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  • X-Men: Erste Entscheidung (X-Men: First Class)

    Filmkritik zum Neustart des Franchise
    Charles trifft Erik: Sommerblockbuster oder Rohrkrepierer? Wir haben uns für Euch den neuen Film unter der Regie von Matthew Vaughn und Produzenten Bryan Singer angesehen und für euch eine Filmkritik, umfangreiches Special und viele Clips aus dem Streifen zusammengestellt. Reinschauen!
    X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG
    (X-MEN: FIRST CLASS)
    Kinostart: 09. Juni 2011
    Inhalt des Artikels:
    Szenenbilder
    Charakter-Videos

    X-Men Figuren: Havok



    X-Men Figuren: Banshee



    X-Men Figuren: Beast



    X-Men Figuren: Mystique

    X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG (X-MEN: First Class, 2011)

    ist der spannende Blockbuster des Sommers, der zu den Anfängen der X-Men Saga zurückkehrt. Er besticht einerseits durch seine Action-Sequenzen, aber vor allem auch durch die starke Figurenzeichnung der einzelnen Charaktere. Der Film handelt auch von einer geheim gehaltenen Episode des Kalten Krieges, die unsere Welt fast an den Rand einer nuklearen Katastrophe brachte. Die erste Generation der X-MEN entdeckt hier ihre Fähigkeiten, lernt sie zu beherrschen und rüstet sich für den Kampf. Allianzen werden geschmiedet, die „Guten” und die „Bösen” formieren sich, hier wurzelt der ewige Krieg im X-MEN-Universum. Und wie bei allen vorangegangenen X-MEN-Geschichten werden auch bei X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG heiße Themen angepackt und heikle Fragen gestellt, während einem ein ganz persönlicher Einblick ins Team dieser außergewöhnlichen Superhelden gewährt wird.

    Der Film spielt in den 1960ern, zu Beginn des Weltraumzeitalters. John F. Kennedys Stern strahlte, das Volk liebte seinen Präsidenten und vertraute ihm. Gleichzeitig befand man sich aber auch auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, die Streitigkeiten zwischen den beiden Großmächten, der USA und der UdSSR, eskalierten, die Spannungen wurden immer größer. Diese Feindschaft bedrohte die gesamte Menschheit – und in diesem Moment erfährt die Welt von der Existenz der Mutanten.

    Genau zu dieser Zeit treffen sich Charles Xavier und Erik Lehnsherr. Doch ehe Charles (James McAvoy) und Erik (Michael Fassbender) die Namen und Identitäten Professor X bzw. Magneto annahmen, waren sie zwei junge Männer, die ihre Superkräfte entdeckten. Bevor sie zu Erzfeinden wurden, waren sie beste Freunde. Sie kooperierten und arbeiteten mit anderen Mutanten daran, die größte Bedrohung der Menschheitsgeschichte abzuwenden. Einige dieser jungen Mutanten sind bei Fans aus vorangegangenen X-MEN-Filmen sehr beliebt, andere klassische Helden kennt man aus den Comics, sie waren aber noch nie auf der Leinwand zu sehen. X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG hält Antworten auf Fragen bereit, die X-MEN-Adepten seit langem beschäftigen: Wie sind die X-MEN zusammen gekommen? Warum sitzt Charles im Rollstuhl? Woher stammt das noble Anwesen der X-MEN, wie entstand der Cerebro, die Maschine mittels deren Hilfe man Mutanten ausfindig machen kann?

    Darüber hinaus hat man aber natürlich auch an all jene Zuschauer gedacht, die sich im X-MEN-Universum noch nicht auskennen – für sie ist der Film genauso spannend und überraschend wie für eingefleischte Fans.

    Filmkritik von Daniel Räbiger und Markus Sampl


    Filmkritik zu X-Men: Erste Entscheidung
    (Stream)

    Dateityp: mp4
    Größe: 174.41 MB

    Trailer zum Film

    Trailer 1

    X-Men: First Class - Trailer 1 (Deutsch)
    Trailer 2

    X-Men: First Class - Trailer 2 (Deutsch) - 720p HDTV

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    X-Men: First Class - Trailer 2 (Deutsch) - Stream

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    Größe: 9.99 MB
    Trailer 3

    X-Men: First Class - Trailer 3 (Deutsch) - 720p HDTV

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    Größe: 75.94 MB

    X-Men: First Class - Trailer 3 (Deutsch) - Stream

    Dateityp: mp4
    Größe: 15.43 MB

     

    X-Men - wie alles begann

    X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG ist für die X-MEN ein Neuanfang. Die Story stammt von Sheldon Turner, der für sein Ko-Skript zu UP IN THE AIR („Up in the Air“, 2009) für einen Oscar nominiert wurde und von Bryan Singer. Singer war der Regisseur der beiden ersten X-MEN-Filme, X-MEN („X-MEN – Der Film“, 2000) und X2: X-MEN UNITED („X-MEN 2“, 2003) und wurde von Kritikern wie Publikum gleichermaßen gelobt, da es ihm meisterhaft gelang, Drama, Action, Effekte und gesellschaftspolitische Themen miteinander zu verquicken. Singers X-MEN-Filme waren Vorlage für all die modernen Comic-Adaptionen, die im Kino eine neue Ära der Superhelden einläuteten.

    Ein Großteil von X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG spielt in den 1960er Jahren, ein gut gewählter und geeigneter Zeitpunkt, denn das ist genau die Zeit, in der der Marvel Comic-Redakteur, Chefschreiber und Art Director Stan Lee gemeinsam mit Jack Kirby die X-MEN-Comics ins Leben rief. Wie viele ihrer Vorgänger bei Marvel sind die X-MEN eine ungewöhnliche Gruppe von Superhelden – manchmal sarkastisch, häufig unsozial, mit Mängeln und Fehlern behaftet. Gleichzeitig sind sie aber auch sympathisch, wenn sie mit ihren inneren Dämonen ringen, mit ihrem Liebesleben nicht zu Recht kommen, an mangelndem Selbstwertgefühl leiden und überaus mächtige, ebenfalls mit Superkräften ausgestattete Bösewichte bekämpfen. Sie sind Kinder des Atomzeitalters, nicht Homo Sapiens, sondern Homo Superiors, sprich, unserer Evolution bereits einen Schritt voraus. Jeder Mutant ist mit einer genetischen Veränderung geboren worden und in der Pubertät kommen die jeweiligen Superkräfte zum Tragen. In einer Welt, die mit Hass, Vorurteilen und Angst zu kämpfen hat, gelten sie als wissenschaftliche Abnormalitäten, als Freaks der Natur, Außenseiter, die von all jenen verachtet und geächtet werden, die ihr Anderssein nicht akzeptieren können bzw. wollen.

    „Zunächst einmal galt es das Jahrzehnt festzulegen, in dem sich Charles und Erik treffen, als sie circa Mitte 20 sind”, erläutert Singer. „Wir beschlossen, dass dies die frühen 1960er Jahre sein sollten – die Bürgerrechtsbewegung war auf dem Vormarsch, der Kalte Krieg bewegte sich auf seinen Höhepunkt zu. Die beiden Aspekte boten den idealen Hintergrund, um zu erforschen, wie unsere moderne Welt von diesen Ereignissen beeinflusst werden würde.“
    Einerseits gab es die Kuba-Krise, bei der die Welt plötzlich am Rande eines Atomkriegs stand. Ein idealer Boden für die Mutanten, um sich zu offenbaren, sich zu zeigen und die Erde vor dem Untergang zu retten. Andererseits, und in diesem Kontext ebenso wichtig, entstand die Bürgerrechtsbewegung. Wird die Menschheit die Mutanten akzeptieren und sie in ihrer Mitte aufnehmen oder wird man sie jagen, einsperren und vernichten? Sollen die Mutanten auf ihre Stärken stolz sein und als eine Art Übermenschen die Welt regieren oder sollen sie einfach Teil der Gesellschaft sein und sich integrieren? Singer dazu: „Assimilierung oder Aggression, diese Frage hat mich immer schon beschäftigt. Wird aus der Bürgerrechtsbewegung von heute, die Mutantenrechtsbewegung von morgen? “

    Das Verhältnis von Charles und Erik fußt genau auf diesen Fragen, auf diesen ideologischen und philosophischen Unterschieden, die auch während dieser Ära debattiert wurden. Beide haben im Prinzip dieselben Wurzeln, beide erkennen, dass Mutanten potenzielle Opfer sind. Nur wie sie reagieren, darin liegt der Unterschied. Charles lebt dafür, jene zu schützen, die ihn fürchten. Erik setzt alles daran, sie zu zerstören. Jede der beiden Parteien glaubt, im Recht zu sein. Niemand will klein beigeben. Regisseur Matthew Vaughn weiß warum: „Erik misstraut den Menschen zutiefst. Charles glaubt, dass alles ins Lot kommen wird, und die Menschen auf lange Sicht die Mutanten akzeptieren werden. Erik glaubt das nicht, er ist überzeugt, dass die Menschen seine Spezies verfolgen werden. Und er behält recht.”

    X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG mit lebendigen Figuren zu besetzen und deren Schicksal nachvollziehbar zu erzählen, war für Vaughn und Singer von größter Wichtigkeit. „Das Tolle an einem Genrefilm ist, dass man zutiefst menschliche Storys aus einer ganz ungewöhnlichen Perspektive erzählen kann. Man kann Spektakel einbauen, die Zuschauer in Erstaunen versetzen“, führt Singer aus. „Gerade bei den X-MEN-Filmen ist dieser menschliche Aspekt so wichtig, weil die Mutanten auch mit ihren inneren, menschlichen Dämonen zu kämpfen haben. Das erlaubt uns, sehr differenziert zu erzählen – und genau das wollten wir hier.”

    „Bei jedem Film, den ich drehe”, fügt Vaughn hinzu, „frage ich mich, ‚Wo ist der humanistische Ansatz des Plots?’. Das war bei LAYER CAKE („Layer Cake“, 2004) so und auch bei KICK-ASS („Kick Ass“, 2010).“ Jede Handlung, jedes Actionmoment muss in der Figur begründet liegen. Ich tue alles, damit das Publikum mit meinen Figuren sympathisiert und deren Handlungen nachvollziehen kann. Das macht den Kinobesuch einfach spannender. Wenn man sich nicht mit den Helden fürchtet, was hat ein Film dann überhaupt für einen Sinn?“

    „X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG basiert auf einer großen Idee und hat große Momente”, so Vaughn weiter. „Wir verlassen uns nicht ausschließlich darauf, dass unser Film wegen der spektakulären Effekte gut ankommt. Die Effekte sind dazu da, die Figuren zu unterstützen. Der Film ist eine Charakterstudie mit fulminanten Actionszenen.”

    Singer machte sich bereits über die Anfänge seiner Story Gedanken, als er die beiden ersten X-MEN-Filme drehte: „Ich hatte immer schon die Hintergrundgeschichte meiner Helden im Kopf, als ich meinen Schauspielern erklärte, wie sie ihre Figuren anlegen sollten. Und ich habe mich wirklich gefreut, nun endlich auch die Story ihrer Entstehung auf der Leinwand erzählen zu dürfen.”

    Einer der Schauspieler, der Singer über den „Lebenslauf” seiner Figur ausfragte, war Patrick Stewart, der in den ersten drei X-MEN-Filmen in den Part des Charles Xavier geschlüpft war. „Patrick wollte wissen, woher Charles kam. Ich war mir damals schon darüber ganz im Klaren – und meine Geschichte unterschied sich stark von der der Comics”, erinnert sich Singer. „In den Comics nimmt die Story in Tibet ihren Anfang und ein Alien-Agent namens Lucifer spielt eine entscheidende Rolle. Ich hatte über die Ursprünge andere Vorstellungen. Die legte ich Patrick dar. Und er sagte: ‚Deine Herangehensweise gefällt mir besser!’”

    Produzentin Lauren Shuler Donner, die von Beginn an bei der X-MEN-Franchise mit von der Partie ist, erinnert sich daran, dass die Wurzeln von X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG zur Produktion der ersten beiden X-MEN-Filme zurückreichen: „Während der Drehpausen am Set von X2 redeten wir darüber, dass es doch toll wäre, Professor X oder Magneto einmal in jungen Jahren auf der Leinwand zu zeigen. Jeder sagte, ‚Ja, klasse Idee.’ Wird tauschten uns länger darüber aus und gingen dann wieder an die Arbeit.”

    Singer tritt bei X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG nicht nur als Ko-Autor in Erscheinung, er ist neben Shuler Donner und Simon Kinberg auch einer der Produzenten. Kinberg wiederum ist selbst auch ein versierter Autor, der unter anderem MR. AND MRS. SMITH („Mr. & Mrs. Smith“, 2005) und THIS MEANS WAR (2011) geschrieben hat, der demnächst in die Kinos kommt. Aber eine Frage war noch offen: Wer sollte auf dem Regiestuhl Platz nehmen? Singer stand nicht zur Disposition, denn er war als Regisseur in ein anderes Projekt involviert. Die Wahl fiel schließlich auf Vaughn, den Singer zufällig in London traf und der sich bereit erklärte, die Inszenierung zu übernehmen.
    X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG ist nicht das erste Mal, dass Vaughn mit der Film-Franchise in Kontakt kam. Nachdem er mit der von der Kritik gepriesenen Independent-Produktion LAYER CAKE sein Regiedebüt gegeben hatte, war er schon in die engere Auswahl gekommen, X-MEN: THE LAST STAND („X-MEN: Der letzte Widerstand“, 2006) zu inszenieren, führte dann aber stattdessen beim fulminanten Fantasy-Epos STARDUST („Der Sternwanderer“, 2007) und anschließend bei der Adaption der Graphic Novel KICK-ASS Regie.

    Vaughn erklärt, dass er bei X-MEN: FERSTE ENTSCHEIDUNG die Regie übernahm, weil ihm gefiel, dass der Film während des Kalten Krieges spielte. „Bryans Idee den Film während dieser brisanten historischen Periode anzusiedeln, hat mir gleich gut gefallen. Ich fand es spannend, die Charaktere in der jüngeren Geschichte zu verankern”, erinnert sich Vaughn. Die Ko-Autorin des Regisseurs, Jane Goldman, fügt hinzu: „Einer der aufregendsten Aspekte des Projekts war sein politischer Hintergrund – Zeitgeschichte im X-MEN-Universum zu verankern, hat unsere Fantasie wirklich beflügelt. (Neben Vaughn & Goldman werden auch Ashley Edward Miller & Zack Stentz, die jüngst an THOR („Thor“, 2011) mitgeschrieben haben, als Skripter genannt).

    Den humanistischen und politischen Themen fügten Vaughn und Goldman aber noch ein weiteres Element hinzu. Vaughn erläutert: „Der Film verbindet die X-MEN, die Kuba-Krise und James Bond. Wir haben typische 007-Elemente der 1960er-Jahre eingebaut. Stilelemente aus den Filmen mit Sean Connery – die Coolness, die Action, die Gefahr. Wir haben drei Genres ineinander verwoben.”
    Dieser Genre-Mix des Autors Vaughn hat es dem Regisseur Vaughn nicht gerade leicht gemacht: „Wir mussten jede Rolle neu besetzen, die 60er wieder auf der Leinwand aufleben lassen, das X-MEN-Design überarbeiten und neue Kostüme entwerfen,” erklärt er. „Die größte Herausforderung bestand jedoch darin, die geeigneten Schauspieler zu finden, die Charles und Erik in jungen Jahren spielen sollten. Wir mussten die Darsteller finden, die zu Professor X und Magneto werden, zu den Leitfiguren des komplexen X-MEN-Universums – sowohl in den Comics wie auch in den Filmen. Freunde, die zu erbitterten Feinden mit gegensätzlichen Standpunkten werden.“

    Charles trifft Erik

    Bei der Besetzung der Rollen von Charles, einem hochbegabten Oxford-Absolventen und Genetiker, der der beste Telepath der Welt ist, und Erik, der sich als junger Mann unter schrecklichsten Umständen seiner Fähigkeit, den Magnetismus zu kontrollieren, bewusst wird, gingen die Filmemacher mit höchster Sorgfalt vor. Sie wussten, dass vor allem die Zuschauer die Nachfolger bzw. Vorgänger von Patrick Stewart und Ian McKellen akzeptieren mussten.
    James McAvoy, der problemlos zwischen Parts in Independent-Produktionen wie ATONEMENT („Abbitte“, 2007) oder THE LAST KING OF SCOTLAND („Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht“, 2006) und Blockbustern wie THE CHRONICLES OF NARNIA: THE LION, THE WITCH AND THE WARDROBE („Die Chroniken von Narnia - Der König von Narnia“, 2005) oder WANTED („Wanted“, 2008) hin und her wechselt, wurde als Charles besetzt. McAvoy freute sich, den Part in diesem entscheidenden Moment, in dem sich die Figur Xaviers nachhaltig entwickelt und verändert, spielen zu dürfen. Sein Xavier unterscheidet sich grundlegend von dem selbstsicheren, patriarchalischen Xavier der Originaltrilogie. „In den vorangegangenen Filmen”, erklärt McAvoy, „ist Professor X völlig selbstlos. Er ist in tiefstem Herzen ein Humanist, er ist für die Welt da und hilft anderen. Wenn wir ihn hier in unserem Film kennen lernen, kreist er noch um sich selbst, er ist auch egoistisch und ein klein wenig verloren. In X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG geht es darum, wie Charles seine Berufung findet – und genau das hat mich an der Rolle so gereizt. Ich konnte herausfinden, wer Charles war, warum er zur Person geworden ist, die er jetzt ist. Matthew hat von Anfang an klargestellt, dass sowohl ich als auch Michael (Fassbender, in der Rolle des Erik) unseren ganz eigenen Stil verfolgen und unsere Parts nicht als jüngere Versionen von Patrick Stewart und Ian McKellen anlegen sollen.”

    „Ich glaube, James hat alles, was man für die Rolle braucht”, sagt Vaughn. „In den vorausgegangenen Filmen war Charles eine Art Über-Lehrer und hatte so etwas wie eine buddhistische Zen-Ausstrahlung. Unser junger Charles ist etwas lustiger, etwas leichtlebiger. Er ist ständig in Bewegung, er provoziert. Charles ist noch mit sich selbst beschäftigt. Er genießt seinen Erfolg und ist auch stolz auf sich.” Jane Goldman fügt hinzu: „Die große Herausforderung bestand darin, Charles richtig zu zeichnen, seine Fehler zu finden und ihn so zum vielschichtigen Charakter zu machen. James McAvoy steuerte in diesem Punkt einige hervorragende Ideen bei, denn er verstand Charles voll und ganz.”
    Wenn wir Charles in X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG das erste Mal treffen, haben die Mutanten sich der Welt noch nicht zu erkennen gegeben. Es ist sogar so, dass Charles sich überhaupt nicht sicher ist, ob es außer ihm und einer jungen Frau namens Raven, mit der er sich vor Jahren angefreundet hat, noch andere Mutanten gibt. „Soweit Charles weiß”, sagt McAvoy, „ist er eigentlich nur ein Kerl, der Gedanken lesen kann. Er hofft, noch auf andere Mutanten zu treffen, aber der Weg, den er später gehen wird, ist noch nicht vorgezeichnet. Noch weiß er nicht, dass er sich später für die Mutanten einsetzen und darum kämpfen wird, dass diese von den Menschen akzeptiert werden.”

    Charles erkennt den Sinn und die Bestimmung seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten, als er telepathisch mit anderen Mutanten dieser Welt Kontakt aufnimmt. Er tut dies mit Hilfe einer Apparatur, die allen X-MEN-Fans bestens bekannt ist: der Cerebro, ein High-Tech-Verstärker, den er aufsetzt und so seine telepathischen Kräfte verstärkt. Der Cerebro in X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG ist ein früher Prototyp jenes stromlinienförmigen, modernen Apparats, den man aus den vorangegangenen Filmen kennt. Der aktuelle Cerebro sieht aus wie die Zeit, in der der Film spielt: ganz 1960er Jahre. Er besteht aus Materialien dieser Zeit, besitzt Kippschalter, Kathodenstrahlröhren und eine alte Antenne. Für dessen Konstruktion war Produktionsdesigner Chris Seagers verantwortlich, der den Cerebro der Originalfilme „zurückentwickelte”. Der Techniker erläutert: „Er besitzt eine ganz einfache Struktur, das Design haben wir seinem ‚Nachfahren’ entsprechend angepasst. Die Form basiert auf den kuppelartigen Observatorien, die man auf dem Land in England überall sieht.”

    Durch den Cerebro hat Charles so etwas wie eine Erleuchtung. „Er erkennt zum ersten Mal, dass Tausende, wenn nicht Millionen von Mutanten auf der Welt leben. Das macht ihn demütig”, weiß McAvoy. „Er erkennt seine Aufgabe, findet seinen Sinn im Leben: Er muss andere Mutanten finden und ihnen helfen.”

    Charles ist bereits zwischen die Fronten des drohenden Krieges zwischen den USA und der UdSSR geraten, als er einem anderen Mutanten mit Superkräften das Leben rettete. Dieser Mutant heißt Erik Lehnsherr und dessen tragische Vergangenheit hat ihn schon zum Feind der Menschen werden lassen – und das wird ihn letztendlich auch zu Charles’ Feind machen. Aber im Augenblick sind die beiden noch Freunde, verwandte Seelen. „Es ist das erste Mal in ihrem Leben, dass sie jemanden gleichwertigen getroffen haben, jemanden, der sie versteht und auch fordert”, führt McAvoy aus. „Charles ist von Eriks Potenzial begeistert.”

    Tatsache ist, dass Charles die erste Person ist, mit der Erik sich jemals verstanden hat. Michael Fassbender, der Erik spielt, erklärt: „Es gibt sehr starke Bande zwischen Charles und Erik – und auch einen tiefen Respekt. Aber von Beginn an unterscheiden sie sich in ihren Ideologien. Erik misstraut allem Neuen, hat Probleme mit Nähe, damit, sich mit jemandem anzufreunden. Und so klappt im Endeffekt auch die Freundschaft mit Charles nicht. Das wollten wir so glaubwürdig wie nur möglich vermitteln. Wir wollten diese Reise zeigen, auf die sich die beiden begeben, vorführen, wo es zum Bruch kommt und wann die Katastrophe beginnt. Wenn Erik und Charles’ Wege sich dann trennen, muss das Publikum spüren, was da verloren geht. Was hätten die beiden nur erreichen können, wenn sie sich für immer zusammen getan hätten.”

    Erik zögert, Charles dabei zu helfen, die Welt vor sich selbst zu retten. Warum, fragt Erik, soll man die Menschheit überhaupt retten. Ist sie es wert? „Erik ist im Grunde ein Machtmensch, er glaubt, dass der Zweck die Mittel heiligt”, erklärt Fassbender. „Er hat für die Menschen nichts übrig und empfindet sie als minderwertig.“

    Eriks überhebliche Art den Menschen gegenüber wurzelt in dessen Jugend, die hart im Kontrast steht zu Charles’ privilegiertem Leben. Erik musste ohne Eltern aufwachsen, war gezwungen, schlimmste Entbehrungen und Not zu ertragen. X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG führt Erik in jener Szenerie ein, mit der auch X-MEN eröffnete: im Konzentrationslager Auschwitz zu Beginn der 1940er Jahre. Dort zeigt Erik erstmals seine erstaunlichen Fähigkeiten, als die nationalsozialistischen Schergen ihn von seinen Eltern trennen. Er verbiegt mit schierer Willenskraft die Eisentore des Lagers. X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG steigt nach dieser Szene in die Handlung ein. Erik, noch Jugendlicher, wird von einem gewissen Dr. Schmidt als menschliches Versuchskaninchen missbraucht. Der rücksichtslose Wissenschaftler will dessen Superkräfte ergründen, sie für finstere Zwecke nutzen. „Matthew und mich hatte die Wucht der KZ-Szene aus X-MEN nachhaltig beeindruckt. Sie sagt so viel über den Charakter Eriks aus”, betont Ko-Autorin Jane Goldman. „Und Matthew wollte nun wissen, was als nächstes mit Eric passiert. Was man dann zu sehen bekommt, wirft ein ganz neues Licht auf Erik. Man sieht ihn ab sofort mit ganz anderen Augen.”

    20 Jahre später, Erik ist nun ein erwachsener Mann, kennt er nur noch ein Ziel: Er will Dr. Schmidt – den wir nun als ganz veränderte Person kennen lernen – aufspüren und töten. Erik ist eine Naturgewalt, getrieben vom Hass auf Schmidt und die anderen Nazi-Ärzte, denen er die Schuld dafür gibt, dass sie ihn in eine Art Frankenstein-Monster verwandelt haben. Sogar als er sich mit Charles anfreundet und in der Gruppe der Mutanten, die später die X-MEN werden, freundlich aufgenommen wird, verliert er seine Rachepläne nie aus den Augen. Erik ist ein Getriebener; sollte sich Charles oder irgendein anderer ihm in den Weg stellen, würde er nicht zögern, ihn auszuschalten”, weiß Fassbender.

    Vaughn hatte Fassbender in dessen von der Kritik hochgelobten Auftritten in 300 („300“, 2007), HUNGER („Hunger“, 2008) und INGLOURIOUS BASTERDS („Inglourious Basterds“, 2009) gesehen und ihn nach dessen imposantem Vorsprechen auf der Stelle verpflichtet, den Erik zu spielen. „Michael versieht Erik mit einer interessanten Attitüde und zudem ist sein Erik echt cool“, freut sich der Regisseur. „Michaels Spiel in diesem Film erinnert an Sean Connerys Interpretation von James Bond. Erik ist so etwas wie der ultimative Spion – denken Sie an Bond…aber mit Superkräften.”

    Fassbender, der diese komplexe Figur unbedingt spielen wollte, erinnert sich, dass er, als er das Skript bekam, dieses sehr „clever“ fand. „Jede Aktion, die hier im Film passiert, zieht echte Konsequenzen nach sich. Die Action passiert nicht um ihrer selbst willen. Das Drehbuch war äußerst vielschichtig, das hat mich wirklich beeindruckt.” Fassbender betont außerdem, dass er sich nicht von den Vorgängerfilmen zu seinem Spiel beeinflussen ließ. „Die ursprüngliche Quelle unseres Materials sind die Comics. Wir haben für unsere Interpretation der Story und der Figuren noch einmal ganz von vorne angefangen.”

    Die X-Men formen sich

    Nachdem Charles, gemeinsam mit Erik, die „erste Klasse” der jungen Mutanten rekrutiert hat, lernen die begabten jungen Studenten, ihre Kräfte zu kontrollieren und zum Nutzen der Menschheit einzusetzen. Aber ihre übernatürlichen Fähigkeiten zu beherrschen, erweist sich als ebenso schwierig wie als Team zusammenzuwachsen.

    In der vorangegangenen X-MEN-Trilogie haben die Mutanten längst gelernt, ihre Kräfte zu beherrschen und funktionieren auch als Team (meist) gut. Bei X-MEN: ERSTE ENTSCHEIUNG ist das noch ganz anders, die Kräfte sind noch ungebündelt und wenig zweckgerichtet. Darüber hinaus, so Bryan Singer, stört die Mutanten, wie alle anderen Teenager auch, dass sie anders sind als ihre Zeitgenossen. „Die gesamte Situation ist eine Metapher dafür, wie unwohl Teenager sich in ihrer Haut fühlen und wie schwierig es ist, wenn man ‚anders’ ist als dies die Gesellschaft erwartet.”

    Charles' erste Verbündete ist Raven, eine blauhäutige Formwandlerin mit übernatürlichem Bewegungstalent. Die beiden Mutanten haben sich schon als Jugendliche kennen gelernt. Raven durchstöberte die Küche des Anwesens von Charles' Eltern und er ertappte sie dabei. (Diese Szene etabliert nicht nur das schwierige Verhältnis zwischen Raven und Charles, der im Luxus aufwuchs, es zeigt auch wie unterschiedlich Xavier und Erik aufwuchsen.)

    Charles macht Raven zum Mitglied seiner Familie, die beiden wachsen wie Bruder und Schwester auf. Aber wie wir von den ersten Filmen wissen, ändert sich deren Verhältnis schlagartig. Bryan Singer erklärt: „Weil Charles jung ist und manchmal zudem naiv, passt er nicht so gut auf Raven auf, und das nimmt sie ihm übel. Und so landet sie, in der Original-Trilogie von Rebecca Romijn gespielt, letztendlich in Magnetos Bruderschaft.”

    Jennifer Lawrence, für ihre sensationelle schauspielerische Leistung in dem Drama WINTER’S BONE („Winter’s Bone“, 2010) für einen Oscar nominiert, schlüpft in den Part der Raven, die sich als Mutant Mystique nennt. „Raven hat gelernt, mit ihrem Geheimnis zu leben, aber wie viele Teenager, die merken, dass sie ‚anders’ sind, fühlt sie sich in ihrer Haut nicht wohl und kommt mit ihren übernatürlichen Fähigkeiten nicht zu Rande”, erklärt sie. „Raven schämt sich fast für sie. Aber langsam beginnt sie sich zu akzeptieren und ihr Stolz auf ihre übernatürlichen Fähigkeiten wächst. Genauso ergeht es den anderen jungen Mutanten. Am Anfang sind wir alle alleine und isoliert, durchlaufen eine große Verwandlung. Dann schließen wir uns zusammen und werden dieses kultige X-MEN-Team. Nur um uns dann wieder zu trennen. Es ist toll, die Entwicklung der einzelnen Mitglieder zu beobachten, zu sehen, auf welche Seite sie sich letztendlich schlagen.”

    Zum selben Zeitpunkt, zu dem Charles und Erik von der Existenz anderer Mutanten erfahren, entdecken sie auch ein Komplott, das sie zwischen die sich verhärtenden Fronten von USA und UdSSR geraten lässt. Die Feindseligkeiten dieser beiden Machtblöcke eskalieren, eine Katastrophe steht kurz bevor. Das wiederum führt zu einer wackeligen Allianz zwischen den Mutanten und einer verdeckt arbeitenden US-Regierungsbehörde. Hier lernen Charles und Erik Hank kennen, einen brillanten Wissenschaftler mit wenigen Mutanteneigenschaften – bis ein Serum ganz unerwartet das Biest in ihm weckt.

    Hank, dessen Mutantenkräfte zunächst noch nicht bekannt sind, arbeitet in einer streng geheimen Abteilung, wo man weltverändernde Technologien entwickelt, etwa den Cerebro oder den X-Jet. Hank hat den Großteil seines Lebens alleine verbracht, sich versteckt, weil er sich für seine affengleichen Füße und seine Superkräfte schämt. Als er Charles und Erik trifft, wandelt sich Hanks Leben schlagartig. Nicholas Hoult, auf dem Weg zum Star, übernimmt den Part des Mutanten, den die Fans als Beast lieben werden: „Charles erklärt Hank, dass er seinen Kräften freien Lauf lassen muss. Hank hat sich dies noch nie zu tun getraut. Er hat sie vielmehr unterdrückt, sich vorgegaukelt, dass sie überhaupt nicht existieren. Er fürchtet sich vor seinen Superkräften, hat Angst davor, was er mit ihnen anrichten könnte. Charles zwingt Hank, sich mit seinen übernatürlichen Fähigkeiten auseinander zu setzen. Nur so kann er lernen, sie zu kontrollieren und zum Nutzen von Menschen und Mutanten einsetzen. ”

    Hoult steht zurzeit für Bryan Singer in dessen Abenteuerfilm JACK THE GIANT KILLER vor der Kamera. Er versteht ganz genau, wie peinlich und unangenehm Hank dessen ungewohnte Kräfte sind: „Jedem von uns war schon mal etwas peinlich, jeder von uns hat sich schon einmal ausgegrenzt gefühlt. Beim Seelenhaushalt der Mutanten ist dies nicht anders. Erst als sie einander finden, sich über ihre Kräfte austauschen können und zu einer Gruppe zusammen wachsen, lernen sie stolz darauf sein, wer sie sind.”

    Komplettiert wird die „erste Klasse” des X-MEN-Teams von drei Superhelden-Newcomern. Zunächst Lucas Till als Alex Summers, bekannt als Havok, der konzentrische Ringe ultraheißer Energie abgeben und so seine Ziele in Flammen aufgehen lassen kann. Ihn befreien Charles und Erik aus der Einzelhaft. Dann Caleb Landry Jones als Sean Cassidy aka Banshee, der durch die von ihm erzeugten Schallwellen fliegen kann und schließlich Edi Gathegi als Armondo Munoz, alias Darwin, dessen „rückwirkende Evolution” es ihm ermöglicht, sich jeder Situation und jeder Umgebung anzupassen.

    Hellfire!

    Charles und Erik führen diese Mutanten in eine epische Schlacht gegen Sebastian Shaw, einen überaus mächtigen Mutanten, der Energie absorbieren kann und diese in Superstärke umzuwandeln versteht. Shaw bewegt sich im Verborgenen und verfolgt einen geheimen Plan, der den gesamten Erdball bedroht. Er lässt sich von nichts zurückhalten, verfolgt unbeirrt das Ziel, einen Krieg zu entfachen, der das Ende der Menschheit bedeuten würde.

    X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG präsentiert Shaw als den heimlichen Strippenzieher im kubanischen Raketenkonflikt. Die Sowjetunion hatte damit begonnen, auf Kuba Startrampen für Mittelstreckenraketen mit Atomsprengköpfen zu errichten, mit denen sie die USA hätten angreifen können. Die USA reagierten sofort und forderten den Abbau dieser Anlagen. Dieses Kräftemessen der beiden Großmächte, die zunächst nicht gewillt waren, von ihrem Vorhaben bzw. ihren Forderungen Abstand zu nehmen, brachte die Welt damals an den Rande des Abgrunds. „Shaws Plan”, sagt Kevin Bacon, der die Rolle des Bösewichts spielt“, besteht darin, die Kubakrise eskalieren zu lassen. Er möchte, dass die Russen mit U-Booten und Zerstörern in die Schweinebucht vordringen und sich dort mit den Amerikanern bekämpfen. Das soll in der Folge zu einem Nuklearkrieg führen, der das Ende der Menschheit bedeuten und den Mutanten erlauben würde, die Herrschaft auf unserem Planeten zu übernehmen. Das ganze Szenario ist in Bezug auf den Plot ein überaus kluger Schachzug. Die Weltgeschichte hätte damals fast neu geschrieben werden müssen, und die Behauptung, dass Shaw hinter diesen finsteren Machenschaften steckt, ist eine echt coole Art, die X-Men einzuführen.“

    „Shaw ist ein überaus mächtiger Mann und ein echter Soziopath”, fährt Bacon fort. „Aber er glaubt wirklich, dass er so eine bessere Welt schaffen kann. Eine Welt ohne Menschen, in der die Mutanten das Sagen haben. Herkömmliche Moral ist für Shaw vollkommen ohne Belang. In seiner Weltvorstellung werden Mutanten und Menschen nie nebeneinander existieren können. Bei ihm geht es ums Überleben des Stärkeren – und Shaw setzt alles daran, seine Spezies zu erhalten. Er ist vom festen Glauben getrieben, dass er der richtige Führer für die neue Welt ist.”

    Shaws rechte Hand, natürlich eine Mutantin und zudem seine Geliebte, heißt Emma Frost, die lange als die verführerischste der Comic-Heldinnen galt – weit vor anderen femmes fatales wie Catwoman oder Elektra. Als Emma, eine Telepathin mit diamantharter, unzerstörbarer Haut, glänzt January Jones. Jones nahm die Möglichkeit, diese Kultfrau zu spielen, natürlich gerne wahr. Dies gab ihr die Möglichkeit, aus der 1960er-Jahre-Welt der viel gepriesenen Serie „Mad Men” auszubrechen, in der sie als Betty Draper eine der Hauptrollen inne hat. Zu sagen, dass sie überrascht war, als sie im Drehbuch las, dass X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG auch in den 1960er Jahren angesiedelt ist, wäre eine Untertreibung. „Oh, Gott, ihr wollt mich wohl auf den Arm nehmen!”, war im Rückblick ihre erste Reaktion. Aber es dauerte nicht lange, bis Jones erkannte, dass Emma und Betty zwei grundverschiedene Personen sind. „Ich freue mich aufrichtig, dass ich Teil dieses unglaublichen X-MEN-Universums sein darf”, sagt sie. „Ich betrete mit diesen ganzen körperlichen Herausforderungen, die meine Rolle an mich stellt, absolutes Neuland – und auch die dramatischen Aspekte sind hier ganz anders. Im Prinzip ist Emma natürlich eine schlimme Person, aber ihre Motive sind gut. Sie handelt eigentlich mit dem Herzen. Sie glaubt, dass sie das Beste für ihre Art tut und so setzt sie auch alles daran, um die Mutanten als stärkere Spezies am Leben zu erhalten.”

    Die Tatsache, dass die Comic-Figur Emma besonders durch einen tiefen Ausschnitt ins Auge sticht – und auch sonst eher spärlich bekleidet ist – schreckte Jones wenig. Sie war von den Kostümen, die Sammy Sheldon für sie entwarf, begeistert: „In den Comics sehen die Kleider Emmas wie aufgemalt aus”, lacht Jones, „aber Sammy ist das Kunststück gelungen, dass sie nicht nur wie in der Vorlage aussehen, sondern dass man sich in ihnen auch bewegen kann.” Sheldon ergänzt: „Wir wollten Emma der Zeit entsprechend ‚cool’ aussehen lassen. Ob im Bikini, im abgefahrenen Cape, im Catsuit, in ihrer Kristallunterwäsche und in den enganliegenden Stiefeln, die in die Kleidung übergehen.”
    Zum Hellfire-Club von Shaw und Emma gehören noch Azazel (Jason Flemyng), eine dämonische Figur, die sich auf Teleportation versteht, Angel (Zoe Kravitz), deren Flügel-Tattoos sich in echte Flügel verwandeln können und ihr so erlauben zu fliegen, sowie Riptide (Alex Gonzalez), der Wirbelstürme verursachen kann, die jeden noch so starken Gegner von den Füßen wehen.

    X trifft MiB

    Um Shaw und sein Team davon abzuhalten, die Weltherrschaft an sich zu reißen, lassen sich Charles, Erik und ihre jungen Mutanten von einer geheimen Gruppe innerhalb der CIA anstellen, die unter dem Namen Division X firmiert. Diese Abteilung ist damit befasst, Telepathie und paranormale Kräfte für militärische Verteidigungszwecke zu nutzen. Hauptkontaktperson der Mutanten ist ein Agent, den man unter dem Namen MIB kennt und der von Oliver Platt gespielt wird. „MIB war lange Jahre die Witzfigur der Einheit, weil man ihn wegen seiner merkwürdigen Untersuchungen verlachte”, erläutert der ewig rastlose, Oscar-prämierte Schauspieler. „Als Charles und Mystique ihr Interesse bekunden, in der Abteilung mitzuarbeiten, schafft es MIB überaus geschickt und mit einer guten Nase für die Fallstricke der Bürokratie, sie in seine Abteilung zu integrieren. Erik schließt sich der Truppe bald an und die X-MEN erblühen unter dem Schutz von MIB.”

    Die Mutanten und MIB kooperieren mit Moira MacTaggert, der Rose Byrne ihr Gesicht leiht. Sie spielt eine Agentin zu einer Zeit, da nur wenige Frauen vom CIA beschäftigt wurden. Moira ist eine der ersten Menschen weltweit, die mit eigenen Augen sieht, welche Kräfte die Mutanten besitzen. Sie findet Charles, der Moira hilft, ihre Vorgesetzten von der Existenz der Mutanten zu überzeugen. Mehr noch, sie will, dass die Agenten sich mit den Mutanten zusammen tun, um Shaw aufzuhalten. „Moira ist hartnäckig, ambitioniert und getrieben – und das muss sie auch sein, um sich in einer von Männern dominierten Welt zu behaupten”, weiß Rose Byrne, die unter anderem in GET HIM TO THE GREEK („Männertrip“, 2010) und dem Horror-Hit INSIDIOUS („Insidious, 2010) auf der Leinwand zu sehen war. „Moira ist innovativ und inspirierend – und obendrein überaus mutig.”

    Über die Produktion

    Die Dreharbeiten begannen im August 2010 in den Londoner Pinewood Studios. Produktionsdesigner Chris Seagers baute mehr als 80 Sets – darunter 20 komplexe Kombinationssets, einige in Pinewood, andere in den USA und Großbritannien.

    Seagers’ Arbeit spiegelt den Optimismus der 1960er Jahre wider. „Diese Ära war im Bezug aufs Design revolutionär”, erklärt Seagers. „Alles war neu. Die Farben, die Formen, leichtes Material in Form von Plastik. Diese neuen Materialien hielten auch Einzug in die Architektur. Matthew war begeistert, den damaligen James-Bond-Look in den Film integrieren zu können, achtete dabei aber streng darauf, dass der Charakter der X-MEN-Welt dabei nicht verloren ging. ”

    Um den Look den früheren X-MEN-Filmen anzupassen, entwickelte man die Designs sozusagen zurück. „Wir schauten uns genau an, wie wichtige Utensilien, etwa der Cerebro, der X-Jet oder Magnetos Helm und die Personen in den vorangegangenen drei Filmen ausgesehen hatten und überlegten uns dann, wie die Prototypen wohl ausgesehen hätten”, erklärt Russell de Rozario, Berater in Sachen visuelle Effekte. „Wir fühlten uns dafür verantwortlich, dass die Evolution des Designs glaubhaft nachvollzogen werden konnte.”

    Eines der heiß erwarteten Sets war das des X-Jet, den man in den Longcross Studios in Surrey baute. Seine Form basiert auf dem XB-70, dem Prototypen eines Überschalllangstreckenbombers, der in den späten 1950er Jahren in den USA entwickelt worden war. Der riesige Aufbau war gut 25 Meter lang. Ein anderes wichtiges Set ist Charles’ Villa, die sich in Westchester, New York, befindet. Hier richtet Xavier seine Schule für die Gifted Youngsters (= begabten Jugendlichen) ein, hier lernen sie, den Platz in jener Gesellschaft zu finden, die sie so gnadenlos ausschließt. Hierfür ein geeignetes Haus in England zu finden – das „Original” stand in Kanada – erwies sich als große Herausforderung, weil Häuser in Großbritannien tendenziell viel älter sind als ihre Gegenstücke in Kanada. Letztendlich entschlossen sich die Filmemacher, in Englefield House zu drehen, einem wunderschönen Tudorhaus in Berkshire, das eine traditionsreiche und wechselvolle Vergangenheit besitzt und von dem man einen herrlichen Ausblick auf die englische Landschaft genießen kann.

    Andere wichtige Sets errichtete man in Pinewood, darunter das MIB-Hauptquartier und ein riesiges U-Boot. Ebenfalls in Pinewood entstand das Konzentrationslager, das genau dem aus X-MEN entsprechen musste. „Es war schier unglaublich, wie es dem Team gelang, dieses KZ nachzubauen”, lobt Bryan Singer. „Ich dachte wirklich, dass am Monitor alte Dailys von X-MEN liefen, dabei schaute ich zu, wie X-MEN: ERSTE ETSCHEIUNG gedreht wurde.”
    Dann ist da noch der Hellfire-Club, der In-Spot der Swinging Sixties, der Sebastian Shaw und seinen Helfershelfern als Hauptquartier dient. Die Club-Szenen wurden an verschiedenen Orten realisiert. Der Eingang im Las-Vegas-Casino-Stil wurde in den USA errichtet, Innenaufnahmen entstanden im Londoner Café de Paris, wo Hunderte weibliche Statisten in sexy Dessous mit dabei waren und da ist schließlich noch Shaws Heiligtum, ein runder Raum, der in Pinewood gebaut wurde. Der Club ist in kräftigen und grellen Farben gehalten, die reichlich vorhandene Pop Art gibt dem Ganzen das richtige Sixties Gefühl.

    Um das internationale Format ihrer Produktion zu betonen, reisten die Filmemacher rund um die Welt, drehten in Argentinien, London, der Schweiz und in Russland. Anfang Dezember kehrte man dann mit verkleinertem Team in die USA zurück, um die kubanischen Strandszenen zu realisieren, die man auf Jekyll Island am südlichsten Ende von Georgia drehte.

    Der legendäre Effektüberwacher John Dykstra, dessen Kunst unter anderem in Filmen wie STAR WARS EPISODE IV- A NEW HOPE („Krieg der Sterne“, 1977) oder SPIDER-MAN 2 („Spider-Man 2“, 2004) zu bewundern ist, wurde engagiert, um die Superkräfte der Mutanten auf der Leinwand sichtbar werden zu lassen – und zwar so, wie man sie in der Franchise noch nicht gesehen hat. „Wir hatten neue Mutanten in unserem Film und deren Fähigkeiten sollten überwältigend sein”, sagt Dykstra. „Eine zusätzliche Herausforderung bestand darin, die Verbindung zwischen der Natur des Mutanten und seiner besonderen Fähigkeit zu finden. Die Effekte und die Superkräfte der Mutanten sollten nicht nur visuell gut aussehen und kraftvoll sein, sie sollten in Verbindung mit dem jeweiligen Charakter Sinn machen. Man sollte auch ihren Verstand und ihre Intelligenz hinter ihrer Verhaltensweise und ihre Taktik erkennen.”

    Dykstra selbst ist ein großer Fan der X-MEN-Filme. Besonders der neue gefällt ihm: „Allein den Ansatz zu hinterfragen, ob Superkräfte immer gut sind, finde ich spannend. Die X-MEN-Serie behandelt die Mutanten, als ob sie etwas ganz besonderes wären – und das macht sie dann gleichzeitig wieder zu Außenseitern”, räsoniert er.

    Dykstras Digitalarbeit wird ideal ergänzt durch die analogen Effekte von Oscar-Gewinner Chris Corbould, der unter anderem bei THE DARK KNIGHT („The Dark Knight“, 2008), INCEPTION („Inception“, 2011) und CASINO ROYALE („Casino Royale“, 2006) mitwirkte. Corboulds packende Effekte sind in X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG beispielsweise in der KZ-Szene, beim X-Jet und bei Shaws Unterseeboot zu bewundern.

    Nicht weniger wichtig für den ausgewöhnlichen Look des Films waren die phänomenalen Kostümkreationen von Sammy Sheldon, deren Aufgabe darin bestand, die „Coolness“ der 1960er Jahre mit dem typischen Bond-Flair zu kombinieren. Sheldons größte Herausforderung war, die X-Kampfanzüge von Charles, Erik und deren jungen Rekruten zu schneidern, mit denen sie im furiosen Finale gegen Shaw und dessen Höllenfeuer-Club antreten. Vaughn wollte bei seinem Film dem Cover des ersten X-MEN-Comics Tribut zollen, auf dem die Mutanten in blauen und gelben Anzügen zu sehen sind. „Matthew und ich legten großen Wert darauf, dass die Kleidungsstücke auch funktional waren – gestaltet mit den Technologien und Materialien der 1960er Jahre”, erklärt Sheldon. „Dabei stellte sich heraus, dass Kevlar, eine kugelsichere Substanz, zu Beginn der 1960er entwickelt wurde – und dieses Material wurde in der Farbe Gelb hergestellt. (Das Blau applizierte Sheldon erst, als die Kostüme alle fertig waren.)

    Als die Postproduktion sich dem Ende näherte – dazu zählte Henry Jackmans Soundtrack, der neue X-MEN- und Magneto-Themen enthält –, fand Vaughn ein paar Minuten, um über Hoffnungen und Erwartungen für seinen Film zu räsonieren, der im Juni weltweit anläuft: „Was X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG meiner Ansicht nach von anderen Comic-Verfilmungen unterscheidet ist, dass wir viele unterschiedliche Charaktere haben”, betont er. „Und jede unserer Figuren hat spezielle Kräfte, eine eigene Persönlichkeit, eine eigene Ideologie, eigene Moralvorstellungen und Beziehungen – all das macht das X-MEN-Universum unvergleichlich.”

    Über Regisseur Matthew Vaugh

    Der Engländer wurde am 7 März 1971 geboren. Er besuchte die Stowe School in Buckingham und sammelte bevor er am University College London Anthropologie und Frühgeschichte studierte erste Filmerfahrungen als Regie Assistent in Los Angeles. Vaugh brach sein Studium ab, nachdem er vom Film-Virus befallen war, um sein Durchbruch in diesem Geschäft zu schaffen.

    Danach trat er vor allem als Produzent in Erscheinung angefangen 1995 mit dem Thriller „The Innocent Sleep“ mit Michael Gambon (bekannt als Dumbledor aus den Harry Potter Filmen).

    Mit seinem guten Freund Guy Ritchie als Regisseur produzierte er die Kultgangster Komödie „Lock, Stock and Two Smoking Barrels (für den er auch dem Ex-Schwimmer Jason Statham sowie den walisischen Ex-Fußballspieler Vinnie Jones als Schauspieler entdeckte) , Snatch (mit Brad Pitt in einer Nebenrolle) und Swept Away (mit Richies damaliger Ehefrau Madonna in der Hauptrolle).

    Dem Gangster Genre blieb er auch 2004 mit seinem Regiedebüt „Layer Cake“ treu , in dem der zu dem Zeitpunkt noch recht unbekannte Daniel Craig (Casino Royal) brillierte und eine erste Visitenkarte abgeben konnte.

    Der Erfolg von „Layer Cake“ führte auch zu der ersten Berührung mit dem X-Men Universum für Vaughn, dem die Regie für dem dritten Teil der Reihe „X-Men: The Stand“ angeboten wurde. Zwei Wochen vor Drehbeginn stieg Vaughn aus dem Projekt aus. Im fertigen Film, den dann Brett Ratner drehte, sind noch Vaughns Casting Entscheidungen als seine Handschrift zu erkennen (zum Beispiel Vinnie Jones als Juggernaut ). Die Regie bei einem X-Men Film war also laut Vaughn „very unfinished business“, die ihn später wieder einholen sollte.

    Sein Talent für ein großen Effekt Film zeigte er mit der Regie des Fantasy Epos „Stardust“ aus der Feder von Comic Autor Neil Gaiman (Sandman, Beowulf) in dem u.a Robert Deniro als Pirat zu sehen war.

    Noch weiter in die Welt der Superhelden führte ihn die Regie zu „Kick-Ass“ nach dem Comic des Schotten Mark Millar (Wanted) , eine Parodie auf klassische Comic Helden Konventionen im Zeitalter von Youtube und Facebook. In dem Film setzte Vaughn auch seiner Ehefrau , dem Ex-Supermodel Claudia Schiffer mit der er drei Kinder hat ein Denkmal, die in einer Szene überlebensgroß auf einem Billboard zu sehen ist. Der Film war auch ein Comeback für Nicholas Cage (The Rock, Leaving Las Vegas) der als durchgeknallter Superhelden Vater und als Batman-Kopie in der Tradition von Adam West genial aufspielt.

    Nachdem Erfolg von Kick Ass, der unabhängig mit einem relativ kleinen Budget von 30 Millionen gedreht wurde, ging Vaughn (diesmal mit seinem Vorgänger Bryan Singer (Regisseur von X-Men und X-Men 2) als Produzent) seinen zweiten Anlauf an, ein X-Men Film zu drehen. Diesmal erzählt der Film aber die Vorgeschichte der X-Men, wie die Schule entstand und wie es zu dem ersten Treffen zwischen Professor X und Magneto kam. Vaughn konnte also sein eigenen Stempel aufsetzen, ohne in das Korsett der bestehenden Figurenkonstellation gepresst zu sein wie es bei seinem ersten Versuch mit diesem Universum zu spielen der Fall war. Der Film spielt außerdem in den Sechziger Jahren und wird reale historische Ereignisse wie die Kuba Krise mit dem phantastischen X-Men Universum verbinden. Für Vaughn ebenfalls die Erfüllung eines Traum, da er nach Layer Cake versucht hat eine Film Version der Sixties Serie „The Man From U.N.C.L.E“ zu realisieren und auch einen Bond Filmen drehen wollte, der in dieser Zeit spielt. Für Vaughn schließt sich also mit diesem Film in mehrerlei Hinsicht ein Kreis : „ Es war sehr aufregend und ich hab viel gelernt. Ich fühlt mich als ob man von uns wollte, dass wir den Mount Everest ohne Sauerstoffmaske besteigen und nun sind wir fast auf dem Gipfel und dabei die Flagge reinzusetzen. Nun müssen wir bloß auf der anderen Seite wieder runter klettern“. „Worauf ich am stolzesten bin ? Dass ich das Ganze überlebt hab“ …


    Quelle: treknews.de

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    • Hallo Gast - Aufgrund des vielen Spams müssen leider ein paar Fragen beantwortet werden.

      Bitte der Reihe nach durchführen, sonst kann das Captcha nicht erfolgreich abgeschlossen werden...
      Schritt 1: Wenn Picard ein Captain ist, sollte hier ein Haken rein...
      Schritt 2: und wenn es in der Nacht nicht hell ist, sollte hier der Haken raus!
      Schritt 3:

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