<?xml version="1.0"?>
<rss version="2.0"><channel><title>Newsmeldungen: Newsmeldungen</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/page/3/?d=6</link><description>Newsmeldungen: Newsmeldungen</description><language>de</language><item><title>Monitor - 2x05: Alpha</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-2x05-alpha-r1250/</link><description><![CDATA[<p align="center"><b>Diese Folge als PDF-Download:</b></p><div align="center"><center><table><tr><td align="center"><a href="http://www.treknews.de/cgi-bin/gallery-treknews/imageFolio.cgi?action=view&amp;link=Fanfiction/Star_Trek_Monitor&amp;image=0205.zip&amp;img=&amp;tt=all" target><img alt="Download" border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0205.jpg"></a></td></tr><tr><td bgcolor="#202020" valign="top" align="center"><font color="#ffffff" face="Verdana,Arial,Helvetica" size="1"><b><font>Monitor 2x05 "Alpha"</font></b><br>Zip File<br><a href="javascript:" onclick="window.open('http://www.treknews.de/cgi-bin/gallery-treknews/imageRate.cgi?direct=Fanfiction/Star_Trek_Monitor&amp;file=0205.zip','Rate','height=200,width=200');return false">Rating</a><br>Größe: 232 kB</font></td></tr></table></center></div><br><br><blockquote><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/pg13.jpg"></blockquote><br><br><i>Die Monitor raste mit mehrfacher Überlichtgeschwindigkeit zurück zur Erde. Es war nicht alles so gelaufen, wie man es sich nicht vorgestellt hatte. Ganz besonders nicht, wie es sich John Lewinksi, Captain der Sternenflotte der Vereinigten Föderation der Planeten, vorgestellt hatte. Er hatte Befehle mißachtet, um die Zukunft zu retten. Er hatte seine Crew, seine Freunde mißbraucht und dann einer Lüge aufgesessen. In gewisser Weise war mit seinem Klon auch seine Zukunft gestorben. Sloan hatte recht gehabt: John hatte in dem Moment, wo sein Klon sein Haus betreten hatte, verloren. Nun war er wie ein Verbrecher auf sein Quartier beschränkt und mußte auf die Rückkehr zu Erde warten, wo man ihm den Prozess machen würde, der seine Karriere beenden könnte. In diesem schweren Zeiten dachte Lewinski darüber nach, wie das Abenteuer begonnen hatte, welche merkwürdigen Verstrickungen es auf dem Weg hierher gegeben hatte. Es war einen Gedanken wert...</i><br><br>Dreiunddreißig Tage. Dreiunddreißig Tage waren sie nun schon hinter den feindlichen Linien, fernab von allen Versorgungstransporten. Es war heiß. Beim letzten Gefecht waren die Klimakontrollen beschädigt worden, was den üblen Geruch an Bord nur noch verstärkte. Die meisten Crewmitglieder hatten sich seit Tagen nicht mehr waschen können. Womit auch? Die meisten Energiereserven mußten für die Waffensysteme geopfert werden.<br><i>Dieser verdammte Krieg.</i><br>John Lewinski fuhr sich über das stoppelige Kinn und ging langsam zurück zum Kommandosessel, in den er sich geräuschvoll sinken ließ. Captain Zakirk saß in seinem Bereitschaftsraum und bereitete einige wichtige Nachrichten für <font>Starfleet Command</font> vor. Dieses verdammte Command. Man hätte sie schon vor Tagen von ihrer Mission entbinden müssen. Die Teneriffa operierte seit Wochen tief im cardassianischen Raum und überfiel wichtige Transportschiffe, die Kriegswichtiges Gerät für das Dominion transportierten. Wochenlang schon trieb das Ambassador-Klasse Schiff ein Katz und Maus Spiel mit den Jem´Hadar, flog schnelle Angriffe und zog sich wieder zurück. Ja, die Sternenflotte war zufrieden mit ihren Ergebnissen, nein, man könne die Teneriffa jetzt nicht abziehen, man werde gebraucht. Seit Tagen die selben Vertröstungen. Inzwischen vermied es Captain Zakirk, diese Botschaften der Mannschaft preiszugeben, munterte sie statt dessen mit einigen Belobigungen und Durchhalteparolen auf, was freilich immer schwerer wurde. In den letzten Tagen war es nicht so gelaufen, wie man es sich eigentlich vorgestellt hatte. Das Schiff war schwerbeschädigt worden, der taktische Offizier und der Chefingenieur waren getötet worden. Beide hatte Lewinski seit fast 22 Jahren gekannt. Zweiundzwanzig Jahre. Eine lange Zeit. Lewinski war direkt von der Akademie auf dieses Schiff versetzt worden, hatte die Karriereleiter als Fähnrich begonnen und sich bei Zakirk einen Namen gemacht. Nun, nach vielen tausend Tagen und unzähligen Abenteuern war Commander John Lewinski erster Offizier dieses Schiffes, das er von Herzen liebte. Es war ihm eine Heimat geworden, die meisten Führungsoffiziere waren seine besten Freunde. Daher schmerzte es ihn um so mehr zu sehen, wie das Schiff langsam zerfiel und Freunde getötet wurden. Die meisten Abteilungen wurden von Fähnrichen oder Unteroffizieren geführt, die kaum Kommandoerfahrungen hatten. Es gab Ausfallerscheinungen überall an Bord. Inzwischen waren die Replikatoren rationiert worden, damit Energie gespart werden konnte.<br><i>Dieser verdammte Krieg.</i><br>Seit Stunden präsentierte der Wandschirm ein und dasselbe Bild: einen großen Gasriesen, um den ein Asteroidenring kreiste. Die Teneriffa versteckte sich schon seit 3 Tagen hier, um notwendige Reparaturen durchzuführen.<br>"Fähnrich Cho´ha! Sensorenbericht!"<br>Die junge Saurianerin checkte kurz die Anzeigen. Sie hatte sich gleich nach der Übernahme der taktischen Station als kompetenter Offizier erwiesen, die dem verstorbenen Lieutenant-Commander Raddy ein würdiger Ersatz war. John würde die Hoverball-Spiele mit ihm vermissen.<br>"Dasselbe wie vor 10 Minuten, Sir: keinerlei Dominion-Aktivitäten zu erkennen. Es ist ruhig um uns herum."<br>Lewinski lächelte kurz und ignorierte die kleine respektlose Spitze, die ihm Cho´ha beigebracht hatte. Sie hatte recht; es nützte nichts, wenn er Nervosität auf der Brücke verursachte. Der Kanadier übergab dem Navigator Lieutenant Satak das Kommando und betrat den Bereitschaftsraum des Captains. Wenn einer Ruhe in die Situation bringen konnte, dann war es Satak, einer der wenigen Vulkanier, die sich für eine Laufbahn als Navigator entschieden hatten. Seine Ruhe und Ausdauer während Gefechten war ein ums andere Mal erstaunlich. Zischen öffnete sich die Tür zum Büro des Kommandanten. Dort saß er, Captain Zakirk, würdevoll wie eh und je. Trotz der widrigen Umstände schaffte es der Tirrione immer eine gepflegte, saubere Uniform zu tragen; John Lewinski hatte bis zum heutigen Tage nicht verstanden, wie er es schaffte. Zakirk war über seinem Computer gebeugt. was bei einer Größe von 1,94 m ein seltsamer Anblick war. Jedoch durfte man den Captain auf keinen Fall unterschätzen, wenn es sein mußte, konnte er so leise wie eine cardassianische Wühlmaus sein. Der Tirrione, der ihm in fast zwei Jahrzehnten eine Art Vater und gleichzeitig auch Freund geworden war, blickte seinen Stellvertreter lächelnd an.<br>"Commander, was kann ich für sie tun?"<br>Immer hundert Prozent korrekt. Diese Eigenschaft schätzte der Mensch am meisten an seinem Kommandanten.<br>"Irgendeine Antwort von Command?"<br>Zakirk antwortete nicht sofort, streckte ich statt dessen genüßlich, was ein seltsamer Kontrast zur allgemeinen Situation war. Abermals fiel Lewinski auf, das, egal wie schlecht der Zustand des Schiffes war, der Bereitschaftsraum des Captains immer in einem Tip-Top Zustand war. Es war ein inoffizieller Running-Gag an Bord des Schiffes, sich vorzustellen, wie der Captain alle zwei Stunden für dreißig Minuten in seinen Raum verschwand, um ihn zu säubern. Lieutenant Jenkins hatte da eine lustige Grafik entworfen. Zu schade, daß er nun tot war, er war ein hervorragenden Ingenieur gewesen.<br>"Nein, wir müssen noch bleiben," antwortete Zakirk ruhig.<br>"Sir, bei allem Respekt, die Teneriffa braucht dringende Reparaturen, die man nicht einfach so ohne weiteres im Feld durchführen kann. Wir müssen unsere Mission unterbrechen!"<br>"Ich weiß," antwortete Zakirk und stand langsam auf, "deswegen werden wir auch unser eigenes Ding machen. Morgen kommt hier ein kleiner Konvoi des Dominions vorbei, den wir angreifen werden. Danach machen wir uns auf den Heimweg, egal was Command sagt."<br>Dies war das erste mal in zwanzig Jahren, daß Lewinski erlebte, daß Zakirk bewußt einen Befehl mißachten wollte. Lewinski war sicher, daß in diesem Fall die Mannschaft gerne nachsichtig mit ihrem Kommandanten sein würde.<br>Der Konferenzraum an Bord der Teneriffa war so gut wie der einzige Bereich an Bord des Schiffes, der normale klimatische Bedingungen aufwies. Mit anderen Worten: er war nicht so heiß und stickig wie die anderen Orte, die sogar den Schaf zu einem Martyrium machten. Man mußte Fähnrich Bola, die den verstorbenen Lieutenant Jenkins als Chefingenieur ersetzte, zu ihrer Arbeit gratulieren. Lewinski wußte, wie hart es für sie sein mußte, mit den wenigen Ersatzteilen, die sie an Bord hatten, so viele Dinge gleichzeitig zu reparieren. Bevor der Lieutenant vor 23 Tagen auf der Krankenstation nach langer Qual verstorben war, hatte er ausdrücklich die Bolianerin Bola für diesen Posten ausgewählt. Der Doc hatte ihn ermahnt, sich zu erholen, die letzten Stunden auszukosten, doch er war darauf versessen gewesen, alles zu tun, damit es nach seinem Ableben dem Schiff an nichts fehlte. Er hatte seine Nachfolger eingeteilt und sie auf die beschädigten Systeme angesetzt. Während der ganzen sieben Stunden, während denen Jenkins mit dem Tod gerungen hatte, war Commander Lewinki bei ihm gewesen, hatte ihm Beistand geleistet. Auch ihn kannte er schon von der Akademie, beide waren sie im Hoverball-Team der Akademie gewesen. Sein Tod berührte ihn immer noch sehr.<br>Die derzeitige Führungscrew der Teneriffa ( wer konnte schon sagen, wie lange er noch diesen Posten innehatte??? ) versammelte sich also im Konferenzraum und blickte aus müden Augen zu ihrem Kommandanten. Sogar Lieutenant Satak wirkte ermüdet, auch wenn der Vulkanier es wie immer meisterhaft verstand, dies zu verbergen. Doch die Ringe unter seinen Augen sprachen eine deutliche Sprache. Captain Zakirk ließ sich geräuschvoll in seinen Sessel am Kopfende des Tisches fallen und dachte kurz nach, bevor er anfing:<br>"Command hat uns die Daten eines weiteren Konvois durchgegeben."<br>Stöhnen bei den Offizieren, Enttäuschung. Wie lange glaubte das Oberkommando, würde die Teneriffa noch durchhalten? Der erste Offizier beschloß, das Wort zu ergreifen, um seinem Kommandanten zu helfen.<br>"Wo wird er sein und wann wird er ankommen?"<br>Zakirk blickte kurz seine Offiziere an, bevor er fortfuhr.<br>"Morgen wird er hier ankommen, seine Route wird ihn nahe an diesem Asteroidenfeld vorbei führen. Das Dominion glaubt wohl, daß sie niemand so nah an den Asteroiden angreifen könnte."<br>Der Tirrione hatte diese Worte nicht ohne eine gewisse Genugtuung ausgesprochen. Es war eine großartige Leistung der Mannschaft gewesen, dem Dominion zu entkommen und sich mitten in einem ihrer Systeme zu verstecken, zum wiederholten Male übrigens.<br>Cho´ha stellte die nächste, wichtige Frage:<br>"Wie groß wird der Konvoi sein?"<br>"Sieben Schiffe. 5 Frachter, ein Jem´Hadar-Kriegschiff und ein Kreuzer des Dominion."<br>Ungläubiges Staunen.<br>"Das schaffen wir nie," meinte Bola, doch Zakirk hob mahnend den grünen Zeigefinger.<br>"Na, na, Fähnrich, etwas mehr Optimismus bitte, immerhin haben wir es früher auch immer geschafft..."<br>"Mit Verlaub, Sir," sprang Lewinski ein, "da waren wir aber noch nicht so beschädigt wie heute. Wir können nicht den Konvoi zerstören!"<br>"Das können wir auch nicht. Daher werden wir so viel Schaden anrichten, wie möglich."<br>Ein neues Rätsel. Heute schien sich der Captain mehr als geheimnisvoll zu geben.<br>"Fähnrich Cho´ha, die Asteroiden stören die Sensoren des Dominion?"<br>"Aye, Sir."<br>"Und die Schiffe müssen, um hier zu navigieren, sehr langsam sein?"<br>"Dies ist ebenfalls korrekt, Sir."<br>Zakirk wandte sich an die Chefingenieurin.<br>"Ms. Bola, können sie mir vollen Impuls garantieren?"<br>Die Bolianerin dachte kurz angestrengt nach.<br>"Ja, Captain, dies liegt im Bereich des möglichen."<br>"Gut!"<br>Zakirk stand auf und ging zum Monitor, der eine Projektion seines Planes darstellte. Er hatte vor, mit vollem Impuls sich von hinten dem Konvoi zu nähern und eine volle Breitseite Torpedos abzufeuern. Dann würde die Tenriffa unter den Transportern durchgleiten und mit einer Heck-Salve den Jem´Hadar-Jäger beschädigen und noch einen Transporter mitnehmen. Schließlich würden sie wieder ins Asteroidenfeld rasen ( ein gewagtes Manöver! ) und dann auf Warp gehen. Würde alles klappen, so hätten sie drei von fünf Transportern zerstört, was mehr als zufriedenstellend war. Alle nickten. Es konnte klappen, wenn sie sich anstrengten.<br>"Gut, bereiten sie alles vor und schlafen sie noch eine Runde. Wegtreten!"<br>Mit neuem Eifer verließen die Offiziere den Raum. Einmal noch mußten sie alles geben, dann würde es zurück in die Föderation gehen. Einmal noch.<br><br>Wie auf so vielen Raumschiffen war auch an Bord der Teneriffa eine Bar angesiedelt, wo man sich die nötige Erholung verschaffen konnte. Dort trafen sich alle Besatzungsmitglieder, egal welchen Ranges oder welcher Rasse, um sich gemeinsam zu entspannen oder um über den Alltag zu diskutieren. Natürlich war seit Ausbruch des Krieges weniger los, immerhin wurden viel Besatzungsmitglieder als üblich gebraucht, doch man konnte immer noch einen geeigneten Gesprächspartner finden.  Lieutenant Satak, vulkanischer Navigator der Teneriffa, saß an einem einzelnen Ecktisch und ließ sich eine Schale vulkanischer Suppe schmecken. "Schmecken" war dabei jedoch als relativ zu verstehen, da es einer Rasse, die keine Emotionen besaß, im Grunde egal war, ob etwas schmeckte oder nicht; Hauptsache, es blieb nahrhaft. Nichtsdestotrotz konnte kein Vulkanier die Tatsache abstreiten, daß er einige Gerichte andern vorzog, was wohl das wahrscheinlichste Äquivalent eines "Lieblingsessen" war.<br>"Darf ich mich zu ihnen setzen?"<br>"Natürlich, Sir."<br>Satak hatte Lewinksi gar nicht kommen hören und gab sich selbst einen mentalen Verweis. Als Navigator empfand er es als seine Pflicht, immer wachsam und aufmerksam zu sein und diese kleine, für manche unbedeutend erscheinende Niederlage war für ihn nur mehr ein Grund, noch mehr seine Sinne zu trainieren.<br>"Vulkanische Suppe? Etwas fad, für meinen Geschmack, Lieutenant. Oh, nichts für ungut."<br>"Keine Ursache."<br>Satak war selbst ein wenig überrascht, daß sich Commander Lewinski ausgerechnet zu ihm gesetzt hatte. Vulkanier waren nicht unbedingt als die gesprächigsten Personen bekannt, auch wenn Lieutenant Satak eine Ausnahme bildete. Im Gegensatz zu vielen seiner Artgenossen hatte er gezielt den Kontakt zu Außenweltlern gesucht, wollte sich neue Ideen anhören. Er erhoffte sich durch den übermäßigen Kontakt mit anderen Spezies und ihren Emotionen später einen leichteren Zugang zu den vulkanischen Dogmen.<br><i>Unendliche Mannigfaltigkeit in unendlichen Kombinationen.</i><br>"Und, Lieutenant, schaffen wir es?"<br>"Sir?" <br>Satak hatte natürlich schon eine Ahnung, was der Commander ansprach, doch in den Jahren im Weltraum hatte er gelernt, daß andere Völker, insbesondere Menschen dazu neigten, rhetorische Fragen zu stellen, um sie mit einem Vortrag zu verknüpfen.<br>"Ich meine den Plan des Captains," erklärte Lewinski ruhig, "im ersten Moment klingt es verrückt, dann jedoch genial. Die Teneriffa ist seit Wochen hinter den feindlichen Linien, ihre Mannschaft ist erschöpft. Sie übrigens auch, Lieutenant, dies sieht man ihnen an. Bei der nächsten Mission müssen wir noch einmal alles geben, dann ist es geschafft und wir können nach Hause!"<br>"Ihr Punkt, Sir?"<br>Satak tupfte sich mit einer Serviette über die Lippen. Lewinski beugte sich verschwörerisch zu Satak rüber, während dieser sich leicht zurücklehnte. Ihm lag nichts an körperlichen Kontakten.<br>"Lieutenant, als Navigator sind sie der wichtigste Mann für diesen Angriff. Wir, das heißt der Captain, Ich und die gesamte Besatzung, müssen darauf vertrauen, daß sie im Vollbesitz ihrer Kräfte sind. Ist dem so?"<br>"Natürlich, Sir," antwortete Satak, doch Lewinski schüttelte schnell den Kopf.<br>"Nein, daß sind sie nicht. Als Vulkanier wollen sie immer wieder Perfektion demonstrieren und vernachlässigen dabei ihre körperlichen Bedürfnisse. Sie müssen sich etwas ausruhen, Satak. Schlafen sie etwas oder meditieren sie, aber bitte, erholen sie sich."<br>Der Navigator war seinem ersten Offizier ausgeliefert, denn dieser hatte ihn mit einem Thema konfrontiert, was bisher noch niemandem aufgefallen war. Und obwohl Satak diese Meinung im Grunde ablehnte, so gab die Logik dem Menschen recht. Und wer wollte sich schon gegen die Logik stellen? Satak verabschiedete sich und verließ ruhig die Bar. Dann fuhr er mit dem Turbolift zu seinem Quartier, ging vorbei an erschöpften Crewmitgliedern und betrat sein Zimmer. Dort legte er sachgemäß seine Uniform ab, legte sie zusammen und auf einen Stuhl, legte sich dann auf das Bett und deckte sich ordentlich zu.<br>"Computer, Licht aus."<br>Das Licht verblasste. Sekunden später war Lieutenant Satak eingeschlafen.<br><br>Ein Zustand höchster Anspannung herrschte am nächsten Tag an Bord der Teneriffa. Nun gut, diese Anspannung existierte schon seit mehreren Stunden. Rote Indikatorflächen überall an Bord leuchteten, sie erinnerten die Mannschaft daran, daß das Schiff sich bald in einer Kampfsituation befinden würde. Alle Führungsoffiziere hatten sich auf ihren Posten eingefunden. Captain Zakirk saß in seinem Kommandosessel, rechts von ihm sein Stellvertreter John Lewinski. Beide starrten wie hypnotisiert den Wandschirm an. Mittels starker Vergrößerung war inmitten der Asteroidenschwärme der erwartete Konvoi des Dominions zu sehen. Er mußte sich sehr, sehr langsam bewegen, um nicht gegen einen verirrten Asteroiden zu fliegen. Wenn es zum Angriff kam, hatte das Föderationsschiff einen Vorteil in der Beziehung: in den letzten Tagen hatten sie den Ring ausführlich kartographiert und Analysen angestellt. Daher waren sie in der Lage, mit fast hundertprozentiger Genauigkeit zu sagen, wie die Asteroiden flogen, was dazu führte, daß die Teneriffa ihren Plan, mit vollem Impuls anzugreifen, ausführen konnte. Fähnrich Bola hatte dem Kommandanten zugesichert daß "wir dem Dominion so richtig in den Hintern treten werden", woraufhin Lieutenant Satak mit einer Abhandlung über die Jem´Hadar-Physiologie begonnen und erklärt hatte, daß die Jem´Hadar keinen "Hintern" besaßen. Zum Glück aller hatte ihn Lewinski daraufhin angewiesen, noch einmal den Kurs des Schiffes zu korrigieren.<br>Es waren letzte Stunden des Spaßes gewesen. Jetzt wurde es ernst. Nur noch wenige Minuten trennten sie vom Angriff. Die letzten Systemchecks liefen. Alle Stationen meldeten Bereitschaft. Alle an Bord schienen noch einmal tief durchatmen zu wollen. Die Bestandteile der Asteroiden würden die Ortung der Teneriffa bis zum letzten Moment hinauszögern. Ein weiterer taktischer Vorteil. Gegen sie sprach die schlechte Verfassung des Schiffes und die geringere Wendigkeit. Es würde sich zeigen, ob Lieutenant Satak das Vertrauen erfüllen konnte, das man ihm entgegenbrachte. Die Stimme des Einsatzoffiziers, Fähnrich Olivia Barker, unterbrach die jähe Stille:<br>"Zeit bis zum Abfangen des Konvois: 1 Minute 30 Sekunden."<br>Unwillkürlich mußte Captain Zakirk lächeln. Der Tirrione konnte sich an kein einziges Mal erinnern, wo mehr Frauen auf der Brücke waren als Männer. Er rieb sich die grünen Hände und legte ein angespanntes Lächeln auf.<br>"Okay Leute, es geht los. Waffen bereithalten. Lieutenant Satak, ich denke, sie sollten nun mental voll auf der Höhe sein!"<br>"Ich bin voll auf der Höhe," entgegnete Satak ohne sich umzudrehen und wölbte eine Augenbraue. Nach all den Jahren tat sich der Vulkanier immer noch viel zu schwer mit Sprichwörtern. Lewinski und Zakirk schauten sich kurz an, doch sie bekamen kein Lachen zustande. Die Zeit des Humors lag schon zu lange zurück, hier und jetzt, inmitten eines unbarmherzigen Krieges war kein Platz dafür.<br>"Fähnrich Barker?"<br>"30 Sekunden noch, Captain!"<br>Lewinski drehte sich nach hinten, blickte zur taktischen Station.<br>"Fähnrich?"<br>"Alles bereit, Skipper!" antwortete die Saurianerin. <br>Diesmal mußten alle lachen. Fast alle, bis auf Satak, der eine eiserne Miene behielt. Obwohl er das nie zugegeben hatte, mochte Captain Zakirk diese alte menschliche Bezeichnung für einen Kommandanten. Sie weckte Erinnerungen an eine Zeit in ihm, als sie noch Forscher waren, die Unbekanntes entdeckten. Wieder blickte der große Mann zum Projektionsschirm. Der Konvoi flog in enger Formation, damit sie leichter durch das Asteroidenfeld manövrieren konnten. Taktisch gesehen war dies ein katastrophaler Fehler., doch Zakirk wußte, daß die Jem´Hadar wußten, daß sie aufmerksam sein mußten. Der Konvoi war nun nahe genug, so daß man ihn auch ohne Vergrößerung auf dem Schirm erkennen konnte. Noch immer hatten sie die Teneriffa nicht bemerkt. Das Schiff der Ambassador-Klasse bereitete sich nun auf den Angriff vor. Noch ein paar Sekunden...<br>"Satak, voller Impuls, Abfangkurs!"<br>Die Teneriffa schoß aus dem Feld heraus, raste von hinten auf den Konvoi zu, der zu überrascht war, um zu reagieren.<br>"Fähnrich, Feuer!"<br>Cho´ha hatte bereits den Auslöser betätigt, bevor der Captain ihren Namen beendet hatte. Bei voller Lichtgeschwindigkeit verschoß die Teneriffa eine ganze Salve von neun Quantentorpedos. Bei diesem Unsicherheitsfaktor war es dem Konvoi unmöglich, schnell genug auszuweichen und so blieben sie fast annähernd auf Kurs. Das Sternenflottenschiff raste mit einer unfassbaren Geschwindigkeit unter dem Konvoi hindurch, währen die Torpedos ihre Ziele fanden und einschlugen. Einer der Frachter explodierte sofort, während der zweite, getroffen von vier Torpedos, kurz trudelte und dann in einer spektakulären Explosion zerrissen wurde. Phaserstrahlen züngelten durchs All, doch verfehlten die Tenerrifa. <br>Zakirk brauchte keine Anweisungen geben, Satak zog nun das Schiff leicht nach oben, so daß das Schiff in einer horizontalen Linie war. Diese ganze erste Aktion hatte nicht einmal zehn Sekunden gedauert. Nun wurden sie von den Jem´Hadar erfasst, zweimal erbebte das Schiff unter Treffern. Gerade erst reparierte Leitungen und Relais explodierten, doch die Schilde hielten.<br>"Feuer," befahl Lewinski, auch wenn er dies gar nicht hätte tun brauchen. Cho´ha leerte die rückwärtige Torpedobank und fünf Torpedos flogen auf die Kriegsschiffe zu. Eines beschädigte den Jäger an seiner Warp-Gondel, drei zerstörten die Impulstriebwerke des Zerstörers und mit dem letzten erzielten sie einen Glückstreffer: er durchbrach die Schilde und traf den Warpkern des Frachters. Auch er explodierte in einem Lichtblitz. Jubel auf der Teneriffa!<br>"Lieutenant, bringen sie uns hier weg!"<br>"Der Jäger verfolgt uns," meldete Barker.<br>Satak zog das Schiff in eine steile Kurve. Die Trägheitsabsorber heulten bei diesem Manöver. Weitere Treffer von dem Jäger beschädigten das Föderationsraumschiff.<br>"Warp. Jetzt!"<br>Die Heisenberg-Kompensatoren schmolzen bei dieser Belastung durch. Der Lärm war ohrenbetäubend, alle hielten sich die Ohren zu. Dann Stille. Der Schirm zeigte Schlieren im All, die am Schiff vorbeizogen. Sie hatten es geschafft.<br>"Status des Jägers?" fragte Lewinski erleichtert.<br>"Mit seiner beschädigten Warpgondel kann er uns nicht einholen," erklärte Cho´ha.<br>Wieder rieb sich Zakirk die Hände. Er wurde diese Geste einfach nicht los.<br>"Wann verlassen wir den cardassianischen Raum?"<br>"In 25 Stunden."<br>"Lage?"<br>"Der Bereich vor uns ist leer. Es scheint so, als wurden im ganzen Sektor alle Schiffe abgezogen."<br>"Hmm." Ein neues Rätsel. Zakirk beschloß es, in seinem Quartier zu lösen. Wenn sie daheim waren. In der Föderation.<br>Kurz nachdem die Grenze der Vereinigten Föderation der Planeten passiert worden war, hatte sich Captain Zakirk in sein Quartier zurückgezogen. Niemand konnte es ihm verübeln. Seit Wochen hatte sich der tirrionische Kommandant der Teneriffa nur ein Minimum an Schlaf und Erholung gegönnt, war, wie er es selbst ausgedrückt hatte, "immer im Dienst".<br>Die Besatzung gönnte ihm die Pause, nicht zuletzt deswegen, weil er sie, trotz gegensätzlicher Befehle von <font>Starfleet Command</font>, von der Front geholt hatte. Schwer überarbeitet fiel Zakirk auf das Bett und schlief sofort ein. Für die nächsten 16 Stunden (!) war er für niemanden erreichbar gewesen und als er dann am späten Nachmittag wieder zu sich kam, bemerkte er, daß er die ganze Zeit seine Uniform angehabt hatte, die nun alles andere als sauber aussah. Er zuckte mit den Schultern und verstaute sie in der Wäsche, zog statt dessen bequeme Freizeitkleidung an. Ein kurzer Blick aus dem Panoramafenster über seinem Bett zeigte ihm, daß sie nicht mehr mit Warp-Geschwindigkeit, sondern mit Impuls flogen. In weiter Entfernung war ein dunkler Punkt auszumachen, doch er war zu weit weg, als das man ihn eindeutig als ein künstliches Objekt hätte kennzeichnen können. Des weiteren war ein großer grüner Planet zusehen, der eine magische Anziehungskraft auf den Kommandanten ausübte, was wohl daraus resultierte, daß er seit Monaten nicht mehr Landurlaub gehabt hatte. Die nächste halbe Stunde genoß der Captain ein üppiges Mal, aus dem er neue Energie tankte. Dann holte er seine Quastra hervor, eine Art tirrionische Gitarre, und begann das erste Volkslied seiner Heimat zu spielen, daß ihm in den Sinn kam. Zakirk war überglücklich, als er eine flotte Melodie nach der anderen spielte. Dann spielte er ein neues Lied, sang es leise mit. Erst nach Minuten merkte er, daß er ein altes Trauerlied spielte, daß er während der Beerdigung seines Großvaters gehört hatte. Er spielte zu ende und wollte etwas neues singen, doch es fiel ihm kein fröhlicher Text mehr ein. Nur noch traurige Balladen kamen ihm in den Sinn. Bestürzt stellte er die Quastra zur Seite. Hatte ihn der Krieg so sehr verändert?<br>Minutenlang sinnierte Zakirk darüber, wie seine Zukunft aussehen würde, wen dies alles vorbei war...<br>Das Summen des Türmelders unterbrach seine philosophischen Gedanken. Commander John Lewinski trat ein, Zakirks langjähriger Freund. Wie mochte es dem Menschen angesichts dieser schwierigen Zeit ergehen?<br>"Captain, wir haben Deep Space Nine erreicht!"<br>"Deep Space Nine?" fragte Zakirk kurz, unfähig, sich seiner ursprünglichen Anweisung zu erinnern, "ja natürlich. Danke Commander. Docken sie an und geben sie dann bitte der Mannschaft Landurlaub."<br>Was der stets so zuversichtliche Kommandant verschwieg war, daß er nun auch einen Landgang gut gebrauchen konnte.<br><br>Für den kriegserfahrenen Commander John Lewinski war es ein sehr ungewöhnliches Gefühl, auf einer Raumstation zu sein, die von Cardassianern erbaut worden war. Ihre Architektur mit den dunklen Gängen, den vielen Treppen und den manchmal spitz zulaufenden Decken und Wänden erschien ihm suspekt, manchmal geradezu unheimlich. Es schien kein Wunder zu sein, daß so viele Personen sich auf dem Promenadendeck tummelten: alle versuchten wohl, vor der bedrückenden Enge der anderen Stationsteile zu fliehen. Für Lewinski war es rätselhaft, wie man hier Dienst tun konnte. Sicher, er kannte den politischen und auch den historischen Wert dieser Station, doch ihm war die Teneriffa, die seit mehr als zwanzig Jahren kannte, hundertmal lieber. Der gebürtige Kanadier spazierte auf der oberen Hälfte des Promenadendecks entlang, bewunderte die Aussicht auf die Sterne und Bajor. Ein wenig bedauerte er es, daß er wieder nicht das Wurmloch sehen konnte, für das er sich so interessierte. Angehöriger verschiedenster Spezies liefen an ihm vorbei, vornehmlich natürlich Sternenflottenmitglieder, gefolgt von Angehörigen der bajoranischen Miliz. John blieb kurz stehen. In einiger Entfernung, nahe dem oberen Eingang zu dem Etablissement mit dem klingenden Namen "Quark´s Casino" sah er eine ihm bekannte Person, den Chefarzt der Station. Lewinski hatte ihn während seines ersten Besuches auf Deep Space Nine kennengelernt und ihn als vernünftigen, souveränen Mann empfunden. Während John sich ihm zwecks einer Begrüßung näherte, sah er, wie eine hübsche junge Frau ( sie war ende zwanzig, Anfang dreißig) in einem aufgeregten Plausch mit Dr. Julian Bashir vertieft war. Offenbar überbrachte der Arzt ihr gute Neuigkeiten, denn sie freute sich und drückte Bashir einen freundschaftlichen Kuß auf, bevor sie ihn lächelnd verließ. Mit einem Hauch von Wehmut sah der Doktor ihr nach.<br>"Dr. Bashir! Erinnern sie sich noch," fragte John ihn, als er ihn an die Schulter faßte. Der Arzt drehte sich zu ihm um und kramte kurz in seinem Gedächtnis, bevor ein Lächeln sein Gesicht erhellte.<br>"Commander John Lewinski, natürlich! Wie geht es ihnen?"<br>"Etwas erschöpft und ihnen?"<br>"Auch."<br>Beide musterten sich kurz.<br>"Es gab wohl gute Nachrichten für die Dame?" fragte Lewinski und deutete in die Richtung, wohin sie gegangen war.<br>"Oh ja," antwortete Bashir mit einem Hauch Melancholie, "ich habe ihr eröffnet, daß sie und ihr klingonischer Mann ein Kind haben können."<br>"Interessant."<br>Lewinski konnte sich nur schwerlich solch ein Kind vorstellen. <br><i>Ein Klingone und eine Trill....</i><br>Während sie über die Promenade schlenderten, frischten die beiden alte Erinnerungen auf. <br><br>Das Gesicht erinnerte einen an einen Clown. Einem sehr kleinen Clown. Die Ohren schienen riesig zu sein, die Zähne waren nach menschlichen Maßstäben verkümmert und häßlich. Die Person verzog diese Zähne zu einem nicht ganz ehrlich gemeinten Lächeln und begrüßte seine neuen Gäste:<br>"Willkommen in meiner bescheidenen Bar. Ich bin Quark, der Eigentümer. Was darf ich den beiden Damen bringen?"<br>Cho´ha und Bola blickten sich leicht amüsiert an, während sie am Tresen Platz nahmen.<br>"Saurianischen Brandy?" fragte Quark den saurianischen Fähnrich, doch Cho´ha verzog angewidert das Gesicht.<br>"Kommen sie mir nicht mit diesem billigen Gesöff! Etwas Canar wird mir guttun."<br>Überrascht runzelte Quark die Stirn ( falls dies bei ihm überhaupt noch möglich war ) und blickte zu Bola. Die Bolianerin bestellte einen Scotch. Quark gab die beiden mehr als ungewöhnlichen Bestellungen in den Replikator ein und rieb sich erfreut die Hände. Ja, dies war ein Tag nach seinem Geschmack! Die ganze Bar war gefüllt von Offizieren der Sternenflotte, die tranken, aßen, Dabo spielten und sich entspannten. Der Ferengi nahm die Gläser aus dem Ausgabefach des Replikators und brachte sie den beiden jungen Frauen, bewahrte sie so vor dem Lurianer Morn, der die beiden Offiziere in eines seiner endlosen Gespräche verwickeln wollte.<br>"Danke," sagten beide, als sie ihr Glas nahmen und sich dann kurz umsahen, "das müssen ja prächtige Stunden für sie sein! So viel Betrieb hier."<br>"Ganz recht, ich kann schon das Latinum klimpern hören."<br>Quark frohlockte, als er an den Gewinn dachte. Vielleicht wurde es doch etwas aus seinem eigenen Mond. Dann mußte er sich nicht immer von Cousin Galer erniedrigen lassen. Quark nahm einige Gläser in die Hand und begann sie abzutrocknen.<br>"Sie wissen nicht zufällig, wieso so viele Schiffe der Sternenflotte hier versammelt sind?"<br>Vielleicht ließ sich mit einer solchen Information Profit machen. Aus den Augenwinkeln suchte Quark nach dem Formwandler Odo, doch der Sicherheitschef schien im Moment besseres zu tun zu haben, als seinen Lieblings-Ferengi zu ärgern.<br>"Glauben sie mir...Quark?" Der Ferengi nickte. "Glauben sie mir, Quark, selbst wenn wir die geringste Ahnung hätten, würden wir ihnen nicht mal im Traum davon erzählen!" antwortete Bola süffisant.<br>Na gut. Versuch Nr. 2!<br>"Meine Damen, ich sehe schon, sie sind viel zu intelligent, und natürlich auch zu schön, um ihr  lebenlang ihre Zeit in der Sternenflotte zu verschwenden. Es gibt andere Aufgaben, die ihnen angemessener wären"<br>"Die da wären?" fragte Cho´ha skeptisch und bemerkte Quarks Blick, der dem Dabo-Tisch hinter den beiden galt.<br>Beide Fähnriche drehten sich um und musterten die leichtbekleideten Dabo-Mädchen, die zur Zeit einen ziemlich widerlichen Barollianer umarmen musssten. Cho´ha und Bola drehten sich beide wieder um und warfen Quark einen vorwurfsvollen Blick zu, der die Achseln zuckte.<br>"Naja," sprach er zu sich selbst und machte sich auf den Weg, seinen Bruder Rom zusammenzustauchen, "es war einen Versuch wert gewesen!"<br><br>"Herein!"<br>Die OPS von Deep Space Nine war etwas ganz anderes als eine Brücke. Schon allein die Größe und Anordnungen der Konsolen war teilweise verwirrend. Hinzu kam die Leidenschaft der cardassianischen Erbauer für Treppen aller Art. Captain Zakirk schüttelte den Kopf. Wie konnte man hier nur freiwillig Dienst tun? Zum Glück hatte der Kommandant der Station Zeit für ihn. Der schwarze Mann erwartete ihn in seinem Büro und setzte ein ehrliches Lächeln auf, als der Tirrione den Raum betrat.<br>"Captain Zakirk! Ich hoffe, sie erholen sich gut."<br>Natürlich hatte auch Ben Sisko von den Taten des Kommandanten der Teneriffa gehört. Die Sternenflotte hatte im Nachhinein Verständnis für die Besatzung und hatte den Fronturlaub genehmigt.<br>"Ja, Captain, alles ist bestens. Bis auf eine Sache."<br>"Die da wäre?"<br>"Nun, Sir, ich finde es etwas ungerecht, daß wir wieder für eine Mission eingeteilt worden sind."<br>Sisko erhob sich aus seinem Sessel und verzog so das Gesicht, als hätte er geahnt, daß dieser Punkt zur Sprache kam.<br>"Captain Zakirk, ich habe Verständnis für die Lage ihrer Crew. Doch wir müssen endlich eine Wende in diesem Krieg herbeiführen. Aus diesem Grund greifen wir morgen das Chintokah-System mit allen zur Verfügung stehenden Schiffen an. Dazu gehört auch die Teneriffa"<br>Zakirk rollte mit den Augen.<br>"Die Mannschaft..."<br>"Ist übermüdet. Ich weiß. Dies ist bei uns allen so. Aber wir haben keine andere Wahl. Mir bleibt nichts anderes übrig, als ihren Antrag auf Befreiung für die Mannschaft abzulehnen."<br>Zakirk verließ das Büro ohne Umschweife. Er wußte, daß hier nichts mehr zu holen war.<br><br>Die gigantisch anmutende Flotte ging unter Warp. Über einhundert Schiffe der Romulaner, Klingonen und der Föderation gingen in Stellung. Zum ersten Mal in der Geschichte kämpften die ehemaligen Gegner Seite an Seite. Letzte Anweisungen wurden per Subraumfunk durchgegeben. Formationen wurden aufgestellt. Es hieß wieder einmal kämpfen, wieder sterben. Inmitten dieser großen Flotte mutete die Teneriffa geradezu unbedeutend an. Endlich war die Umgebung an Bord wieder erträglich. Die Temperatur war angenehm kühl und alle Bereiche an Bord waren sauber und aufgeräumt. Auf dem Wandschirm des Schiffes zeigten sich die Planeten des Chintokah-Systems und ihre Verteidigung: orbitale Kampfstationen.<br>"Wir sollten sie ausschalten," sagte Lewinski mehr zu sich selbst als zu seinem Kommandanten, "bevor sie ihre Funktion aufnehmen."<br>"Da stimme ich ihnen zu, Commander," erwiderte Captain Zakirk. Er hatte der Mannschaft sein Bedauern ausgedrückt, daß sie wieder in den Kampf geschickt wurden. Niemand hatte einen Vorwurf gegen ihn erhoben. Sie wußten, daß der Tirrione alles getan hatte, um die Teneriffa aus der Sache herauszuhalten. John Lewinski konzentrierte sich auf die nähere Umgebung. Alle waren bereit, warteten auf das Signal. Die Waffensysteme waren unter Energie gesetzt. Alle Offiziere waren auf ihren Posten. Alle warteten auf das Signal von Admiral Ross. <br>"Scanner-Kontakt," rief Fähnrich Barker ungewöhnlich laut, "ich orte cardassianische Schiffe, gefolgt von Jem´Hadar-Jägern. Sie nähern sich von backbord."<br>"Die Flotte wendet sich dem Feind zu," ergänzte Lieutenant Satak.<br>"Tun sie das ebenfalls."<br>Die Flotte war bereit, den Feind zu empfangen.<br>"Die Klingonen starten Abfangmanöver."<br>Das Bild auf dem Schirm zoomte heran und zeigte die klingonischen Schiffe, die auf die Jem´Hadar feuerten. Sie zerstörten problemlos die erste Linie...<br>Dann das unvorstellbare:<br>"Captain, die Jem´Hadar rammen die klingonischen Schiffe! Massive Verluste!"<br>"Was?"<br>Zakirk und Lewinski sprangen beide aus ihren Sesseln. Sie wussten, daß die genmanipulierten Krieger unerbittlich waren, aber einen solchen Massenexodus hatte man ihnen doch nicht zugetraut. Der Kollisionsalarm heulte auf.<br>"Die Jem´Hadar nähern sich der Föderationslinie, es ist wieder ein Kamikaze-Angriff!"<br>Fassungslos sah die Mannschaft, wie sich Dutzende kleine Schiffe des Dominion in die Föderationsschiffe stürzten. Flammen leckten von den Hüllen, es kam zu Explosionen, durch das halb geöffnete Interkom waren Dutzende von Hilferufen zu vernehmen. Es war ein Gemetzel...<br>"Jem´Hadar-Schiff direkt voraus! Aufschlag in 10 Sekunden!"<br>"Hart Steuerbord; auf Einschlag vorbereiten!"<br>Ein neuerlicher Alarm heulte durchs Schiff.  Lieutenant Satak versuchte die Anweisung durchzuführen, doch es gab zu viele Schiffe um die Teneriffa herum. Die schiere Masse des Ambassador-Klasse Schiffes verhinderte ein schnelles Ausweichen.<br>Fähnrich Barkers Stimme glich einem Kreischen.<br>"Aufprall in...<br>"Festhalten!" schrie Lewinski<br>Dann knallte es laut. Dutzenden von Mannschaftsmitgliedern zerriß es das Trommelfell. Das Schiff neigte sich zur Seite, die Hülle knirschte und brach. Konsolen explodierten, Schmerzensschreie auf der Brücke. Feuer züngelte über die Anlagen, die automatischen Löschsysteme fielen aus. John Lewinski spürte stechenden Schmerz, als er quer durch die Brücke geschleudert wurde und auf seinen Arm fiel, de mit einem lauten Knacken brach. Der Schmerz ließ ihn fast ohnmächtig werden. Der Wandschirm fiel aus, ebenso die Beleuchtung. Die Notsysteme funktionierten nur zu 20 Prozent.<br>Die schönen Reparaturen..<br>Ein grotesker Gedankengang von Lewinski, wenn man an den Ernst der Situation dachte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht richtete er sich auf, hielt sich an taktischen Station fest, um nicht umzufallen. Fähnrich Cho´ha lag neben der Station. Die Saurianerin rührte sich nicht.<br>"Bericht!" brüllte Lewinski<br>Das Heulen des Schiffes war fast nicht zu ertragen. Da! Vorne an der Konsole richtete sich jemand auf!<br>"Fähnrich Olivia Barker hier!"<br>Commander Lewinski ging zu ihr, untersuchte sie kurz. Die junge Frau hatte massive Verbrennungen im Gesicht.. Sie ruderte hilflos mit den Armen, kämpfte mit sich selbst. Lewinski schaute sich kurz um. Niemand sonst stand. Lieutenant Satak war tot. Grünes Blut vermischte sich mit der Hirnmasse, die aus seinem Schädel tropfte. <br>Es war schrecklich...<br>Der Captain! Wo war er? John schaute sich um. Der Rauch und das Feuer, der Lärm erschwerten im die Konzentration. Offenbar stand er unter Schock. Er sah nirgendwo den Skipper. Sicher war er unterwegs, um Verwundete zu versorgen. Oder doch nicht? Ein Gedanke reifte im ersten Offizier, nahm konkrete Formen an:<br>"Das Schiff verlassen, ich wiederhole: wir geben die Teneriffa auf!"<br>Er hatte gehofft, daß nie dieser Tag kommen würde. Das er für immer auf diesem Schiff dienen könnte. Daß er es eines Tages kommandieren würde. Nun war der Traum geplatzt. Er und Barker halfen sich gegenseitig, zu den Rettungskapseln zu gelangen. Nur wenige verließen die Teneriffa lebend. Nur 97 von knapp 800 Mann Besatzung. Es war ein Desaster. Für John Lewinski würde es auch in den nächsten Jahren nur schwer nachvollziehbar sein, wie die Sternenflotte die Einnahme des Chintokah-Systems als Erfolg bezeichnen konnte.<br><br>Vier. Vier Rangknöpfe. Der Rang eines Captains. Für John Lewinski war es jeden Morgen immer noch ein ungewöhnlicher Anblick.<br>Captain.<br>Er gehörte nun dazu. Viel zu früh. Mit seinen zweiundvierzig Jahren war John Scott Lewinski eigentlich in den besten Jahren für einen ersten Offizier. Doch die Sternenflotte sah dies anders. Sie mußte dies anders sehen. Trotz der guten Fortschritte in den letzten Wochen waren die Verluste hoch. Hochrangige Offiziere mußten ersetzt werden. In Kriegszeiten geschah es nicht selten, daß man innerhalb von einem halben Jahr zwei oder mehr mal befördert wurde. Totaler Krieg herrschte, alle verfügbaren Leute und Schiffe waren im Einsatz. Dies war auch der Grund, wieso John nach nicht einmal vier Wochen (wieder diese magische Zahl Vier!) Zwangsurlaub wieder in den aktiven Dienst gerufen wurde. In gewisser Weise begrüßte er diesen Schritt sogar. Hier, in Vancouver, im Haus seiner Schwester, verbrachte er zu viel Zeit mit Nachdenken. Gedenken. Raddy, Jenikins, Bola, Cho´ha, Satak, Zakirk. Namen die ihn ein lebenlang begleitet hatten. Namen, die nun nicht mehr ausgesprochen werden konnten. Weil keiner sich mehr angesprochen fühlen konnte. Weil sie tot waren. Viele Nächte lang hatte sich John gefragt, wie es nun weitergehen sollte. Ob es überhaupt weitergehen sollte. Wäre da nicht seine Familie gewesen, er hätte es vermutlich nicht geschafft. Doch er wurde gebraucht. Und John wollte gebraucht werden.<br>Lewinski betrat den riesigen Gebäudekomplex des Sternenflotten-Hauptquartiers. Vorbei an zahllosen Büros und Sicherheitskräften betrat er den Vorraum von Admiral Dawson. Seine Sekretärin bemerkte John, deutete mit einem entschuldigenden Blick auf die beiden wartenden, bewaffneten Sicherheitswächter. John kannte die Prozedur. Seit dem Krieg war sie Usus. Lewinski hob seinen Arm, so daß man ihm eine Blutprobe abnehmen konnte. Der Sicherheitsmann schüttelte kurz das kleine Glas mit Lewinskis Blut. Nichts, keine Veränderung. John Lewinski war kein Gestaltwandler. Er betrat das Büro des Admirals, der aus dem Fenster auf die jahrhundertealte Golden Gate Bridge blickte. Es überraschte Lewinski ein wenig, daß der Admiral eine altmodische Tür mit einem Türknauf hatte, die manuell aufdrücken mußte. <br>"Ah, Captain!"<br>Wieder diese ungewohnte Anrede. Der große schwarze Mann reichte Lewinski die Hand und bot ihm danach einen Sitzplatz an. John nahm danken an. Admiral Dawson kramte mit seinen großen Händen ein Padd heraus und schaute es sich an. Lewinski wußte von der direkten Art des Vier Sterne-Admirals, war also nicht von seinen Anweisungen brüskiert.<br>"Mr. Lewinski, ich muß es kurz machen. Ihr alter Akademie-Lehrer Admiral Kashari hat sie mit sofortiger Wirkung zum Geheimdienst der Sternenflotte versetzt. Dies sollte keine Schwierigkeit für sie sein, ich weiß von ihren gelegentlichen Geheimaufträgen auf der Teneriffa."<br>Lewinski zeigte keine Regung. Dies alles war Top Secret.<br>"Sie werden zum Admiral nach Starbase 67 fliegen, wo sie das Kommando über die neugebaute USS Monitor übernehmen werden. Ihre Crew wird ihnen zugeteilt. Sie können gerne Wünsche einreichen, ich werde sehen, was sich da tun lässt. Wegtreten!"<br>Die ganze Sitzung hatte nicht länger als drei Minuten gedauert. Sie veränderte aber sein Leben. Ein eigenes Kommando! Manche warteten jahrelang manchmal vergeblich darauf und er gehörte zu den Glücklichen. Zum ersten Mal seit fast vier Wochen empfand John Lewinski echte Freude. Wahrscheinlich war er zur Zeit die  glücklichste Person der Welt!<br><br><i>Ich bin die glücklichste Person der Welt!</i><br>Eine glasklare Erkenntnis von Jozarnay Woil. Der Antosianer nippte kurz an seinem Drink und versuchte unauffällig, einer der attraktiven Einwohner von Risa nachzuschauen. Was für ein Leben! Seit einem halben Jahr ließ es sich Jozarnay Woil auf dem Erholungsplaneten gutgehen. Sehr gutgehen. Naja, er hatte es ja schließlich verdient. Gemeinsam mit Captain Picard ein künstliches Wurmloch zu sprengen, nachdem ihn der Franzose aus der Gefangenschaft des Dominions befreit hatte, das war schon was! Und dann auch noch einen Gründer, der wohl wahrscheinlich die Föderation infiltriert hätte, erledigt. Ja, Chief Woil war ein Held. Vielleicht würde man ihn mit dem Christopher Pike-Orden auszeichnen. Oder zum Offizier machen. Besser, gleich zum Kommandanten!<br>Er gähnte herzhaft und strich seine langen Haare zusammen. Auf seiner Welt, Antos, waren sie ein Bekenntnis zur Spiritualität. Hätte er nicht seinen Glauben gehabt, so hätte ihn die Zwangsarbeit an dem Wurmloch vermutlich untergebracht. Jeden Abend meditierte Woil für einige Sekunden, gedachte den Tausenden von Opfern, die durch das Dominion umkamen. Er hatte es verdient, dies alles genießen zu dürfen....<br>Ein Schatten fiel auf den Chief. Woil blickte hoch und entdeckte eine attraktive Blondine.<br>"Ja?" fragte er lächelnd und erhob sich.<br>"Verzeihung, Jozarnay, aber ich habe hier eine Nachricht für dich!"<br>Der Antosianer runzelte mißmutig seine Stirn, als er das Padd entgegen nahm. Dann ließ er sich verärgert auf die Liege fallen. Die Frau legte sich zu ihm, fragte ihn besorgt:<br>"Liebling, was ist?"<br>"Süße, ich glaube, der Spaß ist nun leider vorbei!"<br>Die nächste Nacht würde es von den Nachbarn Ruhestörungen aufgrund der zahlreichen klingonischen, menschlichen, antosianischen und bolianischen Flüche geben, die Chief Woil ausstoßen würde.<br><br>Starbase 67 war die Kommandozentrale für alle möglichen Operationen in diesem Sektor. Mehrere hochrangige Admiräle hatten hier ihr Quartier, die Station hatte mehrere tausend Mann Besatzung und wichtige Einrichtungen waren hier vertreten. John Lewinski staunte über die schiere Größe der Anlage. Bevor er sich mit seinem alten Mentor Admiral Kashari treffen wollte, fuhr mit dem Turbolift auf Ebene 2, die strategische Ebene. Die Lifttüren öffneten sich und John bekam hunderte von Offizieren zu sehen, die sich in einem riesigen Raum tummelten, in einem lauten Ton diskutierten, aßen, lasen oder Karten studierten. Den Mann, den Lewinski suchte, fand er etwas weiter hinter dem Raum. Die gesuchte Person war Andorianer und hatte sich mit gut zwölf anderen Personen über einen Tisch gebeugt, der eine holographische Projektion des Raumsektors zeigte. Schiffe waren zu sehen, wo sich Flotten befanden, Planeten, Stützpunkte. Die Offiziere diskutierten lautstark, deuteten immer wieder auf die Projektion und schienen sich nicht einig darüber zu sein, was man tun sollte. <br>"Achtung!"<br>Jemand hatte Lewinski gesehen und die Gespräche verstummten. John bedeutete ihnen mit der Hand weiterzumachen. Er hatte sich inzwischen an den Respekt gewöhnt, den man ihm als Captain entgegenbrachte. <br>"Fähnrich Ardev," sprach er den Andorianer an, "kann ich sie kurz sprechen?"<br>"Klar!"<br>Beide, Mensch und Andorianer, gingen in eine etwas ruhigere Ecke. Kurz musterte Lewinski seinen Gesprächspartner. Der Fähnrich war Mitte Zwanzig, nach menschlichen Maßstäben, und trug sein weißes Haar sehr kurz. Das Feuer der Jugend brannte in seinen Augen.<br>"Mr. Ardev, bin Captain John Lewinski. Sie werden ab sofort als Einsatzoffizier auf der Monitor dienen."<br>Hatte John erwartet, daß sich Ardev über diese Beförderung freute, so täuschte er sich. Der Andorianer rollte mit den Augen und stemmte die Hände in die Hüften.<br>"Ist etwas, Fähnrich?"<br>"Bei allem Respekt, Sir, aber ich bin sauer! Ich bin Wissenschaftsoffizier. Aber wegen diesem dummen Krieg wurde ich, ohne gefragt zu werden, zu einem OPS-Offizier gemacht."<br>Dabei fasste er sich mit der einen Hand an den gelben Kragen.<br>"Das ist die falsche Farbe für mich, Sir!"<br>Lewinski lachte kurz.<br>"Nun, wir alle müssen unsere Opfer bringen, Mr. Ardev!"<br>"Sir," erwiderte Ardev und wirkte nun ganz sanft, "lassen sie sich versichert sein: ich werde nie ihm Leben ein guter Einsatzoffizier für sie sein können. Das ist nicht mein Platz!"<br>"Ach," entgegnete Lewinski und schlug ihm kameradschaftlich auf die Schulter, "das schaffen sie schon, Fähnrich! Packen sie am besten schon mal ein!"<br>Das konnte ja heiter werden! <br><br>Admiral Kashari hatte im Laufe seiner Karriere nichts an Würde verloren. Der alte Zakdorn, Lehrer und Förderer von Lewinski, seit er die Akademie verlassen hatte, schien für diesen Rang geboren worden zu sein. Sein Büro an Bord von Starbase 67 war spartanischer als das von manchem Vulkanier, sein Blick war zwar nicht kalt, aber fixierend. Captain Lewinski fühlte einen Heidenrespekt vor dem alten Mann. Dem Fenster, daß den stellaren Nebel Y-11 zeigte, der in schillernden Farben leuchtete, schenkte Kashari keine Beachtung. Statt dessen blickte er zu seinem Wandschirm, der das Innere des Hafens der Station zeigte.<br>"Sie ist wundervoll, nicht wahr?"<br>Lewinski folgte dem Blick des Admirals, erblickte schließlich sein Schiff. Defiant-Klasse, Registrierungsnummer NCC-75001. USS Monitor, der Name war die Mission. Wie Bienen schwirrten kleine Ingenieursfluggeräte über das Schiff, nahmen letzte Verbesserungen vor. Lewinski schaute genauer hin. Etwas war anders, bei diesem Schiff. Seinem Schiff.<br>"Ah, ich sehe, was los ist," erkannte Kashari und lächelte hintergründig, "das Schiff hat überhaupt keine Erkenneungssymbole! Namen, Nummern, Farben (bis auf das Duranium) fehlen. Ihr Job erfordert Diskretion."<br>"Natürlich, Sir."<br>Lewinski atmete tief durch. Sein Schiff, sein Abenteuer.<br>"Ich denke, es wird Zeit, sie nun zu briefen."<br>Kashari nahm an seinem ungemütlich wirkenden Sessel Platz und faltete die Hände. Lewinski nahm naturgemäß ihm gegenüber Platz. Er kannte den Zakdorn schon seit seinen Akademie-Tagen. Schon damals hatte der Admiral die Kommandofähigkeiten des jungen Menschen erkannt und ihn in dieser Richtung gefördert. Er war sein Schinder gewesen, aber auch seine Stütze. Lewinski war ihm immer noch dankbar für seinen Beistand.<br>"Nun, John, ich bedaure, daß ihrer erste Mission gleich so heikel sein muß. Sie sollen den cardassianischen Doppelagenten Gorat, der eine wichtige Informationsquelle für uns darstellt, zurück nach Cardassia Prime bringen."<br>Nun schluckte Lewinski. Gleich eine Mission tief ins Herz des Feindes?<br>"Sir, bei allem Respekt, wie sollen wir das schaffen?"<br>"Was? Ach ja, sie wissen ja noch nicht Bescheid. Aufgrund eines Abkommens mit den Romulanern konnten wir eine Tarnvorrichtung in die Monitor einbauen. Am Anfang ist es etwas gewöhnungsbedürftig, aber dann werden sie sie nicht mehr ausschalten wollen."<br>Eine Tarnvorrichtung? Dies wurde immer aufregender...<br>"Sie starten schon in drei Stunden. Haben sie noch Fragen?"<br>"Ist der Agent...Gorat, schon an Bord? Und ist er vertrauenswürdig?"<br>"Ja. Er hat zudem die Top Secret-Einstufung. Vielleicht sollten sie ihn aufgrund seiner Kenntnisse auf der Brücke lassen, als Hilfe."<br>Lewinski nickte. Es war alles gesagt. Er konnte es kaum noch abwarten, bis es los ging. Als er gerade auf dem Weg zur Tür war, fiel ihm doch noch eine letzte Frage ein:<br>"Sir, wieso verrät ein Cardassianer sein Volk?"<br>Kashari lehnte sich bei dieser Frage weit im Stuhl zurück.<br>"Sagen wir einfach, er korreliert nicht ganz mit den Plänen des Dominion. Das wäre alles, Captain!"<br>Lewinski nickte. Es konnte losgehen.<br><br><i>Computerlogbuch der Monitor<br>Captain John Lewinski<br>Mein erstes Schiff ist ein Traum. Es ist kraftvoll, wendig, die Besatzung trainiert. Ich freue mich auf den baldigen Start. Zu meiner Besatzung zählen mein Freund Lieutenant-Commander Bruce Land und mein ehemaliger Akademielehrer Lieutenant T´Per. Bruce wird für die Conn verantwortlich sein, während mein vulkanischer Freund mein erster taktischer Offizier sein wird.<br></i><br>Der Lift fuhr in Richtung Brückenebene. Die beiden Insassen, John Lewinski und Lieutenant Engus, musterten sich gegenseitig. Es war daß erste Mal für Lewinski, daß er einen Tiburoner an Bord hatte. Die riesigen, fast schon flossenartigen Ohren seines Wissenschaftsoffiziers faszinierten ihn. Engus seinerseits schien sich zu fragen, wie ein Mann wie Lewinski überhaupt das Kommando über ein Schiff bekommen konnte. Der Lieutenant bemerkte den Blick Lewinskis, der auf seine Ohren gerichtet war und fragte unhöflich:<br>"Ist etwas?"<br>"Gar nichts," antwortete Lewinski und überlegte sich kurz, wie er das Eis brechen konnte, "ich habe mich gefragt, ob sie den Witz kennen..."<br>"Welchen...Sir?"<br>Die Art, wie Engus das Sir aussprach, zeigte, wie wenig er von seinem Kommandanten und seiner Art hielt.<br>"Na sie wissen schon," meinte der Captain und schien sich plötzlich zu ziemen, "große Ohren, große..."<br>Engus drehte sich demonstrativ weg.<br>"Ich kenne ihn. Er ist geschmacklos."<br>"Natürlich."<br>Unangenehme Stille verbreitete sich, die so lange anhielt, bis der Lift sein Ziel erreicht hatte. Beide, Captain und Tiburoner schritten in Richtung Brücke. Ein weiteres Mal genoß Lewinski sein Schiff. Alles an ihm gefiel ihm, das Aussehen, die Crew, die Verarbeitung. Nur die Umstände, unter denen er die Monitor bekommen hatte, gefielen ihm nicht. Der Krieg dauerte zu lange, verursachte zu viel Schaden. Nach den anderthalb Jahren kam es John immer noch fremd vor, einen Phaser während des Dienstes zu tragen. Sein Gewicht, seine bloße Präsenz, schien ihm ungewöhnlich. Natürlich, die Sternenflotte existierte, um die Föderation zu verteidigen, aber war die Hauptaufgabe nicht, friedlich die Galaxis zu erkunden. Mit einem schalen Beigeschmack erinnerte er sich daran, daß auch die Teneriffa ein Kriegsschiff gewesen war, gebaut, um sich auf den unvermeidlich scheinenden Konflikt mit den Romulanern vorzubereiten, die immer wieder die Neutrale Zone verletzt hatten. Zwei Schiffe in seinem Leben, beide gebaut, um zu kämpfen. War es das, was er sich in seinem Leben erhofft hatte?<br>Die Brückentür öffnete sich zischend und trennte Lewinskis Geist von seinen Überlegungen. Sie schienen plötzlich wie weggewischt. Alle waren bereit, jeder saß an seiner Position. Lewinski betrat nun die Brücke, nickte dem Offizier an der Navigationskonsole, Bruce, zu. Er würde sich später mit seinem Freund unterhalten. Nun galt es, einen anderen, der stoisch an seiner Konsole saß, zu begrüßen.<br>"T´Per!"<br>"In der Tat!"<br>Der Vulkanier hob überrascht die Augenbraue und schien sich ein weites Mal in seinem langen Leben ( genau 199 Jahre ) zu fragen, wieso Menschen aus Begrüßungen ein solches Theater machten. Lewinski begrüßte seinen alten Lehrer lächelnd und fragte ihn, wie es seiner Familie ginge, eine Frage, die T´Per mit Gut beantwortete. Während er diesem Smalltalk nur minimale Aufmerksamkeit zuwandte, dachte der Lieutenant statt dessen darüber nach, wie sie sich kennengelernt hatten. Lewinski, ein junger Kadett und T´Per, ein taktischer Offizier, der den Schülern einiges über Kampftaktiken beibringen sollte. Lewinski war ein guter Schüler gewesen, war schon früh T´Per aufgefallen. Beide spielten später für die Basketballmannschaft der Akademie, eine Sportart, die nur sehr selten von Vulkaniern gespielt wurde. Beide hatten sich als fähige Kräfte erwiesen und daher hatte er, auch wenn T´Per dies niemals zugeben würde, auch aus sentimentalen Gründen eingewilligt, auf diesem Schiff zu dienen. Seine Frau und seine Kinder hatten ( natürlich ) diesen Wunsch vorbehaltlos akzeptiert und ihm alles Gute gewünscht.<br>Lewinski beendete das kurzes Gespräch und klopfte auf seinen Kommunikator.<br>"Lewinksi an Chief Woil!"<br>"Sprechen sie!"<br>"Ist alles bereit?"<br>Woil schaute sich kurz im sehr kleinen Maschinenraum um und nickte. Der Warpkern pulsierte ruhig vor sich hin, die Ingenieure ( Gott sei Dank waren keine Offiziere unter ihnen! ) nahmen letzte Diagnosen vor. Auch wenn der Antosianer mehr als sauer darüber war, daß sein Urlaub so abrupt zu Ende gegangen war, freute er sich doch ein wenig über die Verantwortung, die er nun trug. Vielleicht konnte er sich später ja mal mit dem Kommandanten aussprechen.<br>"Ja, alles klar hier unten!"<br>Der Kommandant bemerkte, daß Woil kein Sir an das Ende des Satzes gestellt hatte und fragte sich kurz, ob überhaupt irgend jemand auf diesem Schiff seine Autorität respektierte. Ein weiteres Problem, daß man noch später lösen mußte. Ebenso wie die Besichtigung der Krankenstation. Dr. Frasier hatte mehrmals darauf hingewiesen, daß noch nicht alle Geräte in der notdürftig installierten Station angeschlossen waren.<br>"Mr. Ardev, erbitten sie Starterlaubnis und öffnen sie einen internen Kanal."<br>"Kanal offen."<br>Der Andorianer hatte nicht noch einmal darauf hingewiesen, daß er nichts von sich selber auf diesem Posten hielt. Ein Zeichen, daß er nun an sich glaubte?<br>"An die Besatzung, hier spricht der Captain," begann John Lewinski und versuchte, eine selbstbewußte Pose einzunehmen, "der große Moment ist gekommen: wir brechen zu unserer Mission auf. Eine Mission, die wichtig ist, wichtig für die gesamte Föderation. Ich weiß, daß ich mich auf sie alle hier verlassen kann. Sie alle sind hier, weil sie die besten ihres Fachs sind. Ich vertraue darauf, daß alle ihr bestes geben. Um dahin zu gehen, wo noch nie ein Mann zuvor gewesen ist...nach Cardassia!"<br>T´Per drehte sich ruhig in seinem Stuhl um.<br>"Captain, darf ich darauf hinweisen, daß sie eine Abwandlung des..."<br>"Ich weiß, T´Per," antwortete der Mensch und rollte mit den Augen, "Kanal schließen. Commander Land, tarnen sie das  Schiff."<br>Die Brückenbeleuchtung wurde abgedunkelt, als die romulanische Technik zum Einsatz kam. Alle auf der Brücke warfen ein paar kurze Blicke an die Decke. Für jeden war es etwas ungewöhnliches, auf einem Schiff mit einer Tarnvorrichtung zu dienen.<br>"Wir können das Tor nun verlassen," meldete Land.<br>"Bringen sie uns nach Cardassia Prime, Mr. Land, Warp 7!"<br>Die großen, schweren Hangarschotts von Starbase 67 öffneten sich.  Die Flugschneise war freigeräumt, der Verkehr gesperrt worden, damit niemand mit dem unsichtbaren Schiff kollidierte. Kein Spion oder kein Satellit konnte überhaupt den Start eines Raumschiffs registrieren. <br>Das Abenteuer begann.<br><i>Persönliches Logbuch des Captains<br>Unsere Reise hat begonnen. Es ist aufregend! Schon jetzt habe ich eine Ahnung, wie kompetent meine Mannschaft ist. Bis wir in den nächsten Tagen unser Ziel erreichen, werde ich eine gründliche Insepektion meines Schiffes vornehmen, wobei Bruce Land, der mein erster Offizier ist, mir behilflich sein wird. Ich bin mehr als froh, mit ihm und T´Per einige bekannte Gesichter unter meiner Mannschaft zu haben.</i><br><br>Lieutenant-Commander Bruce Land war Brite aus der Nähe von Liverpool. Allerdings war er, im Gegensatz zu vielen anderen Europäern, nicht traditionell erzogen worden, weswegen er keine spezielle Bindung zu seiner Familienvergangenheit hatte. Im nachhinein bedauerte er dies natürlich, insbesondere dann, wenn Kollegen über ihre Familien sprachen. Dafür war er ein ausgezeichneter Pilot. Schon als er klein war, war für ihn klar gewesen, daß er mal ein Raumschiff steuern wollte. Nun, nach fast fünfzehn Jahren in der Sternenflotte, stellte er sich einer neuen Herausforderung: Kommandoerfahrung. In der Zukunft wollte Bruce Land nicht nur Raumschiffe fliegen, sondern sie kommandieren. Daher war es für seine Karriere mehr als wichtig, daß er nun ( zum ersten Mal in seinem Leben ) der Erste Offizier dieses Schiffes war. Falls er diesen Krieg überlebte, würde er...<br>Schnell verscheuchte Land diesen Gedanken. Es brachte Soldaten kein Glück, wenn sie an ihrer Zukunft zweifelten. Man mußte den Mut haben, fähig sein, an die nächsten Jahre zu glauben. Zu den ersten Aufgaben, die ihm als Stellvertreter des Captains zufiel, war der Besuch ( wenn man böse war, konnte man auch sagen, Inspektion ) des Passagiers an Bord. Des cardassianischen Passagiers. Dies hatte irgendwie einen seltsamen Beigeschmack. Land hatte nie etwas gegen Cardassianer gehabt, auch nicht, nachdem er im ersten Krieg gegen sie gekämpft hatte, nichtsdestotrotz war es irgendwie unwahr, einen von ihnen nun an Bord zu haben.<br>Gorat hatte sein kleines Quartier gänzlich verdunkelt. Aus Respekt vor seiner Aufgabe hatte man ihm eine der wenigen Einzelkabinen gegeben. Der Cardassianer schien Lands Ankunft erwartet zu haben, denn der Agent saß auf einem Stuhl an der Wandseite, so, daß selbst das einfallende Licht aus dem Flur seinen Körper nur bis zum Hals zeigte. Die Konturen des Kopfes waren nur zu erahnen. Land war etwas nervös, als er vor der geöffneten Tür stehen blieb und den Mann anstarrte. Irgendeine Barriere hinderte ihn daran, diesen Raum zu betreten. Gorat trug die übliche dunkle cardassianische Uniform und schien seinerseits den ersten Offizier zu beobachten. Seine Hände ruhten ruhig auf den Lehnen.<br>"Mr. Gorat, ich bin hier, um nach eventuellen Wünschen oder Problemen zu fragen."<br>"Ich habe keine."<br>"Möchten sie spezielles cardassianisches Essen?"<br>"Nein."<br>Die Antwort war nicht unfreundlich oder harsch, Gorat hatte völlig neutral, ganz im Stil eines Vulkaniers geantwortet.<br>"Hmmm..."<br>Dieses Benehmen des Agenten überraschte ihn. Bisher hatte er Cardassianer immer als redegewandt und auch arrogant kennengelernt, doch dieser Agent war ganz anders. Vielleicht war dies auch der Grund, wieso er sein Volk verriet.<br>"Falls sie mich brauchen," informierte ihn Land noch einmal, "zögern sie nicht, die Brücke zu kontakten. Überhaupt denke ich, daß ihre Anwesenheit dort erwünscht sein wird, wenn wir uns Cardassia nähern."<br>"Verstanden."<br>"Sie reden wohl nicht viel?"<br>"Korrekt."<br>Der Mensch beschloß, seinen Gast nicht mehr länger zu belästigen. Egal wie wertvoll seine Informationen auch waren oder wie kompetent der Cardassianer als Doppelagent auch war, ein guter Rhetoriker würde er nie werden!<br><br>Zum ersten Mal hatte sich die ganze Führungsmannschaft im kleinen Bereitschaftsraum des Captains versammelt. Es war ein unverzeihlicher Konstruktionsfehler, daß es kein Konferenzzimmer an Bord gab. Vielleicht, so fand Lewinski, mußten diese Treffen im Casino stattfinden. Alle bis auf Dr. Frasier, die durch ihre Arbeit entschuldigt war, hatten sich eingefunden. John Lewinski hatte seine Crew ausreichend über die Mission informiert und sich deren Kommentare angehört. Dann hatte er Lieutenant T´Per angewiesen, die Kampfsysteme auf Vordermann zu bringen, während Ardev und Engus einen sicheren Weg durch das Raumgebiet des Dominions erarbeiten sollten. Der Tiburoner schien immer noch nichts von seinem Kommandanten zu halten; Engus zeigte sich unhöflich und unfreundlich. Auch Chefingenieur musterte seinem Captain immer wieder mit einem seltsamen Blick. Die Offiziere verließen nach gut zehn Minuten wieder den Raum, bis auf Lieutenant-Commander Land, de demonstrativ sitzen blieb, eine Geste, die keinen Ärger bei Lewinski hervorrief.<br>"Endlich sind wir mal alleine."<br>"Ja," murmelte Lewinski und blätterte in einer Akte, "es gibt immer noch viel zu tun."<br>Dann deaktivierte er den Computer und blickte zu seinem ersten Offizier.<br>"Und, wie geht’s dir so?"<br>"Die letzte Zeit war okay," antworte Bruce und schaute leicht grübelnd zu Boden. "Gleich zu Anfang des Krieges, wurde mein Schiff, die Fearless zerstört. Danach durfte ich bis letzte Woche Frachtflüge von der Orbitalstation Ramsey runter nach Danos 2 übernehmen. Wie du dir vorstellen kannst, war es alles andere als spannend gewesen. Dies ist das erstem mal seit anderthalb Jahren, daß ich wieder an der Front bin. Wie ist es dir ergangen?"<br>Der Schmerz, den er so lange verdrängt hatte, kehrte in John Lewinskis Bewußtsein zurück. Wieder erinnerte er sich an den Verlust seiner Freunde, seines Kommandant und an sein Schiff. Lange Zeit hatte er darüber nachgedacht, was schief gelaufen war. Die Überlegungen hatten jedoch nur einen Schluß zugelassen. Daß sie es nicht hätten verhindern können. Die Teneriffa hatte nicht irgendeinen Fehler gemacht, wodurch sie zerstört worden war. Nein, es war nur einfaches Kalkül gewesen. Die Cardassianer hatten eine Linie im Chintokah-System gezogen und die Föderation hatte sie überschreiten müssen. Es hatte keinen Raum für taktische Planspiele oder dergleichen gegeben. Es hieß einfach nur durchbrechen. Daß dabei die Teneriffa zerstört worden war, war ein Zufall gewesen. Nicht mehr als Pech.<br>Diese Erkenntnis zu verkraften, hatte am meisten Zeit gebraucht. Die Erkenntnis, daß sie es auch hätten schaffen können, die Chance betrug 50:50. In einem anderen Universum würde Zakirk wahrscheinlich noch leben, hier jedoch nicht.<br>John hatte Fähnrich Cho´ha einen Posten auf der USS Excalibur vermittelt, die weiterhin ihre humanitäre Mission im Sektor 221-G fortführte. Dort war die Chance, au Dominion-Schiffe zu treffen, mehr als gering. Fähnrich Cho´ha würde sich dort akklimatisieren können, bis sie sich wieder in der Lage fühlte, den Dienst aufzunehmen. Doch John konnte sich keine Auszeit gönnen. Er war nun der Captain.<br><br>Der Weltraum war unendlich. Vor einer unermeßlichen langen Zeit enstanden, beherbergte er die Planeten auf, denen Leben in tausendfacher Variation enstandt. Im Weltall gab es Nebel von unermeßlicher Schönheit, die Tausende von Jahren lang glühten. Schiffe rasten durchs All, unterschiedlichen Alters und Größe, bereit, die Insassen zu ihrem Bestimmungsort zu bringen. Zivilisationen und Imperien entstanden in diesem lebensfeindlichen Vakuum, vergingen dann wieder, um schließlich aufs Neue wiedererweckt zu werden. All dies interessierte das Weltall nicht. Es existierte weiterhin. Es kümmerte sich auch nicht darum, daß vor langer Zeit irgend jemand einmal eine Linie auf einer Karte gezogen hatte, die das All darstellen sollte. Diese Linie überschritt die Monitor gerade. Es war die Linie, die zwei bedeutenden Zivilisationen voneinander trennte. Auf der einen Seite gab es die Vereinigte Föderation der Planeten, ein interstellares Bündnis von hunderten von Welten, auf der anderen Seite der Linie, existierte die Cardassianische Union, ebenfalls ein Bündnis vieler Welten, doch nicht alle hatten sich ihr friedlich angeschlossen. <br>Vom Standpunkt der Crew der USS Monitor aus gesehen, befand man sich nun auf der falschen Seite der Linie...<br><br>Die Brücke war abgedunkelt worden, ein Zeichen dafür, daß die Tarnvorrichtung aktiviert war. Vielleicht sollte es die Besatzung daran erinnern, daß man vorsichtig vorgehen sollte, aber einen wirklich offiziellen Grund gab es eigentlich nicht. Gut, es wurde die Energie allgemein reduziert, um eine Entdeckung zu verhindern, doch das war’s auch schon. Überhaupt kam diese Fähigkeit der Crew der Monitor im Moment äußerst gelegen. Die meisten anwesenden Offiziere auf der Brücke blickten mit unterschiedlichsten Gesichtsausdrücken, die hauptsächlich aus Neugier, Wut, Bewunderung und Angst bestanden, auf den Wandschirm. Dieser zeigte Cardassia Prime. Es war lange her, daß ein Föderationsraumschiff so tief in das Gebiet des Dominions eingedrungen war. Der braune Planet strahlte eine einladende Wärme aus, was wohl auch an dem tektonischen Pulsieren des Planten lag. Lewinski blickte kurz neben sich zu Gorat, der nun auf der Brücke anwesend war, um Commander Land bei der Lotsung durch das cardassianische System zu helfen. Der erste Offizier selbst widmete dem Bild des Planeten keine einzige Sekunde, er war viel zu sehr damit beschäftigt, das Schiff so zu steuern, daß es nicht entdeckt wurde. Atemlose Spannung herrschte, man mußte dies einfach unumwunden zugeben. Captain Lewinski hatte seinen Kopf auf der linken Hand abgestützt, während er mit der rechten ein altes Lied auf der Armlehne des Sessels trommelte. Es war ein alter andorianischer Blues. Vielleicht würde es Fähnrich Ardev gefallen, mit seinem Kommandanten eine kleine Nummer zu spielen. Der gute Captain wußte damals noch nicht, daß Ardev, als Angehöriger einer neuen Generation, nichts langweiliger fand als den alten Blues seines Heimatplaneten, doch dies würde sich noch aufdecken. Überraschenderweise musterte auch Lieutenant T´Per den Planeten Cardassia. Als echter Vulkanier UND als taktischer Offizier versuchte er so viele Daten wie möglich über ihr Ziel zu sammeln wie möglich, sei es auf visueller oder sensorischer Art. Rund um Cardassia Prime waren Dutzende von Docks, Tausende von Satelliten und hunderte von Schiffen angeordnet, doch niemand schien von der getarnten Monitor Notiz zu nehmen. Lewinski beschloß, die Stille zu durchbrechen:<br>"Das ist zu leicht."<br>"Captain?" fragte Engus und stieß einen stummen Fluch aus. Konnte sein Captain nicht einmal dankbar für das Glück sein, daß ihm die Götter schenkten? Lewinski seinerseits bemerkte das aufgeregte Wackeln der tiburonischen Ohren seines Wissenschaftsoffiziers und seufzte leise. Nicht nur die Mission bereitete ihm Sorgen, sondern auch das zwischenmenschliche an Bord des Schiffes. Viele junge Kommandanten unterschätzten diesen Aspekt, doch eine Mannschaft konnte nur dann hundert Prozent Leistung bringen, wenn sie sich wohl fühlte. Lieutenant Engus war ein eindeutiger Störfaktor. Der fast 55 Jahre alte Mann war auf der gesamten Reise mürrisch gewesen, hatte nie ein einziges gutes Wort an der Besatzung gelassen und blickte unfreundlich. Fairerweise mußte man ihm auch zugestehen, daß er seine ihm zugeteilten Aufgaben meisterlich erfüllte. Doch zurück zu der aktuellen Problematik: Lewinski kam es wirklich zu leicht vor. Auf den ganzen langen Flug durch das Gebiet des Dominion waren sie kaum Patrouillen begegnet und auch Cardassia Prime schien eher mit einer Art Lustlosigkeit verteidigt zu werden. Garot hatte, in den für ihn anscheinend üblichen, wenigen Worten erklärt, daß viele Schiffe an der Front waren, um das Chintokah-System zurückzuerobern. Auf Lieutenant-Commander Lands Frage, wieso die Cardassianer keine Tachyonen-Ortungsgitter benutzten, um getarnte romulanische und klingonische Schiffe aufzuspüren, wußte der Agent jedoch auch keine Antwort, auch wenn Garot dieses Eingeständnis schwer gefallen war. <br>"Treten nun in Umlaufbahn ein," meldete Land.<br>"Keine Anzeichen dafür, daß man uns entdeckt hat," ergänzte T´Per mit einer seelenruhigen Stimme, so als ob dies ein gemütlicher Studienausflug wäre. Doch dies sollte es eigentlich gar nicht sein, es war in Wirklichkeit eine mehr als heikle Situation! So sollte es zumindest sein; die Cardassianer agierten aber nicht auf diese Weise.<br>"In zehn Minuten erreichen wir Transportkoordinaten," erinnerte Ardev seinen Captain. Der Andorianer hatte sich inzwischen an seine Aufgabe gewöhnt. Auch wenn er immer noch der Meinung war, daß er kein guter OPS-Offizier war, so arbeitete er mehr als zuverlässig. Lewinski hoffte, daß der Fähnrich bald seine Meinung über sich ändern würde.<br>"Ich schlage vor, Mr. Garot, sie gehen nun in den Transporterraum und bereiten ich auf den Transfer vor. Vielen Dank für ihre Hilfe bei der Navigation."<br>"Ja."<br>Mehr nicht. Kein Danke oder Gern geschehen, sondern einfach nur Ja! Wieder seufzte Lewinski. Inzwischen war er mehr als überzeugt davon, die wahrhaft seltsamsten Individuen in der ganzen Sternenflotte an Bord seines Schiffes zu haben!<br><br><i>Computerlogbuch der Monitor<br>Captain John Lewinski<br>Nachtrag<br>Mission Alpha ist abgeschlossen worden. Der Agent Gorat ist sicher nach Cardassia Prime zurückgekehrt und wird dort seine Spionagetätigkeit wieder aufnehmen. Wir befinden uns auf dem Rückflug zur Starbase.<br><br>Persönliches Logbuch<br>Lieutenant-Commander Bruce Land<br>Verdammt, das stinkt zum Himmel! Ich teile die Sorgen des Captains. Die Passage durch den cardassianischen Raum war viel zu einfach. Keine Ortungssysteme, nur wenige, nachlässige Patrouillen und kaum Truppenbewegungen innerhalb des Systems. Nicht einmal mußten wir unter Warp gehen oder uns verstecken, alles lief wie geschmiert. Ob wir nur Glück hatten oder mehr dahinter steckt, das kann keiner von uns beantworten.<br>Mein neues Schiff gefällt mir. Es fliegt sich wunderbar und ist optimal ausgestattet. auch die Crew scheint genau die richtige Mischung aus Erfahrung und Enthusiasmus zu haben. Nun gut, bis auf Lieutenant Engus und Fähnrich Ardev, die sich im Laufe der letzten Tage öfters in die Haare geraten sind. Ich bereue nicht meine Versetzung hierher. Als Erster Offizier werde ich nun auch endlich die Gelegenheit erhalten, wertvolle Kommandoerfahrung zu sammeln. Wer weiß, vielleicht ist die Monitor mein Sprungbrett zu einem eigenen Schiff...</i><br><br>"Es ist wunderschön."<br>Diese Ansicht, die ausgerechnet vom mürrischen Engus ausgesprochen worden war, wurde von allen auf der Brücke geteilt. Der Wandschirm zeigte den Y-556 Nebel, ein blau schimmernder Nebel innerhalb des cardassianischen Systems, der ihre Passage zurück in die Föderation noch mehr verschleiern könnte. Jedermann an Bord war froh über diese kleine Hilfestellung, die ihnen das Universum gewährte. Einmal in dem Nebel, würde niemand, der sich ausserhalb von Y-556 befand, die Monitor orten können. Zwar würde man die Tarnvorrichtung aufgrund einiger technischen Besonderheiten deaktivieren müssen, doch was machte dies schon?<br>"Soll ich Kurs fortsetzen?" fragte Land heiter und drehte seinen Stuhl zum Kommandanten. Doch John Lewinski gab keine Antwort. Statt dessen blickte er mit verschränkten Armen nur zum Wandschirm und runzelte die Stirn.<br>"Sir?" fragte Ardev leise, doch der Captain schien sich nicht ablenken lassen zu wollen.<br>"Umfliegen sie den Nebel."<br>Mit dieser Anweisung hatte niemand gerechnet, nicht einmal Lewinski selbst, doch irgendwie traute er dem Frieden nicht. Es gab keine Anzeichen auf den Sensoren oder sonst irgend etwas in dieser Hinsicht, doch es kam ihm etwas mysteriös an Y-556 vor.<br>"Captain..."<br>"Mr. Land, umfliegen sie den Nebel. Bitte."<br>Irritiert bestätige der Navigator den Befehl und gab einen neuen Kurs ein. Er wollte nicht gegen diesen Befehl protestieren, er und alle anderen vertrauten dem Captain. Bis auf einem.<br>"Sir, bei allem Respekt, den Nebel zu umfliegen verlängert unsere Rückreise um zwei Tage," polterte Engus und stand auf. Seine Wut zeigte sich an den heftig pulsierenden Ohren. John Lewinski blickte ihn kalt an.<br>"In mein Büro, Lieutenant."<br>"Ich muß energisch Protest einlegen..."<br>"In mein Büro, sofort!"<br>Lewinski hatte eigentlich nicht so laut werden wollen. Doch dies schien ihm die einzige Möglichkeit zu sein, den Redefluß seines wissenschaftlichen Offiziers einzudämmen. Bevor beide im Bereitschaftsraum verschwanden, blickte der Kommandant noch einmal zu Land, der wiederum nickte. Commander Land kannte Lewinski schon lange und in all dieser Zeit hatte John noch nie seine Befehle revidiert, egal worum es je dabei gegangen war.<br>Wie auch immer, die beiden Strethähne sammelten sich im kargen Bereitschaftsraum des Captains. Der Raum hätte sich genauso gut auf einem klingonischen Kreuzer befinden können, denn immerhin fehlten ihm die meisten Annehmlichkeiten, die andere Büros aufwiesen. Ein kleines Fenster ( Bullauge wäre wohl angemessener ), ein Tisch, zwei Sessel, die davor und dahinter standen ( obwohl es mehr Stühle waren ) und eine kleine Couch an der rechten Wandseite. Das war´s auch schon. Spontan hatte sich John Lewinski dazu entschlossen, gleich nach der Beendigung der Mission einen Replikator für sein Büro anzufordern. In Anbetracht der Umstände schien diese karge Landschaft genau die richtige Landschaft für die beiden Gesellen zu sein. Um Selbstsicherheit auszustrahlen, umrundete der Kommandant der Monitor schnell seinen Tisch und stütze dann seine beiden Hände auf ihm ab. Engus brauchte ihn nicht weiter zu stimulieren, Lewinski war so schon wütend genug. Seine erste Mission und schon säte jemand Zwietracht in seiner Besatzung. Dies mußte aufhören, daran bestand kein Zweifel.<br>"Was ist los mit ihnen, Lieutenant?" eröffnete Lewinski das Gespräch.<br>Der Tiburoner stand kerzengerade vor seinem Kommandanten, ohne ihn jedoch anzusehen sehen. Statt dessen beobachtete Engus mit starrem Blick die vorbeiziehenden Sterne im kleinen Fenster. Schließlich rang sich der Wissenschaftsoffizier, nach einigen langen Sekunden, zu einer Antwort durch:<br>"Ich weiß nicht, was sie meinen." Und fügte noch ein spätes "Sir" hinzu.<br>Ein Seufzer von Lewinski.<br>"Lieutenant, um mal einen alten menschlichen Ausdruck benutzen zu dürfen: sie verbreiten schlechte Laune."<br>"Inwiefern?" <br>Sollte sich Engus einer Schuld bewußt sein, so schien er nicht gewilligt, sie einzugestehen. Er schien genau die Hartnäckigkeit zu besitzen, die einen guten Wissenschaftler auszeichnete.<br>"Mr. Engus, mir ist aufgefallen, daß sie viele Besatzungsmitgleider kritisieren und mitunter auch denunzieren, darunter auch den Captain dieses Schiffes."<br>John hatte diese Worte ohne einen Vorwurf ausgesprochen und Engus reagierte tatsächlich: er blickte Lewinski nun an, enthielt sich jedoch einer Antwort.<br>"Ich frage mich," fuhr Captain Lewinski fort, "wieso dies so ist..."<br>"Meiner Meinung nach sind sie kein guter Kommandant."<br>Auch diese Worte waren ruhig, ohne Zorn ausgesprochen worden, doch sie ließen John verstummen. Beide musterten sich neugierig. Dann schüttelte Lewinski den Zeigefinger.<br>"Oh nein, Lieutenant, so leicht mache ich es ihnen nicht. Das ist eine Standardantwort, die ich ihnen nicht glaube. Im Gegenteil, ich denke, es hat nur bedingt etwas mit mir zu tun. Also, was ist?"<br>Keine Reaktion.<br>"Lieutenant," fuhr Lewinski nun fort und kam langsam auf Engus zu, "wir haben keinen Counselor hier an Bord. Ich denke, ein Captain kommt dieser Position am nächsten. Also, spucken sie es aus!"<br>"Auf den Boden, Sir?" fragte Engus verwirrt.<br>Lewinski winkte ab.<br>"Eine weitere Floskel von der Erde. Was haben sie zu sagen, Lieutenant, ich warte."<br>Nun blickte der Tiburoner wieder weg. Der große und sogar muskulöse Mann tat dies jedoch dieses Mal nicht aus Stärke, sondern aus... Verlegenheit!<br>"Der Krieg."<br>Zwei Wörter. Zwei Wörter, mit denen alles gesagt war. Lewinski begriff es sofort. Es schien offensichtlich. Engus hatte sein Leben der Wissenschaft gewidmet, der Forschung. Und nun mußte er in einem erbarmungslosen Krieg kämpfen. Sicher, der Lieutenant wußte, was auf dem Spiel stand und wollte daher sein bestes geben. Aber dies war nicht seine gewohnte Umgebung. Seine ursprünglichen Dienste wurden einfach nicht mehr benötigt. Und in Engus Augen war noch mehr. Es war die Empfindung, die alle intelligenten Lebewesen besaßen. Der Selbsterhaltungstrieb. Die Angst vor dem Tod. Lewinski wußte, wie er sich fühlte, denn der Captain teilte diese Empfindungen, wenn auch nicht in so schwerem Maße. Zudem war er der höchstrangige Offizier an Bord des Schiffes, er mußte Stärke ausstrahlen. Sicherheit.<br>Und er vermittelte nun Sicherheit, denn er half nun einem Crewmitglied, daß sich auf einem dunklen Pfad befand.<br><br>Auch das Casino war spartanisch. Wobei das Wort Casino wirklich in Anführungsstriche zu setzen war. Senior-Lieutenant T´Per, vulkanischer Sicherheitschef der Monitor hegte keinen Zweifel, daß sich ein waschechter Spartaner aus der alten Erdgeschichte hier wohl fühlen würde. Der Raum war klein, zu klein und es gab zu wenig Replikatoren. Diese waren jedoch leistungsfähig und hatten dem Vulkanier sein Lieblingsgericht gezaubert. Lieblingsgericht war hier natürlich relativ, da es einem Vulkanier mehr oder weniger egal war, ob ein Gericht schmeckte oder nicht. Neben ihm hatte de erste Offizier des Schiffes, Lieutenant-Commander Land, Platz genommen. Obwohl dieser ein Mensch war, überraschte er T´Per mit der Fähigkeit, sich ruhig, kultiviert und reserviert zu verhalten, eine Fähigkeit, die jeder Vulkanier zu schätzen wußte. Beide hatten sich, der Umgebung entsprechend, ein karges Essen bestellt: Suppe mit Brot. Beide tunkten fast in Harmonie erst ihre Brotkrumen in die Suppe und bissen dann ein Stück davon ab. Nach exakt 16 Minuten und 56 Sekunden durchbrach dann Bruce Land die Stille:<br>"Lieutenant, darf ich sie fragen, wie lange sie den Captain schon kennen?"<br>T´Per war durch die ruhige Art des Menschen und seine Fähigkeit, lange Stilleperioden einzuhalten, beeindruckt und hatte daher nichts gegen einen kleinen Austausch von Fakten.<br>"Seit den Anfängen seiner Laufbahn vor gut zwanzig Jahren."<br>Land pfiff leise.<br>"Wow. Sie waren sein Lehrer an der Akademie?"<br>"Dies ist korrekt," antwortete der Lieutenant und nahm einen weites Stück Brot zu sich, "ich unterrichtete ihn in Gefechstaktik."<br>"Und dann haben sie sich...angefreundet?"<br>Für Vulkanier war dies eine sehr persönliche Frage. Doch auch diese beantwortete T`Per ruhig.<br>"Der Captain, damals war er ein Kadett, legte ein erstaunliches Interesse für die vulkanische Kultur an den Tag. Da ich mich in gewisser Weise auch als einen Botschafter sah, lud ich Captain Lewinski öfters zu mir ein und gab ihm Studienmöglichkeiten. Ich denke, dann entwickelte sich ein Band der Vertrautheit zwischen uns."<br>"Interessant! Ich kenne..."<br>Weiter kam Land nicht. Das schrille Läuten der Alarmsirenen erklang, rote Indikatorflächen pulsierten auf und die Computerstimme meldete den Fall, der eigentlich nicht eintreten sollte:<br>"Kampfstationen, Kampfstationen!"<br>Beide, Mensch und Vulkanier, suchten den nächsten Turbolift auf und fuhren zur Brücke. Dort angekommen, sahen sie, wie alle Personen gespannt auf den Wandschirm blickten, der Captain inklusive. Land folgte dem Blick. Zu sehen waren die unendlichen Weiten des Alls. Dann ein cardassianisches Schiff der Galor-Klasse, daß mit Relativgeschwindigkeit Null im All lag. Und ein anderes Schiff. <br>"Stimmt die Identifikation?" fragte Lewinski ruhig und Fähnrich Ardev blickte überrascht zu Land, der ihn wiederum anstarrte:<br>"Ja, Sir, die Sensoren bestätigen es: es ist ein tholianisches Kriegsschiff!"<br><br>"Ob Mr. Gorat davon gewusst hat?" fragte Ardev in die Stille hinein. Niemand antwortete. Es war ohnehin eine rhetorische Frage des Andorianers gewesen. Die beiden Schiffe lagen sich gegenüber, reglos. Anscheinend ging etwas an Bord der beiden Schiffe vor. Ein Treffen? <br>"Fähnrich Ardev," befahl Lewinski, "machen sie ein paar Schnappschüße."<br>Der Grund war klar: immerhin traf mal viel zu selten auf ein Schiff des geheimnisvollen Schiffes der Tholianer. Das Schiff sah aus wie ein Kristall oder Diamant, der Orange funkelte. Es war von länglicher, fast zigarrenförmiger Gestalt. Die vier Warpgondeln waren äußerst schmal und lagen eng am Rumpf des Schiffes an. Sonst sah man nichts. Keine Lichter, keine Fenster. Man konnte nur ahnen, wo sich das Kontrollzentrum dieses wunderschönen Schiffes befand. Der Anblick war atemberaubend.<br>"Irgendein Anzeichen, daß wir entdeckt worden sind?"<br>"Nein, Captain. Die Tarnvorrichtung schützt uns auch weiterhin."<br>T`Pers Antwort beruhigte sie alle. Niemand wusste, wie stark das tholianische Schiff tatsächlich bewaffnet war und ehrlich gesagt wollten sie dies auch gar nicht wissen. Viel wichtiger war nur eine Frage:<br>"Was machen die hier?"<br>"Wahrscheinlich Verhandlungen," antwortete Engus mißmutig.<br>"Über einen Kriegseintritt?" fragte Land und runzelte die Stirn. Eine solche Entwicklung könnte ein fundamentales Verschieben der Machtverhältnisse im Quadranten auslösen. Gegen das Dominion inklusive der Cardassianer zu kämpfen, war schon schwierig genug, doch wenn auch die Tholianer eintraten? Schon lange brodelte die Gerüchteküche, mit wem das Dominion angeblich verhandelte. Die Sona´a, die Miradorn, die Breen? <br>"Wir können dies nicht zulassen," entschied Lewinski.<br>"Und wie sollen wir das verhindern?" fragte Ardev ungläubig.<br><br>"Doktor Frasier, ich habe doch gesagt, daß ich mir die Krankenstation ansehe!"<br>Die kleine Frau rollte mit den Augen und ersparte sich eine zynische Antwort. Eigentlich war die Frau mit ihrem dunklen Haaren und den braunen Augen durchaus als attraktiv zu bezeichnen. Doch für einen potentiellen Flirt blieb keine Zeit. Lewinski, Engus und T´Per hatten sich in der Krankenstation versammelt. Dr. Frasier hatte tatsächlich recht behalten, die Krankenstation war mangelhaft eingerichtet worden. Ein weiterer Punkt auf der was-wir-verbessern-wenn-wir-zurück-sind-Liste.<br>"Und sie wollen alle Cardassianer werden?" fragte die Frau ungläubig.<br>"Ja," antwortete T´Per ohne Umschweife, "nur so werden wir das cardassianische Kriegsschiff infiltrieren können."<br>"Infiltrieren? Sie sollten mich mal auf dem Laufenden halten, was bei ihnen da oben geschieht. Manchmal fühlen wir Ärzte uns hier etwas einsam."<br>"Ich briefe sie während der Operation, ok?" schlug Lewinski vor. Ein Deal war ein Deal.<br><br>Zum siebenunddreißigsten Mal an diesem Tag rollte Gul Macet mit den Augen. Er hatte schon viel Bürokratie erlebt, ganz besonders unter Cardassianern, aber diese Tholianer schlugen alles. Jeder Punkt eines möglichen Vertrages mußte bis ins kleinste Detail ausdiskutiert werden, alles war hundertprozentig exakt ausformuliert. Schrecklich. Und die Art des Treffens begünstigte auch nicht gerade eine schnelle Entscheidung. Niemand wusste, ob es Paranoia oder Xenophobie war, aber die Tholianer wollten sich einfach nicht zeigen. Also redeten die beiden Fraktionen seit geschlagenen drei Tagen nur über Subraum miteinander. Eine Kommunikatonsmethode, die nur bedingt effizient war.<br>"Abgelehnt."<br>Glinn Samur, rechte Hand von Macet, schlug mit dem Kopf ein paar Mal auf den Tisch. Dieses Wort hatten sie inzwischen gut eintausend Mal hören müßen. Wie mochten die Tholianer wohl aussehen? Eine Frage, die die Galaxis seit Jahrhunderten brennend interessierte. Als die Föderation unter Captain Kirk den Tholianern zum ersten Mal begegnete, zeigten sie sich als Wesen aus reiner Energie. Damit hatte die Föderation schon mehr gesehen als die meisten anderen Völker. Ob sie wirklich so aussahen oder ob es nur eine Projektion war, blieb ungeklärt. <br>"Sie stimmen also nicht einem Waffenaustausch zu?"<br>"Nein."<br>Der Dialog war an einem toten Punkt angelangt. Das wusste Macet, das wusste seine Mannschaft und ganz sicher auch diese verdammten Tholianer.<br>"Ich schlage vor," sagte Macet und erhob sich langsam, "daß wir eine kleine Pause machen. Frequenz schließen."<br>Dann streckte sich der cardassianische Kommandant erst einmal genüßlich.<br>"Ich brauche einen Kanar!"<br><br>"Ich brauche eine Beruhigungsspritze," murmelte Commander Land. Zum ersten Mal in der noch jungen Geschichte der USS Monitor hatte er im Kommandosessel Platz genommen. Ehrlich gesagt fühlte es sich gar nicht so schlecht an, sowohl der Stuhl selber, als auch die Verantwortung, der auf dem lastete, der auf ihm saß. Dummerweise konnte Bruce Land zur Zeit nichts tun. Er konnte warten. Mehr nicht. Der Transport hatte reibungslos geklappt. Fähnrich Ardev konnte den Transporterstrahl so sehr dämpfen, daß die Cardassianer nichts bemerkt hatten. Nun tummelten sich T´Per, Engus und der Captain in der Gestalt von Cardassianern auf dem Galor-Klasse Schiff und versuchten ihren Plan durchzuführen. Das einzige, was sie mit der Monitor verband, war ein winziger Kom-Kanal.<br>"Nähere mich jetzt den primären Phalanxen," meldete T´Per leise, aber ruhig. Auch Engus machte sich gut.<br>"Auf dem Weg zum Maschinenraum.<br>"Brücke," meldete Lewinski und wieder hieß es warten. Leise hörte man die Fußschritte der drei, wie sie auf einem Tausende von Kilometer entfernten Boden hallten.<br>"Wo wollen sie hin?" <br>Dies war nicht die Stimme des Außenteams.<br>"Nur auf die Brücke. Ausdrücklicher Befehl des Gul. Ich soll ihm einige Daten aus seinem Büro holen."<br>Anscheinend war der Captain angehalten worden.<br>"Wie ist denn sein persönlicher Code?"<br>"Wissen sie ihn denn?"<br>Stille. Land befürchtete jeden Augenblick, Alarmsirenen an Bord des cardassianischen Schiffes zu hören, doch nichts geschah. Stattdessen hörte man wieder die Schritte.<br>"Alles in Ordnung, flüsterte Lewinski durch das kleine Mikro, dass an seiner cardassianischen Uniform angebracht worden war.<br>Weder Land noch sonst irgendjemand erwiderte daraufhin etwas. Was hätten sie denn auch schon sagen sollen?<br>"Bringe Gerät an."<br>"Ebenfalls."<br>"Bestätige."<br>Alle drei Offiziere waren exakt im Zeitplan. Ein Beweis für ihre Kompetenz oder eine Falle?<br>"Angebracht."<br>"Bestätige."<br>"Dito."<br>"Zurück zum Extraktionspunkt!"<br>Nur noch wenige Minuten. Land stand auf. Er konnte nicht mehr sitzen. Stattdessen starrte er den Wandschirm an, der immer noch die beiden Schiffe zeigte. Hoffentlich taten sie das Richtige. Oder verschlimmerten sie die Lage? Endloses Warten...<br>"Brücke, hier Transporterraum. Wir haben sie!"<br>Das meiste war geschafft!<br>"Bringen sie uns hier weg. Dann aktivieren sie das Gerät!"<br>Zum ersten Mal hatte Bruce Land einen Befehl erteilt. Es fühlte sich gut an!<br><br>Endlich wieder im Kommandosessel. Obwohl er mehr als ungemütlich war, genoss Macet das Gefühl. Seit Tagen hatte er nicht mehr auf der Brücke sein, einfach nur noch Captain sein können. Er genoss jede Sekunde, die er auf dem Stuhl verbrachte. Ja, dies war sein Schiff. Mochten die Tholianer doch zur Hölle fahren, dieses Gefühl konnte ihm keiner nehmen!<br>"Gul, ich registriere einen Anstieg bei den Waffensystemen..." meldete ein junger Offizier an der taktischen Station.<br>"Wieso..."<br>Dann geschah es. Auf dem ovalen Wandschirm war deutlich zu sehen, wie sich die cardassianischen Disruptoren an der Hülle des tholianischen Schiffes entluden. Es wurde schwer getroffen, driftete ab. Aus mehren Lecks strömte Gas und Plasma aus.<br>"Was zum Teufel ist hier passiert? Ich verlange eine Meldung!"<br>Dann stabilisierte sich das tholianische Schiff wieder. Es nahm fahrt auf. Es glühte. Die letzten Sekunden von Gul Macets Leben begannen....<br><br><b>Persönlicher Brief an Admiral Kashari, Starbase 67<br>Sehr geehrter Admiral,<br>die Mission Alpha war ein Erfolg, wenn auch nicht in der Hinsicht, wie wir es erwartet hatten. Wir haben Gorat auf Cardassia Prime abgeliefert. Aus ihren Berichten höre ich, dass eine klingonisch Kampfgruppe eine kleine cardassianische Schwadron bei dem Nebel Y-556 besiegt hat. Die Cardassianer schienen dort auf etwas gewartet zu haben und waren zu überrascht, um den Klingonen nennenswerten Wiederstand leisten zu können. Ich weiß, worauf sie gewartet haben, Admiral, auf uns, auf die Monitor! Wenn sie die bestehenden Fakten durchgehen, werden sie feststellen, daß nur eine Person wusste, wo wir uns zu diesem Zeitpunkt befinden würden: Agent Gorat! Es scheint so, als wäre er uns gegenüber doch nicht so loyal, wie wir vermutet haben. Ich schlage vor, daß sie so schnell wie möglich einer um ihn kümmert. Hätten wir nicht Glück gehabt ( und nichts anderes war es! ) so wäre die Monitor nicht mehr als ein Haufen Trümmer im All. <br>Der andere "Teil" der Mission hat geklappt. Mittels einer waghalsigen Aktion ( verzeihen sie mir den Ausdruck ) konnten wir die Waffensysteme des cardassianischen Schiffes so manipulieren, daß sie auf die Tholianer feuerten. Beide Schiffe wurden in dem anschließenden Gefecht zerstört. Die Tholianer werden es sich vermutlich noch einmal überlegen, ob sie mit dem Dominion gemeinsame Sache machen.<br>Was das Schiff und seine Crew angeht, so bin ich höchst zufrieden. Aus persönlichen Gründen bitte ich sie jedoch, Lieutenant Engus zu versetzten, z.b. auf die Jupiter-Station, wo er Dr. Zimmermann bei seinen wissenschaftlichen Projekten helfen kann.<br>An dieser Stelle möchte ich mich für das von ihnen in mich gesetzte Vertrauen bedanken. Das Schiff ist großartig und ich freue ( ja, es ist tatsächlich so! ) auf neue Abenteuer. Natürlich werden sie als erstes informiert, wenn wir wieder die Starbase erreichen. Ich muss nun noch ein Gespräch mit Chefingenieur Woil führen. Er sagt, es ginge dabei um seinen Urlaub oder so...<br>Mit ergebenen Grüßen,<br>                                                         Captain John Lewinski</b><br><br><i>Alles hatte einen Anfang. So auch sein persönliches Abenteuer. Das Abenteuer, ein Kommando zu besitzen. Doch wie alle Dinge einen Anfang hatten, so gab es auch ein Ende. Für John Lewinski konnte das Ende bevorstehen. Das Ende seiner Laufbahn. Deutlich spürte er, wie die Monitor unter Warp ging. Dies konnte nur bedeuten, daß man die Erde erreicht hatte. Bruce würde sicher nun die Sovereign kontakten, die die Monitor den ganzen Rückweg über begleitet hatte und dann würde ein Sicherheitswächter erscheinen und John zum Transporter bringen. Dem Transporter, einprogrammiert mit den Koordinaten des Sternenflotten-Hauptquartiers. Dort würde es sich entscheiden, welche Wendung sein Leben nahm. Wie das Abenteuer weitergehen würde, ob es überhaupt weitergehen würde. Wie auch immer seine Zukunft ausgehen würde, eines hatte er begriffen: erst der blutige, schmerzvolle Konflikt machte den Krieg schrecklich und den Frieden wünschenswert.</i><br>Schiffe der Defiant-Klasse, zu denen die Monitor zählte, waren klein. Oftmals waren Systeme, die nicht direkt der Mission dienten, nur unzureichend oder gar nicht vorhanden. Die Sachen, die da waren, waren klein. Dies galt auch für das Büro von Jozarnay Woil. Obwohl, Büro konnte man es gar nicht nennen. Er hatte zwar einen Raum, doch der diente als Diagnoseraum. Sein "Büro" war ein Tisch, den man in der Ecke aufgestellt hatte. Vom breiten Fenster hatte der Chief einen ausgezeichneten Blick auf den Warpkern und die Ingenieure, die eine Ebene tiefer, an ihm arbeiteten. Der Kern war, nun wo man sich im wieder im Orbit der Erde befand, abgeschaltet, die Crew weg. Woil saß alleine an seinem Schreibtisch und fuhr sich mit den Händen durch seine Haare und stieß einen lauten Seufzer aus. Die letzten Stunden waren kritisch gewesen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte Captain Lewinski befohlen, den Frachter zu zerstören. Dies wäre wohl das Ende nicht nur Lewinskis, sondern auch der ganzen Crew gewesen. Jemand hatte es verhindert müssen. Woil hatte gesehen, wie Commander Land bei dem Gedanken gelitten hatte, sich gegen seinen Captain und langjährigen Freund zu erheben. Der Commander war fast innerlich zerbrochen. Im Laufe der Jahre auf diesem Schiff hatte Chief Woil den ersten Offizier gut kennengelernt und respektierte ihn. Er wollte ihn beschützen, weil er ihn für einen Freund hielt. Darum hatte er ihm geholfen. Darum hatte Woil der Sovereign die Spur der Monitor gegeben, auch wenn dies Lands Aufgabe gewesen wäre. Er hatte ihn beschützen wollen. Und was war der Preis? Nun war Woil mit sich fertig, machte sich Vorwürfe. Das seine Tat richtig war, daran bestand kein Zweifel. Doch wie er es getan hatte, hinterrücks, hinterhältig, dies bereitete ihm Kopfzerbrechen. Bisher wusste der Captain nicht, wer ihn verraten hatte. Vielleicht wollte er es gar nicht wissen. Oder Woil hielt es für richtig, es ihm mitzuteilen, es wusste es nicht. Es war eine Frage, die man auf später verschieben konnte.<br>Seine Hände zitterten. Der Stress. Wann hatte er es das letzte Mal genommen? Woil kniff die Augen zusammen. Er wusste es nicht mehr. Hatte er es sowieso nicht mehr nehmen wollen? All die guten Vorsätze, weg, wegen der Sturheit seines Kommandanten. Sein Gehirn, sein Unterbewusstsein sendete ihm deutliche Signale. Noch einmal, einmal konnte nicht schaden...<br>Er öffnete seine Schublade per Sicherheitscode. Dort lagen sie, mehrere Ampullen, gefüllt mit einer weißen Substanz. Der orionische Händler hatte sie ihm zu einem Wucher verkauft. Woil kam seit dem Krieg einfach nicht mehr davon los. Langsam nahm er eine Ampulle und steckte sie in einen Injektor. Gleich nachdem er ihn sich an den Hals gepresst und abgedrückt hatte, entspannte er sich. Die Flüssigkeit verteilte sich in seinem Körper, beruhigte ihn. Die Substanz sorgte dafür, daß der Stress nicht überhand nahm. Die Substanz hieß Ketracel-White.<br>Lieutenant Danny Bird saß erneut in seinem Sofa, wie er es einige Tage zuvor getan hatte. Damals ( irgendwie schienen die vergangenen Ereignisse Dekaden zurückzuliegen ) hatte er nicht gewusst, welche Ereignisse auf ihn zukamen. Welche Ereignisse er auslösen würde. Vielleicht würde er nie erleben, wozu seine Handlungen in dem anderen Universum geführt hatten. Möglicherweise würde aber auch Miles "Smiley" O´Brien in den nächsten Minuten abermals in sein Quartier marschieren und sagen: "Hey, wir haben es geschafft!"<br>Bird wartete einige Sekunden. Nichts geschah. Der Sicherheitsoffizier ließ die unwillkürlich angehaltene Luft entweichen. Irgendeine innere Unruhe hatte ihn erfasst. Danny wusste sie sofort einzuordnen: es war wie bei einem Kind, daß die verpackten Geschenke auf dem Tisch sah und unbedingt wissen wollte, was sich unter dem Papier verbarg. In gewisser Weise auch er wissen, was sich unter dem Schleier aus Unwissenheit versteckte, der das Parallel-Universum verhüllte. Doch Danny Bird, Lieutenant der Sicherheit der Sternenflotte. war alt genug, um sich zu gedulden. Er würde schon noch erfahren, was passiert war. Vielleicht morgen, vielleicht in einem Jahr, womöglich auch erst in zwanzig, er würde es erfahren. Daran zweifelte er nicht. Die Tür zu seinem Quartier auf und Danny fragte sich noch unwillkürlich, wieso sie nicht abgeschlossen war. Er stand auf und wappnete sich auf die eintretende Person, die ihn über die Geschehnisse aufklären würde...<br>Doch es war nicht O´Brien. Es war nicht mal ein Mann. Vor Bird stand eine menschliche Frau, um die dreißig Jahre alt. Sie trug eine Sternenflottenuniform mit den Rangknöpfen eines Captains, was recht ungewöhnlich für eine Person ihres Alters war. Die dunklen Haare waren streng zurückgebunden, doch die braunen Augen strahlten einen Hauch von Wärme aus.<br>"Lieutenant Danny Bird?" fragte die Person freundlich.<br>"Der bin ich," entgegnete der Angesprochene und schaute sich misstrauisch um, "wie kommen sie hier herein?"<br>"Sicherheitscode," antwortete die Frau, so als sei es selbstverständlich, in ein privates Quartier einzudringen.<br>"So, so, und mit wem habe ich die Ehre?"<br>Die Frau machte einen Schritt nach vorne und streckte dem Sicherheitschef der Monitor eine Hand entgegen. Etwas zögerlich ergriff Danny sie und war über den festen Händedruck der Dame überrascht.<br>"Captain Hu-Lin Radisson," stellte sich die Frau vor, "vom Projekt Zeichen."<br>Hatte der Captain ( sofern sie überhaupt einer war ) sich irgendeine Reaktion von Danny Bird erhofft, so musste sie enttäuscht werden. Der Lieutenant hielt weiterhin ihre Hand und blickte sie an.<br>"Mir ist ein solches Projekt nicht bekannt."<br>Radisson nickte und ließ sich auf ein Sofa sinken. Mit der einen Hand deutete sie auf einen Sessel in der Nähe.<br>"Setzen sie sich!"<br>Bird konnte sich an kein einziges Mal erinnern, wo man ihm in seiner eigenen Wohnung einen Platz angeboten hatte. Trotzdem nahm er das Angebot.<br>"Soll ich es kurz machen oder wollen sie einige weitschweifige Erklärungen, Lieutenant," fragte der Captain mit einer völlig neutralen Stimme.<br>Die Antwort war klar.<br>"Kurz."<br>"Schön," entgegnete sie und rieb sich die Hände, "Projekt Zeichen kümmert sich um mögliche Gefahren aus dem Spiegel-Universum, oder auch Parallel-Universum, je nachdem, welchen Terminus sie bevorzugen. "<br>"Nie davon gehört."<br>"Sie sind doch ebenfalls beim Geheimdienst, Mr.Bird. Sie wissen doch gut, daß manche Dinge höchster Geheimhaltung unterliegen."<br>Diese Erklärung musste genügen.<br>"Und was wollen sie?" fragte Bird direkt.<br>"Wir wissen, wo sie die letzten Tage waren, Lieutenant. Wir wissen auch, was sie an diesem Ort gemacht haben. Oh, machen sie sich keine Sorgen, wir werden keine Anklage gegen sie erheben. Wir wissen, in welcher Situation sie sich dort befanden und ehrlich gesagt haben wir zur Zeit keine Gelegenheit, ins andere Universum zu wechseln."<br>Sie spazieren zwischen den Universen hin und her?<br>"Außerdem," fuhr Radisson fort und zuckte mit den Schultern, "sind wir gespannt, was für Auswirkungen ihre Aktion hatte."<br>"Toll."<br>Keine unbedingt weltbewegende Nachricht. Danny fragte, was er nun mit dem Projekt Zeichen zu tun hätte. Hu-Lin Radissons Antwort war genauso direkt wie ihre Art:<br>"Lieutenant, da sie schon dort waren, rekrutieren wir sie hiermit für das Projekt. Sie können weiterhin ihren Dienst auf der Monitor versehen, doch von Zeit zu Zeit werden wir ihre Dienste benötigen. Sie werden unser Kontaktmann ins andere Universum sein. Es gibt immer noch einige Fragen, die wir klären möchten."<br>"Die da wären?" <br>Danny war überhaupt nicht froh über die Aussicht, noch mehr Arbeit auch sich zu laden, ganz besonders nicht für eine seltsame Organisation wie dieser.<br>"Na die Frage, die uns alle beschäftigt: welches Ereignis ließ unsere Universen sich so unterschiedlich entwickeln!"<br>Radisson sprach diesen Sachverhalt so aus, als wäre er total selbstverständlich. Sicher war es eine faszinierende Frage, doch Danny wollte nicht noch weiter in diese Angelegenheiten verwickelt werden. Er hatte jedoch keine Wahl. Radisson verließ das Quartier ebenso plötzlich wie sie es betreten hatte, ohne Vorankündigung. Für Danny stand nun leider eines fest: er kam aus diesem Teufelskreis so schnell nicht wieder hinaus.<br><br>Und während diese und alle anderen Millionen Personen auf der Erde ihren eigenen, kleinen Problemen nachgingen, öffnete sich im Sektor 001 ein Transwarp-Kanal und katapultierte die USS Voyager zurück nach Hause.<br><b></b><p align="center">- Ende -</p><p align="left"></p>]]></description><guid isPermaLink="false">1250</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 2x04: Die richtige Entscheidung</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-2x04-die-richtige-entscheidung-r1235/</link><description><![CDATA[<p align="center"><b>Diese Folge als PDF-Download:</b></p><div align="center"><center><table><tr><td align="center"><a href="http://www.treknews.de/cgi-bin/gallery-treknews/imageFolio.cgi?action=view&amp;link=Fanfiction/Star_Trek_Monitor&amp;image=0204.zip&amp;img=&amp;tt=all" target><img alt="Download" border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0204.jpg"></a></td></tr><tr><td bgcolor="#202020" valign="top" align="center"><font color="#ffffff" face="Verdana,Arial,Helvetica" size="1"><b><font>Monitor 2x04 "Die richtige Entscheidung"</font></b><br>Zip File<br><a href="javascript:" onclick="window.open('http://www.treknews.de/cgi-bin/gallery-treknews/imageRate.cgi?direct=Fanfiction/Star_Trek_Monitor&amp;file=0204.zip','Rate','height=200,width=200');return false">Rating</a><br>Größe: 183 kB</font></td></tr></table></center></div><br><br><blockquote><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/pg13.jpg"></blockquote><br><br>Auf der Nordhalbkugel der Erde brach ein neuer Tag an. Die meisten Leute waren inzwischen losgegangen, um ihren üblichen Beschäftigungen nachzugehen. John Lewinksi war nun alleine im Haus seiner Schwester. Abby und ihr Mann George hatte sich auf den weg in die Schule gemacht, bereit, Kinder in den Künsten des Lebens zu unterweisen. Lewinksi seufzte und trank seinen Kaffee. Er hatte immer noch 5 Tage Sonderurlaub vor sich und die wollte er auch weiterhin voll auskosten. Die Umgebung Vancouvers war wundervoll. Der Kommandant der Monitor hatte die letzten Tage damit verbracht, viel spazieren zu gehen und sich den Dingen zu widmen, zu denen er auf einem Raumschiff nicht kam. Dazu gehörte auch, dass er viel las und sich einige Stationen seiner Kindheit ansah. Lewinski war zufrieden mit seinem Leben. Es klingelte. John durchschritt das gemütliche Wohnzimmer und öffnete die Tür. Was er nun zu sehen bekam, ließ ihn die Kaffeetasse fallen lassen.<br>„Hallo John.“<br>Vor ihm selbst stand eine ältere Version seiner Selbst. Und sie lächelte ihn an.<br><br>Lieutenant Danny Bird legte die Uniform an und aß noch einen letzten Bissen. Er hatte sich überreden lassen, als Gastdozent über taktische Systeme auf der Akademie zu referieren. Der Leiter der Akademie, ein bolianischer Admiral war auf ihn zugegangen und Danny hatte spontan zugesagt, da er sich, auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte, langweilte. Er vermisste inzwischen den Weltraum, das Abenteuer. Noch 5 Tage, dann ging es wieder los. Es klingelte und Danny öffnete. Die Person, die vor ihm stand, war ihm nicht unbekannt.<br>„Chief O´Brien!“<br>Den ehemaligen Chefingenieur von DS 9 hatte er bei einem Besuch auf der Akademie kennen gelernt. Der Ire referierte dort über grundlegende Technik.<br>„Kommen sie herein! Wie geht es ihnen?“<br>Der Mann nickte. Tiefe Falten zeigten sich in seinem Gesicht, er wirkte irgendwie älter als zuvor. Ob er unter Stress stand? Er beschloss ihn darauf anzusprechen.<br>„Chief...“<br>„Hier, fangen sie!“<br>O´Brien warf ihm etwas zu und aus einem Reflex heraus streckte Danny seine Hände nach dem kleinen Chip. Unmittelbar nachdem er ihn gefangen hatte, spürte er ein seltsames Prickeln, als die Konturen des Appartement verschwanden und sie sich beide in einer Lagerhalle wieder fanden. Bird ließ verwirrt en Blick über die vielen Kisten schweifen, während ihn O´Brien fast schon entschuldigend ansah. Es schwang Mitleid in seinen Worten mit, als er erklärte:<br>„Willkommen auf Terok Nor, Lieutenant Bird.“<br><br>Lewinski taumelte zurück, während er weiterhin die Gestalt im Auge behielt, die ihm so sehr ähnelte. Sie trat ein, lächelnd und hob die Hand.<br>„Keine Angst, John!“<br>Doch Lewinksi ließ sich nicht von diesen Worten beeindrucken. Er lief ins Wohnzimmer, gefolgt von dem Fremden und holte einen Phaser aus seiner Reisetasche hervor, den er auf den Eindringling richtete.<br>„Keinen Schritt weiter! Ich weiß nicht, auf welche Stufe die Waffe eingestellt ist!“<br>Der Eindringling hob beschwichtigend die Hände und benutzte dasselbe gewinnbringende Lächeln, dass Lewinski auch immer benutzte.<br>„Hoho, Vorsicht, John. Ich weiß, dass du den Phaser immer auf Betäubung stellst. Dass Ich ihn immer auf Betäubung gestellt habe.“<br>Der Captain versuchte sich seine Überraschung nicht zu deutlich anmerken zu lassen und versuchte weiterhin lässig auf den Mann, der sich für ihn ausgab, zu zielen. Doch dies gelang ihm nicht so gut wie vor einigen Sekunden. Misstrauisch musterte er den Mann ein weiteres Mal. Er hatte die selben Augen wie er, die selben Haare, sein Gesicht wirkte nur etwas älter. Einige graue Strähnen zeigten sich im ansonsten vollen Haar und er trug einfache Reisekleidung.<br>„Ich weiß, was du jetzt denkst“, merkte der Mann an, „du spekulierst, ob ich chirurgisch verändert wurde. Ich hatte bei Abby immer einen medizinischen Tricorder dabei. Ich schlage vor, du scannst meine DNA.“<br>Es war total schwachsinnig, sich von einem Gefangenen (?) zu entfernen, doch tief in seinem Inneren wusste Lewinski, dass er dies tun musste. Er wollte dieses Mysterium lösen, es war wie ein innerer Trieb in ihm. Langsam, den Phaser weiterhin auf den anderen John gerichtet, begab er sich in die Küche und öffnete den Medikamentenschrank, holte den Tricorder hervor. Er war schon etwas älter, ein kleines Mitbringsel von John, als er noch auf der Teneriffa diente, doch er reichte vollkommen aus. Mit der linken Hand nahm John den kleinen Scanner, der normalerweise im Tricorder steckte und sondierte den Mann gründlich. Lewinski nahm sich fast fünf Minuten für die Untersuchung Zeit, während der andere John höflich wartete. Nach endlosem Sondieren war die Sache eindeutig, obwohl es John nicht glaubte: laut dem Tricorder teilten sie beide dieselbe DNA. Die nächsten drei Minuten verbrachte John damit, zu überlegen, wie man die DNA verändern konnte, doch jeder wusste, dass dies unmöglich war, selbst für die Medizin des 24. Jahrhunderts.<br>„Na, zufrieden?“ fragte der andere John grinsend, während der Captain frustriert auf ein Sofa sank und erwiderte:<br>„Ich glaube, du schuldest mir eine Erklärung.“<br>„Klar, die kriegst du. Sag mal, hast du Kaffee?“<br>Lewinksi beschloss, dass er auch einen brauchte.<br><br>„Terok Nor? Sie meinen doch Deep Space Nine? Und überhaupt Chief, wie können wir von  der Erde nach DS 9 gelangen?“<br>Danny gab zwar nicht gerne so etwas zu, ganz besonders nicht vor jungen Crewmitgliedern, aber er war echt verwirrt. Erst besuchte ihn einer der berühmtesten Ingenieure der Sternenflotte, dann gab er ihm etwas und plötzlich waren sie irgendwo, dass der Chief als die berühmte Raumstation bezeichnete.<br>„Chief?“<br>O´Brien schien nicht auf sein Zurufen zu reagieren, sondern verließ den Frachtraum durch das alte cardassianische Schott. Bird seufzte und folgte dem Iren. Seine Geduld ließ allmählich nach, als sie den Turbolift betraten.<br>„Mr. O´Brien, ich würde gerne wissen, was sie mit mir gemacht haben?“<br>Immer noch schwieg Miles O´Brien, so als ob er es nicht nötig hätte, einem Mann wie Danny Bird eine Antwort zu geben. Und irgendwie hatte er auch Recht, wenn man die Reaktion Birds bedachte, als sie die OPS betraten. Dies war nicht das Kontrollzentrum, das Bird in Erinnerung hatte. Wo waren die Sternenflotten-Offiziere? Wo die Bajoraner? An den Kontrollen standen nur ein paar schlecht rasierte, ungewaschene Menschen und schauten ihn entweder mit einem wissenden Lächeln oder einem interessierten Blick an. Ein dunkler, langhaariger und vernarbter Mann trat auf ihn und den Chief zu. Seine blaue Kleidung saß eher schlecht und Maschinenfett klebte an ihr und auch der Mann selbst schien ein Bad nötig zu haben. Irgendwas kam Bird an diesem dunklen, pakistanisch anmutenden Mann bekannt vor. Das Gesicht versuchte freundlich zu wirken, doch die Augen, die Hass ausstrahlten, ließen Bird erschaudern. Schließlich unterbrach der Chief die Stille.<br>„Captain Bashir, ist etwas passiert in meiner Abwesenheit?“<br>Bashir lächelte amüsiert, als er Birds entsetztes Gesicht betrachtete.<br>„Nichts, Smiley. Die Allianz hat sich ruhig verhalten.“<br>Und nun erkannte Danny Bird die schreckliche Wahrheit, die ihm O´Brien noch einmal sarkastisch präsentierte.<br>„Willkommen bei uns, Lieutenant. Ich glaube, sie nennen es die Welt hinter dem Spiegel.“<br><br>Mit sanfter, fast schon wehmütiger Miene strich Johns anderes Ich über die Möbel. Er schien sich jedes Detail einprägen zu wollen, jede Geruchsnuance aufnehmen zu wollen. Dann, plötzlich und ruckartig, riss sich der andere John aus den Erinnerungen und setzte sich an den kleinen Tisch, auf dem Captain Lewinksi einen Kaffee serviert hatte. Captain Lewinski hatte es die letzten Minuten vermieden, etwas zu sagen, gestattete es stattdessen seinem Pendant in Erinnerungen zu schwelgen. Nun aber schien er zum Punkt kommen zu wollen und Lewinksi bedeutete ihm mit der Hand zu sprechen. Wie viele Menschen konnten sich schon selbst auffordern, etwas zu sagen?<br>„Ich komme aus dem terranische Jahr 2390“, begann der Zeitreisende und blickte sein jüngeres Ich fest an, „also elf Jahre aus der Zukunft.“<br>„Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?“<br>Der andere Lewinski nippte kurz an dem Kaffe und genoss das Aroma schmunzelnd, dann versteinerte sich seine Miene jedoch wieder und blickte zum Captain.<br>„In der Zukunft, besser gesagt in der Näheren wird eine Katastrophe über die Föderation hereinbrechen!“<br>Hatte sein Pendant erwartet, dass Lewinski geschockt war, so musste er wohl aufgrund der neutralen Miene des Captains enttäuscht sein.<br>„Wann?“, fragte der Kommandant der Monitor ruhig.<br>„In einer knappen Woche.“<br>Nun war die Überraschung in Lewinksis Gesicht doch deutlich zu bemerken. Die Sache war scheinbar dringend, also bedeutete er dem Besucher fortzufahren.<br>„Ein radikaler Vulkanier namens Rulak...ich denke er gehört zu einer Gruppe die sich übersetzt Der Weg Suraks nennt, wird mittels eines genetischen Virus die Föderation auflösen und den Vulkaniern zur Freiheit verhelfen.“<br>Das letzte Wort schien der andere John geradezu auszuspucken, bevor er weiterfuhr:<br>„Das Virus wurde auf Vulkan entwickelt. Es ist auf alle Völker der Föderation eingestellt, natürlich bis auf die Vulkanier. In diesem Moment befindet sich Rulak in einem Transporter auf dem Weg zur Erde. Er kehrt von einer Seperatistenbasis in den Badlands zurück. Bei ihm ist das Virus. Es ist anzunehmen, dass er es schon im Raumschiff freigesetzt hat und die Passagiere damit infiziert sind.“<br>Der andere John machte eine kurze Pause und musste sich innerlich noch einmal dem Schrecken stellen.<br>„In Sekunden sind alle infiziert. Sie sterben langsam, siechen dahin. Der Föderation war es unmöglich ein Gegenmittel zu finden, zumindest jetzt noch nicht. Später wird man rausfinden, dass manche Personen wie auch ich einen Antikörper entwickelt haben, doch es war zu spät. Billionen sind gestorben, John, die Erde ist wüst und leer. Die Leute, die überlebt haben, sind entweder geflüchtet oder werden von dieser vulkanischen Gruppe, die einen Staatstreich durchgeführt hat, unterjocht. Es ist schrecklich.“<br>Nun schluckte Captain Lewinski. Was es eben gehört hatte, war eine Schreckensmeldung, die ihresgleichen suchte. Ein Massenexodus der Föderation...<br>„Ich nehme an, wir beide sollten dies verhindern. Warnen wir also Command!“<br>Der andere John hob sofort abwehrend die Hände.<br>„Nein! Command ist schon von der Gruppe infiltriert worden. Sie würden von uns erfahren und den Transport umleiten. Wir...“<br>„Können wir nicht die Anti-Körper aus deinem Körper entwenden und die Leute impfen?“<br>„Nein. Erstens habt ihr noch nicht die Mittel, und, ich bitte dich, sei realistisch: innerhalb einer Woche könntet ihr nicht die ganze Föderation impfen. Es würden trotzdem Millionen sterben.“<br>Sie sahen sich in die Augen und es war nur natürlich, dass beiden klar war, dass beide dieselben Gedanken hatten. Captain Lewinksi eilte schon einmal ins Gästezimmer, um sich fertig zu machen.<br><br>Die Welt hinter dem Spiegel. Umgangssprachlich war es auch als Spiegeluniversum oder <br>„Das Paralleluniversum bekannt“ (auch wenn dies nicht wissenschaftlich exakt war).<br>Der Föderation und dem Alpha-Quadranten war es schon seit mehr als hundert Jahren bekannt, seit der Zeit von James T. Kirk. Jener glorreiche Pionier der Raumfahrt war während einer harmlosen Außenmission aufgrund eines Transporterunfalls in das Spiegeluniversum geraten, dass ein verzerrtes Abbild der Menschheit zeigte. Dort gab es nicht die Vereinigte Föderation der Planeten, sondern das terranische Empire, dass mit eiserner Hand über ein Gebiet herrschte, dass zweimal so groß wie das der Föderation war. Zahllose Völker waren durch das brutale Bündnis von Menschen und Vulkaniern unterjocht und ausgelöscht worden, es herrschte Barbarei. Die Sternenflotte existierte nicht hauptsächlich, um zu forschen oder zu verteidigen, sondern um die innere Ordnung mit unglaublicher Härte aufrecht zu erhalten. Doch diese Schreckensversion eines Quadranten, diese abstoßende Gesellschaft erschien noch als ein Segen, im Vergleich dazu, was im 24. Jahrhundert auf den Alpha-Quadranten hinzukam. Die Allianz formte sich, ein politisches, wirtschaftliches Bündnis aus Klingonen, Cardassianern, Bajoranern und einem Dutzend anderer Spezies. Es hätte das Äquivalent der Föderation sein können, doch stattdessen wurde es ein militärischer Block, der nur auf eines aus war: die Vernichtung des Empires. In einem langen, blutigen Konflikt, in dem fast der ganze Alpha- und Beta-Quadrant involviert waren, wurde das Empire langsam zurückgedrängt, erst von den Außenwelten, dann schließlich nach Vulkan und der Erde. Und genauso wie das ruchlose Empire kannte die Allianz keine Gnade, als sie den Planten vier Tage und Nächte lang bombardierte, bis der ganze pazifische Ozean verdampft und soviel Staub in die Atmosphäre aufgewirbelt worden war, dass sich aus der Weltraum nur noch schwarze Wolken über aschgrauen Landmassen zeigten. Dann war Vulkan dran. Trotz ihrer Kapitulation wurde auch dieser Planet verwüstet. Das gesamte Raumgebiet des Empire diente nun als gigantisches Gefangenenlager, wo Milliarden von Menschen und Vulkaniern nur einen geringfügig höheren Status als Tiere hatten und eine neue Zeit der Dunkelheit legte sich über den Quadranten. Exekutionen, Arbeitslager, Folterungen, auch von Frauen und Kindern, sind an der Tagesordnung bei der Allianz, die vom brutalen klingonischen Regenten Worf geführt wird. Und abermals sollten Besucher aus dem anderen Universum eine Veränderung einleiten. Aufgrund eines Plasmalecks strandeten Major Kira Nerys und Doktor Julian Bashir in diesem Universum, auf Terok Nor, einem weiteren Internierungslager, indem zahllose Menschen in den Minen schuften mussten. Ihr Besuch stachelte die Leute an, allen voran den alles andere als ehrenwerten Frachterkapitän Ben Sisko und Miles „Smiley“ O´Brien, einen Aufstand anzuzetteln, die große Terranische Rebellion, welche innerhalb kürzester Zeit Terok Nor eroberte und Widerstandszellen in den Badlands und auf Dutzenden von anderen Planeten einrichtete. Wieder einmal zerreißt ein Krieg dieses Universum, ein Krieg, der nur schleppend vorangeht, dank der Hilfe der hier nachgebauten Defiant, die mithilfe unseres Captain Sisko gebaut wurde. Der Transfer in dieses Universum war verboten. Und nun war er hier, Danny Bird und hatte in dem Büro von O´Brien ihm gegenüber Platz genommen, während Julian Bashir hinter seinem Anführer stand und Danny musterte. Der neue Sicherheitsoffizier der Monitor war dem sympathischen Mann von Deep Space Nine schon bei verschiedenen Gelegenheiten kennen gelernt und hatte ihn als warmherzigen, geduldigen Mann empfunden. Dieser Bashir hier war anders. Seine Augen waren kalt, zeigten keine Emotionen, so als ob er schon zu viel durchgemacht hätte. Sein Gesicht war vernarbt und faltig, das zu lange Haar mit Strähnen durchsetzt. Beide, O´Brien und Bashir, versuchten einigermaßen gut gekleidet zu sein, was sie aber durch den billigen Stoff nur bedingt schafften. Wer weiß, was diese beiden Menschen schon durchmachen mussten?<br>Bird beschloss, das Schweigen zu brechen.<br>„Wieso bin ich hier?“<br>Smiley grinste frech, versuchte so seine eigene Unsicherheit zu verbergen.<br>„Wir brauchen sie. Als Experten für Waffen.“<br>„Was für Waffen?“<br>Nun antwortete Bashir, als er um den Tisch herumging und auf Danny zutrat.<br>„Wir brauchen sie bei der korrekten Modifikation und Herstellung von Tricobalt-Torpedos. Wir befürchten, dass unsere eigenen Techniker vielleicht die Station aus Versehen in die Luft fliegen lassen.“<br>Der junge Offizier wölbte überrascht die Augenbrauen. Aufgrund der endlosen Kriege war dieses Universum wenige fortgeschritten als sein eigenes. Wie konnten sie dann Tricobalt-Torpedos herstellen? Er beschloss, später auf diesen Punkt einzugehen.“<br>„Ich frage noch mal: wieso sollte ich ihnen helfen? Immerhin haben sie mich doch entführt!“<br>„Aus Liebe zu ihrer Spezies? Unserem Kampf?“<br>„Dies ist nicht mein Kampf.“<br>„Das ist er wohl!“<br>O´Briens Reaktion ließ Danny zusammenzucken und Smiley erschrak fast vor sich selber, als er aufsprang. In einem kurzen Moment war alles sichtbar gewesen, seine Leiden, sein Schmerz. Dann atmete Smiley wieder normal und berührte eine Taste, woraufhin ein Schott in der Ecke des Büros aufging. Dort saß ein Mann, nackt, verletzt. Er hatte zahllose blaue Flecken, blutige Wunden, sein Haar war zerzaust und teilweise ausgerissen. Die Person starrte auf seine nackten Füße. Man hatte ihm jegliche Würde genommen. Bird stand langsam auf, näherte sich dem Mann. Als er näher kam, hob die Person den Kopf... und Danny wich zurück.<br>Aus aufgequollenen, blutigen Augen starrte ihn John Lewinski an.<br>„Wir wussten, dass sie zögern würden“, erläuterte Bashir, „und haben uns ihren Captain vor einigen tagen als Faustpfand genommen. Er wollte fliehen und unsere Aufseher waren leider etwas grob mit ihm. Wenn sie uns nicht helfen... wer weiß, was noch passieren wird.“<br>Diese Worte schwebten wie eine Drohung im Raum. Immer noch starrte Bird auf seinen Kommandanten. Lewinski konnte nicht mehr sprechen, doch seine Lippen formten einen stummen Hilferuf. Er musste seinem Kommandanten helfen, um jeden Preis.<br>„Ich bin dabei.“<br><br>Im dunklen Transporterraum der Monitor flimmerte es einige Sekunden lang, dann waren Captain Lewinksi und sein alter Ego an Bord. Sofort blickte sich Lewinski um, doch niemand war im Transporterraum zu sehen. Es war ihm nur recht gewesen, dass es ein automatischer Transport war, denn wie hätte man einem Transportertechniker ohne große Worte den Grund nennen können, wieso es zwei Signaturen von Lewinksi gab. Er schaute sein zukünftiges Ich ruhig an.<br>„Geh...“<br>„In mein Quartier“, unterbrach ihn der andere Lewinksi und tippte sich mit dem Finger an die Stirn. „Schon vergessen? Ich weiß, was du denkst, schließlich würde ich das Selbe machen.“<br>Der Captain stockte kurz, zuckte dann die Schultern. Es war immer noch sehr ungewohnt, jemanden vor sich zu haben, der jeden Schritt voraussah. Tatsächlich wollte er gerade diese Anweisung geben. Er würde sich Zeit lassen, bis er die Mannschaft, wenn überhaupt, über sein anderes Ich instruierte. Lewinksi begab sich erst mal in den Maschinenraum.<br>Dort war er mehr als überrascht, einen Mann zu sehen, der auf dem Boden des Maschinenraumes schlief. Die Person war in eine rote Deckung gehüllt und ein großer Teil des Maschinenraums war von Kerzen erhellt worden. Kurz sah sich der Kommandant um. Der Warpkern war abgeschaltet, nur wenige Displays waren in Betrieb. Bei näherer Betrachtung erkannte er die Person als Chief Woil. <br>„Roter Alarm!“<br>Sofort sprangen alle Systeme an, rotes Licht und das Summen der Alarmsirenen wurden überall auf dem Schiff aktiviert. Jozarnay Woil schreckte hoch, rieb sich die Augen und blickte wild hin und her. Das rote Leuchten der Lampen ließ sein Gesicht düster erscheinen, fast schon dämonisch. Nach einigen Sekunden realisierte der Antosianer, was passiert war und deaktivierte den Alarm.<br>„Captain? Was machen sie denn hier?“<br>Lewinski lächelte.<br>„Mr. Woil, wir machen uns bald auf den Weg. Aktivieren sie den Warpkern und rufen sie die Mannschaft an Bord. Wir laufen aus.“<br>Der Captain machte auf dem Absatz kehrt und gab den bedauernswerten Chefingenieur keine Gelegenheit, nach Einzelheiten zu fragen.<br><br>Hier war alles anders. Vielleicht auch verkehrt. Alles war irgendwie dunkler, bedrohlicher. In den Ecken des ehemaligen Internierungslagers Terok Nor lagen Menschen und Vulkanier, ausgemergelt, frierend, krank. Ihnen fehlte es an allem: gute Kleidung, Essen und Medikamente. Die Rebellion war noch zu schwach, um eine funktionierende Infrastruktur aufzubauen. Alle diese Eindrücke prasselten auf Danny Bird ein, als er die Promenade der ehemaligen cardassianischen Raumstation durchwanderte. Sie wirkte wie ein schreckliches Zerrbild von Deep Space Nine, ein wahr gewordener Alptraum. Mehr als nur einmal hatte Danny Mühe, die Fassung zu wahren, als er alte Menschen und Kinder sah, die durch schreckliche Folterungen durch die Allianz entstellt worden waren. Bird hatte seine Uniform gegen eine etwas diskretere Kleidung eingetauscht. Er hatte die Blicke der Flüchtlinge nicht mehr ertragen können, die ihn nur angestarrt und erkannt haben, dass es noch ein anderes Leben dort draußen gab, ein Lebenswertes. Nur durch einen dummen Zufall, einem üblen Scherz des Schicksals waren sie dazu verdammt, in einem Universum der Gewalt zu leben. Der Sicherheitsoffizier war auf dem Weg in Frachtrampe 3, wo ein Experte der Rebellion darauf wartete, von ihm in die Waffentechnik der Sternenflotte instruiert zu werden. Kurz blickte er in das fast leere Etablissement Quark´s hinein. Der Ferengi war nirgendwo zu sehen, stattdessen bediente ein großer Lurianer die Gäste und redete ununterbrochen auf einen Vulkanier ein. Bird hatte keine Ahnung, wo der halsabschneiderische Ferengi war oder ob er überhaupt noch lebte. Im Grunde spielte dies auch überhaupt keine Rolle. Danny wollte so schnell wie möglich wieder nach Hause, in das richtige Universum. Zischend öffneten sich die Türen vor ihm und in einem erschreckend leeren Frachtraum begrüßte ihn ein großer, weißer Vulkanier. <br>„Guten Tag“, begrüßte ihn der vertraut wirkende Mann, „mein Name ist T´Per und ich werde ihnen assistieren.“<br>Wahrscheinlich konnte jeder die Überraschung von Lieutenant Bird nachempfinden, wenn man <br>an die Tragweite dieses Treffens dachte. Der überraschte Mensch blieb stehen, stockte und wusste nicht so recht, was er tun sollte, was T´Per zu einem Stirnrunzeln veranlasste.<br>„Stimmt etwas nicht, Lieutenant?“<br>Allmählich gewann Danny die Fassung wieder und ging auf den Tisch zu, vor dem der Vulkanier stand. Auf dem Tisch war ein Tricobalt-Torpedo aufgestellt und geöffnet worden. Er war aktiv.<br>„Um Gottes willen, deaktivieren sie den Torpedo“, rief Bird und, als T´Per nicht reagierte, durchtrennte er die Zündleitungen. Kurz seufzte Danny. Dieser Vulkanier, der in seinem Universum ein perfekter Sicherheitsoffizier war, hatte hier so gut wie jede Grundregel der Sternenflotte gebrochen. Es war in der Tat ein Spiegel.<br>„Nun, Mr. T´Per, ich werde sie nun in die Konstruktion und Bewaffnung eines Torpedos auf Tricobalt Basis einführen. Ich bitte sie, mir aufmerksam und sorgfältig zu folgen.“<br>„Wie sie wünsche, Lieutenant.“<br>Bird konnte sich an keine Situation erinnern, in der er einmal seinem ehemaligen Vorgesetzten einen Befehl erteilt hatte.<br>Der bedauernswerte Fähnrich in der Dockkontrolle des McKinley-Docks war wirklich nicht zu beneiden. Die Frau, gerade erst von der Akademie gekommen, musste machtlos mit ansehen, wie sich das eigentlich außer Betrieb stehende Raumschiff Monitor nicht nur tarnte, sondern auch widerrechtlich von den Andockvorrichtungen löste, was einigen Sachschaden verursachte. Doch war nicht die einzig verwirrte Person, die diese obskure Situation mitbekam.<br>Der erste Offizier der Monitor betrat stechenden Schrittes die Brücke und fragte ungehalten:<br>„Was zum Teufel ist hier los? Captain?“<br>John Lewinski schien nicht näher auf seinen Stellvertreter eingehen zu wollen, stellte ihn stattdessen mit einer abweisenden Handbewegung ruhig und blickte dann wieder zum Hauptschirm, der das sich entfernende Dock zeigte. Der Andorianer Ardev drehte sich leicht besorgt zu seinem Kapitän, als eine Anzeige auf seinem Display aufleuchtete.<br>„Sir, die Station ruft uns! Sie wollen wissen, was hier machen.“<br>„Ignorieren sie die Rufe“, entgegnete Lewinski und setzte sich in den Sessel. „Fähnrich Locarno, Kurs auf Wolf 359, maximale Geschwindigkeit.“<br>Das Schiff vibrierte kurz, als die Monitor auf Überlichtgeschwindigkeit beschleunigte. <br>„Werden wir verfolgt?“<br>„Nein, Captain.“<br>„Wenn das so ist“, meinte Lewinski und stand auf, „Bruce, ich habe nun Zeit für sie!“<br>Land tobte vor Wut und begleitete Lewinski in dessen Bereitschaftsraum. Die Tür hatte sich noch nicht einmal richtig geschlossen, schon begann der erste Offizier mit seiner Schimpftirade:<br>„Sir, was passiert hier? Erst holen sie mich und den Rest der Mannschaft aus dem wohlverdienten Urlaub, dann entführen sie ein Schiff und verschwinden einfach!“<br>„Ich habe es nicht entführt. Es gehört mir.“<br>Entnervt blickte Bruce Land an die Decke und stemmte die Hände in die Hüften.<br>„Bitte John, ich habe für diese Haarspaltereien keine Zeit.“<br>„Das habe ich auch nicht, Commander“, antwortete Lewinski wütend und schlug auf den Tisch. Die Art, wie er auf den Kommandoton zurückkehrte, war mehr als harsch gewesen und erzielte beim Navigator die gewünschte Wirkung. Dann entspannte sich Lewinski wieder und blickte seinen Freund ruhig an.<br>„Ich werde ihnen allen bald alles erklären.“<br>Er hoffte auf eine Antwort, doch Land tat ihm nicht diesen Gefallen. Statt dessen verließ er wortlos den Raum.<br>Mehrere Lichtjahre entfernt, an Bord von Starbase 67, dem inoffiziellen Operationszentrum für geheimdienstliche Operationen der Sternenflotte wurde, trotz seiner klaren Anweisung, der ehemalige Ausbilder John Lewinskis bei der Arbeit gestört. Seine Ordonanz, ein Lieutenant namens Barrows, betrat verlegen den Raum und nahm Haltung an.<br>„Sir!“<br>Genervt sah Admiral Kashari von seinem Schreibtisch auf und blickte den jungen Mensch an. Er war noch nicht lange sein Assistent, also wollte er ihm die Störung verzeihen. Mit einer Handbewegung bedeutete er ihm, zu sprechen.<br>„Admiral, die U.S.S. Monitor hat widerrechtlich das McKinley-Raumdock verlassen!“<br>Diese Meldung ließ Kashari sich erheben und näher zu seiner Ordonanz zu treten. Er musterte ihn mit festem Blick. Nein, unmöglich, dieser Junge sagte die Wahrheit, eine Wahrheit, die der alte Zakdorn nicht wahrhaben wollte. John Lewinski hatte ein Schiff entführt. Der Umstand, dass es Lewinskis Schiff war, milderte nicht den Tatbestand des Diebstahls.<br>„Wohin fliegt sie jetzt?“ fragte er gepresst.<br>Die Ordonanz schluckte. Ein leichter Schweißfilm lag auf seiner Stirn, der Admiral beeindruckte ihn.<br>„Sir, wir konnten eine Restsignatur des Schiffes feststellen. Sie fliegen in Richtung Wolf 359.“<br>Kashari brauchte nur 2 Millisekunden, um die nächste Entscheidung zu treffen.<br>„Bereiten sie die Sovereign vor. Ich gehe John suchen.“<br><br>Weit entfernt, in einem anderen Universum, schritten die Arbeiten an den Torpedos gut voran. Seit nunmehr 5 Stunden schraubten Bird und T´Per an dem Gehäuse herum, ohne Pause. Während der ganzen Zeit hatte Bird über Gefechtsstrategien und Schwachpunkten von Schiffen gesprochen und der alte Vulkanier war ein aufmerksamer Schüler gewesen. In dieser Hinsicht glich er seinem T´Per bis ins kleinste Detail, doch rein äußerlich war dieser Vulkanier war anders. Das Gesicht war faltiger, vernarbter. Das Haar begann seine natürliche schwarze Farbe zu verlieren und auf einem Ohr war er schwerhörig.<br>„Sagen sie, T´Per“, begann Bird und ließ sich einen Justikator reichen, „wieso haben sie sich den Rebellen angeschlossen.“<br>„Meine Heimatwelt ist besetzt“, antworte T´Per im selben gleichgültigen Tonfall, den sein alter Ego auch benutzte. Eine dumme Antwort auf eine dumme Frage. Bird justierte einige Schaltkreise und beschloss, noch einen Anlauf zu wagen. <br>„Dies ist mir schon klar, T´Per, aber was sind ihre ganz speziellen, persönlichen Gründe?“<br>Für einen kurzen Moment unterbrach der große Vulkanier seine Arbeit und blickte zur Decke. Einige kurze Augenblicke lang, schienen Emotionen über sein Gesicht zu huschen, nicht lang genug, um sie deutlich zu erkennen. Dann arbeitete er weiter, sprach weiterhin mit einer völlig neutralen Stimme.<br>„Ich bin 202 Jahre alt. Als ich geboren wurde, war das terranisch/vulkanische Empire gerade erst gegründet worden. Meine Eltern und ich haben den Traum geteilt, von einer Galaxis, die friedlich unter einer einenden Hand lebte, unter einem Banner.“<br>Das waren wohl eine andere Vorstellung von Einheit, als wir sie haben, dachte sich Danny, unterließ es aber, diesen Punkt laut anzusprechen. T´Per fuhr fort:<br>„Ich habe es miterlebt, wie eine Welt nach der anderen sich dem Empire anschloss, teils friedlich, teils mit Gewalt. Gorn, Tholianer, Halkaner, Bolianer, Bajoraner, Ferengi, hunderte von Völkern, die zum ersten Mal in der Geschichte des Universums vereint waren. Sicherlich gab es wie in jeder Familie Streitereien, doch diese wurden schnell wieder eingedämmt. Dann wurde alles anders. Der Besuch ihres Captain Kirk brachte unseren Spock, einen nahen Verwandten meiner Mutter, dazu, den Wunsch nach echter Freiheit zu hegen. Doch alleine konnte er dies nicht erreichen. Er brauchte jemanden, der an seiner Stelle sprach. Also verhalf er unserem Captain Kirk an die Macht. Leider wurde dieser Mensch zum grausamsten Imperator, denn die Galaxis jemals gesehen hatte, zu Tiberius dem Ersten. Unzählige Völker wurden ausgerottet, Hinrichtungen und Folter waren üblich. Als Spock endlich selbst die Fäden in die Hand nehmen konnte, war es schon zu spät. Hass war geschürt worden, die Allianz war kreiert worden. Ich war dabei, als junger Fähnrich auf der I.S.S. Enterprise-A,<br>als das Empire die letzte große Schlacht bei Wolf 359 verlor. 219 Schiffe wurden zerstört, wir hatten Glück und konnten uns nach Vulkan zurückziehen und waren gezwungen zu beobachten, wie die Erde und mit ihr 6 Milliarden Menschen den Tod fanden. Dann war Vulkan an der Reihe. Intendant Spock hatte eine Kapitulation herausgehandelt, doch er wurde betrogen und Vulkan besetzt. Ich war bei meiner Familie auf Vulkan, als die Allianz kam. Eines Nachts wurden wir von einem Trupp Bajoraner und Cardassianer mitgenommen und verhört. Sie wollten mehr über die vulkanischen Widerstandszellen wissen, doch wir wussten nichts. Ich musste mit ansehen, wie mein Vater gefoltert und meine Mutter bei lebendigem Leibe verbrannt wurde. Ich selbst arbeitete für 18 Monate in einem Arbeitslager der Allianz, bis mich einige menschliche Rebellen befreiten und Spock mich dazu überredete, dem Widerstand beizutreten. Und nachdem auch die terranische Rebellion ihren Anfang genommen hat, arbeite ich hier, auf Terok Nor.“<br>Während dieser ganzen grässlichen Schilderungen hatte T´Per mit der selben, monotonen Stimme gesprochen. Danny hatte irgendwann zu arbeiten aufgehört und den Mann, den er eigentlich so gut kannte, mit verstörtem Blick angeschaut. Er fühlte nun Haß und Wut auf die Allianz, eine skrupellose Macht, die seinesgleichen unterdrückte. Er musste nicht mehr gezwungen werde, ihnen zu helfen. Er WOLLTE es tun.<br><br>Nachdem der zukünftige John Lewinski der Mannschaft vorgestellt, er seine Mission geschildert und schließlich wieder das Casino verlassen hatte, wartete der aktuelle Kommandant der Monitor auf die Reaktionen seiner Führungsoffiziere. Dass diese jedoch so heftig ausfallen würden, konnte selbst der so schlachterfahrene Lewinski nicht ahnen.<br>„Sir, bei allem Respekt, aber das glauben sie ja wohl nicht im Ernst?“ polterte Commander Land und sprang von seinem Sessel auf. Von ihm hatte sich Lewinski eigentlich am meisten Rückhalt erhofft. Doch stattdessen war der erste Offizier der größte Kritiker an diesem Unternehmen. Lewinski blickte sich um. Auch Woil schien etwas sagen zu wollen.<br>„Captain, er hat recht“, erklärte der Chefingenieur, „wieso sollten Vulkanier die Föderation auflösen wollen?“<br>„Weil es logisch ist?“ warf Ardev ein, doch niemand war so recht von dieser Erklärung überzeugt. Land fuhr fort:<br>„Und überhaupt, Captain, wie wollen sicher sein, dass er aus der Zukunft stammt. Vielleicht ist er nur ein Trick, ein Gestaltwandler oder sonst etwas in dieser Art.“<br>„Dr. Frasier hat seine Identität bestätigt“, antwortete der Kommandant, dem der etwas respektlose Ton seines Stellvertreters ganz und gar nicht gefiel.<br>„Und er besitzt Informationen über die Zukunft, zumindest konnte er unsere wenigen Fragen sachgemäß beantworten. Sie wissen ja: die oberste temporale Direktive“, erklärte die Deltanerin Ir´lia. Der Lieutenant hatte im Moment die Position des taktischen Offiziers inne.<br>Doch dies alles konnte den sonst so zu seinem Captain loyalen Bruce Land nicht überzeugen.<br>Lewinski ließ die Mannschaft bis auf Land den Raum verlassen, dann blickte er ihm fest in die Augen.<br>„Bruce, ich brauche sie jetzt.“<br>„Captain, es ist Unrecht, was sie nun tun. Sie entführen dieses Schiff...“<br>Lewinski unterbrach ihn ruhig.<br>„Sie haben mir schon so oft vertraut, Commander, ich bitte sie: vertrauen sie mir noch ein weiteres Mal.“<br>Land enthielt sich einer Antwort und verließ das Casino. Minuten später hatte Lewinski nicht<br>das Gefühl, einen Verbündeten gefunden zu haben.<br>Mit der maximal erreichbaren Zahl an Geschwindigkeit, die Ingenieure der Föderation jemals entdeckt haben, raste die Monitor durchs All. Es dauerte nicht mehr lange bis zum Eintreffen des Schiffes im System Wolf 359. Die Mannschaft ahnte noch nicht, dass die U.S.S. Sovereign<br>ebenfalls auf dem Weg dorthin war. Admiral Kashari selbst hatte das Kommando über den Prototypen und Vorgänger der Enterprise-E übernommen und war wild entschlossen, seinen ehemaligen Schüler und treuen Weggefährten daran zu hindern, irgendwelche Dummheiten zu begehen. Von all diesen Zielen Kasharis ahnte Lewinski nicht das Geringste, als er mit seinem zukünftigen Ich in seiner eigenen Kabine sprach.<br>„Die Mannschaft“, begann sein alter Ego und klang mehr überrascht denn frustriert, „scheint mir nicht ganz glauben zu wollen.“<br>Die Antwort des Captains wurde von einem eindrucksvollen Zähneknirschen untermalt. <br>„In der Tat!“<br>Hätte Dr. Frasier diese Kieferbelastung bemerkt, sie hätte ihren Kommandanten sofort auf die Krankenstation verbannt.<br>„Ich nehme es ihnen nicht übel“, entgegnete der andere John und betrachtete ein altes Holo-Bild, dass seine/ihre Eltern vor 10 Jahren zeigte. Sie waren leider vor 5 Jahren verstorben. Immer noch vermisste John sie, jeden Tag seines Lebens. „Immerhin hätte ich selber Probleme, es zu glauben. Alles, was ich dir anbieten kann, ist etwas vertrauen und einige Daten aus der Zukunft, nicht zu viele natürlich.“<br>Mahnend hob der Zukünftige den Finger und schüttelte ihn lächelnd. Dem jetzigen Lewinski war jedoch ganz und gar nicht nach Lachen zumute. Zum ersten Mal in seiner Offizierslaufbahn stand ein Großteil der Besatzung nicht auf seiner Seite. Sicher, sie würden noch seinen Befehlen gehorchen, weil sie ihn respektierten. Noch. Aber wie lange würde es dauern, bis man sich gegen ihn auflehnte? Ihm das Kommando entzog? Bruce Lands Reaktion war nur ein erstes Anzeichen dieser aufkeimenden Unsicherheit. Immerhin, Lewinski hatte gegen so gut wie jede Sternenflotten-Regel verstoßen. Er hatte wie einst James T. Kirk ein Schiff gestohlen und beantwortete keine Rufe, die Command bisher an ihn gerichtet hat. Und er hatte vor auf ein Schiff zu feuern. Ein ziviles Schiff, das angeblich einen apokalyptischen Virus transportierte. <br>Angeblich....<br>War es schon so weit gekommen? Zweifelte er schon an sich selbst? Diesmal konnte er sogar an seiner leibhaftigen Inkarnation zweifeln, die ihm diese Botschaften überbracht hat. Bisher hatte er in keinem Computer Informationen über den Weg Suraks gefunden. Ein Zeichen dafür, dass es ihn nicht gab oder dass er es verstand, sich außerordentlich gut zu verstecken? War ein Vulkanier überhaupt in der Lage, mehrfachen Völkermord zu begehen? Immerhin hatte er die meiste Zeit seines Lebens mit Vulkaniern vollbracht, die sich als kultiviert und rational dargestellt haben. Oder kann eben jene Rationalität diesen Plan zulassen. War eine Rasse, eben weil sie keine Emotionen besaß, umso mehr in der Lage, Völkermord zu begehen?<br>Fragen über Fragen, nur wenige (scheinbare) Antworten. Es galt eine Entscheidung zu treffen.<br>Bald.<br><br>Der junge Mensch, der trotz der vielen furchtbaren Erlebnisse ein geradezu paradiesisches Leben im Vergleich zu dem hier geführt hatte, tobte vor Wut. Er war außer sich, frustriert, empört, mitgenommen von der Arbeit UND den Eindrücken einer Welt, die ihm pervers und verdreht vorkam. Kinder, die in Baracken hausten. Menschen, die an längst ausgestorbenen Krankheiten litten. Ein System, dass Billionen Lebewesen unterdrückte. Danny Bird konnte dies nicht wieder rückgängig machen. Doch einmal, nur ein einziges Mal, wollte er einen dieser Personen sehen, die zu so etwas fähig waren. Und um jene Person zu treffen, musste er sich in den Arrestbereich von Terok Nor begeben. Er nickte dem Aufseher, ein Indianer names Chakotay, dessen Tätowierung wenigstens ein wenig Würde verschaffte, zu und stellte sich breitschultrig, mit verschränkten Armen vor dem einzige Gefangenen auf Terok Nor hin. Seit Monaten musste der Gefangene, ein Klingone, auf engstem Raum leben, mit einem Minimum an Wasser und Essen. Danny empfand kein Mitleid für ihn. Einst war dieser Klingone womöglich ein aufrechter, stolzer Mann gewesen, doch nun war er ungepflegt, unrasiert, ungewaschen. Nur die schlecht sitzende Uniform erinnerte an seine alte Stellung innerhalb der Allianz. <br>„Hallo, Regent.“ Danny schien den Titel geradezu auszuspucken.<br>Worf erhob sich und blickte den Menschen finster an. Auch in seinen Augen spiegelte sich Hass. Zumindest eine Sache, die sie teilten.<br>„Wer bist du, Mensch?“ fragte Worf und trat kurz vor, doch das knisternde Kraftfeld ließ ihn wieder leicht zurückgehen. In seinem Universum, dem richtigen (egal wie es andere bezeichnen wollten), war Worf ein Mann von Ehre und Mut gewesen, ein Beispiel für jeden Offizier. Hier war er nur ein verspielter Despot gewesen, ein Mörder, der über hunderte von Welten, inklusive der Klingonischen Konföderation und mit ihr die Allianz herrschte.<br>„Merk dir meinen Namen. Danny Bird, Lieutenant.“<br>Der junge Mann hatte sich nicht der Illusion hingegeben, dass sein furchtloses Auftreten ihm irgendeinen Respekt gegenüber dem ehemaligen Herrscher einbringen würde. Doch immerhin hatte er seinen Gegner überrascht, was sich an den weit aufgerissenen Augen des Klingonen zeigte. <br>„Ein Draufgänger was“, rief der Regent und klopfte sich auf die Brust, „ich wette, du bist nicht Manns genug, um dich mir zu stellen!“<br>Bird ging nicht auf diese Provokation ein, wartete stattdessen einige Minuten ohne etwas zu sagen. Schließlich setzte sich Worf auf die kleine Pritsche, die die einzige Annehmlichkeit in seiner kleinen Zelle war. <br>„Nun, Mensch, was ist der Grund für deinen Besuch?“<br>„Ich wollte den Mann sehen, der für so viel Leid verantwortlich ist.“<br>Nun waren die Worte ausgesprochen, der Vorwurf hing in der Luft. Danny hielt dem Blick Worfs stand, was dem klingonischen Regenten ein Lächeln abrang.<br>„Ich bin nur einer von vielen in der ruhmreichen Geschichte der Allianz. Wieso sollte ich dafür verantwortlich sein?“<br>„Ruhmreich? Ist es ruhmreich, Völker zu dezimieren, sie jeden Tag aufs Neue zu demütigen, sie zu foltern, ihren Kindern weh zutun? Ist das eine ruhmreiche Zivilisation? Ist das ehrenvoll, Klingone?“<br>Er hatte einen Nerv getroffen. Worf sprang auf und wollte sich auf ihn stürzen, doch der plötzliche Ausschlag des Kraftfeldes ließ ihn zurücktaumeln. Leichte Verbrennungen zeigten sich nun auf dem Gesicht des Regenten, doch er schien diese gar nicht zu bemerken.<br>„Erzähl du mir nichts von Ehre, Mensch! Ihr wart eine schreckliche Rasse, ehr- und respektlos! Jahrhunderte lang habt ihr den Quadranten beherrscht, mit eiserner Faust. Ihr wart keinen Deut besser als wir, sogar schlimmer. Wir sind nur euer Produkt.“<br>„Das ist hundert Jahre her. Wäre es nicht an der Zeit, den Leuten Freiheit zu schenken?“<br>Worf lachte laut auf.<br>„Freiheit? Sie sind frei! Frei von Entscheidungen, die sie gar nicht treffen könnten. Die Allianz ist die größte Macht in dieser Galaxis, wir herrschen über den Alpha- und Beta-Quadranten und dank der freundlichen Hilfe ihres Doktor Bashir werden wir auch bald das Dominion dazu zwingen, unsere Größe anzuerkennen. Nicht einmal die Borg haben eine Chance gegen uns. Nein, wir können hier nicht aufhören. Ohne uns würde  der Quadrant im Chaos versinken. Aber so sind wir vereint...“<br>„Vereint im Hass.“<br>„Ja, im Hass auf euch Terraner“, fauchte Worf und sprang abermals von der Pritsche auf, „ich erinnere mich noch genau, im großen Befreiungskrieg gegen das Empire. Es war der größte Konflikt, den diese Galaxie jemals erlebt hat. Praktisch alle Völker waren im Krieg, alle, die unter der Tyrannei des Empires gelitten haben. Mein Vater war während der <font>Invasion</font> von Trill<br>von Captain Decker gefangen genommen worden. Doch der Terraner Decker achtete nicht die Vereinbarung von Organia, die wir so respektierten und folterte meinen Vater zu ehre. Mogh starb ohne Ehre, alleine, der Weg nach Sto-vo-kor blieb ihm verwehrt. Als das Empire besiegt worden war, habe ich persönlich Decker ausfindig gemacht und ihn getötet. Ich war 12 Jahre alt und es war das erste Wesen, das ich getötet habe. Verstehst du, Mensch? Wir töten euch nicht, weil es uns Spaß macht, sondern weil nur so unsere Sicherheit garantiert wird.“<br>Danny blickte mit wütenden Augen auf den Regenten. Alle möglichen Varianten des Zornes brodelten in ihm. Word rechtfertigte ethnische Säuberungen im großen Stil. Er wollte Danny provozieren. Er wollte, dass er gegen das Kraftfeld hämmerte und dadurch zeigte, dass die Menschheit immer noch so barbarisch war wie ihre Vorfahren während des Empires. Doch diese Genugtuung wollte er Worf nicht geben. Langsam drehte sich Bird um. Bevor er die Arrestzellen verließ, blieb er noch einmal stehen und sprach mit ruhiger Stimme:<br>„Eines Tages wird sich das Universum gegen euch erheben. Seien es die Romulaner, die sich bisher nur versteckt haben, das Dominion, die Rebellen, die ihre Freiheit wollen oder eine andere Macht... Noch nie in der Geschichte hat ein totalitäres System für ewig gehalten. Einen schönen Tag noch....Regent.“<br>Als die Schotts sich schlossen, schienen sie einem Donnerschlag gleich.<br><br>Konspiration an Bor der Monitor! Nun gut, dieses Wort war wohl doch etwas übertrieben, doch man war auf dem besten Wege dorthin. In dem zugegebenermaßen bescheidenen Quartier von Lieutenant Ardev (es war in der Tat sehr, sehr) hatten sich Commander Land, Chief Woil, Lieutenant Ir´lia und der Hausherr selbst versammelt. Natürlich ging es nur um dieses eine Thema.<br>„Ich bin immer noch skeptisch“, begann Land und sprach damit das aus, was auch die meisten anderen Besatzungsmitglieder dachten.<br>„Ich habe ihn gescannt“, fuhr Ardev fort, „und es gibt keinen Zweifel: dieser Mann ist John Lewinski. Die DNA lügt nicht!“<br>Diesen Punkt hatten sie inzwischen wieder und wieder diskutiert. Bereits mehrere Male war die Identität des Besuchers bestätigt worden. Aber immer noch gab es Zweifel.<br>„Nehmen wir mal an, dies ist wirklich das zukünftige Ich des Captains“, warf die Deltanerin Ir´lia ein, „haben wir überhaupt das Recht auf ein ziviles Schiff zu feuern? Auch wenn es eine Gefahr darstellt?“<br>„Wenn es stimmt, was er sagt“, antwortete Woil, doch dies stellte niemanden zufrieden. Die Tür summte. Alle Augenpaare richteten sich auf Ardev, als ob sie stumm fragten, ob er noch Besuch erwartete. Der Andorianer öffnete die Tür und vor ihm stand Arena Tellom.<br>„Hi, ich dachte mir...“<br>Sie war bezaubernd, umwerfend, einfach klasse.<br>Sie kam zur völlig falschen Zeit!<br>„Sir, komme ich ungelegen?“ fragte sie verdutzt, nachdem sie die anderen Offiziere in seinem Quartier bemerkt hatte.<br>„Fähnrich, wir werden später die Modifikationen der Sensoren durchsprechen müssen. Gute Nacht.“<br>Gott sei Dank schaltete sie schnell und verschwand. Die anderen vermieden es glücklicherweise Ardev auf diesen peinlichen Moment anzusprechen und Land fuhr ruhig fort.<br>„Ich beobachte dies alles mit großer Sorge. Wir müssen abwarten. In 50 Minuten erreichen wir Wolf 359. Lassen sie sich eins gesagt sein: ich habe bereits Maßnahmen ergriffen.“<br>Und mit einem letzten unbelasteten Atemzug sprach Bruce Land die Worte aus, die er eigentlich nie sagen wollte:<br>„Wenn es sein muss, werde ich den Captain von seinem Kommando entbinden.“<br><br>Der Turbolift hielt in der OPS. Mehrere Terraner bedienten die Kontrollen, schienen von Bird keine Notiz zu nehmen, als er auf die untere Ebene trat und den ovalen Sichtschirm betrachtete. Das Gebiet der Allianz war auf ihm zu sehen. Es war beeindruckend. Und Furcht einflößend. An mehreren Schlüsselpunkten waren Rebellenstützpunkte zu sehen, die unentwegt Angriffe tief ins Allianzgebiet flogen. Es waren nicht mehr als Nadelstiche, doch sie waren wirksam. Doch man brauchte sich nichts vorzumachen: der Krieg war auf diese Weise nur schwer zu gewinnen. Er schritt die wenigen Treppenstufen hoch und betrat Smileys Büro. Insgeheim war Danny heilfroh, nirgendwo Bashir zu sehen, der jähzornige Arzt war ihm nicht ganz geheuer. Smiley hob beim Geräusch der zischenden Türen den Kopf und lächelte Bird an.<br>„Lieutenant, setzten sie sich.“<br>Danny war überrascht, einen Stuhl im Büro vorzufinden. Beim ersten Mal war hier noch keiner gewesen. Er begutachtete kurz die Padds, die O´Brien zur Seite legte. Der Ire bemerkte dies und lächelte abermals.<br>„Verhandlungen mit dem Dominion“, erklärte er, „sie können uns mit Waffen und eventuell auch mit Schiffen versorgen. Richten sie ihrem Bashir Dank aus. Ohne ihm und Major Kira hätten wir das Wurmloch nie gefunden. Verdammt, ohne sie würde es diese Rebellion überhaupt nicht geben.“<br>Danny sagte nichts, starrte den Anführer der Rebellion stattdessen nur an. Ihm war nicht nach irgendwelchen Dankesreden zumute.<br>„Ich habe gehört“, fuhr O´Brien fort und drehte den Stuhl so, dass er die Sterne im Fenster beobachten konnte, „dass die Arbeiten an den Tricobalt-Torpedos fast abgeschlossen sind. Ich bin ihnen zu großem Dank verpflichtet. Es tut mir leid, dass wir sie dazu gezwungen haben.“<br>„Gern geschehen.“<br>Einige Sekunden schwieg Bird, so als fürchtete er unangemessene Worte auszusprechen. Dann gab er sich schließlich einen Ruck.<br>„Ich will ihnen helfen. Ich will an ihrem Kampf teilhaben.“<br>O´Brien lachte verschmitzt, als hätte er diesen Satz geahnt. Doch dem Lachen fehlte der Humor, es war nur gezwungen.<br>„Es ist nicht ihr Kampf. Das waren ihre Worte vor zwei Tagen.“<br>„Die Situation hat sich geändert. Es ist mein Kampf, unser Kampf!“<br>Beeindruckt pfiff Smiley einen kurzen Ton. Er schien den jungen Sternenflotten-Offizier falsch eingeschätzt zu haben. <br>„Was ist mit der Ersten Direktive?“<br>„Sie greift nicht. Wir haben uns schon eingemischt. Schon vor 150 Jahren.“<br>Danny war selber überrascht, wie selbstverständlich er diese kalten Formulierungen über die Lippen brachte. Schließlich nahm er die Schärfe aus seiner Stimme, als er hinzufügte:<br>„Die Erste Direktive gilt nur für unser Universum. In dem Universum der Föderation.“<br>Wieder überlegte O´Brien etwas. Er schien etwas sagen zu wollen, schreckte aber zurück. Dann erhob er sich.<br>„Gehen sie zu T´Per und sagen sie ihm, ich wäre einverstanden. Er gibt ihnen dann weitere Anweisungen.“<br>Bird nickte und erhob sich. Kurz bevor sich die Türen öffneten, stoppte er und fragte:<br>„Jetzt, wo ich ihnen freiwillig helfe, können sie doch Captain Lewinski freilassen?“<br>O´Brien antwortete ruhig und kühl:<br>„Es tut mir leid wegen der Täuschung. Es war nicht ihr Lewinski. Dieser hier ist ein Kollaborateur der Allianz. Er wird heute Abend hingerichtet.“<br>Im Nachhinein würde Bird schockiert darüber sein, wie kaltblütig er diese Nachricht hinnahm.<br><br>John Lewinskis alter Ego erhob sich langsam von der Pritsche. Der Moment, für den er fast zehn Jahre durch die Zeit gereist war, war gekommen. Langsam ging er zum Becken und wusch sein Gesicht. Er ließ das kalte, wiederaufbereitete Wasser die Müdigkeit vertreiben. Er hatte nur wenig geschlafen. Zu sehr hatte ihn die Mission in Anspruch genommen, zu groß war die Aufregung gewesen. Er spürte die Bartstoppel auf seinem Kinn. Zu wenig Zeit. Er wusste, dass ein Teil der Mannschaft ihm nicht vertraute. Dies war in Ordnung, er kannte seine Untergebenen. Sicher hätte Bruce Land schon etwas in die Wege geleitet oder haderte mit sich darüber, was er tun sollte. <br>Bruce...<br>Es hat gut getan, den alten Freund wieder zu sehen. Gesund, vital, nicht an die medizinischen Geräte angeschlossen, wie er ihn das letzte Mal gesehen hatte. Das letzte Mal vor seinem schmerzhaften Tod.<br>John stockte, als er die Tränen zurückhalten wollte. All diese Erinnerungen. An sein Schiff, seine Familie....<br>Erica....<br>Er hatte es vermieden, seinem früheren Ich von nichts dieser Ehe, die gewaltsam durch einen teuflischen Virus beendet wurde, zu erzählen. Er sollte das Abenteuer selber bestreiten, die Hochs und Tiefs selber erleben.<br>Bis das der Tod euch scheidet.<br>Er würde es schaffen. Er würde die Zukunft der Föderation retten.<br>„Packen wir es an“, sagte Lewinski leise und verließ das kleine Quartier und betrat die Brücke. Alles war wie früher, alle saßen an den gewohnten Plätzen. Ein sentimentaler Moment. Lewinski nahm einen tiefen Atemzug, als er sich neben sein früheres Ich stellte, das im Kommando-Sessel saß. Es war soweit.<br>„Treten ins Wolf 359-System ein“, meldete Land und blickte weiterhin auf seine Konsolen, „ich orte einen Transporter, Antares-Klasse.“<br>„Setzten sie Abfangkurs, Commander. Waffen aktivieren.“<br>Es ging los.<br><br>Einige tausend Kilometer von der Monitor entfernt, trat die U.S.S. Sovereign in das Wolf-System ein. Das massive Schiff wurde nicht von den Sensoren der Monitor geortet. Admiral Kashari hatte den Platz des Kommandanten eingenommen und beobachtete das kleine Transportschiff, das vielleicht bald zerstört wurde. Ohne einige Hilfestellungen von der Crew der Monitor hätten sie sie nie gefunden, geschweige denn ihre Ankunft maskiert worden sein.<br>Ein trauriger Tag für Admiral Kashari: vielleicht würde sein Lehrling und Freund heute den größten Fehler seines Lebens begehen. Er musste ihn aufhalten.<br><br>„Wie ich hörte, Mr. Bird, haben sie sich entschlossen, uns weiterhin zu helfen.“<br>Mit diesen trockenen Worten begrüßte T´Per den jungen Mann, der ein weiteres Mal den Frachtraum betrat. Es stimmte, Danny hatte seine Entscheidung getroffen. Er wollte etwas bewegen, um jeden Preis. Und wenn seine Sternenflottenkarriere dabei draufging, wen kümmerte es? Das einzige was zählte, war die richtige Entscheidung. Die Entscheidung, nach der er am nächsten Morgen noch in den Spiegel schauen konnte.<br>„Sie haben einen Plan?“ fragte Bird direkt, ohne Umschweife. Es war eine Ironie: in seinem Universum waren er und T´Per nie besonders miteinander klargekommen, immer waren sie Konkurrenten gewesen. Doch hier, in einem Universum voller Leid und Gewalt hatte sich ein Band aufgebaut, dass sogar Freundschaft war.<br>„Mr. Bird, die Rebellen danken ihnen für die Hilfe bei den Tricobalt-Torpedos. Dank ihrer Korrekturen kann die Produktion bald in Serie gehen und endlich haben wir eine Waffentechnik, die der Allianz überlegen ist. Doch Vulkanier wie ich sehen dies alles realistisch: wenn überhaupt, kann dieser Kampf erst in einigen Jahrzehnten gewonnen werden. Jahrzehnte, in denen wieder einiges anders laufen könnte. Deshalb haben führende Wissenschaftler an einer speziellen Methode gearbeitet, die ihnen geläufig sein sollte.“<br>T´Per aktivierte einen Bildschirm, der so alt war, als käme er noch aus Kirks Zeiten. Nun, vermutlich stimmte dies auch. Eine Sonne erschien. Eine Flugbahn. Ein Schiff. <br>„Eine Anleitung für eine Zeitreise.“<br>„Korrekt.“<br>Beeindruckend. Dies war die Zeitreisemethode, die Captain Kirk seiner Zeit angewandt hatte. Mit einer ausreichenden Beschleunigung zu einem bestimmten Zeitpunkt um die Sonne konnte man eine Zeitreise durchführen, eine ziemlich exakte sogar.<br>„Wo soll es hingehen?“<br>„Ungefähr 10.000 Jahre vor unserer Zeit. Zu den primitiven Anfängen der klingonischen und cardassianischen Kultur.“<br>Nun wurde Danny hellhörig. Eine solch immense Zeitreise würde immense Ressourcen benötigen. Vorausgesetzt, die Defiant würde diesem immensen gravimetrischen Druck standhalten.<br>„Und wie komme ich dabei ins Spiel? Und wieso diese Zeit?“<br>Der Vulkanier legte ruhig eine Hand auf das Torpedogehäuse.<br>„Ihre Aufgabe wird sein, etwas Trilithium-Harz in diese Torpedos einzubauen, die wir dann auf Cardassia-Prme und Qo´Nos abfeuern werden. Diese Explosion in der Atmosphäre wird den Planeten für Jahrhunderte unbewohnbar machen und das wenige frühe humanoide Leben auf diesem Leben vernichten. Die Allianz wird nie existieren.“<br>Diese Worte wirkten lange auf Danny ein. Völkermord. Waren sie dann überhaupt besser als die Allianz? War es überhaupt Mord, wenn all diese Wesen nie existiert hatten? Es war ein erschreckender Gedanke.<br>Die richtige Entscheidung...<br>„Wann soll ich mit den Modifikationen beginnen? Sie dauern nicht lange.“<br><br>Das kleine Transportschiff raste mit Lichtgeschwindigkeit durchs All, der Erde entgegen. Niemand der Passagiere oder auch der Crew ahnten noch den Vorgängen, die sich an Bord eines Schiffes abspielten, das sich getarnt hinter dem Transporter befand. Auf dem Sichtschirm der Monitor war deutlich das rote Glühen der Impulstriebwerke zu erkennen, die Schiffsbemalungen und kleine Fenster. Captain Lewinski versuchte sich dieses Bild einzuprägen. In wenigen Minuten würde er dieses Schiff vernichten müssen. Er musste es tun, wegen dem, was ihm sein zukünftiges Ich gesagt hatte. Der andere John stand neben ihm und auch ihm war die schwere Last der Entscheidung anzusehen. Sie würden viele unschuldige Leben auslöschen, um noch mehr Unschuldigen das Leben zu retten. War dies ein Trost für sie? Auch den anderen Brückenmitgliedern gingen ähnliche Gedanken durch den Kopf. Immer wieder blickten verschiedenste Besatzungsmitglieder zu Lieutenant-Commander Land, der ungerührt an seiner Navigationskonsole saß. Würde es zum schlimmsten kommen, würde er etwas tun müssen. So verlangten es die Statuten. Doch was war die richtige Entscheidung? Dies konnte einem kein Handbuch sagen. Bruce Land war sich der enormen Verantwortung bewusst, die auch auf ihm lastete. <br>„Scannen sie das Schiff“, befahl Lewinski und faltete die Hände. Der Sensorencheck dauerte nicht länger als eine Sekunde.<br>„Ich scanne mehrere vulkanische Lebenszeichen an Bord, darunter auch welche, die zu den Daten Rulaks passen“, meldete Ardev und blickte erwartungsvoll zu seinem Kommandanten. Auch seine neue Liebe Tellom blickte zum Captain. Die nächsten Sekunden waren entscheidend. Lewinski atmete noch einmal tief durch und stellte überrascht fest, dass sein anderes Ich das selbe tat. <br>„Laden sie die Waffen, Ms. Ir´lia.“<br>„Sir!“ Ardevs Reaktion war dermaßen heftig, dass Lewinski von seinem Stuhl aufsprang.<br>„Ein Schiff ruft uns. Es ist die Sovereign!“<br>Ein Schiff? Hier? Unmöglich, es waren keine anderen Schiffe im System feststellbar...<br>Lewinski war schockiert, als er eins und eins zusammenzählte. Jemand aus seiner Mannschaft hatte ihn hintergangen.<br>„Ein Kanal wird geöffnet“, verkündete Ardev überrascht.<br>Die nun hörende Stimme war John Lewinski bestens vertraut. Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte er sie gerne gehört, doch nun kam sie völlig unpassend.<br>„Hier spricht Admiral Kashari! Monitor, ich weiß, was sie vorhaben. Sobald sie sich enttarnen, werden sie zerstört werden. Ich werde sie nicht wiederholen.“<br>„Admiral“, antwortet John und versuchte seine Stimme gleichmäßig klingen zu lassen, während er Ardev ein Zeichen gab, dass Gesicht des Zakdorn auf den Wandschirm zu holen,<br>„sie müssen mir vertrauen. Dieses Schiff ist gefährlich. Ich habe Quellen, die besagen, dass es zerstört werden muss.“<br>Kashari beäugte kritisch Johns Doppelgänger. Wahrscheinlich wusste er nicht, was er von ihm halten sollte. Lewinski nutzte die kurze Abgelenktheit Kasharis, um einen Blick auf die Brücke der Sovereign zu werfen. Der eigentliche Kommandant Commander Krall saß ruhig neben Kashari und beobachtete die Szenerie. Wenn der Trill enttäuscht war, dass man ihm kurzzeitig das Kommando weggenommen hatte, so ließ er sich dies nicht anmerken. Die anderen Offiziere auf der Brücke blickten ebenfalls auf den Schirm, anscheinend wollte jeder einen Blick auf den Captain werfen, der drauf und dran war, ein ziviles Schiff zu zerstören. Nur Lieutenant-Commander Hekta, die Sicherheitsoffizierin der Sovereign schien kein Interesse an diesem Schauspiel zu haben, sie fixierte die Anzeigen an ihrer taktischen Station. Kashari wandte sich wieder dem John Lewinski aus dem hier und jetzt zu. Sie beide kannten sich seit der Akademie, als Kashari dem jungen John damals die ersten Grundlagen des Kommandos beigebracht hatte. Zwei Jahre lang war er sein Mentor gewesen, nach der Graduierung dann ein Freund der Familie, der John, nach der Zerstörung der Teneriffa, das Kommando über die Monitor gab und ihn zum Geheimdienst holte. Sie waren ebenbürtige Gegner.<br>„Sir, mich würde interessieren, wie sie uns gefunden haben und wie sie zudem noch sich vor unseren Sensoren verstecken konnten.“<br>„Wir haben von einem ihrer Leute Hilfe erhalten.“<br>Enttäuschung. Wut. Aufgestaute Gefühle. Kashari log nicht, das wusste John. Jemand aus seiner eigenen Mannschaft hatte gegen ihn gespielt. Vielleicht sogar mehrere. Er hatte gewusst, dass so etwas passieren konnte, doch dies bewahrte ihn nicht vor der Enttäuschung, die er empfand. Langsam, die Zeit schien verlangsamt zu vergehen, drehte er den Kopf zur Navigationskonsole. Sein bester Freund, hatte er seinen Captain verraten? Bruce Land schien den Blick zu bemerken und drehte ebenfalls seinen Kopf zu seinem Kommandanten. Auch seine Miene zeigte Überraschung, seine Lippen versuchten Worte zu formulieren, doch sie drangen nicht zu Lewinskis Ohren. Er schien nur ein Rauschen zu hören, ein monotones, endloses Geräusch. Sein zukünftiges Ich blickte ihn ebenfalls überrascht an. Hätte er dies nicht erwarten können? Hatte er diesen Moment nicht mit berechnet? Leise drangen Worte zu Lewinski durch. Sie stammten aus dem Lautsprecher. Kasharis Worte.<br>„John, ich lege eigentlich nie meine Quellen offen, aber so viel sei ihnen gesagt: Commander Land hat nichts damit zu tun. Auch wenn es seine Pflicht gewesen wäre.“<br>Der Admiral sprach diese Worte ohne Zorn, obschon sie einen kleinen Vorwurf bargen, den auch der Brite bemerkte. Land wandte sich wieder seinen Kontrollen zu.<br>„Captain, bitte übergeben sie uns das Schiff“, bat Kashari seinen Schützling höflich.<br>Lewinski wusste nicht mehr weiter. Er musste die Katastrophe abwenden, um jeden Preis, daran gab es keinen Zweifel. Stumm blickte er zum anderen John. Dieser nickte. Er wusste, was nun zu tun war. Innerhalb weniger Minuten legte er dem Admiral die Situation dar, alles Details. Der Vulkanier. Die Seuche. Das Sterben. Kashari hörte sich die grauenvollen Schilderungen ruhig an, nickte ab und zu, behielt aber den anderen John fixiert, musterte seine mit grauen Strähnen durchsetzten Haare, seine Falten im Gesicht. Captain Lewinski hoffte, dass sein alter Ego den alten Freund überzeugen konnte. Dann waren die Schilderungen vorbei. Sie hatten ihre Wirkung erzielt. Wenn jemand auf der Brücke der Monitor noch gegen den Angriff war, so ließ sich das nicht feststellen. Auch an Bord der Sovereign blickten einige Offiziere besorgt zu ihrem Kommandanten. Schließlich, wie in Zeitlupe, erhob sich der Admiral, trat zwischen die Conn- und OPS-Kontrollen. Seine Stimme hatte keine Spur von Zorn, als er die Schicksalsfrage stellte:<br>„Wenn dies alles so ist, John, wieso können unsere Sensoren keine Vulkanier an Bord feststellen?“<br>Fassungsloses Entsetzten. Dann Erkenntnis. Ein Trick. Ja, diese Lektionen hatte Kashari ihm an der Akademie gelehrt. Beim Pokern. Bluffen. Lewinski verzog keine Miene, denn er glaubte diesem Bluff nicht. Früher, in seinem ersten Jahr auf der Akademie, war ihm einmal das Kunststück gelungen, William Riker im pokern zu schlagen. nur ein einziges Mal. Der Gewinn war der ewige Respekt dieses berühmten Offiziers gewesen. Dann spürte er den Blick Ardevs auf ihm. Wieder schienen sich die Sekunden zu dehnen, als die Hand hob, ihn bat zu sprechen.<br>„Captain, die Sensorenlogbücher der Sovereign bestätigen, dass keine Vulkanier an Bord sind.“<br>Ein einfacher Trick. Eine Manipulation der Logbücher. Jeder Fähnrich im Praktikum konnte dies. Lieutenant-Commander Land aktivierte den Kommunikator:<br>„Land an Woil, scannen sie!“<br>Lewinski war zu überrascht, um etwas zu sagen. Wieso sollte der Chief etwas scannen? Und dazu noch aus dem Maschinenraum? Dann die Antwort:<br>„Commander, die Sensoren des Shuttles bestätigen die Aufzeichnungen der Sovereign. Es sind keine Vulkanier an Bord des Transporters.“<br>„Was zum...?“<br>Lewinski erhob sich zitternd aus dem Sessel. Was war hier los? Woil hatte den Transporter von einem Shuttle gescannt. Waren dessen Sensoren nicht betroffen? Oder waren sie gerade betroffen? Langsam drehte sich Lewinski auf der Brücke, beobachtete die Offiziere, sein anders Ich, den Admiral. Er wusste nicht was los war. Was ging hier vor? Dann geschah etwas, was mit dem Gang der Ereignisse in überhaupt keinem Zusammenhang stand, es erschien einem geradezu obskur: vom hinteren Bereich der Brücke ertönte ein höhnisches, langsames Klatschen. Alle Personen drehten sich zur Geräuschquelle, auch Admiral Kashari begutachtete die Person. Ein Mann stand da, den niemand zuvor gesehen hatte. Er trug eine Sternenflotten-Uniform, ohne Rangabzeichen. Er war jung, Mitte zwanzig vielleicht, das dunkelblonde Haar war etwas länger als vorgeschrieben, der Mund hatte sich zu einem spitzbübischen Lächeln verzogen, dass bereit war, die bittere Wahrheit zu verkünden.<br>„Bravo!“ Er klatschte weiter, als er sich dem Captain näherte. „Bravo!“ Lewinski und sein Pendant aus der Zukunft schauten sich verwirrt an. „Bravo.“ Das Klatschen verschwand, ohne Echo, ohne Nachhall. Der Eindringling grinste Lewinski frech an,<br>„Ich muss sagen, Captain“, sagte er zynisch, „sie haben genau nach Schema gehandelt. Wie sie vorgegangen sind, einfach klasse. Tollkühn haben sie ein Schiff entwendet, oh, Verzeihung, ihr Schiff natürlich und haben sich Befehlen der Sternenflotte widersetzt. Vom feinsten!“<br>Lewinski schüttelte kurz den Kopf. Er hatte nicht vor, sich von irgendjemandem zum Narren machen zu lassen. Kurz blickte er zu Kashari, doch dieser wirkte genauso verwirrt, wie Lewinski auch. Diesmal keine Täuschung.<br>„Wer sind sie, verdammt noch mal.“<br>Der junge Mensch verbeugte sich altmodisch und verkündete stolz:<br>„Wie unhöflich von mir, Captain, bitte verzeihen sie mir, dass ich mich nicht gleich vorgestellt habe. Mein Name ist Sloan, Nathan Sloan.“<br>Natürlich. Die Ähnlichkeit war verblüffend. Luther Sloans Sohn.<br>„Sektion 31“, erkannte John düster. Als Bestätigung klopfte ihm Sloan auf die Schulter.<br>„Ganz recht, Sir. Ich muss schon sagen, es ist mir eine Ehre, dass sie sich an meinen Vater erinnern. Ein großer Mann.“<br>„Es war nie...“<br>„Bekannt dass er einen Sohn hat?“ unterbrach ihn Nathan schnell, „Nun ja, doch, aber sie kennen ja die Sektion: alles ist unter Verschluss.“<br>„Und was machen sie hier? Was wollen sie?“ fragte ihn der zukünftige John. Entsetzten keimte in ihm.<br>„Oh, gut dass ausgerechnet sie das fragen. Durch sie hat nämlich unser Plan wunderbar geklappt. Die anderen Mitglieder der Sektion hätten schon viel früher auf diese Methode kommen sollen. Einfach brillant; übrigens stammt sie von mir.“<br>Nun verstand keiner mehr etwas. Ir´lia fragte verwirrt:<br>„Was machen? Welche Methode?“<br>Nathan Sloan schien richtig Freude zu empfinden, als er seinen Coup erläuterte.<br>„Meine hübsche Deltanerin, sie sind aber neugierig. Aber gut, da sie mich ja so köstlich unterhalten haben, will ich ihnen nichts vorenthalten. Ihr Captain, also der John, er ist sehr kompetent. In einigen Jahren wird er es noch zu etwas bringen. Aber wenn er in der Hierarchie des Geheimdienstes aufsteigt, so könnte er eine Gefahr für Sektion 31 werden. Was denken sie, wer Chief O´Brien den Antrag auf Versetzung auf die Erde, nach so vielen Jahren, genehmigt hat? Mit Doktor Bashir an seiner Seite wäre er ein zu großes Problem geworden. Doch dass nun am Rande. Also, wo war ich? Ach ja, ihr Captain... hätten wir ihn getötet, wie manche es vorhatten, so wäre er zum Märtyrer geworden, das konnten wir uns nicht leisten. Zuerst muss man den Ruf zerstören, dann ist jemand angreifbar. Und was soll ich sagen, es hat geklappt! Sie haben zwar nicht das Schiff zerstört, aber ein Raumschiff der Föderation entwendet und Befehle missachtet. Wenn sie Glück haben, landen sie nicht lebenslänglich hinter schwedischen Gardinen. Verzeihung, diesen Ausdruck kennen sie sicher nicht mehr. Es bedeutet, im Gefängnis.“<br>Die Freude, mit der Sloan diese Verschwörung erläuterte, war geradezu pervers. Entsetzen herrschte bei den Crews beider Schiffe.<br>„Aber, aber“, stammelte Lewinski, „John, er stammt doch aus der Zukunft, er hat meine DNA...“<br>„Geklont, mein guter Captain, geklont. Und die Erinnerungen, na ja, wir können so etwas ebenfalls duplizieren. Und, um ihnen zuvorzukommen, Lieutenant Ardev, sein Teilwissen über die Zukunft ist echt. Vergessen sie nicht, wir sind Sektion 31. Ach ja, einfach herrlich. Der gute Klon hat dies alles für bare Münze genommen. Er glaubte tatsächlich, dass es ein Virus gegeben hatte. Perfekt!“<br>Alles schien sich für Lewinski zu drehen. Nicht nur für den Captain, sondern auch für sein Pendant. Stellen sie sich einmal den Schock vor, wenn sie erfahren, dass ihre ganze Existenz, ihre ganzen Erinnerungen eine Lüge sind. Dem anderen John war schlecht. Alles eine Lüge.<br>„Nun ja“, fuhr Sloan erneut fort, nun brauchen wir dich ja nicht mehr.“<br>Und mit einer geschmeidigen Bewegung holte er einen kleinen Auslöser heraus und betätigte ihn. Der andere John verdrehte die Augen und fiel mit einem lauten Plumps zu Boden. Er war sofort tot. Lewinski kniete sich neben ihn, hielt den leblosen Kopf in den Händen. Die Augen waren noch geöffnet, sie blickten leer. Langsam winkte Sloan, immer noch mit diesem geschmacklosen Lächeln.<br>„Ich muss mich nun verabschieden. Ach ja, die Sensoren haben wir vor ihrer Abreise manipuliert. Und von dieser Sache hier gibt es keine Schiffsaufzeichnungen. Junge, Junge, ich muss schon sagen, dass war ein toller Tag. Man sieht sich und viel Spaß noch.“<br>Dann verblasste Sloan und war weg. Er war nur ein Hologramm gewesen, hatte nie hier gestanden. Totenstille herrschte. Lewinski hielt immer noch den Kopf seines toten Klons in den Händen.<br>Ein toller Tag.<br><br>So musste sich auch Captain Kirk gefühlt haben, als er seine Zeitreise zurück ins 20. Jahrhundert gemacht hatte, um die Wal-Sonde zu stoppen. Diesen Adrinalinschock musste er empfunden haben, als er die Bounty um die Sonne und damit durch die Zeit geschleudert hatte.<br>Nun hatte Defiant ihr Ziel erreicht, dass menschliche Jahr 700 v.Chr. Die ach so mächtige Flotter der Allianz war durch einige Überraschungsangriffe getäuscht worden, so dass die Rebellen die Zeitreise ohne Probleme durchführen konnten. Nun waren sie da, in der Umlaufbahn von Qo´Nos. Während O´Brien den grünen Planeten auf dem Schirm voller Abscheu betrachtete, steuerte Julian Bashir das Schiff in einen günstigen Angriffsorbit. Ein weiters Mal sondierte Danny Bird, der an den taktischen Kontrollen saß, den Planeten. Fast das gleiche Bild wie auf Cardassia wenige Stunden zuvor: einige wenige tausend Klingonen waren auf dem Planeten verstreut. Sie lebten in einer Welt, in der der Gedanke ans Fliegen an Aberglauben grenzte. Genauso wie die Cardassianer wenige Stunden zuvor ahnten sie nichts von der Gefahr, die nun über ihren Köpfen schwebte. Danny bereitete den Abschuss der Torpedos vor, die die Atmosphäre mit Trilithium-Harz vergiften würden. Dann würden alle Lebewesen aussterben und mit ihr die tyrannische Allianz. Noch einmal musste Danny Bird gegen den Eid verstoßen, den er als Sternenflotten-Mitglied geleistet hatte und Völkermord begehen. Dieser Plan entbehrte jedweder Logik. Zu hoffen, dass die Allianz nicht existierte, war nur eine, der vielen Möglichkeiten, die sich aus dieser Manipulation  er Zeit ergaben. Dies hatte sogar Smiley erkannt. Doch es war noch die beste Chance, die die Menschheit hatte.<br>„Sind nun in Angriffsposition“, meldete Bashir angespannt. Er hasste die Allianz am meisten, das wusste jeder, nur den Grund kannte man nicht. Bird erfasste das Ziel. Noch einmal Mord, noch einmal Unrecht begehen...<br>„Feuere Torpedos.“<br>Es lag keinerlei Emotion in seiner Stimme. Ruhig beobachteten alle die beiden Lichtpunkte, die sich dem Planeten näherten und dann explodierten. Schon nach wenigen Minuten begann sich die Atmosphäre grau zu färben. In einigen Stunden war der Planet unbewohnbar, hochgiftig. Es war geschafft. Doch es gab keinen lauten Jubel, kein Geschrei. Jedem war klar, was sie eben getan hatten. Es war nun an der Zeit, zurückzukehren.<br>„Was denken sie, Smiley“, fragte ihn Danny, als sie ihn Richtung Transporterraum gingen, der ihn nach der erfolgreichen Reise direkt zurück beamen würde, „werden wir uns an das Geschehene erinnern?“<br>Der Ire zuckte die Schultern. Auch für ihn war es ein langer Tag gewesen.<br>„Ich weiß nicht. Vielleicht.“<br>Mehr gab es nicht zu sagen. Noch einmal zogen an Bird alle Klingonen vorbei, die er in seinem Leben gekannt hatte. Hier würde es sie nicht mehr geben. Bei ihm schon. Er hoffte nur, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte.<br><br><blockquote><i>Die Welt ist schön. Und wert, dass man um sie kämpft.</i><br><p align="right">-Ernest Hemmingway</p><p align="left"></p></blockquote><br><br><b></b><p align="center">- Ende -</p><p align="left"></p>]]></description><guid isPermaLink="false">1235</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 2x03: Zwischenspiel</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-2x03-zwischenspiel-r1220/</link><description><![CDATA[<p align="center"><b>Diese Folge als PDF-Download:</b></p><div align="center"><center><table><tr><td align="center"><a href="http://www.treknews.de/cgi-bin/gallery-treknews/imageFolio.cgi?action=view&amp;link=Fanfiction/Star_Trek_Monitor&amp;image=0203.zip&amp;img=&amp;tt=all" target><img alt="Download" border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0203.jpg"></a></td></tr><tr><td bgcolor="#202020" valign="top" align="center"><font color="#ffffff" face="Verdana,Arial,Helvetica" size="1"><b><font>Monitor 2x03 "Zwischenspiel"</font></b><br>Zip File<br><a href="javascript:" onclick="window.open('http://www.treknews.de/cgi-bin/gallery-treknews/imageRate.cgi?direct=Fanfiction/Star_Trek_Monitor&amp;file=0203.zip','Rate','height=200,width=200');return false">Rating</a><br>Größe: 128 kB</font></td></tr></table></center></div><br><br><blockquote><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/pg13.jpg"></blockquote><br><br>Der Held war ins Paradies zurückgekehrt. Der Held, das war in diesem Fall John Lewinski, Captain der Sternenflotte der Vereinigten Föderation der Planeten und das Paradies wurde freundlicherweise von der Erde gestellt. Und das war es tatsächlich, ein strahlend schöner Planet, eine Welt ohne Hunger, ohne Leiden. Die Monitor hatte vom Oberkommando eine Woche Sonder-Urlaub bekommen, dank eines guten Wortes von Admiral Kashari. Zwar machte der Zakdorn nie selbst Urlaub, aber er ließ sich nicht lumpen, anderen etwas Ruhe zu verschaffen. Er war sogar selbst hier auf der Erde, denn die Offiziere der Monitor, einige wichtige Admiräle und einige Reporter hatten sich in der Sternenflotten-Akademie in San Francisco versammelt, um ihrem Captain aufzuwarten. Sie alle befanden sich in der prächtigen, gläsernen Empfangshalle der Akademie, die vom Sonnenlicht geradezu durchflutet war. Die Fenster ließen einen die prächtigen Gärten und die wunderschönen künstliche Brunnen sehen, die die Akademie säumten. Über dem Gebäude wehten die stolzen Flaggen der Föderation und der Akademie. Lewinski stand im Zentrum der Halle (ironischerweise auf dem Symbol der Planeten-Allianz) während sich die zahlreichen Gäste um ihn in einem Kreis gruppiert hatten. Nur leise vernahm das leise Klicken der zahlreichen Holo-Kameras, die diesen Moment für die Ewigkeit festhalten wollten. Lewinski sowie die anderen Offizieren trugen die strahlend weiße Gala-Uniform, die anscheinend die Sonne dazu animierte, noch mehr Licht zu spenden.<br>„Achtung!“ rief ein junger Kadett in die Halle hinein und kollektiv standen die Offiziere still, während der sonst immer ewig schlecht gelaunte Admiral Edward Jellico die Halle betrat. Diesmal geschah das Unfassbare: der Admiral lächelte! Mit einer Schatulle in der Hand näherte er sich dem Captain.<br>„Stehen sie bequem“, verkündete Jellico und die Anwesenden entspannten sich, während Jellico seine vorbereitete Rede verlas.<br>„Wir sind heute hier zusammengekommen, um einen guten Offizier und fähigen Kommandanten zu ehren. Captain Lewinski und seiner Crew ist es zu verdanken, dass wir uns jetzt nicht in einem bewaffneten Konflikt mit der Republik Tsenketi befinden. Mittels seiner Eloquenz, seiner rhetorischen Fähigkeiten, konnte er den gegnerischen Kommandanten davon überzeugen, die Waffen niederzulegen.“<br>Jellico drehte sich nun direkt zu Lewinski und öffnete die Schatulle.<br>„Captain, die Föderation ist ihnen zu Dank verpflichtet. Es ist mir eine Ehre, ihnen den Christopher Pike-Tapferkeitsorden zu verleihen.“<br>Mit diesen eher mittelmäßigen Worten wurde John Lewinski der Orden angesteckt, der ihn auf eine Stufe mit Captain Kirk, Captain Sisko und anderen berühmten Offizieren der Sternenflotte hob. Die anwesenden Offiziere klatschten Beifall, allen voran natürlich Lewinskis eigene Leute, während Jellico Lewinski noch einmal die Hand schüttelte und grinsend in die Kameras blickte.<br>„Meine Damen und Herren“, sprach Jellico weiter“, ich möchte ihnen allen einen kleinen Cocktail anbieten. Bitte folgen sie mir.“<br><br>Extra für Lewinski schien eine besonders teure Flasche denebianischer Brandy geöffnet worden zu sein. Es war ein Hochgenuss, ihn zu trinken. Lewinksi, vorher der Mittelpunkt des ganzen Geschehens, hatte sich nun nach draußen in den prächtigen Garten gesetzt und genoss die Natur, während die Feier, die ihm zu ehren stattfand, im Inneren der Akademie weiterging. Lewinski verlor sich in den Blumen, so das er gar nicht die ankommende Person bemerkte, die sich ihm näherte.<br>„Captain, ich hoffe ich störe sie nicht?“<br>Lewinski erkannte die Stimme sofort, sowie natürlich den markanten Haaransatz (der zum größten Teil nicht mehr vorhanden war) und die gerade Haltung.<br>„Captain Picard, natürlich nicht, setzen sie sich!“<br>Der Franzose nahm neben ihm Platz und bewunderte den Garten.<br>„Boothby leistet nach all den Jahren immer noch hervorragende Arbeit.“<br>Lewinksi nickte zustimmend, als er an den alten Gärtner der Akademie dachte. gab es an diesem Ort eigentlich jemanden, der ihn noch nicht kennen gelernt hatte.<br>„Ich glaube“, sagte Lewinksi und deutete auf die Halle, „er muss irgendwo da drin sein!“<br>„Stimmt.“<br>Picard beobachtete John Lewinski einige Zeit, der dies natürlich bemerkte. Picard lächelte und schüttelte den Kopf.<br>„Ich habe natürlich nicht vergessen, Captain, wie sie uns bespitzelt haben, während der diplomatischen Mission.“<br>„Tut mir leid, aber das war mein Job.“<br>Der Kommandant der Enterprise lächelte nachsichtig.<br>„Das muss es nicht, immerhin haben sie uns ebenfalls da Leben gerettet!“<br>Lewinksi lächelte und grinste in sich hinein. Beide Kommandanten saßen die nächste halbe Stunde einfach nur da, redeten nur wenig und genossen es einfach wieder, mal zu Hause zu sein.<br><br>Auch diese Unterkunft von Lieutenant T´Per war beim besten Willen nur als karg zu bezeichnen. Zu seiner Verteidigung musste man jedoch auch sagen, dass dieses Apartment, das ihm die Sternenflotte zur Verfügung gestellt hatte, nur temporär war. Er wollte ohnehin innerhalb der nächsten Tage nach Vulkan aufbrechen. T´Per war schon früh von der Feier seines Captains abgereist, um sich noch etwas die Zeit zu nehmen, zu meditieren. Es galt noch eine Aufgabe zu bewältigen.<br>„Sie wollten mich sprechen?“ fragte Bird beim Eintreten in das Quartier.<br>Der Vulkanier nickte und erhob sich den Meditationsreliquien. Seine Uniform hatte er schon vor einigen Stunden gegen eine traditionelle Tunika eingetauscht, die in einem beruhigenden Zinnoberrot schimmerte.<br>„Wie sie wissen, Lieutenant, steht mein Abschied kurz bevor.“<br>Danny Bird verschränkte die Arme hinter dem Rücken und schien keine Reaktion zeigen zu wollen.<br>„Haben sie es dem Captain schon gesagt?“<br>Ein kurzes Zucken huschte über die Stirn T´Pers.<br>„Nein, doch dazu ist noch Zeit. Kommen wir zurück zum wesentlichen. Ich bin natürlich darum bemüht, meinem Captain den bestmöglichen Nachfolger meinerseits zur Verfügung zu stellen. Da Lieutenant-Commander Worf leider nicht zur Verfügung stand, habe ich mich für sie entschieden.“<br>Bird hatte keine Ahnung, ob das eben eine humorvolle Bemerkung sein sollte oder Ernst und verdrehte die Augen, bis er schließlich antwortete:<br>„Eine gute Wahl, Sir, ich werde sie nicht enttäuschen!“<br>Aus einem Kasten zauberte T´Per etwas hervor, einen Rangpin und näherte sich dann Bird.<br>„Mr. Bird, in Tradition mit den Vorschriften befördert sie das Oberkommando zum <br>Lieutenant Senior-Grade. Meinen Glückwunsch.“<br>Mit diesen sehr uninspirierten Worten tauschte T´Per den schwarzen gegen den goldenen Pin aus. Für Danny war es sehr schwer, nun doch keine Reaktion zu zeigen, denn mit dieser Beförderung hatte er überhaupt nicht gerechnet. Noch vor einem halben Jahr war er degradiert und dann wieder begnadigt worden und...<br>„Ich erwarte von ihnen, Lieutenant“, sprach T´Per weiter, „dass sie sich die Aubretia aus dem Kopf schlagen und ihrem kommandierenden Offizier weiterhin treu dienen. Das ist ein Befehl.“<br>Nun lächelte Bird.<br>„Sie können mir nichts befehlen, wir sind nun ranggleich.“<br>Bird ließ sein Lächeln ganz schnell wieder verschwinden, als T´Per eine Augenbraue wölbte. Wann würden diese Vulkanier endlich Humor begreifen?<br>„Bitte lassen sie mich nun allein, Mr. Bird, ich muss Vorbereitungen treffen.“<br>„Ja, Sir. Danke, Sir. Machen sie es gut, Sir.“<br>Damit verließ Danny den Mann, der ihm 2 Jahre lang ein Mentor gewesen war.<br><br>Die Bucht von San Francisco war nachts nur mit einem Wort zu beschreiben: atemberaubend. Wunderschön traf es auch, doch dieses Attribut hieb sich Lieutenant Ardev für jemanden anderen auf. Lange betrachtete er Arena Tellom, wie sie den Mond und die Sterne beobachtete. Ihr Haar wehte sanft im Wind hin und her und ihre Augen leuchteten, während sie von ihrer Heimat erzählte:<br>„Terellia ist ein wunderbarer Planet. Warme Temperaturen, freundliche Menschen, viele historische Schätze. Du würdest es mögen.“<br>Komisch. Nach all den Jahren im Weltraum hatte Ardev etwas nicht annähernd so schönes gesehen wie diese junge Frau. Ihre kindliche Begeisterung war fast schon ansteckend.<br>„Ich denke“, sagte sie und streckte den Zeigefinger in den dunklen Himmel, „er befindet sich hier.“<br>Ardev lächelte und zeigte erst auf einen weiteren Stern, senkte seine Hand dann jedoch langsam und deutete auf seine weibliche Begleiterin, die ihn weiterhin lächelnd ansah.<br>„Meine Heimat“, sagte er freundlich, „ist immer da, wo du auch bist!“<br>Es waren die romantischsten Worte, die Tellom je gehört hatte. Seit sie den Entschluss gefasst hatte, zur Sternenflotte zu gehen (und das war im Alter von 9 gewesen), hatte sie nur auf dieses Ziel hingearbeitet. Für lange Freundschaften oder gar Beziehungen war da nie Platz gewesen. Sie war zufrieden damit gewesen, ihr Leben mit Arbeit zu füllen, kosmische Phänomene zu beobachten und hin und wieder ihre Familie zu besuchen. Doch dieser junge Mann hatte schon vor langem in ihr eine Seite berührt, die sie bisher noch nicht gekannt hatte. Sein exotisches Äußeres, seine blaue Haut und insbesondere natürlich seine offene, ehrliche Art übten eine starke Anziehungskraft auf sie aus. Sie nahm ebenfalls ihren Finger vom Nachthimmel und langsam berührten sich ihre Finger. Beide lächelten. Dies war der Beginn von etwas neuem. Etwas wunderbarem, wie beide hofften.<br><br>Nach Jahren im Weltall entwickelte man ein Gespür dafür, wann Essen repliziert war und wann es gekocht worden war, so richtig altmodisch auf einem Herd, in einer Pfanne. Dieses selbst gemachte Essen durfte John Lewinksi gerade im Haus seiner Schwester genießen, die ihn in ihr Haus in Vancouver eingeladen hatte. Abby und ihr Mann waren beide wundervolle Gastgeber und der Captain konnte sich nicht oft genug für ihre Gastfreundschaft bedanken.<br>„Das ist köstlich, Abby“, mampfte John und stopfte sich noch einen Löffel hinein, was bei seiner Schwester zu einem Lachanfall führte.<br>„Langsam, John, du überfrisst dich ja!“<br>Immer noch mit vollem Mund deutete Lewinski auf den Teller:<br>„Glaub mir, das ist das beste Essen, das ich seit einem Jahr essen darf.“<br>Und mit einem Seitenblick auf ihren Mann:<br>„Du solltest stolz sein, dass du sie heiraten durftest, George!“<br>„Das bin ich, jeden Tag“, erwiderte der junge Mann und nahm seine frischvermählte Frau in die Hand. „Was macht der Weltraum?“<br>„Ganz gut. Die Arbeit ist hart, aber sie macht mich zufrieden. Wie läuft's bei euch in der Schule?“<br>„Wir haben uns gut eingelebt denke ich“, antwortete Abby fröhlich, „und es läuft gut. George und ich, wir sind sicher, dass wir diesen jungen Menschen etwas vermitteln können.“<br>„Amen“, erwiderte Lewinski und nahm ein großes Glas frisch gepressten Orangensaft. Ihre muntere Unterhaltung wurde jedoch durch das Klingeln der Haustür gestört.<br>„Bleibt mal sitzen, ich öffne“, meinte John grinsend und erhob sich in Richtung Tür. Den Gast hatte er jedoch nicht im Traum erwartet.<br>„T´Per?“<br>„Verzeihen sie die Störung, Sir. Darf ich sie sprechen?“<br>„Klar, kommen sie rein!“<br>Lewinski brachte seinen Sicherheitsoffizier in das Wohnzimmer und setzte sich auf die große Couch, während T´Per einen Sitzplatz ablehnte.<br>„Captain, ich muss ihnen etwas mitteilen...“<br>„Wir sind nicht im Dienst, T´Per, nennen sie mich John.“<br>Der Vulkanier schien diesen Einwand nicht bemerkt zu haben, er sprach einfach weiter.<br>„Captain, ich muss sie hiermit informieren, dass ich meine Dienst in der Sternenflotte beendet habe.“<br>Diese Nachricht schlug nun ein wie eine Bombe. Lewinski sprang auf und stellte sich vor seinen langen Freund.<br>„Ist das ihr Ernst, T´Per?“<br>„Ja“, antwortete er ungerührt, „ ich habe mein patent schon abgegeben. Morgen um 9:00 Uhr endet meine Dienstzeit.“<br>Lewinski wand sich ab und schritt einige Sekunden durch das Zimmer, bis er sich schließlich vor das große Fenster stellte und die Skyline Vancouvers bewunderte. Kleine Lichter funkelten in der Nacht und ab und zu flog ein Shuttle über die Häuser hinweg. Schließlich drehte sich Lewinski zu seinem Sicherheitschef. Seinem ehemaligen Sicherheitschef.<br>„Wieso?“<br>Nun schien T´Per doch etwas zu zögern.<br>„Captain, ich bin nun 202 Jahre alt. Meine Kinder habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen. Ich möchte ihnen helfen, mithilfe der Logik aufzuwachsen.“<br>Lewinski nickte und blickte zu Boden. Diesen Mann kannte er schon seit der Akademie. Er war sein Lehrer gewesen und als Lewinski die Monitor übernahm, wollte er T´Per auf der Brücke haben. Lewinski hatte gehofft, dass dies ein Engagement für Jahre gewesen war. Doch er verstand die Beweggründe seines Freundes. Der stoische Vulkanier hatte nie über sein Alter gesprochen und ehrlich gesagt war Lewinski überrascht gewesen, dass der Mann so alt war.<br>Schließlich umarmte er seinen Freund, hielt ihn ganz fest. Obwohl Vulkanier keine körperlichen Kontakte mochten, wehrte sich T´Per nicht.<br>„Leben sie wohl, mein Freund.“<br>Als Lewinksi ihn schließlich losließ, hob der große Vulkanier seine rechte Hand und vollführte die typisch vulkanische Geste:<br>„Leben sie lang und in Frieden.“<br>Diese Worte hingen noch lange im Raum, als T´Per das Haus wieder verlassen hatte. Für John schien es, als hätte er sein Leben verlassen.<br><br>Auch Lieutenant-Commander Bruce Land freute sich auf seinen Sonderurlaub. Eine Woche in seinem einsamen Landhaus in den britischen Ebenen. Leider hatte er niemanden, der ihm Gesellschaft leisten konnte. Aufgrund seines Berufes war er nicht verheiraten, seine Eltern waren während seiner Akademiezeit verstorben und Geschwister hatte er auch keine. Manchmal, aber nur manchmal wünschte er sich etwas Gesellschaft in seinem großen Haus, die letzte Hinterlassenschaft seiner Eltern an ihn. Na gut, er war nicht ganz alleine, sein Hund Roger leistete ihm Gesellschaft. Zuerst musste er ihn natürlich von seiner Tante Martha abholen, die sich immer dann um ihn kümmerte, wenn Land im Weltall war, was überaus häufig vorkam. Er bezweifelte ernsthaft, ob ihn der alte Köter überhaupt noch wieder erkennen würde. Nun ja, es kam auf einen Versuch an. Er musste nur noch diese Werft im Orbit der Erde verlassen, dann hatte er offiziell Urlaub. Die Monitor war, wie es Ardev ausdrücken würde „ordnungsgemäß heruntergefahren worden“ und an die Werft übergeben worden.<br>Auf dem Weg zum Transporterraum wurde er doch noch einmal aufgehalten.<br>„Commander! Warten sie bitte!“<br>Er drehte sich um und entdeckte eine junge asiatische Frau, die auf ihn zugelaufen kam. Sie war so sehr außer Atem, dass es einige Minuten dauerte, bevor sie etwas sagen konnte.<br>„Sir, Chief Sato, Sir.“<br>Der Name kam Land bekannt vor und nach kurzem Überlegen ging ihm ein Licht auf.<br>„Sato? Eine Nachfahrin der Sato?“<br>Die junge Frau, wohl erst seit kurzer Zeit im Sternenflotten-Dienst nickte stolz.<br>„Ganz genau, Sir!“<br>Land verschränkte die Hände hinter dem Rücken und lächelte nachsichtig.<br>„Und nun, Ms Sato, was kann so wichtig sein, dass sie mich vom Urlaub abhalten?“<br>Die Frau reichte ihm vorsichtig ein Padd. Sie schien etwas von seiner Autorität eingeschüchtert zu sein.<br>„Es tut mir leid, Sir, aber Sie haben die Abgabe der Monitor noch nicht abgezeichnet.“<br>Land runzelte die Stirn, während er sich im Geiste eine Beschimpfung für die Bürokratie der Föderation ausdachte. Er presste seinen Daumenabdruck auf das Padd, dass danach ein zufriedenes Piepsen abgab.<br>„Danke, Sir, schönen Urlaub.“<br>„Danke.“<br>Und damit begab sich Lieutenant-Commander Land auf die Transporterplattform, um auch seinen wohlverdienten Urlaub anzutreten.<br><br>Während sich der Erste Offizier der Monitor darauf vorbereitete, die Erde zu betreten, bereitete sich ein anderer, ehemaliger Offizier darauf vor, diesen Planeten zu verlassen. Noch ein letztes Mal beobachtete T´Per den Planeten, den er so gut kannte wie seinen eigenen Heimatplaneten. Er hatte die Erde schätzen gelernt, obgleich sie nicht die unvergleichlichen Felswohnungen hatte oder die unendlich scheinenden Weiten der Wüste. Sie hatte auch nicht diese wunderbare Sonne, die Vulkan so viel Liebe und Energie schenkte. Doch, und das musste sich der Vulkanier eingestehen, hatte er auch vieles der Erde zu verdanken. Er hatte dort schwimmen gelernt, denn auf Vulkan gab es nicht diese riesigen Wasservorkommen, in denen man bequem schwimmen konnte. Des Weiteren hatte T´Per hier auch gelernt, welch unvergleichlich historische Schätze Planeten bieten konnten, die nicht von Vulkaniern errichtet worden sind. Und zu guter letzt hatte er fast 50 Jahre in der Akademie gelehrt und dort seinen späteren Kommandanten, John Lewinski ausgebildet. Wie viele Personen in diesem Universum konnten das schon von sich behaupten? Die Erde drehte sich ruhig unter dem kleinen Raumhafen, in dem T´Per auf seinen Abflug wartete. Auch wenn Vulkanier ihre Emotionen verleugneten, so besaßen sie wieder. Und diese Emotionen in T´Per freuten sich darauf, seine Familie wieder zu sehen, seine Söhne und Töchter und natürlich seine wunderschöne Frau. Außenstehende war nur schwer die vulkanische Liebe zu erklären, womöglich hielten sie sie sogar für nicht existent, doch jeder logische Vulkanier, der vermählt war, kannte sie. Langsam erschien genau unter T´Per der nordamerikanische Kontinent. Da unten war nun John Lewinski, im Hause seiner Familie und lachte, entspannte sich. T´Per wollte es sich nicht eingestehen, doch tief in ihm drinnen war etwas, dass sich nach diesen Emotionen, diesen Gefühlen sehnte.<br>T´Per verscheuchte diese Gedanken, indem er sich an das vulkanische Dogma UMUK konzentrierte.<br><i>Unendliche Mannigfaltigkeit in unendlichen Kombinationen.</i><br>Und wie zur Bestätigung berührte er das UMUK-Symbol an seiner Schärpe, so als suche er Halt.<br>„Aufruf für den Transporter R-15 nach Vulkan, Gate 2“, tönte es aus den Lautsprechern des Raumhafens. Dies war T´Pers Flug. Er würde ihn nach hause bringen. Und gleichzeitig auch davon weg.<br><br>Es erschien Miles O´Brien wie jeder normale Transportervorgang als er in einem Vorort von San Francisco materialisierte. Der Ire brauchte zwar einige Sekunden, die Benommenheit abzuschütteln, die eine solche Reise mit sich brachte, doch da sein Körper daran gewöhnt war, beanspruchte dies nicht zu viel seiner Energie. Er marschierte unauffällig durch die nächtlichen Straßen und bewunderte die Architektur dieser Stadt. Er hatte eigentlich nie wieder erwartet, die Golden Gate Bridge zu sehen, die dort majestätisch an der Bucht thronte und an ein längst vergangenes Zeitalter erinnerte. Für einen kurzen Moment konnte sich O´Brien nicht konzentrieren und er weinte.<br><i>Konzentrier dich, verdammt noch mal!</i><br>Nein, diese Mission war zu wichtig, als ob er sie wegen ein paar Sentimentalitäten aufs Spiel setzen könnte. Sein Volk zählte auf ihn und brauchte ihn. Egal was geschah, er musste wieder zurückkehren. Doch bevor er das tat, wollte er eine Lösung für die Probleme finden, die ihn schon ein ganzes Leben lang quälten. Und dies würde er schaffen, so wahr man ihn Smiley O´Brien nannte!<br><br>Die Lichter auf der Monitor waren abgedunkelt, die meisten Crewmitglieder von Bord. Der Warpkern war abgeschaltet worden und hatte so sein beruhigendes blaues Leuchten verloren. Einer der letzten verbliebenen Personen an Bord war Chief Jozarnay Woil. Er schritt noch einmal durch die untere Ebene des Maschinenraums und kontrollierte ein letztes Mal die Systeme, während er auch die letzten Crewman nach Hause schickte. Er selbst würde nicht nach Hause fliegen. Antos war zu weit entfernt, als ob er die Reise dahin antreten könnte. In den Jahren bei der Sternenflotte waren immer seine Schiffe sein Zuhause gewesen und diesmal würde es nicht anders sein. Er atmete ein, zweimal tief durch und dunkelte dann die Beleuchtung ab. Er war nun ganz alleine an Bord. Langsam setzte er sich im Schneidersitz zu Boden und zündete zwei rituelle Kerzen an, die er für seine Meditation brauchte. Der Antosianer wollte die freien Tage in der Einsamkeit verbringen und sich den rituellen und spirituellen Meditationen seines Volkes widmen. Dazu hatte er sein Gebetstuch und einige Nahrungsmittel in den Maschinenraum verlagert, wo er auch vorhatte, zu schlafen. Er löste das Gummiband von seinem kleinen Zopf und die Strähnen fielen ihm über das Gesicht. Der Zopf war eines der letzten Symbole der Religiosität bei seinem Volke, nur noch wenige trugen ihn. Woil war jedoch zu stolz auf seine Herkunft, als das er ihn abschneiden wollte. Er schloss die Augen und bereitete sich auf seinen Urlaub vor. Seine Erholung.<br><br>Auch jemand anderes auf der Erde war sehr alleine. Diese Person saß in ihrem Zimmer in San Francisco gelangweilt im bequemen Sessel und betrachtete sich im Spiegel. Das war er nun, Danny Bird, und hatte alles erreicht, was er wollte. Er war nun der Sicherheitsoffizier eines Schiffes. Eines wichtigen Schiffes. Sein ganzes Leben lang hatte er auf dieses Ziel hingearbeitet. Doch nun, wo er dieses Ziel erreicht hatte, wollte keine rechte Freude in ihm aufkommen. Denn als er seine Mannschaftskameraden bei den Feierlichkeiten beobachtet hatte, war ihm ein Unterschied zwischen ihm und dem Rest der Crew aufgefallen. Sie hatten alle Familien, Freunde. Danny jedoch hatte niemanden zu dem er gehen konnte. Seine Familie und sein bester Freund waren bei einem Borg-Angriff ums Leben gekommen. Der andere war im Delta-Quadranten verschollen. Unwillkürlich musste Bird lächeln, als er an Harry Kim dachte. Der junge Asiate war während ihrer Akademiezeit immer davon genervt gewesen, dass Danny bis spät in die Nacht gelernt hatte. Dies hatte dazu geführt, dass sich Harry angewöhnen musste, mit einer Augenbinde zu schlafen. Er sah urkomisch mit diesem Ding aus.<br>Und obwohl er nicht in der Stimmung dazu war, lachte Danny. Dann verstummte er wieder. Er hatte niemanden. Bird hatte sich so sehr auf seine Karriere konzentriert, dass er die anderen Bereiche seines Lebens vollkommen vernachlässigt hatte. Er hatte niemanden, mit dem er seine Beförderung feiern konnte, niemanden, der ihm sagte, wie stolz man auf ihn war.<br>Danny wollte nicht dass es so weiterging. Jetzt, wo er alles erreicht hatte, wollte er sich ein neues Ziel setzen. Ein nobles Ziel. Danny Bird wollte jemanden um sich haben. Freunde, Verwandte, eine Partnerin. Er würde gleich morgen mit dieser neuen Mission beginnen.<br><br>Auf der anderen Seite der Erde herrschte Tag. Der Präsident der Föderation trat in Paris seine morgendliche Arbeit an, was meistens eine Routineaufgabe war. Wie konnte er wissen, dass in seinem Regierungssitz noch etwas geschah. Es existierte ein Raum, der auf keinem Grundriss vermerkt war. Diejenigen, die vor vielen Jahrzehnten diesen Raum angelegt hatten, hatten ihn zudem mit Zerstreuungsfeldern ausgestattet, die unliebsame Sensoren blockierte. Nur über einen geheimen Zugang, der so geheim war, dass wir nicht darüber sprechen können, gelangte man in diesen Raum. Ihm fehlten jegliche Fenster, doch ansonsten war er mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet. Ein großer Tisch und bequeme Stühle luden zum Verweilen ein, es gab hervorragende Replikatoren und noch vieles mehr, dass einem das lange Arbeiten erleichterte. Doch die Personen, die hier arbeiteten, waren nicht irgendwelche Personen. Sie gehörten zur geheimsten Organisation innerhalb der Föderation, deren Gründung sogar schon vor der Föderation datierte. 12 Personen, Männer und Frauen der unterschiedlichsten Personen hatten in diesem Raum ihren Platz eingenommen und betrachteten ein holographisches Bild, dass sich über dem Tisch drehte. Das Foto war perfekt bis in die letzte Hautfalte und zeigte einen ihnen verhassten Menschen.<br>„Captain Lewinski entwickelt sich zunehmend zu einer Gefahr“, spuckte eine Bolianerin aus.<br>„Wir müssen reagieren, bevor er noch populärer wird“, erläuterte ein Tellarit, „er wird in nächster Zeit immer mehr Befugnisse innerhalb des Geheimdienstes erlangen. Dann könnte er auch an Informationen herankommen, die für uns gefährlich sind. Wir müssen jetzt handeln! Wir dürfen nicht zu spät reagieren und zulassen, dass aus ihm ein Held wie Benjamin Sisko wird.“<br>Ein dunkler Vulkanier widersprach ihnen langsam.<br>„Meine Herren, ich glaube sie überschätzen, Mr. Lewinksi. Und was den Punkt Captain Siskos betrifft: dieses Problem hat sich ja nun von selbst erledigt.“<br>„Ja, aber fast wäre er uns auf die Schliche gekommen, weil wir ihn nicht rechtzeitig gestoppt haben“, warf die Bolianerin abermals ein. Sie schien ein sehr ausgeprägtes Temperament zu haben.<br>„Und was schlagen sie vor?“<br>„Wir diskreditieren ihn. Sorgen dafür, dass er nicht noch weiter aufsteigt.“<br>Diese Worte stammten vom jüngsten Mitglied der Runde. Die Ähnlichkeit mit seinem toten Vater ließ manche der Anwesenden immer noch zusammenzucken. Ob er auch dieselbe Skrupellosigkeit besaß?<br>„Mr. Sloan, ich nehme an, dass sie schon einen Plan haben?“<br>Der Junge nickte und wartete die Entscheidung der Anwesenden ab. Schließlich kam man zu einer Entscheidung. Der Vulkanier zeigte keine Regung, als er die Worte aussprach, die einen Offizier zerstören sollten.<br>„Mr. Sloan, sie haben die Vollmachten, ihren Plan durchzuführen.“<br>Mache Anwesenden zuckten zusammen, als der Junge ein diabolisches Grinsen aufsetzte.<br>„Keine Sorge, es ist schon alles vorbereitet!“<br><br><b></b><p align="center">- Ende -</p><p align="left"></p>]]></description><guid isPermaLink="false">1220</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item><item><title>Monitor - 2x01: D&#xFC;stere Vorahnungen</title><link>https://www.scifinews.de/news/fanfiction/star-trek-monitor-episoden/monitor-2x01-d%C3%BCstere-vorahnungen-r1198/</link><description><![CDATA[<p align="center"><b>Diese Folge als PDF-Download:</b></p><div align="center"><center><table><tr><td align="center"><a href="http://www.treknews.de/cgi-bin/gallery-treknews/imageFolio.cgi?action=view&amp;link=Fanfiction/Star_Trek_Monitor&amp;image=0201.zip&amp;img=&amp;tt=all" target><img alt="Download" border="0" src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/t_0201.jpg"></a></td></tr><tr><td bgcolor="#202020" valign="top" align="center"><font color="#ffffff" face="Verdana,Arial,Helvetica" size="1"><b><font>Monitor 2x01/02 "Düstere Vorahnungen" &amp; "Dunkle Mächte am Horizont"</font></b><br>Zip File<br><a href="javascript:" onclick="window.open('http://www.treknews.de/cgi-bin/gallery-treknews/imageRate.cgi?direct=Fanfiction/Star_Trek_Monitor&amp;file=0201.zip','Rate','height=200,width=200');return false">Rating</a><br>Größe: 167kB</font></td></tr></table></center></div><br><br><blockquote><img src="/_legacy_inhalte/upload/newsbilder/pg13.jpg"></blockquote><br><br>Die Sonne begann hinter dem Horizont zu verschwinden. Ihre letzten Sonnenstrahlen tauchten den Tag noch einmal in ein wunderbares Orange. Dekk atmete noch einmal tief durch, genoss die kurze Ruhe und die Abwesenheit von Stress. Es war in der Tat ein anstrengender Tag für ihn gewesen. Zwei Shuttles flogen durch die Wolken, reflektierten das Sonnenlicht und ließ einen Regenbogen erscheinen. Dekk verfolgte ihre Flugbahn bis zu der befestigten Stadt im Tal. Er liebte diesen Platz hoch an der Spitze, wo ihn keiner der Speichellecker der Regierung stören konnte. Wo er und die Natur eins waren. Schuldgefühle brodelten nun in ihm. Würde er dafür verantwortlich sein, dass diese Natur vielleicht bald zerstört wurde? Wie würde ihn der Zeichenstift der Geschichte darstellen: als Stratege? Ein Mann der Gnade? Oder doch eher ein Tyrann? Abermals verfluchte der Tsenketi seine Regierung; verfluchte sie für das, was sie ihm aufzwangen. Kurz wanderten seine Gedanken zu seiner Tochter ab. War ihr Leben genau so viel wert wie dieser zweifelsohne wunderschöne Planet, Vernius Prime? Sein Kommunikationsgerät summte.<br>„General, die Diplomaten sind eingetroffen“, meldete die Stimme eines jungen Soldaten. War er ebenso aufgeregt wie er selbst?<br>„Verstanden. Ich komme sofort.“<br>Diplomatie. Das würden sie alle bald nötig haben. Denn mit der Föderation sollte es man sich eigentlich nicht verscherzen.<br><br>Aus dem Weltraum konnte man erkennen, wie auf der einen Erdhälfte ein neuer Tag dämmerte. Der einzige Insasse des kleinen Shuttles warf einen letzten, wehmütigen Blick auf seinen Heimatplaneten, an seinen langen Aufenthalt dort, der zweifelsohne nicht der Erholung gedient hatte. Nein, Captain John Lewinski hatte sich behandeln lassen müssen. Und ohne seinen Freund T´Per, das wusste der Captain, würde er noch immer im Behandlungsraum der Klinik, oder besser gesagt der Psychiatrie, liegen und jammern. Er hatte das tatenlose Rumsitzen so satt. Genau aus diesem Grund wollte er auch selber das Shuttle zur Starbase 67 fliegen. Sein Schiff brauchte ihn. Er brauchte es.<br><i>Nach Hause</i>, dachte Lewinski wehmütig, als er den neuen Kurs programmierte und schließlich beschleunigte.<br><br>Offiziell war Starbase 67 eine Einrichtung zur Erforschung des Mutara-Nebels, der nur wenige Lichtjahre entfernt war. Doch dieser Nebel war auch nützlich für die zweite, inoffizielle Aufgabe der Station: die Koordinierung der geheimdienstlichen Aktionen der Föderation. Der Nebel half dabei sehr gut, die Signale und anfliegenden Raumschiffe der Station zu verschleiern. Im riesigen Hangar tummelte sich ein buntes Sammelsurium aller Klassen und zuweilen auch Schiffe anderer Rassen. Ganz weit hinten, an den letzten Andockplätzen und zudem auch noch getarnt, lag die U.S.S. Monitor und wartete auf ihren Einsatzbefehl. Bis dieser eintraf, hieß es einfach warten. Lieutenant-Commander Bruce Land, nach einem ausgedehnten Heimaturlaub wieder an Bord, schritt durch die Gänge in Richtung Kasino. Die Begeisterung, die zumindest unter dem menschlichen Personal der Station herrschte, hatte auch die Monitor ergriffen. Den es stand Sylvester bevor, der Wechsel zum Jahre 2378. Vorbereitungen liefen auf Hochtouren und die Crewmitglieder, die sowie so nichts anderes zu tun hatten, hatten angefangen, das Kasino etwas für diese Festlichkeit herzurichten. Doch beim Eintreten bemerkte der erste Offizier sofort jemanden, der sich nicht von der ausgelassenen Stimme mitreißen ließ.<br>„Mr. Bird! Schön, sie wieder zu sehen.“<br>„Danke gleichfalls, Sir.“<br>Der Lieutenant blickte mit ausdrucksloser Miene durch das geöffnete Fenster auf die Sterne. Nur sporadisch nippte er an seinem exotischen Saft. Welche Sorte es war, konnte Land jedoch nicht feststellen. Eine Zeit lang schwiegen sie, bis es der Commander leid wurde, nur dazusitzen.<br>„Es ist schön, daß der Captain zurückkehrt“, versuchte er ein Gespräch anzufangen. Bird nickte nur stumm und nahm einen weiteren Schluck.<br>„Ist etwas mit ihnen, Danny?“<br>Bird schaute ihn nun, bei der Erwähnung seines Vornamens an. Kurz trafen sich ihre Blicke, dann schaute er wieder zu seinem Glas, das er in seinen Händen drehte.<br>„Darf ich offen sprechen?“ fragte er schließlich.<br>Der Commander zuckte die Achseln und deutete ihm mit der Hand, zu sprechen.<br>„Ich fühle mich etwas unnütz, Sir.“<br>Land sagte nichts, ließ seinen Offizier stattdessen weitersprechen.<br>„Ich meine, Commander, innerhalb der letzten Monate, während der Abwesenheit Lieutenant<br>T´Pers habe ich gezeigt, daß ich ein fähiger taktischer Offizier bin.“<br>„Niemand bezweifelt ihre Kompetenz, Lieutenant“, erwiderte Land überrascht.<br>„Ich weiß, Sir, das ist es auch nicht. Doch nun, nach der Rückkehr des Lieutenants fühle ich mich... überflüssig. Um ehrlich zu sein, kann ich mich nicht damit begnügen, nur zweite Wahl zu sein!“<br>Land wollte zu einer Antwort ansetzen, doch Bird zeigte ihm ein Padd, das während des Gespräches auf seinem Schoß gelegen hatte.<br>„Ich habe ein Angebot der U.S.S. Aubretia als Sicherheitsoffizier. Ich weiß nicht, ob ich es annehmen soll.“<br>Nun war das Problem klar. Und in gewisser Weise konnte er ihn sogar verstehen. Danny war ein guter Offizier, sogar ein sehr guter und mit der Ausnahme mit der Sache im Gamma- Quadranten war seine Akte makellos. Seine Karriereaussichten wurden auf der Monitor in der Tat eher behindert, als gefördert. Land überlegte lange, bevor er seine Antwort formulierte.<br>„Danny, ich will ehrlich zu ihnen sein. Sie sind ein hervorragender Offizier, einer der Besten.“<br>Sollte Bird etwas bei diesen Worten empfunden haben, so ließ er sich dies nicht anmerken.<br>„Ich kann sie aber auch verstehen. Die Aubretia ist ein gutes Schiff, daß sich auf eine Langstreckenmission in den Beta-Quadranten vorbereitet. Es wäre ein gutes Sprungbrett für ihre Karriere.“<br>Land beugte sich nun vor, faltete die Hände und sah Bird direkt in die Augen. <br>„Ich und sicherlich auch der Rest der Crew würde sie nur ungern verlieren, doch ich werde ihre Entscheidung auf jeden Fall akzeptieren. Überlegen sie es sich jedoch gut!“<br>Endlich reagierte der Lieutenant, mit einem Nicken. Land seufzte und erhob sich schließlich. Es was Zeit, alles für die Ankunft des Captains vorzubereiten. Bird blieb noch etwas sitzen, trank seinen Saft und bewunderte die Sterne. Er war sich sicher, daß eine Zeit großer Entscheidungen bevorstand.<br><br>Admiral Kasharis Büro war ungewöhnlicherweise nicht spartanisch ausgestattet. Ganz im Gegenteil. Der Admiral hatte sich die Zeit genommen, so viel Mobilar wie möglich von Zakdorn zu der Starbase zu schaffen. Pflanzen schmückten die Ecken, während kostbare Gemälde der berühmtesten zakdorianischen Künstler die Wände zierten. Jeder, der eintrat, musste sich einfach heimisch fühlen, so empfand zumindest John Lewinski. Er war lange nicht mehr hier gewesen. In gewisser Weise war diese Station, dieser Raum auch sein Zuhause, zumindest waren sie ihm ebenso vertraut. Der große Zakdorn erhob sich aus seinem schweren Ledersessel, strich seine Uniform glatt und reichte seinem alten Weggefährten die Hand. Erfreut stellte er fest, daß der Händedruck des Captains sogar noch kräftiger geworden war.<br>„John, es ist gut sie wieder zu sehen.“<br>Lewinski nickte und bedankte sich für die Begrüßung. Er atmete zweimal tief ein und aus, nahm dabei jedoch Geruchsnuance der Station in sich auf. Ja, es war gut, wieder im Weltall zu sein. In gewisser Weise war es sogar richtig. Sein Platz war hier. Kashari deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch und Lewinksi setzte sich dankend. Einen kurzen Moment musterten sich die beiden Männer aufmerksam. Kashari war damals Dozent an der Akademie gewesen, als Lewinski angefangen hatte. Er hatte ihn gefördert, geprüft und schließlich zum Geheimdienst geholt. Sie waren in der Tat...Freunde.<br>„John, sie wissen, ich bin kein Freund großer Worte. Daher komme ich lieber gleich zur Sache.<br>„Wie sie möchten, Sir, „antwortete Lewinksi ruhig.<br>Kashari drehte seinen kleinen Computer so, daß Lewinski auch auf den Bildschirm gucken konnte. Eine Karte erschien, die den Grenzbezirk der Föderation zeigte. Das gleichmäßige Blau des Föderationsraumes wurde durch einen roten Fleck getrübt. Ein einzelner, rot markiertes System innerhalb der Föderation existierte, ein Planet, der nicht zur Föderation gehörte. Sondern jemand anderem.<br>„Vernius Prime“, sagte Lewinski leise.<br>Kashari nickte. Jeder kannte diesen Planeten. Er war im wahrsten Sinne des Wortes ein Grenzfall, eine Anomalie, geschaffen um den Frieden zwischen der Vereinigten Föderation der Planeten und der Republik Tsenketi zu sichern. Vor drei Jahren wäre es fast zu einem Konflikt gekommen, als die Tsenketi eine Föderationskolonie angegriffen hatten. Nur der ruhigen hand Captain Siskos war es zu verdanken, daß es nicht zu einem Krieg gekommen war. Nun gab es also wieder Ärger. Kashari begann nun mit seinem Briefing. Seine Miene zeigte tiefe Sorgenfalten. Es wurde ernst.<br>„Die Tsenketi bauen das Vernius-System zu einer Festung aus. Es befinden sich Dutzende Kriegsschiffe und Tausende von Truppen dort. Der Föderationsrat wird morgen um 12:00 Uhr den Korridor zum System, den wir den Tsenketi gelassen haben, sperren. Des Weitern erhöhen wir die Alarmstufe der Sternenflotte.“<br><i>Es wird wirklich ernst...</i><br>Kashari schaute ihn ernst an. <br>„John, ich denke ihre Aufgabe ist klar. Fliegen sie nach Vernius und sammeln sie Informationen. Sollten die Tsenketi eine <font>Invasion</font> planen, haben sie die Option, diese zu vereiteln....“<br>Vereiteln. Mit anderen Worten konnte er einen Krieg vom Zaun brechen. Gleich nach seiner Rückkehr eine solche Aufgabe... Er hatte es so gewollt.<br>Der Captain erhob sich und machte sich auf dem Weg zur Tür. Es war alles gesagt. Fast alles...<br>„Sir, was wird passieren, wenn die Tsenketi weiterhin, trotz der Schließung der Passage, Truppen einfliegen?“<br>Kashari zögerte mit seiner Antwort nicht eine Sekunde.<br>„Dann wird es eine Blockade geben. Die Flotte ist schon bereit.“<br>Es wurde ernst.<br><br>Als das Zischend er Brückentür erklang, war klar, wer eintrat. Alle Augen der anwesenden Besatzungsmitglieder richteten sich auf den Mann, der endlich wieder seinen rechtmäßigen Platz auf der Brücke der Monitor einnehmen sollte. Überall wohin Captain Lewinski auch blickte, allerorten gab es aufmunternde Blicke, Glückwünsche und gut gemeinte Gesten. Der Stuhl war immer noch angenehm weich und auf der genau richtigen Höhe eingestellt. In der Tat, er war wieder zuhause!<br>„An die Besatzung“, sprach er fest und der Computer stellte ihn durch, so daß auf allen Decks seine Stimme zu hören war, „hiermit übernehme ich wieder das Kommando über die U.S.S. Monitor“, verkündete er Protokoll getreu. Dann wich er doch etwas von den Standards ab:<br>„Schön wieder da zu sein.“<br>Die Besatzung lächelte. Er ließ ihnen ihre Freude. Bald würde er sie alle briefen und den Ernst der Lage deutlich machen müssen. Doch jetzt noch nicht. Lieutenant-Commander Land hatte nach langer Zeit wieder an der Navigationskonsole Platz genommen. In gewisser Weise war auch er wieder nach Hause zurückgekehrt. Auch Bruce fühlte sich sichtlich wohl.<br>„Bringen sie uns raus, Mr. Land und gehen sie danach auf Warp 6!“<br>Es war ein schönes Gefühl, wieder hier zu sein. Wieder da zu sein, wo man hingehörte.<br><br>Zwar brachte jede hohe Position große Verpflichtungen mit sich, doch ein paar Privilegien gab es dann doch. Eines davon durfte General Dekk nun genießen, als er via Interkom seine kleine Tochter auf dem Bildschirm sah. Trotz der nur acht Winter, die sie alt war, war sie erstaunlich gewitzt, wissbegierig und tolerant. Ihre Sommersprossen waren immer noch neben den blonden Haaren ihr auffälligstes Merkmal und ihr Lachen ließ bei dem stolzen Vater immer noch eine Seite anschlagen, die tief in seinem innersten lag.<br>„Wie lief es in der Schule, Kleines?“ fragte der große Mann. Er nahm sich immer ein Mal am Tag die Zeit, mit seiner Familie zu sprechen, auch wenn mehr als einmal die Zeit knapp war. Er hielt nun mal gerne an Traditionen fest. Die Augen seiner Tochter strahlten echte Freude aus, als sie über ihren Schultag sprach.<br>„Es war toll, Papa, ich habe viel gelernt. Heute haben wir in außerirdische Kulturen über die Föderation gesprochen. Das scheint ein toller Ort zu sein. Können wir da mal hin, Papa? BIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIEEEEEEEEETTTTTTTTTTTTEEEEEEEEEEEEEEE!“<br>Fast wäre Dekk zusammengezuckt, doch in all den Jahren hatte er sich etwas angewöhnt, was man am ehesten als „Pokerface“ bezeichnen könnte. Doch nun hatte seine Tochter es geschafft, ihn, Veteran zweier Kriege, zu schocken. Es dauerte eine Zeit, bevor der General und Vater eine Antwort formuliert hatte, die seiner Tochter ausreichen würde.<br>„Ja. Irgendwann mal, sofern es Gott zulässt.“<br>Der Rest des Gespräches drehte sich um Belangloses, doch er kam nicht umhin, nur über diesen einen Satz seiner Tochter nachzudenken. Wie sollte er ihr in der Zukunft erklären, daß er womöglich einen Krieg begonnen hatte. Er wusste es wirklich nicht. Und zum ersten Mal ins einem langen Leben fühlte sich Dekk, General über Tausende Truppen und Schiffen hilf- und ratlos.<br><br>„Sie wollten mich sprechen, Sir?“<br>Hätte T´Per über das Wetter reden wollen, hätte es nicht belangloser klingen können. Lewinski lächelte kurz über diese typisch vulkanische Eigenschaft, die er in all den Jahren schon hunderte von Malen erlebt hatte. Er bedeutete seinem taktischen Offizier, ihm gegenüber Platz zu nehmen. Sein Büro war immer noch spartanisch, genauso wie er es wollte. Für ihn gab es während der Mission keinen Platz für irritierende Dinge. Ein Umstand, der wohl auch den stoischen Vulkanier etwas beeindruckte.<br>„Lieutenant“, begann Lewinski ruhig, „in all der Hektik bin ich noch gar nicht dazu gekommen, ihnen zu danken.“<br>„Ich war nicht in Hektik verfallen.“<br>Eine Antwort, wie sie nicht hätte vulkanischer sein können.<br>„Lassen wir einfach diese Haarspaltereien, in Ordnung, Lieutenant?“<br>Wieder eine typische vulkanische Eigenart, als T´Per eine Augenbraue anhob.<br>„Sehr wohl, Sir.“<br>Nun begann Lewinski mit seiner Dankesrede. Sie war keineswegs einstudiert, aber auch nicht frei vorgetragen, sie lag irgendwie dazwischen. Er versuchte seine Worte in für Vulkanier akzeptable Begriffe zu kleiden, was ihm auch recht gut gelang. T´Per schien sogar etwas gerührt von der Offenheit seines Kommandanten zu sein. Und in gewisser Weise war er das auch, denn in all den Jahren hatte sich ein Band zwischen ihnen aufgebaut, daß mehr war als bloße Kollegialität. Es war Freundschaft. Und dies war beiden recht klar. Auch wenn Vulkanier nur selten über solche Dinge sprachen, war es klar. Und es war ihm auch recht so!<br><br>Wie konnte man die Bedeutung des Vernius-Systems beschreiben? Stellen sie sich eine öde Wüste vor, mit weiten, kargen Ebenen, die nur wenig fruchtbar waren. Diese Ebenen wurden nur von wenigen Menschen bewohnt, die es vorzogen, unter sich zu bleiben, vorrangig, weil sie sich vor irgendetwas versteckten. Doch inmitten dieser kargen Landschaft war eine wundervolle, fruchtbare Oase, mit wunderschönen Blumen und einer mannigfaltigen Tierwelt, die noch auf ihre Entdeckung wartete. Nun, diese öde Ebene war der umliegende Sektor und die Oase war Vernius Prime. Dummerweise kontrollierte die Föderation nur die Wüste, während die Tsenketi vom Wasser der Oase profitierten. Ein Umstand, der auf inoffizieller Ebene von der Föderation nicht gutgeheißen wurde. Ganz im Gegenteil. Gerüchterweise wollte sogar mal die berüchtigte Sektion 31 die Tsenketi aus dem Vernius-System verjagen, was in einem Fehlschlag mündete, von dem sich die Geheimsektion in über 50 Jahren nicht erholt hatte. Und obwohl immer allem klar gewesen war, daß dieses System ein Konfliktpunkt gewesen war, hatte man sein Bestes gegeben, um diese Möglichkeit zu ignorieren. Man dachte einfach nicht darüber nach. Mann hoffte auf das Beste. Man war ignorant. Bis zu dem Zeitpunkt, als General Dekk die Nachricht bekam, daß ihre Passage durch den Föderationsraum offiziell gesperrt worden war. Und als er die möglichen Verluste eines Krieges gegen die Föderation berechnete, dachte er immer wieder an seine kleine Tochter.<br><br>Wenn das Universum für etwas bekannt war, dann für ihre Mannigfaltige Vielfalt, was das Leben, die Natur oder jeden anderen Bereich des Lebens betraf. Diese Vielfalt ließ sich nun auch deutlich in den Gesichtern der Führungsoffizieren der U.S.S. Monitor am Ende des Einsatzbriefings erkennen. Jeder einzelne von ihnen zeigte eine unterschiedliche Reaktion auf den bevorstehenden Einsatz und der prekären Lage: Ardev spielte seine Sorge gewohnt lässig herunter, Commander Land war offen entsetzt, Chief Woil blickte starr vor sich hin und T´Per... nun ja, zeigte wie immer keine Regung. Innerlich musste Lewinski lächeln. Egal, wie sehr sich die Völker unterschieden, auf emotionaler Ebene waren sie doch alle gleich. Auch die Vulkanier. Der Captain hatte sich viel Zeit genommen, um seine Mannschaft zu instruieren. Jedem einzelnen hatte er die Wichtigkeit dieser Mission klar gemacht. Gegenwärtig würden sei in zwei Tagen das Vernius-System erreichen. Genug Zeit, um noch einmal Fragen zu stellen und die Bewegungsabläufe einzustudieren.<br>„Lieutenant Ardev“, wandte sich Lewinski an seinen andorianischen Einsatzoffizier, „wir brauchen so viel Energie wie möglich für die Sensoren. Wir müssen die durch die Tarnvorrichtung hervorgerufenen Interferenzen ausgleichen. Können sie das?“<br>Wie immer zeugte Ardevs Antwort von gesundem Optimismus. Dieser Junge hatte beträchtliches Potential. Er musste sich nur in die richtige Richtung entwickeln.<br>„Ich werde mich sofort darum kümmern, Sir. Ich werde den Chief bei der Verteilung der Energie benötigen.“<br>„Kein Problem, Lieutenant. Sonst noch irgendwelche Fragen? Nein? Wegtreten.“<br>Lewinski verließ mit seinen Leuten seinen Bereitschaftsraum und begab sich nach Deck 3, wo eine Person in seinem kleinen Quartier wartete. Sie wartete schon die ganze Zeit und der Captain war der erste Besucher seit 3 Tagen.<br>„Commander Eisenberg; Gratulation zu ihrer Beförderung.“<br>„Danke, Sir.“<br>Lewinski musterte den Mann. Obwohl sie beide gleich alt waren, hatte Eisenberg weitaus weniger Haare als er selbst. In gewisser Weise erinnerte er ihn an Captain Picard. Natürlich auch wegen seiner positiven Einstellung zum Leben. Selbstverständlich...<br>„Warum lächeln sie, Captain?“<br>Lewinski hatte wohl sein Amüsement zu deutlich gezeigt. <br>„Wegen nichts, Commander. Ist ihre ganze Ausrüstung an Bord?“<br>„Ja, Sir.“<br>Während des ganzen Gesprächs saß der Ranger im Schneidersitz auf dem Boden. Er hatte zu einer inneren Ruhe und Ausgeglichenheit gelangt, wofür man ihn nur bewundern konnte. Offenbar benutzte er eine Mischung aus alt-buddhistischen Meditationstechniken und vulkanischen Konzentrationsübungen. Eine interessante Mischung, die sicherlich auch für Lieutenant T´Per interessant wäre.<br>„Meine Jungs haben ihre ganze Ausrüstung verstaut.“<br>Eine sehr karge Antwort. Offensichtlich wollte der Commander das Gespräch schnell beenden.. Lewinski gab diesem Wunsch nach. Sie würden alle noch etwas Kraft tanken müssen.<br><br>Egal welcher Rasse man angehörte, überall gab es klare Gemeinsamkeiten. Eine davon war, daß sich Diplomaten und Soldaten nicht mochten. Für einen Diplomaten war ein Soldat ein dummer Klotz, der nur Befehle befolgen konnte und keinerlei Eigeninitiative, geschweige denn intelligente politische Winkelzüge zeigen konnte. Umgekehrt betrachteten Soldaten die andere Gruppe als „Laberköpfe“ die nichts besseres zu tun hatten, als jedes mögliche Thema zu zerreden, ohne selbst zu handeln.<br>Dieser Tatsache wurde sich General Dekk abermals bewusst, als er und sein taktischer Stab mit den politischen Offiziellen der Tsenketi sprachen. Wäre die Sache nicht so ernst, so hätte man über die Borniertheit der beiden Fraktionen nur lachen können. Doch stattdessen gab es hitzige Gefechte, Schuldzuweisungen und Wutausbrüche. Der General trachtete danach, diesem Treiben ein Ende zu setzen, als er beschwichtigend die Hände hob:<br>„Meine Herrschaften, ich darf doch sehr bitten!“<br>Vermutlich lag es an der beeindruckenden Gestalt Dekks, daß mit einem Mal alle Anwesenden verstummten. Langsam setzten sie sich wieder auf ihre bequem gepolsterten Sessel und nahmen sich etwas Wasser aus der bereitgestellten Karaffe. Dekk atmete tief durch. Er hatte tatsächlich eine Feuerpause erreicht.<br>„Es geht um ein wichtiges Thema, bei dem wir uns nicht gegenseitig zerfleischen sollten, sondern eher alle Konsequenzen bedenken sollten, die unsere Entscheidung mit sich bringen wird. Immerhin sprechen wir hier von einem möglichen bewaffneten Konflikt mit der Föderation.“<br>Dieser Wachrüttler verfehlte seine Wirkung nicht. Jeder war wieder voll konzentriert. Einer der größten Unruhestifter dieser Konferenz, ein Politiker namens Dejo, starrte Dekk an:<br>„General, die Regierung hat intensiv über diese durchaus unerfreuliche Möglichkeit diskutiert. Nichtsdestotrotz glaubt sie nicht, daß die Vereinigte Föderation der Planeten einen Krieg wegen einem System, in dem nicht mal Menschen leben, beginnen wird.“<br>„Es geht ums Prinzip“, sagte der junge Adjutant Dekks verächtlich, „es spielt für die Föderation keine Rolle, um wie viele Bewohner oder wie viele Planeten es geht. Selbst wenn nur ein Bürger in Gefahr geriete, würden sie handeln. Dies ist nun einmal das Prinzip der Föderation.“<br>Ein Mann wie Dejo ließ sich jedoch nicht von solchen Argumenten beeindrucken. Er hatte eine lange, durchaus beeindruckende politische Laufbahn hinter sich und fühlte sich anscheinend nicht dazu genötigt, einem jungem Kerl wie dem Adjutant zuzustimmen.<br>„Pah“, spuckte er aus und machte eine verächtliche Geste, „der Mythos der heilen Föderation ist nicht ernst zu nehmen.“<br>„Nichtsdestotrotz besteht sie“, warf Dekk ein und kam damit einem weiteren Wutausbruch der beteiligten Personen zuvor. Dejo blickte ihn lange Zeit an, siegessicher wie ein Mann, der wusste, daß er nur gewinnen konnte. Er fixierte den großen, alten Mann mit seinen grauen Augen.<br>„Als die Tholianer vor 50 Jahren einfielen und uns bis zu unserem Heimatplaneten zurücktrieben, war unsere einzige Lebensversicherung das Vernius-System. Und auch heute noch kommen 56% aller Rohstoffe und Nahrung aus diesem System.“<br>Dejo beugte sich verschwörerisch vor.<br>„Denken sie an das Chaos, das herrschen würde, wenn wir dieses System verlieren. Es ist kein Geheimnis, daß es die Föderation zurück will. Denken sie an die hungernden Kinder auf Tsenketi, wenn die Lieferungen ausbleiben. Denken sie an Ihr Kind.“<br>Das reichte. Dekk reagierte so schnell, daß er für die anwesenden Personen nur als ein Schatten wahrgenommen werden konnte. Trotz der Größe des sie trennenden Tisches umrundete Dekk ihn innerhalb von Millisekunden, riss Dejos Stuhl um und setzte sich auf den Diplomaten, eine Hand presste Dejos Stirn zu Boden. Ein Disruptor, der vorhin noch nicht dagewesen war, legte sich an seine Schläfe. Der General war ein beachtlicher Mann und so war es etwas verwunderlich, als Dejo ein Lächeln zustande bekam und ächzend sagte:<br>„Scheint so, als hätte ich einen Nerv getroffen!“<br>Tausende von möglichen Antworten schwirrten durch Dekks Kopf, doch stattdessen bleib er stumm und erhob sich langsam. Die Anwesenden musterten ihn mit einer Mischung aus Respekt und Angst, zuweilen auch Entsetzen. Sie hatten den alten Krieger nie in Aktion gesehen. Bis jetzt.<br><br><i>Persönliches Logbuch<br>Captain John Lewinski<br>Wir erreichen bald die Grenze. Die Grenze, die die Föderation von Vernius-Prime trennt. Bisher habe ich noch keine Entscheidung gefällt, ob wir sie auch überqueren sollten. Wir werden wohl erst einige Sensorscans vornehmen, bevor ich weitere Schritte erwäge. Ich muss gestehen, ich habe Angst. Ein neuer Konflikt könnte der Föderation bevorstehen. Ein Konflikt für den wir nicht bereit sind. Für den ICH nicht bereit bin. In letzter Zeit plagen mich Alpträume bezüglich des Krieges gegen das Dominion. Diese Träume sind real, ZU real. Deutlich riecht man den Rauch, das Blut...<br>Ich habe eine feine Crew. Dies bemerke ich immer wieder, wenn ich durch die Decks streife, ziellos. Ich möchte einfach nur beobachten. Lieutenant Ardev und Fähnrich Tellom scheinen sich gut zu verstehen. Ein junges Glück scheint sich anzubahnen....<br>ICH WILL VERDAMMT SEIN, wenn diese beiden Personen und alle anderen Menschen in der Galaxis nicht die Chance erhalten, das Leben kennen zu lernen. Das gute Leben. Ich werde mein Bestes geben. Ich will meine Mannschaft nicht enttäuschen. Sie hat es sich verdient.</i><br><br>Es war die letzte Nach vor dem Einsatz. Vielleicht war es sogar die letzte Nacht im Frieden. Ob dies stimmte, konnte Danny Bird nicht sagen. Stattdessen starrte er von seinem Bett aus an die Decke, wie ein kleiner Junge, der die vorbeiziehenden Wolken beobachtete. In gewisser Weise beobachtete er auch etwas, auch wenn sich die Geschehnisse vor seinem inneren Auge abspielten. Auf dem kleinen Seitentisch lag immer noch das Padd, auf dem das Angebot der Aubretia verbreitet wurde. Es war lukrativ. Es reizte Danny sehr. Doch war er bereit, diesen nächsten Schritt zu tun? Sich von seinen Freunden zu verabschieden? Die Monitor war ein gutes Schiff, daß eine wichtige Arbeit tat. Und das wollte Danny Bird immer tun: etwas wichtiges. Wie viel war ihm seine eigenen Karriere wert? War sie mehr wert, als die Bande, die ihn mit diesem Schiff verbanden? Mit dieser Crew? Kurz überlegte er, ob er Ardev kontaktieren sollte. Dann verwarf er diesen Gedanken wieder, da sein Freund vermutlich schon schlafen würde. Also fuhr er mit dem Beobachten von geistigen Bildern fort, mit denen er sich entspannen wollte. Und irgendwann überkam ihn der Schlaf. Doch auch dieser brachte keine Lösung.<br><br>Der Andorianer Ardev schlief jedoch nicht. Obwohl es mitten in der Nacht war, konnte er einfach nicht einschlafen. Stundenlang hatte er sich hin und her gewälzt, hatte stundenlang nachgedacht, über etwas, was schon zurücklag und ihm immer noch Sorgen, ja sogar Angst bereitete. So stand er schließlich, nur halb angezogen, vor einem ganz bestimmten Quartier. Er <br>betätigte den Türsummer. Das Schott glitt zur Seite.<br>„Hallo Arena.“<br>„Guten Abend, oder morgen... Weißt du überhaupt wie spät es ist, Ardev?“<br>Ardev beantwortete diese rhetorische Frage nicht, sondern betrat das Quartier der Terellianerin. Ihre Zimmergenossin hatte Brückendienst und schlief daher allein. Im Moment wollte Ardev auch nicht zu wenig Aufmerksamkeit. Er setzte sich auf die Bettkante und Fähnrich Tellom tat es ihm nach. Ihre Hand berührte sanft die seine und mit mitfühlendem Blick fragte sie:<br>„Was ist los mit dir?“<br>Ardev zögerte lange, während sein Blick durchs Quartier huschte. Er schaffte es nicht, einen bestimmten Punkt zu fixieren. Schließlich blickte er zu Boden und sagte den Satz, den normalerweise kein Offizier zugeben würde:<br>„Ich habe Angst.“<br>Tellom war zu verwirrt um etwas zu sagen. Der Andorianer war normalerweise ein Quell der Professionalität und der Ruhe, doch heute war es anders. Er war verschwitzt, er schien unkonzentriert und er zitterte. Ob er einen Alptraum gehabt hatte, ließ sich nicht sagen. Lange Zeit herrschte Schweigen zwischen den beiden, bis Ardev endlich weiter sprach.<br>„Diese Nacht hier, ... es könnte morgen Krieg geben. Und ich fürchte mich davor.“<br>Tellom beschloss nichts zu sagen, stattdessen nur zuzuhören.<br>„Als ich vor einem Jahr von den Bolivianern gefangen genommen worden war, da haben sie mich verhört. Über den Krieg... den Konflikt mit dem Dominion...“<br>Seine Stimme bebte. Seine Augen wurden feucht. Er kämpfte mit sich selbst um seine Fassung. Schließlich verlor er und weinte. Er weinte wie noch nie in seinem Leben. Es war ihm peinlich. Doch die Person seines Vertrauens verstand ihn und nahm in zärtlich in den Arm. Bisher hatte Ardev mit niemandem über seine Gefangenschaft gesprochen. Bis heute. Das bedeutete Tellom sehr viel.<br>„Ich habe einen Unschuldigen getötet“, schluchzte er, „ich, ein Mitglied der Sternenflotte, habe einen Mann getötet, der nur helfen wollte. Einen Sanitäter.“<br>Mehr konnte er nicht sagen. Er brauchte auch nicht. Und obwohl Arena Tellom während dieser ganzen Zeit nichts gesagt hatte, herrschte ein geheimes Einverständnis zwischen ihnen beiden. Sie verstanden sich, daß wussten beide. Und so teilten sie Arm in Arm ihren Schmerz, ihre Angst und ihre Hoffnungen. Sie schenkten sich Kraft.<br><br>Alle diese kleinen Einzelschicksale zogen sich wie ein roter Faden durch die Gänge der U.S.S. Monitor. Überall an Bord wurde gehofft, gebangt und gebetet, während nur wenige die Muße zum Schlafen fanden. Und nur ein paar Lichtjahre entfernt, auf einem idyllischen Planeten namens Vernius-Prime, saß ein einsamer großer Mann und schrieb seinen womöglich letzten Brief an seine Familie.<br><br>Diesmal erschien Captain Lewinski der Gang zur Brücke endlos. Er fühlte sich steif und unbehaglich in seiner Uniform, wie eine Person, die liebend gerne woanders wäre, nur nicht hier. Sicherlich gab es auf dem ganzen Schiff keine Person, die nun mit ihm tauschen wollte.<br>Und im Grunde genommen konnte er keinem dies verübeln. Alle diese Gedanken gingen dem Captain durch den Kopf, als sich die Schotten vor ihm öffneten und den Zugang zum Kommandozentrum der Monitor freigaben. Alle Leute saßen an ihren Stationen, jeder war hochkonzentriert und bereit, die Befehle ihres Kommandanten wahrzunehmen.<br><i>Eine feine Crew...</i><br>Langsam, fast schon behutsam, ließ sich Lewinski in den Kommandosessel sinken. Kurz strich er mit den Händen über die Armlehnen, tankte ein letztes Mal Kraft und genoss die Ruhe. Dieser Augenblick schien ewig zu dauern, bis er schließlich den Mund öffnete und eine Frage formulierte:<br>„Position, Commander Land?“<br>Der Brite brauchte nicht einmal die Anzeigen zu konsultieren, um die genaue Position auszumachen. Innerhalb der letzten Stunde hatte er so oft auf die Sensoren gestarrt, daß er die Position mühelos selbst ausrechnen konnte.<br>„Nähern uns der Grenze mit Warp 6 aus 210.798, Sir.“<br>„Voller Stopp.“<br>Die Trägheitsdämpfer schafften es nicht ganz, den abrupten Wechsel vom Warp- zum Normalraum zu kompensieren, als die Monitor stoppte. Inzwischen war das Vernius-System mit bloßem Auge auf dem Hauptbildschirm zu sehen.<br>„Schiff auf den Sensoren, aus 014.324!“ meldete T´Per und unterbrach damit die jähe Stille, die eingekehrt war. Der Vulkanier war wohl einer der wenigen an Bord, der die Nacht durchgeschlafen hatte. Lewinski faltete gespannt die Hände und fragte:<br>„Identifikation?“<br>„Frachter der Andromeda-Klasse. Sie ist in den Datenbanken als Thor registriert.“<br>„Tarnvorrichtung?“<br>„Sie läuft einwandfrei.“<br>So weit, so gut. Sie waren noch nicht entdeckt worden. Nun konnten sie mit ihrer eigentlichen Arbeit beginnen. Lewinski atmete tief durch, bevor er die nächste Arbeitsanweisung herausgab:<br>„An alle Stationen: beginnen sie mit vollständigem Sensorscan des Gebietes. Fordern sie wenn nötig zusätzliche Energie an.“<br>Es ging los...<br>Zehn Minuten lang trommelte der Captain auf den Armlehnen seines Sessel den Takt eines alten Songs im Stile des andorianischen Blues. Viele hielten seinen Musikstil für hoffnungslos veraltet, Lieutenant Ardev mit eingeschlossen, doch für ihn gab es keine bessere Musik in der Galaxis. Sie half ihm, sich zu entspannen, neue Ideen u entwickeln und sie hatte ihm auch während seiner Heilung geholfen. Nur wenige wussten, welche positiven Aspekte Musik in der Psychotherapie hatte. Schließlich hatte er einen Plan gefasst.<br>„Mr. Land, bringen sie uns auf Parallelkurs mit dem Frachter Thor und schicken sie Commander Eisenberg in den Transporterraum!“<br><br>Was ein Ranger in den Jahren seiner Ausbildung unbedingt lernen musste, war innerhalb von wenigen Sekunden soviel Informationen wie möglich über seine Umgebung zu sammeln. Dies war geradezu ein klassisches Beispiel: der Transporterraum beamte die dreiköpfige Gruppe in drei Schlüsselsektionen des kleinen Frachters, der ohnehin nur aus einem Deck bestand. Ganz in Schwarz gehüllt, mit dem Gewehr im Anschlag erschien Commander <font>Aron Eisenberg</font> auf der Brücke der Thor und überraschte damit die beiden Personen dort, die augenscheinlich am schlafen waren.<br>„Keine Bewegung!“ rief Eisenberg ihnen zu und stellte fest, daß der offensichtliche Captain ein Bolianer war. Nachdem er sich versichert hatte, daß keiner nach einer versteckten Waffe griff, kontaktierte er Lieutenant Darikk und Lieutenant Resor:<br>„Status?“<br>Die Stimme des jungen Tirrionen Darrik klang ruhig und gleichmäßig.<br>„Alle Abteilungen gesichert. 5 Besatzungsmitglieder in Gewahrsam, keine Waffen festgestellt.“<br>Eisenberg unterbrach die Verbindung und wandte sich an den sichtlich verdutzten Bolianer,<br>während die vulkanische Frau neben ihm Eisenberg ruhig anblickte.<br>„Was ist hier los?“ fragte der Bolianer aufgeregt und sein Adamsapfel zuckte wild hin und her. Anscheinend konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen, worum es hier ging. Commander Eisenberg beschloss, ihm etwas auf die Sprünge zu helfen.<br>„Sie haben gegen geltendes Föderationsgesetz verstoßen. Ihr Schiff wird hiermit von der Sternenflotte beschlagnahmt.“<br>Die Verwirrung im Gesicht des Bolianers wich nun echtem Ärger. Er wollte einen Schritt auf Eisenberg zu machen, der ihm aber mit der Gewehr bedeutete, da zu bleiben, wo er war.<br>„Das ist eine Ungeheuerlichkeit! Ich werde Beschwerde beim Föderationsrat einlegen...“<br>„Sie werden gar nichts tun. Die Passage, die sie vor wenigen Stunden überquert haben, ist von der Föderation offiziell geschlossen worden. Sie werden einem Richter vorgeführt werden...“<br>Leider liegt es in der Natur des Menschen, Fehler zu machen. Und gerade weil Commander Eisenberg bisher nie einen gemacht hatte, wurde er nun nachlässig. Während er den störrischen<br>Frachterkapitän über seine Rechte aufklärte, entging ihm, wie die vulkanische Frau ganz langsam zu einer Konsole ging und scheinbar ein paar Kurskorrekturen vornahm. Dies war jedoch nicht der Fall. Stattdessen holte sie mit einer scheinbar überirdischen Geschwindigkeit einen klingonischen Disruptor hervor und feuerte auf Eisenberg. Dieser bemerkte viel zu spät diese Aktion und versuchte, gleichzeitig zu feuern und sich abzurollen. Sein Phaserstrahl traf zwar die Frau und machte sie dadurch kampfunfähig, doch nichtsdestotrotz schaffte er es nicht, dem Disruptorstrahl auszuweichen, der ihn halb im Sprung in die Brust traf und ihn gegen das Schott warf. Die beiden anderen Ranger hörten selbstverständlich die Kampfgeräusche und betäubten ihre Gefangenen, um dann durch die schmalen Gänge zur Brücke zu eilen. Darrik erschien als erster aus dem Schott und musste hilflos mit ansehen, wie der Bolianer den Disruptor aufhob und auf ihn schoss. Die folgenden Sekunden schienen sich zu einer Ewigkeit zu dehnen, bis der Strahl in der Brust des Andorianers Resor explodierte, der sich schützend vor seinen Kameraden geworfen hatte. Darikk reagierte instinktiv und feuerte zwei Ladungen auf den Bolianer ab, der bewusstlos in einen Stuhl der Konsole sank. Dann war es totenstill. Denn Lieutenant Darrik war die einzige Person, die noch bei Bewusstsein war.<br><br>„Monitor an Rangerteam, Bericht!“ forderte Ardev an. Die Sensoren hatten selbstverständlich das Gefecht an Bord der Thor registriert.<br>„Hier spricht Lieutenant Darikk, das Team ist tot.“<br>Man konnte nicht sagen, wer entsetzter war, der junge Lieutenant oder Captain Lewinksi, der wieder Menschen in den Tod geschickt hatte. Nur diesmal durfte er keine Schwäche zeigen. Jetzt nicht.<br><br><i>Bericht des leitenden Einsatzoffiziers<br>Lieutenant Ardev<br>Nach einem intensiven Scan des Schiffes Thor und einer genetischen Untersuchung der Besatzung des Frachters sind wir uns sicher, daß es sich hierbei um Tsenketi handelt, die im Auftrag ihres Geheimdienstes das Föderationsgebiet passieren und dabei Informationen sammeln. Es ist anzunehmen, daß es weitere solcher Spionagefrachter gibt. Ich empfehle das Abfangen jedes Frachters durch ein Schiff der Sternenflotte, sofern sie in den letzten Monaten im Vernius-System waren.</i><br><br>Lewinksi legte das Padd zur Seite. Er teilte die Einschätzung des jungen Andorianers. Und wieder einmal verfluchte er sich selbst, daß er zwei Männer in den Tod geschickt hatte. Sicher, es war nicht seine Schuld gewesen, doch hätte er diese Möglichkeit nicht in Betracht ziehen müssen? Er ließ einen schweren Seufzer ab und lehnte sich im Sessel zurück. Immer noch stand vor ihm Lieutenant Darrik, der regungslos wartete. Sein Blick war starr geradeaus gerichtet, seine Haltung makellos. Hätte der Captain ihn nicht selbst in den Bereitschafstraum gebeten, so hätte er wahrscheinlich nicht von ihm Notiz genommen. Kam wohl von der harten Ausbildung der Ranger. Schließlich beschloss John Lewinksi doch, ihm in die Augen zu blicken.<br>„Sie haben nun das Kommando über die Ranger“,  gab der Captain bekannt und verkniff sich einen bösen Gedanken, den er im Kopf hatte. Der Tirrione blickte ihn nun zum ersten Mal an.<br>„Ja, Sir. Danke Sir!“<br>„Suchen sie sich ein, zwei Sicherheitsoffiziere ihres Vertrauens und bilden sie sie aus. Wir können nicht auf die Ankunft eines neuen Teams warten. Unsere Mission muss fortgesetzt werden. Haben sie verstanden?“<br>„Voll und ganz!“<br>Mit dieser ziemlich einsilbigen  Antwort entließ Lewinski den jungen Mann. Lewinski wusste nur zu gut, was nun in dem Jungend vorging. Er hatte seine ganzes Team, seine Familie und seinen Mentor verloren. Hoffentlich verkraftete er diesen Verlust. Er musste es.<br>Lewinski blieb noch einige Zeit in seinem Bereitschaftsraum, saß einfach nur da, nutzte die Zeit für Überlegungen. Er befand sich nun an einer Kreuzung: egal wie er sich entschied, es würde Konsequenzen geben...<br>Ruckartig erhob er sich und begab sich auf die Brücke. Alle Offiziere blickten ihn an. Ihre Augen verrieten Hoffnung, Angst und Ungewissheit. Lewinksi betrachtete jeden einzelnen seiner Offiziere. Ardev, der offenkundig Angst hatte, T´Per und Land, seine langjährigen Weggefährten und Freunde, Fähnrich Tellom, die nicht wusste, was sie von der Sache halten sollte. Sie alle waren trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft und Traditionen auf diesem Schiff vereint. Als Mannschaft, als Familie. Lewinski atmete tief ein und stellte eine Verbindung her.<br>„An die Besatzung der Monitor, hier spricht ihr Captain. Es ist sicherlich ungewöhnlich, daß ich nach so kurzer Zeit wieder zu ihnen spreche, doch es sind ungewöhnliche Zeiten. Sie wissen, daß ich immer ehrlich zu ihnen gewesen bin und daß will ich auch jetzt sein, denn es sieht nicht gut aus. Ein neuer Krieg könnte bevorstehen. Die meisten von uns haben noch schmerzliche Erinnerungen an den letzten Krieg, an die gefallen Kameraden und die Leiden. Ich habe dies auch erlebt. Und ich kann ihnen allen, ob sie nun auf der Brücke oder im Frachthanger sind, daß ich mein bestes geben werde, um sie hier heil herauszuholen....“<br>Lewinski stockte kurz. Dies war die längste Rede, die seine Crew jemals von ihm gehört hatte, ihn mit eingeschlossen. Er räusperte sich kurz, bevor er hinzufügte:<br>„Ich weiß nicht an welchen Gott, welche Götter oder ob sie überhaupt an etwas glauben. Doch geben sie mir bitte die Freiheit ein kleines Gebet zu sprechen.“<br>Er senkte den Blick zu Boden, manche taten es ihm gleich.<br>„Oh Herr, schütze uns wie wir auch unser Land schützen, daß wir von Herzen lieben.“<br>Mehr war ihm nicht eingefallen. Doch es genügte. Viele nickten bedächtig und Commander Land schlug sogar ein Kreuz über der Brust.<br>„Viel Glück uns allen. Lewinski Ende.“<br>Und mit einem letzten Blick auf den Hauptschirm setzte sich Lewinksi in den Kommandosessel und befahl:<br>„Bringen sie uns in das Vernius-System, Mr. Land, voller Impuls!“<br>***<br>Stille und Konzentration herrschten auf der Brücke der Monitor. Bruce Land gab sein bestes, um das Schiff an den von den Tsenketi aufgestellten Tachyon-Detektionsgittern vorbeizuführen. Der Andorianer Ardev sammelte mittels den Scannern so viele Informationen wie nur möglich, was aber durch die aktivierte Tarnvorrichtung erschwert wurde. Mit gerunzelter Stirn saß er vor seiner Konsole und überlegte, wie er mehr Energie den Sensoren zuführen konnte ohne die Kriegsschiffe der Tsenketi auf die Monitor aufmerksam zu machen.<br>Schließlich drehte er seinen Stuhl zum Kommandanten dieses wackeren kleinen Schiffes und gab das Ergebnis seiner Untersuchungen bekannt, wobei er nicht zu optimistisch klang.<br>„Captain, ich scanne 21 Schiffe in diesem System, die meisten davon Kriegsschiffe. Der Planet wird zudem noch von orbitalen Geschützen und mehr als 70.000 Truppen verteidigt.“<br>John Lewinski enthielt sich einer Antwort, knirschte stattdessen nur mit den Zähnen. Die Sache entwickelte sich nicht in die Richtung, die er sich erhofft hatte. Konnten sie überhaupt noch das unvermeidbar Erscheinende verhindern? Mit jeder Minute, die sie länger im Vernius-System waren, zweifelte er daran. Wann würde die Sternenflotte auf die stetig anwachsende Bedrohung reagieren?<br>„Mr. T´Per, Status der Waffensysteme?“<br>Der große Vulkanier drehte sich halb zu seinem Captain und wölbte eine Augenbraue:<br>„Der selbe Status wie vor 5 Minuten, Sir, alle Systeme sind einsatzbereit und hochgefahren!“<br>Lewinski nickte und versuchte sich nicht sein Nervosität anmerken zu lassen. Um sich zu entspannen, begann er einen andorianischen Blues auf den Armlehnen seines Sessels zu trommeln. Das half ein wenig, die Anspannung wich langsam von ihm. Gute 20 Minuten nervte er die Crew mit seinem veralteten Musikgeschmack, bis eine eintreffende Nachricht die Ohren der Brückenbesatzung von ihren Leiden erlöste.<br>„Sir, eine eintreffende Nachricht von Starfleet-Command“, meldete Fähnrich Tellom, „sie ist als geheim eingestuft worden.“<br>Lewinski überlegte nur kurz und richtete sich in seinem Stuhl auf.<br>„Nun Fähnrich, ich denke die gegenwärtigen Ereignisse gehen uns alle etwas an. Legen sie die Nachricht auf den Hauptschirm!“<br>Der Bildschirm erhellte sich und spielte die Nachricht ab, wobei es sich jedoch nur um eine Textnachricht handelte. Alle Köpfe auf der Brücke drehten sich zum Schirm und lasen die unheilvollen Worte. Hatten sie sich bessere Nachrichten erhofft, so wurden sie nun bitter enttäuscht:<br><i>Von: <font>Starfleet Command</font><br>An: alle Schiffe der Vereinigten Föderation der Planeten, insbesondere Schiffe der Sternenflotte<br><br>Der Nichtangriffspakt zwischen der Vereinigten Föderation und der Tsenketi-Republik wurde gekündigt. Botschaften geschlossen, Bürger ausgewiesen.<br>Eine Flotte der Sternenflotte unter der Leitung der U.S.S. Enterprise befindet sich auf dem Weg ins Vernius-Gefahr.<br>Sie sind autorisiert, ohne Rücksprache Defensivmaßnahmen zu ergreifen. </i><br><br>Kollektives Stöhnen und Gemurmel erklang auf der Brücke. Lewinski erstarrte. War die Situation wirklich so hoffnungslos, der Krieg nur noch eine Frage der Zeit? Es musste verhindert werden.<br>„Alarmstufe Gelb!“ befahl der Kommandanten und lehnte sich zurück. Er konnte nur noch warten und hoffen, daß ihnen die Lösung einfiel.<br><br>„General, eine dringende Botschaft der Regierung!“<br>Sein Adjutant reichte Dekk ein Datenpadd, was er aufmerksam durchlas. Im Grunde enthielt sie die selbe Nachricht, die wenige Minuten zuvor auch Captain Lewinski empfangen hatte und auch genau wie der menschliche Captain durchfuhren ihn die selben Gefühle. Was konnte er noch tun, um diesen Krieg zu verhindern? Wenn erst einmal die Flotte der Föderation auftauchen würde, so würde man die Mühlen der Politik nicht mehr anhalten können. <br>„Sir, geht es ihnen nicht gut?“<br>Der junge Soldat hatte natürlich in den letzten Tagen bemerkt, wie sein Kommandant immer missmutiger geworden war, eine Entwicklung, die er hatte nur bemerken können. weil er selber so lang unter Dekk gedient hatte. Anderen wären diese haarfeinen Veränderungen gar nicht aufgefallen. Der General schüttelte den Kopf.<br>„Nein, nein, es ist alles in Ordnung. Besorgen sie mir ein Shuttle, ich fliege zur Sholva.“<br>Der Adjutant nickte und verließ den Raum. Er verstand seinen General nur zu gut, denn in einer solchen Situation wollte er auch auf dem Flagschiff der Flotte sein. Dekk packte einige persönliche Sachen zusammen und verließ schließlich den Raum, mit dem unguten Gefühl, daß er vielleicht nie wieder hierher zurückkehren würde.<br><br>Die Sholva war der Stolz der Tsenketi-Flotte. Mit seinen 900 Mann Besatzung und der Größe eines Schiffes der Galaxy-Klasse war es dafür prädestiniert, der Sitz von General Dekk zu sein. Schon im Orbit hatte er die schlanke Form des Schiffes bewundert, die an einen Pfeil erinnerte, mit den eng anliegenden Warp-Gondeln und den kleinen Flügeln an der Seite. Die braune Bemalung verbreitet ein Gefühl von Wärme, von Heimat. Für wenige Sekunden war im Geiste Dekks das Gesicht seiner kleinen Tochter erschienen, die er von herzen vermisste. Er hatte diesen Gedanken schnell wieder abgeschüttelt, denn als Kommandant dieser mächtigen Flotte musste er einen kühlen Kopf bewahren. Um dies zu erreichen, hatte er es vorgezogen, mit dem Shuttle zu reisen, was ihm Zeit zum Nachdenken und zur Bewunderung der Tsenketi-Baukunst gegeben hatte. Auch die Brückenkonstruktion folgte völlig anderen Prinzipien als z.B. bei Föderationsschiffen. Dekk nahm in einem geräumigen Stuhl in der Mitte der Brücke Platz, wobei die Brücke selber riesig anmutete. Es gab keinen zentralen Hauptschirm und die Stationen waren um den Captain herum angeordnet, während die Konsolen in Richtung der Wand zeigten, was dazu führte, daß keiner der Offiziere, ohne sich umdrehen zu wollen, seinen Kommandanten anblicken konnte. Dies sollte wohl unbedingte Loyalität demonstrieren. Betrat man die Brücke, so befand sich einige Meter vor einem die Taktik, links die Pilotenstation und rechts die OPS. Alle anderen Stationen waren hinter dem Kommandanten angeordnet. Das Innere der Sholva schimmerte ebenfalls in einem beruhigenden Dunkelbraun, was Dekk zu einem Seufzer veranlasste, als er sich in den bequemen Stuhl sinken ließ.<br>„Status?“ fragte er neutral.<br>„Alle Systeme einsatzbereit, Ortungsgitter funktionieren, Torpedos geladen und bereit“, antwortete ihm sein erster Offizier.<br>Dekk nickte zufrieden. Alles war innerhalb akzeptabler Parameter. Plötzlich ein Aufflackern auf dem Bildschirm der OPS-Station. Dekk drehte den Sessel nach rechts.<br>„Was war das?“ <br>Die junge Frau rief einige Daten ab.<br>„Sir, eben hat etwas das Tachyonen-Gitter gestreift, aber es war zu kurz da, um es eindeutig zu identifizieren. Es könnte ein Sensorschatten sein.“<br>Dekk schüttelte den Kopf. Er wusste was es war: die Föderation war schon eingetroffen.<br><br>„Was zum Teufel ist da eben passiert?“<br>Captain Lewinski war außer sich vor Wut. Für einen kurzen Moment waren sie auf den gegnerischen Schirmen sichtbar gewesen. Nur einer schnellen Wende von Bruce Land war es zu verdanken gewesen, daß sie nicht entdeckt worden waren.<br>„Woil an Brücke, die Tarnvorrichtung hat eben fluktuiert!“<br>Lewinski rollte mit den Augen.<br>„Und was jetzt?“<br>„Ich denke, dies wird nicht wieder vorkommen“, antwortete der Antosianer, „ich habe alle Systeme jetzt doppelt gesichert, so daß ich bei einer ähnlichen Situation rechtzeitig eingreifen kann.“<br>Der Captain beruhigte sich wieder, denn er wusste, daß niemand Schuld an dieser Sache hatte. Stattdessen musste er froh sein, daß die gewaltige Tsenketi-Flotte sie noch nicht entdeckt hatte. So konnten sie mit ihrer Mission fortfahren...<br>„Sir“, meldete sich Ardev überrascht zu Wort, „ich bekomme eine Nachricht rein, nur Audio!“<br>Lewinski überlegte nur kurz:<br>„Legen sie es auf die Lautsprecher!“<br>Die Stimme die sie nun vernahmen, war ruhig und sanft, besonnen. Der Sprecher musste sehr erfahren sein, sonst würde er nicht diese Ruhe in seine Stimme legen können.<br>„Schiff der Föderation, ich weiß das sie da sind und mich hören können. Sie verletzten den Raum der Republik Tsenketi. Dies ist ein kriegerischer Akt. Ich fordere sie hiermit sofort auf, dieses System zu verlassen.“<br>„Ende der Botschaft“, erläuterte Ardev und blickte gespannt zu Lewinski. Dieser faltete ruhig die Hände und überlegte, was er nun tun sollte.<br><br>In der Rüstkammer der Monitor fiel Danny Bird die Aufgabe zu, die 4 Tricobalt-Torpedos, die das Schiff mit sich führte, einzustellen und zu kontrollieren. Er ging, wie so vieles in letzter Zeit, auch diese Aufgabe mit wenig Enthusiasmus an. Die gegenwärtigen Ereignisse bereitetem ihm Sorgen. Mit einem optronischen Scanner kontrollierte und justierte er die Stärke der Sprengladung der Torpedos während sein Vorgesetzter die kleine Kammer betrat. T´Per war wie alle Vulkanier ein Perfektionist, der lieber alles dreimal, statt nur zweimal kontrollierte. Eine nervige Eigenschaft, die sich jedoch jeder gute Sicherheitschef zu gute machen sollte, weshalb auch Danny Bird diesem Pfad folgte. Der große Vulkanier beugte sich über die geöffneten Schaltkreise der Kammer und warf dann Bird einen neutralen Gesichtsausdruck zu.<br>„Wie sieht es aus, Lieutenant?“<br>Egal wie lange Danny noch in der Sternenflotte bleiben würde, er würde sich nie an Vulkanier gewöhnen können. Schon seit seiner frühsten Kindheit schien es Birds Schicksal zu sein, mit ihnen zu arbeiten, sei es in der Schule, im Sport oder in der Sternenflotte. Man stumpfte gegen diese Wesen unheimlich ab, ob man wollte oder nicht.<br>„Gut, Sir. Ich habe drei Torpedos eingestellt und auch dieser letzte macht keine Probleme.“<br>„Gute Arbeit.“<br>T´Per sagte nichts weiter, blieb jedoch weiterhin in der Kammer, was sehr merkwürdig für Vulkanier und speziell für ihn selbst war, denn Vulkanier neigten nicht gerade dazu, Zeit zu verschwenden. Stattdessen beobachtete der Lieutenant die Arbeiten Birds, bis dieser sich schließlich genervt aufrichtete und den Sicherheitschef genervt fragte:<br>„Ist etwas, Lieutenant?“<br>Fühlte sich T´Per durch diese respektlose Frage beleidigt, so schien er dies nicht anzudeuten.<br>„Lieutenant, ich habe gehört, sie planen das Schiff zu verlassen?“<br>Bird setzte überrascht seine Arbeit vor.<br>„Das stimmt, Sir, das plante ich, aber ich denke, der kommende Krieg wird das wohl zu Nichte machen.“<br><i>Wieder dieses Hochziehen der Augenbraue!</i><br>„Die Wahrscheinlichkeit für einen bewaffneten Konflikt mit den Tsenketi ist eher al gering einzuschätzen.“<br>„Vulkanischer Optimismus“, murmelte Bird leise und schüttelte den Kopf.<br>„In der Tat ist die Aubretia ein gutes Schiff, aber die Monitor würde ihrer Karriere viel mehr nützen!“<br>Nun beendete Bird doch seine Arbeit. Mussten sich Gerüchte auf dieses Schiff ( einem Schiff des Geheimdienstes!) so schnell ausbreiten? Es war zum aus der Haut fahren!<br>„Bei allem Respekt, Sir, aber hier bin ich nur zweite Wahl!“<br>Die folgende Erwiderung T´Pers ließ Bird so aus allen Wolken fallen, daß er den Erläuterungen nur halb folgen konnte:<br>„Nicht mehr lange, Lieutenant. Ich bin nun 202 ihrer menschlichen Jahre alt. Mein Ruhestand steht bald bevor und ehrlich gesagt sehe ich der Rückkehr nach Vulkan positiv entgegen. Ich brauche einen qualifizierten Nachfolger und ich sehe keinen besseren als sie, Mr. Bird. Mehr dazu nach dem Ende dieser Mission.“<br>Und ohne ein weiteres Wort verließ der Vulkanier die Rüstkammer. Danny war sprachlos. Das war es, was er immer haben wollte, aber sich nie getraut hatte, offen auszusprechen. Jetzt mussten sie nur noch diesen kleinen Krieg verhindern und schon war er Sicherheitschef.<br>„Es gibt viel zu tun, packen wir es an!“ murmelte Bird und beendete seine Arbeit an dem Torpedo.<br><br>Lieutenant Ardev und Lewinksi hatten sich an den hinteren Tisch auf der Brücke gesetzt, um die neusten Ergebnisse zu diskutieren. Der Andorianer reichte seinem Kommandanten ein kleines PADD.<br>„Ich habe die Stimme mit allen in unserer Datenbank verglichen“, erklärte er, „und sie trifft auf General Dekk zu.“<br>Lewinski zog die Stirn kraus.<br>„Was wissen wir über ihn?“<br>Ardev lehnte sich im Stuhl zurück. Er hatte nun schon seit 22 Stunden Dienst und dachte nicht im Traum daran, sich etwas hinzulegen.<br>„Ein ruhiger, besonnener Mann, auf keinen Fall ein wilder Cowboy. Wenn wir was erreichen wollen, ist er der richtige Mann. Familienvater, Kriegsveteran.“<br>„Das ist gut, dann weiß er ja was ein Krieg anrichten kann, im Gegensatz zu diesen Politikern!“<br>„Sein Flaggschiff ist die Sholva, ein schwerer und zugleich wendiger Kreuzer, eine harte Nuss!“<br>Lewinski brauchte nichts weiteres zu hören, sprang stattdessen auf und beugte sich über Lands Konsole.<br>„Bruce, öffnen sie einen Kanal zur Sholva, nur Audio und sorgen sie dafür, daß die Übertragung nicht zurückverfolgt werden kann!“<br>Es dauerte einige Minuten, dann hatte der Commander die Anweisung durchgeführt und gab ein Handzeichen, daß die Leitung stand. Lewinski stand direkt vor dem Hauptschirm, beobachtete die Ansammlung von Schiffen und versuchte eine aufrechte Pose darzulegen, obgleich sein Gesprächspartner ihn nicht sehen konnte.<br>„General Dekk, hier spricht Captain Lewinski von der Sternenflotte...“<br>Einige Sekunden vergingen und Lewinski befürchtete schon, daß man ihm nicht antworten würde, dann erklang wieder die ruhige, besonnene Stimme des Generals.<br>„Captain, es ist mir eine Freude, sie zu sprechen, auch wenn sie es widerrechtlich tun. Was kann ich für sie tun?“<br>„Na ja, also wir beide sind doch vernünftige Männer....“<br>„Dies ist korrekt...“<br>„...und auch wir beide haben Kriege erlebt. Wir beide wissen, wie schrecklich das ist. Sollten wir nicht versuchen, einen neuen zu verhindern?“<br>Auf der Brücke der Sholva rieb Dekk Daumen und Zeigefinger aneinander. Anscheinend hatte er es mit einem intelligenten Mann zu tun. Dekk wusste, daß die Brückenmannschaft ihn und seine Reaktion heimlich beobachtete. Er atmete kurz tief durch und antwortete schließlich:<br>„Ja.“<br>„Das freut mich!“<br>Auch in der Kommandozentrale der Monitor ging ein kollektiver Seufzer der Erleichterung um sich. Dies war zwar unsinnig, da ihr Gespräch keinen diplomatischen Wert hatte, aber man wollte diesen Hoffnungsschimmer auskosten.<br>„Dummerweise, Captain...Lewinski“, die Aussprache bereitete Dekk einige Schwierigkeiten, <br>„steht es nicht in unserer Macht, diese Entscheidung, die von Politikern getroffen wird, zu beeinflussen.“<br>Wieder herrschte Schweigen. Beide Seiten schienen den nächsten Schritt zu überlegen. Lewinksi blickte kurz zu Boden. War er wirklich so naiv zu glauben, mit einem Gespräch einen Krieg verhindern zu können? Es war nur ein Hoffnungsschimmer.<br>„General, ich möchte sie nicht anlügen: mein Schiff ist schwer bewaffnet, unter anderem mit Anti-Materie Waffen und eine große Flotte der Föderation unter der Enterprise ist auf dem Weg hierher. Ich denke, sie kennen Captain Picard doch auch ihm wird es dann, wenn sich zwei so große Flotten gegenüber stehen, nicht möglich sein, ein Blutvergießen zu verhindern.“<br>Stille, während Dekk darüber nachdachte. Er wusste, daß jedes Wort, daß er und Lewinski austauschten, von der Besatzung aufgenommen wurde. Es waren junge Leute mit Hoffnung, mit Träumen.<br>„Haben sie Kinder, Captain?“<br>Lewinski war den ersten Moment so überrascht über die Frage, daß es einige Zeit dauerte, bis er antwortete:<br>„Nein, leider nicht.“<br>„Nun, ich hab eine Tochter.“ Dekks Augen tränten, als er an das unschuldige, verschmitzte Lächeln seiner Marisa denken musste. „Sie ist alles was ich habe. Ich will, daß sie es besser hat als ich. Meine Kindheit war durch die Tholianer zerstört worden. Es soll ihr nicht so ergehen wie mir.“<br>Dekk wusste nicht, wieso er einem vollkommen Fremden, den er noch gesehen hatte, dies erzählte. Er konnte es auch nicht erklären, aber irgendwie fühlte er ein geheimes Einverständnis zwischen ihnen. Etwas verwandtes.<br>„Auch ich habe solche Erinnerungen erlebt, General, es ist nur zwei Jahre her, wie sie wissen“, antwortete Lewinski. Auch er war über das Bekenntnis dieses Mannes überrascht gewesen.<br>Bot sich hier eine echte Chance?<br>„General, halten sie diesen Krieg für notwendig?“<br>Für diese Antwort musste Dekk nicht lange überlegen:<br>„Nein!“<br>„Stellen sie mein Bild zu ihm durch!“<br>Ardev war zu überrascht, um zu reagieren.<br>„Sir?“ fragte er verdutzt, doch Lewinski wollte sich nicht aufhalten lassen.<br>„Sofort, Lieutenant!“<br>Das Gesicht, daß auf einem der Schirme auf dem Flaggschiff der Tsenketi-Flotte erschien, war mitfühlend, fast schon traurig. Fast schien sich Dekk selbst in diesem Menschen zu erkennen. Beiden gingen die selben Gedanken durch den Kopf, als sich Lewinski vorbeugte und mit sanftem Tonfall erklärte:<br>„In der Charta der Föderation steht geschrieben, daß das Volk Widerstand leisten muss, wenn die Regierung gegen Gesetze verstößt. Dazu gehört auch das Verbot für einen Angriffskrieg.“<br>Und mit einem letzten Atemzug sprach Lewinski die Worte aus, die eine Republik verändern sollte:<br>„Gilt das nicht auch für ihr Volk, für sie?“  <br>Wieder Totenstille. Alle Augen auf beiden Brücken waren auf die beiden Kommandanten gerichtet.<br>„Verbindung beenden.“<br>Das Gesicht war vom Schirm der Sholva verschwunden, doch für Dekk würde sich das Bild dieses Menschen für immer in den Geist einbrennen, als er befahl:<br>„Lieutenant Zarroc, beamen sie sich auf Vernius-Prime und nehmen sie Minister Dejo wegen Verstoßes gegen die Verfassung der Republik fest. Danach setzen sie einen Kurs nach Tsenkar.“<br>Obwohl der Befehl mehr als ungewöhnlich war, machte niemand an Bord des Schiffes Anstalten, sich zu widersetzen. Ganz im Gegenteil.<br><br>Schon beim Reinbeamen merkte Lewinski, daß sich Kasharis Büro veränderte hatte. Ein neuer Sessel stand da, wo vorher eine leere Wand war. Er deute lächelnd darauf.<br>„Ein neuer Anflug von Gastfreundlichkeit?“<br>Kashari lächelte ebenfalls.<br>„Gott bewahre.“<br>Dann schwiegen sie wieder und lächelten. Diese Mission war mit Abstand die ungewöhnlichste, die Lewinski je absolviert hatte. Kashari drehte sich wieder zu seinem Bürofenster, das immer noch die unendlichen Weiten des Alls zeigte. Dann, ohne Verwarnung, lachte der Zakdorn und schüttelte den Kopf. Wissen sie, John, nicht einmal Botschafter Spock hatte es geschafft, einen Putsch zu verursachen. Nein, sagen sie nichts, ich weiß, kein richtiger Putsch. Der gute General Dekk hat nur einige Politiker festgenommen, die Wahrheit über die Kriegsvorbereitungen verkündet und neue Wahlen ausgeschrieben, wozu er ja sehr gut in der Lage war, immerhin standen die Streitkräfte geschlossen hinter ihm. Bei dieser Revolution ist kein einziger Mensch zu Schaden gekommen und da haben wir ihnen zu verdanken. Kein schlechter Einstand für ihre erste Mission nach ihrer Rückkehr.“<br>„Danke, Sir.“<br>„Sie werden natürlich dafür geehrt werden. Was die Politik angeht, so haben wir mit der provisorischen Regierung der Tsenketi vereinbart, daß das Vernius-System eine EMZ wird und das dort eine gemeinsame Tsenketi/Föderations-Station gebaut wird, auf der jedoch nur zivile Mitarbeiter arbeiten dürfen. Wir werden diesen Fehler nie wieder machen.“<br>Bei diesen Worten verschwand das Lächeln von Lewinskis Gesicht.<br>„Es tut mir leid, Sir, aber Fehler werden immer geschehen. Denn sie sind menschlich!“<br><br>---<b><br>by Nadir Attar<br></b>]]></description><guid isPermaLink="false">1198</guid><pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate></item></channel></rss>
