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The Architect – Zethra Rezanu: Die Reise von Zarkeeth (Band 1–3)


einz1975

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In einer fernen Zukunft erscheint am Rand der Milchstraße ein Planet, der dort nicht sein dürfte. Niemand weiß, woher er kommt, wer ihn erschaffen hat oder welches Schicksal ihn an diesen einsamen Ort geführt hat. Doch er ist da – still, fremd und unaufhaltsam auf seiner Bahn durch das Nichts. Sein Name ist Vaelios Prime. Auf diesem Planeten herrscht Königin Vaelrith, eine grausame Despotin mit einem ungewöhnlichen Eroberungsfeldzug. Sie führt keinen Krieg mit Waffen, Flotten oder Zerstörung, sondern mit Täuschung, Manipulation und psychologischer Gewalt. Ihre Macht liegt in der Kontrolle über Erinnerungen. Sie löscht die Vergangenheit ganzer Völker aus, raubt ihnen ihr kulturelles Erbe, ihre Geschichte und letztlich ihre Identität. So wird sie Teil ihrer Gedanken und unterwirft eine Welt nach der anderen, ohne dass diese sich dessen bewusst sind. Gegen diese Bedrohung wird der Schüler Zethra Rezanu entsandt. Seine Aufgabe: das Wirken der Königin zu beenden und die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Im ersten Buch begibt sich Zethra Rezanu direkt ins Herz der Finsternis, nach Vaelios Prime. Sein Weg ist geprägt von Vorsicht, List und Selbstreflexion. Er muss nicht nur seine Gegner verstehen, sondern auch seine eigenen Lehrmeister hinterfragen, um zu begreifen, wer Königin Vaelrith wirklich ist und wie ihre Macht funktioniert. Der Autor wählt dabei einen ungewöhnlichen erzählerischen Ansatz. Der Text wirkt weniger wie ein klassischer Science-Fiction-Roman, sondern eher wie eine moderne Sage. Kurze, teilweise fragmentarische Sätze, manchmal nur einzelne Worte, erzeugen eine blumige, fast poetische Sprache, die bewusst erhöht und bedeutungsschwer daherkommt. Trotz des futuristischen Settings bleibt der Kern der Geschichte schnell erfassbar: der Widerstand gegen Unterdrückung, gegen das Vergessen der eigenen Vergangenheit, der Kampf für jene, die sich nicht selbst verteidigen können. Das Böse muss entlarvt, die Schatten ans Licht gezerrt werden. Revolution, Kampf, Tod und der Sturz alter Mächte stehen im Zentrum. Doch bleibt es dabei?

Leider ja. Inhaltlich setzt sich das zentrale Motiv auch im zweiten Band fort. Hier stellt sich Zethra göttergleichen Wesen wie Hades und Zeus entgegen. Wieder geht es um Herrschaft, Kontrolle und Unterdrückung, diesmal nicht nur des Geistes, sondern auch des Körpers. Die Freiheit des Denkens allein genügt nicht, auch die physische Existenz soll befreit werden. Im dritten Band verschiebt sich der Fokus etwas. Zethra gerät in einen Konflikt mit Piraten und einem Netzwerk von Menschenhändlern, das zerschlagen werden muss. Dieser Teil wirkt greifbarer und konkreter, fast bodenständiger als die vorherigen Bände. An Zethras Seite steht dabei stets sein treues holografisches Interface Intel, das ihm mit Analysen und Ratschlägen zur Seite steht. Auch seine Lehrmeister bleiben präsent, meist im Hintergrund, doch sie sind der eigentliche Antrieb seines Handelns und seiner moralischen Überzeugungen.

Der Geschichte mangelt es nicht an Fantasie, wohl aber an einer klaren, gut lesbaren Struktur. Die Handlung entfaltet sich häufig in bruchstückhaften Szenen, die Figuren agieren eher symbolisch als greifbar, und selbst Dialoge wirken mitunter wie Auszüge aus einem Gebets- oder Lehrbuch. Dies führt dazu, dass man als Leser gedanklich leicht abschweift. Die Mischung aus Mythologie, Religion, Science Fiction, Sagenwelten und revolutionären Ideen ist im Ansatz interessant und ambitioniert. Ab dem dritten Band gewinnt der Text auch etwas mehr Halt und Klarheit. Dennoch fehlen in der Gesamtschau grundlegende erzählerische Bausteine: klare Spannungsbögen, nachvollziehbare Entwicklungen und emotionale Nähe zu den Figuren. Die Themen selbst sind spannend, die Ideen stellenweise ungewöhnlich, und Zethra Rezanu bleibt, trotz seiner oft schwer greifbaren Darstellung, ein sympathischer Held. Insgesamt richtet sich die Reihe jedoch eher an Leserinnen und Leser, die experimentelle und unkonventionelle Texte schätzen, weniger an ein klassisches Science-Fiction-Publikum.

Fazit:
Sagen erzählen ihre Geschichten oft in umständlichen, symbolhaften Sätzen und zielen auf Moral, Erkenntnis und innere Wandlung ab. The Architect folgt genau diesem Prinzip. Bedeutungsvolle Dialoge und stark aufgeladene Ereignisse formen eine fragmentierte Erzählung, zu der der Zugang nicht leichtfällt. Gut und Böse sind schnell erkennbar, doch das tatsächliche Geschehen wirkt häufig wie ein trüber Spiegel: Der Kontext ist vorhanden, aber nicht immer klar sichtbar. Ob dies eine bewusste Stilentscheidung des Autors oder eine erzählerische Schwäche ist, bleibt offen. Für den Leser ist es in jedem Fall herausfordernd. Science Fiction ist zwar vorhanden, dient jedoch meist nur als Rahmen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Befreiung von Geist und Körper, die Suche nach Erkenntnis und der Sturz von Machtstrukturen. Ein ungewöhnlicher Text, der seine Leserschaft finden wird, gerade weil er sich dem Gewöhnlichen verweigert.

Matthias Göbel

Autor: The Architect
Taschenbuch: je 100 Seiten
Veröffentlichung: 08.08.2025
Verlag: Selfpublisher
ISBN: 9798297164680

Zethra Rezanu

 

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Bearbeitet von einz1975
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