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  • Monitor - 5x14: Nox Vacua

    Season Finale
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    • TheOssi
    Der Anfang vom Ende: Bruce Land untersucht das Wrack der Monitor. Dies fordert alle Kräfte von ihm...

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    Monitor 5x14 "Nox Vacua"
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    Für das ungeschulte Auge wäre dieses Objekt nicht mehr als Raumschiff erkennbar gewesen. Es trieb inmitten des Nichts, Lichtjahre vom nächsten Planeten der Klasse M oder einer Sonne entfernt. Wie ein dunkler Stein hing es in der Schwerelosigkeit und wartete auf seine Rettung. Doch nichts wagte sich an dieses Schiff. Es war verflucht. Von Geistern bewohnt. Nicht ein Lichtstrahl erachtete es für nötig, dieses einst so prachtvolle kleine Schiff den Glanz zu geben, den es verdiente.
    Doch dieses Schiff sollte anders enden. Im Halbdunkel verschollen, vor dem Firmament der Sterne.
    Irgendwo in der Vergessenheit...
    Gefangen zwischen den Zeiten, zeitlos...

    Das tragische Ende der USS Monitor...



    Tag 12

    Bruce Land saß allein in seinem Quartier auf der USS Voyager. Kraftlos war er in seinen Sessel gefallen und versuchte sich abzulenken. Sie verbrachten nun schon zwei Tage damit, die Monitor zu suchen. Und Bruce wusste, dass dies ein unmögliches Unterfangen werden könnte. Er kannte dieses Schiff besser als kaum ein anderer. Wenn die Monitor nicht gefunden werden wollte, wurde sie nicht gefunden.
    Doch dieses Mal handelte es sich um etwas anderes. Der hiesige Sektorchef des Geheimdiensts hatte die Voyager mit dem dringenden Befehl beauftragt, die Monitor zu suchen. Anscheinend hatte sie eine Mission nicht planmäßig angetreten und auch nichts von sich hören lassen.
    Und hier draußen, am Rande des Föderationsraums, gab es auch nicht sehr viele Stationen oder Subraumtransceiver. Dass Bruce Land nach seinem alten Schiff suchte kam einem Zufall gleich. Die Voyager war vor einem halben Jahr damit beauftragt worden, den unbekannten Raum zu untersuchen. Nichtahnend, dass die Monitor ebenfalls in der Nähe operierte.
    Doch bisher reagierte sie nicht auf Rufe und war auch nicht auf den Sensoren zu sehen. Land wusste, dass es demnach nur drei Möglichkeiten gab: die erste war, dass sie nicht gefunden werden wollte. Das würde voraussetzen, dass die Monitor irgendeine Mission befolgte, egal ob nun autorisiert oder nicht und die Voyager dabei nur ein Teil dieser Mission war um irgendwelche dritte abzulenken. Der erste Offizier musste sich eingestehen, dass ihm diese Möglichkeit am meisten zusprach.
    Die zweite Möglichkeit beruhte auf der Annahme, dass die Monitor tatsächlich verschollen war und sie irgendwelche Probleme hatten, die sie soweit in unbekanntes Territorium trieben, dass die Voyager noch tagelang suchen würde.
    Die dritte war vollkommen unabhängig von irgendwelchen Annahmen. Die Monitor wäre demnach nicht auf den Sensorschirmen, weil sie zerstört wurde.
    Egal welche Möglichkeit zutraf, hatte die Voyager den Auftrag bekommen den Vorfall penibel genau zu untersuchen. Land hatte Chakotay schon gebeten, die Ermittlungen leiten zu dürfen, was er aufgrund seines Postens als Erster Offizier höchstwahrscheinlich auch so getan hätte.
    Der Captain hatte zwar zuerst einige Bedenken geäußert, da er ja einst dem Schiff angehörte, doch Land hatte ihn überzeugen können. Gerade aufgrund dessen war es für ihn einfacher, sich in das Schiff einzuarbeiten. Außerdem kenne er die Personen und ihr Verhalten wie kein anderer.
    Chakotay hatte dem nachgegeben, wenn auch nur unter vorbehalten. Schließlich wusste er ja noch nicht, was mit dem Schiff und der Besatzung geschehen war. Und er konnte seinen ersten Offizier immer noch zurückpfeifen, sollte er nicht unparteiisch bleiben.
    Also wartete Land jetzt darauf, bis eine Spur gefunden wurde.
    Neben dem Sessel stand ein kleiner Glastisch, auf dem er ein Bild abgestellt hatte. Er nahm es zu sich und betrachtete es aufmerksam.
    In Grunde war es gar kein Bild. Es war nur der Rahmen. Dort, wo sich eigentlich ein Bild befinden sollte prangerte nur der blanke schwarze Hintergrund.
    Trotzdem erinnerte es ihn an die Monitor. Es gab kein Gruppenfoto der Brückencrew. Er wusste nicht, wieso es nie dazugekommen war. Vielleicht aus einem Grund der Geheimhaltung oder auch aus Zeitgründen. Auf jeden Fall prangerte hier nun ein leerer Bilderrahmen.
    In diesem Moment erklang der Türsummer.
    Land sah erschrocken zur Tür. Mit einem neutral klingenden „Herein“, gewahr er dem Besucher Einlass.
    Grelles Licht fiel vom Flur in sein Quartier, das er etwas abgedunkelt hatte um sich besser entspannen zu können.
    „Captain Chakotay“, begrüßte Land seinen Besucher. „Kommen Sie herein.“
    „Danke“, erwiderte er und trat schnell ein, wodurch sich die Tür schloss und die Ruhe im Quartier wieder hergestellt war.
    „Bitte, setzen Sie sich doch.“ Land deutete sogleich auf die Couch neben seinem Sessel.
    Chakotay nahm dieses Angebot dankend an und setzte sich. Dann schwieg er und sah zu Land.
    „Kann ich etwas für Sie tun Sir?“, fragte der nach einigen langen Sekunden.
    „Das wollte ich Sie fragen“, antwortete er schlicht.
    Land winkte sogleich ab. „Noch haben wir die Monitor nicht gefunden...“
    „Vielleicht finden wir sie auch gar nie. Sie haben viele Freunde auf jenem Schiff, und auf diesem. Ich will nur sichergehen, dass diese Situation meinen Ersten Offizier nicht zu sehr beeinflusst.“ Chakotay wartete einige Sekunden, bevor er fortfuhr. „Sie wissen, dass Counsellor Kalen immer ein offenes Ohr hat, auch für Sie.“
    Die Voyager hatte vor ihrem Abflug noch einen zivilen Counsellor an Bord genommen. Dieses Mal wussten sie ja, dass ihre Mission längere Zeit in Anspruch nehmen würde. Also war es immer gut, einen Berater und eine neutrale Ansprechperson an Bord zu haben.
    Land wollte gerade eben etwas erwidern, als eine Stimme aus der Interkom klang. Es war Barclay.
    „Barclay an Captain Chakotay.“
    „Hier Chakotay, was gibt’s?“
    „Sir, wir haben vielleicht eine Spur von der Monitor.“
    Noch bevor Chakotay antworten konnte, war Bruce Land schon aufgesprungen und eilte zur Tür. Chakotay folgte ihm, so schnell er konnte.
    „Wir sind auf dem Weg.“

    Auf der Brücke gingen Chakotay und Land schnurstracks zur wissenschaftlichen Station, an der Chakotays Frau Annika Hansen und der Chefingenieur Reg Barclay schon warteten.
    „Bericht“, forderte Chakotay sogleich.
    „Wir haben ein unbekanntes Objekt auf den Sensoren“, antwortete seine Frau, die in solchen Fällen immer noch in einen kühlen Borgtonfall fiel.
    „Wo?“, fragte Land.
    „In etwa 7 Lichtjahren Entfernung“, antwortete diesmal Barclay.
    „Wieso haben wir das nicht früher bemerkt?“, wollte Chakotay wissen. Es klang zwar keine Bedrohung in seiner Stimme, doch jedermann wusste, dass er eine Antwort forderte. Ohne Umschweife.
    „Wir hielten dieses Objekt zuerst für ein natürliches Phänomen. Bis ein automatisches Notsignal von ihm ausging.“ Barclay wagte es nicht, Chakotay direkt in die Augen zu sehen. Doch es fühlte, dass Chakotay noch einige Erklärungen forderte. „Es ist ein schwaches Unterlichtsignal, das von einer kleinen Bake ausgeht. Dieses Signal ist aber auch das einzige, das dieses Objekt als Schiff der Sternenflotte kennzeichnet.“
    „Für die Monitor...“, ging Land dazwischen „...ist das nicht ungewöhnlich.“
    „Was noch?“, fragte der Captain, ungeachtete des Zwischenrufs seines Ersten Offiziers.
    „Wir sollten uns keine zu große Hoffnung machen“, teilte Annika die traurige Nachricht nach einem tiefen Atemzug mit. „Wir können eine große Menge an Strahlung und Restwerten wahrnehmen, die darauf hindeuten, dass es einige schwere Explosion gab.“
    „Aber irgendjemand muss den Notruf aktiviert haben“, erkannte Land.
    „Und dieser jemand hat dies mit sicher nicht gemacht, als er tot war“, spann Chakotay den Gedanken weiter. Dann brach in ihm Aktivität aus und er wandte sich an die Steuerfrau. „Tema’na, setzen Sie einen Kurs auf dieses Objekt. Warp 9.“
    „Aye Sir“, bestätigte die Romulanerin und praktisch im selben Moment änderte die Voyager ihren Kurs. Und auch Lands Stimmung änderte sich im selben Moment. Plötzlich hatte ihn ein tiefes Gefühl der Euphorie erpackt.
    Er wusste nicht, dass er keinen Grund dazu hatte, so zu fühlen.

    Es verging nicht viel Zeit, bis die Voyager das Wrack der Monitor erreichte. Doch für Land dehnte sich diese Zeit ins Unendliche. Umso schlimmer traf ihn dann auch das erste Bild, das die Sensoren übermittelten und auf dem Bildschirm des Schiffes der Intrepid Klasse dargestellt wurde.
    Wortlos stand Bruce Land da und betrachtete es.
    Chakotay sah es ebenso fassungslos an. Als er dann die Blicke bemerkte, die sich weniger auf das Schiff konzentrierten, sondern auf Land gab er schnell die nächsten Befehle.
    „Komplette Analyse“, forderte er und sah zur wissenschaftlichen Station, an der seine Frau noch immer Dienst tat.
    „Aufgrund eines Strahlungslecks kann ich wenige genau Angaben machen. Allerdings sind die Rettungskapseln des ersten Decks gestartet worden. Ich kann ihre Spur erkennen“, lautete der erste Bericht.
    „Was ist mit Lebenszeichen?“, fragte Chakotay.
    „Das Strahlungsleck verhindert, dass ich das Schiff scannen kann. Bisher gibt es keine Lebenszeichen.“
    „Was ist mit den Rettungskapseln?“
    Annika Hansen sah erneut auf ihre Anzeigen und richtete die Sensoren neu aus. Ihr Bericht schlug dann auch ein wie eine Bombe. „Keine Sir.“
    An Bruce Land schienen die Worte spurlos vorbeizugehen. Leicht hatte er seinen Kopf gesenkt und die Augen geschlossen. Verzweifelt versuchte er einen klaren Gedanken zu fassen, doch er konnte nur an die 51 Leben an Bord des kleinen Schiffes denken.
    „Wie geht es dem Schiff an sich?“, fragte Chakotay, der dabei die Monitor genau beobachtete und die Schäden an ihr deutlich bemerkte. „Stammen die Explosionsherde von einem Angriff?“
    „Nein. Die Explosionen stammen von überlasteten Energieleitungen. Zudem wurden die Deuteriumkapseln abgesprengt. Allerdings hat die Besatzung offenbar versucht, diese Mangel mit dem Deuterium aus den Shuttles wieder wett zu machen. Sie haben es aber nicht bis zur Vollendung dieses Plans gebracht.“
    „Funktioniert die Lebenserhaltung?“ Lands laute fragte überrascht alle auf der Brücke. Noch immer hatte er sich keinen Millimeter gerührt.
    „Nur auf der Brücke“, lautete Hansens prompte Antwort.
    „Captain, ich erbitte um Erlaubnis für einen Außenmission.“ Land hatte sich nun zu Chakotay umgedreht. Es bestand kein Zweifel, dass er nur eine Antwort akzeptierte. Also gab Chakotay sie.
    „Aber nur mit einem kleinen Team. Und es bleibt die ganze Zeit ein Kom – Kanal geöffnet.“
    Land nickte und machte sich sofort auf den Weg. Er wollte herausfinden was mit dem Schiff geschehen war. Er wusste, dass er keine Ruhe finden würde, solange dieses Geheimnis ungelöst blieb.

    Das Glitzern des Transporterstrahls wich der Schwärze der Monitor. Mit dem ersten Atemzug, den Land an Bord des Schiffes nahm, wusste er, dass hier etwas furchtbares und abscheuliches geschehen war. Die Luft war kühl. Zu kühl. Sie lag nur knapp über dem Gefrierpunkt. Was nur rein körperlich kurz schockierte denn die Uniformen wärmten den Körper auch noch bei diesen Temperaturen erstklassig.
    Bruce Land wartete, wie die anderen seinen Teams auch, das aus Annika Hansen und Barclay bestand, bis sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Zwar hatten sie ihre Taschenlampen bereits aktiviert, doch die Umstellung war immer noch immens.
    Während dieser Sekunden hörten sie jede Bewegung auf dem Schiff. Winde strichen durch die leeren Decks der Monitor, ausgelöst durch die großen Temperaturunterschiede. Die Verstrebungen krachten unter der Kälte, der das Schiff schutzlos ausgeliefert war.
    Endlich war Land in der Lage Umrisse und Konturen deutlich zu erkennen.
    Auf der Brücke herrschte das pure Chaos. Keine Station gab mehr Energie ab.
    Und in der Mitte. Im Sitz des Kommandanten saß...
    Danny Bird.
    Land konnte sich nicht bewegen. „Danny“, flüsterte er. Annika Hansen trat sogleich auf ihn zu. Nur kurz musste sie auf ihren Trikorder sehen um das Abscheuliche zu erkennen. „Er ist tot.“
    Geschockt sah Land zu seinem ehemaligen Kollegen. Er war älter geworden. Aber er sah auch abgemagert aus. Was mochte mit ihm geschehen sein?
    Bruce Land riss sich aus seiner Starre. „Barclay beschaffen Sie uns etwas Energie. Crewman Hansen, helfen Sie ihm und versuchen Sie dann an den Schiffsrekorder und das Logbuch ranzukommen.“ Land deutete dabei auf eine Station im hinteren Bereich der Brücke. „Von dort aus werden Sie den besten Zugang haben.“
    Beide bestätigten den Befehl sofort und machten sich an die Arbeit.
    In der Zwischenzeit trat er auf Bird zu und beobachtete ihn stumm. Seine geöffneten Augen starrten an die Decke. Wahrlich wie ein Sack hing er in dem Stuhl, den Kopf nach hinten gelehnt, der rechte Arm hing einfach so herab, während der linke auf der Lehne des Stuhles ruhte.
    „Was ist mit dir passiert Danny?“, fragte er seinen Freund. Ruhig näherte er sich um und schloss mit einer beinahe rituell wirkenden Handbewegung seine Augen.
    Dann senkte er seinen Kopf und gedachte ihm einige Momente lang. Bis sich die Brücke wieder mit einem Minimum an Leben füllte, als einige der Konsolen wieder mit Energie gespeist wurden.
    Leicht verwundert drehte er sich zu den beiden Offizieren um.
    „Gut gemacht Lieutenant“, lobte der erste Offizier Barclay. Der sah darauf nur mit einem knappen Lächeln zu ihm, was in dieser Kulisse mehr als unabgebracht wirkte.
    „Danke Sir“, fügte Barclay noch stolz hinzu, bevor er sich wieder umdrehte und weiterarbeitete.
    Doch Annika Hansen wandte sich kurz von den Kontrollen ab und kam zu Land.
    „Ist mit Ihnen alles in Ordnung?“, fragte sie.
    „Es geht. Wir müssen nur einen detaillierten Plan ausarbeiten, wie wir bei den Untersuchungen vorgehen. Außerdem werde ich mir dann noch das ganze Schiff ansehen. Und jemand muss sich die Aufzeichnung des Schiffsrekorders und der Logbücher ansehen. Sie könnten auch noch zu den Rettungskapseln fliegen um diese ebenfalls zu untersuchen...“
    „Sir“ unterbrach sie ihn mit der gefühlvollen „Mutterstimme“, die sie sich während der letzten zwei Jahre als Mutter angeeignet hatte. „Wir werden das schon schaffen. Auch Sie.“
    Land dankte ihr mit einem kleinen Lächeln. Eine solche kleine Aufmunterung hatte er jetzt benötigt. „Danke, aber...“ er unterbrach sich selbst, als sein Blick zurück auf Danny Bird fiel. Er konnte ihn nicht von dem jungen Mann lösen. Doch nicht wegen den Gefühlen, die ihn mit ihm verbanden, sondern wegen purer Verwunderung. „Seine Augen.“
    Annika Hansen sah nun ebenfalls zu Bird. Direkt in seine klaren Augen. „Was ist mit ihnen?“
    „Ich habe sie gerade eben geschlossen.“ Langsam trat er auf ihn zu...
    Und schrie um sein Leben, als sich Danny Bird in einem krampfartigen Anfall vom Stuhl herunter hustete und vor den Füßen des Ersten Offiziers liegen blieb. Seine trockene Kehle war kaum im Stande, ein klares Wort zu fassen. Doch wenn man genau hinhörte, vernahm man ein Wort.
    Hilfe.

    Nur wenige Minuten später wartete Land zusammen Chakotay auf die ersten Untersuchungsergebnisse. Die Krankenstation war abgedunkelt worden um Bird keinen Lichtschock zu versetzen, mit dem Risiko, dass er erblinden könnte.
    Chakotay wartete, bis Land von sich aus bereit war, etwas zu sagen. Doch zuvor trat der Doktor auf sie zu. Er versucht nicht allzu deprimiert zuwirken, doch er schaffte es nicht, seine Miene aufzuheitern.
    „Wie steht es um ihn?“, fragte Chakotay schnell um eine Unangenehme Situation zu vermeiden.
    Der Doktor nahm noch die letzten Schritte durch das Kraftfeld, das um das zentrale Biobett errichtet worden war und stand dann vor den beiden Kommandanten.
    „Nicht gut Sir“, antwortete er mit einem Flüsterton. Offenbar wollte er diese Worte nicht all zu laut in Birds Gegenwart aussprechen. „Er ist ausgetrocknet und ausgehungert. Seine Augen werden vermutlich nie wieder mehr Licht wie dieses aufnehmen können. Einige seiner Organe sind sehr schwer beschädigt und leiden an Unterfunktionen. Zudem war er mit der Strahlung verseucht, die auf dem Schiff austritt, was ich schon behandeln konnte. Außerdem, und das ist das wichtigste, leidet er an einem traumatischen Schock, aus dem er sich vermutlich nie wieder befreien werden kann.“
    Mit einem Seufzen nahm Chakotay diese Worte auf und stemmte seine Fäuste in die Hüfte, so wie er es von Janeway gelernt hatte. „Können Sie seine Wunden behandeln?“
    Niedergeschlagen drehte er seinen Kopf zu Seite. „Ich kann versuchen neue Sehnerven zu klonen. Besser vielleicht gleich ganz neue Augäpfel. Wenige Risiko würden wir mit einem VISOR eingehen, doch eine solche Umstellung könnte seinen Schock noch verschlimmern. Und natürlich sind auch die Schäden an seinen Organen keine großen Probleme, doch all dies wird nichts an seiner Situation ändern.“
    Chakotay und Land verstanden. Sie sahen sich beide an und der Erste Offizier traf die Entscheidung.
    „Können Sie sofort damit anfangen?“
    „Ich könnte natürlich. Aber besser wäre es, wir bringen ihn zur nächsten Raumstation,“ antwortete der Doc.
    Land schüttelte nur den Kopf. „Solange wir nicht wissen, was geschehen ist und wieso die Monitor sich so weit entfernt von allen Routen und bevölkerten Planeten befindet, bleiben wir hier. Außerdem ist die Schiffshülle der Monitor immer noch eine wertvolle Fracht für Piraten.“
    „Bereiten Sie hier alles vor Doc. Machen Sie ihm sein Leben etwas angenehmer.“
    „Natürlich“, antwortete der holografische Arzt und machte sich sogleich an die Arbeit.
    „Womit wir zur wichtigen Frage kommen, wieso der Trikorder nicht festgestellt hat, dass er lebt, selbst auf solch kurze Distanz?“, fragte Chakotay.
    „Sie haben den Doc gehört. Er war von der Strahlung verseucht und hat die Sensoren so selbst abgelenkt“, antwortete Land so schlicht er nur konnte. Er wusste, dass dieser Umstand nur für Bird galt. Überall sonst an Bord der Monitor war die Lebenserhaltung schon seit mehr als zwei Tage abgeschaltet. Niemand konnte dort überlebt haben.
    In diesem Moment trafen Barclay und Hansen ein.
    „Captain, Commander“, unterbrach der Chefingenieur die beiden Männer.
    „Was haben Sie?“, forderte Chakotay sogleich.
    „Wir haben den Schiffsrekorder und das Logbuch bergen können...“, begann Barclay.
    „...Aber?“, fragte Land, als er die Unsicherheit in Barclays Stimme bemerkt hatte. Seit er an Bord war hatte er den früher so unsicheren Mann nicht so unsicher erlebt. Irgendetwas konnte nicht stimmen.
    Annika Hansen fuhr fort. Sie schaffte es immer schlechte Nachrichten schnell zu übermitteln ohne dabei selbst zu große Gefühle zu zeigen. „Aufgrund der schweren Beschädigungen am Computerkern des Schiffes und der Strahlung an Bord, war es uns nur möglich den allerletzten Logbucheintrag abzurufen.“
    „Und der Schiffsrekorder?“, fragte Land nach.
    „Wie schon erwähnt, aufgrund dieser Umstände müssen wir den Rekorder komplett von der Strahlung befreien um in entschlüsseln zu können. Hinzu kommt, da die jüngsten Aufzeichnung weniger verstrahlt sind wie die älteren, wir die letzten Tage nur in rückwärtiger Reihenfolge abrufen können.“
    Land legte seine Stirn in Falten. „Nun gut, das ist besser als nichts.“
    „Und in Anbetracht der schweren Beschädigungen schon sehr viel“, korrigierte Hansen.
    „Wann haben Sie den ersten Tag entschlüsselt?“, fragte Chakotay.
    „Morgen Sir“, antwortete Barclay.
    Der Captain nickte. „Gut, geben Sie Counsellor Kalen Bescheid. Er soll sich die Aufzeichnungen ansehen.“
    „Sir, dürfte ich einen anderen Vorschlag machen“, warf Land ein.
    „Bitte Commander.“ Chakotay wartete wie die anderen auf Lands Vorschlag.
    „Ich werde mir die Aufzeichnungen ansehen. Ich werde dazu ein Holodeck benötigen, da ich dort direkt vor Ort sein kann...“
    „Einen Moment Commander“, unterbrach Chakotay. „Sie sind zu so etwas nicht ausgebildet. Außerdem könnte mit Ihnen das gleiche geschehen wie mir Lieutenant Bird. Da es ihr Schiff war und ihre ehemalige Crew könnten Sie alles viel zu sehr an sich ranlassen.“
    „Captain, ich bitte Sie. Ich muss es tun. Kein anderer versteht so schnell wie ich, was dort passiert ist. Besonders wenn es rückwärts geschieht, ist es wichtig, dass sich jemand mit der Materie auskennt. Ich bitte Sie Captain.“
    Nachdenklich sah Chakotay ihn an. „Nun unter einer Bedingung. Sie werden sich täglich mit Kalen unterhalten. Und sobald er Alarm schlägt, sind Sie weg von der Sache.“
    „Aye Sir. Danke Sir“, antwortete Land, den plötzlich wieder ein Funken Hoffnung gepackt hatte. Sofort wandte er sich an Barclay und Hansen. „Lassen Sie mir den letzten Logbucheintrag und alle anderen Berichte zukommen, die sie schon haben.“
    Die beiden Offiziere konnten nicht einmal bestätigen, so schnell war Land aus der Krankenstation in sein Quartier verschwunden.
    Besorgt blickte Chakotay ihm hinterher und wandte sich dann ebenfalls an die beiden Offiziere. „Lassen Sie mir dasselbe zukommen. Machen sie sich dann an die Arbeit den Rekorder zu entschlüsseln. Und schicken Sie Kalen bei Commander Land vorbei.“
    „Aye Sir“, bestätigten beide gleichzeitig. Und beide wirkten bei diesen Worten ebenso besorgt wie Chakotay. Auf allen lastete das dunkle Geheimnis der Monitor. Und Land hatte alles auf sich genommen.
    Wo mochte dies wohl enden?

    Wie am Morgen dieses Tages saß Bruce Land in dem Sessel in seinem Quartier. In den Händen hielt er ein PADD, auf dem der letzte Logbucheintrag gespeichert war. Seit Stunden hielt er es, wagte es aber nicht, sie abzuspielen.
    Die Analyse hatte ergeben, dass die Nachricht zwei Tage alt war. Land hatte Angst. Was würde er wohl hören? Ihm wurde jedoch klar, dass sich die Aufgabe nicht bessern würde, wenn er es lange hinaus zögerte. Also drückte er den Knopf und vernahm sofort Danny Birds Stimme. Doch sie klang nicht stark, wie er es gewöhnt war. Sie klang schwach und gebrochen.

    Computerlogbuch der USS Monitor
    Sicherheitschef Danny Bird
    Sternzeit: ist unwichtig
    Ich sitze hier, im Dunkeln und frage mich, wie es sein wird, wenn sich die Dunkelheit wirklich über mich legt. Ich weiß nur, dass ich sie erwarte.
    Ich möchte mit diesen Worten jeden warnen, dieses Schiff zu betreten. Es ist verflucht. So wie ich. Bis in alle Ewigkeit.
    In den letzten Tagen habe ich soviel Horror erlebt und soviel Schrecken, der mich immer noch erzittern lässt. Am liebsten würde ich alles beenden, jetzt, hier, sofort. Doch ich bin zu schwach um mich aus dem Stuhl zu erheben. Meine Beine brennen, wenn ich nur daran denke.
    Außerdem wird die Luft langsam knapp und die Temperatur fällt. Ich werde einschlafen. Irgendwann werde ich einfach friedlich einschlafen. Ich werde hoffentlich einen schönen Traum haben und aus diesem nie mehr erwachen.
    Ein schöner Gedanke.
    Wären wir doch nur nicht diesem Notruf gefolgt. Hätten wir doch nur nicht meinen Plan verwirklicht. Vielleicht hätte sich so alles geändert, vielleicht wäre so alles normal geblieben.
    Doch dies werde ich nie erfahren.
    Ich wünsche Ihnen, wer auch immer dies hören mag, Frieden und ein langes Leben.

    Danny Bird.


    Die Stimme verklang und hinterließ in Lands Quartier eine gänsehauteinflößende Kälte. Land nahm sich das PADD zur Hand und schrieb sich einige Notizen auf. Ihm war bewusst, dass er sich schnell beschäftigen musste, sonst würde er nur in eine tiefe Trauer stürzen.
    In diesem Moment erklang sein Türsummer.
    Erschrocken sah er zur Tür und bat seinen Gast herein.
    Es war Counsellor Kalen.
    „Commander Land, darf ich Sie sprechen?“
    Die Stimme des El-Aurianers klang sanft wie immer. So weit Land wusste, war er der einzigste seiner Art in der Sternenflotte. Warum dies so war hatte sogar Kalen nie genau erklären können oder wollen. Vermutlich lag es daran, dass die El-Aurianer zu weise waren, aus ihrer Sicht, um sich einer so engstirnigen Institution wie der Sternenflotte unterzuordnen. Um ehrlich zu sein bekleidete Kalen auch nur den offiziellen Rang eines Crewman, da er nie graduiert hatte. Doch diesen Umstand machte er durch seine Fülle an Lebenserfahrung wieder wett. Er sah zwar äußerlich wie ein Mitvierziger aus, hatte aber mit Sicherheit schon mehr als vierhundert Jahre auf dem Rücken.
    Land an sich hatte diesen Besuch erwartet.
    Ohne Aufforderung trat Kalen ein und setzte sich auf die Couch.
    „Ich habe erst den letzten Logbucheintrag gehört. Noch habe ich keine Neurose“, begann Land mit deutlichem Sarkasmus.
    „Sind Sie sich da so sicher Commander?“
    „Hören Sie, ich habe dem Captain versprochen, Sie aufzusuchen. Und das werde ich auch tun. Aber noch nicht jetzt.“
    „Sie haben anstrengende Ermittlungen vor sich. Eine gute Vorbereitung ist da immer die halbe Miete“, der Counsellor ließ sich nicht abbringen und sprach auch weiter mit sanfter Stimme. „Also, was haben Sie bisher?“
    Verlegen sah Land zu Boden. Kalen hatte natürlich recht. „Danny Bird war der letzte Überlebende. Nach seinen Worten ist viel furchtbares passiert. Offenbar geschah es, nachdem sie einem Notruf gefolgt sind. Und ich weiß auch, dass Bird etwas mit der Situation zu tun hat. Anscheinend hat er einen Plan ausgearbeitet, der, nach seinen Worten, die Situation erst zu diesem Fiasko geführt hat.“
    „Das klingt doch schon mal, als wäre da ein Potenzial für eine kleine Neurose“, kommentierte Kalen mit einem Lächeln auf seinen Lippen.
    Land ließ sich von diesem Lächeln für eine kurze Sekunde anstecken. „Ich werde morgen wieder mit Ihnen sprechen. Wenn ich den ersten Tag erlebt habe.“
    „Einverstanden“, bestätigte Kalen und stand auf. „Dann sehen wir uns morgen.“ Und schon war er auch wieder verschwunden. So unaufgefordert wie er das Quartier betreten hatte, hatte er es auch verlassen.
    „Den Mann soll einer verstehen“, murmelte Land und sah zu der geschlossenen Tür. „Dabei sind die El-Aurianer doch das Volk der Zuhörer.“
    Doch Land wusste, dass Kalen nichts ohne Grund tat. Und wenn es einen Counsellor gab, der etwas von seinem Job verstand, dann war es Kalen.
    Land lehnte sich zurück und sah zur Decke. Die nächsten Tage warteten mit Unglaublichem auf. Das war ihm klar. Und zum ersten Mal in seiner Karriere hatte er absolut keine Ahnung, auf was er sich vorbereiten sollte.

    Tag 13, 5:57 Uhr Bordzeit der U.S.S. Voyager

    „Barclay an Commander Land.“
    Keine Antwort.
    „Barclay an Commander Land,“ wiederholte der Chefingenieur seine Durchsage der Interkom. Dieses Mal war sie laut genug um Bruce Land aus seinem Schlaf zu reißen.
    Verschlafen wandte sich der Erste Offizier zur Zimmerdecke. Seine Augen hatte er immer noch geschlossen, in der Hoffnung, noch etwas von dem erholenden Schlaf zu retten, den er soeben genossen hatte. Auch wenn die Nacht, wie immer, schon wieder viel zu früh zu Ende war.
    „Was gibt es Reg?“, fragte er.
    „Sir, es tut mir leid wegen der frühen Störung, aber wir haben den ersten Tag dekodiert“, antwortete er sogleich. Auch ihm war die Erschöpfung anzuhören. Offenbar hatte er eine Nachtschicht eingelegt.
    Aber die Worte zeigten ihre Wirkung. Bruce Land stand praktisch sofort im Bett und war hellwach.
    „Laden Sie ihn auf Holodeck zwei“, befahl er.
    „Wird sofort gemacht Sir“, lautete Barclays Antwort.
    „Wie sieht es mit der Monitor aus? Wann können wir sie betreten?“, fragte er, während er sich seine Uniform anzog.
    „Meine Techniker haben die Lebenserhaltung bis heute abend wieder reaktiviert.“
    „Ausgezeichnet. Geben Sie dem Captain den Status durch. Ich bin dann auf Holodeck zwei.“
    „Verstanden Sir.“
    „Land Ende“, schloss der Erste Offizier den Kanal und verließ praktisch im selben Moment das Quartier. Jetzt würde er dem Rätsel einen Schritt näher kommen.
    Endlich.

    Es verging keine Minute, bis Land mitten in Holodeck zwei stand und auf die kalten Verstrebungen und Emitter sah. Ohne Worte oder ein Zeichen von Ungeduld wartete er auf die Bestätigung des Computers.
    „Schiffsrekordereinheit geladen und bereit“, verkündete die weibliche Stimme des Schiffscomputers schließlich.
    Land atmete einmal tief durch und gab dann die Anweisung. „Die Einheit aufrufen und starten.“
    Er hörte, wie der Computer mit einigen Hupgeräuschen seinen Befehl ausführte. Um sich herum baute sich die Monitor auf. Die Brücke der Monitor.
    Doch sie befand sich vollkommener Dunkelheit. Er konnte kaum die Hand vor Augen erkennen.
    „Computer, die Grundhelligkeit der Umgebung um 20% erhöhen.“
    Wieder ertönten Hupgeräusche und die gesamte Szenerie wurde aufgehellt. Land stockte der Atem, als er das Ausmaß der Zerstörungen sah. Und als er die Leichen sah. Drei Stück befanden sich an den Zugängen zur Brücke. Danny Bird befand sich ebenfalls hier.
    Er ruhte neben einem der Eingänge.
    Als er den ersten Schock überwunden hatte – und ihm klar wurde, dass Kalens Hilfe vielleicht doch nötiger war als erwartet – wandte er sich wieder dem Computer zu.
    Und dem Geheimnis der Monitor.
    „Computer, Programm starten.“
    Und der Schrecken begann.

    Tag 9, 4:13 Uhr Bordzeit der U.S.S. Monitor

    Bird schrak aus einem langen und traumlosen Schlaf auf. Er war an der Stelle, an der er gestern zusammengebrochen war, einfach eingeschlafen. Nachdem, was gestern geschehen war, hatte ihn die Müdigkeit einfach übermannt.
    Für einen kurzen Moment glaubte er, dass alles nur ein Traum war.
    Dass all der Schrecken nur in seiner Fantasie stattgefunden hatte, in einem langen und abstoßenden Albtraum.
    Doch die Dunkelheit um ihn riss ihn wieder in die Wirklichkeit zurück. Müde – er fühlte sich jetzt müder als vor seinem Schlaf, dessen Dauer er nur raten konnte – stemmte er sich wieder hoch.
    Dabei spendete ihm die Lampe, die über seinem Phasergewehr montiert war Licht.
    Schnell sah er sich um und lauerte auf den Feind.
    Er warf einen Blick auf seinen Trikorder. Noch immer hatte sich die Strahlung nicht verzogen, die die Sensoren störte. Doch das Ergebnis war trotzdem erschütternd.
    Es waren keine Lebenszeichen, außer seinem eigenen mehr auszumachen. Was durchaus logisch war, denn wenn noch jemand auf dem Schiff überlebt hätte, wäre er entweder geweckt oder im Schlaf getötet worden.
    Danny sah sich um.
    Die Monitor wirkte nicht mehr wie ein Raumschiff. Sie wirkte wie ein eisiges Grab. Bird stellten sich die Nackenhaare auf, als er sich umsah. An ein solches Gräuel hatte er sich gar nicht erinnern können.
    Im Moment befand er sich immer noch am Steuerbordausgang der Brücke. Auf der Brücke selbst konnte er drei Leichen erkennen. Er vermied es aber inne zu halten. Zu lange hatte er während der letzten Tage inne gehalten.
    Auf dem Korridorkreuz bei seiner Position, das im übrigen vollkommen von der Granate zerschmettert worden war, sah er vier Leichen. Zwei auf dem Gang, zwei in einem Quartier.
    Mit schussbereitem Gewehr schritt Bird den Korridor hinab, in Richtung Maschinenraum.
    Bruce Land folgte ihm wie ein unsichtbarer Schatten.
    Er brauchte nicht weit zu gehen um die nächsten Leichen zu entdecken. Zwei lagen in einer der leeren Lagerbuchten für die Rettungskapseln, eine Leiche lag auf dem Korridor.
    Bird blieb nicht einmal stehen um sich die Gesichter genau anzusehen. Er ging stattdessen weiter, zu einer der oberen Türen in den Maschinenraum. Mit letzter Kraft stemmte er die beiden Türhälften auseinander. Sein Gewehr hatte er abgelegt. Inzwischen hatte ein großer Teil in ihm die Hoffnung aufgegeben, Überlebende zu finden.
    Als er die Tür geöffnet hatte, wäre er fast zurückgetaumelt. Der Maschinenraum war hell erleuchtet.
    Woil hatte es tatsächlich geschafft etwas Energie für sich aufzutreiben.
    Mit zugekniffenen Augen und erhobener Hand trat er ein. Die langen Tage in Dunkelheit hatten ihn sehr lichtempfindlich gemacht. Doch nach einer Minute konnte er immerhin schon Einzelheiten erkennen.
    Nichts befand sich hier drin. Alles war ruhig. Zu ruhig.
    Doch Bird erinnerte sich daran, dass der Kern schon seit einigen Tagen nicht mehr betriebsbereit war und daher das sonst so vertraute Summen und Brummen eines Raumschiffs fehlte.
    Land machte die Helligkeit weniger aus und sah sich genau um. Zuerst musste er sich am Geländer festhalten. Die meisten der Toten hatte er erkannt. Es waren seine alten Freunde. Mitten in dieser Phase der Verwirrung bemerkte er etwas an der Wand im Maschinenraum. Ein großes und bedrohlich aussehendes Einschussloch. Seine Kenntnisse über den Schiffsbau der Monitor waren etwas eingerostet, also konnte er nicht mit Sicherheit sagen, was sich an dieser Stelle befand, doch er würde dies nachprüfen. Bird hatte die Stelle nicht bemerkt. Seine Augen konnten höchstwahrscheinlich nichts mehr erkennen bei dieser Helligkeit.
    Jetzt blieb ihm aber nicht mehr Zeit um über so etwas nachzudenken, wenn er Bird folgen wollte.
    Denn der Sicherheitschef verließ den Raum wieder, schloss die Tür hinter sich und entspannte erst einmal.
    Doch so richtig schaffte er es nicht.
    Denn, als er seinen Blick auf die Backbordseite des Korridors schweifen ließ, sah er dort schon die nächsten Leichen liegen. Beiden sahen die Leichen.
    Drei auf dem Gang, zwei wieder in einem leeren Rettungskapselgehäuse, vergleichbar mit der Stelle, die sie vor wenigen Minuten passiert hatten.
    Erneut brachte er seinen Phaser in Bereitschaft und lief weiter. Mitten durch die Schlachtszene. Er warf nur einen kurzen Blick über das Schlachtfeld. Offenbar waren alle durch direkte Phaserschüsse sofort getötet worden. Mit einer Ausnahme. Einer seiner Kollegen, einer derjenigen, die auf dem Gang lagen, war seiner Verletzung allem Anschein nach nicht sofort erlegen. Er hielt noch seine Hand über der Wunde. Mit Sicherheit hatte er es geschafft vor seinem Tod noch einen seiner Feinde in den Tod zu schicken.
    Und an der nächsten Korridorkreuzung, wieder in Richtung der Front des Schiffes, sah er die nächsten Leichen. Er trat auch hier näher, um seinen Rundgang zu beenden.
    Zwei Leichen befanden sich wie auf der Gegenseite in einem Quartier. Nur waren diese hier durch Phaserenergie zur Strecke gebracht worden und nicht durch eine Granatenexplosion vollkommen entstellt. Auch hier lagen wieder zwei Leichen auf dem Gang, eine dritte befand sich auf dem Korridor, die zurück zu seiner Position auf der Brücke führte.
    Erschöpft ließ er die Waffe sinken.
    Es gab keine Feinde mehr an Bord.
    Es gab keine Freunde mehr.
    In diesem Moment erinnerte er sich an etwas und betrat eines der Quartiere auf dem ersten Deck. Zahllose medizinische Instrumente lagen dort verstreut. Doch niemand sonst befand sich hier.
    Fragend sah er sich um.
    Noch immer war er nicht in der Lage, die Situation vollkommen zu erfassen.
    Noch immer fehlte ihm ein Teil des Puzzles.
    „Lewinski,“ murmelte er. Wo war er? Auch von ihm fehlte jede Spur.
    „Lewinski? Was ist mit Lewinski?“, fragte Land, der sich natürlich bewusst war, dass Bird seine Frage nicht verstand.
    „Vielleicht“, dachte Bird laut „hat man ihn aufs zweite Deck gebracht und ihn in der Leichenhalle gelagert.“
    Also machte er sich auf zu einer Jeffriesröhre um ein Deck hinunter zu klettern. Und Land folgte ihm wieder wie sein Schatten.
    Auch auf Deck 2 machte er einen schnellen Rundgang, begegnete aber niemanden. Weder tot noch lebendig.
    Als er dann in Richtung Leichenhalle lief, kam er an der Krankenstation vorbei und bemerkte, dass die Tür nicht richtig geschlossen worden war.
    Sofort schrillten alle Alarmglocken in ihm.
    Was hatte dies zu bedeuten?
    Der Soldat in ihm erwacht. Mit voller Wucht presste er sich an die Wand und überdachte erst einmal seine nächsten Schritte. Konnte dort noch jemand sein?
    Konnte Lewinski dort sein? Oder einer ihrer Gegner.
    So schnell er konnte drückte er die Tür so weit auf, dass er hineinsehen und eintreten konnte.
    Vollgepumpt mit Adrenalin – was in dieser Woche ein Dauerzustand war – sah er sich um.
    Wie er erwartet hatte.
    Nichts.
    Enttäuscht ließ er die Waffe sinken. Ein tiefer Atemzug folgte.
    Doch dann schreckte er plötzlich wieder hoch.
    Ein Geräusch kam von der Decke. Bird sank in eine tiefe und stabile Hocke und zielte nach oben, sein Kopf dabei an den Gewehrlauf gelegt.
    Das Summen des Gewehrs war im Moment das einzigste, das vertraut klang.
    Was er sah konnte er nicht glauben.
    Es befand sich ein Loch in der Decke.
    Verwirrt und perplex sah er zu diesem Loch hinauf.
    Wie kam es dorthin?
    Er schob diese Frage beiseite, als er wieder ein Geräusch hörte.
    Dort oben war etwas. Definitiv.
    Bird nahm den Trikorder wieder zu Hand und hielt ihn nach oben.
    Ein Lebenszeichen. Sehr schwach.
    „Das ist doch nicht möglich.“, sagte er vor sich hin, als er die weitere Analyse des Lebenszeichens durchlas.
    Stehenden Fußes schob er den Trikorder wieder ein und klettere auf das nahe Biobett. Von dort leuchtete er nochmals in den Raum über der Krankenstation. Als er dort nichts weiter erkannte legte er den Phaser dort oben ab. Anschließend zog er sich hindurch.
    Für Land war das natürlich alles einfache. Er schwebte praktisch nach oben.
    Kaum hatte sich Bird dort dann richtig hingesetzt erkannte er die Quelle des Lebenszeichens.
    „Arena“, flüsterten beide gleichzeitig.

    Danny Bird hatte keine Ahnung, wie Arena Tellom hier her gelangt war. Eines war auf jeden Fall klar. Sie starb. Auch wenn sie im Moment noch lebte hatte sie keine Überlebenschance. Ihr Schock, den sie erlitten hatte, war inzwischen zu weit fortgeschritten.
    Bird hatte sie mit einem medizinischen Trikorder einige Male gescannt. Das Ergebnis hatte ihn ebenso schockiert wie überrascht. Jetzt lag sie hier, direkt bei der Krankenstation und ihr konnte nicht mehr geholfen werden.
    Zwar gab es eine Behandlungsmethode, doch er war schließlich kein Arzt.
    Als er sich eingestand, dass er ihren degenerative Zerfall der Synapsen nicht aufhalten konnte, entschied er sich für die einzige Möglichkeit, die ihm blieb.
    Er legte den Trikorder beiseite und hielt ihre Hand.
    Während der nächsten Stunden tat er nichts anderes, als sie zu beobachten, die restliche Wärme ihrer Hand zu fühlen. Die gesamte Welt um ihn herum verschwand, verdichtete sich zu einem einzelnen Punkt in den weiten des Weltraums.
    Für Danny Bird verstrichen nur wenige Momente, in der Tat waren es Stunden.
    Das Leben entwich aus Arena Tellom, der lebenslustigen und frohen Person.
    Deutlich erinnerte er sich an ihre strahlenden Augen, ihr Lachen, ihren Mut, ihre Freude, ihr Glück mit ihrem Mann Ardev... Bird trieb es Tränen in die Augen, als er an ihn dachte. Er hatte sein Leben nur wegen ihm lassen müssen. Außerdem sah er, wie das Glitzern aus Arenas Augen verschwand.
    Es vergingen weiter zehn Minuten, bis er beschloss, ihre kalte Hand loszulassen. Ruhig entfernte er die kleineren medizinischen Geräte von ihrer Stirn. So sah sie wie ein Engel aus. Der sie auch war.
    Bird fröstelte es ein wenig, als er sich der Welt um sie wieder öffnete. All der Schmerz, den er in den letzten Tagen ertragen musste, die zerstörten Gefühle und Leben, das hintergangene Vertrauen.
    Und jetzt saß er hier. Allein mitten im nirgendwo auf einem sterbenden Schiff.
    Bird stand mit einem Ruck auf um sich aus seiner Lethargie zu reißen. Auch wenn er wusste, dass diese ihn schließlich in die Tiefe ziehen würde.
    Doch jetzt trat er auf Arena zu und hob sie in seine Arme. Er brachte sie in ihr Quartier. Dort sollte sie ihre letzte Ruhe finden. In ihrem Zuhause.
    Sie hatte wenigstens noch eins.

    Der restliche Tag verging wie im Flug. Bird war die ganze Zeit damit beschäftigt, die Leichen, die sich auf dem Schiff befanden in das Quartier zu bringen, indem er schon die Leichen der vorherigen Tage untergebracht hatte.
    Bei dieser Arbeit hatte er das gesamte Schiff nochmals abgesucht. Doch von Lewinski fehlte immer noch jede Spur. Er konnte es sich nicht erklären.
    Als er seinen Dienst als „Totengräber“ vollendet hatte, ließ er es nicht zu, sich von Trauer erfüllen zu lassen. Mit seinen bescheidenen Fähigkeiten leitete er alle Energie des Schiffes auf die Brücke um. So konnte er die Energie noch einige Tage länger strecken und damit seine eigene Lebenserwartung verlängern.
    Er benötigte für diese Arbeiten länger als erwartet. Schließlich musste er erst die Lichter im Maschinenraum deaktivieren um in ihm die Selbe Dunkelheit herzustellen, die auf dem gesamten Schiff herrschte.
    Als er die Arbeiten schließlich abgeschlossen hatte, neigte sich dieser wahnsinnige „Tag“ auch schon wieder seinem Ende zu. Müde, erschöpft, aber auch stolz auf seine geschaffte Arbeit, stand er vor dem Captainsstuhl. Die Brücke glich zwar nicht einem Trümmerhaufen, aber für Bird fühlte sie sich wie der Vorhof der Hölle ein. Und wie sein zuhause.
    Er ließ sich in den Stuhl sinken. So wie es Lewinski immer tat.
    Dann drehte er sich auch auf die Art seines Captains zu dem Display rechts neben seinem Stuhl und griff auf die Informationen dort zu, die mehr als spärlich waren.
    Innerlich freute er sich schon allein über die Tatsache, dass dieses Display Energie hatte und Daten anzeigte. Er freute sich weiter, als er bemerkte, dass er die Kommunikationssysteme repariert hatte.
    Wenigstens eine der kleinen Notrufbaken.
    Mit einem einfachen Knopfdruck aktivierte er sie. Er wusste zwar nicht, ob die Bake auch wirklich sandte oder ob das Signal durch die ganzen Störungen irgendwen erreichte. Doch er fühlte in diesem Moment eine Menge Glück. Als hätte er einen wichtigen Triumph erreicht.
    Doch damit täuschte er sich nur selbst. Und es dauerte nicht lange, bis ihn die Lethargie wieder im Griff hatte.
    Bird drehte sich zu der Kontrolltafel auf der linken Stuhlseite und deaktivierte alle übrigen Energiequellen außer der Lebenserhaltung.
    Mit einem einfachen Knopfdruck machte er das Licht aus.

    Und im selben Moment erlosch die holografische Simulation und das Hologitter wurden wieder sichtbar. Geschockt vernahm Land die Stimme des Computers.
    „Ende der Aufzeichnung des Schiffsrekorders.“
    Bruce Land hatte einiges gesehen. Einiges, von dem er sich selbst überzeugen musste. Wenn dies das Ende einer billigen Holonovelle gewesen wäre, hätte er dies noch akzeptieren können. Doch so ein Unglück an Bord eines Schiffes der Sternenflotte.
    Besonders fragte er sich, was mit der gesamten Führungscrew geschehen war. Was war mit Lewinski, Matt, Ardev, Woil und Doktor Frasier geschehen? Und wieso litt Arena Tellom unter einem Zerfall ihrer Synapsen?
    Dies alles waren Fragen, die er nur an einem Ort lösen konnte.
    An Bord der USS Monitor.

    Es verging keine Stunde, bis Land mit einem Außenteam wieder an den Ort des Geschehen zurückgekehrt war. Er materialisierte mit Annika Hansen und dem Doktor wieder auf der Hauptbrücke. Ein Technikerteam befand sich bereits an Bord.
    Barclay empfing sie herzlich.
    „Commander Land, willkommen an Bord.“
    Der erste Offizier drehte sich sofort zum Chefingenieur um. „Wie ist der Status des Schiffes?“
    „Wir haben die Lebenserhaltung auf niederem Niveau reaktivieren können. Wundern Sie sich also bitte nicht über den... Gestank. Zudem etwas Beleuchtung. Mit allen anderen Systeme können Sie erst nach einer vollkommenen Analyse des Schiffes rechnen.“
    Land nickte zufrieden. „Wann wird die beendet sein?“
    Barclay überschlug die Zahlen schnell im Kopf. „Bei dem Zustand des Schiffes... in etwa 12 Tagen.“
    Überrascht sah er in Regs ernsten Gesichtsausdruck. Er konnte nicht anders als dies so hinzunehmen.
    „Danke Reg.“
    Barclay antwortete nur mit einem knappen Nicken, das Land sowieso nicht sah, denn er hatte sich schon wieder seinem Außenteam zugewandt.
    „Kommen Sie, wir haben einiges zu tun.“
    Annika und der Doktor folgten ihm stumm. Die beiden wollten zuerst über eine der Jeffriesröhren hinunterklettern, doch Land schlug einen komplett anderen Weg ein. Er führte sie in eine der vorderen Bereiche des Schiffes. Er reagiert nicht auf die Einwände der beiden, dass dies ein umständlicher Weg sei. Denn er wusste, was es aufzusuchen galt.
    Zu dritt betraten sie schließlich eines der kleinen Wartungszimmer an der Front des Schiffes. Erstaunt stellte der Doktor mit, dass sich ein Loch im Boden befand.
    Doch Land hatte damit gerechnet. Beinahe zeremoniell kniete er an die Stelle, an der er mit Danny Bird während Arenas letzten Minuten gesessen hatte.
    Abermals überhörte er die Worte seiner Begleiter und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. So langsam hatten sie es auch eingesehen, dass Einwände nur auf taube Ohren stießen.
    Stumm stieg er anschließend durch das Loch im Boden, von dem er keine Ahnung hatte, woher es stammte, oder was es nutzen sollte.
    Seine beiden Kollegen und Freunde folgten ihm wie ein Schatten. So wie er Danny gefolgt war.
    Land schenkte der Krankenstation keine Beachtung. Allerdings führten Annika und der Doktor genau Diagnosen mit ihren Trikordern durch, die immer noch leicht gestört wurden. Auch wenn es Barclay geschafft hatte, den Effekt etwas auszugleichen.
    „Kommen Sie mit. Hier finden wir nichts“, wies er die beiden an, verließ die Krankenstation und betrat die Leichenhalle, die sich gegenüber des Korridors befand.
    Land nahm den Türöffner zur Hand, den er in einer Seitentasche trug und stemmte die Tür auf. Als er dieses Hindernis schließlich überwunden hatte, öffnete er die Klapptüren der Leichenkammer auf die selbe Weise. Die insgesamt vier Leichenfächer waren übersichtlich angeordnet. Zwei auf einer etwas höheren Ebene, zwei auf der unteren.
    Er öffnete die Tür links oben. Ein Zischen war zu Hören und kalte Luft drang heraus. Offenbar funktionierte das automatische Kühlsystem. Mit einem leichten Handgriff schob er die Lade heraus und sah...
    „Matt.“
    Der Doktor stand sofort neben der Leiche. Er sah natürlich deutlich die Rangabzeichen. „Ich nehme an, dass dies Commander Price war, der Erste Offizier.“
    Land nickte.
    „Hm.“
    „Was heißt hm?“, fragte Land etwas härter, als er es wollte.
    „Es war nur ein vorsorgliches hm. Nichts ernstes“, er wartete kurz und fuhr dann mit einer schnellen Diagnose fort. „Der Verwesungsprozess ist nicht weit fortgeschritten. Todesursache ein Phaserschuss.“
    Annika hob nun auch ihre Augenbraue, als der Doktor seinen Trikorder wieder zuklappte. „Worauf beruht ihre Annahme?“
    Ohne eine Andeutung einer Hemmung griff der Doktor nach der Decke, mit der man den Leichnam abgedeckt hatte und hob sie etwa bis zur Hüfte. Deutlich war das Einschussloch zu sehen, dass sich in der Magengegend befand.
    „Genug der Antwort?“, fragte er sarkastisch. Was er sofort wieder bereute, als er zu Commander Land sah, der kreidebleich an der Wand stand.
    „Ist alles in Ordnung mit Ihnen Sir?“, fragte er sofort wieder mit dem standardisierten fürsorglichen, Landarzttonfall.
    Land fühlte sich elend. Doch das hinderte ihn an gar nichts. „Öffnen Sie das nächste Fach.“
    „Sir?“, fragte der Doc nach.
    „Tun Sie es“, wies Land barsch an.
    Mechanisch reagierte der Chefarzt der Voyager und schob das Fach unter dem von Price auf. Zu ihrer allen Überraschung fanden Sie es leer vor. Auch der Trikorder bestätigte, dass dort schon seit Jahren niemand mehr gelegen hatte.
    Rasch wandten sie sich dem dritten Fach zu. Land spürte, dass sein Magen keine großen Verzögerungen mehr ertrug. Im dritten Fach, direkt neben dem von Price lag eine weitere Leiche. Sie war komplett zugedeckt. Was auch daran lag, dass man unter der Decke keinen Kopf erkennen konnte.
    Bruce stockte der Atem.
    „Kein Kopf“, stellte er unnötigerweise fest.
    Auch Annika zeigte Hemmungen, dem Doktor machte dies aber weniger aus. Nur eine kurze Pause in einer Handbewegung deutete darauf hin, dass auch er sehr überrascht war.
    „Die Person ist weiblich“, stellte er fest, obwohl man dies auch ohne geübten Blick feststellen konnte. „Sie ist ein Mensch. Ich möchte jetzt die Decke heben, ich denke, dass ich die Person dann näher identifizieren kann...“
    Der Doc wartete und gab seinen beiden Freunden die Zeit sich von dem Anblick abzuwenden. Keiner von beiden ergriff die Gelegenheit. Also hob er seufzend die Decke und legte die grausame Verletzung frei.
    Land erkannte mit einem Blick, um wen es sich handelte. Das deutlichste Anzeichen war der kleine Äskulap Stab, der an den Resten des Kragens, gegenüber den Rangpins hing.
    „Doktor Frasier.“
    Nickend deckte der Doc sie wieder zu und schob das Fach zurück um sich dem letzten zu widmen, das sich unter dem von Doktor Frasier befand.
    Bruce Land befand sich in einem richtigen Rausch. In diesem Moment fragte er sich, ob er je wieder zu Gefühlen imstande war. Und er war gleichzeitig froh, dass ihm diese Fähigkeit im Moment versagt blieb.
    Nur wenige Bruchteile einer Sekunde vergingen, bis er auch die letzte Leiche erkannte.
    „Ardev“, flüsterte er.
    Der holografische Arzt der Voyager beugte sich über ihn. „Er ist noch nicht so lange tot wie die beiden anderen.“ Er packte seinen Trikorder weg. „Sir, ich schlage vor, alle auf die Voyager bringen zu lassen. Dort werde ich eine genaue Autopsie durchführen. Ich kann Ihnen dann morgen die Ergebnisse liefern.“
    Land nickte. „Sie haben recht. Ich werde gleich zur Voyager zurückkehren. Zuerst werde ich aber noch jemandem einen kleinen Besuch abstatten. Sehen Sie sich bitte noch das Quartier auf dem ersten Deck an, indem die anderen Leichen gelagert sind.“
    Noch bevor er eine Antwort erhalten konnte, hatte er diese Station schon verlassen.
    Nur einige Meter weiter befand sich sein Ziel.
    Das Quartier von Ardev und Arena Tellom. Dort fand er sie vor. So wie Bird sie dort abgelegt hatte. Immer noch wirkte sie so friedlich wie ein Engel.
    Er beobachtete sie und versuchte Ruhe zu finden. Er versuchte einen Sinn zu finden.
    Doch er konnte nichts dergleichen erkennen. Und tief in ihm wuchs die Wut, wuchs Verzweiflung und Depression.
    Das Bild vor seinen Augen wandelte sich. Plötzlicher Ekel überkam ihn.
    Er konnte hier nicht mehr stehen. Er konnte nicht mehr Leben.
    Denn sein ganzes Leben lag in Trümmern.
    Er konnte es aus seinen Fingern gleiten sehen.
    Bruce Land drehte sich um wandte allem den Rücken zu. In diesem Moment traf er die Entscheidung die Monitor nie wieder zu betreten. Außer, wenn sie sich in holografischer Form um ihn materialisierte.

    Bruce Land saß, von Captain Chakotay ausgesehen, der an der Stirnseite des Konferenztisches Platz genommen hatte, rechts am anderen Ende des Tisches. Ihm gegenüber, am linken Ende des Tisches saß Counsellor Kalen.
    Beide hatten gespannt seinen Ausführungen gefolgt und beide hatten ebenso schwer an den Geschehnissen zu schlucken wie Land. Anschließend hatte er von seinem Besuch auf der Monitor berichtet.
    Chakotay versuchte nun die Stille mit einem geeignetem Kommentar oder einer geschickten Frage zu überbrücken. Doch ihm wollte beim besten Willen nichts dergleichen einfallen.
    „Anstatt einiger Antworten haben wir noch mehr Fragen“, begann er schließlich. „Wieso hat Bird die Leichenkammer nicht gefüllt? Wie erklärt sich der große zeitliche Unterschied der Sterbestunden? Gegen wen haben sie gekämpft?“
    Land sah ernst zu ihm. „Ich muss weiter zurück. Mindestens eine Woche. Bis wann hat Barclay den nächsten Tag entschlüsselt?“
    Chakotay schüttelte den Kopf. „Er wird ihn morgen so weit haben. Leider lässt sich das Verfahren auch nicht beschleunigen.“
    „Haben wir wenigstens die Reste der Warpspur?“, fragte Land. Wenn sie den Startpunkt der Reise der Monitor hätte, wäre ihnen mit Sicherheit viel geholfen.
    „Barclay arbeitet auch daran. Aber, wie Sie selbst wissen, ist die Monitor gut im tarnen. Die Reste sind kaum noch aufzuspüren. Auch in diesem Aspekt müssen wir uns gedulden.“
    Entnervt sackte Land in seinem Stuhl zusammen und rieb sich die Stirn.
    „Counsellor, wie geht es Mr. Bird?“, fragte Chakotay schnell um auch dieses Thema zur Sprache zu bringen.
    „Ich war den ganzen Tag bei ihm. Ich habe die ganze Zeit versucht, eine Art mentalen Zugang zu finden, habe versucht, eine Art von Emotionen zu empfangen. Doch da war nichts. Es ist, als befände er sich in einem Zustand des Träumens. Er kann den Film vor ihm nicht mehr realisieren oder verarbeiten. Dies ist eine durchaus logische Schlussfolgerung der Geschehnisse.“
    „Ist er wach? Wird er uns bei den Ermittlungen helfen können?“, erkundigte sich der Captain.
    Lächelnd sah Kalen auf die Tischplatte. „Ja, er ist wach. Aber Sir, er wird uns nicht helfen können. Und wenn Sie mich fragen, ob ich Mr. Bird helfen kann, dann werde ich mit Ja antworten. In einigen Jahren würde es mir sicher gelingen, ihn wieder zum Sprechen zu bringen...“
    „...aber er wird nie wieder Danny Bird sein“, vollendete Land den Satz.
    Kalen nickte. „Das steht definitiv fest. Vermutlich sind all seine Erinnerung so tief begraben wie es nur geht.“
    Chakotay atmete schwer. „Der Doktor meldet, dass er 46 Leichen auf dem Schiff gefunden hat. Laut Sternenflottenverzeichnis waren aber 51 Crewmitglieder an Bord.“
    Land nickte. „Ich habe die Liste gesehen. Den Unterschied kann ich mir aber auch nicht erklären, ich hoffe, dass ich in einer der nächsten Sitzungen etwas finde. Captain Lewinski und Chief Woil sind unter den Verschwundenen. Ich vermute, dass ihr Verschwinden etwas mit den Ereignissen zu tun hat.“
    Der Captain nickte. „Dann haben wir für Heute alles durch. Machen Sie weiter so Commander. Wir treffen uns morgen um die gleiche Zeit hier wieder.“
    Chakotay stand auf, die beiden anderen Herren taten es ihm gleich. Kalen wollte Chakotay schon folgen, der wieder zurück zur Brücke ging, doch nach einem Einwand von Land blieb er im Konferenzraum zurück.
    Als sich die Tür hinter Kalen wieder schloss, lief Land um den Tisch und lehnte sich an den kleinen Sims vor dem Fenster. „Es ist schlimmer, als ich befürchtet hatte.“
    Kalen nickte. „Genau zu wissen, dass das, was man erlebt real ist, man aber nicht eingreifen kann...“
    „Das meine ich nicht“, unterbrach Land. „Nun gut, das ist eine Sache. Aber als ich dann auf die Monitor gegangen bin, fühlte ich mich so, als läge ich in meinem eigenen Grab.“
    „Reden Sie weiter“, forderte der El-Aurianer.
    „Ich werde...“, Land schluckte den Klos in seinem Hals runter. Doch trotzdem schaffte er es nicht, seine Gedanken in Worte zu fassen. „Ich werde mich jetzt etwas ausruhen. Bevor ich den nächsten Tag erlebe.“
    „Sie wissen, dass Sie die Probleme nicht lösen, wenn Sie sie nur weiterschieben. Das mag sich naiv anhören, aber mir können Sie das glauben.“
    „Ich werde Sie morgen besuchen.“
    Kalen zeigte sich beruhigt von dieser Ansage. „Sie wissen, wo Sie mich finden.“
    Land nickte und entließ Kalen damit aus seiner privaten Unterredung. Als er dann allein war begannen seine Beine zu zittern.
    Er hatte Angst. Angst davor, noch mehr zu sehen. Angst davor, nicht alles zu sehen.
    Angst davor, keine Angst zu haben.

    Tag 14, 3:13 Uhr Bordzeit der U.S.S. Voyager

    Diese Nacht war noch kürzer gewesen wie die Nächste. Doch Land konnte nicht warten. Nachdem Barclay ihn darüber informiert hatte, dass der Computer den nächsten Tag decodiert hatte, musste er sich an die Arbeit machen. Wie am Tag zuvor lud er die Informationen auf Holodeck zwei.
    Um ihn herum materialisierte sich wieder sein altes Schiff. Die Monitor. Immer noch dunkel, jedoch etwas weniger zerstört.
    Dieser Umstand ließ nur einen logischen Schluss zu: Heute musste etwas entscheidendes geschehen.
    Er fasste eine wichtigen Entschluss. Nichts, was hier und jetzt geschah durfte zu ihm durchdringen. Er musste versuchen, nur der stumme Beobachter zu sein, der er auch war.
    Mit zitternder Stimme befahl Land dem Computer, den Tag zu starten.

    Tag 8, 7:21 Uhr Bordzeit der U.S.S. Monitor

    Arena Tellom lag regungslos in einem Bett in einem der Quartiere auf dem ersten Deck. Ein medizinisches Gerät lag auf ihrer Stirn und ein tragbarer Monitor gab ihre medizinischen Daten wieder.
    Bird hatte sie die ganze Nacht über nicht aus den Augen gelassen.
    Doch erst, als Lewinski das Quartier betrat und ihn wecken musste, hatte er bemerkt, dass er eingeschlafen war. Zum ersten Mal seit Tagen hatte er etwas Schlaf gefunden. Doch er fühlte sich jetzt keineswegs entspannter oder fiter.
    Bruce Land brach hier schon mit seinem Versprechen, nichts an sich ran kommen zu lassen.
    „Computer: Pause“, wies er an und das Bild wurde sofort eingefroren. Langsam umrundete er den Captain, der in dem kleinen Quartier stand. Lewinski lebte. Doch er würde noch an diesem Tag spurlos verschwinden. Jetzt konnte er die Antwort erfahren. Bird machte auf ihn schon den gleichen Eindruck wie gestern. Geschwächt und blass saß er vor Tellom. Offenbar lag ihre Verwundung schon einige Zeit zurück. Wieso hatte man sie nicht auf die Krankenstation gebracht?
    Es gab nur eine Möglichkeit die Antwort zu erfahren.
    „Computer: Wiedergabe fortsetzen.“
    „Wie geht es ihr?“, fragte Lewinski und setzte sich neben seinen Sicherheitschef.
    „Ihr Zustand ist immer noch kritisch.“, antwortete Bird.
    „Verstanden Mr. Bird. Und jetzt sagen Sie mir die Wahrheit.“, Lewinski hatte sofort gehört, dass Bird nur eine schnelle Plattitüde von sich gegeben hatte.
    Danny atmete tief durch und senkte dann seine Stimmhöhe, wodurch er sich reifer und ernster anhörte. „Sie wird nicht überleben, wenn wir sie nicht auf die Krankenstation bringen.“
    Der Captain reagierte nur mit einem leichten Blinzeln auf diese Worte. Im Grunde hatte er sie erwartet. Doch sie hatten ihn trotzdem schwer getroffen.
    „Ich hätte mir niemals vorstellen können...“, er unterbrach sich selbst, stand dann auf und sprach dann mit ernster und tiefer Stimme zu Bird. „Als wir den Borg begegnet sind dachte ich, dass wir unser Leben mit einem Okularimplantat vollenden würden. Doch diese Crew hat diese Gefahr überstanden. Als wir dann in den Kriegen aktiv waren war ich fest davon überzeugt, dass eine unserer riskanten Mission die letzte sein müsste. Und, dass unsere Namen irgendwo auf einem Gedenkstein auf der Erde stehen würden. Doch wir meisterten eine Mission nach der anderen und überlebten beide Kriege. Nicht einmal Sektion 31 konnte uns ernsthaft in die Knie zwingen. Ich habe mich ernsthaft zu fragen begonnen, mit was wir wohl nicht fertig werden würden.“ Er ließ etwas Freiraum um die Frage schließlich deprimiert selbst zu beantworten. „Ich weiß es jetzt. Wir werden mit uns nicht fertig.“
    Bird nickte stumm. „Ich habe mir die selben Dinge auch durch den Kopf gehen lassen. Und ich kann beim besten Willen keine Situation finden, in der Sie als Captain falsch gehandelt hätten.“
    Ohne Regung nahm Lewinski diese Worte in sich auf. „Ehrlich? Ich habe gerade eben 23 Beileidsbriefe verfasst, da fällt es mir schwer ihre Worte zu glauben Mr. Bird.“
    Erschöpft strich sich Lewinski mit einer Hand durch sein Haar. In den letzten Tagen schien es sehr grau geworden zu sein. „Jedes Mal, wenn ein Mann unter meinem Kommando stirbt, habe ich als Captain versagt. Weil ich es nicht geschafft habe, der Verantwortung für alle meine Crewmitglieder im gleichen Maße nachzukommen. Denken Sie daran, wenn Sie jemals ernsthaft in Erwägung ziehen, zur Kommandoebene zu wechseln.“
    Bruce Land lächelte unabsichtlich. Lewinski hatte ihm den selben Rat gegeben, als er zum ersten Mal mit ihm darüber gesprochen hatte, die Chance zu ergreifen, ein vollwertiger Erster Offizier zu werden. Doch dieses Gespräch lag schon Jahre zurück. Und jetzt führte er es mit Bird. Es schien ihm, als hätte er den Sicherheitschef gewaltig unterschätzt.
    Bird dachte über Lewinskis Worte genau nach. „Ich spüre diesen Druck auch jetzt schon auf mir lasten. Wie kann man, wenn Sie mir die persönliche Frage gestatten Sir, solange und gern Captain sein? Wenn man diese Last tragen muss?“
    Mit durchdringendem Blick sah er zu ihm herunter. „Ganz einfach. Man wird dafür ausgebildet. Und wer diesen Druck nicht aushalten kann, wird nie Captain.“
    Schwermütig drehte sich Bird von seinem Captain weg und sah zu Tellom. „Ich muss gehen. Wachablösung.“
    Lewinski nickte. „Gehen Sie ruhig, ich werde hier bleiben.“
    Bird stand auf und ging zum Ausgang, bevor er das Quartier jedoch verließ, wandte er sich noch einmal an den Captain. „Sir, Sie wissen, dass Woil jetzt erst Recht das Kommando will.“
    Land stockte der Atem. Was sollte dieser Satz bedeuten?
    „Wie sieht ihre Prognose aus?“, fragte der Captain nach einer kurzen Pause.
    „Seine Mittel sind begrenzt, aber keineswegs so wie unsere. Er wird, wenn nicht etwas von unserer Seite geschieht noch ein paar Tage warten. Er hat schließlich den Vorteil der militärischen Übermacht.“ Bird dachte in diesem Aspekt nur an die vielen Dinge, die in den Frachträumen des dritten Decks gelagert war. All dies stand den Leuten um Captain Lewinski, die auf das erste Deck beschränkt waren, nicht zur Verfügung.
    Land wurde einiges klar. Auch wenn er es nicht wahrhaben wollte. Fand eine Meuterei an Bord statt? Ein richtiger Kampf zwischen der Besatzung. Zum ersten Mal in seinem Leben hoffte Land, sich zu irren.
    „Dann stehen unsere Chancen besser, je früher wir die Initiative ergreifen?“, fasste Lewinski zusammen.
    „So ist es.“, bestätigte Bird.
    „Dann sagen Sie allen, dass sie sich bereit halten sollen. Ich werde Ihnen Bescheid geben, wann es soweit sein wird.“, entschied der Captain und wirkte bei diesem Befehl genau so eisern, wie bei jedem anderen zuvor.
    „Verstanden Sir“, bestätigte Bird und war schon fast im Korridor, als Lewinski ihn nochmals zu ihm rief.
    „Ach Mr. Bird“, er wartete, bis er Birds volle Aufmerksamkeit hatte. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Sie den Druck eines Kommandos tragen können.“
    „Danke Sir.“, erwiderte er überrascht.
    Lewinski lächelte verlegen und nickte kurz, als Zeichen dafür, dass er Danny die Erlaubnis gab, wegzutreten. Er wartete anschließend, bis er ganz sicher war, dass Bird einen anderen Posten aufgesucht hatte, als er sich zu Tellom ans Bett saß.
    Fürsorglich ergriff er ihre Hand. „Halte noch etwas durch Arena. Für dich werde ich nämlich keinen Beileidsbrief schreiben. Für niemanden mehr.“

    T’Ker tobte. Man konnte gerade meinen der Vulkanier sei ein Romulaner, so gefühlsgeladen schrie er im Maschinenraum. Dabei war die Erklärung ganz einfach. Er befand sich im Blutrausch, dem zyklisch auftretenden Pon Far.
    „Lassen Sie uns jetzt angreifen und diese Sache ein für alle mal beenden!“ T’Kers Gesicht war schon rot angelaufen, so wütend war er.
    „Wir müssen zuerst unsere Kräfte sammeln und neue Stellungen aufbauen.“, entgegnete Woil, nicht weniger energisch.
    Neben den beiden waren noch zwei andere Techniker im Raum. Der junge Bolianer und eine von Woils treuesten Untergebenen, eine menschliche Frau.
    „Je länger wir warten, um so besser können die ihre Stellungen ausbauen und es uns unmöglich machen, auf die Brücke zu kommen.“, gab die Frau zu bedenken.
    „Sie irren sich.“, konterte der Antosianer. „Die Zeit arbeitet für uns. Je länger wir warten um so schwächer werden die.“
    „Wir sollten aber auch daran denken, dass, je länger wir warten, die Wahrscheinlichkeit größer wird, dass uns ein Sternenflottenschiff findet. Und das wird Lewinski helfen, nicht uns.“
    Woil hatte auch daran schon gedacht. Jedoch waren Sie so lange in die falsche Richtung geflogen, dass die Wahrscheinlichkeit zwar gering war, aber nicht vernachlässigt werden durfte. Dann begann er von einem anderen Standpunkt aus zu denken. „Was wird Lewinski entschieden haben? Er wird sich die gleichen Gedanken gemacht haben wie wir. Was wäre wohl sein logischer Schluss?“ Fragend sah Woil zu T’Ker.
    „Lewinski ist vor allem eins: Entschlossen. Er wir nicht zulassen, das Kommando über das Schiff zu verlieren.“ T’Ker ließ eine kurze Pause. „Er wird selbst die Initiative ergreifen.“
    Woil atmete einmal tief durch und wechselte dann für einen Moment das Thema. „Wie sieht es mit unserem Plan aus?“
    Diesmal antwortete der junge Bolianer. „Wir haben genug Deuterium von den Shuttles in einen provisorischen Tank für den Warpkern gefüllt, um einen kurzen Warpflug mit Warp 2 für etwa 1,8 Stunden zu ermöglichen.“
    „Das bringt uns nur um einen winzigen Bruchteil eines Lichtjahres näher an Föderationsgebiet heran.“, rechnete T’Ker schnell für alle aus. Details ließ er dabei außer acht, da er während seiner Dienstzeit schon des öfteren bemerkt hatte, dass Details nicht immer hilfreich waren.
    „So weit müssen wir auch nicht“, warf Woil ein. Allen war klar, wohin er wollte.
    „Chief, selbst dort hin reicht das Deuterium auf keinen Fall“, widersprach T’Ker.
    „Wohin? Wohin wollen Sie Woil?“, fragte Land laut in die Runde, auch wenn ihm vollkommen klar war, dass dies keinen Sinn hatte.
    „Außerdem hat das unser Problem immer noch nicht gelöst, dass wir auf die Brücke müssen. Nur dort können wir auf die noch nicht gelöschten Navigationsdaten zugriff nehmen und die Deflektoren reaktivieren“, fügte die menschliche Frau an.
    Woil war sich bewusst, dass Lewinski ihm diesen Stein in den Weg gelegt hatte. Nicht nur ein Großteil der Navigationsdaten des Schiffes, auch die der Shuttles war gelöscht worden. Jedoch war dieser Plan anscheinend nicht vollendet worden. Also hatten sie noch gewisse Möglichkeiten.
    Wenn sie die Brücke erreichten.
    Dann traf Woil die Entscheidung. „In Ordnung. Wir stärken zuerst unsere Stellungen. Dann suchen wir uns die besten Positionen aus, um nach oben durchzubrechen.“

    Lewinski hatte sich eine nicht allzu große Fracht aufgeladen. Ein Phaser steckte in einer Seitentasche, in einem Gürtel hatte er einige Hyposprays und andere kleinere Ausrüstungsgegenstände verstaut. Misstrauisch und argwöhnisch sah er aus dem Zimmer, indem Tellom lag, auf den Korridor hinaus. Dann fiel sein Blick auf die blasse Frau. „Noch ein klein wenig Arena. Wir werden bald in der Krankenstation sein.“ Schnell trat er zu ihr, hob sie von ihrem Bett und trug sie vorsichtig in seinen Armen.
    Der Captain atmete einige Male tief durch und schnaufte schwer, als er Tellom durch den Korridor trug. Zwar lief er hier weniger Gefahr, erschossen zu werden, doch er wollte auch nicht gesehen werden.
    Beinahe im Laufschritt durchquerte er zwei nahe Kreuzungen und befand sich schließlich in einem Korridor, der so weit vorne im ersten Deck lag, wie es nur ging. Der Korridor war recht eng. Er musste auch nicht größer sein, schließlich musste von hier aus nur der Zugang zu zwei Rettungskapseln erfolgen, der gleich am Beginn des Korridors lag.
    Aber Lewinski ging weiter, in Richtung Backbord. Es gab in diesem Korridor nur wenige Türen. In Bodennähe befanden sich einige Zugänge zu Jeffriesröhren, doch die waren jedoch nicht sein Ziel, im Gegensatz zu einer kleinen Tür, am Kopfende des kurzen Gangs.
    Dort legte er Tellom noch einmal kurz ab. Schnell fühlte er ihren Puls, der immer noch nur schwach spürbar war, und holte ein Hypospray heraus, das er in ihre Halsader entlud. Viele Sprays waren in den Medokits nicht mehr übrig. Während der letzten Tage hatten sie schon einige kleinere Verletzungen behandeln müssen. Und Lewinski war sich nicht einmal sicher, ob das Spray wirkte.
    Als er spürte, dass sich ihre Situation zumindest nicht verschlechterte, wandte er sich der Tür zu. Mit dem manuellen Türöffner schob er die Türhälften auseinander. Hinter der Tür verbarg sich ein kleiner Raum, in dem man auf eine Energieleitung zugreifen konnte. Doch auch dieser Raum ruhte. Keine einzige Anzeige war aktiv.
    Doch Lewinski hatte keine Zeit um dies zu bemerken. Und mit Sicherheit hätte ihn dies auch nicht interessiert. Ohne darauf zu achten trug er Tellom in den Raum und schloss die Tür hinter sich wieder. Ein geübter Handgriff an seinen Gürtel später und der Raum wurde von einer kleinen Lampe mit hellem Licht beleuchtet.
    Als der Raum durch das Licht zwar etwas heller, aber keineswegs freundlicher, war, setzte sich Lewinski einen Moment und ruhte sich aus.
    Noch einmal spielte er seinen Plan durch.
    Er rettete Tellom das Leben.
    Dieser Gedanke ließ ihn kurz lächeln. Wenigstens das Leben einer Person konnte er retten. Und nichts sollte ihn jetzt noch davon abhalten.
    John griff nach seinem Phaser und stellte ihn zügig auf eine niedrige Stufe. Dann zielte er damit senkrecht auf eine freie Bodenpartie und brannte dort einen Kreis hinein.
    Es dauerte auch nicht lange, bis sich die Platte löste und lärmend auf den Boden des zweiten Decks fiel. Kritisch sah Lewinski durch das Loch hinunter. Dann glitt wieder ein lächeln über sein Gesicht. Er hatte genau die Krankenstation getroffen.
    Während er sich den Plan durch den Kopf gehen hatte lassen war er sich nicht ganz sicher gewesen, wie dieser kleine Raum lag. Er hätte auch über einem Korridor liegen können.
    „Wir haben Glück Arena“, flüsterte er der bewusstlosen jungen Frau zu, sich der Tatsache bewusst, dass sie wenig Glück in den letzten Tagen gehabt hatten.
    Freudestrahlend wechselten seine Blicke hin und her. Dann nahm er die Lampe und ließ sie durch das Loch in die Krankenstation fallen. Anschließend stieg er selbst hindurch. Er hing sich an seine Arme und landete auf einem Biobett, was ihm den Abstieg deutlich leichter machte.
    Mit einem kleinen Sprung, hüpfte er vom Biobett und trat darauf an einen Schrank. Schnell huschte er über die Hinweistafeln. Irgendwo hier musste eine Antigrav – Einheit sein, die er um Tellom legen konnte und die es ihm deutlich leichter machen sollte, sie auf die Krankenstation runter zu bringen.
    Doch so weit kam er nicht.
    Plötzlich hörte er ein leises Klacken und das Summen eines Phasergewehrs.
    Langsam drehte er sich um und sah zwei Gewehrmündungen. Über ihnen erkannte er die Gesichter von T’Ker und dem jungen Bolianer.
    Er strafte sich in Gedanken schnell selbst, dass er ihre Ankunft nicht bemerkt hatte. Im Rausch der Tat hatte er übersehen, dass eine Tür schon einen kleinen Spalt weit offen stand. Offenbar um den Zugang leichter zu machen.
    Das war ihnen gelungen. Überraschend hatten sie ihn geschnappt.
    Und Lewinski sah in diesem Moment sein Ende kommen.

    Vor Danny Bird standen 7 der letzten Offiziere der Monitor. 4 von ihnen gehörten zu den 2er - Teams, die auf den Korridoren Dienst taten. Die anderen 3 bewachten die Brücke und die umliegenden Korridore. Bird selbst würde sich ebenfalls um die Brücke kümmern.
    Als er so in die Gesichter seiner Kollegen sah, schmerzte es ihn sehr. So viele Freunde hatte er verloren. So viele Menschen, die er nie wieder sehen würde. Und seine nächsten Schritte würden diese Situation nicht einfacher machen.
    „Ich möchte nicht um den heißen Brei herum reden“, begann er. „Die Situation ist gelinde gesagt... scheiße. Wir erwarten einen Angriff von Woils Männern. Sie werden versuchen, die Brücke einzunehmen. Und sie werden dazu überall durchzubrechen versuchen. Wir sind zwar der Meinung, dass dies noch etwas auf sich warten lässt. Doch nichtsdestotrotz verlange ich volle Wachsamkeit.“ Bird ließ die ersten Worte verklingen. Sie lösten keinen solchen Schock aus, wie er erwartet hatte. Doch dies lag vermutlich daran, dass die Gesichter aller schon zu müde und abgekämpft aussahen, dass keine Veränderung mehr in ihnen möglich war. „Wir werden zudem bald eine Offensive starten. Unsre Möglichkeiten sind begrenzt. Daher ist in diesem Fall der Angriff die beste Verteidigung.“ Bird blickte jedem in die Augen. Doch keiner schaffte es, seinem stand zu halten.
    „Gehen Sie auf ihre Posten.“
    Damit entließ Bird seine Untergebenen. Nur die drei, die mit ihm die Brücke bewachten, blieben. Aber auch sie positionierten sich natürlich an den Türen.
    Einer blieb aber stehen und wartete darauf, bis er mit Danny etwas allein war. Es war Locarno. Bird wartete ebenfalls. Er wartete schließlich auf die Information, die er ihm geben sollte.
    „Also? Haben Sie nach Lewinski gesehen?“, fragte Bird.
    Locarno sah verlegen von einer Ecke zu anderen. Er wusste nicht, wie er ihm antworten sollte.
    Bird bemerkte dies natürlich. „Jetzt sagen Sie es. Frei von der Leber weg.“, drängte Bird.
    „Nun Sir. Ich habe ihn nicht gefunden.“
    Danny riss die Augen auf. „Was soll das bedeuten?“, fragte er leise um die anderen beiden, die auf der Brücke waren, nicht zu schocken.
    „Lewinski ist weg. Und Fähnrich Tellom ebenso.“
    Fragend sah der Sicherheitschef zu Boden. Er musste die Antwort erst einmal verarbeiten und strukturieren. „Waren Sie auch im richtigen Quartier?“
    „Natürlich Sir. Ich habe sogar noch medizinische Ausrüstung gefunden – es war das richtige Zimmer.“, erklärte Locarno. Doch Bird sah noch immer nicht überzeugt aus. „Sir, was hat der Captain mit ihr gemacht? Hat er sie zu ihrem Schutz in ein andere Quartier gebracht?“
    Bird nickte stumm. „Danke Mr. Locarno. Ich werde dem nachgehen. Begeben Sie sich jetzt auf ihre Position.“
    „Aye Sir.“ Locarno zog seinen Phaser und verließ vorsichtig die Brücke.
    Bird dagegen blieb einfach nur ruhig stehen und massierte seine Stirn. Seine Möglichkeiten, dieser Sache nachzugehen waren natürlich sehr begrenzt. Und wenn der Captain nicht bald auftauchte, würde er die Gruppe leiten müssen.
    Und dieser Gedanke bereitete ihm ein großes Unbehagen. Plötzlich fühlte er, wie sich ein flaues Gefühl in seinem Bauch bildete.
    Die Zeit des Handelns war da. Das wusste er genau.

    Das helle Licht im Maschinenraum blendete Lewinski. Zudem rann etwas Blut von einer Wunde an der Lippe, die ihm von den beiden Offizieren zugefügt worden war, als er sich unnachgiebig gezeigt hatte. So hatte er wenigstens verhindern können, dass die beiden Tellom fanden. Höchstwahrscheinlich hätte T’Ker sie in seinem Blutrausch gleich getötet.
    Mitten im Maschinenraum wurde er dann auf die Knie gedrückt. So hart, dass er sich sehr zusammennehmen musste um nicht zu schreien.
    Mit seinen Händen stützte er sich ab um nicht nach vorne zu fallen. Was mit zusammengebundenen Händen gar nicht so einfach war.
    Land schmerzte es, den Captain so erniedrigt zu sehen. Und es verursachte ihm großes Unbehagen, diesen Konflikt zu beobachten, der eskalieren würde. Das wusste er. Doch er ließ die Bilder an ihm vorbeiziehen, ohne nach einer Antwort zu verlangen. Die würde von sich aus kommen.
    Schwer atmend sah sich auch Lewinski um. Woil war nicht untätig gewesen. Er hatte viel reparieren können. Allein die Tatsache, dass das Hauptlicht aktiv war, stellte Woils Effektivität und Talent dar.
    Nur wenige Meter entfernt stand er dann auch. Im Gespräch mit zwei anderen Technikern. Doch als er Lewinski sah, brach er dieses Gespräch sofort ab.
    Erstaunt trat er auf seinen Captain zu.
    „John. Welch erfreulicher Besuch.“ Er lächelte diabolisch. „Erspart er mir es doch, Sie zu besuchen.“
    Auch wenn er vor ihm kniete versuchte Lewinski nichts von seiner Autorität abhanden kommen zu lassen. Im Gegenteil, er versuchte dieses Manko damit auszugleichen.
    „Sie werden es mir gestatten Jozarnay, wenn ich sage, dass diese Freude nicht auf Gegenseitigkeit beruht“, konterte Lewinski.
    Woil hatte so etwas erwartet. „Ich habe diese Situation schon so oft in meinem Geist durchgespielt während der letzten Tage. Lewinski, Sie werden mich jetzt nicht mehr abhalten, zu tun, was ich tun muss.“ Er wandte den Blick von ihm ab und sah zu den beiden Männern, die hinter Lewinski standen. „Sind die Gewehre klar?“, fragte er.
    Beide nickten und richteten ihre Gewehre auf Lewinskis Hinterkopf. Der Captain konnte sie schon Summen hören. Er konnte die Wärme fühlen, die von den Emittern ausging. Doch in diesem Moment dachte er nicht im Geringsten an den Tod.
    Woil selbst zog auch noch seinen Phaser und richtete ihn direkt auf Lewinski. „Es ist aus Captain. Ich habe die Offensive eben gestartet. Noch kann ich sie stoppen. Wenn Sie mir das Kommando übergeben.“
    Lewinski reagierte anders als erwartet. Er hob den Kopf und lächelte.
    „Was ist? Wieso lachen Sie?“, fragte Woil gereizt und verunsichert. Was sollte das? Wollte er nur Zeit herausschinden? Für irgendeinen verrückten Plan?
    „Ich bin begeistert. Von Ihnen. Sie hatten die Situation die ganze Zeit unter Kontrolle. Von ihrer Befreiungsaktion...“
    „... die leider ein paar unerwartete Nebeneffekte hervorgerufen hatte...“, fügte Woil ein und spielte damit seine Fähigkeiten herunter.
    „... bis zu dieser Offensive. Sie haben alles richtig gemacht. Und trotzdem werden Sie verlieren.“ Lewinski lachte noch einmal stumm auf. „Ironie des Schicksals. Heute wären wir wieder nebeneinander in einer Loge gesessen.“
    Der Chefingenieur blickte den Captain an und dachte über seine Worte nach. Er hatte recht. Ihr Theaterbesuch lag nun genau eine Woche zurück. Und heute hatten sie sich für den nächsten verabredet.
    Mit einem kurzen Kopfschütteln rief sich Woil zu seiner gewohnten Selbstkontrolle zurück. Dabei kamen ihm einige Worte in den Sinn.
    „Er wird Erquickung sich umsonst erflehn; Und hätt’ er sich auch nicht dem Teufel übergeben, Er müsste doch zugrunde gehn!“, zitierte Woil ernst aus dem Theaterstück von letzter Woche.
    Land versuchte sich an die Worte zu erinnern, doch er konnte sie keinem Stück zuordnen.
    Lewinski ließ sich davon nicht beeindrucken. „Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, Dann will ich gern zu Grunde gehn!“
    Abermals schüttelte Woil den Kopf. Dieses Mal aber demonstrativ. „Ich verstehe Sie nicht John.“ Dann fiel er wieder in den „Zitierton“: „Verachte nur Vernunft und Wissenschaft, Des Menschen allerhöchste Kraft, Laß nur in Blend- und Zauberwerk Doch von dem Lügengeist bestärken So hab ich dich schon unbedingt.“ Er ließ etwas Zeit, bevor er fortfuhr. „Sie könnten so vielen Menschen das Leben retten John.“
    Der Captain antwortete nicht, sondern sah nur zu Woil. Innerlich bereitete er sich auf alles vor.
    Woil schloss kurz die Augen. Anschließend lächelte er wehmütig. „Dann haben Sie ihre Chance hiermit vertan.“ Er verstellte das Niveau seines Phasers. „Ich wähle ein hohes Niveau, das Sie sofort atomisieren wird. Sie werden den Strahl nicht einmal sehen und auch keine Zeit haben, Schmerz zu spüren. Im Gegensatz zu ihren Kameraden.“ Woil wandte sich dann an T’Ker und den Bolianer. „Treten Sie zurück. Ich werde das selbst übernehmen.“ Die beiden gehorchten sofort, nahmen ihre Gewehre herunter und stellten sich einige Meter von ihnen entfernt an die Wand des Maschinenraums, praktisch genau den zwei anderen Technikern gegenüber, die neben ihnen, Lewinski und Woil noch im Raum waren.
    Dann richtete Woil den Phaser wieder auf Lewinskis Kopf.
    Und in diesem Moment holte der zum Gegenschlag aus.
    „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlicher guter Mann, Allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“
    Woil zuckte zurück. Lewinski hatte seinen wunden Punkt getroffen. Also stichelte er noch weiter zu ihm vor. „Sie sind nicht der Jozarnay Woil, den ich kannte. Der Richtige konnte keiner Fliege etwas zu Leide tun. Geschweige denn war er in der Lage Freunde umzubringen oder Kollegen, egal wie sehr sie ihm verhasst waren. Ich dachte, dass die Religion, dass ihr Glaube in ihrem Leben eine große Rolle einnimmt. Was sagt ihr Glaube, was sagt ihr Gott dazu, dass Sie soviel Unheil bringen?“
    Verstört sah Woil zu Boden. „Ich versuche nur Leben zu schützen. Ihr Verhalten hat dazu geführt, dass die halbe Crew sinnlos starb.“
    „Sie mögen vielleicht behaupten, Leben beschützen zu wollen. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Sie wollen nur die Leben derer beschützen, die auf ihrer Seite sind. Ein wahrer Captain muss aber die Leben aller Crewmitglieder schützen. Nichts anderes habe ich getan. Sie werden es mir nicht glauben, aber... Ich habe auch Ihr Leben geschützt Jozarnay.“
    „Seien Sie still!“, schrie Woil. „Ich will nichts mehr hören von Ihren Wortverdrehereien! Sie haben schon zuviel gesagt.“
    Wütend trat Woil auf Lewinski zu, bis sein Phaser nur noch wenige Zentimeter von Lewinskis Nasenspitze entfernt war.
    Für den Captain verfiel die ganze Situation in diesem Moment in den Eindruck, alles wie in Zeitlupe zu erleben. Er konnte praktisch sehen, wie sich Woils Muskeln anspannten, konnte hören, wie der Auslöser klickte und die Vorladekammer die Energie für einen Phaserstrahl mit hoher Stärke lud.
    In einem letzten verzweifelten Versuch, sein Leben zu retten – Lewinski war ohnehin klar, dass es nur ein Versuch bleiben konnte und er nebenbei dem Gedanken auch nicht abgeneigt war, jetzt und hier alles zu beenden – stürzte er sich auf Woil. Soweit es ihm natürlich möglich war, von seiner knienden Position aus und mit verbundenen Händen.
    Doch er schaffte es, den Phaser zu treffen und ihn von ihm abzulenken. Gleichzeitig schlug er mit seinem Kopf gegen Woils Knie, wodurch dieser zusammenbrach.
    Lewinski landete am Ende seiner Aktion auf dem Boden neben seinem ebenfalls gestürzten Kollegen. Beide hatten jedoch weder Augen für die vier anderen Crewmitglieder, die staunenden neben ihnen standen, auch nicht für sich selbst, sondern nur für den Phaserstrahl, der sich aus dem Phaser gelöst hatte, als Lewinski denselbigen weggeschlagen hatte.
    Unkontrolliert wie es gewesen war, hatte er ein Loch in eines der Systeme neben dem Warpkern geschossen. Und allen war klar, was getroffen worden war.
    Und auch Land begriff es, der erst jetzt bemerkte, dass das Loch, das er gestern bemerkt hatte, noch gar nicht da war, sondern erst jetzt verursacht wurde.
    Hinter dieser speziellen Stelle in der Wand lag ihr Schicksal.
    Es war ein Plasmatank, randvoll gefüllt mit Kühlmittel für den Warpkern.
    Bevor auch nur einer von Ihnen an Flucht auch nur denken konnte, strömte das grüne Gas auch schon aus dem Leck heraus und verteilte sich in jede Ecke der unteren Eben des Maschinenraums.
    Woil blickte in den letzten Momenten seines Lebens zu Lewinski. Stumm suchte er in seinen Augen nach etwas. Nach einem kleinen aufblitzen, nach einem Zwinkern.
    Und dann sah er es. Es war nicht viel, nur ein kleiner Lidschlag von Lewinski, der Bände sprach.
    Er vergab Woil.
    Mit Freude und einem Lächeln erwartete er dann das dichte Gas.
    Der Spuk dauerte nur wenige Sekunden, bis das Gas von den automatischen Systemen und den Entlüftern eingefangen und abgesaugt wurde. Doch diese Zeit hatte ausgereicht um 6 Menschen das Leben zu nehmen und nicht eine Spur von Ihnen übrig zu lassen.
    Sie hatten nicht einmal schreien können, so schnell war es gegangen.
    Nur Land hatte geschrieen und versucht, sich damit zu schützen, dass er die Hände vor sein Gesicht hob. Was vollkommen unnötig war. Die aktivierten Sicherheitsprotokolle des Holodecks ließen nicht zu, dass das Kühlmittel ihm etwas anhaben konnte.
    Und als es schließlich abgesogen war, herrschte zum ersten Mal seit einer Woche wieder Frieden im Maschinenraum der Monitor.

    Im Rest des Schiffes war von den Ereignissen im Maschinenraum nichts zu spüren gewesen. Auf Deck 2 arbeiteten drei Dreierteams gerade daran, das erste Deck zu betreten. Zwei arbeiteten sich über Turboliftschächte nach oben, das dritte über eine Jeffriesröhre.
    Danny Bird lauerte mit drei Kollegen auf der Brücke. Noch warteten sie ab. Bird hatte beschlossen noch ein paar Minuten auf ein Zeichen von Lewinski zu hoffen. Natürlich konnte er nicht wissen, dass er vergebens hoffte. Das ärgert ihn auch etwas. Doch diese Gedanken schob er schnell beiseite. Er konzentrierte sich mehr auf die Korridore um ihn.
    Und dies wurde immer mehr zur Qual. Die Müdigkeit, die schockierenden Ereignisse nagten noch immer an ihm. Langsam wurde dadurch auch sein Nervenvorrat aufgebraucht.
    Bird fühlte den Abzug des Gewehrs in seinen Händen. Noch immer mussten die Phaser mit einer hohen Energiestufe betrieben werden. Noch immer hatte sich die Strahlung nicht verzogen, wodurch auch die Sensoren keine klaren Ergebnisse lieferten.
    Plötzlich hörte er etwas. Oder bildete er es sich nur ein?
    Wollte er etwas hören?
    Da... wieder.
    Die anderen hatten das Geräusch ebenfalls gehört und richteten ihre Gewehre zur Geräuschquelle. Keiner wagte es zu atmen um vielleicht ein wichtiges Geräusch zu überhören.
    Und dann begann es.
    Plötzlich drang Phaserfeuer aus dem kleinen Querkorridor, der zu dem Jeffriesröhrenzugang zur Backbord – Warpgondel, führte.
    Noch bevor Bird oder jemand anders von ihnen reagieren konnten, waren die beiden Offiziere, die an der Tür lauerten, die dem Phaserfeuer näher war, tot.
    Für Bird und seinen zweiten Mann war die Sicht etwas eingeschränkt. Sie konnten keinen der Angreifer erkennen, doch sie feuerten trotzdem, in der Hoffnung, irgendetwas zu treffen, bevor sie getroffen wurden.
    Doch da wurden sie schon von Phaserfeuer aus einer anderen Richtung abgelenkt.
    Das Dreierteam, das sich vom Steuerbordkorridor her zu ihnen näherte, hatte problemlos die ersten beiden von Lewinskis Männern hinter sich gebracht. Nur eine kleine Unaufmerksamkeit ihrerseits hatte ihr Ende bedeutet. Doch die Tatsache, dass sich nur Phaserfeuer von zwei Waffen näherte deute darauf hin, dass auch einer von Woils Männern das Leben hatte lassen müssen.
    Während Woils Team etwas den Korridor hinunter warf hatte Bird genug Zeit zu registrieren, dass das erste Team, das von der Jeffriesröhre aus angegriffen hatte, immer noch mit den Männern beschäftigt war, dass sich in einem der Backbordquartiere versteckt hielt. Aber auch von dort drangen immer weniger Phaserintervalle zu ihm vor. Auch dort hatte es Verluste gegeben.
    Dazwischen hörte er dumpfe Schreie.
    Sie stammten vom Ende des Backbordkorridors. Vermutlich war auch dort ein Stellungskrieg ausgebrochen.
    Dann detonierte die kleine Granate.
    Sie war jedoch etwas an der Brücke vorbei gerollt, wodurch die Wucht der Explosion auf den Korridor beschränkt war und das Team, das sich dort in einem Quartier verschanzt hatte.
    Auf der Brücke war „nur“ eine starke Erschütterung zu spüren, die Bird und seinen Kollegen durchschüttelte. Benommen orientierten sie sich kurz. Bird versuchte verschiedene Eindrücke zuzuordnen. Sehen konnte er recht wenig und auch mit dem hören haperte es.
    Von dem Team im Quartier neben dem Korridor hätte er auch nichts gehört, wenn das Pfeifen in seinen Ohren nicht zu hören wäre.
    So schnell er konnte, festigte er den Griff seines Gewehres wieder und schoss in den Korridor, zu der Stelle, an der er das gegnerische Team vermutete.
    Ein heller Schrei klang durch den Korridor. Bird hatte eines der „Ziele“ getroffen. Bird hatte keine Zeit darüber auch nur eine Emotion zu verlieren oder auch nur darüber nachzudenken. Denn aus dem Dunkel traf eine Phaserschuss Birds Kollegen.
    Bird hatte auch keine Zeit, auf die Leiche zu reagieren, die nun plötzlich neben ihm lag. Er schaltete alle anderen Sinne ab und konzentrierte sich nur auf den Abzug seiner Waffe und den dunklen Korridor vor ihm.
    Als er ein kleines Blitzen sah, kaum mehr als das Funkeln in einem Auge, richtete er den Gewehrlauf seiner Waffe aus und schoss. Nicht nur einmal, nein, er hielt den Abzug gedrückt und feuerte eine ganze Reihe an Energie in den Korridor.
    Er stoppte erst, als ein Phaserblitz nur knapp über ihm einschlug.
    Dieser Schuss hatte ihn voll überrascht. Er war aus einer anderen Richtung gekommen.
    Richtig, besann er sich und veränderte schnell seine Position um geschützter zu sein. Das erste Team, dass sich von der Backbordjeffriesröhre aus genähert hatte.
    Schnell feuerte er auch in diese Richtung blind einige Salven ab, bis er sich sicher war, dass er den Angreifer getötet hatte.
    Nein, er hörte auf, als er sich klar wurde, dass er den Angreifer getötet hatte. Als er sich klar wurde, dass er einen Freund getötet hatte.
    Erschrocken ließ er das Gewehr fallen und verharrte in der Position, in der er sich eben befand.
    Bird horchte in sich hinein, hinaus ins Schiff, hinaus ins All.
    Er hörte immer dasselbe.
    Nichts.
    Er war allein.
    Vollkommen allein.

    Wieder saßen Chakotay, Land und Kalen im Konferenzraum der Voyager. Soeben hatte der Erste Offizier von den Geschehnissen an Bord der Monitor berichtet. Beide saßen fassungslos da, während man durch das Fenster die Monitor sehen konnte, die immer noch einen gespenstischen Eindruck hinterließ.
    „Ich kann nicht glauben, dass es zu einem Kampf unter Sternenflottenoffizieren gekommen ist. An Bord eines der höchstdekoriertesten Schiffe der Flotte“, seufzte Chakotay, der sich kraftlos in seinen Stuhl zurücksinken ließ. „Was hat es mit dieser einen Sache auf sich...“, Chakotay versuchte sich zu erinnern. „Diesem Ort, den Chief Woil angesprochen hatte?“
    Land schüttelte verzweifelt den Kopf. „Wie gesagt, ich weiß nur, dass Woil zu einem Ort zurück wollte. Ihnen war klar, dass der Deuteriumvorrat niemals reicht bis zu bekanntem Föderationsraum. Also schlug er einen anderen Ort vor. Alle schienen von ihm zu wissen. Genaueres kann ich im Moment noch nicht sagen.“
    In diesem Moment öffnete sich die Tür zur Brücke und Reg Barclay betrat den Raum. Er blieb in der Nähe der Tür stehen. Es war ihm deutlich anzusehen, dass er sich etwas unwohl fühlte, schließlich entstand durch sein Eintreffen ein unangenehmes Schweigen, dass schließlich Chakotay unterbrach.
    „Reg, was haben Sie herausgefunden?“
    „Sir“, er trat zum Captain und überreichte ihm ein PADD. „Wir haben die Warpspur der Monitor entdeckt.“
    Erstaunt sahen alle drei zum Chefingenieur.
    „Setzen Sie einen Kurs mit Maximum Warp, wir fliegen sofort ab.“
    „Was ist mit der Monitor?“, fragte Land.
    „Es sind keine anderen Schiffe in Sensorreichweite. Und in Kürze wird ein Bergungsschiff eintreffen, dass die Hülle zwecks weiteren Untersuchungen nach Utopia Planitia bringt“, antwortete Chakotay verständnisvoll. Land hatte anscheinend noch keine Zeit gehabt, all die Memos zu lesen, die die verschiedenen Abteilungen des Schiffes verfasst hatten.
    Der erste Offizier nickte und gab sich damit zufrieden. Als diese Sache geklärt war, wandte er sich wieder an Barclay. „Danke Commander. Wenn dies alles ist...“
    Reg nickte und verließ den Konferenzraum wieder.
    Chakotay ließ nicht viel Zeit verstreichen, bis er weitersprach. Schließlich spürte er schon wieder eine unangenehme Stille. „Tema’na ist vor einer guten Stunde von ihrer Mission zurückgekehrt. Sie hatte eine der Rettungskapseln der Monitor im Schlepptau des Alpha Flyers.“
    „Die Kapsel war leer, nicht wahr?“, mutmaßte Land.
    „So war es. Alle Kapseln waren leer. Die Frage ist nur, wieso wurden sie dann gestartet?“
    Land überlegte. „Wir müssen uns nur in Geduld fassen, dann wissen wir es.“
    Im Fenster hinter Chakotay verschwand die Monitor und das normale Bild. Der Warpblitz war zu sehen, als die Voyager die Warpmauer durchbrach.
    „In Ordnung, machen Sie weiter so. Ich versuche das Ganze nun noch dem Kommando beizubringen.“
    Der Captain stand auf, Kalen tat es ihm gleich, doch Land blieb sitzen. Als sie beide schließlich allein waren, setzte sich auch Kalen wieder.
    „Wie schaffen es die El-Aurianer nur, Jahrhunderte zu überleben? Steigt die Selbstmordgefahr nicht, wenn man mal 300 Jahre überschritten hat?“, fragte Land zynisch.
    Kalen verstand seine Aussage. Er wollte niemanden angreifen. „Nun, es gibt eine Phase, so mit 280, in der steigt die Gefahr, doch wenn man da mal drüber ist... wir haben einen speziellen Fachausdruck dafür: Midlife Crises.“
    Wieder hatte es Kalen geschafft, Land zum lächeln zu bringen. „Ich habe heute gesehen, wie beinahe jeder meiner Freunde gestorben ist.“
    „Sie haben etwas furchtbares durchgemacht. Aber Sie werden darüber hinwegkommen. Sie werden neue Freunde finden und ein neues Leben. Ich habe ebenfalls alles verloren, durch die Borg. Doch ich habe weitergemacht. Und habe nun ein neues Leben.“
    „Ich will kein neues Leben“, bekundete Land trotzig. „Ich will mein altes zurück.“
    „Ihr Leben ändert sich an jedem Tag ihres Lebens. Jeden Tag erhalten wir ein neues Leben. Das ist der Schritt, der uns von den niedern Lebensformen unterscheidet. Wir sind keine Gefangenen der alltäglichen Monotonie.“
    „Darf ich fragen, wie mir das helfen soll?“
    Diesmal lächelte Kalen. „Ich habe die selbe Frage gestellt, als ich nach dieser Sache mit den Borg in Behandlung war. Und jetzt verrate ich Ihnen das Geheimnis. Wir El-Aurianer überleben nur aus einem Grund Jahrhunderte: Wir sind eine Rasse der Zuhörer.“
    „Wenn Sie jetzt von mir verlangen, dass ich Ihnen mein Seelenleben offen lege, haben Sie sich geirrt.“
    „Zwei Dinge: niemals würde ich von Ihnen verlangen, dass Sie mir Ihr Seelenleben offenbaren. Und zweitens würde ich nie etwas verlangen“, Kalen ließ Land die Zeit, die Worte zu verinnerlichen. „Sie werden früher oder später alles berichten, das Sie berichten wollen.“
    Der Counsellor stand auf und ließ Land alleine im Konferenzraum zurück.
    Er wusste, dass man jedem seine eigene Geschwindigkeit lassen musste. Auch bei Bird war dem so. Er musste ihm nur die Zeit lassen, die er benötigte.
    Doch bis dahin war Land allein.
    Vollkommen allein.

    Tag 15, 6:12 Uhr Bordzeit der U.S.S. Voyager

    Der Doktor versuchte gute Miene zu bösem Spiel zu machen. Bruce Land saß an der Bettkante in seinem Schlafzimmer. Er hielt die Augen geschlossen, während der Doktor ihn untersuchte.
    „Ihre Kopfschmerzen haben keine speziellen, körperlichen Gründe. Ihr Blutdruck ist leicht erhöht, der Puls unruhig, die Adrenalinwerte 2% über normal. Ich denke Sie wissen, dass Counsellor Kalen ihnen eher helfen könnte...“
    „Doktor, geben Sie mir einfach etwas gegen die Kopfschmerzen“, wies Land genervt an.
    Der Doc griff sogleich nach einem Hypospray. Während der kurzen Zeit, die Land an Bord des Schiffes diente, hatte er gelernt, dass er keinen Widerspruch duldete.
    „Wie sieht es mit den Autopsien aus Doc?“, erkundigte er sich.
    „Ich habe Sie beinahe abgeschlossen Sir“, antwortete er, während er Land das Hypospray verabreichte. „Wie lange haben Sie heute geschlafen?“
    Land überlegte. „Etwa 4 Stunden.“ Er reagierte mit einem Themenwechsel auf das Augenrollen des Doktors. „Was haben Sie über Tellom herausgefunden? Was ist mit ihr geschehen?“
    „Ihre Annahme wurde bestätigt. Fähnrich Telloms Synapsen sind zerfallen.“
    „Wie ist so etwas möglich?“, fragte Land.
    „Bei Terellianern ist so etwas nicht ungewöhnlich. Außerdem hat Fähnrich Tellom eine genetisch bedingte Veranlagung für einen solchen degenerativen Zerfall. Normalerweise kann so etwas schon nach der Geburt geheilt werden.“
    Land nickte. „Ihre Eltern waren der modernen Medizin immer etwas abgeneigt.“
    „Verständlich. Die nächste Untersuchung wird sie dann bei der Aufnahme in die Akademie gemacht haben. Und im Erwachsenenalter lässt sich der Defekt nicht mehr beheben.“
    „Wodurch wird ein solcher Zerfall ausgelöst?“
    „Durch schwere traumatische Schocks“, erklärte der Doc.
    Land dachte an die Situation auf der Monitor. „Wie den Verlust eines Ehemanns?“
    „Da die Terellianer normalerweise keine monogame Beziehung eingehen, die der einer Ehe ähnelt kann ich so etwas nicht definitiv bestätigen.“
    Der Erste Offizier nickte und stand auf. „Danke Doc. Mir geht es schon viel besser. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden, ich habe noch einiges zu tun.“
    „Sie sollten die Sache etwas ruhiger angehen Commander. Ansonsten gehen Sie auch noch das Risiko eines Traumas ein.“
    Land atmete tief ein. Er konnte ihm nicht böse sein. Er tat nur seine Arbeit. Und er musste seine tun.
    „Ich weiß. Aber ich muss aufs Holodeck.“
    Denn der nächste Tag wartete schon.

    Tag 7, 7:02 Uhr Bordzeit der U.S.S. Monitor

    Danny Bird sah abermals auf die Statusanzeige des Trikorders. Aus seiner Sicht sah er alle 2 Sekunden auf ihn, obgleich er natürlich wusste, dass mehr Zeit dazwischen lag.
    Noch immer hatte sich nichts an ihrer momentanen Situation geändert. Ein Teil in ihm freute sich darüber, ein anderer hasste dies abgrundtief. Irgendwann, das wusste Bird mit Sicherheit, würde etwas passieren. Und um so länger dieses „etwas“ auf sich warten ließ um so heftiger würde es werden.
    Und es lag an ihm, „es“ zu verhindern.
    Schon seit Stunden irrte er durch die verwüsteten und dunklen Korridore des ersten Decks der Monitor. Was an sich nicht viel Zeit in Anspruch nahm. Doch er stoppte beinahe alle zwei Meter um sich nach dem Zustand der positionierten Teams zu erkundigen, die dort in kleinen Teams dem Feind auflauerten.
    Bird konnte nicht anders als über die Situation lachen. Wie lange ging dies jetzt schon? Im Geister rechnete er und nahm schließlich den Trikorder zu Hilfe, als er auf kein schlüssiges Ergebnis kam. Der kleine Computer offenbarte schlussendlich das grausame. Eine Woche. Eine geschlagene Woche dauerte dieses Martyrium schon an. Eine Woche lang hatte er zusehen müssen, wie das ganze Schiff zu etwas unfassbarem wurde. Zu einer richtigen Hölle. Zumindest konnte er sich keine schlimmere vorstellen. Immerhin kämpfte er gegen seine eigenen Freunde und Kollegen.
    Diese Tatsache allein ließ ihn beinahe wahnsinnig werden. Und in der Tat konnte er sich im Moment nicht die Frage beantworten, wie lange er selbst dies noch durchmachen wollte und konnte.
    Der Sicherheitschef erreichte gerade das nächste Kleinteam. Es bestand aus Mr. Locarno und einem seiner Leute aus dem Sicherheitsstab, Lt. Jett. Beide saßen am Eingang eines Quartiers und überwachten ihren Gangabschnitt. Immer noch war das gesamte Schiff in eine lähmende Dunkelheit gehüllt. Nur vereinzelt funktionierten die Reservelampen noch.
    „Wie ist ihr Status?“, fragte Bird leise. Auch wenn er wusste, dass seine Sprachlautstärke kaum einen Unterschied machte.
    „Sie sollten sich nicht so frei auf den Fluren Bewegen Sir“, antwortete Locarno keck.
    Danny wusste zuerst nicht, wie er darauf reagieren sollte. Zuerst wollte er ihn anschnauzen, stellte das jedoch beiseite. Es führte schließlich zu nichts. Also überging er diesen Kommentar einfach. Denn zu so etwas wie einem Lächeln war ihm jetzt auch nicht zumute.
    „Ich wollte nur sichergehen, dass sie genügend Vorräte haben“, fuhr er schließlich fort.
    „Ja Sir, wir haben alles“, antwortete Jett ruhig.
    „Gut, wechseln Sie sich beide ab. Jeder von ihnen sollte wenigstens etwas Schlaf bekommen“, wies Bird weiter an, sah dabei wieder auf seinen Trikorder und dann wieder kurz zu den beiden jungen Männern, die nur wenige Zentimeter neben ihm saßen. „Keine Sorge, das Ganze wird sich bald bessern und sich in einem bösen, dunklen Traum auflösen.“ Erst jetzt fiel Bird auf, wie jung die Gesichter der beiden Männer waren, während er sich jetzt so alt und zerbrechlich fühlte, wie noch nie in seinem Leben.
    Locarno und Jett reagierten nicht auf Birds Worte. „Ist es wahr?“, fragte Jett.
    „Was soll wahr sein?“, fragte Bird verwirrt.
    „Deck 3. Steht Woil jetzt auch Deck 3 zur Verfügung?“, stellte Locarno die Frage zu Ende.
    Bird sah geschockt zu ihm. Er selbst wusste natürlich, dass dies stimmte. Gleichzeitig erstaunte es ihn aber, dass sich so etwas auch in einer kleinen Gruppe von kaum 20 Leuten so schnell herumsprach.
    „Glauben Sie nicht jedem Gespenst, dass hier durch die Gänge spukt. Auch wenn es sich noch zu wahr anhört“, antwortete er und wartete kurz auf eine Reaktion. Die beiden erwiderten zwar nichts, jedoch war dies nicht nötig. Bird sah es ihnen an der Nasenspitze an, dass sie ihm nicht glaubten. „Halten sie sich bereit. Ich werde mich bald wieder melden.“ Dieses Mal wartete er erst gar nicht auf eine Reaktion, stand auf und lief im Korridor zurück, in Richtung Brücke. Mit gezogenem Phaser ging er den Gang entlang, immer auf der Hut, etwas ungewissem zu begegnen. Als er schließlich die Tür erreichte, steckte er seine Waffe ein und öffnete die Tür mittels des Griffs, der an ihr hing. Alle Türen mussten so geöffnet werden, schließlich reichte die Energie nur noch aus um die Lebenserhaltung in Betrieb zu halten. Also musste jeder, der eine Tür öffnen wollte, selbst Hand anlegen.
    Es dauerte keine zehn Sekunden, bis Bird die Tür geöffnet, die Brücke betreten und die Tür wieder geschlossen hatte. Dort angekommen musste er aber erst einmal etwas verschnaufen.
    Dabei verschaffte er sich einen kurzen Überblick. Auch hier ruhten natürlich alle Systeme. Kein einziger Bildschirm zeigte eine Statusanzeige, sogar der Hauptbildschirm offenbarte nun nur seine holografischen Bilderzeuger. Der einzige Anwesende war John Lewinski, der in seinem Stuhl saß. Er hatte sich nach vorn gebeugt, sein Kopf ruhte in seinen Händen, die Arme waren auf seine Knie gestützt.
    Lewinski schien ihn nicht zu bemerken. Und bevor Bird ihn stören konnte, hörte er, wie Lewinski einige stumme Worte murmelte. „Was ich besitze, seh’ ich wie im Weiten, Und was verschwand, wird mir zu Wirklichkeit.“
    „Captain“, sprach ihn der Sicherheitschef verwirrt an.
    Lewinski löste sich daraufhin langsam aus seiner Starre. Suchend blickte er in der Brücke umher, bis er Bird schließlich entdeckte.
    „Danny, was gibt’s?“, fragte er. Doch er wirkte keineswegs so, als würde er die Antwort wirklich hören wollen. Vorsichtig lehnte er sich zurück.
    „Wir müssen handeln Sir“, forderte Bird. Unbeeindruckt von den eben gehörten Worten. „Woil hat die Decks 3 und 4 eingenommen. Er wird bald auch die Brücke wollen.“
    „Pah“, Lewinski schnaubte. Anschließend legte er so viel Zynismus in seine Stimme, wie er konnte. „Er kann sie haben. Hier gibt es ja nicht mehr viel zu holen.“
    „Sir, ich denke, Sie wissen was...“
    „Ja ja Mr. Bird“ unterbrach ihn Lewinski. „Ich weiß, dass er nicht die Brücke will. Er will mich.“ Der Captain atmete tief durch und sprach dann weiter. „Das ist so verrückt.“
    „Captain, ich denke, dass er die Shuttles einsetzen wird. Ich habe Anzeichen dafür empfangen, dass er sie gestartet hat.“ Bird überhörte Lewinskis Worte einfach. Für ihn zählte in diesem Moment nur die aktuelle Gefahr. Und dies war zum ersten Mal eine, die er bewältigen konnte. „Wir haben zwar Transporterblocker aufgestellt, doch bei weitem nicht flächendeckend. Wenn wir nichts unternehmen läuft uns die Zeit davon.“
    Es schien, als ob Lewinski Birds drängende Worte nicht vernommen hatte, denn er dachte in aller Ruhe nach. Auch wenn es von außen schien, als ob der Captain eine Wachsfigur sei. „Ich weiß nicht, ob ich das alles verstehe Danny... Ich weiß nicht, was das zu bedeuten hat. Bisher konnte ich noch jedem Ereignis einen Sinn zuordnen, doch dieses Mal... geht es Ihnen nicht auch so?“
    „Sir, ich habe aufgehört nach dem Sinn zu fragen, als ich zum ersten Mal klar denken konnte. Es gibt Dinge, die wir einfach hinnehmen müssen...“
    Wütend schlug Lewinski mit seiner Faust auf die kleine Konsole neben seinem Stuhl. „Ich werde nichts mehr einfach so hinnehmen... Ich habe schon viel zu viel einfach so hingenommen.“
    „Und was sollen wir dann tun? Wie wollen Sie mit dieser Situation jetzt umgehen?“, fragte Bird, der jetzt eine günstige Gelegenheit sah, seinem Captain einige Details zu entlocken.
    Lewinski überlegte wieder eine Zeit lang. „Haben Sie immer noch Probleme mit den Trikordern?“, fragte er schließlich. Eine Explosion hatte eine Leistung zerborsten, die zu den Warpgondeln führte. Aus ihr trat jetzt diese Strahlung aus, die die Sensoren störte, für die Besatzung jedoch ansonsten ungefährlich war. Seither arbeiteten die tragbaren Sensoren jedoch nicht mehr auf dem höchsten Niveau. Nur noch enorm hohe und herausragende Werte wurden wahrgenommen. Aus diesem Grund musste Bird auch immer wieder aufs neue raten, wenn er zur Zeit auf den Trikorder sah. Er musste herausfinden, welche Werte zur Strahlung gehörten und welche eventuell nicht. Doch dieses Problem bereitete ihm nicht die größten Sorgen. Das andere war, dass die Strahlung auch einen Einfluss auf die Phaser hatte. Sie arbeiteten nicht auf einem niedrigen Niveau. Daher musste eine hohe Stufe gewählt werden – eine tödliche. Bird hoffte daher, die Waffen nicht einsetzen zu müssen. Doch irgendwo in seinem Hinterkopf wuchs mit jeder verstreichende Sekunde, dass sich Woil wegen dieses Details nicht davon abbringen lassen würde, die Phaser einzusetzen. Langsam verstand er, was Lewinski durchmachte. In ihm sammelte sich die Furcht und die Angst aller Crewmitglieder. Sei es jetzt von ihrer oder Woils Seite. Dieser Gedanke erschrak Bird am meisten. Wie hatte es nur so weit kommen können, dass sich eine Crew so gegenüberstand? Schnell schüttelte er diese Gedanken ab und besann sich auf Lewinskis Frage. „Ja Sir.“, antwortete er. „Das Strahlungsleck ist immer noch zu groß.“
    Lewinski nickte und baute diese Information in sein Vorhaben mit ein. Beinahe schon andächtig sah er sich in der Brücke um. „Dieses Schiff hat schon mehr ausgehalten wie kaum eines seiner Baureihe. Manchmal wurde es nur durch unsere Familie zusammengehalten. Und jetzt, da unsere Familie auseinandergefallen ist... Erweisen wir ihr die letzte Ehre.“ Seine Stimme wurde mit einem Schlag autoritärer, als er direkt zu Bird sprach und nicht mehr „mit“ dem Schiff. „Rufen Sie unsere Leute zusammen. Und machen Sie die Rettungskapseln startklar.“

    Von außen machte die Monitor einen noch schlimmeren Eindruck als das Innenleben ihn erahnen ließ. Überall zeigten sich Spuren von Explosionen und Feuer. Und jetzt, da die zehn Rettungskapseln, die man vom ersten Deck aus erreichen konnte, gestartet wurden schien die Monitor tatsächlich in ihre Einzelteile zu zerfallen. Die kleinen Triebwerke der Kapseln wurden gezündet, setzten dabei alle einen gemeinsame Kurs, der sie mit Höchstgeschwindigkeit von dem Schiff weg brachte.
    Diese Aktion blieb natürlich nicht unbemerkt. Tatsächlich hatte Woil die Kontrolle über die Decks 3 und 4 und damit auch über die Shuttles. Im Moment flogen zwei Shuttles über der Stelle, unter der die Deuteriumtanks normalerweise lagerten. Außerdem arbeiteten zwei Techniker an der Stelle In Raumanzügen und führten dort irgendwelche Arbeiten durch. Diese Männer sahen natürlich, wie sich die Luken öffneten und die Kapseln herausgeschossen kamen.
    Schließlich war es der Vulkanier T’Ker, der die Meldung an den Maschinenraum weitergab.

    „Hier T’Ker, soeben sind alle Rettungskapseln des ersten Decks gestartet worden. Lewinski und seine Schweinehunde haben das Schiff verlassen.“ In T’Kers Stimme war deutlich Freude zu hören, aber auch eine gewisse Wut auf Lewinski. Seine Gefühle stärkten sich mit jeder Minute. Schließlich hatte Doktor Frasier nicht mehr die Zeit gehabt, ihre Therapie gegen das Pon Far zu Ende zu führen.
    Woil hörte diese Meldung mit großem Erstaunen. Sie hatten alle ihre Kommunikatoren auf Selbstbetrieb umgeschalten, wodurch sich die Reaktionszeit zwar etwas verlangsamte, aber immerhin noch eine Kommunikation möglich war.
    Der Maschinenraum war, wie der Rest des Schiffes, recht dunkel. Auch wenn es hier natürlich etwas heller war, damit die Techniker genug Licht hatten um etwas zu reparieren. Und da auch vier seiner Leute gerade hier waren um etwas zu reparieren, waren sie Zeuge dieser denkwürdigen Meldung.
    „Das kann nicht wahr sein“, antwortete Woil entsetzt.
    „Es ist wahr! Alle Rettungskapseln sind gestartet worden“, wiederholte T’Ker. Seine Stimme schien sich dabei schier zu überschlagen, so erfreut war er.
    Doch Woil traute dem Braten noch nicht. „Scannen Sie nach Lebenszeichen.“
    Einige Sekunden verstrichen, bis der Vulkanier versuchte, Woils Aufforderung nachzukommen. „Es tut mir leid“, meldete er schließlich. „Die Strahlung hemmt auch hier noch unsere Sensoren. Außerdem sind sie schon zu weit weg.“
    Leicht verärgert sah er zur Decke seines „Reiches“. „In Ordnung. Kommen Sie so schnell wie möglich zurück aufs Schiff. Ich will zu allen sprechen.“
    „Wir sind auf dem Weg. T’Ker Ende“, bestätigte der Vulkanier die Anweisung des Chiefs und schloss den Kanal.
    Woil wartete nicht lange und wandte sich an einen der anwesenden Techniker. „Sehen Sie nach, ob unsere Horchposten noch Lebenszeichen bekommen.“
    Der Angesprochene, ein junger Bolianer, bestätigte dies mit einem Nicken. Er kletterte die Wandleiter hoch um die zweite Ebene zu erreichen und damit auch die Türen, durch welche man das erste Deck betreten konnte. Bisher hatten sie es noch nicht geschafft diese Türen zu öffnen – Woil hatte selbst vor Jahren dafür gesorgt, dass diese Türen nicht so leicht zu öffnen sind – jedoch hatten sie es geschafft ein hauchdünnes Glasfaserkabel durch die Tür zu schieben. Dieses lieferte ihnen nun einige wenige Informationen über einen Trikorder. Außerdem liefen an diesem Kabel alle sonstigen Abhorchergebnisse zusammen. Sie hatten es nämlich geschafft an zwei weiteren Stellen im Schiff, Glasfaserkabel durch die Decke des zweiten Decks hindurch ins erste Deck zu schieben. Doch keiner ihrer Horchposten hatte ihnen bisher aufschlussreiche Ergebnisse liefern können.
    „Sir, die Trikorder zeigen keine Lebenszeichen mehr auf Deck 1 an“, meldete der Bolianer, nachdem er den Trikorder überprüft hatte. „Auch die anderen Horchposten zeigen keine mehr an.“
    Nachdenklich nahm Woil diese Information auf. „Das kann aber auch an der Strahlung liegen“, gab er selbst zu bedenken.
    „Das stimmt“, bestätigte der junge Techniker. „Die Strahlungswerte sind immer noch hoch.“
    Der Antosianer ärgerte sich kurz über das Malheur. Und noch mehr ärgerte er sich darüber, dass dieses Leck immer noch nicht versiegelt war. Das Technikteam, das auf der Außenhülle des Schiffs arbeitete war eindeutig zu langsam.
    „Das heißt wir wissen nichts...“, begann Woil zu resümieren, als der Bolianer ihn unterbrach.
    „Sir, die Türen!“ Der Bolianer hatte in Windeseile seinen Phaser gezogen und zielte damit auf die Tür.
    Der Chefingenieur hatte ebenso sofort reagiert und seine Waffe gezogen. So schnell er konnte kletterte er damit die Leiter hinauf und ah sich an, was geschehen war.
    Die Türen hatten sich selbst geöffnet.
    „Was haben Sie gemacht?“, fragte er hektisch.
    „Nichts Sir, ich habe nichts angefasst“, antwortete oder besser gesagt, entschuldigte sich der Bolianer.
    Woil kniff die Augen zusammen und riskierte einen kurzen Blick in den Korridor. Dort war nichts zu sehen. „Das Meutereiprotokoll bleibt im Normalfall bestehen, wenn der Captain das Schiff verlässt.“
    „Aber wir haben es im Moment nicht mit einem Normalfall zu tun, Sir“, warf der Bolianer ein.
    „Da haben Sie Recht“, gestand Woil offen ein. Er wusste, dass der Bereich des Computerkerns, der die entsprechenden Protokolle beinhaltete, leicht beschädigt war. Mit Fehlfunktionen musste also zu rechnen sein. Und was geschah nun, wenn sich das Protokoll von selbst wieder aktivierte? Vielleicht hatten sie jetzt die einmalige Chance, das Schiff vollständig zu erobern. Sie hatten keine andere Wahl als das Risiko einzugehen. Woil tippte auf seinen Kommunikator. „Woil an alle. Bewaffnet und sammelt euch. Wir stürmen Deck 1. Die Stürmung beginnt unverzüglich.“
    Der Chefingenieur hatte kaum ausgesprochen, als er mit allen anwesenden Technikern in den Korridor und damit ins Ungewisse trat.

    Die Korridore glichen Ruinen. Damit Sie mehr sehen konnten, als nur Schwärze, hatten sie sich Nachtsichtgläser aufgesetzt, die die Form altmodischer Brillen besaßen. Langsam schlichen sie sich an den Wänden vorwärts, die Phaser schussbereit in ihren Händen.
    Woil fokussierte seinen Blick. Nur mit den Augenwinkeln sah er seine Kameraden, sah er, wie immer mehr von ihnen das erste Deck betraten.
    Adrenalin schoss durch seine Adern und er fühlte sich so lebendig wie schon seit Jahren nicht mehr. Mit jedem Schritt in die Dunkelheit, die für ihn zum ersten Mal wie eine natürliche Umgebung war, fühlte er sich selbstsicherer. Er ließ sich vollkommen von diesem Gefühl einhüllen, denn selten hatte er es in einer solchen Intensität erlebt.
    Verstärkt wurde es, und das wusste er ebenso, durch eine frische Dosis Ketracel Weiß. Doch es störte ihn nicht. Selbstzweifel waren für ihn seit Tagen unbekannt.
    Sie hatten gerade die erste Korridorkreuzung hinter sich gebracht, als der junge bolianische Techniker ihm seinen Trikorder entgegenstreckte. Die Werte die er anzeigte waren chaotisch. Was an sich nichts ungewöhnliches aufgrund der Strahlung war, aber sie waren im Moment anders chaotisch als erwartet.
    Mit einer einfachen Handbewegung bedeutete er seiner Gruppe, stehen zubleiben.
    Schnell lehnte er sich an die Wand und dachte nach. Dabei fiel sein Blick durch eine offene Tür. Es war ein kleiner Wartungsraum, der genutzt worden war um den Korridor zu überwachen.
    Dann drang ein Geräusch zu ihm, vom Parallelkorridor auf der Backbordseite des Schiffes.
    Phaserfeuer.
    In diesem Moment konnte Woil praktisch riechen, was hier gespielt wurde. Sie waren in eine Falle gelaufen. Und vor ihnen warteten Lewinskis Offiziere nur darauf, dass sie noch einen Schritt vor traten, um das Feuer zu eröffnen.
    Und bevor Woil seinen Männern das mitteilen konnte, geschah dies dann auch.
    Phaserblitze zuckten durch die Dunkelheit. Gleich die erste Salve tötete zwei Männer aus Woils Team. Zusammen mit dem jungen Bolianer, der sich, da er die Trikorderdaten auf die gleiche Weise interpretiert hatte, rechtzeitig in Sicherheit hatte bringen können, eröffnete Woil das Gegenfeuer.
    Zuerst feuerte er wahllos in die Dunkelheit. Doch recht schnell musste er feststellen, dass diese Strategie sehr zu wünschen übrig ließ, denn das Feuer hielt ununterbrochen an. Also gab es nur eine Alternative.
    Schnell betätigte er seinen Kommunikator und schrie so laut er konnte: „An alle: Rückzug.“ Dann zielte er auf eine Stelle in der Korridordecke und traf dort die gewünschte Leitung. Sofort trat Nebel aus. Der binnen Sekunden den ganzen Korridor füllte.
    Der positive Nebeneffekt war, dass jetzt alle blind waren, denn der Nebel hatte eine Temperatur von mehr als 50 Grad Celsius und machte damit den Gebrauch der Nachtsichtgeräte unmöglich. Sowohl für seine, als auch für Lewinskis Mannen.
    Und die Reaktion trat nur wenige Momente später ein. Das Feuer verstummte. Woil zögerte keinen Moment und trat den Rückzug an. Mit der sicheren Gewissheit, Lewinskis Fratze im Nebel zu sehen. Mit der sicheren Gewissheit, Lewinski später für alles doppelt leiden zu lassen.

    Die Ereignisse waren auf dem Parallelkorridor praktisch ebenso verlaufen. Nur dass hier keiner die nahende Falle bemerkt hatte. Bird lauerte mit sechs anderen seinen Kollegen auf. Sie warteten in den verlassenen Räumen, in denen zuvor die Rettungskapseln geruht hatten.
    Der Sicherheitschef saß dort und versuchte seine Gedanken auf den Korridor zu fixieren. Doch dieses Vorhaben scheiterte kläglich. Immer wieder glitten seine Gedanken zu seinem rebellierenden Gewissen. Er war doch nicht in die Sternenflotte eingetreten um zu töten. Schon gar nicht seine Freunde.
    Immer wieder spielte er Szenarien durch, dachte an Alternativen, wie etwa ein automatisches Phasergewehr im Korridor aufzustellen, doch dies war wegen der Störungen der Sensoren unmöglich. Bird hatte auch an andere Waffen wie Nebelbomben oder den Einsatz von Tränengas oder Blendgranaten gedacht. Doch diese waren allen sicher in einigen Containern in einem Frachtraum auf Deck 3 gelagert. Alles was sie hatten waren einige Handphaser und Gewehre, die neben dem Transporterraum verstaut waren, um sie für einen Außeneinsatz parat zu haben.
    Seine Gedanken wichen, sobald er an die verschiedenen Waffen in ihrem Arsenal dachte, auf die Menschen, die ihm in diesem Korridor entgegenkommen würden.
    Er konnte kaum das Phasergewehr sicher heben, so zitterten seine Hände.
    Deshalb versuchte er seine Gedanken auszublenden.
    ...Schritte...
    ...Atemgeräusche...
    ...das Klicken der Abzüge...
    ...Phaserblitze...
    ...verbranntes Fleisch...
    ...Tod.

    Bird schüttelte kräftig seinen Kopf, in der irrsinnigen Hoffnung, diese Gedanken aus sich heraus schütteln zu können. Es gelang ihm nicht. Sie blieben an ihm kleben, wie das Blut derer, die er erschießen musste.
    Vielleicht ist es gut, dachte er. Vielleicht ist es gut, dass die Chance besteht, selbst getötet zu werden, dachte er weiter. Jedoch fand er nichts gutes daran.
    Dann schreckte er plötzlich zusammen. Er hörte deutlich Schritte. Leises Flüstern, Atemgeräusche, summende Trikorder. Er wusste, dass es jetzt begann. Seine Kollegen um ihn hatten dieses Ereignis ebenfalls registriert und machten sich bereit. Er hörte das Klicken der Abzüge, als sie die Gewehre straffer griffen.
    Er tat es ihnen gleich und brachte das Gewehr in seine endgültige, finale Position, die zum Schicksal so vieler werden sollte. Unter Tränen blickte er durch das Visier am Gewehr. Im Nebel formierten sich die ersten Silhouetten.
    Einen Moment dachte er noch daran, aufzustehen um zu versuchen, sie zu überreden auf ihre Seite zu kommen. Die Zeit verstrich, unendlich langsam. Aber Danny blieb sitzen.
    Und wartete.
    Als sich der Erste der Gruppe vollständig zu erkennen gab und auch die anderen seines Teams mehr waren als nur dunkle Silhouetten, flüsterte er etwas, auf das alle reagierten: „Feuer“.
    Phaserblitze beleuchteten den Korridor taghell.
    Danny Bird roch den Gestank verbrannten Fleisches.
    Danny Bird roch den Tod.

    Es wirkte, als ob sich John Lewinski keinen Millimeter gerührt hätte. Steif saß er auf seinem Stuhl auf der Brücke. Eigentlich hatte er sich in seinen Bereitschaftsraum zurückziehen wollen, doch dieser lag mitten im Schussfeld. Also musste er sich auf der Brücke, seiner zweiten Heimat, so gut es ging, zurückziehen.
    Als Danny Bird eintrat verließen die zwei Offiziere, die an den geöffneten Türen auf die gelauert hatten, die es trotz des Hinterhalts zur Brücke geschafft hätten.
    Bird musste ihnen keine Befehle erteilen, damit sie wussten, dass er ein privates Gespräch mit dem Captain führen wollte.
    „Wie viele?“, fragte er, als würde er sich nach dem Wetter erkundigen.
    „14...“, antwortete Bird trocken. „Sowie einer der unsrigen.“
    Lewinski lehnte sich zurück, was aber keineswegs entspannt wirkt. „Wie ist der Status?“
    „Woils Team hat sich in den Maschinenraum zurückgezogen. Dort haben sie sich verbarrikadiert. Im Moment haben wir einen Patt.“
    Angespannt rieb sich Lewinski die Stirn. „Barren Sie die Toten auf. Und bringen Sie mir ihre Namen. Ich werde dann den Familien einen Beileidsbrief schreiben“
    Bird schluckte schwer, bevor er die Brücke verließ und Lewinskis Befehl stumm auszuführen begann.
    Vielleicht, so dacht er sich, ist es richtig, dass ich dies wieder tun muss.
    Doch er fand nichts Richtiges daran.

    Erschöpft nahm Bird das PADD zur Hand, das er auf dem Tisch neben dem Eingang liegen hatte. Soeben hatte er die elfte Leiche in einem der Quartiere auf dem ersten Deck verstaut. Da sie nicht an die Leichenkammer kamen, die sowieso schon beinahe voll belegt war, musste er diese Alternative wählen. So langsam fielen in diesem Quartier auch die Temperaturen. Er hatte die Heizung abgeschaltet, um die Leichen seiner Freunde vor der Verwesung zu schützen.
    Bird warf einen kurzen Blick in das Zimmer. Geistesabwesend notierte er den Namen der elften Leiche. Es war Fähnrich Rushing. Eine junge Frau, die noch so viel vor sich gehabt hätte.
    Entmutigt legte er das PADD wieder ab. Gerade wollte er wieder auf den Korridor, als Arena Tellom in der Tür stand.
    „Hallo Danny“, grüßte sie ihn, doch ihr Blick war auf den Berg Leichen gerichtet. Sie waren zwar in schwarze Plastiktüten verpackt, doch trotzdem zogen sie alle Faszination auf sich.
    „Kann ich dir helfen Arena?“, fragte er sogleich.
    Arena antwortete nicht, sondern trat in den Raum und an den Leichensack von Rushing. Sanft berührte sie die Stelle, an der ihr Kopf war. Sie schloss die Augen. „Wieso haben wir das nicht verhindern können?“, wollte sie wissen. „Wieso ist dieses Mal alles schief gegangen?“
    Bird ließ sich mit seiner Antwort Zeit, bis er über jedes Wort nachgedacht hatte. „Bevor dieses... Gemetzel begann, habe ich mir überlegt, einfach aufzustehen um dann mit ihnen zu reden. Sie zu bitten, die Waffen zu senken. Doch ich habe es nicht getan. Ich frage mich seither, wieso ich dies nicht getan habe.“ Er schüttelte den Kopf. „Ich fand bisher keine Antwort darauf.“
    „Vielleicht hattest du Angst, selbst getötet zu werden.“
    „Nein“, antwortete er schnell. „Ich hatte keine Angst um mein Leben. Sondern um deren. Es ekelt mich richtig an, wenn ich jetzt ihre toten und kalten Körper sehe. Ich ekle mich vor mir selbst.“ Voller Abscheu schaute er an sich herab. „Dabei wäre es so einfach gewesen, dieses Massaker zu verhindern.“
    „Dabei wärst du aber das Risiko eingegangen, das Schiff an Woil zu verlieren“, gab Tellom zu bedenken.
    Dieser Einwand riss Bird aus seiner Nachdenklichkeit, die ihn wieder übermannt hatte, als er an all die Leichen dachte. „Was wäre so schlimm daran Arena? Mal ganz ehrlich. Was wäre so schlimm daran?“
    Tellom stand auf und richtete ihren Blick genau auf den ihres Kollegen und Freundes. „Du hättest Ardevs Tod damit zu etwas Richtigem gemacht. Ihn im nachhinein legalisiert.“
    Er deutete mit großen Augen auf den Berg an Leichen. „Macht das deren Tod falscher?“ Geschockt sah er zu ihr, als er die Wahrheit erkannte. „Oder etwa seinen richtig?“
    Arena nahm die Worte in sich auf. Und Bird konnte mit ansehen, wie sie in ein tiefes Loch stürzte. Ganz langsam, lösten sich ihre Gesichtszüge. Bis sie zu weinen begann.
    Dann fielen auch seine Gesichtszüge. Erst jetzt bemerkte er, wie schroff er zu ihr gesprochen hatte. Er hatte beinahe geschrieen. „Es tut mir leid.“ Fürsorglich und beinahe väterlich trat er auf Arena zu und nahm sie in seine Arme. „Es tut mir so unendlich leid Arena.“
    Er hörte, wie Arena schluchzte. Spürte dann, wie ihr Körper anfing zu Zittern.
    „Mir ist kalt Danny“, brachte sie mühevoll heraus. Bird entließ sie aus seinem Griff um ihr ins Gesicht sagen zu können, dass es eigentlich nicht kalt war. Doch als er ihr Gesicht sah, war es schon blau angelaufen und ihre Augen wirkten seltsam verdreht.
    „Arena, was ist mit dir?“, fragte er.
    Doch Arena reagierte nicht auf Dannys sorgenerfüllte Stimme. Sie murmelte nur ein leises „Ardev“, vor sich hin und brach dann in Birds Armen zusammen.
    Langsam legte er sie auf den Boden und sah, wie jeder ihrer Muskeln wie verrückt zuckte. Wenn er nicht gewusst hätte, dass Epilepsie schon seit dem letzten Jahrhundert vollständig heilbar war, hätte er gesagt, dass sie einen solchen Anfall erlitt.
    Und der Anfall endete auch nicht nach einigen Minuten, sondern dauerte eine kleine Ewigkeit. Bird wich nicht von ihrer Seite. Erst als sie sich wieder beruhigt hatte, holte er Hilfe. Doch insgeheim wusste er, dass nur zwei Personen ihr wirklich helfen konnten. Und die lagen tiefgefroren in der Leichenkammer.

    Es kam einer Routine gleich, einem morbiden Ritual, aus dem sich die drei Herren im Konferenzraum trafen. Land hatte eben wieder seinen täglichen Bericht abgeliefert.
    „Die Sache mit den Rettungskapseln war ein simpler Trick. Lewinski wollte mit diesem Angriff seine Vorherrschaft auf dem Schiff sichern“ resümierte Chakotay.
    „Was ihm nach Mr. Lands Beschreibungen nicht sehr leicht gefallen sein durfte. Von allem, was wir bisher von ihm wissen, ist Lewinski zu diesem Zeitpunkt ein gebrochener Mann, ein verzweifelter Mann, der nur um das Wohl seiner Leute besorgt ist“, fügte Kalen wieder mit sanfter Stimme hinzu.
    „Wie passt das aber zu seiner eigenen Aussage, Woils Leben geschützt zu haben? Er hat es doch mit diesem brutalen Angriff selbst aufs Spiel gesetzt.“
    Kalen zuckte mit den Schultern. „Vermutlich hat er sich auf ein anderes Ereignis bezogen.“
    „Gehen wir zurück zu diesem Ort, an dem anscheinend alles seinen Ursprung haben soll. Was haben Sie über den in Erfahrung gebracht?“ Chakotay sah eindringlich zu Land, der es an diesem Tag noch besser geschafft hatte, sich aus den Geschehnissen herauszuhalten.
    „Nichts Sir. Dieser Ort wurde nicht erwähnt“, antwortete Land mit schwacher Stimme.
    Der Captain nickte. „Dann werden wir wohl allein hinter das Geheimnis kommen müssen.“ Er blickte in die Runde und wartete auf eine Reaktion, aber es kam keine. „Was rezitierten Woil und Lewinski eigentlich? Haben Sie das in Erfahrung gebracht?“
    „Es stammt aus >Faust<, einem der bekanntesten klassischen Dramen der irdischen Geschichte. Verfasst von Johann Wolfgang von Goethe“, antwortete Kalen.
    Die beiden Menschen nickten verstehend. Das es gerade ein El-Aurianer war, der ihnen etwas über ihre eigene Geschichte berichten musste, war sehr peinlich.
    Doch Land interessierte sich im Moment nicht im Geringsten für solche Gedanken.
    „Captain“, platzte es aus ihm heraus „Ich will die Ermittlungen abgeben. Ich denke, das Counsellor Kalen geeigneter wäre, die Psyche der Crewmitglieder genau zu durchleuchten.“
    Überrascht sahen beide zum Ersten Offizier. „Woher stammt ihr plötzlicher Sinneswandel Commander?“
    „Ich werde mit der Gesamtsituation nicht fertig. Während der letzten drei Tage habe ich jeden meiner Freunde sterben sehen. Sie jetzt alle quicklebendig Intrigen schmieden zu sehen ist hart, sehr hart.“
    „Um ehrlich zu sein“, Chakotay lehnte sich etwas vor, um nicht zu autoritär zu wirken. „Habe ich eine solche Möglichkeit auch schon in Erwägung gezogen.“ Er wartete auf Lands Reaktion, der jetzt große Augen machte. „Sie haben sich nicht an unsere Vereinbarung gehalten. Der Doktor hat mir gemeldet, dass sich Ihr Gesundheitsstatus verschlechtern wird, wenn Sie sich nicht zurücknehmen.“
    Land nickte. „Dann sind wir einer Meinung. Ich werde Sie gerne auch noch weiterhin beraten, aber Counsellor Kalen kommt mit diesen Ereignissen sicher besser zurecht wie ich.“
    Chakotay sah fragend zum Berater ihres Schiffes. „Was halten Sie davon?“
    „Ich würde Ihnen davon abraten Sir“, antwortete er mit aller Strenge, die er besaß. Dementsprechend sahen die beiden anderen auch entsprechen irritiert zu ihm. „Wenn Commander Land jetzt aufgibt würde das die Gerüchte an Bord nur verstärken. Keiner von Ihnen beiden war in den letzten Tage in der Messe. Ich zugegeben auch nicht oft, aber jedes Mal, wenn ich da war, habe ich die Flüstereien gehört. Vom Geisterschiff Monitor. Wussten Sie, dass es verflucht sein soll?“ Mit großen Augen sah er zum Captain. „Und laut einer andorianischen Prophezeiung läutet das Ende der Monitor das Ende des Universums ein.“ Kalen hatte diese Worte betont überzogen ausgesprochen um tiefe Gefühle zu wecken. „Commander Land ist stark Sir. Und er kennt die Monitor besser als ich. Er ist der Beste für den Job.“
    Unsicher sah Chakotay zu Land. „Es ist Ihre Entscheidung.“
    Doch noch bevor Land antworten konnte, erklang Annika Hansens Stimme in der Interkom. „Brücke an Captain Chakotay.“
    „Hier Chakotay“, antwortete er sofort.
    „Sir, wir empfangen einen schwachen Notruf von einem Planeten, der auf unserem Kurs liegt.“
    „Verstanden, gehen Sie unter Warp und auf Alarmstufe Rot.“
    „Bestätigt“, meldete Annika, schloss den Kanal und praktisch noch im selben Moment ertönten die Indikatoren des roten Alarms.
    Fragend sah Land zu Chakotay. „Roter Alarm Sir? Wegen eines schwachen Notrufs?“ Doch noch während er dies fragte, wurde ihm klar, was sein Captain dachte. Auch die Monitor war einem Notruf gefolgt.
    Verstehend standen alle drei Männer auf und betraten die Brücke. Sogleich setzte sich Kalen ruhig auf einer der kleineren Sitze neben den beiden Plätzen für die Kommandanten.
    Doch Chakotay und Land dachten nicht daran, sich zu setzen. Beide standen direkt vor dem Bildschirm und betrachteten den Planeten, der dort zu sehen war.
    „Bericht“, verlangte Chakotay.
    Doch von Annikas Station kam nicht die prompte Antwort, wie sonst üblich. Irgendetwas stimmte nicht. Beide drehten sich um. Kleine Sorgenfalten bildeten sich auf Chakotays Stirn, als er bemerkte, wie sich seine Frau abmühte, irgendwelche Informationen zu erhalten.
    „Das Magnetfeld des Planeten erzeugt seltsame Störungen in den Sensoren. Wir sollten in eine niedere Umlaufbahn schwenken um klarere Werte zu bekommen“, meldete Hansen schließlich.
    Voller Tatendrang wandte sich Land an die romulanische Steuerfrau. „Tema’na, bringen Sie uns in einen niederen Orbit.“
    „Schon dabei“, antwortete sie und der Planet kam näher.
    In diesem Moment stand Kalen wie von der Tarantel gestochen auf und sah mit großen Augen zum Bildschirm. „Nein, wir müssen weg vom Planeten.“
    Irritiert sahen alle zum Counsellor. „Und weswegen?“, fragte Chakotay.
    „Keine Zeit für Erklärungen, tun Sie es“, forderte er.
    Doch es war zu spät.
    Das Licht begann zu flackern.
    „Sir, wir verlieren die Hauptenergie“, meldete Annika.
    „Ich kann das Schiff nicht mehr steuern“, erklärte Tema’na.
    Und die Worte verhallten, als die komplette Dunkelheit einsetzte.
    Bruce Land überkam plötzlich ein tiefes Gefühl der Angst. Mit ihnen geschah das selbe wie mit der Monitor. Sie waren in die selbe Falle getappt.
    Doch nur wenige Sekunden später wurde die Reserveenergie aktiviert.
    Schwaches Licht erhellt die Brücke der Voyager.
    „Bericht“, verlanget Chakotay erneut.
    „Wir sind in einer Anomalie gefangen, die uns die Hauptenergie abzieht“, berichtete Annika. „Zum Glück waren unsere Schilde aktiviert, sonst stünde uns auch nicht mehr die Reserveenergie zur Verfügung.“
    „Wie kommen wir hier wieder raus?“
    „Ich habe keine Kontrolle mehr über irgendwelche Antriebssysteme“, berichtete Tema’na entschuldigend. „Sir, das Schiff befindet sich immer noch auf einem Sinkflug. Wenn wir dies nicht verhindern können, werden wir abstürzen.“
    Stille breitete sich aus. Ratlos sah Chakotay zu Land. Doch der wusste ebenso keinen Rat.
    „Die selbe Falle, wie bei der Monitor...“, raunte der Captain.
    „...das selbe Schicksal“, vollendete Land.
    „Sir, es gibt einen Weg, zu erfahren, wie wir uns befreien können“, warf Tema’na ein. „Die Monitor hat es geschafft. Wenn wir wissen wie...“
    Chakotay sah zu Land. „Sind Sie bereit dafür?“
    Land suchte Kalens Blick. Doch auch dieser war ihm in diesem Moment keine große Hilfe. „Ja, ich bin bereit.“
    „Dann gehen Sie aufs Holodeck. Wir werden genug Energie umleiten.“ Chakotay wartete auf Lands Nicken und sah dann zu Kalen. „Und Sie gehen zu Bird und versuchen, etwas von ihm in Erfahrung zu bringen. Egal wie unwahrscheinlich dies sein soll. Wir treffen uns, nachdem Land seinen Tag erlebt hat und tragen dann alle neuen Informationen zusammen.“
    Auch der Counsellor nickte und folgte Land zu einem Zugang zu einer Jeffriesröhre. Beide hatten eine Aufgabe.
    Beide mussten das drohende Schicksal abwenden.



    Fortsetzung folgt...


    ...und die Reise geht weiter - in Season 6 - 2005 nur bei TREKNews.de
    Ältere Episoden findet ihr in unserem Episodearchiv...

    NOX VACUA
    based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY
    produced for TREKNews NETWORK
    created by NADIR ATTAR
    executive producer NADIR ATTAR
    producer SEBASTIAN OSTSIEKER lektor OLIVER DÖRING
    staff writers CHRISTIAN GAUS & THOMAS RAKEBRAND and OLIVER-DANIEL KRONBERGER
    written by CHRISTIAN GAUS
    TM & Copyright © 2004 by TREKNews Network. All Rights Reserved.
    "STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES
    This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!

    Quelle: treknews.de
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