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  • Klassiker der Science-Fiction-Literatur

    Meisterwerke der SF
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    • M1Labbe
    Die Blütezeit der Science-Fiction-Literatur ist leider bereits vorbei, die namhaften Klassiker des Genres haben zumeist 20 Jahre und mehr auf dem Buckel. Trotzdem sind die Werke zahlreich und noch heute eine Leseempfehlung. Grund genug einen kleinen Rundgang durch die Sammlung großer Klassiker zu machen. Die Welt der Science-Fiction ist riesig, auch über die Grenzen des Star Trek-Franchises hinaus gibt es viele Geschichten in allen medialen Formen, dabei hat die Science-Fiction hat trotz ihrer literarischen Sonderstellung eine unglaubliche Bandbreite entwickelt, die oftmals ganz auf Raumschiffe bzw. allgemein Reisen zu anderen Sternen verzichtet, dafür aber eine Reise in die fernen Möglichkeiten der Menschheit erlaubt. Immer war die Science-Fiction dabei ein Spiegel ihrer Gesellschaft und hat diese auch rückwirkend geprägt. Dabei sind die „modernen“ SF-Literatur-Klassiker, hier möchte ich exemplarisch Größen wie Isaac Asimov, Arthur C. Clarke, Robert A. Heinlein nennen, nun schon mehrere Jahrzehnte alt, Pioniere der Science-Fiction wie Jules Verne oder H.G. Wells haben ihre weltbekannten Werke bereits vor einem Jahrhundert oder mehr verfasst und seit diesen Tagen hat sich nicht nur unser Wissensstand vergrößert. Diese herausragenden Geschichten zeigen aber nicht nur das technische Wissen ihrer Entstehungszeit, sie spiegeln auch die politische und gesellschaftlichen Zukunftserwartungen ihrer Zeit wieder. Unverkennbar drückt sich dieser Wandel auch in den verschiedenen thematischen Schwerpunkten der genannten Autoren aus.

    Die fantastischen Reisen des Jules Verne, den man wohl als einer der Urväter der Science-Fiction gelten lassen kann, hat bereits vor 140 Jahren Zukunftsträume erdacht, die nicht ohne Gespür für die weiteren Entwicklungen getroffen wurden, und sich teilweise bewahrheiteten. (Reise zum Mittelpunkt der Erde von 1864 gehört dabei zu den wenigen Fehleinschätzungen, Von der Erde zum Mond aus dem Jahre 1865 und das berühmte Buch 20.000 Meilen unter dem Meer von 1870 wurden bekanntermaßen zur Realität). Dabei ist es besonders wichtig festzustellen, dass Jules Verne durch solche auf friedliche Weise erheiternde und gleichzeitig faszinierende Unterhaltungswerke geschrieben hat, in denen Krieg keine Rolle spielt.

    In The Time Machine (1895) und besonders Krieg der Welten (1898) von H.G. Wells, der mit diesen Werken auch wichtige Grundpfeiler des Genres geschaffen hat, spielen kriegerische Auseinandersetzungen dagegen bereits ein zentrales Thema, welche aber als Schockelemente für den unbedarften Leser eingesetzt werden. Die überlegene marsianische Technologie in Krieg der Welten oder die Grausamkeit der Morlocks in The Time Machine lässt die Menschheit (bzw. die menschlichen Eloi in The Time Machine) ihr Schicksal fast hoffnungslos mit ansehen. Die verbreitetste Interpretation besagt, dass die Ähnlichkeit zur britischen Kolonialpolitik, die die eingeborenen Völker als unterlegen betrachtet hat – wie die Außerirdischen die Menschen oder die Morlocks die Eloi - nicht ohne Grund gewählt wurde.

    Auch deutliche modernere Werke haben den Krieg als literarisches Thema aufgegriffen, gehen in der Darstellung aber einen völlig anderen Weg als noch Wells. So ist zum Beispiel Starship Troopers aus dem Jahre 1959 geradezu kriegsverherrlichend, hier sind die Menschen die gnadenlosen Invasoren. Die junge, sympathische Hauptfigur, die sich unschuldig für den Wehrdienst meldet, um der Gesellschaft zu dienen (und sich dadurch überhaupt erst ein Wahlrecht zu verdienen) gerät mitten in den Krieg gegen die Bugs, eine käferartige Rasse mit kollektiver Intelligenz, wie sie den Menschen unähnlicher nicht sein könnte. Dabei fällt das Werk vor allem dadurch auf, dass der (noch vergleichsweise harmlose) Schrecken des Krieges und die Unmenschlichkeit völlig unkommentiert gelassen werden, was erklärt, warum dem Buch bis heute faschistische Tendenzen vorgeworfen werden (die im gleichnamigen Film von 1997 umso satirischer kommentiert werden).

    Ein anderes, späteres Werk der sogenannten Military-SF, Der ewige Krieg von Joe Haldeman, verdeutlicht, dass dieses Thema auch 1975, gerade durch den Vietnam-Krieg, seine Relevanz nicht verloren hat. Der ewige Krieg schafft es auf eine realistische und zugleich banale Weise die Grausamkeit des Krieges anzuprangern. Die Menschheit hat in dem Universum von Joe Haldeman eine Form der Wurmlöcher entdeckt, die eine Überlichtreise und damit Konflikte mit außerirdischen Rassen ermöglicht – allerdings ist die Reise zu diesen „Kollapsare“ bezeichneten Phänomenen nur mit annähernd Lichtgeschwindigkeit möglich, was die subjektive Reise für die Soldaten durch die Zeitdilatation zwar erträglich hält, auf der Erde aber Jahre vergehen lässt. So findet sich der Held bereits bei seinem ersten Einsatz einem technisch Jahre überlegenen Feind gegenüber. Zwar kann die Hauptfigur überleben, doch die Erde hat sich bereits gesellschaftlich viel zu weit entwickelt, er ist bereits ein Kriegsveteran nach einem Einsatz, der sich nicht mehr in die veränderte Gesellschaft einordnen kann – eine starke Parallele zu den Vietnam-Veteranen, zu denen auch der Autor gehört.. Die äußerst bedrückende, gleichzeitig aber physikalisch wie menschlich glaubwürdige Entfremdung der Soldaten von ihrer Heimat, schafft es den Leser wirklich zu ergreifen und für dieses Schicksal zu sensibilisieren, ohne die Qualitäten einer guten Unterhaltungslektüre zu verlieren oder zu politisch zu werden.

    Ein anderer Vertreter moderner Science-Fiction, Arthur C. Clarke, ist durch die Verfilmung von 2001: A Space Odyssey (der eigentlich aus einer Kurzgeschichte entstand, Buch und Film wurden gleichzeitig entwickelt) über das Medium Buch hinaus bekannt, und das besonders für seine wissenschaftlich fundierten und technisch glaubwürdig Ideen. 2001 hat nicht umsonst unsere Vorstellungen der nahen und machbaren Zukunft stark geprägt und ist zum Vorbild der Hard-SF, der wissenschaftlich-technisch orientierten Werken der Science-Fiction, geworden. Clarke hat jedoch nicht nur Werke mit wissenschaftlicher Grundlage geschrieben (auch wenn sie die Mehrheit seiner Bücher ausmachen). Ein Beispiel ist Die letzte Generation, dass sich im Verlauft mit metaphysischeren Problemen auseinander setzt als man es von einem Hard-SF-Autor erwartet. Das Buch erzählt die Zukunft der Menschheit, nachdem eine außerirdische Rasse, die Overlords, in riesigen Raumschiffen über den Metropolen der Welt Stellung bezieht und die Kontrolle über die Erde übernimmt – allerdings auf friedliche Weise. Der Film Independence Day wurde von dieser Szene inspiriert, auch wenn sich die Aliens dort aggressiv verhalten, während sie sich in Die letzte Generation für das Wohl der Menschheit einsetzen. Erst nach 50 Jahren offenbaren die Aliens ihr wahres Aussehen, die Menschheit ist nun weit genug, um diesen Schock zu verkraften. Nach 100 Jahren zeigt sich dann die wahre Absicht der Overlords: Sie sind nur Vermittler, die der Menschheit und anderen Rassen zum Aufstieg auf eine höhere Ebene der Existenz helfen, diese aber selber nicht erreichen können – genauso wenig wie die erwachsenen Menschen auf der Erde. Nur die Kinder entwickeln sich weiter und verlassen mit den Overlords die Erde; die restlichen Menschen verleben ihre letzten Jahre und sterben aus. Das Buch gehört nach einigen Kritikern nicht zu Clarkes besten Werken, der Leser ist aber heute umso erstaunter, wie viele Szenen und Ideen des Autores heute gängige Themen sind – hier aber zum ersten Mal auftauchen. Die Geschichte zeichnet aber auch eine der optimistischsten – man möchte sagen eine wahrlich utopische – Zukunftsbilder der SF. Wenn auch nicht ohne den mehr als deutlichen Hinweis, dass der absolute Frieden für die Menschheit im heutigen Stadium nicht zu erreichen ist, sondern erst nach einer gewissen Art der metaphysischen Evolution.

    Eine weitere äußerst einflussreiche Persönlichkeit innerhalb der Science-Fiction-Literatur war Isaac Asimov. Bereits mit 19 Jahren konnte er seine erste Kurzgeschichte in einem Science-Fiction-Magazin veröffentlichen. Mit 21 veröffentlichte er seine 21. Kurzgeschichte Nightfall, die von den Science Fiction Writers of America 1968 zur bisher besten Kurzgeschichten aller Zeiten gekürt wurde. Am bekanntesten ist Asimov aber durch seine Robotergeschichten und die Foundation-Reihe geworden. Der heutige Traum von der künstlichen Intelligenz, von Maschinen, die menschliches Leben nahezu perfekt imitieren können und dem Menschen damit sowohl als Begleiter, wie auch als Arbeitskraft dienen, begründet sich in großem Maße auf Asimov. Der Film I, Robot ist zwar namensgleich zu einer Kurzgeschichtensammlung von Asimov, hat aber bis auf das Roboter-Thema wenig mit diesen Geschichten gemein. Herausragend an Asimovs Lebenswerk ist auch, dass alle seine Romane in ein und demselben Universum spielen und so eine wirklich umfangreiche zukünftige Menschheitsgeschichte beschreiben, von der Entwicklung künstlicher Lebensform zu Besiedlung des Weltalls, über die Aufspaltung der Menschheit, der Entstehung einer galaktischen Herrschaft, deren Fall und Wiederaufleben. Diese große Bandbreite ist einer der Gründe, warum Asimovs Werke so enormen Einfluss auf die Science-Fiction-Kultur hatte.

    Allerdings gibt es auch abseits der oftmals gepriesenen drei großen Altmeistern der SF – Asimov, Clarke und Heinlein – Klassiker von herausragender Qualität. Soll die Liste länger werden, ist es aber umso schwieriger, nicht einfach nur dem persönlichen Geschmack zu folgen. Die bedeutenden Einflüsse von Asimov, Clarke und Heinlein, die für sich eigene Genres begründet haben (Robotergeschichten, Hard-SF und Military-SF), lassen sich nicht mehr abstreiten, bei anderen Werken werden die Kriterien notgedrungen subjektiver. Wer nun meine persönlichen Geheim-Tipps für einen Streifzug durch die Klassiker der Science-Fiction hören möchte – mit der Warnung, dass es sich um persönliche Vorlieben handelt, der sollte nach folgenden Werken Ausschau halten:


    • Joe Haldeman: Der ewige Krieg
      Diese Anti-Kriegs-Geschichte hat mich absolut in ihren Bann gezogen und schafft es einfach wunderbar mit einfachen, nicht übertriebenen Mitteln eine Anklage gegen den Krieg zu sein und trotzdem absolut unterhaltsam.

    • Larry Niven und Jerry Pournelle: Der Splitter im Auge Gottes
      Ein sehr gutes Hard-SF-Werk, zu empfehlen wenn man sich interessiert, wie der erste Kontakt einer raumfahrenden Menschheit mit einer außerirdischen Spezies wohl am realistischsten vorzustellen ist.

    • Ken Grimwood: Replay
      Eine wirklich mitreißende und erstklassige Geschichte über den Sinn des Lebens, gestellt von einem 43-jährigen Radiojournalisten, der unerwartet stirbt und sein ganzes Leben mit allen Erinnerungen ab dem 18. Lebensjahr erneut leben kann – nur um wieder zu jung zu sterben und wieder zu leben und doch nur mit Mühe das eigene Glück zu finden.

    • Anthony Burgess: A Clockwork Orange
      Die Geschichte eines kleinkriminellen jugendlichen Schlägers und Vergewaltigers, eines eigentlich verabscheuenswürdigen Individuums, der einem trotz allem Leid tun muss, da er nur ein Produkt seiner Gesellschaft ist, die ihn zwar umerziehen will, damit aber noch mehr Gewalt antut. Allerdings sehr brutal und durch den frei erfundenen Jugendslang, mit dem die Figuren reden, auch sprachlich nicht jedermanns Sache.

    • Philipp K. Dick: Die drei Stigmata des Palmer Eldritch
      Eine sehr abstruse, aber unheimlich unterhaltsame Geschichte über den totalen Verlust der Realität. Der Geschäftsmann Leo Bulero verdient eine Menge Geld mit dem Verkauf von Drogen an Kolonisten, die damit ihr Leben in heruntergekommen Erdlöchern erträglich machen. Bis Palmer Eldritch, ein Konkurrent, auf die Erde zurückkehrt und eine neue, viel bessere Droge auf den Markt bringt, deren Illusionen zur Realität werden. Sie hat nur eine Nebenwirkung: In der Drogen-Realität ist Palmer Eldritch Gott.

    • Wolfgang Jeschke: Der letzte Tag der Schöpfung
      Die amerikanische Regierung schickt Wissenschaftler und US-Soldaten mit einer Zeitmaschine Millionen Jahre in die Vergangenheit, um dort vor Anbeginn der Menschheit sämtliche Ölreserven in die Zukunft zu pumpen und so die USA von den Ölscheichs unabhängig zu machen. Doch die Amerikaner werden bereits von arabischen Söldnern empfangen. Letztlich wurden aber beide Seiten verraten, denn eine Rückreise in die Zukunft ist nicht möglich. Man muss sich abfinden, in der fernen Vergangenheit gestrandet zu sein und kann nur feststellen, dass die Zukunft unter dem Projekt mehr Schaden genommen hat, als es ihr genutzt hat.


    • Und natürlich gibt es Unmengen an Werken, die sicher zu empfehlen sind, die ich aber selber noch nicht lesen konnte. Ein eigener Entdeckungsfeldzug ist deswegen auch ein guter Plan.

      Weiterhin möchten wir die Science-Fiction würdigen und werden deshalb neben den bekannten FanFiction-Serien Star Trek: Monitor und Star Trek: Antares am Sonntag, den 26. November eine unabhängige Science-Fictions-Kurzgeschichte hier auf treknews.de veröffentlichen, die hoffentlich alle SF-Fans, aber auch Freunde unser Star Trek-FFs, erfreuen wird.

    Quelle: treknews.de
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    • Hallo Gast - Aufgrund des vielen Spams müssen leider ein paar Fragen beantwortet werden.

      Bitte der Reihe nach durchführen, sonst kann das Captcha nicht erfolgreich abgeschlossen werden...
      Schritt 1: Wenn Picard ein Captain ist, sollte hier ein Haken rein...
      Schritt 2: und wenn es in der Nacht nicht hell ist, sollte hier der Haken raus!
      Schritt 3:

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