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Assjima

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  1. Und wie weiter?

    jetzt kannst du die Community wegen mir abfliegen lassen, jones ;-)
  2. USS Community Die Pause Teil X

    Gamma 7 war beileibe kein architektonisches Meisterwerk. Aber die Wände hatten eine andere Farbe und die Gerüche waren abwechslungsreicher als auf der Community. Es gab sogar ein kleines Promenadendeck mit einer Handvoll Läden. Assjima lehnte an einer Säule und beobachtete scheinbar gedankenverloren eine kleine Gruppe cardassianischer Händler, die um den Preis einiger Rollen Tuch schacherten. Wenige Meter weiter standen drei Menschen an einem Süßigkeitenstand, deren bruchstückhafte Gedankenbilder ihr verrieten, dass es sich um Siedler aus den Badlands handelte. Schräg hinter ihr saßen fünf romulanische Offiziere um einen kleinen Tisch. Die gehörten sicherlich zu der Crew des Warbird, welcher den romulanischen Piloten zurück ins Reich holen sollte. Es tat gut, das ganz banale Leben außerhalb der Community zu beobachten, ohne das irgendwelche Rätsel oder gar Gefahr im Hintergrund lauerten und alle ihre Sinne scannten die Umgebung, um diese Eindrücke aufzunehmen und in der Erinnerung zu speichern. So entging ihr auch keinesfalls der Hauch einer Bewegung, die leichte Temperaturveränderung, der schwache Duft eines bestimmten Rasierwassers, die wage Veränderung der Aura hinter ihr. „Hast du Ulan Nveid verabschiedet?“ fragte sie leise, ohne den Blick von den Cardassianern zu nehmen. Captain Tenner atmete aus. „Ich gebe es auf. Dich kann man einfach nicht überraschen.“ Er hielt ihr eine kleine Tüte hin. „Hier – du magst doch eingelegte Mandeln? Da vorne gibt es einen kleinen Laden mit bajoranischen Spezialitäten.“ Assjima drehte sich um und fischte lächelnd eine der kleinen Köstlichkeiten aus dem Tütchen. „Danke! Ich liebe die Dinger. Wird der Ulan meine Grußnachricht an Dalis weitergeben?“ „Ja, wird er. Du hättest seine Eltern sehen sollen! Ich hätte niemals gedacht, dass Romulaner vor Freude vollkommen aus dem Häuschen sein können.“ „Ich war schon überrascht, dass die beiden alten Herrschaften überhaupt mit hier her kommen durften. Ich hatte mir das eher so vorgestellt, dass er erst einmal auf Romulus feierlich empfangen würde, dann für Wochen in eine Quarantäne müsste und erst im Anschluss seine Familie zu sehen bekäme. Die Romulaner können uns offensichtlich noch immer überraschen.“ Tenner lachte. „Vermutlich nur wieder ein Trick um uns in der trügerischen Sicherheit zu wägen, es würde sich im Reich etwas verändern.“ „Sei doch nicht immer so misstrauisch, Captain.“ „Das sollte Sarkasmus sein, Doktor. Sag mal: hat es einen bestimmten Grund, dass du hier herumstehst oder kommst du mit mir in diese kleine Bar dort drüben? Ich würde gerne ein syntohlofreies Bier trinken.“ „Nun ja … meine Spionageaktivitäten können warten.“ Sie deutete auf die drei Menschen an dem Stand voller Süßigkeiten. „Ich wette, dass diese Siedler zum Marquis gehören. Aber sie planen keinen Sprengstoffanschlag, sondern nur ein Attentat auf ihr Körperfett. Gibt es da auch Schirmchencocktails?“ „Davon gehe ich aus.“ Wenig später saßen die beiden Offiziere an einem Ecktisch der kleinen Spelunke, die sich wie der Rest der Station stilistisch nicht gerade auszeichnete. Das Mobiliar schien aus allen Ecken des Universums zusammen getragen zu sein und schien nur eines gemeinsam zu haben: es hat bei der Anschaffung garantiert nichts gekostet. „Na, das nenne ich mal Upcycling“ scherzte Jeremy und nahm einen großen Schluck von dem frisch gezapften Bier. Ein ungewohnter Anblick für Assjima, denn sie hatte ihn noch nie mit einem Bier in der Hand gesehen. Tee oder ein Glas Wein … aber Bier? Die kleine blaue Welt hatte ihn irgendwie verändert. Er wirkte gelöst, ungewohnt fröhlich … „Was ist los, Jeremy?“ „Was soll los sein?“ „Du hast gute Laune.“ „Warum sollte ich keine gute Laune haben?“ „Weil du selten gute Laune hast.“ „Wie meinst du das? Ich habe oft gute Laune.“ „Nein. Du hast immer nur eine Captain-Laune. Mal strenger, mal weniger streng.“ Assjima fixierte ihn mit ihrem Blick. „Du hast deinen Abschied eingereicht?“ Tenner seufzte. „Du bist mir nach all den Jahren manchmal immer noch unheimlich, Doc. Ich glaube, es gibt niemanden im ganzen Universum, der mich so schnell durchschaut. Niemanden, der mich so gut kennt. Ich werde dich vermissen.“ Er trank so hastig noch einen Schluck, dass ihm der Schaum an Oberlippe und Nasenspitze kleben blieb. Die Ärztin schmunzelte. „Dich zu durchschauen ist nicht so schwer. Selbst ohne deine Gedanken zu lesen. Also: was hast du vor, Captain?“ „Ich habe meinen Abschied nicht eingereicht, Assjima, sondern nur Urlaub auf unbestimmte Zeit. Ich muss über einiges nachdenken. Es gibt so vieles, was ich noch tun möchte. Und nicht alles ist meinem Dienst in der Sternenflotte kompatibel. Ich muss mich ein wenig um meine Eltern kümmern. Und um den Rest meiner Familie.“ „Das verstehe ich …“ Assjima dachte an die kurze, schmerzvolle Begegnung mit seinen Eltern und an den schönen Tag auf dem Weingut seiner Nichte, inmitten ihrer Familie, die irgendwie auch die seine war. Sie erinnerte sich an seine liebevollen Blicke, wenn er Roxanas Kindern beim Spielen zuschaute, an die Begeisterung, mit der er von Honig und Wein sprach … Bodennähe und Familie, sein heimlicher Traum, der nichts mit dem Leben eines Sternenflottenkapitäns zu tun hatte. Ein Traum, den sie durchaus mit ihm teilte. „Aber noch traust du dich nicht, die Reißleine zu ziehen.“ „Sollte ich das machen“ „Ich weiß es nicht. Vielleicht ist die Vergangenheit wie ein Anker. Vielleicht muss man das loslassen, was man einst war und das zu werden, was man einst sein wird.“ „Geht es auch weniger … deltanisch?“ Assjima versuchte vorsichtig, mit dem Zahnstocher die im Martini badende Olive aufzuspießen, während sie nach einer Übersetzung suchte. „Niemandem ist der Weg in seine Zukunft in die Wiege gelegt. Doch für jeden gibt es letztendlich nur eine wahre Erfüllung. An jeder Gabelung muss man sich neu entscheiden. Es kann jedoch passieren, dass einen die gewählten Wege weit weg von der Erfüllung führen. Träume von der Erfüllung können falsch sein, ein falsches Ziel vorgaukeln, sich im Nebel unauffindbar auflösen … der Held, der von Anbeginn an sein wahres Ziel fest im Auge zu haben glaubt, irrt meistens. Der wahre Held erkennt die wenigen sich bietenden Möglichkeiten, die einen Querpfad zum richtigen Weg zeigen, oder gar eine Kehrtwendung ermöglichen. Der Anker der Vergangenheit ist der feste Glaube, dass man unmöglich sein ganzes bisheriges Leben lang auf falschen Wegen gewandelt sein könnte. Die Illusion, dass dies einfach nicht sein kann, nicht sein darf, denn es würde das bisherige Leben in Bedeutungslosigkeit auflösen. Aber das ist nicht korrekt. Ein Leben – egal auf welchen Wegen – wirkt sich immer auf die Gemeinschaft aus. Hier kann man viel Gutes vollbracht haben. Doch irgendwann kommt der Moment, an dem man sich entscheiden muss: will ich weiterhin ein Teil dieser einen Gemeinschaft sein und ihr dienen oder möchte ich den Weg finden, der mich zu mir zurück führt. Bin ich sicher, dass ich als Teil der Gemeinschaft das sein will was ich einst sein werde oder ist es meine Bestimmung, andre Wege auszuprobieren um zum wahren Ziel zu gelangen?“ „Verdammt Assjima … das war noch viel deltanischer! Du verwirrst mich.“ Jeremy betrachtete sein Gegenüber während er versuchte, nachzuvollziehen, was sie gesagt hatte. „Sag mal … hast du eben von mir oder von dir gesprochen?“ Endlich hatte sie die Olive erwischt und in den Mund geschoben. „Keine Ahnung …“ antwortete sie kauend. „Von dir … vielleicht auch ein wenig von mir. Aber nachgedacht habe ich über dich.“ „Du glaubst also, ich solle den Dienst quittieren um herauszufinden, ob mich mein Platz in der Sternenflotte tatsächlich auf den richtigen Weg geführt hat? Und wenn es der richtige Weg ist? Dann bin ich abgebogen und komme nicht mehr zurück.“ „Nein, so habe ich das nicht gemeint. Du musst darüber nachdenken, ob du inzwischen nicht genug für diese Gemeinschaft getan hast. Dein ganzes Leben lang hast du dich über deine Tätigkeit als Offizier definiert. Ist deine Funktion in der Föderation jedoch deine wahre Erfüllung? Bist du wirklich glücklich damit? Oder ist dein Wissensdurst jetzt gestillt? Denke daran: es gibt viele Wege. Wäre es womöglich nun an der Zeit, sich über andere Optionen Gedanken zu machen? Familie, Kinder, vielleicht ein Weingut in Kalifornien … würde dich das glücklich machen?“ „Bin ich das nicht schon?“ „Glücklich? Nein, mein Freund. Du bist nicht glücklich.“ Sie legte ihre Hand auf die seine. „Du bist nicht einmal zufrieden. Du glaubst es vielleicht, weil du deine Pflicht mehr als nur erfüllst. Weil du Anerkennung bekommst, weil man auf dich nicht verzichten will. Glücklich habe ich dich nur einmal erlebt, nämlich auf dem Weingut deiner Nichte. Und zufrieden scheinst du mir seit deiner Rückkehr aus der kleinen blauen Welt zu sein. Was ist dort wirklich mit dir passiert?“ „Hm …“ Seine Hand umschloss Assjimas fest. „Ich glaube es war das bodennahe, einfache Leben. Ohne Replikatoren, ohne Technik. Dann die kleine, überschaubare Gemeinschaft. Und ich bin einer Göttin begegnet. Sie hat mit mir gesprochen. Wir mussten unser Schicksal in ihre Hände legen. Konnten es nicht mehr selber bestimmen … und dennoch waren wir uns sicher, dass sie uns beschützt. Sie hat uns alles gegeben, was wir zum Überleben benötigten. Bedingungsloses Vertrauen … ohne zu wissen, ob wir jemals wieder in unsere Welt zurück kehren würden.“ „Der Anker der Vergangenheit schien gekappt … und du warst glücklich?“ „Wenn du mich so fragst: ich glaube tatsächlich, dass ich glücklich war.“ „Dann nutze die Gelegenheit, Jeremy. Nehme deinen unbefristeten Urlaub. Löse dich von dem Gedanken, unbedingt wieder in den Dienst zurück kehren zu müssen. Du hast der Sternenflotte einen großen Teil deines Lebens geschenkt. Du bist ihr nichts mehr schuldig. Versuche dich in einem Leben außerhalb der Sternenflotte. Kümmere dich um deine Eltern, kümmere dich um Roxana, aber kümmere dich vor allem um dich! Stelle dich selber zumindest eine Zeitlang in das Zentrum deines Lebens. Suche dir eine Partnerin und probiere das Leben zu zweit …“ Tenner lachte verkrampft auf. „Kannst du dich mir als Ehemann vorstellen? Ich glaube nicht, dass ich dazu geeignet bin. Dazu war ich viel zu lange Captain.“ „Ich bin mir sicher, dass du lernfähig bist, Jeremy. Du wirst ganz schnell erkennen, dass Lasten sich zu zweit viel leichter tragen und das Glück sich zu zweit verdoppelt.“ „Du hast leicht reden, Assjima. Könntest du dir zufällig vorstellen, dich von Sam zu trennen und mit mir auf einem Weingut auf der Erde zu leben?“ Assjima verschluckte sich beinahe an ihrem Martini. „Oh … Letzeres könnte ich mir gut vorstellen. Aber du würdest mich und Sam sowie den restlichen Harem vermutlich nicht lange ertragen.“ „Welchen Harem?“ „Na den auf Seyalia“ antwortete die Ärztin augenzwinkernd. „Jetzt übertreib mal nicht so.“ „Okay – es gibt da keinen festen Harem. Aber auf deinem Weingut wird es bestimmt eine Menge gut gebauter Mitarbeiter geben. Beiderlei Geschlechts. Sei ehrlich: das würde deiner Vorstellung von Glück garantiert nicht entsprechen.“ „Da hast du vermutlich recht“ lachte der Captain. „Außerdem würdest du ständig an mir herumdoktorn. Und meine Gedanken lesen.“ „Selbstverständlich würde ich das. Ich wäre nicht mehr an die Zwangsauflagen der Sternenflotte gebunden und würde alles nachholen, was ich in den letzten Jahren versäumt habe. Mit uns beiden wird das leider nichts, Captain. Aber ich verspreche dir, dass ich dich nicht hängen lasse.“ „Was hast du vor?“ hakte Jeremy neugierig nach. „Ich bin eine Hexe. Vergiss das nicht. Und Hexen verraten ihre Geheimnisse nicht. Wo bleibt denn sonst der Spaß?“
  3. USS Community Die Pause Teil X

    Wenn sich der medizinische Staff zu einer seiner kleinen Feiern im Casino versammelte, ging es meistens recht lebhaft zu. Doch diesmal war es besonders turbulent, denn Dackbad, Entack und Aiso hatten sich dazu gesellt. Der Ok’Ta, der Aurelianer und der Finne wetteiferten miteinander, indem sie wüste Beschimpfungen erfanden und sich diese gegenseitig an die Köpfe warfen. Anna versuchte derweil, der kleinen Elmag Bayrisch beizubringen, während Marcus sich lautstark mit Alice über die Vorzüge von Rösti gegenüber Käsespätzle stritt. Assjima wurde es irgendwann zu bunt und sie stand auf, um sich bei Tassadar an der Bar einen Schirmchencocktail zu bestellen und einen Augenblick Ruhe zu finden. In zwei Stunden würden sie den Subraumkanal verlassen um nur wenig später bei Gamma 7 auf das romulanische Schiff zu treffen. Sobald sie wieder im Normalraum sind, wollte sie Metaxa anrufen um mit ihr über ihre und Milis Urlaubspläne zu sprechen. Und sie würde endlich wieder mit Sam sprechen können … „Tassadar! Ich wollte doch einen Mochito“! „Das ist ein Mochito, Schätzchen“ brummte der Protoss. „Der hier ist blau!“ „Hast du was an den Augen, Doc? Kubanischer Syntohol-Rum, grüne Minze, grüne Limette … alles grün.“ Die Deltanerin starrte verwirrt auf das Glas mit seinem blauen Inhalt. „Aber …“ „Es ist alles in Ordnung mit deinen Augen, junge Frau.“ Assjima drehte sich ruckartig zur Seite. Neben ihr saß eine alte Frau in wollenem Jäckchen und knielangem Rock. „Dimede!“ Das faltige Gesicht der alten Frau verzog sich zu einem Lächeln. *** Wenig später stand die Ärztin in Tanrims Bereitschaftraum. Der Zakdorn saß hinter seinem Schreibtisch und lies die kleine Schachfigur zwischen seinen Fingern hin und her wandern, während Tenner am Türrahmen lehnte. „Dimede war im Casino und niemand außer dir hat sie gesehen? Müssen wir uns Sorgen um dich machen?“ Jeremys Gesichtsausdruck verriet deutlich, dass er diese Frage durchaus ernst meinte. „Ich weiß ja … das klingt wieder mal ziemlich verwirrt, aber …“ „Du brauchst dich nicht zu verteidigen, Assjima“ griff Tanrim ein. „Wir müssen akzeptieren, dass sich dieses Wesen nicht an die physikalischen Grundgesetze hält. Das haben Sie schließlich am eigenen Leib erfahren, Jeremy.“ „Ich wollte Assjima auch keinesfalls zu nahe treten. Doch mir erscheint das Ganze dennoch ziemlich merkwürdig. Du siehst blass aus, Doc.“ „Es ist der Subraum. Ich vertage den nicht besonders gut.“ „Und genau daran liegt es meiner Meinung nach, dass nur Assjima dieses Wesen wahrnimmt“ warf Tanrim ein. „Eine gewisse physische Instabilität macht es Dimede womöglich leichter, Zugang zu ihr zu finden.“ Tenner schüttelte den Kopf. „Ich muss zugeben, dass es mir schwerfällt, dies alles ohne wissenschaftliche Erklärung hinzunehmen. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass das Sternenflottenkommando diese Rettungsmission nur auf Basis dieser wenigen, äußerst wagen Hinweise überhaupt genehmigt hat.“ „Es gibt da ein paar Herrschaften in der Admiralität, denen Sie am Herzen liegen, Jeremy. Ich will hier keine Namen nennen. Doch es stand auf der Kippe. Diese Mission wurde als nicht ungefährlich erachtet. Zum Glück gibt es unter unseren Vorgesetzten noch mehr, die bereit sind, den unkonventionellen Gedanken und Ideen unserer Schiffsärztin ein offenes Ohr zu schenken.“ Tenner betrachte die Deltanerin nachdenklich. „Diese Vorstellung macht mir ehrlich gesagt Angst. Du bist dir im Klaren darüber, Assjima, dass die dich jederzeit die Karriereleiter hinauf schubsen und dich auf einen Posten versetzen könnten, den du vielleicht gar nicht haben willst?“ Bevor die Ärztin antworten konnte, hatte Tanrim sich erhoben und ihr die Hand auf die Schulter gelegt. „Es gibt Gerüchte über eine Funktion als Sonderbotschafterin oder einen Posten in ratgebender Funktion innerhalb der Admiralität. Doch egal, was die da oben planen … die müssen immer noch an mir vorbei. Ich werde nicht zulassen, dass du irgendwas machen musst, zu dem du dich nicht aus freien Stücken entscheidest.“ „Ich auch nicht. Du kannst dich auf uns verlassen, Assjima.“ Die Deltanerin warf den beiden Captains zwei lange, verwunderte Blicke zu. Dann räusperte sie sich. „Ihr beide seid wirklich rührend und ich werde euch beim Wort nehmen, wenn eine solche Situation irgendwann einmal wirklich eintreten sollte. Aber eigentlich bin ich ja hier, um euch auszurichten, was Dimede mir aufgetragen hat.“ Tanrim lachte und ging zurück zu seinem Sessel. „Nun denn, meine schöne Götterbotin … Was lässt die Gottheit ausrichten?“ „Nun …“ Assjima fuhr sich verlegen mit der Hand über den Kopf. „Sie lässt euch grüßen, gibt uns ihre besten Wünsche mit auf den Weg und bedankt sich für die tolle Geschichte.“ „Das ist alles?“ fragte Jeremy und starrte sie überrascht an. „Ja. Das ist alles. Ach, entschuldigt … das hätte ich beinahe vergessen: Sie wird ein Auge auf die Breen werfen. Die befinden sich wohl gerade in einer Umbruchphase, in der sie ein paar gute Ideen, Geschichten und vor allem Träume und Visionen brauchen könnten. Sie wird den richtigen Moment abpassen. Und uns dann mit Hilfe der Ok’Ta informieren.“ „Mit Hilfe der Ok’Ta?“ Tenners Augen wurden noch größer. „Das hat sie gesagt“ antwortete Assjima schulterzuckend. „Diese kleinen Rebellen könnten für die Föderation irgendwann vielleicht mal wirklich wichtig werden.“ „Davon bin ich absolut überzeugt“ lachte Tanrim. „Und sei es nur, dass sie mal wieder etwas Schwung in unsere steife Verwaltung bringen.“ „Darauf freue ich mich jetzt schon. Aber jetzt entschuldigt mich bitte. Da steht immer noch ein Mochito im Casino und wartet auf mich. Ich hoffe nur, dass der inzwischen wieder grün ist.“ Vor der Türe blieb sie stehen und drehte sich nochmal um. „Möchtet ihr beide nicht mitkommen? Die Stimmung war sehr gut, als ich gegangen bin. Und ich könnte mir vorstellen, dass die Crew sich freuen würde, wenn du, Jeremy, dich mal bei ihr blicken lassen würdest. Sie haben alle viel für dich und Aiso riskiert.“ Tenners Gesicht lief rot an. „Du hast Recht, Doc“ antwortete er beschämt. „Auf diese Idee hätte ich von alleine kommen sollen. Kommen Sie mit, Vartik?“ „Selbstverständlich!“ Der Captain wuchtete sich erneut aus seinem Sessel. „Eine nette kleine Party möchte ich mir keinesfalls entgehen lassen.“ Als die drei wenige Minuten später das Casino betraten, wurde es schlagartig still im Raum. Alle Augen richteten sich auf die Neuankömmlinge und Assjima betete insgeheim, dass sich Miki oder James zu einem lautstarken Kommentar hinreißen lassen würde um die gespannte Stille zu zerreißen und Tenner oder Tanrim vor einer improvisierten Ansprache zu retten. Doch nichts dergleichen passierte. Stattdessen watschelte eine kleine Ok’Ta auf die drei zu. „Ist alles in Ordnung, Assjima“ fragte sie leise. „Ja …“ „Gut. Ich wollte dir nur sagen, dass ich sie auch gesehen habe.“ „Wen?“ „Glonta … Dimede. Sie saß neben dir an der Bar.“ Und dann kam er, der erlösende Ausruf aus James Mund: „Alles klar, Captains? Das könnt ihr nun den Kollegen in der Admiralität erzählen: Unser Doc hat keinen Schuss weg! Die ist nur nicht ganz so blind wie wir. In meinem nächsten Leben will ich Deltaner werden. Dann sehe ich vielleicht auch mal eine echte Gottheit.“ „Was dir auf keinen Fall schaden würde, James. Vielleicht lernst du dann mal etwas in Sachen Ehrfurcht und Respekt, mein Freund“ antworte Assjima lachend. „Tassadar … eine Runde für alle. Auf Kosten des Captains.“ Sie drehte sich schmunzelnd zu ihren Begleitern um. „Halbe-halbe. Auf jeden der beiden Captains."
  4. USS Community Die Pause Teil X

    Die USS Community kroch, geführt von den beiden Ok’Ta-Piloten, vorsichtig durch die desolaten Subraumkanäle auf dem Weg nach Gamma 7. Dackbad war vor ein paar Stunden eingetroffen und nutzte die Zeit, um sein Nestschiff im Hangar gründlich zu putzen. Bei Gamma 7 sollte die Community auf ein romulanisches Schiff treffen, welches den Auftrag hatte, den geretteten Piloten abzuholen. Tenner und Aisowaren endgültig aus der Krankenstation entlassen worden und Assjima saß in ihrem Büro, ohne so richtig zu wissen, was sie als nächstes unternehmen sollte. Der letzte Bericht war fertig getippt, es war kein Elijah da, der ihr irgendwelche mystischen Theorien unterbreitete. Keine Marla, welche die psychologischen Inhalte alter Geschichten analysierte. Kein James, der ihr neue Ideen aus der Crew erzählen wollte … sie hatten alle frei und schliefen oder hingen im Casino herum. Diese Ruhe auf der Krankenstation war ihr fast schon fremd geworden. Eigentlich konnte sie genauso gut Feierabend machen. Zumal ihr mangels Ablenkung der Flug durch den Subraumkanal einmal wieder zu schaffen machte und sich ein leichtes Unwohlsein in ihr ausbreitete. So stand sie auf, warf noch einen letzten Blick in den Raum, löschte das Licht und trat auf den Korridor. „Guten Tag, Doktor“ Assjima zuckte erschrocken zusammen und drehte sich um. Die kleine Elmag stand vor ihr und lächelte sie freundlich an. „Hallo Entack. Weist du schon, ob du noch bis zur Raumstation bei uns bleiben darfst oder musst du demnächst zurück zu deinem Nestschwarm?“ „Weder noch. Der Rat der Taxa hat nämlich beschlossen, dass Dackbad und ich die Ehre haben werden, die Ok’Ta bei den Vorbereitungen zu den Beitrittsverhandlungen zur Föderation zu vertreten. Euer Captain wird vermutlich demnächst den Befehl erhalten, uns direkt zur Erde zu bringen.“ Die Deltanerin starrte ihr Gegenüber einen Moment lang mit offenem Mund an. „Das sind ja tolle Neuigkeiten!“ Dann ging sie in die Knie und umarmte die Ok’Ta. „Ich freue mich wahnsinnig. Wir werden noch viel Zeit miteinander verbringen können und du wirst viele neue Dinge entdecken dürfen.“ „Ich bin auch schon ganz aufgeregt. Das wird richtig spannend! Und ich kann den Damen und Herren von der Föderation zeigen, dass die Ok’Ta nicht nur aus rüpelhaften Erpeln bestehen.“ Assjima lachte. „Oh ja – das würde uns nämlich keiner glauben, wenn wir nur mit Dackbad dort aufkreuzen würden. Hast du schon deinen zweiten Nachmittagsimbiss bekommen?“ „Nein. Ich war gerade auf dem Weg ins Casino. Möchtest du mich begleiten?“ „Ich würde dich lieber in mein Quartier einladen und dir etwas Anständiges kochen.“ „Was Deltanisches?“ Die Ärztin nickte. „Wenn du möchtest, dann sehr gerne.“ „Wunderbar. Dann lass uns gehen – ich habe mächtigen Hunger.“
  5. Das Tor nach Walhalla

    „Sechs Wochen, zwei Tag und 7 Stunden?“ Jeremy runzelte die Stirn. Assjima zuckte mit den Schultern: „Das ist es, was die Transporterscans sagen“ „Mir kam es wirklich nur wie eine Woche vor.“ „Aiso hatte etwa 4 Wochen geschätzt.“ Die Deltanerin saß im Schneidersitz auf dem Sofa und betrachtete Tenner. Es war im gut gegangen in dieser kleinen Welt. Das konnte sie ihm deutlich ansehen. „Die viele frische Luft, das einfache Leben … es hat dir gefallen, nicht wahr?“ „Ja. Wir hätten es schlechter treffen können. Wir stehen tief in Dimedes Schuld.“ „Ich denke, dass sie mehr bekommen als gegeben hat. Von dieser Geschichte wird sie lange zehren können. Wir haben für sie einen neuen Heldenepos geschaffen, den sie viele Male erzählen kann.“ „Zu welchem Zweck?“ „Um andere Völker zu inspirieren.“ „Was könnten die denn aus dieser Geschichte lernen?“ „Das werden wohl zukünftige Generationen bewerten müssen.“ Tenner lachte. „Assjima – ich nehme dir nicht ab, dass du und dein langhaariger Kumpel Elijah nicht schon längst eure Schlüsse gezogen habt.“ Die Ärztin stand auf und ging zu ihrer kleinen Küchenzeile hinüber, auf der eine Kanne stand und still vor sich hin dampfte. Mit einstudierten, ja beinahe rituell wirkenden Bewegungen filterte sie den Tee ab und goss ihn in zwei feine, schlichte Tassen. Sie reichte eine davon dem Captain und setzte sich wieder hin. „Es war einmal … vor langer, fast vergessener Zeit … eine Gruppe Reisender, die sich auf ihrem Schiff durch Zeit und Raum bewegten. Durch die unendlichen Weiten, auf der Suche nach neuen Welten, neuen Völkern, getrieben von ihrem Durst nach Wissen, nach Erkenntnis, nach Abenteuern. Auf der Suche nach ihren Göttern, ihrem Schöpfer … Vielleicht wird ihre Geschichte so beginnen.“ „Ich habe nie nach meinem Schöpfer gesucht.“ „Ich weiß, Jeremy“ schmunzelte die Deltanerin. „Aber es wird Dimede sein, die diese Geschichte in Umlauf bringen wird. Und ihre Helden suchen immer die Anderswelt. Du suchst nach Wissen. In ihrer Interpretation wird die Suche nach Wissen zur Suche nach Erkenntnis und somit zur Suche nach dem Göttlichen.“ „Die Suche nach ihr selbst?“ „Das glaube ich nicht. Dimede mag auf uns wie ein göttliches Wesen wirken, aber ich denke nicht, dass sie sich selbst so sieht. Sie ist diejenige, welche den Impuls gibt. Und sie lenkt ein wenig durch ihre Ideen, die sie in Form von Geschichten weiter gibt. Doch was die Völker daraus machen … darauf nimmt sie keinen Einfluss.“ „Aber ich vermute, dass sie das durchaus könnte.“ „Davon gehe ich aus. Sie könnte ihre Kinder … ihre Töchter Zeit, Raum und Materie, ihre Söhne … die vier Grundkräfte der Physik … Sie könnte sie wohl innerhalb bestimmter Grenzen beeinflussen.“ „Sie könnte also göttliche Strafen senden“ brummte der Captain. „Sintfluten, Stürme, Erdbeben …“ „Vermutlich sogar Kröten, die vom Himmel regnen. Wenn sie ihre Kinder von einer solchen Idee überzeugen könnte. Und wenn sie es wollte. Aber ich glaube nicht, dass sie sie so etwas jemals gewollt, geschweige denn sich ausgedacht hätte. Sie interessiert sich nur für das, was die Völker aus ihren Geschichten und Ideen machen. Man kann ihr Wohlwollen gewinnen. Dann hilft sie vielleicht. Aber sie richtet nicht. Gaia, die große Mutter bestraft nicht. Die Leute müssen die Suppe, die sie sich eingebrockt haben meistens selber auslöffeln.“ „Womit haben wir ihr Wohlwollen gewonnen? Wir glaubten nicht einmal an sie.“ „Taten wir das nicht? Jeder Vertreter der unterschiedlichen Spezies hier an Bord kennt eine große Mutter aus seiner eigenen Mythologie.“ „Zwischen kennen in Form von mal von ihr gehört zu haben und an sie glauben liegt ein großer Unterschied.“ Jeremy nahm einen Schluck Tee und stieß ein leises Zischen aus. „Verdammt … was ist das für ein Tee? Der ist himmlisch!“ „Schwarztee mit Bergamotte … sprich: Earl Grey. Siehst du: Du warst ein paar Wochen weg und hast vergessen, wie ein richtiger Earl Grey schmeckt, der nicht aus dem Replikator kommt. Ich habe dich nur daran erinnert. So ist es auch mit der großen Mutter.“ „Du meinst, dass sie sich nur in Erinnerung rufen musste, damit wir wieder an sie glauben?“ „Ja. Wir leben in einer schnellen Zeit, reisen mit Lichtgeschwindigkeit, erfahren täglich von neuen technischen Errungenschaften, jeder Tag bringt neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Und wir vergessen nur zu schnell unsere Wurzeln, unsere Mythen, unsere Legenden. Wir wollen wissen, nicht einfach nur glauben. Doch Glauben und Wissen muss sich nicht widersprechen. Im Gegenteil: sie ergänzen sich. Wir sollten in unserem Leben Platz für beides einräumen. Das wird vermutlich die Idee sein, die Dimede in Zukunft mit unserer Geschichte einpflanzen möchte.“ „Tanrim, der einfache Captain eines Sternenschiffes setzt sich gegen ein wissenschaftlich-technisch geprägtes Imperium durch, nur aufgrund einiger Ahnungen, Visionen, Hoffnung und dem unerschütterlichen Glauben daran, dass seine Freunde noch am Leben sind, weil sie von irgendeiner vergessenen Gottheit gerettet wurden.“ „Und diese Gottheit hat nur eingegriffen, weil diese Freunde in Gefahr geraten sind, während sie andere, ihnen persönlich vollkommen fremde Leute retten wollten. Wir haben damals ihr Mitgefühl geweckt. Sie hat geholfen so gut sie konnte. Ohne die Hilfe ihrer Kinder hat sie in diesem Augenblick das getan, was in ihrer Macht lag, indem sie der Materie den richtigen Impuls gab und so eine kleine Welt entstand, auf der ihr überleben konntet. Doch den Rest mussten wir größtenteils alleine bewältigen. Sie konnte uns nur in der Hoffnung bestärken, dass unsere Unternehmungen nicht sinnlos seien und dass wir weiterhin mit ihrer Unterstützung rechnen durften. Wenn Tanrim nicht den Mut aufgebracht hätte, den Transporter wider besseren Wissens einzusetzen …“ „… würden wir immer noch auf der kleinen Welt sitzen. Und vermutlich hättet ihr nie einen wissenschaftlich kalkulierbaren Weg gefunden.“ „Vielleicht irgendwann. Aber der Nebel verändert sich ständig und laut den Ok-Ta hätte es sehr lange gedauert, bis seine Konstellation wieder ähnlich passend gewesen wäre.“ Jeremy nickte nachdenklich. „Eine eigentümliche Situation. Apropos Ok-Ta. Wann wollte Dackbad kommen und seine Leute sowie die Elmag abholen?“ „In einer knappen Stunde.“ „Dann lass uns die Zeit nutzen und etwas essen. Begleitest du mich ins Casino, Doc?“ „Selbstverständlich, Captain.“
  6. Das Tor nach Walhalla

    Eigentlich sollte Miki seinen Dienst auf der Sekundärstation erst in einer Stunde antreten, doch die Vorfreude ließ ihn lange vor dem Wecksignal aus dem Bett klettern und im Laufschritt in Richtung Primärstation sausen. Tatsächlich hatte ihn sein Gefühl nicht getäuscht: Aiso saß aufrecht in seinem Biobett und plauderte mit Meg, während sich Tenner, Tanrim und der erste Offizier in Assjimas Büro zurück gezogen hatten. „Hej Goldkehlchen! Hast du endlich ausgeschlafen?“ „Oh je – das finnische Schandmaul! Haben sie dich noch immer nicht auf irgendeinem einsamen Planeten ausgesetzt?“ „Ach halt doch deinen krummen Schnabel, du Federbüschel! Perkele – du siehst aber Scheiße aus. Wer hat dich denn gerupft?“ „Vermutlich der dämliche Transporterchief. Kann es sein, dass du fetter geworden bist? Oder hast du dir Schwimmreifen unter dein Hemd gestopft?“ „Die Synapsen in deinem haselnussgroßen Hirn sind wohl irgendwie falsch geschaltet. Dein Sichtfeld scheint verzerrt zu sein.“ Miki stand vor dem Bett und grinste den goldgelben Hünen breit an. Dann schlang er die Arme um den Freund: „Saatani, bin ich froh, dich wieder hier zu haben!“ „He he … wehe du fängst jetzt an, mich abzuknutschen!“ Doch dann erwiderte er die Umarmung so fest, dass dem Finnen beinahe die Luft wegblieb. Angesichts so viel männlicher Herzlichkeit, hatte Meg beschlossen, den Rückzug anzutreten und schob Miki den Hocker hin, auf dem sie eben noch gesessen hatte. Der Finne nahm etwas atemlos ihren Platz ein. „Erzähl mal. Was war da bei euch los? Man sagt, Tenner sei der Ansicht gewesen, dass ihr nur eine Woche weg gewesen seid.“ „Tja … irgendwie ist das schwer einzuschätzen, weil die Sonne gemacht hat, was sie wollte. Mal schien sie nur drei Stunden lang, mal über zwanzig. Aber ich würde sagen, dass der Captain mit seiner Einschätzung untertreibt und tippe eher auf einen Monat. Ich kann irgendwie noch gar nicht glauben, dass es in eurer Welt mehr als sieben Monate gewesen sein sollen.“ „Wir können das nachher mal genauer prüfen. Ich mache einen Scann von euch und vergleiche die Daten mit den Aufzeichnungen des letzten Transportvorgangs vor eurem Unfall. Anhand des Zellverfalls lässt sich ziemlich genau berechnen, um wie viele Tage, Wochen oder Monate eure Körper tatsächlich gealtert sind. Aber … wie war es da, in eurem Subraumknoten? Oder was immer das gewesen sein mag.“ Aiso seufzte leise. „Das ist gar nicht so leicht zu erklären. Es war seltsam, irgendwie sogar surreal. Diese Welt war sehr klein. Man konnte sie in zwei Tagen zu Fuß umrunden. Alles war so beschaffen, dass sich jeder von uns ständig an seine Heimat erinnert fühlte. Ich habe keine logische, beweisbare Erklärung dafür, denn wir kommen doch alle drei aus vollkommen unterschiedlichen Welten. Aber ich glaube, dass jemand unsere Erinnerungen gelesen, die Gemeinsamkeiten herausgepickt und daraus diese winzige Welt für uns geschaffen hat. Es gab keinen Luxus, aber es war alles da, was wir brauchten um nicht nur überleben zu können, sondern um zu leben. Wir hätten dort noch sehr lange ausharren können, ohne in ernsthafte Schwierigkeiten zu geraten.“ „Es musste vermutlich schnell gehen … sie konnte euch nicht lange im Subraum halten …“ murmelte Miki. „Von wem redest du?“ „Glonta … Dimede … ich glaube, dass ihr Aurelianer sie als Klum-Sa kennt.“ Aiso nickte. „Ihr glaubt also auch, dass Klum-Sa uns gerettet hat?“ „Ich denke, dass wir über das Stadium des Glaubens hinweg sind. Es fühlt sich jetzt eher wie Wissen an. Nur lässt sich nichts beweisen.“ „Assjima?“ „Natürlich. Wer sonst kann denn Glauben in Wissen wandeln … und selbst Vulkanier davon überzeugen. Sie hatte immer wieder seltsame Begegnungen. Mit Dimede und ihren Töchtern. Nur sie konnte sie sehen und hören … aber so bekam sie Informationen, die uns weiterhalfen.“ Miki zögerte. „Nein, das waren nicht wirklich Informationen. Es waren Bruchstücke … Ideen, Hinweise, Rätsel. Doch irgendwie fügten sie sich zusammen und zum Schluss reichte dies dem Captain wohl aus, um es mit dem Transporter zu versuchen. Perkele, Aiso! Ich kann dir das nicht erklären. Weil ich es einfach nicht kapiere. Elijah – der hat den ganzen Kram durchschaut. Den musst du fragen! Ich weiß nur, dass es mit intelligenter Materie zu tun hat. Aban hat es uns erklärt. Und Dimede war der Geist, der den Anstoß gab.“ „Ich bin mir nicht sicher, ob ich dir folgen kann.“ „Ich kann mir selber nicht folgen. Es muss wohl irgendwie so abgelaufen sein: ihr saust in den Subraumspalt und euer Shuttle explodiert. Dimede ...“ „Klum-Sa?“ „Ja … meinetwegen auch Klum-Sa. Die wohnt in dem Nebel, beobachtet euch, holt euch irgendwie aus der Explosion, stopft euch in ein Zwischenlager, liest eure Gedanken und erschafft in Windeseile eine notdürftige Welt, in der sie euch absetzen kann. Dazu benutzt sie vermutlich intelligente Materie. Dann nimmt sie Kontakt mit Assjima auf … dem Wesen an Bord, von dem sie vermutet, dass es ihr am ehesten zuhören würde. Und dem die anderen zuhören. Das Problem ist nur: Dimede … ich meine Klum-Sa … hat keine Ahnung von unseren Technologien. Sie hatte wohl auch keine Idee, wie wir euch aus diesem Subraumknoten, in dem eure kleine Welt versteckt war, wieder herausholen sollten. Ihre Welt besteht aus Geschichten. Sie lebt sogar von ihnen. Sie brauchte unsere Phantasie um uns helfen zu können. Und ein klein wenig technisches Wissen, um unsere Phantasien verstehen zu können. Also hat sie Spione ausgeschickt. Eine ihrer Töchter, einen oder zwei von ihren Söhnen. Einer von den Typen hat Kentan in Sachen Transporter befragt. Aber ich glaube, dass der schon vorher mal auf dem Schiff gewesen sein muss, denn davor hat sie mit Hilfe von intelligenter Materie einen Transporter nachgebildet und ein Padd an Bord gebeamt. Das reichte natürlich nicht aus, um euch zurück zuschicken. Aber es war dem Captain genug, um es zu wagen. Nachdem Dimede unseren Doc mit Geschichten vollgestopft hat, die von Helden handeln, die den Mut und den Glauben haben, das Wagnis einzugehen. Vielleicht war es auch nicht Dimede, die Assjima vollgestopft hat, sondern Elijah. Oder Sid … James und Marla hatten auch noch die Finger im Spiel … ich habe den Überblick verloren. Irgendwas war auch noch was mit den Gelpacks und diesem Padd … Ist auch egal. Es läuft alles darauf hinaus, dass wir die Suche nach Wissen und Beweisen durch Glauben und Zuversicht ersetzen sollten, um uns als Gruppe, angeführt von einem Helden mit Faltengesicht, auf den Weg in die Anderswelt zu begeben. Mit Gottvertrauen und Zuversicht mutig den gefährlichen Weg beschreiten und die eigenen Perspektiven verändern. Eine Heldengeschichte, die noch viele Generationen später erzählt wird. Eine Geschichte, die Dimede gefällt und von der sie zehren kann.“ „Verdammt – das ist echt cool!“ bemerkte Aiso mit einem breiten Grinsen. „Cool? Das war irre stressig! Hier wurde wochenlang nur von Mythen und irgendwelchen Gottheiten gelabert. Noch ein paar Tage länger und wir wären vermutlich alle in irgendwelchen höheren geistigen Sphären verpufft." Das Lachen in Aisos Gesicht wurde breiter: „Ich stelle mir dich gerade als barfüßigen Mönch in orangener Kutte vor.“ „Du bist ein solcher Vollpfosten!“
  7. Das Tor nach Walhalla

    Als sich Megs kleine, dunkle Hand sanft auf Assjimas Schulter legte, schreckte diese aus dem Schlaf. Auf ihrer Wange war der Abdruck des Padds zu sehen, über dem sie am Schreibtisch sitzend eingeschlafen war. „Ist was passiert?“ „Es ist alles gut, Doc. Aber ich glaube, der Captain wacht jeden Moment auf.“ „Danke, Meg.“ Assjima ließ knackend die verspannten Schultern kreisen und ging hinüber zu den Biobetten, auf denen ihre drei Sorgenkinder lagen. Das medizinische Team hatte einige Stunden harter Arbeit hinter sich. Sie hatten alles getan, was zu diesem Zeitpunkt getan werden konnte. Die Ärztin war sich sicher, dass keine langfristigen körperlichen Schäden bleiben würden. Doch über die seelischen Auswirkungen konnte sie keine Aussage machen. Das würde sie den Sternenflottenpsychologen überlassen müssen. Mit vor Müdigkeit noch immer brennenden Augen studierte sie die Anzeigen der Überwachungssensoren. Aiso und der romulanische Pilot lagen noch immer im heilenden Tiefschlaf. Die Augenlieder der Captains zuckten jedoch in unregelmäßigen Abständen und ein leises Piepsen der Geräte deutete an, dass er dabei war, das Bewusstsein wieder zu erlangen. Sie setzte sich auf einen Stuhl neben dem Bett und nahm sanft seine Hand in die ihre. Als sie sein Gesicht studierte, stellte sie überrascht fest, dass er sich nicht verändert hatte. Nur war die Haut ein wenig dunkler geworden, mit einem Hauch Rot: die simplen Anzeichen eines leichten Sonnenbrands. Keine Wunden, keine frisch verheilten Narben, keinerlei Zeichen von Auszehrung. Wenn Sie es nicht besser gewusst hätte, wenn sie und ihr Team nicht zwei Stunden lang gegen die inneren Auswirkungen eines Beamvorgangs gekämpft hätten, die darauf basierten, dass zwei nicht 100%ig aufeinander abgestimmte Transporter-Technologien miteinander arbeiten mussten, wenn sie nicht einen langen, anstrengenden und gefahrvollen Flug hinter sich gebracht hätten, wenn sie nicht immer und immer wieder die Mythologien tausender Völker durchforstet hätten, wenn sie nicht über Monate hinweg immer wieder zu Besprechungen und Befragungen im Sternenflottenkommando hätte antanzen müssen, wenn sie nicht bei diesem Kampf dabei gewesen wäre, in dem das Shuttle in der Subraumspalte spurlos verschwunden war, wenn sie und Jeremy sich nicht vor dessen Abflug noch gegenseitig Glück gewünscht hätten … wenn sie es also nicht besser gewusst hätte, so hätte man glauben können, er sei gerade eben erst von einem kurzen Strandurlaub zurück gekommen. Sie lehnte sich zurück, schloss die Augen und versuchte, ein paar seiner Gedankenbilder zu erhaschen. Doch sah sie anfangs nur endloses, tiefes Blau, das sich nach ein paar Minuten zu lichten begann. Eine schemenhafte Figur bildete sich heraus. Die Konturen wurden schärfer, das Blau verflüchtigte sich, ging in Weiß über. Dann schaute sie plötzlich in ihr eigenes Gesicht. Sie öffnete überrascht die Augen. Jeremy lächelte verzagt: „Hallo Assjima.“ Jetzt ging es nicht mehr. Eine zentnerschwere Last, die über Monate hinweg jeden Tag etwas schwerer zu werden schien, zerbarst, das Herz machte einen gewaltigen Sprung, die Lungen füllten sich endlich wieder mit Luft … und nicht nur die inneren Dämme brachen. Schluchzend presste sie seine Hand an ihre tränenüberströmte Wange. Während sie immer noch um Fassung rang, kam Meg herbei geeilt, warf einen prüfenden Blick auf die Biobett-Anzeigen und ergriff dann die andere Hand des Captains. „Willkommen zurück, Captain! Sie glauben gar nicht, wie froh wir sind, Sie drei wieder an Bord zu haben.“ „Danke Fähnrich Harrison. Ich bin auch froh, wieder hier zu sein.“ „Lieutenant, Captain. Ich bin befördert worden!“ Die Krankenschwester zeigte stolz auf den zweiten Pin an ihrem Kragen. „Eine Beförderung? Ich gratuliere, Meg.“ Doch dann breitete sich Verwirrung auf seinem Gesicht aus. „Wer hatte denn Zeit, sich inmitten der Kampfhandlungen um eine Beförderung zu kümmern?“ „Kampfhandlungen?“ Jetzt war es an Meg, verwundert drein zu blicken. Assjima hatte sich inzwischen wieder ein wenig gefangen. „Jeremy … wie lange seid ihr weg gewesen?“ „Ich weiß nicht … der Tag-Nachtzyklus war dort anders, aber ich würde mal schätzen … vielleicht eine Woche …?“ Meg und Assjima warfen sich einen vielsagenden Blick zu. „Nun ja …“ stotterte die Ärztin. „Bekomme jetzt bitte keinen Schreck, aber es waren in Wirklichkeit … etwas über sieben Monate.“ Der Captain richtete sich ruckartig auf, lies sich dann aber gleich wieder mit schmerzverzerrtem Gesicht auf das Kissen zurück fallen. „Sieben … Monate? Wie … ist das … möglich?“ Die Deltanerin legte ihm beruhigend die Hand auf die Brust. Ein warmes Kribbeln breitete sich über seinen Körper aus und er atmete entspannt durch. „So genau können wir das noch nicht erklären“ begann die Ärztin zu erläutern. „Aber ihr habt euch wohl in einem anderen Raum, einer anderen Dimension befunden.“ „Sieben Monate!“ stöhnte Tenner leise. „Konnten wir … ihr … die Gefangenen befreien?“ „Ja. Die Mission wurde erfolgreich beendet. Wir konnten alle Lager auflösen, haben Tausende nach Hause gebracht und einen ersten, zaghaften Frieden mit den Breen in die Wege geleitet. Milseya ist derzeit als Botschafterin im Breenraum. Wir haben allen Grund zur Hoffnung.“ „Mission erfolgreich beendet und Frieden mit den Breen … es war nicht umsonst …“ „Ja. Nichts war umsonst. Es wird ein gutes Ende nehmen. Jetzt, wo wir euch endlich zurück holen konnten.“ Erneut flossen ein paar Tränen über Assjimas Gesicht. Sie wischte sie zaghaft mit der freien Hand weg. „Entschuldige bitte … wir hatten uns nur solche Sorgen gemacht …“ „Dich weinen zu sehen … ich kann mich nicht daran erinnern, das schon einmal erlebt zu haben“ antwortete Tenner nachdenklich. „Ihr müsst eine harte Zeit hinter euch haben.“ Er schloss die Augen. „Du musst mir davon erzählen … alles … ich will es genau wissen … sieben Monate …“ „Versprochen. Wir haben auf der Heimreise alle Zeit der Welt. Aber jetzt musst du schlafen.“ „Aye, aye Doktor“ murmelte der Captain leise. „Frühstücken wir später zusammen?“ „Ja. Das ist eine schöne Idee.“ Assjima blieb noch ein paar Minuten sitzen, bis Tenner eingeschlafen war. Dann stattete sie Tanrim einen Besuch auf der Brücke ab, um Bericht zu erstatten. Wenig später lag sie in ihrem eigenen Bett und fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
  8. Das Tor nach Walhalla

    Ein Teil – nun ja: der größte Teil der medizinischen Crew - saß im Casino um einige zusammengeschobene Tische und wirkte insgesamt etwas ratlos. „Intelligente Materie … was zum Teufel soll das sein?“ fragte Ace und stocherte in seinem Milchreis. James zuckte mit den Schultern. „Wenn Serik noch leben würde, könnte er uns das bestimmt erklären. Elijah … sie hat es dir doch erläutert.“ „Ich bin Anthropologe, kein Quantenphysiker. Und ich muss verdammt noch mal nicht alles kapieren, was dem Kopf unserer Chefin entspringt.“ „Sieh mal an. Unser Schlaumeier hat ausnahmsweise mal keine Antwort.“ Meg lehnte sich grinsend zurück. „Wir könnten die Kollegen in der Wissenschaft fragen.“ „Und zugeben, dass wir mal wieder nichts kapieren?“ brummte Hank, der nach seiner Nachtschicht noch immer etwas verschlafen wirkte. „Mir würden sie das ja abnehmen, aber Alice und Elijah? Die würden doch denken, wir wollen sie verscheißern.“ „Ähm …“ Hank überhörte geflissentlich das wiederholte Räuspern des jungen Angosianers. „Sollen wir in die Tertiärstation gehen und das MHN aktivieren? Der Photonenbursche kann bestimmt Licht in die Sache bringen.“ „Und uns die nächsten drei Stunden von ihm die Ohren abkauen lassen?“ Meg schüttelte sich. „Wo steckt eigentlich der Rüütli?“ „Hat sich unter Vinaras Astralscanner geklemmt um ein paar Modifikationen vorzunehmen“ mümmelte Ace mit vollem Mund. „Er meint, dass wir das olle Ding vielleicht demnächst mal wieder brauchen könnten. Keine Ahnung, der diesmal das Opfer sein soll.“ „Zum Glück bin ich keine Telepathin“ „Du kriegst auch so alles raus, Meg.“ Ein Milchreiskörnchen flog über den Tisch und landete auf Abans Schulter. „Sorry, Kleiner.“ „Macht nichts“ antwortete der Angosianer und wischte sich des klebrige Teilchen vom Hemd. Endlich hatte er die Aufmerksamkeit, um die er sich seit ein paar Minuten bemühte. „Ich kann euch vielleicht erklären, auf was Assjima hinaus will.“ *** Assjima stand mit hinter dem Rücken verschränkten Armen vor dem Fenster in ihrem Büro und starrte auf das prachtvolle Farbenspiel des Nebels. “Du bist wunderschön, mein Freund. Aber was bist du? Eine Wolke aus einer interessanten Gasmischung? Ein denkendes, empfindendes Wesen? Oder nur das Wohnzimmer einer Gottheit?“ Langsam ließ sie sich im Schneidersitz auf den Boden nieder und schloss die Augen, um sich in ihren inneren Raum zu begeben. *** Aban griff in den Brotkorb, angelte zwei Stücke weiches Weißbrot heraus und hielt sie hoch. „Zwei Stücke aus dem gleichen Stoff. Sie sehen auch ziemlich gleich aus.“ Er puhlte aus beiden Scheiben das weiche Innere heraus und formte es zu zwei gleichmäßigen Kügelchen. „Jetzt ähneln sie einander noch mehr. Zwei Kugeln aus ein und demselben Teig.“ Er reichte je eine Kugel an Meg und eine an Hank. „Knetet doch mal was Nettes draus.“ Meg machte sich sofort an ihre Aufgabe und ließ ein kleines Männchen entstehen. Hank drehte das Kügelchen zwischen Daumen und Zeigefinger. „Das ist doch doof … sind wir im Kindergarten?“ „Mach einfach … irgendwas.“ „Na ja …“ Er drückte die Kugel ungeschickt zu einem herzförmigen Etwas. „Reicht das dir?“ „Ja, klar! Ist prima.“ Aban schnappte sich beide Figuren und hielt sie hoch. „Meg … warum hast du ein Männchen geformt? Stellt es jemanden dar?“ „Es könnte Ford sein … okay, ist vielleicht ein wenig zu dünn.“ „Aber du hast an ihn gedacht, als du es geknetet hast?“ „Ja.“ „Gut. Dann ist er es auch.“ „Aber der sieht doch nicht im geringsten aus wie dein Macker“ meldete sich James zu Wort. „Muss er auch nicht. Es ist eine ideoplastische Figur.“ „Eine was?“ „Die plastische Darstellung einer Idee. Der Idee von Megs Gatten. Es ist eine abstrakte Figur.“ Aban betrachtete nun das unförmige Werk aus Hanks Fingern. „Unschwer als Herz zu erkennen. Warum hast du ein Herz gebildet?“ „Keine Ahnung. Ist mir spontan eingefallen.“ „Hast du dabei an jemanden Bestimmten gedacht?“ Hank lief rot an, während er antwortete: „Neeeeeee … einfach nur so.“ Meg begann zu kichern „Hank ist verliebt!!! Wer ist die Glückliche?“ „Gar nicht wahr!“ ereiferte sich der Sanitäter lautstark. „Und wenn es so wäre, so würde dich das gar nichts angehen!“ Während Meg immer noch kicherte, griff Aban erneut ein. „Hank hat einem Gefühl Ausdruck verliehen. Entweder er ist verliebt, oder er sehnt sich nach Liebe oder er wünscht sich Liebe und Freundschaft überall im ganzen Universum. Was auch immer … das Herz als Symbol für die Idee der Liebe.“ Er legte beide Figuren vorsichtig vor sich auf den Tisch. „Schaut sie euch genau an. Zwei Ideen, die unterschiedlicher nicht sein können. Doch sie sind aus demselben Teig geknetet. Aus einem Teig, der vorher nur die Funktion hatte, den Magen irgendeines Crewmitgliedes zu füllen. Ihr habt mit etwas Banalem, Leblosen, Unwichtigem jeweils eurer eigenen Idee zu einer Form verholfen.“ *** „So wirst du sie nicht finden.“ Assjima schreckte aus ihrer Mediation. Zsa Zsa Gabor saß auf dem Schreibtischstuhl und hatte die Beine auf den Tisch gelegt. „Sie kommt selten, wenn sie gerufen wird. Das Unerwartete macht ihr mehr Spaß.“ „Das scheint bei euch in der Familie zu liegen“ murmelte Assjima und rappelte sich hoch. Zsa Zsa lachte, wobei ihr Fuß eines der auf dem Schreibtisch liegenden Padds auf den Boden stieß. „Du bist also schon etwas weiter gekommen. Das wird sie freuen. Rätsel bereiten ihr ebenfalls große Freude.“ „Von denen hat sie uns ja wirklich mehr als genug aufgegeben.“ „Eine jede gute Geschichte braucht das Rätselhafte. Der wahre Held ist nicht nur mit Mut und Kraft ausgestattet. Er muss auch klug sein, um die Prüfungen bestehen zu können.“ Assjima kniff die Augen zusammen. Hier stimmte etwas ganz und gar nicht. „Prüfungen? Ihr unterzieht uns einer Prüfung?“ „Mir fällt gerade kein anderes passendes Wort ein. Einen Weg zu finden, wie ihr eure Freunde retten könnt … ist das keine Prüfung?“ „Eher eine Aufgabe. Eine Mission. Eine Prüfung wäre es nur dann, wenn wir von jemandem beobachtet und beurteilt werden. Prüft ihr uns?“ Zsa Zsa schüttelte den Kopf. „Nein … wir beobachten nur um herauszufinden, wie wir euch helfen können.“ „Dann aktiviert wieder diesen Transporter, den ihr im Nebel geschaffen habt.“ „Den habt ihr geschaffen. Materielles ist nicht unsere Welt.“ „Du und deine Schwestern … Zeit, Raum und Materie … du willst doch nicht ernsthaft behaupten, ihr könntet nicht auf das Materielle einwirken?“ „Nicht ohne Plan.“ „Ihr wirkt allerdings nicht sonderlich planlos. Dein Bruder … war es Lux? … hat sich also hier umgeschaut um an technische Informationen für einen Transporter zu gelangen?“ „Ich bin nicht über die Aktivitäten der Jungs informiert.“ „Sollt ihr sie nicht kontrollieren?“ „Sie lassen sich nicht kontrollieren.“ „Zeit, Materie und Raum können die vier Grundkräfte der Physik nicht kontrollieren? Das glaube ich nicht, Dimede.“ *** „Meg … erzähle mir eine Geschichte zu deiner Figur. Etwas, was sehr typisch ist für deinen Mann.“ Die Afrikanerin setzte ein breites Grinsen auf. „Ihr wisst ja, dass er Holoromane schreibt. Immer wenn ein neues Kapitel fertig ist, speichert er es im Holodeck ab, um es sich etwas später in Ruhe anschauen und korrigieren zu können. Mein jüngster Bruder hat sich irgendwann einmal daran zu schaffen gemacht, um Ford einen Schrecken einzujagen. Inmitten einer ungemein schnulzigen Liebessehne tauchte auf einmal ein riesiges Monster auf und jagte das Liebespaar auseinander. Ford hat beinahe einen Herzinfarkt bekommen. Aber dann hat ihm diese Szene so gut gefallen, dass er die ganze Geschichte umschrieb, um dem Monster eine logische Rolle in dem Roman zu geben. Der Roman wurde ein Riesenerfolg.“ Aban schmunzelte. „Er ist also kritikfähig, innovativ und immer bemüht, sein Werk zu verbessern.“ „Ja – das ist er.“ „Danke, Meg. Hank … was kannst du zu deinem Herzchen erzählen?“ „Es ist etwas unförmig …“ brummte der Sanitäter. „So wie die Liebe eben ist. Nicht glatt, nicht ebenmäßig … mal so und mal so … nie ideal, aber es ist immerhin die Liebe. Auch wenn sie hier eine Delle hat und die eine Hälfte größer ist als die andere. So ein fertig repliziertes Herz, das total gleichmäßig ist … das ist langweilig. Dieses hier hat Charakter.“ Der junge Mediziner schmunzelte. „Und jetzt, meine Freunde … schaut sie euch noch mal an, diese beiden Figuren. Sind es immer noch dieselben banalen Brotteigklumpen wie zuvor?“ *** „Was hat mich verraten?“ Dimede nahm die Füße vom Tisch und setzte sich gerade hin, während sich das Gesicht des Donauweibchens zu dem der betazoidischen Nixe wandelte, dass Assjima und Elijah geschaffen hatten. „Deine Tochter spricht anders. Normaler, weniger mysteriös, bodenständiger. Und sie materialisiert sich nur in meiner Phantasie. Ein Padd vom Schreibtisch stoßen … das kann sie nicht. Du hingegen schon.“ Die Ärztin bückte sich und hob den Datenträger auf. *** „Nnnnein“ stotterte James. „Das ist die Liebe und es ist Ford … komisch …“ „Aber es ist immer noch brotdumme Materie, oder?“ James kratzte sich am Kopf. „Die Figuren erzählen uns jetzt was …“ „Der Brotteig besteht bei beiden Figuren aus den gleichen Elementen … nennen wir sie Brotteigmoleküle. Das einzige was diese beiden Anhäufungen von Brotteigmolekülen unterscheidet ist die Art und Weise der Anordnung. Anordnung ist Information. Meg und Hank haben den Brotteigmolekülen die Informationen gegeben, die nötig waren um aus einem Brotteigkügelchen die Liebe und Megs Ehemann zu schaffen. Nun … wir können bei diesen Brotteigmolekülen noch nicht von intelligenter Materie sprechen, weil es Meg und Hank waren, die dem Brotteig die nötigen Informationen gegeben haben. Aber stellt euch nun vor, Meg und Hank wären nicht eure Freunde, sondern physikalische Kräfte, die den Brotteigmolekülen die nötigen Informationen geben um die Form eines Herzens anzunehmen. Gravitation, Wechselwirkung … was auch immer. Dann habt ihr die beiden Figuren, aber es fehlt noch die Geschichte dazu.“ „Scheiße!“ James sprang so ruckartig auf, dass ein Stuhl nach hinten kippte und polternd auf den Boden krachte. Die Blauhemden von der Wissenschaftsabteilung am Nebentisch sahen sich erschrocken um, um sich dann wieder ihrem eigenen Gesprächsthema zuzuwenden. „Ich glaub, ich hab‘s kapiert.“ *** Als Assjima wieder aufblickte, war die Gestalt verschwunden. Nur ihre Stimme schwebte noch in der Luft. „Ihr seid nahe dran. Das wird eine gute Geschichte. Eine, die ein glückliches Ende verdient.“
  9. Das Tor nach Walhalla

    „Es ist Ihre Phantasie? Hat sie das wirklich so gesagt?“ Assjima hörte ganz deutlich ein kratzendes Geräusch, als Elijah sich mit der Hand über das Kinn mit dem struppigen Dreitagebart fuhr. Er sah müde aus. Vermutlich vergrub er sich in jeder Minute, in der er nicht auf der Krankenstation benötigt wurde, in seine Bücher. „Ja. Das hat sie gesagt.“ „Verdammt! Warum kann hier niemand Klartext reden? Die Ok’Ta wissen doch mehr als sie sagen.“ „Nicht die Piloten. Aber Entack.“ „Und warum lässt sie uns an ihrem Wissen nicht teilhaben? Sie plaudert doch sonst so gerne.“ „Weil sie eine von meinem Schlag ist. Sie ist nicht nur eine Wächterin des Eischwarms. Sie ist eine Priesterin.“ „Das ist vielleicht eine Erklärung, aber keine Entschuldigung.“ „Sie braucht keine Entschuldigung, denn ich glaube, sie hat uns alles gesagt, was nötig ist.“ „Worauf wollen Sie hinaus, Assjima?“ meldete sich nun Marla zu Wort, die auf Assjimas Schreibtischstuhl saß und Scans des Nebels auf dem Monitor studierte. „Max Planck, 1944 in Florenz. Als er in seinem Vortag behauptete, es gäbe keine Materie …“ Die Deltanerin griff nach dem vor ihr liegenden Padd und begann vorzulesen: “Es gibt keine Materie an sich. Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Alls zusammenhält. Da es im ganzen Weltall aber weder eine intelligente Kraft noch eine ewige Kraft gibt - es ist der Menschheit nicht gelungen, das heißersehnte Perpetuum mobile zu erfinden - so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie. Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche - denn die Materie bestünde ohne den Geist überhaupt nicht - ,sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre! Da es aber Geist an sich ebenfalls nicht geben kann, sondern jeder Geist einem Wesen zugehört, müssen wir zwingend Geistwesen annehmen. Da aber auch Geistwesen nicht aus sich selber sein können, sondern geschaffen werden müssen, so scheue ich mich nicht, diesen geheimnisvollen Schöpfer ebenso zu benennen, wie ihn alle Kulturvölker der Erde früherer Jahrtausende genannt haben: Gott!“ Elijah verzog das Gesicht. „Das ist nichts Neues.“ „Nein, an sich nicht. Auch nicht der Gedanke, dass Information ein wichtiger Bestandteil …“ „Die Legosteine!“ unterbrach Marla Assjimas Erläuterung. „Ich glaube, ich verstehe, worauf Sie hinaus wollen, Commander. Eine Form von Geist, der in der Materie steckt, ist Information. Das kann man sich klar machen, wenn man ein Beispiel betrachtet, das drei Bausteine zum Gegenstand hat und damit dem Aufbau der Atome aus drei Elementarteilchen entspricht. Beispielsweise kann man sich zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen vorstellen. Sie besitzen einen Eimer voll mit Legobausteinen. Es sind drei Sorten Steine, nämlich solche mit zwei, vier und acht Noppen. Aus diesen Steinen baut das Mädchen ein kleines Puppenhaus mit zwei Zimmern, Möbeln, Ofen usw. Der Junge baut dagegen eine große Burg mit mächtigen Mauern, Zinnen, Toröffnung und Graben. Die Frage ist nun, worin sich Puppenhaus und Burg unterscheiden? Beide Bauwerke sind aus den gleichen Steinen hergestellt. Die einzige Unterscheidung zwischen Puppenhaus und Burg ist die Zahl und Anordnung der Steine. Das gleiche gilt für unsere Welt, in der die unterschiedlichen Elemente Gold, Blei, Wasserstoff oder Kohlenstoff usw. sich nur in der Zahl und Anordnung der Elementarteilchen unterscheiden. Da alle Materie aus den Elementen aufgebaut ist, unterscheidet sich alles, was materiell existiert nur durch die Zahl und Anordnung der Elementarteilchen. Die Anordnung ist nichts anderes als Information. Die Formen, anhand deren man erkennt, ob es sich um ein Puppenhaus oder eine Burg handelt, sind Informationen und auch die unterschiedlichen Formen und Muster der materiellen Welt sind alles Informationen. Aber Information ist sicher nicht der Geist, den Planck meinte. Denn Information ist nichts Lebendiges. Information ist passiv. Planck sprach dagegen von einem bewussten, intelligenten Geist und ein bewusster Geist ist etwas Lebendiges.“ Assjima nickte. „Er konnte es noch nicht belegen, sondern nur erahnen. Um Bewusstsein bei Quanten feststellen zu können, muss man wissen, anhand welcher Kriterien man Bewusstsein überhaupt feststellen kann. Bewusstsein ist kein Untersuchungsgegenstand der Quantenphysik. Deshalb findet man in dieser Disziplin keine geeigneten Kriterien zur Erkennung von Bewusstsein. Hier muss die Psychologie aushelfen. Die Psychologie hat mithilfe geeigneter Kriterien schon bei zahlreichen Tierarten Bewusstsein nachgewiesen. Das Hauptkriterium zur Erkennung einer primären Form von Bewusstsein, das allerdings noch nicht das höhere Ich-Bewusstsein einschließt, ist erstens die Fähigkeit, sich auf unerwartete Veränderungen der Wirklichkeit einzustellen und zweitens ein nicht sicher vorhersehbares, eigengesteuertes Verhalten.“ „Ja, das ist korrekt. Immer wenn Lichtteilchen sich unbeobachtet glauben, bilden sie ein Wellenmuster auf dem Beobachtungsschirm beim Doppelspaltexperiment. Sie sind allerdings sehr eigenwillig: Wenn man nämlich einzelnen Quanten nachspürt, um mehr zu erfahren, verschwindet das Wellenmuster und es bleiben nur noch zwei Streifen übrig. Das gleiche gilt, wenn man abwechselnd einen der Spalte schließt, um mit Sicherheit sagen zu können, durch welchen Spalt ein bestimmtes Lichtteilchen gegangen ist. Die Quanten stellen sich auf alle Veränderungen der Wirklichkeit sofort ein. Ein Psychologe würde aus dem eigenwilligen Verhalten schließen, dass Quanten primäres Bewusstsein zeigen.“ Elijahs Blick wanderte verwundert zwischen den beiden Frauen hin und her. „Worauf wollt ihr hinaus, Mädels?“ „Die blöden Quanten tarnen sich als Streifen, um von uns nicht erwischt zu werden“ lachte Marla. „Pfff!“ „Sinngemäß trifft das aber zu, Elijah. Sie tarnen sich.“ Assjima beugte sich vor und setzte zu einer Erläuterung an: „In der Physik bezeichnet der Begriff Quant ein Objekt, das durch einen Zustandswechsel in einem System erzeugt wird. Photon, Phonon, Graviton …je nach System. Nehmen wir eine Anhäufung unterschiedlichster Systeme. Materie in Form fester Partikel und der durch sie erzeugten Gravitation, dazu diverse Gase, magnetische Felder … ein einzigartiges Gemisch aus Gravitation, elektromagnetische Wechselwirkung, schwache Wechselwirkung, starke Wechselwirkung Wir beide, Elijah, haben ihnen sogar Namen gegeben: Gravitas, Lux, Helios und Nucleos.“ Elijah starrte seine Chefin mit offenem Mund an. In seinem Kopf arbeitete es. „Dazu Zeit, Raum und Materie … Tempus, Spatium und Materies. Du redest von der Ursuppe vor dem Big Bang?“ „Ja und nein. Eigentlich rede ich von diesem Nebel.“ „Von dem Rev annimmt, dass in ihm vielleicht einmal Leben entstehen könnte.“ „Es ist schon entstanden“ schaltete sich nun Marla wieder ein. „Durch Information.“ Elijah fuhr sich verwirrt durch die Haare. „Ich kann euch echt nicht folgen.“ „Information, entstanden aus Phantasie.“ „Aber Marla … Sie wollen doch nicht allen Ernstes behaupten, dass unsere frei erfundene Dimede-Schöpfungsgeschichte … die mit dem Kessel und der Spucke …“ „Nicht die Schöpfungsgeschichte, aber womöglich die damit verbundenen Figuren.“ „Und Glonta?“ „Wurde von den Ok’Ta initiiert. Sie entstand aus deren Phantasie.“ Der Anthropologe sprang auf und ging einige schnelle Schritte hin und her, wobei er sich immer wieder durch die langen Haare fuhr. „Das, meine Damen … das ist verdammt starker Tobak. Wenn ich mal rekapitulieren darf: Unsere Phantasie war die Information, welche die verschiedenen Elementarteilchen in diesem Nebel benötigten, um Wesen zu schaffen, die mit uns in der einen oder anderen Weise interagieren können? „Ich denke, es sind nicht so sehr die Teilchen, sondern ein intelligenter Geist, der hinter all dem steckt. Wenn ich nochmal Planck bemühen darf: Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche - denn die Materie bestünde ohne den Geist überhaupt nicht - ,sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre! Da es aber Geist an sich ebenfalls nicht geben kann, sondern jeder Geist einem Wesen zugehört, müssen wir zwingend Geistwesen annehmen. Die nach Planck ja wiederum von einem Gott geschaffen werden.“ „In diesem Fall womöglich nicht von Gott, sondern durch unsere Phantasie“ ergänzte Marla. „Also doch eine Tulpa?“ Assjima nickte: „Nur dass wir Dimede nicht mit Willensstärke geschaffen haben, sondern eher unbewusst.“ Elia ließ sich wieder in seinen Sessel plumpsen. „Doch, Assjima. Es war unsere Willensstärke. Wir wollten damals unbedingt, dass unsere Mission gelingt. Genau so wie wir es jetzt wollen. Doch wie wurden unsere Ideen in den Nebel transferiert. Wer hat sie gelesen?“ „Glonta. Sie war die Phantasie-Manifestation, die schon vorhanden war. Einst geschaffen von den Aurelianern und den Ok’Ta.“ „Und wer hat Glonta entstehen lassen?“ Assjima zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Vermutlich die Gottheit einer andere Spezies, lange vor den Ok’Ta und den Aurelianern. Ich könnte mir vorstellen, dass solche Manifestationen überall im ganzen Universum zu den verschiedensten Zeiten entstanden sind. Sie entwickeln sich mit den Spezies, verändern, vermehren sich beim Erscheinen neuer phantasiebegabter Wesen … der Geist, der zusammen mit der Materie schon beim Urknall freigesetzt wurde.“ „Wenn das stimmt, dann gibt es so gesehen keine göttlichen Entitäten, welche die Welten geschaffen haben, sondern es waren die denken, phantasiebegabten Wesen, die in ihren Mythen nicht nur Phantasiegestalten geschaffen haben. Diese Götter haben sich tatsächlich manifestiert.“ „Ja“ bestätigte die Deltanerin. „So stelle ich mir das vor. Diese Geistwesen benötigen Input. Information, Phantasie und Geschichten um sich weiter entwickeln zu können. Glonta muss im Raum der phantasielosen Breen ziemlich ausgehungert gewesen sein.“ „Was erklären würde, warum sie sich mit Feuereifer auf unseren erfunden Schöpfungsmythos gestürzt hat“ ergänzte Marla. „Aber was ist mit den vielen Gefangenen in den Lagern? Die hätten ihr doch Nährstoff bieten können.“ Marla rümpfte die Nase. „Die waren ausgelaugt, ohne Willenskraft, ohne Phantasie. Entweder in ihr Schicksal ergeben oder einzig von dem Gedanken besessen, irgendwie zu entkommen. Nichts, was ein Wesen wie Glonta inspirieren könnte.“ Elijah nickte. „Das wäre eine Erklärung. Aber was zum Teufel sind das für Typen, die hier aufgetaucht sind?“ „Ich vermute, dass es sich bei dem Star-Wars Typen und dem Doppelgänger von Contello um einen der Söhne von Dimede handelt. Oder um zwei.“ „Wie? Gravitas, Lux, Helios oder Nucleos?” Elijah atmete tief durch und versuchte sich zu erinnern, welche Eigenschaften sie den vier Grundkräften der Physik damals gegeben hatten. Gravitas ist der Stärkste und unbändigste. Auf der Suche nach dem Rand des Universums reist er durch die Unendlichkeit und hinterlässt eine mächtige Spur aus Bewegung wo immer er seinen Fuß hinsetzt. Lux hingegen ist der Pragmatische. Er setzt die Dinge zusammen und gibt ihnen Bedeutung. Helios und Nucleos sind die Unzertrennlichen, die im Inneren der Dinge wirken. Helios ist still und ausgeglichen, während Nucleos zu gewaltigen Wutausbrüchen neigt und dabei das gemeinsam mit seinem Bruder Geschaffene immer wieder zerstört. „Dann war der Kuttentyp womöglich Lux. Die Personifizierung der elektromagnetischen Wechselwirkung. Der Ruhige, der Pragmatische. Und der Doppelgänger von Contello könnte Helios sein … die Manifestation der schwachen Wechselwirkung. Der Stille, der Ausgeglichene. Und was ist mit der Nixe?“ „Womöglich eine der Töchter. Tempus, Spatium oder Materies … Zeit, Raum, Materie … ich weiß es nicht“ seufzte Assjima. Die Töchter, still im Hintergrund wirkend, die wilden Brüder immer im Blick habend und ihnen Grenzen setzend … so hatte sie sich das damals ausgedacht. Sie scrollte sich durch ihr Padd. „Hier steht es: Euer erster und schwerster Auftrag wird es sein, hinzugehen und euren Brüdern meinen Wunsch zu übermitteln: Sie sollen ihre Kräfte gemeinsam nutzen um dieses Universum zu gestalten. Nach eigenem Ermessen, jedoch unter eurer Aufsicht. Tempus – du bemisst die Zeitspanne von der Geburt bis zum Tode. Setze allem Leben Grenzen. Spatium – du bestimmst den Raum eines jeden Wesens, seine Größe und seinen Platz. Setze allem Leben Grenzen. Materies – du bestimmst die Beschaffenheit der Welten und der Wesen. Setze allem Leben Grenzen. Die Zeit der Kindheit ist vorbei.“ „Spatium oder Materies … die Nixe könnte auf beide passen“ murmelte Elijah. „Und wie zum Teufel erklären wir das unseren Kollegen?“ „Indem ich versuche, alles in einem ordentlichen Bericht zusammen zu fassen.“ Assjima erhob sich. „Das wird etwas Zeit und Ruhe brauchen. Ich gehe am besten in mein Quartier. Elijah, du hast die Station.“ In der Tür drehte sie sich noch einmal um. "Wir haben womöglich den nötigen Perspektivwechsel gefunden. Nicht die Götter haben uns geschaffen, sondern wir die Götter." Dann ging sie und lies zwei sehr nachdenkliche Kollgegen zurück.
  10. Und wie weiter?

    Habe deiner Idee noch ein paar Impulse dazugegeben, Onkelchen. Vielleicht hilft das etwas weiter. Ihr könnt davon ausgehen, dass alle eure Hobbels von dem Gespräch mit Entack ganz schnell alles erfahren haben.
  11. Das Tor nach Walhalla

    „Hier also haben Sie sich versteckt“ Die Elmag schob sich auf die steinerne Bank und lächelte Assjima an. „In der Krankenstation sagte man mir, dass ich Sie hier im Arboretum finden könnte. Sie haben unsere Verabredung vergessen“ „Oh!“ Die Deltanerin hob erschrocken die Hand vor den Mund. „Ich habe wohl die Zeit vergessen. Bitte entschuldigen Sie, Entack.“ „Macht doch nichts. Passiert mir ständig. Ich lasse sie meist irgendwo in meinem Nestschiff liegen.“ „Was …?“ Dann verstand Assjima und lächelte. „Das kann ich mir nur zuhause auf Seyalia erlauben.“ „Sie sollten sie auch hier an Bord öfters mal irgendwie verlegen. Ich habe vorhin in der Messe gehört, wie sich einige Leute aus der Wissenschaftsabteilung die Köpfe zerbrochen haben. Warum meinen Sie alle hier an Bord, eine Göttin entmystifizieren zu müssen?“ „Ist Glonta eine Göttin?“ „Wie definiert man Göttin?“ „Ganz banal? Ein Gott ist ein übernatürliches Wesen oder eine höhere Macht, dem bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden.“ „Übernatürlich aus wessen natürlicher Perspektive?“ Assjima seufzte: „Ich weiß nicht ob ich im Moment in der Lage bin, eine metaphysische Diskussion zu führen.“ „Keine Diskussion, Doktor. Ich frage nur, unter welchen Umständen eine Entität als Gott eingeordnet werden kann. Ist diese Entität ein übernatürliches Wesen, das man ehren sollte oder ist sie die höchste Wirklichkeit, die Quelle oder der Grund alles anderen, perfekt und der Anbetung würdig?“ „Das kommt auf die Spezies an.“ „Je einfacher die entsprechende Spezies gestrickt ist, desto leichter wird es für eine Entität, sich als Gottheit aufzuführen?“ „So ungefähr.“ Entack verzog den Schnabel. „Machen Sie es sich nicht etwas zu leicht, Doktor?“ „Ich habe in den letzten Monaten zu viele Gespräche dieser Art geführt. Mit dem Ergebnis, dass mein Kopf nun vollkommen leer ist.“ Die Elmag ließ trotz der sichtlichen Lustlosigkeit ihres Gegenübers nicht locker. „Das glaube ich Ihnen nicht, Assjima. Es geht um Ihre Freunde. Da kann Ihr Kopf nicht leer sein. An welchen Gott glauben Sie?“ „An gar keinen.“ „Sie sind doch Priesterin. Da muss es irgendeine Gottheit geben. Was ist mit diesem großen Geist der Sterne?“ „Assjimagar ist kein Gott. Er ist ein Geist, eine Idee.“ „Ah“ schmunzelte die Elmag. „Ihr Deltaner gehört also zu diesen hochentwickelten Wesen, denen sich keine Entität mehr als Gottheit präsentieren kann?“ „Na ja … nicht ganz …“ „Also ist Naschpur eure Gottheit?“ Jetzt horchte Assjima auf. Woher wusste die kleine Ok’Ta davon? „Ich habe ein wenig in der Datenbank gelesen“ fuhr Entack verstehend fort. „Ein interessantes Prinzip, das Leben an sich zu verehren. Die höchste Wirklichkeit, perfekt und der Anbetung würdig. So wie das Omega-Molekül der Borg. Oder die Logik der Vulkanier. Wenn Sie wollen, können wir auch den Warpkern Ihres CIs in die Liste mit aufnehmen.“ Die Vorstellung, eines vor dem Warpkern knienden George lies die Deltanerin hell auflachen. „Jetzt weiß ich wenigstens, was er mitten in der Nacht im Maschinenraum treibt.“ „Sehen Sie, Doktor … ein jeder bastelt sich seine eigene Gottheit. Unendlich viele Individuen, unendlich viele Gottheiten … wer soll da noch den Überblick behalten? Und wie um alles im Universum soll man da noch definieren können, was eine Gottheit ist? Die höchste Wirklichkeit, die absolute Perfektion, ein Wunderwerk der Technik … ist es wirklich so wichtig, alles zu ergründen und hinterfragen zu müssen? Es liegt doch immer nur im Auge des Betrachters. Kann etwas nicht nur einfach wunderbar, schön oder perfekt sein? Sich verzaubern zu lassen statt alles zu hinterfragen wäre doch eine Alternative.“ „Durchaus. Aber das würde uns in unserer Situation nicht weiterbringen.“ „Woher wissen Sie das, Assjima?“ Die Deltanerin nagte an ihrer Unterlippe und antwortete dann langsam: „Ich weiß es nicht …“ „Sehen Sie … Sie alle auf diesem Schiff meinen, etwas wissen zu müssen, ohne dass Sie wissen ob Sie es wirklich wissen müssen.“ „Wir sind keine Ok’Ta … es liegt uns nicht, uns einfach nur treiben zu lassen.“ „Sie sind wie die Bauern, die fleißig arbeiten, vorausplanen, Vorräte lagern, um auch mal eine Dürre überstehen zu können. Wir sind mehr wie Fischer, die an einem einzigen Tag ein volles Netz an Bord ziehen, unseren ganzen Erlös genauso schnell wieder verprassen um dann ein paar Tage am Hungertuch zu nagen. Und dennoch leben wir.“ „Eine ungewöhnliche Metapher für eine Raumente“ lachte Assjima. „Ich habe eure Datenbank studiert“ schmunzelte die Elmag zurück. „Da stehen viele interessante Sachen drin. Nachdem das ganze Schiff über Transportertechnologie redet habe ich da auch mal schnell nachgelesen. Wir haben auch welche, aber ich bin eine Elmag. Ich habe keine Ahnung von Technik. Doch hier auf diesem Schiff läuft doch das technische Wissen vieler Völker herum. Warum sehe nur ich etwas, was ihr alle nicht zu sehen scheint?“ Die Ärztin richtete sich auf und starrte die kleine Ok’Ta neben sich an. „Was haben wir übersehen?“ „Diese Transporterquelle in dem Nebel … war die bei eurem letzten Besuch schon da?“ „Ich … ich weiß nicht. Vermutlich nicht. Jedenfalls haben wir sie nicht bemerkt.“ „Habt ihr irgendwelche Spuren irgendeiner Art von Technologie im Nebel gemessen?“ „Nein … jedenfalls hat mir niemand davon erzählt.“ „Ach Assjima – Sie sind doch so gut vernetzt auf diesem Schiff. Wenn irgendjemand etwas im Nebel bemerkt hätte, so hätten Sie es doch als eine der Ersten erfahren.“ „Vermutlich ja … der Nebel wurde von uns auch gründlich gescannt. Ich denke, da war nichts.“ „Da war wirklich nichts. Bis vor ein paar Zyklen. Und es ist keine Illusion. Meine Kolleginnen haben es mir heute Morgen durchgefunkt. Wusch!“ Die Elmag hob die Flügelarme „Es war einfach da!“ „Aber wie ist das möglich?“ „Ich habe da so eine Ahnung. Sie hatten doch eine Vision von Glonta, als Sie das letzte Mal im Subraum unterwegs waren. Dackbad hat mir davon erzählt. Sie sprachen mit ihr. Ging es da auch um Technologien?“ „Hm …“ Assjima dachte angestrengt nach. „Ich meine mich erinnern zu können, dass ich sie darauf hingewiesen habe, die Breen könnten möglicherweise noch mehr Interesse an den Energien im Nebel entwickeln.“ „Das erklärt schon einiges. Sie, Doktor, haben eine Idee gepflanzt. Alles Denken auf diesem Schiff dreht sich darum, wie Ihre Leute aus dem Subraumknoten heraus gebeamt werden können. Glonta baut Ihnen womöglich eine Brücke, Assjima.“ „Dieser Typ, der Kentan über unseren Transporter ausgefragt hat? Hat der was damit zu tun?“ „Ich weiß es nicht. Es ist Ihre Phantasie, Assjima. Aber jetzt entschuldigen Sie mich bitte. Ich muss ganz dringend mein drittes Frühstück zu mir nehmen. Wir sehen uns später.“ Entack erhob sich, winkte mit dem Flügelarm und verlies watschelnd das Arboretum. Zurück blieb eine sehr nachdenkliche Deltanerin. „Meine Phantasie???“
  12. Und wie weiter?

    Jetzt muss ich doch mal nachfragen: agiert George auf Anweisung des Masters oder frei nach Lust und Laune? Weil ich inzwischen ziemlich irritiert bin, denn er scheint überhaupt nicht wahrzunehmen, dass sich diese Erscheinungen höchstwahrscheinlich gar nicht lokalisieren, geschweige denn greifen lassen. Und ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass nicht diese Personen, sondern nur das PADD mit einem Transporter an Bord kam. Außerdem wird irgendwo gesagt, dass diese Personen identisch sind mit Dimede. Falls George ohne Masteranweisung handeln sollte, möchte ich Jones bitten, doch die vorangegangenen Texte etwas genauer zu lesen bevor er George darauf reagieren lässt. Falls es sich doch um eine Masteranweisung handeln sollte, möchte ich Onkelchen bitten, mir ebenfalls Anwesiungen zu schicken, damit ich meine Posts entsprechend gestallten kann ohne die Intensionen des Masters abzuschießen.
  13. Das Tor nach Walhalla

    Als Marla um 08:05 Uhr Bordzeit mit frischen Croissants bewaffnet an Assjimas Tür klingelte, war sie eigentlich darauf eingestellt gewesen, die Ärztin direkt aus dem Bett zu holen. Es war reiner Selbsterhaltungstrieb gewesen, der sie dazu zwang, der Kollegin die Chance zu nehmen, den neuen Tag etwas langsamer zu beginnen, denn sie drohte vor lauter Neugier und Elan zu zerplatzen. Umso überraschter war sie, als die Türe umgehend entriegelt wurde und sie eine zwar sichtlich übernächtigte, aber dennoch fertig gerichtete Deltanerin an der kleinen Küchenzeile stehend antraf. „Guten Morgen Assjima. Bitte entschuldigen Sie, dass ich unangemeldet so früh hereinplatze, aber …“ „… Sie konnten es nicht abwarten, mich auf meinen geistigen Zustand hin zu untersuchen, nicht wahr, Councelor?“ unterbrach Assjima augenzwinkernd. „Guten Morgen, Marla. Möchten Sie auch eine Tasse Tee?“ „Gerne, wenn es nicht zu viel Umstände macht. Chef hat heute Morgen frische Croissants im Angebot und ich habe mir erlaubt, ein paar mitzubringen.“ „Wunderbar“ Assjima deutete mit einer einladenden Handbewegung auf das Sofa, stellte zwei Tassen heißen Tees auf den Tisch und kruschtelte ein Glas Honig aus dem Schrank, während Marla sich in dem – abgesehen von der kleinen Küchenecke – eher einfach eingerichteten und wie immer pikobello aufgeräumten Quartier umsah. Außer Bücher und Kleidung schien die Ärztin nicht viel zu besitzen. Diese schien Marlas Gedanken zu erraten. „Ich bin vor Jahren mit meinem Rucksack und einer Tasche eingezogen. Und ich habe vor, so auch wieder zu gehen, wenn ich eines Tages dieses Schiff verlasse. Alles was sich derweil ansammelt, wird regelmäßig nach Hause geschickt. So wird nicht so viel zerstört, wenn zwischendurch das Schiff einmal wieder verwüstet wird“ erklärte sie schmunzelnd und stellte den Honig auf den Tisch. „Der stammt von Jeremys Nichte auf der Erde. Passt perfekt zu Croissants.“ „Sie haben Honig von Tenners Nichte?“ „Bei einem Besuch auf ihrem Weingut hat sie mir ein paar Gläser mitgegeben.“ Die Schiffsberaterin betrachtete Assjima nachdenklich. „Es liegt Ihnen sehr viel daran, den Captain und Aiso zu retten, nicht wahr Doktor?“ Die Deltanerin nickte fast unmerklich. „Es sind meine Freunde. Aiso hat mir damals bei den Vorlok das Leben gerettet und Jeremy … ich meine Captain Tenner … im Laufe der Jahre hat sich zwischen uns eine tiefe Verbindung entwickelt. Nicht nur die eines Captains zu seiner Schiffsärztin … es ist eine enge, auf gegenseitigem Vertrauen basierende Freundschaft.“ „Sie sind eine der wenigen, die es geschafft hat, Tenner gelegentlich zum Lachen zu bringen“ ergänzte Marla. „Ich hatte immer den Eindruck, dass er in Ihrer Gegenwart oft weniger Captain, aber dafür etwas mehr Mensch ist. Sie haben die Eigenart, vor allem die Außenseiter magisch anzuziehen.“ „Womit wir beim Thema wären“ lächelte die Ärztin und nippte an ihrem Tee. „Deswegen sind Sie doch hier, oder nicht?“ „Und ich muss zugeben, dass ich etwas beschämt bin. Ich hätte selber darauf kommen müssen.“ „Worauf?“ „Dass Ihnen … uns … möglicherweise etwas vorgegaukelt wird. Ich habe mich während meiner Ausbildung eine Zeitlang sehr intensiv mit der Neuromagie beschäftigt. Es war für mich damals ungemein faszinierend, zu verstehen, wie leicht sich unsere Wahrnehmung beeinflussen lässt. Ich konnte die Werke von SMSMC nahezu auswendig.“ „Wessen Werke?“ „Stephen Macknick und Susana Martinez-Conde … die Begründer der Neuromagie“ „Ach so … dieses Ehepaar, welche die Zauberei auf der Erde analysiert, rationalisiert und entmystifiziert hat. Euch Menschen reicht es nicht, einfach nur zu verstehen … ihr müsst es auch immer gleich allen anderen erzählen.“ „Sie haben ja so Recht, Assjima. Deswegen habe ich mich auch irgendwann von dieser Wissenschaft abgewandt. Ich wollte mir und dem Rest der Menschheit noch ein klein wenig Magie bewahren“ lachte die Schiffsberaterin. „Aber was ist denn nun Ihrer Meinung nach passiert?“ „Nun ja …“ Marla lehnte sich mit der Tasse in der Hand zurück. „Gesetzt den Fall, dass wir es wirklich mit einem Wesen oder einer Spezies zu tun haben, die uns durch Illusionen beeinflusst, kann ich gut nachvollziehen, warum gerade Sie ausgewählt wurden. Sie sind Empathin, empfänglich für Einflüsse von außen …“ „Aber es gibt noch mehr Empathen auf dem Schiff …“ „Ja, doch keine, die sowohl das nahezu uneingeschränkte Vertrauen des Captains sowie des Sternenflottenkommandos haben. Wie oft hat Ihre Empathie uns schon gerettet?“ Assjima zuckte mit den Schultern, doch Marla fuhr unbeirrt fort: „Sie sind eine der bekanntesten Empathen der Föderation. Eine Vision von Ihnen wiegt ungleich schwerer als die eines einfachen Crewmitgliedes. Ihnen hört man zu. Außerdem ist es inzwischen recht einfach für Außenstehende an Informationen über Sie heranzukommen.“ „Sie wollen also sagen, dass sich irgendein Wesen Informationen über mich beschafft hat um mich ganz gezielt als Opfer magischer Tricks heranzuziehen?“ „Ich würde eher vermuten, dass Sie als Sprachrohr ausgewählt wurden.“ „Welch‘ Ehre“ antwortete Assjima sarkastisch. „Sie sollten es positiv sehen, Doktor. Denn ich bin davon überzeugt, dass sich dieses Wesen oder diese Spezies darüber im Klaren ist, dass Sie irgendwann herausfinden, was da vor sich geht. Sie, die den Ruf einer deltanischen Hexe genießen, müssen diese Tricks irgendwann erkennen.“ „Weil ich sie zum Teil selber anwende …“ stöhnte Assjima. „Wenn auch nicht in diesem Maße. Aber was ist mit Kentan?“ „Da habe ich durchaus ein paar Ideen: entweder handelt es sich um ein Ablenkungsmanöver – zu welchem Zweck auch immer – oder wir haben es hier mit einer weiteren Partei zu tun, die allerdings nicht so ausgeklügelt vorgeht. Die sich jedenfalls nicht so geheimnisvoll gibt, wie die, mit der Sie zu tun haben. Womöglich wollen die auch einfach nur zusätzlich an technische Informationen ran, die Sie nicht weitergeben können, weil Sie keine besonderen technischen Kenntnisse haben. Vielleicht sind es aber auch nur Trittbrettfahrer.“ „Oder der männliche Part dieser Spezies, der meint, ebenfalls einen Teil zu der Geschichte beitragen zu müssen.“ Marla lachte und verschluckte sich dabei beinahe an ihrem Croissant. „Wenn die wirklich etwas mit Dimede zu tun haben, kann ich das durchaus nachvollziehen. Männer, die sich emanzipieren wollen … das hätte uns gerade noch gefehlt. Wo doch alles eh schon so undurchsichtig ist.“ Assjima schenkte sich beiden Tee nach. „Gott bewahre uns davor! Haben Sie schon das Memo von George gelesen?“ „Ja. Aber ich muss zugeben, dass ich es nicht wirklich kapiert habe.“ „Ich glaube, er hat mein Elaborat von heute Nacht falsch verstanden. Was ich ihm aber nicht verübeln kann … meine Ausdrucksweise war des Öfteren etwas schwammig.“ „Ich interpretiere seine Gedanken dahingehend, dass er davon ausgeht, dass diese Zsa Zsa Gabor mit einer bislang unbekannten Transportertechnologie an Bord gebeamt wurde. Ich habe Ihre Analyse von Suvals Sensoraufzeichnungen jedoch so verstanden, dass nur das PADD mit Hilfe eines Transporters auf das Schiff kam, die Person selber jedoch eine durch magische Tricks erzeugte Manifestation Ihrer eigenen Gedanken sein könnte.“ Die Deltanerin nickte zustimmend. „So habe ich es auch gemeint. Was uns unweigerlich zu der Frage führt: Warum wurde das PADD gebeamt, nicht aber die Person? Warum der Umweg über mein Gehirn, wenn es nur um die Schaffung einer Kommunikationsmöglichkeit geht?“ „Vielleicht wollen sie keinen der Ihren persönlich auf unser Schiff schicken. Womöglich könnten die in unserer Atmosphäre nicht überleben …“ „Oder sie können hier nicht einmal existieren … falsche Dimension? Anderes Universum? Subraumwesen? Dimensionslose Wesen? Es gäbe viele Möglichkeiten …“ Marla betrachtete die Kollegin nachdenklich. „Es könnte auch ganz banal sein: Sie können nur tote Materie transportieren, keine Lebewesen. Gesetzt den Fall, dass Dimede zu diesen Wesen gehört … oder einfach auch nur dieses eine Wesen ist, das diese Visionen entstehen lässt und uns dieses PADD geschickt hat … wenn sie die Technologie besäße, lebende Materie zu transportieren … hätte sie Ihnen das nicht mitgeteilt?“ „Sie behauptet, dass sie keinen Weg wüsste, wie unsere Leute aus diesem Elysium herausgeholt werden können. Wie waren doch gleich ihre Worte? Ich bin nur die Erzählerin. Um die physikalischen Kräfte des Universums zu überwinden braucht es mehr als Worte und Phantasie … Ich kann dir nicht sagen, wie du mit einem Raumschiff hinein kommen kannst. Eure Materie ist nicht die meine “ rezipierte Assjima aus der Erinnerung heraus. „Womit wir wieder beim Shuttle und dem Nadelöhr wären. Wie können wir in einen Bereich des Universums gelangen, in dem Wesen leben, die in unserem Bereich nicht existieren können? Und wieso können diese Wesen eine Art Blase schaffen, in der unsereiner überleben kann, nicht aber umgekehrt?“ Sie seufzte. „Ich wünschte, ich hätte damals diesen blöden Pappbecher aufgehoben, den mir die alte Frau in diesem Elysium-Park in die Hand gedrückt hat. Es würde mich nicht wundern, wenn dieser auch noch eine psyonische Reststrahlung gehabt hätte.“ „Sie gehen davon aus, dass es sich bei dieser alten Frau ebenfalls um eine magische Manifestation ihrer eigenen Gedanken handeln könnte?“ Die Deltanerin nickte. „Ja. Ich glaube, dass mir Dimede nur einmal in ihrer wahren Gestalt erschienen ist. In dieser Vision im Subraumkanal, als sie mir die kleine Welt zeigte, auf der Jeremy und Aiso auf uns warten würden.“ „Wir sind ja nun schon ein paar Stunden in Subraumkanälen unterwegs. Haben Sie inzwischen versucht, erneut mit Dimede Kontakt aufzunehmen?“ „Heute Nacht. Aber ich konnte mich nicht so richtig auf meine Mediation konzentrieren. Vielleicht sind wir noch nicht nahe genug am Nebel.“ „Oder Sie sind zu abgelenkt, Assjima. Ich schlage vor, dass Sie sich den Vormittag frei nehmen und etwas entspannen. Ich werde unsere Gedanken derweil zusammen fassen und Captain Vartik sowie den anderen einen kurzen Bericht zukommen lassen.“ Marla erhob sich. „Einverstanden?“ „Einverstanden.“
  14. Das Tor nach Walhalla

    Geschlagene zwei Stunden war Assjima mit der Elmag kreuz und quer durch das Schiff gewandert. Diese weibliche Raumente unterschied sich in fast allem von den männlichen Ok’Ta. Sie war höflich, etwas zurückhaltend und drückte sich überlegt und gewählt aus. Doch war Entack mindestens genauso neugierig. Auch wenn sie es besser versteckte. Sie zeigte an allem und jedem Interesse, lies sich die Replikatoren, den Antrieb, die Schalldusche und vieles mehr bis ins kleinste Detail erklären, unterhielt sich im Casino mit Crewmitgliedern über deren Lieblingsessen, bestand freundlich, aber bestimmt darauf, dass Chef ihr einen seiner Kühlräume mit frischem Gemüse zeigte, untersuchte die Webtechnik des Teppichs in ihrem Quartier und verwies einmal wieder die beiden lautstarken Ok’Ta-Piloten auf der Brücke in ihre Schranken. Zum Schluss saßen sie beide in Assjimas Büro und tranken frisch aufgebrühten Tee. Als die Tassen leer waren erhob sich Entack: „Danke Doktor. Das war ein enorm spannender Rundgang. So vieles bei Ihnen ist mir fremd. Dies wird für mich eine sehr spannende Reise. Aber Sie sehen müde aus und auch ich habe einen sehr langen Tag hinter mir. Ich weiß, dass Sie viele Fragen haben und ich bin mir sicher, dass ich zumindest einen Teil davon beantworten kann. Doch lassen Sie uns das auf morgen verschieben.“ In der Türe drehte sie sich noch einmal um und betrachtete die Deltanerin nachdenklich. „Eine Frage habe ich doch noch … Sie sind Deltanerin. Sie sind sogar eine Priesterin. So wie ich auch eine bin. Aber … warum denken Sie so … wie die vielen Menschen hier an Bord? Sie sind so logisch … ganz anders, als ich mir die Deltaner vorgestellt habe.“ Assjima lächelte. „Das höre ich nicht zum ersten Mal. Vermutlich bin ich zu wenig daheim auf Seyalia. Die Menschen haben die Eigenart, abzufärben.“ Entack schüttelte den Kopf und verzog den zierlichen Schnabel zu einem angedeuteten Lächeln. „Sie sollten so denken, wie Sie es gelernt haben, Assjima. Wie eine Priesterin. Wie eine Heilerin. Wie eine Empathin ... Wie eine Zauberin. Nur so werden Sie Glonta näher kommen. Indem Sie die Perspektive wechseln. Gute Nacht, Doktor.“ Nachdem die Elmag den Raum verlassen hatte, starrte Assjima einige Augenblicke lang Löcher in die Luft. Woher um alles im Universum weiß diese kleine Ok’Ta, dass ich eine … Sie schob den Gedanken beiseite und öffnete das Postfach, in dem einige Nachrichten ungeduldig piepsend darauf warteten, endlich beachtet zu werden. Der mit dem Stein von Gol verstärkte Psychotricorder reagierte auf das Padd von Zsa Zsa Garbor? Ein Shuttle durch ein Nadelöhr zu fliegen? Transporterstrahl? Sie war zu müde, um eingehend darüber nachzudenken und öffnete die Nachricht von Suval. Er hatte ihr die Aufzeichnungen der Sensoren während des kurzen Besuches der Habnó im Arboretum geschickt. Als sie die Kurven und Daten überflog, stockte ihr mit einem Mal der Atem. Das sah aus wie … „Computer … öffne die Aufzeichnungen des Astralscanners während des Einsatzes bei Neria … genauer spezifiziert: die Messungen meiner eigenen Gehirnströme, die vom Scanner verstärkt wurden.“ Mit offenem Mund starrte sie auf die Darstellungen der wellenförmigen Linien, zappte sich zurück zu Suvals Daten, wieder zurück zu den Archivaufzeichnungen. „Bei Assjimagar! Das kann doch gar nicht sein. Computer – öffne eine Verbindung zu Suval.“ Wenige Sekunden später erschien das Gesicht des Vulkaniers auf dem Monitor. „Doktor? Was kann ich für Sie tun?“ „Suval … bitte verzeihen Sie die späte Störung. Könnten Sie bitte etwas für mich überprüfen?“ Nur fünf Minuten später – die Assjima nutze um sich einen Raktajino zu holen (dies könnte eine lange Nacht werden) - flimmerte das Ergebnis des Ingenieurs über ihren Monitor. Er konnte es noch nicht bis in alle Einzelheiten erklären … eingehende Untersuchungen seien nötig … aber es wäre möglich … die Sensoraufzeichnungen von Assjima erster Begegnung mit der Habnó im Casino könnten tatsächlich die Spur eines bislang noch unbekannten Transporterstrahls beinhalten. „Eingebettet in ein Rauschen, das linear dargestellt wie ein Schatten meiner eigenen Gedankenströmungen aussieht …“ Die Ärztin lehnte sich zurück und schloss die Augen „Ich muss die Perspektive wechseln … nicht denken wie ein Mensch, sondern wie eine deltanische … Sie hat Zauberin gesagt, nicht Hexe … Magie! Nicht die Logik, sondern die Magie führt uns weiter … Illusion! Die Perspektive wechseln … Mit anderen Augen hinschauen, denn … sehen ist nicht gleich sehen! Bei Assjimagar – ich bin auf einen genial ausgeführten, aber altbekannten Taschenspielertrick reingefallen!“ Mit einem Wisch flog die Kaffeetasse quer durch den Raum und zerbarst auf dem Fußboden. Vier Stunden, fünf Tassen Raktajino extra stark später und einer starken Inanspruchnahme des Bordarchivs war ihr Bericht an die Führungsoffiziere fertig: Werte Kollegen und Kolleginnen … Was für eine dümmliche Eröffnung, aber ihr fiel in diesen frühen Morgenstunden nichts Besseres mehr ein. Womöglich habe ich eine Spur gefunden. Mir ist aufgefallen, dass die Sensoraufzeichnungen während der beiden Besuche Zsa Zsa Gabors an Bord auffallend meinen eigenen Gedankenströmen während der psionischen Verstärkung durch den Astralscanner ähneln. Suval meint, in den ersten Sekunden des Erscheinens der Habnó im Casino in diesen aufgezeichneten Wellenmustern die Signatur einer bislang unbekannten Transportertechnologie erahnen zu können (Bitte an die Technik um eingehendere Untersuchungen). Ich vermute, dass dieses Padd in dem Moment von unbekannter Hand an Bord gebeamt wurde als Mrs. Gabor im Casino erschien. Die Habnó ist erst erschienen nachdem der Stein von Gol an den Psychotricorder angeschlossen und aktiviert wurde. Wenn nun durch eben diese Konstruktion die Gedanken der Crew erfasst und weitergeleitet werden? (Bitte an Marla und Rev, sich mit diesem womöglich noch etwas abwegig erscheinenden Gedanken zu befassen) Vorausgesetzt, dies wäre möglich, könnten wir Opfer mehrerer magischer Tricks geworden sein, die auf geniale Weise miteinander kombiniert wurden. Ich denke jetzt nicht an irgendwelchen Abrakadabra-Kram (obwohl der durchaus auch damit zu tun hat) sondern von der Wissenschaft der Neuromagie (nicht lachen – das gibt es wirklich. Sogar auf der Erde … schon im 21. Jahrhundert). Die Neuromagie befasst sich mit der Manipulation des Gehirns durch bestimmte Techniken. Neurowissenschaftler stellten sich damals die Frage, wie Show-Zauberer durch Illusion ihr Publikum beeinflussen. Ergebnis: Wir sehen nur das, was wir erwarten! Die Augen fokussieren nur einen bestimmten, sehr kleinen Teil des Gesichtsfeldes. Das am Rande Wahrgenommene erscheint eher unscharf und wird vom Gehirn kompensiert. Zugleich filtert das Gehirn die vielen durch das Auge aufgenommenen Reize bis auf das Wesentliche heraus, um eine Reizüberflutung zu vermeiden. Damit das Gesehene in Bruchteilen von Millisekunden gedanklich umgesetzt werden kann, berechnet das Gehirn das Wahrscheinliche voraus. Dieses Phänomen machen sich Taschentrickkünstler seit Jahrtausenden zu Nutze. Beispiel: Ein Trickkünstler wirft mit der linken Hand einen Ball mehrere Male auf und ab. Plötzlich verschwindet der Ball mitten in der Luft, um später hinter dem Ohr eines Zuschauers hervorgezogen zu werden. Vollkommen unmöglich, aber alle haben es mit eigenen Augen gesehen. Doch was ist tatsächlich passiert? In Wahrheit hat der Ball beim letzten Wurf die Hand des Trickkünstlers niemals verlassen und ist in seinem Ärmel verschwunden. Das Auge hat dies auch ganz deutlich gesehen. Das Gehirn jedoch ist von der logischen Wahrscheinlichkeit ausgegangen, dass der Ball erneut in die Luft fliegt und hat dem Bewusstsein dieses Bild vorgegaukelt. Das Gehirn versucht, die Zukunft zu erahnen. Eine perfekte Illusion, die diese Schwäche des Gehirns ausnutzt. Sehen ist eben nicht gleich sehen, denn es ist die Schlussfolgerung, die die Wahrnehmung bestimmt, nicht die Realität. Trickkünstler nutzen noch andere Schwächen der Wahrnehmung, z.B. das Fokussieren auf einen bestimmten Gedanken, solange bis dieser real erscheint. Oder Ablenkung durch z.B. Schreckmomente, Lachen, weite, runde Gesten, unterhaltsame Reden usw. Worauf ich hinaus will … gesetzt den Fall, dass der Stein von Gol tatsächlich die Gedanken der Crew oder einzelner (empathischer?) Mitglieder an Dritte weiter gibt … Es wäre unter neuromagischen Gesichtspunkten absolut möglich, dass die Gedanken einzelner Personen von außen so beeinflusst werden, dass sie glauben, etwas zu sehen und zu hören ,was in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist (zumindest nicht unter den weithin als „normal“ geltenden Gesichtspunkten). Ich z.B. habe mich nun über Wochen intensiv mit unendlich vielen Mythen unendlich vieler Spezies beschäftigt. Mein Unterbewusstsein jongliert ständig mit diesen Geschichten. Ich erinnere mich deutlich an die Geschichte vom Donauweibchen. Mit Sicherheit habe ich auch irgendwo von deren ungarischer Ausführung, den Habnó gehört, kann mich aber nicht mehr bewusst daran erinnern (Stichwort Reizüberflutung). Dann ist mir eingefallen, dass Sam ein Faible für alte Hollywood-Filme hat und mir den einen oder anderen Film mit Zsa Zsa Gabor gezeigt hat. Mir haben die nicht gefallen – ich habe sie verdrängt. Trotzdem sind sie im Gehirn abgespeichert und abrufbar. Meine Theorie: jemand von außen manipuliert meine Gedanken, mein Wissen, meine Erinnerung dahingehend, dass ich mich mit einer Person unterhalte, die nach meinem Empfingen absolut real erscheint. Womöglich ist auch Kentan ein Opfer dieses Phänomens geworden. Ich will damit aber keinesfalls sagen, dass diese Personen nicht real seien. Zumindest nicht aus der Sicht eines Magiers. Die Wahrheit liegt immer im Auge des Betrachters. Womöglich wurden meine Gedanken benutzt, um eine Tulpa zu schaffen. Wie auch immer: Es wurde möglicherweise ein Wesen geschaffen, durch das es dem Magier ermöglicht wird, mit uns zu kommunizieren. So wir bereit dazu sind, es wahrzunehmen. Ich weiß nicht, ob Dimede hinter all dem steckt, ober ob auch sie nur eine von einem anderen magischen Wesen geschaffene Figur ist. Wie auch immer: ich könnte mir vorstellen, dass wir es mit raffinierter Zauberei zu tun haben. Abgefahrene Tricks, aber keineswegs übernatürlicher Herkunft. Die uns überlassenen Botschaften könnten durchaus dahingehend interpretiert werden: „Der Weg des Helden ist schwer zu erkennen und stets gefahrvoll. Reinen Herzens und voller Mut beschreitet er ihn.“ Reinen Herzens … das beinhaltet eine gewisse Naivität, ein simples Gottvertrauen, Leichtgläubigkeit – sehr anfällig für magische Tricks. Voller Mut … man schaut nicht nach rechts und nach links, man schreitet mutig voran – fruchtbarer Boden für einen begabten Magier. „Wer schafft es, ein Shuttle durch ein Nadelöhr zu bringen? Kein Pilot, aber ein Ingenieur mit einem scharf gebündelten Transporterstrahl“ Logischerweise ja. Aber auch ein Magier schafft das mit einem guten Trick. Wenn z.B. das Nadelöhr nur als Nadelöhr wahrgenommen wird, in Wirklichkeit aber ein breites Portal ist. „Wir verlassen den Orbit in einer scharfen Kurve. Das Echo nimmt nicht den geraden Weg. Der Pfad teilt sich auf.“ Ich denke, nach den vorangegangenen Erläuterungen muss ich dazu gar nicht mehr viel sagen. Aber es gibt den Spruch einer alten Meisterin der weißen Schule, die vor Generationen gesagt hat: „Ich glaube, dass wir alles, was wir wahrnehmen, in eine Geschichte packen, die uns glaubhaft erscheint. Und in diese Geschichte kommt eben nur, was zu der Geschichte passt. Für solche guten Geschichten opfert das Gehirn gern ein bisschen Wahrheit. Denn sie sind es, die unserem Leben Bedeutung geben, Illusion hin oder her.“ Wie gesagt, es sind alles nur Theorien. Aber lasst uns ein wenig darüber nachdenken, und versuchen, die Perspektive zu wechseln. Ich gehe jetzt schlafen. Bitte nicht vor acht Uhr anrufen. Gute Nacht Commander Dr. Assjima
  15. Das Tor nach Walhalla

    Nachdem Assjima der Elmag ihr Quartier gezeigt hatte, zog sie sich für ein paar Minuten ins Arboretum zurück. In einer halben Stunde würde sie sich mit dem Gast im Casino treffen. Obwohl viel Arbeit auf der Krankenstation auf sie wartete, nutze sie die knappe Zeit anderweitig, denn sie sehnte sich nach einem stummen Zwiegespräch mit Emma. Der Eule hingegen stand der Sinn wohl eher nach einem Schläfchen, denn sie zeigte sich nicht. Da fiel Assjimas Blick auf das von Blechbüx verwüstete Tulpenbeet. Sie kniete sich hin und begann, die herausgerissenen Zwiebeln wieder in die Erde zu drücken. „Faszinierend! Die Chefärztin dieses modernen Schiffes ist sich nicht zu gut, mit bloßen Händen im Dreck zu wühlen.“ Assjima drehte sich nur langsam um, denn sie ahnte, wer dort hinter ihr auf der Bank sitzen würde. Diese Stimme hatte sich tief in ihr Gedächtnis. „Zsa Zsa Gabor … welch‘ Überraschung. Wie schön, dass Sie sich diesmal einen Moment ohne Publikum ausgesucht haben, so dass ich mich nicht wieder zum Gespött der ganzen Crew machen muss.“ „Wäre das Ihnen wirklich so peinlich, Doktor?“ Die grünhäutige Frau lehnte sich entspannt zurück. „Ich denke, Ihre Kollegen haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass Ihre Wahrnehmung ein größeres Spektrum aufweist als allgemein üblich. Ich würde sogar wetten, dass sie sich darauf verlassen. Ihr Captain scheint es jedenfalls zu tun. Ein guter Mann übrigens. Er hat diesen drohenden Konflikt mit den Tzenkethi hervorragend gemeistert.“ „Er hatte keine andere Wahl. Und er hat alles richtig gemacht. Trotzdem überrascht mich das Entgegenkommen des Flottenkommandos.“ „Seine Vorgesetzten hatten ebenfalls keine andere Wahl, Commander“ entgegnete die Fremde mit fester Stimme. „Sie wollen damit doch nicht etwa ausdrücken, dass Sie Ihre Finger im Spiel hatten?“ Assjima war inzwischen aufgestanden und rieb sich die Erde von den Händen. „Ich bin nur eine Habnó. Auf solche Dinge nehme ich für gewöhnlich keinen Einfluss. Es war die einzig logische Entscheidung, die gefällt werden konnte, damit die Geschichte ein gutes Ende nehmen kann.“ „Das Flottenkommando interessiert sich nicht für Geschichten. Nur für Ergebnisse.“ „Worin liegt da der Unterschied?“ lachte die Frau. „Ein gutes Ende – positives Ergebnis. Ein schlechtes Ende – negatives Ergebnis.“ „Es sind die Räume dazwischen, die den Unterschied machen.“ „Genau so ist es, Doktor.“ Die Frau erhob sich. „Ich würde gerne noch ein wenig mit Ihnen plaudern, aber der stumme Alarm ist bereits ausgelöst. Reden Sie mit der Elmag. Sie wird viele Fragen beantworten können. Wenn auch nicht alle.“ In diesem Moment öffnete sich das Schott und K’Rissan stürmte von zwei Kollegen flankiert herein. Vor Assjimas Augen löste sich die Fremde auf. Die Deltanerin hörte nur noch ihre Stimme. „Ignorieren Sie diesen Kerl mit dem Bart und der Kutte. Er schätzt sich schon sehr lange falsch ein.“ Die drei von der Sicherheit hatten inzwischen dem lädierten Tulpenbeet den Todesstoß verpasst. „Wo ist sie, Doc?“ fauchte der Caitianer. Assjima schüttelte niedergeschlagen den Kopf. „Ihr habt sie verscheucht, meine Freunde. Koppelt bitte diesen Alarm direkt an meine Signatur und schreitet erst dann ein, wenn unmittelbare Gefahr drohen sollte.“ Sie klopfte dem Kollegen auf die Schulter und verließ das Arboretum, um Tanrim noch vor dem Treffen mit der Elmag Bericht zu erstatten.
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