Zum Inhalt springen
The Meatpeople you can trust!

Lawrence M. Krauss – Ein Universum aus Nichts … und warum da trotzdem etwas ist


einz1975

Empfohlene Beiträge

Der Mensch verlässt sich seit jeher auf seine Sinne. Sehen, hören, schmecken, riechen und all das hilft uns, unsere Umwelt und letztlich auch unser eigenes Dasein zu begreifen. Als die ersten Astronomen ihren Blick in den Himmel richteten, wussten sie noch nicht, was sie dort tatsächlich sahen. Es fehlten Begriffe, Modelle und Zusammenhänge. Erst Jahrhunderte später entstanden Theorien, die heute teilweise schon zum Schulwissen gehören. Und dennoch: Trotz aller Fortschritte gibt es weiterhin offene Fragen, neue Entdeckungen und grundlegende Probleme, die noch immer nach Antworten verlangen. Eine der zentralsten Fragen lautet dabei: Wie hat alles begonnen? Entstand das Universum tatsächlich aus dem „Nichts“ und durch den folgenden Urknall oder ist die Geschichte komplexer, als es dieses „einfache“ Bild vermuten lässt?

Professor Lawrence M. Krauss, Physiker und Astronom, widmet sich genau dieser Frage. In Ein Universum aus Nichts greift er eines der faszinierendsten und zugleich schwierigsten Themen der modernen Kosmologie auf. Krauss ist bekannt dafür, komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären, ohne dabei zwingend naturwissenschaftliches Vorwissen vorauszusetzen. Auch in diesem Buch verfolgt er diesen Ansatz: Er führt den Leser schrittweise an physikalische Grundbegriffe heran, erklärt Gesetzmäßigkeiten und zeigt, wie einzelne Theorien miteinander verknüpft sind. Im Zentrum steht dabei der Begriff des „Nichts“. Das Universum ist unvorstellbar groß, seine Ausdehnung nur mit gigantischen Zahlen zu erfassen und ebenso verhält es sich mit der Zeit. Doch was war vor all dem? Gab es tatsächlich einen Zustand des absoluten Nichts, aus dem Raum, Zeit, Materie und Energie entstanden sind? Und existiert dieses Nichts vielleicht noch immer, verborgen hinter dem, was wir beobachten können?

Krauss macht deutlich, dass „nichts sehen“ nicht gleichbedeutend mit „nichts ist da“ ist. Selbst der scheinbar leere Raum ist erfüllt von Strahlung, Teilchen, Feldern und Energie. Begriffe wie Quantenfluktuationen, dunkle Materie und dunkle Energie spielen dabei eine zentrale Rolle. Der Autor stellt spannende Fragen: Lässt sich die Masse einer Galaxie oder gar des gesamten Universums berechnen? Werden dabei wirklich alle Energieformen berücksichtigt – Gase, Strahlung, Vakuumenergie? Und wie kann man überhaupt nachweisen, dass dunkle Energie existiert? Ebenso erklärt Krauss die Bedeutung der Antimaterie als Gegenpol zur Materie und ihre Rolle in der Entstehungsgeschichte des Kosmos. Eine übergeordnete Rolle nimmt dabei Albert Einstein ein. Auch wenn dieser selbst keine tiefgehende Astronomie betrieb, bilden seine Relativitätstheorien den Grundstein vieler moderner kosmologischer Modelle. Krauss zeigt eindrucksvoll, wie stark Einsteins Ideen die heutige Forschung prägen und teils sogar dort, wo Einstein selbst noch Zweifel hatte.

Trotz der komplexen Materie verliert das Buch nie vollständig seinen Unterhaltungswert. Krauss streut immer wieder humorvolle oder ironische Anmerkungen ein, etwa wenn er darauf eingeht, dass selbst die Kirche den Urknall akzeptierte und ihn einst als Beweis göttlichen Handelns deutete, eine Haltung, die heute deutlich vorsichtiger formuliert wird. Gleichzeitig wirft er große Fragen auf: Leben wir in einem flachen oder gekrümmten Universum? Expandiert es ewig oder wird es eines Tages wieder kollabieren? Wird am Ende erneut ein „Nichts“ stehen? Denn so gewaltig das Universum auch ist, unendlich ist es vermutlich nicht. In unvorstellbar ferner Zukunft, in vielen Billionen Jahren, könnte es vergehen. Und was dann geschieht, bleibt offen: Vielleicht ein neuer Urknall, vielleicht etwas völlig anderes. Abgerundet wird das Buch durch ein Nachwort von Richard Dawkins, das Krauss’ Perspektive noch einmal zuspitzt und die philosophischen Implikationen der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse hervorhebt.

Fazit:
Das Universum ist ein Konstrukt, das uns zeitlich weit überdauern wird. Doch woher stammt es? Warum existieren Sterne, Planeten, Materie und Energie überhaupt? Lawrence M. Krauss begibt sich auf eine faszinierende Suche nach dem Ursprung von allem und präsentiert dabei zahlreiche spannende Erkenntnisse. Nicht alles ist für Laien leicht zugänglich, manche Passagen fordern Konzentration und Durchhaltevermögen. Dennoch bleibt das Buch stets lebendig und selten trocken. Besonders die Einbindung verschiedener Wissenschaftler, ihrer Theorien und historischen Entwicklungen verleiht dem Werk Tiefe und Kontext. Krauss zeigt eindrucksvoll, wie viel wir bereits über das Universum wissen und wie viel noch im Dunkeln liegt. Ob Urknall, Multiversum, Expansion oder kosmisches Ende: Dieses Buch macht deutlich, dass das „Nichts“ im physikalischen Sinne vermutlich gar nicht existiert – zumindest nicht in unserem Universum. Eine lehrreiche und gedankenanregende Reise durch Physik und Astronomie.

Matthias Göbel

Autor: Lawrence M. Krauss
Übersetzung: Helmut Reuter
Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Penguin Verlag
Veröffentlichung: 10.04.2018
ISBN: 9783328103097
 

71o6uPTMvSL._SL1500_.jpg

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Bitte melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen

Du kannst nach der Anmeldung einen Kommentar hinterlassen



Jetzt anmelden
  • Bilder

×
×
  • Neu erstellen...

Wichtige Information

Diese Seite verwendet Cookies um Funktionalität zu bieten und um generell zu funktionieren. Wir haben Cookies auf Deinem Gerät platziert. Das hilft uns diese Webseite zu verbessern. Du kannst die Cookie-Einstellungen anpassen, andernfalls gehen wir davon aus, dass Du damit einverstanden bist, weiterzumachen. Datenschutzerklärung Beim Abensden von Formularen für Kontakt, Kommentare, Beiträge usw. werden die Daten dem Zweck des Formulars nach erhoben und verarbeitet.