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  1. Kolonie

    Ein fremder Planet und ein neuer Anfang für uns als Menschen? Schön wäre es gewesen, aber irgendwie ist dann doch alles anders gekommen. Nach etwa einhundert Jahren im Kälteschlaf, kam dass Kolonieschiff auf dem Planeten Corazon an. Mittlerweile sind dreißig Jahren vergangen, doch was sich bis dato abgespielt hat, klingt nicht nach einer gelungenen Besiedlung. Selbst die fortschrittlichste Technik konnte die Menschen nicht davor retten sich selbst wieder den Gar auszumachen. Zum einen haben sie gegen ihre Kinder eine Quarantäne erhoben. Nicht verwunderlich, denn sie haben nach ihrer Geburt plötzlich seltsame Extraorgane entwickelt. Bei einigen deutlich sichtbar und bei anderen eher weniger. Doch damit nicht genug, denn irgendwann haben auch die Maschinen rebelliert und haben sich auf den Weg gemacht, um eine eigne Stadt zu gründen. Deshalb sind die alten Kolonisten immer auf der Hut wenn ein Roboter sich der Siedlung nähert. An sich würde das alles schon ausreichen, um eine vernünftige Geschichte zu erzählen, doch Stöbe geht noch weiter. Denn nach all den Jahren scheint sich die Erde doch noch für diese Welt zu interessieren und eine neue Expedition trifft nach langer Reise auf diesem Planeten ein. Dabei entstehen unweigerlich Spannungen, welche später zu der Action führt, welche unausweichlich kommen musste. Ich bin mir nicht sicher warum der Autor derart viele Figuren versucht hat in den Roman unterzubringen. Genau dieser Punkt führt dazu, dass man sich kaum auf irgendjemand wirklich konzentrieren kann. Man lernt weder die Kinder, die Kolonisten, die Bots oder die Neuankömmlinge wirklich gut kennen. Der Verlauf der Geschichte scheint auch irgendwie sehr zerstückelt und findet zwar am Ende noch einmal eine Auflösung, welche aber meiner Meinung den Rest des Romans definitiv nicht rettet und auch an sich nichts Neues aus der Sciencefiction ist. Immerhin bedient sich der Autor bei einigen heutzutage schon möglichen Ideen. Da haben wir zum einen die Drucker, welche in der Zukunft ähnlich wie heute mit der richtigen Vorlage komplexe Gegenstände produzieren, welche man am Ende nur noch zusammenfassen muss. Das gleiche gilt für all die Roboter mit ihren Teleskoparmen oder den rollenden Untersätzen. Die Black Box fand ich besonders interessant und hätte für mich als einziges Rätsel völlig ausgereicht. Denn Geheimnisse, welche über die Jahre verloren gehen, gibt es vielmehr als wir selbst mitbekommen. Vielleicht ist das Ende des Buches dann doch die Chance, welche vor mehr als 100 Jahren ihren Start genommen hat. Fazit: Manchmal ist weniger wahrlich viel mehr. Norbert Stöbe findet sich in seinem Roman an vielen Stellen gut zurecht, konzentriert sich aber zu wenig auf die Figuren, so dass man als Leser kaum eine Bindung finden oder aufrecht halten kann. Das Setting selbst ist Stimmig und auch manch Idee zum Planeten und dessen Eigenart bringt Spannung und Interesse. Dennoch kommt er oft ab vom Weg und erzählt Einzelgeschichten, welche nicht zwingend ineinanderfließen. Matthias Göbel Autor: Norbert Stöbe Taschenbuch: 368 Seiten Verlag: HEYNE Verlag Sprache: Deutsch Erscheinungsdatum: 13.02.2017 ISBN: 978-3-453-31800-7
  2. Die Kinder des Saturn

    Ich habe schon viele Bücher gelesen, welche sich mit der Zukunft und dem wohl kommenden befassen, was sich Charles Stross allerdings ausgedacht hat, trifft noch einmal eine ganz andere Dimension. Als Hintergrund muss man wohl erwähnen, dass wir uns als Menschen in der Zukunft abgeschafft haben. Wie erfanden Roboter, welche nicht nur unsere Ebenbilder sind, sondern auch so handeln und denken wie wir. Selbst Bedürfnisse haben diese Roboter und da verwundert es nicht das es auch um Sex geht. Ja, richtig gelesen, Roboter lieben Sex. Die Menschen selbst haben sich einfach nicht mehr fortgepflanzt und alles ihren elektronischen Freunden überlassen. Egal ob die einfachen Arbeiten im Haushalt, im Bergbau oder sogar das Besiedeln von Planeten. Denn kein menschlicher Körper würde die Strapazen eines solchen Fluges unbeschadet überstehen und die Lebensbedingungen auf den Planeten unseres Sonnensystems sind auch eher Lebensfeindlich als freundlich. So erleben wir die Geschichte von Freya Nakamachi-47, welche als perfekte Konkubine ausgebildet wurde, aber jetzt nicht mehr ganz dem Schönheitsideal entspricht. Mit ihren 1,7m ist sie für viele viel zu groß und ein Streit auf einer Straße über ihr Aussehen artet aus. Plötzlich wird sie verfolgt und muss sich einen neuen Unterschlupf suchen. Ihr wird ein Job angeboten, wo sie entspannt fliehen und ein neues Leben anfangen kann. Keine Frage, sie ist auf dem Weg. Doch schon jetzt wird man als Leser merken, dass hier nicht alles so galt läuft wie man es ihr versprochen hat. Eine Flucht folgt der nächsten und ihre Peiniger vom Anfang sind auch immer wieder mit an Bord. Um was geht es aber wirklich? Genau das, macht den Roman aus. Ich muss gesehen, dass ich all die Sexabenteuer mehr oder weniger überflogen habe, weil sie eher belanglos für die Geschichte sind, vielmehr der Thriller in sich macht Spaß und löst sich am Ende schön behutsam auf. Bei ihren Reisen nimmt sie auch verschiedene Namen und Identitäten an, was das Agentenleben nun einmal mit sich bringt. Die Flugreisen mit den unterschiedlichen Raumschiffen wurden auch sehr anschaulich erklärt. Einmal sind es mit Sonnensegel versetzte Riesenschiffe und das andere mal Atombetriebene kleine enge Frachter. Stross ist dabei auf viele aktuelle Erkenntnisse eingegangen, welche in der Theorie funktionieren könnten, aber in der Praxis noch nicht existieren. Vielleicht sind die Roboter wirklich die besseren Menschen, denn schaut man an wie weit sie gekommen sind, dann muss man neidvoll den Hut ziehen. Allerdings bleibt und stellt sich mir die Frage, warum sie so hinterlistig und mit einer derart hohen kriminellen Energie ihren Weg beschreiten? Bleibt da nicht unweigerlich die Frage nach unserer eigenen Intelligenz und ob wir alle wirklich so gleich sind? Selbst wenn Stross wirklich gute Ideen verarbeitet hat, mit allen Antworten hausiert er dennoch nicht. Fazit: Ein überraschender Sci-Fi-Agenten-Thriller, gefüllt mit viel Fantasie und einer menschenleeren Zukunft. Wer schon immer wissen wollte, wie Roboter-Konkubinen aussehen, arbeiten und welche Gedanken sie haben - bitte schön und wer eine intelligent verpackte Geschichte erleben will greift ebenfalls zu, aber nicht wundern, wenn euch einiges in Wort und Handlung doch zu heftig daher kommt. Meiner Meinung nach hätte alles auch wunderbar ohne Sex und den 18ner Passagen funktioniert. Matthias Göbel Autor: Charles Stross Taschenbuch: 448 Seiten Verlag: HEYNE Verlag Sprache: Deutsch Erscheinungsdatum: 01.09.2009 ISBN: 978-3-453-52578-8
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