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  • Monitor - 7x09: Machtwechsel

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    Die tragischen Ereignisse reißen einfach nicht ab. Lieutenant Bird ist weiterhin im Spiegeluniversum gefangen und gerät dabei in einen Machtkampf, der für die Zukunft dieser Realität entscheidend sein könnte...
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    Monitor 7x09 "Machtwechsel"
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    Das letzte Mal in 7x08 „Suche“:

    Allein und ratlos saß James Talley in seinem Raum, der genauso schmucklos war wie die anderen in diesem Bunker. Dies schien nun sein neues Leben zu sein. Noch vor einigen Stunden hatte er in einer großen Villa auf dem Mond gelebt, mit zahllosen Räumen und sogar Bediensteten, die ihm und seiner Tochter jeden Wunsch von den Lippen ablasen. Nun befand er sich in einem kargen militärischen Gebäude, welches selbst die einfachsten Annehmlichkeiten vermissen ließ. Zum ersten Mal überhaupt fragte sich der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee, ob er das richtige getan hatte. Jahrelang hatte er den heutigen Tag vorbereitet und alle Energie in ihn investiert. Zeit, Geld und Ressourcen hatte er aufgewendet, nur um am Ende zu scheitern.
    Müde fuhr sich der dunkelhäutige Mann durch das Gesicht. Was würde nun aus ihm werden? Er hatte immer das Ziel gehabt eine lebenswerte Welt für seine Tochter zu schaffen. Eine, in der die Macht beim Volk lag und wahre Demokratie herrschte. Früher, als seine wunderbare Frau Jessica noch gelebt hatte, hatte er auf normalem Wege versucht dieses Ziel zu erreichen. Einmal hatte er sogar für eine Legislaturperiode im Parlament gesessen, doch erreicht hatte James nichts. Zu festgefahren waren die Strukturen gewesen, zu verkrustet das System. Also hatten er und seine Frau sich dafür entschieden in die Opposition zu gehen. Sie hatten Demonstrationen veranstaltet, Flugblätter verteilt und Aufrufe gestartet. Doch auch diese waren erfolglos geblieben. Als Jessica starb wurde James klar, dass ihnen die Zeit davon lief. Die Änderungen mussten schnellstmöglich geschehen, damit er und viele andere Bürger sie noch zu Lebzeiten mitprägen konnten. Nur aus diesem Grund wurde die von ihm gegründete Föderale Befreiungspartei zur Föderalen Befreiungsarmee. Nur wenige Wochen später wurde die Organisation vom Verfassungsgericht verboten. Ein weiterer, deutlicher Beweis für James, dass das Establishment ihn blockieren wollte. Daher ging er mit seiner Organisation in den Untergrund, um dort mit seiner nun erwachsenen Tochter weiter an ihren gemeinsamen Zielen zu arbeiten. Der heutige Anschlag hätte eigentlich die Wende einläuten und sie ihrem politischen Ziel ein gehöriges Stück weiterbringen sollen.
    Doch nun, wo er in diesem kargen Raum saß, zweifelte James an seinen Taten. Er hatte geplant die Wiege der Menschheit zu entvölkern. Millionen, ja sogar Milliarden wären fast gestorben und er wäre dafür verantwortlich gewesen. Wie hätte sein Erbe ausgesehen? Man hätte wohl von James dem Schlächter gesprochen. Wer weiß, vielleicht war dies ja sogar das Bild, welches die Öffentlichkeit von ihm hatte. So vieles hatte er für seine Tochter und die Erde aufgegeben; nun fragte er sich, ob er die richtigen Entscheidungen getroffen hatte. Sollten seine Tochter und er nun den Rest ihres Lebens im Spiegeluniversum verbringen; einem Ort, in dem Menschen nicht mehr als Sklaven waren?
    Plötzlich fragte sich James, was wohl seine verstorbene Frau zu all dem sagen würde. Hätte sie seine Taten unterstützt, ihm dabei geholfen und sähe sie in ihm nun auch einen Kriminellen? Einen, der Freunde wie Nelson ebenso bereitwillig opferte wie die gesamte Erde und sich mit erklärten Feinden der Menschheit einließ. Sowohl die Intendantin Kira als auch die gesamte restliche Allianz machten ihm Angst. Bisher war er immer glücklich und dankbar für ihre Unterstützung gewesen. Ohne ihr Geld, ihre Mittel, hätte niemals die heutige Operation durchgeführt werden können. Doch wie stark interessierte sich die Allianz für seine Ziele? Möglicherweise musste James einsehen, dass er nur ein Mittel zum Zweck gewesen war. Eines, welches versagt hatte und dadurch entbehrlich geworden war.
    James traf seine Entscheidung. Nicht seinetwillen, sondern wegen Janine. Sie verdiente ein gutes Leben. Sie verdiente überhaupt ein Leben!
    Erstaunlich selbstsicher erhob sich James und ging in das Nebenzimmer, in dem sich seine Tochter befand.
    „Was ist los? Was hast du?“ fragte Janine, doch ihr Vater griff sie nur am Arm und zerrte sie nach draußen.
    „Stell bitte nicht so viele Fragen. Wir haben kaum Zeit!“ entgegnete James und wollte sich mit ihr in Richtung Transporterraum machen. Janine begriff sofort, was ihr Ziel war und riss sich von ihrem Vater los, um in die andere Richtung zu rennen.
    „Wo willst du hin?“ fragte James und rannte ihr nach.
    „Wir können nicht alleine gehen“, flüsterte Janine und ihrem Vater war sofort klar, was sie mit dieser Aussage meinte. Sie wollte Danny nicht zurücklassen. Auch wenn er sie verraten hatte, so war er immer noch der Vater ihres Kindes. Innerhalb weniger Sekunden waren sie bei der Zelle angekommen, vor der ein Bajoraner wartete. Ohne eine Sekunde zu zögern rammte Janine dem Wachmann ihren Ellbogen in das Gesicht und schlug ihn bewusstlos, bevor sie mit dessen Schlüsselkarte die Zelle öffnete. Dort saß der Lieutenant auf einem Stuhl, schlafend und aus zahllosen Wunden blutend. Der Anblick zerriss Janine und sogar James das Herz. Die junge Frau öffnete die Fesseln des Gefangenen.
    „Danny!“ rüttelte sie ihn wach. „Steh auf, wir verschwinden von hier!“
    Bird verstand zwar nicht so ganz, wieso sie auf einmal flohen, der er reagierte instinktiv und erhob sich von dem Metallstuhl. Jedoch musste er von James gestützt werden, so übel war er zugerichtet worden. So schnell es ihnen möglich war humpelten die drei zum nächsten Transporterraum. Von dort aus wollten sie sich zurück in ihr eigenes Universum transferieren.
    Und dann? James war sich noch nicht so sicher, doch alles, sogar eine Haft, war besser als das Leben hier!
    Doch sie erreichten nicht ihr Ziel. Als sie um die letzte Ecke bogen, die sie noch von ihrem Ziel trennten, blickten sie in die Mündungen von mehreren Phasergewehren. Bajoranische Wachen hatten sie ins Visier genommen, angeführt wurden sie von einer feixenden Intendantin Kira Nerys.
    „Mr. Talley, “ meinte sie grinsend, „ich hatte schon erwartet, dass unsere Zusammenarbeit nicht so lange halten würde, wie wir vielleicht gehofft hatten. Doch Verrat hätte ich nicht erwartet.“
    Mit einem mulmigen Gefühl blickte James zu seiner Tochter und Danny. Scheinbar hatten nun die letzten Sekunden ihres Lebens begonnen…


    Und nun die Fortsetzung…

    Am ehesten konnte man die Gefühle, die die Flüchtenden überkamen, mit Schock bezeichnen. Alle drei starrten gebannt die bajoranischen Wachen an, die ihre Waffen auf sie richteten. In den meisten der Gesichter war Zorn zu erkennen, so als hegten sie einen persönlichen Groll gegen die Menschen. Obwohl die meisten von ihnen niemals die Gräueltaten des Terranischen Empires miterlebt hatten, waren sie in dem Glauben an die natürlich Bosheit der Spezies Mensch aufgewachsen. Die Menschen, Vulkanier und alle anderen Völker des ehemaligen Empires stellten für sie den Erbfeind dar, den es erbarmungslos zu bekämpfen galt.
    „Sie sind es doch, die Verrat begeht“, entgegnete James Talley kühl. Ihm war sehr wohl bewusst, dass womöglich in den nächsten Momenten das Ende seines Lebens eintreten würde. Dennoch wollte er zumindest in verbaler Hinsicht der Intendantin Paroli bieten. „Glauben sie etwa mir sei nicht bewusst geworden, dass sie gemeinsam mit dem Regenten meine Absetzung planen? Ihr Misstrauen gegenüber Menschen ist einfach zu groß, als dass sie an eine ehrliche Partnerschaft geglaubt hatten.“
    Dannys Augen blickten wild zwischen der Intendantin auf der einen und James auf der anderen Seite hin und her. Noch immer dröhnte sein Schädel von den Schlägen, noch immer schmerzte sein Körper am gesamten Leib. Jetzt jedoch durfte er sich nicht von dem Schmerz übermannen lassen, wenn er noch heil aus dieser Situation herauskommen wollte.
    „Oh, ich habe schon an eine fruchtbare Zusammenarbeit geglaubt“, erklärte Kira Nerys und lächelte auf die sadistische Art und Weise, die ihr eigen war. „Jedoch denke ich, dass wir unterschiedliche Ziele verfolgten. Diesen Umstand nehme ich voll und ganz auf meine Kappe. Ihr Ziel dieser Operation war es die Regierung der Föderation zu stürzen. Möglicherweise hätte ich ehrlich zu ihnen sein und ihnen erzählen sollen, dass mein Ziel es war die Invasion der Erde vorzubereiten.“
    Entsetzt weiteten sich die Augen Janines, während ihr Vater außerordentlich ruhig blieb. Auch der jungen Frau wurde nun schlagartig der Fehler dieser unheilvollen Allianz bewusst. Was sie mit guten Absichten (in ihren Augen) begonnen hatten, konnte nun in einer Katastrophe enden.
    „Die Invasion der Erde? Aber wieso?“ kreischte die schwangere Frau und schien sich nur mit Mühe unter Kontrolle zu halten.
    „Ist es nicht offensichtlich? Zwar haben wir die Terraner in unserem Universum unter Kontrolle gebracht, doch noch immer stiften Menschen Unruhe. Unruhe, die von ihrem Universum ausgeht. Auch diese Gefahr muss die Allianz schnellstmöglich eliminieren, bevor die gesamte Allianz zu Grunde geht.“
    „Sie sind wahnsinnig!“ war die laute, aber nichtsdestotrotz nutzlose Erwiderung der jungen Frau.
    Danny wusste nicht, was er tun sollte. Am liebsten hätte er etwas in der Art von ich habe es doch gesagt oder dergleichen von sich gegeben, doch dies wäre ihrer Situation alles andere als zuträglich gewesen. Immerhin stand das Ende seines Lebens und das der Frau bevor, welches die Mutter seines Kindes sein sollte. Doch der Lieutenant konnte nichts machen. Selbst wenn man ihn nicht zusammengeschlagen, zahllose Knochen gebrochen und ihn gedemütigt hätte, so wären seine Chancen gegen die zahlreichen bewaffneten Wachen gleich Null gewesen.
    Was also sollte er tun? Dem unvermeidlichen Ende seines Lebens ins Auge sehen?
    Solche Momente waren weitaus weniger heroisch, als es sich Literatur und Film vorstellten. Statt Stolz und Männlichkeit spürte der taktische Offizier der Monitor einfach nur eine große Hoffnungslosigkeit und Leere. In einem anderen Universum zu sterben, ohne dabei wohl die Chance auf ein würdiges Begräbnis zu bekommen, war nicht gerade die Vorstellung von seinem Tod gewesen, die Danny immer gehabt hatte.
    Die Intendantin Kira, die völlig Sinnloserweise noch diesen Titel trug, da sie den bajoranischen Sektor an die Terraner verloren hatte, griff sich eine Phaserpistole von einer der Wachen und legte sie auf den Kopf James´ an. Abermals lächelte sie sadistisch.
    „Ich habe lange überlegt, ob ich sie nicht einfach auf der Stelle hinrichten lassen sollte“, erklärte die zweifelsohne attraktive Frau. „Aber dann habe ich mich daran erinnert, dass Leid manchmal eine viel interessantere Erfahrung sein kann!“
    Ohne einen weiteren Moment zu zögern senkte die Bajoranerin die Waffe herab und schoss einen Energieimpuls in den Bauch von James Talley. Dieser fiel zu Boden und krümmte sich stöhnend, hielt sich dabei mit beiden Händen eine klaffende Bauchwunde. Entsetzt beugten sich sowohl Janine als auch Danny über den getroffenen Mann.
    „Diese Bauchverletzung wird sie noch lange quälen“, erklärte Kira lachend und gab der Wache ihre Waffe zurück. „Sie werden langsam, aber sich ausbluten. Dies soll der Preis für ihren Verrat an mich sein. Bringen sie die Gefangenen in eine Zelle.“
    Die drei Menschen wurden an ihren Armen gepackt und in eine dunkle Zelle geschleift. Sie war zwar ähnlich der, in der Danny die letzten beiden Stunden verbracht hatte, jedoch war es nicht dieselbe. Krachend fiel die schwere Tür ins Schloss und ließ eine wimmernde Janine Talley zurück, die tränenüberströmt ihren vor Schmerz stöhnenden Vater im Arm hielt. Vielleicht wäre der Tod doch eine bessere Option gewesen.

    „Wecken Sie ihn auf.“
    „Bitte?“
    „Wecken Sie ihn auf!“, verlangte Ke’ler erneute, langsamer dieses Mal, dafür mit so viel Nachdruck, dass sich das kleine Büro des Arztes, das direkt an die Krankenstation angrenzte, damit zu füllen schien.
    Doktor Menek erhob sich aus seinem Stuhl um Ke’lers imposanter Erscheinung etwas entgegensetzten zu können – doch sie ließ sich nicht aufhalten: „Ich muss mit dem Antosianer reden. Unverzüglich.“
    „Der Antosianer ist zu schwer verletzt um ihn jetzt aufzuwecken. Ich bin ja froh, ihn nicht in ein künstliches Koma legen zu müssen.“
    Ke’ler packte den Mediziner an seinem Kragen, zog diesen fest zu und schaffte es sogar den überraschten Mann ein klein wenig hochzuheben. Hechelnd und mit ängstlichem Blick sah er die Tal Shiar Agentin an. „Doktor, ich gebe Ihnen hiermit den ausdrücklichen Befehl, den Antosianer aufzuwecken.“
    Doch genauso, wie Ke’ler die Angst in Meneks Augen sah, erblickte er Verzweiflung in den ihrigen.
    „Damit ich wie Sie vor einem Tribunal lande?“, fragte er so herausfordernd, wie es ihm mit zugeschnürter Kehle möglich war.
    „Ich warne Sie Doktor... Einen Tiger, der an der Wand steht, sollte man nicht provozieren.“ Ke’ler zog ihren Griff fester. „Vor dem Tribunal steh ich schon... auf eine Anklage mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an.“
    Diese Aussage ließ Meneks Adrenalin hoch kochen. Bluffte Ke’ler? Oder meinte sie es todernst? Gerade als er nachgeben wollte, wurde ihm die Entscheidung abgenommen. Ke’lers Geduldsfaden riss. Mit einem lauten Schrei ließ sie Menek los und er fiel wie ein nasser Sack zu Boden. Während er versuchte wieder zu Atem zu kommen ging sie hinüber zu Woil.
    „Dann mache ich es eben ohne Sie...“, hörte der Arzt Ke’ler noch vor sich hin murmeln.
    Es dauerte zwei, drei Atemzüge, bis er begreifen konnte, was sie vorhatte. Er rappelte sich auf und versuchte zu sprechen. „Was haben Sie vor?“, brachte er krächzend heraus.
    Schwankend begab sich Menek in den Behandlungsraum und sah, wie Ke’ler an Woils Biobett stand. In ihrer Hand: ein Hypospray!
    „Was tun Sie da?!“, rief der Mediziner geschockt. Schnell setzte er die sich gerade regenerierenden Beine in Bewegung und versuchte Ke’ler das Spray aus der Hand zu schlagen.
    Er kam jedoch zu spät, die Flüssigkeit ergoss sich aus dem Hypospray in Woils Adern. Und dieser reagierte sofort. Auf dem Bildschirm über dem Biobett begannen alle Lichter zu blinken und alle Warnsignale ertönten. Woils Atemfrequenz schnellt in die Höhe.
    Ke’ler trat einen Schritt zurück und ließ den Arzt seine Arbeit machen. Er scannte den Antosianer mit einem Handscanner.
    „Verdammt, was haben Sie ihm injiziert?“
    „Ketracel Weiß, intravenös...“
    Menek traute seinen Ohren nicht. Was hörte er da? „Sind Sie verrückt?“
    Eine Antwort erwartete er gar nicht. Schnell füllt er ein weiteres Hypospray und verabreichte den Inhalt Woil. In der Hoffnung, seinen gestiegenen Puls und seine beinah schon Hyperventilierende Atmung wieder in den Griff zu bekommen. Das Medikament entfaltete sogleich seine Wirkung. Jedoch nicht wie erhofft.
    Mit einem Ruck setzte sich Woil auf. Das Atmen fiel ihm noch schwer, ebenso das Wachsein. Er blickte sich verängstigt um. Es schien beinah so, als sei er nicht mehr darauf gefasst gewesen, etwas zu sehen.
    Ke’ler lachte zufrieden bis über beide Backen. Der erst Schritt war getan.
    „Menek an Brücke, Subcommander, Sie sollten sofort hier her kommen“, wies der Arzt an, während er zu der Frau blickte, die dies alles verursacht hatte. „Und bringen Sie ein paar Sicherheitsoffiziere mit.“
    „Ich bin schon unterwegs Doktor“, erklang Telks Stimme über die Lautsprecher in der Decke.
    Der Arzt sah zur Geheimagentin und spürte, wie sich plötzlich jedes Haar an seinem Körper aufstellte. Ke’ler erkannte diesen Blick. Schon oft hatte sie ihn gesehen und gespürt. Sie war trainiert worden, diesen Blick zu erzeugen. Diesen Blick, der jeden gefügig macht.
    „Ich erreiche immer mein Ziel Doktor... das dürfen Sie nie vergessen.“

    Glücklicherweise musste die Crew der Monitor nicht all zu lange warten. Es verging nur eine knappe halbe Stunde, in der sie auf die Ankunft von Projekt Zeichen warten mussten. In dieser Zeit sprach man auf der Brücke nur wenig. Die meisten vertieften sich in ihre Arbeitsstationen, versuchten sich von der Anspannung und dem Schlafmangel abzulenken. Auch John Lewinski war übermüdet, doch das Adrenalin hielt ihn wach, zumindest die meiste Zeit über. Wenn er, so wie jetzt, nichts anderes machen als warten konnte, lief er permanent Gefahr in seinem Stuhl einzuschlafen. Damit dies nicht geschah, dachte der Kommandant der Monitor nach. Die meisten seiner Gedanken kreisten um seinen ersten Offizier. Inständig hoffte John, dass Matt Price mit der Belastung fertig wurde. Zwar hatte dieser glaubhaft versichert an der Mission teilnehmen zu können, doch dem Captain blieben Zweifel. Er selbst hatte auch schon beide Elternteile verloren und wusste ganz genau, welch schweren Verlust dies darstellte. Der Tod seines Vaters hatte ihn in ein tiefes Loch fallen lassen. Lange hatte John mit dem Schicksal gehadert, sich gefragt, wieso das Universum einen so guten Menschen wie seinen Vater mit Krebs bestraft hatte. Schließlich hatte er es geschafft mit dem Kapitel abzuschließen. Noch immer beschlich ihn ein Gefühl der Trauer, wenn er an Luke Lewinski zurückdachte, doch inzwischen konnte er mit diesen Momenten umgehen.
    Es war schon seltsam. John hatte beide Elternteile verloren. Commander Price hatte zwar noch einen Vater, sich aber scheinbar mit ihm zerstritten, da er ihn für den Selbstmord seiner Mutter verantwortlich machte. Ob und wie viel Einfluss Arsani Parul wirklich auf den Tod von Birgit Price hatte, dies wusste John beim besten Willen nicht und er zweifelte auch stark daran, dass Matthew dazu etwas sagen konnte. Scheinbar fokussierte er derzeit seine ganze Trauer und den ganzen Frust über den offenkundig sinnlosen Tod seiner Mutter auf Arsani Parul. Betazoiden war ein, genauso wie Menschen, sehr emotionales Volk und obwohl Price nur zur Hälfte diesem Volk angehörte, fühlte er sich mehr denn je dieser Spezies zugehörig. Derzeit befand sich noch Dr. Frasier auf der Brücke, die hoffentlich eine beruhigende Wirkung auf ihren Freund hatte. Es war gut, dass sie sich in seiner Nähe befand und ihm so auf einfachste Art und Weise Trost spenden konnte. Später, wenn dieser furchtbare Tag endlich vorbei wäre, könnten sie alle ihren Schmerz und ihre Trauer aufarbeiten. Nicht nur um Birgit Price, sondern auch um Ardev, Sanchez und all die anderen, die durch den heutigen Tag zu Schaden gekommen waren.
    „Drei Schiffe nähern sich unserer Position,“ meldete Lieutenant Tellom plötzlich und riss den Captain damit aus der Lethargie. Auch die Terellianerin war natürlich immer noch in Sorge über ihren im Krankenhaus liegenden Ehemann, doch dieser war inzwischen über den Berg und würde sich von seinen Verletzungen erholen. Nur zu gerne hätte der Kommandant Ardev bei dieser Sache dabei gehabt, doch sie alle mussten nun auf den beliebten Andorianer verzichten. Sie würden es auch so schaffen müssen.
    „Identifikation?“ fragte Lewinski.
    „Es handelt sich um Sternenflottenschiffe, jedoch gehören sie zu einer uns unbekannten Klasse. Solche Konfigurationen habe ich noch nie gesehen!“ erläuterte Arena und blickte konzentriert auf die Sensordaten.
    „Auf den Schirm!“
    Das Bild auf dem Projektor wechselte und zeigte die drei Schiffe, die nur entfernt an Sternenflottenraumschiffe erinnerten. Abgesehen von den typischen Warpgondelkonstruktionen wirkten sie seltsam fremd, fast schon experimentell. Hierbei musste es sich um Schiffe handeln, die von Projekt Zeichen geführt wurden.
    „Wir werden gerufen.“
    Auf dem Sichtschirm erschien nun das Gesicht von Captain Hu-Lin Radisson. Dieser hatte immer noch die Manifestation eines Seemannes gewählt und daher war ihnen kein Blick auf die Brücke seines futuristischen Schiffes vergönnt. Stattdessen zeigte sich hinter dem altertümlichen Kapitän weiterhin die Kulisse eines alten Segelschiffes.
    „Captain Lewinski“, begrüßte Radisson ihn, „wie sie sehen können habe ich mein Versprechen eingehalten. Ich präsentiere ihnen die Schroedinger, die Heisenberg und die Ericksson, die neuesten Schiffe unserer Organisation.“
    „Sie sind in der Tat beeindruckend. Ich nehme nicht an, dass sie uns einige ihrer faszinierenden Spezifikationen verraten können?“ fragte Lewinski und kannte schon die Antwort.
    Radisson lachte und antwortete:
    „Natürlich nicht, Captain. All dies hier ist streng geheim. Eigentlich hätte keiner von ihnen diese Schiffe jemals sehen dürfen. Nur ihrer Überzeugungskraft allein ist es zu verdanken, dass ich mich zu dieser Sache habe überreden lassen. Ich denke es versteht sich von selbst, dass sie am Ende alle Daten bezüglich dieses Treffens aus ihrem Computersystem löschen werden.“
    „Selbstverständlich“, bestätigte John und konnte die enttäuschten Gesichter seiner Brückenoffiziere erkennen. Alle hätten sich am liebsten intensiver mit den hochinteressanten Schiffen beschäftigt. „Wie wird nun das weitere Vorgehen sein?“
    „Dies ist ganz einfach, zumindest aus meiner Sicht: wir werden unsere drei Schiffe nutzen, um ihnen einen Übergang in das Spiegeluniversum zu ermöglichen. Dazu wird jedoch einige Zeit von Nöten sein. Ich bitte sie daher sich in Geduld zu üben.“
    Statt einer weiteren verbalen Antwort nickte John nur und das Gesicht Radissons verschwand vom Hauptschirm. Dieser zeigte nun wieder die drei Schiffe von Projekt Zeichen, die eine seltsame Dreieckformation annahmen.
    „Ich registriere einen Energieanstieg bei den drei Schiffen“, meldete Commander Price und tatsächlich schien sich so etwas wie ein Energiestrahl an den Deflektorschilden aufzubauen. Unmittelbar im Anschluss schoss ein blendender Energiestrahl zwischen den Schiffen hin und her, ließ ein energetisches Dreieck entstehen. Auf eine entfernte Art und Weise erinnerte es dabei an ein tholianisches Netz.
    „Was machen die da?“ fragte Dr. Frasier.
    „Ich denke, wir werden schon bald die Antwort erhalten“, murmelte John und blickte fasziniert auf dem Wandschirm.

    Die kurze Flucht hatte also die Situation für Danny nicht gerade verbessert. Ihr Ausbruch war jäh gestoppt worden und nun befand er sich abermals in einer Gefängniszelle, wo er auf sein wahrscheinliches Ende warten musste. Der einzige Unterschied war, dass er sich nun nicht mehr allein diesem Raum befand, sondern gemeinsam mit Janine und James Talley hier auf den Tod warten musste; wobei der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee wohl am nächsten an diesem finalen Zustand dran war. Es war schon seltsam. Was die Föderation monatelang versucht hatte, war der Allianz des Spiegeluniversums innerhalb weniger Stunden gelungen: die Zerschlagung dieser Terrorgruppe.
    Immer noch mit den aus der Folter resultierenden Schmerzen kämpfend, lehnte Lieutenant Bird an der Zellenwand und betrachtete Janine, die tränenüberströmt ihren am Boden liegenden Vater im Arm hielt. Immer noch strömte Blut aus seiner Bauchwunde. Scheinbar hatte die Waffe ein Antigerinnungsmittel hinterlassen, die eine Heilung ohne die entsprechenden Medikamente und eine Operation unmöglich machten. James stand ein langer und vor allem schmerzhafter Tod bevor. Obwohl es sich eigentlich um eine fast schon biblische Gerechtigkeit handelte, dass der Mörder Hunderter Menschen selbst mit dem Leben zahlen musste, tat er Danny leid. Hatte er sich etwa schon zu sehr mit diesen Menschen, die er eigentlich ausspionieren sollte, identifiziert? Nein, dem war nicht so. Viel mehr waren es genau diese Empfindungen, die Danny von James unterschieden. Er hatte Mitleid mit anderen, selbst wenn es sich dabei um seinen Feind handelte.
    Und der bedauerte Janine. Die Frau, in die er sich verliebt hatte und die Mutter seines Kindes sein würde. Noch wusste der taktische Offizier nicht, dass er einen Sohn bekommen würde. Doch dieses Wissen war derzeit nur sekundär.
    Weinend kauerte die junge Frau am Boden und deutlich war ihr ihre Verzweiflung anzusehen. Sie fühlte sich hilflos, war nicht in der Lage ihrem Vater zu helfen. Ihre Mutter hatte sie schon vor langer Zeit verloren, nun lag auch ihr geliebter Vater im Sterben. Alle ihre Ziele, die gesamte Mission war nun für Janine vergessen. Ihre gesamte Welt drehte sich nun nur noch um den verletzten Vater.
    „Wie konnte dies alles nur passieren?“ fragte Janine, wobei nicht sicher war, ob sie diese Frage ihrem Vater oder sich selbst gestellt hatte. Es war ein Ausruf der Verzweiflung.
    „Bitte weine nicht“, ächzte ihr Vater und versuchte seiner Tochter Mut zu machen, was ihm jedoch nur leidlich gelang. Zu besorgniserregend war sein Zustand.
    „Ich soll nicht weinen?“ kreischte Janine und drückte einmal mehr ihren Vater an sich, wobei ihre Kleidung noch mehr von seinem Blut getränkt wurde. „Was kann ich nur tun, um dir zu helfen?“
    James wollte zu einer Erwiderung ansetzen, blickte dann jedoch zu dem in der Ecke stehenden Danny Bird.
    Dieser verstand die Geste, trat zu seiner Geliebten und legte ihr vorsichtig eine Hand auf die Schulter. Die Geste sollte Mut und Kraft spenden, blieb jedoch weitestgehend wirkungslos.
    „Janine…,“ räusperte sich Danny und musste erst einmal selbst einen dicken Kloß herunterschlucken. „Du kannst deinem Vater nicht mehr helfen!“
    Doch die junge Frau wollte diesen Umstand nicht wahr haben. Sie verdrängte die Wahrheit, so wie es normal für Menschen in ihrer Situation war. Alles drehte sich für sie nur noch um ihren im Sterben liegenden Vater. Die Gefangenschaft, die Allianz, eine mögliche Exekution, all diese Dinge waren in weite Ferne gerückt und nicht mehr wichtig.
    „Wie kannst du nur so etwas sagen?“ fragte Janine aufgebracht und schlug Birds Hand beiseite. „Irgendetwas müssen wir doch tun können!“
    „Ohne medizinische Hilfe ist dein Vater verloren! Er hat eine schwere Schusswunde im Bauch erlitten. Sein Blut kann nicht gerinnen, er hat schon mehrere Liter verloren.“
    Dannys Aussage war korrekt. Man musste nur James blasse Gesichtsfarbe betrachten, um den Ernst der Lage zu erkennen. Selbst der Anführer der Föderale Befreiungsarmee hatte sein Ende erkannt.
    „Wir müssen um medizinische Hilfe bitten!“ flehte Janine und drückte einmal mehr ihren Vater.
    „Die Allianz wird uns nicht helfen“, röchelte James. „Sie wollten doch meinen Tod! Sieh es endlich ein, Janine!“
    Doch Janine Talley wollte es nicht einsehen. So, als ob sie seine Worte nicht gehört hatte, versuchte sie abermals mit ihrem zerrissenen Pullover die Blutung zu stoppen, scheiterte jedoch erwartungsgemäß. Auch Danny war ratlos. Sie hatten nun einmal die Flucht versucht, waren dabei gescheitert. Ein zweites Mal würde die Allianz sie nicht so leicht entwischen lassen. Nicht nur James Talleys Tod stand unmittelbar bevor; möglicherweise musste er auch schon bald mit seinem eigenen Ende rechnen!

    Wie ein gestürzter Riese saß Jozarnay Woil auf dem Biobett der romulanischen Krankenstation. Etwas abseits standen Telk, Ke’ler und Menek. Eine Wache stand nur wenige Schritte von Woil entfernt. Immer mit dem Disruptorgewehr drohend.
    Zufrieden beobachtete Ke’ler ihr Werk und hörte gar nicht auf die Reihe von Beschwerden, die Telk schon seit 10 Minuten vorbrachte. Ihre Ignoranz schien ihn jedoch nur noch weiter aufzustacheln.
    „... Sie hätten ihn umbringen können! Eine doppelte Dosis Weiß... das hätte ja sogar einen Klingonen zur Strecke gebracht. Ich sollte sie hinrichten lassen, hier auf der Stelle. So eine verantwortungslose Person wie Sie es sind, ist mir schon lange nicht mehr untergekommen.“
    „Atmen Sie auch zwischendurch?“, fragte Ke’ler.
    Sprachlos blickte Telk zu Menek. Der versuchte jedoch ausweichend zur Decke zu blicken.
    „Sie müssen nerven wir Drahtseile haben!“
    „Und Sie das Hirn einer Hügelratte!“, erwiderte sie.
    Eine kurze Stille folgte, die Menek dazu nutzte, sich unter einem fadenscheinigen Vorwand davon zu machen.
    „Sie sollten sich schon mal an unsere Arrestzelle gewöhnen. Denn die wird das einzige sein, das sie während des Fluges noch zu Gesicht bekommen.“
    „Dann sollten Sie bessere Nachforschungen anstellen. Dieser Mensch, den ich Ihnen beschrieben hab, ist ein Techniker, angeheuert bei den Schiffswerften von Sol IV. Dieser Antosianer“, Ke’ler deutete auf den Angesprochenen „Jozarnay Woil – war bis vor einem Jahr der Chefingenieur des Schiffes Monitor. Diese zwei Menschen treffen wir auf Talar. Haben Sie auch nur den Hauch einer Ahnung, was da dahinter stecken könnte?“
    „Das ist nicht mein Befehl und auch nicht mein Auftrag. Ich sollte das Schiff eigentlich leer zur Vertron Kolonie bringen. Randvoll mit Tal Shiar Agenten und einem von den Toten auferstandenen Antosianer muss ich jetzt erst den Romulus ansteuern. Das kostet mich Wochen“, wich Telk aus.
    „Was, wenn die Föderation plant den Talar einzunehmen? Eine zentrale Welt. Dies könnte ihr einen größeren taktischen Vorteil verschaffen als all ihre so genannten friedlichen Bemühungen – die multiplanetare Allianz, die Friedensgespräche mit unserer Regierung, der Austausch von Geheimdienstmaterial – zusammen. Die Föderation war und bleibt eine korrupte Scheindemokratie, die nur die Expansion im Blick hat, damit ihr verschwenderischer Luxus irgendwie bezahlt werden kann.“
    „Das sind alles unbelegte Hirngespinste. Ihr Agenten seid doch alle gleich. Durch eure Ausbildung wurdet ihr zu paranoid für die Wirklichkeit. Denn allein die Aufrechterhaltung des alten Feindbilds ist doch eure Existenzberechtigung. Und wenn das nicht mehr genügt, erfindet ihr Gegner.“
    „Ihr dürft nicht auf die Föderationspropaganda und die Testament-Lüge hereinfallen“, wandte Subcommander Ke’ler ein.
    Telk erwiderte ihren Blick trocken. „Für ein einstudiertes Dementi wirkte das ziemlich unglaubwürdig.“
    „Ich habe mein Leben dem Erhalt des Imperiums gewidmet. Sie werden mich nicht daran hindern“, stellte sie klar.
    „Aber ich kann Sie daran hindern, einen Gefangenen hinzurichten.“
    „Sie haben von Schuld gesprochen, erinnern Sie sich? Als ich vorhin in Ihrem Quartier war. Vielleicht klebt tatsächlich das Blut meiner gefallenen Kollegen an meinen Händen. Hier sitzt meine Chance meine Hände rein zu waschen.“
    „Dann geht es jetzt also um ihr Ego? Und nicht mehr um die Sicherheit des Imperiums.“
    Ke’ler schüttelte den Kopf. „Sein Zustand war kritisch. Er hätte auf dem Weg zu einem ordentlichen Krankenhaus, zu einer ordentlichen Krankenstation sterben können. Unser Rückflug zum Romulus dauert noch Wochen mit diesem kleinen Schiff. Was, wenn es bis dahin zu spät ist?
    Was, wenn bis dahin weitere Romulaner ihr Leben haben lassen müssen? Dann lieber Subcommander, dann wird das Blut dieser Romulaner an ihren Händen kleben.“
    Der Zorn packte Telk. Er stampfte mit seinem künstlichen Fuß auf und wenn Blicke töten könnte, wäre Ke’ler nur viergeteilt an irgendwelche Raubtiere verfüttert worden.
    Dann traf der abgehalfterte Kriegsveteran, der mit dem Kommando eines kleinen Frachters auf die Seite geschoben und nicht mal zum Commander befördert worden war, die wohl wichtigste Entscheidung seiner Karriere. Er widerstand dem Drang, Ke’ler an den Hals zu springen, er widerstand dem inneren Drang nach einem Urschrei.
    „Na schön. Sie dürfen ihn befragen. Aber der Doktor wird die ganze Zeit über anwesend sein. Und – Sie werden ihm kein Haar krümmen. Ich will ihn in einem Stück und lebend zum Romulus bringen.“
    Wieder lächelte Ke’ler. „Sie werden es nicht bereuen.“

    Immer noch bauten die drei Schiffe von Projekt Zeichen das Energiefeld auf. Es war eine lange und schwierige Operation, soviel konnte die Crew der Monitor erahnen. Aufgeregt blickten die meisten Brückenoffiziere abwechselnd auf den Wandschirm und dann wieder auf ihre Anzeigegeräte. Gerade weil sie die Informationen wieder löschen mussten, wollten sie so viel Wissen wie möglich aufsagen, um sich ein Bild von den aktuellen Ereignissen machen zu können. Immerhin versuchten sie hier etwas, was noch nie zuvor jemand probiert hatte: den Transfer eines ganzen Raumschiffs in das Spiegeluniversum.
    Endlich erschien Captain Radisson wieder auf dem Sichtschirm. Einmal mehr fragte sich John Lewinski, ob Radisson nun ein Mann oder eine Frau war. Oder ob diese Person überhaupt tatsächlich existierte.
    „Das Feld ist aufgebaut worden“, erklärte der Leiter von Projekt Zeichen. „Ihr Transfer in das Spiegeluniversum kann nun beginnen.“
    In der Tat schien sich im All ein dreieckiger, leuchtender Riss gebildet zu haben, der den Blick auf weitere Sterne ermöglichte. Scheinbar die erste Sicht auf ein anderes Universum.
    „Ich danke ihnen für ihre Hilfe“, entgegnete Lewinski und atmete tief durch.
    „Ich habe ihnen einen Code übermittelt, den sie bei Bedarf aktivieren können. Dieser sendet ein verschlüsseltes Signal zu uns. Im Anschluss werden wir wieder das Feld generieren, um ihnen eine Rückkehr zu ermöglichen.“
    „Werden sie in der Lage sein das Signal zu empfangen?“
    „Es ist transdimensional“, erklärte Radisson mit einem Lächeln. „Leider werden sie, um den Transfer durchführen zu können, sowohl ihre Tarnvorrichtung als auch ihre Schilde deaktivieren müssen. Es gibt leider keine andere Möglichkeit.“
    Natürlich gefiel John dies ganz und gar nicht, doch er hatte keine andere Wahl, als sich dieser Empfehlung zu fügen. Dennoch ließ er die gesamte Besatzung sich auf Kampfstation begeben. Der Umstand, dass sie nicht wussten, was sie auf der anderen Seite erwartete, machte sie alle nervös. Daher wollte er auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Wabernd erschien die Monitor zwischen den drei anderen Schiffen, nachdem sie ihre Tarnvorrichtung deaktiviert hatte.
    „Ich wünsche ihnen alles Gute“, meinte Captain Radisson und verschwand ohne jede weitere Verabschiedung vom Bildschirm.
    Ein letztes Mal blickte Captain Lewinski seine Brückenoffiziere an. Price, Frasier, Tellom, Halek, Kensington, sie alle wusste nicht, was sie nun erwarten würde. Jedoch vertrauten sie voll und ganz dem Urteil ihres Captains. Es würde schon alles gut werden.
    „Sind die Waffen geladen?“ fragte Lewinski ein letztes Mal nach.
    „Ja, sowohl Phaser als auch Torpedos sind voll einsatzbereit“, erklärte Fähnrich Kensington und ließ ihre Arbeitsstation nicht aus den Augen.
    Nun war es also soweit. Zum ersten Mal in der Geschichte der Föderation, vielleicht sogar des Quadranten würde ein ganzes Raumschiff in ein anderes Universum wechseln. Was sie wohl auf der anderen Seite erwarten würde?
    „Bring uns durch die Öffnung“, befahl Lewinski in Richtung Price, „ein Viertel Impuls.“
    Die Finger des Halbbetazoiden flogen über die Steuerkonsole und langsam steuerte das Schiff auf die Öffnung hinzu. Das Spiegeluniversum rückte immer näher und schließlich passierten sie das transdimensionale Tor. Sicherlich arbeiteten die Sensoren der drei Schiffe von Projekt Zeichen mit Hochdruck, um so viele Daten wie möglich über den Transfer aufzuzeichnen. Das Ergebnis schien jedoch weitaus weniger spektakulär zu sein, als manch einer vermutet haben dürfte. Captain Lewinski hatte gerechnet irgendwelche Auswirkungen des Transfers in das Spiegeluniversum zu verspüren, vielleicht Schwindel, Benommenheit oder Übelkeit, jedoch trat nichts davon ein. Hätte er es nicht auf dem Wandschirm gemerkt, ihm wäre der Transfer in das Spiegeluniversum gar nicht bewusst geworden.
    Da dies jedoch der erste Transfer eines Schiffes in das Spiegeluniversum war, wusste keiner um die begleitenden Umstände einer solchen Reise. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass niemand von den Sensorstörungen wusste, die mit diesem Dimensionssprung einhergingen. Sämtliche externen Sensoren fielen aus und ermöglichten daher keinen Blick mehr in das sie umgebende All.

    Auf der Brücke des klingonischen Flaggschiffs, welches immer noch den Mond umkreiste, wurde ein Alarm ausgelöst, der umgehend von Captain Martok geprüft wurde. Schon seit geraumer Zeit hatten die Klingonen irritiert das interstellare Phänomen, nämlich den transdimensionen Riss, beobachtet und waren aus ihm nicht schlau geworden. Wissenschaft war noch nie eine Stärke dieser Spezies gewesen und daher hatten sie nicht die Natur dieser Anomalie feststellen können. Was sie nun jedoch zweifelsfrei bemerkten, war ein aus dem Riss auftauchendes Schiff. Martok schnaubte und rief den Regenten, der sofort aus seinen Privaträumen auf die Brücke stürmte.
    „Was ist los?“ schrie Worf, der offensichtlich ungehalten über die Störung war. Immerhin wollte er sich etwas mit einer Konkubine entspannen; ein Plan, der nun durchkreuzt worden war.
    „Mein Gebieter“, erklärte Martok und eilte zu dem Regenten, der sich mit einem lauten Knall in seinen Sessel hatte fallen lassen, „vor einer knappen halben Stunde haben wir eine Anomalie im Orbit der Erde entdeckt. Aus diesem ist nun ein Schiff aufgetaucht, welches von den Spezifikationen der Defiant gleicht.“
    „Wie meinen sie das? Ist es nun das Rebellenschiff oder nicht?“
    Martok blickte zu seinem Offizier an der Sensorstation, der jedoch energisch den Kopf schüttelte.
    „Das Schiff ähnelt der Defiant, weißt jedoch einige Unterschiede auf.“
    Der Regent schaute den Raumschiffkommandanten mit einem Blick an, der töten konnte. Ihm missfielen die wagen und ungenauen Aussagen von dem Captain, der ihm schon lange ein Dorn im Auge war.
    „Wollen sie mir damit etwa sagen, dass die rebellischen Terraner über ein zweites Schiff dieser Klasse verfügen?“
    Auch Martok hielt nichts von dem Führer der Klingonischen Konföderation, doch dies spielte derzeit keine Rolle. Was zählte, war das Auftauchen eines offenkundig menschlichen Schiffes. Laut ihren eigenen Anzeigen war dieses Schiff derzeit sprichwörtlich blind, was an der Anomalie liegen musste. Diese Gelegenheit mussten sie nutzen.
    „Gebieter, ich schlage umgehend einen Angriff vor!“
    „Dann tun sie das!“ schrie Worf und ballte seine Hände zur Faust. Ein zweites Schiff, ähnlich der Defiant, konnte eine große Bedrohung darstellen, welche auf der Stelle beseitigt werden musste. Am besten sofort!“
    Der Raumschiffkommandant beschloss keine weitere Zeit zu verlieren, sondern eilte zur Kommunikationsstation und befahl einem Schiff der K´Vort-Klasse sowie mehreren Bird of Preys aus der Formation auszuscheren und das Feuer zu eröffnen.

    Lebendig wirkte Jozarnay Woil wahrhaftig nicht. Schlaff hingen seine Arme von seinem Körper herab, es fehlte ihm sogar die Kraft, den Kopf zu heben. In dem kleinen dunklen Verhörraum, der nur von einem Licht direkt über Woil, einigermaßen erhellt wurde, sollte das Verhör stattfinden.
    Soeben hatte der letzte Sicherheitsoffizier den Raum verlassen, nachdem Woil an den Stuhl gekettet war, der in der Mitte des Raums unter der Lichtquelle stand. Nun war er allein mit Ke’ler.
    Im Nebenzimmer hielt sich Doktor Menek auf und beobachtete die medizinischen Daten Woils, die auf einem Bildschirm eingeblendet wurden. Die Sicherheitsoffiziere, die eben noch im Verhörraum waren betraten nun das Nebenzimmer und warteten dort. Durch eine große Scheibe konnten sie von hier aus alles beobachten, was im Verhörraum geschah. Die Scheibe war dabei so gut maskiert, dass sie von der anderen Seite aus überhaupt nicht zu erkennen war.
    Ke’ler sammelte ihre Gedanken. Jedes Verhör lief anders. Die Bahnen waren zwar immer dieselben, doch der Verlauf änderte sich andauernd. Dies war der Nervenkitzel bei Verhören. Zudem hat jeder Befragte eine andere Redeschwelle. Und die muss erst erkundet werden.
    Die Luft war zum Zerreißen gespannt. Zumindest für die wenigen Zuschauer. Ke’ler war die Ruhe selbst und Woil war noch zu benommen um auch nur erahnen zu können, was mit ihm geschah.
    Sorgfältig legte sich Ke’ler ihre Strategie zu Recht. Der Einstieg war immer ein wichtiger. Schließlich musste dieser schon heftig, aber noch steigerbar sein.
    Sie öffnete den Mund, holte tief Luft und... hielt inne. Jozarnay murmelte etwas. Da sie es nicht genau verstehen konnte, trat sie einen Schritt näher und ging sogar in die Knie.
    „Herr gib mir die Kraft, den Versuchungen zu widerstehen, Herr gib mir die Weisheit, das Gute zu erkennen, Herr gib mir die Hoffnung um... um...“
    Ke’ler seufzte, richtete sich wieder auf und begann ihr Verhör. „Mr. Woil, Sie wurden sterbend auf einem sterbenden Planeten gefunden. Was machten Sie da?“
    „Herr, gib mir die Hoffnung um...“, langsam wiederholte er diese Zeile. Ihm schienen die nächsten Worte nicht mehr einzufallen. Ihn beschäftigte das mehr als alles andere.
    „Wissen Sie, wo Sie sind?“
    Woil antwortete nicht. Er begann schwerer zu atmen. Dann legte er seinen Kopf zurück. Als würde ein großer Druck auf seinen Schultern lasten, hoffte er an der Decke eine Erleichterung zu finden.
    „Ich muss Sie warnen, Sie leiden an einem Ketracel Weiß Schock. Die Dosis wird eine Weile anhalten, jedoch werden die Nachwirkungen danach unberechenbar sein.“ Sie versuchte so eindringlich wie möglich zu Woil zu sprechen. Sie hatte jedoch keine Ahnung, ob sie überhaupt zu ihm durchdrang. „Wir wissen nicht, ob sie in einigen Stunden überhaupt noch sprechen können, geschweige denn leben.“
    „Nein, das finde ich nicht!“, schrie Woil plötzlich so laut, dass Ke’ler zusammenzuckte vor Überraschung.
    Wut zeichnete sich plötzlich im Gesicht des Gefangenen ab. Konnte sie das ausgelöst haben? Woil versuchte seine Augen zu schließen, er wollte sich abwenden von irgendetwas.
    Ke’ler beschloss, sich davon nicht abhalten zu lassen. Vielleicht war es noch zu früh. Vielleicht war der Weiß-Spiegel in seinem Blut einfach noch zu hoch um ein gutes Verhör durchführen zu können.
    „Lass mich doch endlich in Ruhe!“, schrie Woil erneut, ohne jedoch die Romulanerin zu beachten. Es war ihr unklar, ob sie ihm überhaupt schon aufgefallen war.
    Energisch packte sie seinen Kopf und hielt ihn so, dass er ihr in die Augen sehen musste. „Was haben Sie auf Talar gemacht?“
    Jozarnay Woil atmete schneller. Panik war in seinen weit aufgerissenen Augen zu sehen. Der Schweiß bedeckte sein Gesicht beinah vollständig. Und doch schien seine Haut kalt und warm gleichzeitig zu sein.
    „Neeeeeeeeeiiiiiiiiiiin!!“, schrie Woil.
    Und als wäre es ein Hilfeschrei gewesen, betrat Telk in den Raum und bedeutete Ke’ler nur mit einem stummen Blick aufzuhören.
    Sie lies auch sofort von ihm ab.
    „Lassen Sie ihm noch etwas Zeit. Die Drogen müssen erst etwas abklingen.“
    Resigniert blickte die Geheimagentin zu Woil. „So schnell werden Sie mich nicht los.“
    Dann gingen die beiden Romulaner und ließen den Antosianer in seinem dunklen Kerker.
    „Da geht sie dahin... “ Stella Tanner tänzelte um Woil herum und hatte eine bemerkenswert gute Laune.
    „Hast du diesen knackigen Po gesehen? Ganz nach deinem Geschmack. Sie scheint auch annähernd so viel Temperament wie ich zu haben. Du bräuchtest dich nicht zu schämen, wenn du etwas für sie empfindest.“
    „Lass mich in Ruhe“, forderte er, ruhiger dieses Mal. „Ich will mit dir nichts mehr zu tun haben.“
    „So, das hast du also beschlossen? Und ich werde nicht mehr dazu gefragt, oder?“
    „Ich bin dem falschen Pfad zu lange gefolgt. Dieses Leben soll hinter mir sein.“
    „Wie kommst du denn so plötzlich auf diesen Irrsinnigen Gedanken, ich wäre der falsche Pfad?“ Stella schien ihm diesen plötzlichen Vertrauensbruch nicht übel zu nehmen. Dann begann sie plötzlich lauthals zu lachen. „Oh nein, du hast doch nicht etwa zu deinem Glauben zurückgefunden? Hat dich der alte Herr etwa mit leerem Gesülze über Liebe und Vertrauen zugeschüttet? Nun, du warst an der Schwelle zum Tod. Kein Wunder, du hättest da wohl jeder Stimme geglaubt, die zu dir geflüstert hätte. War es so?“
    Stumm nickte Jozarnay.
    „Aber wer hat dich zurückgeholt? Wessen Liebe kannst du dir sicher sein? Ich habe dich aus deinem Verlies heute Morgen befreit, nicht dein Gott!“
    „Lass mich in Ruhe...“, flehte er.
    „Und wenn nicht?“, konterte Stella. „Du weißt, dass mich die meisten Menschen schon nicht zur Freundin haben wollen und erst recht nicht zur Feindin“, flüsterte sie ihm ins Ohr. Woil begann verzweifelt zu weinen. „Ich bin in der Lage dich dein Leben lang mit meiner Liebe zu überhäufen. Und genau so bin ich in der Lage schlimmer als dein schlimmster Albtraum zu sein.“
    Jozarnay war nicht in der Lage zu antworten. Er weinte inzwischen wie ein Schlosshund. Als hätte er noch nie in seinem Leben geweint, entlud sich die endlose Hoffnungslosigkeit des Tages in diesen Tränen. In Tränen der Selbsttäuschung. In Tränen des Schmerzes. In Tränen der Lügen, der Liebe, des Verlusts, der Hoffnung, der Endlichkeit, der Unendlichkeit.
    In diesem Moment war Jozarnay zum ersten Mal an diesem Tag bereit sein Leben her zu geben. Oft war er schon sehr nah dran gewesen, doch nun fehlte ihm das letzte bisschen Kraft, das ihn bisher hatte überleben lassen.

    Das erste, was die Crew der Monitor vom Spiegeluniversum sah, war der entsetzliche Anblick der Erde. Eben noch hatten sie einen strahlenden blauen Planeten, mit riesigen Ozeanen und fruchtbarer Landmasse gesehen, nun erblickten sie eine fahle Kugel, ausgestorben und trostlos. Das Bild wirkte wie die Manifestation eines Albtraums für Captain Lewinski. Wie die meisten anderen war er zum ersten Mal im Spiegeluniversum. Natürlich hatte er auch die Berichte von Offizieren gelesen, die hier gewesen waren und er hatte sich oftmals mit Danny über seine wenigen Aufenthalte in diesem Universum unterhalten. Jetzt aber selbst die Erde so verwüstet zu sehen, ließ ihn stocken. Auch für die restliche Brückenbesatzung schien die Zeit stehen zu bleiben, als sie alle den gewaltigen Planeten betrachteten. Selbst Fähnrich Kensington, die eigentlich auf die ausgefallenen Sensoren achten sollte, ließ sich zu einem langen Blick hinreißen. Noch vor wenigen Stunden hatten sie das Ende der Erde verhindert; nun erblickten sie eine vernichtete Wiege der Menschheit. Ob die Erde in ihrem Universum auch so ausgesehen hätte, wenn sie nicht das Virus hätten eindämmen können? Die ganze Zeit über hatten sie in Gedanken über eine verwüstete Erde spekuliert, über einen Planeten ohne Leben. Nun sahen sie ihn vor sich und der Anblick war grausamer als alles, was sie sich jemals hätten erträumen können. Gott sei Dank hatten sie eine solche Welt verhindern können. Dieser nur wenige Sekunden dauernde Blick auf eine zerstörte Erde war ihnen allen Lohn genug für diesen langen Tag.
    Heftige Erschütterungen rissen sie alle aus ihren Gedanken. Alarmsirenen heulten auf, Leitungen und Konsolen explodierten aufgrund von Überlastungen.
    „Bericht!“ schrie Lewinski gegen den Lärm an und musste sich an seinem Stuhl festhalten.
    „Jemand hat das Feuer auf uns eröffnet“, meldete Kensington überflüssigerweise und endlich, viel zu spät, gingen die Sensoren wieder online. „Wir werden von vier klingonischen Schiffen beschossen!“
    „Klingonen hier draußen?“ rief Price in das Chaos hinein und versuchte der gewaltigen Feuersalve auszuweichen.
    „Das wie und wieso ist nun egal, “ entgegnete Lewinski und nun erschienen auf dem Bildschirm die klingonischen Schiffe, die sie abgefangen hatten. Scheinbar befand sich hier eine Flotte, die schon länger auf sie gewartet hatte.
    „Schilde und Tarnung sind ausgefallen“, rief Arena Tellom. „Hintere Phaserbänke defekt, wir verzeichnen Hüllenbrüche!“
    „Ausweichmanöver Beta-4“, befahl Lewinski und überlegte fieberhaft, wie sie sich aus dieser Situation befreien konnten. Jetzt zählte nur noch das Überleben!
    In allerletzter Sekunde tauchte die Monitor unter einer weiteren Salve von Phaserimpulsen und Torpedos hinweg, vollführte eine Rolle, die die Trägheitsdämpfer an ihre Belastungsgrenzen brachte und schlug einen Fluchtkurs ein. Gleichzeitig feuerte das Schiff vier Quantentorpedos ein, die einen Bird of Prey so stark beschädigten, dass dieser die Verfolgung aufgeben musste. Machte noch drei Schiffe, die sich an ihre Fersen geheftet hatten. Auf dem Wandschirm kam die verwüstete Erde immer näher.
    „Was hast du vor?“ fragte Lewinski seinen Steuermann
    „Vertrau mir einfach!“ bat der Halbbetazoid und konzentrierte sich voll und ganz auf seine Kontrollen. Dem Captain blieb nichts anderes übrig, als dem Urteil seines Steuermanns zu vertrauen. Die Klingonen, wo immer sie auch hergekommen waren, hatten sie auf dem falschen Fuß erwischt. Die Brückenbeleuchtung flackerte, überall heulten Sirenen und mehrere Konsolen rauchten. Immer wieder schlugen feindliche Treffer in dem kleinen Schiff ein, verlangsamten es so und machten eine Flucht fast unmöglich. Ein weiterer Photonentorpedo traf das Schiff und die taktische Konsole explodierte in einem ohrenbetäubenden Knall, der Lewinski für einen Moment taub werden ließ. Mit fassungslosem Entsetzten konnte er fast in Zeitlupe beobachten, wie Fähnrich Kensington von der explodierenden Konsole fortgeschleudert wurde und mit einem Krachen auf dem Boden aufschlug. Für einen winzigen Augenblick fürchtete der Captain ein weiteres Opfer beklagen zu müssen, dann rappelte sich die junge Frau wieder auf und setzte sich wieder an ihre Station. Sie hatte nur eine kleine Schürfwunde an der Stirn, war ansonsten unverletzt.
    „Alle Waffen sind ausgefallen“, meldete der Fähnrich und wirkte nun mehr als besorgt.
    Mehr konnte sie jedoch nicht sagen, als alle Augen sich überrascht auf Matt Price am Steuer richteten, der die Monitor in einen gewaltigen Sturzflug brachte: das Schiff raste nun direkt auf die Erde zu!
    All der Schmerz über den Verlust der Mutter hatte der Commander nun verdrängt, denn es galt sich auf das Flugmanöver zu konzentrierten. Im letzten nur möglichen Moment riss er das Steuer hoch und ließ die Monitor in den Orbit des Planeten einrasen. Seine Absicht war es zumindest den klingonischen Kreuzer abzuschütteln, der ihnen nicht in die Atmosphäre des Planeten folgen konnte. Zwar konnte das Föderationsschiff ebenfalls keine Atmosphäreflüge durchführen, doch die ablative Panzerung sollte ihnen zumindest für einige Minuten Schutz bieten. Gesetz dem Fall diese war durch den starken Beschuss noch nicht zu stark beschädigt worden. Ein gewaltiges Summen schwoll auf der Brücke an. Sie rührte nicht nur von den heulenden Trägheitsdämpfern, sondern auch von den atmosphärischen Reibungen, die das Schiff über sich ergehen lassen musste.
    „Ich hoffe dein Plan funktioniert!“ rief Captain Lewinski gegen den Lärm an und presste sich in seinen Stuhl, da das Schiff immer mehr unter dem Druck erzitterte.
    „Das hoffe ich auch“, murmelte Price und behielt die Anzeigen im Auge. Er durfte jetzt keinen Navigationsfehler machen.
    „Hüllenintegrität nur noch bei 40 Prozent!“ meldete Lieutenant Tellom mit sorgenvoller Miene. „Wir sollten schleunigst wieder aufsteigen!“
    „Noch nicht“, erwiderte der Steuermann und navigierte das rot glühende Schiff durch den Himmel der Erde.
    Wie erwartet folgten ihnen die beiden noch verbliebenen Bird of Preys, waren aber aufgrund des rasanten Fluges nicht in der Lage eine Zielerfassung einzuleiten. Zwar versuchten sie einige manuelle Schüsse, diese verfehlten die Monitor jedoch deutlich. Der klingonische Kreuzer hatte inzwischen die Verfolgung aufgegeben und war zum Rest der Flotte zurückgekehrt.
    „Hüllenintegrität bei 21 Prozent!“
    Mehr musste Price nicht mehr hören. Sofort steuerte er die Monitor aus der Atmosphäre. Für einen winzigen Moment fürchtete er nicht mehr aufsteigen zu können, dann hörte das Zittern auf, als das Schiff wieder ins All vorstieß. Lewinski wollte eine schnelle Flucht anordnen, doch das brauchte er gar nicht erst. Mit voller Impulsgeschwindigkeit raste die Monitor auf den Saturn zu, immer noch verfolgt von den beiden klingonischen Schiffen.
    „Gute Arbeit“, meinte John, stand von seinem Stuhl auf und klopfte seinem ersten Offizier auf die Schulter.
    „Wir haben leider nur Zeit gewonnen“, dämpfte Fähnrich Kensington etwas die Stimmung, „die klingonischen Schiffe werden uns bald wieder einholen.“
    „Bis dahin haben wir Saturn schon erreicht. Dann sehen wir weiter, “ entgegnete Price lapidar.
    Sie alle hatten eine kleine Verschnaufpause erhalten!

    „Wie konnte das Schiff nur entkommen?“
    Der klingonische Regent tobte vor Wut. Am liebsten hätte er seinen Dolch gezückt und Martok erstochen. Doch dies war derzeit keine Option. Sicherlich würde er den Captain noch später bestrafen können, doch derzeit mussten sie das fremde Schiff aufhalten.
    „Zwei Schiffe sind den Terranern auf den Fersen“, erklärte Martok, der selbst nur schwerlich seinen Zorn zügeln konnte. „Wir werden sie beim Saturn stellen und dort vernichten. Ihre Verteidigungskapazitäten sind fast Null, ihr Warpantrieb ausgefallen. Ihre Vernichtung ist nur noch eine Frage der Zeit!“
    Worf starrte Martok an, wollte noch etwas sagen, ließ es dann jedoch. Stattdessen eilte er von der Brücke, um sich an anderer Stelle auszutoben.
    Martok blickte ihm noch lange nach, nur mit Mühe seinen Zorn dämpfend. Mit jedem neuen Tag wuchs sein Hass auf den Führer der Klingonischen Konföderation. Wie lange noch musste er diesen ehrlosen Schwachsinnigen ertragen, der das klingonische Volk verkauft hatte?

    Auf der Erde, im Zentralkrankenhaus der Sternenflotte in San Francisco, lag Lieutenant Ardev in seinem Bett und starrte die Decke an. Soeben war er mal wieder aus dem Schlaf erwacht. Immer noch fühlte er sich schwach und schläfrig, was nicht weiter verwunderlich angesichts seines Gesundheitszustands war. Immerhin hatte er eine schlimme Explosion und eine schwere Operation hinter sich, an die sich eine lange Rehabilitation anschließen würde. Der Andorianer verharrte für einen Moment, horchte in sich und die Welt hinein. Hier war es seltsam still und ruhig, ganz anders als in Emden. Ob die Menschen hier sich des Chaos bewusst waren, welches in einem anderen Teil der Erde gerade tobte? In den Nachrichten war über die Katastrophe berichtet worden. Über die Medien hatte Ardev auch von der Bewältigung der Krise und dem Erfolg der Monitor gehört. Letzteres war natürlich nicht in den Nachrichten erschienen, aber der Einsatzoffizier wusste nur zu gut, wem die Rettung zu verdanken war. Sie alle hatten es geschafft das Virus einzudämmen.
    Doch was hatte es gekostet? Noch immer hatte Ardev das Bild vor Augen, wie er und Sanchez in die konspirative Wohnung gingen. Das letzte, was er von dem jungen Chefingenieur gesehen hatte, waren dessen Arme gewesen, die ihn fort stießen.
    „Raus hier!“ hatte der Lieutenant geschrieen, bevor er Ardev das Leben gerettet und sein eigenes geopfert hatte.
    Lieutenant Miguel Sanchez war mit dem Phaser im Anschlag in die Wohnung gestürmt, nur um als erster zu sterben. Hätte Ardev nur ein paar Meter woanders gestanden, so wäre er nun tot und Miguel am Leben. Ob es seine Schuld war, dass der Chefingenieur ums Leben gekommen war? Diese Gedanken, dies wusste Ardev, waren unsinnig und würden von jedem Councellor als „Schuld des Überlebenden“ bezeichnet werden, doch er konnte diese Gedanken nicht abstellen. Fakt war, dass Sanchez bei dieser Mission ums Leben gekommen war. Ein junger Mann, der erst vor kurzem zum Chefingenieur der Monitor aufgestiegen war und eine lange Zeit an Bord des Schiffes gedient hatte. Miguel hatte noch ein ganzes Leben vor sich gehabt. Oftmals hatte er davon gesprochen eine Familie ähnlich wie Ardev gründen zu wollen. Sanchez war ein Romantiker gewesen; jemand, der noch an das Gute im Menschen geglaubt hatte. Nichtsdestotrotz oder gerade wegen seiner altmodischen Sicht der Liebe hatte er bisher niemals das große Glück gefunden und nun würde er dies niemals können. Seufzend sank Ardev in sich zusammen und konnte nur mit Mühen einige Tränen zurückhalten. Es war nichts daran zu ändern, er fühlte sich schuldig.
    Jedoch wusste er, dass er nun stark sein musste. Nicht nur um seiner selbst und der Rekonvaleszenz willen, sondern vor allem auch für seine Frau. Er konnte sich nicht hängen lassen, musste für sie stark bleiben. Gemeinsam würden sie diese schwere Zeit schon hinter sich bringen.
    Vorsichtig betastete Ardev die Verbände, welche um sein Gesicht gewickelt waren. Instinktiv fragte er sich, wie er wohl darunter aussehen würde. Wahrscheinlich bot er einen furchtbaren Anblick, den er nicht einmal seiner Frau zumuten wollte. Sofort verdrängte er die aufkommende Frage in seinem Kopf, ob ihn seine Frau noch attraktiv finden würde. So oberflächlich war Arena Tellom nicht. Sie war eine wunderbare Frau, die ihm zur Seite stehen würde. Sie war keine Person, die sich von Äußerlichkeiten leiten ließ. Auf sie konnte er sich verlassen, dies wusste Ardev.
    Sie war die Art von Ehefrau, die sich auch Miguel Sanchez gewünscht hätte…

    An einem gänzlich anderen Ort, nämlich in einem Hotelzimmer auf Rigel, saß Arsani Parul. Völlig niedergeschlagen hatte er sich auf sein Bett gesetzt und den Kopf in den Händen vergraben. Am liebsten hätte er an gar nichts gedacht, doch seine Gedanken kreisten nur um Birgit Price. Die Frau, die er mal geliebt hatte und die nun tot war. Oder war es die Frau, die er immer noch liebte?
    Arsani Parul war ein mächtiger Mann gewesen. Einer der wichtigsten Diplomaten der Föderation, der einige der kompliziertesten Verträge des 24. Jahrhunderts ausgehandelt hatte. Jemand mit großen Ansehen unter der Bevölkerung. Doch all dies endete, als er öffentlich eine Affäre und seinen unehelichen Sohn bekannt gemacht hatte. Für sich genommen hätten diese Dinge nicht gereicht, um ihn zu stürzen. Jedoch einen inzwischen erwachsenen Sohn jahrelang zu verheimlichen, dafür hatte niemand beim diplomatischen Korps und schon gar nicht die Bürger der Föderation Verständnis gehabt. In gewisser Weise konnte Arsani Parul, zweifach promovierter Politologe, seine Absetzung verstehen. Wenn es doch der einzige Schicksalsschlag gewesen wäre. Doch auch seine Frau ließ sich von ihm scheiden, nachdem sie von der schon lange zurückliegenden Affäre gehört hatte. Auch für dieses Verhalten hatte der Betazoid absolutes Verständnis. Möglicherweise hätte er in einer vergleichbaren Situation genauso reagiert. Seine anderen Kinder hatten ihren Kontakt fast gänzlich zu ihm abgebrochen. All das, weil er ihnen die Existenz eines Halbbruders verschwiegen hatte.
    Dennoch war Parul Stolz auf Matthew Price. So stolz, wie ein Vater auf seinen Sohn nur sein konnte.
    Das letzte Jahr über war Arsani Parul ziellos durch die Föderation gestreift. Ab und an hatte er für ein Zeitungsinterview zur Verfügung gestanden, zudem hatte er mit dem Schreiben einer Autobiographie begonnen. Doch die meiste Zeit über hatte er nichts getan. Für den ehemaligen Sonderbotschafter der Föderation war es eine mehr als seltsame Situation gewesen. Noch nie zuvor war er arbeitslos gewesen, immer hatte sein Leben ein Inhalt gehabt.
    Der einzige Inhalt seines Lebens war nun Matt gewesen. Und Birgit. Wahrscheinlich deswegen, weil er sich einsam gefühlt hatte, hatte er die Mutter seines unehelichen Sohnes aufgesucht. Lange hatte er mit sich gerungen, ob er nach Rigel fliegen sollte. Seit ihrer Affäre vor über dreißig Jahren hatte er diesen Planeten nicht mehr betreten. Als er den Raumhafen verlassen und die Stadt betreten hatte, fühlte es sich fast wie eine Heimkehr an. Obwohl er es gewesen war, der die kurze Beziehung zu Birgit beendet hatte, empfand er diesen Ort als Zuhause. War dies möglicherweise der Grund für seine Rückkehr gewesen?
    Eigentlich hatte er nur mit Birgit reden wollen. Seit der Entdeckung der Existenz Matts durch die Medien und dem Ende seiner Ehe war viel geschehen, nur mit der Mutter seines Sohnes hatte er nicht geredet. In seinen Augen hatte es in dieser Hinsicht dringend Bedarf gegeben.
    Als sie ihre Tür für ihn geöffnet hatte, war ein Sturm der Gefühle in ihm losgetreten worden. So lange Jahre hatte Arsani sie nicht mehr gesehen, jedoch war sie in seinen Augen immer noch so schön wie am ersten Tag gewesen. Es war gleich zu Beginn gewesen, als er gemerkt hatte, dass er Birgit immer noch geliebt hatte. Seine Zuneigung zu ihr war nicht erloschen, nur verdrängt worden. Lange hatten sie miteinander gesprochen. Über Matt, über die Vergangenheit, über sich. Arsani hatte sich zum ersten Mal seit Jahren wieder geborgen gefühlt und instinktiv, auch ohne seine empathischen Fähigkeiten zu nutzen, wusste er, dass Birgit genauso empfand. Als sie sich voneinander verabschiedeten, hoffte der ehemalige Botschafter auf ein weiteres Treffen. Eine Hoffnung, die nun enttäuscht werden musste.
    Wenn er sie doch nur wenigstens geküsst hätte, ein letztes Mal! Jetzt war es zu spät und diese Gelegenheit würde er nie wieder haben. Arsani hatte nun alles verloren. Er konnte nur noch hoffen, dass Matt tatsächlich eines Tages in der Lage war ihm zu verzeihen. Er verstand seinen Zorn, konnte ihm dafür keinen Vorwurf machen. Möglicherweise war ihr letztes Gespräch ein Schritt in die richtige Richtung gewesen.
    So saß Arsani Parul weiter allein auf seinem Bett und dachte nach. In völliger Einsamkeit. Genauso wie Birgit Price, kurz vor ihrem Selbstmord…

    Immer noch warteten die drei Gefangenen auf das unvermeidliche Ende. Wie viel Zeit vergangen war, konnte Danny unmöglich sagen. Ob es sich um Stunden oder nur Minuten gehandelt hatte, konnte er nicht einschätzen. Der Lieutenant hatte schon längst jegliches Zeitgefühl verloren. Der Zustand James Talleys hatte sich noch weiter verschlechtert. Sein Tod war nur eine Frage der Zeit. Die einzige, die dies nicht wahr haben wollte, war Janine. Noch immer sperrte sie sich mit jeder Faser ihres Lebens gegen diesen Fakt. Immer noch ächzend lag James in seinem eigenen Blut und spürte das Ende auf sich zukommen. Ob er nun über sein Leben und vor allem über seine Fehler nachdachte? Zu gerne hätte Bird eine Antwort auf diese Frage erhalten, doch er traute sich nicht diese zu stellen. Nach allem, was er durchgemacht, was ihm angetan worden war, verspürte Danny eine verquere Zuneigung zu dem Mann. Ein seltsames Gefühl, welches er jedoch nicht abzustellen vermochte.
    Plötzlich und Unerwartetherweise flog die Tür zu der Zelle auf und ein hünenhafter Klingone, begleitet von zwei Wächtern, betrat den kleinen Raum. Janine schenkte dem Besucher nur wenig Beachtung, widmete sich weiterhin nur ihrem Vater, doch Danny erkannte den Klingonen sofort: es handelte sich um Worf, den klingonischen Regenten. Einem Mann, den er schon einmal getroffen hatte und auch Worf selbst schien sich an ihre letzte Begegnung zu erinnern.
    „Lieutenant Bird, wie ich sehe erkennen sie mich wieder“, grollte der Klingone und trat einen weiteren Schritt vor, wobei die Orden an seinem schweren Umhang klimperten. Mit diesem kleinen Besuch wollte er sich von der misslungenen Jagd auf das menschliche Schiff ablenken. „Unsere letzte Begegnung ist schon einige Jahre her.“
    „Das ist sie, in der Tat“, entgegnete Danny und bemerkte, dass sein Kiefer immer noch von den Schlägen schmerzten.
    „Ich habe sie ganz und gar nicht vergessen“, sagte Worf und grinste auf diabolische Art und Weise, als beide Männer sich an ihr Treffen vor knapp fünf Jahren erinnerten:
    Der junge Mensch, der trotz der vielen furchtbaren Erlebnisse ein geradezu paradiesisches Leben im Vergleich zu dem hier geführt hatte, tobte vor Wut. Er war außer sich, frustriert, empört, mitgenommen von der Arbeit UND den Eindrücken einer Welt, die ihm pervers und verdreht vorkam. Kinder, die in Baracken hausten. Menschen, die an längst ausgestorbenen Krankheiten litten. Ein System, dass Billionen Lebewesen unterdrückte. Danny Bird konnte dies nicht wieder rückgängig machen. Doch einmal, nur ein einziges Mal, wollte er einen dieser Personen sehen, die zu so etwas fähig waren. Und um jene Person zu treffen, musste er sich in den Arrestbereich von Terok Nor begeben. Er nickte dem Aufseher, ein Indianer namens Chakotay, dessen Tätowierung wenigstens ein wenig Würde verschaffte, zu und stellte sich breitschultrig, mit verschränkten Armen vor dem einzige Gefangenen auf Terok Nor hin. Seit Monaten musste der Gefangene, ein Klingone, auf engstem Raum leben, mit einem Minimum an Wasser und Essen. Danny empfand kein Mitleid für ihn. Einst war dieser Klingone womöglich ein aufrechter, stolzer Mann gewesen, doch nun war er ungepflegt, unrasiert, ungewaschen. Nur die schlecht sitzende Uniform erinnerte an seine alte Stellung innerhalb der Allianz.
    „Hallo, Regent.“ Danny schien den Titel geradezu auszuspucken.
    Worf erhob sich und blickte den Menschen finster an. Auch in seinen Augen spiegelte sich Hass. Zumindest eine Sache, die sie teilten.
    „Wer bist du, Mensch?“ fragte Worf und trat kurz vor, doch das knisternde Kraftfeld ließ ihn wieder leicht zurückgehen. In seinem Universum, dem richtigen (egal wie es andere bezeichnen wollten), war Worf ein Mann von Ehre und Mut gewesen, ein Beispiel für jeden Offizier. Hier war er nur ein verspielter Despot gewesen, ein Mörder, der über hunderte von Welten, inklusive der Klingonischen Konföderation und mit ihr die Allianz herrschte.
    „Merk dir meinen Namen. Danny Bird, Lieutenant.“
    Der junge Mann hatte sich nicht der Illusion hingegeben, dass sein furchtloses Auftreten ihm irgendeinen Respekt gegenüber dem ehemaligen Herrscher einbringen würde. Doch immerhin hatte er seinen Gegner überrascht, was sich an den weit aufgerissenen Augen des Klingonen zeigte.
    „Ein Draufgänger was“, rief der Regent und klopfte sich auf die Brust, „ich wette, du bist nicht Manns genug, um dich mir zu stellen!“
    Bird ging nicht auf diese Provokation ein, wartete stattdessen einige Minuten ohne etwas zu sagen. Schließlich setzte sich Worf auf die kleine Pritsche, die die einzige Annehmlichkeit in seiner kleinen Zelle war.
    „Nun, Mensch, was ist der Grund für deinen Besuch?“
    „Ich wollte den Mann sehen, der für so viel Leid verantwortlich ist.“
    Nun waren die Worte ausgesprochen, der Vorwurf hing in der Luft. Danny hielt dem Blick Worfs stand, was dem klingonischen Regenten ein Lächeln abrang.
    „Ich bin nur einer von vielen in der ruhmreichen Geschichte der Allianz. Wieso sollte ich dafür verantwortlich sein?“
    „Ruhmreich? Ist es ruhmreich, Völker zu dezimieren, sie jeden Tag aufs Neue zu demütigen, sie zu foltern, ihren Kindern weh zutun? Ist das eine ruhmreiche Zivilisation? Ist das ehrenvoll, Klingone?“
    Er hatte einen Nerv getroffen. Worf sprang auf und wollte sich auf ihn stürzen, doch der plötzliche Ausschlag des Kraftfeldes ließ ihn zurücktaumeln. Leichte Verbrennungen zeigten sich nun auf dem Gesicht des Regenten, doch er schien diese gar nicht zu bemerken.
    „Erzähl du mir nichts von Ehre, Mensch! Ihr wart eine schreckliche Rasse, ehr- und respektlos! Jahrhunderte lang habt ihr den Quadranten beherrscht, mit eiserner Faust. Ihr wart keinen Deut besser als wir, sogar schlimmer. Wir sind nur euer Produkt.“
    „Das ist hundert Jahre her. Wäre es nicht an der Zeit, den Leuten Freiheit zu schenken?“
    Worf lachte laut auf.
    „Freiheit? Sie sind frei! Frei von Entscheidungen, die sie gar nicht treffen könnten. Die Allianz ist die größte Macht in dieser Galaxis, wir herrschen über den Alpha- und Beta-Quadranten und dank der freundlichen Hilfe ihres Doktor Bashir werden wir auch bald das Dominion dazu zwingen, unsere Größe anzuerkennen. Nicht einmal die Borg haben eine Chance gegen uns. Nein, wir können hier nicht aufhören. Ohne uns würde der Quadrant im Chaos versinken. Aber so sind wir vereint...“
    „Vereint im Hass.“
    „Ja, im Hass auf euch Terraner“, fauchte Worf und sprang abermals von der Pritsche auf, „ich erinnere mich noch genau, im großen Befreiungskrieg gegen das Empire. Es war der größte Konflikt, den diese Galaxie jemals erlebt hat. Praktisch alle Völker waren im Krieg, alle, die unter der Tyrannei des Empires gelitten haben. Mein Vater war während der Invasion von Trill
    von Captain Decker gefangen genommen worden. Doch der Terraner Decker achtete nicht die Vereinbarung von Organia, die wir so respektierten und folterte meinen Vater zu ehre. Mogh starb ohne Ehre, alleine, der Weg nach Sto-vo-kor blieb ihm verwehrt. Als das Empire besiegt worden war, habe ich persönlich Decker ausfindig gemacht und ihn getötet. Ich war 12 Jahre alt und es war das erste Wesen, das ich getötet habe. Verstehst du, Mensch? Wir töten euch nicht, weil es uns Spaß macht, sondern weil nur so unsere Sicherheit garantiert wird.“
    Danny blickte mit wütenden Augen auf den Regenten. Alle möglichen Varianten des Zornes brodelten in ihm. Word rechtfertigte ethnische Säuberungen im großen Stil. Er wollte Danny provozieren. Er wollte, dass er gegen das Kraftfeld hämmerte und dadurch zeigte, dass die Menschheit immer noch so barbarisch war wie ihre Vorfahren während des Empires. Doch diese Genugtuung wollte er Worf nicht geben. Langsam drehte sich Bird um. Bevor er die Arrestzellen verließ, blieb er noch einmal stehen und sprach mit ruhiger Stimme:
    „Eines Tages wird sich das Universum gegen euch erheben. Seien es die Romulaner, die sich bisher nur versteckt haben, das Dominion, die Rebellen, die ihre Freiheit wollen oder eine andere Macht... Noch nie in der Geschichte hat ein totalitäres System für ewig gehalten. Einen schönen Tag noch....Regent.“
    Als die Schotts sich schlossen, schienen sie einem Donnerschlag gleich.

    „Wie sich doch die Situationen gleichen“, sagte Worf ironisch. „Nur sind sie nun in einer Zelle und ich ihr Wärter. Scheinbar gibt es doch noch Gerechtigkeit in diesem Universum.“
    „Wenn es Gerechtigkeit gäbe“, entgegnete Danny mit drohender Stimme, „dann wären sie schon längst tot, gestorben für ihre Verbrechen an der Menschheit.“
    Eine der Wachen machte einen drohenden Schritt nach vorn, doch Worf gab ihr mit einem Handzeichen zu verstehen, dass sie nicht einschreiten solle.
    „Sie sollten vorsichtig mit ihren Äußerungen sein, Lieutenant. Immerhin sind schon einmal fast zu Tode gefoltert worden. Es wäre ein leichtes für mich die Arbeit meiner Vorgänger zu beenden.“
    „Dann tun sie es doch. Hier und jetzt!“
    Erst jetzt blickte Janine auf, schien sich für den Inhalt des Gespräches zwischen den beiden Männern zu interessieren. Eine gespannte Atmosphäre lag in der Luft. In der Tat spielte Danny gerade mit seinem Leben, doch es war ihm egal. Aus seiner Sicht war sein Tod schon beschlossene Sache und er hatte nicht vor als Feigling, um sein Leben winselnd, zu sterben. Wenn schon sterben, dann aufrecht und mit Stolz.
    Doch Worf schüttelte den Kopf und lachte dabei schallend. Er ging nicht auf die Provokation des Menschen ein.
    „Nein, jetzt ist noch nicht der richtige Zeitpunkt. Außerdem sollen sie beide ja noch miterleben, wie Mr. Talley hier zu Tode siecht.“
    Worf hatte diesen Satz völlig ruhig ausgesprochen, doch in ihm lag eine solche Bosheit, dass Danny Bird ein kalter Schauer über den Rücken lief. Worf war nicht so wie der Sternenflottenoffizier, denn Danny aus seinem Universum kannte. Der Regent war eiskalt, auf Macht fixiert und getränkt vom Hass auf Menschen. Beide Personen waren überhaupt nicht miteinander zu vergleichen. Unwillkürlich fragte sich Danny, wie viel von dem Regenten Worf in dem Sternenflottenoffizier Worf steckte.
    Angesichts dieser Worte sprang Janine auf, wollte sich auf den Klingonen werfen, doch dieser schubste sie mühelos in eine Ecke. Die zierliche Frau stellte keine Gefahr für ihn dar.
    „Sie Bastard!“ schrie sie ihn an, weinte dabei bitterlich und widmete sich im Anschluss wieder ihrem Vater.
    „Viel Spaß beim Sterben“, raunte Worf und verließ die Zelle. „Wir sehen uns noch, Lieutenant Bird!“
    Die Verabschiedung klang wie eine Drohung, doch irgendwie hoffte Danny, dass es zu einer weiteren Begegnung kam. Seine Hassphantasien überraschten den Menschen, doch waren angesichts ihrer Situation durchaus verständlich. Hass war derzeit die einzige Motivation, an die er sich noch klammern konnte!

    Im Nebenzimmer hatten sich Telk, Ke’ler und Menek versammelt. Durch die Scheibe beobachteten sie Woil, der gerade weinend auf dem Stuhl einen Nervenzusammenbruch erlitt.
    „Er ist abwesen, desorientiert, schizophren“, fasste Ke’ler zusammen.
    „Vermutlich eine Wirkung des Ketracel Weiß“, gab Menek bissig zurück und wunderte sich eine Sekunde lang selber über seinen Mut in Anwesenheit der zwei ranghöchsten Offiziere an Bord des Schiffes, eine solch zynische Bemerkung abzulassen.
    „Ich versuch’s in einer Stunde noch einmal. Dann dürfte sich der Weiß-Spiegel gesenkt haben, hoch genug um ein ordentliches Gespräch zu führen und noch nicht so niedrig sein um Entzugserscheinungen auszulösen.“
    „Sie spielen ein gefährliches Spiel“, meinte Kommandant Telk.
    „Ich tu was nötig ist.“ Mit einem flüchtigen Blick bedachte sie den Kriegsveteranen. „Woil wird reden, früher oder später. Wenn Sie mir freie Hand ließen – früher.“
    „Folter ist ebenfalls nur ein Relikt einer Vergangenheit, die nie wieder sein wird. Die wahre Herausforderung, die Wahrheit an sich – lieg in der Konfrontation.“
    Ke’ler zog einen Mundwinkel hoch, zu einem verächtlichen Lächeln. „Sie haben wohl gegen zuviel Klingonen gekämpft.“
    „Eher mit zu vielen...“ Telk wandte sich von seinen beiden Kollegen ab und ging zur Tür. „Ich war immer loyal dem Imperium gegenüber“, begann er, als er in der offenen Tür stand und nochmals kurz inne hielt. „Der Flottenkommandant gab mir den Befehl den Gefangenen lebend zum Romulus zu bringen. Und ich werde diesen Befehl nicht brechen – haben Sie mich verstanden?“
    Ke’ler nickte.
    Telk nickte seufzend. Als hätte ich nicht schon genug Probleme.
    Menek packte ebenfalls seine Sachen zusammen. „Ich werde mal wieder auf der Krankenstation nach dem Rechten sehn. Holen Sie mich wieder, wenn Sie fortfahren.“
    Auch dieses Mal nickte Ke’ler stumm und Menek verließ das Nebenzimmer.
    „Damit wären es wieder nur wir beide. Und wenn ich Telk beiseite geschafft habe – dann hab ich dich ganz für mich Jozarnay...“

    Die Monitor humpelte quasi zum Saturn, immer noch verfolgt von den beiden klingonischen Bird of Preys. Der Ring aus Asteroiden, der den Planeten umgab, rückte immer näher und damit auch die erhoffte Rettung. Die Bilanz des Sternenflottenschiffs war verheerend. Ein Großteil der Systeme, darunter die Waffen, war ausgefallen und die Hauptenergie war auf fünfzig Prozent gesunken. Von allen Decks wurden Verletzte gemeldet; ob es Tote gab, war noch nicht klar.
    Matt Price konzentrierte sich inzwischen nur noch auf seine Aufgabe als Pilot. Konzentriert blickte er wechselweise auf seine Anzeigen und dann wieder den Hauptschirm. Niemand, nicht einmal der Captain, wagte ihn anzusprechen.
    „Wir treten nun in den planetaren Ring ein“, meldete der erste Offizier schließlich. Alle an Bord hielten fast den Atem an, als ein riesiger Asteroid scheinbar nur wenige Meter an ihnen vorbeizischte. Hier wurde das Navigieren zur Kunst und ihre einzige Chance, um den beiden klingonischen Schiffen zu entkommen. Gierig, wie die Bird of Preys waren, folgten sie ihnen natürlich in dieses sprichwörtliche Minenfeld. Price holte nun das letzte aus dem Schiff raus, flog waghalsige Kurven und Manöver, welche sie nur um Haaresbreite an Asteroiden vorbeirauschen ließen. Mehrere Male wurden sie dabei durch Disruptorfeuer der Klingonen getroffen, doch die meisten der Schüsse verfehlten ihr Ziel. Scheinbar waren ihre Angreifer in diesem Feld nicht in der Lage eine vernünftige Zielerfassung einzuleiten. Die Monitor selbst hatte schon längst ihre Fähigkeit zur Selbstverteidigung verloren. Fähnrich Kensington arbeitete fieberhaft mit einigen Technikern zusammen, um die Waffensysteme schnellstmöglich in Gang zu bringen.
    In diesem irrationalen Moment, wo eigentlich höchste Konzentration von Nöten gewesen wäre, wünschte sich Lewinski Lieutenant Sanchez zurück. Oder am besten Chief Woil! Wie lange hatte er schon nichts mehr von dem Antosianer gehört? Nur zu gerne hätte der Kanadier gewusst, wie es dem ehemaligen Besatzungsmitglied ging. Zu Jozarnay Woil war inzwischen jeglicher Kontakt abgebrochen und ehrlich gesagt musste John zugeben, dass er in letzter Zeit auch nicht versucht hatte ihn zu erreichen. Er hatte einfach zu viel um die Ohren gehabt, so dass er den Chief einfach vergessen hatte.
    Wie auch immer, derzeit fehlten der Monitor einfach diese beiden Ingenieure, die ihnen bei der dringend benötigten Reparatur der Systeme hätten helfen können.
    Ein Asteroid genau vor ihnen zerstob durch Waffenfeuer, welches das Schiff nur knapp verfehlte und Price flog eine enge Rechtskurve, um den kleineren Asteroidenstücken, die entstanden waren, auszuweichen. Ein gewagtes Flugmanöver, welches das Schiff abermals an seine Belastungsgrenze brachte. Der erste Bird of Prey hatte nicht so viel Glück, wurde stattdessen von einem Felsgestein getroffen. Sie gerieten ins Trudeln und rasten in einen anderen Asteroiden, wo sie in einer Explosion detonierten. Erleichtert atmeten die Offiziere auf der Brücke auf. Nun hatten sie sich nur noch eines Angreifers zu stellen. Dieser wollte scheinbar nicht den Fehler seines Kameraden wiederholen und ging nun auf etwas mehr Abstand. Dennoch feuerte er weiterhin aus allen Rohren. Sporadisch wurde das Sternenflottenschiff getroffen, doch die Treffer verursachten nur minimale Schäden. Die meisten der Systeme waren ohnehin schon beschädigt, was hätte also auch kaputt gehen sollen?
    „Wir kriegen die Waffensysteme einfach nicht repariert!“ meinte Fähnrich Kensington und werkelte weiterhin hektisch an ihrer Konsole. „Zumindest nicht in dieser Zeit!“
    „Arbeiten sie weiter daran!“ lautete die lapidare Erwiderung des Captains. Was hätte er auch sonst schon sagen sollen?
    Einmal mehr heulten die Trägheitsdämpfer, als Commander Price in ein brutales Sinkmanöver ging. Ob das Schiff während seiner Erprobungsphase auch so starken Belastungen ausgesetzt worden war?
    „Dieser klingonische Pilot ist gut“, raunte Price und tippte wild neue Steuerbefehle in seine Konsole ein. „Er macht nicht den Fehler wie sein Kollege und bleibt auf genügend Abstand. Ich schaffe es nicht ihn abzuschütteln!“
    „Du schaffst das schon!“ versuchte John seinen ersten Offizier zu ermutigen, doch dieser schüttelte den Kopf.
    „Ich habe die Monitor schon jetzt an seine Grenzen geführt. Wenn ich nicht aufpasse, dann brennen uns die Relais durch und ich verliere die Kontrolle über das Schiff!“
    Als ob er es bestätigen wollte, wich Price einer Salve Photonentorpedos aus, die krachend einem direkt vor ihnen liegenden Asteroiden detonierten. Die Flugkurve des Schiffes war so brutal, dass für einen Moment die Trägheitsdämpfer ausfielen und sie aus ihren Sitzen geschleudert wurden. Wären sie nicht sofort wieder angesprungen, die Brückenoffiziere wären aufgrund der Gravitationskräfte an den Wänden zermalmt worden.
    „Siehst du, was ich meine?“ rief Price.
    Natürlich wusste Captain Lewinski um die Gefahr, in der sie alle schwebten. Jedoch fiel ihm beim besten Willen kein Weg ein, wie sie der Lage Herr werden sollten. War es etwa ihr Schicksal in diesem Universum zu sterben, unendlich weit von ihren Familie und Angehörigen entfernt?
    „Ein Schiff enttarnt sich hinter uns!“ rief Arena Tellom schließlich mit mutloser Stimme. Scheinbar wollten die Klingonen ihnen nun den Todesstoß versetzen und hatten ein zweites Schiff ausgesandt. „Es ist….ein Schiff der Defiant-Klasse!“
    Wie dies möglich war, wusste keiner. Die Darstellung des Sichtschirms wechselte und sie sahen ganz deutlich, wie ihr Schwesterschiff mit einer gewaltigen Salve das klingonische Schiff vernichtete. Die Klingonen waren zu überrascht über das Auftauchen des fremden Schiffs, als dass sie hätten reagieren können. Vorsichtig brachte Price das Schiff zum Stehen und wartete auf Anweisungen seines Kommandanten. Dieser wusste nicht so recht, was er tun sollte.
    „Wir werden vom anderen Schiff gerufen!“
    „Auf den Schirm.“
    John traute seinen Augen nicht, als die sie rufende Person auf dem Wandschirm erschien. Es handelte sich ganz unzweifelhaft um seinen alten Freund Bruce Land. Er mochte zwar unrasierter sein, etwas längere Haare haben, dennoch war er es. Auch Land selbst weitete für einen winzigen Moment seine Augen, als er erkannte, mit wem er sprach. Wenn auch aus ganz anderen Gründen, als es sich Lewinski vorstellen mochte.
    „Terranisches Schiff, wir werden unser Tarnfeld auf sie ausdehnen und dann verstecken wir uns im Orbit des Pluto, einverstanden?“
    Lewinski nickte und sah, wie sich Price zu ihm umdrehte.
    „Ich habe die Koordinaten“, erklärte der Halbbetazoid und bereitete den Abflug vor.
    Arena Tellom gab ebenfalls einige Spezifikationen in ihre Konsole ein, um die Tarnung vorzubereiten. Da ihre eigene Tarnvorrichtung ausgefallen war, dehnte das fremde Schiff seine „Tarnblase“ so weit aus, dass auch die Monitor unter diesen schützenden Schirm schlüpfen konnte. Wahrscheinlich wunderten sich gerade die Klingonen, die noch im Orbit des Mondes schwebten, über das Verschwinden des fremden Schiffs.
    „Tarnfeld aufgebaut“, meldete Tellom schließlich und ganz deutlich war die Erleichterung in ihrer Stimme zu hören.
    „Bruce, wie ist das möglich…“
    Lewinski wollte gerade zu einer ganzen Reihe an Fragen ansetzen, wurde jedoch von seinem scheinbaren alten Freund unterbrochen.
    „Wir haben nun keine Zeit dafür, Captain Lewinski“, erklärte der Engländer. „Zuerst einmal müssen wir uns in Sicherheit bringen und ihr Schiff herrichten. Antworten werden zu gegebener Zeit folgen.“
    Verstehend nickte John. Derzeit gab es in der Tat dringlicheres zu erledigen. Gemeinsam rasten die beiden Schiffe schnellstmöglich zum Pluto, um dort weitere Maßnahmen einzuleiten.

    Sein Dahinsiechen hatte lange gedauert. Nun jedoch konnte sich James Talley seines Endes sicher sein. Sein Blutverlust war dermaßen dramatisch, dass er inzwischen, trotz seiner dunklen Hautfarbe, kalkweiß war und am gesamten Körper zitterte. Die gesamte Zeit über hatte er gegen die aufkommende Müdigkeit, die nichts anderes als ein Vorbote seines Todes war, angekämpft; nun drohte er jedoch diesen Kampf zu verlieren.
    Nachdem der Regent die Zelle verlassen hatte, waren sie von niemandem belästigt worden. Bird fragte sich jedoch, ob nicht die Intendantin, der Regent oder wer auch immer über einen Videomonitor ihr Treiben in der Zelle beobachteten. Was diese Personen wohl angesichts des drohenden Todes von einem ehemaligen Geschäftspartner dachten? Scheinbar hielt sich, wenn man die Worte des Regenten zugrunde legte, ihr Mitgefühl in Grenzen. Vermutlich war James Talley ein weiterer toter Mensch, der sich in die Reihe weiterer Opfer einfügen würde. Doch für Janine und auch Danny war dieser Mann weit mehr als das. In diesem Moment verlor Janine Talley ihren Vater, ihren einzigen und letzten Halt in ihrem Leben. Nach dem Tod der Mutter war James für sie die einzige Bezugsperson gewesen. Was auch immer man von seinen politischen Ansichten halten mochte, er war ein guter und vor allem aufopferungsvoller Vater gewesen. Dies hatte Danny während seiner Infiltration mehr als einmal festgestellt. Abermals wurde er sich seiner viel zu großen Nähe zu den Zielpersonen bewusst. Obwohl James sein Ziel gewesen war, verspürte er so etwas wie Respekt für den alten Mann. Mehr als einmal hatten sie während lauer Sommerabende auf dem Balkon des Talley-Anwesens gesessen und sprichwörtlich über Gott und die Welt gesprochen. In jenen raren Momenten hatte Lieutenant Bird beinahe vergessen, dass James ein gefährlicher Terrorist war, der die Erde zerstören wollte.
    „Es geht zu Ende, Janine“, stammelte James und blickte aus glasigen Augen seine Tochter an. Diese hatte inzwischen aufgehört zu weinen, schaute stattdessen nur noch traurig ihren Vater an. Scheinbar hatte sie das unvermeidliche Ende eingesehen.
    „Sag so etwas nicht“, flüsterte die schwangere Frau und strich ihrem Vater durch das kurze Haar. „Es wird alles wieder gut werden.“
    „Es tut mir so leid“, röchelte der Verwundete und wurde durch einen Hustenkrampf unterbrochen. „Ich wollte nicht, dass dies alles passiert. Wieso habe ich dich da nur reinziehen müssen?“
    „Ich habe dich bei deinen Plänen unterstützt, weil ich an sie geglaubt habe. Es war meine freie Entscheidung und ich bereue sie nicht, “ entgegnete Janine und blickte kurz zu Danny. Bis vor wenigen Stunden hatte sie angenommen, dass Danny ebenso empfand wie sie selbst. Nun jedoch, wo sie von seiner Arbeit als Agent wusste, hatte sie keine Ahnung mehr, woran sie noch glauben sollte. Eigentlich musste sie den Erzeuger ihres Kindes für seinen Verrat hassen, doch derzeit konnte sie dies nicht. All ihre Gefühle drehten sich nur noch um ihren Vater.
    „Meine Absicht war es immer nur gewesen dir ein guter Vater zu sein“, erklärte James und versuchte einmal mehr seine Tochter anzusehen, was ihm jedoch misslang. „Der Tod deiner Mutter war ein schwerer Rückschlag gewesen.“
    „Du bist ein guter Vater“, beruhigte Janine den Sterbenden und unterdrückte die wieder aufkommenden Tränen. „Ich hätte mir keinen besseren wünschen können!“
    „Doch, dies hättest du! Einen Vater, der dich nicht in eine solche Situation gebracht hätte. Oh Janine, es ist alles nur meine Schuld.“
    Dann drehte der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee seinen Kopf in Richtung Danny und sprach zu ihm.
    „Versprich mir, dass du Janine hier herausbringst“, flüsterte James fast. „Du bist der einzige, der meine Tochter noch retten kann. Sie hat ein besseres Leben verdient.“
    Tausende von möglichen Antworten und Widersprüchen gingen Danny in diesem Moment durch den Kopf, doch er entschied sich einfach nur zu einem Nicken.
    „Das werde ich“, versprach Bird und zweifelte noch im selben Moment an der Einlösung dieses Versprechens.
    „Es tut mir leid, dass ich die Geburt meines Enkels nicht miterleben kann“, sagte James und brachte sogar ein schwaches Lächeln zustande.
    „Sag so etwas nicht“, forderte ihn seine Tochter auf, „du wirst die Geburt deines Sohnes erleben!“
    Zwar erfuhr Danny erst jetzt das Geschlecht seines Kindes, doch angesichts der gegenwärtigen Situation konnte er sich derzeit nicht mit dieser Nachricht beschäftigen. Viel zu sehr war er von seinen eigenen Gefühlen irritiert: er empfand Trauer angesichts des nahen Todes von James Talley.
    „Sei eine gute Mutter“, war James´ letzter Wunsch, bevor seine Existenz endete. Der Glanz verschwand aus seinen Augen und er hörte auf zu atmen. Alles geschah ganz leise, ohne Zuckungen oder Schreie. Der Anführer der Föderalen Befreiungsarmee schied lautlos aus dem Leben.
    Noch einige Minuten lang betrachte Janine den Leichnam ihres Vaters, dann drückte sie den langsam erkaltenden Körper fest an sich. Es war die möglicherweise letzte Umarmung, die sie jemals durchführen konnte. Tröstend legte Danny eine Hand auf ihre Schulter und musste selbst eine Träne von seiner Wange wischen. Nur zu gern hätte er nun etwas Tröstendes gesagt, doch es fielen ihm keine passenden Worte ein. Die Situation war einfach nur hoffnungslos.
    „Du weißt nicht, was für ein guter Vater er gewesen ist“, kommentierte Janine schließlich, ihre Augen weiterhin nur auf den Leichnam gerichtet.
    Danny antwortete nicht, wusste nicht so recht, was er sagen sollte.
    Dies musste er auch gar nicht, denn die junge Frau fuhr ungerührt fort. Es schien als spräche sie mehr mit sich selbst als mit ihrem Freund.
    „Für dich mag er nur ein größenwahnsinniger Terrorist gewesen sein. Aber ich habe einen anderen James Talley gekannt: einen liebevollen Vater und guten Ehemann, der mich wundervoll erzogen hat. Auch war ein ganz normaler Mensch gewesen: nicht das Monster, welches du erwartest.“
    Ob sie diese Rede hielt, um sich selbst zu beruhigen? Danny wusste es nicht. Er selbst hatte schon seine Eltern schon in jungen Jahren verloren. Sie waren bei einem Angriff der Borg auf seine Heimatkolonie ums Leben gekommen. Natürlich war er wegen des Verlusts traurig gewesen, doch als Kind war man nicht zu sehr in der Lage den Verlust als solchen zu begreifen. Der Lieutenant konnte nur erahnen, wie sich seine Freundin nun fühlte. Noch einige zeit lang starrten sie beide den Toten an. Möglicherweise oder sogar aller Wahrscheinlichkeit nach würden sie beide ihm schon bald ins Jenseits folgen.

    Auf der Erde, im Innenministerium der Föderation, welches in San Francisco beheimatet war, saß der Innenminister in seinem Büro und ging die zahllosen Berichte durch, die seit dem Beginn der Krise eintrudelten. Sich müde die Augen reibend ließ sich der Minister in seinen Sessel sinken und seufzte. Lesen, lesen, lesen, nichts anderes schien er in den letzten Stunden getan zu haben. Auf der Erde gab es den verheerendsten Anschlag seit dem Angriff der Xindi vor zweihundert Jahren und er, der eigentliche Verantwortliche für alles, was auf der Erde von statten gehen sollte, las Berichte. Irgendetwas, dies war dem Innenminister klar, konnte da nicht stimmen und er wusste ganz genau, woran es lag:
    seit dem Beginn der Krise hatte er so gut wie nichts zu ihrer Lösung beigetragen. Alle wichtigen Entscheidungen, wurden einzig und allein vom Präsidenten und Edward Jellico getroffen. Dass der Präsident in einer Krisenzeit schnelle Entscheidungen im Alleingang treffen musste, dies war sein gutes recht. Dabei jedoch nur einen einzigen Minister zu Rate zu ziehen, der sich nur mit dem Ressort Justiz befasste, war jedoch etwas seltsam. Ineffektiv obendrein. In den letzten Stunden hatte der Innenminister mit mehreren seiner Amtskollegen gesprochen, um sich zu erkundigen, ob es vielleicht nur ihm so ging. Doch sowohl der Verteidigungs-, als auch der Katastrophenschutzminister waren bei dieser Angelegenheit nur Befehlsempfänger gewesen. Ihnen war, genauso wie ihm selbst, die Rolle des Ausführenden zugefallen. Doch dies reichte dem Minister nicht; er wollte stattdessen ebenfalls Teil des Führungsprozesses sein. Nicht aus Machtgier oder falschem Ehrgeiz, sondern weil es das demokratische System so vorsah. Die Bürger der Föderation hatten ihn als Stellvertreter für innere Angelegenheiten in dieses Amt gewählt und ihm so das Vertrauen zugesprochen. Jedoch war er derzeit nicht in der Lage seinen politischen Verpflichtungen nachzukommen. Statt selber Vorschläge zu machen, musste er Anweisungen umsetzen. Dabei hatte er nicht das Gefühl, dass alle Ideen vom Präsidenten stammten. Ein Großteil der Befehle stammte wohl direkt aus der Feder von Edward Jellico.
    Damit kein falscher Eindruck verstand, er hatte kein Problem mit dem Justizminister. Eigentlich verband ihn eine sehr gute Beziehung zu Jellico, die einer Freundschaft schon sehr nahe kam. Natürlich hatte ihn der schnelle Aufstieg eines ehemaligen Kriminellen überrascht, doch er hatte dem ehemaligen Admiral eine faire Chance gegeben. Dennoch war die gegenwärtige Handlungsweise falsch. Selbst oder gerade im Falle einer Krise sollten alle Mitglieder des Kabinetts zusammenarbeiten, um zu einer möglichst optimalen Problemlösung zu gelangen. Alleinentscheidungen, egal wann sie geschahen, waren undemokratisch.
    Aus diesem Grund ließ sich der Innenminister mit dem Büro von Edward Jellico verbinden. Es galt über die Situation zu reden, bevor er sich zur Einleitung weiterer Maßnahmen entschied.

    Das Ergebnis der Jagd gefiel Captain Martok ganz und gar nicht. Vor allem verstand er nicht, wieso sie das fremde Schiff nicht hatten zerstören können. Die klingonischen Schiffe hatten die Terraner quasi schon in die Ecke gedrängt, doch bevor sie ihnen den Todesstoß hatten versetzen können, war ein zweites Schiff aufgetaucht. Nun waren beide Schiffe verschwunden und Martok ratlos.
    Bei dem eben aufgetauchten Schiff musste es sich um die Defiant handeln, das stärkste Kampfschiff der Rebellenflotte. Das zweite war scheinbar baugleich mit ihr. Ihr Auftauchen konnte alles verändern. Im Laufe der letzten Jahre hatte die Defiant den Schiffen der Allianz beträchtlichen Schaden zugefügt. Dieses Schiff war zu einer Art Phantom geworden, welches nicht zu fassen gewesen war. Wenn es nun ein weiteres Schiff dieser Bauart gab, so stellte dies eine beträchtliche Bedrohung dar. Es galt beide Schiffe so schnell wie möglich zu stellen und zu vernichten. Auch wenn das fremde Raumschiff von ihren Sensoren verschwunden war, aufgrund seiner Beschädigungen musste es noch im Sol-System sein und stellte daher eine leichte Beute dar.
    Die Schotts zur Brücke öffneten sich und der klingonische Regent betrat die Brücke. Worf hatte den gelangweilt-gleichgültigen Blick aufgesetzt, der ihm so eigen war. Scheinbar schien sich der Führer der Klingonischen Konföderation mal wieder nicht für das Tagesgeschehen zu interessieren, sondern schwelgte in seinen eigenen Machtphantasien. Allein für die Art und Weise, wie er auf die Brücke stolzierte, hasste Martok ihn. Der Captain hatte sein gesamtes Leben in den Dienst der Flotte gestellt und in zahlreichen Kämpfen gesiegt. Zudem gehörte er zu den wenigen Kommandanten, die lebend von einer Expedition in das Romulanische Sternenreich zurückgekehrt waren. Dennoch war ihm die politische Anerkennung verwehrt gewesen. Man hatte ihn damit belohnen wollen, der Captain des klingonischen Flaggschiffes zu sein, der direkt dem Regenten unterstellt war, doch in seinen Augen kam diese Aufgabe einer Strafe gleich. Schon immer hatte er wenig von Worf gehalten, doch seitdem er in seiner unmittelbaren Nähe diente, hasste er ihn.
    „Bericht“, forderte Worf ein und ließ sich wie selbstverständlich in den Stuhl fallen, der eigentlich Martok als Kommandant vorbehalten war.
    „Wir haben das fremde Schiff nicht zerstören können“, erwiderte Martok mit grollender Stimme.
    „Sie haben nicht?“
    „Nein, es bekam Unterstützung von einem weiteren Schiff, welches, wie ich vermute, die Defiant ist. Beide Schiffe verstecken sich wahrscheinlich nun unter Ausnutzung ihrer Tarnvorrichtung.“
    Worf blickte Martok lange an und ließ die eben gehörten Worte auf sich wirken. Ob er nun Martok auf der Stelle wegen seines Versagens töten würde? Eigentlich wäre es für einen klingonischen Krieger die angemessene Strafe. Dabei würde Martok zumindest seine Ehre und damit die Chance auf den Einzug ins Sto´vo´kor behalten. Innerlich schloss der Captain mit seinem Leben ab und dachte ein letztes Mal an seine Frau, die er über alles liebte.
    Doch zu seiner Überraschung wandte sich der Regent mit seinem Blick ab und erhob sich aus seinem Stuhl.
    „Wie dem auch sei, wir werden uns zu geeigneter Zeit mit diesem Thema befassen. Es ist nun an der Zeit unsere menschlichen Gefangenen hinzurichten.“
    Keiner der Brückenoffiziere, schon gar nicht Captain Martok, konnte glauben, was der Regent da eben gesagt hatte. Selbst in den Augen des einfachsten Matrosen war dies als klarer Fehler zu erkennen.
    „Mein Regent“, widersprach Martok mit zorniger Stimme, „das fremde Schiff ist beschädigt und kann das System nicht verlassen. Wir sollten uns auf die Suche machen und es vernichten.“
    „Dies hat Zeit. Ich möchte mich stattdessen unserer Gefangenen entledigen. Ich werde ihrer langsam überdrüssig.“
    Diese geschwollene, unkriegerische Sprache machte Martok nur noch wütender.
    „Ein zweites Schiff, welches mit der Defiant identisch ist, stellt eine immense Gefahr für unsere Flotte dar, Sir. Jetzt, wo das Schiff angeschlagen ist, müssen wir unsere Chance nutzen!“ erklärte Martok mit fast schon zittriger Stimme.
    Worf und er starrten sich mehrere Sekunden lang an; jeder von ihnen den nächsten Schritt abwägend. Dann wandte sich Worf ab (ein Zeichen der Schwäche für den Captain) und wollte die Brücke verlassen.
    In diesem Moment fragte sich der Kommandant, was ihm seine Karriere und sein Leben wert war. War er bereit für seine Ansicht, die er als richtig ansah, alles aufzugeben? Bei seiner Argumentation ging es ihm nur um das Wohl der Allianz. Wahrscheinlich würden sie nie wieder die Gelegenheit bekommen einen so wichtigen Schlag gegen die Rebellenflotte zu erlangen!
    Worf hatte schon fast das Schott erreicht, als Martok seine Stimme erhob und erklärte:
    „Regent, ihre Entscheidung ist falsch!“
    Langsam, fast schon in Zeitlupe, drehte sich Worf um und blickte Martok fest in die Augen. Er wollte zu einer Erwiderung ansetzen, doch der klingonische Captain kam ihm zuvor:
    „Ich denke, sie führen ohne Ehre und fehlerhaft. Es ist meine Pflicht als Klingone sie herauszufordern.“
    Entsetzt blickten die Brückenoffiziere erst zu Martok und dann zu Worf. Dieser lächelte.
    „Sie wollen ein Duell?“ fragte der Regent grinsend und schien sich über diese Gelegenheit zu freuen. „Wie sie wollen.“
    „Es geht mir um die Zukunft unseres Volkes“, entgegnete Martok und zückte seinen Dolch.
    Der Kampf um die Herrschaft der Klingonischen Konföderation hatte begonnen…

    Fortsetzung folgt

    MACHTWECHSEL

    based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY
    produced for TREKNews NETWORK
    created by NADIR ATTAR
    executive producers NADIR ATTAR & CHRISTIAN GAUS
    co-executice producer SEBASTIAN OSTSIEKER
    producer SEBASTIAN HUNDT
    lektor OLIVER DÖRING
    staff writers THOMAS RAKEBRAND & JÖRG GRAMPP and OLIVER-DANIEL KRONBERGER
    written by NADIR ATTAR & CHRISTIAN GAUS
    TM & Copyright © 2005 by TREKNews Network. All Rights Reserved.
    "STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES
    This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!


    Quelle: treknews.de
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