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  • Monitor - 7x02: Unruhe

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    Nachdem die Monitor den Auftrag bekommen hat, den Anschlag mit Biowaffen auf die Erde zu verhindern, macht sie sich auf die Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Nur der immer noch verdeckt ermittelnde Danny Bird wäre in der Lage die so wichtigen Informationen zu übermitteln, doch kann er dies schaffen, ohne dabei sein Leben zu gefährden?
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    Monitor 7x02 "Unruhe"
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    Das letzte mal in 7x01 „Es beginnt…“:

    Es war nur Zufall, dass er ihm über den Weg lief. Die Arme ausgebreitet, ein Lächeln auf seinen Lippen, begrüßte der gutgelaunte James Talley das neuste Mitglied der Gruppe. Eigentlich hatte Danny noch einige Zeit lang allein sein wollen, ziellos durch den Gebäudekomplex der Gruppe streifen wollen. Doch an einer Wegbiegung hatte ihm der dunkelhäutige, charismatische Anführer der Befreiungsarmee quasi aufgelauert. Wie eigentlich jeden Tag trug James einen elegant geschnittenen Anzug aus feinstem Stoff, der in ausgezeichnetem Zustand war. Der schwarze Mann legte großen Wert auf ein gepflegtes Äußeres, elegant, aber nicht zu protzig. Sein krauses Haar war kurz geschnitten, jedoch nicht mit der Rasiermaschine, wie es bei Menschen seiner Hautfarbe seit Jahrhunderten Mode war, sondern ganz altmodisch mit einer Schere. Deutlich konnte Danny den Ring am Finger Talleys erkennen. Es war sein Ehering, den er auch nach dem Tode seiner Frau vor vielen Jahren nicht abgenommen hatte. Auch wenn man sich dies nur ungern eingestehen wollte, dieser Mann hatte eine sentimentale Natur.
    „Danny!“ begrüßte ihn James Talley überschwänglich. „Ich war auf der Suche nach dir. Wir müssen dringend miteinander reden.“
    „Eigentlich habe ich noch einiges zu tun“, versuchte sich der Lieutenant aus der Sache herauszuwinden, doch schon im nächsten Moment hatte der Anführer einen Arm um die Schultern des taktischen Offiziers gelegt.
    „Es ist eine Sache, die mir sehr wichtig ist. Bitte folge mir in mein Arbeitszimmer, “ bestand James und geleitete seinen vermeintlichen Partner in dessen prächtig ausgestattetes Büro. Es war im Stil alter Landhäuser aus dem 19. Jahrhundert gestaltet, mit zahlreichen, altmodischen Büchern in den Regalen und einem großen Schreibtisch, an den sich James setzte und ihm gegenüber einen Platz anbot. Aus irgendeinem Grund hatte Danny keinerlei Zweifel daran, dass Talley einen Großteil dieser Werke gelesen hatte.
    „Was gibt es denn so dringendes, worüber wir reden müssten?“ fragte Danny, nachdem er in dem bequemen Sessel vor dem Schreibtisch Platz genommen hatte und schlug die Beine übereinander. Inzwischen war jegliche Nervosität verschwunden, die er noch zu Beginn dieses Einsatzes gehabt hatte und momentan war er in der Lage ganz zwanglos mit den Leuten zu sprechen, die er eigentlich ausspionieren sollte. Seine Tarnung war perfekt und derzeit sah es nicht so aus, als hätte man ihn enttarnt.
    Besonnen faltete James Talley seine Hände, legte sie vor sich auf dem Tisch ab und räusperte sich. Fast schon schien er peinlich berührt angesichts dessen, was er zu sagen hatte:
    „Danny, ich verdanke dir sehr viel. Mehr als einmal hast du mich aus einer kniffligen Situation gerettet. Wärst du nicht gewesen, so befände ich mich jetzt schon in einem Gefängnis der Föderation. Du hast mich aus der Sache rausgeholt und dafür bin ich dir ewig dankbar.“
    Der Lieutenant nahm dieses Lob äußerlich scheinbar ungerührt auf. Ja, fast hätte man den Anführer der Gruppe festgenommen, doch dann hatte das Geheimdienstoberkommando im letzten Moment beschlossen, dass die Infiltrierung der Föderalen Befreiungsarmee noch etwas andauern sollte und so hatte man Danny den Auftrag gegeben, den Anführer zu retten. Es war eine seltsame Situation gewesen auf Mitglieder der Sternenflotte zu schießen. Zum Glück war bei dieser ganzen Sache niemand zu schaden gekommen. Im Nachhinein hatte sich diese ganze Sache für seine Mission als nützlich herausgestellt, vertraute man ihm doch nun noch mehr als zuvor.
    „Und ich kann deinen Ärger verstehen!“
    „Ärger?“ Danny beschloss unwissend zu tun. „Tut mir leid, aber ich weiß nicht, wovon du sprichst.
    Wieder lächelte Talley auf diese entwaffnende Art und Weise, die ihn so sympathisch machte. Abwehrend hob er eine Hand und erklärte:
    „Du brauchst dich nicht zu verstellen. Janine hat mir schon davon berichtet und ehrlich gesagt kann ich dir nicht deine Gefühle verdenken.“
    Scheinbar genervt lehnte sich Danny in dem Sessel zurück, so als verspürte er ein klein wenig Groll gegenüber der Tochter des Anführers darüber, dass sie ihn verraten hatte. In Wirklichkeit lief jedoch alles so, wie er es sich vorgestellt hatte.
    „Ich wusste, sie kann kein Geheimnis für sich behalten, “ raunte Danny, ohne dabei wirklich böse zu klingen.“
    „Ja, sie ist ein gutes Mädchen, deswegen schätze ich sie so. Nicht nur als Tochter, sondern auch als Frau mit offenen Ohren und Augen. Aber wir weichen vom Thema ab. Immerhin soll es ja nicht um Janine gehen, sondern um dich und ich möchte mich in aller Form bei dir entschuldigen!“
    „Du möchtest was?“
    Überrascht wölbte Bird die Augenbrauen. Mit einer solchen Aussage hatte er einfach nicht gerechnet.
    „Dir die Sache, die ich heute Morgen verkündet habe, nicht früher mitzuteilen, war nicht richtig von mir. Natürlich bist du erst seit zwei Monaten Mitglied unserer Gruppe, aber in dieser kurzen Zeit hast du mehr bewirkt als viele andere. Ich habe dich in mein Herz geschlossen, Danny, dies gebe ich ganz offen zu und es war einfach nicht fair von mir, dich außen vor zu lassen. Bitte verzeih!“
    Innerlich jubilierte der Sicherheitschef. Die ganze Sache bewegte sich genau in die Richtung, die er sich erhofft hatte.
    „Nun ja…,“ begann Danny und schien nach den richtigen Worten zu suchen, die er schon längst gefunden hatte, „ich akzeptiere deine Entschuldigung und finde es äußerst ehrbar, wie du denkst! Ich bin einfach nur enttäuscht gewesen… ich hatte schon das Gefühl, dass du mir nicht vertraust.“
    „Nein, dies ist nicht wahr, ich vertraue dir und wir werden diesen Fehler nicht wiederholen. Du sollst nun voll in die Sache eingebunden werden, die heute steigt.“
    Danny lächelte angesichts dieser Worte, dann erstarb es jedoch auf der Stelle, als ihm eine grausige Sache bewusst wurde.
    „Moment mal“, stammelte der Lieutenant. „Sagtest du eben heute?“
    „Ja, dies meine ich“, bestätigte James Talley und lächelte ebenfalls, „unser Schlag gegen die Organe der Föderation wird noch am heutigen Tage geschehen!“


    Und nun die Fortsetzung…

    Es dauerte einige Sekunden, um zu verarbeiten, was Danny Bird so eben gehört hatte. Die erhaltene Information veränderte alles. Tausende von Gedanken schwirrten ihm im Kopf herum, er wollte auf der Stelle handeln, konnte jedoch seine Tarnung nicht gefährden.
    Die Ruhe, die er noch vor wenigen Minuten empfunden hatte, war verschwunden.
    „Heute?“ fragte Danny noch einmal nach, so als hoffte er das eben gehörte wäre nur ein Missverständnis gewesen. „Die Waffe soll noch heute auf der Erde eingesetzt werden?“
    Auch wenn James Talley dies verhindern wollte, zeigte sich ein Lächeln auf seinen Lippen. Zu groß war einfach die Freude darüber, dass der große Tag gekommen war.
    „Ist dies nicht großartig? Heute ist der Tag gekommen, an dem wir die Welt verändern und eine bessere Zukunft für alle Menschen erschaffen werden, “ erklärte Talley und zupfte beiläufig seinen feinen Anzug zurecht.
    „Ja, dies ist es“, bestätigte Danny stockend und rieb sich über das Gesicht. „Du musst mir verzeihen, ich bin mehr als überrascht darüber. Bisher dachte ich, dass unser Schlag noch Wochen, wenn nicht gar Monate entfernt wäre und nun sagst du mir, es wäre schon heute soweit.“
    „Ein Problem für dich?“
    Kurz zögerte Danny, legte sich scheinbar die Worte zurecht. Langsam fing er sich wieder und baute den mentalen Schild auf, den er für die Arbeit innerhalb dieser Gruppe brauchte. Diese Verkündung war ein Schock gewesen, keine Frage, nun hieß es auf diese Entwicklung zu reagieren und neue Wege zu finden, um diese zu seinem Vorteil zu nutzen.
    „Ich muss gestehen, ich bin etwas enttäuscht“, log der Lieutenant und blickte den Anführer der Föderalen Befreiungsarmee an. „Nach alldem, was wir erlebt haben, hatte ich gehofft an der Planung des großen Tages teilhaben zu können. An deiner Seite zu stehen und den Zeitplan sowie die Durchführung zu organisieren, dies habe ich als mein Ziel angesehen und nun sagst du mir, dass all dies schon erledigt ist.“
    „Es tut mir leid…“ raunte James, wurde jedoch von dem jungen Mann unterbrochen.
    „Und ich kann nicht einmal an dem Schlag teilhaben! Stattdessen bin ich nun zum Warten verdammt, muss hier vom Mond aus zusehen, wie ein neues Zeitalter heran bricht. Ich bin ein Zuschauer, wie jeder andere auch.“
    Beschwichtigend beugte sich Talley vor, legte seine dunkle Hand auf die von Danny und versuchte ihm so Mut zuzusprechen. Seinem Gesichtsausdruck war deutlich zu entnehmen, dass er Bird und dessen Sorgen verstand.
    „Es tut mir leid, Danny“, gestand James überraschend. „Ich verstehe deine Enttäuschung und wäre ich an deiner Stelle, so würde ich wohl ganz genauso reagieren. Aber dieser Tag ist so wichtig, so entscheidend, ich wollte einfach alles selbst machen. Dies ist auch der Grund gewesen, wieso ich in den letzten Tagen so wenig Zeit gehabt habe. Janine hat darunter besonders gelitten…Lass uns bitte nicht an diesem historischen Tag streiten, ja?“
    Scheinbar schmollend blickte der taktische Offizier der Monitor aus dem Fenster hinter Talley. Von hier aus hatte man einen prächtigen Blick auf die grünen Landschaften des irdischen Mondes, man sah den prächtigen Park, der zu dem Anwesen gehörte.
    Früher, vor dem Terraforming, war dies unbewohnbares Ödland gewesen, unerreichbar für jeden Menschen. Jahrhunderte der konsequenten Planung hatten einen wunderschönen Planeten geschaffen, auf dem es sich zu leben lohnte. Sollte die biologische Waffe auf der Erde eingesetzt werden, so würde aus der Wiege der Menschheit ebenfalls eine Geisterwelt werden, die ähnlich öde wie der Mond früher sein würde. Es galt dieses zu verhindern, um jeden Preis.
    „Wie wird der Schlag heute stattfinden?“
    Die Frage des Lieutenants schien Talley zu überraschen. Deutlich war dem sonst so selbstsicheren Schwarzen anzusehen, wie er herumdruckste und nach Ausflüchten suchte, die Danny schon längst durchschaut hatte.
    „Das… kann ich dir nicht sagen“, stammelte James und sofort veränderte sich der Gesichtsausdruck des Untergrundagenten.
    „Was meinst du damit?“
    „Ich kann dir keine Auskünfte darüber geben.“
    Erbost schreckte Danny von seinem Sessel hoch, fixierte den ihm gegenüber sitzenden Mann mit seinen Augen und blinzelte dabei nicht einmal. Er war wütend, daran gab es keinen Zweifel.
    „Was für ein Spiel treibst du da mit mir?“ raunte Bird und konnte scheinbar nur mit Mühe verhindern zu schreien. „Erst entschuldigst du dich dafür, mich nicht ins Vertrauen gezogen zu haben und gelobst Besserung, nur um im nächsten Moment diese guten Vorsätze wieder über den Haufen zu werfen. Wo ist denn da das Vertrauen, welches du mir entgegen bringen möchtest?“
    James blieb in seinem Sessel sitzen, beugte sich vor und legte seine Hände auf dem Schreibtisch ab. Er bemühte sich wieder Ruhe in die Situation zu bringen, was ihm jedoch nur leidlich gelang. Zu sehr hielt sich der Sicherheitschef der Monitor an seinem Spiel fest.
    „Bitte versteh mich doch“, bat Talley, „ich muss den Kreis der Wissenden klein halten. Verräter und Agenten der Föderation könnten überall sein und unsere Pläne verhindern wollen. Denk daran, was auf dem Spiel steht!“
    „Soll dies heißen“, raunte Danny wütend, „dass du mich für einen Verräter hältst?“
    Diese Frage ließ er im Raum stehen, denn unmittelbar danach verließ er das Büro seines Anführers, stampfte durch den gewaltigen Komplex davon. Talley blieb zurück, grübelnd darüber, was er nun tun sollte.

    Mit sorgenvollem Blick schaute der mächtigste Mann der Vereinten Föderation der Planeten, der vom Volk gewählte Präsident dieses interstellaren Völkerbundes, aus dem Fenster seines Dienstzimmers. Für einen kurzen Moment herrschte Ruhe, seine Mitarbeiter und Berater waren unterwegs, um neue Informationen über die Krise zu erlangen. Zum ersten Mal seit zwei Stunden war das Staatsoberhaupt allein. Wie lange diese Ruhe andauern würde, war nicht klar und daher kostete der Präsident diesen Moment aus. Er atmete tief ein und aus, bewunderte die Lichter und erhellten Gebäude von Paris, seiner Meinung nach der schönsten Stadt dieses Planeten. Als Außerirdischer hatte der Präsident zu Beginn seiner Amtszeit geglaubt, sich niemals auf dem Heimatplaneten der Menschen heimisch fühlen zu können. Doch nach über zehn Jahren auf der Erde und nach zahllosen kostbaren Erfahrungen machte er sich um diese Welt genauso viel Sorgen wie um seine eigene Heimat. Ein biologischer Schlag auf das wirtschaftliche und politische Zentrum der Föderation wäre eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes, an dem der Völkerbund zerbrechen könnte. Zum ersten Mal fiel dem Präsidenten auf, dass die Föderation möglicherweise zu zentralistisch regiert wurde. Natürlich hatte jede Welt und jede Kolonie ihre Autonomie, doch die meisten Bundesbehörden befanden sich auf der Erde. Ein taktischer Fehler, wie sich nun erwies, doch zum Zeitpunkt der Gründung der Föderation hatte niemand erwarten können, dass eine solche Gefahr für die Zentralwelt existieren könnte.
    Ein Anflug von Müdigkeit ereilte den Präsidenten, die er schnell ignorierte. Nun war keine Zeit für Erschöpfung oder ähnliche Zustände, diese Krise erforderte seine vollste Aufmerksamkeit. Unweigerlich, auch wenn ein sich dagegen wehrte, begannen unheilvolle Bilder in seinem Kopf Gestalt anzunehmen. Bilder einer Welt, die sich in eine Hölle verwandelt hatte. Die Berichte sowohl von Captain Lewinski als auch Minister Jellico waren deckungsgleich und daher konnte an ihrer Authentizität kein Zweifel bestehen. Nach Einsatz der Waffe würden die Menschen auf der Erde aufeinander losgehen, getrieben von einem inneren Wahn, der sie in jedem anderen einen Feind sehen ließe. Mit primitivsten Waffen, ja den blanken Händen, würden die Menschen sich gegenseitig töten. Man würde meinen, das Tor zur Hölle wäre aufgestoßen worden. Ein milliardenfacher Exodus, der selbst nach dem Ende der menschlichen Spezies nicht beendet wäre. Die Erde müsste unter Quarantäne gestellt werden, für Jahre könnte niemand diese Welt betreten. Zu groß wäre die Gefahr den Virus auch auf andere Planeten zu übertragen.
    So viele mögliche Tote konnte sich der Präsident beim besten Willen nicht vorstellen. Milliarden, dies waren Größenordnungen, die der Mann einfach nicht greifen konnte. Was würde aus ihnen allen werden, wenn sie den Einsatz nicht verhindern konnten?
    Plötzlich wurde das Interkom aktiviert und der Präsident nahm einen Anruf von Commander Kranick entgegen.
    „Ja?“
    „Mr. President, Lieutenant Bird hat sich gemeldet“, erklärte die Stimme der Frau besorgt.
    „Und was sagt er?“ fragte der Präsident, dem sehr wohl der Klang Kranicks bewusst war.
    „Sie sollten besser hierher kommen und sich dies anhören…“

    Das Grübeln schien an vielen Orten der Galaxis zugleich stattzufinden. Überall befanden sich Individuen, die über sich oder ihr Leben nachdachten. Auch Dr. Elisabeth Frasier, die Chefärztin des Raumschiffs Monitor , bildete da keine Ausnahme. Noch vor zwei Stunden hatte sie sich bei einem romantischen Essen mit ihrem Matt befunden, nun war sie auf ihrer Krankenstation und bereitete die Abteilung auf eventuelle Notfälle vor. Derzeit war sie allein auf der Krankenstation und dies war auch gut so. Sie brauchte einfach ihre Ruhe, um sich zu konzentrieren. Leider bewirkte dies jedoch auch, dass die Ärztin ins Grübeln kam. In Anbetracht der Gefahr durch die Waffe huschten ebenfalls Bilder durch ihren Kopf, die zwar nicht von den Auswirkungen des Biovirus handelten, aber nicht minder schrecklich waren. Ein gutes Jahr war nun ihr kurzen Aufenthalt auf Talar her und noch immer hatte sie sich nicht gänzlich von diesem Schrecken erholt. Insgeheim befürchtete sie die schrecklichen Geschehnisse niemals vergessen zu können, sie für den Rest ihres Lebens mit ihr herumtragen zu müssen. Als wäre es gestern gewesen, erinnerte sie sich an die Gefangennahme durch talarianische Freischärler, die in ihr Lager eingedrungen waren:

    Die Zeit schien überhaupt nicht voran zu schreiten. Dr. Frasier war immer noch geschockt von dem plötzlichen Tod von Commander Sokol, der so schnell und plötzlich verschieden war. Verschiedenste Angehörige der Ärztegruppe kauerten in dem Halbkreis, hinter ihnen die Talarianer mit geladenen Waffen. Einige der Geiseln wimmerten, andere wirkten apathisch. Elisabeth konnte nicht ermitteln, welchen Eindruck sie auf andere machte, an für sich fühlte sie sich furchtbar.
    Einer der Talarianer, scheinbar der Rädelsführer, ließ sich von einer Frau informieren. Scheinbar hatte man einen Großteil der Romulaner getötet, der Rest befand sich auf der Flucht. Anschließend wandte sich der Anführer an die Gefangenen und fragte barsch in die Runde:
    „Wer sind sie und was wollen sie hier?“
    „Bitte töten sie uns nicht!“ wimmerte Ixa und handelte sich dafür einen noch strengeren Blick des Talarianers ein.
    „Ruhe!! Sie sprechen nur, wenn sie gefragt werden und dann auch nur zum Thema. Ansonsten werden sie die Konsequenzen schon spüren.“
    Ixa blickte geschockt, hielt Gott sei Dank jedoch den Mund. Sie schien jedoch völlig durch den Wind zu sein, auch wenn man dies ihr absolut nicht verübeln konnte.
    „Also?“ fragte der Anführer, „noch einmal: wer sind sie?“
    Die Runde der Ärzte schwieg und es dauerte einige Zeit, bis der Mann eine Antwort auf seine Frage bekam. Dann nahm Elisabeth all ihren Mut zusammen und beschloss für die Gruppe zu sprechen. Sie wusste nicht, ob sie das Richtige tat oder ihre Erklärung die Rebellen verärgern würde. Sie musste es jedoch probieren.
    „Wir sind Angehörige eines interstellaren Hilfsprogramms; Ärzte, die ihnen helfen wollen.“
    Für einen kurzen Moment herrschte Stille und die Bordärztin fürchtete sich zuviel herausgenommen zu haben. Doch dann erwiderte der Talarianer:
    „Und wenn sie uns helfen wollen, wieso arbeiten sie mit den Romulanern zusammen?“
    „Wir müssen mit ihnen arbeiten. Sie sind die Mittelsmänner.“
    „Sie geben also zu mit den Besatzern zusammenzuarbeiten?“
    „Nein“, entgegnete sie hektisch und versuchte sich nicht in Probleme zu reden. „Wir müssen hier bei ihnen hausen und über sie Nachschub bestellen, weil sie die derzeitige Administration auf Talar stellen.“
    „Eine widerrechtliche Regierung...“ fuhr eine der bewaffneten Wachen dazwischen.
    „Ja, ja, dies wissen wir! Denken sie etwa nur weil wir hier im Lager sind teilen wir die Ansicht der Romulaner?“ erklärte die Ärztin. Mit zunehmender Zeit wuchs ihre Sicherheit und sie traute sich mehr zu sagen. Scheinbar war Reden ihre einzige Möglichkeit hier heil herauszukommen und diese Chance wollte sie nutzen.
    „Sie kollaborieren mit ihnen!“
    „Notgedrungen! Wenn wir nicht die Romulaner nutzen, so können wir ihnen nicht helfen! Haben sie sich einmal hier umgesehen? Wir haben Hunderte ihrer Angehörigen geimpft, behandelt und Nahrung illegal eingeführt. Wir sind hier, um ihnen zu helfen.“
    Eine Antwort blieb aus, scheinbar überlegte sich der Talarianer, was er nun tun sollte. Seine Augen wanderten erst über den überschaubaren Kreis der Geiseln, dann über seine eigenen Leute des Trupps. Scheinbar schien er die Worte, die er eben vernommen hatte, zu überdenken. Den größten Fehler, den man machen konnte, ist diese Leute für dumm zu halten. Sie waren hochintelligent, mussten dies sein, um in dieser unwirtlichen und feindlichen Umgebung zu überleben. Es war eine Ironie des Schicksals. Obwohl Frasier genau die Sorgen dieses Volkes teilte, Verständnis aufbrachte und wahrscheinlich in derselben Situation ähnlich handeln würde, war sie nun eine Gefangene.
    „Bitte!“ flehte Ixa noch einmal wimmernd, „töten sie uns nicht!“
    Sie hatte scheinbar völlig die Selbstkontrolle verloren und wirkte hysterisch. Ihre Worte waren völlig fehl am Platz gewesen. Eben noch hatte Elisabeth gehofft zu den Rebellen durchgedrungen zu sein, da hatte der überflüssig Einwurf der Denobulanerin alles kaputt gemacht. Ohne eine Miene zu verziehen stellte sich der Geiselnehmer hinter Dr. Ixa, legte sein Gewehr an und erschoss die Frau. Bevor die Denobulanerin auf dem Boden aufschlug war sie schon tot. Sie hatte genau neben Elisabeth gekniet. Entsetzt über den zweiten plötzlichen Tod eines bekannten, einer Frau, mit der sie zwei Wochen lang zusammengearbeitet hatte, starrte sie die Leiche an und wusste nicht, wie sie weitermachen sollte. Würden sie nun alle sterben? Wäre ihr Versuch der armen Bevölkerung dieses gebeutelten Planeten zu helfen schlussendlich ihr eigener Untergang?
    „Wir gehen“, raunte der Anführer seinen Leuten zu und im Laufschritt verließen die Rebellen das verwüstete Lager. Zurück ließen sie neben einer großen Zahl von Leichen, Romulaner sowie ihrer eigenen Leute, und eine kleine Schar von Überlebenden. Minuten später, nachdem sie sicher waren endlich aus dem Gröbsten raus zu sein, erhoben sich die Überlebenden geschockt. Die Chefärztin der Monitor konnte ihren Blick nicht von der Leiche ihrer Kollegin lösen. Sie war unnötig gestorben, sinnlos. Nur eine Minute später, wenn sie nichts gesagt hätte, und sie wäre noch am Leben. Wieso nur? Wie konnte dies alles sein?
    Auch wenn sie helfen wollte, Elisabeth war froh endlich nach Hause zu dürfen.
    Ihre Bemühungen waren vorbei.


    Erst Sokol, dann Ixa. Innerhalb nur einer einzigen Stunde waren zwei ihr nahe stehenden Personen getötet worden. Der romulanische Lagerkommandant Sokol, der für die Föderation spioniert hatte, war von hinten erschossen worden. Elisabeth konnte sich an den Blick in seinen Augen erinnern, den Schmerz, den er empfand, als der siedend heiße Phaser ihn traf. Und ihre denobulanische Kollegin Ixa wurde direkt neben ihr getötet. Sie hatte das verbrannte Fleisch ihrer Kollegin riechen, ihr Wimmern im Moment des Todes vernehmen können.
    Nach Talar war sie gekommen, um zu helfen und Not zu lindern, am Ende hatte sie ihren eigenen Schmerz heilen müssen. Aufgrund dieser Ereignisse hatte sie schließlich ihren Gefühlen für Matt nachgegeben und mit ihm das gemeinsame Glück gefunden.
    Vielleicht sollte sie diese Erfahrungen gar nicht vergessen, sondern sie stattdessen in Erinnerung behalten, als Mahnmal und Ansporn, dass sich solche Dinge nicht noch einmal ereignen sollten. Ja, dies war genau das, was Elisabeth machen würde: aus diesen Erfahrungen lernen und sie als Ansporn nehmen. Genau dies hätte Ixa auch gewollt, ihr Tod wäre so nicht umsonst gewesen.
    Dennoch sorgte sich die Ärztin. Aus der Erde könnte ein viel schlimmeres Schlachtfeld werden als Talar, eine Art biblische Hölle, in der es grausame Massaker geben würde. Sofort kamen ihr ihre Eltern in Liverpool in den Sinn. Instinktiv hatte sie den Drang sie informieren zu wollen, doch dies ging nicht. Die Informationen über den Anschlag waren geheim und mussten es auch bleiben, um eine Panik zu vermeiden. Nicht auszudenken, was geschähe, wenn Details der Sache publik gemacht werden würden.
    Am Ende blieb nur die Hoffnung und ihr gemeinsamer Wille die Katastrophe zu verhindern und wenn jemand dazu in der Lage war, dann die Crew der Monitor.

    Weit entfernt, an einem uns unbekannten Ort, befand sich eine dunkle Zelle. Es war mehr ein Verließ, denn einer modernen Einrichtung zur Aufbewahrung von Häftlingen. Jegliche Annehmlichkeit fehlte in ihr, es war staubig, dunkel und kalt. Der einzige Insasse dieses ungemütlichen Raumes, der den Namen Jozarnay Woil trug, kauerte auf dem Boden und dachte nach. Unzählige Gedanken rasten durch seinen Kopf, die meisten drehten sich nur um ein ganz bestimmtes Thema: Flucht! Er musste raus hier, wo immer dies auch war, und versuchen vor Edward Jellico zu fliehen. Seit Tagen wägt er das Für und Wider ab, spekulierte darüber, was ihn draußen erwarten könnte. An dem einen Tag entschied sich der Antosianer gegen ein Ausbrechen, am nächsten Tag wollte er am liebsten sofort verschwinden.
    Und was am furchtbarsten für ihn war, war die Isolation. Seit Monaten, zumindest glaubte er dies, denn er hatte jegliches Zeitgefühl verloren, befand er sich hier unten, ganz allein. Ab und an schob ihm eine Wache Essen durch den Türschlitz, aber niemand redete mit ihm oder erkundigte sich nach seinem Befinden. Jozarnay hätte genauso gut die letzte Person in diesem Universum sein können, so zumindest fühlte sich seine Gefangenschaft an. Und dann waren da diese Stimmen, die er ab und zu hörte. Zu Beginn waren sie noch undeutlich zu vernehmen gewesen, doch in letzter Zeit waren sie immer aufdringlicher geworden. Immer wieder versuchte der ehemalige Chief sie zu ignorieren, was ihm jedoch nur leidlich gelang. Er hatte befürchtet dem Wahnsinn anheim gefallen zu sein, doch es sollte alles nur noch schlimmer kommen. Aus einer dunklen Ecke seiner Zelle, die noch düsterer als die restliche Umgebung war, schälte sich eine Person. Jozarnay musste seine Augen zusammenkneifen, um sie zu erkennen. Zu lange schon befand er sich hier unten und immer schlechter wurden seine Augen. Er war das scharfe, deutliche Sehen einfach nicht mehr gewohnt. Nach einigen Sekunden hatte der Antosianer seinen scheinbaren Besucher identifiziert: es handelte sich um einen Menschen! Ein Mensch in Sternenflottenuniform, der leibhaftig vor ihm stand und seine Hände in die Hüften gestemmt hatte. Bei ihm handelte es sich um jemanden, den er seit über einem Jahr nicht mehr gesehen hatte.
    „Dies ist nicht möglich,“ stammelte Jozarnay, nachdem er den Besucher als Captain John Lewinski erkannt hatte. „Wie sind sie hier hereingekommen, Captain?“
    Doch statt einer Antwort fixierte der Kanadier seinen ehemaligen Chefingenieur nur mit einem eisigen Blick. Sein ehemaliger Vorgesetzter schien absolut nicht glücklich über diese Situation zu sein, fast schon konnte man sein Gebaren als geringschätzig bezeichnen.
    „Ich bin gar nicht hier, Jozarnay,“ erklärte Captain Lewinski schließlich und seine Stimme wirkte dabei abweisend. „Vielmehr bin ich nur ein Hirngespinst ihres zerstörten Geistes. Sie werden verrückt, sehen inzwischen schon Personen, wo keine sind!“
    Mühsam erhob sich der Antosianer und taumelte mit seinem schwachen Körper auf die Gestalt zu. Er hatte Hunger, ihm war kalt und daher wirkten seine Schritte alles andere als sicher. Es war ein Wunder, dass er sich nicht an einer Wand abstützen musste. Am Ziel seiner kurzen Reise angelangt, berührte er den mysteriösen Besucher am Arm und stellte überrascht fest, wie real sich Lewinski anfühlte. Seine Haut war warm, die Uniform sauber und gepflegt.
    „Das gibt´s doch nicht…“ stammelte Jozarnay abermals.
    „Oh je, was ist nur aus ihnen geworden, Chief?“ fragte Lewinski sorgenvoll und riss seinen Arm sanft los. „Sie waren so ein wichtiger Mann für uns alle gewesen. Sehen sie sich an, was die Sucht und die Liebe zu einer Frau, die sie ausgenutzt hat, aus ihnen gemacht hat.“
    Aus müden Augen blickte Woil seinen Gegenüber an. Er konnte nicht so recht verstehen, was er da eben gehört hatte.
    „Wie meinen sie das, Sir?“ fragte der Antosianer schlotternd.
    „Was denn? Finden sie es denn nicht bedenklich, dass sie Personen sehen, die gar nicht hier sind und dass sie sogar mit ihnen sprechen? ICH BIN NUR EINE EINBILDUNG, JOZARNARY!“
    Woil zuckte zurück. Wieso schrie ihn sein Captain an? Als einen solchen Menschen hatte er ihn nicht in Erinnerung gehabt. Natürlich hatten sie beide im Laufe der Jahre ihre Differenzen gehabt, aber so waren sie nie miteinander umgegangen. Er wollte etwas sagen, kam jedoch nicht dazu.
    „Was war es nur, was aus ihnen diesen geistigen Krüppel gemacht hat? Ist es der Mangel an White, der sie jeden Morgen mit einem entsetzlichen Zittern aufwachen lässt? Ist es die Einsamkeit, die sie jeden Tag zu zerfressen droht oder ist es am Ende gar der Tod von Stella Tanner gewesen, die nur ihr gerechtes Schicksal ereilt hat?“
    Nun konnte Woil diese Tirade nicht mehr ertragen. Inzwischen hatte er sich genug gefangen, um vollends den Worten seines ehemaligen kommandierenden Offiziers zu folgen und was er von ihm hörte, gefiel ihm ganz und gar nicht. Als Süchtigen ließ er sich vielleicht noch bezeichnen, so weit war es inzwischen mit ihm gekommen, doch so über Stella zu reden, die Frau, die er geliebt hatte, ging zu weit.
    „Reden sie nicht so über Stella,“ fauchte der ehemalige Chefingenieur zurück und gewann langsam seine Selbstsicherheit zurück.
    „Ich hätte wissen müssen, dass sie ihr verfallen sind. Selbst jetzt, nach ihrem Tod, sind sie nicht in der Lage sich von ihr zu lösen!“
    „Es gibt keinen Grund, dies zu tun,“ entgegnete Woil trotzig.
    Fast schon traurig blickte der Captain ihn an, versuchte irgendetwas vom alten Jozarnay in dem Mann zu sehen, der nun vor ihm stand. Doch die Erscheinung musste enttäuscht werden. Von dem alten Chief war inzwischen nicht mehr viel übrig geblieben.
    „Sie hat sie nur benutzt,“ beschwor Lewinski ihn. „Sie waren nur ein Instrument gegen Edward Jellico!“
    „NEIN!“ schrie Woil und wollte sich auf Lewinski stürzen, doch seltsamerweise griff er durch dessen Körper hindurch. Es war, als hätte die Erscheinung nun ihre Konsistenz verloren. Hart schlug Jozarnay auf dem Zellenboden auf.
    Mit einem gequälten Ausdruck auf dem Gesicht drehte sich John Lewinski herum und betrachtete den am Boden liegenden.
    „Von der Monitor können sie keine Hilfe erwarten. Wir haben genug Probleme,“ murmelte der Captain und verschwand ins Nichts. Noch lange starrte Woil in die Leere, die die Erscheinung hinterlassen hatte und dachte über dessen unheilvolle Worte nach.

    In der Waffenkammer der Monitor herrschte hektische Betriebsamkeit. Drei Personen gingen hier auf und ab, packten Kisten um, überprüften Listen und brachten nicht zuletzt Handwaffen zu den verschiedensten Teilen des Schiffes. Inmitten des ganzen war Fähnrich Samira Kensington, die derzeitige Sicherheitschefin des Schiffes. Seit Danny Bird vor zwei Monaten in den Untergrund gegangen war, um die Föderale Befreiungsarmee zu infiltrieren, oblagen ihr sämtliche taktische Angelegenheiten des Schiffes und bisher hatte sie ihre Aufgabe mehr als gut gemeistert. Zumindest hatte sich der Captain noch nicht über sie beschwert. Doch Samira hatte höhere Ziele. Sie setzte an sich selbst ganz besondere Maßstäbe an, wollte die beste sein, egal in welchem Fachbereich. Egal welcher Sache sie sich widmete, sie investierte immer einhundert Prozent und auch in der aktuellen Angelegenheit konnte man von ihr nichts Geringeres erwarten. Die Beförderung zum Lieutenant war längst überfällig und mit guter Leistung konnte sie die ganze Sache etwas beschleunigen.
    Wenn es nach Kensington ginge, so wäre sie schon längst der reguläre Sicherheitschef des Schiffes. Selbstverständlich hielt sie sich für besser als Lieutenant Bird, den sie zwar als guten Ausbilder bewunderte, der jedoch in ihren Augen schwach geworden war. Danny war in die Jahre gekommen, wurde von privaten Dingen abgelenkt. Immer öfter konnte man ihn dabei beobachten, wie er scheinbar verträumt ins Leere starrte und an eine bessere Zukunft dachte. Zwar war dies nur eine Vermutung, doch Fähnrich Kensington hielt an ihren Annahmen fest. Sie kannte das Persönlichkeitsgefühl von solchen Menschen. Auch ihre Eltern hatten eine aufstrebende Karriere vor sich gehabt, sich dann doch lieber auf eine intakte Familie konzentriert. Ein Fehler, den Samira niemals machen würde. Für sie stand ganz klar fest, was an erster Stelle ihrer Lebensplanung stand und dies waren weder Liebe noch Familie.
    Mit einem weiteren Daumendruck bestätigte Fähnrich Kensington die Übernahme mehrerer Gewehre, die von den beiden anderen Sicherheitsleuten nach draußen getragen wurden.
    Kurz blickte die junge Frau mit den rotblonden Haaren ihnen nach und schweifte wieder mit ihren Gedanken ab. Diese gesamte Mission, so grausam sie auch war, war ein Geschenk. Der Fähnrich war sich sicher, dass auch andere in ihrer Position so empfanden, auch wenn es wohl niemand zugeben würde. Es gab keine bessere Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen, als die Erde zu retten. Wichtig würde dabei sein, seinen eigenen Anteil bei der gesamten Angelegenheit deutlich zu machen. Dieser ganze terroristische Angriff war eine gewaltige Karrierechance für Samira und sie wollte sie unbedingt nutzen!

    Scheinbar ruhelos streifte der eigentliche taktische Offizier des Raumschiffs Monitor durch die Räume des Hauses, blieb an und an bei einem Fenster stehen und blickte auf die Mondlandschaft herab. Auf einen Außenstehenden mochte er wie ein Mann wirken, der sich ablenken wollte und genau diesen Eindruck wollte Danny erwecken. Seit seiner Unterredung mit James Talley war einige Zeit vergangen und sein gespielter Zorn war immer noch nicht vergangen. Die wenigen Personen, die es gewagt hatten ihn anzusprechen, mussten sich mit patzigen Antworten zufrieden geben und Bird hatte eine beständige Miene aufgesetzt, die Zorn ausdrückte. Immer noch lief sein Plan besser als erwartet. Niemals zuvor hatte Danny von sich gedacht ein guter Schauspieler zu sein, aber diese Mission hatte ihn eines besseren belehrt. Was wohl Ms. Dominguez, seine ehemalige Theaterlehrerin, wohl denken würde, wenn sie ihn nun sehen könnte? Zweimal, einmal in der dritten und dann in der siebten Staffel hatte sie ihn nicht in dem Schulbühnenstück mitspielen lassen, weil er angeblich nicht das schauspielerische Talent für eine solche Aufführung gehabt habe. Im Vergleich zu dem, was Danny nun diesen Leuten vorspielen musste, wirkte jedes Theaterstück wie Kinderkram.
    Dabei war dem Lieutenant sehr wohl bewusst, auf welch dünnem Eis er sich bewegte. Noch nie zuvor hatte Bird von Talley so viele Informationen innerhalb so kurzer Zeit verlangt.
    Der Grund hierfür war klar, er wollte sie an seinen Kontaktmann weitergeben, aber möglicherweise schlug er ein zu hohes Tempo an. Die Gefahr einer Aufdeckung erhöhte sich mit jeder Minute dramatisch. Leider schien es keine andere Möglichkeit zu geben. Falls der Anschlag auf die Erde am heutigen Tage stattfinden sollte, so blieben ihm nur noch wenige Stunden, um die Katastrophe zu verhindern. Man verlangte Ergebnisse von ihm und diese wollte er liefern. Die Frage war nur, wie weit er für dieses Ziel zu gehen bereit war.
    Klackende Schritte ertönten auf dem Marmorboden des altmodischen Landhauses und scheinbar beiläufig drehte sich Bird zu der Geräuschquelle herum, erspähte Janine Talley.
    Der Boden hatte für James die nicht unangenehme Eigenschaft jeden Besucher rechtzeitig anzukündigen. Zwar war dieser Boden wohl nicht absichtlich verlegt worden, dennoch schien er dem Anführer der Föderalen Befreiungsarme recht gelegen zu kommen.
    „Du gehst allen aus dem Weg,“ meinte Janine und stellte sich neben ihn an das Fenster, blickte auf die Mondnacht hinaus. „Ich habe einfach mal gehofft, dass es bei mir anders sein würde.“
    Statt eine Antwort von sich zu geben, schwieg Danny nur. Einige Sekunden lang teilte die attraktive Frau das Schweigen, dann beschloss sie einen erneuten Gesprächsversuch:
    „Mir gefällt das ganze nicht. In den letzten beiden Monaten haben sich mein Vater und du so gut verstanden und nun habt ihr euch innerhalb der letzten zweieinhalb Stunden mehrfach in die Haare gekriegt. Wieso denn nur?“
    „Frag deinen Vater,“ brummte Danny, „ er kann dir eine Antwort geben.“
    „Ich teile doch deine Meinung, Danny! Mein Vater sollte dich in die Planungen mit einbeziehen. Er ist es dir schuldig. Aber ich bin sicher, er hatte Gründe für seine Entscheidung.“
    „Du bist seine Tochter. Es ist nur natürlich, wenn du ihn schützen möchtest.“
    Seine Aussage war hart an der Grenze gewesen, denn er hatte nicht vor Janine zu verletzen. Es war James, an den er heran wollte und nicht seine Tochter. Dennoch schien sie seine Aussage zu begreifen, möglicherweise sogar zu verzeihen.
    Es dauerte eine Weile, bis Danny bemerkte, wie ihre Hand auf seinem Arm ruhte. Dabei handelte es sich um eine wärmende, Trost spendende Geste, gegen die er sich nicht wehrte.
    „Eine wunderschöne Nacht,“ seufzte Janine und blickte noch einmal aus dem Fenster hinaus. Inzwischen hatte sich aufgrund der Rotation die Erde ins Sichtfeld gedreht, als leuchtender Planet war sie am Nachthimmel zu beobachten. Was für ein wundervoller Anblick! Unwillkürlich fragte sich Danny, was wohl in Janine bei dieser Aussicht durch den Kopf ging. Wie konnte man nur so etwas Wunderschönes zerstören wollen?
    „Man könnte schönere Dinge anstellen, anstatt sich zu streiten,“ flüsterte Janine und beendete damit ihren Gedankengang. Danny beschloss darauf nicht zu antworten. „Bitte komm mit mir.“
    „Wohin?“ fragte der Lieutenant.
    „Es findet eine weitere Sitzung statt, die mein Vater leiten wird.“
    „Und was soll ich da?“
    „Möchtest du nun Informationen über die Mission oder nicht?“ fragte Janine Talley mit Nachdruck. „Willst du aktiver Teil dieser Operation sein?“
    Innerlich jubilierte Danny. Abermals ging seine Maskerade auf. Ohne zu antworten setzte er sich in Bewegung. Er wusste ohnehin, wo der Besprechungsraum war. Selbstsicheren Schrittes betrat Danny den Raum, in dem der Führungsstab von Talleys Organisation saß.
    Der Umstand, dass er nicht vor seinem Eintreten geklopft hatte, verstärkte nur noch umso mehr den überraschenden Auftritt. Die Köpfe der Anwesenden drehten sich in seine Richtung, doch nur einer wagte es zu sprechen. Es handelte sich um Josh Nelson, einen in grauem Zwirn gekleideten Weggefährten Talleys. Was ihm bekannt war, war das Misstrauen Nelsons ihm gegenüber und so war es nur natürlich, dass dieser fragte:
    „James, was macht Bird hier? Ich dachte, dies wäre eine vertrauliche Sitzung.“
    James Talley, der scheinbar die letzte Zeit über hinter seinem Stuhl am Kopfende des langen, hölzernen Tisches gestanden hatte, lächelte beim Anblick Dannys und entgegnete in Richtung des Fragestellers:
    „Ich habe beschlossen Danny zu einem Teil dieser Operation zu machen. Von nun an wird er aktiver Teil dieses Entscheidungsgremiums sein.“
    „Aber er ist doch erst seit sechzig Tagen…,“ setzte Nelson zu einer Erwiderung an, wurde jedoch von seinem Anführer abgewürgt.
    „Es gibt in diesem Punkt keine Diskussion. Ich wünsche Danny an meiner Seite.“
    Mehr musste nicht mehr gesagt werden. Auch wenn Talley nach außen hin ein gepflegtes Auftreten hatte und scheinbar jede Menge Demokratie in seiner Organisation pflegte, sein Wort hatte einen gottähnlichen Status, konnte nicht angefochten werden. Aus diesem Grund schnaubte Nelson, verzichtete auf weitere Worte. Mit einem weiteren Lächeln bedeutete James Danny sich einen Stuhl zu nehmen und sich zu den anderen an den Tisch zu setzen. Scheinbar schüchtern im Angesicht dieser hohen Männer tat der Lieutenant dies auch.
    „Jetzt, wo wir alle vollzählig sind,“ erklärte James Talley und blieb weiterhin hinter seinem Stuhl stehen, „möchte ich damit fortfahren sie alle über die aktuellen Geschehnisse in Kenntnis zu setzen. Unser Plan ist vor knapp drei Stunden angelaufen. Ein großer Moment für uns alle! Die letzten Jahre haben wir damit verbracht diese Sache zu planen und vorzubereiten. Heute ist also der große Tag, an dem wir endlich die Früchte unserer Arbeit ernten können. Bevor ich mit meinen Erklärungen fortfahre, möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen, wie stolz ich auf sie alle bin. Sie alle haben hart für diesen Moment gearbeitet und sich dabei vielen Gefahren ausgesetzt. Dafür haben sie meinen Dank!“
    Natürlich zeigte keiner der anwesenden acht Männer und Frauen so gut wie keine Regung, innerlich jedoch waren sie für diese Worte dankbar. Schon relativ früh nach der Infiltration der Gruppe hatte Danny gesehen, wie sehr die Arbeiten innerhalb der Föderalen Befreiungsarmee verteilt waren. Damit verfolgte James Talley die Absicht jede Expertise seiner Untergebenen nutzen zu können.
    „Während ich zu ihnen spreche, befindet sich die Waffe auf dem Weg zur Erde.“ Geschmeidig fuhr Talley mit seinen Ausführungen fort und aktivierte einen Wandschirm, um seine Erläuterungen mit Fotomaterial zu unterstützen. Das Bild eines schwarzen Aktenkoffers erschien. „Dies ist der Koffer, in dem wir die Biowaffe transportieren. Wie sie alle wissen dürften, sollte sich niemand von der geringen Größe des Koffers täuschen lassen. Die Menge an Viren in diesem Behälter reicht vollkommen aus, um unser Ziel zu erreichen.“
    Als nächstes erschien das Bild eines jungen Mannes. Ende Zwanzig, mit kurzen dunklen Haaren und stahlblauen Augen.
    „Timo Gruber wird den Koffer transportieren. Er ist derjenige, der der Erde den entscheidenden Schlag versetzen wird. Ich habe ihn für diese ehrenvolle und verantwortungsvolle Aufgabe erwählt, weil er nicht nur mein vollstes Vertrauen genießt, sondern auch die beste körperliche Verfassung von ihnen hat, inklusive Danny. Ich traue ihm also zu, bei Schwierigkeiten sich behaupten zu können. Wie von unserer Gruppe durchgeplant befindet sich Gruber auf dem Passagierschiff S.S. Paris, mit dem Reiseziel der Erde.“
    „Welch Ironie, dass das Schiff, welches die Waffe zur Erde bringen wird, den Namen der Hauptstadt unseres Gegners trägt,“ kommentierte Bird trocken und erntete dafür von James ein zustimmendes Nicken.
    „Ja, dies ist uns sehr wohl bewusst. Das Schiff ist nur noch eine knappe Stunde von der Erde entfernt. Sie alle haben viel Zeit und noch mehr geopfert, um diesen Tag heute möglich zu machen. Seit Jahren wollen wir die Föderation von innen säubern, die korrupte Regierung absetzen und eine neue Volksherrschaft etablieren. Nun endlich ist dieser Zeitpunkt gekommen. Ich bin alle sehr, sehr stolz auf sie!“
    Die Anwesenden begannen spontan zu klatschen und Lieutenant Bird stimmte mit ein. In seinem Innersten begann er jedoch die verschiedenen Möglichkeiten abzuwägen. So schnell wie möglich musste er sich aus diesem Raum absetzen und die Nachricht über diesen Koffer weitergeben. Wenn er schnell genug reagierte, so konnte die ganze Sache noch aufgehalten werden.
    „Hörst du mir überhaupt zu?“
    Die Stimme Talleys schien von einem weit entfernten Ort zu stammen, ein deutliches Zeichen dafür, dass Danny in Gedanken versunken gewesen war.
    „Ja… tut mir leid, ich war gerade etwas nachdenklich,“ erklärte der junge Mensch und erhob sich von seinem Platz.
    „Dies muss dir nicht Leid tun. Uns allen ist die Tragweite der heutigen Operation bekannt. Bist du nun zufrieden?“
    Für einen kurzen Moment überlegte Danny, worauf James anspielte, dann fiel es ihm wieder ein.
    „Nun ja, scheinbar bin ich nun doch ein Teil dieser Operation, wie du es von Anfang an zugesagt hattest. Du hast also nur dein Wort gehalten.“
    „Bedanke dich bei Janine,“ erklärte der schwarze Mann und lächelte abermals. „Sie hat sich sehr für dich eingesetzt. Ihr beide habt ein gutes Verhältnis zueinander, dies habe ich schon des Öfteren bemerkt.“
    „Wir verstehen uns gut,“ versuchte Danny auszuweichen, was ihm jedoch nur leidlich gelang. Abermals lachte Talley und widmete sich nun anderen Dingen. Die passende Gelegenheit für den Undercover-Agenten.

    Während die Monitor in Richtung Erde raste, zog es Captain Lewinski vor in seinem Bereitschaftsraum zu sitzen und sich auf die kommende Aufgabe zu informieren. In der letzten halben Stunde hatte er so viele Akten und alten Berichte über die Biowaffe zusammengetragen, die er hatte finden können. Bezeichnenderweise stammten die meisten Informationen von ihm selbst bzw. von Crewmitgliedern des Schiffes. Es schien tatsächlich kein Zufall zu sein, dass sie sich mit diesem Fall befassten. Niemand sonst besaß eine solche Expertise in dieser Angelegenheit und vor allem war niemand diesem Grauen bisher entkommen. Niemand bis auf die Monitor-Crew und der versprengte romulanische Haufen. Wehmütig musste John an Commander Sokol zurückdenken, den aufrechten romulanischen Offizier, der schließlich für die Föderation spioniert hatte. Die Nachricht von seinem Tod auf Talar war für den Captain ein Schock gewesen und obwohl sie sich kaum gekannt, ja nur einige Tage gesehen hatten, fühlte sich John Lewinski ein klein wenig verantwortlich für seinen Tod. Immerhin war es gewesen, der den Romulaner angeworben und ihn davon überzeugt hatte, gegen seine eigene Regierung zu arbeiten. Wäre Sokol nach Talar gegangen, wenn er nicht seiner Doppeltätigkeit nachgegangen wäre? John wusste es nicht und wahrscheinlich würde man dies niemals erfahren.
    Es brachte jedoch nichts, über diese Dinge nachzudenken. Sie lenkten nur von dem eigentlichen Problem ab, welches man derzeit lösen musste. Müde rieb sich John durch das Gesicht. Quasi die gesamte Hauptschicht der Besatzung war aus dem verdienten Schlaf gerissen worden und der Captain begann sich Sorgen um die Verfassung der einzelnen Offiziere zu machen. Natürlich waren sie es alle gewohnt für längere Zeit ohne Schlaf auszukommen, aber dennoch strapazierte dies ihre körperliche und vor allem geistige Leistungsfähigkeit. Am besten wäre es, wenn sie die gegenwärtige Krise so schnell wie möglich überwänden.
    Just in diesem Moment piepte sein Komterminal. Sofort wandte sich Captain Lewinski seinem kleinen Tischcomputer zu und nahm erfreut zur Kenntnis, dass eine Nachricht von der Erde eingetroffen war. Hoffentlich waren es gute Nachrichten.
    „Nicht sie!“
    Dies waren die ersten Worte, welche den Mund von John Lewinski verließen, als er den Übermittler der Nachricht erblickte. Als wäre die Situation nicht schon schlimm genug, blickte er nun in das Gesicht seines Intimfeindes. Dem Mann, welcher inzwischen der Justizminister der Vereinigten Föderation der Planeten war und dem es gelungen war, so gut wie jeden Menschen in seiner Umgebung zu täuschen.
    „Wir haben keine Zeit, um Höflichkeitsfloskeln auszutauschen,“ erwiderte Edward Jellico trocken und ließ sich wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben nicht auf die Sticheleien ein. „Danny Bird hat so eben das Oberkommando informiert, wo sich die Bombe befindet.“
    Schon im nächsten Moment vergaß John die jahrelange Feindschaft, die die beiden Männer voneinander trennte und beugte sich interessiert vor.
    „Wo ist die Waffe?“
    Der Chefverschwörer von Sektion 31 schien genauso aufgeregt wie John Lewinski zu sein, was den Captain offenkundig überraschte. Während seiner gesamten Karriere hatte der Kanadier Jellico als einen selbstsicheren, ja geradezu arroganten Mann kennen gelernt, der sprichwörtlich über Leichen ging, um seine Ziele zu erreichen. Noch immer nicht hatte John vergessen, wie der alte Mann mit einem gezielten Torpedoangriff Nathan Sloan getötet hatte, um die Führung von Sektion 31 an sich zu reißen. Ihn nun ebenso besorgt wie John selbst zu sehen, wirkte beinahe schon menschlich.
    „Sollten die Informationen von Lieutenant Bird korrekt sein,“ erklärte Justizminister Jellico, „so befindet sich die Waffe bei einem Mann namens Timo Gruber. Er reist mit einem zivilen Passagierschiff, der Paris, und wird bald auf der Erde eintreffen. Wir denken, dass er schon in dieser Stunde die Hauptstadt der Föderation erreichen und dann seinen tödlichen Schlag ausführen wird.“
    Entsetzt weitete Lewinski seine Augen. Zwar hatte er damit gerechnet unter Zeitdruck zu arbeiten, doch dass es schon in dieser Stunde zu einer Entscheidung kommen würde, hatte er nicht erwartet.
    „Und was tun wir nun?“
    „Wir haben Glück im Unglück, John,“ erklärte Jellico und führte damit seine unangenehme Angewohnheit vor, den Captain der Monitor beim Vornamen zu nennen. „Sie befinden sich quasi auf demselben Glück wie die Paris. Da sie mit einer viel höheren Geschwindigkeit reichen, werden sie das Schiff schon in zwanzig Minuten eingeholt haben. Zu diesem Zeitpunkt wird das Passagierschiff in den lunaren Orbit einschwenken. Ich muss sie ja wohl nicht darauf aufmerksam machen, dass dies der geeignete und wohl einzige Moment ist, Gruber zu stoppen.“
    „Wo befindet sich die Waffe genau?“
    „In einem Koffer, den der Attentäter bei sich führt. Aufgrund der Brisanz der Fracht wird er diesen wohl als Handgepäck mit sich führen. Sie werden hoffentlich keine Probleme haben ihn zu finden.“
    „Verstanden.“ Captain Lewinski begann schon im nächsten Moment einen Plan zu erarbeiten. Sein Verstand arbeitete wie ein gut geöltes Uhrwerk. „Sagen sie mal Jellico, wieso erzählen ausgerechnet sie mir dies?“
    „Ich spreche direkt für den Präsidenten der Föderation,“ erklärte Edward Jellico in einem seltsam gelassenen Tonfall. Irgendwie hatte John erwartet, dass der alte Mann mit seiner neuen Stellung prahlen würde oder ähnliches, doch scheinbar war der Justizminister genauso besorgt wie alle anderen. „Und noch etwas, John: viel Erfolg!“
    Mit diesen letzten Worten beendete Edward Jellico die Kommunikationsverbindung. Auch mit diesen abschließenden Worten hatte der Kommandant nicht im Geringsten gerechnet. Es schien das erste Mal überhaupt zu sein, dass diese beiden so gegensätzlichen Männer das gleich Ziel verfolgten und beide in Sorge waren. Wie das Schicksal doch zwei Menschen zusammenbringen konnte. Diesen Gedanken im Hinterkopf behaltend, begab sich John Lewinski auf die Brücke, um den Kurs ändern zu lassen.

    Es war beinahe schon ein Scherz des Universums, dass Edward Jellico die gleichen Gedanken hegte wie Captain Lewinski. Auch er wunderte sich darüber, dass sie plötzlich für dasselbe Ziel kämpften und miteinander sich um das kostbarste sorgten, was sie hatten. Heute ging es nicht um die Probleme zwischen ihnen beiden oder gar um Sektion 31, sondern um die Zukunft der Wiege der Menschheit, die zudem noch das Zentrum der interstellaren Allianz geworden ist. Sogleich nach Beendigung des Gesprächs begab sich der Justizminister wieder in den großen Sitzungssaal, wo sich der vom Präsidenten einberufene Krisenstab eingefunden hatte. Hier galt es nun ein wichtiges Thema zu erörtern, welches unbedingt diskutiert werden musste. Mit einer energischen Bewegung setzte sich Jellico auf seinen Platz am Kopfende des Tisches und nahm gar nicht zur Kenntnis, dass er nun dort saß, wo normalerweise der Präsident seinen Platz hatte.
    „Die heutige Situation braucht keine langen einleitenden Worte,“ fand Jellico und blickte dabei die verschiedenen Teilnehmer des Krisenstabes an. Im Raum befanden sich Minister, Vertreter von Rettungsorganisationen, Polizeichefs und weitere Personen. „Ich will wissen, welche Pläne für diesen Fall existieren, die wir in die Tat umsetzen können. Alles, was uns beim Verhindern einer Panik oder einem Massenansturm von Flüchtlingen helfen kann.“
    Die Hoffnungen des alten Mannes auf eine schnelle und vor allem erbauliche Antwort wurden jedoch rasch zerstört. Statt Fakten zu erhalten, blickte er nur in geknickte und ratlose Gesichter.
    „Was soll mir dieses Schweigen nun sagen?“ fragte Jellico in den Raum hinein.
    Der Verkehrsminister nahm schließlich seinen Mut zusammen und erklärte:
    „Edward, es herrschen für diesen Fall keine Pläne.“
    „Wie bitte?“ Der Justizminister konnte nicht glauben, was er eben gehört hatte. „Wir befinden uns im Angesicht einer Katastrophe, die zahllose Leben kosten könnte und sie haben keine Pläne? Was ist denn mit den ganzen Katastrophenschutzideen?“
    Ein Vertreter des Rettungsdienstes, der im hinteren Teil des Raumes saß, räusperte sich kurz und erklärte:
    „Die gesamten Pläne, die wir haben, basieren auf einem lokal begrenzten Notfall mit notfalls einigen tausend betroffenen Personen. Nun haben wir jedoch erfahren, dass bei einem eventuellen Einsatz dieser biologischen Waffe die gesamte Bevölkerung der Erde betroffen wäre. Wir hätten es dann nicht mehr mit tausenden Opfern oder gar Zehntausenden zu tun, sondern Milliarden! Wie sollen wir mit einer solchen Katastrophe fertig werden?“
    Die anderen Anwesenden sagten zwar nichts, nickten jedoch einhellig. Damit schien genau dies gesagt worden zu sein, was sie alle dachten.
    „Ich kann nicht glauben, was sie mir da zu vermitteln versuchen. Nach zahllosen Versuchen der Borg die Erde zu vernichten, nach dem Angriff der Xindi auf die Erde vor zweihundert Jahren…“
    „… wie sie zurecht sagen, vor über zweihundert Jahren,“ wurde Jellico unterbrochen. „Diese Pläne sind veraltet!“
    „Eine solche Ausrede akzeptiere ich nicht und der Präsident schon gar nicht. Wir werden gemeinsam eine Lösung finden, indem wir uns nun hinsetzen und einen aktuellen Plan ausarbeiten, der auf den alten Theorien basieren kann,“ entgegnete Edward Jellico mit fast schon erboster Stimme. „Wenn wir hier sitzen und gar nichts machen, dann werden wir in der Tat keinen Plan für den Fall der Fälle haben. Hier und jetzt haben wir aber die Gelegenheit und Vorkehrungen zu treffen für eine Sache, die hoffentlich nicht eintreten wird.“
    „Wer hat sie überhaupt zum Leiter dieses Stabes gemacht?“ ertönte es aus einer hinteren Ecke des Raumes. Edward konnte nicht erkennen, wer dies gefragt hatte.
    „Der Präsident der Vereinigten Föderation der Planeten hat dies getan,“ raunte Edward und beschloss sich nicht von diesem Störenfried ablenken zu lassen. Es galt nun das eventuelle Ende der Zivilisation zu verhindern.

    Der Gang in dieses Büro war immer noch etwas Besonderes. Egal wie oft sie es schon getan hatte oder noch tun würde, in das Büro des Präsidenten des interstellaren Völkerbundes zu gehen, war immer noch ein fast sakraler Moment für Elena. Die Sondergesandte des Sternenflottengeheimdienstes wollte wie vereinbart dem mächtigen Staatsmann Bericht über die aktuelle Lage erstatten. Zaghaft betätigte sie den Türsummer. Obwohl man ihre Ankunft erwartete, fürchtete sie schon fast den Präsidenten bei etwas wichtigem zu stören. Doch zu ihrer Überraschung erklang ein überraschend munteres „Herein“ aus dem Büro. Der Staatschef schien die nächtliche Arbeit scheinbar gewohnt zu sein, denn nach seinem äußeren Erscheinungsbild wirkte er deutlich fitter als viele andere Teile des Mitarbeiterstabes. Nur kurz widmete sich Commander Kranick der wundervollen Büroeinrichtung. Zahllose geschichtsträchtige Gegenstände waren hier im Raum, angefangen von der originalen Charta der Vereinigten Föderation der Planeten über einem echten Bild von Präsident Jonathan Archer über verschieden private Exponate des gegenwärtigen Amtsinhabers. Dieser saß an seinem Schreibtisch und schien einige Akten zu studieren, genau wie es John Lewinski einige Millionen Kilometer entfernt an Bord der Monitor getan hatte.
    „Commander Kranick, sie sind in der Tat pünktlich. Bitte setzen sie sich!“ begrüßte sie der Präsident und deutete mit seiner rechten Hand auf den bequemen Sessel, der ihm gegenüber stand. Die Sternenflottlerin nahm die Sitzgelegenheit dankbar an und bewunderte instinktiv das weiche Material des Sessels, welches zweifelsohne außerirdischer Natur sein musste.
    „Mr. President, ich bin hier um sie über die neusten Fortschritte in der Krise zu informieren.“
    „Natürlich möchten sie dies,“ erwiderte der Mann lächelnd und stützte sich auf dem Schreibtisch ab. „Also, was gibt es neues?“
    „Vor wenigen Minuten hat Lieutenant Bird wieder Kontakt zu uns aufgenommen und einen Bahnbrechenden Erfolg erzielt: uns ist nun nicht nur der Träger der Waffe bekannt, sondern auch deren Aufenthaltsort. Sie befindet sich an Bord eines zivilen Passagierschiffs, welches sich auf dem Weg zur Erde befindet. Die Monitor hat unverzüglich Verfolgungskurs aufgenommen und wird schon in wenigen Minuten dort eintreffen.“
    Dies waren tatsächlich gute Neuigkeiten, wie der Präsident fand.
    „Ist kein weiteres Schiff in der Nähe, welches nun schon zugreifen kann?“
    „Nein, die Monitor ist aufgrund eines glücklichen Zufalls das erste und auch leider einzige Schiff vor Ort. Es wird nicht lange dauern, in spätestens einer halben Stunde werden wir im Besitz der Waffe sein.“
    Zufrieden nickte der Präsident. Er hatte tiefstes Vertrauen in seine Mitarbeiter und ihre Entscheidungen. Wenn dies nach Ansicht der zahllosen Experten der richtige Weg sei, so würde er einen Teufel tun und eine andere Ansicht forcieren.
    „Ist dem Passagierschiff seine tödliche Fracht bekannt?“ war die berechtigte Frage des gegenwärtigen Amtsinhabers.
    „Negativ, Mr. President,“ erklärte Commander Kranick mit Nachdruck. „Wir wissen nicht, über welche Kanäle die Föderale Befreiungsarmee verfügt. Daher werden wir bis zum letzten Moment Funkstille wahren und überraschend zugreifen.“
    Abermals nickte der Präsident, da auch diese Erklärung einleuchtend war. Kurz dachte er wieder über diese verbrecherische Organisation nach, die vorhatte so viel Leid auf der Erde zu verursachen. Der Name dieser Gruppe klang wie Hohn in seinen Ohren und sicher auch in denen der anderen. Mit etwa Glück würde dieses Problem jedoch schon bald gelöst werden.
    „Ich muss sie wohl nicht darauf hinweisen, dass ich keinerlei zivile Opfer dulde,“ ermahnte der Staatschef überflüssigerweise.
    „Machen sie sich keine Sorge, Captain Lewinski ist kein Mann, der freimütig Menschenleben gefährdet,“ erklärte Elena Kranick nachdrücklich und erntete vom Präsidenten hierfür ein Lächeln.
    „Sie scheinen diesen Mann gut zu kennen.“
    „Sein Ruf eilt ihm voraus,“ wich der Commander aus.
    „Ja, aber dies ist nicht der einzige Grund. Ich muss gestehen, dass ich mich ein wenig über sie informiert habe, Commander. Sie hätten ruhig sagen können, dass sie mal an Bord der Monitor gewesen sind…. und eine besondere Beziehung zu Lieutenant Bird haben.“
    Augenblick errötete die Sonderermittlerin. Mit dieser offenen Konfrontation mit ihrer jüngsten Vergangenheit hatte sie nicht gerechnet.
    „Ich fürchtete…,“ erklärte Elena und suchte nach den passenden Worten, „dass diese Angelegenheit missverstanden werden könnte.“
    „Was kann man denn daran missverstehen? Sie haben gegen Lieutenant Bird wegen Verrats an der Föderation ermittelt und nun hat ausgerechnet dieser Danny Bird eine Untergrundgruppe infiltriert. Wenn sie mich fragen, klingt dies äußerst bedenklich!“
    Fast schon genervt seufzte Commander Kranick angesichts dieser Worte. Genau diese Entwicklung hatte sie erfolglos zu verhindern versucht.
    „Sie haben den kompletten Bericht des Geheimdienstoberkommandos gelesen?“
    „Ja und ebenso die Stellungnahme von Captain Lewinski. Ich bin doch richtig informiert, dass sie den Bericht letztes Jahr verfasst haben?“
    „Dies ist korrekt,“ bestätigte Kranick ohne zu zögern. „Danny Bird ist kein Verräter. Oder zumindest wissentlich. Der Mann, mit dem wir es jetzt zu tun haben, ist ein gänzlich anderer als derjenige, der damals überlief. Auch ich habe sehr lange gebraucht, um dies zu verstehen oder gar zu akzeptieren, doch es ist so. Bei verschiedensten Gelegenheiten hat der Lieutenant deutlich gemacht, dass auf ihn Verlass ist. Wir brauchen ihn!“
    Was folgte, war eine für Elena überraschende Geste: das Staatsoberhaupt lächelte.
    „Es ist schön, dass sie über ihren eigenen Schatten springen konnten!“
    „Sir?“
    „Ich wollte nur wissen, ob sie sich nicht wie damals von ihren persönlichen Erfahrungen leiten lassen…. Jene, die von Captain Lewinski geschildert worden waren und sich auf ihren toten Mann beziehen.“
    Fast schon kerzengerade setzte sich Kranick in dem Sessel auf.
    „Nein, dies beeinflusst mich nicht mehr. Ich habe meine Fehler erkannt. Diese werden mir nicht wieder passieren.“
    „Genau dies wollte ich hören,“ antwortete der Präsident der Föderation fürsorglich und war zufrieden. Nun war er sich endgültig sicher, dass es zwischen Bird und Kranick nicht zu Problemen kommen würde.

    Die Situation hatte sich für Jozarnay Woil nicht verbessert. Ein Umstand, der nicht gerade überraschend war. Denn eine Such hatte naturgemäß die Eigenschaft, dass sie irgendwann gestillt werden musste. Jedoch bestand derzeit überhaupt nicht die Möglichkeit an neues Ketracel-White zu kommen und dementsprechend schlecht stand es um den Antosianer. Hatte er noch vor einer Stunde gedacht, dass es ihm schlecht ginge, so wurde er nun eines besseren belehrt. Noch größer waren die Schmerzen des zittrigen Körpers geworden und noch deutlicher traten Woils Konzentrationsschwächen zu Tage. Der ehemalige Chief versuchte in der Zelle etwas zu finden, was ihm in dieser Lage helfen konnte, doch in dem leeren Raum konnte er absolut nichts finden. Außer ihm und seinem Drogenentzug gab es absolut nichts.
    Und aus diesem Grund begann Jozarnay wieder Stimmen zu hören. Nachdem zuletzt Captain Lewinski in seiner Zelle erschienen und seltsame Sätze gesprochen hatte, vernahm er dieses Mal eine andere, klar weibliche Stimme. Auch diese kam ihm bekannt vor, doch erst als die Sprecherin in das schwache Licht trat, konnte er die Person erkennen.
    „Nein,“ stammelte der Antosianer und konnte sich nur mit Mühe vom Boden erheben. Zu groß war die freudige Überraschung, die ihm beim Anblick einer längst tot geglaubten Person überkam. Er konnte nicht die Tränen zurückhalten, welche ihm über das Gesicht rannen, als er Stella Tanner vor sich sah. Die Person, die er geliebt hatte, die er immer noch liebte und die von Edward Jellico kaltblütig ermordet worden war. Inzwischen spielte es für den ehemaligen Chefingenieur der Monitor keine Rolle mehr, ob vor ihm nur ein Produkt seiner Phantasie stand oder eine leibhaftige Person. Die Stella, welche vor ihm in diesem atemberaubenden Kleid stand, war genauso real wie er selbst und er wollte sich an diesem beruhigenden Gedanken festklammern.
    „Doch, ich bin es!“ bestätigte die Gestalt mit den langen roten Haaren und trat näher an ihn heran. Zaghaft, so als fürchtete er die Erscheinung könnte sich in seinen Händen verflüchtigen, berührte Woil die Frau, die er liebte, und wunderte sich über die Wärme, die von ihrem Körper ausging. Es fühlte sich so wunderbar real an.
    „Du lebst… es ist unglaublich. Ich habe dich sterben sehen und nun bist du bei mir,“ stammelte der Antosianer überglücklich.
    „Ich kann halt nicht ohne die dich leben!“
    Die Worte Tanners wirkten wie Balsam auf der gequälten Seele Woils. Endlich gab es Hoffnung für ihn. Nach dem grauenhaften Entzug, den Schlägen der Wärter und der seltsamen Erscheinung von Captain Lewinski gab es nun endlich einen Lichtblick in seinem Leben. Stürmisch küssten sich die beiden und verhielten sich wie damals, als sie noch ein glückliches Paar gewesen waren.
    „Bitte lass mich nicht mehr allein!“ bat Jozarnay unter Tränen. Ob dieser von der überschwänglichen Freude oder dem Schmerz des Entzuges kamen, wusste er nicht. Was jedoch zählte, waren seine realen Gefühle für Tanner.
    „Möchtest du wirklich, dass ich bei dir bleibe?“ fragte Stella überflüssigerweise und hielt den Antosianer ganz fest in ihren Armen.
    „Ein Leben ohne dich kann ich mir einfach nicht vorstellen!“
    Die Worte von Jozarnay waren wohl das ehrlichste, was Stella jemals gehört hatte und so beschloss die Erscheinung, welche nur ein Produkt der Phantasie des Antosianers war, ihren Geliebten nicht mehr zu verlassen. Dieser Ort war schon trostlos genug, Jozarnay verdiente ein wenig Glück!

    Der entscheidende Moment war endlich gekommen. Auf den Zugriff zu warten war schlimm genug gewesen. Nun, wo sie kurz vor dem entscheidenden Moment standen, arbeitete die Crew der USS Monitor so professionell wie immer. Alle Offiziere befanden sich an ihren Stationen, die Alarmstufe Rot war ausgerufen worden. Captain Lewinski hatte es vorgezogen nicht in seinem Stuhl zu sitzen, sondern hatte sich in die Mitte der Brücke gestellt. In dieser Pose wirkte er wie der ruhige Fels in der Brandung, der allen Trost zu spenden versuchte. Im Transporterraum wartete Fähnrich Kensington mit einem Sicherheitsteam, welches nur auf den Startbefehl wartete. Alles wartete auf den Beginn der Aktion.
    Auf dem Sensorschirm von Lieutenant Ardev war deutlich die S.S. Paris zu sehen, jenes Passagierschiff, auf dem sich Timo Gruber befand. Der Liner schien sie nicht bemerkt zu haben ( wie auch? ), ruhig flog er seine Strecke zur Erde ab. Ein letztes Mal atmete John Lewinski tief durch, schöpfte noch einmal Kraft für das, was nun kommen würde.
    „Matt,“ befahl der Kommandant schließlich an seinen Steuermann, „setz dich vor den Bug der Paris, enttarne uns und gehe unter Warp. So bremsen wir das Schiff aus! Bereitmachen einen Kanal zu dem Schiff zu öffnen!“
    Sowohl Price als auch Ardev bestätigten die Befehle und konzentrierten sich auf ihre Aufgaben. Diese Aufgabe war eine Herausforderung für den Halbbetazoiden am Steuer der Monitor. Mit mehrfacher Überlichtgeschwindigkeit überholte er das Passagierschiff und setzte sich vor es. Im Anschluss enttarnte sich das Geheimdienstschiff und ging unter Warp. Die Paris hatte gerade genug Zeit unter Warp zu gehen, um einen Zusammenstoß zu verhindern. Die Aktion war gefährlich gewesen, verfehlte jedoch ihre Wirkung nicht. Nun besaßen sie die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Beteiligten. Schon im nächsten Moment hatte Ardev einen Kanal geöffnet und mit fester Stimme erklärte der Kommandant:
    „Hier spricht Captain Lewinski vom Sternenflottenschiff Monitor. Sie haben einen Kriminellen an Bord. Bereiten sie sich auf unsere Ankunft an Bord vor!“
    Irritiert blickte der Kommandant der Paris zu seinem Kopiloten. Die vormals noch so ruhige Reise hatte eine unerwartete Wendung genommen. Jedoch hatte er keinerlei Möglichkeit dem Captain zu widersprechen und so entgegnete er:
    „Monitor, wir haben verstanden! Sie können an Bord kommen!“
    Fast unmittelbar im Anschluss an diese Worte materialisierte im Passagierbereich des Schiffes das vierköpfige Eingreifteam der Monitor. Mit Phasergewehren im Anschlag durchforsteten sie die Reihen der Reisenden und suchten Timo Gruber. Jeder einzelne von ihnen hatte sich ein Bild des Gesuchten eingeprägt; professionell musterten sie jedes einzelne Gesicht an Bord. Naturgemäß waren die Reisenden verwirrt, ja geradezu verängstigt. Aus diesem Grund wurde die Bordverbindung aktiviert und der Kommandant erklärte:
    „Meine Damen und Herren, es findet gerade eine Sicherheitsinspektion statt. Bitte bleiben sie ruhig auf ihren Plätzen sitzen und lassen sie das Personal der Sternenflotte ihre Arbeit machen. Wir entschuldigen uns für diese Unannehmlichkeit und werden schon bald unseren Weg zur Erde fortsetzen!“
    Fähnrich Kensington achtete gar nicht auf diese Ansage. Viel zu sehr war sie auf ihre Arbeit konzentriert und darauf, Gruber zu finden. Jedoch waren zahlreiche Passagiere an Bord und dementsprechend lange dauerte das Absuchen. Doch sie mussten nur auf die aufkeimende Ungeduld des Verdächtigen hoffen. Irgendwann, nachdem er sich immer mehr Sorgen gemacht hatte, sprang Timo Gruber von seinem Platz auf und wollte wegrennen. Seine Reaktion war völlig irrational, denn wohin hätte er schon auf diesem Schiff fliehen sollen? Doch Menschen neigten in Extremsituationen leider dazu unvernünftig zu handeln und so machte er das Team auf sich aufmerksam. Kensington traf sofort eine Entscheidung und betäubte Gruber mit einem gezielten Phaserschuss.
    „Kensington an Lewinski,“ rief sie das Schiff per Kommunikator, „wir haben Timo Gruber betäubt. Bereitmachen zum beamen!“
    Erleichtert atmete Lewinski auf. Es war vorbei.
    „Lieutenant Bolder, beamen sie das Eingreifteam sowie den Gefangenen an Bord,“ befahl Lewinski und wandte sich an seinen ersten Offizier. „Gruber wird in das Casino gebracht, Matt. Bereite dort ein Verhör vor und lass den konfiszierten Koffer zu Dr. Frasier bringen. Sie soll den Inhalt und die Waffe untersuchen.“
    Sofort erhob sich der Commander und verließ die Brücke, um seinem Auftrag nachzukommen. Captain Lewinski selbst begab sich in seinen Bereitschaftsraum und stellte eine Dringlichkeitsverbindung zur Erde her. Natürlich dauerte es einige Minuten, bis er zum mächtigsten Mann der Föderation durchgestellt wurde, dennoch klappte es schneller als erwartet. Das Föderationssymbol auf dem Bildschirm wurde durch den Präsidenten ersetzt, in dessen Augen sich Hoffnung und Zuversicht widerspiegelte. Es war Captain Lewinski eine umso größere Freude, die gute Nachricht übermitteln zu können.
    „Mr. President,“ teilte ihm John Lewinski mit, „vor wenigen Minuten haben wir Timo Gruber samt dem Viruskoffer in Gewahrsam genommen.“
    Erleichtert seufzte der Staatsmann auf.
    „Das sind endlich einmal gute Nachrichten. Was ist mit der Waffe?“
    „Diese befindet sich derzeit in den Händen unserer Bordärztin und wird untersucht. Nur um sicherzugehen… zudem könnten wir daraus Rückschlüsse auf weitere Waffen ziehen.“
    Verstehend nickte der Präsident.
    „Dies scheint mir in der Tat die angemessene Vorgehensweise zu sein. Captain Lewinski, die Föderation ist ihnen und ihrer Crew zu Dank verpflichtet.“
    Und im Angesicht dieser Worte sagte der Kommandant jenen abgedroschenen Satz, den viele vor ihm in dieser Situation gesagt hatten:
    „Sir, wir haben nur unsere Pflicht getan!“
    „Mag wohl sein,“ fand der Präsident und lächelte nachsichtig, „aber dennoch war dies gute Arbeit von ihnen allen!“
    Damit beendete Captain Lewinski die Verbindung, nachdem er die neuen Befehle erhalten hatte. Nachdem Waffe sichergestellt worden war, galt es nun weitere Informationen über eventuelle weitere Viren und ihre Standorte zu erfahren. Aus diesem Grund würde es das Beste sein Gruber zu verhören.
    Price hatte natürlich instinktiv vorausgedacht und den Gefangenen in das eigens abgesperrte Casino gebracht. Dort warteten sie, gemeinsam mit zwei Sicherheitsleuten, darauf, dass der Captain hereinkam. Natürlich hätte Matthew schon vorher mit dem Verhör beginnen können, doch der Halbbetazoid hatte beschlossen John Lewinski den Vortritt zu lassen. Dieser sollte das Tempo sowie die Art des Verhörs vorgeben, während Matt mittels seiner empathischen Fähigkeiten unterstützte. Dies wäre die optimale Vorgehensweise, die sich schon so viele Male zuvor bestens bewährt hatte.
    Timo Gruber saß wie ein Häuflein Elend auf seinem Stuhl. Die Hände waren gefesselt, sein Blick auf den vor ihm stehenden Tisch gerichtet. Obwohl er nur ein kleines Licht in der Hierarchie der Untergrundbewegung gewesen war, versuchte Gruber sich als starken Mann auszugeben, was ihm jedoch nur bedingt gelang. Endlich betrat der Captain der Monitor das Casino. Schnurstracks ging er auf den Gefangenen zu und setzte sich ihm gegenüber an den Tisch. Commander Price beschloss sich in den hinteren Bereich des Raumes zu begeben, um so das Geschehen aus dem Hintergrund zu beobachten. Mit ruhigen, sachlichen Worten erklärte Lewinski:
    „Sie befinden sich an Bord eines Sternenflottenschiffs, wie ihnen schon aufgefallen sein dürfte. Uns ist ebenfalls bekannt, wer sie sind und mit welchem Auftrag sie in Richtung Erde unterwegs gewesen sind. Mr. Gruber, sind sie Bürger der Föderation?“
    Die Sekunden schienen sich zu dehnen, als die Frage scheinbar im Raum nachhallte. Schließlich antwortete der Gefangene:
    „Ich bin es, aber nicht freiwillig. Bürger dieses Regimes zu sein ist eine furchtbare Bürde.“
    Captain Lewinski beschloss erst gar nicht auf diese Worte einzugehen, die seiner Meinung nach jedweder Grundlage entbehrten. Zumindest hatte der Gefangene auf seine Worte reagiert und war in das Gespräch eingestiegen. Vielleicht bot sich hier nun die Chance, um an mehr Informationen zu gelangen.
    „Ihre Mission ist gescheitert,“ fuhr John fort. „Sie befinden sich nun in unserem Gewahrsam und ihre Mission ist gescheitert. Gegenwärtig bereiten wir uns darauf sie den Behörden auf der Erde zu übergeben. Die Beweislage ist erdrückend, Mr. Gruber. Sie werden mit Sicherheit eine langjährige Gefängnisstrafe antreten… möglicherweise sogar eine lebenslängliche! So wie ich das sehe, haben sie nur eine Chance: zeigen sie sich kooperativ und in einem Prozess könnte sich dies vorteilhaft für sie auswirken. Dies ist ihre einzige Chance auf Milde!“
    Statt zu antworten blickte Timo Gruber ihn an. Zorn stieg in dem jungen Mann auf, dies konnte der erste Offizier deutlich mittels seiner Fähigkeiten spüren, und er lieferte sich ein altmodisches Blickduell mit dem Captain, welches der Gefangene erwartungsgemäß verlor.
    Mit erstaunlich selbstbewusster Stimme erklärte der Gefangene:
    „Von mir erfahren sie gar nichts!“
    „Sie sollten mein Angebot nicht allzu schnell ablehnen. Es müssen ja nicht einmal viele Informationen sein. Verraten sie mir doch einfach, von wo sie diese Biowaffe her haben oder ob es noch mehr davon in ihrem Besitz gibt!“
    „Wenn sie glauben,“ raunte Gruber und zeigte sich noch sturer, „dass ich zu einem Verräter an meiner eigenen Sache werde, an die ich glaube, dann irren sie mich. Sie können dieses Verhör beenden, ich habe ihnen nichts zu sagen.“
    Einige Sekunden wartete Lewinski darauf, dass der Gefangene seine Meinung änderte, doch nichts dergleichen geschah. Also erhob er sich und verließ, gefolgt von seinem ersten Offizier, das Casino.

    Hatte Captain Lewinski möglicherweise darauf gehofft, nun etwas Ruhe und Bedenkzeit zu haben, so mussten seine Hoffnungen enttäuscht werden. Unmittelbar nach Schließen der Schotts zum Casino wandte sich Price an seinen Vorgesetzten, fragte ihn scheinbar ratlos:
    „Was machen wir jetzt?“
    Kurz blickte John den Gang nach links und rechts hinunter, ging so sicher, dass sie allein waren, und entgegnete:
    „Nichts. Wir warten und lassen Gruber etwas im eigenen Saft schmoren. Wenn er einige Zeit allein im Arrest verbracht und so einen Vorgeschmack auf den Vollzug erhalten hat, wird er sich kooperativer zeigen.“
    Ungeduldig rollte der Halbbetazoid mit den Augen. Ihm war deutlich anzusehen, dass er mit dieser Lösung nicht zufrieden.
    „Haben wir überhaupt diese Zeit, John?“ fragte er mit Nachdruck.
    „Wir haben Gruber in Gewahrsam und mit ihm die Biowaffe. Ich weiß nicht, woher noch ein Zeitdruck kommen sollte.“
    „Es könnten noch mehrere dieser Waffen im Umlauf sein,“ erklärte Price und bemerkte gar nicht, wie seine Stimme unmerklich lauter wurde. „Möglicherweise ist der Föderalen Befreiungsarmee ihr Scheitern inzwischen bekannt und sie hat einen weiteren Träger auf den Weg geschickt, um ihr Ziel zu erreichen.“
    Irritiert verschränkte Captain Lewinski die Arme vor der Brust und betrachtete seinen Stellvertreter. Dem Kanadier war anzusehen, dass er die Logik des Halbbetazoiden nicht allzu sehr folgen konnte.
    „Du redest so, als hätte diese Gruppe tatsächlich noch mehr von den Biowaffen,“ erklärte John seinen Standpunkt. „Jedoch ist dies nur eine Spekulation deinerseits!“
    „Bist du dir da sicher?“
    „Wenn dem so wäre,“ war sich der Captain sicher, „dann hätte Danny uns dies schon mitgeteilt.“
    Nun blickte sich Price in dem Gang um, ging ebenfalls sicher, dass ihnen niemand zuhörte.
    „Hätte er dies? Wissen wir denn überhaupt, dass Danny noch nicht enttarnt worden ist? Mit jeder Minute, die der in der Bewegung verbringt, steigert sich sein Risiko und möglicherweise ist er gar nicht mehr in der Lage uns seine Erkenntnisse mitzuteilen. Gerade durch eine Erlangung solch wichtiger Informationen können wir ihn entlasten… vielleicht kann er sich dann schon in Sicherheit bringen!“
    Lange musterte John seinen Stellvertreter. Er hatte eine ungefähre Ahnung, worauf Matt hinauswollte und dies gefiel ihm ganz und gar nicht. Noch hoffte er mit seiner Vermutung falsch zu liegen und so hakte er nach:
    „Und wie können wir deiner Meinung nach an diese Informationen gelangen? Immerhin gibt sich der gute Mann alles andere als kooperativ.“
    „Wir könnten… drastischere Methoden anwenden,“ wich der Commander aus. Scheinbar verließ ihn nun der Mut das zu sagen, was er auf dem Herzen hatte.
    „Wie zum Beispiel?“
    Matts Schweigen sowie der Ausdruck in seinen Augen waren dem Captain Antwort genug.
    „Das kann nicht dein Ernst sein!“ flüsterte John Lewinski.
    „Wieso nicht?“
    „Jemanden zu foltern oder ihm auch nur leichte Schmerzen zuzufügen, um an Informationen zu gelangen, widerspricht allen Prinzipien der Föderation. Auf die wir, wie ich dich wohl nicht erinnern muss, einen Eid geschworen haben.“
    Lewinskis Plädoyer war von einer solchen Leidenschaft geprägt, dass er selbst davon überrascht war. Schon sonderbar, dass selbst nach jahrelangem Dienen und etwaigen Enttäuschungen die Quintessenz seines Hier seins noch vorhanden war.
    „Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen Situation,“ erklärte Price weiterhin seinen Vorschlag, „in der außergewöhnliche Entscheidungen getroffen werden müssen, um die Bevölkerung zu schützen. Außerdem müssen ja nicht unbedingt körperliche Mittel eingesetzt werden. Es dürfte auch in der Tat möglich sein geistigen Druck auszuüben. Mittels meiner empathischen Fähigkeiten wäre dies kein Problem für mich! Das Seminar vor zwei Jahren auf Betazed war äußerst hilfreich gewesen.“
    „Ich denke kaum, dass wir dich aus diesem Grund damals auf den Seminar geschickt haben!“
    Energisch schüttelte Lewinski den Kopf. Er konnte einfach nicht glauben, was der Mann, mit dem er inzwischen so viele Jahre gedient hatte, nun sagte. Natürlich war ihm seine ungewöhnliche Kindheit und die problematische Karriere in der Sternenflotte des Commanders bekannt, doch immer wieder hatte sich Matthew als prinzipientreuer Mann erwiesen. Wieso nun nur dieser Umschwung?
    „Deine Äußerungen basieren immer noch auf der Vermutung, dass die Gruppe mehrerer dieser Waffen besitzt…“
    „Genau dieses will ich doch herausfinden!“
    „Und selbst dann wäre ich nicht bereit zu diesem Mittel zu greifen!“ fuhr Lewinski energisch fort. „Nicht nur, weil es gesetzlich, sondern auch moralisch falsch wäre. Nichts kann die Folterung eines Gefangenen ethisch vertreten. Ende der Diskussion!“
    Damit drehte sich John herum und wollte sich auf den Weg zur Brücke machen. Jedoch hörte er noch deutlich Price hinter ihm flüstern:
    „Wir werden uns am Ende dieser Krise noch einmal sprechen, John!“
    Eine unheilvolle Ankündigung.

    Derweil, auf der Krankenstation, war Dr. Elisabeth Frasier vollends damit beschäftigt den Koffer zu untersuchen, den Timo Gruber bei sich getragen hatte. Auch sie war sich noch ganz genau im Klaren darüber, wie brutal diese Waffe war und hatte alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die Schwester und den Pfleger hatte sie nach draußen geschickt, um das Risiko zu minimieren. Sollte eine Kontamination der Krankenstation eintreten, was sie natürlich nicht hoffte, so sollten so wenig Personen wie möglich davon betroffen werden. Was die Symptome des Virus jedoch nicht mindern würde. Mit Schrecken entsann sich die Ärztin daran, was für eine seelenlose Person aus ihr werden würde, käme sie mit dem Biovirus in Kontakt. Die Krankenstation war hermetisch abgeriegelt und unter Quarantäne gestellt worden. Alle Zugänge waren verschlossen und zur Sicherheit trug die Ärztin zudem noch einen Schutzanzug.
    Wie schnell sich doch alles veränderte! Noch vor drei Stunden saß sie mit Matthew bei einem wundervollen Abendessen und dachte über die gemeinsame Zukunft nach, nun musste sie sich einer der grausamsten Waffen ihrer Zeit befassen. Wie furchtbar schnelllebig ihr Leben doch war. Wenn diese ganze Krise überstanden wäre, so würde sie sich erst einmal einen verdienten Urlaub gemeinsam mit ihrem Liebsten nehmen. Am besten wäre noch Jasmin dabei und das Glück wäre perfekt. Doch derzeit galt es sich auf die momentane Situation zu konzentrieren.
    Mit erstaunlich ruhigen Händen nahm sie den Koffer und legte ihn auf die Untersuchungsliege. Als nächstes schnappte sie sich einen medizinischen Tricorder und untersuchte den Koffer. Dieser war erstaunlicherweise gut abgeschirmt, das kleine Gerät konnte keinerlei verdächtige Biowerte erfassen. Eigentlich eine ganz logische Sache, denn nur so hatte die Waffe an den Scannern des Raumhafens, von dem die Paris gestartet war, vorbeigeschmuggelt werden könnten. Nervös seufzte die Ärztin auf. Sie musste also den Koffer öffnen, um dem Geheimnis einen Schritt näher zu kommen. Mit geübten Fingern schnappte sie sich ein Laserskalpell und öffnete ganz vorsichtig die Versiegelung des schwarzen Koffers. Diese Prozedur dauerte natürlich seine Zeit, da eine enorme Vorsicht an den Tag gelegt werden musste, aber nach einer schier endlosen halben Stunde war sie am Ziel angelangt. Innerhalb des Koffers befand sich ein kleiner, silberner Kasten, in dessen kleinem Fenster man eine grünliche Flüssigkeit beobachten konnte. Dieser musste er also sein, der tödliche Stoff! Vorsichtig fuhr Elisabeth mit ihrem Tricorder über die Schatulle und stellte zu ihrer Freude fest, dass die Anzeigen ausschlugen. Nun galt es, sich an die Feinuntersuchung zu machen…

    Der Justizminister der Föderation saß konzentriert an seinem Schreibtisch und ging einige Akten durch, die er für die gegenwärtige Krise studieren musste. Umso überraschter war er als, eine ganz bestimmte Person sein provisorisches Büro betrat.
    Hastig erhob sich Edward Jellico aus seinem Sessel, als der Präsident der Föderation eintrat.
    „Mr. President,“ stammelte der ehemalige Admiral hastig, „ist etwas geschehen? Ich habe ehrlich gesagt nicht mit einem Besuch von ihnen gerechnet!“
    Höflich hob der Staatsmann die Hand, beruhigte seinen Gehilfen und lächelte ihm zu.
    „Nein, es ist nichts geschehen, Mr. Jellico. Obwohl diese Aussage nicht ganz korrekt ist; tatsächlich ist etwas Großartiges geschehen.“
    Augenblicklich entspannte sich die Körperhaltung Jellicos. Beim Eintreten des Präsidenten hatte Edward noch das schlimmste vermutet. Möglicherweise wären sie zu spät gewesen und die Waffe wäre schon eingesetzt worden. Doch die Worte des Staatsoberhauptes machten ihm neuen Mut.
    „Um was handelt es sich, Sir?“
    „Captain Lewinski und seiner Crew ist es gelungen den Virus zu stoppen. Sowohl die Waffe selbst als auch dessen Transporteur sind in unserem Gewahrsam!“
    Angesichts dieser Worte wusste der Justizminister nicht, was er sagen sollte. Abermals blickte er den Präsidenten an, der ergänzte:
    „Es ist tatsächlich vorbei.“
    Erst jetzt wagte Jellico es auszuatmen und sich über diesen Erfolg zu freuen. Dies war einfach unglaublich! Es war also doch richtig gewesen auf die Fähigkeiten der Monitor zu vertrauen und ihr diese Angelegenheit zu überlassen. Großartig.
    „Captain Lewinski,“ schlug Jellico vor und konnte selbst nicht glauben, was er da sagte, „hat eine offizielle Belobigung verdient… wenn nicht gar einen Orden!“
    Dies ist mir auch in den Sinn gekommen. Ihm und seiner Besatzung kann gar nicht genug gedankt werden. Ich werde mich persönlich an diese Sache machen. Solche Heldentaten sollen nicht ungerühmt bleiben,“ stimmte der Präsident zu und lächelte.
    Erleichtert über den glimpflichen Ausgang dieser Sache verschränkte Edward Jellico seine Arme vor der Brust und atmete tief aus. Schon seltsam, wie schnell dies gehen konnte. Noch vor wenigen Stunden hatten sie sich mit der Möglichkeit des eigenen Todes sowie der Zerstörung der Erde auseinandersetzen müssen und nun war diese Krise schon wieder ausgestanden werden. Wie schnelllebig doch ihre Zeit geworden war!
    Oder war Jellico einfach nur zu alt geworden, kam er nicht mehr hinterher? Doch diese Fragen war derzeit zweitrangig! Nun hieß es sich über die Bewältigung einer Krise zu freuen.

    Auch Captain Lewinski wollte sich über diesen Erfolg freuen, doch wie es für ihn üblich war wollte er erst alle Angelegenheiten klären, bevor er sich ans feiern machte. Er gönnte seiner Crew den Erfolg vom ganzen Herzen und gönnte ihr eine kleine Pause, er selbst jedoch wollte die nächsten Schritte der Krise meistern. Es war noch nicht sicher, ob die Föderale Befreiungsarmee im Besitz weiterer Biowaffen war und ob sie in der Lage war den jetzigen Ausfall schnell zu kompensieren. Wie konnten sie jedoch an Informationen gelangen, wenn sich Gruber weiterhin weigerte zu sprechen? Die Worte von Matt Price gingen dem Kommandanten einfach nicht aus dem Kopf. In einem Punkt hatte der Halbbetazoid Recht, wenn sie jetzt an brauchbare Informationen kämen, so könnten sie Danny Bird entlasten, im besten Fall ihn sogar von diesem Fall abziehen. Aber wie an diese Informationen gelangen?
    Price hatte einen Vorschlag gemacht, doch dieser gefiel dem Captain ganz und gar nicht. Dass überhaupt der Halbbetazoid auf diese Idee kam, war für John bizarr genug. Wie konnte ein Föderationsbürger im 24. Jahrhundert nur auf den Einfall der Folter kommen? Und dennoch ging ihm die ganze Sache nicht aus dem Kopf! War es unmoralisch über diese Möglichkeit nachzudenken?
    Waren es nur Barbaren, die diese Methode einsetzten, um an Informationen zu kommen? Noch heute gab es zahllose Völker und Regierungen, die sich dieses extremen Mittels bedienten, um an ihre Ziele zu gelangen. Die Folter und damit verbundene Grausamkeit war Bestandteil ihrer aller Geschichte und konnte problemlos von jedem durchgeführt werden. Egal, wie zivilisiert man war, prinzipiell konnte jeder in diesen dunklen Abgrund abdriften. Unweigerlich musste man sich einfach fragen, was mehr wog: die Rechte und Unversehrtheit eines Täters oder das Wohlergehen der Erde, wenn nicht gar der gesamten Föderation.
    Frustriert schüttelte John den Kopf. Lag es an seiner Müdigkeit, dass er überhaupt über die Folter nachdachte? Nie in seinem Leben hatte er sie angewandt und nun zog er sie möglicherweise in Erwägung. Hatten sie sich nicht endlich von diesem grausamen Punkt ihrer Geschichte distanziert? Es fiel schwer Argumente gegen sie zu finden, außer vielleicht dem wichtigsten: es wäre einfach falsch. Moralisch und ethisch!
    Würden sie Gruber die Rechte wegnehmen, die sie verteidigen wollten, so wären sie am ersten Schritt ihres Untergangs beteiligt. Würde das erste Glied der Kette geschmiedet worden sein, gäbe es kein zurück mehr und irgendwann wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie immer zu diesem extremsten aller Mittel greifen würden. Aus diesem Grund entschied sich John Lewinski dagegen und er hatte absolut kein Problem damit!

    „Und nun will der Captain nicht diese Mittel einsetzen!“
    Auch der erste Offizier der Monitor dachte über die Möglichkeiten im Zusammenhang mit Timo Gruber nach, nur er war gänzlich anderer Ansicht als John Lewinski. Gestikulierend lief Matt durch die Krankenstation und brachte seiner Lieben seine Ansichten bei. Für den Halbbetazoiden stand es außer Frage, wie man mit dem Gefangenen umgehen sollte.
    „Was meinst du dazu?“ fragte Price die Ärztin und wollte sie so aus der Reserve locken.
    Bisher hatte Elisabeth ihm geduldig zugehört, sich jedoch vorrangig mit ihren Untersuchungen über die Biowaffe gewidmet. Derzeit betrachtete sie die Anzeigen des Scanners, welcher immer noch die Messwerte des Virus analysierte. Das Ergebnis konnte noch immer auf sich warten lassen. Für einen kurzen Moment dachte die Ärztin über die Worte ihres Geliebten nach, dann meinte sie:
    „Meine Antwort wird dir ganz sicher nicht gefallen, also lass ich es lieber.“
    „Dies ist nicht wahr! Ich bin an der Meinung interessiert.“
    Die Worte von Matt waren aufrichtig gemeint, auch wenn er die Antwort schon kannte. Elisabeths einleitender Satz war eigentlich Antwort genug gewesen.
    „Auch wenn ich anderer Meinung sein würde?“
    „Ja.“
    „Der Captain hat recht,“ erklärte Elisabeth. „Allein nur daran zu denken diesen Mann zu foltern, um an Informationen zu kommen, widerspricht allem, was ich als Ärztin geschworen habe.“
    „Wir reden hier nicht von irgendwelchen Informationen, sondern solchen, die für die nationale Sicherheit von höchster Wichtigkeit sind! Und wie ich schon einmal versucht habe zu erläutern, könnte ich emphatischen oder gar telepathischen Druck auf Gruber ausüben. Er würde keinerlei Wunden davontragen, keine Knochenbrüche oder Blutungen. Es wäre eine ganz saubere Angelegenheit!“ versuchte Price zu erklären, stieß jedoch auch bei Dr. Frasier mit diesen Worten auf taube Ohren.
    „Dennoch wäre es falsch und ganz ehrlich gesagt bin ich verwundert ausgerechnet von dir diesen Vorschlag zu hören. Ist dies etwa die Art und Weise, wie ihr auf Rigel miteinander umgegangen seid?“
    Price´ Miene versteinerte sich im Anschluss an diese Worte und Elisabeth bereute sie sofort. Diese Aussage war in der Hitze des Gefechts geschehen und alles andere als fair gewesen.
    „Tut mir leid,“ erklärte die Ärztin kleinlaut, „dies meinte ich gar nicht.“
    „Dein Standpunkt ist schon recht deutlich geworden. Ich lasse es wohl besser, da hier niemand meiner Meinung ist. Sollte jedoch im Laufe dieses Tages noch etwas Unvorgesehenes geschehen, so sollte niemand von sich behaupten, ich hätte nicht davor gewarnt!“
    Im Anschluss an diesen unheilvollen Satz wollte Matt die Krankenstation verlassen, wurde jedoch noch einmal von Elisabeth angehalten, die ihm ein einfaches „Wieso?“ hinterher rief.
    Der Halbbetazoid blieb vor dem Schott stehen, blickte kurz zu Boden und überlegte, ob er diese Anekdote aus seiner Kindheit erzählen sollte. Würde sie es überhaupt verstehen oder ihn dennoch ablehnen?
    „Während meines Aufwachsens auf Rigel musste meine Mutter hart für unser Überleben arbeiten,“ erklärte der Commander mit trockener Stimme. „Dir ist ja schon bekannt, dass das Geld vorne und hinten nicht reichte. Eines Tages wollte sie von der Arbeit zurückkehren und wurde ausgeraubt. Das Gehalt eines ganzen Monats, welches sie unvorsichtigerweise mit sich geführt hatte, war gestohlen worden. Ohne dieses Geld hätten wir niemals über die Runden kommen können. Meine Jugendbande und ich hatte nur wenig Mühe den Täter zu stellen. Jedoch war er nicht allzu kooperativ, als es darum ging das Gehalt wieder raus zu rücken. Also musste ich bestimmte Mittel einsetzen…“
    Im Anschluss an diese Worte machte Matt eine beunruhigende Pause.
    „Ich musste es tun, weil wir sonst niemals diesen Monat überstanden hätten. Für jemand, der auf einer reichen Welt aufgewachsen ist, mag dies unverständlich sein, aber für mich und meine Mutter ging es ums Überleben und ich bereue nichts, was ich getan habe.“
    Daraufhin verließ der Halbbetazoid die Krankenstation und ließ Elisabeth mit ihren Proben zurück.
    Wieso nur fühlte sich Dr. Frasier schuldig, obwohl sie sich im Recht sah?

    Inzwischen spielte es keine Rolle mehr, ob die Erscheinungen in seiner Zelle real waren oder nicht. Für Jozarnay war es einfach nur eine Wohltat endlich wieder andere Personen zu sehen und sich mit ihnen unterhalten zu können. Während die Begegnung mit Captain Lewinski bizarr bis geradezu ärgerlich gewesen war, stellte das Widersehen mit der todgeglaubten Stella Tanner eine willkommene Überraschung dar. Der Antosianer hatte so lange in der Isolation der Einzelhaft vor sich hin vegetieren müssen, dass er beide Gestalten als real empfunden hatte. Für ihn war Stella, die große Liebe seines Lebens, genauso real wie die Wärter, die vor seiner Zelle warteten und ihn ab und mit ein wenig Essen versorgten. Stundenlang hatte er mit der bildhübschen Frau über alles geredet, was ihm in den Sinn gekommen war. Viel zu lange waren sie von einander getrennt gewesen und Woil konnte es gar nicht glauben, wie lange er sie schon nicht mehr gesehen hatte. Doch nun war sie endlich wieder hier und sie würde nicht mehr gehen, dies hatte sie ihm hoch und heilig versprochen.
    Und ihre Präsenz hatte in ihm einen Entschluss reifen lassen. Die Zeit des Wartens und des Dahinsiechens war vorbei. Viel zu lange hatte er in diesem Verließ verbracht und die Zeit gezählt, deren Gefühl er dennoch verloren hatte. Es galt nun aktiv zu werden. Die Monitor würde nicht kommen, um ihn zu retten, dies hatte Captain Lewinski beim Besuch in seiner Zelle deutlich zu verstehen gegeben. Nun war nur Jozarnay sich selbst der nächste; er selbst wäre es, der sich retten musste.
    Also fasste der ehemalige Chefingenieur einen tollkühnen Plan: er würde fliehen und sich den Weg in die Freiheit zurückkämpfen! Wie er dies anstellen wollte, wusste er noch nicht, aber Stella würde ihm ganz sicher dabei helfen. Zärtlich spürte er ihre Hand, wie sie über seine Wange strich und sie fragte flüsternd:
    „Ist etwas mit dir?“
    „Ja,“ erklärte Woil mit fester Stimme, „wir werden fliehen!“
    Als Antwort erntete er von der schönen Frau nur ein bezauberndes Lächeln. Allein dies wäre die kommenden Mühen wert!

    Es war kurz vor vier Uhr nachts, die Zeit, in der die Müdigkeit am stärksten am menschlichen Körper zehrte. Auch John Lewinski fühlte deutlich das Bedürfnis nach Schlaf, konnte dies jedoch noch mit jede Menge Kaffe verdrängen. Auch wenn sie einen wichtigen Erfolg erzielt hatten, war die gegenwärtige Angelegenheit noch nicht ausgestanden. John würde sich erst zur Ruhe legen, wenn Gruber den örtlichen Behörden übergeben wurde. Die fortgeschrittene Nach zehrte an den Kräften der Besatzungsmitglieder und der Gefangene würde ebenfalls ermattet sein. Darauf spekulierte der Kommandant, so dass sie nun an brauchbare Informationen gelangen konnten. Die Schotts zum Casino öffneten sich mit dem obligatorischen Zischen und offenbarten eine grausige Überraschung:
    der gefangene Timo Gruber lag reglos auf dem Boden, während ein herbeigerufener Sicherheitsoffizier versuchte mittels einer Herz-Lungen-Wiederbelebung Gruber wieder ins Reich der Lebenden zu holen.
    „Was ist hier geschehe?“ fragte Lewinski lauthals und ließ sich neben den Bewusstlosen auf den Boden sinken.
    „Ich kann es mir nicht erklären,“ stammelte der Crewman und versuchte keuchend die Wiederbelebung fortzuführen. „In dem einen Moment saß er noch auf dem Stuhl, dann verdrehte er die Augen und lag regungslos am Boden. Es ist eben geschehen!“
    „Haben sie den Doktor gerufen?“ fragte John und tastete nach dem nicht mehr fühlbaren Puls.
    Die Frage erübrigte sich jedoch, denn schon im nächsten Moment eilte Dr. Frasier mit einem Medkit in das Casino und setzte den medizinischen Scanner an. Verzweifelt traten sowohl der Crewman als auch Captain Lewinski von dem Reglosen weg, jedoch dauerte die Behandlung der Ärztin nicht all zu lange.
    „Er ist tot,“ stellte Elisabeth niedergeschlagen fest.
    „Wie konnte dies geschehen? Er war doch kerngesund!“
    Die Ärztin räusperte sich, ging die verschiedenen Möglichkeiten durch und erklärte dann:
    „Derzeit kann ich ohne genauere Untersuchungen nur spekulieren, aber ich denke Gruber starb an einem selbst verabreichten Gift!“
    „Ein Gift? Aber sie haben ihn doch untersucht!“
    „Es könnte besser versteckt gewesen sein, als ich dachte. Meine Scanner hätten es übersehen können.“
    Ratlos fuhr sich John durch die Haare und stellte zu seinem Erstaunen fest, dass diese klatschnass waren. Eben noch hatte er gehofft wichtige Informationen von Timo Gruber zu erhalten und nun war dieser tot. Sollte sich die Annahme von Dr. Frasier bestätigen und er ein Gift eingesetzt haben, so bedeutete dies nur eines: die Mitglieder der Untergrundbewegung waren eher bereit in den Tod als in ein Gefängnis zu gehen. Diese Einstellung machte sie zu nur noch gefährlicheren Gegnern.
    „Wenigstens haben wir eine Sache noch,“ murmelte der Crewman, was er jedoch wohl besser nicht laut ausgesprochen hätte.
    Denn mit einem sorgenvollen Blick wandte sich die Ärztin an ihren Captain und sagte:
    „Ich wollte sie eben zu mich rufen, als der Notruf hereinkam.“
    „Sie mich?“ fragte Lewinski erstaunt. „Wieso denn das?“
    „Meine Untersuchungen der Waffe sind abgeschlossen,“ erklärte Elisabeth und deutlich war ihr das Unbehagen abgeschlossen. Auch Lewinski bemerkte dies und drängte sie:
    „Machen sie es nicht so spannend, Elisabeth. Was ist es?“
    „Die Untersuchungen an dem Biovirus ergaben nicht die Werte, nach denen wir gesucht haben. Ich habe daraufhin die Probe noch einmal untersucht und kam zu demselben Ergebnis: wir haben nicht die Biowaffe in unseren Händen.“
    „Soll dies heißen…“ raunte Lewinski verzweifelt und wurde von Dr. Frasier unterbrochen:
    „Ja… in dem Koffer befand sich nicht die Waffe!“

    Fortsetzung folgt…

    UNRUHE

    based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY
    produced for TREKNews NETWORK
    created by NADIR ATTAR
    executive producers NADIR ATTAR & CHRISTIAN GAUS
    co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER
    producer SEBASTIAN HUNDT
    lektor OLIVER DÖRING
    staff writers THOMAS RAKEBRAND & JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER
    written by NADIR ATTAR
    TM & Copyright © 2005 by TREKNews Network. All Rights Reserved.
    "STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES
    This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!


    Quelle: treknews.de
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