12 Jahre hat es nach dem Ende von "Star Trek: Enterprise" gedauert, bis sich der Rechteinhaber wieder abseits der Kinoauswertung an das Star Trek Franchise gewagt hat. Während der Vorproduktionsphase war das Projekt "Discovery" von zahlreichen Personalwechseln und Produktionsschwierigkeiten begleitet worden, die zuletzte auch in der langen Verschiebung der Serie gipfleten. Ursprünglich war ein Start ja schon in 2016 angepeilt gewesen. Über den Autor @Daniel Räbiger Daniel ist mit Star Trek: Die nächste Generation im ZDF groß geworden.

Abseits von Star Trek unterhalten ihn Serien wie Westworld, Babylon 5 oder Firefly. Dass "Star Trek: Discovery" die Gemüter spaltet zeigen zahllose Diskussionen in den Foren und sozialen Medien. Zugegeben, ich habe aktuell ein Problem mit "Star Trek: Discovery" - und das aus einem Grund der eigentlich etwas kleinlich ist. Das ist einfach nicht "mein" Star Trek. "Gut, aber was ist denn dann 'dein' Star Trek?" - diese Frage ist nicht gerade einfach zu beantworten. Für mich steht Star Trek für die "perfekte Utopie". Ein Abbild der Ausschöpfung des höchsten Potentials der Menschheit. Und immer schon war Star Trek stellvertretend für Diversifikation, Rassengleichheit und Gerechtigkeit. Menschen die Besser sind wie wir. Als "The Original Series" 1966 ins TV kam stand hier stellvertretend die Inklusion von einer farbigen Offizierin, Lt. Uhura zur Besatzung. Dies zum Zeitpunkt eines Rassenkonflikts in Amerika und in vielen weiteren Teilen der Welt. Das besondere daran war, dass dies nie ein Thema war. Diese Selbstverständlichkeit der Dinge machte die Show damals so populär. Mit "The Next Generation" wurde 1987 dies fortgesetzt und die perfekte Utopie dem aktuellen Stand der Dinge angepasst. Selbiges erlebten wir mit Deep Space Nine und auch Star Trek Voyager. In jeder Serie wurden progressive Elemente etabliert, viele davon setzen einen Standard in der TV-Landschaft. Star Trek hat den Auftrag "Hoffnung" immer sehr ernst genommen, Themen aufgegriffen die für andere Formate Tabu waren und mit so mancher Episode in gewisser Weise einen Bildungsauftrag ausgeführt. Dies begann schon im Pilotfilm "Encounter at Farpoint" wo Q die Integrität der gesamten Menschheit auf die Probe stellt. Picard schließt mit den Worten "Let's see whats out there" und bricht auf eine sieben Jahre Lange Reise zu neuen Zivilisationen auf.  Episoden wie "Measure of a Man" haben sehr deutlich gezeigt dass man immer offen für neue Möglichkeiten und Perspektiven sein muss. Und ja, genau das wäre nun eigentlich das Argument schlechthin um zu sagen "Ja dann sei doch mal der neuen Serie aufgeschlossen" - und ich muss sagen: ich versuche es ja. Nur sehe ich - zumindest bisher - keinerlei Dinge in der Show, die für mich "Star Trek" ausmachen: Wo ist die Menschheit, die danach strebt sich selbst und andere zu Verbessern? Wo hat man sich über Vorurteile hinweggesetzt? Ganz im Gegenteil. Wir erleben eine Hauptfigur, die ohne größeren inneren Konflikt Meuterei begeht, dann auf ein Schiff gebracht wird wo die gesamte Crew ihr mit üblen Vorurteilen gegenübersteht und selbst, als sie dann eine neue Chance bekommt, kaum eine Gelegenheit auslässt, Befehle zu missachten. Wir sehen... ganz normale Menschen so wie dich und mich. Das wäre noch lange kein Problem, wenn es dazu einen Gegenpol gäbe. Die Admiralität in Star Trek war immer schon Stellvertretend für das Establishment eher im negativen Bereich angesiedelt. Als z.B. Admiral Dougherty in "Der Aufstand" fordert, den Sonnenkollektor einzusetzen entgegnet Picard "Wie viele Menschen sind nötig, bevor aus Recht Unrecht wird?" In Discovery hatte ich nach den ersten Folgen gehofft, mal die "richtige Föderation" zu Gesicht zu bekommen, nicht nur das für mich unpassende Schiff "Discovery" mit seinem abgedrehten Captain. Aber weit gefehlt. In "Choose your Pain" sehen wir die Föderation. Und die hat nichts mit meinem Trek zu tun. Diese Föderation ist dabei die Prinzipien zu verraten, die die anderen Serien begründet haben. Es ist ein Angriff auf Ihre Grundwerte. (So, jetzt aber genug mit in Sätze umgebaute Zitate...) Sicher, beim Captain selbst stellte sich später dann heraus, dass er gar nicht aus "unserem Universum" stammt - aber darum geht es mir gar nicht. Sondern vielmehr darum, dass die Grundaussage der Serie sich irgendwo zwischen "nicht vorhanden" und "belanglos" bewegt. In "Chain of Command" zeigt Patrick Stewart in einem seiner herausragendsten TV Auftritten. Als Unterstützer von Amnesty International hatte er zur Vorbereitung für die Doppel-Episode Zugang zu drastischem Videomaterial und setze mit seiner Performance die gerade in den USA beliebte Folter als Mittel zum Zweck in ganz neues Licht. Können wir Derartiges von einer Serie wie Discovery erwarten? Ich fürchte nein. Und ich sehe hier einen Teil des Problems auch tatsächlich in der zeitlichen Ansiedlung der Serie. Während wir uns bis zu Enterprise immer nach vorne bewegt haben und so - und zwar nur so - auch dem Fortschritt unserer Gesellschaft Rechnung tragen konnten, geht dies bei einem Prequel schon ganz grundsätzlich nicht. Weil sich die Produzenten zumindest ansatzweise an den Canon halten wollen. Manch einer wird jetzt sagen "sei offen für was Neues,eine Serie wie The Next Generation funktioniert heute nicht mehr". Und ich hocke hier und denke, während zum ungezählten mal die Best-of-TNG-Shows in Kombination mit Babylon 5 über die Mattscheibe läuft: "Warum nicht? Warum nicht mehr davon?" Dass das zumindest in Teilen geht zeigt "The Orville" (ja, der Räbiger fängt jetzt schon wieder damit an!). Die Show ist bislang sicher nicht auf dem Niveau von TNG aber sie bedient sich aller klassischen Elemente - und das finden Millionen von Zuschauern in den USA gut. Inklusive mir. Ich kann verstehen, dass der Humor-Anteil dem einen oder anderen missfällt, allerdings nur wegen der mittlerweile seeeeehr spärlich gestreuten Gags hat die Serie sicherlich nicht ihre Zuschauer. Die ganze fragwürdige Finanzierung von "Star Trek: Axanar" mal außer Acht: So ein Projekt wäre nie entstanden, wenn nicht viele viele Fans genau das gefordert hätten: optisch und erzählerisch klassisches Star Trek. Das aggressive Vorgehen von CBS gegen dieses Projekt sehe ich mittlerweile tatsächlich darin begründet, dass man hier Konkurrenz vermutet hat. "Star Trek: Continues" und "Phase II" gehen audiovisuell ebenfalls in diese, augenscheinlich beliebte Richtung. Discovery ist in vielerlei Hinsicht nach heutigem Standard eine "gute Serie" - nur in zwei Dingen nicht: In der Nachhaltigkeit des Inhalts und der Essenz dessen, was für mich ganz persönlich "Star Trek" bedeutet. Wenn ich Unvollkommenheit sehen möchte, schaue ich in den Spiegel. Ich für meinen Teil will Die Menschheit auf ihrem Höhepunkt erleben. Diese Form von positiver Motivation ist für mich die Messlatte, die eine Serie als "Star Trek" definiert. Eins muss ich noch anmerken: wir haben hier natürlich eine Serie, die eine fortlaufende Handlung erzählt. Daher ist dieser Kommentar natürlich auch nicht abschließend. Ich schaue weiter, gebe der Serie die Chance die sie verdient. Die große Wendung kommt vielleicht noch. Und selbst wenn nicht - Discovery macht ja in Teilen absolut Spaß. Den Titel "Star Trek" hat sie sich bislang einfach (noch) nicht verdient... Zum ersten Teil der Artikelserie geht es hier:  
Eine zweite persönliche Meinung zur Serie Letzte Woche sagte Redakteur Jan-Hendrik "Ja, Discovery ist Star Trek" - zwei Tage vor der finalen Folge der ersten Staffel hat Daniel Räbiger da eine etwas andere Ansicht und stellt "sein Star Trek" in diesem Artikel zur Diskussion.