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...so krass wie die Angst!
  • Monitor - 2x04: Die richtige Entscheidung

    Spieglein, Spieglein...
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    • TheOssi
    John Lewinski bekommt Besuch von seinem älteren Ich aus der Zukunft, daß ihm von einer Katastrophe berichtet, die über die Föderation einbrechen wird. Gemeinsam stehlen sie die Monitor und versuchen das Chaos zu verhindern. Unterdessen ist Danny Bird ins Spiegeluniversum entführt worden, wo er beim Bau einer Waffe, die den Rebellen gegen die Allianz gebrauchen können, helfen soll.

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    Monitor 2x04 "Die richtige Entscheidung"
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    Auf der Nordhalbkugel der Erde brach ein neuer Tag an. Die meisten Leute waren inzwischen losgegangen, um ihren üblichen Beschäftigungen nachzugehen. John Lewinksi war nun alleine im Haus seiner Schwester. Abby und ihr Mann George hatte sich auf den weg in die Schule gemacht, bereit, Kinder in den Künsten des Lebens zu unterweisen. Lewinksi seufzte und trank seinen Kaffee. Er hatte immer noch 5 Tage Sonderurlaub vor sich und die wollte er auch weiterhin voll auskosten. Die Umgebung Vancouvers war wundervoll. Der Kommandant der Monitor hatte die letzten Tage damit verbracht, viel spazieren zu gehen und sich den Dingen zu widmen, zu denen er auf einem Raumschiff nicht kam. Dazu gehörte auch, dass er viel las und sich einige Stationen seiner Kindheit ansah. Lewinski war zufrieden mit seinem Leben. Es klingelte. John durchschritt das gemütliche Wohnzimmer und öffnete die Tür. Was er nun zu sehen bekam, ließ ihn die Kaffeetasse fallen lassen.
    „Hallo John.“
    Vor ihm selbst stand eine ältere Version seiner Selbst. Und sie lächelte ihn an.

    Lieutenant Danny Bird legte die Uniform an und aß noch einen letzten Bissen. Er hatte sich überreden lassen, als Gastdozent über taktische Systeme auf der Akademie zu referieren. Der Leiter der Akademie, ein bolianischer Admiral war auf ihn zugegangen und Danny hatte spontan zugesagt, da er sich, auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte, langweilte. Er vermisste inzwischen den Weltraum, das Abenteuer. Noch 5 Tage, dann ging es wieder los. Es klingelte und Danny öffnete. Die Person, die vor ihm stand, war ihm nicht unbekannt.
    „Chief O´Brien!“
    Den ehemaligen Chefingenieur von DS 9 hatte er bei einem Besuch auf der Akademie kennen gelernt. Der Ire referierte dort über grundlegende Technik.
    „Kommen sie herein! Wie geht es ihnen?“
    Der Mann nickte. Tiefe Falten zeigten sich in seinem Gesicht, er wirkte irgendwie älter als zuvor. Ob er unter Stress stand? Er beschloss ihn darauf anzusprechen.
    „Chief...“
    „Hier, fangen sie!“
    O´Brien warf ihm etwas zu und aus einem Reflex heraus streckte Danny seine Hände nach dem kleinen Chip. Unmittelbar nachdem er ihn gefangen hatte, spürte er ein seltsames Prickeln, als die Konturen des Appartement verschwanden und sie sich beide in einer Lagerhalle wieder fanden. Bird ließ verwirrt en Blick über die vielen Kisten schweifen, während ihn O´Brien fast schon entschuldigend ansah. Es schwang Mitleid in seinen Worten mit, als er erklärte:
    „Willkommen auf Terok Nor, Lieutenant Bird.“

    Lewinski taumelte zurück, während er weiterhin die Gestalt im Auge behielt, die ihm so sehr ähnelte. Sie trat ein, lächelnd und hob die Hand.
    „Keine Angst, John!“
    Doch Lewinksi ließ sich nicht von diesen Worten beeindrucken. Er lief ins Wohnzimmer, gefolgt von dem Fremden und holte einen Phaser aus seiner Reisetasche hervor, den er auf den Eindringling richtete.
    „Keinen Schritt weiter! Ich weiß nicht, auf welche Stufe die Waffe eingestellt ist!“
    Der Eindringling hob beschwichtigend die Hände und benutzte dasselbe gewinnbringende Lächeln, dass Lewinski auch immer benutzte.
    „Hoho, Vorsicht, John. Ich weiß, dass du den Phaser immer auf Betäubung stellst. Dass Ich ihn immer auf Betäubung gestellt habe.“
    Der Captain versuchte sich seine Überraschung nicht zu deutlich anmerken zu lassen und versuchte weiterhin lässig auf den Mann, der sich für ihn ausgab, zu zielen. Doch dies gelang ihm nicht so gut wie vor einigen Sekunden. Misstrauisch musterte er den Mann ein weiteres Mal. Er hatte die selben Augen wie er, die selben Haare, sein Gesicht wirkte nur etwas älter. Einige graue Strähnen zeigten sich im ansonsten vollen Haar und er trug einfache Reisekleidung.
    „Ich weiß, was du jetzt denkst“, merkte der Mann an, „du spekulierst, ob ich chirurgisch verändert wurde. Ich hatte bei Abby immer einen medizinischen Tricorder dabei. Ich schlage vor, du scannst meine DNA.“
    Es war total schwachsinnig, sich von einem Gefangenen (?) zu entfernen, doch tief in seinem Inneren wusste Lewinski, dass er dies tun musste. Er wollte dieses Mysterium lösen, es war wie ein innerer Trieb in ihm. Langsam, den Phaser weiterhin auf den anderen John gerichtet, begab er sich in die Küche und öffnete den Medikamentenschrank, holte den Tricorder hervor. Er war schon etwas älter, ein kleines Mitbringsel von John, als er noch auf der Teneriffa diente, doch er reichte vollkommen aus. Mit der linken Hand nahm John den kleinen Scanner, der normalerweise im Tricorder steckte und sondierte den Mann gründlich. Lewinski nahm sich fast fünf Minuten für die Untersuchung Zeit, während der andere John höflich wartete. Nach endlosem Sondieren war die Sache eindeutig, obwohl es John nicht glaubte: laut dem Tricorder teilten sie beide dieselbe DNA. Die nächsten drei Minuten verbrachte John damit, zu überlegen, wie man die DNA verändern konnte, doch jeder wusste, dass dies unmöglich war, selbst für die Medizin des 24. Jahrhunderts.
    „Na, zufrieden?“ fragte der andere John grinsend, während der Captain frustriert auf ein Sofa sank und erwiderte:
    „Ich glaube, du schuldest mir eine Erklärung.“
    „Klar, die kriegst du. Sag mal, hast du Kaffee?“
    Lewinksi beschloss, dass er auch einen brauchte.

    „Terok Nor? Sie meinen doch Deep Space Nine? Und überhaupt Chief, wie können wir von der Erde nach DS 9 gelangen?“
    Danny gab zwar nicht gerne so etwas zu, ganz besonders nicht vor jungen Crewmitgliedern, aber er war echt verwirrt. Erst besuchte ihn einer der berühmtesten Ingenieure der Sternenflotte, dann gab er ihm etwas und plötzlich waren sie irgendwo, dass der Chief als die berühmte Raumstation bezeichnete.
    „Chief?“
    O´Brien schien nicht auf sein Zurufen zu reagieren, sondern verließ den Frachtraum durch das alte cardassianische Schott. Bird seufzte und folgte dem Iren. Seine Geduld ließ allmählich nach, als sie den Turbolift betraten.
    „Mr. O´Brien, ich würde gerne wissen, was sie mit mir gemacht haben?“
    Immer noch schwieg Miles O´Brien, so als ob er es nicht nötig hätte, einem Mann wie Danny Bird eine Antwort zu geben. Und irgendwie hatte er auch Recht, wenn man die Reaktion Birds bedachte, als sie die OPS betraten. Dies war nicht das Kontrollzentrum, das Bird in Erinnerung hatte. Wo waren die Sternenflotten-Offiziere? Wo die Bajoraner? An den Kontrollen standen nur ein paar schlecht rasierte, ungewaschene Menschen und schauten ihn entweder mit einem wissenden Lächeln oder einem interessierten Blick an. Ein dunkler, langhaariger und vernarbter Mann trat auf ihn und den Chief zu. Seine blaue Kleidung saß eher schlecht und Maschinenfett klebte an ihr und auch der Mann selbst schien ein Bad nötig zu haben. Irgendwas kam Bird an diesem dunklen, pakistanisch anmutenden Mann bekannt vor. Das Gesicht versuchte freundlich zu wirken, doch die Augen, die Hass ausstrahlten, ließen Bird erschaudern. Schließlich unterbrach der Chief die Stille.
    „Captain Bashir, ist etwas passiert in meiner Abwesenheit?“
    Bashir lächelte amüsiert, als er Birds entsetztes Gesicht betrachtete.
    „Nichts, Smiley. Die Allianz hat sich ruhig verhalten.“
    Und nun erkannte Danny Bird die schreckliche Wahrheit, die ihm O´Brien noch einmal sarkastisch präsentierte.
    „Willkommen bei uns, Lieutenant. Ich glaube, sie nennen es die Welt hinter dem Spiegel.“

    Mit sanfter, fast schon wehmütiger Miene strich Johns anderes Ich über die Möbel. Er schien sich jedes Detail einprägen zu wollen, jede Geruchsnuance aufnehmen zu wollen. Dann, plötzlich und ruckartig, riss sich der andere John aus den Erinnerungen und setzte sich an den kleinen Tisch, auf dem Captain Lewinksi einen Kaffee serviert hatte. Captain Lewinski hatte es die letzten Minuten vermieden, etwas zu sagen, gestattete es stattdessen seinem Pendant in Erinnerungen zu schwelgen. Nun aber schien er zum Punkt kommen zu wollen und Lewinksi bedeutete ihm mit der Hand zu sprechen. Wie viele Menschen konnten sich schon selbst auffordern, etwas zu sagen?
    „Ich komme aus dem terranische Jahr 2390“, begann der Zeitreisende und blickte sein jüngeres Ich fest an, „also elf Jahre aus der Zukunft.“
    „Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?“
    Der andere Lewinski nippte kurz an dem Kaffe und genoss das Aroma schmunzelnd, dann versteinerte sich seine Miene jedoch wieder und blickte zum Captain.
    „In der Zukunft, besser gesagt in der Näheren wird eine Katastrophe über die Föderation hereinbrechen!“
    Hatte sein Pendant erwartet, dass Lewinski geschockt war, so musste er wohl aufgrund der neutralen Miene des Captains enttäuscht sein.
    „Wann?“, fragte der Kommandant der Monitor ruhig.
    „In einer knappen Woche.“
    Nun war die Überraschung in Lewinksis Gesicht doch deutlich zu bemerken. Die Sache war scheinbar dringend, also bedeutete er dem Besucher fortzufahren.
    „Ein radikaler Vulkanier namens Rulak...ich denke er gehört zu einer Gruppe die sich übersetzt Der Weg Suraks nennt, wird mittels eines genetischen Virus die Föderation auflösen und den Vulkaniern zur Freiheit verhelfen.“
    Das letzte Wort schien der andere John geradezu auszuspucken, bevor er weiterfuhr:
    „Das Virus wurde auf Vulkan entwickelt. Es ist auf alle Völker der Föderation eingestellt, natürlich bis auf die Vulkanier. In diesem Moment befindet sich Rulak in einem Transporter auf dem Weg zur Erde. Er kehrt von einer Seperatistenbasis in den Badlands zurück. Bei ihm ist das Virus. Es ist anzunehmen, dass er es schon im Raumschiff freigesetzt hat und die Passagiere damit infiziert sind.“
    Der andere John machte eine kurze Pause und musste sich innerlich noch einmal dem Schrecken stellen.
    „In Sekunden sind alle infiziert. Sie sterben langsam, siechen dahin. Der Föderation war es unmöglich ein Gegenmittel zu finden, zumindest jetzt noch nicht. Später wird man rausfinden, dass manche Personen wie auch ich einen Antikörper entwickelt haben, doch es war zu spät. Billionen sind gestorben, John, die Erde ist wüst und leer. Die Leute, die überlebt haben, sind entweder geflüchtet oder werden von dieser vulkanischen Gruppe, die einen Staatstreich durchgeführt hat, unterjocht. Es ist schrecklich.“
    Nun schluckte Captain Lewinski. Was es eben gehört hatte, war eine Schreckensmeldung, die ihresgleichen suchte. Ein Massenexodus der Föderation...
    „Ich nehme an, wir beide sollten dies verhindern. Warnen wir also Command!“
    Der andere John hob sofort abwehrend die Hände.
    „Nein! Command ist schon von der Gruppe infiltriert worden. Sie würden von uns erfahren und den Transport umleiten. Wir...“
    „Können wir nicht die Anti-Körper aus deinem Körper entwenden und die Leute impfen?“
    „Nein. Erstens habt ihr noch nicht die Mittel, und, ich bitte dich, sei realistisch: innerhalb einer Woche könntet ihr nicht die ganze Föderation impfen. Es würden trotzdem Millionen sterben.“
    Sie sahen sich in die Augen und es war nur natürlich, dass beiden klar war, dass beide dieselben Gedanken hatten. Captain Lewinksi eilte schon einmal ins Gästezimmer, um sich fertig zu machen.

    Die Welt hinter dem Spiegel. Umgangssprachlich war es auch als Spiegeluniversum oder
    „Das Paralleluniversum bekannt“ (auch wenn dies nicht wissenschaftlich exakt war).
    Der Föderation und dem Alpha-Quadranten war es schon seit mehr als hundert Jahren bekannt, seit der Zeit von James T. Kirk. Jener glorreiche Pionier der Raumfahrt war während einer harmlosen Außenmission aufgrund eines Transporterunfalls in das Spiegeluniversum geraten, dass ein verzerrtes Abbild der Menschheit zeigte. Dort gab es nicht die Vereinigte Föderation der Planeten, sondern das terranische Empire, dass mit eiserner Hand über ein Gebiet herrschte, dass zweimal so groß wie das der Föderation war. Zahllose Völker waren durch das brutale Bündnis von Menschen und Vulkaniern unterjocht und ausgelöscht worden, es herrschte Barbarei. Die Sternenflotte existierte nicht hauptsächlich, um zu forschen oder zu verteidigen, sondern um die innere Ordnung mit unglaublicher Härte aufrecht zu erhalten. Doch diese Schreckensversion eines Quadranten, diese abstoßende Gesellschaft erschien noch als ein Segen, im Vergleich dazu, was im 24. Jahrhundert auf den Alpha-Quadranten hinzukam. Die Allianz formte sich, ein politisches, wirtschaftliches Bündnis aus Klingonen, Cardassianern, Bajoranern und einem Dutzend anderer Spezies. Es hätte das Äquivalent der Föderation sein können, doch stattdessen wurde es ein militärischer Block, der nur auf eines aus war: die Vernichtung des Empires. In einem langen, blutigen Konflikt, in dem fast der ganze Alpha- und Beta-Quadrant involviert waren, wurde das Empire langsam zurückgedrängt, erst von den Außenwelten, dann schließlich nach Vulkan und der Erde. Und genauso wie das ruchlose Empire kannte die Allianz keine Gnade, als sie den Planten vier Tage und Nächte lang bombardierte, bis der ganze pazifische Ozean verdampft und soviel Staub in die Atmosphäre aufgewirbelt worden war, dass sich aus der Weltraum nur noch schwarze Wolken über aschgrauen Landmassen zeigten. Dann war Vulkan dran. Trotz ihrer Kapitulation wurde auch dieser Planet verwüstet. Das gesamte Raumgebiet des Empire diente nun als gigantisches Gefangenenlager, wo Milliarden von Menschen und Vulkaniern nur einen geringfügig höheren Status als Tiere hatten und eine neue Zeit der Dunkelheit legte sich über den Quadranten. Exekutionen, Arbeitslager, Folterungen, auch von Frauen und Kindern, sind an der Tagesordnung bei der Allianz, die vom brutalen klingonischen Regenten Worf geführt wird. Und abermals sollten Besucher aus dem anderen Universum eine Veränderung einleiten. Aufgrund eines Plasmalecks strandeten Major Kira Nerys und Doktor Julian Bashir in diesem Universum, auf Terok Nor, einem weiteren Internierungslager, indem zahllose Menschen in den Minen schuften mussten. Ihr Besuch stachelte die Leute an, allen voran den alles andere als ehrenwerten Frachterkapitän Ben Sisko und Miles „Smiley“ O´Brien, einen Aufstand anzuzetteln, die große Terranische Rebellion, welche innerhalb kürzester Zeit Terok Nor eroberte und Widerstandszellen in den Badlands und auf Dutzenden von anderen Planeten einrichtete. Wieder einmal zerreißt ein Krieg dieses Universum, ein Krieg, der nur schleppend vorangeht, dank der Hilfe der hier nachgebauten Defiant, die mithilfe unseres Captain Sisko gebaut wurde. Der Transfer in dieses Universum war verboten. Und nun war er hier, Danny Bird und hatte in dem Büro von O´Brien ihm gegenüber Platz genommen, während Julian Bashir hinter seinem Anführer stand und Danny musterte. Der neue Sicherheitsoffizier der Monitor war dem sympathischen Mann von Deep Space Nine schon bei verschiedenen Gelegenheiten kennen gelernt und hatte ihn als warmherzigen, geduldigen Mann empfunden. Dieser Bashir hier war anders. Seine Augen waren kalt, zeigten keine Emotionen, so als ob er schon zu viel durchgemacht hätte. Sein Gesicht war vernarbt und faltig, das zu lange Haar mit Strähnen durchsetzt. Beide, O´Brien und Bashir, versuchten einigermaßen gut gekleidet zu sein, was sie aber durch den billigen Stoff nur bedingt schafften. Wer weiß, was diese beiden Menschen schon durchmachen mussten?
    Bird beschloss, das Schweigen zu brechen.
    „Wieso bin ich hier?“
    Smiley grinste frech, versuchte so seine eigene Unsicherheit zu verbergen.
    „Wir brauchen sie. Als Experten für Waffen.“
    „Was für Waffen?“
    Nun antwortete Bashir, als er um den Tisch herumging und auf Danny zutrat.
    „Wir brauchen sie bei der korrekten Modifikation und Herstellung von Tricobalt-Torpedos. Wir befürchten, dass unsere eigenen Techniker vielleicht die Station aus Versehen in die Luft fliegen lassen.“
    Der junge Offizier wölbte überrascht die Augenbrauen. Aufgrund der endlosen Kriege war dieses Universum wenige fortgeschritten als sein eigenes. Wie konnten sie dann Tricobalt-Torpedos herstellen? Er beschloss, später auf diesen Punkt einzugehen.“
    „Ich frage noch mal: wieso sollte ich ihnen helfen? Immerhin haben sie mich doch entführt!“
    „Aus Liebe zu ihrer Spezies? Unserem Kampf?“
    „Dies ist nicht mein Kampf.“
    „Das ist er wohl!“
    O´Briens Reaktion ließ Danny zusammenzucken und Smiley erschrak fast vor sich selber, als er aufsprang. In einem kurzen Moment war alles sichtbar gewesen, seine Leiden, sein Schmerz. Dann atmete Smiley wieder normal und berührte eine Taste, woraufhin ein Schott in der Ecke des Büros aufging. Dort saß ein Mann, nackt, verletzt. Er hatte zahllose blaue Flecken, blutige Wunden, sein Haar war zerzaust und teilweise ausgerissen. Die Person starrte auf seine nackten Füße. Man hatte ihm jegliche Würde genommen. Bird stand langsam auf, näherte sich dem Mann. Als er näher kam, hob die Person den Kopf... und Danny wich zurück.
    Aus aufgequollenen, blutigen Augen starrte ihn John Lewinski an.
    „Wir wussten, dass sie zögern würden“, erläuterte Bashir, „und haben uns ihren Captain vor einigen tagen als Faustpfand genommen. Er wollte fliehen und unsere Aufseher waren leider etwas grob mit ihm. Wenn sie uns nicht helfen... wer weiß, was noch passieren wird.“
    Diese Worte schwebten wie eine Drohung im Raum. Immer noch starrte Bird auf seinen Kommandanten. Lewinski konnte nicht mehr sprechen, doch seine Lippen formten einen stummen Hilferuf. Er musste seinem Kommandanten helfen, um jeden Preis.
    „Ich bin dabei.“

    Im dunklen Transporterraum der Monitor flimmerte es einige Sekunden lang, dann waren Captain Lewinksi und sein alter Ego an Bord. Sofort blickte sich Lewinski um, doch niemand war im Transporterraum zu sehen. Es war ihm nur recht gewesen, dass es ein automatischer Transport war, denn wie hätte man einem Transportertechniker ohne große Worte den Grund nennen können, wieso es zwei Signaturen von Lewinksi gab. Er schaute sein zukünftiges Ich ruhig an.
    „Geh...“
    „In mein Quartier“, unterbrach ihn der andere Lewinksi und tippte sich mit dem Finger an die Stirn. „Schon vergessen? Ich weiß, was du denkst, schließlich würde ich das Selbe machen.“
    Der Captain stockte kurz, zuckte dann die Schultern. Es war immer noch sehr ungewohnt, jemanden vor sich zu haben, der jeden Schritt voraussah. Tatsächlich wollte er gerade diese Anweisung geben. Er würde sich Zeit lassen, bis er die Mannschaft, wenn überhaupt, über sein anderes Ich instruierte. Lewinksi begab sich erst mal in den Maschinenraum.
    Dort war er mehr als überrascht, einen Mann zu sehen, der auf dem Boden des Maschinenraumes schlief. Die Person war in eine rote Deckung gehüllt und ein großer Teil des Maschinenraums war von Kerzen erhellt worden. Kurz sah sich der Kommandant um. Der Warpkern war abgeschaltet, nur wenige Displays waren in Betrieb. Bei näherer Betrachtung erkannte er die Person als Chief Woil.
    „Roter Alarm!“
    Sofort sprangen alle Systeme an, rotes Licht und das Summen der Alarmsirenen wurden überall auf dem Schiff aktiviert. Jozarnay Woil schreckte hoch, rieb sich die Augen und blickte wild hin und her. Das rote Leuchten der Lampen ließ sein Gesicht düster erscheinen, fast schon dämonisch. Nach einigen Sekunden realisierte der Antosianer, was passiert war und deaktivierte den Alarm.
    „Captain? Was machen sie denn hier?“
    Lewinski lächelte.
    „Mr. Woil, wir machen uns bald auf den Weg. Aktivieren sie den Warpkern und rufen sie die Mannschaft an Bord. Wir laufen aus.“
    Der Captain machte auf dem Absatz kehrt und gab den bedauernswerten Chefingenieur keine Gelegenheit, nach Einzelheiten zu fragen.

    Hier war alles anders. Vielleicht auch verkehrt. Alles war irgendwie dunkler, bedrohlicher. In den Ecken des ehemaligen Internierungslagers Terok Nor lagen Menschen und Vulkanier, ausgemergelt, frierend, krank. Ihnen fehlte es an allem: gute Kleidung, Essen und Medikamente. Die Rebellion war noch zu schwach, um eine funktionierende Infrastruktur aufzubauen. Alle diese Eindrücke prasselten auf Danny Bird ein, als er die Promenade der ehemaligen cardassianischen Raumstation durchwanderte. Sie wirkte wie ein schreckliches Zerrbild von Deep Space Nine, ein wahr gewordener Alptraum. Mehr als nur einmal hatte Danny Mühe, die Fassung zu wahren, als er alte Menschen und Kinder sah, die durch schreckliche Folterungen durch die Allianz entstellt worden waren. Bird hatte seine Uniform gegen eine etwas diskretere Kleidung eingetauscht. Er hatte die Blicke der Flüchtlinge nicht mehr ertragen können, die ihn nur angestarrt und erkannt haben, dass es noch ein anderes Leben dort draußen gab, ein Lebenswertes. Nur durch einen dummen Zufall, einem üblen Scherz des Schicksals waren sie dazu verdammt, in einem Universum der Gewalt zu leben. Der Sicherheitsoffizier war auf dem Weg in Frachtrampe 3, wo ein Experte der Rebellion darauf wartete, von ihm in die Waffentechnik der Sternenflotte instruiert zu werden. Kurz blickte er in das fast leere Etablissement Quark´s hinein. Der Ferengi war nirgendwo zu sehen, stattdessen bediente ein großer Lurianer die Gäste und redete ununterbrochen auf einen Vulkanier ein. Bird hatte keine Ahnung, wo der halsabschneiderische Ferengi war oder ob er überhaupt noch lebte. Im Grunde spielte dies auch überhaupt keine Rolle. Danny wollte so schnell wie möglich wieder nach Hause, in das richtige Universum. Zischend öffneten sich die Türen vor ihm und in einem erschreckend leeren Frachtraum begrüßte ihn ein großer, weißer Vulkanier.
    „Guten Tag“, begrüßte ihn der vertraut wirkende Mann, „mein Name ist T´Per und ich werde ihnen assistieren.“
    Wahrscheinlich konnte jeder die Überraschung von Lieutenant Bird nachempfinden, wenn man
    an die Tragweite dieses Treffens dachte. Der überraschte Mensch blieb stehen, stockte und wusste nicht so recht, was er tun sollte, was T´Per zu einem Stirnrunzeln veranlasste.
    „Stimmt etwas nicht, Lieutenant?“
    Allmählich gewann Danny die Fassung wieder und ging auf den Tisch zu, vor dem der Vulkanier stand. Auf dem Tisch war ein Tricobalt-Torpedo aufgestellt und geöffnet worden. Er war aktiv.
    „Um Gottes willen, deaktivieren sie den Torpedo“, rief Bird und, als T´Per nicht reagierte, durchtrennte er die Zündleitungen. Kurz seufzte Danny. Dieser Vulkanier, der in seinem Universum ein perfekter Sicherheitsoffizier war, hatte hier so gut wie jede Grundregel der Sternenflotte gebrochen. Es war in der Tat ein Spiegel.
    „Nun, Mr. T´Per, ich werde sie nun in die Konstruktion und Bewaffnung eines Torpedos auf Tricobalt Basis einführen. Ich bitte sie, mir aufmerksam und sorgfältig zu folgen.“
    „Wie sie wünsche, Lieutenant.“
    Bird konnte sich an keine Situation erinnern, in der er einmal seinem ehemaligen Vorgesetzten einen Befehl erteilt hatte.
    Der bedauernswerte Fähnrich in der Dockkontrolle des McKinley-Docks war wirklich nicht zu beneiden. Die Frau, gerade erst von der Akademie gekommen, musste machtlos mit ansehen, wie sich das eigentlich außer Betrieb stehende Raumschiff Monitor nicht nur tarnte, sondern auch widerrechtlich von den Andockvorrichtungen löste, was einigen Sachschaden verursachte. Doch war nicht die einzig verwirrte Person, die diese obskure Situation mitbekam.
    Der erste Offizier der Monitor betrat stechenden Schrittes die Brücke und fragte ungehalten:
    „Was zum Teufel ist hier los? Captain?“
    John Lewinski schien nicht näher auf seinen Stellvertreter eingehen zu wollen, stellte ihn stattdessen mit einer abweisenden Handbewegung ruhig und blickte dann wieder zum Hauptschirm, der das sich entfernende Dock zeigte. Der Andorianer Ardev drehte sich leicht besorgt zu seinem Kapitän, als eine Anzeige auf seinem Display aufleuchtete.
    „Sir, die Station ruft uns! Sie wollen wissen, was hier machen.“
    „Ignorieren sie die Rufe“, entgegnete Lewinski und setzte sich in den Sessel. „Fähnrich Locarno, Kurs auf Wolf 359, maximale Geschwindigkeit.“
    Das Schiff vibrierte kurz, als die Monitor auf Überlichtgeschwindigkeit beschleunigte.
    „Werden wir verfolgt?“
    „Nein, Captain.“
    „Wenn das so ist“, meinte Lewinski und stand auf, „Bruce, ich habe nun Zeit für sie!“
    Land tobte vor Wut und begleitete Lewinski in dessen Bereitschaftsraum. Die Tür hatte sich noch nicht einmal richtig geschlossen, schon begann der erste Offizier mit seiner Schimpftirade:
    „Sir, was passiert hier? Erst holen sie mich und den Rest der Mannschaft aus dem wohlverdienten Urlaub, dann entführen sie ein Schiff und verschwinden einfach!“
    „Ich habe es nicht entführt. Es gehört mir.“
    Entnervt blickte Bruce Land an die Decke und stemmte die Hände in die Hüften.
    „Bitte John, ich habe für diese Haarspaltereien keine Zeit.“
    „Das habe ich auch nicht, Commander“, antwortete Lewinski wütend und schlug auf den Tisch. Die Art, wie er auf den Kommandoton zurückkehrte, war mehr als harsch gewesen und erzielte beim Navigator die gewünschte Wirkung. Dann entspannte sich Lewinski wieder und blickte seinen Freund ruhig an.
    „Ich werde ihnen allen bald alles erklären.“
    Er hoffte auf eine Antwort, doch Land tat ihm nicht diesen Gefallen. Statt dessen verließ er wortlos den Raum.
    Mehrere Lichtjahre entfernt, an Bord von Starbase 67, dem inoffiziellen Operationszentrum für geheimdienstliche Operationen der Sternenflotte wurde, trotz seiner klaren Anweisung, der ehemalige Ausbilder John Lewinskis bei der Arbeit gestört. Seine Ordonanz, ein Lieutenant namens Barrows, betrat verlegen den Raum und nahm Haltung an.
    „Sir!“
    Genervt sah Admiral Kashari von seinem Schreibtisch auf und blickte den jungen Mensch an. Er war noch nicht lange sein Assistent, also wollte er ihm die Störung verzeihen. Mit einer Handbewegung bedeutete er ihm, zu sprechen.
    „Admiral, die U.S.S. Monitor hat widerrechtlich das McKinley-Raumdock verlassen!“
    Diese Meldung ließ Kashari sich erheben und näher zu seiner Ordonanz zu treten. Er musterte ihn mit festem Blick. Nein, unmöglich, dieser Junge sagte die Wahrheit, eine Wahrheit, die der alte Zakdorn nicht wahrhaben wollte. John Lewinski hatte ein Schiff entführt. Der Umstand, dass es Lewinskis Schiff war, milderte nicht den Tatbestand des Diebstahls.
    „Wohin fliegt sie jetzt?“ fragte er gepresst.
    Die Ordonanz schluckte. Ein leichter Schweißfilm lag auf seiner Stirn, der Admiral beeindruckte ihn.
    „Sir, wir konnten eine Restsignatur des Schiffes feststellen. Sie fliegen in Richtung Wolf 359.“
    Kashari brauchte nur 2 Millisekunden, um die nächste Entscheidung zu treffen.
    „Bereiten sie die Sovereign vor. Ich gehe John suchen.“

    Weit entfernt, in einem anderen Universum, schritten die Arbeiten an den Torpedos gut voran. Seit nunmehr 5 Stunden schraubten Bird und T´Per an dem Gehäuse herum, ohne Pause. Während der ganzen Zeit hatte Bird über Gefechtsstrategien und Schwachpunkten von Schiffen gesprochen und der alte Vulkanier war ein aufmerksamer Schüler gewesen. In dieser Hinsicht glich er seinem T´Per bis ins kleinste Detail, doch rein äußerlich war dieser Vulkanier war anders. Das Gesicht war faltiger, vernarbter. Das Haar begann seine natürliche schwarze Farbe zu verlieren und auf einem Ohr war er schwerhörig.
    „Sagen sie, T´Per“, begann Bird und ließ sich einen Justikator reichen, „wieso haben sie sich den Rebellen angeschlossen.“
    „Meine Heimatwelt ist besetzt“, antworte T´Per im selben gleichgültigen Tonfall, den sein alter Ego auch benutzte. Eine dumme Antwort auf eine dumme Frage. Bird justierte einige Schaltkreise und beschloss, noch einen Anlauf zu wagen.
    „Dies ist mir schon klar, T´Per, aber was sind ihre ganz speziellen, persönlichen Gründe?“
    Für einen kurzen Moment unterbrach der große Vulkanier seine Arbeit und blickte zur Decke. Einige kurze Augenblicke lang, schienen Emotionen über sein Gesicht zu huschen, nicht lang genug, um sie deutlich zu erkennen. Dann arbeitete er weiter, sprach weiterhin mit einer völlig neutralen Stimme.
    „Ich bin 202 Jahre alt. Als ich geboren wurde, war das terranisch/vulkanische Empire gerade erst gegründet worden. Meine Eltern und ich haben den Traum geteilt, von einer Galaxis, die friedlich unter einer einenden Hand lebte, unter einem Banner.“
    Das waren wohl eine andere Vorstellung von Einheit, als wir sie haben, dachte sich Danny, unterließ es aber, diesen Punkt laut anzusprechen. T´Per fuhr fort:
    „Ich habe es miterlebt, wie eine Welt nach der anderen sich dem Empire anschloss, teils friedlich, teils mit Gewalt. Gorn, Tholianer, Halkaner, Bolianer, Bajoraner, Ferengi, hunderte von Völkern, die zum ersten Mal in der Geschichte des Universums vereint waren. Sicherlich gab es wie in jeder Familie Streitereien, doch diese wurden schnell wieder eingedämmt. Dann wurde alles anders. Der Besuch ihres Captain Kirk brachte unseren Spock, einen nahen Verwandten meiner Mutter, dazu, den Wunsch nach echter Freiheit zu hegen. Doch alleine konnte er dies nicht erreichen. Er brauchte jemanden, der an seiner Stelle sprach. Also verhalf er unserem Captain Kirk an die Macht. Leider wurde dieser Mensch zum grausamsten Imperator, denn die Galaxis jemals gesehen hatte, zu Tiberius dem Ersten. Unzählige Völker wurden ausgerottet, Hinrichtungen und Folter waren üblich. Als Spock endlich selbst die Fäden in die Hand nehmen konnte, war es schon zu spät. Hass war geschürt worden, die Allianz war kreiert worden. Ich war dabei, als junger Fähnrich auf der I.S.S. Enterprise-A,
    als das Empire die letzte große Schlacht bei Wolf 359 verlor. 219 Schiffe wurden zerstört, wir hatten Glück und konnten uns nach Vulkan zurückziehen und waren gezwungen zu beobachten, wie die Erde und mit ihr 6 Milliarden Menschen den Tod fanden. Dann war Vulkan an der Reihe. Intendant Spock hatte eine Kapitulation herausgehandelt, doch er wurde betrogen und Vulkan besetzt. Ich war bei meiner Familie auf Vulkan, als die Allianz kam. Eines Nachts wurden wir von einem Trupp Bajoraner und Cardassianer mitgenommen und verhört. Sie wollten mehr über die vulkanischen Widerstandszellen wissen, doch wir wussten nichts. Ich musste mit ansehen, wie mein Vater gefoltert und meine Mutter bei lebendigem Leibe verbrannt wurde. Ich selbst arbeitete für 18 Monate in einem Arbeitslager der Allianz, bis mich einige menschliche Rebellen befreiten und Spock mich dazu überredete, dem Widerstand beizutreten. Und nachdem auch die terranische Rebellion ihren Anfang genommen hat, arbeite ich hier, auf Terok Nor.“
    Während dieser ganzen grässlichen Schilderungen hatte T´Per mit der selben, monotonen Stimme gesprochen. Danny hatte irgendwann zu arbeiten aufgehört und den Mann, den er eigentlich so gut kannte, mit verstörtem Blick angeschaut. Er fühlte nun Haß und Wut auf die Allianz, eine skrupellose Macht, die seinesgleichen unterdrückte. Er musste nicht mehr gezwungen werde, ihnen zu helfen. Er WOLLTE es tun.

    Nachdem der zukünftige John Lewinski der Mannschaft vorgestellt, er seine Mission geschildert und schließlich wieder das Casino verlassen hatte, wartete der aktuelle Kommandant der Monitor auf die Reaktionen seiner Führungsoffiziere. Dass diese jedoch so heftig ausfallen würden, konnte selbst der so schlachterfahrene Lewinski nicht ahnen.
    „Sir, bei allem Respekt, aber das glauben sie ja wohl nicht im Ernst?“ polterte Commander Land und sprang von seinem Sessel auf. Von ihm hatte sich Lewinski eigentlich am meisten Rückhalt erhofft. Doch stattdessen war der erste Offizier der größte Kritiker an diesem Unternehmen. Lewinski blickte sich um. Auch Woil schien etwas sagen zu wollen.
    „Captain, er hat recht“, erklärte der Chefingenieur, „wieso sollten Vulkanier die Föderation auflösen wollen?“
    „Weil es logisch ist?“ warf Ardev ein, doch niemand war so recht von dieser Erklärung überzeugt. Land fuhr fort:
    „Und überhaupt, Captain, wie wollen sicher sein, dass er aus der Zukunft stammt. Vielleicht ist er nur ein Trick, ein Gestaltwandler oder sonst etwas in dieser Art.“
    „Dr. Frasier hat seine Identität bestätigt“, antwortete der Kommandant, dem der etwas respektlose Ton seines Stellvertreters ganz und gar nicht gefiel.
    „Und er besitzt Informationen über die Zukunft, zumindest konnte er unsere wenigen Fragen sachgemäß beantworten. Sie wissen ja: die oberste temporale Direktive“, erklärte die Deltanerin Ir´lia. Der Lieutenant hatte im Moment die Position des taktischen Offiziers inne.
    Doch dies alles konnte den sonst so zu seinem Captain loyalen Bruce Land nicht überzeugen.
    Lewinski ließ die Mannschaft bis auf Land den Raum verlassen, dann blickte er ihm fest in die Augen.
    „Bruce, ich brauche sie jetzt.“
    „Captain, es ist Unrecht, was sie nun tun. Sie entführen dieses Schiff...“
    Lewinski unterbrach ihn ruhig.
    „Sie haben mir schon so oft vertraut, Commander, ich bitte sie: vertrauen sie mir noch ein weiteres Mal.“
    Land enthielt sich einer Antwort und verließ das Casino. Minuten später hatte Lewinski nicht
    das Gefühl, einen Verbündeten gefunden zu haben.
    Mit der maximal erreichbaren Zahl an Geschwindigkeit, die Ingenieure der Föderation jemals entdeckt haben, raste die Monitor durchs All. Es dauerte nicht mehr lange bis zum Eintreffen des Schiffes im System Wolf 359. Die Mannschaft ahnte noch nicht, dass die U.S.S. Sovereign
    ebenfalls auf dem Weg dorthin war. Admiral Kashari selbst hatte das Kommando über den Prototypen und Vorgänger der Enterprise-E übernommen und war wild entschlossen, seinen ehemaligen Schüler und treuen Weggefährten daran zu hindern, irgendwelche Dummheiten zu begehen. Von all diesen Zielen Kasharis ahnte Lewinski nicht das Geringste, als er mit seinem zukünftigen Ich in seiner eigenen Kabine sprach.
    „Die Mannschaft“, begann sein alter Ego und klang mehr überrascht denn frustriert, „scheint mir nicht ganz glauben zu wollen.“
    Die Antwort des Captains wurde von einem eindrucksvollen Zähneknirschen untermalt.
    „In der Tat!“
    Hätte Dr. Frasier diese Kieferbelastung bemerkt, sie hätte ihren Kommandanten sofort auf die Krankenstation verbannt.
    „Ich nehme es ihnen nicht übel“, entgegnete der andere John und betrachtete ein altes Holo-Bild, dass seine/ihre Eltern vor 10 Jahren zeigte. Sie waren leider vor 5 Jahren verstorben. Immer noch vermisste John sie, jeden Tag seines Lebens. „Immerhin hätte ich selber Probleme, es zu glauben. Alles, was ich dir anbieten kann, ist etwas vertrauen und einige Daten aus der Zukunft, nicht zu viele natürlich.“
    Mahnend hob der Zukünftige den Finger und schüttelte ihn lächelnd. Dem jetzigen Lewinski war jedoch ganz und gar nicht nach Lachen zumute. Zum ersten Mal in seiner Offizierslaufbahn stand ein Großteil der Besatzung nicht auf seiner Seite. Sicher, sie würden noch seinen Befehlen gehorchen, weil sie ihn respektierten. Noch. Aber wie lange würde es dauern, bis man sich gegen ihn auflehnte? Ihm das Kommando entzog? Bruce Lands Reaktion war nur ein erstes Anzeichen dieser aufkeimenden Unsicherheit. Immerhin, Lewinski hatte gegen so gut wie jede Sternenflotten-Regel verstoßen. Er hatte wie einst James T. Kirk ein Schiff gestohlen und beantwortete keine Rufe, die Command bisher an ihn gerichtet hat. Und er hatte vor auf ein Schiff zu feuern. Ein ziviles Schiff, das angeblich einen apokalyptischen Virus transportierte.
    Angeblich....
    War es schon so weit gekommen? Zweifelte er schon an sich selbst? Diesmal konnte er sogar an seiner leibhaftigen Inkarnation zweifeln, die ihm diese Botschaften überbracht hat. Bisher hatte er in keinem Computer Informationen über den Weg Suraks gefunden. Ein Zeichen dafür, dass es ihn nicht gab oder dass er es verstand, sich außerordentlich gut zu verstecken? War ein Vulkanier überhaupt in der Lage, mehrfachen Völkermord zu begehen? Immerhin hatte er die meiste Zeit seines Lebens mit Vulkaniern vollbracht, die sich als kultiviert und rational dargestellt haben. Oder kann eben jene Rationalität diesen Plan zulassen. War eine Rasse, eben weil sie keine Emotionen besaß, umso mehr in der Lage, Völkermord zu begehen?
    Fragen über Fragen, nur wenige (scheinbare) Antworten. Es galt eine Entscheidung zu treffen.
    Bald.

    Der junge Mensch, der trotz der vielen furchtbaren Erlebnisse ein geradezu paradiesisches Leben im Vergleich zu dem hier geführt hatte, tobte vor Wut. Er war außer sich, frustriert, empört, mitgenommen von der Arbeit UND den Eindrücken einer Welt, die ihm pervers und verdreht vorkam. Kinder, die in Baracken hausten. Menschen, die an längst ausgestorbenen Krankheiten litten. Ein System, dass Billionen Lebewesen unterdrückte. Danny Bird konnte dies nicht wieder rückgängig machen. Doch einmal, nur ein einziges Mal, wollte er einen dieser Personen sehen, die zu so etwas fähig waren. Und um jene Person zu treffen, musste er sich in den Arrestbereich von Terok Nor begeben. Er nickte dem Aufseher, ein Indianer names Chakotay, dessen Tätowierung wenigstens ein wenig Würde verschaffte, zu und stellte sich breitschultrig, mit verschränkten Armen vor dem einzige Gefangenen auf Terok Nor hin. Seit Monaten musste der Gefangene, ein Klingone, auf engstem Raum leben, mit einem Minimum an Wasser und Essen. Danny empfand kein Mitleid für ihn. Einst war dieser Klingone womöglich ein aufrechter, stolzer Mann gewesen, doch nun war er ungepflegt, unrasiert, ungewaschen. Nur die schlecht sitzende Uniform erinnerte an seine alte Stellung innerhalb der Allianz.
    „Hallo, Regent.“ Danny schien den Titel geradezu auszuspucken.
    Worf erhob sich und blickte den Menschen finster an. Auch in seinen Augen spiegelte sich Hass. Zumindest eine Sache, die sie teilten.
    „Wer bist du, Mensch?“ fragte Worf und trat kurz vor, doch das knisternde Kraftfeld ließ ihn wieder leicht zurückgehen. In seinem Universum, dem richtigen (egal wie es andere bezeichnen wollten), war Worf ein Mann von Ehre und Mut gewesen, ein Beispiel für jeden Offizier. Hier war er nur ein verspielter Despot gewesen, ein Mörder, der über hunderte von Welten, inklusive der Klingonischen Konföderation und mit ihr die Allianz herrschte.
    „Merk dir meinen Namen. Danny Bird, Lieutenant.“
    Der junge Mann hatte sich nicht der Illusion hingegeben, dass sein furchtloses Auftreten ihm irgendeinen Respekt gegenüber dem ehemaligen Herrscher einbringen würde. Doch immerhin hatte er seinen Gegner überrascht, was sich an den weit aufgerissenen Augen des Klingonen zeigte.
    „Ein Draufgänger was“, rief der Regent und klopfte sich auf die Brust, „ich wette, du bist nicht Manns genug, um dich mir zu stellen!“
    Bird ging nicht auf diese Provokation ein, wartete stattdessen einige Minuten ohne etwas zu sagen. Schließlich setzte sich Worf auf die kleine Pritsche, die die einzige Annehmlichkeit in seiner kleinen Zelle war.
    „Nun, Mensch, was ist der Grund für deinen Besuch?“
    „Ich wollte den Mann sehen, der für so viel Leid verantwortlich ist.“
    Nun waren die Worte ausgesprochen, der Vorwurf hing in der Luft. Danny hielt dem Blick Worfs stand, was dem klingonischen Regenten ein Lächeln abrang.
    „Ich bin nur einer von vielen in der ruhmreichen Geschichte der Allianz. Wieso sollte ich dafür verantwortlich sein?“
    „Ruhmreich? Ist es ruhmreich, Völker zu dezimieren, sie jeden Tag aufs Neue zu demütigen, sie zu foltern, ihren Kindern weh zutun? Ist das eine ruhmreiche Zivilisation? Ist das ehrenvoll, Klingone?“
    Er hatte einen Nerv getroffen. Worf sprang auf und wollte sich auf ihn stürzen, doch der plötzliche Ausschlag des Kraftfeldes ließ ihn zurücktaumeln. Leichte Verbrennungen zeigten sich nun auf dem Gesicht des Regenten, doch er schien diese gar nicht zu bemerken.
    „Erzähl du mir nichts von Ehre, Mensch! Ihr wart eine schreckliche Rasse, ehr- und respektlos! Jahrhunderte lang habt ihr den Quadranten beherrscht, mit eiserner Faust. Ihr wart keinen Deut besser als wir, sogar schlimmer. Wir sind nur euer Produkt.“
    „Das ist hundert Jahre her. Wäre es nicht an der Zeit, den Leuten Freiheit zu schenken?“
    Worf lachte laut auf.
    „Freiheit? Sie sind frei! Frei von Entscheidungen, die sie gar nicht treffen könnten. Die Allianz ist die größte Macht in dieser Galaxis, wir herrschen über den Alpha- und Beta-Quadranten und dank der freundlichen Hilfe ihres Doktor Bashir werden wir auch bald das Dominion dazu zwingen, unsere Größe anzuerkennen. Nicht einmal die Borg haben eine Chance gegen uns. Nein, wir können hier nicht aufhören. Ohne uns würde der Quadrant im Chaos versinken. Aber so sind wir vereint...“
    „Vereint im Hass.“
    „Ja, im Hass auf euch Terraner“, fauchte Worf und sprang abermals von der Pritsche auf, „ich erinnere mich noch genau, im großen Befreiungskrieg gegen das Empire. Es war der größte Konflikt, den diese Galaxie jemals erlebt hat. Praktisch alle Völker waren im Krieg, alle, die unter der Tyrannei des Empires gelitten haben. Mein Vater war während der Invasion von Trill
    von Captain Decker gefangen genommen worden. Doch der Terraner Decker achtete nicht die Vereinbarung von Organia, die wir so respektierten und folterte meinen Vater zu ehre. Mogh starb ohne Ehre, alleine, der Weg nach Sto-vo-kor blieb ihm verwehrt. Als das Empire besiegt worden war, habe ich persönlich Decker ausfindig gemacht und ihn getötet. Ich war 12 Jahre alt und es war das erste Wesen, das ich getötet habe. Verstehst du, Mensch? Wir töten euch nicht, weil es uns Spaß macht, sondern weil nur so unsere Sicherheit garantiert wird.“
    Danny blickte mit wütenden Augen auf den Regenten. Alle möglichen Varianten des Zornes brodelten in ihm. Word rechtfertigte ethnische Säuberungen im großen Stil. Er wollte Danny provozieren. Er wollte, dass er gegen das Kraftfeld hämmerte und dadurch zeigte, dass die Menschheit immer noch so barbarisch war wie ihre Vorfahren während des Empires. Doch diese Genugtuung wollte er Worf nicht geben. Langsam drehte sich Bird um. Bevor er die Arrestzellen verließ, blieb er noch einmal stehen und sprach mit ruhiger Stimme:
    „Eines Tages wird sich das Universum gegen euch erheben. Seien es die Romulaner, die sich bisher nur versteckt haben, das Dominion, die Rebellen, die ihre Freiheit wollen oder eine andere Macht... Noch nie in der Geschichte hat ein totalitäres System für ewig gehalten. Einen schönen Tag noch....Regent.“
    Als die Schotts sich schlossen, schienen sie einem Donnerschlag gleich.

    Konspiration an Bor der Monitor! Nun gut, dieses Wort war wohl doch etwas übertrieben, doch man war auf dem besten Wege dorthin. In dem zugegebenermaßen bescheidenen Quartier von Lieutenant Ardev (es war in der Tat sehr, sehr) hatten sich Commander Land, Chief Woil, Lieutenant Ir´lia und der Hausherr selbst versammelt. Natürlich ging es nur um dieses eine Thema.
    „Ich bin immer noch skeptisch“, begann Land und sprach damit das aus, was auch die meisten anderen Besatzungsmitglieder dachten.
    „Ich habe ihn gescannt“, fuhr Ardev fort, „und es gibt keinen Zweifel: dieser Mann ist John Lewinski. Die DNA lügt nicht!“
    Diesen Punkt hatten sie inzwischen wieder und wieder diskutiert. Bereits mehrere Male war die Identität des Besuchers bestätigt worden. Aber immer noch gab es Zweifel.
    „Nehmen wir mal an, dies ist wirklich das zukünftige Ich des Captains“, warf die Deltanerin Ir´lia ein, „haben wir überhaupt das Recht auf ein ziviles Schiff zu feuern? Auch wenn es eine Gefahr darstellt?“
    „Wenn es stimmt, was er sagt“, antwortete Woil, doch dies stellte niemanden zufrieden. Die Tür summte. Alle Augenpaare richteten sich auf Ardev, als ob sie stumm fragten, ob er noch Besuch erwartete. Der Andorianer öffnete die Tür und vor ihm stand Arena Tellom.
    „Hi, ich dachte mir...“
    Sie war bezaubernd, umwerfend, einfach klasse.
    Sie kam zur völlig falschen Zeit!
    „Sir, komme ich ungelegen?“ fragte sie verdutzt, nachdem sie die anderen Offiziere in seinem Quartier bemerkt hatte.
    „Fähnrich, wir werden später die Modifikationen der Sensoren durchsprechen müssen. Gute Nacht.“
    Gott sei Dank schaltete sie schnell und verschwand. Die anderen vermieden es glücklicherweise Ardev auf diesen peinlichen Moment anzusprechen und Land fuhr ruhig fort.
    „Ich beobachte dies alles mit großer Sorge. Wir müssen abwarten. In 50 Minuten erreichen wir Wolf 359. Lassen sie sich eins gesagt sein: ich habe bereits Maßnahmen ergriffen.“
    Und mit einem letzten unbelasteten Atemzug sprach Bruce Land die Worte aus, die er eigentlich nie sagen wollte:
    „Wenn es sein muss, werde ich den Captain von seinem Kommando entbinden.“

    Der Turbolift hielt in der OPS. Mehrere Terraner bedienten die Kontrollen, schienen von Bird keine Notiz zu nehmen, als er auf die untere Ebene trat und den ovalen Sichtschirm betrachtete. Das Gebiet der Allianz war auf ihm zu sehen. Es war beeindruckend. Und Furcht einflößend. An mehreren Schlüsselpunkten waren Rebellenstützpunkte zu sehen, die unentwegt Angriffe tief ins Allianzgebiet flogen. Es waren nicht mehr als Nadelstiche, doch sie waren wirksam. Doch man brauchte sich nichts vorzumachen: der Krieg war auf diese Weise nur schwer zu gewinnen. Er schritt die wenigen Treppenstufen hoch und betrat Smileys Büro. Insgeheim war Danny heilfroh, nirgendwo Bashir zu sehen, der jähzornige Arzt war ihm nicht ganz geheuer. Smiley hob beim Geräusch der zischenden Türen den Kopf und lächelte Bird an.
    „Lieutenant, setzten sie sich.“
    Danny war überrascht, einen Stuhl im Büro vorzufinden. Beim ersten Mal war hier noch keiner gewesen. Er begutachtete kurz die Padds, die O´Brien zur Seite legte. Der Ire bemerkte dies und lächelte abermals.
    „Verhandlungen mit dem Dominion“, erklärte er, „sie können uns mit Waffen und eventuell auch mit Schiffen versorgen. Richten sie ihrem Bashir Dank aus. Ohne ihm und Major Kira hätten wir das Wurmloch nie gefunden. Verdammt, ohne sie würde es diese Rebellion überhaupt nicht geben.“
    Danny sagte nichts, starrte den Anführer der Rebellion stattdessen nur an. Ihm war nicht nach irgendwelchen Dankesreden zumute.
    „Ich habe gehört“, fuhr O´Brien fort und drehte den Stuhl so, dass er die Sterne im Fenster beobachten konnte, „dass die Arbeiten an den Tricobalt-Torpedos fast abgeschlossen sind. Ich bin ihnen zu großem Dank verpflichtet. Es tut mir leid, dass wir sie dazu gezwungen haben.“
    „Gern geschehen.“
    Einige Sekunden schwieg Bird, so als fürchtete er unangemessene Worte auszusprechen. Dann gab er sich schließlich einen Ruck.
    „Ich will ihnen helfen. Ich will an ihrem Kampf teilhaben.“
    O´Brien lachte verschmitzt, als hätte er diesen Satz geahnt. Doch dem Lachen fehlte der Humor, es war nur gezwungen.
    „Es ist nicht ihr Kampf. Das waren ihre Worte vor zwei Tagen.“
    „Die Situation hat sich geändert. Es ist mein Kampf, unser Kampf!“
    Beeindruckt pfiff Smiley einen kurzen Ton. Er schien den jungen Sternenflotten-Offizier falsch eingeschätzt zu haben.
    „Was ist mit der Ersten Direktive?“
    „Sie greift nicht. Wir haben uns schon eingemischt. Schon vor 150 Jahren.“
    Danny war selber überrascht, wie selbstverständlich er diese kalten Formulierungen über die Lippen brachte. Schließlich nahm er die Schärfe aus seiner Stimme, als er hinzufügte:
    „Die Erste Direktive gilt nur für unser Universum. In dem Universum der Föderation.“
    Wieder überlegte O´Brien etwas. Er schien etwas sagen zu wollen, schreckte aber zurück. Dann erhob er sich.
    „Gehen sie zu T´Per und sagen sie ihm, ich wäre einverstanden. Er gibt ihnen dann weitere Anweisungen.“
    Bird nickte und erhob sich. Kurz bevor sich die Türen öffneten, stoppte er und fragte:
    „Jetzt, wo ich ihnen freiwillig helfe, können sie doch Captain Lewinski freilassen?“
    O´Brien antwortete ruhig und kühl:
    „Es tut mir leid wegen der Täuschung. Es war nicht ihr Lewinski. Dieser hier ist ein Kollaborateur der Allianz. Er wird heute Abend hingerichtet.“
    Im Nachhinein würde Bird schockiert darüber sein, wie kaltblütig er diese Nachricht hinnahm.

    John Lewinskis alter Ego erhob sich langsam von der Pritsche. Der Moment, für den er fast zehn Jahre durch die Zeit gereist war, war gekommen. Langsam ging er zum Becken und wusch sein Gesicht. Er ließ das kalte, wiederaufbereitete Wasser die Müdigkeit vertreiben. Er hatte nur wenig geschlafen. Zu sehr hatte ihn die Mission in Anspruch genommen, zu groß war die Aufregung gewesen. Er spürte die Bartstoppel auf seinem Kinn. Zu wenig Zeit. Er wusste, dass ein Teil der Mannschaft ihm nicht vertraute. Dies war in Ordnung, er kannte seine Untergebenen. Sicher hätte Bruce Land schon etwas in die Wege geleitet oder haderte mit sich darüber, was er tun sollte.
    Bruce...
    Es hat gut getan, den alten Freund wieder zu sehen. Gesund, vital, nicht an die medizinischen Geräte angeschlossen, wie er ihn das letzte Mal gesehen hatte. Das letzte Mal vor seinem schmerzhaften Tod.
    John stockte, als er die Tränen zurückhalten wollte. All diese Erinnerungen. An sein Schiff, seine Familie....
    Erica....
    Er hatte es vermieden, seinem früheren Ich von nichts dieser Ehe, die gewaltsam durch einen teuflischen Virus beendet wurde, zu erzählen. Er sollte das Abenteuer selber bestreiten, die Hochs und Tiefs selber erleben.
    Bis das der Tod euch scheidet.
    Er würde es schaffen. Er würde die Zukunft der Föderation retten.
    „Packen wir es an“, sagte Lewinski leise und verließ das kleine Quartier und betrat die Brücke. Alles war wie früher, alle saßen an den gewohnten Plätzen. Ein sentimentaler Moment. Lewinski nahm einen tiefen Atemzug, als er sich neben sein früheres Ich stellte, das im Kommando-Sessel saß. Es war soweit.
    „Treten ins Wolf 359-System ein“, meldete Land und blickte weiterhin auf seine Konsolen, „ich orte einen Transporter, Antares-Klasse.“
    „Setzten sie Abfangkurs, Commander. Waffen aktivieren.“
    Es ging los.

    Einige tausend Kilometer von der Monitor entfernt, trat die U.S.S. Sovereign in das Wolf-System ein. Das massive Schiff wurde nicht von den Sensoren der Monitor geortet. Admiral Kashari hatte den Platz des Kommandanten eingenommen und beobachtete das kleine Transportschiff, das vielleicht bald zerstört wurde. Ohne einige Hilfestellungen von der Crew der Monitor hätten sie sie nie gefunden, geschweige denn ihre Ankunft maskiert worden sein.
    Ein trauriger Tag für Admiral Kashari: vielleicht würde sein Lehrling und Freund heute den größten Fehler seines Lebens begehen. Er musste ihn aufhalten.

    „Wie ich hörte, Mr. Bird, haben sie sich entschlossen, uns weiterhin zu helfen.“
    Mit diesen trockenen Worten begrüßte T´Per den jungen Mann, der ein weiteres Mal den Frachtraum betrat. Es stimmte, Danny hatte seine Entscheidung getroffen. Er wollte etwas bewegen, um jeden Preis. Und wenn seine Sternenflottenkarriere dabei draufging, wen kümmerte es? Das einzige was zählte, war die richtige Entscheidung. Die Entscheidung, nach der er am nächsten Morgen noch in den Spiegel schauen konnte.
    „Sie haben einen Plan?“ fragte Bird direkt, ohne Umschweife. Es war eine Ironie: in seinem Universum waren er und T´Per nie besonders miteinander klargekommen, immer waren sie Konkurrenten gewesen. Doch hier, in einem Universum voller Leid und Gewalt hatte sich ein Band aufgebaut, dass sogar Freundschaft war.
    „Mr. Bird, die Rebellen danken ihnen für die Hilfe bei den Tricobalt-Torpedos. Dank ihrer Korrekturen kann die Produktion bald in Serie gehen und endlich haben wir eine Waffentechnik, die der Allianz überlegen ist. Doch Vulkanier wie ich sehen dies alles realistisch: wenn überhaupt, kann dieser Kampf erst in einigen Jahrzehnten gewonnen werden. Jahrzehnte, in denen wieder einiges anders laufen könnte. Deshalb haben führende Wissenschaftler an einer speziellen Methode gearbeitet, die ihnen geläufig sein sollte.“
    T´Per aktivierte einen Bildschirm, der so alt war, als käme er noch aus Kirks Zeiten. Nun, vermutlich stimmte dies auch. Eine Sonne erschien. Eine Flugbahn. Ein Schiff.
    „Eine Anleitung für eine Zeitreise.“
    „Korrekt.“
    Beeindruckend. Dies war die Zeitreisemethode, die Captain Kirk seiner Zeit angewandt hatte. Mit einer ausreichenden Beschleunigung zu einem bestimmten Zeitpunkt um die Sonne konnte man eine Zeitreise durchführen, eine ziemlich exakte sogar.
    „Wo soll es hingehen?“
    „Ungefähr 10.000 Jahre vor unserer Zeit. Zu den primitiven Anfängen der klingonischen und cardassianischen Kultur.“
    Nun wurde Danny hellhörig. Eine solch immense Zeitreise würde immense Ressourcen benötigen. Vorausgesetzt, die Defiant würde diesem immensen gravimetrischen Druck standhalten.
    „Und wie komme ich dabei ins Spiel? Und wieso diese Zeit?“
    Der Vulkanier legte ruhig eine Hand auf das Torpedogehäuse.
    „Ihre Aufgabe wird sein, etwas Trilithium-Harz in diese Torpedos einzubauen, die wir dann auf Cardassia-Prme und Qo´Nos abfeuern werden. Diese Explosion in der Atmosphäre wird den Planeten für Jahrhunderte unbewohnbar machen und das wenige frühe humanoide Leben auf diesem Leben vernichten. Die Allianz wird nie existieren.“
    Diese Worte wirkten lange auf Danny ein. Völkermord. Waren sie dann überhaupt besser als die Allianz? War es überhaupt Mord, wenn all diese Wesen nie existiert hatten? Es war ein erschreckender Gedanke.
    Die richtige Entscheidung...
    „Wann soll ich mit den Modifikationen beginnen? Sie dauern nicht lange.“

    Das kleine Transportschiff raste mit Lichtgeschwindigkeit durchs All, der Erde entgegen. Niemand der Passagiere oder auch der Crew ahnten noch den Vorgängen, die sich an Bord eines Schiffes abspielten, das sich getarnt hinter dem Transporter befand. Auf dem Sichtschirm der Monitor war deutlich das rote Glühen der Impulstriebwerke zu erkennen, die Schiffsbemalungen und kleine Fenster. Captain Lewinski versuchte sich dieses Bild einzuprägen. In wenigen Minuten würde er dieses Schiff vernichten müssen. Er musste es tun, wegen dem, was ihm sein zukünftiges Ich gesagt hatte. Der andere John stand neben ihm und auch ihm war die schwere Last der Entscheidung anzusehen. Sie würden viele unschuldige Leben auslöschen, um noch mehr Unschuldigen das Leben zu retten. War dies ein Trost für sie? Auch den anderen Brückenmitgliedern gingen ähnliche Gedanken durch den Kopf. Immer wieder blickten verschiedenste Besatzungsmitglieder zu Lieutenant-Commander Land, der ungerührt an seiner Navigationskonsole saß. Würde es zum schlimmsten kommen, würde er etwas tun müssen. So verlangten es die Statuten. Doch was war die richtige Entscheidung? Dies konnte einem kein Handbuch sagen. Bruce Land war sich der enormen Verantwortung bewusst, die auch auf ihm lastete.
    „Scannen sie das Schiff“, befahl Lewinski und faltete die Hände. Der Sensorencheck dauerte nicht länger als eine Sekunde.
    „Ich scanne mehrere vulkanische Lebenszeichen an Bord, darunter auch welche, die zu den Daten Rulaks passen“, meldete Ardev und blickte erwartungsvoll zu seinem Kommandanten. Auch seine neue Liebe Tellom blickte zum Captain. Die nächsten Sekunden waren entscheidend. Lewinski atmete noch einmal tief durch und stellte überrascht fest, dass sein anderes Ich das selbe tat.
    „Laden sie die Waffen, Ms. Ir´lia.“
    „Sir!“ Ardevs Reaktion war dermaßen heftig, dass Lewinski von seinem Stuhl aufsprang.
    „Ein Schiff ruft uns. Es ist die Sovereign!“
    Ein Schiff? Hier? Unmöglich, es waren keine anderen Schiffe im System feststellbar...
    Lewinski war schockiert, als er eins und eins zusammenzählte. Jemand aus seiner Mannschaft hatte ihn hintergangen.
    „Ein Kanal wird geöffnet“, verkündete Ardev überrascht.
    Die nun hörende Stimme war John Lewinski bestens vertraut. Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte er sie gerne gehört, doch nun kam sie völlig unpassend.
    „Hier spricht Admiral Kashari! Monitor, ich weiß, was sie vorhaben. Sobald sie sich enttarnen, werden sie zerstört werden. Ich werde sie nicht wiederholen.“
    „Admiral“, antwortet John und versuchte seine Stimme gleichmäßig klingen zu lassen, während er Ardev ein Zeichen gab, dass Gesicht des Zakdorn auf den Wandschirm zu holen,
    „sie müssen mir vertrauen. Dieses Schiff ist gefährlich. Ich habe Quellen, die besagen, dass es zerstört werden muss.“
    Kashari beäugte kritisch Johns Doppelgänger. Wahrscheinlich wusste er nicht, was er von ihm halten sollte. Lewinski nutzte die kurze Abgelenktheit Kasharis, um einen Blick auf die Brücke der Sovereign zu werfen. Der eigentliche Kommandant Commander Krall saß ruhig neben Kashari und beobachtete die Szenerie. Wenn der Trill enttäuscht war, dass man ihm kurzzeitig das Kommando weggenommen hatte, so ließ er sich dies nicht anmerken. Die anderen Offiziere auf der Brücke blickten ebenfalls auf den Schirm, anscheinend wollte jeder einen Blick auf den Captain werfen, der drauf und dran war, ein ziviles Schiff zu zerstören. Nur Lieutenant-Commander Hekta, die Sicherheitsoffizierin der Sovereign schien kein Interesse an diesem Schauspiel zu haben, sie fixierte die Anzeigen an ihrer taktischen Station. Kashari wandte sich wieder dem John Lewinski aus dem hier und jetzt zu. Sie beide kannten sich seit der Akademie, als Kashari dem jungen John damals die ersten Grundlagen des Kommandos beigebracht hatte. Zwei Jahre lang war er sein Mentor gewesen, nach der Graduierung dann ein Freund der Familie, der John, nach der Zerstörung der Teneriffa, das Kommando über die Monitor gab und ihn zum Geheimdienst holte. Sie waren ebenbürtige Gegner.
    „Sir, mich würde interessieren, wie sie uns gefunden haben und wie sie zudem noch sich vor unseren Sensoren verstecken konnten.“
    „Wir haben von einem ihrer Leute Hilfe erhalten.“
    Enttäuschung. Wut. Aufgestaute Gefühle. Kashari log nicht, das wusste John. Jemand aus seiner eigenen Mannschaft hatte gegen ihn gespielt. Vielleicht sogar mehrere. Er hatte gewusst, dass so etwas passieren konnte, doch dies bewahrte ihn nicht vor der Enttäuschung, die er empfand. Langsam, die Zeit schien verlangsamt zu vergehen, drehte er den Kopf zur Navigationskonsole. Sein bester Freund, hatte er seinen Captain verraten? Bruce Land schien den Blick zu bemerken und drehte ebenfalls seinen Kopf zu seinem Kommandanten. Auch seine Miene zeigte Überraschung, seine Lippen versuchten Worte zu formulieren, doch sie drangen nicht zu Lewinskis Ohren. Er schien nur ein Rauschen zu hören, ein monotones, endloses Geräusch. Sein zukünftiges Ich blickte ihn ebenfalls überrascht an. Hätte er dies nicht erwarten können? Hatte er diesen Moment nicht mit berechnet? Leise drangen Worte zu Lewinski durch. Sie stammten aus dem Lautsprecher. Kasharis Worte.
    „John, ich lege eigentlich nie meine Quellen offen, aber so viel sei ihnen gesagt: Commander Land hat nichts damit zu tun. Auch wenn es seine Pflicht gewesen wäre.“
    Der Admiral sprach diese Worte ohne Zorn, obschon sie einen kleinen Vorwurf bargen, den auch der Brite bemerkte. Land wandte sich wieder seinen Kontrollen zu.
    „Captain, bitte übergeben sie uns das Schiff“, bat Kashari seinen Schützling höflich.
    Lewinski wusste nicht mehr weiter. Er musste die Katastrophe abwenden, um jeden Preis, daran gab es keinen Zweifel. Stumm blickte er zum anderen John. Dieser nickte. Er wusste, was nun zu tun war. Innerhalb weniger Minuten legte er dem Admiral die Situation dar, alles Details. Der Vulkanier. Die Seuche. Das Sterben. Kashari hörte sich die grauenvollen Schilderungen ruhig an, nickte ab und zu, behielt aber den anderen John fixiert, musterte seine mit grauen Strähnen durchsetzten Haare, seine Falten im Gesicht. Captain Lewinski hoffte, dass sein alter Ego den alten Freund überzeugen konnte. Dann waren die Schilderungen vorbei. Sie hatten ihre Wirkung erzielt. Wenn jemand auf der Brücke der Monitor noch gegen den Angriff war, so ließ sich das nicht feststellen. Auch an Bord der Sovereign blickten einige Offiziere besorgt zu ihrem Kommandanten. Schließlich, wie in Zeitlupe, erhob sich der Admiral, trat zwischen die Conn- und OPS-Kontrollen. Seine Stimme hatte keine Spur von Zorn, als er die Schicksalsfrage stellte:
    „Wenn dies alles so ist, John, wieso können unsere Sensoren keine Vulkanier an Bord feststellen?“
    Fassungsloses Entsetzten. Dann Erkenntnis. Ein Trick. Ja, diese Lektionen hatte Kashari ihm an der Akademie gelehrt. Beim Pokern. Bluffen. Lewinski verzog keine Miene, denn er glaubte diesem Bluff nicht. Früher, in seinem ersten Jahr auf der Akademie, war ihm einmal das Kunststück gelungen, William Riker im pokern zu schlagen. nur ein einziges Mal. Der Gewinn war der ewige Respekt dieses berühmten Offiziers gewesen. Dann spürte er den Blick Ardevs auf ihm. Wieder schienen sich die Sekunden zu dehnen, als die Hand hob, ihn bat zu sprechen.
    „Captain, die Sensorenlogbücher der Sovereign bestätigen, dass keine Vulkanier an Bord sind.“
    Ein einfacher Trick. Eine Manipulation der Logbücher. Jeder Fähnrich im Praktikum konnte dies. Lieutenant-Commander Land aktivierte den Kommunikator:
    „Land an Woil, scannen sie!“
    Lewinski war zu überrascht, um etwas zu sagen. Wieso sollte der Chief etwas scannen? Und dazu noch aus dem Maschinenraum? Dann die Antwort:
    „Commander, die Sensoren des Shuttles bestätigen die Aufzeichnungen der Sovereign. Es sind keine Vulkanier an Bord des Transporters.“
    „Was zum...?“
    Lewinski erhob sich zitternd aus dem Sessel. Was war hier los? Woil hatte den Transporter von einem Shuttle gescannt. Waren dessen Sensoren nicht betroffen? Oder waren sie gerade betroffen? Langsam drehte sich Lewinski auf der Brücke, beobachtete die Offiziere, sein anders Ich, den Admiral. Er wusste nicht was los war. Was ging hier vor? Dann geschah etwas, was mit dem Gang der Ereignisse in überhaupt keinem Zusammenhang stand, es erschien einem geradezu obskur: vom hinteren Bereich der Brücke ertönte ein höhnisches, langsames Klatschen. Alle Personen drehten sich zur Geräuschquelle, auch Admiral Kashari begutachtete die Person. Ein Mann stand da, den niemand zuvor gesehen hatte. Er trug eine Sternenflotten-Uniform, ohne Rangabzeichen. Er war jung, Mitte zwanzig vielleicht, das dunkelblonde Haar war etwas länger als vorgeschrieben, der Mund hatte sich zu einem spitzbübischen Lächeln verzogen, dass bereit war, die bittere Wahrheit zu verkünden.
    „Bravo!“ Er klatschte weiter, als er sich dem Captain näherte. „Bravo!“ Lewinski und sein Pendant aus der Zukunft schauten sich verwirrt an. „Bravo.“ Das Klatschen verschwand, ohne Echo, ohne Nachhall. Der Eindringling grinste Lewinski frech an,
    „Ich muss sagen, Captain“, sagte er zynisch, „sie haben genau nach Schema gehandelt. Wie sie vorgegangen sind, einfach klasse. Tollkühn haben sie ein Schiff entwendet, oh, Verzeihung, ihr Schiff natürlich und haben sich Befehlen der Sternenflotte widersetzt. Vom feinsten!“
    Lewinski schüttelte kurz den Kopf. Er hatte nicht vor, sich von irgendjemandem zum Narren machen zu lassen. Kurz blickte er zu Kashari, doch dieser wirkte genauso verwirrt, wie Lewinski auch. Diesmal keine Täuschung.
    „Wer sind sie, verdammt noch mal.“
    Der junge Mensch verbeugte sich altmodisch und verkündete stolz:
    „Wie unhöflich von mir, Captain, bitte verzeihen sie mir, dass ich mich nicht gleich vorgestellt habe. Mein Name ist Sloan, Nathan Sloan.“
    Natürlich. Die Ähnlichkeit war verblüffend. Luther Sloans Sohn.
    „Sektion 31“, erkannte John düster. Als Bestätigung klopfte ihm Sloan auf die Schulter.
    „Ganz recht, Sir. Ich muss schon sagen, es ist mir eine Ehre, dass sie sich an meinen Vater erinnern. Ein großer Mann.“
    „Es war nie...“
    „Bekannt dass er einen Sohn hat?“ unterbrach ihn Nathan schnell, „Nun ja, doch, aber sie kennen ja die Sektion: alles ist unter Verschluss.“
    „Und was machen sie hier? Was wollen sie?“ fragte ihn der zukünftige John. Entsetzten keimte in ihm.
    „Oh, gut dass ausgerechnet sie das fragen. Durch sie hat nämlich unser Plan wunderbar geklappt. Die anderen Mitglieder der Sektion hätten schon viel früher auf diese Methode kommen sollen. Einfach brillant; übrigens stammt sie von mir.“
    Nun verstand keiner mehr etwas. Ir´lia fragte verwirrt:
    „Was machen? Welche Methode?“
    Nathan Sloan schien richtig Freude zu empfinden, als er seinen Coup erläuterte.
    „Meine hübsche Deltanerin, sie sind aber neugierig. Aber gut, da sie mich ja so köstlich unterhalten haben, will ich ihnen nichts vorenthalten. Ihr Captain, also der John, er ist sehr kompetent. In einigen Jahren wird er es noch zu etwas bringen. Aber wenn er in der Hierarchie des Geheimdienstes aufsteigt, so könnte er eine Gefahr für Sektion 31 werden. Was denken sie, wer Chief O´Brien den Antrag auf Versetzung auf die Erde, nach so vielen Jahren, genehmigt hat? Mit Doktor Bashir an seiner Seite wäre er ein zu großes Problem geworden. Doch dass nun am Rande. Also, wo war ich? Ach ja, ihr Captain... hätten wir ihn getötet, wie manche es vorhatten, so wäre er zum Märtyrer geworden, das konnten wir uns nicht leisten. Zuerst muss man den Ruf zerstören, dann ist jemand angreifbar. Und was soll ich sagen, es hat geklappt! Sie haben zwar nicht das Schiff zerstört, aber ein Raumschiff der Föderation entwendet und Befehle missachtet. Wenn sie Glück haben, landen sie nicht lebenslänglich hinter schwedischen Gardinen. Verzeihung, diesen Ausdruck kennen sie sicher nicht mehr. Es bedeutet, im Gefängnis.“
    Die Freude, mit der Sloan diese Verschwörung erläuterte, war geradezu pervers. Entsetzen herrschte bei den Crews beider Schiffe.
    „Aber, aber“, stammelte Lewinski, „John, er stammt doch aus der Zukunft, er hat meine DNA...“
    „Geklont, mein guter Captain, geklont. Und die Erinnerungen, na ja, wir können so etwas ebenfalls duplizieren. Und, um ihnen zuvorzukommen, Lieutenant Ardev, sein Teilwissen über die Zukunft ist echt. Vergessen sie nicht, wir sind Sektion 31. Ach ja, einfach herrlich. Der gute Klon hat dies alles für bare Münze genommen. Er glaubte tatsächlich, dass es ein Virus gegeben hatte. Perfekt!“
    Alles schien sich für Lewinski zu drehen. Nicht nur für den Captain, sondern auch für sein Pendant. Stellen sie sich einmal den Schock vor, wenn sie erfahren, dass ihre ganze Existenz, ihre ganzen Erinnerungen eine Lüge sind. Dem anderen John war schlecht. Alles eine Lüge.
    „Nun ja“, fuhr Sloan erneut fort, nun brauchen wir dich ja nicht mehr.“
    Und mit einer geschmeidigen Bewegung holte er einen kleinen Auslöser heraus und betätigte ihn. Der andere John verdrehte die Augen und fiel mit einem lauten Plumps zu Boden. Er war sofort tot. Lewinski kniete sich neben ihn, hielt den leblosen Kopf in den Händen. Die Augen waren noch geöffnet, sie blickten leer. Langsam winkte Sloan, immer noch mit diesem geschmacklosen Lächeln.
    „Ich muss mich nun verabschieden. Ach ja, die Sensoren haben wir vor ihrer Abreise manipuliert. Und von dieser Sache hier gibt es keine Schiffsaufzeichnungen. Junge, Junge, ich muss schon sagen, dass war ein toller Tag. Man sieht sich und viel Spaß noch.“
    Dann verblasste Sloan und war weg. Er war nur ein Hologramm gewesen, hatte nie hier gestanden. Totenstille herrschte. Lewinski hielt immer noch den Kopf seines toten Klons in den Händen.
    Ein toller Tag.

    So musste sich auch Captain Kirk gefühlt haben, als er seine Zeitreise zurück ins 20. Jahrhundert gemacht hatte, um die Wal-Sonde zu stoppen. Diesen Adrinalinschock musste er empfunden haben, als er die Bounty um die Sonne und damit durch die Zeit geschleudert hatte.
    Nun hatte Defiant ihr Ziel erreicht, dass menschliche Jahr 700 v.Chr. Die ach so mächtige Flotter der Allianz war durch einige Überraschungsangriffe getäuscht worden, so dass die Rebellen die Zeitreise ohne Probleme durchführen konnten. Nun waren sie da, in der Umlaufbahn von Qo´Nos. Während O´Brien den grünen Planeten auf dem Schirm voller Abscheu betrachtete, steuerte Julian Bashir das Schiff in einen günstigen Angriffsorbit. Ein weiters Mal sondierte Danny Bird, der an den taktischen Kontrollen saß, den Planeten. Fast das gleiche Bild wie auf Cardassia wenige Stunden zuvor: einige wenige tausend Klingonen waren auf dem Planeten verstreut. Sie lebten in einer Welt, in der der Gedanke ans Fliegen an Aberglauben grenzte. Genauso wie die Cardassianer wenige Stunden zuvor ahnten sie nichts von der Gefahr, die nun über ihren Köpfen schwebte. Danny bereitete den Abschuss der Torpedos vor, die die Atmosphäre mit Trilithium-Harz vergiften würden. Dann würden alle Lebewesen aussterben und mit ihr die tyrannische Allianz. Noch einmal musste Danny Bird gegen den Eid verstoßen, den er als Sternenflotten-Mitglied geleistet hatte und Völkermord begehen. Dieser Plan entbehrte jedweder Logik. Zu hoffen, dass die Allianz nicht existierte, war nur eine, der vielen Möglichkeiten, die sich aus dieser Manipulation er Zeit ergaben. Dies hatte sogar Smiley erkannt. Doch es war noch die beste Chance, die die Menschheit hatte.
    „Sind nun in Angriffsposition“, meldete Bashir angespannt. Er hasste die Allianz am meisten, das wusste jeder, nur den Grund kannte man nicht. Bird erfasste das Ziel. Noch einmal Mord, noch einmal Unrecht begehen...
    „Feuere Torpedos.“
    Es lag keinerlei Emotion in seiner Stimme. Ruhig beobachteten alle die beiden Lichtpunkte, die sich dem Planeten näherten und dann explodierten. Schon nach wenigen Minuten begann sich die Atmosphäre grau zu färben. In einigen Stunden war der Planet unbewohnbar, hochgiftig. Es war geschafft. Doch es gab keinen lauten Jubel, kein Geschrei. Jedem war klar, was sie eben getan hatten. Es war nun an der Zeit, zurückzukehren.
    „Was denken sie, Smiley“, fragte ihn Danny, als sie ihn Richtung Transporterraum gingen, der ihn nach der erfolgreichen Reise direkt zurück beamen würde, „werden wir uns an das Geschehene erinnern?“
    Der Ire zuckte die Schultern. Auch für ihn war es ein langer Tag gewesen.
    „Ich weiß nicht. Vielleicht.“
    Mehr gab es nicht zu sagen. Noch einmal zogen an Bird alle Klingonen vorbei, die er in seinem Leben gekannt hatte. Hier würde es sie nicht mehr geben. Bei ihm schon. Er hoffte nur, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte.

    Die Welt ist schön. Und wert, dass man um sie kämpft.

    -Ernest Hemmingway



    - Ende -


    Quelle: treknews.de
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    • Hallo Gast - Aufgrund des vielen Spams müssen leider ein paar Fragen beantwortet werden.

      Bitte der Reihe nach durchführen, sonst kann das Captcha nicht erfolgreich abgeschlossen werden...
      Schritt 1: Wenn Picard ein Captain ist, sollte hier ein Haken rein...
      Schritt 2: und wenn es in der Nacht nicht hell ist, sollte hier der Haken raus!
      Schritt 3:

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