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  • Monitor - 7x05: Eskalation

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    Jubiläum bei Star Trek Monitor, denn mit "Eskalation" wird die 75. Episode der Fanfictionserie veröffentlicht! Wie weit ist Captain Lewinski bereit, für seine Überzeugungen zu gehen? Wird er tatsächlich ein anderes Schiff der Sternenflotte angreifen? Lest hier die spannende Fortsetzung!
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    Monitor 7x05 "Eskalation"


    Das letzte Mal in 7x04 „Schuld“:

    Für einen kurzen Moment hatte sich die Chance geboten mal mit seinem Bruder zu sprechen. Martin trat auf den Captain zu und raunte ein Wort, welches er niemals erwartet hatte über die Lippen zu bringen:
    „Danke.“
    Gedankenverloren, so als ob er abwesend wäre, blickte John auf und konzentrierte seine Aufmerksamkeit auf seinen Bruder.
    „Wofür?“
    „Du hast viel für mich riskiert,“ erklärte der verurteilte Waffenhändler. „Erst die Befreiung aus dem Gefängnis, dann stellst du dich gegen die Befehle des Präsidenten… du wirfst gerade deine Karriere weg. Für mich.“
    Angesichts dieser Worte erhob sich John aus dem Stuhl, blickte seinen Bruder fest an und war für einen Moment ratlos, was er nun sagen sollte. Es schien sich hier um eine verkehrte Welt zu handeln. Nun war es Martin, der ihm dankbar war und er konnte diesen Zuspruch nicht ertragen.
    „Ich tue dies für die Sicherheit der Föderation.“
    „Sicherlich machst du das. Aber sei dir sicher, dass ich dir dankbar bin. Ob du es glauben möchtest oder nicht, wir haben doch mehr Gemeinsamkeiten als du glaubst. Heute hast du deine ersten gesetzeswidrigen Taten vollbracht.“
    Instinktiv ballte John seine Fäuste, eine angesichts der Umstände völlig sinnlose Geste, die jedoch seinen Gemütszustand deutlich beschrieb.
    „Vielleicht mag es lange gedauert haben,“ meinte Captain Lewinski, „aber ich habe eingesehen, dass wir wohl nicht viele Gemeinsamkeiten haben. Wir mögen Brüder sein, aber unsere Ansichten sind gänzlich unterschiedlich.“
    Martin wollte noch etwas erwidern, kam jedoch nicht dazu. Denn plötzlich erhellte sich die Brückenbeleuchtung und hektische Betriebsamkeit brach aus. Fähnrich Kensington bestätigte die Vermutung:
    „Die Tarnvorrichtung ist soeben ausgefallen!“
    „Was?“ fragte Lewinski und begab sich umgehend zur taktischen Station. War dies etwa die Antwort des Präsidenten? Mit einer so schnellen Reaktion hatte er beileibe nicht gerechnet.
    „Tarnen sie uns umgehend wieder!“ befahl der Kommandant.
    „Es geht nicht, Sir. Irgendwie sind unsere Kontrollen überschrieben worden.“
    „Dies funktioniert nur mit den entsprechenden Codes des Oberkommandos,“ meinte Price, der sich sofort an die Navigationskontrollen gesetzt hatte. Im Moment mussten sie wohl mit allem rechnen und genau dies trat auch ein.
    „Ein Schiff dreht bei und geht auf Abfangkurs,“ meldete Ardev und vergaß für den Moment die Sensorsuche der Erde. „Es ist die USS Community!“
    Entsetzt blickte Price zu seinem Captain und dieser schaute ihn auch verwirrt an. Scheinbar war ausgerechnet dieses Schiff das nahste zu ihnen gewesen und sollte sie nun abfangen.
    Und wie erwartet erschien das Gesicht der Kommandantin der Community auf dem Wandschirm der Monitor. Seit Wochen und Monaten hatte sich Commander Price gewünscht seine Tochter und mit ihr seine Imzadi wiederzusehen, doch dieses Mal waren die Umstände mehr als unglücklich.
    „Hier spricht Captain Selina Kyle von der Community,“ erklärte die Frau mit neutraler Stimme. Ihr lag alles daran die Situation nicht ausarten zu lassen. „Übergeben sie Martin Lewinski und bereiten sie sich darauf vor, dass wir an Bord kommen.“
    Captain Kyle!“ begrüßte John Lewinski seine Gegenüber und stellte sich in die Mitte der Brücke. „Ich gratuliere ihnen zu ihrer Beförderung.“
    „Danke, Captain. Aber ich denke kaum, dass dies der geeignete Zeitpunkt ist, um über meinen neuen Rang zu sprechen,“ erwiderte Kyle selbstsicher und für einen kurzen Moment fiel ihr Blick auf den an der Navigation sitzenden Matt Price. Mittels seiner empathischen Fähigkeiten konnte er deutlich fühlen, dass auch seiner Imzadi die Situation alles andere als gefiel. „Ich bin hier auf Befehl des Präsidenten und bitte sie inständig meinen Befehlen zu gehorchen.“
    „Sind sie sich über die gegenwärtige Lage im Klaren?“
    „Ja, ich bin vollständig informiert worden. Tatsächlich ist der Präsident uns über Audio zugeschaltet, er bekommt also alles mit.“
    Verstehend nickte John und überlegte, wie er diese Information zu seinem Vorteil nutzen konnte. Jedoch fiel ihm keine probate Möglichkeit ein.
    „Dann sollten sie meine Aktionen und meine Entscheidung nachvollziehen können,“ meinte John.
    „Es ist nicht an mir etwas zu bewerten, sondern die Befehle des gewählten Führers der Föderation zu befolgen und diese sind unmissverständlich. Bitte, Captain Lewinski, machen sie die Sache nicht noch schwerer, als sie ist.“
    Gebannt blickten alle auf der Brücke zu ihrem Kommandanten und fragten sich, was er nun sagen würde. Derzeit schien alles möglich zu sein.
    „Ist dies überhaupt möglich?“ fragte Lewinski rein rhetorisch und fragte sich, wie lange wohl noch die Sensorauswertung dauern würde. Natürlich tat Ardev alles Mögliche, um schnellstmöglich an Ergebnisse zukommen, doch ihnen lief die Zeit davon. „Wir werden ihre Anweisungen nicht befolgen.“
    „Ist dies ihr letztes Wort?“ fragte Captain Kyle, der deutlich das Unbehagen anzusehen
    war. „Bitte tun sie uns dies nicht an und beenden sie die Krise auf der Stelle. Ansonsten müssen wir Gewalt zur Durchsetzung der präsidialen Befehle anwenden.“
    Kurz drehte sich John auf der Brücke herum, wollte in die Gesichter der Offiziere blicken, die so vieles bisher mitgemacht hatten. Würden sie auch jetzt noch bereit sein ihm zu folgen?
    So vieles hatte er bisher von ihnen abverlangt. Hoffentlich würden sie ihm auch jetzt folgen. Ausgerechnet bei seinem Bruder blieb sein Blick als letztes hängen. Er liebte ihn, auch wenn ihre gemeinsame Vergangenheit mehr als problematisch war.
    Schließlich traf John seine Entscheidung. Er zog die Sache nun durch.
    „Roter Alarm! Alle Mann auf der Krankenstation!“
    Eingespielte Hektik begann auf der Monitor, als die Alarmsirenen losheulten und überall an Bord die roten Leuchten aufglühten. Matrosen und Offiziere eilten auf ihre Plätze, um das Schiff auf den Kampf vorzubereiten.
    Verdutzt blickten sich Jellico und der Präsident an, die auf der Erde das ganz Gespräch mithörten. Die Situation entwickelte sich nicht so, wie sie es erwartet hatten.
    „Das kann nicht ihr Ernst sein,“ entgegnete Selina Kyle, nachdem sie sich wieder von der Überraschung erholt hatte. Noch immer befand sich ihr Schiff auf Abfangkurs. „Captain Lewinski, sie lassen die Situation eskalieren.“
    „Nein, sie sind es, die die Eskalationsstufen nach oben treiben. Drehen sie mit der Community ab und lassen sie mich meine Arbeit machen, um die Erde zu retten.“
    „Wenn sie bereit wären noch einmal mit dem Präsidenten zu reden…“
    „Verdammt, wir haben keine Zeit mehr, Selina!“ brüllte John und machte seine unnachgiebige Haltung einmal mehr deutlich. „In diesem Moment, wo wir miteinander sprechen planen Terroristen einen verheerenden Anschlag auf die Wiege der Menschheit, die alles Leben beenden könnte. Denken sie nach!“
    Noch einmal ließ Captain Kyle ihren Blick über die Brückencrew der Monitor schweifen. Wegen Matt kannte sie alle an Bord dieses Schiffes gut. Sie waren im mindesten Bekannte, einige wenige dort würde sie sogar als Freunde bezeichnen. Bei dieser ganzen Sache konnte sie nicht aufhören an Matthew zu denken. Den einzigen Mann, den sie immer lieben würde und der der Vater ihrer Tochter war.
    „Übergeben sie ihr Schiff, Captain!“ befahl Kyle ein letztes Mal und rechnete nicht damit, dass man nun ihrer Aufforderung folgen würde.
    „Fähnrich Kensington, feuern sie einen Quantentorpedo vor den Bug der Community!“
    Scheinbar hatte sich die junge Frau schon auf eine solche Anordnung vorbereitet, denn schon im nächsten Moment verließ ein Torpedo die Startrampen des Schiffes und detonierte kurz vor dem Rumpf der Community.
    „Die USS Community dreht nicht bei und wird in 30 Sekunden uns erreicht haben,“ meldete Lieutenant Ardev und deutlich zeigten sich auf seiner Stirn Schweißperlen.
    Gedanken rasten durch Johns Kopf. Nach außen hin wirkte er völlig selbstsicher, aber derzeit fragte er sich, ob er das richtige tat. Leider war es nun zu spät umzudrehen.
    „Erfassen sie Captain Kyles Schiff mit den Waffen und bereiten sie alle eine volle Salve vor!“
    Dieser Befehl war zuviel für den ersten Offizier der Monitor. Entsetzt erhob er sich von seinem Platz, blickte kurz zu Selina auf dem Wandschirm und dann zu seinem Captain.
    „Das kannst du nicht tun, Skipper!“
    „Captain Kyle lässt mir keine Wahl und ich bin nicht bereit aufzugeben. Wir befinden uns kurz vor dem Ziel,“ erklärte John mit sichererer Stimme, als er angenommen hatte.
    „Aber Yasmin ist dort an Bord!“ schrie Matt und erstmals konnte man am heutigen Tage Panik in seinen Augen erkennen.
    Natürlich wusste John dies und es tat ihm leid. Die ganze Ereigniskette schien zu eskalieren und eigentlich hatte er dies nicht vorgehabt. Scheinbar kontrollierten die Ereignisse ihn und nicht umgekehrt.
    „Waffen geladen und Ziel erfasst,“ meldete Fähnrich Kensington und wartete nur auf den Einsatzbefehl. Im Gegensatz zum ersten Offizier würde sie nicht zögern den Befehl auszuführen.
    „Setz dich wieder an deinen Posten,“ wies John seinen ersten Offizier und Freund an, doch dieser Machte keine Anstalten den Befehl auszuführen.
    „John… bitte!“ flehte der Halbbetazoid, doch er kam der Aufforderung nach. Mit zitternden Händen bediente er wieder die Kontrollen.
    „Community in Waffenreichweite!“
    Ein letztes Mal blickte John die Personen an, die in diesem Moment wichtig waren. Ardev und seine Frau, die sich an Bord der Monitor kennen gelernt und geheiratet hatten. Fähnrich Kensington, die seit Monaten Lieutenant Bird vertrat und eine glänzende Karriere vor sich hatte. Lieutenant Sanchez, der Nachfolger von Chief Woil als Chefingenieur. Matt Price, der eine Tochter hatte und eine gemeinsame Zukunft mit Dr. Frasier plante. Und sein Bruder, um den es bei dieser ganzen Sache ging. Würde er sie nun alle opfern, um ein höheres Ziel zu erreichen? Ein allerletztes Mal versuchte John an seine Gegenüber zu appellieren.
    „Captain Kyle, denken sie nach. Milliarden von Leben stehen auf dem Spiel!“
    Doch statt eine Antwort von sich zu geben ließ auch die Frau auf ihrem Schiff die Gefechtsbereitschaft herstellen. Zwar befahl sie ein modernes Schiff der Prometheus-Klasse, doch würde sie überhaupt eine realistische Chance gegen die Monitor haben?
    Deprimiert und dennoch sicher das richtige zu tun setzte sich Captain Lewinski auf seinen Kommandantenstuhl. Es begann:
    „Feuern sie aus allen Batterien auf die Antriebe der Community!“


    Und nun die Fortsetzung…

    Alles deutete auf eine Eskalation der Situation hin. Fähnrich Kensington hatte den Finger schon über dem auslösenden Knopf und wollte diesen gerade betätigen, um so die gesamte todbringende Energie des Raumschiffs Monitor zu entfesseln. Doch sie kam nicht dazu.
    Wie ein Blitz schreckte Matt Price von seinen Navigationskontrollen hoch, wirbelte herum und richtete einen Phaser auf den taktischen Offizier. Die Waffe hatte er eben aus der versteckten Halterung hervorgeholt, welche sich für gewöhnlich an genau jenem Platz unter der Konsole befand. Jedoch war dieses Versteck für ganz andere Situationen angelegt worden als die Waffe auf die eigenen Leute zu richten.
    „Rühren sie den Auslöser auf keinen Fall an!“, rief Matt Price und im Gegensatz zu sonst schien seine Stimme regelrecht zu zittern. Deutlich war ihm die Anspannung anzusehen, die diese Situation auslöste.
    Sowohl Captain Lewinski als auch Captain Kyle, die immer noch die Geschehnisse auf der Brücke der Monitor via Bildschirm mitverfolgen konnte, stockte der Atem.
    „Matt…“, versuchte der Kommandant seinen ersten Offizier zu beruhigen, „du begehst gerade einen ganz großen Fehler.“
    „Nein, du tust es!“ Trotz der Angst in seiner Stimme war deutlich erkennbar, dass es dem Halbbetazoiden ernst war. „Ich werde nicht zulassen, dass du auf ein anderes Sternenflottenschiff feuerst. Schon gar nicht, wenn meine kleine Tochter an Bord ist.“
    Beschwichtigend hob John die Hände. Verdammt, die Zeit lief ihnen davon! Mit einer Meuterei seines ersten Offiziers hatte er beileibe nicht gerechnet. Natürlich waren seine Maßnahmen hart, vielleicht sogar extrem, doch John hatte auf die Loyalität aller seiner Besatzungsmitglieder gehofft. Eine Hoffnung, die wohl oder übel enttäuscht werden musste.
    „Bitte, Matt, die Zeit läuft uns davon!“
    „Denk doch mal nach, John! Es muss einen anderen Weg geben als diesen. Denk an Yasmin!“
    Die Community kam immer näher und würde ihr Schiff in wenigen Sekunden abgefangen haben. Im Geiste suchte John Lewinski nach einer Lösung, die er jedoch nicht fand.
    Fähnrich Kensington versuchte auf eigene Art und Weise die Situation zu lösen. Auch sie wollte nach dem Phaser greifen, welcher unter ihrer Konsole festgemacht war, überschätzte dabei jedoch ihre eigene Geschwindigkeit. Noch bevor sie ansatzweise in die Nähe der Strahlenwaffe gelangt war, schoss Price einen Phaserstrahl auf die junge Frau, die betäubt zusammenbrach. Wenn es überhaupt noch einen Zweifel an der Entschlossenheit des ersten Offiziers gab: dieser war nun ausgeräumt!
    „Ich denke die ganze Zeit über nur an Yasmin“, versuchte John seinen Freund und Vertrauten zu beruhigen. „Die ganze Zeit über denke ich an all die Kinder, die wir versuchen zu retten. Wir dürfen auf keinen Fall zulassen, dass diese Biowaffe auf der Erde eingesetzt wird. Deswegen tue ich dies doch alles nur… der Kinder zuliebe!“
    Schmerz und Ratlosigkeit spiegelte sich in den Augen des Halbbetazoiden wieder, als er seine Handlungsalternativen durchging. Die Augen der gesamten Brückenbesatzung ruhten auf ihm und selbst seine Imzadi Selina Kyle konnte die gesamte Szenerie nur angespannt beobachten.
    Dann jedoch wurden sie erlöst. Nicht von der Einsicht des Commanders, sondern durch ein piepsendes Geräusch, welches von der Konsole Lieutenant Ardevs erklang. Schnell checkte der Andorianer die Anzeigen, warf einen prüfenden Blick zu dem hinter ihm stehenden Martin Lewinski und verkündete dann aufgeregt:
    „Wir haben den Aufenthaltsort der Biowaffe ausfindig machen können!“
    Aufgeregt wirbelte der Kopf John Lewinskis herum und er fragte:
    „Wie exakt sind die Daten?“
    „Bis auf den Meter genau, Captain! Wir haben die Schweinehunde!“
    Ohne seinen ersten Offizier weiter zu würdigen blickte der Kommandant der Monitor zum Wandschirm und hoffte in diesem Moment instinktiv auf die Einsicht der anderen Kommandantin. Hoffentlich erkannte sie in dieser Sache dieselbe Möglichkeit wie er.
    „Captain Kyle“, flehte John fast schon, „Sie haben es eben gehört und ich weiß Sie sind eine vernünftige Frau. Wir haben eben eine exakte Spur zu der biologischen Waffe gefunden. Schon in dieser Stunde könnten wir die Krise überwinden und die größte Bedrohung für die Erde seit dem Krieg beseitigen. Ich bitte Sie, brechen Sie ihren Abfangkurs ab und geben Sie mir die Möglichkeit meine Arbeit zu beenden. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung, dies verspreche ich Ihnen!“
    „Aber die Befehle des Präsidenten sind eindeutig.“
    Die Worte der Frau sprachen für sich. Unter normalen Umständen waren die Anweisungen des gewählten Staatsoberhauptes auch für Captain Lewinski Gesetz, doch in diesem Falle mussten sie ignoriert werden.
    „Ich kann Sie nur bitten mir in dieser Sache zu vertrauen… bitte geben Sie mir die Zeit.“
    Tausende von Gedanken gingen Selina Kyle durch den Kopf. Wie sollte sie nun reagieren? Vor wenigen Minuten wollte John Lewinski noch das Feuer auf ihr Schiff eröffnen, nun sollte sie ihn quasi laufen lassen und damit gegen die direkten Befehle des Präsidenten verstoßen.
    Nun hieß es die richtige Entscheidung zu treffen. Sie wog das Für und Wider ab, sich wohl bewusst, dass nur wenig Zeit blieb.
    „Abfangkurs abbrechen und in stabilen Orbit zurückkehren,“ befahl sie schließlich ihrem Navigator und jedem an Bord der beiden Schiffe fiel mindestens ein Stein vom Herzen.
    „Danke,“ entgegnete John und meinte dies ehrlich.
    „Schnappen Sie sich die Schweine,“ war die einzige Erwiderung der Frau, bevor sie mit einem letzten Blick zu Matt Price die Verbindung beendete.
    Der erste Offizier ließ die Waffe geschafft sinken und war froh, dass diese Situation gemeistert worden war. Diese ganze Sache musste so schnell wie möglich hinter sich gebracht werden. Zu viel war in den vergangenen Stunden geschehen, was niemals hätte passieren dürfen.
    „Es tut mir leid.“
    Die Entschuldigung des Commanders war ernst gemeint, dies wusste John. Und dennoch durfte er einen solchen Verrat nicht ungestraft lassen. Zu viel stand derzeit auf dem Spiel.
    Er musste sich der Loyalität aller gewiss sein, ansonsten würden sie die gegenwärtige Situation nicht schaffen.
    „Rufen Sie Dr. Frasier, sie soll sich umgehend um Fähnrich Kensington kümmern. Lieutenant Ardev!“
    „Sir?“
    „Bringen sie Mr. Price in die Arrestzelle.“
    Für einen kurzen Moment zögerte der Andorianer, war sich nicht sicher, ob er das eben gesagte richtig verstanden hatte. Dann blickte er zu seiner Frau, welche ihm zunickte und erhob sich dann. Sanft griff er den Halbbetazoiden am Arm und brachte ihn von der Brücke. Price war nicht in der Lage seinem Captain in die Augen zu schauen.
    „Stellen Sie umgehend eine Verbindung zum Präsidenten her,“ befahl John und setzte sich wieder in seinen Stuhl. „Er muss umgehend über die neuesten Erkenntnisse informiert werden.“
    Endlich zeigte sich wieder ein Hoffnungsschimmer am Horizont; endlich konnte sie selbst agieren statt zu reagieren.
    Die Kommunikationsverbindung zum Präsidenten herzustellen hatte nicht lange gedauert. Immerhin hatte dieser die ganze Zeit vor dem Computer nur darauf gewartet über die neuesten Entwicklungen in Sachen Captain Lewinski informiert zu werden. Diesen nun auf dem Bildschirm zu erblicken war gelinde gesagt eine Überraschung.
    „Ich hoffe sie sind nun bereit sich uns zu übergeben,“ sagte der Präsident anstelle einer Begrüßung und starrte sein Gegenüber an.
    „Leider muss ich Sie da enttäuschen, Mr. President, denn die Community hat ihren Anflug abgebrochen.“
    „Was?“
    In den Worten des Staatsoberhauptes spiegelten sich Fassungslosigkeit, Sprachlosigkeit und Wut wieder. Scheinbar riss die Kette an seltsamen Ereignissen derzeit nicht ab.
    „Sie wissen nicht, was Captain Kyle und ich nun wissen,“ erklärte John und legte seine gesamte Überzeugungskraft in seine Worte. Nun galt es den Präsidenten für seinen Plan zu gewinnen und das schnell. „Vor wenigen Minuten haben wir den Aufenthaltsort der Waffe feststellen können. Wir sind nur noch wenige Schritte vom Ziel entfernt. Mr. President, bitte hören Sie mich an: lassen Sie mich diese Mission zu Ende bringen und im Anschluss werde ich mich der Justiz übergeben, die dann über meine Taten richten soll.“
    Für einen kurzen Moment schwiegen die beiden Männer und der Präsident überlegte, was er von diesem Angebot halten sollte. Flüchtig blickte er zu dem hinter ihm stehenden Jellico, wurde sich jedoch schnell klar, dass er diese Entscheidung treffen musste.
    „Ist ihr Angebot ehrlich gemeint?“ fragte der Präsident noch einmal nach.
    „So war ich hier stehe,“ bestätigte John Lewinski. „Sobald diese Krise überwunden ist werde ich mich stellen. Derzeit jedoch sehe ich keinen anderen, der befähigter wäre diese Mission zu erfüllen als meine Crew und mich. Geben sie mir die Möglichkeit diese Fährte zu verfolgen und ich werde Sie nicht enttäuschen. Jede Minute zählt jetzt!“
    Das Angebot hatte in der Tat einen gewissen Reiz. Schnell ging der gewählte Führer der Föderation seine Handlungsalternativen durch. Konnte man John Lewinski vertrauen? Normalerweise hätte man diese Frage mit einem klaren Ja beantworten können, doch in den letzten Stunden hatte sich der Captain so irrational benommen, dass man sich bei ihm nicht mehr sicher sein konnte, woran man war. Jedoch hatte Lewinski Recht, er war derzeit der einzige, der alle Erkenntnisse über die Waffe besaß. Jemand anderen einzuweisen würde Stunden dauern. Eine Zeitspanne, die sie absolut nicht besaßen.
    „Also gut,“ erklärte sich der Präsident bereit und faltete seine Hände auf dem Tisch. „Sie haben auch weiterhin das Kommando über diese Mission, bis diese abgeschlossen worden ist. Im Anschluss werden Sie sich gegenüber der Militärjustiz verantworten müssen.“
    „Verstanden,“ entgegnete John und atmete erleichtert auf. Nun endlich konnten sie sich wieder ihrem Auftrag zuwenden, frei von irgendwelchen Nebenkriegsschauplätzen.
    „Bringen sie mich auf den aktuellen Stand der Lage,“ forderte der Präsident den Captain auf und bedeutete seinen beiden Beraten, Edward Jellico und Commander Elena Kranick, sich ebenfalls die neuesten Erkenntnisse anzuhören.
    „Dank der Spezifikationen meines Bruders ist es uns gelungen den Aufenthaltsort der Waffe aufzuspüren. Sie befinden sich in der norddeutschen Stadt Emden.“
    Angesichts dieses Namens horchte Edward Jellico auf. In dieser Stadt war er schon mal gewesen. Damals, als er dort Stella Tanner aufgespürt und verhaftet hatte. Wahrscheinlich war dies nur ein bizarrer Zufall, ein wenig mulmig wurde ihm bei dem Gedanken dennoch.
    „Wie viele Einwohner hat diese Stadt?“ fragte der Präsident nach und fürchtete die Antwort.
    „Ungefähr 55.000, Mr. President. Dank der Spezifikationen sind wir jedoch in der Lage den Standort auf den Meter genau zu bestimmen. Die Biowaffe befindet sich in einem Stadtteil namens Barenburg und bewegt sich derzeit nicht. Ein gutes Zeichen, also wird sie wohl immer noch zwischengelagert.“
    Doch der Präsident war nicht in der Lage sich über diese Nachricht zu freuen. Immer wieder spukte in seinem Kopf die Zahl derer herum, die im schlimmsten Fall betroffen sein könnten. Es galt die Waffe so schnell wie möglich zu finden.
    „Wir müssen diese Bedrohung so schnell wie möglich eliminieren,“ entschied der Staatschef und schlug wie zur Bestätigung mit der Faust auf seinen Schreibtisch. Eine unerwartete Geste, die wohl dazu gedacht war ihm selbst Mut zu machen.
    „Wir haben dazu schon etwas ausgearbeitet,“ erklärte Captain Lewinski und verfluchte Matt Price dafür, dass dieser ihren taktischen Offizier niedergeschossen hatte. Natürlich würde es auch ohne den Fähnrich gehen, aber es hätte sie ganze Sache etwas erleichtert. Ganz zu schweigen davon, wenn Danny nun hier bei ihnen wäre… „Polizei und Sternenflotte müssen den gesamten Stadtteil abriegeln, was nicht allzu kompliziert sein sollte. Die Hälfte des betroffenen Gebietes wird von einem Kanal umfasst, den man nur über einige Brücken passieren kann. Diese müssen sofort geschlossen werden. Im Anschluss werde ich mit einem taktischen Team der Monitor runter gehen und die Waffe aufspüren.“
    „Es wäre besser, wenn ein Sondereinsatzkommando der Polizei oder die Ranger für eine solche Mission ausgewählt werden,“ meinte Commander Kranick und blickte zu dem Präsidenten. „Sie haben eine weitaus bessere Ausbildung für eine solche Art von Einsätzen.“
    „Wir hatten schon einmal mit dieser Waffe zu tun,“ entgegnete Captain Lewinski, „wir wissen, worauf es ankommt und wir haben keine Zeit die Spezialeinheiten zu briefen. Viele meiner eigenen Sicherheitsleute haben des weiteren eine Ausbildung bei den Rangern erhalten. Wir müssen jetzt handeln!“
    Kurz überlegte der Präsident, traf dann seine Entscheidung:
    „Lassen sie die Ranger die Sache übernehmen. Captain Lewinski, sie koordinieren den Einsatz von Emden aus. Beeilen sie sich.“
    Zwar hielt John diese Entscheidung für falsch, doch er wollte die Geduld des Präsidenten nicht noch weiter strapazieren und so bestätigte er den Befehl. Mehr gab es nicht zu sagen.
    „Viel Glück,“ wünschte der Präsident und meinte dies auch so.
    „Danke, Sir!“
    Der Bildschirm wurde schwarz und alle Beteiligten machten sich wieder an die Arbeit. Hoffentlich würde dieser ganze Albtraum bald enden!

    Noch einige Zeit, nachdem er sich auf den Deal eingelassen hatte, saß der Präsident in seinem Büro und starrte nach draußen. Eigentlich gab es noch zahllose Dinge zu tun, wie das Koordinieren von Rettungskräften, Pläne für eine eventuelle Evakuierung vervollständigen und weitere kleine Dinge, die mit dieser Krise einhergingen.
    Doch der Staatschef hatte derzeit kein Interesse an solchen Dingen. Viel zu viel ging ihm im Moment durch den Kopf. Edward Jellico überlegte, ob er ihn wieder zur Arbeit mahnen sollte, doch er zog es vor weiterhin in seiner Nähe zu bleiben und darauf zu warten, dass der Präsident sich von ganz allein aufraffte. Und als er den Mann da so sitzen sah, fragte sich der ehemalige Admiral zum ersten Mal in seinem Leben, ob unbedingte Macht genau das war, was er anstrebte. In den letzten Jahren hatte er einen steilen Aufstieg auf der Karriereleiter gemacht und war zum Justizminister der Föderation aufgestiegen. Manche Analytiker rechneten ihm sogar gute Chancen für eine kommende Präsidentschaftswahl aus, aber diese war noch etwas entfernt. Nun sah der Chefverschwörer von Sektion 31 jedoch, wie sehr den Präsidenten die ganze Krise belastete. Seit Stunden hatte der Präsident weder gegessen noch geschlafen. Sicher, dies traf auch für die anderen Mitglieder seines Stabes zu, dennoch war er in ganz besonderer Art und Weise belastet. War dies das Leben, welches Edward Jellico anstrebte? Nicht nur Sektion 31 zu führen, sondern auch ganz offiziell die Vereinigte Föderation der Planeten?
    Nach kurzem Nachdenken war sich Jellico jedoch sicher, dass er genau dies wollte. Er war einfach zum Führen geboren, soviel stand fest. Dies hatte er schon während seiner Karriere in der Sternenflotte bemerkt und hinter den Kulissen für Sektion 31 erst recht. Es war einfach seine Bestimmung, die er weiter verfolgen musste. Immerhin ging es nicht nur um sein eigenes Lebensglück, sondern auch um das Wohl der Föderation, worum er sich einzig und allein sorgte. Wenn erst einmal die Macht von Sektion 31 und der Planetenallianz gebündelt worden wäre, gäbe es eine neue Zeit des Friedens und des Wohlstands für alle Föderationsbürger. Und wer außer Edward Jellico konnte schon das Heil über die Menschen bringen?
    „Denken Sie, ich habe einen Fehler gemacht?“ fragte schließlich der Präsident. Endlich hatte er sich aus der Lethargie befreit, die in den letzten Minuten so sehr von ihm Besitz ergriffen hatte.
    „Wie meinen Sie das, Sir?“ fragte Edward Jellico überrascht nach.
    „Auf diesen Kompromiss mit John Lewinski einzugehen. Ihm erst einmal gewähren zu lassen und die Strafverfolgung auf später zu verschieben.“
    In der Stimme des Präsidenten klang eine gewisse Wehmut mit, eine persönliche Frustration, die nur Menschen heraushören konnten, die schon lange mit ihm zusammenarbeiteten. Menschen wie Edward Jellico.
    „Es ist nicht an mir Sie oder ihre Entscheidungen zu beurteilen,“ entgegnete der Justizminister diplomatisch. „Sie sind der Präsident.“
    „Dass ich Präsident bin heißt nicht, dass ich nicht frei von Fehlern bin. Ich ersuche Sie nun um Ihren ehrlichen Rat, Edward. Wie denken Sie über meine Entscheidung?“
    Kurz räusperte sich der alte Mann, ging noch einmal die Fakten des Falls im Kopf durch und legte sich eine Antwort zurecht. Dabei wollte er in der Tat die Wahrheit sagen, so wie es der Präsident wünschte.
    „Glauben Sie mir, Mr. President, wenn ich Ihnen versichere: an Ihrer Stelle und in dieser Situation hätte ich genauso gehandelt wie Sie!“
    „Meinen Sie dies ernst?“
    „Absolut, Sir!“
    Für wenige Sekunden musterte der Präsident seinen Gesprächspartner, versuchte in seinen Augen irgendwelche Anzeichen für eine eventuelle Lüge zu finden, wurde jedoch nicht fündig. Wie hätte er dies auch werden können bei einem Mann, der ihn seit Jahren um seine wahre Identität bei Sektion 31 belog?
    „Ich frage mich halt nur, ob ich meine Prinzipien mit diesem Deal verraten habe.“
    Nun war es also raus, der wahre Beweggrund für die Grübelei des Präsidenten. Ein interessanter Fall, wie Jellico fand und daher fragte er:
    „Wie meinen Sie das, Sir?“
    „Mein politisches Programm, meine gesamte Lebenseinstellung beruht auf dem Gesetz. Auf Prinzipien und Treue zu unseren Werten... und auf Ehrlichkeit.“
    „Ein ehrenwertes Ziel“, log Edward und lauschte weiterhin den Worten des Staatschefs.
    „Captain Lewinski hat eine Straftat begangen. Mehr als eine sogar. Erst hat er gegen meinen ausdrücklichen Befehl gehandelt und ist in ein Gefängnis der Föderation eingebrochen, wo er auf seine eigenen Männer und Frauen geschossen hat. Sternenflottler wie er. Im Anschluss droht er gar auf ein anderes Schiff zu feuern, nur um seinen Willen durchzusetzen.“
    „Es ist ein außergewöhnlicher Tag, Mr. President.“
    „Das ist er in der Tat, aber sollten wir deswegen unsere Prinzipien vergessen?“ fragte der Präsident so voller Herzblut und Leidenschaft, dass es fast in Edward Jellicos Herzen schmerzte. „Trotz aller Probleme sollten wir nicht vergessen, wo wir herkommen und was unsere fundamentalen Werte sind. Wenn wir diese verraten, dann haben wir das erste Glied in einer verhängnisvollen Ereigniskette geschmiedet. Ich bin der demokratisch legitimierte Führer der Föderation. Die Völker dieses Bundes haben mich dazu auserkoren sie durch diese Krise und alle weiteren zu führen. Dennoch stellt sich ein Captain der Sternenflotte, welche verfassungsmäßig den Anordnungen der Regierung zu folgen hat, gegen meine Anweisungen und tut das, was er will.“
    Nachdenklich ließ Edward die Worte einige Sekunden lang sacken und überlegte sich eine geeignete Antwort.
    „Ich bin sicher Captain Lewinski tut auch nur sein Bestes, um der Föderation zu helfen,“ argumentierte der Justizminister. Welch seltsame Situation dies doch war. Trotz der gemeinsamen Anstrengung durfte nicht vergessen werden, dass Lewinski und Jellico immer noch Feinde bis aufs Blut waren. Nun jedoch argumentierte der Verschwörer für seine persönliche Nemesis. Wo einen das Leben doch hinführen konnte!
    „Daran habe ich keinen Zweifel,“ gab der Präsident offen zu. „Dennoch muss er meinen Anweisungen gehorchen und dies tut er nicht. Mache ich mir nun seine unlauteren Methoden zunutze, indem ich von seinen Taten profitiere? Was, wenn es ihm andere in Zukunft gleich tun werden?“
    „Seien sie unbesorgt, dies wird in der Zukunft nicht stattfinden, da dennoch ein Prozess stattfinden wird und zwar am Ende dieser Krise. John Lewinski wird sich, wenn dies alles hier überstanden ist, uns übergeben und dann können wir Gerechtigkeit walten lassen.“
    Bedächtig nickte der Präsident. Seltsam, egal wie weit man gekommen und wie mächtig man war, manchmal tat es einfach gut über Probleme zu reden.
    „Ich möchte einfach nicht,“ fügte der Staatschef hinzu, „dass wir es gutheißen, wenn wir unsere eigenen Gesetze und Werte brechen.“
    „Dies wird nicht geschehen, dafür sorge ich als Justizminister!“
    Zu gerne hätte Jellico noch etwas an seine verlogenen Worte angefügt, doch er wurde vom Piepen seines persönlichen Kommunikators unterbrochen.
    „Mr. President, bitte entschuldigen Sie mich, in meinem Raum erwartet mich ein dringender Anruf.“
    „Selbstverständlich… und danke, Edward!“
    Schnell verließ der Justizminister das Büro des Präsidenten und suchte seine eigenen Örtlichkeiten auf, wo er das Komterminal aktivierte und eine unangenehme Überraschung erlebte.
    „Was wollen Sie denn nun von mir? Können Sie sich vorstellen, dass ich derzeit wichtigeres zu tun habe?“
    Der Mann druckste etwas herum und ihm war sichtlich das Unwohlsein über diesen Anruf anzusehen. Dennoch musste es an dieser Stelle gesagt werden.
    „Mr. Jellico, es tut mir leid Ihnen dies mitzuteilen, aber Jozarnay Woil ist vor wenigen Minuten geflohen.“
    „WAS?“
    Augenblick loderten in den Augen des Chefverschwörers die Flammen des Zornes.
    „Wie konnte dies passieren? Ich dachte, Sie hätten für alles gesorgt?“
    „Nun ja, er scheint eine unserer jüngeren Wachen überrumpelt zu haben und nach einer Schießerei ist er entkommen.“
    „Nun hören Sie mir mal zu: wenn Ihnen etwas an ihrer Zukunft und mehr noch, an ihrem Leben, liegt, dann finden Sie den Antosianer so schnell wie möglich. Meinetwegen auch tot, aber finden sie ihn!“
    Mit dieser simplen Anweisung beendete Jellico die Kommunikationsverbindung und schnaubte verächtlich. Von allen Tagen, an denen er hätte fliehen können, wieso hatte Woil es ausgerechnet heute getan? Niemals durfte der Antosianer Talar lebend verlassen, denn er war derzeit der Einzige, der gegen ihn aussagen konnte.
    Niemals…

    James blickte nur kurz auf, als seine Tochter das Arbeitszimmer betrat und sich wortlos auf die Couch, welche sich in der rechten Ecke des Raumes befand, setzte. Gedankenlos ließ sie ihren Blick über die zahllosen Bücher in den Regalen schweifen, ohne an einem bestimmten hängen zu bleiben. Der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee hatte sich wohl aus demselben Grund hierher zurückgezogen wie Janine: um in der ruhigen Umgebung etwas Kraft tanken zu können. Doch im Gegensatz zu der jungen Frau gelang James dies.
    „Ist etwas mit dir?“ fragte der schwarze Mann und lächelte freundlich.
    „Nichts, was dir Sorgen machen sollte,“ antwortete Janine Talley mit fast schüchterner Stimme und starrte aus dem großen Fenster, welches sich hinter ihrem Vater befand.
    Den Garten, den man von dort aus erblicken konnte, wirkte immer noch unglaublich beruhigend auf sie. Hier war sie groß gewesen; dieses Haus stellte ihre Heimat dar. Niemals konnte sich Janine vorstellen irgendwo anders leben zu können. Konnte es schönere Orte als den Mond geben? Die junge Frau konnte sich dies beim besten Gewissen nicht vorstellen.
    Sanft lächelnd blickte James von seinen Notizen auf und schaute abermals zu seiner Tochter.
    „Janine, ich bin dein Vater,“ erklärte er mit freundlicher Stimme, „ich kenne dich schon zu lange, als dass du etwas vor mir verheimlichen könntest. Wieso sagst du mir nicht also, was du auf dem Herzen hast?“
    Nun musste auch Janine, trotz ihrer schlechten Stimmung lächeln.
    „Du kennst mich wirklich gut!“
    „Das sollte ich ja auch. Immerhin bin ich dein Vater!“
    In diesen Momenten waren sie einfach nur Vater und Tochter, mehr nicht. Ein Außenstehender hätte niemals erahnen können, dass es sich bei ihnen beiden um die höchsten Mitglieder dieser Terrororganisation handeln könnte.
    „Ich mache mir Gedanken über Danny,“ gab Janine schließlich freimütig zu.
    „Wieso das, mein Kind?“
    „Weil er mich manchmal verwirrt. In dem einen Moment ist er ein unglaublich liebevoller und zärtlicher Moment, im nächsten ist er mir gegenüber total verschlossen. Ich werde einfach nicht schlau aus ihm.“
    Kurz sann James über die Worte nach, die von seiner Tochter geäußert worden waren. Es lag ihm fern etwas zu beschönigen, doch in erster Linie hatte er das Bedürfnis Janine zu beschwichtigen
    „Du musst verstehen, es war bisher ein schwerer Tag für ihn. Wir, insbesondere ich, haben ihn heute mit einigen neuen Erkenntnissen und Informationen konfrontiert. Er braucht Zeit, um dies alles zu verarbeiten.“
    „Ich würde dir glauben, wenn es nur heute so wäre. Doch seine wechselnde Stimmung zieht sich über mehrere Wochen und Monate. Manchmal ist es so, als kenne ich ihn gar nicht… als würde er mir etwas verheimlichen.“
    „Du irrst dich sicherlich!“
    Doch James wusste, dass er damit nicht die volle Wahrheit aussprach. Denn in Wahrheit kam ihm Danny genauso suspekt vor wie seiner Tochter. Schon einmal hatte er heute das Gefühl gehabt, dass das jüngste Mitglied in seiner Organisation nicht mit offenen Karten gespielt hatte. Natürlich hatte er ihn anfangs verdächtigt, ein Agent zu sein. Dies tat er bei jedem neuen Mitglied. Jedoch hatte sich Danny in den letzten drei Monaten sein Vertrauen redlich verdient. Vertraute er dem jungen Mann jedoch gänzlich? Diese Frage konnte sich selbst James nicht gänzlich beantworten.
    Er stand auf, setzte sich neben seine Tochter auf die Couch und legte einen Arm zärtlich um sie.
    „Danny ist ein guter Mann,“ sagte er schließlich. „Ich kann dich beruhigen, er wird schon bald wieder ganz der alte sein. Der Mann, den du liebst!“
    „Denkst du?“
    „Mit ganzem Herzen,“ erklärte James und blickte seine Tochter frohen Mutes an. Er würde niemals zulassen, dass Danny ihr zartes Herz brechen würde, soviel stand für ihn fest!

    Sogleich nach dem sie davon gehört hatte, begab sich Dr. Elisabeth Frasier zu den Arrestzellen des Schiffes, um ihren Freund aufzusuchen. Bis zu dem Moment, an dem sie ihn tatsächlich hinter dem Kraftfeld erblickte, hatte sie nicht daran glauben können. Der Umstand, dass Matt auf eine Kameradin geschossen und sich offen gegen die Befehle des Captains gestellt hatte war absolut unglaublich für sie.
    Ihn nun so zu erblicken, auf der Pritsche sitzend, erfüllte ihr Herz mit Trauer. Dieser ganze Tag war einfach nur schrecklich. Der Halbbetazoid erhob sich überrascht und gleichzeitig erfreut, als er seine Lebenspartnerin erblickt hatte. Sie war derzeit der einzige Trost, der das Leben für sie bereithielt.
    „Elisabeth,“ begrüßte Matt sie und trat so nahe an das sie trennende Kraftfeld heran, dass sich seine Nackenhaare aufrichteten, „du hättest nicht herkommen sollen.“
    „Wieso denn nicht? Du brauchst etwas Gesellschaft!“
    Betreten blickte der erste Offizier zu Boden.
    „Du sollst mich nicht so sehen. Eingesperrt wie ein Verbrecher,“ erklärte Matt und schämte sich. Nicht so sehr für das, was er getan hatte, sondern dafür, wie es geendet hatte.
    „Das ist mir egal! Und einer muss ja bei dir sein; dich auf dem Laufenden halten.“
    Zu gerne hätte Elisabeth seine Hand ergriffen, ihm über die Wange gestrichen und so etwas Trost gespendet. Doch dieses verdammte Kraftfeld hinderte sie beide am Austausch dieser zärtlichen Gesten.
    „Wie geht es Fähnrich Kensington?“ erkundigte sich Price und wollte so erfolglos das Thema wechseln.
    „Es ist nichts Ernstes. Vom Aufprall auf den Boden hat sie einig leichte Prellungen davon getragen, ansonsten geht es ihr gut. Natürlich hat der Fähnrich eine Stinkwut auf dich und will wohl in Zukunft nicht mehr mit dir arbeiten.“
    „Ich glaube nicht, dass sie das noch tun muss.“
    „Hör zu, du sollst dir keine Vorwürfe machen! Du hast das getan, was du für das richtige getan hast und ich bin stolz auf dich.“
    „Ich habe mich gegen den Captain gestellt und du bist dennoch stolz auf mich?“
    Price konnte nicht glauben, was er da eben von der Ärztin gehört hatte.
    „Der Captain liegt nicht immer richtig,“ entgegnete Elisabeth und lächelte. „Ab und an macht er auch Fehler.“
    „Du denkst also ich habe richtig gehandelt?“
    „Ob ich genau dasselbe getan hätte ist eine andere Frage, aber du hast dich von deinem Gewissen leiten lassen. Gibt es etwas Besseres? Außerdem ist es ein schwieriger Tag für uns alle. Überleg doch mal, wie lange du schon nicht mehr geschlafen hast.“
    „Etwas über einen Tag,“ murmelte der Commander und erst jetzt wurde ihm bewusst, wie müde er sich eigentlich fühlte.
    „Siehst du.“ Abermals lächelte Elisabeth. Eine Geste, die derzeit das einzige Mittel war, um ihren Freund aufzumuntern. „Wir alle nähern uns unserer Belastungsgrenze. Ich bin sicher der Captain wird dies bei der Aktenaufnahme berücksichtigen.“
    Angesichts der bizarren Situation verzog Commander Price das Gesicht. Es war alles wie früher.
    „Irgendwie komme ich mir vor wie in meiner Jugend,“ erklärte der Halbbetazoid. „Es ist wie auf Rigel. Ich habe irgendeine Dummheit gemacht und warte nun darauf von meiner Mutter abgeholt zu werden. Nur dieses Mal werde ich wohl allein mit diese Situation klar kommen müssen.“
    „Nein, dies musst du nicht,“ entgegnete Elisabeth Frasier. „Du hast ja mich!“
    Mehr brauchte das Paar nicht. Die gesamte Krise, die Auflehnung, die Schlaflosigkeit rückte für einen kurzen Moment in den Hintergrund, als die beiden Verliebten sich tief in die Augen blickten und sich so Mut spendeten. Gemeinsam würden sie die Situation meistern.

    Die Kälte biss und nagte an Jozarnay Woils ausgehungertem und entkräftetem Körper. Doch das Ketracel Weiß peitschte ihn weiter. Weiter weg von dem Kerker, der ihm die letzten Monate eine Heimat war. Nicht einmal blickte er zurück. Nur nach vorne.
    Wie lange machte er das schon? Für Woil fühlte es sich nach Tagen an. Denn die immerwährende Nacht hatte die Zeit auf Talar besiegt. Und mit ihr auch jeden Funken Hoffnung und Wärme.
    Woil kroch auf der toten und schneebedeckten Erde Talars. Mit bloßen Händen und Füßen schob er sich vorwärts. Auch wenn er nicht im Geringsten wusste, was „vorwärts“ bedeutete. Seine Lunge rang nach Luft. Doch die Luft auf Talar wirkte nie erholend. Nur quälend. Und sie stank... nach Tod und Verderben.
    So kam es wie es kommen musste: Woil rutschte aus und brach zusammen. Schwer atmend lag er im talarianischen Schnee. Vergeblich versuchte er mehrere Male sich wieder aufzuraffen, doch es gelang ihm nicht. Er konnte sich lediglich auf den Rücken drehen. Dann sah er in den Himmel. Er sah die düsteren Wolken und die kleinen Schneeflocken, die herab rieselten. Wie friedlich. Da geschah etwas, dass man schon seit einiger Zeit auf diesem Planeten nicht mehr gesehen hatte. Woil lächelte. Woil empfand in diesem Moment Glück. Zufrieden wollte er sich diesem Gefühl hingeben. Sein Kopf sank auf die Seite. Neben ihm lag Stella Tanner. Sie trug ein verführerisches Negligee. Ein Hauch von Nichts. Zärtlich strich sie seine Wange. Woil sah sich um. Er befand sich nicht länger auf Talar. Nein, er lag in einem gemütlichen Bett. Er konnte die Satin Bettwäsche fühlen, die warme Brise, die die Luft erfüllte und wundervolle und atemberaubende Gerüche hereinwehte. Er vernahm die Schreie der Möwen. Durch das Fenster, das sich hinter Stella befand sah er eine Küste. Einen der vielen weißen Sandstrände seines Heimatplaneten Antos. „Guten Morgen“, flüsterte Stella und küsste ihn sanft auf die Stirn. Die Illusion zerbrach plötzlich. Ein ihm nur zu bekanntest Geräusch brachte ihn zurück in die talarianische Eiswüste. War das das Geräusch eines Transportvorgangs? Doch Woil war zu schwach um sich umzusehen.
    Zwei Gestalten näherten sich ihm. Beide dick eingepackt in schützende Winterkleidung. Für jeden unbefangenen Menschen wären diese zwei Gestalten nur dunkle Schemen gewesen. Woil jedoch hätte diese Kleidung nie vergessen können.
    Es waren Sternenflottenuniformen.
    „Da ist er“, hörte er die eine Stimme sagen. Eine Frau. Und Woil kannte auch diese Stimme nur zu gut. Nur einen Moment später setzte sich die Frau zu ihm und scannte ihn mit ihrem Tricorder. Die zweite Person beugte sich zu ihm herab und beobachtete ihn. Es war ein Mann. Und Woil wusste sofort, wer sich um ihn kümmerte. Niemals hätte ihn diese Aura täuschen können. John Lewinski entfernte seine Gesichtsmaske. Ein kurzes Augenzwinkern, da, Woil hatte es genau gesehen.
    „Wie geht es ihm Doktor?“, erkundigte sich der Captain. Elizabeth Frasier klappte ihren Tricorder zusammen.
    „Er ist verloren“, antwortete sie dramatisch, schockiert, hoffnungslos.
    Woil stockte der Atem. Wie konnte sie das sagen? Wie konnte eine erfahrene Ärztin, seine Hausärztin, eine solch lapidare >>Diagnose<< stellen? Sein Blick glitt zu John Lewinski. Gleich würde er es sagen. Gleich würde John Lewinski den rettenden Befehl geben. Das tat dieser aufgeblasene und arrogante Captain doch immer. Kein Mitglied der Crew ließ er zurück. Auf dies konnte man sich verlassen wie... man konnte sich darauf mehr verlassen, wie auf alles andere. Komm schon, sag es! „Hm“, machte John Lewinski. Dann stand er auf und sah noch ein letztes Mal zu Woil. „Schade eigentlich.“ Dann setzte er seine Gesichtsmaske wieder auf, gab Frasier ein Zeichen und beide gingen. Beide verließen ihn. Einige Minuten lag er dort noch und hoffte. Doch es war nichts zu hören. Nichts geschah. Es war die Bewusstlosigkeit, die sich über ihn legte und dem Warten ein Ende machte.
    Und es waren zwei starke Hände, die ihn aus der Kälte zogen.

    Der Präsident konnte einfach nicht von dem Thema lassen. Scheinbar ging ihm die Sache mit dem widerspenstigen Captain mehr durch den Kopf als die gegenwärtige Krise, die alles intelligente Leben auf der Erde auszulöschen drohte.
    „Captain Lewinski schien nicht allzu glücklich über meine Entscheidung zu sein, den Rangern den Vorzug zu geben,“ meinte der Präsident zu seinen beiden Beratern. Sie alle warteten nur auf die neusten Nachrichten aus Emden, darauf hoffend, dass die Waffe bald gefunden und neutralisiert werden würde.
    „Natürlich möchte er nach der ganzen Suche die Sache selbst zum Abschluss bringen,“ erklärte Commander Elena Kranick nachdenklich. „Aber in dieser Sachen müssen wir auf Nummer sicher gehen. Man darf sich keine Fehler erlauben und die Ranger sind für diese Art von Aufgabe speziell ausgebildet. Ihre Entscheidung ist richtig.“
    „Hoffentlich hält er sich dieses Mal an meine Anweisungen,“ murmelte der Staatschef zynisch und biss in ein belegtes Brot, welches er sich hatte bringen lassen. Dies war nun der schlimmste Part bei dieser gesamten Operation: das Warten. Sicherlich, im Verlaufe dieses noch jungen Tages hatten sie einige Zeit wartend verbracht, doch dieses Mal war es am schlimmsten, denn sie schienen sich so nahe am Ziel zu befinden.
    „Darf ich einen Vorschlag machen, Mr. President?“ fragte Edward Jellico zögerlich.
    „Und der wäre?“
    „Wir stehen kurz davor die Waffe sicherzustellen. Sollte uns dies gelingen, dann werden die Hintermänner dieser Operation versuchen unterzutauchen. Wir sollten daher den Befehl zur Ergreifung von James Talley geben.“
    Der Präsident blickte seinen Justizminister überrascht an. Mit diesem Themenwechsel hatte er nicht gerechnet.
    „Jetzt? Ich denke, wir sollten noch warten, bis wir die Biowaffe tatsächlich sichergestellt haben.“
    Doch scheinbar wollte sich der ehemalige Admiral nicht von seiner Meinung abbringen lassen.
    „Der Standort der Waffe ist uns bekannt und wir werden sie auch dank der erhaltenen Spezifikationen von Martin Lewinski nicht mehr verlieren. Es ist nun an der Zeit an die Maßnahmen nach dem Auffinden der Waffe zu denken. Geben sie Danny Bird den Befehl Talley festzusetzen, bis wir innerhalb der nächsten Minuten ein Eingreifteam zum Mond schicken können.“
    Den Plan geistig durchgehend, blickte der Präsident zu Commander Kranick und ersuchte um ihren Rat.
    „Mr. Jellicos Vorschlag hat etwas für sich. Wir könnten beide Operationen parallel laufen lassen und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“
    „Bitte, was?“
    „Verzeihen Sie, Sir,“ erklärte die blonde Frau lächelnd, „ein menschliches Sprichwort.“
    Schätzungsweise eine Minute lang dachte der Staatschef über diesen Vorschlag nach. Er war mit Risiken behaftet, aber hatte etwas für sich. Wenn Talley untertauchte, so würde er vielleicht nicht mehr gefunden werden und dies wollte er auf keinen Fall zulassen. Dieser Verbrecher gehörte vor ein Gericht gestellt, so viel stand fest!
    „Nehmen Sie Kontakt zu Lieutenant Bird auf,“ befahl der Präsident schließlich, nachdem er seine Entscheidung getroffen hatte, „und weisen Sie ihn an, falls möglich James Talley zu verhaften, bis Verstärkung eintrifft!“
    „Sehr wohl, Sir!“ bestätigte Elena Kranick und machte sich auf den Weg zum Geheimdienstkoordinator. Die entscheidenden Minuten dieses Tages begannen.

    Wieder dieses schöne Gefühl. Stella Tanner streichelte seine Wange. Der Duft von Kaffe und frischen Brötchen lag in der Luft. Und dazu der herrliche Duft von Stella Tanner. Diese zarte Haut, das wundervolle Haar.
    Und ihre Hand auf seinem Gesicht.
    „Wach auf Joz“, flüsterte sie.
    Woil grinste. Er wollte nicht aufstehen. Er wollte diesen perfekten Moment nicht zerstören. In diesem Moment, zwischen Traum und Wirklichkeit, in dieser einen Sekunde, in der der Körper noch nicht wach war, im Gegensatz zum Geist. In diesem einen Moment, indem man keinen Schmerz spürte und keine Zeit.
    Diesen einen Moment wollte er nicht verlieren.
    Doch seine Liebste ließ nicht locker:
    „Steh auf...“
    Sie begann ihn zu kitzeln. Woil lachte, er konnte nicht anders. So sehr er es versuchte, Stella ließ nicht von ihm ab.
    „Steh auf, steh auf, steh endlich auf...“, drängte sie ihn.
    Also blinzelte Woil vorsichtig. Nur ein klein wenig.
    „Steh auf!“, schrie sein Wärter plötzlich.
    Woil riss seine Augen auf. Wo war er? Wo war das gemütliche Bett? Wo war Stella?
    Wie konnte es sein, dass er wieder in seiner Zelle lag?
    Mit angehaltenem Atem drehte sich Woil herum. Und befand sich an einem ihm vollkommen unbekannten Ort.
    „Steh auf!“ Ein Talarianer rüttelte an ihm. Er versuchte ihn aufzuwecken, ganz offensichtlich. Der Talarianer sah abgemagert aus, sogar noch abgemagerter als Woil.
    Schnell sah sich Woil um. Sie befanden sich in der Ruine eines Haus. Eingestürzte und verrußte Wände umgaben ihn. Ein altes Stück Wellblech bildete eine Art Dach. Einige wenige Alltagsgegenstände standen um ihn herum. Töpfe, einige Werkzeuge.
    „He, steh endlich auf!“ Der Talarianer schüttelte ihn noch immer.
    „Ja, ist gut, ich bin wach.“ Woil versuchte die kalten und trockenen Hände des Mannes von sich weg zu bekommen.
    Zum Glück war das Licht nicht allzu gut. So konnte er die vielen Pusteln und eiterwerfenden Blasen, die der Talarianer an sich trug, nicht so genau erkennen.
    „Was ist los?“, fragte ein müder und verwirrter Woil.
    „Romulanische... Patrouille...“ antwortete er schnell. „Die waren schon lang... nicht mehr... hier.“ Seine Stimme wirkte alt. Es brachte kaum zwei Worte heraus ohne außer Atem zu kommen. „Wir müssen... hier weg. Schnell!“
    Der Talarianer stand auf und ging in Richtung Ausgang.
    Langsam kehrte Leben in Woils Körper zurück. Er bemerkte, dass er nur seine Hose trug. Verwundert sah er an sich herab. „Wieso haben Sie mich ausgezogen?“
    Der Talarianer packte seine Sachen zusammen. Er steckte einige der Werkzeuge eilig in seine Taschen. „Ihre Sachen..., sie waren nass.“ Er holte tief Luft. „Sie hätten... krank... werden können.“ Dabei deutete er auf einen kleinen Haufen, nahe einem alten Ofen, indem eine beinahe erloschene Flamme loderte. Dort lag auch Woils Hemd.
    Woil hatte keine Lust sich mit dieser Aussage auseinanderzusetzen. Schnell griff er nach seinem Hemd und zog es sich über. Er fühlte plötzlich wieder sein Gefängnis. Seine Zelle. Seine Haft.
    Schnell versuchte er diese Gedanken abzuschütteln. Er folgte dem Talarianer hinaus in die Kälte. Wie er dies vermisst hatte. Die Kälte an seinen Füßen, an seinem Körper. Die bitterkalte Luft. Der Gestank, der Nebel, das schlechte Wetter. Die Endzeitstimmung.
    Wie konnte nur so etwas grausames Geschehen sein? Wie konnte die ganze Welt ihre Augen vor diesem Planeten und dem Schicksal seines Volkes verschließen?
    „Kommen Sie...“, drängte der Talarianer. Woil folgte ihm. Sie versteckten sich hinter einer weiteren kleinen Mauer. Woil versuchte einen Moment lang zu Kräften zu kommen, während der Talarianer Ausschau hielt.
    Stella Tanner saß neben ihm. Freundlich lächelte sie ihn an.
    „Ich kann hier nicht bleiben. Ich muss von diesem Planeten runter“, erklärte Woil.
    Der Talarianer machte ein Geräusch. Zu einer anderen Zeit, auf einer anderen Welt, hätte es ein Lachen sein können. „Wer... will... das nicht?“
    Stella Tanner stand auf und ging vor. Raus auf den nahen Platz, der früher einmal mit vielen Bäumen und einem wundervollen Brunnen geschmückt war. Wieder deutete sie ihm den Weg, dieses Mal zu einem nahen Raumhafen.
    „Geht es dort zum Raumhafen?“, fragte Woil und deutete in Stellas Richtung. Er stand ebenso auf und ging auf sie zu, ohne auf eine Antwort zu warten.
    „Ja... folgen Sie mir“, antwortete der Talarianer überraschend und führte Woil in Stellas Richtung. Immer auf der Hut. Immer wachsam.

    Die Operation begann anzurollen. Nun kam alles auf Geschwindigkeit an. Die lokalen Behören riegelten den gesamten Stadtteil Emdens hermetisch ab, hinderten jeden Bürger am Betreten und Verlassen dieses Bereiches. Es galt schnell zu handeln, bevor die Urheber des Attentats sich dieser Maßnahmen bewusst wurden. Genau aus diesem Grund hätte es Captain Lewinski vorgezogen mit einem eigenen Team zuzuschlagen, doch der Präsident hatte anders entschieden und John hatte den Bogen schon weit überspannt. Noch öfter konnte er sich nicht gegen die Befehle des Präsidenten auflehnen. Gemeinsam mit Ardev, Tellom, Sanchez und Martin Lewinski hatte er sich auf die Erde gebeamt. Sie alle, bis auf Martin, trugen dieses Mal ihre Uniformen, da sie offen auftreten wollten und zudem noch ihre Handphaser. Man konnte ja nie wissen. Kurz blickte sich John um und erblickte dann den örtlichen Polizeiführer. Zielstrebig ging er auf ihn zu und zückte seinen Ausweis:
    „Captain John Lewinski vom Sternenflottengeheimdienst,“ stellte er sich vor und reichte dem Polizisten die Hand.
    „Thomas Janssen,“ erwiderte der Polizist und schüttelte die ihm dargebotene Hand. „Wir haben alle Anweisungen umgesetzt und den gesamten Stadtkreis abgeriegelt. Zusätzlich wurde über das gesamte Gebiet eine Transportersperre gelegt. Ein hochfokussierter Strahl verhindert jedwede Benutzung eines Transporters. Wenn hier jemand raus will, dann nur über einen der Checkpoints.“
    „Gute Arbeit,“ erkannte der Kommandant der Monitor neidlos an und verzichtete darauf seine Begleiter vorzustellen. „In wenigen Minuten soll das Spezialteam mit der Aktion beginnen. Dann müssen sie für einen kurzen Moment die Sperre herunterfahren, damit sich die Ranger zum Einsatzort beamen können.“
    „Und was genau wird dieser Einsatzort sein?“
    „Eine Wohnung in einem Hochhauskomplex. Dort haben sich die Urheber des Attentats versteckt. Wahrscheinlich haben wir es mit vier Terroristen zu tun.“
    Verstehend nickte der Polizist.
    „Geben Sie mir nur das Zeichen,“ erklärte Janssen, „dann senken wir die Sperre. Hatten Sie schon einmal mit dieser Waffe zu tun? Ich habe gehört sie sei sehr gefährlich.“
    Der Polizist war aus Gründen der Geheimhaltung nicht vollständig gebrieft worden und Lewinski hatte nur wenig Interesse daran etwas zu ändern. Daher nickte er nur, als die Erinnerung an die Ereignisse von vor zwei Jahren wieder in sein Gedächtnis trat:

    Und plötzlich änderte sich die Situation von einer Minute auf die andere. Alles, was sie bisher über diesen Planeten und über das Schicksal der Bewohner angenommen hatten, wurde über den Haufen geworfen, als sie tatsächlich einer lebenden Person gegenübertraten. Lautes Rascheln riss Danny Bird aus seinem Gespräch und auch Fähnrich Halek brachte ihr Gewehr in Anschlag, als sie sich in Richtung Geräuschquelle drehte. Das Rascheln und Knacken der Äste wurde immer lauter, ein sicheres Indiz für ein rasches Näherkommen einer Person.
    „Halt! Bleiben Sie wo Sie sind!“ rief Fähnrich Halek in den Wald hinein, doch sie erhielt keine Antwort. Stattdessen kam das Rascheln immer näher und auch Lieutenant Bird machte sich feuerbereit. Die anderen Mitglieder des Außenteams, durch den Lärm längst wach geworden, sprangen aus ihren Schlafsäcken heraus und suchten rasch ihre Klamotten zusammen. Plötzlich, mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit rannte eine Person, eine talarianische Frau an ihnen vorbei und auf Lieutenant Ir´lia zu. Die Situation lief für die Wachleute viel zu schnell ab, zu ihrer eigenen Überraschung konnten sie nicht schnell genug die Gewehre herumschwenken und auf den Angreifer (?) schießen. Die Talarianerin, scheinbar rasend vor Wut, warf sich auf die hübsche Deltanerin und drückte sie durch die Wucht des Aufpralls zu Boden. Ihre Hände zerkratzten das Gesicht des Lieutenants in einer atemberaubenden Geschwindigkeit, hinterließen blutige Streifen und verursachten gequälte Schmerzensschreie.
    „STIRB!“ brüllte die Angreiferin immer wieder, wobei ihre schlechte Artikulation auffällig war. Danny hatte genug gesehen. Ohne auf einen Befehl Captain Lewinskis zu warten schoss er auf die Angreiferin und nahm entsetzt zur Kenntnis, dass der auf Betäubung eingestellte Strahl wirkungslos blieb. Stattdessen hatte er dadurch nur die Aufmerksamkeit der Talarianerin geweckt, die sich in seine Richtung umdrehte und ihn hasserfüllt anstarrte. Zum ersten Mal bot sich ihnen die Gelegenheit einen umfassenden Blick auf sie zu werfen.
    „Mein Gott,“ stammelte Edward Jellico ungläubig.
    Die Kleidung der Talarianerin bestand nur noch aus Fetzen. Viel eher war es so, dass man sie als nackt bezeichnen konnte. Ihre Haut war von dem langen Aufenthalt im Wald völlig verdreckt und auch schien die Person etwas ausgemergelt zu sein. Wie lange musste sie schon auf Wasser und Nahrung verzichten. Das Unheimlichste jedoch war der Ausdruck in ihren Augen, der nur eines wiederspiegelte: blinder Hass, scheinbar tausendfach potenziert zu einem Gewaltpotential, welches man sich vorher niemals ausgemalt hatte. Dann stürmte die Frau auf Danny los und Angst stieg in dem Sicherheitschef der Monitor auf. Ohne eine Sekunde Zeit zu viel zu verschwenden schaltete er seine Waffe auf Töten um und feuerte, in der Hoffnung, dass dieser Strahl sie endlich aufhalten würde. Für einen kurzen Moment fürchtete er die Talarianerin würde auch diesen Beschuss aushalten, doch dann nahm er erleichtert das zu Boden sinken der Angreifern zur Kenntnis. Noch bevor sich die anderen Mitglieder des Teams die Leiche näher ansehen konnten, eilten Halek und Lewinski zur sich am Boden windenden Ir´lia. Die kahlköpfige Deltanerin krümmte sich vor Schmerz und schrie fürchterlich. Nicht zu Unrecht, denn die Verletzungen ihres Gesichtes waren grausam.
    „Bleiben Sie ruhig, Lieutenant, wir sind ja da!“ versuchte der Kommandant seine Untergebene zu beruhigen, doch scheinbar schien ihn die junge Frau gar nicht zu holen. Fähnrich Halek wollte sich daran machen das Erste Hilfe-Notset hervorzuholen, da ereilte sie alle der nächste Schockmoment: wie von einer Tarantel gestochen sprang Ir´lia hoch und wollte den Captain anfallen. Geistesgegenwärtig riss Salma Halek ihr Gewehr hoch und rammte ihr die Schulterstütze in das ohnehin schon lädierte Gesicht. Wie in einem schlechten Actionholofilm flog die Deltanerin in einem weiten Bogen fort und überrascht sprang Lewinski auf, blickte erst zu Irl´lia und dann zu Halek. Doch trotz dieses gewaltigen Schlages schien die junge Frau nicht bewusstlos zu sein. Langsam richtete sie sich auf und richtete ihre Augen auf die Mitglieder des Außenteams. Ihre Augen waren von Hass und Zorn erfüllt, Emotionen, die sie so gar nicht von der sonst so friedfertigen Frau kannten.
    „Romulaner! ROMULANER!“ stammelte Lieutenant Ir´lia, bevor sie sich mit einem ohrenbetäubenden Geheul auf Captain Lewinski stürzte. Doch bevor sie dem Kommandanten etwas anhaben konnte erschoss Lieutenant Bird mit einem gezielten Phaserschuss seine Stellvertreterin. Für einen kurzen Moment musterten sie alle den Sicherheitschef, dann trat Captain Lewinski auf ihn zu.
    „Wieso haben sie Lieutenant Ir´lia getötet?“ fragte John, eine Mischung aus Zorn und Unverständnis in seinem Gesicht.
    „Weil sie sonst Gott weiß was mit ihnen angestellt hätte, Sir,“ erwiderte Lieutenant Bird und betrachtete die beiden Leichen.
    „Dann hätten Sie sie betäuben können! Danny, Sie haben gerade ein Mitglied unserer Crew getötet.“
    „Ich weiß,“ flüsterte der Lieutenant und wirkte nun sehr nachdenklich. „Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass dies nicht mehr Lieutenant Ir´lia war.“
    „Könnten das die Auswirkungen dieser biologischen Waffe sein?“ fragte Edward Jellico geschockt. Fast hätte man aufgrund der letzten Ereignisse vergessen, dass er überhaupt da war.
    „Ich halte diese Erklärung für äußerst wahrscheinlich,“ stimmte Salma Halek zu und machte sich daran die beiden toten Körper zu untersuchen. Dabei achtete sie peinlich genau darauf keinen von ihnen zu berühren.
    „Aber was genau waren nun die Auswirkungen?“ stellte Arsani Parul die Frage, die alle interessierte.
    „Darauf kann ich ihnen leider noch keine Antwort geben,“ meinte die Wissenschaftlerin und vertiefte sich in ihre Scanneranzeigen. „Doch was immer es ist, ich vermute es wird mittels Kontakt übertragen.“
    „Dem schließe ich mich an,“ fand Captain Lewinski. „Lieutenant Ir´lia wurde erst so... wie sie war nach dem Angriff. Vielleicht ist der Erreger, falls es überhaupt einer ist, durch die Kratzer übertragen worden.“
    „Falls hier noch mehr von diesen Leuten sind und davon gehe ich stark aus, dann sollten wir sie besser nicht zu nahe an uns herankommen lassen.“
    „Tolle Aussichten!“ brummte Jellico.


    Und hier standen sie nun, auf der Erde, und wollten verhindern, dass genau dasselbe hier auch geschah. Die Vorstellung, wie sich Milliarden von Erdenbürgern gegenseitig umbrachten, war erschreckend.
    Seltsamerweise war es ein wunderschöner Tag. Die Sonne war aufgegangen und spendete ihnen allen wärmende Sonnenstrahlen. Vögel zwitscherten und Kinder machten sich auf den Weg in die Schule. Niemand von ihnen ahnte derzeit, in was für einer Gefahr die gesamte Erde schwebte.
    Das Interkom Janssens piepte und der Polizist aktivierte die Verbindung:
    „Ja?“
    „Das Ranger-Team ist nun bereit!“
    Thomas Janssen und John Lewinski blickten sich kurz an, dann nickte der Captain und gab seinem Gegenüber so das Signal zu beginnen.
    „Zugriff!“
    Hunderte von Kilometer entfernt, im fernen Sternenflottenhauptquartier in San Francisco schloss die Spezialeinheit der Sternenflotte, die so genannten Ranger, ihre letzten Maßnahmen ab. Wie immer waren die Männer und Frauen dieses Spezialkommandos hochkonzentriert und auf den Einsatz vorbereitet. Sie alle trugen ihre schwarzen Kampfanzüge, hatten ihre Waffen sowie das technische Gerät umgeschnallt und betraten nun die Transporterplattform, die sie innerhalb von wenigen Sekunden in den Einsatzort nach Emden bringen sollte. Im Vorfeld hatten sie die Baupläne des Gebäudes studiert, sich verschiedene taktische Varianten des Zugriffs ausgedacht und waren noch einmal über die spezielle Art von Bedrohung in Kenntnis gesetzt worden, die von dieser Waffe ausging.
    Alles war bereit für das Ende der Krise. Auf Befehl des örtlichen Polizeiführers wurde die Transporterblockade für einen kurzen Moment gesenkt und es dem Team so ermöglicht in die Stadt zu beamen.
    Doch etwas ging schief. Entsetzt musste die Polizei und mit ihr das Team von der Monitor mit ansehen, wie die Transportersignale fluktuierten. Aus irgendeinem Grund waren sie nicht in der Lage wieder in Emden zu materialisieren. Die Techniker in San Francisco versuchten alles, um das Signal stabil zu halten und so die Ranger zu retten. Als sie einsahen, dass sie die Mission nicht durchführen konnten, versuchten sie das Spezialteam wieder zurück zu holen. Jedoch misslang auch dieser Versuch. Fassungslos mussten sie mit ansehen, wie eine der besten Spezialeinheiten der gesamten Föderation starb. Aufgelöst in ihre Atome, nicht einmal Leichen gab es, die man eines Tages beerdigen konnte.
    „Verdammt, was ist dies gewesen?“ schrie John Lewinski entsetzt und ließ sich die Frage von Lieutenant Ardev beantworten, der sogleich an das Computerterminal der Polizei stürzte:
    „So wie ich das hier erkenne haben die Terroristen eine Art Zerstreuer über ihrem Hochhaus installiert, der den Transporterstrahl sabotier hat!“
    „Wieso haben wir das verdammte Ding nicht vorher entdeckt?“
    „Keine Ahnung,“ gab Ardev ebenso geschockt zu. „Scheinbar haben wir es mit einer neuen, vielleicht experimentellen Art von Technologie zu tun.“
    „Können wir das Ding abstellen?“ fragte Janssen.
    „Ich sehe derzeit keine Möglichkeit.“
    „Wir haben das Überraschungsmoment verloren,“ meinte Lewinski und zückte seinen
    Phaser. „Die werden bestimmt den versuchten Transport bemerkt haben und wissen, dass sie entdeckt worden sind. Uns fehlt die Zeit. Meine Leute und ich werden da reingehen.“
    Janssen setzte zu einem Widerspruch ein, wusste jedoch, dass dieser nichts bringen würde. Stattdessen entschied er sich dafür den Präsidenten über die neuesten Entwicklungen zu informieren, während das Außenteam der Monitor schon losrannte, um die einige Kilometer entfernte Wohnung noch rechtzeitig zu erreichen. Nun zählte jede Sekunde!

    All die Monate hatte er versucht alles richtig zu machen. Natürlich war es nicht möglich fehlerlos zu bleiben, doch Danny Bird war nah dran gewesen. Nur mit einer Sache hatte er nicht gerechnet: dass er sich während seiner Infiltrationsmission in eine der Zielpersonen verlieben würde!
    Grübelnd saß Danny Bird in seinem Zimmer und dachte nach. Wahrscheinlich war dies der denkbar schlechteste Zeitpunkt, um über sein Leben nachzudenken, so kurz vor der möglichen Auslösung der Waffe. Dennoch gingen ihm diese Gedanken durch den Kopf rum. Es klang wie die Geschichte eines billigen Agentengroschenromans, aber es war eingetreten. Danny Bird und Janine Talley hatten sich ineinander verliebt. Eigentlich war dies gar nicht so schlecht gewesen, denn so hatte er sich noch mehr das Vertrauen von James erspielen und tiefer in die Materie eintauchen können. Dass diese Liebe jedoch zum Scheitern verurteilt war, musste Danny klar sein. Worauf sollte diese Liebe basieren? Immerhin hatte Danny die Frau bei quasi allem belogen, was seine Herkunft und sein Leben betraf. Nur seine Liebe, die war echt.
    Es war genau das gewesen, wovor sie ihn vor dem Antreten dieser Mission gewarnt hatten. Sich zu sehr mit den Leuten in seinem Umfeld einzulassen. Sich mit ihnen zu verbrüdern. Und sich in sie zu verlieben.
    Doch dies war leichter gesagt als getan. Solche Verhaltenskodexe waren meist von Leuten geschrieben worden, die niemals an solchen Einsätzen teilgenommen hatten, die niemals diese Entbehrungen hatten ertragen müssen. Es war leicht über Abgrenzung zu sprechen, wenn man niemals die Einsamkeit erlebt hatte, welche ein solcher Einsatz mit sich brachte. Mit seinen normalen Freunden und Kollegen durfte Danny aus Gründen der Sicherheit nicht sprechen und mit den Menschen, mit denen er nun zu tun hatte, sollte er nichts zu tun haben. Es war nur natürlich, dass er auch in diesem Umfeld soziale Kontakte geknüpft hatte. Natürlich hatte Danny zu Beginn angenommen, er würde mit der kommenden Einsamkeit klar kommen. Wie so viele andere Menschen hatte er sich naiverweise vorgestellt, dass er es mit Verbrechern und Bestien zu tun hatte. Zu sehen, dass diese Terroristen jedoch selbst kultivierte und in Anführungszeichen „normale“ Menschen waren, hatte einen schweren Schock für ihn dargestellt und an seinen Vorsätzen gerüttelt.
    Und dann war da noch Janine. Nach der Enttäuschung mit Elisabeth hatte er bei weitem nicht geglaubt, sich noch einmal glücklich verlieben zu können. Danny hatte angenommen noch für Jahre Single zu bleiben. Mehr noch, der Sicherheitschef der Monitor hatte sich damit abgefunden für immer allein zu sein und damit das Schicksal vieler Offiziere zu teilen.
    Seine Attraktivität wurde nicht gerade dadurch gesteigert, dass er die meiste Zeit des Jahres an Bord eines Raumschiffs verbrachte und sein Arbeitsbereich zwang ihn oftmals zur Verschwiegenheit. Keine günstigen Vorraussetzungen, um eine Partnerin zu finden.
    Dennoch hatte er Liebe gefunden und ausgerechnet da, wo er sie am wenigsten vermutet hatte. Janine hatte so vieles, was er bei einer Frau gesucht hatte. Intelligenz, Offenheit, Zärtlichkeit und eine seltsame Art von Vertrautheit. Zu dumm, dass die Teil der Struktur dieser verbrecherischen Organisation war. Anfangs hatte sich Danny noch eingeredet, dass sie möglicherweise nichts mit den Machenschaften ihres Vaters zu tun hatte und auch unwissend über seine Aktivitäten war. Aber schon bald hatte er einsehen müssen, dass diese Hoffnung nicht der Realität entsprach. Sie war genauso Teil der Befreiungsarmee wie er auch.
    Ein fataler Zwiespalt tobte nun ihn ihm.
    Plötzlich aktivierte sich sein Kommunikationsterminal. Nicht das Normale, welches Inventar seines Zimmers war, sondern das Kleine vom Geheimdienst. Es konnte nur einer am anderen Ende der Leitung sein.
    „Ja, Berghorst?“ fragte Danny seinen Kontaktmann, den er selber noch nie gesehen hatte.
    „Adler, wir haben neue Weisungen für sie. Noch in dieser Stunde wird das Anwesen von unseren Sicherheitskräften gestürmt werden,“ erklärte die verzerrte Stimme.
    „Verstanden!“
    Scheinbar überschlugen sich nun die Ereignisse. Die letzten Minuten seiner Undercover-Operation wurden wohl soeben eingeläutet.
    „Falls Sie die Möglichkeit haben,“ erklärte Berghorst, „dann nehmen Sie James Talley fest und übergeben ihn dann den Behörden. Berghorst, Ende!“
    Damit deaktivierte sich wieder das Terminal und ließ einen aufgeregten Danny Bird zurück. Das Ende war also nah. Vielleicht konnte er schon am Ende des Tages in sein gewohntes Leben zurückkehren. Wenn das mal keine Motivation war!

    Natürlich hatten die Kriminellen den versuchten Transport bemerkt. Den drei Männern und der Frau, die seit mehr als einem halben Jahr in dieser Hochhauswohnung gelebt und sich als eine Studenten-WG ausgegeben hatten, wurde klar, dass ihnen die Zeit davonlief. Seit so vielen Monaten hatten sie diesen entscheidenden Tag geplant und darauf hingearbeitet, aber sie hatten mit einem etwas späteren Auslösen der Waffe gerechnet. Nun jedoch musste es schnell gehen. Einer der Männer stellte blitzschnell eine Verbindung zum Mond her und nahm erstaunt zur Kenntnis, dass James Talley persönlich den Anruf entgegen nahm. Die Operation hatte einen Punkt erreicht, an dem er am liebsten selbst die Aufsicht über alle einzelnen Teilabschnitte des Plans übernahm.
    „Ja?“ fragte der schwarze Mann mit seiner charismatischen Stimme.
    „Mr. Talley, wir sind entdeckt worden.“
    „Wie meinen sie das?“
    „Vor wenigen Minuten hat jemand versucht sich in unsere Wohnung zu beamen und der Zerstreuer hat dies verhindert. Ich rechne mit einem Eintreffen von Polizei in wenigen Minuten.“
    Doch James Talley ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Natürlich war diese Entwicklung eine Störung seines Plans, aber diese würde sich schnell beseitigen lassen.
    „Verhindern sie um jeden Preis ihre Verhaftung und den Verlust der Waffe,“ befahl er und wusste, dass man seinen Anordnungen Folge leisten würde. Bis zum Tod. „Wenn sich eine Gefangennahme nicht verhindern lässt, haben sie Erlaubnis die Waffe freizusetzen.“
    Die Augen des jungen Mannes glänzten, als er sich der Verantwortung bewusst wurde, die ihm gerade vom Führer der Föderalen Befreiungsarmee in die Hände gelegt worden waren. Weder er noch seine Freunde waren willens ihn zu enttäuschen.
    „Verstanden, Mr. Talley. Wir geben unser Bestes!“
    „Nichts geringeres erwarte ich von euch,“ entgegnete James Talley und lächelte ein letztes Mal aufmunternd, bevor er vom Bildschirm verschwand.
    Eiligst suchten die vier Menschen die Sachen aus der Wohnung zusammen. Alles, was auf sie oder die Organisation Rückschlüsse zuließe, musste entfernt werden. Ein Rennen gegen die Zeit begann.

    Stellas Hand lag in Jozarnays. Mit ihr das Gefühl von Freiheit. Zum ersten Mal seit langer Zeit vertraute ihm wieder jemand. Zum ersten Mal ließ sich jemand fallen und vertraute auf ihn. Ein atemberaubendes Gefühl, gebraucht zu werden.
    Das Rauschen des Meeres tat sein übriges. Das warme Prickeln der Sonne ließ das eine noch übrige Glückshormon, das Stella nicht hervorzauberte, an die Oberfläche steigen.
    „Ein wunderschöner Tag, nicht wahr?“, fragte Stella und sah zum Himmel empor.
    Das glückliche Paar saß im Sand. Das nahe Meer brach direkt vor ihnen, Wasser schwappte bis zu ihren Zehenspitzen. Stella liebte dieses Gefühl.
    Woil schloss die Augen und atmete die frische unverbrauchte Luft ein.
    „Ja, es ist ein schöner Tag.“
    Als er die Augen wieder öffnete waren all diese Gefühle weg.
    Und er befand sich an einem Ort, der nicht unterschiedlicher sein konnte. Seiner Zelle. Dunkel, muffig, eng.
    „Es wird Zeit, dass Sie der Wahrheit ins Gesicht sehen.“
    Woil drehte sich zu dem Sprecher. Es war Edward Jellico, der dort stand und ihm schelmisch entgegengrinste. Er selbst saß angekettet auf einem Stuhl in der Mitte. Ein Zerren hatte keinen Sinn. Die schweren Ketten waren unüberwindlich.
    „Sie haben mich wieder gefasst?“
    „Wieder?“, fragte Jellico. „Mr.Woil, Sie haben diese Zelle nie verlassen.“
    Verzweifelt blickte Woil zur Decke. Tränen rannen ihm über die Wangen. „Wie ist das möglich?“
    „Mr. Woil“, sagte er mit so viel Verachtung in seiner Stimme, dass man sie beinahe greifen konnte. „Machen Sie sich nichts vor. Wie könnten Sie einen Hochsicherheitstrakt verlassen?“ Angestrengt begutachtete er ihn. „Sie haben 15 Kilo Gewicht verloren, tragen ein Lumpengewand und sind auf Weiß-Entzug.“ Er gab Woil einen Moment. „Sie sind ein Nichts.“
    „Stella glaubt an mich!“, schrie er hinaus. Verzweifelt, verängstigt, gebrochen.
    „Stella ist tot!“, schrie Jellico, ebenso laut. „Sie träumen nur. Ein letzter Akt Ihres Gehirns, bevor der Tod Sie ereilt. Hier in dieser erbärmlichen Zelle.“
    Woil begann zu weinen. So schmerzlich wie noch nie in seinem Leben.
    „Hier werden Sie verrecken. Und ich werde mit Genuss dabei zu sehn...“
    Dann ging Jellico und ließ Woil allein.
    „Hei..., pass auf... wo du hin... gehst.“
    Der Talarianer zog Woil zur Seite. Er war beinahe auf einen Arm getreten.
    Ein Arm?
    Woil sah sich verwirrt um. Nichts hatte sich verändert hier auf Talar. Immer noch derselbe Trott. Dasselbe Nichts. Und vor ihm lag tatsächlich ein Arm. Und an dem Arm hing noch ein Teil des Torsos und Teile des Kopfes.
    „Ist es noch weit?“, fragte Woil. Er begann zu zittern. Am ganzen Körper.
    „Nein... wir sind... gleich da.“ Der Talarianer deutete zu einem großen Gebäude. Von diesem waren aber auch nur noch die Grundmauern übrig.
    Stella griff nach seiner Hand. Woil fasste dadurch neue Hoffnung. Zufrieden folgte er dem Talarianer. „Ich habe mich noch gar nicht bei dir bedankt. Wie heißt du?“
    „Das... ist nicht... wichtig“, antwortete der Talarianer und ging los.
    Stella zog Woil mit sich. „Komm. Es ist nicht mehr weit.“

    Auch Talley selbst wusste, dass möglicherweise die letzten Minuten in Frieden angebrochen waren. Ohne zu zögern erhob er sich von seinem Arbeitsplatz und begab sich in den großen Besprechungsraum, wo alle Mitglieder des Führungszirkels auf ihn warteten. Immer noch war der Platz Nelsons unbesetzt, wegen eines bizarren Respekts vor dem kürzlich verstorbenen.
    „Die Föderation hat den Aufenthaltsort unserer Waffe entdeckt,“ erklärte James mit fester, Optimismus versprühender Stimme. „Sie haben damit begonnen das Gebiet abzuriegeln und ein erster Zugriffsversuch ist gescheitert. Derzeit laufen die Bemühungen unseren Plan dennoch zu retten. Es wird nicht lange dauern, bis die Behörden auch dieses Haus hier stürmen werden. Der Transportblockierer ist noch aktiv, wird aber bald für unsere Flucht gesenkt werden.“
    Betreten blickten die beiden Ratsmitglieder zu Boden. Andere, wie auch Danny Bird, schauten gespannt zu ihrem Anführer und erwarteten von ihm Anweisungen, wie sie nun weiter vorzugehen hatten.
    „Es ist nun an der Zeit den weiteren Teil der Operation anlaufen zu lassen. Sie alle kennen ihre Anlauf- und Fluchtpunkte. Wir alle werden uns wohl für eine längere Zeit nicht mehr sehen können. Jedoch möchte ich Ihnen allen für Ihre unaufhörliche Unterstützung über die Jahre hinweg danken. Der heutige Tag wäre ohne Sie alle hier nicht möglich gewesen. Meine ehrliche Hoffnung ist es, dass wir uns in einer besseren Welt wieder sehen mögen. Nun treffen Sie bitte ihre Reisevorbereitungen.“
    Mehr musste nicht mehr gesagt werden. Die Mitglieder des Führungszirkels standen auf und strömten aus den Türen nach draußen. Nun ging es darum so viele kompromittierende Daten wie möglich zu vernichten, die eigenen Familien in Sicherheit zu bringen und selbst unterzutauchen. Danny ließ die ganze Zeit über nicht Talley aus den Augen, welcher sich wieder in sein Arbeitszimmer zurück zog und ging die Möglichkeiten durch. Man hatte ihm also aufgetragen den Mann festzusetzen, bis die Verstärkung eintraf. Mehr noch, anscheinend musste er ihn festnehmen, denn all zu lang wollte sich der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee nicht mehr in seinem Haus aufhalten. Langsam folgte er ihm in das Arbeitszimmer.
    James Talley hatte sich über seinen persönlichen Computer gebeugt und begann ebenfalls Daten von diesem zu löschen. Dem Undercover-Agent wurde schnell klar, dass er dieses nicht verhindern konnte. Im Grunde war es egal, denn in den letzten Monaten hatte er genug Fakten gesammelt, um James Talley für den Rest seines Lebens ins Gefängnis wandern zu lassen.
    „Wir brechen also unsere Zelte ab?“ fragte der Lieutenant und blickte fragend zu seinem angeblichen Mentor.
    „Ja. Ich kann nur vermuten, wie viel Zeit uns noch bleibt, es wird aber auf jeden Fall nicht viel sein. Die Operation ist angelaufen und dank unserer guten Planung in den letzten Monaten ist sie zu einem Selbstläufer geworden,“ erklärte James Talley und hob einige Padds auf, die er auf bemerkenswert ruhige Art und Weise in eine Tasche legte.
    „Du willst die Sache nicht weiter überwachen?“
    „Wie gesagt,“ erwiderte James und lächelte zufrieden, „wir alle haben gute Arbeit geleistet. Meine Anwesenheit wird nicht mehr von Nöten sein.“
    Auf diese Art und Weise würde er also James Talley an der Flucht hindern können. Hektisch ging Danny seine Handlungsalternativen durch und musste feststellen, dass ihm nicht allzu viele blieben. Den Terroristen hier zu behalten und gleichzeitig seine Tarnung aufrechterhalten zu können, war so gut wie unmöglich.
    „Willst du nicht auch packen?“
    Die Frage James wirkte schon fast verdächtigt. Vermutete er etwa etwas?
    „Irgendwie zögere ich noch,“ log Danny in Ermangelung besserer Worte. „Die ganze Sache ist so unwirklich für mich. Die letzten Monate war dieses Haus hier meine Heimat geworden und nun soll ich alles aufgeben…. und zudem noch Janine.“
    „Ihr werdet euch wieder sehen, keine Angst. Wir müssen nur für einige Wochen, vielleicht Monate untertauchen müssen, dann werden wir wieder zusammentreffen.“
    „Keine Ahnung, ob ich diese dauerhafte Trennung überstehen werde,“ meinte Bird und sprach damit ausnahmsweise mal die Wahrheit. In der Tat wirkte der Gedanke von der jungen Frau so lange getrennt zu sein sehr seltsam auf ihn.
    „Janine liebt dich und ich weiß, dass du dasselbe für sie empfindet. Sie wird auf dich warten, glaube mir.“
    Zu gerne hätte Danny dazu eine Erwiderung über die Lippen gebracht, doch er schaffte es nicht. Wieso nur? Natürlich hätte er gerne eine Antwort in derselben Machart von sich gegeben, doch er konnte es nicht. Die gesamte Zeit über hatte er gelogen, doch nun gelang es ihm nicht.
    „Was ist mit dir?“ fragte James und lächelte aufmunternd. „Hat es dir die Sprache verschlagen? Ein gutes Zeichen, wie ich finde… du liebst meine Tochter. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass du es bist, dessen Herz sie erobert hat. Du hast das Herz auf dem rechten Fleck, Danny. Ich möchte nur das Beste für Janine und ich denke, du kannst meine hohen Erwartungen erfüllen!“
    Dieses unerwartete Kompliment von einem Mann, der Milliarden töten wollte und dadurch verabscheuungswürdig war, machte den Lieutenant abermals sprachlos. Die ganze Sache entwickelte sich eine Sache, die ihm ganz und gar nicht gefiel. Schlimm genug, dass er Gefühle für Janine empfand, nun wollte auch noch James einen Weg in sein Herz finden.
    In den letzten Monaten war er in der Tat so etwas wie ein Ersatzvater geworden, das war klar. Vermutlich war Danny deswegen so empfänglich für James gewesen, weil er selbst seine Eltern so früh bei einem Angriff der Borg verloren hatte. Trotz all seiner Fehler hatte er in James etwas gefunden, was er selbst immer vermisst hatte. Trost. Eine Heimat. Ein ziviles Leben. Alles Dinge, die an Bord eines Raumschiffs nicht möglich waren und von denen er nie gewusst hatte, dass er sie vermisste. Bis er sie erlebt hatte. Dinge, die er nun für das größere Wohl aufgeben musste.
    Mit einer fließenden Bewegung griff Danny unter sein Hemd und holte einen Disruptor hervor.
    „Was wird das denn, wenn ich fragen darf?“ fragte James ohne jedwede Angst in seiner Stimme.
    „Wie sieht das denn aus, wenn man eine Waffe auf dich richtet?“ beantwortete Danny die Frage mit einer Gegenfrage.
    „Ich fürchte du machst da einen ganz großen Fehler, Junge!“
    „Indem ich einen potentiellen Massenmörder festnehme? Ich glaube nicht!“
    Langsam erhob James die Hände in die Höhe und lächelte dabei auf eine fast schon entwaffnende Art und Weise.
    „Du bist also doch ein Doppelagent. Ich hab es mir schon länger gedacht.“
    „Wer ich bin oder was ich mache spielt keine Rolle. Auf jeden Fall wirst du den Mond nicht verlassen.“
    Leider irrte sich Danny bei dieser Prognose. Er erhielt einen gewaltigen Schlag auf den Hinterkopf, der ihn bewusstlos zusammensacken ließ. Bei der ganzen Aufregung hatte er nicht darauf geachtet, ob sich ihm jemand von hinten näherte und so war es für Janine Talley ein Leichtes gewesen, ihren Liebsten auszuschalten.
    „Auf dich kann man sich verlassen,“ lächelte James und setzte seine Bemühungen fort.
    „Was ist hier passiert?“ fragte Janine schockiert. Dass sie soeben ihren Freund niedergeschlagen hatte, passte nicht in ihr Weltbild.
    „Ich schätze,“ versuchte James eine hastige Erklärung zu finden, „dass Danny Bird doch nicht der vertrauenswürdige Mensch ist, für den wir ihn gehalten haben!“
    Mehr konnte und wollte James zum momentanen Zeitpunkt nicht sagen. Zu gerne hätte er sich nun um seine Tochter gekümmert, der der Schmerz deutlich anzusehen war, doch derzeit mussten sie sich um andere Dinge sorgen.
    Es dauerte nicht lange, bis sie all ihre Sachen zusammengesucht und sie auf die Transporterplattform gestellt hatten. Während seine Tochter ein letztes Mal durch das leere Haus ging, stellte James eine Verbindung zu dem Auftraggeber her.
    „Wir kommen nun vorbei,“ erklärte er, dieses Mal jedoch mit weitaus weniger selbstsicherer Stimme, als er sonst hatte.
    „Wunderbar. Ich erwarte ihren Besuch,“ entgegnete die Person und beendete die Verbindung. Mehr musste in der Tat nicht gesagt werden.
    Als letztens fesselten sie Danny und hievten ihn ebenso auf den Transporter.
    „Bist du sicher, dass wir ihn mitnehmen sollen?“ fragte Janine vorsichtshalber nach.
    „Ich habe noch einiges mit ihm vor,“ erklärte ihr Vater. „Mit Danny kann man noch etwas anstellen, vertrau mir.“
    „Hast du die Koordinaten auch richtig einprogrammiert?“
    „Ich hoffe es.“
    „Hoffen?“ Verächtlich schnaubte Janine Talley angesichts dieser Worte. „Hoffen reicht hier nicht. Einen solchen Transportvorgang haben wir bisher noch nicht probiert. Es muss beim ersten Mal klappen.“
    Zärtlich berührte James daraufhin seine Tochter an der Wange und spendete ihr so Trost.
    „Vertrau mir!“
    Mehr brauchte nicht gesagt werden. Janine akzeptierte seine Entscheidung und so ließen sie sich an ihren Zielort beamen. Einen Platz, der weiter entfernt war als alles, was man sich vorstellen konnte.

    „Setzen Sie sich Chief“, bat John Lewinski. Woil setzte sich in den Stuhl vor dem Schreibtisch im Bereitschaftsraum des Captains. Alles war noch so wie damals, kurz bevor Woil die Monitor verlassen hatte. Wie bei ihrem letzten Gespräch. Sogar die Uniform saß noch perfekt.
    „Kann ich Ihnen was zu trinken anbieten?“
    „Nein, danke Sir.“
    „Sie müssen auf der Hut bleiben“, riet Lewinski, der in seinem Stuhl Platz genommen hatte. Der Captain hatte eine Tasse Kaffe in der Hand.
    „Auf der Hut, Sir?“, Woil verstand nicht.
    „Hören Sie nie auf, Fragen zu stellen“, fuhr Lewinski unbeirrt fort.
    „Fragen? Sir, ich verstehe nicht, was Sie meinen.“
    „Wieso hören Sie eigentlich auf Ihn? Sie sind verloren Jozarnay.“ Edward Jellico beugte sich ganz nah über ihn. Geschockt zuckte er zusammen. Lewinski schien ihn nicht zu sehen.
    „Was wird hier gespielt?“, fragte Woil.
    „Nein,“ Stella Tanner hielt Woils Hand. „Keine Spiele mehr, nie wieder.“
    „Kommen Sie Jozarnay. Sie waren immer ein kreativer Kopf“, begann Lewinski.
    „Ja, so kreativ, dass Sie einwandfrei halluzinieren!“, konterte Jellico.
    „Wir brauchen nur uns...“, flüsterte Stella.
    „Ein Talarianer, der sich um ihre Gesundheit sorgt?“, fragte Lewinski.
    „Von der ist nicht mehr viel übrig,“ antwortete Jellico.
    „Was meinen Sie?“, Woil konnte keinen klaren Gedanken fassen bei soviel Gerede.
    „Haben Sie die Patrouillen gesehen, von denen er sprach? Sie waren beim Geheimdienst. Sie wissen, worauf Sie achten müssen.“
    „Die Ausbildung war für’n Arsch. Ein Junkie in einer Zelle sind Sie... nicht mehr“, konterte Jellico.
    „Du bist ein Held“, versicherte Stella.
    Lewinski ließ sich davon nicht beeindrucken oder stoppen. „Es waren keine anderen Talarianer auf der Flucht vor den Romlanern. Nur Sie und ihr ‚Retter’. Ein ausgehungerter Mann, der Messer in seinen Taschen hat. Wo sind Sie Woil?“
    „In meiner Hand“, antwortete Jellico zügig und machte dabei eine Faust. Er schloss die Hand so fest, dass Blut aus Wunden in seiner Hand trat, die seine Nägel dort hineinrissen.
    „Im siebten Himmel“, meinte Tanner.
    „Vertrauen Sie ihren Instinkten“, riet Lewinski.
    „Ich bin allein mit ihm. Auf einem zerstörten Planeten“, stellte er schockiert fest. „Wer weiß, wann er zum letzten Mal gegessen hat.“
    „Dann gebe ich Ihnen den Befehl, zu tun, was zu tun ist.“
    Woil nickte zufrieden. „Aye Sir.“
    Er stand auf und befand sich wieder auf Talar. Schnell sah er sich um. Wo war sein Begleiter? Hatte er ihn verloren oder gar abgeschüttelt? Wo befand sich noch mal dieser Raumhafen?
    Ein anderes Gefühl beschlich ihn. Die Kälte. Diese verfluchte Kälte riss wieder an ihm. Er blickte zu seinen Händen. Sie waren blau angelaufen. Dann sah er seine Zehen. Sie waren über und über von Schnee und Eis bedeckt. Dunkelschwarz hatten die sich bereits verfärbt. Doch er ließ den Schmerz nicht zu. Sonst hätte er wohl keinen Schritt mehr machen können.
    Vorsichtig stapfte er nun weiter. Immer auf der Hut. Stella stand ihm ja zur Seite. Jedes Paar Augen konnten ihm nun helfen. Zum ersten Mal begriff er, dass er keine Chance hatte. Hier auf einem fremden, feindlichen Planeten. Jeder suchte ihn und er hatte keine Ahnung was zu tun war. Er dachte nur an eins: Überleben.
    Nein, er dachte an Stella Tanner.

    Wenn man seiner gewöhnlichen Tagesroutine nicht nachgehen und stattdessen nur die Wände, wahlweise die Decke, anstarren konnte, erschien einem der Tag unglaublich lang. Matthew Price befand sich nicht einmal zwei Stunden in der Arrestzelle der Monitor, dennoch kam es ihm wie Monate vor. Abermals, wahrscheinlich zum zweihundertsten Mal innerhalb der letzten Stunden, fragte sich der Halbbetazoid, ob er das Richtige getan hatte. Den ganzen Tag über war diese Angelegenheit eine schmale Gratwanderung gewesen. Der erste Offizier gab sich alle Mühe nicht bei anderen Menschen die Schuld zu suchen. Er allein hatte die Entscheidung getroffen sich mit der Waffe gegen seinen Captain zu stellen und er war es auch gewesen, der auf Fähnrich Kensington geschossen. Doch woher nahm Captain Lewinski das Recht ihn zu bestrafen? Wieso bestrafte John ihn mit dem Aufenthalt in dieser Arrestzelle, während der Kanadier nicht nur seinen Bruder aus dem Gefängnis herausgeholt und gedroht hatte auf ein anderes Sternenflottenschiff zu schießen? Irgendwie konnte Price da keine Gerechtigkeit erkennen. Sie alle hatten am heutigen Tage extreme Entscheidungen getroffen, dennoch durfte nicht mit zweierlei Maß gemessen werden.
    Vielleicht war dies aber auch die gerechte Strafe für seine Taten, die er als Jugendlicher begangen hatte. Eine Art göttliche Vergeltung für seine Verfehlungen, die er als junger Mann auf Rigel begangen hatte. Der Aufenthalt in Zellen, die noch weitaus weniger komfortabel als diese hier waren, war ihm alles andere als unbekannt. Nicht einmal Elisabeth wusste, dass er schon öfters fast in ein Jugendgefängnis gegangen wäre. Hätte sich nicht seine Mutter immer und immer wieder für ihn eingesetzt, seine Schandtaten wie Diebstahl und Vandalismus relativiert, sein Leben wäre wohl nicht in jenen Bahnen verlaufen.
    Ohne seine Mutter Birgit wäre er vermutlich schon tot, dies stand für ihn fest. Sie hatte ihn immer beschützt, mit ihrer Wärme vor den schlimmsten Dingen des Lebens bewahrt.
    Diese Liebe war es wohl gewesen, die den anderen Jugendlichen auf Rigel gefehlt und sie schließlich ins Verderben geführt hatte. Dafür würde Matt ihr auf ewig dankbar sein.
    Er schreckte hoch, als sich die Schotts zur Arrestzelle öffneten und eine Person herein trat. Seine Hoffnung darauf, dass es abermals Elisabeth Frasier war, wurde jedoch schnell enttäuscht. Stattdessen stand eine gänzlich unerwartete Person vor ihm. Jene, die er niedergeschossen hatte. Fähnrich Kensington stand vor seiner Zelle, hatte die Arme vor dem Brustkorb verschränkt und betrachtete ihn spöttisch.
    „Kommen sie hierher, um Schadenfreude zu empfinden?“ fragte Matt und setzte sich wieder auf seine Liege.
    „Eigentlich nicht. Eher deswegen, um zu sehen, wie Gerechtigkeit geübt wird,“ entgegnete Samira Kensington und schaffte es trotz der bizarren Situation zu lächeln.
    „Gerechtigkeit?“ fragte Price überrascht. „Das müssen Sie mir jetzt aber erklären. Bisher hatte ich immer angenommen, dass es Ihnen nur um ihre Karriere geht.“
    Kensington druckste herum, grinste und blickte kurz zu Boden. Das jemand so offen die Einschätzung vieler an Bord aussprach, war für sie eine Überraschung.
    „Das stimmt, ich verfolge meine Karriere sehr ehrgeizig,“ erklärte der Fähnrich. „Aber dennoch bin ich als Sicherheitsoffizier der Gerechtigkeit verpflichtet und Sie haben gegen die Regeln verstoßen. Mehr noch, mit dem Schuss auf mich haben sie eine Straftat begangen.“
    „Sie müssen mich nicht noch einmal daran erinnern, was ich getan habe. Dies weiß ich noch gut genug.“
    „An Ihrer Stelle würde ich anfangen, mir Gedanken um den Prozess zu machen, der Sie bald erwarten wird. Sie haben ja da drinnen genug Zeit zum Nachdenken.“
    Dies waren die letzten spöttischen Worte aus dem munde Kensingtons. Ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen verließ sie den Arrestbereich und Price wünschte sich für einen kurzen Moment, eine andere Phasereinstellung gewählt zu haben.

    Das Wetter schien immer schlimmer zu werden. Der Schneefall kannte auf Talar keine Grenzen mehr. Zwischen den verfallenen Häuserblocks türmte sich dieser Meterhoch. Wirklich wegschmelzen tat der Schnee selten. Selbst im „Sommer“ stiegen die Temperaturen kaum. Und ansonsten benutzten die Talarianer den Schnee zum Trinken. Denn eine Wasserversorgung gab es nur an sehr wenigen Orten. Die Romulaner hatten sie erst in der Hauptstadt – zumindest in dem Trümmerhaufen, der von ihr übrig war – wieder hergestellt. So erwies sich auch das Versprechen der Besatzer, für die Talarianer zu sorgen, als ein hohles Lippenbekenntniss, das sie nur vor dem versammelten Sitzungssaal der MPA kundtaten.
    Woil lief, etwas abseits des Stadtzentrums durch die hohen Schneefelder. Zum Glück waren schon einige andere Talarianer zu diesem Raumhafen gegangen und so gab es wenigstens eine kleine Schneise, die begehbar war.
    Den eisigen Lauf musste er zum Glück nicht allein vollbringen. Stella Tanner, John Lewinski und Edward Jellico begleiteten ihn. Ein wenig freute er sich über die große Begleitung. Er bedeutete ihnen also doch etwas. Zudem gaben sie ihm das Gefühl von Sicherheit. Was sollte ihm jetzt noch geschehen?
    Er sah zu Stella und befand sich mit ihr am Strand, unter der warmen Sommersonne. Er sah zu John Lewinski und befand sich mit ihm in seinem Bereitschaftsraum. Er sah zu Jellico und befand sich mit ihm in seiner Zelle.
    „Sie befinden sich doch gar nicht auf Talar Mr. Woil“, begann Jellico. „Denken Sie doch nach. Wieso sollte die Föderation auf romulanischem Territorium ein Hochsicherheitsgefängnis betreiben? Auf feindlichem, umkämpften Land? Ergibt das für Sie irgendeinen Sinn?“
    „Sie haben ihre Befehle Chief“, erklärte Lewinski. „Sie wissen so gut wie ich, dass unsere Missionen gefährlich sind. Und an der Grenze des Legalen und der Moral. Wir müssen manchmal einfach auf unsere Vorgesetzten vertrauen.“ Eindringlich blickte der Captain zu Woil. „Vertrauen Sie nun auch mir?“
    „Ich vertraue dir Jozarnay“, antwortete Stella.
    Woil lachte. Er legte einen Arm um Stella, zog sie zu sich und küsste sie. Nach dem wundervollen Kuss ließ er sich in ihre Arme fallen.
    Die Freude über diesen Kuss trug ihn weiter, bis er an den Mauern des vermeintlichen Raumhafens stand. Direkt vor ihm befand sich ein Durchgang, viele Fußstapfen führten hinein, doch Woil war allein – von seinen drei Begleitern einmal abgesehen.
    Die hohe Mauer sah noch sehr stabil aus. Doch etwas stimmte nicht. Der Durchgang vor ihm, der einst eine große Glastür war, erinnerte ihn nicht an einen Raumhafen. Er sah noch oben und erkannte über der Tür einige Schriftzeichen. Sein talarianisch war zwar etwas eingerostet und die Schriftzeichen unvollständig, doch er konnte dort den Namen eines Unternehmens lesen. Er glaubte, sich an einen Waffenhersteller mit diesem Namen erinnern zu können. Zu Beginn des Krieges, den die Romulaner mit den Talarianern führten, hatte er in einem Bericht von dieser Firma gelesen. Was stellten sie noch gleich her? Quantentorpedos?
    Stella, Jellico und Lewinski sahen ihn an. Einer nach dem andern ging an ihm vorbei, durch die ehemalige Tür, hinein in die große Halle. Plötzlich schien ein Licht durch die Tür heraus zu ihm. Hell, weiß, erfrischend. Ein Licht wie es es schon lange nicht mehr auf Talar gegeben hatte.
    Woil musste seine Hand vor die Augen halten, um nicht zu erblinden. Als sich seine Augen an das helle Licht gewöhnt hatten sah er eine Person. Sie trat auf ihn zu. Woil traute seinen Augen kaum.
    „Nathan Sloan?“, stutze er.
    „Der großartige Jozarnay Woil“, begrüßte Sloan ihn. Er sah gut aus – sehr lebendig um genau zu sein. Er sprach mit einer warmen, freundlichen Stimme. Locker stand er da, unverkrampft sprach er mit Jozarnay – und voller Freundlichkeit. „Ich habe Ihnen viel zu verdanken.“
    „Sie sind doch tot? Ich habe Sie sterben sehen.“
    „Das stimmt. Ich bin tot.“
    „Ich verstehe das nicht“, gestand Woil.
    „Jozarnay, es gibt eine andere Möglichkeit“, erklärte Sloan fürsorglich, ruhig. „Sehen Sie Ihr Leben an. Sie laufen davon. Und das seit einigen Jahren. Sie drehen sich im Kreis und quälen sich dabei nur. Es wird Zeit, dem ein Ende zu machen. Gehen Sie in die Offensive.“
    „Offensive?“
    „Ja, Jozarnay, Sie könnten mit mir mit kommen.“
    „Mit Ihnen? Wohin?“
    „In die Ewigkeit.“
    Woil sah Sloan an. So ganz wollte er nicht verstehen, so ganz wollte er ihm nicht glauben. „Nein, das kann ich nicht – noch nicht.“
    „Oh doch, Sie sind bereit dafür.“ Sloan trat einen Schritt auf die Seite. Hinter ihm stand, in einiger Entfernung, Stella Tanner. „Hier gibt es keinen Schmerz, keine Angst. Sie können den Hass hinter sich lassen. Und Sie können wieder mit all denen vereint sein, die Sie lieben.“ Eine Träne rollte über seine Wange, als er zu Stella sah... mehr noch. Larla war auch dort.
    Woil kämpfte. Er kämpfte mich sich selbst. Er begann die Fassung zu verlieren. Doch er hielt die Tränen zurück.
    „Nein, ich werde auf diesem Eisklotz nicht... sterben.“ Es war der wohl schwerste Satz, den Woil je gesagt hatte. Es war das größte Eingeständnis, das er machen konnte.
    Sloan schwieg. Was hätte er dazu auch noch sagen können? Er nickte.
    Woil tat es ihm nach.
    Dann drehte er sich um und spürte... einen Stich.
    Vor ihm verschwamm alles. Er sah den Talarianer. Und er sah ein Messer in seinem Bauch.
    Der Talarianer leckte sich den Mund. Seine Augen weiteten sich. Während Woil die Luft weg blieb. Es war zu spät. Während seiner Ausbildung hatte er einige Verteidigungstechniken erlernt. Doch die nutzen jetzt nichts mehr. Jetzt, da das Messer in seinem Bauch steckte und der Talarianer es dort genüsslich herumdrehte.
    Jetzt, da die Kälte sein Gehirn eingefroren hatte.
    Jetzt, da das Ketracel Weiß seine Adern verließ.
    Jetzt, da er wieder allein war.
    Woil fiel auf den vereisten talarianischen Boden. Vor ihm verwischte sich die Realität. Er sah Talar, seine Zelle, Lewinskis Bereitschaftsraum, den antosianischen Strand. Er sah diese vier Orte gleichzeitig und wanderte während seiner letzten Minuten zwischen ihnen hin und her.
    Zum ersten Mal begriff er, dass etwas Schlimmeres als die Kälte oder das nachlassende Ketracel Weiß an ihm nagte. Schlimmer noch als der Tod. Es war das Versagen.

    Auch die fünf Leute von der Monitor waren sich des Faktors Zeit sehr wohl bewusst und hatten ihr Ziel fast erreicht. Gut, dass der Captain ein strenges Fitnessprogramm auf dem Holodeck installiert hatte, denn ansonsten hätten sie es wohl nicht geschafft diese Strecke in der kurzen Zeit zu bewältigen. Als sie die Straße, die direkt zu dem Wohnhaus führte, erreichten, verlangsamten sie ihren Schritt und Arena Tellom zückte ihren Tricorder, um noch einmal die genaue Position der Waffe zu lokalisieren.
    „Unser Ziel befindet sich in Wohnung 243, im zweiten Obergeschoss,“ erklärte die Terellianerin und deutete zur Unterstreichung auf das große Gebäude.
    Ohne ein weiteres Wort zu sagen ergriff Captain Lewinski seinen Phaser und seine Begleiter taten es ihm gleich. Jedem war klar, dass sich die Angelegenheit wohl nicht ohne Waffengewalt lösen ließ.
    Jedoch trat Martin an seinen Bruder heran und bat ihn sich mit ihm zu unterhalten. Widerwillig, da er sich der knappen Zeit bewusst, trat er einen Schritt zur Seite.
    „Du hast eine Minute,“ erklärte der Kommandant.
    „Ich habe alles getan, was du von mir verlangt hast,“ raunte Martin. „Ihr habt den Standort der Waffe und seid nahe an der Lösung dran. Es ist nun an der Zeit, dass ich auch etwas von euch bekommen.“
    „Sitzt du etwa noch im Gefängnis? Du bist frei.“
    „Ach, na dann! Und wenn diese Sache dann hier beendet ist, was wird dann sein? Wirst du mich dann wieder in den Hochsicherheitstrakt bringen, wie irgendeinen Besen, den man nach der Benutzung wieder in den Schrank stellt?“
    John blickte seinen Bruder intensiv an. Ja, ohne Martin wären sie nicht so weit und hätten wohl die Suche vergessen können. Darüber, was danach mit seinem Bruder geschehen sollte, hatte er sich bisher noch keine Gedanken gemacht. Aber er hatte Recht. Sollte er ihn etwa einfach wieder in das Gefängnis bringen?
    „Man wird dir deine Hilfe anrechnen,“ meinte John und schaute nervös auf seinen Chronometer. „Möglicherweise wird es Hafterleichterungen geben.“
    „Nachdem du mich mit Waffengewalt und einem Toten da rausgeholt hast? Das glaubst da ja wohl selbst nicht.“
    Lange blickten sich Martin und John in die Augen. Was wohl die Lösung für dieses Problem sein würde?
    „Schau nicht hin,“ meinte Martin und lächelte schief.
    John erwiderte das Lächeln und wusste, worauf sein krimineller Bruder hinauswollte. Ja, dies würde das richtige sein. Es würde lästige Fragen geben, die er jedoch klären konnte.
    Ohne zu zögern rannte Martin los und verschwand hinter der nächsten Hausecke. Auch Ardev und Arena blickten ihm überrascht nach, verstanden jedoch, wieso ihr Captain dies getan hatte.
    „Er muss wohl im Handgemenge geflohen sein,“ meinte Ardev und grinste.
    „Die Situation war in der Tat hektisch,“ ergänzte John und überprüfte die Einstellung seines Phasers. Ob er seinen Bruder jemals wieder sehen würde? Jetzt jedoch musste er seine gesamte Aufmerksamkeit auf die vor ihnen liegende Aufgabe legen. Es galt die Krise nun zu beenden!
    Ein letztes Mal blickte sich das kleine Außenteam der Monitor an, bevor sie sich ans Werk machten. In Windeseile näherten sie sich dem Eingang zu dem Hochhaus, dabei peinlich genau darauf bedacht nicht in das Blickfeld der Terroristen zu gelangen. Dies gestaltete sich als sehr schwierig, denn sie hatten ihre Wohnung strategisch günstig dorthin gelegt, von wo aus sie einen Überblick über die gesamte Freifläche hatten. Zu allem Überfluss befand sich das Hochhaus und mit ihr die fragliche Wohnung auch direkt vor einem Schulgelände. Zahllose Grundschüler genossen gerade ihre Pause und ahnten nichts von der Gefahr, in der sie gerade schwebten. Innerlich fluchte John. Würde es hier zu einem Schusswechsel kommen, dann könnten Kinder zu den ungewollten Opfern gehören. Es galt dies um jeden Preis zu verhindern.
    Endlich erreichten die fünf Sternenflottler den Eingang. Die Gedanken an die heutigen Ereignisse und Martin Lewinski waren nun verflogen, es galt sich auf die vor ihnen liegende Aufgabe zu konzentrieren. John hoffte inständig, dass die Terroristen noch nicht geflüchtet waren. Der Captain nickte dem ihm gegenüber stehenden Lieutenant Sanchez zu und der Chefingenieur trat die Eingangstür zum Hochhaus auf, sicherte in den Flur hinein. Er war leer. Der junge Spanier hatte sich freiwillig dazu gemeldet an diesem Einsatz teilzunehmen und Lewinski hatten diesen Schritt begrüßt. Die Expertise eines Ingenieurs würde sicherlich beim Umgang mit der Waffe gebraucht werden.
    „Frei!“ meldete Sanchez und seine Kameraden betraten den Hausflur. Sicherlich würde keiner der Terroristen den Fahrstuhl nehmen, also konnten sie diesen vernachlässigen und sich stattdessen voll und ganz um den Treppenaufgang kümmern. Vorsichtig, immer einen Schritt nach dem anderen machend und sich dabei gegenseitig sichernd, bewegte sich das Außenteam in den zweiten Stock. Glücklicherweise liefen keine Zivilisten auf dem Flur herum, die in die Schusslinie hätten geraten können. Endlich erreichten sie den zweiten Stock und Arena Tellom bedeutete ihnen nach einem weiteren prüfenden Blick auf den Tricorder, dass sie tatsächlich ihr Ziel erreicht hatten. Vier Lebenszeichen befanden sich in der Wohnung und schienen dort wild hin und her zu laufen. Scheinbar suchten sie die letzten Gegenstände zusammen, die sie bei ihrer Flucht mitnehmen mussten. Lieutenant Sanchez postierte sich auf einer Seite des Eingangs, Lieutenant Ardev auf der anderen, während Arena Tellom ihren Tricorder abermals zückte, um das Schloss zur Wohnung zu knacken. Ihr Mann schob sie jedoch zur Seite:
    „Dies ist nur eine Holztür. Wir sollten sie aufbrechen!“
    „Nutzen wir das Überraschungsmoment,“ ergänzte Captain Lewinski und bedeutete mit einem einfachen Fingerzeig seinen beiden Offizieren zu beginnen. Wie schon eben zuvor trat Miguel Sanchez gegen die altmodische Holztür und mit einem lauten Krachen öffnete sie sich.
    Keine Sekunde später standen der Chefingenieur und der Andorianer in der kleinen Wohnung und hatten ihre Phaser auf eine Frau gerichtet:
    „Nicht bewegen!“ rief Sanchez und sah sich im Raum um. Nur schwerlich konnten Lewinski und Tellom erkennen, was sich in der Wohnung abspielte, denn die beiden Lieutenants versperrten ihnen die Sicht.
    „Wo ist der Rest?“ fragte Sanchez mehr zu Ardev denn zu der vor ihnen stehenden Frau und auch der Einsatzoffizier zeigte sich ratlos. Abgesehen von der Frau befand sich niemand anderes in dem Raum, außer einem kleinen, rot leuchtenden Gerät, welches auf einem Stuhl lag. Die Frau, die menschlich war und sich in ihren Zwanzigern befand, lächelte zufrieden und Sanchez wurde klar, dass hier etwas nicht stimmte. Das Gerät begann immer heller zu glühen und…
    „Raus hier!“ schrie Lieutenant Sanchez und schob den Andorianer zur Seite.
    Eine ohrenbetäubende Explosion erschütterte das Hochhaus und die Kinder auf dem Schulhof blickten entsetzt zu dem gewaltigen Gebäude, aus dessen Wohnung eine gewaltige Feuersäule sich den Weg ins Freie bahnte. Die Druckwelle der Bombe schleuderte sowohl Captain Lewinski als auch Lieutenant Tellom gegen die gegenüberliegende Wand. Alarmsirenen heulten los und die altmodischen Löscheinheiten versuchten Herr über das Feuer zu werden. Überall lag Schutt herum, Lewinski hustete wegen des gewaltigen Rauches und der verbrannten Luft. Eine unglaubliche Hitze lag in der Luft, die auf ein Feuer innerhalb der Wohnung hindeutete. Benebelt krabbelte der Captain auf dem Boden des Hausflures herum und tastete nach dem Puls de Terellianierin. Gott sei dank, sie lebte noch. Sie murmelte etwas, jedoch konnte John ihre Worte nicht verstehen. Es klingelte in seinen Ohren, eine Folge der nahen Detonation.
    Oh Gott, was ist mit Ardev und Sanchez?
    Verzweifelt versuchte Captain Lewinski etwas in der brennenden Wohnung zu erkennen, doch der Rauch war zu dicht. Waren seine beiden Offiziere immer noch da drinnen?
    Plötzlich huschten mehrere Gestalten, die eine Nebenwohnung verlassen hatten, durch den Hausflur. John musste nicht lange überlegen, um zu begreifen, dass es sich bei diesen Personen um ihre gesuchten Kriminellen handelte. Man hatte sie auf einfachste Art und Weise ausgetrickst. In der Wohnung hatten sie einen Sender hinterlassen, der die Lebenszeichen der drei Personen imitiert hatte sowie eine Freiwillige, die bereit gewesen war für ihre Sache zu sterben. Ohne lange zu zögern ergriff John seinen Phaser, den er wieder gefunden hatte und schoss auf eine der flüchtenden Personen, welche betäubt zu Boden ging. Leider handelte es sich dabei nicht um die Person, welche den Virus mit sich trug. Unter Aufbietung all seiner Kräfte sprang John auf und rannte den beiden Personen nach, während Arena Tellom auf ihren Kommunikator schlug:
    „Medizinischer Notfall!“ schrie sie panisch. „Wir brauchen sofort einen Arzt und die Feuerwehr!“
    Zwar sah sie, wie ihr Kommandant den Terroristen hinterher jagte, dennoch lag ihre erste Priorität auf ihrem Mann. Fassungslos erspähte sie ihn am Rande der Wohnung und zog ihn aus dem brennenden Eingang. Zwar hatte er einen schwachen Puls, jedoch schwere Verbrennungen zugezogen. Von Lieutenant Sanchez fehlte noch immer jede Spur.
    Natürlich machte sich auch Captain Lewinski Sorgen um seine Offiziere. Jedoch musste er eine Entscheidung treffen und die betraf die Verfolgung der Waffe. Sie standen so kurz vor der Lösung des Falls, eine Niederlage konnten sie sich jetzt nicht leisten!
    Lewinski steckte seinen Kopf ins Treppenhaus und zog ihn sofort zurück, als ein Phaserstrahl an ihm vorbeifauchte. Als Antwort feuerte Lewinski einige ungezielte Schüsse in Richtung der Angreifer zurück und rannte dann hinterher. Am Schlagen der Außentür konnte er deutlich vernehmen, dass die beiden Terroristen das Hochhaus verlassen hatten. Atemlos rannte der Kommandant der Monitor den beiden Männern hinterher und musste Zeuge werden, wie ein weiterer Albtraum wahr wurde:
    um seinem Partner die Möglichkeit der Flucht zu geben, beschloss einer der beiden Männer eines der Kinder, welches sich auf dem Schulhof befand, als Geisel zu nehmen. Dem verängstigten Schulkind drückte er eine Waffe an die Schläfe und rief John zu:
    „Bleiben sie stehen! Stehen bleiben oder dem Kind passiert etwas!“
    Johns Geist raste, als er mit hoch erhobenem Phaser auf den Geiselnehmer zutrat. Die Rechnung des Kidnappers ging auf, denn so verschaffte er seinem Partner Zeit.
    „Lassen sie das Kind gehen!“ rief John dem Mann entgegen, währen die anderen Schulkinder schreiend wegrannten. Instinktiv fragte sich Lewinski, wo denn die Verstärkung blieb.
    „Keinen Schritt weiter!“ entgegnete der Geiselnehmer und umklammerte das weinende Kind noch etwas fester.
    Doch der Kanadier konnte sich nicht leisten noch mehr Zeit zu verlieren. Ohne weiter darüber nachzudenken schoss er auf den Geiselnehmer und traf diesen an der Schulter. Der Terrorist sank betäubt zusammen und gab so das Kind frei, welches schreiend in die Schule hineinrannte. Erst jetzt wurde Captain Lewinski klar, was er eben getan und riskiert hatte.
    Schweißperlen rannten über sein Gesicht, Adrenalin raste durch seinen Körper, als er wieder die Verfolgung aufnahm. Und tatsächlich, in der Ferne erblickte er die rennende Gestalt, die einen zylindrischen Gegenstand in der Hand hielt. Zweifelsohne die Waffe!
    „Lewinski an Janssen,“ rief der Kommandant per Kommunikator, „die Zielperson bewegt sich über die Hauptstraße Richtung Westen!“
    „Wir fangen ihn ab, Captain!“
    John konnte sich auf den Polizisten verlassen, dies wusste er, dennoch nahm er die Verfolgung zu Fuß auf. Er rannte so schnell er konnte, bis er ans Ende seiner Kräfte gelangt war und schließlich erreichte er den Flüchtigen. Dieser war in der Tat in eine Gruppe der Polizei gerannt, welche ihn mit Gewehren im Anschlag zum Stehen gebracht hatte. Atemlos stoppte John und seine Gedanken drehten sich nur um den Zylinder, den die Person in der Hand hielt. Auch er war ein junger Mann, kaum älter als 25, der wohl unter normalen Umständen ein Student oder ähnliches gewesen wäre. Doch irgendetwas hatte diesen Mann bewogen in die Föderale Befreiungsarmee einzutreten. Wieso, dies würden sie wohl niemals erfahren.
    „Geben Sie auf. Es ist vorbei,“ forderte Captain Lewinski den Mann auf, der jedoch nur schief grinste.
    „Nein, für sie ist es vorbei,“ entgegnete der junge Mann und hielt demonstrativ den Zylinder in die Höhe. „Sie werden uns niemals aufhalten können.“
    „Ich weiß nicht, ob sie die Situation hier richtig begreifen. Sie sind komplett von uns umstellt, ihre Komplizen außer Gefecht gesetzt und ihr Plan die Biowaffe freizusetzen ist gescheitert. Übergeben sie sich den Behörden und eventuell können sie mit einer milderen Strafe rechnen.“
    Demonstrativ streckte John dem Mann seine Hand entgegen und erst jetzt bemerkte er eine Platzwunde an seiner eigenen Stirn, die wohl von der Explosion herrührte. Hoffentlich ging es den anderen gut, dieser Gedanke raste ihm in diesem Moment durch den Kopf.
    Scheinbar jedoch hielt der junge Mann nichts von seinen Worten. Bevor einer der Polizisten auch nur reagieren konnte, ließ der Terrorist den Zylinder fallen. Wie in Zeitlupe raste das gläserne Objekt dem Boden zu und John stockte der Atem. Für den Bruchteil einer Sekunde fragte er sich, ob er nicht zum Zylinder springen und diesen auffangen konnte, doch er war zu weit entfernt. Die anderen Polizisten waren zu verdutzt, um zu reagieren. Vermutlich ahnten sie noch nicht einmal, dass gerade die letzten Sekunden ihres normalen Lebens stattfanden.
    „Monitor!“ schrie er in seinen Kommunikator hinein, „hochbeamen!“
    Das letzte, was er sah, bevor er wieder im Transporterraum materialisierte, war das Bersten des Zylinders und Entweichen eines Gases.
    „Errichten sie auf der Stelle ein Kraftfeld um mich!“ befahl Captain Lewinski dem Transporterchef Alex Bolder, der umgehend der Aufforderung nachkam. Instinktiv betete John, dass er sich nicht infiziert hatte.
    Der junge Offizier hatte schon richtig geschaltet und den Captain einem intensiven medizinischen Scan unterzogen.
    „Keine Angst, Sir, sie haben sich nicht infiziert!“
    „Sind sie sich sicher?“ fragte er atemlos
    „Absolut. Wir konnten keine Anzeichen des Virus entdecken.“
    Zeitgleich mit diesen Worten senkte Bolder das Kraftfeld und entließ den Captain von der Transporterplattform.
    „Ich fürchte,“ raunte er, „dass die Polizisten da unten weitaus weniger Glück gehabt haben.“
    Dies war noch milde ausgedrückt. Captain Lewinski fühlte sich gescheitert. Das Virus war freigesetzt worden. Begann nun das Ende der Erde?

    Fortsetzung folgt…

    ESKALATION

    based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY
    produced for TREKNews NETWORK
    created by NADIR ATTAR
    executive producers NADIR ATTAR & CHRISTIAN GAUS
    co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER
    producer SEBASTIAN HUNDT
    lektor OLIVER DÖRING
    staff writers THOMAS RAKEBRAND & JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER
    written by NADIR ATTAR & CHRISTIAN GAUS
    TM & Copyright © 2005 by TREKNews Network. All Rights Reserved.
    "STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES
    This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!



    Quelle: treknews.de
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