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Der Geschmack den Ihr Gaumen verlangt!
  • Andreas Eschbach liest aus "Der Nobelpreis"

    Der Star-Autor im Interview
    Andreas Eschbach ist deutscher Autor und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der deutschsprachigen Science-Fiction. Treknews-Redakteur Christian Gaus war für Euch unterwegs und traf den Autor. In folgendem Artikel erfahrt ihr Wissenswertes über Eschbach sowie sein neues Werk 'Der Nobelpreis' - viel Spaß beim schmökern!

    An einem winterlichen Samstag kam der Autor Andreas Eschbach in seine schwäbische Heimat Öpfingen [Anm. d. Autors: in der Nähe von Ulm] und stellte dort, auf der letzten Station einer langen Lesereise, sein neues Buch vor. Andreas Eschbach verbrachte einige seiner Jugendjahre in diesem kleinen beschaulichen Örtchen an der schwäbischen Alb, jedoch bekamen ihn seine Mitbewohner nur selten zu sehen. Zu sehr war er schon in die Welt der Schreiberei vertieft. So kam auch ein überraschtes „Achso“ aus dem Publikum, als bei seiner Ankündigung erwähnt wurde, dass er in Öpfingen gelebt hatte.

    Beinahe eine dreiviertel Stunde las Eschbach dann aus seinem aktuellen Buch, dass dieses Mal komplett ohne Science Fiction auskommt. Wie der Titel schon erahnen lässt steht der wohl wichtigste Preis der Welt, der Nobelpreis, im Mittelpunkt. Mehr sei aber an dieser Stelle noch nicht verraten. Viel Preis geben kann man auch nicht, denn Eschbach selbst verkündete am Ende seiner Lesung: „Es geht jetzt nicht um das, was Sie denken. Und auch nicht darum, was Ihnen jetzt einfällt.“ Andreas Eschbach beantwortete im Anschluss noch die Fragen der Interessierten Zuhörer. Den Nobelpreis, so Eschbach, wolle er gar nicht. Im Allgemeinen macht er sich nicht viel aus Preisen. Für ihn gebe es nur einen wichtigen Preis: den Geldbeutel-Preis. Der wird von den Lesern verliehen, erklärte Eschbach. Wenn man zum ersten Mal das Buch eines bestimmten Autors kauft, sei dies noch ein Risiko. Kauft man aber zum zweiten Mal ein Buch des selben Autors, dann nur, weil einem das erste Buch gefallen hat.

    Natürlich waren auch viele Fragen zum Bereich der Schreiberei im Allgemeinen da. Für ihn sei der Beruf des Autors der Schönste, den er sich vorstellen kann. Schlechte Seiten gebe es nicht, so der Autor von „Das Jesus Video“. Man müsse es natürlich mögen, tagelang vor einem Bildschirm zu sitzen und zu schreiben. Auch die romantische Vorstellung vom Literaten, den die Muse küsst und der daraufhin einen Roman in einem Rutsch schreibt, habe nichts mit der wirklichen Arbeit seines Berufes zu tun. Die wichtigste Quelle für ihn ist sein „Ideengarten“. Immer wieder kommen Ideen hinzu, werden gejätet, gehegt und gepflegt und nach einiger Zeit geerntet.

    Auf die Recherchearbeit angesprochen erwiderte Eschbach, dass er versuche, alles möglichst genau wieder zugeben. Doch zu Not, so Eschbach weiter, erfand er auch schon ganze Galaxien. Zudem sei es, als werde man für die gute Rechtschreibung gelobt, wenn man für gute Recherchen gelobt werde. Auch auf Genres lässt sich Andreas Eschbach nicht festlegen. Am besten hat er dies wohl mit seinem Fortsetzungsroman „Exponentialdrift“ unter Beweis gestellt, der in den Jahren 2001 und 2002 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien. Woche für Woche fügte Eschbach dort ein Kapitel hinzu. Jedoch wurde dieses Projekt schon nach 42 Folgen wieder eingestellt. Der Leser wolle eben keine Kurzgeschichten mehr, so Eschbach. Er recht nicht, wenn man eine Woche darauf warten müsse, wie es weiter geht. Selbst Stephen King könnte kein Buch mit Kurzgeschichten verkaufen. Zudem hatte die Redaktion der FAZ nicht einen Leserbrief zu dem Fortsetzungsroman erhalten. Wer weiß ob ein lobender Brief schon einen Unterschied gemacht hätte.

    Anschließend signierte Eschbach noch seine Romane. Und da er fleißig war in den letzten Jahren, häuften sich zeitweise die Bücher auf seinem Tisch. Manche nutzten die Gunst der Stunde, räumten ihr „Eschbach Regal“ aus und brachten körbeweise Bücher zum signieren mit. Natürlich kam kein Gast ohne Autogramm aus dem Raum, der eins wollte. Bot sich doch hier die einmalige Möglichkeit, mit dem Autor selbst über seine Werke zu plaudern und ihn mal ganz aus der Nähe zu bestaunen und nicht nur auf dem Bild im Einband seiner Romane.

    Andreas Eschbach präsentierte sich als Mann ohne Allüren. Auch wenn es leicht gewesen wäre, als erfolgreicher Autor in andere Sphären abzuheben, spürte man, wie wichtig ihm diese Auftritte, nah an seinen Lesern, sind. Immer freundlich und mit viel Geduld beantwortete er die Fragen und erfüllte die Wünsche seiner Fans.

    Da kann man nur sagen: Danke Herr Eschbach für diesen unterhaltsamen Abend!

    Dem TREKNews.de Redakteur Christian Gaus stand der Autor auch noch zu einem kleinen Interview zur Verfügung, das wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen:

    Christian Gaus: Herr Eschbach, Sie sind in Ulm geboren, in Öpfingen aufgewachsen, haben lange Jahre in Stuttgart gelebt und wohnen jetzt in der Bretagne. Was bedeutet für Sie: Heimat?

    Andreas Eschbach: Heimat - das ist für mich eigentlich kein Begriff, mit dem ich viel umgehe. Wohnort, das ist ein Begriff. Und was Wohnorte anbelangt, habe ich mich als erstaunlich ruhelos erwiesen: In meinem bisherigen Leben bin ich so an die fünfzehn Mal umgezogen. Wobei ich hoffe, dass es jetzt erst mal gut ist.

    Heimat, da stelle ich mir vor, dass man irgendwo lebt, wo man auch geboren ist, wo man tiefe Wurzeln hat - und damit zufrieden ist, sich eingebunden fühlt in ein Gemeinwesen, in dem man die meisten kennt, sich aufgehoben fühlt in einem Landstrich, der einem vertraut ist bis in viele Einzelheiten. Ich selber kenne so eine Heimat allerdings nicht. Im Gegenteil: Die Vorstellung, mein Leben lang dort zu bleiben, wo ich geboren bin, wäre mir geradezu entsetzlich.

    Auch wenn mir ein Ort vertraut ist, fühle ich mich deswegen nicht geborgen - was sicher etwas mit dem Tempo der ständigen Veränderungen zu tun hat. Stuttgart etwa, wo ich immerhin über die Hälfte meines bisherigen Lebens gelebt habe, ist mir seit unserem Wegzug schon fast wieder fremd geworden; ich erkenne manche Straßen kaum wieder.

    Öpfingen, wo ich die prägendsten Jahre verbracht habe, ähnelt heute kaum noch dem Ort, wie er damals war: Praktisch alle Plätze, an denen ich gespielt habe, sind heute zugebaut. Der Bach - zugeschüttet, Häuser drüber. Der Abhang, wo wir im Winter Schlitten gefahren sind - eine neue Wohnsiedlung. Allerdings war Öpfingen auch davor kein Ort, der je für mich als Wohnsitz für den Rest meines Lebens in Frage gekommen wäre.

    C.G.: Auf Ihrer Internetseite gewähren Sie Ihren Fans einen kleinen Einblick in Ihr Leben. Sie berichten auch von einem Erlebnis mit ihrem Deutschlehrer, der Ihre erwachenden schriftstellerischen Talente nur mit einem „Na ja“ würdigte. Halten Deutschlehrer es immer noch für anmaßend, sich als Schriftsteller zu bezeichnen und sich auf die selbe Stufe zu stellen wie Goethe und Schiller?

    A.E.: Sich auf dieselbe Stufe zu stellen wie Goethe oder Schiller, nur weil man auch schreibt, wäre ja tatsächlich anmaßend. Kein Mensch, der es gerade mal schafft, einen Ball einigermaßen geradeaus zu kicken, würde sich deswegen ernsthaft für die Fußballnationalmannschaft qualifiziert fühlen.

    Was mir aber auffällt, ist, dass Deutschlehrer praktisch nie wissen, wer von ihren Schülern selber schreibt. Wenn ich Lesungen in Schulen habe, frage ich den veranstaltenden Deutschlehrer meistens genau das, und fast immer kommt im Brustton der Überzeugung die Antwort: „Keiner. Nein, das wüsste ich. Ich lese ja die Aufsätze.“ Oder dergleichen. Und nachher werden mir im Anschluss an die Lesung Fragen gestellt, die nur jemand fragt, der heimlich selber schreibt. Zumindest bilde ich mir das ein.

    Woher kommt das Ihrer Meinung nach? Eigentlich müssten doch gerade diese Lehrer das Engagement der Jugend fördern - stattdessen müssen Schüler gefühlskalte Erörterungen und Interpretationen schreiben.

    Das ist eben handhabbarer. Ein neues schriftstellerisches Genie - damit ist das schulische System doch prinzipbedingt überfordert. Man denke einmal genau darüber nach: Worte, das sind die gefährlichsten Waffen der Welt. Diktatoren wie Religionsstifter, die die Geschichte geprägt haben wie niemand sonst - womit haben sie das jeweils vollbracht? Mit Worten. Leute, die mit Worten umgehen können, sind potentiell gefährliche Leute. Deshalb will man das nicht wirklich lehren. Es ist besser, man bleibt mit seinen sprachlichen Fähigkeiten in klar abgesteckten und umzäunten Gehegen.

    Ich bin inzwischen auch nicht mehr der Meinung, dass der Deutschunterricht darauf abzielen sollte, Schriftsteller zu fördern. Bloß nicht. Was die Schule in die Hand nimmt, verdirbt sie. Seit es Aufklärungsunterricht gibt, gehen nicht nur die Geburtenraten zurück, sogar die „Beischlafhäufigkeit“ oder wie man das nennen will sinkt.

    Wenn die Deutschlehrer jetzt auch noch anfangen, junge Talente zu fördern, dann haben wir in einer Generation überhaupt keine Schriftsteller mehr.

    C.G.: Sie konnten sich mit den Geschichten zur Perry Rhodan Reihe einen Kindheitstraum erfüllen. Mit 2300 Bänden ist diese Serie die größte Science Fiction Serie aller Zeiten. Wie fühlt es sich an, ein Teil dessen zu werden?

    A.E.: Gut. Auch wenn es „nur“ „Heftlesromane“ sind - ich bin stolz darauf. Wobei ich natürlich finde, dass Perry Rhodan weitaus MEHR als nur „Heftlesromane“ ist, nämlich der mit Abstand umfangreichste fortlaufende Prosatext der Literaturgeschichte.

    C.G.: Waren Sie nie besorgt sich in diesem riesigen Kosmos zu verirren, etwas zu erzählen, das schon jemand davor erzählt hatte?

    A.E.: Wenn man wie ich über tausend Bände der Serie gelesen hat, hat man keine Angst mehr, sich zu verirren. Im Gegenteil, ich kenne mich recht gut aus. Man könnte fast sagen, dass ich mich im Perry Rhodan - Universum beheimatet fühle. Und die Angst, etwas zu erzählen, das schon jemand so ähnlich erzählt hat, plagt mich sowieso nicht.

    C.G.: Ich weiß nicht, was sie am 1. und 2. Dezember tun. Falls Sie fernsehen: Pro 7 strahlt „Das Jesus Video“ aus. Mit welchen Gefühlen sahen sie die Erstausstrahlung?

    A.E.: Die Erstausstrahlung habe ich überhaupt nicht gesehen; die fiel in einen Urlaub, den wir schon lange, bevor dieser Termin festgelegt wurde, gebucht hatten. Ich hatte den Film allerdings bei einer Vorpremiere für die Presse in Hamburg gesehen - mit eben den gemischten Gefühlen, die ich bis heute dazu habe.

    C.G.: Waren Sie je in die Produktion eingebunden?

    A.E.: Nein. Es gab nicht einmal ein Gespräch im Vorfeld.

    C.G.: Sind weitere Verfilmungen geplant?

    A.E.: Es laufen Optionen auf etliche meiner Romane - die „Billion Dollar“ etwa, „Der Letzte seiner Art“, „Das Marsprojekt“; was den „Nobelpreis“ anbelangt, laufen auch schon Gespräche. Ob daraus dann tatsächlich Filme werden, weiß man nicht, aber möglich ist es.

    C.G.: Würden Sie die Drehbücher dazu schreiben?

    A.E.: Nein, ich glaube, ich nutze meine Zeit besser, wenn ich neue Romane schreibe. Und den Filmproduzenten ist es, glaube ich, auch lieber, wenn sich der Autor heraushält.

    C.G.: Der Roman „Die Haarteppichknüpfer“ berichtet zugleich von der höchsten Kunst einer Kultur, ihrer Lebensaufgabe und ihrer Hinterlassenschaft für die Zukunft. Jeder Autor weiß, dass das Schreiben ebenso eine Lebensaufgabe ist, die einen nie mehr verlässt. Wie sieht Ihr „Haarteppich“ aus?

    A.E.: Auf alle Fälle abwechslungsreich, möchte ich meinen. Andere Autoren schreiben Bücher, die sich unverkennbar zu einem „Gesamtwerk“ formen - Romane um die gleiche Hauptfigur, Romane vor gleichbleibendem Hintergrund und so weiter. Bei mir ist das eher ein Flickenteppich, und es ist schwer auszumachen, was die Romane eigentlich miteinander verbindet. Verleger mögen das ja eigentlich gar nicht; ich habe Glück, dass ich damit durchkomme. Aber es geht nicht anders. Ich denke immer nur an den aktuellen Roman - nicht an Genres, nicht an die einstige „Gesamtausgabe in fünfzig Bänden“, nicht an sonstige Kategorien. Immer nur an die Geschichte und was sie verlangt.

    C.G.: Eine meiner Lieblingsfiguren in ihren Roman ist der Außerirdische Kelwitt. Welcher Figur fühlen Sie sich am nächsten?

    A.E.: Das ist meistens die Hauptfigur des Romans, an dem ich gerade arbeite. Man kommt dieser Figur nahe, WIRD in gewisser Weise zu ihr, und dann driftet sie wieder davon und geht ihrer eigenen Wege. Das muss man akzeptieren.

    C.G.: Und zu guter Letzt die Frage: Welches Buch lesen Sie gerade?

    A.E.: „Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad. Aber bis das Interview erscheint, bin ich sicher schon bei was anderem.

    Christian Gaus


    Quelle: treknews.de

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    • Hallo Gast - Aufgrund des vielen Spams müssen leider ein paar Fragen beantwortet werden.

      Bitte der Reihe nach durchführen, sonst kann das Captcha nicht erfolgreich abgeschlossen werden...
      Schritt 1: Wenn Picard ein Captain ist, sollte hier ein Haken rein...
      Schritt 2: und wenn es in der Nacht nicht hell ist, sollte hier der Haken raus!
      Schritt 3:

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