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  • X-Men: Days of Future Past - Filmkritik

    Plus: großes Special und Bilder
    Am Donnerstag den 22. Mai startet das neue Abenteuer in 2D und 3D in den deutschen Kinos - wir verraten Euch, ob sich ein Besuch lohnt: Die Treknews.de Redakteure Daniel Räbiger und Markus Sampl waren vorab für Euch im Kino und haben ein umfangreiches Video-Review und Special für Euch im Gepäck...

    Hinweis: Teile dieses Artikels stammen aus den offiziellen Presseinformationen zum Film.

    Die ultimative „X-Men“-Truppe schließt sich in X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST („X-Men: Zukunft ist Vergangenheit”, 2014) zusammen, um in zwei Zeitperioden das Überleben ihrer Spezies zu sichern.

    Die beliebten Charaktere der ursprünglichen „X-Men”-Filmtrilogie gehen mit ihren eigenen jüngeren Ausgaben aus X-MEN: FIRST CLASS („X-Men: Erste Entscheidung“, 2011) auf Schulterschluss.

    Ziel ist es, ein wichtiges historisches Ereignis zu verändern und eine epische Schlacht zu schlagen, die die Zukunft retten könnte.

    Am Donnerstag den 22. Mai startet das neue Abenteuer in 2D und 3D in den deutschen Kinos - wir verraten Euch, ob sich ein Besuch lohnt:

    Die Treknews.de Redakteure Daniel Räbiger und Markus Sampl waren vorab für Euch im Kino und haben ein umfangreiches Video-Review für Euch im Gepäck.

    Außerdem ein großes Special zu Film - viel Spaß beim Lesen!

     

    Fotos von der Weltpremiere 
     
    Regisseur Bryan Singer hat das Comic-Genre fürs Kino neu erfunden. Mit X-MEN („X-Men– Der Film“) gelang ihm im Sommer 2000 eine Comicverfilmung, die in Sachen Ästhetik und Figurenzeichnung neue Maßstäbe setzte. Diesem Film ließ er 2003 das noch erfolgreichere Sequel X-MEN 2 („X-Men 2”) folgen.

    Für X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST nimmt Singer wieder auf dem Regiestuhl Platz, um das „X-Men“-Universum weiter auszubauen. Er erzählt eine gewaltige, provozierende Geschichte mit überaus komplexen Charakteren. Produzent Hutch Parker ist davon überzeugt, dass die „X-Men“-Filme deshalb so faszinierend sind, weil Bryan seine Figuren so „liebt und respektiert und sich so sorgfältig mit ihnen auseinandersetzt“.

    Singer, der bei dem Erfolgsfranchise von Beginn an mit an Bord war, hat über die Jahre enge Kontakte zu Stab und Schauspielern geknüpft und auch diesmal auf bewährte Mitarbeiter zurückgegriffen. So sind wieder viele gute Bekannte mit an Bord. Die Produzentin Lauren Shuler Donner war beispielsweise bei allen „X-Men“-Filmen beteiligt, der Autor und Produzent Simon Kinberg produzierte X-MEN: FIRST CLASS, der vielfach prämierte Chefkameramann Newton Thomas Sigel, ASC, hat schon sieben Mal mit Singer kooperiert, der Oscar-Gewinner John Myhre kreierte als Produktionsdesigner schon die erste „X-Men“-Welt und auch Komponist und Cutter John Ottman ist ein alter Wegbegleiter.

     

    Darüber hinaus vereint Singer auch die Schauspieler der ersten „X-Men“-Trilogie mit denen aus X-MEN: FIRST CLASS, wo er als Produzent fungierte und die Story geliefert hatte.

    Von der „X-Men“-Urbesetzung sind Hugh Jackman, Patrick Stewart, Ian McKellen und Halle Berry bei X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST dabei, aus X-MEN: FIRST CLASS kennt man Jennifer Lawrence, James McAvoy, Michael Fassbender und Nicholas Hoult. „Es war toll, all diese Leute in X-MEN bzw. X-MEN: FIRST CLASS zu besetzen“, erinnert sich Singer, „viele hatten damals in Filmen dieser Größenordnung noch nicht mitgewirkt. Hugh kam vom Musical, Jennifer war nur in kleinen Independent-Produktionen wie WINTER’S BONE („Winter’s Bone“, 2010) aufgetreten. Über die Jahre haben sie sich einen Namen gemacht, inzwischen sind sie große Stars. Diese Familienzusammenkunft war für uns alle eine tolle Sache.”

    Shuler Donner meint, dass die üppigen Geschichten und provokanten Themen Singers Interesse am „X-Men“-Universum geweckt haben. „Bryan wird sehr ernst, wenn es um die „X-Men“ geht. Er hat immer verstanden, dass der Subtext der verschiedenen Geschichten realistisch und mit Fingerspitzengefühl gehandhabt werden muss. Die Figuren besitzen Schwächen, mit denen sich das Publikum identifizieren kann. Mystique etwa will einfach auf sich und das, was sie ist, stolz sein, während Beast sich seiner Mutanten-Fähigkeiten schämt und diese entsprechend verbergen will. Wenn man die Figuren in der Realität verankert, glaubt man auch, dass sie fliegen können oder über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen. All die Elemente, die die so genannten Eventfilme ausmachen, sind vorhanden – Action, Komödie, visuelle Effekte –, aber zusammengehalten werden die „X-Men“-Filme durch die menschlichen Konflikte. Bryan ist ein Meister darin, die Tiefe und den Subtext dieser Comics auszuloten. Er geht tief in sich und findet so heraus, was seine Charaktere treibt und wie sie sich und das Ethos bzw. Pathos der Welt, in der sie leben, sehen”.

    „Der Hauptgrund, warum ich ins ‚X-Men‘-Universum zurückkehren wollte, ist weder die Ausnahmebesetzung noch die gewaltige Story. Beides ist natürlich toll“, gesteht Singer gerne, „aber ich wollte mich hier mit etwas beschäftigen, womit ich mich bei den ‚X-Men‘-Filmen noch nicht auseinandergesetzt habe: Zeitreise.

    In den Comicvorlagen ist das längst ein wichtiges Thema. Ich denke, dass man bei jedem Film etwas Neues ausprobieren muss. Und ich garantiere, dass es in X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST jede Menge neue Dinge zu bestaunen gibt”.

    VOM DREHBUCH AUF DIE LEINWAND

    Schon während er 2011 X-MEN: FIRST CLASS produzierte, fing Simon Kinberg gemeinsam mit Regisseur Matthew Vaughn mit der Konzeption des nächsten „X-Men”-Abenteuers an und dabei tendierten die beiden immer mehr dazu, zwei Generationen von „X-Men“ miteinander in Verbindung zu setzen.

    Inspirationsquelle zu dieser Idee war Days of Future Past, ein Comic von Chris Claremont, der im Film auch einen Cameoauftritt absolviert. „Ich finde, es macht absolut Sinn, die Vergangenheit des Films in den frühen Siebzigerjahren anzusiedeln. Die Welt veränderte sich da gerade gewaltig. Alles war in Aufruhr”, weiß die Comiclegende. „Es war zudem logisch, spielte doch FIRST CLASS in den Sechzigern“.

    Für Claremont besteht der wichtigste Bestandteil des Geschichtenerzählens darin, die Leser zu überraschen. Er findet, dass es eine großartige Idee war, Days of Future Past für die Leinwand aufzubereiten. „Es ist eine der nachhaltigsten Storys, der gesamten Reihe“, weiß Claremont. „Das Gesamtpaket – Bryan Singers Vision, die vielfältige Besetzung und die Tiefe der Story – ist einfach cool”.

    Im Mittelpunkt steht, sowohl beim Comic wie auch beim Film, die Zeitreise. Und das obwohl, wie Singer sagt, sich X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST „dem Thema auf höchst ungewöhnliche Weise annähert. Der Unterschied besteht darin, dass wir niemanden physisch in der Zeit zurückschicken. Vielmehr versetzen wir die Charaktere jeweils in ihr jüngeres Ich.
    Für die Zeitspanne, in der Logan in der Vergangenheit weilt, existieren Vergangenheit und Zukunft nebeneinander. So waren Action-Elemente in beiden Zeitperioden gleichzeitig möglich“.

    „Es gibt in der Quantenphysik sogar eine Theorie, die dieses Phänomen beschreibt“, fährt er fort. „Es nennt sich ‚Superposition’. Hier wird behauptet, dass etwas nicht wirklich passiert ist, wenn wir den Ausgang des Ereignisses noch nicht kennen. Das heißt, dass unser Beobachter Wolverine diese Superposition beeinflusst. Alles, was er auf seiner Reise in die Vergangenheit verändert hat, wird Folgen für die Zukunft haben”.

    Während Singer die Logik und Physik der Zeitreise erforschte, beschäftigte sich Kinberg, als er am Skript arbeitete, mit Zeitreiseliteratur und -filmen. „Ein großer Teil des Reizes von X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST sind die Schnittstellen sowie die Wechselwirkung von Vergangenheit und Zukunft”, weiß Kinberg. „Die größten Herausforderungen des Projekts bestanden darin, die Logik und die emotionale Ausrichtung der Figuren aufrecht zu erhalten. Die junge Version eines Charakters mit seinem älteren Ich zu synchronisieren, stellte uns vor neue Aufgaben. Die Figuren mussten sich emotional und rational entsprechen, das war fast ebenso schwierig wie die Umsetzung der Physik und Psychologie der Zeitreise”.

    Kinberg genoss es, mit Singer an einem Film zu arbeiten, der die Möglichkeit bot, die Schauspieler der „X-Men“-Trilogie mit denen aus X-Men: FIRST CLASS zu vereinen. „In diesen Filmen geht es um Außenseiter, die versuchen, eine Ersatzfamilie zu finden, weil die leibliche Familie sie nicht akzeptiert. Dieses Thema beschäftigt Bryan”, sagt Kinberg.

    Kinberg meint, dass ein Großteil des Erfolgs von Singers „X-Men”-Filmen daher rührt, dass der Regisseur Charakterdarsteller verpflichtete. „Bryan hat nicht auf Genre- oder Actionstars zurückgegriffen, sondern bewusst Schauspieler mit Bühnenhintergrund besetzt, darunter Ian McKellen, Patrick Stewart und Hugh Jackman.

    Genauso wählte er dann auch seine Darsteller für die nächste „X-Men“-Generation aus – siehe Jennifer Lawrence, James McAvoy, Michael Fassbender und Nicholas Hoult. Ich weiß nicht, ob es im Kino in Bezug auf Qualität, Erfahrung, Bandbreite und Bekanntheit schon jemals so eine Besetzung gegeben hat”.

    DIE X-MEN: VERGANGENHEIT UND ZUKUNFT

    Hugh Jackman ist das Verbindungsglied zwischen Vergangenheit und Zukunft. Er hat Wolverine in den vergangenen 14 Jahren insgesamt sieben Mal gespielt – „ein unglaubliches und seltenes Geschenk”, wie er selbst sagt. Diese Rolle ist maßgeblich für seine Karriere, sie hat ihn als Schauspieler aber nie eingeschränkt. Niemand kennt Wolverine besser als Jackman, der seine Rückkehr als Logan ins „X-Men“-Universum als eine Art „Wiedergeburt“ beschreibt.

    „Logan sieht sich, zum ersten Mal seit vielen Jahren, als Teil des ‚X-Men‘-Teams“, sagt Jackman. „Er hat sich damit arrangiert, dass Wut seine größte Waffe ist. Er ist nun ein Krieger des Friedens. Da er der einzige Mutant ist, der dazu in der Lage ist, sich selbst zu heilen, bietet er sich freiwillig an, in die Vergangenheit zu reisen. So kann er vielleicht die Apokalypse, die den Mutanten in der Zukunft droht, verhindern”.

    Wolverines Fähigkeiten machen ihn zum einzigen „X-Man“, der diese Reise antreten kann. Singer erklärt: „Jeder, der so weit in die Vergangenheit zurückreist, würde verrückt werden. Dank seiner regenerativen Fähigkeiten ist Wolverine also der Richtige, um diesen Trip anzutreten. Da Wolverine nicht altert und so auch in seiner Jugend gleich aussieht, war Jackman in der Lage, beide Parts zu spielen. Es war für Hugh und mich einfach eine einzigartige Gelegenheit”.

    Im Verlauf ihrer gemeinsamen Geschichte hat Charles Xavier stets versucht, Logan seine „X-Men“-Philosophie zu vermitteln und ihn zu beruhigen. In X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST kehren sich nun ihre Rollen um. Logan ist es jetzt, der den jüngeren Charles davon zu überzeugen versucht, doch seinen Glauben zu bewahren.

    „Es ist ein sehr spannendes, fast poetisches Wechselspiel, das sich da zwischen den beiden entspinnt”, weiß Singer.
    „In X-MEN hilft Xavier Logan, seinen Platz in der ‚X-Men‘-Welt zu finden, in X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST reist Wolverine in die Vergangenheit, um Xavier zu helfen und sein Leben auf die Reihe zu bekommen, damit er dann die Zukunft retten kann”.

    Das dürfte eine der schwierigsten Missionen sein, die Wolverine bislang zu bewältigen hatte, denn Geduld ist nicht gerade seine herausragende Eigenschaft.

    Jackman freute sich, bei X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST wieder an Bord sein zu dürfen, obwohl er erst wenige Monate zuvor die Dreharbeiten zu WOLVERINE („Wolverine – Weg des Kriegers“, 2013) abgeschlossen hatte. Das hieß für ihn, dass er sich für die Dreharbeiten in Montreal nicht extra wieder in Form bringen musste – er musste „nur” seine Form bewahren. Und das allein war schon schwierig genug. 45 bis 90 Minuten trainierte er täglich, ehe er sich in die Maske begab. Seine Diät war streng, primär nahm er gekochtes Huhn und gedämpftes Gemüse zu sich. Er aß alle zwei Stunden, oft zwischen zwei Takes oder den Proben. Vor besonders fordernden Szenen legte er eine 15-minütige Extra-Trainingseinheit ein, den Arbeitstag beendete er mit einer Dreiviertelstunde im Fitnessstudio.

    Jackman freute sich über die Möglichkeit, wieder mit Berry, McKellen und Stewart zusammenzuarbeiten, nachdem man sich beim ersten „X-Men“-Dreh angefreundet hatte. Ebenso genoss er die erneute Kooperation mit Singer, dem er seiner Meinung nach seinen Durchbruch in Hollywood verdankt. Zudem gefiel es ihm, an der Seite der jungen Schauspieler zu agieren. Ein Moment des Drehs hat sich Jackman besonders eingeprägt. Er spazierte neben Nicholas Hoult durch den Blue-Hallway-Set, als dieser zu ihm sagte: „Ich erinnere mich gut daran, als ich als ungefähr Achtjähriger X-MEN gesehen habe“. Da wurde dem australischen Schauspieler plötzlich klar, wie einflussreich das „X-Men“-Universum geworden ist.

    Ein anderer Veteran am Set war Ian McKellen. Seine Zusammenarbeit mit Singer begann bei APT PUPIL („Der Musterschüler“, 1998), den dieser produziert und inszeniert hat. Seit jenen Tagen ist McKellen davon begeistert, wie viel Herzblut Singer in seine Projekte steckt und wie sehr er sich dem Publikum verpflichtet fühlt. Als klassisch ausgebildeter Bühnenschauspieler zieht Ian seine Kraft aus der Hingabe und Begeisterungsfähigkeit seiner Zuschauer.

    Der Schauspieler erkennt in Magneto einen Mann mit Gewissen, einen Mann, den eine tragische Vergangenheit plagt und dessen Trauer dazu führt, dass er seine übermenschlichen Fähigkeiten erkennt – er kann Metall anziehen und kontrollieren. Glaubt man McKellen, ist Magneto der Stärkste der Mutanten – zumindest in physischer Hinsicht. Seine Trauer und seine Wut entfremden ihn von der „X-Men“-Gesellschaft, aber in DAYS OF FUTURE PAST tut er sich mit seinen Gegnern zusammen, um das Überleben der Mutanten zu gewährleisten. Dank seines neuen Kostüms sieht Magneto, nach McKellens Meinung, jetzt auch so aus, als „würde er es ernst meinen“. Als ob es daran jemals Zweifel gegeben hätte...

    Patrick Stewart, der Charles Xavier/Professor X nun auch schon für über 14 Jahre gespielt hat, wunderte sich nicht, dass seine Figur in DAYS OF FUTURE PAST wieder auftauchte. Der Erfolg des Franchise war gewaltig und Stewart konnte sich gut vorstellen, in welche Richtung sich die Geschichte weiterentwickelt. „Und außerdem“, witzelt er, „wird James McAvoy noch ein, zwei Jahre brauchen, ehe er so aussieht wie ich”.

    Stewart freute sich über die erneute Zusammenarbeit mit Singer, dessen Visionen und Ambitionen maßgeblich zum Erfolg der Reihe beitrugen. Besonders ist Stewart ins Auge gestochen, wie sich im Lauf der Jahre die Herangehensweise an Filme dieser Größenordnung verändert hat. Noch nie hatte er in einen 3D-Film mitgespielt, noch nie hatte er im Vorfeld animierte Szenen seiner Auftritte gesehen. Der Drehprozess ist immer komplexer geworden, aber auch immer präziser, ein Umstand, der Stewart fast ebenso begeisterte wie die Tatsache, dass er diesmal endlich den „X-Jet“ fliegen darf. Richtiggehend begeistert war er jedoch von dem Rollstuhl, den er als Xavier benutzt: „Er schwebt wie ein Luftkissenfahrzeug!“

    Der schottische Schauspieler James McAvoy schlüpft erneut in die Rolle des jungen Charles, der in dieser Geschichte seinen Glauben vollkommen verloren hat und verletzlicher ist denn je. Shuler Donner beschreibt seinen Zustand so: „DAYS OF FUTURE PAST bringt ihn dazu zu werden, wie er schließlich ist.” McAvoy weiß, dass seine Figur immer schon ein riesiges „Empathie-Potenzial” besessen hat. „Charles kann auf Leute zugehen, spürt ihr Leid und vermag ihnen zu helfen. So werden sie bessere und größere Menschen.”
    Aber in dieser Phase seines Lebens hat Charles beschlossen, sich zurückzuziehen. Er ist innerlich zutiefst verletzt, weil er seine nahe Freundin Raven (Mystique) verloren hat und eine Verletzung ihn zwingt, von nun an einen Rollstuhl zu benutzen. McAvoy legt diese Version des Charles völlig neu an. „James nimmt diese Rolle total ernst. Er interpretiert sie von einer absolut menschlichen Seite und vergisst alles Übernatürliche”, erläutert Kinberg. „Was auch logisch ist, denn der junge Charles ist ein Mensch und das Ungemach, das ihm widerfährt, ist ganz real und nachvollziehbar”.

    Eine der Schlüsselszenen McAvoys war die, in der er auf sein älteres Ich in Person von Patrick Stewart trifft. Es war McAvoys erster Tag am Set und Stewarts letzter. Der junge Schauspieler war ein wenig nervös. „Dies ist einer der wichtigsten Momente im Leben des jungen Charles“, führt er aus. „Und diese Szene mit jemandem zu spielen, der den Part schon über 14 Jahre inne hatte, machte mich doch ein wenig unruhig”. Die beiden Schauspieler hatten sich noch nie getroffen und kaum Zeit, um zu proben. McAvoy schlug vor, dass man die Szene doch Gesicht an Gesicht drehen sollte. Das gefiel Stewart, denn so würde die Intimität der Szene unterstrichen werden.

    „James kam einfach rein und zog sein Ding durch“, erinnert sich Singer, „es war einfach unglaublich wie zwei Schauspieler aus verschiedenen Generationen so perfekt miteinander harmonierten. Das war für alle ein unvergesslicher Moment”.

    Michael Fassbender übernimmt wieder den Part des jungen Erik Lehnsherr/Magneto, den er schon in X-MEN: FIRST CLASS gespielt hatte. „Diesmal“, so Kinberg, „findet er seine Strategien. Er wird der Magneto, wie ihn Ian McKellen gibt. Er findet seinen politischen Standpunkt und überlegt, wie er die Welt verändern kann”.

    Wie die meisten seiner Kollegen zieht es auch Fassbender vor, auf einem richtigen Set und nicht vor einer Green Screen zu agieren. Er war überwältigt wie sorgfältig und detailreich die Produktionsabteilung die Sets entworfen hatte. Sein Lieblingsset war die Gefängniszelle im Pentagon, in die er in den ersten Szenen des Films eingesperrt ist. Sie half ihm, seinen Charakter zu finden. „Diese Zelle gab mir die Idee, wie mein früheres Leben ausgesehen haben muss”, sagt Fassbender.
    „Diese zehn Jahre Einzelhaft hat Magneto nur mit Hilfe der ‚Lotus’-Technik überstanden. Sie ist eine Meditationsübung, Eriks Form von Zen, in der er stundenlang schwebend und mit gekreuzten Beinen seine Kräfte sammelt“.

    Ein weiterer Quell des Konflikts zwischen Fassbenders Magneto und McAvoys Xavier ist Raven/Mystique. Erneut ist die Academy-Award-Gewinnerin Jennifer Lawrence in dieser Rolle zu sehen. In X-MEN: FIRST CLASS war sie eine der vielversprechenden Studentinnen von Xavier, ehe sie sich Magneto und dessen dunklerer Weltsicht zuwandte. Nun hat Raven die Identität von Mystique angenommen und stellt sich gegen die Menschen.

    „Raven war in den zehn Jahren, die seit X-MEN: FIRST CLASS vergangen sind, auf sich alleine gestellt”, führt Singer aus. „Sie ist jetzt weder das Mädchen, das mit Charles aufwuchs, noch eine Jüngerin von Erik. Sie hat ihren eigenen Weg gefunden. Sie ist auf Rachefeldzug, jagt all die Menschen, die für die Entführung und Tötung von Mutanten verantwortlich sind, bzw. mit ihnen experimentieren. Gleichzeitig will sie sich an Trask rächen. Das bricht Charles das Herz, denn er weiß, dass diese Tat böse Folgen haben und zum Untergang der Mutanten führen wird. Der Kampf um die Zukunft ist also auch einer um Ravens Seele”.

    Eine Figur, die vollkommen der dunklen Seite zuzuordnen ist, ist Dr. Bolivar Trask, den Peter Dinklage spielt. Trask hat die Sentinels, die riesigen Roboterwaffen, entwickelt. Er möchte die Menschheit im Kampf gegen die Mutanten vereinen und diese auslöschen. Singer und Kinberg gaben, so der Regisseur, der Figur „emotional logische Gründe“ für ihr bedingungsloses Vorgehen gegen die Mutanten. Trask sollte nicht einfach ein klassischer, eindimensionaler Schurke sein.

    „Auf seine ganz verquere Art sehnt sich Trask nach Frieden”, führt Singer aus. „Er glaubt, dass die Mutanten so mächtig sind, dass sie zu einer Gefahr für die Menschheit werden könnten. Für ihn verhält es sich zwischen den Mutanten und den modernen Menschen so wie zwischen den modernen Menschen und den Neandertalern – und das hat zur Ausrottung der letztgenannten Spezies geführt. „Welchen besseren Grund gibt es also für die Menschen, sich zusammen zu tun als gegen einen Feind vorzugehen, der das Ende der Menschheit sein könnte?”
    Der Wunsch, einen vielschichtigen Schurken zu haben, führte zur Besetzung von Dinklage. „Nicht nur transportiert Peter durch seine physische Erscheinung dieses ‚Anderssein’, er verfügt auch über das emotionale Rüstzeug und die Menschlichkeit, dass man ihm die Figur abnimmt”, ist Kinberg überzeugt. „Dank Peter wird Trask verständlich. Die Zuschauer sorgen sich um ihn – auch wenn sie gegen ihn sind”.

    Der Schauspieler wiederum lobt Singer und Kinberg, weil es ihnen gelingt, eine in sich logische Geschichte auf zwei verschiedenen Zeitebenen zu erzählen. Dinklage war besonders von den vielschichtigen Figuren angetan, ihren inneren Kämpfen, ihren emotionalen und psychologischen Überzeugungen sowie deren wechselseitigen Beziehungen. „Das Verhältnis zwischen Charles und Erik ist unglaublich”, sagt Dinklage. „Die beiden sind voneinander abhängig. Es gibt da diese Loyalität, die ihrer alten Freundschaft entstammt. Das ist hier alles sehr klug durchdacht und gut gemacht”.

    Oscar-Preisträgerin Halle Berry ist inzwischen zum vierten Mal als Storm zu sehen. Sie fühlt sich ihrem Mutanten verwandt und sieht die Rolle wie eine Rückkehr zu einem alten Freund. Berry definiert ihren Part als Lehrerin – ganz so wie Singer die Rolle erstmals in X-MEN angelegt hat.

    Und doch, so weiß Berry, ist Storm mehr als nur Bücher und Bleistifte. Storm ist eine der mächtigeren Mutanten, sie spielt eine wichtige Rolle bei der Verteidigung ihrer Spezies vor den Sentinels. „Storm beherrscht das Wetter und wenn Kampf angesagt ist, ist sie die Erste, die aufs Feld geschickt wird“, erklärt sie.

    Die für den Oscar nominierte Ellen Page kehrt ebenfalls wieder ins „X-Men“-Universum zurück. Sie ist als Kitty Pryde zu sehen, eine Figur, die sie erstmals in X-MEN: THE LAST STAND („X-Men: Der letzte Widerstand“, 2006) verkörperte. In DAYS OF FUTURE PAST sind es Kittys Fähigkeiten, die es erlauben, Wolverines Bewusstsein in die Vergangenheit zu schicken. Nur so ist es möglich, dass dieser die Mutanten vor der Ausrottung durch die Sentinels schützen kann.

    Page sieht Kitty als starke, „krasse“ weibliche Heldin, und ist sich sicher, dass die „X-Men“-Fans vom neuen Abenteuer, das sie als „episch“ bezeichnet, nicht enttäuscht sein werden. Page genoss jeden Drehtag, die Arbeit mit den „unglaublichen Kollegen, tollen Kostümen und sensationellen Sets“ war einfach umwerfend. Sie bewundert Singer dafür, dass er ein solches Monsterprojekt so meisterlich zu stemmen versteht, Kinberg lobt sie für dessen kluges, präzise ausformuliertes Skript. Und über die Besetzung gefragt, sieht Page in ihren Kollegen „Legenden. Es war einfach toll dazusitzen und ihnen beim Spielen zuzusehen”.

    Auch Nicholas Hoult nimmt seinen Part aus FIRST CLASS wieder auf. Er ist als Hank McCoy/Beast zu sehen. Diesmal hat man den Fokus stärker auf die emotionale Zerrissenheit seiner Figur gerichtet. Hank fühlt sich in seiner blauen Haut nicht wohl, er ist unsicher und geniert sich, ein Mutant zu sein. Während der zehn Jahre, die seit der Handlung von FIRST CLASS vergangen sind, hat er mit Charles im „X-Men“-Anwesen gelebt und ein Serum entwickelt, das seine und Charles’ Mutation unterdrückt. Charles benutzt es, um wieder gehen zu können. Doch das Medikament hat Nebenwirkungen, es schränkt die mentalen Kapazitäten ein. Zudem wird im neuen Film Hanks Verbindung zu Raven genauer untersucht. Obwohl er ihre blaue Haut akzeptieren kann, fühlt er sich in seiner nicht wohl.

    Hoult war dankbar für die Möglichkeit, so eng mit McAvoy zusammenarbeiten zu können, den er für einen perfekten Schauspieler hält. Die beiden analysierten ihre gemeinsamen Szenen sorgfältig und McAvoys Ideen führten dazu, dass Hoult die Tiefe der Verbindung ihrer beiden Figuren besser verstand. Der Dreh zu DAYS OF FUTURE PAST hat mich nachhaltig beeinflusst“, weiß er. „Es war ein kolossales Projekt, das auf zwei Zeitebenen spielt. Hinzu kommt die Vielzahl an Figuren, die alle eine ganz persönliche Geschichte und ein differenziertes Gefühlsleben haben”.

    Quicksilver ist ein weiterer wichtiger Mutant in den Szenen der Siebzigerjahre. Der junge Charles, Logan und Hank bitten ihn um Hilfe, damit sie Magneto aus seinem Gefängnis im Pentagon befreien können. Quicksilvers Superkraft, der Name verrät es schon, besteht in seiner Geschwindigkeit. Diese hat er, bis er die „X-Men“ trifft, für kleinere Diebstähle und Teenager-Unsinn genutzt. „Wolverine kennt Quicksilver in der Zukunft”, erläutert Singer.
    „In der Vergangenheit ist dieser ein kleptomanisch veranlagter Jugendlicher, der sich gerne in Szene setzt. Um ihn und seine Fähigkeit für seine Zwecke einspannen zu können, muss er sich Quicksilvers Freude am Unruhestiften zunutze machen. Also bittet er ihn, ihm dabei zu helfen, jemanden aus dem Pentagon zu befreien”.

    Singer und Chefkameramann Newton Thomas Sigel benutzten Phantom-Hochgeschwindigkeitskameras und foto-akustische Technologie, um die Ein- und Ausbruchsszenen zu filmen. Dies sind sicherlich die technisch kompliziertesten und optisch verblüffendsten Szenen des gesamten Films. Die Sequenz wurde mit 3.000 Bildern pro Sekunde aufgenommen, man sieht Quicksilver wie er die Wände des Pentagons parallel zum Boden entlang läuft. „Das hat’s im Kino noch nie gegeben“, freut sich Singer.

    Diese Technologie bedingt enorm viel Licht. Also brachte man über dem Set Lampen mit einer Strahlkraft von 40.000 Watt an. „Der Set war so hell, dass wir während des Drehs Sonnenbrillen tragen mussten“, fügt Singer hinzu. „Die Schauspieler schlossen ihre Augen und machten diese erst auf, als die Kameras liefen”.

    Shawn Ashmore kehrt als Bobby/Iceman ins „X-Men“-Universum zurück. In DAYS OF FUTURE PAST tut er sich mit Kitty, Bishop und Colossus zusammen, die sich alle in der dunklen Zukunft auf der Flucht befinden. Ashmore weiß, dass die Umstände die Figuren allesamt hart gemacht haben. „Tag für Tag sind sie in Lebensgefahr”, sagt Ashmore, „und nur dank Kittys Fähigkeit, in die Vergangenheit zu reisen, überleben sie”.

    Ashmore war absolut davon begeistert, dass er diesmal seine Fähigkeiten in einer einzigartigen Actionsequenz unter Beweis stellen durfte. Eine Eisrutsche war Teil der Szene und er erinnert sich, dass dies für ihn der „ultimative Superheldenmoment“ war.
    Der kanadische Schauspieler Daniel Cudmore war auch sehr froh darüber, ins „X-Men“-Universum zurückkehren zu dürfen. Sein Charakter ist dazu in der Lage, seine Haut in organischen Stahl umzuwandeln, was ihn gleichermaßen stark und fast unverwundbar macht.

    Der Franzose Omar Sy (INTOUCHABLES, „Ziemlich beste Freunde“, 2011) spielt Bishop, einen der neuen Mutanten in der „X-Men“-Welt. Bishop, der in der Zukunft auftaucht, ist wild und furchteinflößend. Er kann strahlende und leitfähige Energie aufzunehmen und nutzt diese, um seine Plasmawaffe zu befeuern. Mit Kittys Unterstützung vermag er auch in der Zeit zu reisen. So ist er eine Schlüsselfigur, die dazu in der Lage ist herauszufinden, welch schlimmes Schicksal den Mutanten in der finsteren Zukunft droht. Bishops Lebensgeschichte ist turbulent und schmerzhaft. Über einem Auge erkennt man eine „M“-förmige Narbe – das heißt, dass er Gefangener in einem Mutanten-Lager war.

    Die Figur Sunspot, die Adan Canto spielt, kann Solarblitze abschießen. Um sich in seinen Part hineinzufinden, beschäftigte sich Canto mit Sunspots Geschichte. Er erklärt: „Er ist loyal und leidenschaftlich, aber seit dem Tod seiner großen Liebe neigt er zu Wut und Rebellion”.

    Ein weiterer neuer Mutant des „X-Men“-Franchise ist Warpath, in dessen Part Booboo Stewart schlüpft. Warpath, den man auch als James Proudstar kennt, besitzt überaus feine Sinne – er riecht, sieht und hört übernatürlich gut. Warpath ist einer der Mutanten aus der Zukunft, der den „X-Men“ hilft, als sie von den Sentinels angegriffen werden. Als Zufluchtsort dient den Mutanten in der Zukunft ein Kloster, in das sie sich zurückgezogen haben, während sie um ihr Überleben kämpfen. Warpath ist ein Meister im Umgang mit Waffen und schwingt Schwerter mit 45 Zentimeter langen Klingen. Für Stewart, der bereits als Dreijähriger anfing, sich mit Martial Arts zu beschäftigen, war diese Rolle maßgeschneidert.

    Der dritte neue Mutant in den „X-Men“-Reihen wird Blink gerufen und von Fan Bingbing gespielt. Blink beherrscht die Kunst der Teleportation und kann sich, andere und auch große Gegenstände durch Raum und Zeit bewegen. Sie nutzt ihre Fähigkeiten, Sachen zu „verlegen“, speziell ihre Feinde oder riesige Projektile. Das SFX-Team war dafür zuständig, dass Blinks Fähigkeiten auf der Leinwand richtig zur Geltung kamen. Sie sprengten und warfen riesige Säulen um, beispielsweise im Kloster, wo die spektakulärsten Effekte des Films zu sehen sind.

    Der australische Schauspieler Josh Helman ist bereits die vierte Inkarnation der Figur namens Bill Stryker, die auch in in X-MEN 2, X-MEN ORIGINS: WOLVERINE („X-Men Origins: Wolverine”, 2009) und X-MEN: FIRST CLASS aufgetreten ist und jedes Mal von einem anderen Schauspieler verkörpert wurde. Helman empfand, dass mit der Rolle eine große Verantwortung einherging, obwohl sie nicht unbedingt groß ist. „Bill Stryker ist deswegen ein so komplexer Charakter, weil er, obwohl er keine Superkräfte besitzt, so furchteinflößend ist“, weiß er.

    Lucas Till, der schon in FIRST CLASS mitwirkte, kehrt als Alex Summers zurück. Als Mutant heißt er Havok und kann aus seinem Körper kosmische Energie schießen. In X-MEN - ZUKUNFT IST VERGANGENHEIT wird Havok, der in einer speziellen Mutanten-Einheit in Vietnam dient, von Mystique, mit der ihn eine verspielte Kameradschaft verbindet, gerettet.

    ÜBER DIE PRODUKTION

    Die Dreharbeiten zu X-MEN - DAYS OF FUTURE PAST begannen am 15. April 2013 in Montréal, Quebec, Kanada. Das Hauptquartier der Produktion lag in Mel’s Cité du Cinema, das kurz Mel’s genannt wird, einem rund 14 Hektar großen Studiogelände, das auf der Île de Montréal liegt und den St. Lawrence River überblickt. Es besteht aus sieben Hallen, insgesamt 40.000 Quadratmeter groß, sowie einem Bürokomplex, der sich über rund 48.000 Quadratmeter ausdehnt. Für X-MEN -DAYS OF FUTURE PAST wurde jeder Zentimeter des Areals genutzt.

    John Myhre (MEMOIRS OF A GEISHA („Die Geisha“, 2005), CHICAGO („Chicago”, 2002)), zweifacher Oscar-Gewinner, und sein talentiertes Team waren fürs Produktionsdesign zuständig, als Art Direktorin verpflichtete man Michele Laliberte (THE CURIOUS CASE OF BENJAMIN BUTTON („Der seltsame Fall des Benjamin Button”, 2008), THE DAY AFTER TOMORROW („The Day After Tomorrow”, 2004)) und als Ausstatter konnte man den Oscar-Preisträger Gordon Sim (CHICAGO) gewinnen, dem die Aufgabe zufiel, das Design und die Konstruktion der 40 Sets des Films zu überwachen. Zudem war er für das Produktionsdesign und die Art Direktion der 36 Locations in und um Montréal verantwortlich.

    Myhre, der schon der Produktionsdesigner bei Singers X-MEN gewesen war, übernahm hier nochmals diese Funktion – beim aufwändigsten aller bisherigen „X-Men”-Filme, der in zwei Zeitperioden, den Siebzigern und der nicht allzu fernen Zukunft, spielt. Myhre sah seine Aufgabe darin, zwei komplett verschiedene Filmlooks zu entwerfen – dabei musste er aber auch ein einheitliches Gesamtkonzept im Auge behalten. Er musste herausarbeiten, wie Vergangenheit und Zukunft sich unterschieden, dabei aber die ästhetischen Schnittstellen finden.

    Einer der größten Sets, den es zu errichten galt, war das uralte Kloster in der Zukunft, das man in einen Berghang hineinbaute. Singer erzählt, dass die Kapelle, in der Wolverine verharrt, während sein Geist in der Zeit zurückreist, nach Bildern rekonstruiert wurde, die er gesehen hatte. „Die Buntglasfester geben dem Raum“, so sagt er, „eine ätherische, fast magische Qualität. Ich wollte kein düsteres, tristes Kloster. Der Raum sollte eine gewisse Heiligkeit ausstrahlen, weil hier etwas irgendwie Magisches passiert“.

    Myhre und die Firma nutzten jeden Zentimeter der 12.000 Quadratmeter großen Bühne H von Mel’s, um das Set zu bauen, in dem sich Hugh Jackman, Halle Berry, Patrick Stewart und Ian McKellen für diese Geschichte wieder treffen. Hier stellen sich die Mutanten auch ihrem größten Feind der Zukunft.

    Wie auch Singer war Myhre der Meinung, dass man für ein so außergewöhnliches Team von Schauspielern ein ebenso außergewöhnliches Set errichten musste. „Bryan bat mich, wenn möglich, immer besonders praktische und realistische Sets zu bauen“, erinnert sich Myhre. „Im Fall des Klosters hieß das, dass man sogar den Weihrauch riechen konnte”.

    „Das Kloster ist ein echtes Mash-up. Klassische Elemente wurden hier mit Science-Fiction-Ästhetik kombiniert”, sagt Kinberg. „Es war ein wunderbarer Gegensatz – einerseits dieses uralte Kloster, andererseits diese hypermodernen Elemente wie der neue X-Jet und die Sentinel-Roboter”.

    Myhre ließ sich fürs Kloster von der asiatischen Architektur inspirieren, sei sie nun chinesisch, japanisch, indisch oder indonesisch.
    Sein Gebäude besaß die Anmutung, als sei es von Mönchen aus einem einzigen Stein herausgemeißelt worden. Es besteht aus drei Sektionen. Die „große Mauer“, die zum Schutz errichtet wurde, der „Innenhof“, in dem Pagoden stehen, in denen man betet oder sich versammelt, sowie der „Kolonnade“, ein Säulengang, der als letzter Schutzwall und zugleich als Eingang zum Allerheiligsten des Klosters dient.

    Für Myhre stellte das Allerheiligste auch das Herz des Films dar. Dieses Set sollte sich ganz speziell anfühlen und Heiligkeit ausstrahlen. Hier arbeitete er besonders eng mit Chefkameramann Newton Thomas Sigel zusammen, brachte Spiegel an rotierenden Säulen an und baute verschiebbare Wandpaneele So konnte Sigel mit seiner Kamera ganz ungewöhnliche Positionen einnehmen und mit optischen Illusionen arbeiten – wie in einem Spiegelkabinett auf dem Jahrmarkt. Sigel und Myhre sprachen sich in Sachen Licht und Sets überaus sorgfältig ab. Sigel gesteht freimütig, dass er hier das Gefühl hatte, zwei unterschiedliche Filme gleich hintereinander zu fotografieren. „Das machte mir extrem viel Spaß”, sagt er. „Ich habe die Siebzigerjahre miterlebt, also kannte ich sämtliche kulturellen Referenzen für die ‚Vergangenheit’. Für der ‚Zukunft’ hingegen gibt es keine Anhaltspunkte. Hier war meine visuelle Vorstellungskraft gefragt. Die Vergangenheit ist bei mir wärmer, grobkörniger und fast schlammig, die Zukunft kühl, dunkel und nüchtern“.

    Das zweite große Set, das es zu bauen galt, war die Außenansicht des Weißen Hauses nebst der davorliegenden Rasenfläche, auf der 1973 die gewaltige finale Schlacht stattfindet. Hierzu nutzte man den Parkplatz von Mel’s, eine große Schotterfläche, und Myhre entschloss sich dabei, unkonventionelle Wege einzuschlagen. Er und sein Team errichteten eine „Kiste“, die aus 100 Schiffscontainern bestand. Man stellte jeweils fünf Container rechteckig hinter- und aufeinander, so entstand eine rund 14.000 Quadratmeter große Arena, die man besäte und landschaftlich gestaltete. Fertig war die Rasenfläche von 1600 Pennsylvania Avenue! Über die Container spannte man rund 10.000 Quadratmeter grünes Tuch, das als Leinwand diente. Auf dieses konnte man via Simul-Cam-Technologie die Außenansicht des Weißen Hauses projizieren, während die Schauspieler mit 3D-Kameras bei ihren Aktionen aufgenommen wurden.

    Weitere wichtige Sets waren das längst ikonische Cerebro und die sich daran anschließenden Blue Hallways, die im 10.000 Quadratmeter großen Alstom-Studio in Montréal errichtet wurden. Für diese Sets entstaubte Myhre die alten Baupläne und ließ Kopien der Originale aus X-MEN fertigen. Jackman merkt an: „Wenn ich, Halle oder Patrick durch diese Räume gingen, hatten wir ein echtes Déjà-vu-Erlebnis – so als hätte man uns 14 Jahre in der Zeit zurückversetzt”.

    Xaviers Anwesen errichtete man in einem der Studios von Mel’s. Weil der Film ständig zwischen den Zeiten pendelt, mussten sowohl Cerebro als auch Xaviers Haus laufend umgebaut und -gestaltet werden. Dies hing mit dem komplizierten Drehplan zusammen. Manche Szenen konnten mit bestimmten Schauspielern nur an ganz gewissen Tagen gedreht werden. In den vorangegangenen Filmen hatte man Xaviers Anwesen an unterschiedlichen Locations gefilmt, in Montréal wurde aber kein geeignetes Gebäude gefunden. Also nutzte Myhre nochmals das Haus, das er schon für X-MEN benutzt hatte, das Casa Loma in Toronto.

    Zu den weiteren Sets, die gebaut werden mussten, zählte das Kellerschlafzimmer, in dem wir Quicksilver im Jahr 1973 kennenlernen. Ein anderes Set war das Oval Office, in dem damals Richard Nixon residierte, dessen Führungsstil sich stark in der Geschichte widerspiegelt und der auch in persona auftritt. Myhre hielt sich bei seinen Nachbauten ganz an die historischen Gegebenheiten – bis hin zu den Zahnkronen des Präsidenten.

    In Bezug auf technische Herausforderungen und Bau war der X-Jet, den Myhre als „gepanzertes Kriegsschiff“ bezeichnet, die größte Herausforderung. „Der X-Jet entspricht dem X-Jet der früheren Filme und der Comics und doch ist er hier vollkommen neu und anders”, weiß Kinberg. „Das Team wollte ein schnittiges, futuristisches Gefährt bauen, das ohne sichtbare Verbindungselemente auskommt, und dabei verschiedene Formen, Maße und Schichten nutzen”.

    Es gab einen Zeitpunkt während der Produktion, in dem Myhres Team rund 300 Mitarbeiter umfasste, darunter Zimmerleute, Maler, Stuckateure, Bildhauer, Setdesigner und Ausstatter. Diese Zahl spiegelte die Größe der Produktion.

    Für Ausstattungsstücke wie etwa den Cerebro-Helm mussten, sobald das Design feststand, zig Dinge bedacht werden: Welche Materialen sollten verwendet werden, was würde sich gut und leicht tragen lassen, wie stabil waren die Bauteile? Wie konnte man ihn McAvoys Kopfform anpassen, würde er Licht reflektieren – und wenn ja, wie – und wie würde er im Film aussehen? Der Cerebro des Jahres 1973 wurde so entworfen, dass man die technischen Fortschritte erkannte, die er seit X-MEN: FIRST CLASS durchlaufen hatte. Der modernere Cerebro ist schlichter, kompakter, stromlinienförmig und sehr leicht.

    Die Filmemacher entwarfen Xaviers Rollstuhl so, dass er an die, die es im „X-Men“-Universum schon gegeben hat, erinnert. Der Rollstuhl der Zukunft sollte jedoch einzigartig aussehen. So kamen Myhre und die Crew auf den Gedanken, einen Rollstuhl ohne Räder zu „erfinden“, einen „Rolli“, der dank elektromagnetischer Kräfte schwebt.

    Fünf Monate vor Drehbeginn begannen Kostümdesignerin Louise Mingenbach (THE USUAL SUSPECTS („Die üblichen Verdächtigen“), X-MEN, X-MEN 2) und ihr Team mit den Vorbereitungsarbeiten. Dabei entwarfen und schneiderten sie die Kostüme der Superhelden – darunter die, die von der Mode der Siebzigerjahre inspiriert waren – nicht nur nach eigenen Entwürfen, sie nutzten auch die Dienste von zehn verschiedenen Kostümverleihern in den USA sowie Montréal und kauften zudem gewisse Stücke in Second-Hand-Geschäften und bei Vintage-Modenschauen zu.

    Mingenbach und Singer überlegten sich wie ihr Superhelden-Look der nahen Zukunft aussehen sollte und berücksichtigten dabei die Situation, in der sich die Mutanten befinden. „Sie sind Gejagte. Saubere, glänzende und schnittige Outfits kamen demnach nicht in Frage”, erläutert Mingenbach. „Es war nicht leicht, die zunächst sorgfältig geschneiderten, guten Kleidungsstücke wegzugeben, damit sie zerschlissen und verschmutzt werden konnten. Aber die Sache erfüllte ihren Zweck, die Outfits sahen nach entsprechender Behandlung richtig gebraucht aus – so als hätten die Mutanten schon einige Kämpfe hinter sich”.

    Mingenbach fertigte alle Stücke für die Hauptdarsteller nach Maß. Liebevoll kümmerte man sich um die jeweiligen Details der Kleidung für die verschiedenen Schauspieler. Viele der Outfits wogen mehr als die üblichen Jeans, die man einfach überstreift. Manche Kostüme wogen mit Waffen und zusätzlichen Ausstattungsgegenständen Dutzende von Kilos. Jeder Schauspieler brauchte beim An- bzw. Ausziehen individuelle Hilfe. Aus den gut zwanzig jeweils höchst individuellen Superheldenkostümen, die für den Film speziell angefertigt werden mussten, gab es eines, das besonderes Kopfzerbrechen bereitete – das von Professor X, der in keinem der bisherigen Filme ein eigenständiges Outfit gehabt hatte.

    Bevor man mit der Bereitstellung der Kostüme aus dem 1970ern begann, tauschten Mingenbach und Myhre lange Ideen aus. Sie kamen überein, dass es wichtig war, die Muster, Texturen und Farben zu finden, die jene Dekade definierten. Man entschloss sich letztlich, eine Farbpalette zu nutzen, die aus rostigen Brauntönen, Orange und diversen Grünschattierungen bestand. Mingenbach und ihre Crew verbrachten Monate beim Sammeln der entsprechenden Kleidungsstücke, die sie bei Kostümverleihern, Second-Hand-Läden und im Internet fanden. Lastwagenweise wurden Klamotten von den USA und sogar aus Europa nach Montréal transportiert. Die Kostümabteilung hatte auf einem der Parkplätze neben den Studios ein riesiges Zelt aufgestellt, das die gesamte Garderobe – mit der man ein Warenhaus hätte bestücken können – beherbergte. An manchen Tagen oblag es der Abteilung, bis zu 600 Statisten in ihrem „Basislager“ entsprechend einzukleiden. Diese Aufgabe musste minutiös geplant werden – und das in Zusammenarbeit mit der Maske, den zig Friseuren und der Ausstattungsabteilung.

    „Beim Entwurf der Kostüme für DAYS OF FUTURE PAST ging es eher darum, die jeweilige spezielle Kraft des entsprechenden Mutanten zu betonen als einen einheitlichen Superhelden-Look zu kreieren”, sagt Mingenbach. „Bryan hat von jeher verstanden, dass Film ein anderes Medium ist als die Comics. Entsprechend hat er stets darauf geachtet, dass die Kostüme echt und praktisch aussehen. Es gilt, bei den Outfits der Superhelden immer eine feine Balance zu finden – man muss Kleidungsstücke fertigen, die den Charakteren entsprechen und gleichzeitig dem Publikum etwas Neues und Aufregendes bieten”.

    DIE SENTINELS

    Im Jahr 2000, als X-MEN in die Kinos kam, gab es gewisse Technologien, die sich die Filmemacher wünschten, noch nicht. Nun, 14 Jahre später, sind glaubwürdige, realistische Effekte kein Problem mehr. So hätte man beispielsweise die Sentinels, jene sechs Meter großen Roboter, die die Mutanten ausschalten und von den „X-Men”-Fans so geliebt werden, mit den alten technische Gegebenheiten nicht entsprechend realisieren können. Es gab zwar in der Vergangenheit schon zahlreiche Filme, in denen Roboter vorkamen, aber die entsprachen Singers Vorstellungen nicht. Nun in DAYS OF FUTURE PAST ist es aber so weit, Singer stellt zwei Arten von Sentinels vor – die aus der Vergangenheit sowie die für die nahe Zukunft verbesserten Modelle.

    „Die Sentinels sind Roboter, die Mutanten töten und das Programm, sie zu bauen, begann in den frühen Siebzigerjahren”, erklärt der Regisseur. „Sie sind dazu in der Lage, Mutanten-Gene zu entschlüsseln, diese zu isolieren und können dann die Mutanten ausschalten. Die Sentinels der Zukunft sind verbesserte und überarbeitete Versionen ihrer Vorgänger aus den 1970ern. Die Sentinels der Zukunft sind besonders gefährlich, weil sie über eine biomechanische Technologie verfügen. Sie passen sich den Superkräften der Mutanten und ihrer Form an und zerstören sie dann. Abertausende von ihnen sind unterwegs”.

    Während Myhre für das Design der Sentinels aus der Zukunft zuständig war, verantworteten der Spezialeffekte-Überwacher Cameron Waldbauer und seine Crew den Bau der Sentinels, die fürs Jahr 1973 benötigt wurden. Hergestellt wurden diese Sentinels von Legacy Effects in Los Angeles. Acht Wochen baute man an dem 70er-Jahre Sentinel, dessen Teile alle beweglich sind. Obwohl es sowohl in der Vergangenheit wie auch in der Zukunft zahllose Sentinels gibt, erstellte man für die Siebziger nur ein Modell. Dies geschah hauptsächlich aus Kostengründen. Der knapp sieben Meter große Sentinel half Kameramann Sigel in Sachen Größenverhältnisse, an ihm orientierte er sich bei seinen Kadrierungen. Nachdem man sich über die Proportionen im Klaren war, fing das VFX-Team damit an, den Roboter in der Postproduktion zu „vervielfältigen“.

    X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST ist der bislang aufwändigste „X-Men“-Film, der Beweis für den Erfolg des Franchise. Viel wichtiger ist aber, dass man hier die gebündelte kreative Energie von Schauspielern und Filmemachern erkennt – in einer grenzüberschreitenden Geschichte, die alle Zuschauerschichten anspricht.

    Auf der vergangenen Comic-Con stellte sich fast die gesamte Besetzung unter tosendem Applaus ihren Fans vor. Die den Schauspielern entgegengebrachten Emotionen waren überwältigend. Singer kennt diese Art von Gefühlsausbrüchen. „Wäre ich vor 25 Jahren auf der Comic-Con gewesen und Han Solo, Luke Skywalker und Prinzessin Leia wären vor mir auf der Bühne gestanden, wäre ich auch ausgeflippt“, gesteht der Regisseur. Für Singer sind die „X-Men“-Geschichten moderne Mythologien. „Ich fühle mich in diesem Universum richtig zu Hause. Ich liebe es, mich darin zu bewegen, es zu erforschen und Spaß damit zu haben”. Seine Fähigkeiten, diese Storys als Filmemacher aufzubereiten, sind unerreicht.

    Und das heißt, dass es für die „X-Men“ eine hoffnungsfrohe Zukunft gibt.


    Quelle: treknews.de

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    • Hallo Gast - Aufgrund des vielen Spams müssen leider ein paar Fragen beantwortet werden.

      Bitte der Reihe nach durchführen, sonst kann das Captcha nicht erfolgreich abgeschlossen werden...
      Schritt 1: Wenn Picard ein Captain ist, sollte hier ein Haken rein...
      Schritt 2: und wenn es in der Nacht nicht hell ist, sollte hier der Haken raus!
      Schritt 3:

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