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  1. Ilay Gador ist ein freiberuflicher IT-Techniker und wird nach einem verheerenden Unfall zurate gezogen. Ein Kommunikationsrelais zum Mars ist plötzlich ohne Vorwarnung explodiert. Eigentlich sollte so etwas nicht möglich sein. Irgendwo müssen passende Daten zu finden sein. Wann ist was ausgefallen, dann könnte man den Unfall nachvollziehen... aber alles auf einmal? Die Regierung bekommt auch von diesem Unglück Wind und setzt eine Agentin auf das Thema an. Ilay kann nichts weiter herausfinden und doch ändert sich sein Leben plötzlich grundlegend. Die Hinweise verdichten sich, dass er selbst dahinter stecken könnte, denn in seiner Vergangenheit, hat er schon einmal wegen Cyberkriminalität einige Zeit im Gefängnis verbringen müssen. Seit vielen Jahren ist er jetzt schon ruhig und hat sich von den Menschen eher zurückgezogen. Doch mit dieser Ruhe ist es jetzt vorbei. Bevor die Behörden ihn schnappen können, hilft ihm überraschend eine Angestellte der Firma, die für das Relais zuständig war - Moira. Als Leser taucht man jetzt in einen Thriller ein. Ein Katz und Maus-Spiel entbrennt, in dem Ilay und Moira den Agenten immer wieder einen Schritt voraus sind. Wie genau, das erfährt man zunächst nicht. Wichtig ist nur, dass Ilay indessen herausgefunden hat, um was es geht, wofür er verantwortlich gemacht werden soll und er findet stichhaltige Beweise, dass er definitiv nichts damit zu tun hat. Hier geht es um kleine Programmschnipsel, die nicht von ihm sein können, da jeder Programmierer seine eigene Handschrift hat. Während der Flucht erfährt man auch wie weit wir in dieser Zukunft mittlerweile sind. Es gibt Raumstationen, eine Basis auf dem Mond und der Mars ist ebenfalls besiedelt. Nur das es hier irgendwann einen Aufstand gab und sich die Siedler mehr Unabhängigkeit von der Erde gewünscht haben. Ende vom Lied war ein kleiner Krieg, mit vielen Toten und die Erde doch gewann. Gibt es Terrorosten vom Mars die eventuell dahinterstecken? Der Autor versucht uns Leser mehr als einmal auf eine falsche Fährte zu locken, was nicht ganz gelingt, da von Anfang an schon viel verraten wird. Dennoch bleibt der Grund und das Wie lange im Dunkeln. Erst zum Finale offenbart er die gesamte Grausamkeit der Idee hinter dem Projekt Eden. Die Welt, in der die Menschen hätten leben können, als Gott sie ihnen gab, bis sie seine Regeln missachteten. Paul Lung erfindet den Thriller hier nicht neu, gibt dem Ende jedoch einen angemessen Schluss. Die Flucht, die Ideen der Zukunft, der Verrat, die Ahnung, welche Gewissheit wird und nicht zu vergessen der Tod. Millionen Menschen die sterben, nur um die Idee einzelner wahr werden zu lassen. Der Spannungsbogen ist in Summe gut konstruiert und auch der Schlusskampf wurde nicht in die Länge gezogen, im Gegenteil, mal einfach durchziehen und Schluss. Die wahnsinnige Idee hinter „Eden“ erinnert zwar ein wenig an einen der James-Bond-Plot und auch sonst sind Parallelen nicht ganz von der Hand zu weisen. Nur, dass IT-Techniker Ilay Gador eben nicht diese Agenten-Ausbildung besitzt, sondern nur durch Zufall im Fadenkreuz steht und das nicht nur von einer Seite. Fazit: Am Anfang war das Ende der Kommunikation, danach folgte der Rest... Paul Lung liefert mit „Das Eden-Projekt“ einen gelungenen Debüt-Roman. Ein Sci-Fi-Thriller, der seinen Helden wachsen lässt, ihn mitschleift, ins All, zum Mond und wieder zurück. Der offensichtliche Gegenpart ist allgegenwärtig, bleibt aber lange still, bis der Größenwahn auch für den Leser offenbart wird. An einigen Stellen alles sehr bekannt, doch hat Paul Lung auch Überraschungen parat und die nicht nur zum Ende hin. Wer „Auf der Flucht“, „Die Insel“ oder „Der Plan“ gut fand, findet hier neues Futter und darf sich getrost unterhalten fühlen... Matthias Göbel Autor: Paul Lung Taschenbuch: 295 Seiten Verlag: Hybrid Verlag Veröffentlichung: 08.12.2016 ISBN: 9783946820031
  2. Es gibt wohl unzählige Geschichten über das Ende unserer Welt. Freddy Vogt präsentiert mit „Apokalypse Schwarze Sonne“ seine eigene Version. Alles fängt schon sehr mysteriös an. Es erscheint plötzlich eine riesige rote Wand im All. Diese verdeckt jetzt unsere Sonne. Sofort sind die Wissenschaftler damit beschäftigt herauszufinden, um was für ein Phänomen es sich handelt. Dank der ISS, hat man auch direkt einige Beobachter vor Ort, welche jedoch auch nicht allzu viel herausfinden. Mit der Zeit ändert sich die Farbe der Wand und irgendwann landen wir beim blau. Damit aber noch nicht genug, es taucht zusätzlich ein riesiges schwarzes Dreieck auf, welches sich allmählich auf die Erde zubewegt. Das alles hat natürlich Folgen und so langsam ist auf der Erde die Ordnung zusammengebrochen. Als Leser folgen wir einigen US-Wissenschaftlern und ein paar Soldaten. Mittlerweile strahlt die Sonne nur noch schwarz vom Himmel und seltsame blaue Quader sind hin und wieder auf der Erde anzutreffen. Freddy Vogt lässt den Figuren dabei wenig Atempause und streicht sogar einige nach ein paar Seiten auch gleich wieder heraus. Andere erleben zwar nicht das Warum, aber es gibt erste Hinweise wer dahinterstecken könnte. Allerdings ist das Ende nur der Anfang der wohl kommenden richtigen großen Geschichte. Die Story zieht sich zwar schön mit einem roten Faden bis zum Ende durch, bekommt aber leider wenig Tiefe in den Figuren. Hier ein Soldat, da ein alter Wissenschaftler, es fehlt eindeutig der Background, um sich den Figuren wirklich nah zu fühlen. Der Autor hat jedoch ein gutes Talent Spannung aufzubauen. So seltsam sich alles anhört, möchte man schon gern wissen, was die Ursache von allem ist. Vielleicht schenkt Freddy Vogt uns noch einen echten Roman über die Schwarze Sonne. Um ein wenig in sein Schaffen eintauchen zu können, gibt es noch eine kurze zweite Geschichte: „Geheimsache Unna“ - Zwei Jugendliche sind auf dem Weg zum Schwimmbad, als sie plötzlich verschwinden. Sie hinterlassen nur ihre Fahrräder und ein Ring aus verbrannter Erde. Das ruft unweigerlich die Polizei auf die Tagesordnung, welche auch gleich ans Werk geht. Wie zu vermuten, gibt es keine echten Anhaltspunkte. Doch nach und nach melden sich plötzlich BKA, LKA, BND, SEK usw. und den einheimischen Polizisten schwant, dass hier irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Eine Reporterin greift auch noch mit ein und bald stecken wir mitten in einer seltsamen Verschwörung mitten in Deutschland. Leider entpuppt sich die Story dann doch als viel zu einfach gestrickt. Die Teenager sollen den Wissenschaftlern helfen? Sind die beiden wirklich so hochintelligent? Das gleiche gilt für das Militär, was einer privaten Firma ein Gelände mit einem alten Atombunker überlässt und stellt keine Fragen was da passiert? Es gibt noch einige andere Ungereimtheiten und für mein Geschmack unnötige Action-Einlagen am Ende. Freddy Vogt schafft es trotzdem einige Spannungsbögen gut zu halten, jedoch war es vielleicht nicht die beste Wahl diese beiden Geschichten miteinander vereint zu veröffentlichen. Wobei die erste, definitiv das Potential für mehr hat, wenn er sich ein wenig mehr Zeit für seine Figuren nimmt und dem Geheimnis dahinter eine schöne Überraschung schenkt. Fazit: Kaufe eins, bekomme zwei... Freddy Vogt verarbeitet in seinem Buch zwei recht klassische Science-Fiction-Szenarien. Wo in der ersten die Erde unterzugehen scheint, verschwinden in der zweiten ein paar Teenager. Beiden Geschichten fehlt leider die Bindung des Lesers an die Figuren. Atmosphäre und Spannung kann Freddy Vogt dennoch gut aufbauen, auch wenn der zweiten Geschichte von Anfang an die Glaubwürdigkeit fehlt. Auf jeden Fall ausbaufähig und der Autor hat sein passendes Genre gefunden. Wer Freddy Vogt kennenlernen will, einfach mal die Leseprobe anschauen: Leseprobe Autor: Freddy Vogt Taschenbuch: 188 Seiten Verlag: Engelsdorfer Verlag Veröffentlichung: 01.07.2021 ISBN: 9783969401736
  3. Eine Welt, irgendwann in der Zukunft. Castor ist ein Planet wie viele andere, mit der Ausnahme, dass hier menschliches Leben möglich ist. Nero und Minerva leben hier mit ihrer Mutter, bis eines Tages der Angriff von Aliens ihre Welt zerstört. Sie überleben und schließen sich den Erdstreitkräften an. Dabei werden sie eher zu Maschinen, als dass sie noch Menschen sind. In der Elitegruppe, die sogenannten ITOs, finden sie ihr neues Zuhause. Ein Kampf nach dem anderen und doch irgendwann erkennt Minerva die Wahrheit. Nero braucht hingegen noch um einiges länger, um wirklich hinter die Kulissen blicken zu können. Als Leser springen wir dabei ständig in den Zeiten hin und her. Mal sind die beiden Kinder und man sieht, wo alles begann, dann ist man wieder mitten im Kampf gegen die Aliens. Welche gar nicht so angsteinflößend aussehen, vielmehr ist der kleine Junge den Minerva rettet eher genau das Gegenteil. Wenn gekämpft wird, sieht man auch was die ITOs so besonders macht. Sie können durch die Kontrolle ihrer Gefühle Monster beschwören. Jeder bringt dabei unterschiedliche Wesen hervor, welche irgendwie auch ein Ausblick auf die Zukunft des ITOs selbst sein sollen. Mit jeder Seite der Geschichte wird immer mehr klar, welche Seite hier wirklich die Verbrechen am Leben begeht. Der Comic schließt mit ein paar Kurzgeschichten ab, welche völlig unterschiedliche Aspekte dieses Universums zeigen. Nero kämpft sich einmal brutal durchs All, um ans Ziel zu kommen und Minerva zeigt in ihrer Story, wie wichtig ihr die Familie ist. Die letzte Story zeigt Liebe, Verrat und Wahrheit vereint. Vielleicht ist die Sammlung an Geschichten am Ende genau das, was dem Hauptteil an manchen Stellen gefehlt hat. Eine sehr eigenwillige Zukunft, ob Aliens oder Menschen, im Endeffekt wollen wir alle doch nur und Leben leben oder? Band 1 hat auf jeden Fall schon einmal gut gezeigt, dass trotz des ursprünglich angenommenen bekannten Themas, etwas ganz anderes erzählt wird. Hinzu kommt auch eine an einigen Stellen vielleicht nicht ganz so detailreiche Art die Szenen im Bild darzustellen, doch genau diese skizzierten Figuren und Bewegungen bringen genau den Schwung und die Spannung, den die Geschichte braucht. Nicht immer alles glatt und artig, manchmal eben etwas kantig und rau. Fazit: Bete gegen deine Unreinheit oder kämpfe! The Impure wirft den Leser von der ersten Seite an in eine düstere Zukunft. Zerstörte Welten, ein Krieg tobt und zwei Geschwister die sich jagen. Durch die fragmentierte Erzählweise, wird man zwar aus dem Lesefluss geholt, erhält aber so die nötigen Hintergrundinformationen. Alles was passiert zeigt, wie Nero der Held sein wollte, der er aber vielleicht gar nicht geworden ist. Als Bonus gibt es noch kleine Kurzgeschichten am Ende, welche schöne Geschenke für Auge und Hirn sind. Hannes Radke und Ralf Singh haben ihr eigenes Science-Fiction-Universum geschaffen, welches Comic-Fans miterleben sollten. Matthias Göbel Text: Ralf Singh Zeichnung: Hannes Radke, Ralf Singh, Fabio Ramacci, Ilaria Fella, Petra Popescu, Katrin Gal Hardcover: 118 Seiten Verlag: Cross Cult Verlag Veröffentlichung: 30.07.2021 ISBN: 9783966584623
  4. Schon einmal ein MMORPG gespielt? Gut, dann muss man nicht viel über die Begriffe in diesem Buch sagen. Wenn jedoch nicht, könnte es sein, dass man sich anfangs wie ein Erstklässler fühlt, der das ABC lernt. Matt Ruff nimmt somit den Nerd, aber auch den normalen Leser mit. In der Story geht es um John Chu. Ein junger Mann, welcher nichts weiter macht, als Computerspiele zu spielen. Er hat es sogar so weit gebracht seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen und hat nebenbei seine eigene kleine Firma gegründet - Sherpa Inc. Sie helfen Spielern gegen Echt-Geld durch einigen Schwierigkeiten im Spiel dem beliebten Computerspiel "Call to Wizardy". Schon bei diesem Namen hat der Autor recht gut Witz bewiesen. John hat sogar einige Angestellte und jeder wird nach und nach in den Kapiteln vorgestellt. Alle haben ihre wirklich überraschend eigene Geschichte, welche sich bei einigen am Ende sogar noch einmal um 180 Grad dreht. Am tiefsten wird Johns „Freundin“ Darla herausstellt, wobei sie seit einigen Wochen nicht mehr online war. John bekommt eines Tages einen Großauftrag. Ein anonymer Kunde möchte alle, wirklich alle! Spiele kennenlernen. Im Klappentext des Buches wird schon verraten, dass es sich eventuell um den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un handeln könnte und so schaltet John seine Mutter mit ein. Sie arbeitet bei einer Firma, die der Regierung recht nahe steht, allerdings erfährt der Leser nicht genau wie nah. Im Verlauf des Buches erlebt man von VR-Spielen, über MMORPGs, bis hin zu Text-Adventures eine bunte Mischung an möglichen Spielen, welche man zusammen online spielen kann. Sehr detailliert beschreibt der Autor hier die Abläufe der Spielphasen, so dass Fans des Genres sich direkt hineinfühlen können. Neueinsteiger werden kleine Probleme haben sich alles genau so vorstellen zu können, aber der Reiz des Neuen wird gut geweckt. Die nebenher erzählte Story über den seltsamen Auftrag spitzt sich natürlich zu. John ist nicht mehr ganz so sicher, dass er hier das Richtige macht, da nicht nur er, sondern auch seine Kollegen bedroht werden. Interessant fand ich die Hintergrundinfos zu Korea. Da hat der Autor selbst einiges recherchiert und glaubhaft niedergeschrieben. Das Gleiche gilt für all die Spiele die er sich hier ausgedacht hat. Klar erinnert es an Vorbilder wie World of Warcraft, Call of Duty oder Guild Wars. Genau das trifft bei Fans auch direkt ins Schwarze. Ein kleiner Glossar am Ende erklärt auch noch einmal einige Begriffe wie z.B. Raid, Loot, Tank etc. Für den Einsteiger nett, auch wenn etwas oberflächlich und von Spiel zu Spiel etwas unterschiedlich. Überflüssig, aber leider heute wohl Pflicht, fand ich die Erläuterungen zum Sex im Internet. Abkürzungen oder sogar der Bau von softwaregesteuerten realen Hilfsmitteln, sind sicherlich nichts Neues mehr und gehören in einigen Haushalten zum Alltag. Immerhin überrascht der Plot am Ende und der Gamer/Leser wird mehr als zufrieden sein. Fazit: Ist das Leben nur ein Spiel? Matt Ruff wollte offenkundig nicht einfach nur einen Thriller in der Gamer-Branche schreiben. Er hat sich sehr viel Mühe gegeben kleinste Details der Spiele darzustellen, zu analysieren und verständlich zu erklären. So gerät man als Neuling prompt in die Versuchung selbst einmal so ein Game zu zocken und als Kenner folgt man gebannt was passiert und was man vielleicht mit seiner eigenen Erfahrung anders gemacht hätte. Die Figuren funktionieren gut und bekommen auch genug Tiefe. Da in verschiedene Spiele eingetaucht wird, erlebt man eine ständige Abwechslung. Genau so bei den Rückblenden zu den Charakteren und der eigentlichen Geschichte mit dem geheimnisvollen Auftraggeber. Sicher denkt man sich wer dahinter steckt, doch bis zum Ende wird die Überraschung aufgehoben. Einiges hätte der Autor ruhig kürzer halten oder streichen können, so gibt es eben doch einen Komplett-Einblick in die Spiele im Netz, nicht nur für den Einzelspieler. Auf jeden Fall ein sehr selten beleuchtetes Thema, was nach Ready Player One, die reale und virtuelle Welt hervorragend miteinander verschmelzen lässt. Matthias Göbel Autor: Matt Ruff Übersetzung: Alexandra Jordan Taschenbuch: 336 Seiten Verlag: Fischer TOR Verlag Veröffentlichung: 25.11.2020 ISBN: 9783596700936
  5. Götter, Sagen, fantastische Wesen - Willkommen in Asgard. Wir alle kennen Thor, Gott des Donners und durch das Marvel Cinematic Universe (MCU) haben sich auch Heimdall und Sif einen Namen gemacht. In dieser Geschichte greift der Autor sich genau diese beiden Figuren und verpasst ihnen ein episches Abenteuer. Der Allvater Odin hat sich zu seinem Schlaf zurückgezogen und soll nicht gestört werden. Normalerweise dauert diese Phase nur wenige Tage, doch diesmal liegt er schon mehrere Wochen in Trance. Währenddessen greifen die Frostriesen aus Jotunheim unaufhörlich an. Aus einigen kleinen Scharmützeln entsteht ein unausweichlicher Krieg. Die Arsen sind stark, doch ohne Odin scheint der Kampf schon fast verloren. Heimdall glaubt nicht an einen Zufall, dass Odin nicht aufwachen kann und der Krieg gegen Skrymir und seine Riesen einen so verheerenden Verlauf nimmt. Er bricht zusammen mit seiner Schwester Sif, trotz drohender Strafe, in die Schlafkammer von Odin ein. Dabei entdeckt er, dass der Kopf des Mimir fehlt. Ein heiliges und mächtiges Relikt. Fortan werden sie gesucht und der Wettlauf um das Überleben von Asgard beginnt. Heimdall kommt dabei durch viele der Welt und darf sogar den Weltenbaum Yggdrasils mit seinen eigenen Augen sehen. Er trifft auf Walküren, fliegende Pferde, Drachen, Trolle und natürlich einige Riesen. Hier regiert eben die Fantasie und nicht wie in den Filmen die Technik. Passend, wenn man auf der Flucht ist, muss man immer wieder zurückschauen und darf trotzdem nie das Ziel aus den Augen verlieren. Bis die beiden Geschwister in Jotunheim angekommen, vergehen schon einige kleine Zwischenabenteuer. Der Autor hat dabei sehr genau die nordische Mythologie studiert. Außerdem hat er die von Stan Lee und den restlichen Marvel-Autoren geschaffenen Welten passend zusammengetragen. Kleine Erläuterungen zu Namen und Hintergrundgeschichten helfen sich zurechtzufinden. Zeitweise fühlt man sich eher an einen Geschichtsunterricht erinnert, auch wenn hier alles eher Fiktion und Mythos ist, fasziniert es trotzdem ungemein. Es wird auch unumgänglich viel gekämpft. Nicht nur einige Riesen verlieren ihr Leben, auch manch unglaubliches Wesen fällt durch Schwert oder Axt. Als aufmerksamer Leser hat man auch recht schnell den/die wahren Übeltäter herausgefunden, doch bleibt das Abenteuer bis zum Ende hin spannend. Man ahnt nicht in welche Schwierigkeiten sie immer wieder geraten. Sicherlich ist die Passage mit dem Weltenbaum etwas schwierig vorstellbar, lässt man sich jedoch darauf ein, funktioniert dieses unwirkliche Universum trotzdem. Thor wird diesmal nur erwähnt und lässt so Platz für zwei Figuren, die in den Filmen viel zu kurz kamen und doch so viel eigene Erzählgewalt haben. Fazit: Möge der allmächtige Odin unendlich über uns wachen und Heimdall seinen Weg finden ihn aus seinem Schlaf zu wecken. Richard Lee Byers schafft es von Anfang an den Leser in die Welt von Asgard zu entführen. Die hier versammelten Wesen treiben die Story voran und bringen ständig wechselnde fantastische Orte zum Vorschein. Heimdall als Held funktioniert gut und auch Sif lernen wir intensiver den je kennen. Wer sich mythologisch weiterbilden will und gern mehr über Asgard und seine Helden erfahren möchte, findet hier eine mehr als würdige Geschichte. Matthias Göbel Autor: Richard Lee Byers Übersetzung: Stephanie Pannen Taschenbuch: 400 Seiten Verlag: Cross Cult Verlag Veröffentlichung: 24.06.2021 ISBN: 9783966584104
  6. Die Erde... mal wieder haben wir Menschen ihr den Rücken gekehrt und finden nicht mehr zu ihr zurück. Eine ferne Zukunft, in der ein Reich aus mehreren Planeten existiert. Ein recht skrupelloser Kanzler führt aktuell das Volk und da verwundert es nicht, dass sich einige das nicht mehr gefallen lassen wollen. Die sogenannten Putschisten haben schon lange keinen Sieg mehr davongetragen, doch plötzlich scheint alles anders. Sie haben neuartige Raumschiffe und plötzlich hat auch die Streitmacht der Regierung Verluste. Von alledem möchte unsere Pilotin zum Anfang des Buches gar nichts wissen. Eine kleine Schmugglerin und Diebin, die sich mit ihrem Kollegen auf eine neue Mission begeben soll. Daten sollen beschafft werden, jedoch ändert sich schnell der Plan und sie sind auf der Flucht. Der Autor baut noch einige andere Figuren ein. Den Kanzler selbst, eine fähige Pilotin des Militärs, einen General, zwei Captains und eine Geheimdienstbeauftragte. Klingt üppig, dennoch kann man dank der recht kurzen Kapiteln dem Gesamtgeschehen gut folgen. Zwischendurch berichtet der Autor über die Geschichte der Menschheit. Wie die KIs sich entwickelten, die Menschen sich trennten und ihre Heimat vergaßen. Er beschreibt auch gut, wie die Schiffe sich fortbewegen und nicht zu vergessen, greift er mehr als einmal zu Stift und Papier und hält die Kämpfe im All fest. Zeitweise denkt man gar nicht in einer so weit entfernten Zukunft zu sein. Raketen und Geschütze schießen sich heiß und hinterlassen nicht als Trümmer. Der Autor hat die Aliens natürlich nicht vergessen. Erste Anzeichen machen die neuartigen Schiffe der Putschisten und auch eine geheime Organisation hat sich der Erforschung dieser vergessenen Rasse gewidmet. Vor tausenden von Jahren verschwunden, tauchen plötzlich immer mehr Artefakte auf. Es dauert zwar eine Weile bis man auf dieses Thema gestoßen wird, danach bleibt man als Leser gebannt dabei. Was haben sie hinterlassen? Sind sie wirklich weg? Wie kamen die Aufständischen an diese Technologie? Vor allem aber, was ist das für ein seltsames Artefakt, dass ganze Flotten vernichten kann? An sich hat die Geschichte damit alles was man von Science Fiction erwartet. Zum Ende hin vollzieht sich eine sagenumwobene Schlacht, zwischen den Putschisten und dem Militär des Kanzlers. Hinzu kommen noch ein paar Wendungen, mit denen man absolut nicht mehr rechnet. Als Leser bangt man, ob wirklich schon so bald das Ende naht? Leider ja. Etwas abrupt nimmt der Autor den Stift wieder aus der Hand und lässt dabei viele Fragen offen. Immerhin lässt er eine Seite in diesem Krieg den Sieg, nur bleibt die Frage, ob der Frieden wirklich halten wird. Allein der Story-Strang der Schmugglerin hätte völlig ausgereicht und das Buch wäre schon genug fasziniert. Für den Einstieg in diese wunderbare Buchserie, alles vorhanden um hängenzubleiben. Fazit: Ein Krieg, ein Sieg... Das die Menschen immer noch so viel kämpfen müssen und vor allem ihre Heimat vergessen haben, ist mehr als schade. Doch in Florian Gräfes Universum gibt es so viele unzählige Ideen für die Zukunft, dass auch diese Probleme irgendwann gelöst werden. Spannend gestrickte Story-Elemente über neuartige Technologien und eine ruppige, aber sympathische Hauptfigur. Die Nebengeschichten beschreiben gut die Vergangenheit, nur die Kämpfe hätten ruhig etwas kürzer sein können, immerhin sind sie abwechslungsreich. Schiffe, Planeten und Raumstation, alles vorhanden und bereit entdeckt zu werden. Ein schönes Werk für Sci-Fi-Fans! Matthias Göbel Autor: Florian Gräfe Taschenbuch: 342 Seiten Verlag: Droemer Knaur Verlag Veröffentlichung: 09.01.2017 ISBN: 9783426216231
  7. Das Ende... mal wieder hat es uns ereilt. Ein Virus, der mehr als 80 Prozent der Menschheit dahingerafft hat. Seine Herkunft ist völlig unklar. Man erkennt ihn an einem kleinen Ausschlag und innerhalb von drei Tagen stirbt man. Es gab keine Heilung und doch haben einige die Apokalypse überlebt. Die „Große Welle“ war in nur wenigen Wochen vorbei und danach trafen sie ein - Die Aliens. Wobei man auch hier sagen muss, dass alles recht wage beschrieben wird und man nicht genau weiß, ob es Aliens oder was auch immer sind. Seltsame Wesen, meist mehrere Meter groß, in deren Nähe man auf keinen Fall geraten sollte. Sie sind nicht etwa aggressiv oder angriffslustig. Der menschliche Körper reagiert eben nur darauf und kann daran sterben. Da haben wir zum einen den Typ Migräne, hier kann es zu Blutungen im Hirn kommen, an denen man stirbt oder der Typ Widerling, hier wird Angst und Ekel hervorgerufen und es kann zu einem Herzstillstand kommen. Ich gebe zu, dass ich anfangs nicht genau wusste, wie das mit den Aliens gemeint ist, aber später wird alles noch einmal in Textform von einem Reporter/Erzähler genauer beschrieben. In dem Comic selbst wird die Geschichte von Andrew Kennedy erzählt. Ein ehemaliger FBI Agent, welcher damals allein ein paar Tage vor seiner Familie in die Berge fuhr. Dort wartete er vergebens auf die Ankunft seiner Frau und den Kindern. Das ist jetzt sieben Jahre her und er hat sich mit einigen Überlebenden zusammengetan. Auf der andere Seite werden die Widerständler vorgestellt, welche nicht ganz so heroisch erscheinen wie der Name es vermuten lässt. Sie stehlen, morden und unterdrücken, damit sie gegen die Aliens antreten können. Wobei bisher nicht ein bestätigter Fall bekannt ist, dass sie je erfolgreich waren. Die Story verläuft zum Teil recht heftig und blutig und auch das Ende wird euch mit offenem Mund stehen lassen. Nur einer der Gründe, warum die Menschen sich irgendwann wirklich selbst vernichten werden. Marcial Toledano hat sich bei den Figuren recht viel Mühe gegeben. Passende Gesichtsausdrücke und gekonnte Szenen für die Action. Die Aliens hingegen wirken eher ungenau, nicht wirklich greifbar, wie etwas, dass man unter dem Mikroskop eher sieht, aber nicht mit den eigenen Augen. Fazit: Widersteht dem Widerstand! Das ein Virus die Welt verändert, hat Corona in den letzten Jahren deutlich gezeigt. Wenn dieser so aggressiv wie hier, zwei drittel der Menschen dahinrafft, ist das so unglaublich, wie die Ankunft der darauffolgenden Aliens. Deshalb nimmt man diese Tatsache erst einmal so hin und genau hier baut Sylvain Runberg eine spannende Story auf, in der die vermeintlichen Helfer, eher zu den Unterdrückern werden. Als Comic funktioniert die Geschichte sehr gut, da Marcial Toledano allgegenwärtig seine Figuren im Griff hat. Selbst wenn es brutal und heftig wird, findet er genug Abstand, dass man die Details als Leser trotzdem gut mitzuerleben. Eine gelungene postapokalyptische Geschichte, über das Ende, den Ursprung und dass Leben darin. Matthias Göbel Text: Sylvain Runberg Zeichnung: Marcial Toledano Übersetzung: Jano Rohleder Hardcover: 64 Seiten Verlag: Cross Cult Verlag Veröffentlichung: 28.05.2021 ISBN: 9783966583503
  8. Zeitnahe Science Fiction liest sich immer besonders, weil man sich schon mitten in den Ereignissen fühlt. In Laura Lams Zukunftsversion hat der Klimawandel nicht aufgehört. Viele Städte sind überflutet und auch sonst ist man selten ohne Maske auf den Straßen unterwegs. Der Mond wurde zwar als Außenstadtion für die Menschen genutzt, aber in der Unterhaltung einfach zu teuer, um dass es die Menschen weiterbringt. Der Mars, als nächster möglicher Planet, wird aktuell einem Terraforming-Projekt unterzogen, was allerdings noch viele Jahrzehnte in Anspruch nimmt. Dank einiger tief ins Weltall blickender Sonden, wurde ein erdähnlicher Planet gefunden. Mit Hochdruck haben Wissenschaftler und Ingenieure an einem Raumschiff und einer ausgefeilten Antriebstechnologie gearbeitet. Lichtjahre zu überbrücken scheint nicht mehr das Problem, die Frage ist jetzt nur, wer bringt dieses Schiff durchs All? Schon hier hat die Autorin eine überraschende Idee, denn eine Crew von fünf Frauen stiehlt die „Atalanta“ und begibt sich auf diese so wichtige Reise, um eine zweite Heimat für die Menschheit aufzubauen. Valerie Black als Anführerin dieses Coups bekommt natürlich auch sehr viel Background, wobei alles eher aus der Sicht von Naomi Lovelace erzählt wird. Alle fünf Frauen sind absolute Spitzenklasse, egal ob Biologin, Ärztin oder Ingenieurin, ihr Wissen und Können macht sie perfekt für diese Mission, nur wären sie nie dafür ausgewählt worden, da Frauen in dieser Zukunft es immer noch schwer haben bestimmte Positionen zu bekleiden. Zwischendurch wird immer wieder auch die Geschichte von Naomi genauer betrachtet. Wie sie ihren Mann kennengelernt hat, sich scheiden ließ, wie sie Waise wurde, wie sie zu Valerie kam, wie sie bei den NASA-Tests ganz von mitspielte und doch nicht genommen wurde und wie sie eigentlich jemand liebte, der schon immer da war, sie ihn aber nie so richtig wahrnahm. Nach dem Start des Raumschiffes gab es natürlich viel Aufregung und auch die Crew machte sich Sorgen um ihre Zukunft. Dennoch, der Ausblick eine neue Heimat aufzubauen, die ersten zu sein, welche diese neue Welt betreten und die Chance, alles besser zu machen, als auf der Erde, sind einfach verlockend groß. Die Zeit auf dem Raumschiff liest sich ebenfalls sehr detailliert und durchdacht. Habitate für die Sauerstoffproduktion und Nahrung, der Aufbau des Schiffes und der Antrieb, alles in kurzen kleinen Abschnitten erklärt, doch vielmehr geht es um die Geschichte und Figuren selbst. Denn auf dem Raumschiff findet die Crew noch so einige Geheimnisse, mit denen sie nicht gerechnet hätten und auch Valerie trägt noch ein furchtbares Geheimnis. Man kann in keiner Minute vorahnen was passieren wird. Der Zustand der Erde klingt ebenfalls erschreckend nah, wenn man sich umschaut, was wir heute schon erleben. Nur der Warp-Antrieb war vielleicht etwas zu viel Utopie. Dennoch sitzt man als Leser sehr schnell neben Naomi und verfolgt ihre Geschichte. Viele ihrer Gedankengänge kann man gut nachempfinden. Später auch die Fragen und das Misstrauen, alles in einem wohldurchdachten Verhältnis und zum Ende hin ist man immer noch schockiert, was alles im letzten Drittel des Romans offenbart wird. Ein Auf und Ab der Ereignisse, welche nicht mehr aufzuhalten sind... oder gibt es doch noch ein Happyend? Fazit: Diesmal machen wir alles besser! Es wäre schon schön zu wissen, dass wir Menschen eines Tages die Chance haben, noch einmal von vorn anzufangen. Alle Fehler, die wir auf unserem Planeten gemacht haben, würden wir vermeiden und ein Paradies liegt uns zu unseren Füßen. Laura Lam hat mit „Das ferne Licht der Sterne“ einen überraschend wendungsreichen und spannenden Sci-Fi-Roman geschrieben, welcher durchweg unterhält. Viele Details der Figuren festigen ihre Sicht der Dinge und durch die schockierenden Enthüllungen, will man unweigerlich wissen, wie es mit Naomi und der Crew der „Atalanta“ weitergeht. Eine Geschichte die beängstigend ehrlich zu uns Menschen ist, wie wir mit unserer Heimat umgehen und hoffnungsvoll weitsichtig, dass wir doch noch einmal eine Chance auf eine bessere Zukunft bekommen. Gefühlvoll und fesselnd, auf jeden Fall lesen! Autorin: Laura Lam Übersetzung: Kristina Koblischke Taschenbuch: 384 Seiten Verlag: Droemer Knaur Verlag Veröffentlichung: 01.06.2021 ISBN: 9783426527009
  9. Was wäre, wenn plötzlich der Strom weg wäre? Mal ehrlich, eine wahrlich schreckliche Vorstellung. Was wir allein in den letzten einhundert Jahren dieser Erfindung zu verdanken haben, darüber allein kann man mehrere Bücher schreiben. Markus Mattzick lässt sein Roman im mittelhessischen Dorf Umbach spielen. Hier lebt Malte mit seiner Familie, wobei seine Frau Simone gerade in Hamburg ist, als plötzlich der Strom verschwindet. Nicht nur die Lichter gehen aus, auch alle Akkus sind leer, kein künstlich erzeugter Strom existiert mehr. Kein Telefon, keine Computer, keine Autos, Radio, TV - alles Geschichte. Ich muss gestehen, dass ich doch recht überrascht war, wie anfänglich noch alle Menschen recht entspannt mit dieser Situation umgegangen sind. Sicherlich hat jeder schon einmal einen Stromausfall erlebt, aber in solch einer Dimension? Würde man da nicht von Anfang an schon in Panik geraten? Neben Malte erleben wir noch die Sicht der Dinge von vielen anderen Personen. Eine echte Herausforderung für den Leser, hier wäre eine Konzentration auf wenige viel intensiver und besser gewesen. Nachdem der erste Tag überstanden ist, heißt es für Simone, sie muss 400 Kilometer zu Fuß nach Hause und für Malte und den restlichen Dorfbewohnern beginnt das Leben wie vor 150 Jahren. Es wird zusammen überlegt, wie man die Menschen versorgen kann und so sind Wasser und Nahrung als Erstes anzugehen. Von der Regierung lässt sich keiner blicken, also müssen die Bewohner selbst ans Werk. Brunnen werden zu Wasserlieferanten und Bauern werden die wichtigsten Personen im Dorf. Doch was ist mit den Kranken im Krankenhaus oder den Insassen in einem Gefängnis? Was ist mit den Stadtbewohnern, werden sie irgendwann, wenn die Essensvorräte alle sind, in die Dörfer kommen? Wie können sie sich verteidigen? Auf all das gibt es nach und nach Antworten und auch Simone wird kennenlernen, dass von Nächstenliebe in wenigen Tagen nach einer solchen Katastrophe ziemlich schnell nichts mehr übrig bleibt. Was anfänglich noch spannend klang und auch mit logischen Schritten vorangeht, verläuft sich immer mehr in ein bekanntes Dystopie-Klischee. Banden beherrschen die Gegend und Mord ist nichts weiter als die zwingende Möglichkeit, sich Essen oder Wasser zu beschaffen. Über das Phänomen des verschwundenen Stroms erfährt man leider gar nichts. Es wird am Ende zwar noch einiges dazu erklärt, aber in der Story fehlt leider dieses spannende Erzähl-Element. Eher mischt der Autor ein wenig Sex mit dazu, was zwar in der Natur des Menschen liegt, aber in dieser Story irgendwie völlig unpassend platziert war. Die Figuren selbst entwickeln sich nur langsam, wobei Simone mit ihren Erlebnissen auf ihrer Heimreise hier herausbricht. Ansonsten hat der Autor aber einige heftige Momente gefunden, wie weit die Menschen am Ende in solch einer Situation gehen würden. Der Bericht eines Gefängniswärters oder wie die stillen Maschinen in den Krankenhäusern die Leben nehmen, da bleiben einige nachhaltige Bilder im Kopf. Fazit: Ohne Strom – Keine Moral? Sind wir wirklich schon so verwöhnt, dass wir in wenigen Tagen ohne Elektrizität zu Mördern werden? Markus Mattzick hat sich viel Gedanken über den Aufbau einer autarken Siedlung gemacht, welche sich irgendwann gegen eine Überzahl von hungrigen Flüchtlingen wehren muss. Im Endeffekt hätte nur die Geschichte von Malte und Simone ausgereicht, doch leider wirken zu viele Figuren, als dass man wirklich tief in die Einzelgeschichten eintauchen kann. Anfangs noch sehr ruhig wird es später immer heftiger. Hier findet Markus Mattzick einige nachdenkliche und eindrückliche Szenen, versäumt aber leider dem Leser das Rätsel des Phänomens schmackhaft zu machen. Es bleibt beim Aufbau der Kreisläufe der Versorgungsketten und den Schutz des Dorfes. Irgendwie schade, denn grundlegend hätte man aus der Idee weitaus mehr machen können. Autor: Markus Mattzick eBook: 391 Seiten Verlag: Markus Mattzick Veröffentlichung: 12.06.2021 ISBN: 9783754131732
  10. Wir alle haben in den letzten beiden Jahren lernen müssen, wie es ist mit einer weltweiten Pandemie umzugehen. Dabei können wir von Glück reden, dass die Wissenschaft diesmal ein Heilmittel gefunden hat. Sarah Pinborough & F. Paul Wilson geben der Menschheit in ihrer Version einer Seuche allerdings nicht diese Chance. Der Roman erzählt die Geschehnisse aus mehreren Blickwickeln. Da haben wir Nigel, einen Reporter, welcher gerade mit einen der letzten Flüge nach England unterwegs ist. Seine Recherchen haben schon so einige Sensationen ans Licht gebracht und auch diesmal scheint er auf der richtigen Spur. Seine Frau Abby ist eine weitere Hauptperson. Sie ist schwer krank und leidet an der Autoimmunkrankheit Lupus. Zuletzt ist da noch Henry, wobei dieser nur kurz aber heftig auftritt. Zwischendurch gibt es Nachrichten aus England und der Welt, was gerade passiert und wie die Seuche wütet. Von Seite zu Seite wird klar, wie ein kleiner Fliegenbiss den menschlichen Körper innerhalb von drei Tagen dahinraffen lässt. Die Fliegen verbreiten sich rasend schnell, den die Toten dienen gleichzeitig auch als Wirt. Nur noch komplett verhüllt lässt man sich draußenblicken. Immer mehr von der aufgebauten Zivilisation bricht zusammen. Ob Polizei, Feuerwehr, TV, Radio, Mobilfunk, die Lieferketten für die Geschäfte und so weiter. Alles verschwindet und jeder muss sehen wo er bleibt. Hat das Gott wirklich alles so gewollt? Nur eine der Grundfragen, welche hier analysiert werden. Nachdem Nigels Recherche mehr Schaden als Nutzen verursacht hat, begibt er sich auf die Suche nach einem vermissten Jungen. Er will noch einmal das Richtige tun. Abby hingegen will das Licht sehen, bei Gott sein und endlich diese Welt verlassen. Es ist schon mehr als bedrückend und schwer zu lesen, was ihr durch den Kopf geht. Hinzu kommt noch ein selbsternannter Messias, welcher seine Anhänger den Fliegen aussetzt, denn nur wer in den Augen Gottes würdig ist, wird diese Krankheit überstehen. Der Wahnsinn kennt am Ende eben kein halten mehr. Man kann sich die schlimmsten Dinge ausdenken, doch der Mensch schafft es diese immer wieder zu übertreffen. Wo genau diese Seuchenfliegen herkommen bleibt lange ein Geheimnis. Vielleicht war es doch nur eine zufällige Mutationen? Die Waagschale in der wir eines Tages treten, wenn wir vor dem Schöpfer stehen zeigt wie gut wir auf Erden waren. Ein guter Mensch kommt in den Himmel, alle anderen... hier versuchen die beiden Autoren sehr gut durchdacht das Thema Gott, Glaube und im Gegensatz die Wissenschaft miteinander diskutieren zu lassen, was wunderbar funktioniert. Die allgemeine Stimmung ist allerdings so traurig und düster, wie ich sie kaum in einem Roman erlebt habe. Man ist sehr schnell, sehr nah bei den Figuren und erlebt das Ende buchstäblich hautnah mit. Wer hätte gedacht, dass so ein kleines Insekt die ganze Menschheit dahinraffen kann... Fazit: Beeindruckend! Sarah Pinborough & F. Paul Wilson ging das Ende des Romans sicherlich selbst an die Nieren. Spannend verfolgt der Leser das Schicksal der Hauptcharaktere und will das unausweichliche mit aller Macht verhindern. Kommt Gott sie alle zu richten oder bleibt ein kleiner Teil am Leben? Tiefgründige Gespräche über das Sein, schreckliche Taten des Homo Sapiens und eine derart beklemmende Atmosphäre, dass man manchmal kurz durchatmen muss. Dystopie auf höchstem Niveau und ihr werdet Fliegen plötzlich mit ganz anderen Augen sehen. Autoren: Sarah Pinborough & F. Paul Wilson Taschenbuch: 225 Seiten Verlag: Luzifer Verlag Veröffentlichung: 31.05.2021 ISBN: 9783958356160
  11. Seit wir wissen, dass es auf dem Jupitermond Kallisto Eis gibt, fasziniert dieser Trabant und löst allerhand Spekulationen aus. Autorin Kathleen Weise hat ihn auch für sich entdeckt und lässt eine Crew von Spaceworkern hier ihre Arbeit verrichten. Eine tote, öde, eisige Umgebung, mehr muss man sich nicht vorstellen und doch sind wir in einer Zukunft, in der wir die Raumfahrt schon recht gut im Griff haben. Konzerne machen sich selbst das Leben schwer und der Wettlauf, um die besten Plätze und die ersten festen Außenposten auf anderen Planeten, hat längst begonnen. Der Mars und Mond sind bereits bewohnt und werden industriell genutzt, jetzt soll Kallisto folgen, jedoch geht hier etwas seltsames vor. Einige Crewmitglieder der Mission leiden plötzlich unter hohem Fieber. Das löst arge Bedenken auf der Erde aus und ein Scheitern dieser Mission scheint unausweichlich, da bereits der Pilot der Mission gestorben ist. Die Autorin zerlegt die Story in kleine Abschnitte. Auf der einen Seite haben wir einen alten Spaceworker, welcher sich mit ein wenig Schmuggel ein wenig nebenbei seinen Unterhalt verdient. Dann haben wir noch die Vorstandsmitglieder eines Konzerns und ihr Vorgehen untereinander und ihre Pläne für die Mission. Zuletzt haben wir noch die eigentliche Crew auf dem Mond und ein Ermittler auf der Erde, welcher versucht herauszufinden, was ein paar Tote auf der Erde mit einem alten Spaceworker zu tun haben. Wie man sieht bekommt die Geschichte allerhand Ebenen. Was an sich erfrischend ist und man sich die Komplexität dieser Zukunft besser vorstellen kann. Sehr detailverliebt schreibt Kathleen Weise über jeden einzelnen Charakter. Warum und wie jemand z.B. seine Beine verloren hat, was aus ihm wurde oder wie es ist, jahrelang allein in einer Mond-Station zu leben, ohne dabei verrückt zu werden. Doch ich muss gestehen, dass mir die Dialoge gefehlt haben. Es gibt eher eine Thrid-Person-Sicht aller Dinge. Wie eine Erzählerstimme, die sich an einige Dialoge zwar erinnert, aber alles andere nur berichtet. Für meinen Geschmack fehlt dadurch oft die Nähe zu den Figuren, obwohl sie allerhand Tiefe aus den vielen Details bekommen. Geschmackssache halt und auch was die Science-Fiction angeht, greift sie gar nicht so tief in das Thema ein. Raumschiffe fliegen und Stationen funktionieren. Konzerne reagieren, kämpfen untereinander und sollte doch dem ein oder anderen etwas passieren, wird man ersetzt. An einem Strang der Story hält sich jedoch fest, denn in dem Eis von Kallisto. scheint etwas mehr als nur Wasser zu sein. Irgendwo da draußen wird es sie geben - Die Aliens. Wie auch immer sie aussehen werden, der Mensch wird nicht ewig allein sein. Doch darum geht es in diesem Buch gar nicht vorrangig. Gefühlt war es Kathleen Weise wichtiger den Figuren einen Zukunft-Rahmen zu geben, indem sie alle funktionieren, sich einfügen und jeder seinen Platz findet, was ihr auch gelungen ist. Das der ein oder andere Charakter dann doch nicht das Ende des Romans miterlebt, macht es spannend, nicht zu wissen, wen es als nächstes erwischen könnte. Fazit: Das Geheimnis des eisigen Mondes... Kathleen Weise lässt den Leser auf dieses interessante Rätsel los und nimmt uns mit ins Jahr 2104. Der Weltraum ist kleiner geworden, wo die Menschen jetzt schon auf dem Mars arbeiten und leben und das nächste Ziel heißt Jupitermond Kallisto. Dabei greift die Autorin das Thema der Bergarbeiter auf und schickt diese einfach ins All – So wurden die „Spaceworker“ geboren. Sehr detailliert nimmt sie sich jeden Charakter vor und erzählt dabei Unmengen an Wissen und Hintergrund. Selbst die Konzern-Oberhäupter bekommen ein wenig mehr Tiefe als gewohnt, nur blieben leider für meinen Geschmack die Dialoge auf der Strecke. Ein Sci-Fi-Krimi mit großer Erzählbandbreite, in der sich das ein oder andere Detail verliert, aber Spannung definitiv gefunden wird. Autorin: Kathleen Weise Broschur: 448Seiten Verlag: Heyne Verlag Veröffentlichung: 08.02.2021 ISBN: 9783453320826
  12. Ganz entspannt, es geht hier nicht um einen Virus Namens „Corona“, welcher die Enterprise befällt. Vielmehr werden auf dem Schiff so einige neue technische Neuerungen ausprobiert. Es werden Computer einbaut, welche auf der einen Seite das Kommando übernehmen können und ein zweites Paar, dient zur Einschätzung der Behandlung von Patienten. Damit alles auch einen offiziellen Touch bekommt, wird eine Reporterin mit an Bord genommen. Captain Kirk hatte noch nicht einmal die Zeit sich genau mit den Neuerungen zu befassen, da wird er auch schon von der Sternenflotte zu einem Einsatz geschickt. Eine Gruppe von vulkanischen Forschern untersuchen im Black Box-Nebel den Entstehungsprozess von Protosternen. Irgendwann ging ihr Signal verloren und alle dachten, dass es sie nicht mehr gibt. Zehn Jahre später kommt nun dieser Hilferuf an. Ein perfekter Auftrag für die Crew der Enterprise, um auch gleich die neuen Gerätschaften zu testen. Eine erstaunlich umfangreiche Geschichte die Greg Bear sich ausgedacht hat. Er schafft es die Mehrteilung der Geschehnisse ruhig aneinanderzureihen. Die Crew erforscht zuerst die alte Station, welche verlassen scheint, doch wird viel später erst das wahre Geheimnis gelüftet. Wo McCoy sich Sorgen um die starke Strahlung des Nebels macht und seine ruppige Art immer wieder Mittelpunkt seines Seins ist, so kämpft Scotty mit den Maschinen, welche ebenfalls einiges zu leisten haben. Kirk, Uhura, Spock und Chekov bekommen ebenfalls ihre Auftritte und man ist sofort wieder mitten drin. Der Autor hat sich sehr genau an die Figuren gehalten. Selbst kleine Details, wie das Singen von Uhura oder Kirk's Nachdenken, über das Problem ein Schiff zu befehligen, finden ihren Platz, genauso wie die Idee mit den Monitoren. So eine KI kann sicherlich alles mögliche entscheiden, wenn sie richtig darauf programmiert wurde, aber was, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert? Reicht es aus das Wissen von ein paar Captains zu nehmen, um jeder Eventualität Herr zu werden? In Star Trek gab es dieses Dilemma nicht erst einmal, hier allerdings auf eine schön traditionelle Weise gelöst. Was hat das alles aber mit Corona zu tun? „Eine fremde Macht namens Corona will die Galaxis ins Chaos stürzen.“ heißt es in der Ankündigung zu diesem Roman und genau darum geht es auch im Hintergrund. Doch was sie ist und wie sie es machen will, da wünsche ich euch eher selbst den Spaß den ich beim Lesen hatte. Es wird so ziemlich alles aufgefahren, was man von der klassischen Enterprise kennt. Lange Dialoge, kurze Gefechte, ruhige Erzählweise, Kirk als Mittelpunkt, aber dennoch finden alle Figuren ihre Zeit den Platz mit ihm zu tauschen. Genau hier hat der Autor ein sehr gutes Händchen bewiesen. Inhaltlich ist Corona trotz ihrer anscheinenden Omnipotenz und des Alters, dennoch nur ein Lebewesen auf der Suche nach sich selbst und der Gesellschaft der gleichen Art. Fazit: Dem Ende so nah und doch so fern! Die Enterprise-Crew als Forscher, Entdecker, Retter und Testobjekt. Diesmal wäre es fast schief gegangen und doch hat die wohl beste Crew der Galaxis es wieder einmal gemeistert. Nicht ganz ohne fremde Hilfe, aber dafür mit absoluter Bravur. Der herrlich passende Charme der Serie wird von Greg Bear sehr gut aufgefangen. Kleine unnötige Wege der Story gehören dazu, sind aber schnell vergessen und der Name Corona, sollte keinen von euch abschrecken hier reinzuschauen, der Fan der Original-Crew wird hier begeistert sein und definitiv seine Freude haben. Autor: Greg Bear Übersetzung: Andreas Brandhorst eBook: 284 Seiten (Printausgabe) Verlag: Heyne Verlag Veröffentlichung: 25.02.2014 ISBN: 9783641114558
  13. Dalt ist ein Beobachter und aktuell auf einem fremden Planten, um die hier lebende Bevölkerung unerkannt zu erforschen. Plötzlich stürzt jedoch ein Raumschiff ab und Dalt gerät in einer Höhle mit einer fremden Lebensform zusammen. Nach seinem Erwachen ist sie verschwunden... jedoch ist da plötzlich diese Stimme. Klingt alles noch nicht ganz so spannend und der Anfang liest sich wirklich etwas holprig. Zumindest lässt der Autor so dem Leser genug Zeit seine beiden Hauptcharaktere besser kennen zu lernen. Dalt hört jetzt immer wieder die Stimme von einem Symbionten in sich. Er nennt ihn irgendwann Part. Dieser Symbiont kann viel mehr, als Dalt auf die Nerven gehen, denn sie teilen sich jetzt beide diesen einen Körper und er soll noch lange leben. Part hat die Möglichkeit auf bestimmte Funktionen des Körpers zuzugreifen und hier hat der Autor spannende, witzige und auch fantastische Ideen verarbeitet. Durch die Symbiose wird Dalt auch unsterblich, was dazu führt, dass er seine Mitmenschen um sich herum nach und nach verliert. Eine Frau für ihn kommt nach dem ersten Verlust kaum noch in Frage. Er arbeitet auch nicht mehr als Beobachter, er wechselt das Fach und wird Mediziner. Hier kommt er auch das erste mal in Verbindung mit einer seltsamen psychischen Seuche. Die Patienten sind wie autistisch gelähmt und nicht in der Lage mit der Außenwelt zu kommunizieren und leiden starke Schmerzen. Keine Therapie und kein Medikament konnte bisher helfen. Doch durch die neu entwickelten PSI-Kräfte, schafft es der Symbiont von Dalt dieses Problem zu lösen - Der Heiler ist geboren. Schnell spricht sich seine Fähigkeit herum und er steht im Mittelpunkt des ganzen Planeten und darüber hinaus. Die Jahre vergehen und der Heiler verschwand für ein paar Jahre oder besser Jahrzehnte. Er lebte für sich und suchte nach neuen Herausforderungen, lernte seinen Symbionten besser kennen und auch seine neuen Fähigkeiten. Doch immer mit der gleichen Stimme im Kopf, unsterblich und keine Möglichkeit mal für sich zu sein, da wünscht man sich irgendwann den Tod. Allerdings ist da noch diese Seuche, welche übrigens nur Menschen befällt und die hält ihn noch eine lange Zeit auf Trab. Die Zeitspannen der Geschichte sind schon recht gewaltig, dafür aber gut erklärt und gelöst. Die Abenteuer der Beiden sind nahtlos aneinandergereiht und zeigen wie sie sich zusammenraufen, fetzen und dann doch wieder vertragen. Das Ende hat etwas zu viel übertriebene Kampfeinlagen parat, schließt aber dennoch die Geschichte in Summe gut ab. Selbst das Dilemma, wenn nach so vielen Jahrhunderten die beiden Geister wieder getrennt wären wird erlebt, so wie die Faszination der Liebe oder die Möglichkeit ein Gott zu sein. Im Nachhinein bleibt die Frage, ob es sich wirklich lohnt unsterblich zu sein? Könnte man den Preis dafür zahlen, nie wieder allein zu sein? Nicht immer selbst entscheiden zu können und selbst im Schlaf nicht weiß, was sein Körper gerade macht? Fazit: Zwei außer Rand und Band - Obwohl es nur ein Körper ist. Ich fand die Idee mit dem zweiten Bewusstsein im Körper interessant und an vielen Stellen wurden auch gut pointierte Einfälle verarbeitet. Den Dialogen hört man gerne zu und man denkt mit, wie man selber empfinden würde. Der ganz große Rahmen der Geschichte, der Kampf gegen die Seuche, wird erst zum Ende hin wirklich klar. Auf die Waffen hätte Wilson ruhig verzichten können, zeigt aber noch einmal die Zeit der 70/80er Jahre, wo dieser Roman entstand. Als Erstroman dennoch stark und wer Francis Paul Wilson außerhalb seiner „Handyman Jack“-Reihe lesen mag, ist hier gut aufgehoben. Autor: Francis Paul Wilson Übersetzung: Barbara Heidkamp Taschenbuch: 218 Seiten Verlag: Bastei Lübbe Verlag Veröffentlichung: 1982 ISBN: 9783404220458
  14. Wenn sie eintritt die Apokalypse, wie wirst du dann auf deine Vergangenheit zurückschauen? Mit etwa diesem Gedanken sollte man an diesen Comic herangehen. Es wird nicht einfach nur eine Story abgespult, sondern es gibt fünf einzelne Schicksale, welche mit einender verknüpft werden. Das Cover verrät schon, dass wir es mit Zombies zu tun haben werden. Alles fängt irgendwo im Eis der Antarktis an. Sara Lemons ist Wissenschaftlerin und sie versucht anhand einer Bohrung herauszufinden, wie sich das Klima in den letzten Jahrtausenden entwickelt hat. Sie stößt dabei zufällig auf einen konservierten Leichnam. Keine Sorge, wir sind hier nicht bei „Das Ding aus einer anderen Welt“, wobei es sicherlich leichte Ähnlichkeiten gibt. Jetzt wird die Story aufgeteilt, wir erleben den Straßenjungen Daniel Martinez, welcher sich mit Betteln sein Lebensunterhalt verdient. Saga Watanabe ist ein Auftragskiller in Tokio, Fatemah Shah lebt in Afghanistan und hat sich mit einer Gruppe von Frauen zusammengetan, welche schreckliche Schicksale erlebt haben. Zum Schluss noch B.J. Hool, ein schüchterner Nerd, welcher schon vor vielen Jahren anfing einen Bunker zu bauen, welcher jetzt mehr den je zu seiner Heimat wird. Eine interessante bunte Mischung, aus der man nicht wirklich einen Charakter herausheben kann, da alle ihre eigene Geschichte haben und alle fünf erleben das Ende der Menschheit auf eine ganz eigene Art und Weise. Daniel Martinez schafft es z.B. die erste Welle in den Tunneln der Stadt zu überleben, da die Zombies hier nicht hineinklettern. Watanabe nutzt seine Waffen, um sich blutig einen Weg zu seinem Ziehvater zu bahnen und trifft dabei mehr als einmal mit seinen Kugeln die Köpfe der Untoten. B.J. Hool hingegen legt sich einen Zombie Killer Van zu und versucht über Funk andere Überlebende zu erreichen. Nur Sara Lemons scheint der Grundstein allen Übels gelegt zu haben oder gab es diese Untoten schon immer? Hier hat der Autor eine sehr interessante These aufgestellt, dass es in den letzten Jahrhunderten immer wieder Aufzeichnungen gab, wie diese Zombies schon einmal das Licht der Welt erblickt haben. Ob im Mittelalter oder weit davor, der Tod war ihnen anzusehen, auch wenn die Schriften manchmal etwas andere gesagt haben. Die Zeichnungen sind durchweg gut. Gerade durchdachte Linien, gut gewählte Farben und auch die Zombies sehen „nett“ aus, wobei sie ruhig etwas häufiger hätten auftreten können. Blut gibt es dennoch genug und davon wird auch noch einiges mehr fließen… Fazit: Der Tod dauert so lange bis er eintritt und manchmal kommen sie wieder. Zombies haben schon immer die Menschen fasziniert. Ihre Herkunft ist genauso unerklärlich, wie ihr Verhalten. Benjamin Percy hat die einzelnen Geschichten in kurzen, sehr prägnanten Passagen aufgeteilt. Man erfährt viel über die Charaktere und will wissen was aus ihnen wird. Die eingeflochtenen Story-Elemente, wo der Zombie herkommen könnte und der Rückblick in die Vergangenheit der Menschheit sind brillant erklärt. Hinzu kommen passende Zeichnungen von Ramon Rosanas und Farbe von Lee Loughridge. Mit den Cover-Kollagen von Kaare Andrews schließt sich der Kreis. Eine Zombieapokalypse die ganz anders als The Walking Dead den Figuren tiefer auf den Grund geht. Text: Benjamin Percy Zeichnung: Ramon Rosanas, Lee Loughridge, Kaare Andrews Übersetzung: Frank Neubauer Hardcover: 144 Seiten Verlag: Cross Cult Verlag Veröffentlichung: 30.04.2021 ISBN: 9783966583381
  15. Was wird mit uns Menschen in der Zukunft einmal passieren? Wie werden wir uns entwickeln? Sehen wir vielleicht nicht einmal mehr so aus, wie wir es die letzten Jahrtausende gewohnt sind? Gibt es anderes Leben da draußen und was werden diese Wesen über uns sagen? So viele Fragen und Brian W. Aldiss nimmt sich mit dieser Ausgabe, verpackt in einigen Kurzgeschichten, der Menschheit an. In dieser entfernten Zukunft, leben die Menschen in einem Sternenhaufen am Rande der Galaxie und haben ihre Heimatwelt längst vergessen. In der Einstiegsgeschichte „Eine Art von Kunstfertigkeit“, lernen wir einen Forscher kennen, welcher auf einem Planeten ein neuartiges Wesen erforschen soll. Hier wird schon deutlich, dass der Autor einen doch recht eigenen Schreibstil hat. Die Menschen leben mittlerweile gesund gezüchtet in streng festgelegten Hierarchien und doch haben immer noch die Chance auf Weiterentwicklung. Leider holt der Autor den Leser hier noch nicht ganz ab, da allein das Handeln des Hauptcharakters zu Ende hin doch arg verwirrt. Das gleiche gilt für die zweite Geschichte „Wie es ist, Soldat zu sein“. Dabei werden Soldaten dank neuster Pillen in den Kampf geschickt, auch wenn diese noch gar nicht bis zum Ende hin erprobt sind. Was ist am Ende Wirklichkeit und was Traum? Zumindest hat Aldiss sehr gut Bezug zu bekannt gewordenen Experimenten nehmen können, welche schon im 2. Weltkrieg an Soldaten erprobt wurden. „Die Unterprivilegierten“ ist wiederum der kleiner Schatz dieser Kurzgeschichten-Sammlung. Ein Alien-Pärchen, wird auf einem Planeten voller Menschen gebracht. Beide mit Angst, dass alles nicht so wird, wie sie es sich vorstellen. Sie finden allerdings schnell einen netten Einheimischen, der ihnen hilft. Er zeigt ihnen den Weg, die Gegend und gibt wertvolle Tipps. Bis zum Ende hin glauben die beiden nicht, dass hier das Paradies auf sie warten könnte und doch kommen sie nie wieder von hier weg. „Das Spiel Gottes“ beschreibt einen alt-würdigen Abenteurer, welcher auf einem Planeten abgestürzt ist. Nach 19 Jahren wird er wiedergefunden und soll nun ein wenig über die hier ansässigen Aliens berichten. Mehr und mehr finden die Retter/Biologen jedoch heraus, dass alles längst nicht so ist, wie ihnen der alte Held erzählt hat. „Legenden von Smith Burst“ und „O Mond meiner Freude“ runden die Sammlung schlussendlich ab. Mit diesen unterschiedlichen Einblicken in die Leben der Menschen, erfährt man hier und da was die letzten Jahrtausende passiert ist. Es gibt Schiffe die schneller als das Licht sind, Farmer, Soldaten, Aliens, Unterdrückung, Kunst, Kultur... Aldiss reißt nur in Nuancen das an, was möglich ist zu erzählen. Er wählt dabei für meinen Geschmack, oft eher zu beiläufige Ereignisse und an einigen Stellen merkt man recht deutlich, dass diese Storys aus einer Zeit stammen, in der unsere Welt selbst mit argen Problemen wie Krieg und die Angst vor dem Fremden zu kämpfen hatte. Satzbau und Erzählaufbau sind zeitweise auch etwas umständlich und dennoch sind einige Ideen gut durchdacht und in gar nicht so weiter Ferne. Fazit: Wenn wir es wirklich irgendwann schaffen unsere Erde erfolgreich zu verlassen, wird Brian W. Aldiss auf irgendeinen diesen fernen Planeten lächelnd vom Himmel schauen. Zum Großteil nimmt er in seien Kurzgeschichten keine großen Helden in den Mittelpunkt. Der einfache Mensch, schreibt hier die Story, in einer unwirklichen Gesellschaftsform, leider ohne Frieden, aber in neuen kreativen Heimatwelten. „Die Unterprivilegierten“ sticht besonders hervor und klingt so echt und zeitlos, dass man allein deswegen mal reinschauen sollte. Die restlichen Geschichten haben zum Teil Länge, trotz ihrer Kürze. Bedenkt man jedoch, dass er diese Sammlung von Texten 1964 schrieb, staunt man immer wieder, wie weit er schon vorausgeschaut hat. Auf jeden Fall etwas für seine Fans, in einer soliden neuen elektronischen Ausgabe. Autor: Brian W. Aldiss Übersetzung: Wulf Bergner eBook: 370 Seiten Verlag: Heyne Verlag Veröffentlichung: 13.07.2020 ISBN: 9783641256609
  16. Städte wachsen und wachen seit vielen Jahrhunderten. Gebäude werden höher, der Verkehr dichter, die Menschen leben gedrängter zusammen und das Atmen fällt oft schwer. Peking war schon immer eine Stadt der Superlative und des Wandels. In dieser Zukunft jedoch ist alles deutlich anders. Die Stadt wurde in drei Sektoren aufgeteilt. Im ersten leben die Politiker und die die das Sagen haben. In der zweiten die Mittelschicht und entsprechend im letzten Sektor leben die unterprivilegierten Einwohner. Damit nicht genug, die Stadt hat noch eine Besonderheit, die faltet sich alle 24 Stunden. Wie soll man sich diesen Vorgang vorstellen? Häuser klappen einfach so zusammen? Was ist aber mit den Menschen? Genau das war auch der Reiz ,diese kleine Novelle in die Hand zu nehmen. Eine ganze Stadt dreht sich zweimal um sich selbst? Diese höchst interessante Ingenieurskunst wird allerdings nur in Ansätzen beschrieben, da muss schon die eigene Vorstellungskraft weiterhelfen. Wir begleiten während der Geschichte Lao Dao aus dem dritten Sektor. Er arbeitet seit vielen Jahren in einer der vielen Müllverwertungen und versucht über die Runden zu kommen. Soll das immer so weitergehen oder gibt es da noch mehr? Eines Tages findet er etwas bei der Arbeit und dank eines alten Freundes, welcher schon einmal in den anderen Sektoren war, findet auch er seinen Weg. Dieses Abenteuer, was er jetzt erlebt, beschreibt wunderbar das Leben in und mit der Stadt. Die einzelnen Zyklen des Faltens sind dabei immer auch ein Wechsel in eine völlig eigene Welt. Hao Jingfang hat bei ihrer Geschichte wohl mehr als nur den technischen Ablauf im Sinn gehabt und deshalb geht es auch mehr um die Gesellschaft und das Leben an sich. China ist auch in dieser Zukunft geteilt. Eine herrschende Elite bestimmt das Leben aller. Vielfalt und Eigenwilligkeit findet keinen Platz. Das Leben funktioniert in festgelegten Bahnen und nur wer sich daran hält erlebt den Morgen und den dazugehörigen Abend. Lao Dao dient offensichtlich der als Rebell, mit der die Autorin, auch wenn nur in Nuancen, Kritik an der aktuellen Regierung übt. Ein wirklich echtes Zusammenleben der einzelnen Schichten würde nie funktionieren. Nur sehr selten gelangt man von einem Sektor in den anderen. Meist ist die familiäre Herkunft entscheidet darüber, wo man sein Leben findet. Das Herz von Lao Dao ist definitiv am richtigen Fleck und die Gründe für seine Strapazen und das er sein Leben regelrecht aus Spiel setzt sind schon sehr rührend. Vielleicht sind wir alle heute schon gefangen in einer Stadt(Staat) welche wächst und die Schichten immer mehr trennt. Fazit: Alles gleich, bis du es selbst änderst! Hao Jingfang hat mit dieser kleinen Geschichte nicht nur zurecht einen Hugo Award gewonnen, sie kann anschaulich und detailliert das einfache Leben eines Menschen einfangen, welcher sich nach mehr sehnt, als im immer gleichen Trott unterzugehen. Die Kritik am System und der Vergleich zum heutigen China ist allgegenwärtig, auch wenn man die angenehmen Kleinigkeiten des Lebens wiederfindet, egal in welcher Schicht man lebt. An einigen Stellen versucht man sich sogar als Leser die Gerüche des Essens oder des Marktes vorzustellen, was dank der Worte gut funktioniert. Technisch hätte ich mir ein wenig mehr Details gewünscht, dennoch taucht man in eine Welt ein, welche eine fesselnde Faszination ausübt. Matthias Göbel Autorin: Hao Jingfang Übersetzung: Jakob Vandenberg eBook: 79 Seiten Verlag: Rowohlt Verlag Veröffentlichung: 24.01.2019 ISBN: 9783644405035
  17. Den Auftakt in diese schöne kleine Sammlung von Kurzgeschichten macht James H.Schmitz mit seiner Geschichte: „Der Puppenspieler“. Die Menschen haben in seiner Vision der Zukunft mittlerweile die Fähigkeit entwickelt PSI-Sinne einzusetzen. So können sie z.B. sich nur in Gedanken unterhalten oder aber auch andere Menschen steuern. Außerdem ist es möglich, dass künstliche Abbilder von Menschen geschaffen werden, welche so täuschend echt aussehen, dass der ein oder andere sie nicht erkennen kann. Telzey ist eine der Wenigen welche PSI-Fähigkeiten besitzt und als sie eines Tages eine Frau sieht, die ihr merkwürdig vorkommt, versucht sie den PSI-Kontakt - Doch nichts passiert. Sie macht sich auf die Suche nach dieser Frau und landet am Ende bei dem der bekanntesten Theaterregisseur ihrer Zeit. Allerdings hat er menschliche Puppen als Schauspieler und eine sieht jetzt genau so aus wie sie. Ein kurzer Thriller, welcher am Ende eine recht überraschende Wendung nimmt und die sogenannten Puppen in einem ganz neue Licht erscheinen lassen. H. Beam Piper liefert mit „Der Tag des Idioten“ die wohl beste Geschichte ab. Ein Ingenieur wird beauftragt in einem Atomkraftwerk ein neues Sicherheitssystem einzubauen. Er hat allerdings die Befürchtung, dass einer der Arbeiter nicht ganz bei der Sache ist oder gar geistig nicht fähig genug seine Aufgabe korrekt umzusetzen. Er lässt alle Mitarbeiter von einer Psychologin testen, doch nicht jeder ist damit einverstanden, als „Idiot“ hingestellt zu werden und das hat mächtige Folgen. Die Gewerkschaft greift ein und selbst der Präsident der USA hat plötzlich ein Wörtchen mitzureden. Wer ist am Ende aber wirklich der Idiot? Die wohl bekannteste Story hat Harry Bates mit „Der Tag an dem die Erde still stand“ mitgebracht. Ein Raumschiff landet auf der Erde. Lange ist es still, bis ein riesiger Roboter und ein humanoid ähnlicher Außerirdischer aussteigen. Doch gab es unter den Menschen auf viele welche Angst vor diesen Besuchern hatten und so wurde der Humanoid erschossen. Seitdem steht der Roboter still, bewegt sich kein bisschen und scheint nur darauf zu warten, dass sein Herr wieder zurückkommt. Dieser ist mittlerweile beerdigt worden und die Menschen hoffen, dass sie trotzdem noch guten Kontakt zu den Wesen aufnehmen können. Es wird ein Museum um das Raumschiff gebaut, in der Hoffnung, dass sie irgendwie Zugang zum Schiff oder dem Roboter gelangen. Ein Reporter will es genau wissen und schleicht sich nachts ins Museum. Was er hier erlebt, verändert alles. An einigen Stellen überraschend einfach gehalten und doch ist die Story weltbekannt. Am Ende schließt Randall Garrett mit „Die unheimliche Freiheit“ die Sammlung ab. Auf einem Raumschiff lebt und arbeitet Jaim Jakom Diego als Meister Schätzer. Er berechnet Wahrscheinlichkeiten wann etwas wo oder wie eintrifft und manchmal muss er eben „schätzen“ was als nächstes passiert. Sein Assistent ist noch lange nicht so weit und seine Fehler muss Diego mit ausbaden. Beim nächsten Landgang will er etwas in einer Bar trinken, doch kommt er nicht mehr auf das Schiff zurück. Vielmehr wird er ausgeraubt und später als Vertragsverbrecher gesucht. Man muss noch wissen, dass die Menschen hier ähnlich wie in einem Kastensystem leben. Keiner ist gleich, alle haben ihrer Herkunft nach ein passendes Benehmen und den dazugehörigen Status. Es gibt Klasse 1-6 und auch noch die Privilegierten. Diego selbst liegt als Schätzer auf Klasse 3 und versucht nun zurückzukommen. Dabei nutzt die einheimische unterste Klasse, lernt ihr Leben kennen und was es mit den Rebellen auf sich hat. Er lebt kurzzeitig das Leben eines völlig neuen Lebens. Fazit: Kurzgeschichten haben den Vorteil, dass die Autoren recht schnell zur Sache kommen. Der Nachteil wiederum, manchmal möchte man als Leser noch länger in diesen Welten verweilen. „Der Tag an dem die Erde still stand“ überrascht, da die Geschichte nur sehr wenig mit dem zu tun hat, was man aus den beiden Verfilmungen kennt. „Der Tag des Idioten“ spricht für sich, da es diese Menschen in ihrer Form immer so geben wird und „Die unheimliche Freiheit“ hat starke Bilder eines streng eingeengten Systems, aus dem man nicht ausbrechen kann. Nur „Der Puppenspieler“.ist an einigen Stellen etwas zu einfach gestrickt, hält aber dafür nette Kleinigkeiten aller „Ex Machina“ verborgen. Am Ende bleibt mir nur übrig eine Empfehlung auszusprechen, da man einige Autoren neu entdecken kann und inhaltlich zeitlose Themen bearbeitet werden. Matthias Göbel Autoren: James H.Schmitz, H. Beam Piper, Harry Bates, Randall Garrett Übersetzung: Christian Dörge, Heinz Nagel, Ute Seeßlen, Udo H. Schwager eBook: 176 Seiten Verlag: Apex Verlag Veröffentlichung: 24.01.2019 ISBN: 9783743880924
  18. Raumschiffe, Weltall, Aliens... ja so stellt man sich Science Fiction oft vor, doch Autorin Hedy Löwe geht da einen etwas anderen Weg. Ein wundervoller Tag, dass Meer ist ruhig und die Planken unter den Füßen des Kapitän knarren im Wind... Sind wir hier wirklich in einem Sci-Fi-Roman? Aber sicher, denn wir befinden uns auf dem Planeten Beta-Atlantis. Weit weg von der menschlichen Zivilisation leben hier humanoide Wesen und das in einem Zeitalter, sehr ähnlich dem der Erde des 18. Jahrhunderts. Sie sehen den Menschen zwar recht ähnlich, können aber unter Wasser atmen und haben eine andere Hautfarbe. Was machen aber die Menschen hier auf diesem Planeten? Selbst wenn sie keine neuen Planeten mehr besiedeln müssen, finden die Menschen diese Wesen interessant und um sie nicht mit ihrer Technik zu überfordern, erforschen sie die Meere und Inseln der Bewohner als getarnte Einheimische. Auf riesigen alten Schiffen kartographieren sie jeden Zentimeter und leben mit den „Aliens“ in Koexistenz zusammen. Immer im Hinterkopf diese Wesen besser kennenzulernen, wird daraus ein Spiel. Keiner darf die wahre Herkunft verraten und da mehrere Schiffe unterwegs sind, beschießen diese sich schon mal mit Farbkugeln, um herauszufinden, wer der beste Kapitän ist. Einer dieser ist Skye Collins, der während eines Landgangs, plötzlich einen Verletzten auf sich zurennen sieht. Hier beginnt nun eine regelrechte Odyssee. Es handelt sich um ein junges Mädchen, welches schrecklich zugerichtet wurde. Da sie sich kaum an etwas erinnern kann, bleibt ihr Geheimnis lange sicher. Als Leser wird man nun immer mehr Zeuge einer überraschenden Verschwörung. Welche Wahrheit hinter den Absichten vieler Beteiligter steckt, lässt sich zu keiner Zeit wirklich erraten. Neben den kurzweilig beschriebenen Seeschlachten, gibt es auch heftige Stürme, aus den das ein oder andere Schiff nicht heil herauskommt oder aber, man lernt urplötzlich einen neuen Charakter kennen, welcher neue Details ins Spiel bringt. Denn wo die einen denken zu wissen wer die Fäden zieht, sind andere längst dabei neue Stricke zu drehen. Etwas zu einfach erklärt fand ich die Zuneigung zwischen einigen Figuren, jedoch soll Liebe ja bekanntlich blind machen und unglaubliche Kräfte freisetzten können. Die Hauptfiguren wechseln sich hingegen gut ab, die Kapitel sind übersichtlich gehalten und jede Beschreibung, ob auf Wasser oder der Aliens und Technik sind nachvollziehbar bildstark. Roman-Reihen leben, wie auch TV-Serien davon, mit einem Cliffhanger aufzuhören und so ist es auch hier. Kurz bevor man denkt, das Finale ist nah, ist die Geschichte auf einmal vorbei und man hat gar nicht mitbekommen, wie viele Stunden man gerade gelesen hat. Fazit: Eine frische Brise im sonst oft so klassisch gehaltenen Sci-Fi-Genre. Hedy Löwe hat mit ihrer Mischung aus Science-Fiction- und altertümlichen Fantasy-/Abenteuer-Roman eine Nische gefunden, welche nur selten besetzt wurde. Einzelteile daraus kennt man auch aus Star Trek, wenn z.B. eine „unterentwickelte“ Rasse nur beobachtet wird oder ein großangelegtes Spiel auf einem Planeten stattfindet. Die Geschichte besticht durch gut funktionierende Charaktere, fundierte Details der See und abwechslungsreichen Kapiteln. Etwas mehr Sci-Fi wäre noch schön, ansonsten – Mach weiter Hedy! Matthias Göbel Autor: Hedy Löwe Taschenbuch: 314 Seiten Verlag: www.hedy-loewe.de Veröffentlichung: 30.10.2020 ISBN: 9783748168805
  19. Bei der schier unendlichen Größe des Alls, schafft es auch die Föderation nicht überall gleichzeitig zu sein. Vor vielen Jahren war ein Forscherteam auf dem Planeten „Fliegendreck“. Die Untersuchungen haben ergeben, dass es hier allerhand seltsames Leben gibt, jedoch konnte man nicht genau feststellen, wie intelligent diese Lebewesen sind. Mittlerweile ist so viel Zeit vergangen, dass sich ein erneuter Besuch lohnt und so soll die Crew der Enterprise sich genau umschauen und neue Daten und Fakten sammeln. Besonderes Augenmerk gilt dabei den drei dort lebenden Spezies und vielleicht ist sogar ein Vertrag mit der Föderation drin?! Der Anfang verläuft relativ entspannt. Die Wissenschaftler forschen sich durch die Pflanzenwelt und auch McCoy darf/muss Daten sammeln. In den Folgen der TV-Serie und auch den Filmen, war die Überbelastung einer Raumschiffcrew mehr als einmal Thema und auch diesmal geht die Autorin genauer darauf ein. Nicht nur der Captain eines Schiffes steht unter ständiger Anspannung. Selbst der beste Arzt kommt an seine Grenzen - er muss es sich nur eingestehen können. Im Lauf dieser Geschichte lernt die Crew einen Vertreter der drei Rassen genauer kennen. Nach McCoy, begibt sich schlussendlich auch Captain Kirk auf den Planeten und übergibt, wie der Name des Buches es schon verrät, dass Kommando an McCoy. Nicht ahnend, was dem armen Doktor bevorsteht. Solange alles ruhig ist, kann fast jeder diesen Job machen, doch sobald Klingonen auf dem Schirm auftauchen... Ja, richtig, es wird nicht lange gefackelt und schon kommt der Erzfeind Nummer eins ans Tageslicht. Dabei soll es aber nicht bleiben, denn auch die Piraten des Orion werden noch eine wichtige Rolle spielen. Während der Captain eine doch recht ungewöhnliche Unterhaltung mit dem „Meister“ hat, steht McCoy das Wasser bis zum Hals, allerdings gibt er nicht auf und kommandiert sich durch manch heikle Situation. Hier sei gesagt, dass der Roman zum Ende hin doch etwas anstrengender. Dem Leser werden viele technische Details zu verschiedenen Flugmanövern erläutert, was dem einen interessieren könnte, der andere wünschte sich aber eher nur eine kurze Action-Phase. Der Planet beherbergt drei wirklich seltsame Rassen. Sprechende baumartige Wesen und Felsen oder geleeartige Formwandler und alle haben sich zur gleichen Zeit, unabhängig voneinander, auf diesem Planeten entwickelt? Das klingt überraschend und wird auch so beschrieben. Besonders interessant ist Kirks Erlebnis, wobei McCoy als Kommandant sich überraschend viel einfallen lässt. Da ist selbst Spock diesmal etwas sprachlos und dürfte den Doktor danach mit anderen Augen sehen. Etwas Überflüssig fand ich die Nebengeschichte der Klingonen auf dem Planeten, aber so war der Grund ihrer überraschenden Ankunft besser zu erklären. Fazit: Vom Labor auf den Kommandositz! In dem Roman steht McCoy zurecht im Mittelpunkt und kann mit seiner knurrigen Art und manch Kommentarspitze schnell die Erinnerung an die alten Abenteuer wach werden lassen. Fremdartige Lebewesen und den kleinen Ausflug von Kirk, werdet ihr wie er auch so schnell nicht vergessen. Da es nicht nur um Science Fiction geht, sondern auch um die Belastbarkeit von Führungskräften, wird die Menschlichkeit der Figuren deutlich. Das Grübeln alles richtig zu machen und für so viele Leben verantwortlich zu sein, manchmal mehr als nur eine Herausforderung. Den Job als Captain hat McCoy erstaunlich gut gemeistert, doch bleibt sein Revier die Krankenstation. Für Nostalgiker lohnt sich definitiv ein Blick ins Buch... Matthias Göbel Autor: Diane Duane Übersetzung: Ronald M. Hahn Taschenbuch: 258 Seiten Verlag: Heyne Verlag Veröffentlichung: 25.02.2014 Erstveröffentlichung: 1995 ISBN: 9783641115135
  20. Eine schier unlösbare Mission – Finde anderes Leben in den Weiten des Alls. Das Raumschiff Arcturus ist mittlerweile seit fünf Jahren unterwegs, doch bisher ist der Erfolg ausgeblieben. Im Gegenteil, die Stimmung der Besatzung sinkt von Tag zu Tag. Was am Anfang noch mit Euphorie und Enthusiasmus begann, kippt langsam um, in eine träge alltägliche Aufgabe ohne Sinn und Ziel. Hier greift der Autor auf die Isolation der Menschen zurück und kann recht gut und nachvollziehbar beschreiben, dass irgendwann die Luft raus ist und man einfach nur noch nach Hause will. Die Mission hinter sich lassen und endlich wieder etwas bedeutendes machen. So macht sich der Captain des Schiffs zurecht Gedanken darüber, dass es zu einer Meuterei kommen könnte. Doch dann passiert es, weit draußen werden seltsame Daten von einem Planeten aufgefangen. Sie sind so ungewöhnlich, dass sich ein Besuch lohnen könnte und Lieutenant Gary Slater ist sich sicher, dass sie endlich am Ziel sind. Der Planet ist allerdings wirklich sehr ungewöhnlich, denn wie der Name des Romans es schon verrät, gibt es hier überall nur Wasser. Ein riesiger Ozean umhüllt diese Welt und soweit das Auge reicht gibt es nur Wasser. Doch so richtig freuen sich die Besatzungsmitglieder gar nicht, denn es scheint hier kein Leben zu geben. Werder jetzt, noch früher - Nichts deutet darauf hin. Schließlich wird doch noch eine Landmasse entdeckt und das Raumschiff kann landen und mit genauen Untersuchungen beginnen. Damit startet der Roman in die nächste Phase. Diese leere Welt entpuppt sich eher als Herberge von zwei computergesteuerten Intelligenzen, welche zwischendurch immer wieder auftauchen und sich über die fremden Wesen, welche gelandet sind unterhalten. Welche Absichten sie haben und wie die Geschichte ausgeht, kann man als Leser jetzt noch nicht vorausahnen. Der Autor nimmt sich ein paar klassische Ereignisse, wie etwa das Verschwinden eines Besatzungsmitgliedes und mischt das mit recht klassischen Konsequenzen. Das der Mensch mit seinen Emotionen oft überfordert ist, erkennen nicht nur die KIs, sondern wird ein jeder selbst schon einmal erlebt haben. Dennoch driftet der Roman zum letzten drittel hin in ein reines Action-Szenario. Was vorher noch geheimnisumwittert klang, wird von Gewalt und Gewehr abgelöst. Irgendwie schade, da man als Leser irgendwie herausgerissen wird. Dennoch hat Moore einige nette Idee parat, wie er sich die Gegner der Menschen vorstellt. Geprägt durch die technische Revolutionen der 70er Jahre, gibt es Roboter, Laser und mächtige Computer. Das Ende kommt dann doch schneller als man denkt und somit weiß die Menschheit zumindest endlich mit Sicherheit, dass sie nicht mehr allein sind in diesem Universum. Fazit: Klassisch und doch irgendwie anders. Der Einstieg ist wunderbar menschlich gehalten. Raumfahrer, welche sich ihrer Sache sich nicht mehr sicher sind und doch wollen sie an der Mission festhalten, auch wenn der Geist so schwach geworden ist. Dann die Entdeckung des Planeten – großartig! Der Verlauf zum Kampf hin nimmt dem Roman für meinen Geschmack zwar das Geheimnisvolle, gibt ihm aber den passenden Charme der Zeit aus der er stammt und lässt überraschend viele Ideen zurück, welche nur einem geschulten Science-Fiction-Geist entspringen können. Matthias Göbel Autor: Harris Moore Übersetzung: Horst Kube, Christian Dörge Taschenbuch: 228 Seiten Verlag: Apex Verlag Veröffentlichung: 22.11.2019 Erstveröffentlichung: 1971 ISBN: 9783748721.505
  21. Die fernen Welten, sind manchmal viel näher als man meinen mag. Philip José Farmer zählt sicherlich mittlerweile zu den Science-Fiction-Autoren, welche man als Fan des Genres schon einmal gehört haben sollte. Mit „The Lovers“ schlug er damals ein Kapitel auf, welches gesellschaftlich das Leben seiner eigenen Zeit besser wiederspiegelte, als manch zeitgenössischer Roman. In der Hauptrolle erleben wir Hal. Ein junger sehr spezialisierter Lehrer einer Universität, welcher sich in seinem aktuellen Leben mehr schlecht als recht durch die Zeit boxt. Seine Beziehung zu seiner Frau ist unwirklich, da er sie weder liebt noch sie in irgendeiner Form anziehend findet. Doch so ist das eben, wenn man kollektiv vereinigt wird, ohne dass man die Chance hatte sich kennenzulernen. So lernen wir auf den ersten Seiten nicht nur ihn kennen, sondern auch die Zeit, in der er lebt. Alles wird auf irgendeine Weise kontrolliert und überwacht. Allein dieses Gefühl wird aus den 60er Jahren mittransportiert und landet wie hier in der Zukunft. Die Menschen haben mittlerweile Raumschiffe entwickelt und fliegen hinaus zu den Sternen, kommen jedoch meist ohne Fund auf anderes Leben zurück. Bis Hal eines Tages die Möglichkeit bekommt sein Sprachtalent einzusetzen, da ein Planet mit Lebewesen gefunden wurde, welche nun besucht werden sollen. Jetzt hat Hal die Chance sein altes Leben komplett hinter sich zu lassen und er begibt sich auf ins Abenteuer. Die Aliens beschreibt Farmer recht interessant und sie unterscheiden sich von uns Menschen schon recht deutlich. Interessant wird es aber, als Hal eine Frau trifft, welche sehr menschlich aussieht, er sich in sie verliebt und er sie fortan vor allen anderen versteckt. Doch was sie wirklich ist, erfährt er erst zu Schluss. Bis dahin wird das Thema Rassismus, Angst vor dem Anderen und der typisch menschliche Drang, alles mit einer Bombe zu töten was unterschiedlich ist, unter die Lupe genommen. Sprache spielt ebenso eine große Rolle, wie die Entdeckung der Gefühle in sich selbst. Doch hat Farmer mit diesem Text sicherlich nicht die gesamte neue Zeit überstanden, da es oft doch sehr zäh und stockend vorangeht. Sprünge in der Handlung sind ebenfalls keine Seltenheit und manch Idee ist zu einfach aus dem Hut gezaubert und dennoch hat das Ende in seiner Gänze das Überraschungsmoment und schenkt dem Leser noch einmal Sci-Fi pur. Fazit: Leben und lieben, solange sich die Erde dreht... Auf fernen Welten wird es irgendwann Leben geben und selbst wenn wir es nur dahingebracht haben. Doch auch hier werden sie sich finden, die Liebenden und sich fortpflanzen und ihr Leben leben. Zurückblickend bleibt die Geschichte von Philip José Farmer zwar nachhaltig im Kopf, kann jedoch aufgrund ihrer konfusen Wortstruktur nicht jeden Leser erreichen. Herausfordernd seltsam… Matthias Göbel Autor: Philip José Farmer Übersetzung: Jürgen Inhoff Klappenbroschur: 158 Seiten Verlag: Knaur Verlag Erscheinungsdatum: 01.07.1978 ISBN: 9783426007037
  22. Was wir sind und was wir aus uns machen, entscheiden wir im Erwachsenenalter völlig allein. Das uns Umstände dabei formen und uns damit auch andere Wege bereitet werden ist genauso logisch, wie dass man nicht immer die richtigen Entscheidungen trifft. Simon Wächter ist Sicherheitsfachmann und als er langsam aus einem gefühlten Koma erwacht, wird er von einem Polizisten verhört. Er soll den Bundeskanzler getötet haben. Nur das er sich an nichts der letzten Tage erinnern kann. Völlig wie im Nebel stochert er in seiner Vergangenheit und schafft es nicht ein klares Bild zu bekommen. So richtig Beweise haben die Ermittler anscheint auch nicht und als er wie durch ein Wunder wieder nach hause kommt, beginnt der Roman erst richtig. Der anfängliche Dunst und die Undurchsichtigkeit halten bis zum Ende an. Es wird erst später klar, was Simon getan hat und wer er in Wirklichkeit ist. Der Autor nimmt sich als Schauplatz Berlin und er kennt sich hier recht gut aus. Ob Straßen oder Gebäude, man findet sich schnell zurecht. Simon hingegen ist auf der Suche nach seinem Leben, Er findet hier ein Hinweis, da ein Zettel mit Buchstaben, aber immerhin hat er noch seine Freunde. Genauso Bruchstückhaft wie Simons Leben, tauchen auch die unterschiedlichen Figuren in dem Roman auf. Neben Kollegen und Vorgesetzten, gibt es später alte Freunde, Kioskmitarbeiter, eine vergangene Liebe und sogar ein Kind. Die Welt um Simon bekommt allerdings einige Risse. Nicht seine Gedächtnislücke ist dafür verantwortlich, vielmehr die Gesellschaft, welche anscheint einer Krankheit verfallen ist. Es tauchen überall in der Stadt seltsame Graffiti auf und sofort erinnert man sich an 12 Monkeys, denn auch hier wird das Ende der Welt vorausgesagt. Die Frage ist jetzt nicht nur was all das zu bedeuten hat, vielmehr ist die Frage, wer dahinter steckt. Sind es Außerirdische? Ist es eine künstlichen Intelligenz oder einfach nur verrückte Terroristen? Sehr versteckt gibt der Autor kleine Hinweise und behält sich die Aufdeckung für den Showdown auf. Zwischendurch schwimmt man als Leser auf der wackeligen Reise der Hauptfigur. Regelrecht trunken vor seiner selbst ist Simon an vielen Stellen erschreckend ehrlich zu seinem Wahnsinn. Mit dem Gedächtnisverlust als Startpunkt, hat der Autor raffiniert die Möglichkeit gefunden seine Hauptfigur aufzubauen. Alle Randfiguren kommen mir jedoch etwas zu plötzlich ins Bild und einige haben leider zu wenig Tiefe abbekommen, wie etwa die Mutter eines Jungen, den Simon suchen soll oder sein Kind selbst. Die Verschwörung im Hintergrund erscheint anfänglich völlig belanglos, nimmt dann aber später deutlich an Realität zu. Ob Simon nun Täter oder Opfer ist, muss jeder für sich entscheiden, allerdings hoffe ich wirklich inständig, dass nicht wirklich so viele enttäuschte Menschen auf unserem Planeten leben, die sich so leicht beeinflussen lassen. Fazit: Am Anfang war der Frust... Hendrik Kühn reißt einen jungen Mann aus seinem Leben und wirft ihn mit einer riesigen Erinnerungslücke zurück in den Roman. Von jetzt an beginnt eine wortgewandt geschriebene Reise eines Sicherheitsfachmanns, welcher trübe in seiner Vergangenheit fischt. Die Verwirrtheit spürt man ständig und jede weitere Figur gibt etwas mehr Klarheit, bis am Ende Simon selbst erkennt, was passiert ist und was gerade um ihn herum geschieht. Der Storyfluss hängt hin und wieder etwas fest, was aber vielleicht dem Zustand der Hauptperson geschuldet ist. Berlin im Zentrum einer weltweiten Verschwörung und manchmal reicht eine Person aus, um die Welt ins Wanken zu bringen... Matthias Göbel Autor: Hendrik Kühn Taschenbuch: 336 Seiten Verlag: Luzifer Verlag Erscheinungsdatum: 31.01.2020 ISBN: 9783958354760
  23. Wenn wir in den Himmel schauen und die Sonne sehen, wissen wir Dank der Wissenschaft, dass sie rund ist und ein gigantischer Stern. Was aber, wenn Teile dieses Wissens verloren gegangen sind? Helward Mann lebt schon immer in der Stadt. Er hat sie auch nie verlassen, bis zu dem Tag, an dem er in die Gilde seines Vaters aufgenommen wird. Ab jetzt beginnt das eigentliche Leben für ihn. Er muss zuerst körperlich schwere Arbeit leisten und hilft beim verlegenen von Bahnschienen. Auf diese wird die gesamte Stadt gezogen, immer Richtung Norden, dem Optimum entgegen. Eine Stadt auf Rädern? Warum das denn? Bevor diese Frage beantwortet wird, erzählt Priest erst einmal wie diese Welt funktioniert. Es gibt ein strenges Gilden-System, Ehen werden vereinbart und Fragen sollte man besser nicht stellen. Helward durchlebt jetzt jede Phase der Stadt und verstehst nach und nach warum sie sich bewegen muss. Nach Norden, um in der richtigen Zeit und Geschwindigkeit zu sein, denn im Süden ist alles andersherum. Hier vergeht die Zeit rasend schnell und der Boden wird tief in einen Abgrund gezogen - Das Ende der Welt! Gibt es das wirklich? Sind wir immer noch auf der Erde oder auf einem anderen Planeten? Keine Angst, so weit weg sind wir gar nicht, nur das Wann und das Wie ist diesmal entscheidend. Der Autor hat eine überraschende Art und Weise die Dinge zu erklären. Physikalische Gesetze werden hier auf den Kopf gestellt und mit diesem Geheimnis lässt er den Leser bis zum Schluss zappeln. Es ist anfänglich auch gar nicht so einfach sich diese Welt vorzustellen. Das gleiche gilt für die gesellschaftlichen Zwänge, in der die Figuren stecken, sowie ihre Ängste und Entdeckungen. Das führt auch beim Leser zum abschweifen der Gedanken. Anfänglich bleibt man gut am Wort hängen, doch später liest man zeitweise einfach nur weiter. Vielleicht ist es auch der Zeit geschuldet. Als Priest dieses Buch schrieb, waren wir mitten in den 70er Jahren. Die Welt war erneut im Wandel. Kriege gab es immer noch und dem Menschen wurde langsam bewusst, dass alles endlich ist. Zukunft ist auch hier ein Wort, welches man mit Unsicherheit in Verbindung bringt. Genauso Leben auch die Bewohner in der Stadt. Immer in Hetze das Optimum zu erreichen, nicht mehr zurückschauen, kein Stopp, es muss weiter gehen. Wohl einer der seltenen Ansätze, sich tiefgründiger mit dem Leben in der Gesellschaft auseinanderzusetzen, mit dem Wink der Technik und den Sprung in das Morgen. Fazit: Eine unvergleichliche Idee! In starken Zeilen verpackt, bekommt man hier eine Geschichte, welche von der Idee her so noch nicht dagewesen ist. Allein die fahrende Stadt ist schon faszinierend und erfährt man wie die Welt dazu funktioniert, findet man Bewunderung für den Autor. Es gibt sicherlich auch Passagen, welche nicht mehr zeitgemäß sind, aber dann gibt es wieder diese Momente, in denen man wundervoll vor dem Kopf gestoßen wird. Nicht immer leicht zu folgen, aber interessant und ungewöhnlich. Matthias Göbel Autor: Christopher Priest Übersetzung: Yoma Cap, Kristof Kurz Taschenbuch: 416 Seiten Verlag: Heyne Verlag ISBN: 9783453320659
  24. Die Physiker haben in den letzten Jahrzehnten so manche Überraschung erfunden oder zumindest in der Theorie entwickelt. Ein spannendes Thema aus diesem Bereich ist das Wurmloch. Eine Verbindung zwischen zwei extrem weit entfernten Punkten, welche mehrere Lichtjahre überwinden kann. Das klingt alles nach Humbug und doch hat ein Wissenschaftler sich dieser Thematik gewidmet und er findet einen Weg dies in die Realität umzusetzen. Von allen belächelt, zieht er sich auf eine kleine Insel zurück. Ab jetzt wird es etwas undurchsichtig, denn wo er all das Geld und weitere Mittel herbekommen hat bleibt weitestgehend ein Rätsel. Zumindest verändert sich diese Insel. Eine riesige Kuppel wird errichtet und in einigen Jahrzehnten entsteht hier etwas, was die Welt noch nicht gesehen hat – Die „Alien Biosphere“. Mit dem Wurmlochtor haben die Wissenschaftler eine kleine Welt im Sternbild Schwan entdeckt, auf der anderen Leben vermutet wird. Dieses wird auch gefunden und jetzt auf diese Insel transportiert und ein Themenpark entsteht. Richtig gelesen, hier wird nicht etwa mit dem Tor weitergeforscht, sondern fremde Wesen eines Planeten werden in einen Zoo gesteckt, so dass wir Menschen sie uns anschauen können. Ganz nach der Manier von Jurassic Park. Vor der Eröffnung des Themenparks wird eine Gruppe von Gästen durch das sechsstöckige Habitat geführt. Jede Ebene ist dabei mehrere Kilometer groß und wird durch verschiedene Mechanismen gesichert. Alles klingt so gemütlich und faszinierend, bis eine Gruppe von Terroristen das Unheil heraufbeschwört. Wo man noch auf den ersten Seiten von der Idee überrascht ist, was die Menschen hier geschaffen haben, fragt man sich später immer mehr, warum und wieso eine Biosphäre? Wäre es nicht sinnvoller gewesen durch das Wurmloch zu reisen und sich die Wesen in freier Wildbahn anzuschauen? Der Autor versucht zu erklären welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden, aber mal ganz ehrlich, keiner wusste was da die letzten Jahre wirklich vor sich ging und keiner hat an so einen Zwischenfall gedacht? Die einzelnen Gruppen von Menschen fliehen nun durch die Ebenen, wobei man so manch seltsames Wesen kennenlernt. Nett beschrieben und mit anschaulichen Worten dargestellt, erinnern viele Wesen eher an Mutationen unserer heimischen Tiere, aber es gibt eben doch kleine Unterschiede. Das Ende wirkt leider auch recht abrupt, auch wenn es die Geschichte an sich schön abschließt. Es wird gestorben, gerannt, entschärft, gebetet und gestaunt. Eine Flucht, die eigentlich nicht hätte sein müssen und doch hat der Mensch mal wieder mehr Fehler gemacht als gute Ideen gehabt. Fazit: Leben gibt es überall und es gehört frei, nicht eingesperrt! Bücher, Filme und Geschichten sagen es voraus und doch machen die Menschen hier wieder gleiche Fehler. Das fremde Leben eines Planeten fangen, hier auf unserer Erde einsperren und bestaunen lassen… Es gibt kein Beispiel, ob in der Fiktion, noch in der Realität wo dies ungestraft funktioniert hat und auch hier schlägt das Schicksal zu. Roland Enders bringt neue Ideen des Lebens mit, vergisst aber dabei seine handelnden Figuren. Viele sind recht farblos und wenn es den ein oder anderen erwischt – es gibt genug. Selbst die Idee der Biosphäre klingt nach Jurassic Park und endet auch so. Eine leider in sich nicht gänzlich durchdachte Geschichte, aber mit vielen seltsamen neuen Wesen. Matthias Göbel Autor: Roland Enders Taschenbuch: 406 Seiten Verlag: Droemer Knaur Verlag Erscheinungsdatum: 11.01.2016 ISBN: 9783426215647
  25. Als die Menschen nur einen Planeten hatten, war es schon schwierig genug für Frieden zu sorgen. In dieser fernen Zukunft hat sich die Menschheit über viele hundert Welten verbreitet. Es sind riesige Reiche entstanden, welche anfangs auch nicht den Finger vom Abzug halten konnten, doch seit der Erfindung der N-Bombe, hat sich alles verändert. Über 300 Jahre herrscht mittlerweile Frieden. Plötzlich ist es aber passiert, ein Raumschiff mit einer solchen Waffe an Bord meldet einen Zwischenfall und gilt als verschollen. Daniel York, Agent des Reiches, soll sich der Sache annehmen. Er gilt als einer der Besten, wäre da nicht Myron Terle. Er ist nicht einfach nur ein Mensch, vielmehr hat er eine unglaubliche Fähigkeit - Er ist ein Teleporter. Die Mission ist jetzt erst einmal klar, finde das Schiff und verhindere das die Bombe in die falschen Hände gerät. Beide Agenten bewegen sich recht unbedeckt und das vielleicht auch mit etwas Absicht. Die Story baut darauf, dass man zuerst wissen will was mit dem Schiff ist und später kommt die Frage auf, wer hier wirklich die Fäden zieht. Immerhin wird der Name des Buches erst zum Ende hin aufgelöst, so dass die wirkliche Überraschung auch erst in den letzten Zeilen auf sich warten lässt. Zwischendurch muss man sich als Leser durch zum Teil ziehende Dialoge wälzen. Allein die Unterhaltungen zwischen den beiden Oberhäuptern der Agenteneinrichtung verwirren, bringen aber kleine Details des eigentlichen Plans ans Licht. Wie es sich für einen Thriller gehört, gibt es mehr als einen Spieler auf dem Schachbrett. Leider führt das in diesem Fall aber dazu, dass man zu sehr versetzt wird von den Autoren. Sie versuchen anschaulich die Reise durch das All zu beschreiben, was allerdings sehr gut funktioniert, nur bei den Schritten der Agenten fehlen einige Passagen. Die weiteren Figuren wie z.B. Kapitän Hull, sind gut ausgebaut, verlieren aber später leider an Gewicht. Genau hier spürt man zum Teil auch das Alter der Geschichte. Ende der 60er entstandenen, ist es inhaltlich nicht verwunderlich, dass eine Bombe hier mit im Mittelpunkt steht. Der Kalte Krieg ist im vollen Gange und genauso viel wie hier geredet und diskutiert wird, kann man sich die Treffen der Politiker von damals vorstellen. Spannend ist der Part der detektivischen Aufdeckung hinter Anschlag und Mord, nur schade das die wirklichen Beweggründe nicht besser erklärt werden. Gerade wenn man bedenkt, dass hier mehr auf dem Spiel steht, als nur der Überfall auf ein einzelnes Schiff. Fazit: Ein Spion, ist ein Spion, egal auf welcher Seite er steht. Jean und Jeff Sutton lebten in einer Zeit der Unsicherheit und ständigen Angst vor dem großen Knall. Dieses Gefühl haben sie in die Zukunft teleportiert und wie 007 die Welt schon damals rettete, ist es hier ein Einzelner, der die Geschicke der Welt am Laufen hält. An einigen Stellen etwas zu konfus gehalten und doch mit kleinen Überraschungen gefüllt, kommt der leichte Charme eines Agenten-Thrillers aus einer längst vergessenen Zeit auf. Matthias Göbel Autor: Jean & Jeff Sutton Übersetzung: G. Feidel und Christian Dörge Taschenbuch: 192 Seiten Verlag: Apex Verlag Erscheinungsdatum: 18.09.2019 ISBN: 9783750205321
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