch von Annikas Station kam nicht die prompte Antwort, wie sonst üblich. Irgendetwas stimmte nicht. Beide drehten sich um. Kleine Sorgenfalten bildeten sich auf Chakotays Stirn, als er bemerkte, wie sich seine Frau abmühte, irgendwelche Informationen zu erhalten.<br>„Das Magnetfeld des Planeten erzeugt seltsame Störungen in den Sensoren. Wir sollten in eine niedere Umlaufbahn schwenken um klarere Werte zu bekommen“, meldete Hansen schließlich.<br>Voller Tatendrang wandte sich Land an die romulanische Steuerfrau. „Tema’na, bringen Sie uns in einen niederen Orbit.“<br>„Schon dabei“, antwortete sie und der Planet kam näher.<br>In diesem Moment stand Kalen wie von der Tarantel gestochen auf und sah mit großen Augen zum Bildschirm. „Nein, wir müssen weg vom Planeten.“<br>Irritiert sahen alle zum Counsellor. „Und weswegen?“, fragte Chakotay.<br>„Keine Zeit für Erklärungen, tun Sie es“, forderte er.<br>Doch es war zu spät.<br>Das Licht begann zu flackern.<br>„Sir, wir verlieren die Hauptenergie“, meldete Annika.<br>„Ich kann das Schiff nicht mehr steuern“, erklärte Tema’na.<br>Und die Worte verhallten, als die komplette Dunkelheit einsetzte.<br>Bruce Land überkam plötzlich ein tiefes Gefühl der Angst. Mit ihnen geschah das selbe wie mit der Monitor. Sie waren in die selbe Falle getappt.<br>Doch nur wenige Sekunden später wurde die Reserveenergie aktiviert.<br>Schwaches Licht erhellt die Brücke der Voyager.<br>„Bericht“, verlanget Chakotay erneut.<br>„Wir sind in einer Anomalie gefangen, die uns die Hauptenergie abzieht“, berichtete Annika. „Zum Glück waren unsere Schilde aktiviert, sonst stünde uns auch nicht mehr die Reserveenergie zur Verfügung.“<br>„Wie kommen wir hier wieder raus?“<br>„Ich habe keine Kontrolle mehr über irgendwelche Antriebssysteme“, berichtete Tema’na entschuldigend. „Sir, das Schiff befindet sich immer noch auf einem Sinkflug. Wenn wir dies nicht verhindern können, werden wir abstürzen.“<br>Stille breitete sich aus. Ratlos sah Chakotay zu Land. Doch der wusste ebenso keinen Rat.<br>„Die selbe Falle, wie bei der Monitor...“, raunte der Captain.<br>„...das selbe Schicksal“, vollendete Land.<br>„Sir, es gibt einen Weg, zu erfahren, wie wir uns befreien können“, warf Tema’na ein. „Die Monitor hat es geschafft. Wenn wir wissen wie...“<br>Chakotay sah zu Land. „Sind Sie bereit dafür?“<br>Land suchte Kalens Blick. Doch auch dieser war ihm in diesem Moment keine große Hilfe. „Ja, ich bin bereit.“<br>„Dann gehen Sie aufs Holodeck. Wir werden genug Energie umleiten.“ Chakotay wartete auf Lands Nicken und sah dann zu Kalen. „Und Sie gehen zu Bird und versuchen, etwas von ihm in Erfahrung zu bringen. Egal wie unwahrscheinlich dies sein soll. Wir treffen uns, nachdem Land seinen Tag erlebt hat und tragen dann alle neuen Informationen zusammen.“<br>Auch der Counsellor nickte und folgte Land zu einem Zugang zu einer Jeffriesröhre. Beide hatten eine Aufgabe.<br>Beide mussten das drohende Schicksal abwenden.<br><br><br><br><center><b><u>Fortsetzung folgt...</u></b><br><br><br><b><font size="3"><i>...und die Reise geht weiter - in Season 6 - 2005 nur bei <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a>.de</i></font></b><br><b><i>Ältere Episoden findet ihr in unserem <a href="http://www.treknews.de/fanfiction/monitor_episoden.php" target="_self">Episodearchiv</a>...</i></b><br><br><b><u>NOX VACUA</u></b><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>producer SEBASTIAN OSTSIEKER lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers CHRISTIAN GAUS &amp; THOMAS RAKEBRAND and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by CHRISTIAN GAUS<br>TM &amp; Copyright © 2004 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved. <br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center>]]></description><guid isPermaLink="false">4132</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 5x13: Alternativen</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-5x13-alternativen-r4089/</link><description><![CDATA[<p align="center"><b>Diese Folge als PDF-Download:</b></p><div align="center"><center><table><tr><td align="center"><a href="http://www.treknews.de/cgi-bin/gallery-treknews/imageFolio.cgi?action=view&amp;link=Fanfiction/Star_Trek_Monitor&amp;image=0513.zip&amp;img=&amp;tt=all" target><img alt="Download" border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0513.jpg"></a></td></tr><tr><td bgcolor="#202020" valign="top" align="center"><font color="#ffffff" face="Verdana,Arial,Helvetica" size="1"><b><font>Monitor 5x13 "Alternativen"</font></b><br>Zip File<br>Größe: 0,34 MB</font></td></tr></table></center></div><br><br><br><br>In unserer hedonistischen Gesellschaft neigen wir dazu einzelne Individuen nur anhand ihres Aussehens zu definieren. Der eine hat schönes Haar, die andere einen wohlgeformten Körper und der dritte schöne Augen. Doch ist es nicht ebenso wichtig, wenn nicht gar wichtiger, den Anderen anhand seiner charakterlichen Werte zu definieren? Ist es nicht viel eher das, was eine Person ausmacht: seine Ethik, seine Träume, Hoffnungen und Ziele?<br>-	Heras Krùl<br>betazoidischer Philosoph<br>Auszug aus „Reflexionen des Lebens“<br><br>Das einzig stabile Wurmloch im Quadranten öffnete seinen gewaltigen blauen Schlund und schien eine Einladung aussprechen zu wollen: „nur zu, nutzt diese Passage auf die andere Seite dieses Universum“. Energieblitze zuckten aus der Öffnung hervor und ermöglichten eine Ahnung was für eine pure Kraft hinter dem ganzen Phänomen steckte. Das alles beobachtete Captain John Lewinski auf dem Wandschirm der Brücke. Um ich herum hatte die Kommandocrew der Monitor ebenfalls ihre Blicke auf das Wurmloch gerichtet. Natürlich auch aus dem Grund, weil es sich einfach um ein unglaubliches Ereignis handelte es zu passieren, doch auch deswegen, weil man sich an die Ereignisse des letzten Aufenthalts im Gamma-Quadranten erinnerte. Vor fünf Jahren war das Schiff dort gestrandet, gefangen in einem Bürgerkrieg zwischen verschiedenen Dominion-Fraktionen. Es hatte Dutzende von Toten an Bord gegeben und nur mit viel Mühen war es der Monitor gelungen zurückzukehren.<br>Captain Lewinski selbst hatte von diesen Ereignissen unfreiwillig Schaden genommen, sowohl physisch als auch psychisch. Mehrere Wochen hatte er in einer Nervenheilanstalt der Sternenflotte auf der Erde verbringen müssen, bis man ihn von seinen Selbstzweifeln und Vorwürfen befreit hatte.<br>Und nun, fünf Jahre später, sollten sie als erstes Schiff der Sternenflotte wieder in den Gamma-Quadranten einfliegen. Die elektronische Sperranlage, die das Wurmloch von der anderen Seite aus blockiert hatte, war entfernt worden und eine Passage nun wieder möglich. <br>Schließlich bemerkte der Captain, dass sich alle Augenpaare auf ihn gerichtet hatten. Die Crew brauchte nun seine sichere Führung und seinen unerschütterlichen Glauben an die Zukunft. Daher setzte John ein beruhigendes Lächeln auf und befahl:<br>„Bringen sie uns hinein, Commander Price!“<br>Das kleine Schiff der Defiant-Klasse, welches diesmal auf seine Tarnung verzichtete, flog durch das Wurmloch hindurch und nach der kurzen Passage befanden sie sich schließlich im Gamma-Quadranten. Gleich auf der anderen Seite erwartete sie ein kleiner Jem-Hadar Angriffsjäger. Noch vor fünf Jahren wäre dies ein Grund für Besorgnis gewesen, doch die Beziehungen zwischen den beiden Supermächten hatten sich zum Glück aller verändert.<br>„Sie rufen uns“, informierte Lieutenant Ardev von seiner Einsatzstation aus den Captain.<br>„Auf den Schirm.“<br>Ein Vorta erschien auf dem Bildschirm, Johns Eindruck nach schien er recht jung zu sein. <br>Der Unterhändler lächelte vertrauen erweckend und meinte:<br>„Im Namen des Dominion heiße ich sie im Gamma-Quadranten willkommen. Ich bitte sie sich unserem Schiff anzuschließen, wir werden sie zu dem Ort unserer Verhandlungen bringen. Seien sie unbesorgt, während ihres Aufenthalts garantieren wir für ihre Sicherheit.“<br>„Im Namen der Vereinigten Föderation der Planeten bedanke ich mich für die herzliche Einladung, “ entgegnete Captain Lewinski ebenso freundlich wie sein Gegenüber, „und wir fühlen uns geehrt durch ihr Angebot. Selbstverständlich werden wir uns ihnen anschließen.“<br>Gemeinsam drehten die beiden Schiffe bei und beschleunigten auf Warp. Nun war es nur noch eine Sache von Stunden, bis sie am Ziel ihrer Reise angelangten. <br><br>Sogleich nachdem er den Türsummer betätigt hatte wurde Commander Price in das Quartier hineingebeten. Scheinbar hatte der darin befindliche Gast nur auf seine Nachricht gewartet, anders war diese flotte Reaktion nicht zu erklären. Der erste Offizier des Schiffes betrat das spartanische Gästequartier von Dr. Dr. Arsani Parul, dem Spitzendiplomaten der Föderation. Der Betazoid war mit ihnen in den Gamma-Quadranten aufgebrochen, um neue Beziehungen mit dem Dominion aufzubauen. Persönlich hatte Price bisher nicht mit Parul zu tun gehabt, doch anhand seines Rufes stand für ihn außer Frage, dass der Botschafter dieser Aufgabe mehr als gewachsen war.<br>„Botschafter, wir werden in Kürze das Ziel unserer Reise erreichen“, unterrichtete ihn Matt höflich.<br>„Vielen Dank, Commander“, entgegnete der Gesandte ebenso höflich und erhob sich, wobei er seine elegante Kleidung in einer beiläufigen Geste glatt strich. Dabei war diese Bewegung alles andere als Zufall, sondern sorgsam abgestimmte Körpersprache, die er dazu einsetzte bei seinem Gegenüber ein Gefühl von Vertrauen und Sicherheit zu erwecken.<br>Auch Price bewunderte diesen Mann, doch wer tat dies nicht? Arsani Parul hatte schon so viele komplexe Verträge ausgearbeitet, dass er schon zu Lebzeiten eine politische Legende war. Wie würde erst die Nachwelt über ihn sprechen?<br>Der erste Offizier wollte sich schon daran machen zu gehen, als Parul sich räusperte.<br>„Mir ist da etwas aufgefallen, Commander“, meinte der Betazoid.<br>„Bitte nennen sie mich Matt, Botschafter. Dies tut jeder hier an Bord, “ entgegnete Price lächelnd.<br>„Aber nur wenn sie mich Arsani nennen. Dies tut auch jeder. Der Titel Botschafter ist ein wenig zu steif für diese Atmosphäre, finden sie nicht?“<br>„Ich bin da wohl der falsche Ansprechpartner... immerhin sehe ich so ziemlich alles locker.“<br>Amüsiert lachte Parul.<br>„Ja, dies habe ich schon gehört, Matt. Obwohl wir nun das erste Mal miteinander zu tun haben spüre ich dennoch eine gewisse Vertrautheit zwischen uns. Vielleicht liegt es an ihrem betazoidischen Erbe?“<br>„Gut möglich“, entgegnete Commander Price.<br>„Sind sie denn noch in der Lage mental zu kommunizieren?“ sandte ihm der Botschafter plötzlich eine telepathische Botschaft.<br>„Nur mit Betazoiden“, antwortete Matt daraufhin, „und auch nur dann, wenn der Gegenüber sehr ausgeprägte Fähigkeiten hat.“<br>„Oh, das ist schon mehr als ich erwartet habe. Dass sie in der Lage sind mir eine telepathische Antwort zu schicken ist bemerkenswert. Viele Halbbetazoiden vernachlässigen ihre Fähigkeiten, sie verkümmern und werden kaum genutzt.“<br>„Ich war vor einigen Monaten auf Betazed, um mich einer Fortbildung zu widmen“, antwortete Price mental, ohne auch nur eine einzige Silbe auszusprechen. „Auch wenn ich am Anfang skeptisch war, so hat es mir einiges gebracht... in mehrfacher Hinsicht.“<br>Bei Erwähnung des letzten Satzes flammte ein kurzes Bild von Marissa vor Price´ innerem Auge auf. Was sie wohl gerade machte? <br>„Ich hörte sie sind Vater geworden?“ fragte Parul, der keinerlei Anstalten machte zur verbalen Kommunikation zurückzukehren. Anscheinend genoss er es mit einem Artgenossen sich wieder auf diese Art und Weise zu unterhalten.<br>„Ja, eine kleine Tochter. Leider habe ich noch keine Gelegenheit bekommen sie zu besuchen. Vielleicht ergibt sich nach dieser Mission eine Besuchsmöglichkeit.“<br>„Ich selber habe zwei Kinder, die beide ungefähr in ihrem Alter sein müssten, vielleicht etwas jünger. Sie werden bemerken, dass es eine lohnenswerte Erfahrung ist Vater zu sein. Aber ich möchte sie nicht zu lange belästigen. Wie eingangs gesagt möchte sie etwas fragen.“<br>„Bitte?“<br>„Die Crew scheint seit kurzem unter großem emotionalen Stress zu stehen. Sehe ich dies richtig?“<br>„Das kommt nicht von ungefähr“, entgegnete der Commander und stieg nun wieder auf sprachliche Kommunikation um. Er wollte nicht „hinter dem Rücken“ der Crew darüber reden. „Die Crew strandete vor fünf Jahren im Gamma-Quadranten, ohne Möglichkeit auf Rückkehr. In jener Zeit waren sie massiven Angriffen ausgesetzt gewesen und gut die Hälfte der Besatzung ließ ihr Leben bei dem Versuch die Rückkehr zu gewährleisten. Captain Lewinski selbst musste in psychiatrische Behandlung, um diese Sache zu verdauen.“<br>„Dies klingt gar nicht gut“, kommentierte Parul mit ehrlicher Betroffenheit.<br>„Und nun fühlt sich die Crew an diese Zeit erinnert. Ich war damals noch nicht an Bord, doch mittels meiner empathischen Fähigkeiten spüre ich diese Verunsicherung bei allen. Es ist der erste Aufenthalt im Gamma-Quadranten seit jenen Ereignissen.“<br>„Verständlich.“<br>„Nun ja, es wird schon alles gut gehen“, schloss Price seine Erklärungen ab, „wir sollten uns jetzt auf dem Weg zum Transporterraum machen. Verhandlungen warten auf sie.“<br><br>Nach einem kurzen Flug war die Monitor zu einer gewaltigen Raumstation gebracht worden.<br>Dies war das erste Mal überhaupt, dass man eine solche Einrichtung des Dominion zu Gesicht bekam und dementsprechend beeindruckt war man von dem Bau. Ein kurzer Blick auf die Scanner bestätigte die Vermutungen: in dem riesigen Komplex arbeiteten über 10.000 Personen. Dezent wies Captain Lewinski seine Crew an so viele Daten wie möglich über diese Einrichtung zu sammeln, dabei jedoch auf Diskretion zu achten. Im Anschluss begab er sich in den Transporterraum, von dem sie auf die Station hinübertransferieren wollten. Dort wartete schon Dr. Parul auf sie. Neben ihm und dem Captain würde auch Lieutenant Bird hinüber beamen.<br>Früher, vor dem Krieg wäre man nur schwer bewaffnet von Bord gegangen, doch als neuerliches Zeichen des Vertrauens hatte Lieutenant Bird auf das Tragen einer Seitenwaffe verzichtet. Er konnte nur hoffen, dass sie sich nicht mit ihrem Vertrauen verschätzten.<br>Glücklich lächelte Arsani Parul dem Captain zu.<br>„Sind sie soweit, Mr. Lewinski? Bereit den ersten Schritt in einer neuen Art von Beziehung zwischen Föderation und Dominion zu tun?“<br>„Für den Frieden bin ich immer bereit“, entgegnete John Lewinski gutgelaunt. Seine Freude und Stolz waren ehrlich gemeint, denn ab heute würde wirklich ein neuerliches Kapitel zwischen den beiden Supermächten geschrieben werden. Die drei Personen begaben sich auf die Transporterplattformen und Lewinski nickte dem an den Kontrollen stehenden Fähnrich Bolder zu. Der junge Techniker bekam von der Station die erforderlichen Koordinaten übermittelt und beamte im Anschluss das Außenteam an Bord.<br>Sie materialisierten in einem langen Gang, wo sie von einer weiblichen Vorta und zwei Jem-Hadar empfangen wurden. Die Vorta verneigte sich, während die Jem-Hadar Krieger so neutral wie eh und je dreinblickten. Bemerkenswerterweise trugen sie nicht wie üblich ihre Gewehre, sondern nur Phaser. Offensichtlich wollten auch sie bei diesem Treffen nicht allzu aggressiv auftreten. Die Station schien, ging man von diesem Gang aus, in ruhigen Pastelltönen getaucht worden zu sein, hinzu kamen lila und grünliche Farben, die für das Dominion so charakteristisch waren. Der Bau war recht großzügig und erklärten so die Größe der Station. Der Gang war recht breit und hoch gebaut und scheinbar schien dies auch für die Diensträume zuzutreffen.<br>„Ich bin Captain Lewinski von der Vereinigten Föderation der Planeten, “ stellte sich der Kommandant der Vorta vor, „und dies sind meine Begleiter: Dr. Dr. Arsani Parul, Botschafter der Föderation und mein Sicherheitschef Lieutenant Danny Bird.“<br>Abermals verneigte sich die junge Vorta und entgegnete freundlich:<br>„Ich heiße sie im Namen der Gründe an Bord unserer bescheidenen Station willkommen, Captain. Bitte folgen sie mir, ich werde sie unverzüglich zum Gründer bringen.“<br>Höflich folgten sie der Vorta durch die langen Korridore der Station und bewunderten die Architektur. Die Station schien Jahrhunderte alt zu sein, wenn nicht sogar älter und dennoch war sie in bemerkenswertem Zustand. So etwas hatte es im Alpha-Quadranten nie gegeben.<br>Schließlich erreichten sie eine Tür, die zum großen Konferenzraum führte. Nach einigen einleitenden Worten öffnete sie die Tür und der Blick des Außenteams fiel auf die Personen in dem Raum. Die erste war eine in braune Leinengewänder gehüllter Wechselbalg, der ihnen nur allzu bekannt sein durfte.<br>„Captain, ich freue mich, dass sie da sind. Mein Name ist Odo und ich werde das Dominion bei dieser Gesprächsrunde repräsentieren, “ stellte sich der ehemalige Sicherheitschef von <br>Deep Space Nine vor.”<br>Viel interessanter war jedoch die zweite Person, die sich im Raum befand. Fast augenblicklich lief John Lewinski zornesrot an. Was ging hier vor? Waren sie etwa nicht das erste Föderationsschiff hier?<br>Odo gegenüber saß, mit übereinander geschlagenen Beinen und mit gestenreichen Handbewegungen, Edward Jellico und lächelte sie an.<br>„Ah, schön, dass sie da sind. Ich habe Odo schon einiges von ihnen erzählt, “ begrüßte sie der (ehemalige?) Verschwörer von Sektion 31 gestenreich. <br>Das Außenteam traute seinen Augen nicht.<br>„Was... zum... Teufel... machen sie hier?“ presste Lewinski zwischen seinen Zähnen hervor. <br>Demonstrativ stellte sich Lieutenant Bird neben seinen Captain, um ihm so Beistand zu bieten. Arsani Parul war zu verwirrt um eine Reaktion zeigen zu können.<br>Abermals lächelte Jellico ihnen zu und schien ganz den Unschuldigen mimen zu wollen. <br>Scheinbar schien er die Aufregung um seine Präsenz nicht verstehen zu können.<br>„Ich habe mich hier ganz nett mit Odo über die mögliche Zukunft von Dominion und Föderation unterhalten und dabei auf ihr Eintreffen gewartet.“<br>Nur mit Mühe konnte Lewinski seine Wut unterdrücken. Was sollte er nun tun? <br>Zu diesem Zeitpunkt durfte er sich keine Blöße geben und Odo brüskieren. Also riss er sich zusammen und sagte zu Odo:<br>„Wir freuen uns auf die gemeinsamen Gespräche. Wenn sie mich nun entschuldigen würden, ich muss noch einiges auf meinem Schiff in Ordnung bringen. Dr. Dr. Parul wird sich von nun an mit ihnen unterhalten.“<br>„Ich freue mich auf unsere Gespräche“, ergänzte der Botschafter ehrlich.<br>Unmittelbar darauf verließ Captain Lewinski das Konferenzzimmer, Lieutenant Bird folgte ihm nach kurzem Zögern.<br><br>Unruhig wanderte Captain John Lewinski in seinem Quartier auf und ab. Was sollte das alles? Wie konnte das nur möglich sein? Nach allen Informationen, die sie zur Verfügung hatten, nach allem was das Oberkommando ihnen gesagt hatten waren sie das erste Sternenflottenschiff seit dem Dominion-Bürgerkrieg, welches wieder in dem Gamma-Quadranten geflogen ist. Möglicherweise, da waren die Informationen des Geheimdienstes leider nicht so intakt, waren sie sogar das erste Schiff aus dem Alpha-Quadranten, welches seit dieser Zeit wieder hier war. <br>Wie um alles in der Welt konnte Edward Jellico also hier sein und was machte er hier? <br>Als sie den Raum betreten hatten erweckte der alte Mann den Eindruck als hätte er sich in einem lockeren Plausch mit Odo befunden. Haben sie möglicherweise über etwas Wichtiges gesprochen? Nicht auszudenken was geschähe, wenn sich Jellico als Unterhändler der Föderation vorgestellt hätte.<br>Nach diesem langen Jahr, in dem der ehemalige Admiral ihn mehr als einmal versucht hat zu überzeugen, dass er nicht mehr der Verschwörergruppe namens Sektion 31 angehörte, glaubte ihm John Lewinski immer noch nicht. Zu viel war einfach zwischen ihnen beiden vorgefallen, als dass er Jellico jemals wieder vertrauen könnte. Wieder? Hatte er ihm jemals vertraut?<br>An eine solche Zeit konnte sich John beim besten Willen nicht mehr erinnern. Ja, Edward Jellico hatte ihm mit seinen Bruder bekannt gemacht, aber sonst? Und er hatte ihm angeboten seinen nun verstorbenen Vater zu heilen. Es war ein unmoralisches Angebot gewesen, aber ein verführerisches. Dennoch hatte Captain Lewinski es ablehnen können. Seinen Vater gegen seinen Willen behandeln zu lassen wäre nicht nur egoistisch gewesen, sondern hätte auch gegen alle Regeln der Ethik verstoßen.<br>Ich vermisse dich, Papa.<br>Was machte er nur hier? So konnte es nicht weitergehen. Es durfte nicht sein, dass sich all seine Gedanken nur um Edward Jellico drehten. Bald würden sie zurück nach Deep Space Nine aufbrechen. Mit an Bord würde der Verräter sein, der laut eigener Aussage keinerlei Möglichkeit der Rückkehr hatte. Am liebsten hätte John ihn natürlich im Gamma-Quadranten gelassen, wo er keinerlei Schaden anrichten konnte, aber das Oberkommando hatte ihm befohlen Jellico mitzunehmen. Wieso nur? Wieso?<br>Er musste sich ablenken. Am besten mit einer Sache, die er schon lange tun wollte, zu der er aber noch nicht gekommen war. Der Captain wandte sich der internen Kommunikationsdatenbank des Wandterminals zu und ging die Liste eingehender Gespräche durch. Die von ihm gesuchte Datei befand sich etwas weiter unten, da seit dem letzten Mal schon etwas Zeit vergangen war. Schließlich wählte John diese an und wartete, während eine Verbindung aufgebaut wurde. Eine Unmenge an Gedanken ging ihm durch den Kopf, Fragen und Vermutungen, gepaart mit Ängsten und Unsicherheiten. Es dauerte seine Zeit und fast schon fürchtete John Lewinski es wäre niemand da gewesen, dann jedoch erschien auf dem Kommunikationsbildschirm das Gesicht von Martin Lewinski. Und trotz allem was bisher geschehen war freute sich John seinen jüngeren Bruder wieder zu sehen. Der Anflug eines unsicheren Lächelns erschien auf seinem Gesicht und er sagte fast schon flüsternd:<br>„Hallo.“<br>„Kann ich dir irgendwie helfen?“ war die Antwort seines Bruders. Im Gegensatz zu John hatte er viel helleres, fast schon blondes Haar und beginnende Geheimratsecken. Sie beide waren vom Alter und den Erlebnissen ihres Lebens gezeichnet. Doch im Gegensatz zu John zeigte sich in Martin Lewinskis Zügen keinerlei Freude darüber seinen Bruder wieder zu sehen. Seit ihrem letzten Gespräch waren einige Monate vergangen und schon damals hatte es kaum etwas zwischen ihnen gegeben, was man hätte sagen können. Noch immer schauderte John, wenn er darüber nachdachte wie gleichgültig sein Bruder die Nachricht vom Tod seines Vaters aufgenommen hatte.<br>„Eigentlich wollte ich nur etwas mit dir reden“, erklärte John, überrascht von der freudlosen Begrüßung, die nicht einmal eine richtige gewesen war.<br>„Und worüber, John?“<br>Irritiert zuckte der Captain seine Schultern und lächelte unsicher.<br>„Ich weiß es nicht, “ erklärte er, „vielleicht einfach nur darüber, was wir so machen. Oder über Vater.... irgendetwas.“<br>Doch sein Bruder zerstörte seine Hoffnungen mit der lapidaren Antwort:<br>„Ich habe keine Zeit für so etwas, John. Wenn du noch etwas möchtest dann raus damit, ansonsten habe ich derzeit sehr viel zu tun.“<br>Angesichts dieser Worte war Captain Lewinski viel zu irritiert, um eine vernünftige Antwort von sich geben zu können. Was sollte das? Wieso sperrte sich sein Bruder so gegen ihn und was konnte es wichtigeres geben als nach so langer Zeit mal wieder den Kontakt aufzunehmen.<br>„Wie ich sehe gibt es nichts mehr. Damit beende ich die Verbindung.“<br>Bevor John auch nur ein Wort dieses Widerspruches von sich geben konnte hatte sich Martin nach vorne gebeugt und einen Schalter betätigt, der die Kommunikationsverbindung beendet hatte. Ratlos blieb er zurück, ohne die geringste Ahnung darüber, was er nun tun sollte. <br>War es das gewesen? War seine Familie nun nach dem Tod seines Vaters für immer zerbrochen? John war nicht bereit diese Möglichkeit hinzunehmen. Für ihn stand fest, dass er irgendwie seinen Bruder dazu überreden konnte wieder die Beziehungen aufzunehmen. <br>Er musste nur einen Weg finden!<br><br>Sichtlich gut gelaunt wanderte Edward Jellico durch die Gänge der USS Monitor.<br>Dass ihn dabei die Crewmitglieder, die ihm auf den Weg durch das Schiff begegneten, nicht sonderlich viel Sympathie entgegenbrachten war ihm eigentlich recht egal. Sollten sie doch von ihm halten was sie wollten. Keiner von ihnen würde den wahren Menschen hinter der Fassade erblicken, den sensiblen Mann, der vor nicht allzu langer Zeit seine Familie verloren hatte. Seitdem befand er sich auf der Jagd. Auf der Jagd nach Stella Tanner, die letzte übrig gebliebene Anhängerin Nathan Sloans. Sie war untergetaucht, schon vor einiger Zeit,<br>und doch gelang es ihm langsam ihren Aufenthaltsort einzukreisen. Irgendwann würde er sie finden und Rache nehmen; und auf diesen Tag freute er sich schon mehr als alles andere. <br>Er hatte vor seinem inneren Auge die Methoden ausgebreitet, mit der er ihr unglaubliche Schmerzen beibringen würde. Oh ja, es würde Tage dauern, bis sie endlich von ihrem Leiden erlöst werden würde, Tage der Agonie und der Qualen.<br>Vorfreude war bekanntlich die schönste Freude und so lächelte der ehemalige Admiral der Sternenflotte vor sich hin, gespannt auf den Tag, an dem er seinen vollen Zorn entladen würde. Doch derzeit hatte er etwas anderes zu tun. Heute galt es anderen Personen eine Freude zu machen. Ihnen bei ihrer Wegfindung zu helfen und sie über die Wahrheit zu informieren. Edward hatte schon immer eine altruistische Ader besessen. Die erste Person, welche er gesucht hatte, lief ihm schon im Korridor auf den Weg.<br>„Commander Price! Was für ein Zufall, ich war gerade auf der Suche nach ihnen, “ begrüßte Edward den Halbbetazoiden freundlich. Dieser musterte ihn mit unverhohlenem Misstrauen, verlangsamte jedoch seinen Schritt und blieb schließlich vor ihm stehen.<br>„Was wollen sie, Jellico? Ich habe nicht viel Zeit!“<br>„Wer wird denn gleich so grob sein? Man sollte den Überbringer von Nachrichten nicht köpfen, bevor er nicht seine Nachricht übermittelt hat. Man könnte es schließlich bereuen.“<br>Genervt rollte Price mit den Augen.<br>„Raus mit der Sprache!“<br>„Eine gute Nachricht für sie, Matt: wie der Zufall es so will fliegen wir ja gerade nach <br>Deep Space Nine zurück. Wie ich eben erfahren habe dockt die USS Community dort auch gerade an. Ich dachte sie würde dies vielleicht interessieren, denn so würden sie die Gelegenheit bekommen ihre Tochter zu besuchen.“<br>Der Ausdruck in Price´ Gesicht nahm, trotz seiner offensichtlichen Ablehnung von Edward Jellico, einen freudigen Grundton an. Offenbar war er nicht über diese zufällige Begegnung informiert worden. Ohne ein Wort des Dankes ( welches ihm niemals über die Lippen gekommen wäre ) eilte der erste Offizier an ihm vorbei und begab sich zum Bereitschaftsraum des Captains, um nach Landurlaub zu fragen.<br>Edward Jellico war zufrieden. Seine erste gute Tat hatte er damit vollbracht, nun galt es eine zweite zu vollbringen. Dazu musste er ein ganz bestimmtes Quartier aufsuchen, nämlich jenes von Sicherheitschef Danny Bird. <br>Der noch junge Sicherheitschef des Föderationsraumschiffs Monitor stand ratlos in seinem kleinen Quartier und sinnierte über die Ungereimtheiten des Lebens. Er war derzeit alles andere als zufrieden mit seiner persönlichen Ausbeute. Vor gut einem Jahr hatte er damals seine aufkeimenden Gefühle für Elisabeth Frasier entdeckt und diese auch während einer gemeinsamen Außenmission der Ärztin offenbart. Doch seitdem war er keinen Schritt weiter gekommen. Ganz im Gegenteil, in den letzten Wochen und Monaten kam es ihm so vor als hätten sie und er sich nur noch weiter voneinander entfernt und dies machte den Lieutenant alles andere als glücklich. Sicher, sie war seine Vorgesetzte und ein wenig älter als er, doch was hätte gegen eine Beziehung gesprochen? Denn im Gegensatz zu Commander Price, der anscheinend der Kern des Problems war, war sich Danny Bird über seine Gefühle zu der Ärztin voll im Klaren gewesen. Dennoch hatte Elisabeth ihn verschmäht.<br>Vielleicht galt es nun nach einem Jahr des Werbens und des Wartens einen Schlussstrich zu ziehen. Die traurige Wahrheit war wohl leider, dass sie absolut nicht an ihm interessiert war, auch wenn es ab und an Situationen gegeben hatte, bei denen es danach ausgesehen hatte. <br>Es sagte sich jedoch immer so leicht, wenn man loslassen sollte, doch wenn man selber einmal in einer solchen Situation gewesen war, so wusste man um die Verfahrenheit der Situation. Danny war über diese ganze Sache sehr, sehr unglücklich. Wann würde er sein persönliches Glück finden? <br>Plötzlich wurde der Summer seines Quartiers betätigt und nachdem er nach kurzem Zögern die Tür geöffnet hatte war er überrascht Edward Jellico vor selbiger zu sehen.<br>„Guten Abend, Lieutenant“, begrüßte ihn der ehemalige (?) Verschwörer der Sektion 31.<br>„Was kann ich für sie tun, Mr. Jellico?“ fragte Lieutenant Bird so misstrauisch wie jeder andere auch.<br>„Ich bin eigentlich nur hergekommen, um ihnen etwas zu übergeben. Es handelt sich um einen Datenchip, der interessant für sie sein könnte; zumindest ist dies meine Ansicht. <br>Es könnte nicht schaden einen Blick darauf zu werfen.“<br>Als Bestätigung seiner Worte hielt Jellico ihm einen Chip entgegen und Danny betrachtete ihn zögerlich. Was wollte der alte Mann mit dieser Aktion bezwecken und was war auf diesem Datenträger gespeichert?<br>„Wieso wollen sie mir dies geben?“ stellte Bird schließlich die entscheidende Frage.<br>„Die Informationen, die darauf gespeichert sind, könnten sie interessieren“, entgegnete Edward Jellico scheinbar aufrichtig.<br>„Und wieso helfen ausgerechnet sie mir dann?“<br>„Weil sie ein Anrecht auf die Wahrheit haben.“<br>„Welche Wahrheit?“ hakte Bird überrascht nach.<br>„Sie können es sich selbst ansehen. Hier, nehmen sie!“<br>Mit noch mehr Nachdruck hielt er ihm den Datenchip hin und schließlich ergriff Danny ihn, schloss im Anschluss ohne jegliche Vorwarnung die Tür. Ob er damit Jellico vor den Kopf stieß oder nicht war ihm vollkommen egal, dem alten Mann vertraute er eh nicht. Umso überraschter war er also darüber, dass er den Chip entgegengenommen hatte. <br>Gespannt legte er den Chip in ein Lesegerät ein und Buchstaben begannen auf dem Bildschirm zu erscheinen. Buchstaben, die beunruhigende Worte formten.<br><br>Während die Crew der Monitor das Wurmloch abermals passierte und schließlich an <br>Deep Space Nine andockte begannen im Gamma-Quadranten die Verhandlungen. <br>Odo und Arsani Parul hatten sich für ihre erste Gesprächsrunde ein zwangloses Ambiente gewünscht und so schritten sie beide durch die Korridore der riesigen Dominion-Weltraumstation. Odo vermisste diese Spaziergänge, die er damals oft als Sicherheitschef von DS9 gemacht hatte. Dabei konnte er sich in seinem Denken entspannen, Ruhe finden und neue Möglichkeiten finden. Auch Dr. Parul empfand ehrlich und so waren sie beide froh einen Partner zu finden, der scheinbar auf derselben Wellenlänge lag.<br>„Es freut mich sehr zu hören, dass also der schreckliche Bürgerkrieg vorbei ist“, begann Arsani Parul die Unterhaltung.<br>Dankbar seufzte Odo und entgegnete freundlich:<br>„Ja, das fünfjährige Chaos, welches auf das Kriegsende folgte, ist vorbei. Nun endlich kann ich mit meinem Ziel beginnen das Dominion zu reformieren.“<br>„Und wie kommen sie voran?“<br>„Die Politik ist ein hartes Unterfangen“, gab der Formwandler zu. „Natürlich war ich naiv gewesen, als ich damals mit dem Ziel zu meinem Volk zurückgekehrt bin, mit dem Ziel, <br>ihnen die Ideale der Solids zu erläutern und um klar zu machen, dass die anderen Völker keine Gefahr sind. Das Dominion existiert jedoch seit Tausenden von Jahren. Nur wenigen fällt es leicht ihre alten Gewohnheiten aufzugeben. Der Bürgerkrieg inmitten des Dominions war wohl ein direktes Resultat meiner Bemühungen. Einigen Jem-Hadar und Vorta gefiel wohl meine Absicht nicht die Gründer von ihrem gottartigen Status zu befreien und sie zu dem zu machen, was sie eigentlich sind: normale Lebewesen.“<br>„Ich verstehe das Problem“, bestätigte Parul unumwunden und hörte weiterhin aufmerksam zu. Nachdem damals die Rebellen das Wurmloch blockiert und damit eine Rückkehrmöglichkeit der Monitor verhindert hatten waren die Informationen über den Konflikt nur noch spärlich zu der Föderation gedrungen.<br>„Es hat viele Tausend Leben gefordert, doch nun endlich herrscht ein wackliger Friede im Dominion. Als letzte Aktion haben wir den Generator abgestellt, der das Wurmloch blockiert und uns so von den Völkern des Alpha-Quadranten abgeschnitten hatte. Nun endlich kann der Erneuerungsprozess beginnen.“<br>„Die Föderation wünscht ihnen auf diesem Wege alles Gute; wobei wir natürlich ein gewisses Eigeninteresse an der Sache nicht verhehlen können.“<br>Odo lachte kurz auf.<br>„Sie müssen sich dafür nicht schämen“, meinte er aufmunternd, „ihre Ansicht ist nur zu verständlich. Jedoch werden sie viel Geduld zeigen müssen. Der Umbau des Dominions von einer Diktatur zu einem freien System wird Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte dauern. <br>Alte Systeme und Prinzipien müssen behutsam verändert werden, darunter fällt auch die Abgewöhnung des Ketracel-White für die Jem-Hadar.“<br>„Sie werden die Züchtung nicht komplett einstellen?“ fragte der Betazoid mit leichter Überraschung.<br>„Wie könnten wir? Seit Jahrtausenden sind die Jem-Hadar für die Verteidigung (und gewaltsame Expansion) des Dominion verantwortlich. Dies kann nicht einfach über Bord geworfen werden. Auch hier werden wir Schritt für Schritt eine Lösung finden.“<br>„Gut zu wissen.“<br>„Und was gibt es neues aus dem Alpha-Quadranten zu berichten? Ist der entzweiende Konflikt auf ihrer Seite endlich beendet?“<br>„Ja, “ erklärte Arsani Parul, „die Romulaner haben die talarianische Heimatwelt vor einiger Zeit vollständig erobert und so einen Siegfrieden errungen.“<br>„Die Nachrichten über diese Angelegenheit haben auch das Dominion beunruhigt. Einige Gründer sagen sich in ihren Ansichten bestätigt, dass die Solids ein streitsüchtiges Volk sind, die schon bald eine Invasion des Gamma-Quadranten planen.“<br>„Es war kein glückliches Jahr für die Diplomatie, dies gebe ich zu. Die gerade erst neu gegründete Multiplanetere Allianz ist vor eine schwere Zerreißprobe gestellt worden.“<br>Proben und Prüfungen, überall gab es sie im Leben. Egal wo man sich befand, der Frieden war brüchig. Nur wenn man sich dies bewusst wurde konnte man effektiv Diplomatie betreiben.<br><br> Persönliches Computerlogbuch<br>Commander Matthew Price<br>Ich habe den Captain vor wenigen Minuten um einen unbefristeten Landurlaub<br>gebeten und als Begründung angegeben, dass ich dringende private Probleme regeln müsse. Die Wahrheit also und zu meiner großen Überraschung hat der Skipper ohne Widerworte den Urlaub gewährt. Ehrlich gesagt bin ich mir nicht allzu sicher, ob er überhaupt meine Absichten vollkommen verstanden hatte. Er wirkte abgelenkt, beunruhigt durch etwas, was ihm durch den Kopf ging.<br>Der Captain tut mir leid. Es war ein hartes Jahr gewesen, doch für wen nicht? Der Tod seines Vaters nagt immer noch schwer an ihm, vor allem die Tatsache, dass er weder im Moment seines Dahinscheidens noch bei der Beerdigung dabei sein konnte. Ich kann nur hoffen, dass ich nicht allzu schnell in dieselbe Situation wie er kommen werde. <br>In wenigen Minuten werde ich mich auf die ebenfalls angedockte Community begeben und zum ersten Mal mein kleines Kind von Angesicht zu Angesicht sehen. Wie ich mich auf diesen Moment freue! Wenn ich nur daran denke bekomme ich weiche Knie und das soll schon etwas heißen, bei einem Mann wie mir, der normalerweise seine Gefühle deutlich herunterspielt. Mal sehen was mir die nächsten Tage bringen werden.<br><br>Mit versteinerter Miene legte Captain John Lewinski die Akten zur Seite und starrte aus dem kleinen Fenster, welches sich in Bereitschaftsraum hinter seinem Stuhl befand. Deutlich waren die spinnenartigen Andockmasten und der Habitatring von Deep Space Nine zu sehen, sowie eine gewisse Zahl anderer Schiffe, die an der Station halt machten. Doch der Ausblick gewährte ihm nicht die erhoffte Entspannung. Ganz im Gegenteil, immer noch war er aufgewühlt, zu kaum einem klaren Gedanken fähig. Der Grund dafür war ihm völlig klar:<br>sein Bruder Martin. Was war nur mit ihm los, was machte er und wo trieb er sich herum? <br>Aus den beiden kurzen Gesprächen, die sie beide geführt hatten, ließ sich keine der Fragen beantworten. Und so war Captain Lewinski auf eine Idee gekommen, wie er doch etwas über seinen lange verschollenen Bruder in Erfahrung bringen konnte. Die Frage war nur, ob er dies machen durfte. Aus rein objektiver Sicht musste die Antwort Nein lauten, denn um an die Antworten zu gelangen, die er so dringend benötigte, würde er seine dienstliche Position missbrauchen müssen. Andererseits, standen ihm diese Informationen nicht zu? In Johns Inneren tobte ein langer Zweikampf, den schließlich eine Seite gewann. Hastig, so als fürchtete er entdeckt zu werden, aktivierte er sein Komterminal und stellte eine ganz bestimmte Verbindung her. Dafür gab er seinen Captain´s Code ein, der immer nur einmal verwendbar war und danach neu ausgestellt werden musste. Das letzte Mal, dass John ihn verwendet hatte, war vor mehreren Jahren gewesen. Unmittelbar nach Übermittlung der Buchstaben und Zahlen wurde eine geheime Verbindung zum Computernetzwerk des<br>Erdgeschosses hergestellt, dem hochgeheimen Hauptquartier des Sternenflottengeheimdienstes. Ein Ort, der einem Mythos gleich kam und absolut verschwiegen war. Selbst als Captain war John Lewinski bisher nicht mehr als ein halbes Dutzend Mal dort gewesen und jedes Mal war er von der schieren Imposanz der Anlage überwältigt gewesen. Dort waren Millionen von Daten gespeichert, in einer Detailliertheit, die unglaublich war. Der Kanadier war sich sicher auf diesem Wege die Informationen zu bekommen, die er sich wünschte. Kurz blickte sich John nach links und rechts um, unwillkürlich, so als fürchte er bei einer verbotenen Tag erwischt zu werden. In gewisser Weise war auch das, was er zu tun gedachte verboten, doch wollte er es aus einem niederen Zwecke tun? Nein, er wollte nur einem anderen Menschen helfen!<br>Also griff er auf die Datenbank zu und gab die Parameter ein, die ihn interessierten. <br>Zu Beginn natürlich der Name, der ihn interessierte: Martin Lewinski.<br>Und zu Johns Entsetzen breitete sich schon im nächsten Moment eine Akte auf seinem Bildschirm aus, mit allem, was dazu gehörte. Eine große Aufnahme seines Bruders erschien und daneben eine Auflistung von Daten, die der Geheimdienst über ihn gesammelt hatte.<br>Allein die Existenz einer solchen Akte war ein schlechtes Zeichen, denn wieso sollte der Geheimdienst Notizen über jemanden machen, der völlig unbescholten war. Kurz schloss John seine Augen, fürchtete die Zukunft, die nun bald kommen würde.<br>Bitte lass es nichts ernstes sein, bitte lass es nichts ernstes sein!<br>Die Worte, die er immer wieder aufsagte, wurden zu einem Mantra, eines an das er glauben wollte, doch dieser Fall trat nicht ein. Je mehr er sich in die Akte seines Bruders einlas, desto mehr blutete sein Herz.<br><br>Die nächsten Momente schienen sich zu Ewigkeiten zu dehnen, als Commander Matt Price mit einer Tragetasche über der Schulter durch die Gänge der USS Community lief und auf ein ganz bestimmtes Quartier zusteuerte. Endlich erreichte er sein Ziel, ein Schott wie jedes andere auch, zumindest wenn man Äußerlichkeiten als Maßstab anlegte. Doch für Matt spiegelte diese Tür und die dahinter liegenden Räume einen ganz besonderen Wert wieder. <br>Nun war es also soweit, der Augenblick, auf den er so lange gewartet hatte. Bald würde er zum ersten Mal sein Kind sehen, die kleine Yasmin. Er würde bei ihr sein, wie es sich für einen guten Vater gehörte.<br>Unsicher betätigte er den Türsummer und wartete auf eine Reaktion. Diese ließ zwar nicht lange auf sich warten, doch für den Halbbetazoiden erschien es wie Tausende von Jahren. Dann endlich öffnete sich das Schott und im Türrahmen kam seine Imzadi zum Vorschein.<br>Ein strahlender Engel, welcher den Namen Selina Kyle trug. Es war bestimmt ein Jahr her, seitdem er ihr das letzte Mal gegenübergestanden hatte. Zwar hatten sie mehr als ein Telefonat miteinander geführt, doch ihr letzter physischer Kontakt war viel zu lange her.<br>Selinas wundervolle grüne Augen weiteten sich in Überraschung, als sie sich bewusst wurde wer eigentlich vor ihrer Tür stand. Dann schloss sie ihren ehemaligen Geliebten in die Arme, drückte ihn fest an sich und küsste ihn leidenschaftlich. Ihre Reaktion war so emotional, dass Matt nicht in der Lage war sich dagegen zu wehren.<br>„Matt, das ist ja wundervoll!“ frohlockte seine Imzadi, nachdem sie ihn endlich losgelassen hatte. „Ich habe wirklich nicht mit deinem Erscheinen gerechnet. Wir beide sind normalerweise so weit voneinander entfernt, auf so unterschiedlichen Schiffen und bei deinen Aufgaben fällt es dir sicher sehr schwer mal Urlaub zu nehmen.“<br>„Ja, doch nun bin ich hier“, entgegnete der Halbbetazoid, der überwältigt war. Nicht nur von der Reaktion dieser Frau, sondern auch von dem eigenen Chaos der Gefühle, welches in seinem Inneren ausgelöst wurde. Verschiedenste Kräfte zerrten an ihm, wollten ihn in unterschiedliche Richtungen ziehen und verwirrten ihn so noch mehr.<br>„Darf ich hereinkommen?“ fragte Price zögerlich und deutete auf seine Tasche, die immer noch über seinen Schultern hing.<br>„Aber natürlich“, antwortete Selina und schien fast ein wenig beschämt ihn nicht schon früher in ihr Quartier eingeladen zu haben. Im Vergleich zu seinem Quartier auf der Monitor kamen Matthew diese Räumlichkeiten Selinas wie ein Palast vor, dabei befanden sie sich immer noch in den beschränkten Örtlichkeiten eines Raumschiffes. Beeindruckt ließ er seinen Blick durch das Innere schweifen. Bilder, Sessel, Panoramafenster, alles war hier. In jenem Moment wünschte sich Matt Price, dass er ebenfalls solche Luxusgüter an Bord bringen konnte. Doch dies war nicht möglich, der Platz war an Bord eines Schiffes der Defiant-Klasse einfach zu beschränkt.<br>„Ich denke mal du willst Sie sehen!“ meinte Selina schließlich nach einer kurzen Phase des Schweigens und sprach damit genau den Wunsch aus, denn Matthew die gesamte Zeit über gehegt hatte. Sie bedeutete ihm kurz zu warten, während sie ihre kleine Tochter holen wollte und so setzte sich der erste Offizier auf die breiteste Couch im Raum. Wie ein Schuljunge saß er da, mit in dem Schoß verschränkten Händen und wartete nervös auf das Ereignis, auf welches er sich so lange vorbereitet hatte. Und dennoch schien dieser Moment einzigartig zu werden. Wahrscheinlich würde er sein Leben verändern, seine Einstellung und Sicht zu manchen Dingen. Würde er ein guter Vater sein? Diese alles entscheidende Frage hatte er sich monatelang gestellt, ohne annähernd gehofft zu haben eine vernünftige Antwort zu erhalten. Wie auch? Eltern zu werden war letztendlich eine der ältesten und mysteriösesten Reisen des Universums, für die es keine Patentlösung gab. Das machte die ganze Sache ja auch so aufregend.  <br>Und schließlich war es soweit: auf ihrem Arm trug Selina ein kleines Bündel hinein; ein winziges Wesen, eingepackt in ein Handtuch und friedlich vor sich hin schlafend. Matt konnte seine Augen nicht von diesem kleinen Wunder nehmen, diesem faszinierenden Geschöpf.<br>„Darf ich dir vorstellen?“ flüsterte Selina ihm lächelnd zu, „unsere Tochter Yasmin.“<br>Vorsichtig, so als habe er Angst das Kind zu zerbrechen, nahm Matt es in die Hand und hielt es einfach nur. Er spürte seine Wärme und Gebrechlichkeit, sein Bedürfnis nach Geborgenheit und Schutz. Nach allem, was der erste Offizier in seinem Leben erlebt hatte, war er sprachlos.<br><br>Irgendwann hatte dieser Moment kommen müssen. Zwangsläufig. Natürlich war schon einige Zeit vergangen, Monate, aber am Ende würde man sich diesem Problem stellen müssen, das war Ardev immer klar gewesen. Der Lieutenant und Einsatzoffizier des Raumschiffs Monitor hatte sich in das gemeinsame Ehequartier begeben und wartete auf seine Frau. Die Person, die er über alles liebte und die dennoch eine furchtbare Tat begangen hatte. Während er wartete wurde dem Andorianer immer mehr klar, dass sie diese Sache viel früher hätten klären müssen. Stattdessen hatten sie beide die Angelegenheit vor sich hergeschoben, versucht es zu ignorieren und zum Status Quo zurückzukehren, ohne dass dies überhaupt möglich gewesen wäre. Arena Tellom hatte eine andere Person getötet. An sich war dies nichts einmaliges, auch Ardev hatte schon im Krieg getötet und dies mehr als einmal. Doch in diesem besonderen Fall war es eine andere Situation gewesen, denn seine Frau hatte, so schwer es ihm auch fiel dies auszudrücken, gemordet. Sie war mit der festen Absicht in Bolars Zelle gekommen ihm zu töten. Eine geplante Tat; eine schreckliche Tat. <br>Das, was sie getan hatte, war im emotionalen Sinne verständlich, vielleicht sogar richtig gewesen, doch vom moralischen und juristischen Standpunkt aus gesehen war es falsch.<br>Bolar, der selbsternannte Retter Andors, der sein Volk auf den alten „richtigen“ Weg zurückfuhren wollte, hatte bei einem schrecklichen Massaker auf Terellia Arenas Bruder getötet. Reno Tellom hatte noch sein gesamtes Leben vor sich gehabt und dennoch war es ihm genommen worden, auf eine brutale und plötzliche Art und Weise. Arena hatte Glück gehabt, dass Bolar niemals offiziell Gefangener der Föderation gewesen war, sonst hätte man ihr wegen dieser Sache den Prozess gemacht. Seine Frau wäre nicht um eine lebenslange Freiheitsstrafe herum gekommen. Und nun war sie gewissermaßen straffrei ausgegangen, wenn man den Eintragungen in ihre Personalakte und dem verloren Vertrauen der Kollegen absah.<br>Endlich betrat sie das gemeinsame Quartier.<br>„Hi“, begrüßte sie ihn lächelnd, doch diese Geste hatte nicht mehr die Wärme von früher. Ein dunkler Schatten hatte sich über das Paar gelegt, das war ihnen beiden klar.<br>„Danke Schatz, das du gekommen bist“, begrüßte Ardev sie und wurde sich umso mehr bewusst, wie sehr er sie dennoch liebte.<br>„Nun, es ist ja nicht gerade so, als hätten wir derzeit viel an Bord zu tun. Wenn man an eine Raumstation angedockt ist kann man ja nicht viel agieren.“<br>Ardev ersparte sich eine bestätigende Antwort und blickte seine Frau lange an. So lange, dass sie schließlich fragte.<br>„Was ist, Ardev? Gibt es ein Problem?“<br>„Allerdings, es ist ein Problem, welches wir schon lange mit uns herumtragen.“<br>Unmittelbar im Anschluss an diese Worte war Lieutenant Tellom klar, worauf ihr Mann hinauswollte. Im Grunde hatte sie schon gespürt, worum es ging, als er sie zu sich gerufen hatte. <br>Unbeirrbar redete Ardev weiter. Es war, als fiel ihm eine schwere Last vom Herzen.<br>„Es ist nun einige Monate her, seitdem du mir deine Tat von damals eröffnet hast. Ich muss gestehen ich war schockiert und eigentlich bin ich es bis heute noch. Niemals in meinem Leben hätte ich gedacht, dass meine Frau eines Tages so die Kontrolle verlieren und eine andere Person ermorden würde. Du magst es Vergeltung nennen, ein Wert welches einen positiven Beigeschmack mit sich trägt. Vergeltung ist im Gegensatz zur Rache gerecht, <br>aber ich möchte mich nicht mit diesen literarischen Spielereien aufhalten. Für mich war und ist klar, dass du Bolar ermordet hast.“<br>Seine Frau schnappte nach Luft, wappnete sich etwas zu sagen, doch Ardev hob seinen rechten Zeigefinger und bedeutete ihr so ihm noch etwas Zeit zu geben, um seine Gedanken weiter ausführen. Zu seiner großen Überraschung gewährte sie ihm diese Zeit.<br>„Du hast dich einige Male vorher mit ihm getroffen und mit Bolar gesprochen, dann hast du eines Tages den Entschluss gefasst ihn zu töten. Aus menschlicher Sicht mag deine Tat verständlich, vielleicht sogar richtig gewesen sein. Dein Bruder ist von diesem Mann ermordet worden, er wird niemals die Gelegenheit bekommen die Wunder des Lebens zu erfahren, die wir erlebt haben. Er wird niemals eine Familie gründen, seinen Kindern beim Spielen zusehen und in Würde altern. Und Bolar? Du sahst seine Zukunft vor dir, wie er für den Rest seines Lebens in einer Strafkolonie der Föderation zubringen wird. Er würde in einem Bett schlafen, essen und trinken, ab und zu vielleicht sogar Friede empfinden und möglicherweise in seinem Geist neuerliche Methoden des Terrors ersinnen. Dieses Bild vor Augen hast du zur Selbstjustiz gegriffen und ihn selbst bestraft.<br>Als du mir davon erzähltest, nein, du beichtest es mir, war ich entsetzt, schockiert. Ich wich einem vernünftigen Gespräch aus und diese ganze Sache lag wie ein dunkler Schatten über unserer Ehe. Ich habe dich nun hierher gebeten, um dir eine Sache mitzuteilen, von der ich selber nie geglaubt habe, dass ich sie sagen würde: ich vergebe dir.“<br>Unfähig eine Antwort von sich zu geben starrte Arena ihren Mann an, dann schmiegte sie sich an seine Brust und umarmte ihn. Seltsamerweise, obwohl es der Situation angemessen wäre, weinte sie nicht, sondern hielt ihren Mann, den sie über alles liebte, ganz fest.<br>„Ich verurteile deine Tat, aber ich vergebe dir“, flüsterte Ardev noch einmal und erteilte seiner geliebten Arena so die Absolution.<br><br><br>Sie hatten ihn gar nicht hereinkommen gehört. Einfach so stand Danny Bird in der Krankenstation und starrte Dr. Frasier, die Chefärztin des Raumschiffs Monitor an.<br>Für einen kurzen Moment erwiderte sie seinen Blick, anschließend richtete sie ihre gesamte Aufmerksamkeit, in Ermangelung eines besseren Zieles, auf den Boden. Eine peinliche Stille breitete sich aus, bis die Ärztin schließlich meinte:<br>„Ich weiß, wir hätten schon längst darüber reden müssen, Danny, aber bisher war mir nie wohl dabei gewesen.“<br>Endlich wieder sah sie den Sicherheitschef an, der immer noch unbeweglich in der Krankenstation stand und keinerlei Anstalten machte auf ein Gespräch einzugehen.<br>„Mir ist schon vor einer ganzen Weile aufgefallen, wie du für mich empfindest, “ fuhr Frasier fort, „und ganz ehrlich fühle ich mich dadurch geschmeichelt. Ganz sicher fühlte ich mich mehr als einmal versucht deine Annäherungen anzunehmen. Doch dann wurde mir klar, dass meine Gefühle für dich nicht vollkommen ehrlich waren. Ich habe dich nie geliebt, sondern Matt und wenn ich mich mit dir eingelassen hätte, so wärst du nur eine Art Ersatz für den Mann gewesen, der mich abgewiesen hat. Ich denke ein so wundervoller Mann wie du, Danny, der auf eine so wundervoll altmodische Art und Weise romantisch ist, verdient eine Frau, die ihn ohne Einschränkungen liebt. Die ihm das geben kann, was er braucht und die es mehr als alles andere verdient einen solchen Mann zu haben. Ich fürchte ich kann nicht diese Frau sein. Es tut mir leid, “ schloss Elisabeth ihre Erklärung ab. Wochenlang hatten ihr diese Worte auf der Zunge gelegen, sie hatten darauf gewartet ausgesprochen zu werden. Sicherlich hatte es mehr als einmal die Gelegenheit dazu gegeben, doch niemals hatte sie sich zu einem solchen Schritt getraut. Doch heute hatte sie es getan, völlig überraschend für sie selbst.<br>Diese ganze Sache hatte sich wohl zu sehr aufgestaut, als das sie es hätte weiterhin für sich behalten können.<br>Doch mit der folgenden Reaktion von dem sonst so besonnene Danny Bird hätte sie niemals im Leben gerechnet: er hob einen Phaser ( der ihr vorher gar nicht aufgefallen war ) und zielte auf die Chefärztin.<br>„Was... was hat dies zu bedeuten, Danny?“ fragte Elisabeth entsetzt. Hatte sie den Lieutenant etwa falsch eingeschätzt? War er etwa eine psychisch labile Persönlichkeit, die mit einer solchen Nachricht nicht zurechtkommen würde?<br>„Mitkommen!“ befahl der Sicherheitschef barsch und auf eine seltsame Art und Weise kalt, so als kenne er die vor ihm stehende Frau nicht.<br>„Wohin? Was soll das ganze?“<br>„Doktor, wenn sie möchten, dass ihnen nichts passiert, dann sollten sie meinen Anweisungen folge leisten, “ sagte Lieutenant Bird mit Nachdruck. <br>Es war unglaublich, für Elisabeth Frasier kam die ganze Situation so surreal vor.<br>„Und was werden sie machen?“ fragte sie und kehrte damit wie Danny seltsamerweise zum distanzierten Sie zurück, „wenn ich mich weigere? Werden sie mich dann betäuben?“<br>„Nein, ich werde sie töten und eine neue Geisel nehmen“, entgegnete Bird völlig ungerührt und zeigte demonstrativ die Energieanzeige seines Phaser, der auf eine tödliche Wirkung eingestellt war. Innerlich erbebte Elisabeth. Mit so etwas hatte sie überhaupt nicht gerechnet.<br>Widerwillig, sich jedoch der Konsequenzen bewusst, ließ sie sich von Danny Bird durch das Schiff führen. Auf dem Weg zu ihrem Ziel, welches sich schließlich als die Shuttlerampe herausstellte, begegneten sie zwar einigen anderen Crewmitgliedern, die jedoch keinen Verdacht schöpften. Zwar versuchte die Ärztin auf ihre missliche Situation aufmerksam zu machen, doch es gelang ihr nicht. Endlich kamen sie in dem kleinen Shuttlehangar der Monitor an und mit dem Phaser bedeutete Lieutenant Bird seiner Geisel das Raumschiff zu öffnen und schließlich zu betreten. Erst nachdem er sich vergewissert hatte, dass die Ärztin sich ruhig auf ihren Platz gesetzt hatte, bestieg er schließlich ebenfalls das Shuttle und fuhr die Triebwerke hoch.<br>„Was haben sie vor?“ fragte Dr. Frasier entsetzt.<br>„Wir beide werden nun eine kleine Reise unternehmen“, antwortete Bird ohne sie anzusehen und aktivierte die Bedienelemente.<br>„Und was ist unser Ziel?“<br>„Die Antwort auf meine Fragen.“<br>„Und wieso muss ich ausgerechnet mitkommen?“<br>„Ich weiß es nicht“, gab Danny plötzlich mit seltsam leeren Blick zu. Für einen kurzen Moment war er wieder ganz der Alte, dann jedoch gab er den Zahlencode ein, der die Schotts öffnete und dem Shuttle so den unautorisierten Start ermöglichte.<br>Diese Aktion blieb natürlich nicht den Sensoren der Monitor verborgen. Sofort wurde Captain Lewinski auf die Brücke gerufen und informiert, dass ein Shuttle ohne Genehmigung das Schiff verlassen hatte.<br>„Was ist sein Ziel?“ fragte der Captain, wohlwissend, dass sie das kleine Raumschiff nicht einholen konnten. Die Monitor musste erst von der Raumstation abgedockt werden und die meisten Crewmitglieder waren derzeit von Bord.<br>„Es fliegt zum Wurmloch“, antwortete ein Fähnrich an der OPS, „es will in den Gamma-Quadranten.“<br>„Und wer ist an Bord?“<br>„Lieutenant Bird und Dr. Frasier, Sir!“<br>Auf diese seltsame Konstellation konnte sich John Lewinski absolut keinen Reim machen.   <br><br>Es war nun einige Zeit vergangen, seitdem er seine kleine Tochter auf dem Arm gehalten und ihn all die Liebe durchströmt hatte, die für einen Vater typisch war. Nun lag die kleine Yasmin wieder friedlich in ihrem Bettchen und erholte sich von den Strapazen des Tages. Bisher war die Kleine in einem Alter, in dem sie die meiste Zeit des Tages nur verschlief, doch dies würde schon bald ändern. Dann wäre Selina gezwungen nachts aufzustehen und sich um ihren Nachwuchs zu kümmern.<br>Völlig geschafft von der Welle der Erfahrungen, die ihn durchströmt hatten, saß Matt Price auf dem großen Sofa und döste vor sich hin. Auch er fühlte sich müde, aber gleichzeitig überaus glücklich. Wie hatte er all die Jahre nur annehmen können, dass es sich nicht lohnen würde Vater zu werden? Allein die wenigen Minuten mit seiner Tochter waren für ihn ein unglaubliches Erlebnis gewesen. Doch wie würde die Zukunft für sie aussehen? Man musste diese ganze Sache realistisch sehen: sie beide dienten auf verschiedenen Raumschiffen, die Lichtjahre voneinander entfernt waren und derzeit sah es wohl nicht danach aus, als ob keiner von ihnen ihre Karrieren aufgeben würde. Eigentlich war das, was sie beide vorhatten, unmöglich. Auf diese Art und Weise konnte man kein Kind vernünftig großziehen und wenn man ehrlich zu sich selbst war wusste man dies auch.<br>Glücklich kam Selina Kyle herein und setzte sich neben ihren Imzadi auf das große Sofa. <br>Ihre Uniform hatte sie gegen ein bequemes Nachtgewand eingetauscht. Obwohl es einfacher Natur war und wahrscheinlich nicht diesem Zwecke dienen sollte wirkte es sinnlich, verführerisch, was wohl an der Person lag, die es trug. Matt schämte sich seiner selbst.<br>Auf der einen Seite wusste er, dass ihre Beziehung absolut keine Zukunft hatte, aber immer wenn er hier, bei ihr, war, so lag ihm auf einmal so viel an einem gemeinsamen Zusammensein. In ihm tobte ein Chaos der Gefühle und auch wenn es ihm schwer fiel dies zuzugeben, so war er nicht mehr gänzlich Herr der Lage. Ursprünglich war er hier her gekommen, um einen Schlussstrich unter ihre gemeinsame Beziehung zu ziehen, wie damals, als er dann die Nachricht erhalten hatte, dass Selina schwanger war. Und wie damals fühlte er sich auf einmal unsicher, ob es richtig wäre diese Frau aufzugeben. Sie liebte ihn, dessen konnte er sich absolut sicher sein. Doch reichte dies um eine glückliche Beziehung zu führen?<br>„Wie geht es dir?“ fragte Selina und stützte ihren Kopf auf dem angelehnten Arm ab, wodurch das schwarze Haar ihr verführerisch ins Gesicht fiel.<br>„Ich bin... aufgewühlt“, gab Matt unumwunden zu. Bei dieser Frau konnte er nicht lügen, so viel war ihm klar.<br>„Ja, ich weiß genau was du meinst. Das Wunder des Lebens. Als ich endlich die Geburt überstanden hatte und die Kleine im Arm hielt, so durchströmte mich dieses wundervolle Gefühl. Es war eine Art Magie gewesen.“<br>„Und jetzt?“ fragte Matt und blickte ihr tief in ihre grünen Augen. Vermutlich zu tief, wie er sogleich im Anschluss feststellte.<br>„Es ist jedes Mal so, wenn ich sie im Arm nehme. Ein Kind zu haben ist wundervoll. Ich habe dies zwar nie für möglich gehalten...“<br>„Ich weiß ganz genau, was du meinst!“ lächelte der Halbbetazoid ihr zu.<br>„Du bist also glücklich?“<br>„Sehr. Ich fühle auf einmal eine Ruhe in mir, die ich niemals für möglich gehalten hätte.“<br>„Ich habe diese Ruhe schon öfters kennen gelernt“, meinte Selina und streichelte verliebt seine Hand, „auch wenn du dir niemals eingestehen konntest, dass du sie in dir trägst.“<br>„Du kennst mich sehr gut.“<br>„Wenn nicht du, wer dann?“<br>Der erste Offizier der Monitor fühlte sich von seinen Gefühlen hin und her gerissen. Er fürchtete den Ausgang dieses Gespräches, doch er vermisste auch diese Nähe und Zärtlichkeit, die er schon so lange nicht mehr hatte erleben dürfen.<br>„Hast du dir schon Gedanken darum gemacht, wie wir das Kind großziehen können?“ fragte Matt und wechselte so das Thema.<br>„Ich dachte mir schon, dass du darauf zu sprechen kommen würdest“, gab Selina lachend zu.<br>„Dieser Punkt ist wichtig genug, um nicht unter den Teppich gekehrt zu werden. Wie ich das sehe wird wohl niemand von uns seinen Posten aufgeben und eine Versetzung auf dasselbe Schiff ist so gut wie unmöglich für Offiziere in unseren Positionen. Also, was tun wir nun?“<br>„Ich habe mir es so gedacht: das Kind bleibt hier bei mir auf der Community. Das Schiff ist größer, komfortabler und wird wohl nicht so oft gefährlichen Missionen ausgesetzt sein wie du. Ich werde meinen normalen Dienst verrichten und...“<br>„Moment mal“, unterbrach Matt sie und hob seine Hände, „du willst deinen normalen Dienst fortführen?“<br>„Ja natürlich! Ich bin der erste Offizier des Schiffes und ich kann nicht eingeschränkt tätig sein. Du musst dir jedoch keine Sorgen machen. Ich habe schon mit einigen Personen hier gesprochen, die ein Auge auf Yasmin werden können. Du kennst die Crew nicht, sie ist wundervoll.“<br>„Wenn du es sagst.“<br>„Und du kommst während deines Urlaubs hierher oder noch besser: wir machen dann Urlaub auf einem Planeten. Damit sie auch mal die Sonne zu Gesicht bekommt.“<br>Der Halbbetazoid war baff. Seine Imzadi hatte tatsächlich schon alles vorbereitet. Sie war bemerkenswert selbstständig und dennoch so fürsorglich.<br>„Es wird hart werden“, gab sie zu, „aber wir werden es schon schaffen.“<br>„Ja, das werden wir“, bestätigte Matt, fühlte sich aber in diesem Punkt nicht ganz so sicher wie Selina.<br><br>Das kleine Shuttle raste mit Überlichtgeschwindigkeit durch den Raum des Dominion, den Gamma-Quadranten. Ängstlich saß Dr. Frasier neben Danny Bird und blickte auf die Kontrollen, die sie von ihrem Platz aus nicht bedienen konnte. Der Sicherheitschef hatte ihr jegliche Steuerrechte entzogen und so war sie dazu verdammt tatenlos mit anzusehen, wie sie ihrem Ziel entgegen flogen. Was immer dies auch sein mochte. Für einen kurzen Moment hatte sie überlegt Widerstand zu leisten und zu versuchen ihren Entführer zu überwältigen, doch wie realistisch war eine solche Aussicht? Danny hatte eine Waffe bei sich, war größer, kräftiger und schneller als sie und nachdem, was sie in den letzten Minuten bei ihm beobachtet hatte, würde er keine Skrupel haben seine Kraft gegen sie einzusetzen.<br>Ob die Crew der Monitor schon nach ihnen suchte? Oder nahm Captain Lewinski fatalerweise an, dass der Lieutenant und sie auf einer Routinemission waren?<br>„Wo fliegen wir hin?“ fragte Elisabeth schließlich. Nicht so sehr interessierte sie die Antwort, denn die würde ihr vermutlich nichts bringen, sie wollte einfach nur diese grausame Stille unterbrechen.<br>„Ich weiß es nicht“, war die grimmige, aber überraschende Antwort von Danny Bird.<br>Verwirrt runzelte Dr. Frasier die Stirn.<br>„Wie meinst du das? Du hast keine Ahnung wohin du das Schiff steuerst?“<br>„Wir werden unser Ziel schon erreichen.“<br>Anschließend schwiegen sie beide wieder und Elisabeth musterte den Mann, von dem sie vorhin noch gedacht hatte er würde sie lieben. Doch wie konnte das sein, wenn Danny sie entführte?<br>Plötzlich tauchten auf den Anzeigen mehrere Dominion-Schiffe auf. Zweifelsohne Abfangjäger, die den Eindringling in ihr Territorium stellen wollten. War dies vielleicht die Möglichkeit auf Rettung? Mit etwas Glück würden die Jem-Hadar das Schiff entern und sie zu einem Regierungsgesandten bringen. Doch etwas Unerwartetes geschah: Bird begann einige Zahlen und Buchstabenkombinationen einzugeben und nach einem bestätigenden Piepsen drehten die Dominion-Schiffe ab.<br>„Was haben sie da eben getan? Haben sie ihnen eine Nachricht gesendet?“ fragte Dr. Frasier irritiert.<br>„Ja, das habe ich“, brummte Danny, ohne sie eines Blickes zu würdigen und setzte ihren Kurs zu dem unbekannten Ziel fort.<br>„Und was war dies für eine Nachricht?“<br>„Ich weiß es nicht.“<br>„Sie wissen nicht sehr viel darüber, was sie gerade machen, Danny. Fühlen sie sich denn schlecht?“<br>„Wenn sie mich fragen sollten sie nicht zu viele Fragen stellen“, meinte der Mensch und blickte sie gefühlskalt an, „ansonsten könnte es unangenehme Konsequenzen für sie geben.“<br>Die Härte in seinen Augen und der Stimme erschreckte Elisabeth und veranlasste sie tatsächlich dazu zu warten. Etwas anderes blieb ihr derzeit auch nicht übrig. <br>Danny Bird war über das folgende Schweigen gar nicht so unglücklich. Welche Antworten hätte er der Ärztin auch liefern können?<br>Und wie wurde überhaupt diese schicksalhafte Ereigniskette in Gang gesetzt? Danny erinnerte sich daran die Daten, die ihm Edward Jellico gegeben hatte, durchgeschaut zu haben. Unmittelbar im Anschluss hatte ihn der sprichwörtliche Schlag getroffen. So als ob er nicht mehr Herr seiner Lage gewesen wäre hatte er sich erhoben und war in die Krankenstation gegangen. Wieso er dort hin gegangen war und wieso er vorhatte das zu tun, was er schlussendlich vollbracht hatte, war ihm völlig unbekannt. Danny war sich nur absolut sicher gewesen, dass er diese Reise nicht ohne die Ärztin hätte antreten können. Die Worte, die er in ihre Richtung ausgesprochen hatte, taten ihm weh und er hätte sie am liebsten nicht gewählt, doch irgendwie sprach sein Mund sie aus. Auch der Einsatz des Phasers und der Diebstahl des Shuttles kamen ihm so unwirklich vor, so als ob er eine andere Person bei ihren Taten beobachtete. Doch zu seinem Entsetzen war er es, der die Ärztin entführt hatte. Er war es, der ein Shuttle gekapert und in den Gamma-Quadranten geflogen war. Und es war ebenso er, <br>der so schroff zu der Frau sprach, die er eigentlich liebte. Ganz tief in seinem Innersten wusste er, dass das, was er tat, falsch war, doch er war nicht in der Lage sein Tun aufzuhalten. Der Lieutenant steuerte scheinbar ziellos durch den Raum, auf ein Ziel zu, welches ihm nicht bekannt war und das er dennoch bewusst gewählt hatte. Auch der Code, den er eben an die Dominion-Schiffe übermittelt hatte, war ihm absolut unbekannt. Was hatte er nur bewirkt? Alles was er wusste war, dass er in dieser Situation so hatte reagieren müssen. Die ganzen Geschehnisse machten ihm große Angst und dennoch konnte er ihr Eintreten nicht verhindern. <br>Während er über diese Sachverhalte nachdachte flogen seine Finger über die Bedienelemente des Shuttles und brachten es unter Warp. Sie schwenkten in den Orbit eines ihm unbekannten Planeten ein und mit schroffer Stimme befahl Danny der Ärztin sich mit ihm nach unten zu beamen. Auf die Frage, was sie dort unten sollten, konnte er ihr auch keine Antwort geben.<br>Sie beide materialisierten in einem riesigen Gebäude, welches zweifelsohne dem Dominion gehörte. Niemand war in den großen Gängen zu sehen und so wanderte Danny ziellos umher, dabei immer Dr. Frasier im Blickfeld. Plötzlich erschien ein Vorta und grinste ihn freundlich an.<br>„Endlich kehren sie zu uns zurück, Mr. Bird.“<br>Danny hatte keine Ahnung, was dies zu bedeuten hatte. Er wusste nur: sie waren am Ziel angelangt. <br>Auch Dr. Frasier vergaß für einen kurzen Augenblick, dass sie das Opfer einer Entführung war und fragte sich ebenso wie der Lieutenant was es mit dem Vorta auf sich haben mochte.<br>„Kennen wir uns?“ fragte Danny Bird vorsichtig nach und wich einen Schritt vor dem Vertreter des Dominions zurück.<br>„Ja, wir kennen uns... auch wenn sie sich nicht an mich erinnern sollten. Zumindest hoffe ich, dass dem so ist, ansonsten hätten wir schlechte Arbeit geleistet, “ entgegnete der Vorta und lächelte einladend.<br>„Von was für einer Arbeit sprechen sie?“ fragte Elisabeth und schaltete sich so in das Gespräch ein. Sie sah hier nun die Möglichkeit den Ursprung ihrer mysteriösen Entführung zu ergründen.<br>„Dies ist eine lange Geschichte. Ich schlage vor, dass wir uns an einen bequemeren Ort begeben, wo wir über alles sprechen können. Immerhin ist der Krieg zwischen unseren beiden Regierungen vorbei und wir sind dabei gute Freunde zu werden. Und guten Freunden bietet man doch etwas an.“<br>Mit einer einladenden Geste deutete der Vorta in Richtung des Ganges und die drei liefen durch die großen Hallen, bis sie schließlich eine Art Aufenthaltsraum fanden und sich an einen Tisch setzten. Bemerkenswerterweise hatten sie immer noch keine andere Person in dieser Anlage gesehen, fast schon schien es als würde der Vorta ganz allein diese Installation leiten. <br>„Mein Name ist Koris“, erklärte der Vorta, nachdem er sich zu ihnen an den Tisch gesetzt hatte, „wobei es komisch ist sich ein und der selben Person zweimal vorzustellen. Aber ich mache ihnen keinen Vorwurf, dass sie sich nicht an unsere erste Begegnung erinnern können.“<br>„Unsere erste Begegnung? Ich war schon einmal hier?“ fragte Danny verdutzt nach und weitete die Augen.<br>„Ja, auch wenn es schon einige Zeit her ist. Das letzte Mal habe ich sie zu Beginn des Krieges gesehen; sie sehen, es ist schon einige Jahre her.“<br>„Während des Krieges? An eine Begegnung mit ihnen erinnere ich mich nicht und generell habe ich leider noch ganz frische Erinnerungen an diesen Konflikt.“<br>„Dies ist ja auch Sinn der Sache: sie sollten sich nicht an unsere Begegnung erinnern!“ erklärte Koris, so als sei dies die normalste Sache der Welt.<br>Langsam gefiel Dr. Frasier nicht was sie hier hörte. Das ganze nahm eine gänzlich unangenehme Wendung.<br>„Rücken sie endlich mit der Sprache raus!“ brüllte Lieutenant Bird ihn frustriert an. <br>In diesem Moment entlud sich seine ganze Wut über diese schreckliche Geiselnahme und der Flucht mit dem Shuttle. Er wollte wissen wieso er dies alles getan hatte. <br>„Eigentlich unterliegt diese ganze Sache immer noch der Geheimhaltung, “ druckste Koris herum, „doch diese Weisungen stammen noch von den alten Gründern. Unter Odo hat ein Wertewandel stattgefunden und so denke ich, dass wir nun unseren neuen Freunden von der Föderation das Programm offen legen können.“<br>„Programm?“ fragte Elisabeth entsetzt nach. Ihr gefiel ganz und gar nicht was sie hier hörte. <br>Die unverblümte Offenheit, das gelegentliche Grinsen des Vorta, verstärkten nur den fatalen Effekt, den die Erzählung der Wahrheit bei den beiden Föderationsoffizieren hervorrief:<br>„Zu Beginn des Konfliktes zwischen dem Dominion und der Föderation sah es für ihren interstellaren Völkerbund alles andere als rosig aus. Viele Schlachten gingen verloren, gedemütigt musste sich die Sternenflotte von zahlreichen Gefechten zurückziehen. Die ersten Randkolonien begannen in die Hände der Gründer zu fallen. Bevor sie die Raumstation <br>Deep Space Nine zurückerobert hatten war die Moral der Sternenflotte auf den Tiefpunkt gefallen. Nur wenige von ihnen glaubten noch an den Sieg. Noch weniger von ihnen hatte so eine fatalistische Sicht der Zukunft, dass sie mit ihrer Niederlage abgeschlossen hatten und die Weichen für ein besseres Leben in der Zukunft stellen wollten. Einer von ihnen war der junge Offizier Lieutenant Danny Bird. Sie begannen insgeheim Signale an das Dominion zu senden und dann wurden sie eines Tages von meiner Einheit wahrgenommen. Ich traf mich mit ihnen auf einem abgeschiedenen Planeten und hörte mir ihren Vorschlag an. <br>Sie, Danny, boten sich uns als ein Spion an, einen Infiltrator, der über einen längeren Zeitraum hinweg die Föderation ausspionieren und dann uns die Daten übermitteln würde.<br>Als Dank für ihre wertvolle Zusammenarbeit würden wir ihnen im Gegenzug ein besseres, wohlhabendes Leben unter der drohenden Dominion-Herrschaft ermöglichen. Um das ganze noch effektiver zu gestalten und um ihre Begegnung mit mir zu verschleiern erklärten sie sich mit einer selektiven Gedächtnislöschung einverstanden. Ihre sämtlichen Abmachungen mit uns sowie überhaupt ihre pessimistische und verräterische Einstellung, die überhaupt erst den Verrat möglich gemacht hatte, wurden von uns gelöscht und sie auf ihren Dienstposten zurückgeschickt. Unglücklicherweise ging in den Wirren des Krieges das Wissen um ihre verdeckte Operation verloren. Wir hatten so viele parallele Missionen laufen, dass wir sie einfach schlichtweg vergessen hatten. Um ehrlich zu sein bin ich mehr als überrascht, <br>dass sie heute hier sind.“<br>Das, was Koris gesagt hatte, schlug ein wie eine Bombe. Dr. Frasier konnte den Vorta nur ungläubig anstarren, während sich Danny Bird nur bestätigt sah. Genau dieser Sachverhalt hatte in den Daten gestanden, die ihm Jellico gegeben hatte. Es hatte sich um geheime Dokumente des Dominion gehandelt, die auch seinen Fall beinhaltet hatten. Keine Ahnung, wie der alte Mann an diese Unterlagen gekommen war, alles was zählte war das sie echt waren. Es war unfassbar. Er, Danny Bird, war ein Verräter an der Föderation, der sich zu allem Überfluss dessen nicht einmal bewusst gewesen war.<br>„Und wieso habe ich hierher gefunden?“ fragte der Lieutenant mit trockener Stimme.<br>„Scheinbar wurde bei ihnen der Rückholmechanismus aktiviert, den wir ihnen damals implantiert hatten. Vermutlich haben sie irgendein Dokument oder ein Signal gesehen, welches ihr Verhalten ausgelöst hat. Um ihre sichere und wohlbehaltene Rückkehr zu uns zu garantieren entführten sie automatisch medizinisches Personal, in diesem Fall die gute Ärztin hier, und nahmen direkt Kurs auf mich. Mit einem speziellen Signal, welches sie gesendet hatten, wurde ich an sie erinnert und gewährte ihnen so die freie Passage.“<br>Elisabeth konnte einfach nicht glauben, was sie da gehört hatte. Die gesamte Geschichte war so abenteuerlich und dennoch passte alles zusammen. Doch war Danny in der Tat ein Verräter? Sie konnte und wollte dies einfach nicht glauben. Man spielte hier ein Spielchen mit ihnen, ganz klar!<br>„Und nun stehen sie vor einer schwierigen Entscheidung, dies ist mir vollkommen klar.“<br>Koris´ Worte kamen einem Rätsel gleich, einem welches sich Bird und Frasier nicht sofort erschloss.<br>„Wie meinen sie das?“ fragte der wie paralysiert wirkende Sicherheitschef, für den eben eine ganze Welt zusammengebrochen war.<br>„Natürlich hätten wir ein sehr großes Interesse an den Daten, die sie über die Jahre zusammengetragen haben“, gab der Vorta freimütig zu, „aber wir sehen auch die Notwendigkeit für einen Frieden mit der Föderation. Einen Frieden, den wir nicht durch eine solche Spionage-Affäre in Gefahr bringen wollen. Daher überlassen wir ihnen selbst die Entscheidung, ob sie die Gedächtnisblockade lösen möchten oder nicht?“<br>Danny zögerte mit einer Antwort, musste erst einmal das Gesagte verarbeiten, und so fragte Dr. Frasier:<br>„Wieso sollte er sich gegen eine Lösung der Blockade entscheiden?“<br>„Wir haben bei einigen entkoppelten Agenten bemerkt, dass sie nur schwerlich zu ihrem wahren Ich zurückfinden können.“<br>„Ihrem wahren Ich?“<br>„Ja“, erklärte Koris langsam. „Damit die Agenten und Überläufer nicht so leicht auffallen haben wir natürlich einige ihrer Charakter- und Wesenszüge... sagen wir mal angepasst.<br>Sie kennen Lieutenant Bird als treuen und pflichtbewussten Offizier, auf den man sich verlassen kann. So haben sie ihn kennen gelernt. Ich jedoch kenne den wahren Danny Bird: ein vom Krieg gezeichneter Offizier voller Depressionen und Schuldgefühle. Ein Mann, der schließlich so sehr am Ende war, dass er seinen Eid und seine Kameraden verriet, weil er nur noch den Krieg überleben wollte und daher zu uns überlief. Mit anderen Worten: der Bird, der nun neben ihnen steht, ist nicht der ganze Bird. Am Ende könnten sie ihn nicht wieder erkennen.“<br>Das, was er eben gehört hatte, war schrecklich und kam einem Albtraum gleich. So lang er sich zurückerinnern konnte war er ein loyaler Offizier geworden, ein guter Vorgesetzter und echter Kamerad. Nun sagte ihm dieser Vorta, dass dem in Wirklichkeit nicht so war. Er war möglicherweise sogar das Gegenteil von dem, was er eigentlich sein wollte.<br>„Doch wie gesagt“, schloss Koris seine Erklärung ab, „es bleibt ihre alleinige Entscheidung.“<br><br>Mit einem blauen Schimmern öffnete sich das Wurmloch und wirkte dabei wie der Schlund eines riesigen Sandwurms aus den Wüstenplanet-Romanen eines Frank Herbert. Abermals entließ das Wunder ein kleines Shuttle der Föderation, welches direkt Kurs auf <br>Deep Space Nine setzte. <br>“Somit endet die kürzeste Entführung aller Zeiten”, kommentierte Ardev zynisch die Rückkehr ihrer beiden vermissten Offiziere.<br>Captain Lewinski brummte angesichts dieser Worte nur. In den vergangenen Minuten hatte er versucht so schnell wie möglich die Mannschaft zusammenzutrommeln und das Schiff startbereit zu machen, um dem Entführer zu folgen, doch dies schien sich nun erledigt zu haben. Um Erklärungen für diese Sache zu erhalten bat er Dr. Frasier zu sich in den Bereitschaftsraum, die auch prompt erschien. Lieutenant Bird hingegen ließ sich freiwillig in den Arrestbereich bringen. Etwas Schreckliches schien seine Seele zu belasten.<br>„Sie wollten mit sprechen?“ fragte Dr. Frasier, nachdem sie den Bereitschaftsraum des Kommandanten betreten hatte. Lewinski stand an seinem kleinen Fenster und starrte auf die unzähligen Sterne. Auf welchen von ihnen mochte es Leben geben, auf welchen nicht? <br>Das Universum schien so voller Fragen, die wohl niemals gelöst werden konnten. Sie alle hatte einfach zu wenig Zeit, um alle Wunder kennen zu lernen.<br>„Ja, das habe ich“, entgegnete der Captain, ohne seinen Blick vom Sternenpanorama abzunehmen. „Bitte erklären sie mir in kurzen Worten, was da eben geschehen ist.“<br>Die Chefärztin erklärte John den gesamten Sachverhalt und ließ kein Detail aus. Inzwischen gab sie Danny keine Schuld für das, was geschehen war. Vielmehr sah sie in ihm ein bedauernswertes Opfer der Umstände. Auch gegen sie auf das Dilemma ein, welches sich ihnen nun stellte.<br>„Und wie hat sich Danny nun entschieden?“ fragte Captain Lewinski am Ende der Ausführungen.<br>„Noch gar nicht“, antwortete Dr. Frasier traurig, „er hat sich noch etwas Bedenkzeit erbeten.“<br>„Ich verstehe sein Problem voll und ganz. Was für eine schreckliche Last, die nun auf seinen Schultern liegt. Ich kann es immer noch nicht glauben. Würde ich mich für eine Lösung der Blockade entscheiden? Ich weiß es nicht.“<br>„Es wäre die Wahrheit.“<br>„Manchmal ist die Lüge besser als die Wahrheit, Doktor.“<br>„Dies haben schon viele als Vorwand benutzt um andere Menschen zu manipulieren... wobei ich diese Aussage nicht auf sie münzen möchte, Sir, “ entschuldigte sich Elisabeth hastig.<br>„Kein Problem, Doktor“, entgegnete John und setzte sich an seinen Schreibtisch. „Auch ich verstehe ihren Standpunkt. Nichts ist wichtiger als die Wahrheit, doch was soll man tun, wenn sie unerträglich ist?“<br>„Was wird der Geheimdienst nun tun, nachdem dies herausgekommen ist?“<br>„Ich denke mal da werden jede Menge Fragen auf Danny zukommen, aber lassen sie dies einmal meine Sorge sein.“<br>Das Komterminal wurde plötzlich aktiviert und die Insignien des Sternenflottengeheimdienstes erschienen. Wenn man vom Teufel sprach...<br>„Sie müssen mich nun entschuldigen, Doktor.“<br>„Selbstverständlich“, nickte Frasier und verließ traurig den Bereitschaftsraum des Captains, so dass dieser das Gespräch entgegennehmen konnte. Irgendwie ahnte er schon worum es gehen würde. Einen solchen Anruf hatte er schon den ganzen Tag über erwartet.<br>Auf  dem Bildschirm erschien eine dunkelhäutige Frau, die trotz ihres Ranges Captain sehr jung zu sein schien. Sie wirkte alles andere als glücklich.<br>„Captain Lewinski, ich bin Captain Mukebé vom Sternenflottengeheimdienst. Wir müssen über etwas reden.“<br>„Das dachte ich mir schon“, murmelte John und blickte seine Gesprächspartnerin, die sich anscheinend in einem kleinen Büro befand, erwartungsvoll an.<br>„Uns ist vor einigen Stunden etwas aufgefallen“, erklärte Mukebé streng, so als spräche ein Lehrer zu einem Schüler, „eine Datenanforderung, die von ihnen aus getätigt wurde.<br>Ihr Berichtigungscode ist an das Erdgeschoß gesendet worden.“<br>„Dies ist korrekt.“<br>„Sie geben es also unumwunden zu?“<br>„Es gibt keinen Grund etwas zu verheimlichen“, meinte John und gab sich schon in diesem Moment geschlagen. Natürlich hatte dies kommen müssen. War er wirklich so naiv gewesen zu glauben, dass man seinen Zugriff auf die Daten des Geheimdienstes nicht bemerken würde?<br>„Haben sie wirklich gedacht wir würden ihren Zugriff auf die Daten des Oberkommandos nicht bemerken?“ fragte Captain Mukebé streng, so als hätte sie seine Gedanken erraten.<br>„Nein, habe ich nicht.“<br>„Und dennoch haben sie es getan? Captain, normalerweise wäre an dieser Sache nichts besonderes, aber Ressourcen des Geheimdienstes zu entwenden um Informationen über Familienmitglieder einzuholen ist strengstens verboten.“<br>„Auch wenn diese Personen eine Gefahr für die Sicherheit darstellen könnten?“ stichelte Lewinski. Er war wütend und deprimiert zugleich über das, was er erfahren hatte.<br>„Es handelt sich nichtsdestotrotz um ihren Bruder, Captain Lewinski.“<br>„Dann wundert es mich, dass mich niemand über diesen Sachverhalt informiert hat. Zumindest würde ich dies als Vorgesetzter machen.“<br>„Sie würden dies vielleicht tun“, unterbrach ihn Mukebé streng, „aber die derzeitige Führung sah dafür absolut keinen Anlass. Captain Lewinski, das Oberkommando belässt es diesmal noch bei einer Verwarnung. Doch tun sie dies nie wieder, sonst könnte es ernsthafte Konsequenzen für sie geben. Haben sie verstanden?“<br>„Voll und ganz!“ bestätigte John und im Anschluss wurde die Verbindung ohne ein Wort des Abschieds unterbrochen. <br>Und trotz allem: er bereute nicht was er getan hatte. Denn so besaß er nun endlich Klarheit. <br><br>Hier zu sein war einfach wundervoll. Seine kleine Tochter bei scheinbar so unsinnigen Dingen wie schlafen, trinken oder glucksen so beobachten war ungemein entspannend für Price. Viel mehr noch, es kam einem neuen Abenteuer gleich, etwas was er niemals erwartet hatte zu erleben. Er schwor sich seine kleine Yasmin so oft zu besuchen wie es nur ging. Doch ein dunkler Schatten lag über seinem Aufenthalt hier bei seiner Imzadi Selina Kyle. Matt wusste, dass er bald mit der Sprache herausrücken musste. Es würde Streit gebeten, Gezeter und ein schlechtes Gewissen, doch diese Angelegenheit musste ein für alle mal geklärt werden. <br>Der Halbbetazoid fühlte sich äußerst schlecht bei dem, was er vorhatte. Mehr als einmal hatte er daran gedacht es noch einmal zu probieren. Zwischen ihnen existierte immer noch dieses Band und seitdem er diesen Kurzurlaub angetreten hatte fühlte er sich wie in einer richtigen Familie. Doch wenn man ehrlich zu sich selbst war, so musste man sich den Selbstbetrug eingestehen. Schon einmal waren sie beide auseinander gegangen, schweren Herzens zwar, aber sie hatten es getan. Ein gemeinsames Kind konnte doch nicht das Allheilmittel sein um eine Beziehung zu kitten! Das Schlimme an der Situation schien jedoch zu sein, dass Selina genau dies annahm. Sie gebärdete sich inzwischen wie zu Zeiten ihrer Beziehung, umsorgte und pflegte ihn, war für ihn da und das bereitete dem Commander ein schlechtes Gewissen. Konnte oder wollte sie der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen? <br>Wie aufs Stichwort kam Selina Kyle hinein, setzte neben ihn auf das Sofa. Ein glückliches Lächeln umspielte ihre vollen Lippen und sie löste das Gummi aus ihrem Haar, als sie fragte:<br>„Ist etwas mit dir, Matt?“<br>„Nein, ich denke nur nach“, gab Price zu.<br>„Und worüber?“<br>„Über uns, um ehrlich zu sein.“<br>Mit einem Grinsen legte Selina daraufhin ihren Kopf auf seine Brust und schloss die Augen.<br>„Dann hoffe ich es ist eine angenehme Vorstellung“, meinte sie keck. Diese Geste gefiel Matt ganz und gar nicht. Er spürte ihre beruhigende Wärme, die Rundungen ihres Körpers neben sich und ein Verlangen stieg in ihm auf, welches er nur schwer zügeln konnte. Zu allem Überfluss begann sie ihn an seinem Hals zu küssen, was ein wahrlich wundervolles Gefühl war. Für einen Moment war Matt versucht dies alles geschehen zu lassen, doch dann wurde ihm klar, dass so alles nur noch komplizierter werden würde. Mit sanftem Druck schob er Selina zurück und blickte sie traurig an.<br>„Was ist?“ fragte seine Imzadi und war enttäuscht darüber, dass ihre Liebkosungen nicht erwidert worden waren.<br>„Selina, ich denke nicht, dass es so weitergehen kann“, brummte Matt missmutig.<br>„Wie meinst du das? Ich hätte nur allzu gerne so weitergemacht.“<br>„Du weißt ganz genau was ich meine! Du bist aufgeweckt genug um die Situation zu begreifen, in der wir uns beide befinden.“<br>„Dann schlage ich vor du erklärst mir noch einmal die Sachlage“, meinte Selina und wirkte auf einmal sehr wütend. <br>„Du bist eine absolut bezaubernde Frau und meine Imzadi“, erklärte der erste Offizier der Monitor, „und daran wird sich auch nichts ändern. Aber wir sollten uns nichts vormachen: unsere Beziehung war seit Monaten vorbei, bis du mir von deiner Schwangerschaft erzählt hast.“<br>„Diese Einschätzung schien dich aber nicht davon abzuhalten vor gut einem Jahr mit mir zu schlafen.“<br>Price verdrehte die Augen. Genau mit dieser Aussage hatte er gerechnet! Nur hieß dies noch lange nicht, dass er dafür eine adäquate Antwort bereit gehabt hätte.<br>„Selina... diese Sache damals... ich bereue zwar nichts davon, aber du und ich haben doch gewusst, dass es nur eine einmalige Sache gewesen ist.“<br>Ruckartig erhob sich die schlanke Frau von dem Sofa und starrte ihren Geliebten unfassbar an. Während sie sprach schüttelte sie eifrig mit den Kopf und schleuderte so ihre schwarzen Haare unfreiwillig hin und her:<br>„Eine einmalige Sache? Eine einmalige Sache?? Mir kam dies aber ganz und gar nicht so vor und gemessen an deiner Reaktion schienst du einer neuerlichen Auflebung unserer Beziehung auch nicht abgeneigt zu sein.“<br>„Ich fühlte mich damals sehr einsam“, gab der Halbbetazoid peinlich berührt zu, „und mir fehlte Zärtlichkeit und Wärme.“<br>„Und was spricht dagegen dies alles von mir zu bekommen?“ fragte Commander Kyle flüsternd und setzte sich wieder neben ihn, ergriff seine Hand und hielt diese ganz fest.<br>Diese Frage konnte Matt nicht beantworten. Wie auch, denn er war sich selbst nicht sicher. Ganz fest blickte seine Imzadi ihm in die Augen und obwohl sie keine Telepathin war schien sie seine Gedanken zu erraten.<br>„Es gibt eine andere?“ fragte sie leise und hatte Angst vor einer Antwort.<br>„Ich habe mich in eine Frau verliebt. Sie ist an Bord meines Schiffes, “ gab Price reumütig zu.<br>„Wie lange seid ihr schon zusammen?“<br>„Wir... sind noch nicht zusammen.“<br>„Wegen mir?“ fragte Selina und behielt weiterhin ihren flüsternden Ton bei. Brachte sie diese ganze Sache etwa nicht in Rage? Wie war sie nur in der Lage diese Ruhe zu bewahren angesichts der Aussicht die Liebe ihres Lebens zu verlieren?<br>„Ich habe es verbockt“, war alles was Matt dazu sagen konnte und wollte. Verspielte er hier gerade alles? Mit Elisabeth war es in diesem Jahr alles andere als unkompliziert verlaufen und nun lief er Gefahr seine Imzadi ebenfalls zu verlieren, samt seiner Tochter. <br>„Ja, das hast du“, war die Antwort Selinas, immer noch mit der ruhigen Stimme vorgetragen, mit der sie auch die vorigen Fragen gestellt hatte. „Bitte verlass nun mein Quartier und kehre auf die Monitor zurück.“<br>„Und Yasmin?“ fragte Price traurig, der in der Tat seine Niederlage nun deutlich vor Augen sah.<br>„Wir werden uns darum zu gegebener Zeit kümmern. Doch nicht jetzt.“<br>Mehr konnte Selina nicht dazu sagen. Sie erhob sich vom Sofa und schloss sich gemeinsam mit der gemeinsamen Tochter in ihrem Schlafzimmer ein. Traurig blickte Matt die Tür an, hoffte sie würde sich schon im nächsten Moment öffnen und ihm eine neue Chance gewähren. Doch dem war nicht so. Der Zugang zu seiner Imzadi und zu seiner Tochter war ihm nun vorerst verschlossen.<br><br>Als Dr. Frasier auf die Krankenstation zurückkehrte war sie überrascht dort Danny Bird vorzufinden. Der Sicherheitschef der Monitor hockte auf einem Behandlungsbett und starrte auf seine hin und her baumelnden Beine. Er wirkte unkonzentriert, ja geradezu lustlos. Doch dieser Eindruck täuschte, wie Elisabeth wusste, Danny Bird war derzeit ein von Selbstzweifeln zerfressener Mann.<br>„Der Captain hat mich aus dem Arrest entlassen“, erklärte der Lieutenant mit Grabesstimme und kam so der Frage der Chefärztin zuvor. „Er hat wohl deinen Worten geglaubt ich sei nur ein Opfer in dieser Sache, kein Täter.“<br>„Es waren nicht meine Worte, sondern die Wahrheit und das weißt du“, entgegnete Elisabeth und näherte sich ihm vorsichtig. Zwar hatte sie keine Angst vor einer erneuten Entführung, doch aus den psychologischen Seminaren wusste sie, dass man diese Sache sehr behutsam angehen musste.<br>„Nein, das ist nicht wahr!“ brüllte Danny und schlug mit der flachen Hand auf die Liege. „Ich bin kein Opfer, ganz im Gegenteil. Ich gehöre zu den Leuten, die ich bisher am meisten verachtet habe: Verräter! Menschen, die ihre Freunde und ihre Ideale der eigenen Bequemlichkeit halber verkaufen. So viele von ihnen haben wir als Geheimdienstler aufgespürt und wieder eingefangen; für jeden einzelnen von ihnen hatte ich nichts als Verachtung übrig. Und nun bin ich selber einer. Ob ich mich daran erinnern kann oder nicht spielt keine Rolle; ich bin was ich bin.“<br>Diese Worte bedrückten Elisabeth. Bird war immer so ein hervorragender Offizier gewesen und nun musste sie mit ansehen wie er innerlich zerbrach. War dies fair? Hatte sich irgendeine geheime Macht gegen Danny verschworen?<br>„Du hast recht: du bist was du bist Danny, “ versuchte sie ihm zuzureden. „Ein ausgezeichneter Offizier, dem wir mehr als einmal unser Leben zu verdanken haben. <br>Ein Mensch, den wir als Freund schätzen gelernt haben und dem wir jederzeit vertrauen würden.“<br>„Aber das bin nicht ich“, flüsterte der Lieutenant traurig und blickte die Chefärztin an. Er war kurz davor Tränen zu vergießen.<br>„Hast du dich schon entschieden, ob du dein vollständiges Gedächtnis zurückerhalten möchtest?“<br>Statt einer Antwort sprach Danny einen Satz aus, der ihm schon lange auf dem Herzen gelegen hatte:<br>„Ich liebe dich, Elisabeth. Du bist für mich die schönste Frau der Welt und ich würde alles dafür geben mit dir zusammen zu sein. Und ich bedauere dich, dass du so lange einem Mann nachläufst, der deine wundervolle Güte nicht verdient hat.“<br>Angesichts dieser Worte war die Chefärztin sprachlos. Natürlich hatte sie schon lange geahnt, wenn nicht gar gewusst, was der Sicherheitschef für sie empfand, dennoch waren seine Worte voller ungewohnter Wärme.<br>„Du schmeichelst mir“, flüsterte Elisabeth, doch Bird schüttelte den Kopf.<br>„Wie kann ich mir nur sicher sein, dass du mich wirklich liebst?“ fragte er <br>niedergeschlagen. „Vielleicht ist es nur die Programmierung in mir, die so empfindet. Vielleicht hält der wahre Danny Bird nichts von dir oder er liebt dich auf eine ganz andere Weise als ich es tue.“<br>„Du bist der wahre Danny Bird.“<br>„Das bin ich nicht und dies werde ich auch niemals sein“, entgegnete der Lieutenant traurig und verließ ohne sich noch einmal umzusehen die Krankenstation. Immer noch hatte er keine Lösung gefunden.  <br><br>Der Captain des Raumschiffs Monitor hatte irgendwie nicht das Gefühl, dass er in letzter Zeit sein Büro verlassen hatte. Inzwischen schien sich sein ganzes Leben, sowohl dienstlich als auch privat, in diesem Räumen abzuspielen und wenn er ehrlich war gefiel ihm dies ganz und gar nicht. Er war ein Mensch, der aktiv sein wollte, Initiative zeigte, aber derzeit fiel ihm nur die Rolle des Bittstellers zu.<br>So auch dieses Mal, als er zum unzähligsten Mal eine Komverbindung zu einer ganz bestimmten Person herstellte. Es dauerte einige Zeit, bis sein Kommunikationsversuch entgegengenommen wurde, dann endlich erschien Martin Lewinski auf dem Bildschirm. <br>Wie so oft wunderte sich John darüber, wie viel blonder das Haar seines Bruders doch war. Zumindest zeigten sich auch bei ihm die Anzeichen vom Geheimratsecken, ein schwacher Trost für den Tribut, den sie dem Alter zollen mussten.<br>„Irgendwie verwundert mich das alles schon“, murmelte Martin Lewinski anstelle einer Begrüßung. „Wir haben uns in den letzten Jahren nicht mehr gesehen und die letzten Tage werde ich dich einfach nicht mehr los. Was ist denn nun wieder der Grund für deinen Anruf? Ich habe nicht allzu viel Zeit, John.“<br>„Wir müssen reden“, erklärte Captain Lewinski und es fiel ihm äußerst schwer seine Anspannung zu verstecken. Wie lange hatte er schon nicht mehr geschlafen? Seit zwanzig Stunden?<br>„Wieder wegen Dad? Langsam habe ich keinen Bock mehr darauf. Lass es einfach sein, John, ich möchte nun nicht mit dir streiten. Derzeit habe ich mehr als genug Arbeit zu erledigen.“<br>„Das Verkaufen von Waffen an dubiose Gruppierungen würde ich nicht gerade als Arbeit bezeichnen“, entgegnete der Kommandant und stellte zu seinem Erstaunen fest wie eisig seine Stimme klang.<br>„Wie bitte?“<br>„Ich habe mich etwas über dich erkundigt, Bruder“, erläuterte John schweren Herzens, „und zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass deine Profession alles andere als legal ist.“<br>„Soll das ein Werturteil sein?“ fragte Martin kalt und lehnte sich vom Bildschirm zurück.<br>„Ich denke über Waffenschieber kann man nur eine Meinung haben.“<br>„Wenn du meinst“, antwortete sein Bruder und machte Anstalten die Verbindung zu unterbrechen. John wollte dies auf keinen Fall zulassen und fragte:<br>„Wie lange machst du dies schon?“<br>Gelangweilt lehnte sich Martin zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit zurück und seufzte. Wollte er etwa schon wieder dieses leidige Thema mit jemandem durchkauen?<br>„Lange genug, um mir dadurch ein respektables Überleben zu gewährleisten“, erklärte er schließlich.<br>„Und dein Gewissen?“ fragte John und hoffte für einen Moment seinen Bruder, ein Mitglied der Familie Lewinski, hinter dieser kalten Fassade zu entdecken.<br>„So etwas sollte man in diesem Geschäft nicht haben“, war die gleichgültige Antwort seines jüngeren Bruders.<br>„Ich kann nicht glauben, was ich da hören muss“, stammelte John Lewinski müde. „Hast du deswegen den Tod unseres Vaters so gleichgültig aufgenommen? Weil es dir auch egal ist wer sich mit den Waffen umbringt, die du verkaufst?“<br>„Dies mag deine Interpretation sein, ich bin dir auf jeden Fall keine Rechenschaft schuldig!“<br>„Ach ja?“<br>„Ja!“ schrie Martin den Bildschirm an, Wut zeigte sich in seinen Augen. „Nur weil du Vaters Liebling gewesen bist und dir alles im Leben nachgeworfen wurde heißt dies noch lange nicht, dass es jedem Menschen so ergangen ist. Ob du es glaubst oder nicht, manche müssen tatsächlich für ihren Lebensunterhalt hart arbeiten und daher will ich kein Werturteil von dir haben. Geh zurück auf dein Raumschiff, flieg durchs All und fang die bösen Buben ein.“<br>„Zu denen du auch gehörst“, entgegnete der Captain traurig. „Deine Taten sind eine Gefahr für die Sicherheit der Föderation. Du könntest deine Waren an sonst wen verkaufen. <br>Wer weiß auf wessen Seite du während des Krieges gestanden hast!“<br>„Auf der Seite des Profits“, erklärte Martin Lewinski und klang wie die gemeine Version eines Ferengis.<br>„Dir ist klar, dass ich dich stoppen muss.“<br>„Das kann gut möglich sein.“<br>„Und ist dir das völlig egal? Martin, ich bin dein Bruder.“<br>„Nein, du bist nur eine weitere Person, die sich ein Urteil über mich erlaubt. Darauf kann ich getrost verzichten. Wenn du meinst meine Aktivitäten stoppen zu müssen: ich werde auf dich warten.“<br>Damit beendete sein Bruder, ein gesuchter Waffenhändler, die Verbindung. Noch lange starrte John fassungslos den dunklen Bildschirm an. Wie konnte dies alles sein? Wann hatte dies alles angefangen, wann war sein Bruder auf diese schiefe Bahn geraten? Beschämt musste John feststellen, dass er einige Tränen nicht zurückhalten konnte. Hoffentlich betrat nun keiner das Büro und würde seine Schwäche bemerken? Langsam wurde es einfach zu viel für ihn: der Schlafentzug, der Krieg zwischen Romulus und Talar, der Verlust seines Vaters, die Inhaftierung Jereon McNors und nun auch noch sein Bruder. Was für ein verdammtes Jahr dies doch gewesen war!<br><br>Irgendwie hatte es Danny Bird schließlich geschafft einzuschlafen, doch von Schlaf in seinem ursprünglichern Sinne konnte man wohl kaum die Rede sein. Schlaf sollte eigentlich der Erholung dienen, der Regeneration der körpereigenen Energien, doch bei Danny schien eher das Gegenteil der Fall zu sein. Träume quälten ihn.<br>Der Lieutenant befand sich an einem völlig dunklen Ort. Nur sich selber schien er klar sehen zu können, ansonsten war der Raum (?) völlig unbeleuchtet. Einige Minuten lang drehte sich der Sicherheitschef herum.<br>„Hallo??“ rief er in die Dunkelheit hinaus, ohne eine Antwort zu erhalten. Schließlich erschallte jedoch eine Antwort:<br>„Endlich lernen wir uns kennen!“<br>Für einen kurzen Moment glaubte Danny ein Echo vernommen zu haben, denn die Stimme, die diese Worte ausgesprochen hatte, war seine eigene gewesen. Doch sie waren nicht von seinem Munde ausgesprochen worden, sondern von einem anderen Danny Bird. <br>Einem Lieutenant, der lange Zeit verschwunden gewesen war und nun wieder zum Vorschein kam. Langsam schälte sich die Gestalt aus der Dunkelheit hervor und trat auf ihn zu. Er sah aus wie er, trug dieselbe Uniform. Nur eine tiefe Leere zeigte sich in seinen Gesichtszügen, eine Art Hoffnungslosigkeit, die nur schwerlich abzulegen war.<br>„Hallo Danny, “ begrüßte ihn sein Gegenüber, „endlich lernen wir uns kennen.“<br>„Endlich?“ fragte der Sicherheitschef stammelnd.<br>„Ja, “ erklärte sein Gegenüber und brachte sogar ein schiefes Lächeln zustande, welches jedoch absolut unecht wirkte, „ich habe mir lange Zeit dein Treiben angesehen und ich muss sagen: ich mag dich! Du magst zwar nur eine Kreation sein, ein Platzhalter, aber dennoch finde ich dich gar nicht so übel!“<br>„Eine... Kreation?“ fragte Danny verdattert und ein neuerlicher Anflug von Angst überkam ihn.<br>„Es mag sich für dich unglaublich anhören, aber glaube mir, auch für mich ist dies alles sehr ungewöhnlich. Hier stehe ich nun, Danny Bird, und unterhalte mich mit einer Figur, die so aussieht wie ich, die gleiche Stimme hat und die selbe Kleidung trägt, die jedoch nur eine Erschaffung durch den Geheimdienst des Dominion darstellt.“<br>„Du hälst mich für unecht??“ <br>„Als was sollte ich dich denn sonst bezeichnen?“ erklärte sein gegenüber und fiel in einen  seltsam monotonen Tonfall zurück, so als habe er diesen Umstand schon Tausende von Malen erklärt. „Du bist eine veränderte Version von mir, erschaffen um nicht so leicht als Doppelagent aufzufallen. Eine Version, die mir ehrlich gesagt sehr zusagt. Ich beneide dich irgendwie: ich wünschte ich hätte noch deinen naiven Idealismus.“<br>Die Worte kränkten Danny. Wie konnte er nur so etwas sagen? Dieser Kerl sprach so, als wäre Danny der Fehler an der ganzen Sache.<br>„Naiv?“<br>„Ja, naiv. Pflichtbewusst, loyal. All die Dinge, die ich früher auch mal gewesen bin.“<br>„Und wieso hast du dich davon abgewendet?“<br>„Muss ich etwas dazu sagen?“<br>„Der Krieg?“<br>„Ja, der verdammte Krieg!“ fuhr es aus seinem Gegenüber heraus. „Du hättest es sehen müssen! Menschen, die um ihr Überleben kämpften und die verkrampft versuchten ihre inneren Organe zurück in den Bauchraum zu drücken. Verbrannte Leichen und überall nur Hass und Tod. Wir befanden uns auf dem Rückzug, in nahezu jeder Schlacht. Die Föderation verlor den Krieg.“<br>„Ich war dabei gewesen, “ entgegnete Danny Bird sauer, „und ich habe genau dasselbe gesehen wie du. Dennoch hat es mich nicht dazu verleitetet alles zu verraten, worauf ich einen Eid geschworen habe.“<br>„Du hattest auch nicht mehr die Veranlagung in dir gehabt, noch einmal Verrat zu begehen. All dies war von Koris aus deiner Persönlichkeit getilgt worden. Wäre dem nicht so gewesen, so hättest du irgendwann genau dasselbe wie ich getan.“<br>„Ich glaube nicht.“<br>„Denkst du?“ fragte sein Gegenüber und lachte bitter. Er lachte Danny aus, so viel stand schon einmal fest. „Was denkst du eigentlich wer du bist? Darfst du dir überhaupt ein Urteil erlauben? Du bist nicht einmal eine reale Person, sondern nur eine Erfindung. Der einzige, der das Recht hat in diesen Körper zurückzukehren, bin ich, der wahre Danny Bird.“<br>„Der Verräter Danny Bird.“<br>„Du scheinst es einfach nicht verstehen zu wollen! Aus meiner Perspektive war die Niederlage unvermeidbar. Auf allen Fronten befanden wir uns auf dem Rückzug. <br>Ist es etwa so verwerflich, wenn ich den Wunsch habe zu überleben und mich deswegen mit dem Dominion arrangiere?“<br>„Kennst du den Ausspruch lieber stehend sterben als kniend leben?“ fragte der Lieutenant.<br>„Wer diesen pseudophilosophischen Unsinn verzapft hat muss wohl niemals die Hölle des Krieges erlebt haben.“<br>Wut stieg in Danny auf. Was bildete sich sein Gegenüber nur ein? Er näherte sich ihm und er hatte Mühe seine Stimme nicht allzu sehr zu erheben.<br>„Ich verabscheue dich“, gab er offen und ehrlich zu. „Millionen sind bei dem Versuch gestorben den Alpha-Quadranten vor einer Diktatur zu bewahren. Sie alle hatten Angst und wären lieber zu Hause bei ihren Familien gewesen, anstatt auf den Planeten und im All zu kämpfen. Und dennoch haben sie es durchgehalten, für das Wohl des gesamten Volkes.<br>Wieso warst du nicht dazu bereit? Was für ein bequemes Leben hat man dir versprochen, so dass du zum Verräter wurdest?“<br>„Man versprach mir Überleben.“<br>„Es besteht ein Unterschied zwischen Überleben und wahrhaftem Leben.“<br>„Naiv“, entgegnete die Traumgestalt, die dennoch so real war. „Aber ich möchte nicht mehr mit dir streiten. Wieso auch? Ich bin der rechtmäßige Danny Bird und habe einen Anspruch auf Rückkehr. Du bist nur ein künstliches Gebilde. Ich denke es ist Zeit für meine Rückkehr.“<br>Unmittelbar im Anschluss schreckte der Lieutenant aus seinem Schlaf hoch und schnappte nach Luft. Dies alles musste ein Ende haben. Er hatte seine Entscheidung getroffen. <br><br>Noch lange nachdem er sie im Flur angesprochen und ihm seine Entscheidung mitgeteilt hatte, schaute Dr. Frasier ihm nach, erinnerte sich daran, wie er in Gedanken verloren den Gang entlanggelaufen war. Trotz oder gerade aufgrund reiflichster Überlegungen hatte sich Lieutenant Bird schließlich dagegen entschieden die Gedächtnisblockade aufzuheben und so wieder vollständigen Zugriff auf sein altes Ich zu erlangen. Elisabeth teilte zwar nicht seine Meinung, aber wer war sie, dass sie richtigen konnte? Immerhin war die Situation, in der sich Danny befand, einzigartig und grauenvoll genug.<br>„Dir würde es auch nicht gefallen, wenn der richtige Danny Bird zurückkehren würde“, hatte er ihr erklärt.<br>„Danny, du bist der wahre Bird.“<br>Daraufhin hatte der Lieutenant nur den Kopf geschüttelt und traurig entgegnet:<br>„Glaube mir, der Danny Bird, der vor dir steht und der, der ich eigentlich sein sollte, sind zwei grundverschiedene Personen. Wir mögen gleich aussehen, aber in unseren fundamentalen Überzeugungen unterscheiden wir uns.“<br>„Und?“ hatte sie nachgehakt, in dem Glauben Danny wolle noch etwas ergänzen.<br>„Und ich habe Angst zu verschwinden, wenn die Blockade gelöst wird“, hatte er traurig entgegnet. Elisabeth Frasier hatte genau verstanden. Existenzangst hatte ihn schließlich zu dieser Entscheidung bewogen. Sie würde so schnell wie möglich dem Captain darüber Bescheid geben. Sie konnte nur hoffen, dass dies alles beim Oberkommando keine Konsequenzen für ihn bedeuten würde.<br>Am anderen Ende des Ganges hörte sie eine Tasche zu Boden fallen. Es war die von Commander Price, der wieder zurück an Bord war. Auch in seinen Augen spiegelte sich eine tiefe Traurigkeit wieder, die sie überraschte. War sein Besuch etwa nicht gut verlaufen?<br>Mit sanften Schritten näherte sich der Halbbetazoid ihr und blickte sie aus traurigen Augen an.<br>„Ich bin endlich frei für dich“, flüsterte er und wollte ihre Hand ergreifen.<br>„Aber ich derzeit nicht, “ entgegnete die Chefärztin ebenso flüsternd und zog sich traurig in ihr Quartier zurück.<br><br><center><b><u>Ende</u></b><br><br><br><b><font size="3"><i>...und die Reise geht weiter - am Samstag, dem 28.08.2004</i></font></b><br><b><i>Ältere Episoden findet ihr in unserem <a href="http://www.treknews.de/fanfiction/monitor_episoden.php" target="_self">Episodearchiv</a>...</i></b><br><br><b><u>ALTERNATIVEN</u></b><br>based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY<br>produced for <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> NETWORK<br>created by NADIR ATTAR<br>executive producer NADIR ATTAR<br>producer SEBASTIAN OSTSIEKER lektor OLIVER DÖRING<br>staff writers CHRISTIAN GAUS &amp; THOMAS RAKEBRAND and OLIVER-DANIEL KRONBERGER<br>written by NADIR ATTAR<br>TM &amp; Copyright © 2004 by <a href="http://www.treknews.de">TREKNews</a> Network. All Rights Reserved. <br>"STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES<br>This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!</center>]]></description><guid isPermaLink="false">4089</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item></channel></rss>
