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...denn im Dunkeln ist gut munkeln

Cédric Bannel – Die Formel


einz1975

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Die Entdeckung der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit war weit mehr als ein kurzer medizinischer Schrecken, sie offenbarte auf drastische Weise, wie anfällig der Mensch gegenüber unsichtbaren Bedrohungen sein kann. Prionen, fehlgefaltete Eiweiße, zerstören unwiederbringlich das Gewebe des Gehirns. Besonders beängstigend ist, dass Betroffene oft jahrzehntelang nichts bemerken, bis die Krankheit plötzlich ausbricht und innerhalb weniger Wochen tödlich verläuft. Genau diese Krankheit scheint sich im Laufe der Jahre womöglich weiter verbreitet zu haben, als die Wissenschaft ursprünglich annahm. Eine geheime Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ein erheblicher Teil der Europäer betroffen sein könnte. Als der britische Premierminister davon erfährt und gleichzeitig ein Wissenschaftler, der seit Jahrzehnten an einer Heilung arbeitet, ermordet wird, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Seine Formel zur Heilung wurde gestohlen, und nun muss ein ungewöhnliches Einsatzteam losziehen, um eine globale Katastrophe zu verhindern.

Wenn man vom sogenannten Rinderwahn beziehungsweise der damit verbundenen Variante der Krankheit hört, möchte man beinahe sofort Vegetarier werden und vielleicht ist das gar keine so schlechte Idee. Doch Cédric Bannel beginnt seinen Roman überraschend anders, als man zunächst erwartet. Wir lernen zunächst den Psychiatrieprofessor Francis Foster kennen, der bereits mehrfach für die Regierung gearbeitet hat und nun ein Team zur Seite gestellt bekommt, um den Anschlag aufzuklären. Ein Auftragskiller, eine deutsche Agentin und ein, nun ja, sagen wir: ein talentierter Dieb. Eigentlich sollte man meinen, dass die britische Regierung genug eigene Spezialeinheiten für einen solchen Fall besitzt, dennoch genießt Foster volles Vertrauen und darf beinahe frei agieren, denn schließlich droht eine Katastrophe, die um jeden Preis verhindert werden muss.

Foster erkennt bald, dass hinter dem Anschlag entweder eine Sekte oder eine hochprofessionelle Terrororganisation stecken muss. Präzise ausgeführt, keine Fehler, keine Spuren. Dennoch glaubt er ein Muster zu erkennen und kommt erstaunlich schnell zu ersten Verdächtigen. Nicht immer erschließt sich dabei, warum er gerade auf manche eher abwegigen Ideen kommt, aber die Handlung muss natürlich vorangetrieben werden. Zwischendurch gibt es etliche Opfer, die fast beiläufig als Kollateralschäden behandelt werden. Etwas, das ich ehrlich gesagt irritierend fand. Folter bis zum Tod oder das Auslöschen ganzer Terrorzellen mit Dutzenden Toten, soll das wirklich der offizielle Weg eines solchen Teams sein? Besonders fragwürdig wirkt das, wenn der Anführer eigentlich ein Psychologieprofessor ist und Probleme eher analytisch lösen sollte. Diese Widersprüche verwirren durchaus, auch wenn die Gespräche innerhalb des Teams zumindest dazu beitragen, einige Figuren näher kennenzulernen. Wirklich tiefgründig werden sie zwar nicht, aber sie bekommen zumindest etwas Kontur.

Was jedoch völlig unnötig und deplatziert wirkt, ist die sich anbahnende Liebesgeschichte: ein Mann, mehr als dreißig Jahre älter als die junge Frau an seiner Seite – muss das wirklich sein? Letztlich stolpert die Gruppe häufig von Zufall zu Zufall und entdeckt immer wieder neue Hinweise eher glücklich als logisch zwingend. Dabei sind viele Actionszenen durchaus spannend beschrieben: hier ein Einbruch, dort ein heimliches Eindringen und Datendiebstahl, dann wieder der Zugriff auf eine stark gesicherte Anlage. Das liest sich unterhaltsam und temporeich. Es gibt auch kurze Momente, in denen man die Gegenspieler näher kennenlernt, doch leider werden diese so plump und stereotyp dargestellt, dass sie kaum mehr als gesichtslose Fassaden bleiben. Schade eigentlich, denn aus der Grundidee hätte sich deutlich mehr machen lassen.

Fazit:
Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gehört ohne Zweifel zu den großen medizinischen Schrecken der Moderne. Eine Geschichte um eine mögliche Heilung und deren Sabotage bietet enormes Thriller-Potenzial. Cédric Bannel bemüht sich von Anfang an, die Spannung hochzuhalten. Er beschreibt die einzelnen Schritte, die Verschwörung und die Grundidee hinter allem durchaus packend, auch die Dialoge funktionieren meist ordentlich. Doch zu viele Zufälle, teils unmögliche Gedankensprünge, problematische Gewalt als Mittel der Informationsbeschaffung und die überflüssige Liebesgeschichte waren für mich letztlich zu viel. Weniger Umwege, mehr Klarheit in den Ermittlungen, ein glaubwürdigerer Umgang mit Gewalt und vor allem ein stärker ausgearbeiteter Gegner hätten dem Roman gutgetan. So bleibt ein solider, aber eher einfacher Thriller mit typischen Agentenmomenten und wenig echter Tiefe bei seinen Figuren. Empfehlenswert vor allem für Leser, die gern Agententeams bei der Arbeit beobachten und dabei nicht allzu sehr hinterfragen möchten, warum und wie sie zu ihren Lösungen gelangen.

Matthias Göbel

Autor: Cédric Bannel
Übersetzung: Stephanie Haan, Chistiane Landgrebe
Taschenbuch: 412 Seiten
Verlag: RM Buch und Medien Vertriebs-GmbH
Veröffentlichung: 2009
ISBN: 01026533
 

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