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Kyle West – The Wasteland Chronicles: Apocalypse – Band 1


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Im Jahr 2030 trifft ein verheerender Meteorit die Erde und stürzt die Menschheit in den Abgrund. Der Einschlag des später „Ragnarok“ genannten Himmelskörpers verwüstet den Planeten nachhaltig, verdunkelt den Himmel und macht weite Teile der Erde unbewohnbar. Um zumindest einen Bruchteil der Bevölkerung zu retten, errichtet die US-Regierung ein Netz aus autarken Hochsicherheitsbunkern. Tief unter der Erde entsteht eine neue, abgeschottete Gesellschaft, mit eigenen Regeln, Strukturen und einer ständigen Angst vor dem, was draußen lauert. Als Ragnarok einschlägt, ist Alex Keener noch nicht einmal geboren. Er gehört zu der seltenen Generation, die ihr gesamtes Leben innerhalb eines dieser Bunker verbracht hat. Bunker 108, seine Heimat, beherbergt etwas mehr als vierhundert Menschen: Soldaten, Wissenschaftler, Ingenieure, Mediziner und Botaniker und jeder Einzelne trägt seinen Teil dazu bei, das fragile Gleichgewicht des Überlebens aufrechtzuerhalten. Regelmäßige Erkundungsmissionen an die Oberfläche sind dabei unerlässlich, denn die Gefahren der Ödnis sind allgegenwärtig. Marodierende Banden, mutierte Tiere und unvorhersehbare Umweltbedingungen machen jede Mission zu einem riskanten Unterfangen. Doch Ragnarok hat nicht nur Zerstörung gebracht, auch etwas Unbekanntes, Dunkles ist mit ihm auf die Erde gekommen. Und ausgerechnet Alex wird eine Schlüsselrolle dabei spielen, dieses Geheimnis aufzudecken und aufzuhalten.

Im ersten Band der Reihe lernen wir Alex Keener und die raue Welt kennen, in der er aufgewachsen ist. Kyle West nimmt sich ausreichend Zeit, seinen jungen Protagonisten einzuführen und dessen Umfeld glaubwürdig aufzubauen. Besonders prägend ist Alex’ Vater, ein Wissenschaftler, der eine Entdeckung macht, deren Tragweite weit über den Bunker hinausreicht. Ergänzt wird das Figurenensemble durch weitere Bewohner von Bunker 108, darunter auch ein junges Mädchen, dessen Gefühle für Alex über reine Freundschaft hinausgehen. Dieser Aspekt wirkt stellenweise etwas unbeholfen, erfüllt jedoch seinen Zweck und verleiht der Geschichte eine emotionale Komponente. Der Wendepunkt der Handlung tritt ein, als Alex an einer Erkundungsmission teilnehmen muss. Auf der Straße finden sie einen schwer verletzten Mann, übersät von Messerstichen, dem Tod näher als dem Leben. Er stammt aus einem anderen Bunker und wird mitgenommen. Diese Begegnung markiert den Beginn von Alex’ eigentlicher Reise und stößt eine Kette von Ereignissen an, die sein Weltbild für immer verändern werden.

Die folgenden Kapitel sind stellenweise nichts für schwache Nerven. In dieser postapokalyptischen Welt gilt einzig das Recht des Stärkeren, besonders außerhalb der schützenden Bunkerwände. Gewalt, Brutalität und moralische Grauzonen gehören zum Alltag. Dass Alex gezwungen sein wird, immer mehr Zeit in der Ödnis zu verbringen, hätte er sich nie vorstellen können und doch wird genau das zu seinem Schicksal. Kyle West überzeugt mit einem flüssigen, angenehm zu lesenden Schreibstil. Die zahlreichen Dialoge wirken lebendig, die Beschreibungen sind detailreich, ohne zu überladen zu sein. Wichtige Figuren erhalten genügend Raum, um Tiefe und Motivation zu entwickeln. Besonders gelungen ist der Wechsel zwischen ruhigen, erklärenden Passagen und intensiven, actiongeladenen Szenen. Die Kämpfe ums Überleben sind drastisch und teilweise sehr explizit geschildert, mitunter sogar etwas zu detailverliebt, was jedoch zur gnadenlosen Atmosphäre der Geschichte passt.

Der Science-Fiction-Anteil bleibt insgesamt eher zurückhaltend, zumindest was futuristische Technik oder fortschrittliche Entwicklungen betrifft. Stattdessen liegt der Fokus klar auf den Menschen selbst: auf ihren Ängsten, Entscheidungen und dem moralischen Verfall nach der Katastrophe. Denn nach der ersten Apokalypse durch den Meteoriteneinschlag kündigt sich bereits die nächste Bedrohung an. Obwohl es viele thematisch ähnliche Geschichten gibt, gelingt es Kyle West, bekannte Motive zu bündeln und in eine spannende, eigenständige Handlung zu überführen. Die Spannung bleibt konstant hoch, auch in den ruhigeren Momenten und man folgt Alex’ Weg mit großem Interesse. Dieser Auftakt zu The Wasteland Chronicles ist äußerst gelungen. Der Leser erhält genügend Hintergrundinformationen, ohne überfordert zu werden, und wird gleichzeitig so sehr in die Geschichte hineingezogen, dass man unbedingt weiterlesen möchte. Man fiebert mit Alex, hofft auf sein Überleben und darauf, dass Kyle West diese Reihe konsequent und auf diesem Niveau fortführt.

Fazit:
„Fallout“ lässt grüßen! In einem Bunker aufzuwachsen und die Welt außerhalb nur aus Bildern und alten Filmen zu kennen, ist das eine, sie dann als zerstörte, brutale Ödnis zu erleben, etwas völlig anderes. Der Meteorit Ragnarok hat unermesslichen Schaden angerichtet, doch noch verheerender ist das, was er mitgebracht hat. Kyle West verfolgt einen klaren, kompromisslosen Erzählstil und überrascht dennoch immer wieder mit unerwarteten Wendungen. Logische Handlungsstränge, nachvollziehbare Entscheidungen und detailreiche Beschreibungen treffen auf harte Action und eine durchgehend düstere Stimmung. The Wasteland Chronicles: Apocalypse ist weit mehr als eine klassische Coming-of-Age-Geschichte. Es geht um das Überleben des Einzelnen, der Gemeinschaft und letztlich der gesamten Menschheit. Der Sci-Fi-Anteil ist zwar nicht dominant, wird jedoch durch interessante wissenschaftliche und gesellschaftliche Aspekte ergänzt. Ein starker, fesselnder Auftakt und definitiv empfehlenswert für alle Fans von Endzeitthrillern und dystopischen Szenarien.

Matthias Göbel

Autor: Kyle West
Taschenbuch: 310 Seiten
Verlag: Ragnarok Press
Veröffentlichung: 05.12.2012
ISBN: 9781492100973

www.kylewestbooks.com

 

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