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  • 2x12 - Through the Valley of Shadows

    Tal der Schatten
    Episoden-Nummer: 12   Produktions-Nummer: 27   US-Erstausstrahlung: 04.04.2019   Deutsche Erstausstrahlung: 05.04.2019  
    Ein weiteres Signal bringt die Discovery zum Klingonenmond Boreth. Dort gewährt eine wertvolle Ressource Pike einen schockierenden Einblick in seine Zukunft.

    Vollständiger Inhalt (Achtung: Spoiler)

    Episodenkritik (Achtung: Spoiler)

    Ahhhh Dovahkiin!

    Diesmal bei Discovery:
    der Dragonborn Christopher Pike muss zu den Greybeards auf einen hohen Berg um dort die heiligen Wege der Thu'ums des Zeitkristalls zu erlernen.

    dragonborn.jpg

    Dass die Autoren von Discovery angeblich gerne in der Steam-Community abhängen um dort aus Spielideen von Indie-Entwicklern heiße TV Konzepte zu plagiatieren weiß man, seit Anas Abdin Klage gegen CBS eingereicht hat. Derweil macht das Team aber munter weiter und bedient sich optisch bei The Elder Scrolls IV: Skyrim. Gut, die klingonischen Mönche haben keinen grauen Bart, der Rest ist aber ähnlich gestrickt wie im beliebten Fantasy-Rollenspiel. Und da bin ich gleich bei meinem Lieblingsthema: Wo ist hier die Science-Fiction?

    Aber schön der Reihe nach...

    YOLOCaust

    Saru stellt fest: Wir haben die Spährendaten an Bord, die Archive lassen sich weder "vom Schiff entfernen noch löschen". Ahhhh ich merke schon, gleich wird es pedantisch meinerseits. Aber: Warum lassen sich Daten nicht "entfernen" oder "löschen"? Letzteres kann man nachvollziehen. Aber was will so eine KI-Zip-Datei schon dagegen tun, wenn man die Festplatten absteckt und aus dem Fenster wirft? Nichts anderes hatten die Jungs und Mädels der Discovery ja im Sinn, als die Daten auf den Zeitstrudel-Anzug verschoben werden sollten.

    Der Grund: Klar, die Story muss irgendwie in die richtige(?) Richtung gedrückt werden. Dinge passieren erneut mal wieder, weil sie passieren müssen - nicht weil es Sinn ergibt.

    Saru schlussfolgert daraufhin ganz korrekt, dass man nun schlecht Leland hinterhereilen könne, da man die Daten sonst der KI näher bringt und somit Gefahr aussetzt. Pike darauf so:

    Zitat

    "Yo, dann lass mal zum nächsten Signal fliegen. Die haben zwar die ganze Staffel lang offenbar schon etwas mit der KI Control zu tun aber YOLO".

    Wie wärs denn damit: Zur Enterprise fliegen, die sowieso immer irgendwie in der Nähe ist, alle Mann rüber auf die Enterprise, die Discovery in den nächsten Schiffswerft oder halt einfach in die Luft jagen. Problem erledigt. Auf diese reichlich simple Lösung kommt der feine Captain natürlich erst, als die Folge rum ist. Irgendwie muss man die 45 Minuten zuvor ja noch mit Unsinn voll bekommen.

    Das nächste Signal (auch praktisch, dass die immer in der erzählerisch richtigen Reihenfolge auftauchen) ist am klingonischen Planeten Boreth. Einst soll Kahless in Richtung des Sterns, den der Planet umkreist gedeutet und gesagt haben: "Sucht mich dort, an diesem Punkt des Lichts." Dort hat die Kanzlerin der Klingonen keine Macht, dort liegt der allerheiligste Ort der Kligonen.Und - und das ist neu - dort wachsen die mysteriösen Zeitkristalle.

    Es war zwar gerade Krieg, aber Ash Tyler kann seine Kontakte zur Kanzlerin nutzen um... tja, gute Frage. Um was bittet er sie eigentlich?

    Zitat

    "Liebe Exfreundin, wir hatten zwar gerade übel Krieg, aber wärs möglich, dass wir mit geheimer Pilztechnik direkt in den Orbit eures heiligsten Ortes springen? Ich weiß zwar, dass nichtmal du dort das sagen hast aber... YOLO!"

    Unbegrenzte Macht? Nö!

    Kanzlerlin L'Rell kommt auch sogleich an Bord der Discovery (ARGH WARUM SIND EIGENTLICH IMMER ALLE UM DIE ECKE HIER??) und erklärt, mal eben so das größte Geheimnis des Reiches in einem Nebensatz: Wir haben da jede Menge Zeitkristalle. Dass man von der großen Macht die von den Dingern ausgeht keinen Gebrauch mehr macht ist dann doch etwas überraschend. Das passt nicht im entferntesten zur bisherigen Charakterisierung der Klingonen - alleine schon aus Gründen des Kriegs - aber was solls.

    Es ist nahezu schon spührbar, wie schwer sich die Autoren tun die selbst gegrabenen Löcher wieder zu verlassen. Und hier wird es an vielerlei Stellen nicht mal probiert. In jeder Serie gibts mal Handlungslöcher. Selten aber derart große, dass die ganze Warpgondel reinpasst. Es ist gänzlich absurd anzunehmen, dass die Klingonen Zeitreisen beherrschen, aber die Kanzlerin sich heimlich mit ihrem für tot geglaubten Ex-Lover treffen kann. Aber was solls, wird halt eben im Besprechungsraum mal erzählt, dass der für tot geglaubte Säugling munter im Kloster auf Boreth lebt. Hach.

    Nach etwas hin und her springt man dank Pilz-Power direkt in den Orbit, also ins spirituelle Herz des klingonischen Reichs. Was erzählt L'Rell eigentlich zu Hause ihren Wiedersachern?

    Zitat

    "Och die Discovery ist einfach ein Klasse Schiff und hat Mormonen an Bord. Die wollten gerne mal unser Kloster besuchen. YOLO"

    Pike ist der Auserwählte, der auf den Planeten beamt. Und während man in 2x06 - An Obol for Charon noch direkt ins Dorf unter das wachsame Auge der B'aul gebeamt hat muss der Captain erst im Wintermantel über den halben Planeten laufen? War noch Budet im Kostümbereich übrig oder was?

    Insgesamt erinnert das gesamte Setting extrem an The Elder Scrolls IV: Sykrims High Hothgar:

    • Abgelegen auf einem verschneiten Berg
    • Mönche in Kutte behüten ein Geheimnis, dass die Welt zerstören oder retten kann
    • Das Geheimnis offenbart sich nicht durch Erlaubnis der Mönche sondern durch sich selbst

    Jetzt fehlt nur noch, dass Paarthurnax durch den Zeitstrudel hüpft. Stattdessen erscheint uns L'Rell und Voqs Sohn. Weil "Zeit nahe der Zeitkristalle anders verläuft" ist der gute Mann natürlich schon im besten Alter. Diesen Prozess bekommt der Zuschauer "anschaulich" anhand eines frisch gepflanzten Baums demonstriert.

    Und na ja... jetzt gibts da doch zwei Optionen:

    • Der Körper wächst bescheunigt heran - heißt also der Kerl ist geistig ein Säugling
    • Die Zeit "rast" auf Boreth generell - ja was ein Zufall dann auch, dass man gerade die 30 Minuten erwischt hat, wo der gute Junge zwischen Hosenscheißen und Tattrigkeit ist.

    Und überhaupt - wenn sich die Zeit da derart prima manipulieren und Obstbäume wachsen lässt: Warum gibts da keine Apfelplantagen die täglich neue Früchte tragen und den Hunger des Volkes befriedigen? Zu gefährlich? Das wird es sein. Aber hübsch im Klostergang nen Baum pflanzen.

    Was haben die Jungs in der Disovery-Fanboy-Gruppe noch über "The Orville" gelästert als in derer ersten Staffel ein Zeitmanipulationsgerät dazu genutzt wurde einen Baumsamen in Windeseile zu einer strammen Eiche wachsen, und das Krill-Schiff damit zerbersten zu lassen. Tja, der Gag geht auf Eure Kosten. Derartiges ist bei Discovery jetzt Realität.

    Knorr 10-Minuten-Irrsinne

    Michael Burnhab hat derzweil nichts besseres zu tun als Flottenweit zu überprüfen, ob auch jeder pünktlich zum Mittagessen kommt. Und weil ein bestimmtes Section 31 Schiff 10 Minuten verspätet ist fliegt sie natürlich dem schwer bewaffneten Schiff mit einem kleinen Shuttle entgegen um nach dem Rechten zu sehen.

    Merke: Dem Rechten. Die Rechte kommt in dieser Folge einfach nicht vor, obwohl gerade diese Figur als Section 31 Agentin zum Stehlen eines Zeitkristalls ausnahmsweise mal Sinn gemacht hätte.

    Kurz darauf ist das Schiff entdeckt. Die Crew durch Dekompression ins Weltall geblasen. Wird Captain Archer sicher freuen: Damals gabs Luftschleusen offenbar IN JEDEM VERDAMMTEN ZIMMER. Dass der noch Lebende Crewman ein alter Kumpel von Burnham hätte mich früher noch aufgeregt, mittlerweile bin ich abgestumpft.

    Und weil es gar so schön ist, entpuptt sich der Crewman als Borg. Und wieder: anstelle einfach seinen Job zu machen und Burnham zu assimilieren und/oder zu töten wird erst einmal um den heißen Brei herumgeredet. Mein lieber Herr Gesangsverein - selbst stumpfe Trojaner per E-Mail sind heutzutage schlauer. Was für eine KI ist das?

    Der Enkel-Trick

    Der großartige "Plan" von Burnham und Spock ist allerdings auch keinen Deut besser. Control hat die ganze Crew aus dem Fenster geworfen. Man möchte also meinen, der Computer würde kapieren, dass jemand an Bord kommt. Aber sobald man sich nur einen hübschen Servicetechniker-Overall überwirft öffnet die KI die Türen wie Oma Beimer im echten Leben beim Enkel-Trick?

    Auch dass Spock und Burnham kein bisschen vorsichtig mit dem Crewman sind verwundert. Tyler dürfte sicherlich berichtet haben, dass Control nun auch Menschen assimiliert. Aber man kennt sich ja von früher...

    Drumm prüfe, wer sich ewig bindet

    Lassen wir mal völlig außer acht wie bescheuert die Idee der Zeitkristalle insgesamt ist - Pike muss also nur einen Anfassen, dann sagen "YOLO" und er bekommt einen? Praktisch. Hätte man dann nicht einfach ein paar Crewmen durchprobieren können um jemanden zu finden, der einen geruhsamen Lebensabend hat, den er dann gleich inkl. fetter Rentenschecks in Stein Zeitkristall meißeln könnte?

    Was ist das bitteschön für ein absonderbares Konzept? Wir sind hier doch nicht bei Supernatural und dem Crossroads-Dämonen die nach 10 guten Jahren die Seele abholen kommen. Oder doch? Auf jeden Fall scheint es zu reichen den funkelnden Stein mit groben Pranken aus seiner Verankerung zu reißen und die Zukunft für die entsprechende Person ist fix.

    Und da ist diese Episode jetzt nicht mal in sich "schlüssig". Wenn die Zukunft durch das Entfernen des Kristalls festgeschrieben wird, hätte Pike selbst den Kristall herausbrechen müssen. Wenn die Auflage des Kristall-Besitzens ist, dass eine bestimmte Zukunft für diese Person eintritt, dann könnte ein Zeitkristall immer nur von der Person benutzt werden, die ihn herausgerbochen hat.

    Hat Mutti Burnham das? Ich meine nein. Und falls das doch nicht Bedingung ist: Warum gibts nicht eine arme Sau die, immer wenn jemand nen Kristall will, den herausbricht? Mehr als einmal die eigene Zukunft festlegen macht ja dann auch keinen Unterschied mehr.

    Ich könnte mich nun noch über zig weitere völlig absurde Dinge dieser Episode aufregen. Aber im Gegensatz zum Supi-Quantencomputer-Zeitreisenazug ist meine mentale Speicherkapazität nicht unendlich. Und es ist ja schon fast wieder Freitag. Drum hör ich jetzt auf einer positiven Note auf:

    Nach all dem Unsinn gibt es endlich gute Neuigkeiten: Die Discovery soll gesprengt werden.

    Ergebnisse des Langstrecken-Scans:

    • KI steht offenbar nicht für Künstliche Intelligenz sondern für Keine Intelligenz
    • Auf abermillionen Nanobots schießt man lieber mit dem Phaser als wegzulaufen.

    Face-Palms der Woche

    • Zeitkristalle Wachsen nur wenn man ein Kloster drum herum baut?
    • Keine planetaren Verteidigungen, keine Sicherheit - wer nen Kristall braucht, muss nur klopfen.
    • Section 31 Schiffe haben Luftschleusen. Und zwar überall. Auch aufm Klo!
    • Offenbar hat jeder Mensch eine schlimme Zukunft, sonst macht Pikes Prüfung keinen Sinn
    • Nur doch 10 Minuten Verspätung lässt sich Burnham auf ein Section 31 Schiff locken. Was für ein meisterhafter Plan der KI
    • Datenspeicher der Discovery sind unzerstörbar

    Fazit und Wertung

    Zwar technisch etwas besser umgesetzt wie noch letzte Woche, inhaltlich und erzählerisch bei näherer Betrachtung ein noch größerer Totalausfall.
    1/5
    Gesamtwertung
    Action: 3 Spannung: 2 Humor: 0 Anspruch: 0 Kontinuität: 0 Figuren: 0 Erotik: 0

    bearbeitet von Daniel Räbiger

    Rückmeldungen von Benutzern

    Empfohlene Kommentare

    Du meine Güte. Es macht zwar immer wieder Spaß, Deine Reviews zu lesen. Aber mir scheint, Deine Enttäuschung lässt Dich überhaupt nichts positives in der Serie erkennen. Ich habe auch so meine Schwierigkeiten mit einigen Storyentwicklungen und Logiklöchern. Vieles lässt sich doch aber hinnehmen, ohne gleich die ganze Serie in Frage zu stellen.

    Ich widerspreche mal in einigen genannten Punkten:

    – Optikklau bei The Elder Scrolls IV: Skyrim: Mal ehrlich, who cares? Haben sie sich halt von nem Spiel inspirieren lassen. Was ist daran verkehrt?

    – L'Rells und Vok's Sohn ist erwachsen: Es wird gesagt, die Zeit verläuft anders in der Nähe der Kristalle. Es wird nicht behauptet, dass sie linear oder beschleunigt funktioniert. Ich nehme es einfach hin, dass sie ANDERS verläuft und brauche (erstmal) auch keine Erklärung dafür. Und wenn ich doch unbedingt wissenschaftlich erklärt haben muss, dann rufe ich mir ins Gedächtnis, dass es Orte in unserem Universum gibt, an denen unsere physikalischen Gesetze ungültig sind. Das sollte doch der Fantasie hinreichend auf die Sprünge helfen.

    – Zeitkristall etc. zu sehr fantasymäßig: Ehrlich gesagt auch nicht mein Ding. Aber ich fand die Pah-Geister stark. War auch ganz schön fantasy, wenn ich drüber nachdenke. Und hat mir ein paar meine Lieblingsfolgen DS9 beschert.

    – Luftschleusen überall auf dem Schiff: Auch hier brauch ich nur etwas Fantasy, um mir auszumalen, dass Control mittels Fehlfunktionen o.ä. die Crew in bestimmte Räume mit Luftschleusen gelockt hat. Irgendwie hat es das System halt hinbekommen, ist doch nicht total unmöglich, oder?

    – Herumgerede um heißen Brei, statt gleich zu töten: kältester Kaffee der Filmgeschichte. Hat wohl dramaturgische Gründe ist aber nicht die Erfindung der Discovery-Macher.

    Nicht falsch verstehen, ich finds cool, dass Du immer Reviews schreibst und auf jede Folge eingehst, ich wünschte nur, es wäre nicht so einseitig negativ. Hat Dir denn rein gar nichts gefallen, oder wie kommt so eine schlechte Wertung zustande? Ich fand die Vision von Pike um seinen Deltastrahlen-Unfall ziemlich gelungen. Das könnte man nun auch als Fanservice schlecht reden, wenn man wollte. Vielleicht bin ich auch zu anspruchslos, wobei ich mich wie gesagt auch an (extremeren) Logiklöchern störe – das macht Abstriche im Storytelling. Aber die Serie ist doch nicht in allen Facetten so mies, dass man sie dermaßen hinrichten muss. Behaupte ich mal in aller Subjektivität.

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    Ich find schon, dass du recht hast. Kann mich noch an die eine Szene in der ersten Staffel erinnern, wo Lorca verspricht, dass man nach dem Krieg endlich mit dem Sporenantrieb fremde Universen erforschen kann. Das hat mich irgendwie hoffen lassen für die zweite Staffel - stattdessen gibts nur hohle Story ohne eine Spur des Gefühls, dass es im Weltraum irgendetwas interessantes/komplexes zu entdecken gäbe...

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    vor 16 Stunden schrieb Gast Oliver:

    Ich find schon, dass du recht hast. Kann mich noch an die eine Szene in der ersten Staffel erinnern, wo Lorca verspricht, dass man nach dem Krieg endlich mit dem Sporenantrieb fremde Universen erforschen kann. Das hat mich irgendwie hoffen lassen für die zweite Staffel - stattdessen gibts nur hohle Story ohne eine Spur des Gefühls, dass es im Weltraum irgendetwas interessantes/komplexes zu entdecken gäbe...

    +1

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    vor 21 Stunden schrieb Gast Art Vandelay:

    Du meine Güte. Es macht zwar immer wieder Spaß, Deine Reviews zu lesen. Aber mir scheint, Deine Enttäuschung lässt Dich überhaupt nichts positives in der Serie erkennen.

    Ja, da hast du recht. Mittlerweile ist das echt schwer überhaupt noch einzuschalten.

    Deine Ausführung ist schon richtig - der Optikklau ist eigentlich nix dramatisches. The Elder Scrolls - Skyrim bedient sich ja selbst bei historischen Mönchen. Was mich da an Discovery insgsamt viel mehr stört ist, dass die es nicht schaffen überhaupt irgendetwas eigenständiges auf die Beine zu stellen. Dass mich das ganze Setting auf Boreth nun an Skyrim erinnert hat ist nur die Spitze des Eisbergs.

    Der ganze Fantasy-Aspekt stört mich massiv. Nicht auszudenken, wenn die z.B. bei "The Expanse" mit derartigem Hokus-Pokus arbeiten würden.

    Zitat

    – Luftschleusen überall auf dem Schiff: Auch hier brauch ich nur etwas Fantasy, um mir auszumalen, dass Control mittels Fehlfunktionen o.ä. die Crew in bestimmte Räume mit Luftschleusen gelockt hat. Irgendwie hat es das System halt hinbekommen, ist doch nicht total unmöglich, oder?

    Klar könnte das System das mittels gesteuertem Druckabfall so hinbekommen, dass sich die Crew nach und nach in Richtung Shuttle-Hangar bewegt. Das fänd ich sogar super als Flash-Back-Sequenz. Es passt halt null dazu, dass Burnham und Spock dann einfach munter aufs Schiff spazieren und annehmen, die KI merkt das eben nicht.

    Zitat

    – Herumgerede um heißen Brei, statt gleich zu töten: kältester Kaffee der Filmgeschichte. Hat wohl dramaturgische Gründe ist aber nicht die Erfindung der Discovery-Macher.

    Da muss ich dir doch etwas widersprechen. Gerade das macht einen guten Gegenspieler aus: kein Gerde, nur die Tat.

    Darum waren die Borg in TNG ja so großartig, in Voyager später dann umso schwächer. Dieses "ich erklär die mal eben meinen Masterplan" von Bösewichten stört mich ja nicht nur bei Discovery ;-)

    Zitat

    Nicht falsch verstehen, ich finds cool, dass Du immer Reviews schreibst und auf jede Folge eingehst, ich wünschte nur, es wäre nicht so einseitig negativ. Hat Dir denn rein gar nichts gefallen, oder wie kommt so eine schlechte Wertung zustande? Ich fand die Vision von Pike um seinen Deltastrahlen-Unfall ziemlich gelungen.

    Bei dieser Folge: nein, mir hat hier kaum was gefallen. Lies mal mein Review zu 2x09 - die fand ich echt gut. Weil die Folge daramturgisch gut insziniert war. Im gegensatz dazu war diese Folge für mich fast unanschaubar weil sie vor lauter unsinnigen Handlungslöchern nur so strozt. Da tue ich mir schwer davon unterhalten zu werden.

    Betrachtet man die Sequenz vom Strahlenunfall völlig eigenständig: Ja, das war cool gemacht. Aber unter welchem Kontext das in der Folge passierte war so hochgradig absurd ("brech mal den Kristall raus, dann ist das festgeschrieben"), dass da auch keine coole Optik mehr hilft...

    vor 19 Stunden schrieb Gast Oliver:

    Ich find schon, dass du recht hast. Kann mich noch an die eine Szene in der ersten Staffel erinnern, wo Lorca verspricht, dass man nach dem Krieg endlich mit dem Sporenantrieb fremde Universen erforschen kann. Das hat mich irgendwie hoffen lassen für die zweite Staffel - stattdessen gibts nur hohle Story ohne eine Spur des Gefühls, dass es im Weltraum irgendetwas interessantes/komplexes zu entdecken gäbe...

    Star Trek -> Sternen Reise... Discovery -> Entdeckung... du bringst es schön auf den Punkt. DAS würd ich auch gern mal wieder sehen.

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    Season 2 ist durch. Meine Güte, war das enttäuschend. Ich war ja mal der Meinung, dass Daniels Bewertungen zu sehr mit der Negativbrille geschrieben worden sind. Und jetzt habe ich kürzlich seine Reviews zum Serienauftakt gelesen und war überrascht, wie gut er den noch bewertet hat, und konnte die Entwicklung besser nachvollziehen. Ich *wollte* die Serie mögen, will es irgendwie immer noch - wirklich! - und auch über die visuellen Abweichungen und kleinere Probleme mit der Canon-Logik hinwegsehen. Auch wenn das nicht mehr geht weil der Gesamteindruck nicht stimmt, möchte ich diese so genannten "MIMIMI-Punkte" zuerst mal außen vor lassen. Mein Hauptkritikpunkt ist noch immer, dass diese Serie leider einfach richtig schlecht geschrieben ist. Ich habe mich kürzlich für ein Masterstudium in Screenwriting beworben, bin aber mit meinen "unverkaufbaren" Filmideen und nur 9 von 50 möglichen Punkten rasselnd durch die Aufnahmeprüfung gefallen. Jetzt muss ich mich fragen, ob dann für den Star Trek Writing Room die Kandidaten mit noch weniger Punkten, oder gar die Absolventen mit Höchstwertung eingekauft worden sind. Ich will wirklich nicht behaupten, dass ich bahnbrechende neue Storyideen oder ausgeklügelte Hintergründe für die Protagonisten entwickelt hätte. Aber mir wäre daran gelegen, zumindest solide, Star Trek-gerechte, handwerkliche Arbeit abzuliefern, vor allem mit dem Augenmerk darauf, dass alles einigermaßen schlüssig ist.

    Die Discovery-eigenen Charaktere sind weitgehend eindimensional und die Twists zu vorhersehbar. Ich muss zugeben, dass ich den Ansatz mit dem ambivalenten und undurchsichtigen Captain Lorca eigentlich ganz reizvoll fand, aber dieser ganze Aufbau dann durch seine Herkunft aus dem Spiegeluniversum, aber in der Linie der Offenbarung als flacher Cartoon-Halunken innerhalb von nur einer (?) Folge zerstört wurde. Richtig geschrieben hätte das auf jeden Fall viel Potential und das Element gehabt, in einer vermeintlich utopischen Zukunft einen grauen, vielschichtigen Charakter zu haben, über den das Publikum wöchentlich diskutieren könnte, ob er nun gut, böse, oder irgendwas zwischendrin ist. Das wäre "Game of Thrones in Space" gewesen wie es damals vollmundig angekündigt wurde. Es hätte auch besser für den ganzen Sektion 31-Plot in dieser Staffel getaugt, da ein gut ausgearbeiteter Lorca im Gegensatz zur Hitlerin Substanz gehabt hätte. Auch wenn die Autoren sich sichtlich bemüht haben, aus Mirror-Georgiou eine "Person" zu machen - als reine Verkörperung des Bösen und Massenmörderin eingeführt, ist das ein Ballast, der sich auch mit dem besten Willen für mich nicht mehr glaubhaft wegschreiben lässt. Es war vermutlich auch nicht so geplant.

    Was unerwartete Figurentode angeht wurde die sichere Schiene gefahren, die Figuren vorher auch bloß nicht zu positiv aufzubauen. Die unsympathische Sicherheitschefin in Staffel 1, der vollmundige Macho-Typ in der Staffelpremiere. Airiams Tod hätte dramaturgisch und emotional funktioniert, wenn ihre Backstory schon wesentlich früher und beiläufiger etabliert worden wäre und nicht komplett in einer einzigen Folge abgearbeitet worden wäre. Die pathetische, eigentlich schon zum fremdschämende Beerdigungsszene am Anfang der folgende Episoden war aber noch schlimmer als dieser rein klassisch episodische Fokus auf Airiams Figur. Denn die große emotionale Verabschiedung in Reden ihrer Kameraden hätte es nicht gebraucht, wenn das dort vorgetragene vorher ganz einfach nur mal gezeigt worden wäre.

    Schon solche einfachen Grundsätze machen gutes, durchdachtes Drehbuchschreiben mit rotem Faden aus, gerade weil das moderne Serial Storytelling zur Vertiefung ja die Möglichkeiten bietet. Aber dafür gibt es bei Discovery trotzdem keine Zeit, zumal viele Episoden auch einfach nur überladen wirkten, aber unter dem Strich die eigentliche Geschichte nicht wirklich vorwärts bringen. Es wird gerade von den Discovery-Fans und Machern gerne angeführt, dass sich die Serie von den bisherigen episodenhaften "Planet-of-the-Week"-Star Trek abheben soll. Nur wie, wenn sich die Autoren die fortlaufende Erzählung in solchen Schlüsselmomenten gar nicht zu Nutzen machen? Es stehen für meinen Geschmack auch viele Episoden als reiner Mittelteil ohne dramaturgischen Anfang und Ende in der Episoden da. Natürlich sind Cliffhanger-Enden ein schönes Mittel um die Spannung hoch zu halten, nur sollten dieses Stilmittel dann auch in einer fortlaufenden Handlung nicht in jeder Folge überstrapaziert werden - auch das ist nämlich kein gutes Schreiben, sondern in der tat soap-haft. Mir fällt da gerade die zweite Hälfte der ersten Staffel ein, als es schon klar war, dass uns in der letzten Minute noch irgendein Twist bevorsteht - und nach dem Schocker bitte die dramatische Abspannmusik aus der Lindenstraße. Trotzdem haben viele die Serie dafür gefeiert.

    Pike - von Anson Mount wirklich gut verkörpert und ein Charakter, den man irgendwie einfach mögen muss, aber leider weitgehend je nach Bedarf vom Captain zum Stichwortgeber degradiert. Spock? Wurde zuerst als MacGuffin mehr als ausgereizt. Leonard Nimoy hat seinerzeit abgelehnt, in "Generations" mitzuwirken, weil seine vorgesehene Rolle dort nichts gesagt oder getan hätte, was nicht auch jeder andere Charakter hätte können. In einigen Discovery-Episoden wirkt das genau so, und es tut einem solch etablierten Charakter einfach nicht gut. Ob es nun eine Entscheidung der Macher war, um mit dem großen monumentalen Namen Pike, Spock und Enterprise mehr Zuschauer an Bord zu holen oder einfach die Tatsache, dass die Autoren der Versuchung nicht widerstehen konnten, sie zu schreiben (...was ich ehrlich gesagt sogar nachvollziehen kann), es war großteils unglücklich umgesetzt. Oft wird angeführt, dass die TNG-Erä-Serien in den ersten Staffeln auch noch nichts waren. Das stimmt natürlich absolut. TNG Season 1 und auch Teile von 2 haben für mich auch einen großen Fremdschäm-Faktor und lassen sich außer einer Handvoll auserwählter Episoden sehr schwer ertragen. Nur hat die Serie von Anfang an versucht, auf eigenen Beinen zu stehen und deshalb so wenig wie möglich von Kirk, Spock und dem vorherigen aufzugreifen und sich erst nach der eigenen Etablierung an die Gastauftritte (abgesehen von DeForrest Kelleys Cameo im Piloten) zu wagen. Das hier schon zum Ende der ersten Staffel, und mit einer solchen Verflechtung von Burnham in Spocks Hintergrundgeschichte gearbeitet wurde, gibt mir mehr den Eindruck, als wollten die Macher die Daseinsberechtigung ihrer Serie damit erzwingen, dass sie alles in den vorhandenen Canon hereinmeißeln als tatsächlich ihre eigene Sache durchzuziehen. Wenn schon nach "neuen" und "alten" Fans unterschieden wird, dann frage ich mich, ob gerade für die reinen Discovery-Fans diese Elemente nicht ohnehin nur "meh" sind und es nicht auch ein beliebiger Vulkanier oder Starfleet-Kapitän getan hätten.

    Die Kritik am Umgang mit den Canon muss dann auch folglichermaßen erlaubt sein. Es ist schon paradox, wie glücklich die Verantwortlichen jetzt sind, sich mit der Zeitreise von den Fesseln des Canons befreit zu haben, wenn es zu Beginn eine absolut strategisch getroffene Entscheidung gewesen sein muss, Burnham als Spocks Halbschwester und die Serie in der TOS-Erä zu schreiben. Es kann also nur eine Reaktion auf die Kritik der "alten" (Nochmal, ich bin zwar stark über 30, aber "alt"?) Fans sein. Nur dann der Meinung zu sein, der etablierte Canon wäre gerettet, wenn zwei Mal gesagt wird "Wir werden nie wieder Hologramme verwenden" und alle zu zwingen über die Ereignisse zu schweigen (klar!), ist dann wieder mal "lazy writing at its best", erstbeste Erklärung gefunden - Häckchen setzen. Selbstverständlich werden gleichzeitig noch andere nie gesehene Technologien wie die putzigen Reparaturroboter eingeführt, die zwar genau so wenig in die Kontinuität passen, obwohl den Autoren das durch die andere Zurechtbiegerei der Hologramme eigentlich schon klar gewesen sein muss.

    Wie wäre es denn gewesen, wenn sämtliche "fortschrittliche" Starfleet-Technologie schon von den Nanobots befallen gewesen wäre und genau das letztlich dazu führt, dass bei TOS wieder alles nach Pappe mit Knöpfen aussieht? Auch nicht toll, aber besser als "Wir verwenden das nie wieder". Oder wenn die Infestation so weit fortgeschritten wäre, dass nur noch durch einen Eingriff in der Vergangenheit der technische Entwicklungsstand niedriger gehalten werden müssen, um die reine Existenz Controls zu unterbinden? Aber das würde ja die Discovery-eigene Kontinuität verändern. Insofern macht auch der "Kniff" mit der Reise in die Zukunft unter dem Gesichtspunkt der fortlaufenden Geschichte gar keinen Sinn. Control hatte sich ja trotz des "Löschens" am Ende der Folge schon verbreitet, also könnte er/es ja auch locker irgendwo im System die 930 Jahre warten und dann versuchen, an die Sphärendaten zu gelangen. Wenn ich überall in der Zeit hinreisen kann, warum dann nicht einfacherweise direkt zu Sektion 31 und eingreifen, bevor sich die KI so weit entwickelt und ausbreitet? Überspitzt gesagt, Star Trek First Contact: "Captain, die ganze Erde ist von den Borg assimiliert!" Picard: "Tja, schade drum - können wir 1000 Jahre in die Zukunft reisen, vielleicht sind sie dann ja wieder weg?"

    Gibt es tatsächlich niemanden im Star Trek Writers Room, der sich im entferntesten über solche Details Gedanken macht und es zur Diskussion mit den Kollegen stellt, oder wird da immer der Weg des geringsten Widerstands gegangen? Schon einmal Star Trek online gespielt? Da ist zwar auch nicht alles hochqualitativ und mir persönlich ist der Schieß-Anteil für Star Trek zu sehr im Mittelpunkt, aber die Autoren dort haben einen guten Weg gefunden, das Universum glaubhaft zu präsentieren, die vorhandenen Figuren und den Canon zu verknüpfen und daraus eigene, zum Teil wirklich gelungene Stories zu entwicklen. Dort habe ich mehr das Gefühl, dass die Verantwortlichen Kenner und auch stolz sind, dass sie Zugang zu dieser Welt und dem im Fülle vorhandenen Material und Canon haben, und mit Spaß, aber auch Respekt an die Sache gehen.

    Und letztendlich war es am Schluß keine Synchronisierung mit dem Canon, sondern reinstes Retconning. Das muss ich den J.J.-Filmen lassen und das sollte auch Kurtzman bemerken, da er das im Interview selbstanspricht: die Sache mit der alternativen Kelvin-Zeitlinie gewinnt zwar auch keinen Kreativpreis, erklärt aber zumindest sämtliche Abweichungen plausibel und einfach genug, dass sich sowohl neue als auch alte Fans darauf einlassen können, dass die Optik anders ist und die Protagonisten anders als gewohnt verhalten, während das bekannte Prime-Universe so bleibt, wie es war. Dann kann auch ich als alter Mimimi-Trekkie mich mal davon mal berieseln lassen, das als stark von Star Trek inspiriertes SciFi akzeptieren, ohne zu hinterfragen, wie es ins Gesamtgefüge. Gerade Into Darkness ist zwar auch nicht gut geschrieben, aber das haben diese Filme Discovery voraus. Und was gelungene folgenübergreifende Geschichten angeht, kam Deep Space 9 damals leider zu früh, denn dort wurden gekonnt auch mal eigenständige Episoden in die Storyline eingefügt, was hier wirklich fehlt. Sogar die dritte, vor allem vierte Staffel von Enterprise konnten das besser. Aber bei Enterprise wurde ja auch 2005 noch die Brücke von 1966 originalgetreu nachgebaut, obwohl das damals auch schon nicht mehr modern war. Denkt mal darüber nach. ;)

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    @Gast "Alter" Fan

    Danke für diesen umfangreichen Beitrag! War sehr schön zu lesen.

     

    @ Gast Dobby

    Review zum ersten der beiden Teile ging gerade online, Teil zwei folgt, wenn die Gedanken wieder geordnet sind ;)

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