Jump to content
  • Monitor - 7x06: Verderben

    10:00 - 12:00 Uhr
    • Bewertung

    • Aufrufe

      288
    • Kommentare

      0
    • Werewolf
    Das Undenkbare ist geschehen, die Biowaffe ist auf der Erde eingesetzt worden. Für die Crew der Monitor beginnt nun ein verzweifelter Wettlauf mit der Zeit, um den menschlichen Heimatplaneten zu retten...
    Diese Episode als PDF-Datei downloaden:

    Monitor 7x06 "Verderben"
    Dateityp: zip
    Größe: 0.42 MB


    Das letzte Mal in 7x05 „Eskalation“:

    „Lewinski an Janssen,“ rief der Kommandant per Kommunikator, „die Zielperson bewegt sich über die Hauptstraße Richtung Westen!“
    „Wir fangen ihn ab, Captain!“
    John konnte auf den Polizisten verlassen, dies wusste er, dennoch nahm er die Verfolgung zu Fuß auf. Er rannte so schnell er konnte, bis er ans Ende seiner Kräfte gelangt war und schließlich erreichte er den Flüchtigen. Dieser war in der Tat in eine Gruppe der Polizei gerannt, welche ihn mit Gewehren im Anschlag zum Stehen gebracht hatte. Atemlos stoppte John und seine Gedanken drehten sich nur um den Zylinder, den die Person in der Hand hielt. Auch er war ein junger Mann, kaum älter als 25, der wohl unter normalen Umständen ein Student oder ähnliches gewesen wäre. Doch irgendetwas hatte diesen Mann bewogen in die Föderale Befreiungsarmee einzutreten. Wieso, dies würden sie wohl niemals erfahren.
    „Geben sie auf. Es ist vorbei,“ forderte Captain Lewinski den Mann auf, der jedoch nur schief grinste.
    „Nein, für sie ist es vorbei,“ entgegnete der junge Mann und hielt demonstrativ den Zylinder in die Höhe. „Sie werden uns niemals aufhalten können.“
    „Ich weiß nicht, ob sie die Situation hier richtig begreifen. Sie sind komplett von uns umstellt, ihre Komplizen außer Gefecht gesetzt und ihr Plan die Biowaffe freizusetzen ist gescheitert. Übergeben sie sich den Behörden und eventuell können sie mit einer milderen Strafe rechnen.“
    Demonstrativ streckte John dem Mann seine Hand entgegen und erst jetzt bemerkte er eine Platzwunde an seiner eigenen Stirn, die wohl von der Explosion herrührte. Hoffentlich ging es den anderen gut, dieser Gedanke raste ihm in diesem Moment durch den Kopf.
    Scheinbar jedoch hielt der junge Mann nichts von seinen Worten. Bevor einer der Polizisten auch nur reagieren konnte, ließ der Terrorist den Zylinder fallen. Wie in Zeitlupe raste das gläserne Objekt dem Boden zu und John stockte der Atem. Für den Bruchteil einer Sekunde fragte er sich, ob er nicht zum Zylinder springen und diesen auffangen konnte, doch er war zu weit entfernt. Die anderen Polizisten waren zu verdutzt, um zu reagieren. Vermutlich ahnten sie noch nicht einmal, dass gerade die letzten Sekunden ihres normalen Lebens stattfanden.
    „Monitor!“ schrie er in seinen Kommunikator hinein, „hochbeamen!“
    Das letzte, was er sah, bevor er wieder im Transporterraum materialisierte, war das Bersten des Zylinders und Entweichen eines Gases.
    „Errichten sie auf der Stelle ein Kraftfeld um mich!“ befahl Captain Lewinski dem Transporterchef Alex Bolder, der umgehend der Aufforderung nachkam. Instinktiv betete John, dass er sich nicht infiziert hatte.
    Der junge Offizier hatte schon richtig geschaltet und den Captain einem intensiven medizinischen Scan unterzogen.
    „Keine Angst, Sir, sie haben sich nicht infiziert!“
    „Sind sie sich sicher?“ fragte er atemlos
    „Absolut. Wir konnten keine Anzeichen des Virus entdecken.“
    Zeitgleich mit diesen Worten senkte Bolder das Kraftfeld und entließ den Captain von der Transporterplattform.
    „Ich fürchte,“ raunte er, „dass die Polizisten da unten weitaus weniger Glück gehabt haben.“
    Dies war noch milde ausgedrückt. Captain Lewinski fühlte sich gescheitert. Das Virus war freigesetzt worden. Begann nun das Ende der Erde?


    Und nun die Fortsetzung…

    Geschwinden Schrittes betrat Captain Lewinski die Brücke der Monitor und ließ umgehend eine Kommunikationsverbindung zum Präsidenten herstellen. Es galt ihn über die neuesten Entwicklungen in Kenntnis zu setzen. Um ihn herum wurde er von seinen Offizieren angeblickt. Entsetzen war in den Gesichtern abzulesen, stellenweise sogar Panik. Ehrlich gesagt konnte John niemandem diese Ängste verübeln.
    Das Gesicht des Präsidenten der Föderation erschien auf dem großen Wandschirm. Auch er blickte sorgenvoll drein, konnte sich sehr wohl den Grund für den Anruf Lewinskis ausmalen.
    „Mr. President,“ begann der Captain auch sogleich und verzichtete angesichts der dringlichen Lage auf jegliche einleitende Höflichkeitsfloskeln. „Ich muss sie leider informieren, dass das Virus freigesetzt worden ist!“
    „Was?“
    Mit sorgenvoller Miene blickte der Staatschef kurz zu Jellico und Kranick, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder Captain Lewinski zuwandte.
    „Wir haben unser bestmögliches versucht, aber die Täter hatten von Anfang an nicht vor diese Mission zu überleben,“ erklärte der Kommandant der Monitor und dachte für einen kurzen Moment wieder an seine verletzten Crewmitglieder. „Als ihm bewusst wurde, dass er in der Falle saß, setzte er die Waffe frei.“
    Unmittelbar nach Aussprechen dieses Satzes wurde John klar, dass sich auch Martin noch in der Stadt befinden musste. Immerhin hatte er sich nicht innerhalb einer solch kurzen Zeit wegbeamen können. Oder war er schon in Sicherheit? Zur Zeit musste das Schicksal seines Bruders ungeklärt bleiben.
    „Wie ist die gegenwärtige Lage?“ fragte der Präsident im Anschluss. Nach dem ersten Schock über die schlechte Nachricht hatte er sich sogleich wieder gefasst und war bereit sich der veränderten Situation zu stellen. Es galt nun einen kühlen Kopf zu bewahren und so schnell wie möglich Herr der Lage zu werden.
    „Unmittelbar, bevor ich mich in Sicherheit bringen konnte, wurde die Waffe ausgelöst und einige Polizisten sowie der Attentäter verseucht. Anhand der Spezifikationen meines Bruders können wir die Verbreitung des Virus verfolgen… sie ist immens.“
    John versuchte diese Information so neutral wie möglich zu übermitteln, was ihm jedoch nur leidlich gelang. Zu dringlich war einfach die Lage.
    „Immens?“
    „Gegenwärtig konnte die Lücke durch neue Polizisten geschlossen werden, so dass der betroffene Stadtteil immer noch abgeriegelt wird. Jedoch haben wir es hier mit einer Epidemie zu tun. Jeder, der von einem Infizierten auch nur berührt wird, erkrankt augenblicklich und wird selbst zum Träger des Virus.“
    „Großer Gott…,“ war die gestammelte Antwort des Präsidenten.
    Natürlich hatte er sich im Vorfeld mit den genauen Auswirkungen des Virus auseinandergesetzt, ihn jedoch in Aktion zu erleben stellte eine gänzlich andere Situation dar. Jedoch war er nicht mit seinen Empfindungen allein: auch Edward Jellico, sonst ein äußerlich kühl taktierender Politiker, wirkte versteinert. „Wie sollen wir ihrer Meinung nach vorgehen?“
    Auf diese Frage hatte John nur gewartet.
    „Sir, wir müssen schnell handeln. Nun zählt jede Minute. Noch können wir eine Verbreitung des Virus über die Grenzen von Emden hinaus verhindern, aber dazu müssen sie jetzt ihre Vollmachten einsetzen und eine unliebsame Entscheidung treffen.“
    „Sie meinen die Entscheidung darüber, was wir jetzt mit der Stadt machen werden.“
    Das Schweigen Lewinskis war Antwort genug. Sowohl seine Gesprächspartner als auch seine eigene Brückenbesatzung musterte ihn entsetzt. Natürlich war diese Entscheidung unausweichlich, sie aber treffen zu müssen stellte immer noch etwas Grausiges dar.
    „Wenn wir beim gegenwärtigen Stand der Verbreitung mit der Eindämmung beginnen,“ erklärte John, „dann könnten wir das Schlimmste noch verhindern. Dazu müssen sie jedoch die Maßnahmen anordnen.“
    „Mit diesen von ihnen als so kühl angesprochenen Maßnahmen meinen sie die Tötung jedes einzelnen Infizierten.“
    Die Blicke des Präsidenten und von Captain Lewinski trafen sich. In beiden waren sowohl Sorge als auch Scham und Unruhe zu erkennen. Keinem der Anwesenden gefielen die Handlungsalternativen.
    „Es gibt leider keine andere Möglichkeit, Mr. President,“ entgegnete Captain Lewinski mit trauriger Stimme. „Sie wissen, dass es kein Heilmittel gegen dieses Virus gibt und es steht uns eine planetenweite Epidemie bevor, wenn wir nicht handeln.“
    Nachdenklich faltete der Staatsmann seine Hände und stützte auf ihnen sein Kinn ab. Die schwerste Entscheidung seines politischen Karriere stand nun bevor.
    „Von wie vielen Infizierten sprechen wir gerade?“
    „Derzeit sind es knapp 100, die Zahl steigt jedoch im Minutentakt an.“
    Wie aus dem Nichts schaltete sich auf einmal Edward Jellico in die Diskussion ein. Bisher war er dem Gesprächsverlauf schweigend gefolgt und hatte nachgedacht. Nun hielt er es für angebracht seine eigene Idee zu äußern:
    „Mr. President, es gibt noch eine schnellere und wirksamere Methode, um das Virus sicher einzudämmen.“
    „Wie meinen sie dies?“
    „Wenn, wie von Captain Lewinski vorgeschlagen, Eingreifteams in die Stadt gebracht werden, besteht die Gefahr, dass auch diese infiziert oder gar getötet werden.“
    „Diese Leute sind exzellent ausgebildet…“ wollte John erklären, wurde jedoch in seinen Ausführungen von dem Justizminister unterbrochen.
    „Es besteht die Gefahr. Eine Gefahr, der wir uns entziehen sollten. Aus diesem Grund sollten wir die Stadt mit einem Quantentorpedo beschießen.“
    Sowohl der Präsident als auch Captain Lewinski blickten den Minister verdutzt an. Es war an dem Kommmandanten die Frage zu stellen, die beiden Männern auf der Zunge lag:
    „Dies kann nicht ihr ernst sein.“
    „Doch, dies ist es,“ bestätigte Jellico noch einmal und dabei wirkte seine Stimme seltsam
    kalt. „In meinen Augen ist dies sogar die einzelne Handlungsalternative, die uns ein sofortiges Eindämmen des Virus und die Lösung des Problems ermöglichen.“
    „Was sie hier als Lösung des Problems bezeichnen,“ entgegnete Captain Lewinski mit einer an Eiseskälte kaum zu überbietenden Stimme, „ist die gezielte Tötung von fast 60.000 Menschenleben.“
    „Die zum Wohle des Planeten geopfert werden müssen.“
    „Woher kommt nur dieser wahnwitzige Plan? Sie können doch wohl nicht ernsthaft diese Zigtausend Personen als Kollateralschäden oder ähnliches abtun,“ fand Lewinski und schon im nächsten Moment erkannte er das Muster, welches sich bei diesem Vorschlag abzeichnete. Schon einmal hatte Jellico eine Radikallösung angewandt und mit einem gezielten Torpedo ein Problem aus der Welt geschafft. Damals, als er vor drei Jahren das Leben von Nathan Sloan auslöschte:
    Über dem Mars, der Jahrhunderte lang den Menschen nur als „der rote Planet“ bekannt gewesen war, erschien die Xhosa und begann mit einer intensiven Sensorensuche. Natürlich war die Oberfläche des Planeten schon lange nicht mehr von dem rötlichen Sand geprägt. Jahrhunderte der Terraformarbeit hatte aus dem Mars einen erdähnlichen Planeten gemacht, auf dem man exzellent leben konnte. Doch diese Feinheiten interessierten derzeit die dezimierte Besatzung des Frachters nicht. Sie wollten nur einen Mann finden.
    „Ich habe Nathan Sloan gefunden,“ gab Jellico glücklich zu. „Wie ich mir gedacht habe befindet er sich in einem Geschäft in der Innenstadt von Mars-City.“
    „Einem Geschäft? Was tut er dort?“ fragte Captain Lewinski irritiert. Die Anspannung war ihm nun deutlich anzusehen, immerhin bot sich hier ihm nun die Möglichkeit Sektion 31 einen entscheidenden Schlag zu verpassen.
    „Suspekt, nicht wahr? Zu seiner Tarnung betreibt Sloan ein Antiquitäten-Geschäft. Ich denke, er mag ab und zu mal das einfache, handwerkliche Leben. Es entspannt ihn.“
    Yates, die immer noch auf der Suche nach Vergeltung war, klatschte in die Hände.
    „Also schön, beamen wir uns hinunter und schnappen wir uns den Mistkerl.“
    „Oh, so einfach wird dies wohl nicht werden. Ich orte Sicherheitssysteme in seinem Geschäft. Transportblockierer, Kraftfelder, allerlei Zeugs, welches es uns unmöglich macht, da hinunter zu beamen.“
    „Sie wollen uns doch nicht sagen, dass wir umsonst geflogen sind?“ fragte Lewinski wütend. Ein neuerlicher Trick von Jellico wäre in diese Situation äußerst kontraproduktiv.
    „Nicht wenn ich mir das Inventarverzeichnis dieses Schiffes ansehe,“ erwiderte der ehemalige Admiral mit einem Seitenblick zu Yates.
    „Wie meinen sie dies?“
    „Wie ich dies hier lese haben sie aufgrund des Krieges noch zwei Photonentorpedos an Bord?“
    „Dies ist korrekt,“ antwortete die Frachterkommandantin.
    Ohne ein weiteres Wort betätigte Jellico den Auslöser und das Schiff erbebte unter dem Torpedostart.

    Er genoss wirklich die Ruhe, wenn er hier war. Nathan Sloan atmete einmal tief durch und genoss das Ambiente, welches dieser Laden ausstrahlte. Er fühlte einen inneren Frieden, der ihm manchmal bei der Arbeit fehlte. Es war immer gut, wenn man Orte hatte, an die man sich zurückziehen konnte. Gerade beriet er ein Ehepaar, dass auf der Suche nach einem alten Grammophon war. Ab und zu mal etwas ganz anderes machen, dies lockerte den Geist. Gerade wollte er über die Zahlungsmodalitäten verhandeln, da piepte sein Computerterminal. Nathan entschuldigte sich und rief die entsprechenden Daten auf. Es näherte sich ihm ein Objekt mit großer Geschwindigkeit... ein Gefechtskopf!
    Sekunden nach der Realisierung dieser Nachricht explodierte das Geschäft.

    „Was zum Teufel haben sie da getan?“ schrie Lewinski und stürmte vorwärts, packte Jellico am Kragen und drückte ihn gegen die Wand.
    „Ich habe nur ein Problem beseitigt. Es war doch ihr Wunsch, dass Sloan neutralisiert wird,“ erklärte Jellico fröhlich und schien nicht den Zorn von John Lewinski nachvollziehen zu können.
    „Ich wollte ihn schnappen und vor ein Föderationsgericht stellen, nicht ihn einfach umbringen. Wer gab ihnen überhaupt das moralische Recht diese Entscheidung zu treffen?“
    Jellico riss sich los und ordnete erst wieder sein Hemd neu, bevor er antwortete:
    „Moralisch, dies ist genau das worum es hier geht, John. Dieser Nathan Sloan hat Hunderte von Leben auf dem Gewissen. Er hat Tausende Existenzen zerstört. Es ist nur Gerechtigkeit, wenn ihm dasselbe wiederfährt.“
    „Es sind Unschuldige bei der Detonation gestorben!“
    „Kollateralschäden,“ winkte Edward Jellico verächtlich ab. „Wir führen einen Krieg gegen den Terror, John, und im Krieg gibt es Verluste. Ihre Familien können sich mit dem Gedanken trösten, dass sie für eine gute Sache gestorben sind.“
    „Sie Schwein!“ brüllte John wieder, „sie verdammtes Schwein! Ich mache sie persönliche für den Mord an diesen Menschen verantwortlich.“
    „Dies mag ja sein,“ erwiderte Jellico mit einem süffisanten Lächeln, „aber nichtsdestotrotz brauchen sie mich. Ich bin der einzige, der Sektion 31 ans Messer liefern kann. Und ich kann sagen, ich freue mich schon auf unsere weitere Zusammenarbeit.“

    Es war ein Muster, welches sich in seinem Verhalten abzeichnete. Wenn es der Lösung eines Problems dienlich war, dann war es dem Justizminister gerade recht. Ob sich der ehemalige Admiral selbst noch an dieses Ereignis erinnerte oder hatte er es schon längst verdrängt?
    „Sie müssen eine Entscheidung treffen,“ fand Lewinski und wollte damit die Diskussion beenden. Letztendlich musste der Präsident die Entscheidung fällen.
    Dieser dachte lange nach. Beide Alternativen gefielen ihm nicht, denn egal wie er sich entschied, es würden viele Menschen sterben. Männer, Frauen und Kinder.
    „Auch wenn wir damit das Risiko einer Epidemie eingehen,“ erklärte der Präsident schließlich, „ich bin nicht bereit Zehntausende Menschen zu opfern, ohne den Versuch einer Rettung unternommen zu haben. Ich werde zusätzliche Polizei- und Sternenflottenkräfte nach Emden beordern. Sollten diese scheitern, können wir immer noch die Idee von Minister Jellico aufnehmen.“
    Ein Stein ungeheuren Ausmaßes fiel dem Captain vom Herzen.
    „Erbitte die Erlaubnis mit der Besatzung der Monitor unterstützen zu können“
    „Gewährt! Und viel Glück!“
    Damit wurde die Verbindung beendet. Mehr gab es nicht zu sagen. Es galt keine Zeit mehr zu verlieren, um der Krise Herr zu werden.

    Aufgeregtes Treiben herrschte um sie herum. Oder war es nur Arena Tellom, welche unruhig war? So ganz genau konnte die Terellianerin dies nicht sagen, nachdem sie gemeinsam mit ihrem Mann in das medizinische Zentrum der Sternenflotte in San Francisco gebeamt worden war. Sofort nach der Rematerialisierung stürzte sich eine große Schar von Ärzten auf das Ehepaar und war bereit alle erdenkliche Hilfe zu leisten. Eine Schwester wollte sich die Verletzungen Telloms ansehen, doch der Lieutenant schob sie zur Seite.
    „Kümmern sie sich um meinen Mann!“ bat sie energisch. „Er hat bei einer Explosion schwere Verbrennungen erlitten und braucht umgehend Hilfe.“
    „Wir sind über den Sachverhalt informiert, Lieutenant Tellom, und leiten gerade alle erforderlichen Maßnahmen ein. Vertrauen sie uns,“ entgegnete ein Arzt, der der Terellianerin bekannt vorkam. Ihre Ahnung kam nicht von ungefähr, handelte es sich bei dem glatzköpfigen Arzt um das berühmte MHN, welches seit der Rückkehr der Voyager aus dem Delta-Quadranten als Chefarzt der Sternenflotte fungierte. Bei ihm würden sie sicherlich gut aufgehoben sein. Wer besaß eine größere Expertise als er?
    „Wie steht es um ihn?“ fragte Arena und folgte einfach der Menge. Die Liege, auf der Ardev lag, wurde durch die Gänge des Krankenhauses geschoben.
    „Es muss auf der Stelle eine Notoperation durchgeführt werden,“ erklärte das MHN. „Ihr Mann muss Hauttransplantate erhalten, die wir im Moment replizieren.“
    „Wie stehen seine Chancen?“
    „Gut,“ wenn wir auf der Stelle handeln!“
    Dies waren die letzten Worte des Arztes, dann verschwand er mit seinem Patienten und den Pflegern in den OP-Bereich. Arena Tellom blickte ihnen noch lange nach, deutlich stand ihr die Furcht in das Gesicht geschrieben. Natürlich war ihnen beiden bewusst gewesen, dass diese Mission und der heutige Tag gefährlich sein würden, doch man ging immer davon aus, dass einem selbst nichts passieren würde. Es waren immer die anderen, denen etwas zustieß. Am heutigen Tage jedoch musste auch das junge Ehepaar seine Verwundbarkeit einsehen.
    Dann fasste die junge Frau einen Entschluss. Ohne lange zu zögern suchte sie eine Komeinheit auf und stellte eine verschlüsselte Verbindung zur Monitor her. Wie gewünscht erschien Dr. Frasier auf dem Schirm.
    „Mein Gott, ich habe gehört, was geschehen ist,“ sagte Elisabeth, sofort nachdem ihr Gesicht auf dem Schirm erschienen war. „Ist bei dir alles in Ordnung, Arena?“
    „Ja, mir geht es den Umständen entsprechend. Einige Prellungen und Schürfwunden, das ist alles.“
    „Und Lieutenant Sanchez?“
    Nun erschrak die Terellianerin. Während des ganzen Trubels hatte sie gar nicht an den Chefingenieur des Schiffes gedacht, welcher in der Explosion verbrannt war. Ardev sah schon schlecht aus und Miguel war überhaupt nicht mehr zu erblicken gewesen. Ob er überhaupt noch zu identifizieren war? Angesichts dieser Katastrophe passierte Arena Tellom etwas, was sie eigentlich hatte vermeiden wollen: sie weinte.
    „Er ist tot, Elisabeth,“ stammelte Arena und die Trauer, die sie bisher verdrängt hatte, vermischte sich nun mit der Sorge um Ardev. „Miguel ist bei der Explosion ums Leben gekommen. Zwar habe ich seine Leiche gesehen, doch er kann unmöglich überlebt haben…“
    „Ist schon gut, bitte beruhig dich. Was kann ich nun tun?“
    „Ich möchte,“ erklärte die junge Frau und fasste sich wieder, „dass du hierher kommst und bei der Operation an Ardev assistierst.“
    „Das wird nicht nötig sein, Liebes. Die besten Ärzte der Sternenflotte kümmern sich gerade um ihn…“
    „Bitte!“
    Elisabeth blickte tief in die traurigen Augen ihrer Gesprächspartnerin und wusste instinktiv, dass sie ihr diesen Wunsch nicht abschlagen konnte. Immerhin ging es um das Leben eines Freundes.
    „Ich werde in wenigen Minuten in San Francisco eintreffen.“
    „Danke, Elisabeth.“
    Damit wurde die Kommunikationsverbindung beendet und zumindest für einen kurzen Moment fühlte sich Arena besser. Zu wissen, dass sich eine Freundin um ihren Mann kümmern würde, stellte eine große Erleichterung für sie dar.

    Alles, was um ihn herum geschah, nahm Danny Bird gar nicht wahr. Immer noch war er bewusstlos, umgeben von einem Meer aus Schwärze und Dunkelheit. Hier, im zeitlosen Nichts, hatte er Genug Gelegenheit sein Leben Revue passieren zu lassen. Und so stiegen in ihm die Erinnerungen hoch, wie er eigentlich in diesen Schlamassel geraten war:
    Es ein Tag wie jeder andere. Lieutenant Danny Bird, der taktische Offizier der Monitor verrichtete seinen Tagesdienst an Bord des Schiffes. Den Vormittag hatte er damit verbracht die taktischen Daten auf den neuesten Stand zu bringen. Für den Nachmittag und Vorabend stand eine Materialprüfung der Waffenkammer bevor. Derzeit jedoch widmete sich Danny seinem Mittagessen, welches er im Casino einnahm. Die letzten Wochen waren nicht gerade aufregend gewesen. Einige der üblichen Informationsbeschaffungs- und Überwachungsmissionen nahe den Grenzen hatte es gegeben, ansonsten gestaltete sich sein Leben derzeit recht ereignislos. Es herrschte eine Phase der relativen Ruhe, die alle an Bord nutzten, um dringende Routinearbeiten zu erledigen. Unbeliebte und vor allem langweilige Aufgaben, die Bird viel zu lange vor sich her geschoben hatte. Aus gutem Grund, wie sich im bisherigen Verlaufe des Tages gezeigt hatte.
    Aus den Augenwinkeln nahm der Lieutenant wahr, wie sich an einen Ecktisch Dr. Frasier und Commander Price setzten. Wie so oft nahmen sie gemeinsam ihr Mittagessen ein und unterhielten sich über ihren bisherigen Tag. In der Öffentlichkeit verzichteten sie auf zärtliche Gesten oder jedwede andere Berührungen, die falsch interpretiert werden konnten.
    Dennoch blickte der Mensch fast sehnsüchtig zu ihnen hinüber. Eigentlich hatte er gar nicht mehr darüber nachdenken wollen, aber er dachte wieder über die alte Liebe nach, die er für Elisabeth vor fast zwei Jahren empfunden hatte. Vielleicht lag es an seinem nur mäßig spannenden Tagesablauf oder einer tief empfundenen Sehnsucht, aus irgendeinem Grund musste er wieder über die Chefärztin nachdenken.
    Einmal hatte er sie geküsst, nur ein einziges Mal, während einer verdeckten Mission, die dem Schutz des Außenministers der Föderation galt. Dieser Moment, der nur wenige Sekunden gewährt hatte, war für ihn wie das Paradies gewesen. Sein größter Wunsch, Elisabeth nahe sein zu können, war endlich in Erfüllung gegangen und für einen winzigen Moment hatte der junge Mann tatsächlich geglaubt, dass die Ärztin und er tatsächlich eine gemeinsame Zukunft hatten. Zu diesem Zeitpunkt hatte er, trotz seines Respekts für Matt, den Halbbetazoiden in Liebesdingen für einen Draufgänger gehalten. Einen Frauenhelden, der nur an kurzen Affären interessiert war und Elisabeth sicherlich enttäuscht hätte. Immerhin hatte der erste Offizier der Monitor ein Kind mit einer Frau, mit der er schon seit Jahren nicht mehr liiert war.
    Doch Elisabeth Frasier hatte ihn abgewiesen. Nicht aus Bosartigkeit, sondern einfach nur, weil sie keine Gefühle für Danny empfand, die über Freundschaft hinaus gingen. Sie hatte ihn nicht verletzen wollen, dies war ihm bewusst gewesen, dennoch war der Lieutenant für Wochen und Monate geknickt gewesen. Die Liebe war in der Tat ein Teufelskreis: ein wundervolles Gefühl, wenn man sie geben und teilen konnte, aber die Hölle für denjenigen, dem sie Schmerz bereitete. Es war eine in der Tat schwierige Zeit für ihn gewesen, die seine Beziehung zu Matt fast vergiftet hätte. Im Laufe der Monate hatte der Lieutenant es jedoch geschafft sich zu fangen und die Ärztin aufzugeben.
    Ab und an gab es jedoch diese Momente, in denen er über eine eventuell alternative Zukunft nachdachte. Eine Welt, in der er und Elisabeht ein glückliches Paar und glücklich waren.
    Die Existenz von parallelen Universen war bewiesen und manchmal wünschte sich Danny den Blick in eines zu werfen, wo sie beide ein Paar waren. Zumindest war er felsenfest davon überzeugt, dass es irgendwo eine solche Realität geben musste. An diesen Gedanken klammerte er sich.
    Was sagten diese Gedankengänge aber über ihn aus? Hatte Danny Bird es wirklich geschafft die Ärztin los zu lassen oder gab es tief in seinem Inneren noch diese Gefühle für sie? Natürlich hinterließ es bei jedem Menschen Spuren, wenn man jemanden so bedingungslos geliebt hatte wie er…
    Mit einem energischen Schütteln versuchte sich Lieutenant Bird von diesen unnötigen Gedankengängen zu lösen und erhob sich von seinem Platz. Bevor er noch weitere Zeit mit diesen Gedanken verschwendete, machte er sich besser an die Arbeit. Egal wie langweilig sie auch sein mochte, sie würde ihn daran hindern noch einmal über Elisabeth nachzudenken.


    Alle notwendigen Maßnahmen wurden nun eingeleitet. Der Präsident der Föderation hatte um etwas Ruhe gebeten. Zu sehr dachte er noch über die beiden Handlungsalternativen nach, die ihnen noch blieben und keine einzige davon gefiel ihm. Sowohl Commander Kranick als auch Edward Jellico machten sich auf den Weg zu ihren Arbeitsbereichen, um von dort das weitere Vorgehen zu koordinieren.
    Doch die Frau konnte nicht anders, als den Justizminister vor der Tür des präsidialen Büros auf seine Idee anzusprechen.
    „Mr. Jellico, dies konnte doch nicht ihr ernst gewesen sein,“ erklärte die Sternenflottlerin und verschränkte ihre Arme vor der Brust. Sie hatte Hunger und war müde; wie alle anderen auch.
    „Was genau meinen sie?“
    Konnte Edward Jellico tatsächlich nicht wissen, worauf sie gerade ansprach? Waren ihm andere Menschen wirklich so egal?
    „Ich kann nicht so recht glauben, dass sie den Punkt der Diskussion jetzt schon vergessen haben. Noch vor wenigen Minuten haben sie vorgeschlagen mehrere zehntausend Leben auszulöschen.“
    Abwehrend hob der ehemalige Admiral die Hände und schüttelte energisch den Kopf.
    „Bitte hören sie auf solche pathetischen Worte zu benutzen, die nur die Realität verfälschen. Was in dieser Situation zählt, ist einfache Nüchternheit.“
    „Die da wäre?“
    „Das Abwägen von Leben,“ erklärte Jellico fast schon genervt. „60.000 gegen die gesamte Erdbevölkerung. Eine einfache mathematische Gleichung. Lösen sie sie selbst.“
    Jetzt noch einmal diese Meinung zu hören verdutzte Commander Kranick noch mehr als zu Beginn. Scheinbar meinte er dies wirklich ernst.
    „So einfach ist das für sie. Sie zählen Menschenleben und entscheiden danach.“
    „Nach welcher Maßgabe sollte man denn sonst entscheiden?“
    „Wir sind doch keine Maschinen oder Computer,“ erwiderte Kranick mit fast schon erboster Stimme. „Unsere Entscheidungen müssen auf anderen Faktoren beruhen. Immerhin haben wir eine Seele!“
    „Genau dies haben wir und sogar noch viel mehr: wir haben eine Verpflichtung die Bürger der Föderation zu schützen und genau dies tun wir. Die Vulkanier selbst sagen: das Wohl Vieler wiegt schwerer als das Wohl weniger.“
    Eine Diskussion schien wohl nichts zu bringen, dies musste Elena Kranick schweren Herzens einsehen. Sie hatte Jellico schon immer für einen recht pragmatischen Menschen gehalten, doch dass er so kalt war, überraschte selbst sie. Ohne ein weiteres Wort zu sagen ließ sie den Justizminister auf dem Flur stehen und begab sich in ihren Arbeitsbereich. Jellico blickte ihr noch einige Zeit nach und schüttelte dann den Kopf. Für ihn war dies alles völlig einfach. Scheinbar war er derzeit der Einzige, der die Situation klar sah.

    Abermals öffneten sich die Schotts zum Arrestbereich und überrascht erhob sich Matthew Price von der Pritsche. Mit so viel Besuch allein in den ersten Stunden seiner Haft hatte er beileibe nicht gerechnet. Schon gar nicht mit dem Captain als Besucher. Dieser stellte sich vor dem Kraftfeld auf und befahl einem Sicherheitsmann dieses zu deaktivieren. Ohne zu zögern kam der Crewman dem Befehl nach.
    „Ich habe sie hier nicht so schnell erwartet, Captain,“ begrüßte der Commander seinen Vorgesetzten und blieb dabei, völlig unüblich für ihn, sehr förmlich.
    Captain Lewinski sprang jedoch nicht auf diese Schiene auf und fragte stattdessen:
    „Wie geht es dir?“
    „Naja, geht so. Jemand hat mich einsperren lassen und seitdem warte ich auf meinen Prozess, der wohl noch in einiger Ferne sein dürfte,“ war die lakonische Erwiderung des Halbbetazoiden.
    Angesichts dieser lockeren Worte musste John lächeln. Es war die erste freudige Geste seit langer Zeit. Kein Wunder, denn bisher hatte der Tag nicht viel Anlass zur Freude gegeben.
    „Derjenige, der dies getan hat, ist auch sehr enttäuscht von dir,“ erklärte John Lewinski auf freundschaftliche Art und Weise. „Ich hätte erwartet, dass du hinter mir stehst.“
    „Hinter dir stehen?“ So ganz konnte Price nicht glauben, was er da eben gehört hatte. „Du wolltest auf das Schiff meiner Imzadi feuern. Das Schiff, auf welchem meine Tochter ihr Zuhause hat.“
    „Es war ein Bluff. Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich auf ein anderes Schiff der Sternenflotte geschossen hätte.“
    Lange brauchte Matt nicht, um eine Antwort auf diese Frage zu finden. Seine empathischen Fähigkeiten waren dabei eine gute Hilfe.
    „Du weißt so gut wie ich, dass es kein Bluff gewesen ist. Um diese Krise heute zu beenden, bist du bereit viele Dinge zu tun. Mein Gott, schau, was aus dir geworden ist, John. Früher warst du ein regelkonformer und vorbildlicher Offizier. Was hat dieser Beruf nur aus dir gemacht?“
    Traurig blickte Lewinski zu Boden und ließ die Worte sacken. Insgeheim wusste er, dass sein erster Offizier mit dem, was er sagte, recht hatte. Die Jagd auf Sektion 31, der Tod seines Vaters, der talarianische Krieg hatte vieles verändert.
    „Ich habe das getan, was ich für richtig gehalten habe,“ ergänzte Matt Price. „Genau wie du.“
    In diesem Satz steckte so viel Wahrheit, der Kommandant der Monitor konnte dies einfach nicht abstreiten.
    „Das weiß ich und mir ist bewusst, dass ich dich brauche. Gerade angesichts dieser Krise. Ich biete dir die Freilassung an und das Fallenlassen aller eventuellen Anklagepunkte. Jedoch musst du dich mit einigen Teams auf die Erde begeben.“
    „Ich habe schon gehört, was geschehen ist. Lass uns keine Zeit verlieren, John!“
    „Du solltest nicht zu früh dein Einverständnis geben. In Emden ist nun die Hölle los. Es herrscht Chaos und worauf du unten treffen könntest… du würdest auf gänzlich andere Menschen schießen müssen.“
    „Du meinst Infizierte?“ fragte Price nach.
    „Nein, ich meine Frauen. Und Kinder.“
    Nun verstand der erste Offizier, worauf der Captain hinauswollte. Dies war in der Tat eine schwierige Sache. Am liebsten würde es Lewinski selbst machen, doch er musste auf dem Schiff bleiben und die Maßnahmen von hier aus koordinieren. Er wollte nun seinen besten Offizier im Zentrum der Krise haben.
    „Okay,“ bestätigte Price schließlich.
    „Bist du sicher?“
    „Ja. Lass uns keine Zeit verlieren!“
    Endlich war die kurze Zeit des Arrests wieder frei und der Halbbetazoid war wieder bereit, seinen Beitrag zur Beendigung der Krise zu leisten. Als er aus der Zelle heraustrat, streckte ihm der Captain seine Hand entgegen und Matt ergriff sie. Eine Geste, die mehr aussagte, als dies tausend Worte konnte. Vergessen war nichts, vergeben jedoch in jedem Falle.

    Nachdem sie Arenas Bitte entsprochen hatte, verlor Elisabeth Frasier keinerlei Zeit und packte ihre Sachen zusammen. Captain Lewinski hatte ohne zu zögern ihrem Wunsch entsprochen. Derzeit war er ohnehin mit anderen Dingen beschäftigt, bei denen die Ärztin nicht weiterhelfen konnte. Nachdem sich die Regierung für eine Ausrottung und gegen eine Heilung ausgesprochen hatte, wurden ihre Fähigkeiten nicht gebraucht. In eine Tragetasche räumte Elisabeth die wichtigsten Dinge zusammen und eilte dann in Richtung Transporterraum. In den Gängen traf sie auf eine Person, mit der sie momentan nicht gerechnet hatte.
    „Du bist frei?“ fragte sie Commander Price, der sie umarmte und ihr so seine Erleichterung deutlich machte.
    „Ja, angesichts der gegenwärtigen Lage brauchen wir jeden Mann und der Skipper will nicht auf mich verzichten,“ erklärte der Halbbetazoid und auch ihm war ebenfalls deutlich die Hektik anzusehen.
    „Was sollst du machen?“
    „Ich werde gleich mit einem Einsatzteam nach Emden beamen und dort…“
    Weiter konnte Price nicht sprechen. Die Natur seines Auftrags war widerlich, musste dennoch ausgeführt werden. Der biologische Virus verbreitete sich in einer immensen Geschwindigkeit und die Stadt drohte im Chaos zu versinken. Momentan war es am wichtigsten die Infektion einzudämmen. Der Preis dafür war die Tötung zahlloser Betroffener. Matthew versuchte sich mit dem Gedanken zu trösten, dass diese Vorgehensweise immer noch besser war, als die gesamte Stadt auszulöschen, doch es half nicht allzu viel. Egal wie sie sich entschieden hatten, es würden viele Menschen sterben.
    „Bitte pass auf dich auf!“ bat Elisabeth ihren Liebsten und drückte ihn noch einmal fest an sich.
    „Das werde ich, keine Angst. Wohin gehst du nun?“
    „Ich werde bei der Operation an Ardev assistieren. Es war Arenas Wunsch.“
    „Ardev?“
    Deutlich war in den Augen Price´ die Unwissenheit über die kürzlich stattgefundenen Ereignisse abzulesen. Scheinbar hatte die Zeit nicht ausgereicht, um ihn über alles zu informieren.
    „Er ist verletzt worden. Ardev hat schwere Verbrennungen erlitten und wird gegenwärtig einer Notoperation unterzogen,“ erklärte Dr. Frasier mit trauriger Stimme.
    „Furchtbar.“
    Die Zeit drängte. Ohne weitere Verabschiedungsrituale trennten sich die beiden Wege und jeder ging wieder seines Weges. Doch kurz, bevor sie sich endgültig aus den Augen verloren, drehte sich Elisabeth noch einmal um und sagte:
    „Sanchez ist tot.“
    Diese Aussage, furchtbar in ihrer Kürze, ließ Matt zusammenzucken und innehalten. Der Chefingenieur der Monitor war also ums Leben gekommen. Gestern noch hatten sie mit ihm gemeinsam an ihrem Frühstückstisch gesessen und über die aktuellen Sportergebnisse gefachsimpelt. Nun war der junge Mann aus dem Leben geschieden. Leider schien er wohl nicht das einzige Opfer dieses Tages zu bleiben.

    Immer noch war Bird bewusstlos und nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft zu erheben, geschweige denn zu fliehen und so ging er weiterhin im Geiste die Ereignisse durch, die zu all dem geführt hatten:
    „Herein!“
    Captain John Lewinski blickte von dem Datenpadd, welches er gerade las, auf, als sein Sicherheitsoffizier den Bereitschaftsraum betrat. Auch der Captain musste nach hinten gestellte Aktenarbeit erledigen, die für ihn jedoch noch weitaus umfangreicher war. Sie gehörte zu den weniger aufregenden Aufgaben eines Kommandanten, doch auch diese musste erledigt werden.
    „Sie wollten mich sprechen, Sir?“ fragte Bird und stellte sich vor dem Schreibtisch Lewinskis auf.
    „Bitte setzen sie sich doch, Danny!“
    Bird nahm auf dem Stuhl Platz, welcher sich ebenfalls vor dem Schreibtisch befand und faltete seine Hände. Worum es wohl bei dieser Unterredung ging?
    „Wie geht es ihnen derzeit?“ fragte Captain Lewinski und musterte den Lieutenant eindringlich.
    „Es gibt keinen Grund zur Klage,“ entgegnete der junge Mann. „Ehrlich gesagt überrascht mich die Frage. Haben sie einen Anlass zur Sorge?“
    Für einen winzigen Moment stockte der Captain, gerade kurz genug, dass nur Menschen, die ihn kannten, dies gewahr wurde. Irgendwie schien es, als wäre es ihm unangenehm dieses Thema anzuschneiden.
    „Ich habe einen anderen Eindruck gewonnen,“ meinte der Captain ehrlich.
    „Ach ja, Sir? Wie meinen sie das?“
    „In den letzten Tagen wirken sie nicht so agil und… engagiert, wie sie es sonst sind.“
    Angesichts dieser Worte grinste der taktische Offizier und blickte kurz zum Gemälde, welches sich rechts von ihm an der Wand über dem Sofa befand. Es war das Meisterwerk Frau in vier Dimensionen aus dem 22. Jahrhundert. Es hatte Admiral Kashari gehört, dem alten Mentor des Captains. Inzwischen schien es eine Ewigkeit her zu sein, dass dieser ermordet worden war. Wie schnell doch die Zeit verging.
    „Angesichts der Routine, die sich bei uns eingeschlichen hat, ist dies ja auch kein Wunder,“ erklärte Danny offen. „Es ist doch nichts verkehrtes dabei, wenn man in den weniger anspruchsvollen Momenten Kräfte schont.“
    „Weniger anspruchsvoll heißt jedoch nicht, dass es weniger wichtig ist.“
    „Das habe ich ja auch nicht gesagt, Danny.“
    Abermals musterte der Captain seinen Gegenüber und versuchte durch seine Augen in die Seele des jungen Mannes zu blicken. Etwas schien ihn zu bewegen, jedoch konnte er nicht so genau einschätzen, worum es sich handelte.
    „Wie steht es um die Geschichte ihres Verrats?“ fragte der Captain behutsam nach. Wohlwissend, dass er dabei ein sensibles Thema ansprach. „Haben sie das Thema abgehakt oder beschäftigt es sie immer noch?“
    Nun war es an dem taktischen Offizier zu stocken und nach geeigneten Worten zu suchen. Wie beschrieb man etwas, was gar nicht so leicht in Worte zu fassen war?
    „Natürlich denke ich ab und zu darüber nach,“ gab Bird schließlich freimütig zu. Es half sowieso nichts etwas zu verheimlichen, schon gar nicht vor seinem Captain. „Offen gesagt vergeht eigentlich so gut wie gar kein Tag, wo ich nicht mal eine Sekunde über diese Angelegenheit nachdenke. Immerhin lebe ich das Leben eines anderen Mannes, der eine gänzlich andere Persönlichkeit als ich gehabt habe.“
    „Sie sind real, Danny, glauben sie mir das.“
    „Ich bin nur eine Erfindung des Dominions. Sie wissen das, ich weiß das und das Oberkommando weiß dies auch. Die Kunst ist es sich mit diesem Gedanken zu arrangieren.“
    „Und haben sie das?“ fragte Captain Lewinski behutsam nach.
    Es war schon seltsam, wieso interessierte sich der Kommandant plötzlich für dieses Thema. Sicherlich, in den letzten Tagen war Dannys Motivation nicht allzu hoch gewesen, doch war dies ein plausibler Grund für ein tiefenpsychologisches Gespräch?
    „Captain, wir kennen uns nun schon so viele Jahre,“ meinte Danny und setzte alles auf eine Karte. „Was ist der Grund dieses Gesprächs?“
    Angesichts dieser Aussage konnte der Kommandant nicht anders als lächeln. In der Tat, sie alle hier an Bord kannten sich schon eine lange Zeit und es war schwierig, vor den anderen etwas geheim zu halten.
    „Es geht genau darum: dass sie in letzter Zeit nicht ausgelastet zu sein scheinen.“
    „Meiner Meinung nach steckt noch mehr dahinter.“
    Bedächtig faltete John Lewinski seine Hände und legte sie auf seinem Schreibtisch ab, beugte sich vertrauensvoll vor.
    „Also gut, sie haben mich durchschaut! Admiral LaToya rief mich gestern an und fragte mich, ob ich einen Offizier für einen Sondereinsatz entbehren könnte. Eine heikle Sache.“
    Nun wurde der Lieutenant hellhörig. Bot sich hier etwa die Möglichkeit dem gegenwärtigen Tagestrott zu entfliehen?
    „Klingt interessant, Captain!“
    „Bevor sie vorschnell zusagen, sollten sie sich noch anhören, dass es keine leichte Sache werden könnte. Sie sprach von einer verdeckten Aktion, die Wochen, wenn nicht gar Monate dauern könnte.“
    „Monate?“
    „Eine Langzeit-Undercover Operation,“ ergänzte Captain Lewinski und seufzte. Es gefiel ihm ganz und gar nicht, dass Danny scheinbar Feuer und Flamme für diese Idee war.
    „Worum geht es denn genau?“
    „Dies wollte mir der Admiral nicht sagen. Es scheint um eine streng geheime Sache zu gehen.“
    Kurzzeitig ging der Lieutenant die Optionen durch. Was ihm der Captain erzählte, klang nicht nur hochgradig spannend, sondern mochte auch förderlich für seine Karriere sein. Desweiteren klang es wie ein aufregendes Abenteuer.
    „Ich mache es,“ stimmte Bird ohne großes Zögern zu.
    „Danny, sind sie sich auch wirklich sicher? Ich bitte sie, dies nicht zu machen, weil sie auf der Suche nach etwas Abwechslung und Abenteuer sind. Immerhin könnten sie uns für eine lange Zeit nicht mehr wieder sehen und mein Instinkt sagt mir, dass es gefährlich sein könnte.“
    Aus den Worten des Captains konnte man tatsächliche Besorgnis heraushören. Eine Emotion, die Danny durchaus schmeichelte.
    „Alles, was wir hier tun, ist doch gefährlich, Sir.“
    „Ja… ich möchte nur sagen… passen sie auf sich auf,“ erklärte Captain Lewinski, erhob sich und reichte seinem Gegenüber die Hand.
    Dieser ergriff sie und für einen kurzen Moment blickten die beiden Männer sich in die Augen.
    „Ich werde zurückkommen,“ erklärte Danny mit fester Stimme.
    „Das erwarte ich auch von einem meiner Offizier. Sie werden noch heute Abend zur Erde reisen, wo man sie im Oberkommando auf ihre Mission vorbereiten wird. Wegtreten!“
    Danny tat, wie ihm befohlen und verließ den Bereitschaftsraum. Hier kündigte sich eine große Sache an und Bird war froh, dass er an ihr teilhaben durfte.


    In der Waffenkammer der Monitor hatte sich ein Großteil des Sicherheitspersonals versammelt und bereitete sich auf den Einsatz auf der Erde vor. Jeder von ihnen schnappte sich Waffen sowie taktische Ausrüstung. In den Gesichtern der Männer und Frauen war natürlich die Nervosität zu erkennen, aber sie alle versuchten dies nicht allzu deutlich zu zeigen. Was den meisten jedoch nur leidlich gelang.
    Fähnrich Kensington wollte sich gerade an die Einweisung ihrer Untergebenen machen, wurde jedoch vom Eintreffen einer weiteren Person unterbrochen, die durch das sich zischend öffnende Schott herein trat. Als die junge Frau erkannte, wer gerade hereingekommen war, stockte ihr Atem und auch ihre Augen weiteten sich überrascht.
    Amüsiert über ihre Reaktion grinste Commander Price und sagte lakonisch:
    „Ganz recht, Fähnrich, ich werde sie auf dieser Mission begleiten.“
    Auch die anderen Anwesenden musterten ihn überrascht, jedoch auf weitaus weniger feindselige Art und Weise, wie es der taktische Offizier tat.
    „Ich dachte, sie wären im Arrest?“ fragte Fähnrich Kensington überrascht.
    „Dies ist Schnee von gestern. Sie dürfen nicht immer mit so veralteten Informationen operieren,“ entgegnete der erste Offizier auf fast schon lässige Art und Weise, bevor er sich an alle Anwesenden im Raum wandte. „Alle mal herhören: der Captain hat mich wieder in Amt und Würden versetzt. Mein Auftrag ist es unsere Bodenoperationen zu koordinieren. Fähnrich Kensington wird dabei meine Stellvertreterin sein.“
    Samira war entsetzt. Felsenfest war sie davon ausgegangen, bei dieser Operation die taktische Führung inne zu haben, nun jedoch war sie entmachtet worden und dies von einem Mann, der noch vor zwei Stunden auf sie geschossen hatte. Fast schon war es so, als könnte sie noch den Schmerz des Betäubungsstrahls auf ihrem Bauch spüren.
    Die anderen Sicherheitsleute schienen jedoch von diesem Kommandowechsel durchaus angetan zu sein. Sie bevorzugten bei einer solch heiklen Mission einen erfahrenen Vorgesetzten und zogen daher den Commander dem Fähnrich vor. Eine für die so aufstrebende Kensington schallende Ohrfeige.
    „Ich will hier keinem etwas vormachen,“ fuhr Matt Price mit seinen Erklärungen fort. „Die Sache wird ziemlich heikel werden. Das Virus verändert auf chemische Art und Weise die Freund-Feind Kennung im Gehirn. Aus ersten Informationen haben wir ermitteln können, dass die Infizierten in jedem einen Borg sehen und diese panisch attackieren. Gefährlich an dem Virus ist, dass es durch bloßen Hautkontakt übertragen wird. Selbst Kleidung hilft uns nicht. Diejenigen also, die von einem solch panisch agierenden Infizierten nicht sofort getötet werden, sind ebenfalls infiziert. Haltet also Abstand zu ihnen und schaltet sie frühzeitig aus.“
    Price machte eine kurze Pause und beobachtete die Reaktionen der Sicherheitsleute. Niemand von ihnen sah allzu begeistert aus.
    „Dort unten tobt das Chaos. Geschäfte werden geplündert, Häuser in Brand gesteckt. Zahllose andere Teams der Polizei und der Sternenflotte agieren dort unten und versuchen der Situation Herr zu werden. Unsere Tricorder wurden so modifiziert, dass wir die Infizierten aufspüren können.“
    Nun musste der Halbbetazoid auf das heikelste Thema zu sprechen kommen. Eine Sache, die gesagt werden musste, auch wenn sie niemandem gefallen würde.
    „Noch etwas,“ erklärte Price mit trauriger Stimme. „Alle Infizierten verhalten sich gleich panisch. Egal ob es Männer, Frauen oder Kinder sind… es gibt keine Hilfe für sie… wir sollten es daher als Erlösung für sie ansehen.“
    Mehr konnte und wollte Price nicht dazu sagen. Er brauchte es auch nicht, denn alle verstanden es. Niemandem würde diese Sache leicht fallen, doch sie musste getan werden.
    „Wenn es keine Fragen mehr gibt, dann wird Fähnrich Kensington den Abschluss aller vorbereitenden Maßnahmen überwachen und dann treffen wir uns alle im Transporterraum!“
    Der Commander schnappte sich die Ausrüstung, die er benötigte und wollte dann die Waffenkammer verlassen. Gehindert wurde er dabei von Fähnrich Kensington, die ihn am Arm ergriff.
    „Sie wollen etwas von mir, Fähnrich?“ fragte Price mit leiser, dennoch aggressiver Stimme.
    „Wenn sie glauben, ich hätte alles schon vergessen oder verdränge es, weil sie mein vorgesetzter Offizier sind, dann irren sie sich!“ zischte die Frau ebenso aggressiv.
    „Ich bin mir sicher,“ entgegnete Matthew daraufhin gelassen, „dass sie mich dies niemals vergessen lassen werden.“
    Damit verließ er die Waffenkammer. Mehr musste ja auch nicht gesagt werden.

    Die Notoperation an Lieutenant Ardev war indes in vollem Gange und wie es versprochen worden war, kümmerten sich die besten Mediziner der Sternenflotte um den jungen Andorianer. Der Einsatzoffizier der Monitor lag auf dem OP-Tisch im großen Saal und war an eine große Zahl von medizinischen Geräten angeschlossen. Noch stand es nicht allzu gut um ihn. Zwar schwebte er nicht in akuter Lebensgefahr, dennoch hing alles in der Schwebe.
    Das MHN schloss die letzten Geräte an den Patienten an, überprüfte die Narkose und ließ sich dann die frisch replizierten Hauttransplantate heranbringen.
    In diesem Moment öffneten sich die Schotts zum OP und Dr. Frasier trat ein. Wie alle anderen Beteiligten war auch sie in den roten Kittel gewandet, die Bekleidung der Föderationsmediziner im 24. Jahrhundert.
    „Entschuldigung,“ meinte das MHN und die sichtbaren Teile seiner Stirn legten sich in Falten. „Wer sind sie und was machen sie bitteschön hier?“
    „Ich bin Dr. Elisabeth Frasier.“
    „Doktor, ich denke sie erkennen selbst, dass wir hier gerade mitten in einer wichtigen Operation sind und ich habe keine Zeit für Störungen wie jene, die sie gerade verursachen,“ entgegnete das MHN barsch. Auch nach den vielen Jahren auf der Voyager war er nicht gänzlich in der Lage gewesen, seine charakterlichen Macken abzulegen.
    „Ich weiß sehr gut, wie dringlich die Lage ist, immerhin dient Lieutenant Ardev auf meinem Schiff,“ erklärte Elisabeth und hob ihre behandschuhten Hände in die Höhe. Ein deutliches Signal dafür, dass sie beginnen wollte.
    „Dann sollten sie im Interesse ihres Kameraden mich und die Kollegen bitte in Ruhe arbeiten lassen.“
    „Genau dies werde ich auch tun. Mehr noch, ich werde sie unterstützen.“
    „Wie bitte?“
    Ein kurzer Moment der Stille folgte, unterbrochen nur durch die rhythmischen Piepsgeräusche der angeschlossenen medizinischen Geräte.
    „Ich habe Lieutenant Ardev seit Jahren behandelt,“ erläuterte Elisabeth Frasier die Situation. „Daher bin ich nicht nur mit seiner Krankengeschichte, sondern auch mit der andorianischen Physiologie mehr als vertraut.“
    „Dies bin ich auch. Ich muss ihnen ja wohl nicht die Speicherkapazitäten meines Programms erläutern.“
    „Das müssen sie in der Tat nicht,“ erwiderte die Bordärztin der Monitor. „Jedoch bin ich auch der Meinung, dass sich in ihrem Programm auch Mitgefühl und Anstand befinden. Die Ehefrau des Lieutenants hat mich persönlich gebeten bei dieser Operation zu assistieren, um ihr ein zusätzliches Gefühl der Sicherheit zu geben. Bitte schlagen sie ihr diesen Wunsch nicht ab.“
    Frasier lag mit ihrer Vermutung richtig. Das MHN hatte selbst schon Liebe erlebt und wusste daher von den Sorgen, die mit der Liebe einher gingen. Er prüfte, was er sich selbst in einer solchen Situation wünschen würde und nickte schließlich.
    „Also gut, sie dürfen an dieser Operation teilnehmen. Aber vergessen sie nicht, dass ich immer noch die Gesamtleitung trage.“
    Erleichtert nickte Elisabeth und stellte sich an den OP-Tisch. Endlich konnte sie aktiv werden.

    Es war lange her gewesen, seitdem Danny Bird das letzte Mal im Geheimdienstoberkommando, welches umgangssprachlich auch als „Das Erdgeschoss“ sich einen Namen gemacht hatte, gewesen war. Ehrlich gesagt konnte er sich die Zahl seiner Aufenthalte hier an einer Hand abzählen.
    Nach einem längeren Flug zur Erde hatte er sich umgehend hierhin eingefunden, wo er in die nun folgende Mission eingewiesen werden sollte. Seit ungefähr vierzig Minuten saß Danny in einem großen Besprechungsraum und wartete darauf, dass sich ihm einer annahm. Zeit genug, um die vergangenen Ereignisse noch einmal Revue passieren zu lassen. Kurz vor seiner Abreise hatte er noch einmal die Krankenstation aufgesucht. Irgendeine magische Kraft hatte ihn dorthin gezogen und der Lieutenant war nicht in der Lage gewesen, sich dieses unheimlichen Soges zu entziehen. Seltsamerweise hatte er einfach das Bedürfnis gespürt noch einmal Elisabeth vor seiner Abreise zu sehen. Spielten seine Gefühle ihm etwa einen Streich? Bisher dachte er das Kapitel über die Chefärztin abgeschlossen zu haben, aber in letzter Zeit kamen die Emotionen immer wieder hoch. Vielleicht hatte sich Danny auch die ganze Zeit über selbst belogen und war in Bezug auf Elisabeth Frasier gar nicht so sehr mit sich selbst ins Reine gekommen, wie er sich dies gerne einredete. Vielleicht hatte ihn nur die Arbeit und die vergangenen Aufgaben von der Tatsache abgelenkt, dass er möglicherweise immer noch etwas für diese Frau empfand.
    Eigentlich eine seltsame Sache, denn immerhin sollte man doch wissen, ob man für eine andere Person etwas empfand. Doch wenn es um die Ärztin ging, so war sich Danny seiner Gefühle selbst nicht einmal sicher.
    „Kann ich etwas tun?“ fragte Elisabeth ihn fröhlich und räumte einige neu gelieferte Medikamente in einen Wandschrank ein.
    „Nein, es ist nichts besonderes,“ winkte der taktische Offizier ab und beobachtete die Ärztin kurz bei ihrem Treiben. „Ich… ich wollte mich nur von dir verabschieden.“
    „Verabschieden?“ Elisabeth Frasier stand die Überraschung deutlich ins Gesichts geschrieben. „Wohin gehst du denn?“
    „Ich wurde für einen Sonderauftrag abgestellt… er könnte einige Zeit in Anspruch nehmen und daher werde ich nun von Bord gehen.“
    Überrascht musterte Dr. Frasier ihren Gesprächspartner und wusste nicht, was sie sagen sollte. Vermutlich konnte sie ihn nicht einmal fragen, wobei es bei seinem Auftrag ging, denn er war sicherlich geheim. Auf einmal schien ihr die ganze Situation völlig fremd zu sein.
    „Und wie lange wirst du weg sein?“
    „Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Einige Wochen werden es schon sein,“ mutmaßte der Lieutenant und lächelte schief. Wie konnte es sein, dass er sich in ihrer Gegenwart immer noch so hilflos fühlte.
    Und dann geschah das Unerwartete. Die Frau, die genau über seine Gefühle in Bezug auf sie Bescheid wusste, trat auf Danny zu und umarmte ihn. Deutlich spürte er ihre Wärme und die damit verbundene Zuversicht, dass es ihm gut gehen und er gesund zurückkehren würde.
    „Pass auf dich auf,“ meinte sie und klopfte ihm zur Bestätigung auf den Rücken.
    Überrascht von dieser unerwarteten Geste erklärte Danny:
    „Das werde ich, mach dir keine Sorgen!“
    Dies war ihr letztes Gespräch gewesen. Quasi direkt von der Krankenstation war er in sein Shuttle gestiegen und in Richtung Erde geflogen.
    Nun saß er also hier, in diesem leeren Raum und wartete darauf, dass man ihm seine dringlichste Frage beantwortete.
    Was?
    Schließlich öffnete sich zischend die Tür zu dem Besprechungsraum und ein tirrionischer Offizier im Range eines Commanders, der nach menschlichen Maßstäben um die vierzig Jahre alt war, betrat den Raum. Er reichte Danny die Hand und stellte sich vor:
    „Commander Banek. Bitte entschuldigen sie meine Verspätung, Lieutenant!“
    Der taktische Offizier der Monitor erhob sich von seinem Platz, ergriff die ihm dargebotene Hand.
    „Kein Problem, Sir. Ich nehme an, ich brauche mich ihnen wohl nicht vorzustellen.“
    „Mit dieser Vermutung liegen sie richtig, Lieutenant Bird. Bitte setzen sie sich, damit wir sogleich mit der Einweisung beginnen können.“
    Beide Männer setzten sich auf gegenüberliegenden Seiten an den Tisch und Commander Banek holte ein Padd hervor, welches das Abbild eines Mannes zeigte. Es handelte sich um einen dunkelhäutigen Menschen.
    „Wissen sie, wer dies ist?“ fragte der tirrionische Geheimdienstoffizier und wartete gespannt auf eine Antwort.
    „Tut mir leid, da muss ich passen.“
    „Gut, dann versuchen wir es anders,“ meinte der Commander. „Ist ihnen der Begriff Föderale Befreiungsarmee bekannt?“
    „Allerdings,“ erwiderte der Lieutenant ohne zu zögern.
    „Was wissen sie über diese Organisation?“
    „Eine Terrorgruppe, die sich den Sturz der Föderationsregierung zum Ziel gemacht hat. Ihr werden mehrere kleine Attentate auf Randwelten zugeschrieben.“
    Zufrieden nickte Banek und deutete mit seinem Zeigefinger auf das Padd, welches nun zwischen ihnen beiden auf dem Tisch lag.
    „Der Mann, den sie hier auf dem Bild sehen, ist James Talley. Laut unseren Erkenntnissen ist er der Führer der Föderalen Befreiungsarmee. Sein gegenwärtiger Aufenthaltsort ist in der Nähe von New Berlin, auf dem Mond.“
    Noch verstand Danny nicht ganz, worauf sein Vorgesetzter hinaus wollte. Jedoch war er sich sicher, dass sich dies schon bald ändern würde.
    „Wenn sie seinen Standort kennen, dann ist dies doch wunderbar. Wieso verhaften sie Talley dann nicht?“
    Dies war genau die Frage, auf die Commander Banek gehofft hatte. Anerkennend nickte der Tirrione und brachte gar ein Lächeln zustande. Dieser Lieutenant Bird schien vielleicht genau die Art von aufgeweckter Person zu sein, die sie für diese Art von Mission brauchten.
    „Aus zweierlei Gründen: zum einen, weil wir ihm nicht direkt eine Straftat gegen die Föderation nachweisen können… und weil wir Grund zu der Annahme haben, dass er eine große Sache plant. Eine Aktion, welche verheerende Auswirkungen auf uns haben könnte. Leider wissen wir nicht, wann sie starten soll, aber zumindest ist uns die Art der Waffe bekannt.“
    „Die da wäre?“ fragte Bird interessiert nach.
    „Der Biovirus, auf den sie schon einmal mit der Monitor während des talarianisch-romulanischen Krieges gestoßen sind.“
    Schockiert blickte der Sicherheitsoffizier seinem Gegenüber an. Er konnte nicht glauben, was er da eben von ihm gehört hatte. Nein, dies musste in der Tat ein Scherz sein. Doch leider erweckte Banek nicht den Anschein, als würde er scherzen.
    „Wie kommt diese Organisation an eine solche Waffe?“
    „Dies wissen wir leider nicht und ehrlich gesagt ist die Beantwortung dieser Frage nur sekundär. Wichtiger ist, dass sie die Befreiungsarmee infiltrieren, den Zeitpunkt und Ort des Schlages gegen die Föderation ermitteln und uns zukommen lassen, damit wir es verhindern können. Allein durch eine Festnahme Talleys können wir dies nicht erreichen.“
    Danny schwieg, ließ das eben Gehörte auf sich wirken. Eine unglaubliche Sache, die da hinter den Kulissen ablief. Nur zu gut konnte er sich an die Auswirkungen dieser Biowaffe erinnern. Nun also drohte ein Terrorist sie auf einer Welt der Föderation einzusetzen. Ein grauenvoller Gedanke.
    „Sind sie bereit diese Mission anzutreten?“
    Die Frage Baneks war schon fast überflüssig gewesen. Mit festem Blick schaute Danny seinen Gegenüber an und wusste, dass es auf diese Frage nur eine Antwort geben konnte:
    „Wann geht es los?“


    Mit einem hellen Schimmern, wie es für den Beamvorgang üblich war, materialisierten die Einsatzteams der Monitor in der deutschen Stadt Emden. Unmittelbar nach dem Vollenden des Transfers wurden sich alle des tobenden Chaos bewusst: Polizei hatte den Stadtteil komplett abgeriegelt und schoss auf jeden Infizierten, der versuchte, die Barrikaden zu durchbrechen. Feuer brannten lichterloh, wurden jedoch von Niemanden gelöscht. Schreiende
    Bürger versuchten sich in Sicherheit zu bringen, während überall Plünderungen stattfanden. Von einem Moment auf den anderen schienen die Menschen jegliches zivilisiertes Verhalten vergessen zu haben. Jeder wollte nur noch überleben.
    Ein kleiner Vorgeschmack darauf, was mit der Erde geschähe, wenn sie es nicht schaffen würden der Lage Herr zu werden. Commander Price atmete noch einmal tief durch und meldete sich dann bei dem zuständigen Polizeichef ab. Es war eine junge Frau, die nach dem Tod von Thomas Janssen das Kommando hatte übernehmen müssen.
    „Drei Teams von der Monitor werden nun in den gesperrten Bereich eindringen,“ erklärte der Halbbetazoid. „Ich selbst werde dabei das Kommando haben.“
    Mittels seiner empathischen Fähigkeiten war es für Matt keine Schwierigkeit die Ängste zu spüren, die die Frau gerade durchlebte. Auf einen solchen Einsatzfall war sie nicht vorbereitet worden und ganz sicher hatte sie so etwas nicht einmal annähernd erwartet. Doch seit dem ersten Schock nach dem Tod ihres Vorgesetzten hatte sie bisher ihre Arbeit gut gemacht.
    „Das habe ich verstanden. Seien sie vorsichtig, Commander: es operieren Dutzende von Einheiten der Sternenflotte und der Polizei in Barenburg. Ich möchte nicht, dass sie aufeinander schießen.“
    „Keine Sorge, das kriegen wir schon hin,“ entgegnete Price und zwinkerte ihr zu. Mit dieser lockeren Geste versuchte er der Frau etwas Mut zu machen, was ihm jedoch nur leidlich gelang. Im Anschluss zückte er seinen Tricorder und begann die erforderlichen Daten aufzurufen. Ihre Sensorgeräte waren direkt mit den leistungsfähigen Scannern der Monitor verbunden, die ihnen ständig die aktuellsten Daten lieferten.
    Mit ruhiger, jedoch bestimmter Stimme befahl er Fähnrich Kensington:
    „Es ist soweit. Nehmen sie ihre Leute und beginnen sie mit der Säuberung des ihnen befohlenen Abschnitts.“
    „Ja, Sir,“ presste der taktische Offizier heraus, gab Handzeichen an ihre Gruppe und marschierte mit ihren fünf Sicherheitsleuten ab.
    Auch Price bereitete sich mit seinem Team auf den Abmarsch vor. Ein letztes Mal kontrollierte er die Energiezellen sowohl des Gewehrs als auch des Phasers, prüfte die Kommunikationsverbindung zum Schiff und ließ dann abrücken. Die Polizeiposten öffneten für sie die Absperrungen, um sie hindurch zu lassen. Fast schon hätte man sagen können, dass sie ihnen die Tore der Hölle öffneten.
    In lockerer Formation marschierte die Gruppe zu ihrem ersten Einsatzort. Jedes einzelne Team hatte vom Oberkommando einen bestimmten Abschnitt zugeteilt bekommen, in dem sie alle Infizierten ausschalten sollte. Diese Taktik kam am ehesten einer versuchten Eindämmung der Seuche gleich. Jedoch vergrößerte sich die Zahl der Infizierten minütlich. Schon jetzt würden sie es mit 30% mehr Betroffenen zu tun haben, als noch vor einer Stunde. In der Tat handelte es sich hier um die größte medizinische Katastrophe der Menschheit.
    Zu gerne würde Matthew diejenigen in die Finger kriegen, die hierfür verantwortlich waren, jedoch musste dieser Wunsch derzeit nach hinten verschoben werden. Nun hieß es sich auf die vor ihnen liegende Aufgabe konzentrieren. Hoffentlich nahm sich auch Fähnrich Kensington dies zu Herzen und verschwendete keinen Gedanken an den derzeit schwelenden Konflikt zwischen ihr und dem ersten Offizier. Die dritte Gruppe wurde von Chief Baker geführt, dem erfahrensten Unteroffizier unter den Sicherheitsleuten der Monitor. Matt hatte keinerlei Zweifel, dass dieser seiner Aufgabe gewachsen sein würde.
    Auf brutale Art und Weise wurde Matt aus seinen Gedanken gerissen, als er zu seiner rechten einen markerschütternden Schrei vernahm und herumwirbelte. Viel zu spät sah er, wie aus einem Gebüsch ein Mann die Gruppe anfallen wollte. Erstmals sahen sie einen Infizierten aus der Nähe und es war bemerkenswert, wie viele Informationen das Gehirn in nur wenigen Millisekunden sammeln konnte. Die Augen des Angreifers waren weit aufgerissen, ein panischer Gesichtsausdruck war deutlich zu erkennen und mit ausgestreckten Armen wollte er sich auf eines der Teammitglieder stürzen.
    „BORG! BORG!!“ schrie der Mann immer wieder.
    Im allerletzten Moment wurde er von Crewman Harris niedergeschossen, nur wenige Zentimeter von seinem Gesicht und damit der sicheren Verdammnis entfernt. Entsetzt blickte sich das Team an. Natürlich hatten sie sich die Worte des Commanders im Transporterraum zu Herzen genommen, doch das Grauen nun leibhaftig vor sich zu sehen, war etwas gänzlich anderes.
    Auch Commander Matthew Price musste schlucken. Hätte er sich nicht so viel ablenken lassen und stattdessen auf seinen Tricorder geblickt, so wäre ihm dieser Angreifer viel früher aufgefallen. Hätte der Mann Harris infiziert oder gar getötet, so wäre es seine Schuld gewesen. Ein Fehler, der sich auf gar keinen Fall wiederholen durfte.
    „Price an Monitor,“ rief der Halbbetazoid sein Schiff, „wir haben den ersten Infizierten ausgeschaltet.“
    „Haben verstanden!“ entgegnete Lewinski mit sorgenvoller Stimme. „Das wird nicht der letzte gewesen sein. Passen sie gut auf sich auf!“
    Am liebsten wäre Captain Lewinski nun selbst auf der Erde, dies wussten alle, doch der Kommandant eines Schiffes konnte nicht alle Aufgaben selbst übernehmen. In Gedanken weilte er jedoch bei seiner Crew und dies war vielen ein Trost.
    „Aufpassen, Leute!“ forderte Price seine Leute und auch sich selbst auf. „Wir dürfen uns nicht noch einmal so überraschen lassen. Checkt regelmäßig eure Tricorderanzeigen, denn nun nähern wir uns einem heißen Gebiet.“
    Die Teammmitglieder nickten verstehend und blickten voller Schrecken zu ihrem Marschziel: den gewaltigen Hochhäusern des Stadtteils samt der Schule, wo die meisten Menschen lebten!

    Die Lider wogen schwer. Der Körper schmerzte, nichts blieb ihm von den wundervollen Momenten, die ein Körper zwischen Schlafen und Wachen erlebt. Wie ein Eimer kalten Wassers, der ihm ins Gesicht gekippt wurde, fiel die Realität auf ihn ein. Riss ihn mit harten Schlägen aus der Bewusstlosigkeit.
    Woil war sofort hellwach. Er lag auf dem Boden der großen Halle, die er zuletzt von außen gesehen hatte. Sein Gesicht lag im Dreck, er atmete Schnee ein.
    Als er sich gerade wieder auf den Rücken drehen wollte, kam die Erinnerung. Schmerzhaft. Er schrie auf und fasste sich an den Bauch. Seine Hände waren sofort blutverschmiert. Und als wäre das nicht genug, präsentierte sich der Talarianer sofort neben ihm.
    „Du bist ja... noch am Leben“, röchelte er, wetzte die beiden Messer in seinen Händen und begutachtete Woil.
    Woil wusste, dass dem nicht ganz so war. Dunkel erinnerte er sich an den Ausbruch aus seinem Gefängnis von heute morgen. Zwar erschien es ihm, als sei dies schon vor einer Ewigkeit geschehen, doch sein Körper wusste es besser. Wie langer er wohl bewusstlos war? Minuten? Stunden?
    Auf jeden Fall zu lange. Schon heute morgen hatte er viel Blut verloren. Und jetzt wieder. Dazu die harten Bedingungen des Planeten und der Stress. Nicht zu vergessen, die immer mehr nachlassende Wirkung des Ketracel White.
    Dass er nun wach war, war wohl kein Glücksfall.
    Im Gegenteil – hierbei handelte es sich um eine antosianische Besonderheit. In den letzten Momenten ergoss sich noch mal ein letzter Adrenalinschub durch den antosianischen Körper. Und diesen erlebte er nun.
    Seltsam, dachte Jozarnay. Keines der Gerüchte ist wahr. Kein Leben, dass vor seinem geisteigen Augen vorbeizieht, keine Wehmut, keine Reue. Keine Angst. Nur Teilnahmslosigkeit – als schau er einen schlechten Holoroman.
    Oder war etwa so sein Leben – nicht mehr als ein schlechter Holoroman? Gar eine dieser drittklassigen Holonovelas?
    Wie aufs Stichwort erschien der Talarianer wieder in seinem Sichtfeld. Es schien ihm, als sehe dieser jetzt noch bösartiger aus, noch gefährlicher... noch verzweifelter.
    Um ihn herum... am Rande seines Sichtfeldes sah er: nichts.
    Nichts, außer einem Tunnel aus Licht, der sich langsam aber stetig enger zog. Wie zwei Hände, die das Leben aus ihm pressten.
    „Wenn ich alles... richtig mache..., reicht das Fleisch... an deinen Knochen.... für einen ganzen Monat...“, hörte er den Talarianer sagen, flüstern, wie aus weiter Ferne.
    Für eine Reaktion war es schon längst zu spät. Die Zeit begann sich zu dehnen, zu strecken, in die Unendlichkeit hinein.
    Der Talarianer hob sein Messer und starrte gierig auf Woil hinab. Dabei leckte er sich seine Lippen mit seiner spröden Zunge.
    Plötzlich... ein Leuchten, ein Blitz.
    Eine rauchende Wunde, die den Gestank von verbranntem Fleisch verbreitete, klaffte in der Brust des Talarianers. Leblos fiel er neben den Woil zu Boden – er war tot, noch bevor er die Eindringlinge hatte kommen sehen. Und in seinem Gesicht war immer noch das seltsam verrückte, hungrige Grinsen zu sehen, dass er in den letzten Minuten bekommen hatte. Es glich einer seltsamen galaktischen Ironie, dass der Mörder noch vor seinem Opfer starb. Wenngleich es auch nur 5 Sekunden waren.
    „Das ist kein Talarianer!“
    Die Eindringlinge – das waren fünf vollkommen Vermummte. Der Raumanzug diente hier unten vor allem dazu, der radioaktiven Strahlung des nuklearen Holocaust zu widerstehen. Natürlich auch der Kälte. Die Visiere der Anzüge waren verspiegelt. Die Anzüge selbst waren in einem sehr dunklen Grün gehalten. Die an den Helmen montierten Lichter vermochten es kaum, die Umgebung zu erhellen. Als würde die Hoffnungslosigkeit des Planeten alles aufschlucken.
    Einer der Männer, er trug ein Gewehr bei sich, hatte sich über Woil gebeugt und festgestellt, dass er kein Talarianer war. Während sich drei der Fremden im Hintergrund hielten und das Gebäude absicherten, kam der fünfte Fremde auf Woil zu, um diese unglaubliche Aussage zu überprüfen.
    Bei diesem fünften Fremden handelte es sich offensichtlich um die Anführerin der Gruppe. Sie war auch gleichzeitig die einzige Frau unter diesen fünf.
    „Nein, er ist Antosianer“, stellte diese fest.
    „Wie kommt ein Antosianer hier her?“, fragte der andere, der neben ihr stand.
    „Ist er tot?“
    Sofort holte er einen Scanner heraus uns untersuchte damit Woil. „Beinah...“
    „Dann lassen Sie ihn sofort zur Basis bringen. Ich möchte ihn gern noch fragen, was er hier macht.“
    „Aye Ma’am.“ Der Fremde machte sich sofort auf und ging zu den andern drei. Die Führerin der Gruppe blieb bei Woil und sah sich diesen genau an.
    „Was machen Sie hier Antosianer?“, fragte sie ihn, während sie sich völlig allein wähnte.
    Doch dem war nicht so – sie wurde beobachtet.
    Mit einem leistungsfähigen Fernglas beobachtete eine andere Gruppe die Szenerie. Diesmal handelte es sich jedoch um Menschen, besser gesagt, Sternenflottenoffizieren, direkten Untergebenen von Edward Jellico.
    „Was geht da vor sich?“, fragte einer, der neben den Mann mit dem Fernglas stand. Auch sie trugen Raumanzüge. Sie hatten sich etwa dreihundert Meter entfernt in den Ruinen eines Hauses verschanzt.
    „Sie haben ihn gefunden“, antwortete der Mann am Fernglas, ohne den Blick von Woil zu nehmen.
    „Das wird dem Boss gar nicht gefallen“, kommentierte der Zweite.
    „Oh-o“, wieder der Mann am Fernglas.
    „Was?“
    „Das wird dem Boss gar nicht gefallen.“
    „Was?“
    Der Fernglashalter antwortete nicht, sondern überreichte das Fernglas seinem Kollegen. „Das ist nicht der talarianische Widerstand.“
    Mit diesen Worten erhielt er die Bestätigung. Am Helm der Anführerin war es deutlich zu erkennen. Dort thronte nämlich ein Adler, in jeder Klaue ein Planet. Das unverwechselbare Emblem der:
    „Romulaner...“

    Nun hatte für Arena Tellom die schwerste Zeit begonnen. Es galt jetzt zu warten, untätig herumzusitzen und darauf zu hoffen, dass es die Operation gut verlaufen würde. Die Terellianerin hatte auf einem Stuhl im Krankenhausflur Platz genommen und starrte zum wahrscheinlich tausendsten Male zur Uhr. Nicht mal eine Stunde befand sich Ardev nun im OP, dennoch kam es Lieutenant Tellom wie eine Ewigkeit vor. Unzählige sorgenvolle Gedanken gingen ihr im Kopf herum und sorgten für ein konstantes Maß an Unwohlsein.
    Auch im vierundzwanzigsten Jahrhundert gab es also immer noch das Bild der besorgten Ehefrau, welche auf das Ende der Operation warten musste. Es gab scheinbar Dinge in diesem Kosmos, die sich nie ändern würde.
    Instinktiv fragte sich Arena, ob sie beide nicht vielleicht die Gefahr unterschätzt hatten. Nicht eine Sekunde hatten sie bisher an den Gedanken verschwendet, dass ihnen beiden etwas zustoßen könnte. Jetzt jedoch war dieser Fall eingetreten, der bis dato so unvorstellbar gewesen war.
    Während Arena nun warten musste, wurde ihr einmal mehr bewusst, wie sehr sie ihren Mann brauchte. Es war nicht so, dass sie sich nicht ihrer gegenseitiger Liebe bewusst waren. Dennoch sorgte diese Katastrophe für ein Erinnern und der Rückbesinnung. Jede Liebe lief Gefahr in der Routine des Alltags zu erkalten und diese Entwicklung galt es immer zu verhindern. Arena liebte Ardev über alles. Er war so sehr Teil ihres Lebens geworden, sie konnte sich ein Dasein nicht ohne ihn vorstellen. Die letzten Jahre, die sie gemeinsam mit ihm verbracht hatte. Waren die schönsten ihres Lebens gewesen. Keinen einzigen Tag mit ihm, selbst die, an denen sie sich gestritten hatten, wollte sie missen. In diesem Moment würde sie sich sogar einen scheppernden Streit mit Ardev wünschen, wenn dies doch nur seine Rückkehr bedeuten würde.
    Doch all dieses Wehklagen half nichts. Der Andorianer befand sich immer noch in der Operation und es würde seine Zeit bis zum Abschluss brauchen. Zumindest kümmerten sich nur die besten Mediziner um ihn. Das MHN war Arena Tellom durchaus bekannt und sie wusste um seine enormen Fähigkeiten. Bei ihm war ihr Mann in guten Händen. Jedoch hatte ihr noch die persönliche Note gefehlt und aus diesem Grund hatte sie Elisabeth um ihre Hilfe gebeten. So fühlte sie sich nun gänzlich sicher und zuversichtlich. Ardev würde es bestimmt gut gehen.
    Wie sie sich genau verliebt hatten, dies wusste sie eigentlich nicht mehr. Es war im Rahmen ihrer Zusammenarbeit entstanden. Zwischen den beiden jungen Offizieren war eine Art Gewohnheit und Vertrautheit entstanden, dann Freundschaft, welche schließlich in Liebe gegipfelt hatte. Umso mehr konnte sich die Terellianerin noch an die wundervolle Hochzeitszeremonie erinnern, die sie zu Mann und Frau gemacht hatte. Es war ein andorianisches Hochzeitsritual gewesen, um die traditionellen Wünsche Ardevs zu erfüllen. Dafür verzichtete Ardev auf weitere Ehepartner, wie es eigentlich in seiner Kultur üblich war. Für Arena war dieses ganze Konzept eine aufregende neue Sache gewesen. In der terellianischen Kultur war das Konzept der Ehe so gut wie unbekannt. Die Vorstellung für den Rest des Menschen nur an einen Partner gebunden zu sein, war ihrem Volk fremd und fast unvorstellbar. Auch sie hatte einige Zeit gebraucht, um sich an dieses Konzept zu gewöhnen. Doch nun, nach gut drei Jahren Ehe, konnte sie sich nichts anderes mehr vorstellen. Ardev war die Erfüllung ihres Lebens.
    Nur zu gut konnte sich Tellom an das Lied erinnern, welches ihr Mann im Rahmen einer Therapiesitzung einmal für sie gesungen hatte:

    I could stay awake just to hear you breathing
    Watch you smile while you are sleeping
    While you're far away and dreaming
    I could spend my life in this sweet surrender
    I could stay lost in this moment forever
    Well, every moment spent with you
    Is a moment I treasure
    I don't wanna close my eyes
    I don't wanna fall asleep
    'Cause I'd miss you, baby
    And I don't wanna miss a thing
    'Cause even when I dream of you
    The sweetest dream would never do
    I'd still miss you, baby
    And I don't wanna miss a thing
    Lying close to you
    Feeling your heart beating
    And I'm wondering what you're dreaming
    Wondering if it's me you're seeing
    Then I kiss your eyes and thank God were together
    And I just wanna stay with you
    In this moment forever, forever and ever
    I don't wanna close my eyes
    I don't wanna fall asleep
    'Cause I'd miss you, baby
    And I don't wanna miss a thing
    'Cause even when I dream of you
    The sweetest dream would never do
    I'd still miss you, baby
    And I don't wanna miss a thing
    I don't wanna miss one smile
    I don't wanna miss one kiss
    Well, I just wanna be with you
    Right here with you, just like this
    I just wanna hold you close
    Feel your heart so close to mine
    And just stay here in this moment
    For all the rest of time
    Don't wanna close my eyes
    Don't wanna fall asleep
    'Cause I'd miss you, baby
    And I don't wanna miss a thing
    'Cause even when I dream of you
    The sweetest dream would never do
    'Cause I'd still miss you, baby
    And I don't wanna miss a thing
    I don't wanna close my eyes
    I don't wanna fall asleep
    'Cause I'd miss you, baby
    And I don't wanna miss a thing
    'Cause even when I dream of you
    The sweetest dream would never do
    I'd still miss you, baby
    And I don't wanna miss a thing
    Don't wanna close my eyes
    Don't wanna fall asleep, yeah
    I don't wanna miss a thing
    I don't wanna miss a thing


    Immer noch bekam sie eine Gänsehaut, wenn sie an diesen Liebesbeweis dachte. Sie brauchte Ardev. Er vervollständigte ihr Leben, gab ihm einen Sinn und Rückhalt. Dies wurde sich Arena so stark bewusst wie noch nie!

    Die folgenden Wochen nach Annahme des Auftrags waren in erhöhtem Maße von der Vorbereitung geprägt. Lieutenant Bird wurde komplett unter die Fittiche von Commander Banek genommen und in umfassender Art und Weise auf die nun kommende Mission vorbereitet. Tägliche Fitnessläufe, Schießübungen, aber vor allem das geistige standen auf dem Übungsplan. Es galt sich die Begebenheiten von New Berlin und Umgebung einzuprägen und, was noch wichtiger war, die bekannten Fakten über James Talley sowie seiner Tarnidentität. Zumindest würde Danny noch seinen eigentlichen Namen benutzen dürfen, ansonsten würde sein ganzes weiteres Leben nur eine Erfindung darstellen. Die Kunst würde es darstellen, diese vom Sternenflottengeheimdienst fabrizierte Identität so darzustellen, als wäre sie Realität.
    Keine leichte Sache, wie sich in unzähligen Stunden auf dem Holodeck herausstellte. Dort wurde haarklein die Umgebung und die Personen dargestellt, mit denen Danny zu tun haben würde und mehr als einmal verriet sich der Lieutenant durch eine kleine Unaufmerksamkeit. Schon früher hatte er an Infiltrationsmissionen teilgenommen, doch keine war so straff geplant wie diese. Verständlich, wenn man bedachte, wie viel eigentlich auf dem Spiel stand.
    Doch irgendwann gelangten auch diese Maßnahmen zu einem Abschluss. Der entscheidende Moment, der Beginn der Mission, stand kurz bevor und Banek beschloss gemeinsam mit seinem Schüler durch die prächtigen Parkanlagen des Sternenflottenhauptquartiers zu schlendern. Wie eigentlich immer, wenn er hier war, war Danny durch die schiere Größe der Golden Gate Bridge beeindruckt. Welch gigantisches Bauwerk dies doch war! Unfassbar, dass eine Person, noch dazu ein Mensch, bereit war diese Idylle zu zerstören.
    „Nervös?“ fragte der Tirrione und lächelte. Obwohl er nicht gerade als alt zu bezeichnen war, wirkte er unglaublich erfahren und auf eine eigene Art sehr weise. Bird war froh von ihm ausgebildet worden zu sein.
    „Was wäre denn die richtige Antwort?“ erwiderte Lieutenant Bird.
    Banek überlegte kurz.
    „Richtig wäre es, seine eigene Angst und die Fehler einzugestehen. Diese sind nur natürlich. Die Kunst ist es vielmehr, sich nicht von diesen Faktoren beherrschen zu lassen.“
    „Ein wenig nervös bin ich schon,“ gab Danny daraufhin offen zu. „Aber ich bin auch zuversichtlich, dass alles klappen wird. Immerhin habe ich mich intensiv auf diese Mission vorbereitet. Ich kenne James Talley und seine Umgebung inzwischen besser als meine Freunde von der Monitor.“
    „Gut zu wissen. Vermissen sie ihr Schiff nicht?“
    Eine in diesem Moment seltsame Frage, wie Bird fand. Wie kam der Mann bloß dazu?
    „Natürlich vermisse ich meine Freunde. Wobei ich zugeben muss, dass ich in den letzten Wochen eher wenig an die Monitor gedacht habe. Es war mir einfach zu viel um die Ohren!“
    „Kein Grund sich zu entschuldigen!“ Abwehrend hob Commander Banek seine Hände und lächelte seinen Untergebenen an. „Es ist nur natürlich, dass sie sich derzeit mit anderen Dingen beschäftigen. Mir geht es nicht anders. Auch ich habe in den letzten Wochen private Belange nach hinten stellen müssen. Meine Frau und meine Tochter haben mich so gut wie gar nicht mehr gesehen… hoffentlich erkennen sie mich noch, wenn ich das nächste Mal durch die Haustür gehe. Dies ist in unserem Beruf normal.“
    „Was meinen sie? Dass wir zuviel Zeit in die Sternenflotte investieren und wir so keine privaten Bindungen aufbauen können?“
    „Ich denke, ihre Aussage trifft es schon genau, Danny!“
    „Das würde ja bedeuten, dass niemand von uns in der Lage wäre Beziehungen aufzubauen und feste Bindungen, was wiederum ihrer persönliche Situation widerspräche. Immerhin sind sie ja verheiratet.“
    Abermals musste Banek lächeln und war sich einmal mehr sicher, den richtigen für diese Aufgabe bekommen zu haben. Lieutenant Bird war eine sehr intelligente und nachdenkliche Person.
    „Dies habe ich nicht gesagt,“ erklärte der Tirrione. „Natürlich sind auch wir in der Lage feste Bindungen zu haben, doch nur mit Personen, die sich bewusst sind, dass sie in bestimmten Fällen für unseren Beruf und Aufgaben zurückstehen müssen. Leider findet man diese Menschen nicht allzu oft.“
    „Leider muss ich ihnen da zustimmen,“ sagte Bird und schwieg.
    „Kein Grund, den Kopf hängen zu lassen.“
    „Tue ich auch nicht.“
    „Dann ist ja wunderbar. Haben sie sonst noch irgendwelche Fragen, die sie an mich loswerden möchten?“
    Beide Männer hielten an dem Springbrunnen an und Danny dachte kurz nach. Soweit es ihn betraf, war er optimal vorbereitet worden… soweit man sich für das Unerwartete überhaupt wappnen konnte.
    „Nein, mir fallen zumindest derzeit keine ein.“
    „Sehr gut. Sie werden es schaffen, Danny!“
    „Ich hoffe es.“
    „Ich weiß es!“ korrigierte Commander Banek ihn und lächelte abermals. Für ihn bestand überhaupt kein Zweifel daran, dass diese Mission mit einem Erfolg abgeschlossen werden würde. Und Danny Bird sollte auch keine Zweifel daran besitzen.
    „Sie denken über etwas nach.“
    „Ja,“ gab der taktische Offizier ehrlich zu. „Die gesamte Zeit über habe ich auf dem Holodeck das Zusammenarbeiten mit James Talley geübt. Ob ich mich jedoch auch noch so professionell verhalten werde, wenn ich ihm gegenüberstehe? Einem Mann, der Milliarden töten möchte…“
    „Keine Sorge, dies werden sie,“ versuchte Banek seine Bedenken zu zerstreuen. „Allein deswegen, weil sie unterbewusst wissen, was auf dem Spiel stehen wird. Wer weiß, vielleicht mögen sie ihn ja sogar.“
    Angesichts dieser Worte brachte der Lieutenant ein schiefes Lächeln zustande.
    „Ich glaube eher nicht,“ erklärte Danny und beide Männer begaben sich wieder in die Geheimdienstzentrale…


    „Rechte Hausseite!“
    Die Worte waren zwar laut, dennoch voller Ruhe und Handlungssicherheit ausgesprochen worden. Sofort änderte ein Teil des Teams die Richtung und verfolgte die infizierte Person. Dieses Mal hatten sie es mit einem eher ungewöhnlichen Art von Betroffenem zu tun; einem älteren Mann, welcher im Angesichte der Übermacht verzweifelt versuchte zu entfliehen. Doch egal wie gefährlich und Furcht einflößend ein Infizierter auch sein mochte, sie besaßen einen entscheidenden Nachteil: aufgrund der panischen Angst, welche ihnen den Verstand vernebelte, besaßen sie nur noch ein rudimentäres Denkvermögen. Jegliche Art von geschickten taktischen Verhalten war ihnen völlig fremd und so war es dem Team von Price ein Leichtes den alten Mann zu stellen. In die Enge getrieben startete er einen letzten Versuch das Team zu attackieren, scheiterte jedoch erwartungsgemäß. Ohne große Mühe erschoss Matthew den Menschen, für den es keine Rettung mehr gab. Die Tötung kam einer Erlösung gleich, dies wusste der erste Offizier, dennoch war es ein beunruhigendes Gefühl jemanden zu töten. Er würde sich niemals an den seltsamen Anblick gewöhnen, wenn der letzte Funken Leben aus den Augen seiner Gegenüber verschwand. Insbesondere nicht in diesem Fall, denn anders als die Cardassianer oder Jem´Hadar, die der Commander bisher getötet hatte, waren die Infizierten mehr Opfer denn Täter. Sie konnten nichts für ihre aggressive Haltung, waren stattdessen zu Sklaven eines diabolischen Virus geworden. Ob der Mann eine Familie, gar Kinder besessen hatte? Matt würde wohl niemals eine Antwort auf diese Frage erhalten.
    „Gute Arbeit,“ lobte Price sein Team, welches nur verstehend nickte. Natürlich konnte sich niemand über diese weitere Tötung freuen. Es musste zwar getan werden, doch Spaß machte es selbstverständlich keinem.
    „Unsere Fortschritte sind nicht groß genug,“ meinte Chief Aris und blickte nachdenklich auf den Tricorder. „Für jeden Infizierten, den wir ausschalten, entstehen drei Neue. Es sind immer noch zu wenig Eingreifkräfte in der Stadt.“
    „Wenn wir nicht bald Herr der Lage werden, dann könnten die Barrikaden bald überrannt werden,“ stimmte Crewman Young nachdenklich zu.
    „Es bringt nichts darüber nachzudenken. Wir haben einen Auftrag zu erfüllen. Zwar mag er ineffizient erscheinen, aber die Alternative dazu würde jedem von ihnen noch weniger gefallen,“ erklärte Matt Price daraufhin.
    Die Gespräche verstummten nach diesem Einwand, denn jeder wusste, was mit dieser Alternative gemeint war: die Zerstörung der Stadt.
    Doch wie nah war Emden schon der Zerstörung? Autos und Häuser brannten, Menschen rannen schreiend durch die Straßen, verfolgt von Infizierten. Im Hintergrund waren die Sirenen von Rettungswagen zu hören und unzählige Shuttles rauschten durch den Stadthimmel.
    „Wir müssen uns nun einem unangenehmen Thema widmen,“ meinte Chief Aris und deutete auf ein großes Gebäude, welches nur noch einige Hundert Meter von ihnen entfernt war. Die anderen Teammitglieder, inklusive Price, folgten seinem Blick und wünschten sich bereits im Anschluss es nicht getan zu haben: nun galt es die Schule zu säubern.
    Bisher hatten sie Glück gehabt und nur erwachsene Menschen eliminieren müssen. An die Möglichkeit infizierte Kinder töten zu müssen, hatte bisher keiner von ihnen denken wollen. Doch nun wurde diese Vorstellung unausweichlich, als sie sich dem nächsten Operationsziel näherten. In einer geschlossenen Formation näherten sie sich dem Gebäude und erschossen dabei zwei Infizierte, die vor den Gebäuden herumlungerten. Auch sie hatten panische Angstschreie von den Borg auf den Lippen, als sie getötet wurden.
    Nun jedoch blickte das Team auf einen völlig leeren Schulhof und auch aus dem Schultrakt klangen keinerlei Geräusche. Price prüfte seine Anzeigen und stellte zu seiner Erleichterung fest, dass sich keine Infizierten im Umkreis befanden. Dennoch mussten sie das Gebiet überprüfen, um auf Nummer Sicher zu gehen. Waren möglicherweise schon alle Menschen hier tot?
    „Wie viele Kinder sind wohl hier zur Schule gegangen?“ fragte Crewman Young, bekam jedoch keine Antwort.
    Er war jung und erst vor einem Jahr hatte er selbst eine Schule besucht, bevor er die Mannschaftslaufbahn in der Sternenflotte angetreten hatte.
    Vorsichtig näherte sich das Team dem rückwärtigen Eingang und öffnete ihn. Auch innerhalb des Traktes herrschte eine gespenstische Ruhe, welche ihnen einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Einen Raum nach dem anderen überprüften sie. Jede einzelne Tür wurde geöffnet, immer auf der Suche nach einem infizierten Menschen, der vielleicht von den Scannern nicht entdeckt worden war. Jedes Mal, wenn sich eine der altmodischen Türen öffnete, bekam Price fast einen Herzinfarkt. Er würde es zwar niemals gegenüber einem Untergebenen zugeben, doch nie zuvor in seinem Leben hatte er solche Angst gehabt.
    Auch im ersten Stockwerk mussten alle Türen überprüft werden. Gleich bei der ersten überlebten sie jedoch eine Überraschung: sie blickten in die entsetzten Gesichter schreiender Kinder!
    „Nicht schießen!“ brüllte Matt seinen Leuten zu, als ihm bewusst wurde, dass er es mit verängstigten kleinen Kindern zu tun hatte, die hier gemeinsam mit ihrer Lehrerin Zuflucht gesucht hatten.
    „Endlich sind sie da!!“ rief die Frau und umarmte den Commander stürmisch. Die junge Frau zitterte wie Espenlaub und der erste Offizier versuchte ihr mittels einer Umarmung Trost zu spenden. „Ich hatte gehofft, dass uns jemand aus dieser Hölle raus holen würde.“
    „Sie sind jetzt in Sicherheit. Wie viele Kinder sind das hier?“
    „Wir sind 17 Kinder und ich,“ erklärte die Lehrerin, die sich nun beruhigte. „Was geschieht hier?“
    „Keine Zeit für Erklärungen,“ entgegnete Price und blickte in die Augen verängstigter Kinder. Sie mussten furchtbares gesehen haben; im schlimmsten Fall Freunde, die mit dem Virus in Kontakt gekommen waren. „Wir sind von der Sternenflotte. Ihr seid nun in Sicherheit.“
    „Boss, wir haben ein Problem,“ meinte Chief Aris plötzlich, der an einem Fenster stand und nach draußen blickte. Genau in das Gesicht eines Infizierten, der den Blick erwiderte und sich dann mit einer Horde weiterer Menschen in ihre Richtung bewegte. „Jede Menge Infizierte sind auf dem Weg hierher!“
    „Verdammt, wie haben die uns gefunden?“ fragte Matt irritiert, wusste jedoch, dass die Antwort auf diese Frage noch warten musste. Worauf es jetzt ankam, war die Rettung dieser Kinder und die Zeit war mehr als knapp…

    Noch immer wartete Arena Tellom darauf, dass ihr Mann endlich aus dem OP herauskommen würde. Jedoch dauerte die komplizierte Operation an. Zwar wurde sie regelmäßig von einer Schwester über den Verlauf des Eingriffs informiert, doch dies war nur ein schwacher Trost.
    Arena fühlte sich einsam. Ihr fehlte die Wärme, die aus der gemeinsamen Nähe entstand.
    Plötzlich kam eine Person näher, setzte sich neben sie. Die Terellianerin war so übermüdet, dass sie einige Zeit brauchte, um zu realisieren um wen es sich handelte.
    „Wie geht es ihm?“ fragte Captain Lewinski.
    „Sir!“ Mehr als deutlich war der Wissenschaftlerin die Überraschung über diesen Besuch anzusehen. „Was machen sie denn hier?“
    „Ich muss mich doch um den Zustand eines meiner Crewmitglieder informieren… und eines Freundes.“
    „Aber die gegenwärtige Krise…“
    Abwehrend hob John eine Hand, brachte sie so zum Verstummen.
    „Es wäre vermessen zu behaupten, dass diese bereinigt wäre, doch ich konnte mir einen kurzen Moment gönnen, um hierher zu beamen. Langsam beginnt sich die Situation zu stabilisieren.“
    Deutlich spiegelte sich bei diesen Worten die Verzweiflung in Lewinskis Augen wieder. Was die Monitor tun musste, um den Virus einzudämmen und eine globale Epidemie zu verhindern, widerstrebte seinem Innersten, doch es musste getan werden. Einen anderen Weg schien es derzeit nicht zu geben.
    „Also, wie geht es Ardev?“
    „Er wird seit fast zwei Stunden operiert. Bisher meinen die Ärzte es würde ihm gut gehen, jedoch habe ich noch nicht mit ihm selber sprechen können.“
    Zärtlich drückte der Captain die Hand Arenas und versuchte ihr so Trost zu spenden. Der Kommandant war inzwischen mehr geworden als ein Vorgesetzter. Er war ebenso ein Vertrauter und Teil ihrer Familie geworden.
    „Ardev ist ein Kämpfer. Er wird es schaffen, glauben sie mir!“
    „Ja, Sir,“ murmelte Tellom als Antwort und wischte sich eine Träne von der Wange. Obwohl es in dieser Lage beileibe angebracht gewesen wäre, schämte sie sich ihrer Tränen.
    „Grämen sie sich nicht ihrer Tränen,“ erklärte Captain Lewinski daher auch folgerichtig. „Sie sind deutliches Anzeichen für ihre immer noch starke Liebe. Sie sind genau die Frau, die Ardev verdient hat. Hoffentlich ist er sich jeden Tag aufs Neue dieses Glückes bewusst!“
    Die Worte Johns zeugten von einer solchen Ehrlichkeit, dass Arena verdutzt schlucken musste. In ihnen schwang eine Melancholie mit, die wohl durch des Captains eigene Sehnsucht nach einer glücklichen Beziehung beflügelt worden war. Einen solch fast schon intimen Moment hatte sie bei John Lewinski noch nie erlebt.
    „Ich kann mir überhaupt nicht mehr vorstellen, wie mein Leben ohne ihn gewesen ist,“ meinte Arena und schluchzte einmal mehr. „Als vor zwei diese Krise auf Terellia war, hatte ich schon das Ende unserer Ehe befürchtet. In mir hatte es Gefühle gegeben, die ich niemals für möglich gehalten hatte. Aber diese Sache ist zum Glück vorbei und ich bin mir meiner Gefühle absolut sicher. Ohne Ardev bin ich gar nichts!“
    Überwältigt von ihren Gefühlen legte Arena Tellom schluchzend ihren Kopf auf den Oberschenkel des Captains und dieser strich ihr sanft durch das Haar. Ardev würde es schon gut gehen, er war sich dieses absolut sicher. Derzeit konnten sie ohnehin nichts an der Situation ändern. Es galt nun zu warten. Obwohl er eigentlich wieder auf sein Schiff zurückkehren musste, entschied sich Captain Lewinski dafür noch etwas zu bleiben. Er wurde nun hier gebraucht, dies war ihm klar. Gemeinsam warteten die beiden auf das Ende der Operation.

    „Ich hoffe, Sie haben gute Nachrichten.“ Edward Jellico kochte. Nie hätte er gedacht, dass dieser Tag so furchtbar werden könnte.
    Dies spürte auch der Mensch, der auf dem Terminal erschien und als Blitzableiter für Jellico nun herhalten musste.
    „Die Romulaner haben ihn“, schoss dieser schnell heraus.
    Er hörte Jellico schon schreien. In etwa über: bin ich nur von Anfängern und Versagern übergeben? Muss ich alles selber machen? Ich werde euch mit meinen eigenen Händen erwürgen.
    Doch dies geschah nicht. Jellico war erstarrt. Gerade als der Mann auf der anderen Seite nachschauen wollte, ob die Leitung überhaupt noch stand, regte sich Jellico wieder.
    „Hören Sie mir jetzt genau zu“, Jellico sprach leise. Doch die Stimme des Teufels konnte kaum anders klingen. „Vielleicht habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt, aber Woil darf diesen Planeten nicht verlassen.“
    „Das ist mir klar Sir.“
    „Dann wünsche ich, dass Sie, wenn Sie mich das nächste Mal kontaktieren, mir folgende Nachricht mitteilen: Sir, wir haben das Problem gelöst“, erklärte Jellico und ließ keinen Zweifel übrig.
    „Ja Sir“, antwortete sein Untergebener, sich der Konsequenzen seiner und Jellicos Worte bewusst.
    „Und wenn sich Ihnen dabei die Romulaner in den Weg stellen, lassen Sie die diplomatischen Konsequenzen mal meine Sorgen sein. Nur holen Sie Woil zurück.“
    Jellico schloss den Kanal, noch bevor er eine Antwort erhalten konnte. Sie hätte ihn ohnehin nicht erfreut.

    Schließlich war es soweit gewesen. Das ganze Üben und Trainieren, die wochenlange Vorbereitung gipfelte nun in dem begonnen Einsatz. Danny Bird rückte noch einmal seinen maßgeschneiderten Anzug zurecht und sah sich auf dem Weltraumhafen von New Berlin um. Die Hauptstadt des Mondes war imposant und es war kaum zu glauben, dass sie nur gute zweihundert Jahre alt war. Ein letztes Mal dachte Danny über seine Freunde auf der Monitor nach, die wohl nicht wussten, wo er sich nun aufhielt. Höchstens Captain Lewinski war wohl eingeweiht worden. Die Gedanken über seine Kameraden schob Danny ganz weit zurück, denn nun galt es voll konzentriert zu bleiben. Der geringste Fehler mochte schon tödlich enden. Als erste Phase seiner Mission würde er Kontakt zu Janine Talley aufnehmen, die Tochter von James. Über sie, so war es der Plan des Oberkommandos, würde er Zugang zu der Organisation bekommen und tiefer in den Führungszirkel eindringen können. Natürlich hatte er sich auch mit Janine in den Simulationen beschäftigt, Daten über sie durchforstet und versucht näheres über die junge Frau zu erfahren. Dennoch stellte Janine Talley ein Rätsel für sie da. Der Geheimdienst war sich nämlich alles andere als klar, wie genau die Rolle der Frau aussah. Wusste sie von den Aktionen ihres Vaters oder war sie nur ein Opfer? Stellte sie möglicherweise ein hohes Mitglied des Führungskreises dar? Seltsamerweise waren in diesem Punkt die Informationen mehr als schwammig. Die Aufklärung hatte sich mehr auf ihren Vater James und seine Freund konzentriert als auf sie. Eine Mission, in der alle unbekannten Variablen ausgeschaltet waren, gab es leider nicht. Ein letztes Mal atmete der Lieutenant tief durch, dann tauchte er vollends in seine Rolle ein…
    Dann verschwanden jedoch all diese Erinnerungen, als sich der neblige Schleier der Dunkelheit langsam lichtete und ihm endlich wieder den Zugang ins Hier und Jetzt gewährte. Mehrfach blinzelte Danny Bird und versuchte Konturen zu erkennen, die langsam deutlicher wurden. Nach und nach kehrten seine Sinne zurück und ihm wurde klar, dass er auf einem Stuhl saß. Seine Hände und Füße waren an den Stuhl gefesselt und boten ihm so nicht einmal den kleinsten Zentimeter an Bewegungsfreiheit. Scheinbar rührte seine schlechte Sicht nicht unbedingt von seiner mehrstündigen (?) Bewusstlosigkeit, sondern der Raum, in dem er sich befand, war offenkundig abgedunkelt. Kahle Wände umgaben ihn, vor ihm befand sich keine Tür oder irgendeine andere Art von Zugangsmöglichkeit. Ob sich eine solche in seinem Rücken befand, war unbekannt. Zumindest sah dieser Ort nicht so aus wie einer der Räume, die sich in James´ Haus befanden. Der Undercover-Agent wusste dies ganz genau, denn im Vorfeld der Mission hatte er natürlich die Lagepläne des Anwesens studiert und diese dann im Laufe der Monate überprüft. Scheinbar hatte man ihn also an einen ihn unbekannten Ort entführt.
    Dies war so ungefähr sein letzter klarer Gedanke, bevor der Schmerz im Hinterkopf Überhand nahm. Danny verzog das Gesicht und wurde sich erst jetzt bewusst, dass man ihn niedergeschlagen hatte.
    Langsam trat eine Person in das Sichtfeld. Aufgrund der mangelhaften Beleuchtung dauerte es eine Weile, bis er sie als Janine identifizierte. Die Frau, die er liebte.
    „Es tut mir leid,“ erklärte sie mit seltsam ruhiger Stimme.
    Die Frau, die ihn niedergeschlagen hatte.
    „So beweist du mir also deine Liebe?“ fragte Danny und verzog aufgrund der Kopfschmerzen abermals das Gesicht. „Indem du mich niederschlägst?“
    „Besser als dein Liebesbeweis, der Verrat ist? Du wolltest meinen Vater töten.“
    Nun war erstmals der Zorn in Janines Stimme zu vernehmen und ehrlich gesagt konnte der Lieutenant ihr diese Emotion nicht verübeln.
    „Meine Absicht war es ihn festzunehmen.“
    „Also bist du doch ein Agent; ausgeschickt, um unseren Plan zu vereiteln.“
    Brachte es überhaupt noch etwas zu lügen? Offenbar war er gescheitert und wie er die Situation einschätzte, so wäre eine Rettung eher unwahrscheinlich. Dennoch durfte er sich nicht aufgeben und schon gar nicht seine Vorgesetzten verraten.
    „Du meinst den Plan die Wiege der Menschheit zu vernichten? Den würde ich in der Tat gerne vereiteln.“
    Langsam beugte sich Janine zu ihm herunter, ihre Hände umfassten seine Armlehnen und deutlich konnte er ihr Parfum riechen, ihre Anziehungskraft spüren. In einer anderen Welt, bei einer anderen Gelegenheit wären sie ein glückliches Paar geworden. Doch nun hatten sie beide wohl keine Zukunft.
    „Wer ist dein Auftraggeber?“
    Bird zog es vor zu schweigen und seine Freundin anzustarren. Sie hielt seinem Blick stand, wartete noch einige Sekunden und erhob sich dann, als jemand näher trat. Die eine Person war James Talley, der ihn mit versteinerter Miene anblickte. Die andere Person, eine rothaarige Frau, ließ Danny erstarren. Sie war Bajoranerin, hatte eine auffallend dunkle Kleidung und ein fast schon diabolisches Lächeln aufgesetzt.
    „Guten Tag, Mr. Bird,“ begrüßte sie ihn schelmisch.
    Es war an James, sie dem verdutzten Lieutenant vorzustellen:
    „Darf ich dich ihr bekannt machen, Danny? Dies ist die ehemalige Intendantin von Bajor Kira Nerys!“

    Fortsetzung folgt…

    VERDERBEN

    based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY
    produced for TREKNews NETWORK
    created by NADIR ATTAR
    executive producers NADIR ATTAR & CHRISTIAN GAUS
    co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER
    producer SEBASTIAN HUNDT
    lektor OLIVER DÖRING
    staff writers THOMAS RAKEBRAND & JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER
    written by NADIR ATTAR
    TM & Copyright © 2005 by TREKNews Network. All Rights Reserved.
    "STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES
    This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!




    Quelle: treknews.de
    • Bewertung

    • Aufrufe

      288
    • Kommentare

      0
    • Werewolf

    Rückmeldungen von Benutzern

    Empfohlene Kommentare

    Keine Kommentare vorhanden



    Gast
    Du kommentierst als Gast. Wenn du bereits einen Account hast kannst du dich hier anmelden.
    Ein Kommentar hinzufügen

    ×   Du hast formatierten Text eingefügt.   Formatierung jetzt entfernen

      Only 75 emoji are allowed.

    ×   Dein Link wurde automatisch eingebettet.   Einbetten rückgängig machen und als Link darstellen

    ×   Dein vorheriger Inhalt wurde wiederhergestellt.   Clear editor

    ×   Du kannst Bilder nicht direkt einfügen. Lade Bilder hoch oder lade sie von einer URL.

    Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  

×

Nerviger Cookie Hinweis

Diese Seite verwendet Cookies um Funktionalität zu bieten und um generell zu funktionieren. Es werden technisch notwendige Cookies auf deinem Gerät gesetzt. Du kannst deine Cookie Einstellungen anpassen. Beim Fortfahren stimmst Du einer erweiterten Cookie-Nutzung zu. Datenschutzerklärung Beim Abensden von Formularen für Kontakt, Kommentare, Beiträge usw. werden die Daten dem Zweck des Formulars nach erhoben und verarbeitet.