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  • 2x09 - Project Daedalus

    Projekt Daedalus
    Episoden-Nummer: 9   Produktions-Nummer: 24   US-Erstausstrahlung: 14.03.2019   Deutsche Erstausstrahlung: 15.03.2019  
    Admiral Cornwell beauftragt die Discovery, einen Anführer von Sektion 31 zu verhaften. Spock versucht zu verstehen, warum es der rote Engel gerade auf ihn abgesehen hat.

    Vollständiger Inhalt (Achtung: Spoiler)

    Episodenkritik (Achtung: Spoiler)

    Kleine Geschichtskunde: Der Begriff Daedalus hat gleich zweierlei Bedeutung im Kontext zu dieser Folge Star Trek: Discovery.

    1. Die griechische Mythologie:
      Daidalos (altgriechisch Δαίδαλος von δαιδάλλειν daidallein „kunstvoll arbeiten“, lateinisch Daedalus, deutsch Dädalus) ist eine Gestalt der griechischen Mythologie und dort insbesondere der kretischen Mythologie um den König Minos. Er war ein brillanter Erfinder, Techniker, Baumeister und Künstler.

      Insbesondere bekannt sein dürfte die Erzählung von ihm und seinem Sohn Ikaros, in Gefangenschaft auf Kreta. Daidalos griff für die Flucht auf seine Erfindergabe zurück: Aus Federn von Vögeln und dem Wachs von Kerzen fertigte er Flügel für sich und seinen Sohn und flog mit ihm davon. Sie hatten bereits die Inseln Samos, Delos, Paros, Lebinthos und Calymne hinter sich gebracht, als der ausgelassene Ikaros ungeachtet der Warnungen seines Vaters zu hoch stieg und der Sonne zu nahe kam.

      Quintessenz: Hochmut kommt vor dem Fall.
       

     

    1. Projekt Daedalus zwischen 1973 und 1978
      Das Projekt Daedalus war eine Studie, die zwischen 1973 und 1978 von der British Interplanetary Society angefertigt wurde, mit dem Ziel einen realistischen Entwurf eines interstellaren unbemannten Raumschiffs zu erstellen. Die Forderung war, dass das Raumschiff auf bereits gegenwärtiger oder in naher Zukunft erreichbarer Technik basieren musste und sein Ziel innerhalb der Lebenszeit eines Menschen (~50 Jahre) erreichen sollte. Das auserwählte Ziel war Barnards Pfeilstern, der 5,9 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt ist, wobei das unbemannte Raumschiff auch mehrere Sterne anfliegen sollte.[1][2][3] Die Studie wurde aufgrund der zu erwartenden enormen Kosten nie ernsthaft als Raumfahrtprojekt in Erwägung gezogen, geschweige denn realisiert.

      Quintessenz: Der Traum vom Fortschritt.

    Nun, was hat das mit Star Trek: Discovery zu tun? Episode 2x09 - Project Daedalus gibt endlich die ersehten Antworten auf viele Fragen, die die Storyline der zweiten Staffel aufgeworfen hat. "Control" ein Computersystem das strategische und taktische Entscheidungen für die Föderation fällen soll, reagiert nicht mehr auf Kommando-Codes. Und während wir uns alle ein gaaaanz klein bisschen (sprich: total!) an eine Mischung aus Terminator und der Red Queen aus Resident Evil erinnert fühlen schafft Star Trek Urgestein und Regie-Vetaran Jonathan Frakes mit dieser Episode endlich die wohl beste Episode die unter dem Banner "Star Trek: Discovery" jemals gesendet wurde. Primär zwar aufgrund der letzten 20 Minuten, aber alles der Reihe nach...

    Discovery ist mittlerweile ja ganz schön Konseqent. Konsequent behämmert, mag der eine oder andere sagen, wenn es um das willkürliche Kommen und Gehen via Shuttle anbelangt. So ist Admiral Cornwell auch mal wieder im Shuttle heimlich auf dem Weg zur Discovery. Übertragen wir das mal auf Minister Söder. Der kann doch auch nicht unentdeckt mal eben queer durch die Republik in seinem 7er BMW fahren. Diesen Umstand bei Seite geschoben finde ich die Dame nach wie vor total unangenehm aufgrund ihrer fragwürdigen Entscheidungen in der ersten Staffel. Ihre Anwesenheit auf der Discovery ist auch irgendwie unpassend, zudem hat Captain Pike so noch weniger Autorität als er es ohnehin schon hat. Aber gut, das ist die Ausgangslage.

    Star Trek war immer schon am Besten, wenn man sich auf einzelne Figuren und moralische Dilemma fokussiert hat. Und was Drehbuchautorin Michelle Paradise hier unter der Prämisse der teils groben Vorarbeit und generellen Position der Rahmenhandlung hier abliefert ist absolut großartig. Paradise wurde zuletzte auch in die Rolle des Executive Producers für Staffel 3 befördert, hoffentlich steuert sie weitere Drehbücher dieser Machart bei.

    So zeigt Folge 2x09 endlich mal:

    • Glaubhafte Charakterentwicklung von innen heraus
    • Dialoge (Skurril, man fragt sich ja mit was die wöchentlichen 40-50 Minuten bisher gefüllt waren)
    • Eine gute Progression der Rahmenhandlung ohne hektisch zu wirken

    Spock ist sauer

    "Ich weigere mich dieses Gehabe ernst zu nehmen. Das ist total untypisch / out of character", sagt Michael Burnham zu Spock und spricht damit aus, was viele Fans der Classic-Serie denken. Das ist doch bitteschön nicht der Spock den man kennt und liebt. Und da hat Burnham (mal wieder) recht. Ethan Peck spielt die ikonische Figur mit einem ungemeinen Hang zum Zynismus und passiver Agression. Jedes Wort ist ein Nadelstich in die Gefühle. Das wirkte bislang reichlich deplaziert und so war ich froh, dass 2x09 hier endlich Platz zur Thematisierung gefunden hat.

    Spotlight für Airiam

    Der eigentliche Star in dieser Folge ist aber weder Michael Burnham, Pike noch Spock, sondern die Figur, über die in der ganzen Serie (mal abgesehen von anderen C-Brückenmitgliedern) am wenigsten bekannt ist: Airiam.

    Regisseur Frakes schafft es in nur 50 Minuten aus einem nahezu unbeschriebenen Blatt eine Figur zu schaffen, in welche der Zuschauer emotional investiert ist. Wir erfahren, dass Airiam letztendlich aufgrund eines Shuttle-Unfalls im jetzigen Zustand ist (Hallo Robocop!) und sie regelmäßig ihr "Gehirn" von unnützen Daten, sprich ihren Erinnerungen befreien muss, um weiter Platz für neues zu haben.

    Dieser Umstand allein wäre fast schon eine eigene Episode wert, da diese Art von selektivem Existieren durchaus großes Potential hat. Man gerät schon ins grübeln, wie das wohl wäre, wenn einem etwas völlig Selbstverständliches, nämlich das erinnern an Positives und Negatives genommen werden würde. Letztendlich ist man ja nur die Summe seiner Erfahrungen...

    Aber ich drifte ab - Hannah Cheesman liefert in ihrer Einzigen und wohl auch leider Letzten Episode eine hervorragende Leistung ab. Ihr Abschied war so emotional und endgültig wie es nur machbar ist. Ich hoffe sehr, dass Discovery nicht erneut den selben Fehler wie bei Culber, Tyler und Georgiou begeht und sie irgendwie wieder zurückbringt. Dies hat in der Vergangenheit harte Entscheidungen entwertet und könnte es wieder tun.

    Section 31 in ihrer Entstehung

    Langsam lässt sich erkennen, dass Sektion 31 in Discovery quasi erst am Anfang steht. Noch ist sie mehr oder weniger offzieller Teil der Föderation, steht aber auf der Schwelle daran, eine völlig autarke Geheimorgansiation zu werden. Schön, dass das nun kommt, weniger schön, dass das kaum zu dem passte, was man bisher von Sektion 31 wusste. Aber wie auf Youtube schon oftmals gemutmaßt: Dies ist eine andere Star Trek Zeitlinie mit mindesten 25% Abweichung.

    Die Führung von Sektion 31 reagiert schon seit Wochen nicht mehr auf Cornwells Befehle - später finden wir herraus, dass die Führung durch computergesteuerte Hologramme ersetzt wurde. Ein legitimes Handlungselement, in Anbetracht der fortgeschrittenen Technik aber irgendwie skurril, dass man mit einem einfachen Hologramm offenbar ganze Flotten befehligen kann. Das ist jetzt in etwa so wie wenn der Trump-Imitator per Telefonanruf einen Nuklearkrieg in Auftrag gibt.

    Auch, dass die Führung von Section 31 eine Logik-Extremistin ist kommt irgendwie aus heiterem Himmel. Die ganze Figur von Cornwell macht immer weniger Sinn je mehr man darüber nachdenkt. Zwei Folgen zuvor war Sie noch große Beführworterin der Geheimorganisation. Waren die Logik-Extremisten da noch nicht extrem genug?

    Alles unter Control

    Im Verlauf der Episode erfahren wir, dass ein einfaches Betrachten der Überwachungskamera-Aufnahmen mittels Infrarot-Filter diese als Fälschung hätte entlarfen können. Mal doof gefragt: warum hat man das zuvor nicht? Abgesehen davon, dass das was Saru da am Monitor zeigte keine Infrarot, sondern einfach nur eine farb-invertierte Aufnahme war: deartige Methoden zur Erkennung von gefälschtem Bildmaterial gibt es schon heute.

    Es musste am Ende natürlich alles Sinn machen - Michelle Paradise hat als Drehbuchautorin hier kaum eine Wahl. Wer in ein derart vollgeschissenes Nest kommt, muss das beste daraus machen. So beschäftigt sich ein Großteil der Episode nun auch damit, sich der Drehbuch-Altlasten zu entledigen oder diese zumindest etwas plausibler zu gestalten.

    Der Twist mit der KI, die die Kontrolle über Section 31 übernommen hat und mittels der Informationen der Spähre sich selbst verbessern möchte ist sehr gelungen. Optisch erzählt Johnathan Frakes hier sehr gekonnt und die Szenen in der Schwerelosigkeit mit den Bluttropfen erinnerten schön an Star Trek: Das unentdeckte Land.

    Der Kampf zwischen Burnham und Airiam war ebenso ruhig wie kraftvoll in seiner Bildsprache. Schnelle Schnitte sind eben nur dann nötig, wenn das Bild keine Substanz hat. Gut gemacht, Herr Frakes! Auch die optische Abwesenheit von der schwer verwundeten Rachael Ancheril alias Commander Nhan, die letztendlich die Luftschleuse öffnet war toll gemacht. Unklar war mir allerdings warum Airiam gegen Ende sagen konnte, was sie wollte, auf der Discovery aber völlig unter der Kontrolle von Control stand. Allderings: Ihr Gesicht war eins der letzten Dinge am Körper der noch menschlich war. Insofern eine sehr nette Nuance!

    Ein Ausweg wäre denkbar gewesen

    Toll, wie das Drehbuch am Ende alle Fäden zusammenführt. Burnham erfährt, dass Sie der Grund für alles ist. Ein weiteres Indiz dafür, dass Sie womöglich der rote Engel ist. Der emotionale Rahmen wird mit den letzten Erinnerungen an Airiams Mensch-sein abgerundet.

    Trotzdem: Die Schockstarre die der Captain hat ist beeindruckend. Die Schilde waren unten. Ja Junge, beam doch zwei drei Crewmen rüber auf die Station um Burnham zu helfen. Und warum hat man Airiam nicht retten können, als sie ins All getrieben ist? Einfach mal in eine Zelle beamen hätte genügt um ihr eine Chance zu geben.

    All die Kritik kommt allerdings erst nach intensiverer Betrachtung der Folge. Und so kann man schließlich jeden Film und jede Serie in seine Bestandteile zerlegen. Dass soll auch nicht das Fazit sein. Beim ersten Anschauen war dies mit abstand die beste Episode in Seriengeschichte. Bitte mehr davon! Discovery ist nun auch seitens der Handlungsstränge wieder an einem Punkt, von dem aus man sauber uns sinnvoll weitermachen kann. Aber nun ja, das hab ich ja schon öfter geschrieben - und der Rückfall in alte Muster kam promt.

    Das namensgebende Projekt Daedalus passt im Kontext der Episode gleich auf mehere Arten: Das offensichtliche Projekt von Section 31, dem Übermut von Control vor dessen Fall und der mutigem Ambition des britischen Forschungsteams aus den 70ern zur weiteren Evolution der Menschheit.

    Hut ab vor dem Drehbuch. Es wäre typisch Discovery gewesen, Airiam einfach nur als dunkles Böses zu portaitieren, so wie es die Serie und andere Unterhaltungsmedien oft genug der Einfachheit halber tun. Vorher: gut - jetzt: böse. Nicht so hier: das Drehbuch schreibt der Figur Emotionen, Vergangenheit und Hoffnung in ihre Roboter-Adern. Ihr Ende ist umso mehr tragisch und heldenhafter, da sie versucht ihre Freunde zu retten.

    Gleichzeitig hat 2x09 auch den bislang sehr eindimensionalen Section 31 neues Leben eingehaucht. Wenn viele Entscheidungen gar nicht blöd böse gewesen sind, sondern eventuell schon seit langer Zeit von einer KI manipuliert könnte uns eine vielschichte Unterhaltung bevor stehen.

    Erkenntnisse des Langestrecken-Scans

    • Die Section 31 Hauptbasis hat verblüffende Ähnlichkeit mit dem Konzept von "Project Daedalus"
    • Luftschleusen-Archer wäre stolz!
    • Frakes kann einiges!

    Face-Palms der Woche

    • Luftschleusen-Archer hätte gewusst, dass man Augments die man gerade ins All geblasen hat durchaus mit einem gekonnten Beamen in die Brig befördern hätte können
    • Airiams Hirn hat offenbar nicht genug Platz für ein paar Jahre persönlicher Erlebnisse, wohl aber für einige Jahrtausende Infos der Spähre.
    • Bekannte Logik-Extremisten sind selbstverständlich in Führungsposition. Kennt man ja.

    Fazit und Wertung

    Obgleich das ganze Setup arg recycelt wirkt macht Project Daedalus einen rundum gelungenen Eindruck. Frakes insziniert mit ruhiger Hand und Kamera die volle Bandbreite der Gefühle. Die beste Folge bislang!
    5/5
    Gesamtwertung
    Action: 3 Spannung: 5 Humor: 1 Anspruch: 3 Kontinuität: 4 Figuren: 5 Erotik: 0

    bearbeitet von Daniel Räbiger

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