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...die spezielle Spezialeinheit

Gabriel Kerguelen – Olympus: Der Preis der Sterne – Band 2 – Die Quantenflüsse


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Mit „Uluru“ hatte alles begonnen. Ein französischer Wissenschaftler macht im australischen Outback eine unglaubliche Entdeckung. Ein Molekül, das ursprünglich mit einer dort heimischen Spinnenart in Verbindung steht, scheint zunächst beinahe wundersame medizinische Eigenschaften zu besitzen. Krankheiten können gelindert, der Körper regeneriert und der Alterungsprozess beeinflusst werden. Doch das ist nur der Anfang. Schon bald wird deutlich, dass die Substanz noch eine weitere, wesentlich außergewöhnlichere Eigenschaft besitzt: Sie ermöglicht es dem menschlichen Bewusstsein, sich auf eine Reise durch den Weltraum zu begeben. Joaquim Moreau hat für diese Erkenntnis einen hohen Preis bezahlt. Nach den Ereignissen des ersten Bandes liegt er im Koma und viele Menschen haben bereits ihr Leben verloren. Dennoch steht die Menschheit erst am Anfang einer Entwicklung, deren Folgen kaum abzusehen sind. Denn die Substanz ist Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite stehen Gesundheit, Regeneration und ein beinahe grenzenloses Gefühl von Frieden. Auf der anderen Seite entwickelt sich genau dieser Zustand zunehmend zu einer Gefahr. Das Mittel nimmt vielen Menschen ihren Antrieb. Arbeit, Ehrgeiz, Verantwortung und selbst das Wohlergehen anderer verlieren an Bedeutung. Eine Gesellschaft, die eigentlich von einer medizinischen Revolution profitieren sollte, beginnt langsam in Lethargie und Apathie zu versinken. Und während die Folgen auf der Erde immer deutlicher werden, eröffnet sich gleichzeitig eine völlig neue Möglichkeit. Die Reisen durch das Bewusstsein führen längst nicht mehr nur zum Mars.

Gabriel Kerguelen steigt in „Olympus“ angenehm ruhig ein und fasst die wichtigsten Ereignisse aus dem ersten Band noch einmal zusammen. Das ist besonders hilfreich, da seit den Ereignissen aus „Uluru“ einiges passiert ist. Joaquim Moreau erwacht nach vier Monaten aus seinem Koma in einer Welt, die sich während seiner Abwesenheit drastisch verändert hat. Während das Medikament inzwischen zu hohen Preisen angeboten und zunehmend verbreitet wird, konzentrieren sich die großen Wissenschaftsorganisationen auf das zweite Geheimnis der Substanz: die sogenannten Quantenflüsse. Unsichtbare Strukturen oder Strömungen im Raum scheinen es dem menschlichen Bewusstsein zu ermöglichen, enorme Entfernungen zu überwinden. Was zunächst wie eine wissenschaftliche Sensation wirkt, entwickelt sich schnell zu einem internationalen Wettlauf. Nicht nur die NASA interessiert sich für diese Möglichkeit. Auch andere Nationen beginnen mit eigenen Programmen und Forschungen. Die Frage lautet bald nicht mehr nur, ob diese Reisen möglich sind, sondern wer als Erster versteht, wie sie funktionieren und wie weit sie führen können. Die Kontrolle über diese neuen Wege durch das All könnte langfristig ebenso bedeutend werden wie einst die Kontrolle über Handelswege oder Rohstoffe auf der Erde. Natürlich gibt es auch ein Wiedersehen mit bekannten Figuren. Besonders interessant ist die Rückkehr einer Mitarbeiterin Joaquims, die lange für tot gehalten wurde. Gleichzeitig bleibt eine der wichtigsten Fragen des ersten Bandes bestehen: Wie soll es ohne die ursprünglichen Spinnen weitergehen? Die Region, aus der sie stammen, wurde zerstört und die verbliebenen Exemplare scheinen ebenfalls nicht mehr lange zu überleben. Das Geheimnis der Substanz und damit auch die Zukunft der Quantenreisen geraten dadurch zunehmend unter Druck.

Im Vergleich zum ersten Band hat Gabriel Kerguelen seine Figuren diesmal meiner Meinung nach besser im Griff. Die wichtigsten Charaktere erhalten mehr Raum und wirken dadurch greifbarer. Joaquim bleibt eine zentrale Figur, doch auch andere Beteiligte bekommen Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln. Die kurzen zusätzlichen Perspektivwechsel und kleinen Nebengeschichten hat der Autor allerdings beibehalten. Nicht jeder dieser Handlungsstränge bringt die Hauptgeschichte gleichermaßen voran, dennoch erweitern sie den Blick auf die Auswirkungen der Ereignisse. Neu hinzu kommt unter anderem eine junge Frau, die zunächst wie eine eher nebensächliche Figur erscheint. Im weiteren Verlauf wird jedoch deutlich, dass sie für die Gegenseite und die Entwicklung der Handlung eine wesentlich größere Bedeutung besitzt, als man zunächst vermutet. Besonders interessant sind erneut die Reisen selbst. Während „Uluru“ zunächst die Grundlagen dieser außergewöhnlichen Bewusstseinsreisen gelegt hat, geht „Olympus“ deutlich weiter. Die Quantenflüsse werden technischer und wissenschaftlicher beschrieben. Physikalische Überlegungen fließen ebenso in die Handlung ein wie spekulative Science Fiction, Fantasie und mythologische Elemente. Dabei stellt sich zunehmend heraus, dass der moderne Mensch möglicherweise keineswegs der Erste ist, der diese Wege durch das All entdeckt hat. Das Erbe und Wissen der Aborigines spielt eine immer größere Rolle. Was im ersten Band noch wie ein verborgenes Geheimnis erschien, wird nun nach und nach weiter enthüllt. Gleichzeitig geraten dieses Wissen und die Menschen, die es bewahren wollen, zunehmend in Gefahr. Denn wenn es eine besondere Spinne und eine einzigartige Substanz gegeben hat, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob es nicht noch weitere Quellen geben könnte. Und wer entscheidet eigentlich, wer Zugang zu diesem Wissen erhält? Wie bereits im ersten Band gehören für mich die Reisen zu den Himmelskörpern unseres Sonnensystems zu den Höhepunkten des Romans. Kerguelen beschreibt die einzelnen Welten mit viel Begeisterung und greift dabei ihre besonderen Eigenschaften auf. Die Reise durch das Sonnensystem wird dadurch nicht nur zu einem klassischen Science-Fiction-Abenteuer, sondern auch zu einer Entdeckungsreise.

Gleichzeitig erweitert sich die Geschichte zunehmend über die bekannten Grenzen hinaus. Die Quantenflüsse verbinden offenbar mehr miteinander, als die Menschen zunächst vermuten. Raum, Zeit und Bewusstsein erhalten eine neue Bedeutung. Mit jeder Reise wächst die Erkenntnis, dass die Menschheit möglicherweise erst einen winzigen Teil eines wesentlich größeren Systems verstanden hat. Natürlich gibt es auch in „Olympus“ wieder die eine oder andere längere Ausschweifung. Manche Handlungsstränge greifen nicht immer perfekt ineinander und einige Figuren wirken eher wie zusätzliche Ideen, die der Autor interessant fand, für den Hauptplot aber nicht zwingend notwendig gewesen wären. Doch die eigentliche Stärke des Romans liegt ohnehin woanders. In seiner Science Fiction, in seinen Ideen und vor allem in der Faszination für das Unbekannte. Kerguelen verbindet die wissenschaftliche Spekulation über Quantenphänomene und Bewusstsein mit einer sehr eigenen Vorstellung davon, wie die Menschheit eines Tages die Grenzen des Sonnensystems überwinden könnte. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung auf der Erde ein wichtiger Gegenpol. Denn während einige Menschen zu den Sternen reisen wollen, beginnt die Gesellschaft zu zerfallen. Das Medikament, das eigentlich Heilung und Frieden bringen sollte, entwickelt sich zunehmend zu einer Gefahr für die gesamte Zivilisation. Gerade dieser Gedanke funktioniert erschreckend gut. Was wäre, wenn die Menschheit tatsächlich ein Mittel gegen Krankheit, Alter und Schmerz entwickeln würde, dieses aber gleichzeitig unseren Antrieb und unseren Willen zur Veränderung zerstören könnte? Der wissenschaftliche Fortschritt wird in „Olympus“ damit nicht automatisch als Rettung dargestellt. Jede Entdeckung hat ihren Preis. Und je weiter die Menschheit reist, desto größer wird dieser möglicherweise.

Fazit:
Gabriel Kerguelen kann auch mit dem zweiten Band seiner Reihe „Der Preis der Sterne“ überzeugen. „Olympus“ setzt direkt an den Ereignissen des ersten Bandes an, nimmt sich aber gleichzeitig ausreichend Zeit, neue Leser wieder in die Geschichte einzuführen. Die Figuren funktionieren dieses Mal besser und erhalten mehr Tiefe. Joaquim Moreau bleibt ein interessanter Mittelpunkt der Handlung, während einige zusätzliche Charaktere das Gesamtbild sinnvoll erweitern. Die Gegenseite bleibt für meinen Geschmack allerdings erneut etwas blasser und nicht jeder Nebenhandlungsstrang ist wirklich notwendig. Das Reisen zu den Sternen bleibt hingegen das Element, das diese Reihe besonders macht. Die Idee, dass nicht der menschliche Körper, sondern das Bewusstsein selbst durch das All reist und anschließend wieder zurückkehrt, ist faszinierend. Kerguelen erweitert dieses Konzept in „Olympus“ deutlich und verbindet Fantasie mit wissenschaftlichen Überlegungen rund um Quantenphänomene, Raum und Bewusstsein. Auch die Entwicklung auf der Erde ist gelungen. Die gesellschaftlichen Folgen des Medikaments sind teilweise erschreckend, aber innerhalb der Geschichte durchaus nachvollziehbar. Ein Mittel, das Gesundheit, Frieden und Regeneration verspricht, könnte gleichzeitig die Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft zerstören. „Olympus“ ist dadurch mehr als nur eine Geschichte über Reisen durch das All. Es geht um wissenschaftlichen Fortschritt, Macht, Kontrolle und die Frage, ob die Menschheit überhaupt bereit ist für die Möglichkeiten, die sie entdeckt. Wer klassische Raumschiff-Action erwartet, wird hier nicht fündig. Wer jedoch Freude an ungewöhnlichen Science-Fiction-Ideen, wissenschaftlicher Spekulation und Reisen zu fremden Welten hat, bekommt eine sehr eigenständige Fortsetzung. Für mich ist Band zwei eine gelungene Erweiterung der Reihe. Nicht jeder Handlungsstrang funktioniert perfekt und einige Ausschweifungen hätte man durchaus etwas kürzer halten können. Doch die Faszination der Grundidee trägt den Roman. Wer Science Fiction abseits des üblichen Mainstreams sucht und bereit ist, sich auf eine ungewöhnliche Reise zwischen Wissenschaft, Mythologie, Bewusstsein und den Sternen einzulassen, sollte Gabriel Kerguelens Reihe unbedingt eine Chance geben!

Mattias Göbel

Autor: Gabriel Kerguelen
Verlag: Monolitix Press
Taschenbuch: 556 Seiten
Veröffentlichung: 13.01.2026
ISBN: 9791097902476

www.amazon.de

 

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