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  • Sex and the Xindi – Neuer Kurs für Enterprise

    Ein Plädoyer
    Über 35 Jahre Star Trek bedeutet 615 Folgen Science-Fiction, ungefähr 27114 Minuten Spannung, Spaß und Action, was circa 452 Stunden Fernsehvergnügen ausmacht. Es ist klar, dass sich die „Star Trek“-Autoren da etwas Neues einfallen lassen mussten, denn alles war irgendwie doch schon einmal da, wenn auch mit einigen geschickten, manchmal auch weniger geschickten Abwandlungen...

    Über 35 Jahre Star Trek bedeutet 615 Folgen Science-Fiction, ungefähr 27114 Minuten Spannung, Spaß und Action, was circa 452 Stunden Fernsehvergnügen ausmacht. Es ist klar, dass sich die „Star Trek“-Autoren da etwas Neues einfallen lassen mussten, denn alles war irgendwie doch schon einmal da, wenn auch mit einigen geschickten, manchmal auch weniger geschickten Abwandlungen. Eine neue Serie musste her und heute können wir das Ergebnis, die „Enterprise“ jede Woche über den Flimmerkasten fliegen sehen.

    Nach einer abgelaufenen Staffel in Deutschland wurde klar, dass nicht alle Zuschauer mit der Entwicklung, die „Star Trek“ nun genommen hatte einverstanden waren. Viele beschwerten sich, dass das Prequel zu modern sei, dass Logikfehler enthalten seien und, dass sich die verantwortlichen Autoren wenig um die Kontinuität von „Star Trek“ kümmerten. Tatsächlich hatte man doch etwas Neues in das Fernsehen gebracht, gemessen an den Vorgänger-Serien. Es gab nun einen gesungenen Titelsong, man machte endlich den Schritt zum modernen 16:9 Format und der Hauptdarsteller Scott Bakula war schon ziemlich bekannt, durch seine außerordentliche schauspielerische Leistung in „Zurück in die Vergangenheit“ und eben die Tatsache, dass diese Serie vor allen anderen spielt, machte sie umso interessanter.

    Ich bin nun keiner der Leute, die alles toll finden was irgendwie mit „Star Trek“ zu tun hat, aber es muss erlaubt sein sich für die neue, junge Serie einzusetzen. Hier mein Plädoyer:

    Vergleichen wir doch einmal „Enterprise“ mit der unter den Zuschauern ungemein beliebten Serie „Deep Space Nine“. Wir rissen alle die Hände in die Höhe, nicht etwa, weil wir glücklich waren, sondern vor lauter Verzweiflung. Da hatten sich die Star Trek Autoren tatsächlich gewagt eine unbewegliche Raumstation als Handlungsort einer ganzen Serie zu benutzen. Damals fragten sich doch alle wie diese Serie die erste Staffel überleben sollte. Dazu kam, dass die Produzenten beschuldigt worden sind einen afroamerikanischen Hauptdarsteller nur deswegen durch das Casting geschleust zu haben, um irgendeine ominöse Quote zu erfüllen. Die Serie startete und die ersten Folgen plätscherten über den Schirm. Langeweile machte sich breit, nur Leute mit Durchhaltevermögen konnten der Serie positive Aspekte abverlangen. Ein Quotentief jagte das nächste und die Serie kämpfte ums Überleben. Mit der vierten Staffel kamen nun einige Veränderungen auf uns zu. Die Serie erhielt eine veränderte Titelmelodie und Worf (Michael Dorn), ein alter Bekannter kam an Bord der Station. Die Stimmung wurde düsterer und es entwickelten sich riesige Handlungsbögen. Die Charaktere wurden Vielseitiger und zeigten auch ihre dunklen Seiten im Krieg gegen das Dominion und umso mitreißender und dramatischer wurden die letzten Folgen der Serie. Noch nie war das Ende einer „Star Trek“-Serie so bedauert worden. Und die Kritiker waren sich einig: Hauptdarsteller Avery Brooks (auch bekannt aus „American History X“) hatte eine exzellente Leistung abgeliefert, denn er spielte einfach einen Kommandanten einer Raumstation, der so wie er gespielt wurde auch gelb, rot oder weiß hätte sein können.


    Die Cast der 3. Season

     

     

     


    T'Pol - mehr als nur Brüste
    für die Quote?

     

     

     


    Entblößen für die Quote...

     

     

     


    ...oder Kunst?

     

     

     


    Scott Bakula - ein guter
    Captain?

    Heute sind wir bei „Enterprise“ und auch dieses neue Konzept stößt nicht überall auf Gegenliebe. Die Serie spielt über 200 Jahre vor „Deep Space Nine“ und so hatte man bemängelt, dass die neue Serie zu modern wirke. Nun gut, ich denke viele würden abschalten, wenn heutzutage ein Studio mit Bügeleisen und Haartrocknern á la „Raumpatrouille Orion“ arbeiten würde. Auch täuschen die satten Farben, die man mit heutiger Technik erreichen kann darüber hinweg, dass beispielsweise die Gondeln der NX-01 nicht unbedingt moderner aussehen als die der Kino-Enterprise-A. Außerdem habe ich zumindest keine große Lust, eine Serie zu verfolgen, die krampfhaft versucht so wie eine Serie aus den 70ern auszusehen. Das wäre wohl unfreiwillig komisch. Das Interieur des neuen „alten“ Raumschiffes wirkt wie das eines U-Boots, es gibt keine warme Computerstimme, die einem hilft seine Aufgaben zu erfüllen, der Transporter ist viel zu unsicher und die Geschosse der NX-01 sind auf lange Entfernung nicht zu gebrauchen und ziehen leichte Kondensstreifen hinter sich her, wobei wir bei der Logik wären, die viele Leute bemängeln. Wer Logik sucht, sollte sich wohl der Science-Fiction oder Fantasy ganz abwenden, denn die Autoren von Filmen und Serien erschaffen in diesen Genres mit ihren Ideen vollkommen eigenständige Welten, die mit unserer Realität nur Ansatzweise etwas zu tun haben. Ich meine nicht umsonst heißt das Lieblingsbuch vieler Möchtegern-Astrophysikern „Die Physik von Star Trek“ oder das von Möchtegern-Raumschiffingenieuren „Das Technische Handbuch“. Und die bemängelte Kontinuität? Ein Thema, dass Seiten füllen würde, aber hier sollte ein Grundsatz eindeutig beachtet werden: Fakt ist nur das, was die Autoren ins Fernsehen bringen! Keine (auch von den Machern) autorisierte Zusatzquelle für Infos über Begebenheiten jeglicher Art aus dem Trek-Universum ist spruchfest, sodass man sie in Steintafeln einritzen könnte. Die Autoren müssen sich schließlich alle Optionen offen halten. Das ist so wie in der katholischen Kirche, in der der Papst sagt was richtig und was falsch ist. Und das bedeutet für „Enterprise“, dass man sich nicht zu früh auf den einen oder anderen Kontinuitätsfehler fixieren sollte, weil es durchaus möglich ist, dass dieser beabsichtigt ist und wenn nicht, einfach ausgebügelt wird. Wenn ich könnte, dann würde ich gerne ein Experiment an euch durchführen: Wir löschen alles was ihr über „Star Trek“ wisst aus euren Gehirnen, setzen euch vor einen Bildschirm und präsentieren euch die erste Staffel der „Next Generation“ und dann die erste Staffel „Enterprise“. Welche Serie würde besser abschneiden? Es ist nun einmal so, dass sich bei den Fans (egal wovon sie Fans sind) eine immer größere Erwartungshaltung einstellt und dann plötzlich Enttäuschung im Raum liegt, wenn eine neue Serie oder ein neuer Film präsentiert wird. Das gleiche was man über „Enterprise“ liest hat man so oder so ähnlich schon über „Star Trek: Nemesis“ und damals auch über „Deep Space Nine“ lesen können. Eine Negativ-Schlagzeile jagt die andere. Mancherorts kann man sogar von einer Vergewaltigung von Star Trek lesen.

    Hallo?! Geht es denn noch? Wenn man unobjektiv in einer Art Tirade von Negativpunkten auf etwas einprügelt ist das Ergebnis sicher nicht besser als die Intention des Textes. Da bildet man sich doch lieber selbst ein Urteil mit einer Tüte Popcorn im Kino ohne, dass ein frustrierter Kritiker einem einen meiner Meinung recht unterhaltsamen Film total madig macht. Im Übrigen muss es doch möglich sein auf derart krasse Vergleiche zu verzichten. Ein paar „Star Trek“-Autoren haben eben nicht immer 100% gegeben, aber deswegen muss man nicht von einer Vergewaltigung reden…

    Der Autor des Artikels, der momentan auf ihrem Bildschirm flimmert will nicht, dass sich seine Leser ihre Erwartungen herunterschrauben. Was er will? Es wäre doch einfach wünschenswert und auch recht unterhaltsam an eine Serie oder einen Film heranzugehen, ohne Monate vorher jedes einzelne Detail zu zerpflücken. Ohne Vorurteile lebt es sich am Besten, in jeder Hinsicht. Und auch wenn man im Nachhinein nicht zufrieden ist, dann sollte man sich zumindest die Zeit nehmen, um wirklich über das Gesehene zu reflektieren, denn dazu fehlt es in unseren Zeiten eben an dieser Zeit. Wenn man sich die Zeit nimmt, dann wird einem auch klar, was wirklich Müll ist und was Wert ist als Müll bezeichnet zu werden.

    Ein großer Schnitt. Bei allen schlechten Quoten für „Enterprise“ sollte man nicht vergessen, dass in den USA und in Deutschland mittlerweile auch die Konkurrenz groß ist. Eine Serien- und Senderschwemme und der Fakt, dass Fließbandarbeit und das auf kreative Art und Weise geleistet werden muss erzeugen einen gewaltigen Druck, der auf den Schultern der Verantwortlichen lastet. Und wenn Rick Berman sagt: „Die erste Staffel der neuen Show war nicht perfekt.“ (TGL, www.greatlink.org, 09.09.2003), dann stimme ich ihm zu, denn nichts ist perfekt und schon gar nicht von Anfang an. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zu Besserung!

    Nun soll mit der dritten Staffel sich einiges ändern (TREKNews berichtete). Der Titelsong wurde geringfügig aufgepeppt, T’Pol (Jolene Blacock) wurde ein neues farbenfroheres Outfit und ein Besuch beim Friseur spendiert und größere Handlungsbögen sollen den Fortgang der Serie bestimmen. Ich fasse die Neuerungen, die Rick Berman und Brannon Braga für „Enterprise“ bekannt gaben als Operation „Sex and the Xindi“ zusammen. „Sex and the Xindi“ klingt gut und könnten auch ganz gut wirken, denn es ist und war eigentlich immer so, dass sich Sex gut verkauft und so wurde Trek-Babe Jolene Blacock (T’Pol) dahingehend verändert, dass ihre durchaus natürlichen Vorzüge noch besser zur Geltung kommen. Es muss hierbei noch festgestellt werden, dass „Trek-Babe“ durchaus nicht abwertend gemeint ist, denn so ganz ohne Talent ist diese Darstellerin ja nicht oder bin ich durch meine Männlichkeit geblendet?

    Als neue Spezies werden die Xindi eingeführt, die eine Gesellschaft aus verschiedenen Spezies bilden und gemeinsam auf einem Planeten leben. So gibt es zum Beispiel insektoide Xindi, humanoide Xindi und Xindi, die in Ozeanen leben. Eines darf gesagt werden: Die Xindi stellen eine Bedrohung für die Erde dar. Aufgrund dieser Bedrohung wird die „Enterprise“-Crew auch Soldaten an Bord willkommen heißen, wobei das natürlich einfacher ausgedrückt ist als es ist, denn sicherlich wird nicht jeder mit den Soldaten gleich Freundschaft schließen. Steven Culp (Robert Kennedy in „Thirteen Days“) spielt Major Hayes und darf nun doch mit „Star Trek“ in Verbindung gebracht werden, denn seine Rolle in „Star Trek: Nemesis“ fiel leider der Schere zum Opfer, denn man wollte keinen Film von drei Stunden Spielzeit. Hm, vielleicht war das ja der Fehler?

    Zurück zur „Enterprise“: Klingt doch insgesamt gar nicht so übel… und wisst ihr was? Ich lege meine Hand jetzt ins Feuer für diese neue Serie und wenn die Quoten in der dritten Staffel doch nicht steigen, dann muss ich eben einen plastischen Chirurgen aufsuchen und trotzdem werde ich mir „Enterprise“ „antun“, denn ob ihr es glauben wollt oder nicht… eine kleine Dosis entschädigt für alle erlittenen Schmerzen.

    Abschließend muss man sagen, dass die Mandanten Rick Berman und Brannon Braga des ihnen vorgeworfenen Mordes an Star Trek (Diese „Star-Trek-ist-tot-Science-Fiction-sowieso-Kolumnen sollen das ja irgendwie beweisen…) freizusprechen sind. Mit anderen Worten: Sie sind unschuldig. Sie sind lediglich eines Quoten- und Zeitdrucks unterworfen und haben vielleicht in der einen oder anderen Episode nicht gerade durch Kreativität geglänzt und doch sind sie nicht die Mörder zu denen ihr sie machen wollt, denn es wurde entlastendes Material vorgelegt, dass nicht von der Hand zu weisen ist. Berman und Braga zeigen Reue, wenn man sie auf die schlechten Einschaltquoten hinweist und ihnen kann eine gute Sozialprognose bescheinigt werden, sodass man keine Bedenken bei diesem Freispruch haben muss. Meinen Mandanten sollte aber empfohlen werden nicht mehr zuviel über Zukunftspläne hinsichtlich ihrer Projekte zu sprechen. In diesem Fall könnte dieses Verhalten noch den Freispruch bedeuten, aber in Zukunft wird dieses Verhalten gefährlich werden. Ich danke euch für eure Aufmerksam und wünsche gutes Fernsehen!

    Daniel Roters


    Quelle: treknews.de

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