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  • Monitor - 6x06: Verzerrte Darstellung

    In A Mirror, Darkly
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    • TheOssi
    Die terranische Rebellion macht sich auf den Weg zur schon vor Jahrhunderten verwüsteten Erde, um ein Artefakt des alten Imperators Kirk zu finden, welches den Sieg bringen könnte...
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    Monitor 6x06 "Verzerrte Darstellung"
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    In dem Teil der Milchstraße, der sich der Alpha-Quadrant nannte, hatte sich eine Vielzahl intelligenter Spezies etabliert, deren Kultur jahrtausende alt geworden war. Viele von ihnen hatten einen langen Weg bestreiten müssen, um zu diesem Punkt gelangen zu müssen. Zahlreiche dieser Zivilisationen hatten Kriege, Seuchen und Naturkatastrophen überstehen müssen, doch aus all diesen grauenvollen Dingen waren sie gestärkt hervorgegangen und mit dem unbändigen Willen eine bessere Zukunft für ihre Nachkommen zu erschaffen. Nach und nach entwickelten sie den Raumflug. Viele von ihnen begannen erst mit kleinen, unbemannten Sonden, die nur wenige Tage im Orbit ihres Heimatplaneten blieben. Doch diese Erfahrungen waren unschätzbar, um mit der nächsten Stufe zu beginnen: dem Versuch eine bewaffnete Mission zu starten. Immer aufwendiger wurde die Technik und immer schneller die Antriebe. Am Anfang maß man die Geschwindigkeit noch in Stundenkilometern, dann in Lichtgeschwindigkeit und eines glorreichen Tages schafften es die raumfahrenden Völker einen Antrieb zu entwickeln, der als Warpantrieb bekannt war. Er gestattete überlichtschnelles Reise und etwas, was man vorher niemals für möglich gehalten hatte: den Transfer zu einem anderen Sonnensystem. Zaghaft setzten diese Völker einen Fuß vor den anderen und begannen durch ihre unmittelbare interstellare Nachbarschaft zu stolpern. Mit zunehmender Erfahrung trauten sie sich immer größere Distanzen zu und irgendwann begannen sich die Völker untereinander zu treffen. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte mussten die Völker einsehen, dass sie nicht allein im Universum waren. Natürlich gestalteten sich die Aufeinandertreffen dieser verschiedenen Kulturen aus äußerst schwierig. Jahrelange Konflikte und Kriege waren zu Beginn die Regel, basierend auf Missverständnissen und Ängsten der jeweiligen Seite. Doch irgendwann rauften sich einige der Völker zusammen und begannen etwas zu gründen, was man niemals vorher für möglich gehalten hatte: eine Vereinigte Föderation der Planeten. Eine interstellare Allianz, die Sicherheit und Wohlstand für die Mitgliedsvölker garantieren sollte. Natürlich waren beileibe nicht alle Spezies Mitglied der Föderation, viel genauer handelte es sich nur um einen Bruchteil, denn auch andere Imperien bildeten sich. Dennoch schaffte man es innerhalb der Föderation und damit dem Alpha-Quadranten einen gewissen Wohlstand zu schaffen. Es war eine gute Welt, nicht makellos, dennoch mit Chancen für jedes einzelne Individuum.
    Doch nicht alle Bewohner dieses Universums hatten nicht dasselbe Glück wie die anderen.
    Hier nun die Geschichte einer Welt, in der es niemals eine Föderation gegeben hat:

    Die Welt hinter dem Spiegel. Umgangssprachlich war es auch als Spiegeluniversum oder
    "Das Paralleluniversum bekannt" ( auch wenn dies nicht wissenschaftlich exakt war ).
    Der Föderation und dem Alpha-Quadranten war es schon seit mehr als hundert Jahren bekannt, seit der Zeit von James T. Kirk. Jener glorreiche Pionier der Raumfahrt war während einer harmlosen Außenmission aufgrund eines Transporterunfalls in das Spiegeluniversum geraten, dass ein verzerrtes Abbild der Menschheit zeigte. Dort gab es nicht die Vereinigte Föderation der Planeten, sondern das Terranische Empire, dass mit eiserner Hand über ein Gebiet herrschte, dass zweimal so groß wie das der Föderation war. Zahllose Völker waren durch das brutale Bündnis von Menschen und Vulkaniern unterjocht und ausgelöscht worden, es herrschte Barbarei. Die Sternenflotte existierte nicht hauptsächlich, um zu forschen oder zu verteidigen, sondern um die innere Ordnung mit unglaublicher Härte aufrecht zu erhalten. Doch diese Schreckensversion eines Quadranten, diese abstoßende Gesellschaft erschien noch als ein Segen, im Vergleich dazu, was im 24. Jahrhundert auf den Alpha-Quadranten hinzukam. Die Allianz formte sich, ein politisches, wirtschaftliches Bündnis aus Klingonen, Cardassianern, Bajoranern und einem Dutzend anderer Spezies. Es hätte das Äquivalent der Föderation sein können, doch stattdessen wurde es ein militärischer Block, der nur auf eines aus war: die Vernichtung des Empires. In einem langen, blutigen Konflikt, in dem fast der ganze Alpha- und Beta-Quadrant involviert waren, wurde das Empire langsam zurückgedrängt, erst von den Außenwelten, dann schließlich nach Vulkan und der Erde. Und genauso wie das ruchlose Empire kannte die Allianz keine Gnade, als sie den Planten vier Tage und Nächte lang bombardierte, bis der ganze pazifische Ozean verdampft und soviel Staub in die Atmosphäre aufgewirbelt worden war, dass sich aus der Weltraum nur noch schwarze Wolken über aschgrauen Landmassen zeigten. Dann war Vulkan dran. Trotz ihrer Kapitulation wurde auch dieser Planet verwüstet. Das gesamte Raumgebiet des Empire diente nun als gigantisches Gefangenenlager, wo Milliarden von Menschen und Vulkaniern nur einen geringfügig höheren Status als Tiere hatten und eine neue Zeit der Dunkelheit legte sich über den Quadranten. Exekutionen, Arbeitslager, Folterungen, auch von Frauen und Kindern, sind an der Tagesordnung bei der Allianz, die vom brutalen klingonischen Regenten Worf geführt wird. Und abermals sollten Besucher aus dem anderen Universum eine Veränderung einleiten. Aufgrund eines Plasmalecks strandeten Major Kira Nerys und Doktor Julian Bashir in diesem Universum, auf Terok Nor, einem weiteren Internierungslager, indem zahllose Menschen in den Minen schuften mussten. Ihr Besuch stachelte die Leute an, allen voran den alles andere als ehrenwerten Frachterkapitän Ben Sisko und Miles "Smiley" O´Brien, einen Aufstand anzuzetteln, die große Terranische Rebellion, welche innerhalb kürzester Zeit Terok Nor eroberte und Widerstandszellen in den Badlands und auf Dutzenden von anderen Planeten einrichtete. Wieder einmal zerreißt ein Krieg dieses Universum, ein Krieg, der nur schleppend vorangeht, dank der Hilfe der hier nachgebauten Defiant, die mithilfe unseres Captain Sisko gebaut wurde. Der Transfer in dieses Universum war verboten...

    Bajor war ein wunderschöner Planet. Zumindest, wenn man kein Angehöriger eines Volkes des ehemaligen Terranischen Imperiums war, denn dann galt man auf dieser ehemals von Menschen besetzten Welt als vogelfrei. Alle anderen konnten sich an der schönen Architektur, der großartigen Geschichte und der spirituellen Ruhe dieser Welt erfreuen. Wunderbare Bäche flossen durch grüne Gartenanlagen, durch die Mönche wanderten und religiöse Prozessionen abhielten. Die Religion war auf Bajor nur noch schwach vertreten. Zu stark hatten die Menschen hier während der Besatzung gewütet und so den Bajoranern den Glauben an ihre Propheten geraubt. Inzwischen galt die Religion als antiquiert und nur wenige suchten die Kloster auf der Suche nach dem Heil auf. Daher konnten die Kloster als ideale Verstecke herhalten, in denen Personen, die nicht gefunden werden wollten, hier untertauchten. Natürlich nur, wenn die zu suchende Person nicht wusste, wonach sie Ausschau halten musste.
    Arena Tellom war jedoch niemand, den man leicht über das Ohr hauen konnte. Die junge Terellianerin hatte zu viel Zeit und Mühe in diese Suche investiert, als dass man sie an diesem Punkt noch hätte austricksen können. So viele Monate war sie durch das All gereist, hatte gefährliche Orte und Personen aufgesucht, die ihr nach und Puzzlesteine liefern konnten, die ein fertiges Bild ergaben. Ein Bild, vielmehr eine Karte, die ihr den Weg zu ihrem Ziel wies. Das Ziel war in diesem Fall ein Andorianer, ein junger Mann, der einmal auf ihrer Seite gestanden hatte. Dieses blauhäutige Volk war bekannt für seine wechselhaften Loyalitäten und auch dieser Angehörige seiner Spezies hatte keine Ausnahme gemacht. Die kriegerischen Andorianer machten immer gemeinsame Sache mit dem Stärkeren, drehten ihre Fähnchen so nach dem Wind, wie es ihnen gerade passte. Arena hasste das Volk für diese Angewohnheit und noch mehr verabscheute sie diesen Mann, auf dessen Suche sie war. Damals, in der Blütezeit des Terranischen Imperiums, waren die Andorianer willfährige Untergebene gewesen, immer auf der Suche nach dem besten Stück des galaktischen Kuchens. Dann kam der Niedergang der alten Herrschaft, die Allianz etablierte sich und wie viele alte Herrscherrassen gingen die Andorianer in den Untergrund, um dort den bewaffneten Kampf gegen die neue Ordnung aufzunehmen. Doch nicht allzu lange, denn schon bald schloss sich Andor der Allianz an. Sie wechselten die Seiten und mit dem Wissen, welches sie über die Rebellen hatten, löschten sie Tausende von Widerstandskämpfern aus.
    Bei diesem Andorianer, auf dessen Suche Arena war, dachte sie immer er wäre nicht so. Er schien so überzeugt von ihrem Freiheitskampf zu sein, von ihrem Willen zu siegen. Und sie dachte er würde sie lieben. Viele Jahre lang war die Terellianerin mit diesem Andorianer verheiratet gewesen, bis er sie betrog. Nicht nur im körperlichen Sinne, sondern auch im geistigen. Er verriet die Rebellen und setzte sich zur Allianz ab, wie Hunderte seiner Vorfahren schon vor ihm. Dieser Ardev, so hieß der junge Mann, war verabscheuungswürdig. Inzwischen hasste Arena ihn mit jeder Phase seines Körpers. Nicht nur, dass er mit anderen Frauen schlief, nein, er hatte auch unzählige seiner alten Kampfgenossen an den Feind verraten. Hatte er an sie gedacht, als die mächtigen Schiffe der Allianz erschienen und einen nach dem anderen getötet hatten? Oder hatte er es sich in diesem Moment gerade mit seiner Geliebten gemütlich gemacht, im Überfluss gespeist und gelacht?
    Allein für diesen Gedanken hasste sie ihn. Arena hatte keinerlei Ahnung, ob dieses Bild echt war oder obwohl es nicht vielmehr ein Produkt ihrer blühenden Phantasie darstellte. Was am Ende zählte war, dass es sie motivierte Ardev zu finden. Die Suche hatte lange gedauert, doch nun hatte sie ihren Ex-Ehemann auf Bajor gefunden. Ein passender Ort, wie sie böse grinsend fand. Ein Planet, der sich des persönlichen Vorteils auf die Allianz eingelassen hatte und grausam regiert hatte. Genauso instabil und willfährig wie Ardev waren die Bajoraner. Da war es nur gerecht, dass er auf ihrer Heimatwelt starb.
    Leise stieg Arena die Treppe zu dem bajoranischen Klosterkeller herab. Hier unten befanden sich die Quartiere und wie sie dem altmodischen Gästebuch entnommen hatte musste sich Ardev hier unten befinden. Sie hatte die wenigen Mönche, die über den Flur liefen, genau abgepasst und war ihnen ausgewichen. Nervös umklammerte sie ihre Strahlenpistole und lugte um die Ecke. Niemand zu sehen. Nun, nachdem sie so viel Zeit in die Suche investiert und so kurz vor dem Ziel stand, stieg tatsächlich Anspannung in ihr Hoch. Dabei gab es dafür überhaupt keinen Grund. Ihr ehemaliger Mann würde keinerlei Gefahr für sie darstellen.
    In dem Keller hier unten befanden sich die Unterkunftsquartiere. Einfache Räume, die von alten Holztüren verschlossen wurden. Arena wusste genau, hinter welcher Tür sich Ardev befand. Geschwind ging sie zu dem entsprechenden Raum, drückte den Türknauf herum und huschte in den Raum. So unscheinbar wie von außen wirkte seine Unterkunft gar nicht. Nicht, dass Arena dies nicht erwartet hätte. Der entsetzte Andorianer lag in einem großzügigen Bett, zusammen mit einer bajoranischen Mätresse. Rings um sie herum standen Schalen und Teller mit kostbaren Früchten, Speisen und Getränken. Im Hintergrund wurde leise bajoranische Musik abgespielt. Es war eine Ironie, dass sie Ardev genau in der Situation fand, wie sie ihn sich immer vorgestellt hatte. Erst blickte ihr Exmann geschockt auf, dann erkannte er den Eindringling und setzte dieses schmierige, selbstgefällige Lächeln auf, welches sie so sehr an ihm hasste. Dies war der einzige Auslöser, den sie brauchte, um ihre Tat zu beenden. Ohne zu zögern drückte sie den Abzug und desintegrierte Ardev. Um Zeugen zu beseitigen tötete sie auch dessen Geliebte. Dann endlich war die Jagd zu Ende. Zufrieden verließ Arena das Kloster. Nun endlich konnte sie ein neues Leben beginnen.

    Nach einem langen und schwierigen Einsatz dockte die USS Defiant an der ehemaligen Allianz-Raumstation Terok Nor an. Nachdem die Andockklammern festgerastet waren gestattete sich Bruce Land einen tiefen Seufzer und drehte sich herum, blickte von seiner Navigationskonsole zum Kommandantensessel, in dem sich Captain Julian Bashir befand. Der Araber erwiderte den Blick seines Steuermanns grimmig, lächelte schief und erhob sich dann wie der Rest der Besatzung, um sich eine kurze Erholungspause an Bord der Heimatbasis zu gönnen. Der englische Navigator jedoch blieb noch für einen kurzen Moment allein auf der Brücke, ließ die Atmosphäre auf sich einwirken. Stück für Stück rekapitulierte er die vergangenen Stunden, rief sich ihr nervenaufreibendes Gefecht ins Gedächtnis. Fast hätte der Hinterhalt auf einen cardassianischen Konvoi in einem Fiasko geendet, als sich mehrere klingonische Bird of Preys enttarnt und das Feuer auf die kleine Defiant eröffnet hatten. Nur seiner schnellen Reaktion war es zu verdanken gewesen, dass nicht schon die erste Salve ihr Leben ausgelöscht hatte. Auch wenn dieses Schiff auf den Konstruktionsplänen einer Defiant aus einem anderen, besseren Universum basierte, so waren die beiden Schiffe nicht miteinander zu vergleichen. Hier hatten sie nicht die freie Auswahl an hochwertigen Materialien, sondern hatten das nehmen müssen, was ihnen zur Verfügung gestanden hatte. Panzerung und Schildenergie waren nicht einmal ansatzweise mit der originalen Defiant vergleichbar. Nein, jeder an Bord dieses Schiffes wusste, dass sie ihr Leben den Fähigkeiten von Bruce Land zu verdanken hatten. Schon früh war dem Rebellenoberkommando sein scheinbar in die Wiege gelegtes Talent für das Steuer aufgefallen und so hatte man ihn zum Piloten des wohl wichtigsten Schiffes der Rebellion gemacht. Zu Beginn hatte Bruce sich völlig überfordert gefühlt. So viele Knöpfe und Funktionen, die ihm völlig unbekannt gewesen waren und die er erst hatte lernen müssen. Doch nach einiger Zeit hatte er sich mit der Defiant angefreundet und nun war er ein unverzichtbarer Teil des Schiffes. Wahrscheinlich war er sogar der einzige Spezialist an Bord dieses Kahns. Alle anderen Besatzungsmitglieder waren Ungelernte, austauschbar und namenlos. Tag für Tag verloren die Rebellen Unzählige Leben, doch der Strom an neuen Freiwilligen schien nicht abzureißen. Müde rieb sich Bruce durch das Gesicht, spürte dabei deutlich seinen Vollbart. Vor Wochen hatte er sich eine Rasur vorgenommen, doch war er nie dazu gekommen. Die Nächte auf Kampfpatrouillen waren kurz und die Freizeit noch kürzer. Auf Außenstehende mussten sie wie ein zusammengewürfelter Haufen wie Barbaren aussehen, ungewaschen und zornig. Doch jeder der Rebellen hatte einen ganz persönlichen Grund in diesem Konflikt mitzukämpfen.
    Endlich erhob sich auch Land und begab sich durch die Luftschleuse auf die Raumstation, die nun schon seit mehreren Jahren den Kern des terranischen Widerstandes darstellte. Trotz ihrer Nähe zu Bajor und Dutzenden von Versuchen des Feindes hatten sie immer wieder diese wichtige Festung halten können. Der Verlust Terok Nors war zwar nur ein Nadelstich für die mächtige Allianz gewesen, doch für die Menschen hatte dieser Sieg einen unglaublichen moralischen Wert gehabt. An Hunderten von Personen drängte sich Bruce vorbei, auf der Suche nach dem nächsten Turbolift. Die OPS war sein Ziel, wo er zusammen mit Captain Bashir seinen Bericht abgeben sollte. Endlich fand er eine leere Kabine und ließ sich in das Nervenzentrum transportieren. Immer noch wirkte die Einsatzzentrale der Raumstation imposant auf ihn, auch wenn er sie schon so oft gesehen hatte. Hier hatte man wirklich das Gefühl, dass sie vorankamen, auch wenn es sich nur um wenige Meter handelte. Terok Nor war einfach ein immens wichtiges Symbol für sie alle.
    Im Büro der ehemaligen Intendantin dieses Sektors saß Miles O´Brien, von allen nur „Smiley“ genannt und einer der führenden Köpfe der Rebellion. Durch die geschlossenen Glastüren konnte Land deutlich erkennen, wie Julian Bashir lässig an einer Wand neben O´Brien lehnte. Geschwinden Schrittes betrat der Navigator das Büro, legte seine Lederjacke ab und warf sie scheinbar achtlos auf ein altes Sofa, welches sich an einer Längswand befand.
    „Gut, dass du da bist“, raunte Julian und strich sich eine Strähne seines Haars zurück. Immer noch schaffte er es nicht seine Haare vernünftig zusammenzubinden, damit sie ihn nicht ständig störten. Inzwischen vermuteten sie alle, dass er dies absichtlich tat, um einen verwegenen Eindruck zu machen. Julian Bashir war ein Wahnsinniger, ein Killer, der sich für jede mögliche Mission meldete, nur um der Allianz eins aus zu wischen. Bei ihm handelte es sich um einen modernen Piraten, der hauptsächlich des Abenteuers wegen an der Rebellion teilnahm. Und der Rache wegen, so wie sie alle. Seit Jadzia, seine Lebensgefährtin, vor einigen Jahren bei einem Gefecht getötet wurde, war Julian nicht mehr derselbe gewesen. Nun kämpfte er noch verbissener, gnadenloser. Auf der Brücke der Defiant waren Julian und er Verbündete, die sich aufeinander verlassen konnten, doch außerhalb des Gefechtsdienstes hielt es Bruce für besser sich etwas vom Araber fern zu halten. Für ihn war es unverstellbar, dass Bashir jemals etwas anderes machen könnte außer töten. Dies war seine Natur und vielleicht war es auch gut so diese zu akzeptieren.
    „Ja, Julian wollte mir gerade einen Missionsbericht abliefern“, stimmte Smiley O´Brien zu und lächelte warmherzig. Eine Geste, die bei dem Iren immer noch seltsam wirkte, da völlig ungewohnt. Sein Spitzname rührte nicht von der Tatsache, dass er so oft lachte, sondern weil er es eben nicht tat. Der alte Captain Benjamin Sisko, ein übler Trinker und Glücksheld, hatte ihm nach dessen Befreiung diesen Spitznamen gegeben und seitdem kam O´Brien nicht davon los. Es war wie ein Stigma für ihn; ein Erkennungssymbol.
    „Viel braucht man eigentlich nicht zu sagen“, protzte Bashir und kratzte sich am unrasierten Kinn. „Wir sind zum Konvoi geflogen, haben drei Frachtschiffe platt gemacht und einen Bird of Prey, bevor wir uns zurückziehen mussten.“
    „Die Beschreibung ist zwar recht kurz und blumig“, erklärte Bruce Land, „dennoch trifft sie im weitesten Sinne zu. Nur möchte ich hinzufügen, dass ich die Begegnung mit den klingonischen Schiffen weitaus weniger amüsant fand als Mr. Bashir hier. Um ehrlich zu sein hatten sie uns ganz schön am Wickel.“
    „Aber was soll uns schon passieren mit dem besten Piloten der gesamten Rebellenflotte?“ rief Julian heiter und klopfte ihm viel zu fest auf die schmerzende Schulter. „Heute Abend gebe ich dir einen Drink im Morn´s aus, was hältst du davon?“
    „Du solltest weniger trinken.“
    „Dies liegt im Auge des Betrachters“, erwiderte der Araber und schien zu schmollen. Es war schon eine seltsame Situation. Eigentlich war ein Sieg wirklich schön und selten genug, doch Julian Bashir neigte dazu zu oft das Tanzbein zu schwingen und sich in die Bewusstlosigkeit zu trinken. Er war leicht zu beeindrucken, zumindest schien es so. Nur die engsten Freunde von ihm, und dazu zählte Miles O´Brien, wussten, dass er so nur seine eigene Angst überspielen wollte. Eine Angst, die sie alle teilten.
    „Nennenswerte Schäden an der Defiant?“ fragte der nominelle Anführer der Rebellion.
    „Nichts, was man nicht reparieren könnte.“
    Die Antwort Lands war knapp, aber präzise. Jeder von ihnen wusste um die knappe Ersatzteilsituation. Es war nun nicht gerade so, dass sie einfach den nächsten Großlieferanten anrufen und so etwas wie neue Triebwerke bestellen konnten. Die Allianz kontrollierte penibel die Transaktionen in ihrem Raumgebiet und andere Großmächte wollten sich nicht in diesen internen Konflikt einmischen. Niemand legte sich mit der Allianz an, dem größten Völkerbund in der Geschichte der Quadranten. Sie hätte ein leuchtendes Symbol für Frieden und Freiheit sein können, doch hervorgegangen aus einer barbarischen Diktatur war sie zu einer noch viel schlimmeren Geißel geworden als das Regime vor ihr. Die Namen und Orte mochten getauscht worden sein, die Methoden blieben dieselben.
    „Noch etwas, was ich für meinen Lieblingsiren tun kann?“ fragte Julian übertrieben freundlich und stieß sich kraftvoll aus seinem Stuhl heraus.
    „Ja, da wäre noch etwas, “ erläuterte Smiley nach einigem Nachdenken, „ich möchte, dass du bis morgen früh ein Team deiner Wahl zusammenstellst.“
    „Ein Team? Für was?“
    „Das sage ich euch morgen, bei einer Besprechung. Wichtig ist jetzt nur, dass du eine schlagkräftige Mannschaft zusammenstellst. Deine Wahl, deine Risiken. Morgen früh in der Offiziersmesse erfahrt ihr dann mehr.“
    Die Worte von O´Brien waren geheimnisvoll und aufregend zugleich. Land und Bashir blickten sich gegenseitig an und schon im nächsten Moment wusste der Pilot, dass er auf jeden Fall dabei sein würde. Auf jeden Fall schien es um eine große Sache zu gehen.
    „Hauptsache uns bietet sich die nächste Gelegenheit die Allianz zu vernichten!“ raunte Bashir und verließ das Büro. Bruce blickte ihm noch kurz nach, seufzte angesichts dieses Ausrufs und begab sich dann in sein Quartier. Er musste sich ausruhen.

    Es hatte einige Zeit in Anspruch genommen, doch schließlich hatte Julian Bashir eine kleine Schar an Freiwilligen erwählt, die sich nach und nach im Besprechungsraum der Station einfanden. An diesem Treffen wurde deutlich, dass es sich bei den Rebellen nicht um eine organisierte Streitmacht, sondern um einen lockeren Verbund von Gleichgesinnten handelte. Viel zu spät trafen die Auserwählten in dem ehemaligen Offizierskasino der Allianz ein. Seit dem die Rebellen die Herren der Station Terok Nor wurden, hatte man jegliche Zeichen der Allianz entfernt. Überall an Bord müssen die Dutzenden von Symbole der Allianz entfernt werden: der cardassianische Schattenkrieger, der mit seinen Schwingen den klingonischen Dreizack umschloss. Diese Darstellung von den Wänden und Böden der Station zu entfernen wirkte auf viele ehemalige Sklaven, die in den Erzaufbereitungsanlagen Terok Nors schuften mussten, wie eine Befreiung. Eine solche Aktion hatte sicherlich nur symbolischen Wert, dennoch durfte man ihre moralische Intensität nicht unterschätzen. Der nächste Schritt zur Etablierung der Rebellenherrschaft über die Station war weitaus schwieriger gewesen: die zahlreichen versteckten Wanzen und Spione hatte man aufspüren und vernichten müssen. Letztere, die menschlichen Kollaborateure und Verräter, waren schnell aufgespürt und ihrer gerechten Strafe zugeführt worden. Die technischen Geräte, die jedoch die Allianz für den Fall der Fälle auf ihrem Stützpunkt angebracht hatte, waren weitaus schwieriger zu finden gewesen. Aufgrund ihrer jahrzehntelangen Unterdrückung waren nur die wenigsten von ihnen in der Lage komplexe technische Arbeiten durchzuführen. Dies stellte immer noch ihr größtes Problem dar. Obwohl sich viele der Rebellen immer mehr technisches Wissen aneigneten war es immer noch ein großes Desaster, wenn wichtige Geräte ausfielen. Dann nämlich wurde es äußert schwierig jemanden zu finden, der das Problem wieder beheben konnte. Selbst der Anführer der Rebellion, Smiley O´Brien besaß trotz seiner langen Arbeitszeit als Techniker der Stufe Theta nur das Basiswissen.
    Doch über solche Probleme wollten die meisten nicht nachdenken. Viele von ihnen handelten nach der Devise: wenn ich das Problem nicht sehe, dann existiert es auch nicht. Mit dieser Belastung mussten sie alle leben, denn derzeit sah es nicht so aus, als würde sich an diesem Mangelzustand in naher Zukunft etwas ändern.
    Ganz der Anführer hatte O´Brien als erster im Konferenzraum Platz genommen und wartete auf das Eintreffen des Einsatzteams. Wie bereits gesagt nahmen es die meisten von ihnen mit der Pünktlichkeit nicht allzu genau. Nach so langer Zeit der Leibeigenschaft genossen sie diese kleine Freiheit sich ein paar Minuten verspäten zu können. Was früher schwerste Bestrafungen nach sich gezogen hatte lockte heute kaum einen mehr hinter dem Ofen hervor.
    In der Wahl der Freiwilligen hatte Smiley seinem Weggefährten Captain Bashir die völlige Freiheit gelassen. Wenn er jetzt jedoch auf die Schar derer blickte, denen er die vor ihnen liegende Mission erklären wollte, stiegen in ihm Zweifel angesichts dieser Entscheidung hoch. Die meisten der hier versammelten besaßen einen zweifelhaften Ruf, galten als faul und nicht gerade diszipliniert. Natürlich war es schwierig unter dem bunt zusammengewürfelten Haufen der Rebellen ein passables Einsatzteam zu finden, jedoch war sich Smiley mehr als sicher, dass er andere Personen gewählt hatte. Die sechs Personen, inklusive Julian Bashir, hatten ihren Platz an dem großen Tisch angenommen und warteten auf das, was nun folgen würde. Kurz blickte der Ire zu Julian, runzelte die Stirn, was der Araber mit einem kurzen Lacher quittierte. Sie beide hatten zwar dasselbe Ziel, jedoch unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie man jenes erreichen sollte. Sei´s drum! Nun waren die Mannen hier und es galt die Sache zu riskieren.
    „Ich danke ihnen allen für das doch recht kurzfristige Erscheinen“, begann O´Brien ungewohnt förmlich. „Bevor ich zu dem Thema des heutigen Zusammentreffens komme würde ich gerne sie alle bitten sich vorzustellen. Natürlich kennt jeder einen anderen aus diesem Kreis, doch ich bezweifle, dass sie über jeden einzelnen der hier Anwesenden Bescheid wissen.“
    „Was soll das denn?“ unterbrach ihn ein aufsässiger Betazoid, der seinen rechten Fuß auf den Tisch gelegt hatte. O´Brien kannte den Störenfried leider nicht. „Kannst du nicht einfach loslegen und uns sagen, was Sache ist?“
    „Dies werde ich tun… nachdem ich weiß, mit wem ich es zu tun habe und ich denke mal dies geht den anderen ähnlich. Tatsächlich glaube ich sogar, dass es immanent wichtig ist den Kameraden zu kennen, mit denen sie alle sich in das Abenteuer stürzen werden. Wieso fangen sie nicht einfach an?“
    Die Aufforderung des Rebellenanführers hallte noch einige Zeit im Raum nach und fast schon schien es so, als würde der Angesprochene nicht reagieren. Dann grinste der Betazoid feixend und erklärte:
    „Mein Name ist Matthew Price, ein Name, den man sich merken sollte ( falls man ihn nicht jetzt schon kennt ). Ich verdiene meinen Lebensunterhalt mit dem Bewältigen von schwierigen Aufträgen, bei denen – sagen wir es mal so – der Einsatz von Schusswaffen manchmal erforderlich ist. Ich bin hier aufgrund eines passablen Interviews von Julian Bashir.“
    „Er ist ein Söldner“, kürzte Captain Bashir die Vorstellung ab. „Ich brauchte noch einen fünften Mann.“
    „Bin ich etwa ein Lückenfüller??“
    „Nein, ganz und gar nicht! Sie sind essentieller Bestandteil dieser Mannschaft!“ konterte Bashir schnell ab und blickte zu der Person, die neben Price saß; als stummes Zeichen, dass diese nun an der Reihe war.
    „Mein Name ist Bruce Land und ich bin der Pilot der Defiant“, war die knappe Erläuterung des Briten. Mehr brauchte er eigentlich auch nicht zu sagen, denn er war zumindest auf der Station bekannt.
    „Und ich sollte ebenfalls den meisten ein Begriff sein. Ich bin Arena Tellom, “ stellte sich die Terellianerin vor und beugte sich dabei verschwörerisch vor. „Nachdem ich einige Zeit in privater Mission unterwegs gewesen bin freue ich mich nun endlich wieder meinen Beitrag zu unserem bewaffneten Kampf leisten zu können.“
    O´Brien und Land blickten sich kurz an, wobei jedem ersichtlich wurde, was der andere dachte. Die meisten wussten, was Tellom mit ihrer privaten Mission gemeint hatte. Tatsächlich hatte Smiley sogar ihre Exkursion unter der Hand unterstützt, denn er hatte Ardev genauso verachtet wie sie selbst. Der Quadrant war ohne ihn besser dran, zumindest wenn man dies aus der Perspektive der Rebellen sah.
    „Jozarnay Woil ist mein Name und ich habe mich freiwillig hierfür gemeldet“, erläuterte die nächste Person in der Runde. Es handelte sich um einen Antosianer mit langem Haar, welches er sorgsam zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte. „Keiner von euch dürfte mich kennen, denn ich bin erst vor kurzem auf die Station gekommen. Jedoch habe ich schnell Wind davon bekommen, dass Captain Bashir Leute für eine Mission sucht und ich habe mich sofort gemeldet.“
    „Ah, ein Idealist, “ spottete Price und grinste den Antosianer an.
    Dieser ließ sich jedoch nicht beeindrucken, entgegnete stattdessen mit selbstsicherer Stimme.
    „Jeder leistet seinen Beitrag in unserem Kampf für die Freiheit. Ich möchte da nicht außen vor bleiben.“
    „Also ich tu´s für Geld, “ fasste Matthew Price ziemlich schnell zusammen, wieso er sich hier befand.
    „Und ich, weil ich daran glaube“, konterte Woil und ließ keinen Zweifel daran, was er von der Einstellung des Betazoiden hielt: gar nichts.
    „Da wir uns nun alle miteinander bekannt gemacht haben möchte ich nun zu dem Grund ihres Hier seins kommen“, meinte O´Brien und beendete so den aufkommenden Streit. Hier und jetzt war kein Platz über eine kleinliche Diskussion über Werte. Die Lage war ernst genug und es galt zur Sache zu kommen.
    Doch der Ire kam nicht dazu seine Erläuterungen fortzuführen. Denn schon im nächsten Moment läutete es am Schott des Konferenzraumes. Überrascht blickten sich Julian und Miles an, dann wurde die vor dem Schott stehende Person hereingebeten. Schon im nächsten Moment bereuten sie alle diese Entscheidung. Man lief Gefahr, dass ein Tumult losbrach, als sich so gut wie alle im Raum Anwesenden erhoben und losschrien. Nur mit Mühe schaffte es O´Brien Ruhe in den Raum einkehren zu lassen. Nach und nach setzten sich die Anwesenden, wobei es bei Arena Tellom am längsten dauerte. Ihr Blick schien Giftpfeile zu verschießen, denn in ihren Augen war der Neuankömmling auf einer Stufe mit dem getöteten Ardev.
    Es war an Julian Bashir, selber ein Heißsporn, das in Worte zu fassen, was die meisten dachten:
    „In diesem Raum“, schien er förmlich auszuspucken, „ist kein Platz für Verräter.“
    Der Angesprochene erwiderte den Blick Bashirs selbstsicher, machte so deutlich, dass er keine Angst hatte.
    „Nur weil mein Bruder ein Verräter gewesen ist, muss dies nicht zwangsläufig auch auf mich zutreffen.“
    Die Worte Martin Lewinskis hallten lange im Raum wieder. Die meisten von ihnen schienen über seine Worte und darüber, was sie nun tun sollten, nachzudenken.
    „Und was willst du hier, Martin?“ griff O´Brien den Gesprächsfaden wieder auf. „Dies hier ist eine nichtöffentliche Sitzung und wir würden gerne damit fortfahren.“
    Der Bruder von John Lewinski fuhr sich mit der Hand durch das kurz geschnittene blonde Haar, seufzte und erwiderte:
    „Ich weiß, dass ihr da eine Sache plant und ich möchte dabei sein.“
    „Wieso sollten wir dich dabei haben wollen?“ warf Bruce Land ein. Zwar besaß er keine Vorurteile gegenüber Martin, doch wie alle anderen in diesem Raum hatte er hautnah den Verrat John Lewinskis miterlebt.
    „Weil mir dies hier die Möglichkeit geben kann meinen Namen, der durch meinen Bruder beschmutzt worden ist, wieder reinzuwaschen. Wenn ich an dieser Mission teilnehme, die scheinbar recht wichtig sein muss, denn sonst würdet ihr nicht so ein Aufsehen darum machen, so kann der Name Lewinski bald endlich wieder für Integrität stehen.“
    Wieder herrschte Stille im Konferenzraum. Bashir und O´Brien blickten sich mal wieder an. Nach einer so langen gemeinsamen Zeit schienen sie beide die Form der nonverbalen Kommunikation zu beherrschen.
    „Wenn du uns verrätst…“ drohte Julian mit dem erhobenen Zeigefinger.
    „Auch wenn ihr meinen Bruder für seinen Verrat hingerichtet habt, hege ich keinen Groll gegen euch. Ganz ehrlich, ich hätte in eurer Situation dasselbe getan!“
    Und mit diesen Worten setzte sich Martin Lewinski an den noch einzigen freien Platz neben Arena Tellom, die sich bezeichnenderweise etwas von ihm wegsetzte.
    Was soll´s, der Haufen ist eh schon verrückt genug, fand O´Brien und machte sich daran den Einsatzplan zu erläutern. Ob jetzt der Bruder eines Verräters an der Mission teilnahm, ein Söldner oder eine rachsüchtige Ehefrau, skurriler konnte die Zusammenstellung des Teams eh nicht werden. Und Martin hatte recht: eine Vorverurteilung seinerseits nur aufgrund der Taten von John war weder fair noch clever. Denn so würden sie möglicherweise nur eine zweite Person in die Arme der Allianz treiben.
    „Ich denke mal jetzt komme ich endlich zu dem Thema unser allen Hier seins, “ wagte Smiley O´Brien einen zweiten Versuch. „Es dürfte niemanden von ihnen ein Geheimnis sein, dass unsere Rebellion nur schleppend vorangeht. Ja, wir haben Erfolge und jeder einzelne von ihnen tut uns wirklich gut. Jedoch haben wir nur wenige dieser Erfolgserlebnisse und sie nehmen stetig ab. Langsam beginnt sich die Allianz unseren Taktiken anzupassen, zudem wächst ihr Misstrauen gegenüber Angehörigen unserer Rassen, was sie zu Massenverhaftungen und –hinrichtungen zwingt.“
    „Ein Grund mehr der Allianz in den Hintern zu treten!“ rief Jozarnay Woil dazwischen und erntete anerkennende Zwischenrufe der anderen Anwesenden.
    „Genau dies werden wir auch tun.“ Die Worte von O´Brien waren genau richtig platziert. Inzwischen hatte er gelernt, wie man eine Gruppe von Menschen durch die Kraft des gezielten Wortes motiviert. „Ich habe vor ein Team auszusenden, dies sind sie, welches uns einen taktischen Vorteil verschaffen soll. Wem ist die Amtszeit von Imperator Kirk ein Begriff?“
    Eine überflüssige Frage, da jeder von der Zeit James T. Kirks wusste. Sein brutales Herrschaftsziel pflanzte die Saat für den Hass auf die Allianz. Wäre seine Regentschaft nur etwas ausgewogener gewesen… wer weiß, wie sich die Zukunft dann entwickelt hätte?
    O´Brien lächelte. „Meine Frage war eh nur rhetorisch. Kirk war ein brutaler und durch scheinbar nichts zu stürzender Herrscher. Schließlich gelang es Spock, doch dies ist nicht Gegenstand unserer Sitzung hier. Was viel wichtiger ist, ist die Beantwortung der Frage, wie Imperator Kirk so lange seine Position halten konnte, obwohl er zahlreiche Feinde, auch innere, besaß.“
    Wieder stoppte Miles, blickte in die Runde des Einsatzteams, welches auf ihn wie eine Truppe von Kreuzrittern wirkte. Alle dachten über seine Worte nach, ohne jedoch auf die Lösung zu stoßen. Wie auch? Der irische Anführer der Rebellen hatte selbst erst vor kurzem diese brisante Information erhalten und sofort diesen Plan ersonnen.
    „Wer war Hikaru Sulu?“ fragte O´Brien in die Runde hinein.
    Es dauerte einige Zeit, denn bei vielen waren die geschichtlichen Kenntnisse nur lückenhaft vorhanden oder eingerostet, dann antwortete Bruce Land:
    „Kurz vor seinen Aufstieg zum Imperator war James Kirk Captain der ISS Enterprise, dem Flaggschiff der imperialen Flotte. Hikaru Sulu war sein Sicherheitschef / Taktikoffizier an Bord und entwickelte sich nach dessen Krönung zu einem seiner härtesten Rivalen. Schließlich verschwand Sulu und tauchte nie wieder auf.“
    „Wurde jemals der Grund für sein Verschwinden aufgedeckt?“
    „Nein“, entgegnete Land und schien nicht ganz zu verstehen, worauf sein Anführer hinaus wollte. „Natürlich vermutete James Kirk als Urheber der Aktion, aber es gab niemals eine Leiche. Es schien fast so, als wäre Sulu von der Bildfläche verschwunden.“
    „Und dies trifft den Nagel auf den Kopf!“ Nun kam der große Auftritt von Smiley, der sich seine Worte sorgsam zurecht gelegt hatte. „Imperator Kirk hatte zahlreiche Feinde, die irgendwann verschwanden und nie wieder auftauchten. Der Grund dafür war in der Tat der Imperator, dennoch auf eine Art und Weise, wie keiner sie vermuten würde. Er besaß schon seit seiner Zeit als Kommandant der Enterprise ein Gerät namens <>, welches man auf bestimmte Personen richten und sie einfach entfernen konnte. Ohne organische Rückstände, ohne Spuren. Kirk hatte das Gerät schon an Bord des Schiffes gehabt und nahm es später in den Regentenpalast in Paris mit. Sparsam eingesetzt und unscheinbar gehandhabt war es ihm möglich seine ärgsten Widersacher zu eliminieren, ohne dass es großartig auffiel.“
    „Woher hast du diese Information?“ fragte Matthew Price, der bei den Worten einer solchen Waffe sofort hellhörig wurde. Was sich damit alles anstellen ließe war unvorstellbar.
    „Irrelevant. Was zählt ist der hundertprozentige Wahrheitsgehalt. Ich selbst habe untrügliche Beweise für die Existenz dieses Gerätes gesehen.“
    „Und wir sollen dieses Gerät beschaffen?“ fragte Arena Tellom, grinste dabei. Auch ihr schien die Anwendungsweise dieses Gerätes zu gefallen.
    „Ja! Denkt doch alle nur an den immensen Vorteil, den wir dadurch hätten. Zahlreiche Würdenträger und Funktionäre der Allianz könnten dann Ziel unserer Angriffe wären. Niemand, nicht mal der uns entwischte klingonische Regent, wäre vor uns sicher.“
    „Nicht einmal der Regent...,“ murmelte Bashir, immer noch laut genug, dass es die anderen mitbekamen.
    „Und wo befindet sich dieser Schlüssel zu unserem Sieg?“ fragte Jozarnay, sprach damit die wohl wichtigste Frage des Tages an.
    Die Antwort O´Briens hätte nicht entmutigender und schlimmer sein können:
    „Auf der Erde.“
    Ein Raunen ging durch die versammelte Menge, der Söldner Price lachte sogar nur verächtlich. Da das Geld stimmte würde er nicht von dieser Mission abspringen, dennoch war er an einem Punkt angelangt, wo er das ganze Vorhaben als lächerlich abtat. Dennoch war Matthew Price kein Mann, der einen Vertrag brach, egal wie gefährlich ein Auftrag war.
    „Reden wir von derselben Erde, die nach dem alliierten Bombardement nichts mehr als ein gewaltiger Schlackehaufen ist, wo nie wieder Leben existieren kann? Wo sich der Himmel dunkel verfärbt und die Ozeane verdampft sind?“
    Jedes einzelne Wort von Martin Lewinski klang wie Donnerhall. Ob er nun bereute sich so sehr für die Teilnahme an dieser Sache eingesetzt zu haben?
    „Es ist genau die Erde“, bestätigte Smiley und es schien ihm todernst zu sein. „Seit Jahrzehnten hat niemand mehr die Wiege der Menschheit betreten. Dort gibt es nichts mehr zu holen. Die letzten Rohstoffe sind von der Allianz geplündert worden und auch als Basis taugt diese Welt nichts mehr, denn sie besitzt keinerlei strategischen Wert. Abgesehen davon, dass wir gar nicht in der Lage sind dort eine Basis zu unterhalten. Die Allianz sieht darin keine Notwendigkeit.“
    „Und wo soll sich das Tantalus-Gerät befinden? Immerhin ist die Erde nicht gerade ein kleiner Hinterhof, in dem wir frei nach Belieben herumschnüffeln können.“
    „Ich war in der Lage den vermeintlichen Aufenthaltsort des Gerätes zu ermitteln…“
    „Vermeintlich?“ unterbrach ihn Arena Tellom entrüstet. „Entweder man weiß es oder man weiß es nicht.“
    „Das Gerät wird sich in einem unterirdischen Versteck befinden, welches wiederum unter dem ehemaligen Palast des Imperators ist. Genaue Koordinaten finden sie alle auf den Karten.“
    Bruce Land wollte eigentlich nicht diese Frage stellen. Im Gegensatz zu den meisten anderen in diesem Raum vertraute er dem Iren ohne Vorbehalte und er wollte ihn unterstützen. Dennoch juckte es ihn zu sagen:
    „Wir alle wissen, dass der imperiale Palast damals als erstes dem Bombardement zum Opfer fiel. Niemand konnte überhaupt zählen, wie viel Kilotonnen an Sprengstoff dort überhaupt niederfielen. Wieso sollte das Versteck noch da sein?“
    „Weil Kirk paranoid war. Er baute sich unter dem Palast eine undurchdringliche Festung, die quasi unzerstörbar war. Man muss nur den Eingang finden.“
    „Mehr nicht?“ fragte Price.
    „Und ihr Vorteil: wir wissen genau, wo sich der Eingang befindet.“
    Nun, nachdem er alle Karten offen auf den Tisch gelegt hatte, blickte Miles O´Brien noch einmal in die wackere Runde der Glücksritter. Er sah die unterschiedlichsten Reaktionen und Meinungen auf das eben Gesagte in den Gesichtern der Auserwählten, doch wie er es erhofft hatte bemerkte er zudem Abenteuerlust. Den Willen etwas noch nie da Gewesenes zu tun. Sie würden alle die Mission antreten. Eine Mission zum Wohle des gesamten Quadranten.

    Noch ein kleiner Schnitt an dieser Stelle und schon war das Objekt fertig. Zufrieden, ja schon ein klein wenig stolz, blickte der Schneider der Station Terok Nor, auf den Rock, den er eben genäht hatte. Edward Jellico lächelte. Er freute sich schon auf den Gesichtsausdruck der jungen Frau, wenn er ihr das gewünschte Kleidungsstück überreichen konnte. In dieser Welt hatten Menschen nur wenig Freude und Mode war eines der Laster, welches man sich in diesen schweren Zeiten nur schwerlich leisten konnte. Daher war es umso wichtiger, ab und an mal den Menschen eine Freude zu machen. Deswegen mochte Edward seine Aufgabe: des Lächelns der Kunden wegen. Natürlich war er kein gelernter Schneider. Doch von dem Menschen wurde Flexibilität erwartet und so hatte sich Jellico dieses kleine Handwerk angeeignet. Über Arbeit konnte er sich meist nicht beklagen. Die meisten Menschen auf der Station und Angehörige der ehemaligen imperialen Völker liefen in Lumpen herum, dreckig und voller Löcher. Ein Großteil seiner Arbeit bestand aus dem Flicken solcher Oberteile, Hosen und Socken. Doch dann, wenn er mal Zeit hatte, dann konnte er sich dem künstlerischen Teil der Arbeit widmen. Dann kreierte er den Kunden modische Kleidungsstücke, die gut aussahen und in denen man sich wohl fühlte. Der Mangel an adäquaten Materialien machte die Arbeit nur noch aufregender und so ging der alte Mann wirklich in seiner Aufgabe auf.
    Die Tür zu der Schneiderstube, welche sich am unteren Ende der Promenade befand, öffnete sich und Martin Lewinski trat herein. Jellico lächelte, als er einen alten Freund wieder erkannte.
    „Martin, du bist auf der Station? Welch angenehme Überraschung!“ frohlockte der Schneider.
    Der Bruder des Verräters trat auf Edward zu, umarmte ihn und lächelte ebenfalls.
    „Ja, ich bin hier, um den Namen der Familie Lewinski rein zu waschen.“
    „Ein ehrenwertes Ziel“, fand der alte Mann. Seit Jahrzehnten waren ihre beiden Familien miteinander befreundet und zwischen John sowie Edward hatte sich eine Vater-Sohn Beziehung entwickelt. „Ich hoffe du erreichst es.“
    „Dies werde ich“, entgegnete Martin felsenfest überzeugt und blickte sich in dem kleinen Laden um. Er war sichtlich beeindruckt. „Und bei dir scheinen die Geschäfte gut zu laufen?“
    „Die Geschäfte würden gut laufen, wenn ich Geld für meine Arbeit bekommen würde. Doch da die meisten von uns ehemalige Sklaven sind, wird dies wohl nicht so schnell passieren. Daher sehe ich in meiner Arbeit eher einen gewissen Ehrgeiz.“
    Anerkennend nickte Martin und strich über ein Stück Stoff.
    „Wann wirst du deine Kleidung zu mir bringen? Du könntest einige neue Schnitte gebrauchen, “ fand Jellico.
    „So schnell nicht. Wir werden schon bald auf unsere Mission aufbrechen.“
    „Du erwähnst diese nun schon zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Minuten. Es scheint sich um eine wirklich große Sache zu handeln.“
    „Ist dies nicht verständlich?“ war die rhetorische Frage Martins. „Immerhin lastet der Fluch des Verrats auf meiner Familie schon seit einigen Jahren auch auf mir. Ich bin der letzte Lewinski, der Bruder des Mannes, der die Rebellen an die Allianz betrogen haben soll. Ich will nicht, dass meine zukünftigen Kinder ebenfalls als Verräter angesehen werden.“
    „Du glaubst also auch an das, was man über John sagt?“ fragte Edward traurig.
    „Es ist die vorherrschende Meinung und die zählt im Endeffekt. Was ich denke ist da völlig unwichtig.“
    Edward nickte und verstand das Problem. Er konnte die Motive des jüngeren Bruders deutlich nachempfinden.
    „Und was soll da ablaufen?“
    Die Frage an sich war heikel, denn die Mission mehr als geheim, dies hatte O´Brien deutlich gemacht. Doch Edward Jellico war ein alter Freund und wenn man nicht einmal seinen Freunden mehr vertraute, wem dann noch?
    „Wir werden zur Erde fliegen, schon in wenigen Stunden. Mehr kann ich nicht sagen.“
    „Die Erde?“ Jellico wirkte mehr als entsetzt über diese Vorstellung. „Das meinst du doch nicht ernst?“
    „Mir war nie etwas ernster.“
    Dann reichte der Schneider dem jüngeren Bruder die Hand und Martin verstand. Auf diese stumme, althergebrachte Art und Weise wünschte der alte Mann ihm Glück.
    „Pass auf dich auf!“ meinte Edward, als Martin den Laden verließ. Ein letztes Mal lächelte er ihm zu, dann schritt er durch das sich öffnende Schott.
    Unmittelbar im Anschluss verriegelte Edward den Zugang. Was er eben gehört hatte war mehr als interessant. Bestimmt hatte sich Smiley O´Brien diese Sache ausgedacht. Im Gegensatz zu vielen anderen hielt er nichts von dem Rebellenführer. Immerhin hatte er John Lewinski hingerichtet und dies völlig zu unrecht. Lange hatte Edward überlegt, wie er es der ganzen Rebellenführung heimzahlen konnte. Sicher, sie kämpften für die Freiheit, aber wie sie mit John umgegangen waren… es war falsch gewesen. Genau aus diesem Grund hatte sich Edward schon vor einiger Zeit an die Allianz gewendet: um O´Brien zu schädigen. Und auch wenn er damit Martin in Gefahr brachte musste er dies tun. Vielleicht würde dann der jüngere Lewinski als Held sterben und so hätte er dennoch sein Ziel erreicht. Hauptsache John würde gerächt werden. Aus diesem Grund öffnete Edward Jellico eine sichere Komleitung zu seinem Allianz-Informanten und berichtete ihm eine interessante Neuigkeit…

    Die Vorbereitungen auf den Start hatten kaum Zeit in Anspruch genommen. Was hätten die Rebellen auch sonst tun sollen? Das Schiff wurde immer direkt nach dem Andocken so notdürftig wie möglich hergerichtet. Personen, von denen man sich verabschieden konnte, existierten nicht, da sie entweder tot oder in Gefangenschaft waren und die Freizeitangebote an Bord der ehemaligen Minenraumstation Terok Nor waren auch nicht gerade vom feinsten. Daher hatte man sich nur knappe anderthalb Stunden nach der Einsatzbesprechung auf den Weg gemacht. Captain Bashir hatte, so wie er es für seinen Status beanspruchte, in den Sessel des Kommandanten der Defiant gesetzt und befahl das Abkoppeln von der Station; ein Wunsch, welchen ihm Bruce Land am Steuer umgehend erfüllte. Direkt nach dem Ablegen tarnte sich das Schiff mithilfe des Gerätes, welches ihnen aus dem anderen Universum in die Hände gefallen war. An Bord war nur eine Rumpfcrew vorhanden, denn O´Brien wollte den Kreis der Mitwisser so klein wie möglich halten. Zudem war diese Mission zur Erde mehr als gefährlich und auch wenn niemand dies so recht zugeben wollte, so war man nicht Willens zu viele wertvolle Leben zu opfern. Zufrieden sah sich Julian auf der Brücke um, wo sich alle Teilnehmer der Mission versammelt hatten. Land saß, wie so oft, an der Conn, während sich Matthew Price es nicht hatte nehmen lassen an der taktischen Station Platz zu nehmen. Der Mann spielte einfach gerne mit jedweder Art von Waffen und so ließen sie ihm seinen Spaß. Arena Tellom hatte sich an die wissenschaftliche Station gesetzt, ganz einfach aus dem Grund, weil kein anderer Platz mehr frei war. Martin Lewinski und Jozarnay Woil standen rechts und links neben dem Kommandosessel und blickten auf den Wandschirm, der das Sternenmuster des Warpfluges zeigte. Die Reise bis zur Erde würde zwei Wochen in Anspruch nehmen, eine viel zu lange Zeit. Die Chance mit einer Flotte der Allianz zusammenzutreffen war leider viel zu hoch. Umso wichtiger war es den Leuten eine Aufgabe zu geben, damit sie nicht an die Gefahr dachten. Also wandte sich der Araber an den Antosianer zu seiner Linken:
    „Jozarnay, möchtest du dich nicht auch etwas nützlich machen? Die Maschinenraumbesatzung ist minimal und die da unten freuen sich über jede helfende Hand.“
    „ICH?“ Entsetzt deutete Woil mit seinem Finger auf sich selbst und taumelte sogar einen Schritt zurück. „Alles, nur nicht Technik! Ich habe von solchen Dingen doch absolut keine Ahnung. Kann ich nicht was anderes machen??“
    „Nur Mut! T´Per, der alte, stoische Vulkanier hat im Maschinenraum das Sagen und hat auch absolut keinerlei technische Ausbildung genossen. Dennoch schmeißt er den Laden, “ versuchte Captain Bashir dem Antosianer Mut zu machen.
    „Aber er hat nicht zwei linke Hände! Um der Sicherheit des Schiffes Willen: nicht Technik!“
    Das Betteln Jozarnays war fast schon herzzerreißend. Dennoch mochte keiner auf der Brücke so recht glauben, dass jemand technisch absolut unbegabt war. Julian grinste ihn nur an und bedeutete ihm mit einer Kopfbewegung in den Maschinenraum zu gehen. Der Angesprochene zögerte kurz, trottete dann mit hängendem Kopf von der Brücke. Der jüngere Lewinski war es, der sich dann einschalten:
    „Und wie kann ich mich nützlich machen?“
    „Folgendermaßen,“ erläuterte Julian mit knirschenden Zähnen „Du bleibst ständig in meiner Sichtweite und hältst dich von allen lebenswichtigen Systemen dieses Schiffes fern. Wenn ich es mir recht überlege hältst du dich von allem und jedem fern. Capisce?“
    „Wie bitte?“
    „Dies ist ein Ausdruck für verstanden!“
    „Verstehen tue ich hier gar nichts“, erwiderte Martin und baute sich vor Julian bedrohlich auf; stemmte die Hände in die Hüften. „Ich glaube das Thema hatten wir schon mal: ich bin nicht wie mein Bruder und ich werde keinen Verrat begehen.“
    Julian Bashir lächelte angesichts dieser Worte nur und strich sich kurz über das unrasierte Gesicht. Scheinbar gefiel es ihm in dieser Machtposition zu sein. Smiley O´Brien war sein Freund und ein allseits respektierter Anführer der Rebellion, doch hier an Bord hatte er nun das Sagen.
    „Du magst Smiley überzeugt haben, aber ich traue dir nicht… werde es wohl niemals tun. Also setzt dich da hinten an den Tisch… oh, der ist ja schon belegt. Also stell dich hier hin und tu nichts. Gar nichts!“
    Und wie um zu demonstrieren, dass er zu diesem Thema nichts mehr zu sagen hatte wandte sich Julian seinen Instrumenten zu und ignorierte Lewinski völlig. Dieser seufzte, wusste aber, dass er sich fügen musste. Mit diesen Reaktionen hatte Martin gerechnet. Doch wenn sie bald diese Mission erfolgreich hinter sich gebracht hatten würde man nicht mehr so mit ihm umspringen. Und wenn Julian Bashir wollte, dass er ihm auf die Nerven ging… bitte, dies konnte er tun. Immerhin konnten zwei Wochen sehr, sehr lang werden.

    Und sie wurden lang. Lang und äußerst anstrengend. Die Freizeitangebote an Bord der Defiant waren nicht gerade überragend; wenn man ehrlich war sogar nicht vorhanden. Außer dem Dienst und dem anschließenden Schlaf gab es nichts, womit sich die Crewmitglieder beschäftigen konnten. Der Dienst war fordernd, denn ständig hieß es Einsatzbereitschaft aufrecht zu erhalten. Zwar war das Schiff getarnt und versuchte so den Sensoren der Allianz zu entgehen, doch niemand konnte eine Garantie geben, ob man sie nicht doch aufspürte. Während der zweiwöchigen Reise war die Crew bisher in einen Hinterhalt geraten. Dies klingt nicht nach viel, jedoch stellte dies für ein getarntes Schiff eine äußerst schlechte Quote dar. Hinzu kam der Umstand, dass sie sich die Entdeckung selbst zuzuschreiben hatten. Im ungünstigsten Moment, als man gerade mit Unterlichtgeschwindigkeit ein cardassianisches Schiff der Galor-Klasse passierte, fiel die Tarnung aus. Es war nicht die Schuld einer einzelnen Person, viel eher handelte es sich um ein Zusammenspiel von mehreren Missgeschicken. Unkenntnis der Techniker kam zusammen mit den schlechten Teilen, mit denen das Schiff gefertigt worden war. Doch es war in jenem Moment, als deutlich wurde, wie erfahren Captain Bashir, Bruce Land und die anderen im Umgang mit diesem Kampfschiff waren. Sie brauchten nur wenigen Sekunden, um sich an die Situation anzupassen und zu reagieren. Jeder einzelne von ihnen agierte als wichtiges Mosaiksteinchen und sicherte so den Sieg in einem kurzen Zweikampf zwischen den Schiffen. Dabei konnte man nur hoffen, dass die Cardassianer nicht die Möglichkeit bekommen hatten einen Funkspruch mit der Position der Defiant abzusetzen. Doch was hätte ihnen dies auch gesagt? Dass ein Schiff der Menschen irgendwo im Weltall unterwegs war, also nichts Besonderes oder zumindest nicht so wichtig, dass es das Oberkommando der Allianz misstrauisch machen würde.
    Irgendwann, ungefähr zur Hälfte der Reise, war eine gewisse Routine entstanden. Natürlich war man noch weit davon entfernt von einem eingespielten Team zu sprechen, aber dennoch hatten sich die einzelnen Besatzungsmitglieder aufeinander eingespielt. An einem Abend, die Hauptwache hatte gerade geendet, ging Arena Tellom in das Casino der Defiant und holte sich einen Kaffee. Zu ihrer Überraschung traf sie dort auf Matthew Price. Überraschend deswegen, weil sie den betazoidischen Söldner nicht gerade für einen geselligen Typen gehalten hatte. Zwar war ihr etwas an diesem Mann suspekt, dennoch zog sie irgendetwas an seinen Tisch. Außer ihnen beiden befand sich sonst niemand in dem kleinen Aufenthaltsraum. Fast schon schien es, als wäre er den meisten Crewmitgliedern völlig unbekannt. Dies schien jedoch normal für die Menschen dieser Zeit zu sein. Freizeit hieß für sie Abgeschiedenheit, Schlaf und Flucht vor dem Sklavenalltag, dem sie tagtäglich gegenüberstanden. Aus vielen Menschen waren so Einzelgänger geworden, die nur noch schwerer in die Gemeinschaft der Rebellion einzugliedern waren. Teamfähigkeit war ein seltenes Gut geworden. Sollten die Menschen und andere Völker des ehemaligen Imperiums endlich ihre Freiheit erhalten, so würde es schwierig sein auf diesen Grundlagen eine Gesellschaft aufzubauen.
    „Sie hätte ich nicht hier erwartet“, begrüßte Arena ihr Gegenüber und brachte ein schiefes Lächeln zustande.
    Price blickte sie an, getreu dem Motto Wer hat sie denn eingeladen?, erwiderte stattdessen jedoch:
    „Wie du siehst, bin ich ein Mann mit vielen Überraschungen.“
    Angesichts seines „Berufs“ schien die mangelhafte Kinderschule des Betazoiden nicht verwunderlich. Bisher hatte er noch niemanden hier gesiezt und scheinbar schien dies bei ihm Gang und Gebe zu sein. Anfangs hatte sich Arena daran noch gestört, dann es jedoch irgendwann ignoriert.
    „Das sind sie in der Tat, Matt.“
    Price´ vorher noch neutrale Miene verfinsterte sich und ließ Tellom zurückschrecken.
    „Niemand, der an seinem Leben hängt, sollte mich so nennen“, erklärte der Söldner und durchbohrte sie fast mit seinem Blick. „Ich hasse diesen Spitznamen. Meine Mutter hat ihn mit gegeben.“
    „Haben sie etwa ein schlechtes Verhältnis zu ihrer Mutter?“ fragte Arena interessiert. Der kauzige Mann faszinierte sie auf eine seltsame Art und Weise.
    „Sie ist tot.“
    „Dies tut mir leid.“
    Verächtlich grinste der Söldner. Es war ein kaltes Grinsen, welches der Terellianerin Angst machte.
    „Muss es dir nicht. Meine Mutter und ich hatten nie ein gutes Verhältnis… wir gingen im Zorn auseinander. Als sie starb… hatte ich sie schon Jahre nicht mehr gesehen.“
    Angesichts dieser kalten Worte, selbst für einen Söldner, wandte sich Arena ab. Sie wusste nicht, was sie dazu sagen sollte. Sie selbst und ihre Mutter hatten ein hervorragendes Verhältnis gehabt, bis zu dem Zeitpunkt, als sie von der Allianz hingerichtet wurde. Diese nun so bedrückenden Worte zu hören tat ihr weh.
    „Und wieso nehmen sie an dieser Mission teil?“
    „Das Geld, ist doch klar.“
    „Das kaufe ich ihnen jedoch nicht so ganz ab“, entgegnete Tellom. „Wir Rebellen haben nur begrenzte Ressourcen und das wenige Geld, welches wir haben, können wir nur für die notwendigsten Dinge ausgeben. Ein Söldner kostet Geld, viel Geld und ich kann mir nicht vorstellen, dass Miles genug für einen einzigen Mann aufbringen konnte.“
    Abermals durchbohrte Matthew sie mit seinem Blick, eine gruslige Geste. Hatte sie etwas Falsches gesagt und sich so einen gefährlichen Mann zum Feind gemacht? Dann jedoch blickte Price starr geradeaus und seine Miene entspannte sich. Fast schon zaghaft gestand er:
    „Wegen meiner Mutter.“
    Diese Aussage als Überraschung zu werten, wäre noch eine glatte Untertreibung gewesen. Eben noch schien es, als wäre Matthew Price ein kalter und herzloser Mann, nun jedoch berührte sie dieses überraschende Geständnis. Seine Worte hatten zu ehrlich geklungen, um gespielt zu sein.
    „Dies verstehe ich nicht“, gestand sie offen.
    „Kann ich mir vorstellen“, erklärte der Käufliche ebenso ehrlich. „Eben noch erschien ich dir wie ein herzloser Mann und nun verwundern dich meine Worte. Du kannst es mir glauben, ich verstehe es selbst gar nicht. Meine Mutter war ein Mensch und damit bin ich auch zur Hälfte menschlich. All die Jahre habe ich mein Erbe verleugnet und mich nur meiner betazoidischen Seite gewidmet. Doch als Smiley mich ansprach… irgendetwas in mir wurde berührt durch sein Angebot. Ich kann es nicht erklären.“
    Und damit schwieg er. Doch mit diesem Schweigen machte er mehr deutlich als mit seinen Worten. Nun wirkte dieser Mann auf Arena Tellom sympathisch, denn er gestand sich eine weiche Seite ein, die er selbst noch nie gekannt hatte. Vielleicht hatte Price sein Herz doch auf dem rechten Fleck.
    „Themenwechsel: ich denke nach diesen Tagen sollte ich auch etwas über meine Mitstreiter erfahren, “ fand Matthew grinsend. „Mir sind Geschichten über dich zu Ohr gekommen.“
    „Welcher Art?“
    „Von einem privaten Rachefeldzug, der sein Ende fand.“
    Nun versteinerte sich Arenas Miene, als sie diese Worte hörte. Doch konnte sie dies tatsächlich überraschen? Immerhin war ihre Suche nach Ardev innerhalb der Rebellion bekannt gewesen. Eine jahrelange Odyssee, die sie Blut, Schweiß und Tränen gekostet hatte und nun endlich zu Ende war.
    „Es überrascht mich nicht, dass sie davon Wind bekommen haben“, gab die Frau unumwunden zu, „immerhin ist der Tod ihr Geschäft.“
    „Befriedigte es sie?“
    Die Frage an sich schockierte sie, obwohl diese Reaktion völlig idiotisch war. Wieso sonst hätte sie die ganzen Strapazen und Mühen auf sich genommen, wenn nicht wegen dieses Glücksgefühls? Als sie in sein entsetztes Gesicht geblickt hatte, war in ihr eine Genugtuung aufgekommen, die sie schon lange nicht mehr gekannt hatte. Vermutlich war der Grund für ihren Schock wohl eher die Direktheit dieser Frage, mit der sie ganz und gar nicht gerechnet hatte.
    „Ja, es war eine Befriedigung ihn sterben zu sehen. Er hatten den Tod verdient.“
    Price musterte sie, schien sogar ein kleines Lächeln anzudeuten. Dieser Mann war einfach unheimlich. Auf eine seltsame Art und Weise schienen ihn ihre Worte zu stimulieren, ihm eine klammheimliche Freude zu bereiten.
    „Wegen dem Verrat an der Rebellion oder an dir?“
    Wieder zögerte die Terellianerin. Matthew wagte es Fragen zu stellen, die kein anderer bisher sich getraut hatte. Natürlich hatte Tellom mehr als einmal über diese Sache nachgedacht, aber wie sollte sie ihre Erkenntnisse in Worte fassen? Ihre Empfindungen waren mehr ein Gefühl denn eine Erklärung. Nach langem Zögern entschied sie sich dafür nichts zu sagen.
    „Ist auch eine Antwort“, brummte der Söldner und beide schwiegen sich noch eine Zeitlang an.

    Die Schotts zu der kleinen Schneiderwerkstatt auf Terok Nor flogen auf und ein überraschter Edward Jellico musste mit ansehen, wie mehrere bewaffnete Personen seinen Laden stürmten und mit ihren Waffen in Stellung gingen. Die Läufe zeigten alle auf den alten Mann und machten ihm stumm deutlich, dass er bei der geringsten Bewegung ein trauriges Ende finden würde. Nur wenige Sekunden nach dem Auftauchen des Sicherheitsteams betrat Smiley O´Brien energischen Schrittes den Laden und fixierte den Stationsschneider mit grimmigem Blick. Normalerweise war der Ire niemand, der puren Hass fühlte und diesen auch per Mimik deutlich machen konnte. Oft zeigte sich in seinem Gesicht eine permanente Traurigkeit, die von den Erlebnissen während seiner Zeit als Theta herrührte, doch zu unbändiger Wut schien dieser Mann nicht fähig zu sein. Zumindest erzählten sich die Leute auf der Station dies. Jellico wüsste gerne, was jene Leute sagen würden, wenn sie nun den Anführer der Rebellion sehen könnten. O´Brien hatte seine Lippen aufeinander gepresst, seine gesamten Gesichtsmuskeln waren angespannt und in seinen Augen loderte ein Zorn, der fast schon biblische Ausmaße hatte. Edward setzte dennoch sein bestes Geschäftslächeln auf, um die Situation zu entspannen. An sich eine zum Scheitern verurteilte Idee, denn aller Wahrscheinlichkeit war seine wahre Identität nun aufgeflogen. Doch der Schneider war nicht bereit allzu leicht aufzugeben. Er war bereit für seine Überzeugung zu sterben, doch vorher sollte die Welt noch das Warum erfahren.
    „Mr. O´Brien!“ begrüßte Jellico den Iren, „es ist wahrlich eine Freude sie hier in meinem bescheidenen Laden willkommen zu heißen.“
    Als Antwort erhielt Edward etwas, was er von Smiley ganz und gar nicht erwartet hatte: eine schallende Ohrfeige, deren Klatschen man noch im Raum widerhallen hören konnte.
    „Sie verdammtes Schwein, Jellico! Hören sie auf Spielchen mit mir zu spielen. Ich weiß alles über sie, “ drohte Miles und schien diese Worte geradezu auszuspucken. Ja, in der Tat, dieser Mann konnte doch sehr zornig werden.
    „Pardon, aber ich weiß nicht, was sie meinen.“
    „Hören sie auf mit mir ihre dummen Spielchen zu spielen, Jellico. Wir haben ihre letzte Transmission abgefangen. Jene, mit der sie ihren Allianzkontaktmann erreicht haben. Viele hatten sie schon seit einiger Zeit in Verdacht, aber ich habe mich immer gegen diese Vorstellung gewehrt. Sie wirkten immer so ehrlich, so zuverlässig... so harmlos.“
    Anhand von Miles´ Worten konnte man erahnen, wie nah ihm dieser Verrat ging. Er hatte bis zum Schluss warten wollen, hatte immer an der Unschuld des alten Mannes keinen Zweifel gehabt. Seine Gutmütigkeit schien jedoch ausgenutzt worden zu sein.
    Jellico musterte sein Gegenüber und blickte dann aus den Augenwinkeln zu den bewaffneten Wachen, welche immer noch auf ihn zielten. Die Hinhaltetaktik schien dieses Mal nicht aufzugehen. Es war nicht ersichtlich, wie lange diese Diskussion noch gehen sollte, also schien es Zeit sich zu erklären.
    „Nun, was soll ich sagen?“ meinte der Schneider. „Sie haben mich entdeckt.“
    Trotz seiner Wut und den Beweisen zeigte sich immer noch ein kleiner Funken an Überraschung in O´Briens Gesicht, als er diese Worte vernahm.
    „Sie geben es also zu?“
    „Ja, ich bin ein Informant der Allianz. Einer von vielen auf dieser Station.“
    Kurz ließ O´Brien diese Worte auf sich wirken, verdrängte sie dann jedoch. Ob sie der Wahrheit entsprachen oder nur ein Ablenkungsmanöver waren ließ sich im Moment nicht feststellen.
    „Und was haben sie...“
    „Och, nur Kleinigkeiten, “ meinte Jellico mit harmloser Stimme. „Ihre Mission zur Erde, ihre Hoffnungen dort etwas wichtiges zu finden.“
    Der Raum schien sich um den Anführer der menschlichen Rebellion zu drehen, als er diese Worte vernahm. So viel Mühen und Energien hatten sie darin gesteckt, die Mission geheim zu halten und nun hatte man sie verraten. Instinktiv drehte er sich weg, holte ein Kommunikationsgerät aus der Hosentasche und ließ sich zur OPS verbinden.
    „Hier Paris“, kam die Antwort von der Kommandozentrale der Station.
    „Tom, wir haben ein ernsthaftes Problem“, erklärte Miles und schnappte mehrfach nach Luft. Ihm wurde schlecht. „Sind wir in der Lage die Defiant zu erreichen?“
    „Negativ, sie ist schon längst außerhalb unserer Kommunkationsreichweite.“
    „Ist es nicht möglich, sich in die Komsatelliten der Allianz einzuhacken?“
    Kurz dachte der Mann nach, erklärte dann:
    „Dies wäre zwar eine Idee, aber würde nicht gerade dem Zweck unserer Mission dienen. Die Allianz wüsste, dass das Schiff unterwegs wäre und könnte mittels der Satelliten, die wir nutzen, dann die Position der Crew anpeilen. Ich würde dringendst davon abraten.“
    O´Brien setzte frustriert das Komgerät ab und blickte in Jellicos scheinbar so ausdrucksloses Gesicht. Was sollten sie nun tun, wo bestanden die größten Überlebenschancen? Ihre beste Möglichkeit war es wohl zu hoffen, dass Edward Jellico der Allianz nicht genug Informationen mitgeteilt hatte, um die Flugroute der Defiant deutlich zu machen.
    „Tom, hier O´Brien. Wir unternehmen derzeit nichts.“
    „Alles klar, Smiley.“
    „Und wieso?“ fragte der Ire in Richtung des Verräters. „Wieso tun sie das? Gerade von ihnen habe ich dies nicht erwartet!“
    „Ich tat es, um ihnen zu schaden.“
    „Mir?“
    „Ja, ihnen“, meinte der Schneider und lächelte verächtlich. „Ich tat es gegen sie und für John Lewinski. Einen guten Freund von mir, den sie einfach so hingerichtet haben.“
    Nun verstand O´Brien. Jellico und Lewinski waren Freunde gewesen, gehörten fast schon zu einer Familie. Aber niemals im Leben hätte man erahnen können, dass diese Beziehung zu Verrat führen könnte.
    „John Lewinski war ein Verräter an der Sache und hatte den Tod verdient“, erklärte Smiley.
    „Ja, das sagt sich so leicht. Sie kannten ihn jedoch nicht so gut wie ich. John war kein Verräter, sondern ein Mann von Ehre. Er wäre niemals in der Lage gewesen seine Kameraden und Freunde dem Tod zu opfern; dies passte einfach nicht in sein Wertesystem. Dennoch wurde er nach einem scheinheiligen Gerichtsverfahren hingerichtet.“
    „Die Beweise waren in einem fairen Prozess ausgewertet worden...“ widersprach der Anführer.
    „Fair!?! Seit dreihundert Jahren kennt die Menschheit schon keine fairen Prozesse mehr. Wir haben doch schon längst die Zivilisation verlernt. Erst das Imperium und nun die Sklaverei... unsere Gesellschaft ist nicht am Abgrund, sie ist zerstört. Menschen mit der Integrität von John Lewinski hätten sie wieder aufbauen können, doch sie wurden getötet.“
    An dieser Stelle brachte es wohl überhaupt nichts mehr zu diskutieren. Jellico hatte seine Meinung und vertrat diese auch, ohne von ihr abzurücken. Diskutieren war sinnlos.
    „Eine Frage habe ich noch“, meinte Miles. „Johns Bruder ist bei dieser Mission dabei. Wenn sie soviel für die Familie Lewinski empfinden: wieso wollen sie ihn opfern?“
    „Weil nur sein Heldentod den Namen Lewinski wieder reinwaschen kann“, erklärte der alte Mann.
    „Scheinbar, “ schloss Miles O´Brien diese Diskussion ab, „bringt der Name Lewinski nur Unglück. Aber wenn sie so viel für John übrig hatten, so habe ich nun eine gute Nachricht für sie, Edward: sie werden sein Schicksal teilen und als Verräter sterben. Führt ihn ab!“
    Die bewaffneten Wachen ergriffen den Schneider, der sich ohne Widerstand festnehmen ließ. Wie hätte er sich auch wehren können?
    „Es ist zu spät“, raunte er, als er an O´Brien vorbeigeführt und in den Arrest gebracht wurde. Betreten, ratlos blickte Miles zu Boden. Die gesamte Mission stand nun auf Messers Schneide.

    Just bei dem Thema Verrat wechselt der Fokus unserer Geschichte wieder zu dem sich auf der Defiant befindlichen Martin Lewinski. Dies soll kein Werturteil über ihn darstellen, auch keine Vorverurteilung, sondern ist in diesem Fall reinster Zufall. Der Bruder des getöteten Verräters streifte während der gesamten Reise ziellos durch das Schiff. Während der spärlichen Gefechte auf dem Weg zur Erde hatte er natürlich seine Station eingenommen und kämpfte Seite an Seite mit der Crew, doch außerhalb dieser wenigen Momente wollte so gut wie niemand etwas mit ihm zu tun haben. Die meisten ignorierten ihn, manche schmähten und beleidigten Martin gar. Auch wenn meinen könnte er hätte sich an eine solche Behandlung gewöhnt, so war jeder einzelne abfällige Kommentar wie ein Nadelstich, der tief in sein Herz drang. Er hatte das Bedürfnis sich nützlich machen zu wollen und so schnappte er sich ein Padd, welches in den Maschinenraum gebracht werden musste und machte sich auf den Weg dorthin. An jenem Ort angekommen griff er sich den erstbesten Techniker, der in jenem Fall Jozarnay Woil war.
    „Jemand muss diese Energieaufschlüsselung unterschreiben“, raunte Martin den Antosianer an.
    „Ich?“ Der Angesprochene schien schockiert angesichts dieser Aufforderung zu sein. „Von diesen Sachen habe ich doch absolut keine Ahnung. Ich verstehe ja nicht einmal, was diese Tabelle uns sagen will? Ich schlage vor, dass sie sich dafür jemand anderes nehmen.“
    Ungeduldig, fast schon sauer, bohrte sich Martins Blick durch Woil hindurch und seine Geduld schien langsam abzunehmen. Eigentlich eine recht unfaire Geste, denn der Antosianer war eine der wenigen Personen, die ihn bisher nicht getriezt hatten, doch irgendwann musste sich der Frust einmal entladen.
    „Hören sie mir mal zu, sie Anfänger. Diese ganzen Vorschriften, die Smiley O´Brien bei dem Bau des Schiffes mitgebracht hatte, sind vollkommen überflüssig. Denken sie etwa tatsächlich, dass auch nur zwanzig Prozent derjenigen, die an Bord der Defiant Dienst tun, wissen, was es damit auf sich hat? Also unterschreiben sie den Schrott schon, damit die Führungsetage zufrieden ist. T´Per wird davon auch nichts erfahren.“
    Kurz schien Woil nachzudenken, dann nahm er sich das Padd und ließ seinen Daumenabdruck von dem Laser scannen.
    „Ich hoffe, sie sagen die Wahrheit. Der alte Vulkanier kann einen ganz schön mit seiner Pedanterie nerven. Er ist wohl einer der wenigen, der diese Liste verstanden hätte. Wieso sind sie nicht zu ihm gegangen?“
    „Weil sie gerade greifbar waren“, druckste der Mensch herum.
    „Sie sagen nicht die Wahrheit“, erkannte Jozarnay folgerichtig. Er mochte zwar von technischen Dingen absolut keine Ahnung haben, jedoch kannte er sich mit Menschen aus. Und hier erkannte er, dass mehr im Busch war. Er packte Martin am Arm und schob ihn in eine Ecke, in der weniger los war und sie sich relativ ungestört unterhalten konnten.
    „Was haben sie auf dem Herzen, Mr. Lewinski?“
    Kurz blickte Martin sein Gegenüber an, dachte über seine Optionen nach. Dieser Antosianer war einer der wenigen, die ihm bisher nicht mit Misstrauen gestraft, sondern ihn völlig neutral behandelt hatten. Wie viel durfte er ihm anvertrauen? Wie viel konnte er überhaupt jemals einem anderen anvertrauen? Immerhin konnte er niemals sicher sein, dass andere Menschen überhaupt seine Probleme verstehen konnten.
    „T´Per war auch einer derjenigen...die meinen Bruder, “ flüsterte Martin und sehr zu seiner Überraschung versagte es ihm die Stimme. Schon so oft hatte er über diese Sache geredet und dabei hatte er es geschafft, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass sein Bruder ein Verräter war. Doch selber wie einer behandelt zu werden, war mindestens ebenso schlimm.
    „Ich verstehe“, entgegnete Jozarnay mitfühlend und nickte. „Es fällt ihnen immer noch schwer, oder?“
    „Nein, dies tut es nicht. Was mein Bruder getan hatte, war falsch und folglich hatte er den Tod verdient. Nur mit ihm gleichgesetzt zu werden... zehrt an meinen Kräften.“
    „Erzählen sie mir mehr!“ forderte ihn der Antosianer auf. Aus eigener Erfahrung wusste er, dass manchmal nur reden half. Wer weiß, ob er seine Drogensucht überwunden hätte, wenn er sich nicht irgendwann einer anderen Person anvertraut hätte. Vielleicht wäre er dann immer noch von den verschiedensten Stoffen abhängig oder im schlimmsten Fall sogar tot, gestorben an einer Überdosis.
    „Auch auf diesem Schiff bemerke ich es. Egal wo ich hingehe, immer bemerke ich, wie die Leute über mich tuscheln. Sie stellen Mutmaßungen über mich an, vertrauen mir nicht und begegnen mir mit Hass. Alles wegen den Taten meines Bruders. Der Name Lewinski ist in der gesamten Rebellion verflucht, dabei war es doch nur John gewesen, der sich von der Allianz hatte kaufen lassen. Denken sie denn nicht, dass wir ebensoviel gelitten haben wie auch andere Familien?“
    „Doch, dies denke ich. Auch wenn es ihnen seltsam erscheinen mag, ich teile diese Vorurteile nicht. Ich sehe in ihnen einen Mann wie jeden anderen auch, der sein Bestes für die Freiheit unserer Völker gibt. Möglicherweise liegt meine Aufgeschlossenheit auch daran, dass ich kaum was über ihren Bruder weiß.“
    Überrascht blickte Martin ihn an.
    „Wie?“
    „Ja, ich weiß nur, dass er wegen Verrats hingerichtet wurde. Doch die Umstände... sind mir nicht bekannt.“
    „Sie sind noch nicht lange auf Terok Nor, oder?“
    „Ja, dies stimmt.“
    „Das mag ihre Unwissenheit erklären, Woil“, erkannte der jüngere Lewinski.
    „Bitte, nennen sie mich Jozarnay!“
    „Jozarnay“, sprach Martin die ungewohnten Laute nach, „ich heiße Martin. Sie wollen also mehr über meinen Bruder erfahren?“
    „Wenn sie dazu bereit wären“, entgegnete Jozarnay zurückhaltend.
    „Mein Bruder hat sich in der Hierarchie der Rebellion hochgearbeitet. Er war von Anfang an auf Terok Nor gewesen, als Sklave in den Erzminen. Anders als O´Brien hatte er niemals das Glück gehabt zu einem Theta zu werden, einem Sklaven mit erweiterten Rechten. Während ich in einem Internierungslager auf Rigel dahinvegetierte, schuftete er in den Minen, wie andere Sklaven auch. Dann kam der von Benjamin Sisko initiierte Aufstand und wie alle anderen schloss sich auch John dem Aufstand an. Er war Feuer und Flamme, denn endlich gab es die Aussicht auf Hoffnung, Freiheit und eine lebenswerte Existenz.“
    „Aber wieso verriet er dann die Rebellion?“
    Martin stoppte kurz, schien über die passenden Worte nachzudenken.
    „Er wurde zu einem Geschwaderkommandanten, mit immer mehr Befugnissen. Irgendwann hatten O´Brien und Bashir die Idee ausgetüftelt den cardassianischen Kanzler mittels eines gezielten Anschlags auf seiner Heimatwelt zu töten. Der Plan war genial, ausgeklügelt bis ins letzte Detail und fast narrensicher. Von Perfektion zu sprechen, wäre vielleicht etwa zu viel gewesen, doch es gab eine realistische Chance auf Erfolg. Jadzia, die Freundin von Julian Bashir, sowie einige freiwillige Piloten, bestiegen einige Raiders und machten sich auf den Weg nach Cardassia Prime. Leider erreichten sie ihr Ziel nie, denn sie gerieten in einen Hinterhalt und ihren sabotierten Schiffen gelang es nicht zu fliehen. Für beides, sowohl der Hinterhalt der Allianz als auch die Sabotage, war mein Bruder verantwortlich.“
    „Sind sie sicher?“
    „Ja, an seiner Schuld gibt es keinen Zweifel“, erklärte Martin und blickte ins Nichts. „Die Beweise selbst waren schon erdrückend gewesen, doch kurz vor seinem Tod beichtete mir mein Bruder die Tat. Und auch wie alle anderen verachte ich seine Tat... dennoch ist er mein Bruder, den ich liebe.“
    Jozarnay verstand. Für Einzelkinder, Menschen ohne Familie, mochte diese Aussage paradox klingen, doch Geschwister verstanden sie. Liebe war in einer Familie unabdingbar, egal was geschah.
    „Und wieso tat er es, wenn er so sehr von der Rebellion überzeugt war?“
    „John kämpfte für ein besseres für unsere Familie. Genau dies bot ihm ein Kontaktmann der Allianz: Geld, ein gutes Haus, Frieden und Freiheit. Ich weiß nicht, wie andere Personen bei diesem verlockenden Angebot reagiert hätten. Himmel, ich weiß nicht einmal, wie ICH reagiert hätte? Natürlich glaube ich an unseren Kampf, doch nach einem Leben voller Schmerz und Erniedrigung die Aussicht auf ein wenig Glück... ich kann verstehen, wieso mein Bruder es annahm. Und ich kann es wiederum nicht verstehen, wieso er seine Spezies verriet.“
    Vertrauensvoll legte Jozarnay eine Hand auf die Schulter des Menschen. Er verstand das Dilemma, nun, nachdem er die volle Wahrheit kannte.
    „Sie sind ein guter Mensch, Martin. Dies sollten sie niemals vergessen.“
    Statt einer Antwort nickte der jüngere Lewinski nur und ging. Er selbst hatte schon längst den Glauben an Vergebung verloren, dennoch nahm er an dieser Mission teil. Die Familie Lewinski schien aus lauter Widersprüchen zu bestehen.

    Die Reise zur Erde war lang und beschwerlich gewesen, verbunden mit der ständig lauernden Gefahr der Entdeckung oder gar Vernichtung. Doch schließlich hatte man es geschafft. Das gesamte Einsatzteam versammelte sich auf der Brücke, als Captain Bashir Anweisung gab in den Orbit der einstigen Wiege der Menschheit einzuschwenken. Wie lange war es schon her, seitdem das letzte Mal ein Mensch diesen Planeten betreten, ja gesehen hatte? Für viele von ihnen war es das erste Mal. Die meisten Rebellen kannten die Erde nur von den alten Erzählungen, Aufzeichnungen und Bildern, die schon längst veraltet waren. Die Bilder hatten ihnen eine grüne Welt gezeigt, mit tiefblauen Ozeanen und sanften, weißen Wolken, die über die Kontinente zogen.
    Nichts konnte der Wirklichkeit ferner sein als diese antiquierte Vorstellung! Entsetzt blickten die Menschen und Außerirdischen auf den Wandschirm, der ihnen einen schrecklichen Planeten präsentierte. Eine Welt, die durch das Bombardement der Allianz vor Jahrzehnten aschfahl geworden war. Die einstigen Ozeane waren verdammt und grauen Kratern gewichen, die einstige Vegetation schien vollkommen verschwunden zu sein. Seltsam lilafarbene Wolken schlichen über den Horizont, schienen giftigen Regen auszusetzen.
    „So habe ich mir nicht meine Rückkehr zum Anbeginn der menschlichen Spezies vorgestellt“, meinte Bruce Land, nachdem er die Defiant in den Orbit manövriert hatte, und schluckte.
    „Der Anblick ist... atemberaubend“, kommentierte Martin Lewinski und niemand zweifelte daran, dass seine Aussage nicht gerade ein Ausruf der Verzückung darstellte.
    „Das einzig positive, was ich über diese Welt sagen kann, “ meinte Arena Tellom und las einige Daten von der wissenschaftlichen Station ab, „ist, dass sich der nukleare Winter, ausgelöst durch das Flächenbombardement, langsam verzogen hat. An manchen Teilen der Erde kann man sogar schon die Sonne sehen.“
    Ruckartig, so als müsse er sich aus diesem Alptraum lösen, erhob sich Captain Bashir von seinem Kommandantensessel und klatschte in die Hände.
    „Wir sind nicht hier, um eine Fremdenführung zu machen“, sagte er mit bebender Stimme, „sondern wir haben einen Auftrag auszuführen. Das ganze Team sofort in den Transporterraum.“
    Bei diesen Worten schaffte er es sogar Martin Lewinski dieses Mal nicht giftig anzustarren. Der raubeinige Araber schien genauso mitgenommen von diesem Anblick zu sein, wie jeder andere an Bord auch.
    Die Versammlung des Außenteams dauerte nur wenige Minuten. Bashir, Land, Woil, Lewinski, Tellom und Price hatten sich eine spärliche Kampfausrüstung zugelegt, mit Handwaffen und Messgeräten. Intensiv hatten sie ihre Landekoordinaten untersucht und zu ihrer Überraschung festgestellt, dass sie keine Schutzanzüge benötigen würden. Seltsamerweise hatte sich am ehemaligen Standort des imperialen Palastes längst jede Strahlung verzogen und war auf diese Art und Weise wieder für menschliches Leben betretbar. Nervös nickte Bashir der Frau an der Transporterkontrolle zu und das Team wurde hinunter gebeamt.
    Der Anblick auf dem Sichtschirm war schon furchtbar gewesen, aber nun leibhaftig auf der Erde zu stehen war noch viel, viel schlimmer. Die Luft war widerlich, verursachte bei ihnen allen Hustenanfälle, und ein Sturm wehte, der ihnen allen das Haar zerzauste. Ansonsten gab es absolut nichts zu sehen. Theoretisch befanden sie sich nun mitten im Palast, doch von dem einst so prächtigen Gebäude war nichts übrig geblieben außer verbrannter Erde.
    „Und wo soll nun dieses geheime Versteck sein?“ rief Woil gegen den Wind an.
    Statt eine Antwort von sich zu geben, zückten Bashir und Land simultan ihre Messgeräte, begannen die sie umliegende Umgebung zu untersuchen. Die anderen Personen taten es ihnen gleich. Minutenlang schritten sie das Gelände ab, gebannt auf ihre Instrumente blickend. Dann schließlich hob der Söldner Matthew Price die Hand.
    „Hey! Ich habe hier was!“ rief der Halbbetazoid.
    Die anderen näherten sich seiner Position und blickten auf seine Anzeigen, die in der Tat einen Zugang vor ihm anzeigten. Wohlgemerkt nur auf der Anzeige, denn mit dem bloßen Auge war nur Erde vor ihnen zu erkennen.
    „Da ist nichts!“ fand Land.
    „Und ob da etwas ist“, widersprach ihm Arena. „Hierbei muss es sich um ein holografisches Siegel handeln, welches der Allianz nicht aufgefallen ist. Doch wie lösen wir es?“
    Angestrengt dachte das Außenteam nach. Martin blickte sich kurz um und machte dann einen Schritt auf das vermeintliche Siegel zu. Schon im nächsten Moment löste es sich auf und gab den Weg zu einer Treppe frei.
    „Hey, was haben sie getan?“ fragte Julian Bashir misstrauisch und trat bedrohlich vor.
    „Er hat nichts getan, nur seine DNA!“ erklärte Tellom, die scheinbar verstanden hatte. „Kirk muss dieses Holosiegel so programmiert haben, dass es die Allianz nicht entdecken konnte. Ergo machte er es nur für Menschen zugänglich. Price hat den Zugang gefunden und ich näherte mich ihm als nächstes. Wir beide sind keine Menschen, Lewinski jedoch schon. Der Imperator war schon ein cleveres Kerlchen gewesen.“
    „Und schaut wohin unsere Spezies seine Cleverness geführt hat“, murmelte Bruce Land und erntete von den anderen stumme Zustimmung. „Bevor wir da reingehen, sollten wir uns noch eine Frage beantworten: wenn dies hier der Zugang zu den geheimen Räumen von James T. Kirk ist, dann wird er ihn wohl mit Fallen gespickt haben, nicht wahr? Wie finden wir heraus, ob diese noch aktiv sind?“
    Kurz dachten alle nach, dann meinte Matthew:
    „Diese Räume müssen von Kirk mehr als einmal betreten worden sein. Sicher hatte er keine Angst tausendfach im Jahr diese Anlagen zu deaktivieren. Möglicherweise hat er diese Anlagen mit demselben System ausgestattet, wie das Holosiegel. Sie dürften also nicht aktiviert werden, wenn ein Mensch vorausgeht.“
    „Logische Schlussfolgerung“, fand Woil, auch wenn der Antosianer nichts von Technik verstand.
    „Haben wir denn einen Freiwilligen, der diese Theorie überprüfen würde?“
    „Ja, haben wir“, entgegnete Bashir grimmig und blickte zu Martin. „Er möchte seinen Namen reinwaschen? Schön, dann kann unser Lewinski hier vorgehen.“
    Wenn der Araber irgendeinen Kommentar von dem Angesprochenen erwartet hatte, so musste er enttäuscht werden. Ohne zu murren begab sich Martin als erster in die Katakomben, gefolgt von den anderen Mistreitern (im gehörigen Abstand, wohlgemerkt). Sie begaben sich eine Treppe hinunter und befanden sich dann in einem Flur, der seltsamerweise noch völlig intakt war. Hier unten war nichts von dem Bombardement zu sehen, sondern die Räume boten noch den klassischen Aufbau des 23. Jahrhunderts. Sogar das Licht brannte noch und an den Wänden hingen Gemälde, sowie Bilder. Gleich zu seiner linken befand sich ein in Öl gemaltes Porträt des ehemaligen Imperators des Terranischen Imperiums. Martin machte einen Schritt darauf zu, bewunderte die außergewöhnliche Verarbeitung und den dargestellten Mann. Die Kleidung schien sündhaft teuer gewesen zu sein, für einen Menschen, der in Sklaverei aufgewachsen war, eine unglaubliche Vorstellung. Kurz blickte er in die Augen Kirks, die selbst auf diesem Bild noch eine ungeheuere Kraft ausstrahlten. Dieser Blick Martins in die Augen Kirks löste jedoch einen versteckten Mechanismus aus. In das Gemälde war ein Mechanismus eingelassen worden, der direkt in einer heimtückischen Falle endete. Auf der gegenüberliegenden Wand, also im Rücken des jüngeren Bruders, öffnete sich eine Verkleidung und drei spitze Klingen schossen hervor. Martin reagierte zu spät und nur einem wagemutigen Hechtsprung von Jozarnay Woil war es zu verdanken, dass er nicht aufgeschlitzt wurde. Entsetzt blickte Martin zu den in der Wand steckenden Klingen und dann zu seinem Retter.
    „Wenn du jetzt stirbst“, raunte der Antosianer, „dann ist dein Name noch nicht reingewaschen.“
    „Danke“, war die flüsternde Antwort des Menschen.
    „Wie konnte das passieren? Ich dachte für Menschen wäre diese Anlage zugänglich?“ fragte Price entsetzt und obwohl der Tod sein Geschäft war, zeigte er sich entsetzt über das fast geschehene Ende eines Mitstreiters.
    „Weil wir einen Denkfehler begangen haben“, meinte Bruce Land und lächelte grimmig. „Eben noch haben wir vermutet, dass Kirk dieses ganze unterirdische Versteck vor der Allianz schützen wollte. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit. Gegen wen setzte denn der Imperator seinen Tantalus-Strahler ein? Gegen Feinde im Inneren! Menschen, Andorianer, Vulkanier... Völker des Empires! Also muss er diese Gemäuer nur für sich selbst betretbar machen. Diese reagieren dürfen nur ihn nicht töten, sonst jeden anderen! Und wie hat er das gemacht?“
    „Er stellte die Geräte auf seine persönliche DNA ein“, schlussfolgerte Julian Bashir und holte ein kleines Gerät aus der Hosentasche. „Bashir an Defiant.“
    „Hier T´Per, Captain! “
    „Konsultieren sie unsere Datenbank, ob wir DNA-Spuren von James T. Kirk haben und übertragen sie diese auf unsere Messgeräte!“
    Da das gesamte Schiff auf den Konstruktionsplänen eines anderen Universums basierte, ja sogar eine exakte Kopie war, sollte sich eigentlich jenes im Speichersystem befinden. Und tatsächlich, alle ihre Geräte fiepten bestätigend, als sie die Daten erhielten.
    „Wenn das nicht hilft, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.“
    Vorsichtig bewegten sie sich vorwärts, immer auf der Hut, doch nichts geschah. Scheinbar funktionierte ihre Idee und sie konnten sich ungestraft durch den Korridor auf den vor ihnen liegenden Eingang zubewegen. Während sie so dahin schritten, immer noch vorsichtig, fielen ihre Blicke auf die zahlreichen Bilder, die Einblick in eine längst vergangene Epoche boten. Eine Zeit, in der die Menschen Könige des Quadranten waren und sich nur so ihr eigenes Grab geschaufelt hatten. Es waren Aufnahmen von der pompösen Krönungszeremonie Kirks, wie sein Konterfei in den Nachthimmel der großen Städte der Erde projiziert wurde. Bilder, die berühmte Schlachten und Siege des Imperiums darstellten. Vor einem Bild blieb Martin Lewinski stehen und schaute genauer hin. Es zeigte das Hauptquartier der Sternenflotte, die prächtigen Anlagen und Gebäude, in denen die hohen Admiräle getagt hatten. Auf den großen Platz hatte sich eine Menschenmasse zusammengefunden, um einem unglaublichen Spektakel beizuwohnen: mehrere erhängte Personen baumelten dort am Strick und die immer noch makellose Bildunterschrift erklärte, dass hier Dr. McCoy, Montgomery Scott und Uhura hingerichtet worden waren. Der Grund stand nicht auf der Inschrift, doch Lewinski war in der Geschichte bewandert genug, um zu wissen, dass Kirk in seinen ehemaligen Mitstreitern von der ISS Enterprise eine zu große Gefahr gesehen hatte. Also hatte er sie prophylaktisch hinrichten lassen.
    „Ich weiß, was sie jetzt denken“, murmelte Land, nachdem er sich neben Martin gestellt und das Bild betrachtet hatte. „Sie fragen sich, ob wir es überhaupt verdienen uns aus der Sklaverei zu erheben und unser eigenes Schicksal zu bestimmen. Wir, unsere Vorfahren, haben so viele grausame Dinge getan, dass es scheint, als wäre es für das galaktische Gefüge besser, wenn wir nie wieder etwas zu sagen hätten.“
    Statt einer Antwort nickte Martin nur betreten. Mit dieser Formulierung hatte der Navigator genau dies ausgesprochen, was der gedacht hatte.
    „Ich sage ihnen was, Lewinski: wir verdienen die Freiheit, weil es keine Erbsünde gibt. Niemand von ihnen, weder sie, noch ich oder sonst jemand hier in diesem Korridor kann etwas für die Taten, die unsere Vorfahren vor einhundert Jahren begangen haben. Die Verbrechen, die unsere Vorgänger an anderen verübten, werden nun an uns begangen und so bleibt das Ganze immer noch falsch. Man kann Feuer nicht mit Feuer bekämpfen. Wir verdienen eine zweite Chance.“
    Bruce Lands Worte wirkten wie ein Trost, ein Leuchtfeuer in der Dunkelheit. Besser hätte niemand von ihnen den Grund formulieren können, wieso sie sich in diesem aussichtlosen Kampf befanden.
    Die Gruppe bewegte sich weiter vorwärts und erreichte schließlich die sich automatisch öffnende Tür, scheinbar ausgelöst durch ihre Tricorderabstrahlungen. Dort drinnen befanden sich Schätze, wie sie sie noch niemals gesehen hatten. Gemälde, Trophäen, Bilder, Waffen und andere unbezahlbare Gegenstände, die James T. Kirk seinem Privatbestand hinzugefügt hatte. Hier drin schien sich die Geschichte von Hunderten von Völkern zu finden. Überwältigt schaute sich die Gruppe in dem großen Raum um.
    „Ihr wisst alle, wonach wir suchen“, ermahnte Bashir sie. „Sucht den Tantalus-Strahler.“
    Zwar wusste keiner von ihnen, wie dieses Gerät tatsächlich aussah, doch eigentlich musste es recht unverwechselbar sein; zumindest hofften sie dies. Ratlos wanderten sie umher, blickten sich um, betrachteten die zahllosen Gegenstände. Was nur konnte es sein? Sie alle hatten eine wage Beschreibung, wie das Gerät funktionieren sollte, aber wie es aussah wusste niemand.
    Irgendwann, nach langem Suchen, bemerkte Matthew Price einen klobigen Monitor, der einfach im Raum stand. Seine Kanten und scheinbar veraltete Bedienung passten überhaupt nicht zu den sagenhaften Reichtümern, die sich sonst im Raum befanden. Eher stand er im völligen Kontrast dazu. Ohne den anderen etwas zu sagen nährte sich der Halbbetazoid dem Monitor. Er besaß drei Knöpfe und ein Sensorfeld. Intuitiv betätigte der Söldner den linken und bemerkte keineswegs überrascht, wie der Monitor anging und ihm einen Teil des Raumes präsentierte. Scheinbar hatte er das Gerät aktiviert. Automatisch glitten seine Hände über das Bedienfeld und das Bild auf dem Monitor wanderte umher. Vermutlich war eine kleine Kamera eingebaut worden. Probeweise ließ Matthew das Bild durch den Raum wandern und blieb dann am Eingang stehen. Nicht freiwillig jedoch, denn was er auf dem Bildschirm sah gefiel ihm ganz und gar nicht. Langsam, ja geradezu ängstlich, drehte er sich herum, so als hoffe er das dargestellte sei nur eine Fata Morgana. Doch seine Hoffnungen mussten leider enttäuscht werden. Im Eingang standen tatsächlich zwei bewaffnete Cardassianer.
    „Oh nein!“ meinte Price und daraufhin drehten sich alle anderen, die ebenso überrascht waren wie der Halbbetazoid, zu den Eindringlingen.
    Der Cardassianer, ein älterer Mann mit sauber zurückgekämmtem Haar und großem Körperbau, klatschte höhnisch und grinste.
    „Ich danke ihnen“, meinte der Mann im Range eines Guls, „im Namen Cardassias und natürlich der Allianz danke ich ihnen, dass sie uns zu dieser Kammer des Reichtums geführt haben. Ohne sie und ihre gescheiten Ideen hätten wir niemals diesen Ort gefunden, geschweige denn die Sicherheitssysteme überwunden. Sehr clever von ihnen, meinen Respekt haben sie!“
    Julian Bashir blickte die Cardassianer grimmig an, in seinen Augen loderte das Feuer des Zorns. Er war nicht willens sich an nun eine Niederlage einzugestehen. So nahe waren sie dem Erfolg gekommen und nun warteten schon die finsteren Schergen der Allianz auf sie. Wie hatte man sie nur entdeckt? War ihre Mission etwa verraten worden? Eine andere Möglichkeit schien es nicht zu geben. Instinktiv dachte der Araber an Martin Lewinski. War es also doch eine schlechte Idee gewesen diesen Mann mitzunehmen? Doch Martini wirkte genauso schockiert wie alle anderen und auch machten die Cardassianer keine Anstalten ihn zu enttarnen. Obwohl es ganz sicher nicht das erste Mal wäre, dass die Allianz ihre Informanten ebenfalls aus dem Weg räumt.
    „Wie unhöflich von mir“, warf der Gul ein und lächelte wieder schmierig, „ich muss mich ja vorstellen. Immerhin sollten sie wissen, wer ihnen das Ende bereiten wird. Mein Name ist Gul Dukat. Der Name meines Begleiters hier hingegen dürfte sie nicht interessieren. Mein Kreuzer befindet sich direkt im Orbit über uns und ich muss gestehen, dass ihre Tarnvorrichtung bemerkenswert ist. Bisher waren wir nicht in der Lage sie aufzuspüren. Schade, dabei hatte ich mich so auf einen fulminanten Doppelerfolg gefreut: diese wichtige Mission sabotieren und gleichzeitig die Defiant zerstören. Nun ja, man kann nicht alles haben.“
    „Sie haben heute auch nur Pech, was?“ warf Arena Tellom zynisch ein, was bei Dukat wieder ein widerliches Lachen hervorrief.
    „Ich gebe mich auch mit einem Teilerfolg zufrieden“, entgegnete der Gul und bedeutete seinem Begleiter, der ein Phasergewehr in den Händen hielt, in Stellung zu gehen.
    „Noch irgendwelche letzten Worte, bevor es mit ihnen zu Ende geht?“
    „Vielleicht“, fragte Bashir und blickte dabei zu Lewinski, „würden sie uns sagen, wie unsere Mission enttarnt wurde?“
    Kurz dachte Dukat darüber nach und beschloss dann, dass er ihnen dies sagen würde. Es würde den ganzen Tod nur noch diabolischer machen. Er wollte ihre entsetzten Augen sehen, wenn sie die Wahrheit erfuhren:
    „Ihr tapferes Schneiderlein Edward Jellico hat sie verraten.“
    Seine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Die Anwesenden, zumindest diejenigen, die auf Terok Nor ihr Zuhause hatten, trauten ihren Ohren nicht. Der freundliche alte Mann sollte die Person sein, die alles sabotierte? Kurz spekulierte Julian, ob es sich hierbei nur um ein Ablenkungsmanöver handelte, doch dann bemerkte er den Wahrheitsgehalt in den Augen Dukats. Er konnte gut in den Augen seiner Gegenüber lesen und aus diesen verstand er, dass es sich um die Wahrheit handelte. Ausgerechnet Jellico, dem alle an Bord der Station trauten.
    „Gut, ich denke mal, dies ist es gewesen. Wenn sie nun verzeihen würden, ich möchte gerne ihrem Leben ein Ende setzen, “ grinste Dukat noch einmal und brachte seine Waffe in Anschlag.
    Es war in jenem Moment, als Price alles auf eine Karte setzte. Er hatte nur eine vage Vermutung, doch er musste diese Chance nutzen und hoffen, dass sie sich so aus ihrer Lage befreien konnten. Blitzschnell drehte er sich herum und betätigte den Knopf auf dem seltsamen Monitor, den er für den Auslöser hielt. Im nächsten Moment waren die beiden Cardassianer verschwunden. Sie hinterließen keine Überreste, keine Asche und nicht einmal ein Schmerzensschrei war ihnen über die Lippen gekommen. Ihr Ende war einfach zu schnell gekommen, als dass sie es überhaupt hätten realisieren können.
    „Scheint so“, meinte Matthew lakonisch, „als wäre dies hier der Tantalus-Strahler.“
    Überrascht, aber zweifelsohne glücklich, drehten sich die anderen Mitglieder des Außenteams in seine Richtung. Erst betrachteten sie ihren Retter, dann das sagenumwobene Gerät, weswegen sie hierher gekommen waren. Für einen kurzen Moment stiegen dunkle Gedanken in Price hoch. Mit einem solchen Gerät konnte er effektiver töten als jeder andere Konkurrent in seinem Geschäft. Sein Profit würde enorm sein. Alles, was er tun musste, war mit einem weiteren kleinen Tastendruck seine Begleiter ausschalten und dann...
    Doch seine Gedankenkette wurde von der weichen Hand unterbrochen, die sich auf seine legte.
    „Danke“, meinte Arena Tellom und ihre Augen funkelten beruhigend. Angesichts dieser netten Frau beschloss der Söldner seine Pläne noch etwas zurückzustellen. Vielleicht sollte er noch etwas Zeit mit den Rebellen verbringen und schauen, wie sich die Situation entwickelte. Man musste sich den Zeiten anpassen und für den Moment sah es so aus, als würde Matt sich noch etwas in den Dienst dieser tapferen Personen stellen.
    Schnell packten sie alle das Gerät ein und brachten es an die Oberfläche der Erde, wo sie sich alle auf die getarnte Defiant beamen ließen. Captain Bashir kehrte mit den anderen eilig auf die Brücke zurück, wo sie alle wieder ihre Stationen besetzten.
    „Das cardassianische Schiff der Galor-Klasse hat den Transfer nicht bemerkt,“ erklärte Tom Paris, der Bashir als Kommandanten vertreten hatte, „und sie haben uns auch bisher nicht gefunden. Sie sind absolut blind.“
    „Ausgezeichnet“, murmelte Bashir und konnte sich nur zu gut das Chaos an Bord des Kriegsschiffs vorstellen. Ob sie schon wussten, dass ihr Captain getötet worden war? Diese Verwirrung mussten sie zweifelsohne ausnutzen. Er würde ihnen diesen versuchten Mord heimzahlen.
    „Bereiten sie einen Angriff vor. Fertigmachen zum Fallenlassen der Tarnung!“ raunte der Araber, doch Bruce Land trat vor und packte ihn am Arm.
    „Nein!“ rief dieser.
    „Nein?“
    „Nein, du solltest das jetzt nicht tun“, erklärte sein Navigator und ließ Bashir wieder los, nachdem dessen zornige Augen ihn erschreckt hatten. „Es wäre nicht klug.“
    „Wie kann es nicht klug sein? Wir sind im Krieg und haben die Aufgabe so viele Feinde wie möglich zu töten.“
    Kurz blickte sich Land auf der Brücke um, versuchte die Empfindungen der anderen zu sondieren. Er lehnte sich mit seinen Worten sehr weit aus dem Fenster, doch irgendwie hatte er das Gefühl, dass dies sein musste.
    „Aber wir dürfen keine unnötigen Risiken eingehen. Wir müssen den Tantalus-Strahler zurück zur Station bringen. Wer weiß, was bei dem Kampf, den du planst, geschiehst.“
    Irritiert deutet Julian Bashir mit der einen Hand auf den Sichtschirm, welcher das cardassianische Schiff zeigte. Es trieb im Orbit der Erde, nichts ahnend, scheinbar wehrlos.
    „Wir sind diesem Schiff waffentechnisch überlegen und sie erwarten unseren Angriff nicht“, erklärte der Captain.
    „In einem Kampf kann alles Mögliche passieren und sie erwarten sehr wohl einen Angriff durch uns. Immerhin sind sie auf der Suche und wissen um unsere Präsenz. Bitte Julian, wir dürfen keine unnötigen Risiken eingehen. Sie werden es nicht einmal merken, wenn wir von hier verschwinden.“
    Ratlos blickte Bashir den Navigator an, dann zum Sichtschirm und dann wieder die anderen Mitglieder des zurückgekehrten Außenteams. In seinem Gesicht war deutlich abzulesen, wieso er dies vorhatte. Man hätte sie fast getötet, sie um ihren Lohn gebracht. Er verdiente eine Chance auf Rache. Rache für all das Leid, welches er erfahren hatte. Rache für die Ermordung seiner geliebten Jadzia. Wieso begriff niemand von ihnen dies?
    Martin Lewinski, die von ihm so verachtete Person, trat nun ebenfalls auf ihn zu und meinte:
    „Sie erinnern sich doch an die Wandbilder, die uns ein Imperium der Grausamkeit und Brutalität gezeigt haben. Wollen wir nicht genau dies verhindern? Wir Menschen haben uns weiterentwickelt. Lassen wir uns besser nicht mehr von Rache und Blutvergießen leiten, sondern von Vernunft. Wäre es unbedingt notwendig, ich wäre der erste, der einem Angriff nun zustimmen würde. Aber dies ist es nicht. Lassen sie uns nach dieser harten Mission nach Terok Nor zurückkehren und das Gerät dort näher studieren.“
    Angesichts dieser zweifachen Front wechselten Bashirs Augen hastig zwischen Lands und Lewinskis Gesicht hin und her. Schließlich traf er seine Entscheidung:
    „Bruce, wende das Schiff und bringe uns von hier weg. Aber vorsichtig, so dass wir nicht aufgespürt werden können.“
    „Klaro, Captain“, zwinkerte der Engländer ihm zu und begab sich an die Navigationskontrolle.
    Auch wenn dies keiner offen zugab, so waren die meisten von ihnen mehr als zufrieden mit der Entscheidung ihres Kommandanten. Vielleicht hatten sie damit den ersten Schritt getan, die erste neue Stufe zu einer neuen Menschheit erklommen. Eine, die nicht nur reiferes Denken befürwortete, sondern es auch umsetzte. Die nicht nur nach dem „Auge um Auge“ Prinzip vorging, sondern auch nachdachte. Bashirs Handlung war nur ein winziges Mosaiksteinchen gewesen, aber ein wichtiger Schritt.
    Ein Schritt in eine möglicherweise bessere Zukunft für sie alle.

    Ende


    Quelle: treknews.de
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