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...Glück im grenzenlosen Sein
  • Voyager9 - 9x05: Le masque du bateau

    Die Maske des Schiffes
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    • TheOssi
    Während des Angriffs eines Romulanischen Forschungsschiffes auf die Voyager, bei dem das Föderationsraumschiff schwer beschädigt wird, taucht plötzlich ein Föderationsschiff voller Hologramme auf und rettet die Voyager... Der Doktor ist natürlich fasziniert von dem Gedanken, dass Hologramme ein Schiff allein führen könnten. Janeway gewährt ihrem Doktor etwas Urlaub bei den Hologrammen. Doch schon bald findet man heraus, dass die Hologramme ein falsches Spiel spielen...

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    09x05 Voyager9 - Le masque du bateau
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    Prolog


    „Die Schilde halten bei zwanzig Prozent!“, meldete Commander Tuvok dem ersten Offizier.
    „Sie antworten immer noch nicht auf unsere Rufe und feuern weiter, Commander!“, merkte Harry Kim, der an der OPS stand, an.
    Eine Reaktion Chakotays ließ nicht sehr lange auf sich warten: „Ausweichmanöver, Crewman!“, forderte dieser nun Tema’na auf und berührte fast gleichzeitig die Schaltfläche seines Kommunikators. „Chakotay an den Doktor, wo bleiben Sie? Der Captain ist verletzt.“
    „Ich bin schon auf dem Weg Commander.“
    „Gut, bringen Sie ein paar Leute mit, wir haben hier einige... aaaarrrrg!“ Chakotay konnte seinen Satz nicht beenden, denn einige Relais explodierten und rissen ihn aus dem großen bequemen Kommandosessel. Er blieb regungslos liegen.
    „Lieutenant Kim an den Doc, beeilen Sie sich, Chakotay ist bewusstlos...ich... aaarrrgg!“ Aber auch Harry war es nicht möglich sich noch weiter mit dem Doktor zu unterhalten. Bei einer weiteren Erschütterung verlor er das Gleichgewicht und schlug mit dem Kopf am obigen Geländer der Brücke auf.
    „Lieutenant? Mr. Kim, antworten Sie! Hallo, ist dort noch jemand?“ Es dauerte einige Zeit, bis das MHN eine Antwort bekam. Doch schließlich meldete sich Tuvok über Interkom.
    „Doktor, hier spricht Commander Tuvok. Ich und Tema’na sind die einzigen, die noch bei Bewusstsein sind. Ich werdz...zzzzd...zzzzzzsch.“
    Stille. Die Kommunikation war vorübergehend ausgefallen, denn eine heftige Explosion durch einen Torpedoeinschlag ließ die Voyager erschüttern.
    Endlich hatte der Doktor zusammen mit zwei Sanitätern die Brücke erreicht, welche sich gleich um einen Teil der verletzten Crewmitglieder kümmern konnten, doch es waren einfach zu viele.
    Tema’na saß an der Steuerkonsole und flog weiterhin gekonnt Ausweichmanöver. „Das wurde Zeit, Doktor! Wurden Sie aufgehalten?“
    Das MHN verteidigte die Verzögerung. „Wir sind so schnell gekommen, wie wir konnten. Aber es kamen immer mehr Verletzte auf die Krankenstation...“
    „Der Vulkanier hat, glaube ich, Verbrennungen erlitten. Wenn Sie unbedingt möchten, kümmern Sie sich um ihn! Es gibt hier schließlich noch genügend Andere, die Ihre Hilfe benötigen.“
    Tema’nas diskriminierender Ton gegenüber Tuvok gefiel dem Doktor ganz und gar nicht, aber er ließ sich nicht beirren und versuchte sofort dessen Verletzungen zu behandeln. „Er hat Plasmaverbrennungen zweiten Grades! Mr. Grinch, Hautregenerator, schnell!“
    Der medizinisch gut ausgebildete Fähnrich half dem Chefarzt der Voyager so gut er nur konnte, aber die Verbrennungen vermochten vor Ort nicht behandelt zu werden. „Er muss auf die Krankenstation...“
    Aber der Sicherheitschef protestierte und hob geschwächt durch seine Blessuren die Hand. „Nein, Sie brauchen mich an der taktischen Konsole, Doktor.“
    „Ich brauche Sie?“
    „Ja, als der zurzeit ranghöchste Offizier auf der Brücke übergebe ich Ihnen vorübergehend das Kommando!“
    Der Doktor bekam das Kommando? Er hatte doch noch so viele Patienten! Außerdem wusste er ja nicht einmal, was überhaupt los war und blickte Tuvok fragend an. „Was geschieht hier eigentlich?“
    „Wir werden von einem Romulanischen Forschungsschiff angegriffen. Wir verlieren kostbare Zeit, Doktor. Aktivieren Sie das Kommandierende Holographische Programm für den Notfall!“
    Etwas zögernd gab der Doktor ein kurzes Nicken von sich und ließ von seinem vulkanischen Patienten ab. „Also schön... Computer, das Kommandierende Notfall Hologramm aktivieren!“
    Es war unbeschreiblich anzusehen, der blaugrüne Kragen und die gleichfarbigen Ärmelstreifen der grauen Uniform des MHNs wechselten zu einem würdigen Rot. Am Kragen selbst tauchten nacheinander vier Ranganstecker auf, eine unschöne weitere Erschütterung allerdings unterbrach das stolze Bild des jetzigen KNHs.
    Tema’nas Stimme folgte der Unruhe. „Das war’s, die Schilde sind unten. Wir sind schutzlos, außer...“
    „Was außer?“, unterbrach das KNH Tema’na.
    „Sie sollten Commander Barclay nach den neuen Multiphasenschilden fragen, jedoch fürchte ich...“
    Aber der holographische Doktor, der nun als Kommandant fungierte, ließ die Steueroffizierin nicht ausreden und versuchte Kontakt mit dem Maschinenraum herzustellen. Zum Glück war die Kommunikation nicht all zu mitgenommen, sodass eine Verbindung von der Brücke nach Deck elf noch möglich war. „Maschinenraum bitte kommen. Mr. Barclay, was ist mit diesen Schilden? Wir könnten sie jetzt gut gebrauchen.“
    „Hier spricht Barclay, Doktor, sind Sie das etwa? - Na egal. Ich hoffe, Sie meinen damit nicht meine experimentellen Multiphasenschilde! Ich habe sie noch nicht testen können. Sie jetzt einzusetzen könnte schwere Folgen für Schiff und Crew haben.“
    „Wieso das denn?“
    „Na ja, sollten Sie nicht perfekt funktionieren, wird eine Art Kettenreaktion ausgelöst. Lebenserhaltung, Antrieb, Waffen...alles wird ausfallen, von Hüllenbrüchen mal g-ganz abgesehen.“
    Tema’na drehte sich zum KNH. „Es liegt bei Ihnen, Captain. Ohne Waffen können wir uns nicht mehr verteidigen.“
    Das sonst nur sehr selten kommandierende Hologramm musste überlegen, denn seit die Schutzschilde ausgefallen waren, hatten die Angreifer nicht mehr auf sie gefeuert. „Also gut, bereiten Sie die Aktivierung vor, Reg. Commander Tuvok, können Sie mich hören? Tuvok?“
    Aber der Sicherheitschef hatte das Bewusstsein schon vor Minuten verloren. „Computer, alle verfügbaren Waffen laden und auf das feindliche Schiff ausrichten. Feuern, sobald die Multiphasenschilde aufgebaut worden sind.“ Das eigentliche MHN des Typs I blickte gebannt auf den Bildschirm. „Mr. Barclay, Schilde aktivieren!“

    ***


    Nichts funktionierte mehr auf der Brücke. Dichter Rauch umhüllte den größten Teil der oberen Ebene.
    Das KNH fand sich unter einem Berg von heruntergefallenen Deckenverkleidungen wieder. Es rappelte sich auf, richtete seine Uniform gerade und versuchte den Rest der Brückenoffiziere auszumachen. „Computer, Schadensbericht!“
    Der Bordcomputer gab ein leises Zirpen von sich und wurde aktiviert. „Lebenzzz...haltungsystem ausgzzz...len.“ Und ein weiteres leiseres Zirpen ließ ihn darauf wieder verstummen.
    „Kommandierendes Notfall Hologramm an Krankenstation... KNH an Maschinenraum...kann mich irgendjemand hier hören?“
    Aber anstatt eine Antwort der Crew zu bekommen, erhielt er eine andere: Mehrere Konsolen verkündeten einen Annäherungsalarm.
    „Computer, ich dachte, wir hätten das Schiff zerstört. Wer ist das?“ Und noch ein klägliches Zirpen und eine unverständliche Antwort reagierten auf die Frage. „Registriere Födera...zzzschiff unbekanntzzz.“
    Kurz darauf materialisierte ein im Sternenflottendress gekleidetes Außenteam auf der Brücke. Die meisten derer, die gekommen waren, trugen medizinische Uniformen. Sofort halfen sie Fähnrich Grinch und dessen Kollege beim Verarzten aller übrig gebliebenen verletzten Crewmitglieder und beamten mit ihnen auf die Krankenstation der Voyager.
    Einige Techniker, die den Rest des Außenteams bildeten, stellten die Lebenserhaltung wieder her. Einer davon erkannte das jetzt doch sehr verwirrte KNH. „Ich werde verrückt, Lewis Zimmermans erstes Programm! Wie alt ist dieses Schiff? Was machen Sie in einer roten Uniform? - Nennen Sie Rang und Funktion!“
    Der Chefarzt der Voyager wusste nicht so recht, was er darauf nun antworten sollte. „Ähm, Holographisches Kommandierendes Programm für den Notfall, vorübergehender Kommandant der U.S.S. Voyager NCC-74656-A und deren leitender Arzt...äh und Sie?“
    „Ich, also das ist eine längere Geschichte. Kommandant hä? - Na ja, ich gratuliere, Sie haben die Romulaner in die Flucht geschlagen. Um Ihre Frage zu beantworten, also sagen wir mal, wir sind der Beistand in der Not! Treffen wir uns doch im Konferenzraum Ihres Schiffes, da erzähle ich Ihnen dann mehr.“
    „In Ordnung, um die Verletzten kümmern sich, das nehme ich mal an, Ihre Kollegen?“
    Die Frage wurde mit einem Nicken bestätigt.

    Im Konferenzraum hatten sich mittlerweile mehrere Mitglieder des fremden Außenteams zusammengefunden und unterhielten sich mit dem KNH, das folglich sein Programm noch nicht deaktiviert hatte. „Ich sollte jetzt wirklich auf die Krankenstation gehen, schließlich bin ich...“
    Aber er wurde von dem Techniker, der sich zuvor als Lieutenant Sammy Richards vorgestellt hatte, unterbrochen. „Ich sagte doch, unsere Leute machen das schon. Wenn sie fertig sind, beamen sie zurück auf unser Schiff. Lehnen Sie sich ganz einfach zurück und lassen Sie uns die Arbeit machen. Also ehrlich äh...Captain, das war eine ganz schön riskante Entscheidung, die Sie da für Ihre Crew trafen, aber wie es aussieht, war’s die Richtige. Ich meine das Risiko einzugehen, ungetestete Schilde in einem Gefecht einzusetzen, das haben Sie wirklich gut gemacht. Wir sind schwer beeindruckt.“
    „Nun danke, aber das ist zu viel der Ehre, denn ausgeführt hat es ja unser Chefingenieur, Lieutenant Commander Reginald Barclay.“
    „Aber warum denn so bescheiden? Die Schilde zu aktivieren ist doch gar nichts, aber den Befehl dazu zu geben, das schon.“
    „Ach was. Sagen Sie mir lieber, weshalb Sie alle ohne Atemschutzgeräte auf die Voyager gebeamt sind und wie Sie so überleben konnten. Soweit ich mich erinnere, war die Lebenserhaltung doch ausgefallen.“
    Der Lieutenant antwortete darauf sehr selbstsicher. „Tja, genau so, wie Sie bei einer Atmosphäre ohne genügend Sauerstoff überleben können. Ganz einfach, indem Sie eine holographische Lunge haben.“
    Das KNH staunte nicht schlecht, als es diesen Satz hörte. Ein Außenteam der Sternenflotte bestehend aus Hologrammen? „Was sagen Sie da? Na das ist unglaublich, lassen Sie mich raten, es gibt nicht einen Humanoiden an Bord Ihres Schiffes, richtig?“ Der Doktor war auf die richtige Spur gekommen und Richards fing an zu berichten...

    Inzwischen wurden die ersten Patienten von der Krankenstation, welche sich bei der Voyager-A auf dem dritten Deck befand, wieder entlassen.
    Captain Janeway erwachte durch ein Hypospray, das ihr eines der fremden Hologramme verabreichte, aus einem unruhigen Schlaf. Sie blickte dem medizinischen Offizier ins Gesicht und rieb sich die Augen, da sie dachte schon Halluzinationen zu haben. Doch es bestätigte sich das Gegenteil. „Ah, Captain Janeway, die Kommandantin des Raumschiffs Voyager, nehme ich an. Und?“
    „Was und?“, entgegnete Janeway dem ungehaltenen Fremdling.
    „Und, hab ich Recht? Sie sind doch der Captain, oder?“
    Janeway richtete sich auf, da sie dachte so mehr Autorität ausstrahlen zu können. „Das haben Sie! Dürfte ich wohl freundlicher Weise erfahren, wer Sie sind?“ Dem Captain kam der Mediziner lächerlich vor, wo war der bloß her, was war eigentlich passiert und was war mit dem angreifenden Schiff geschehen?
    „Natürlich, darf ich mich vorstellen, das Medizinische Holographische Notfallprogramm XI Alpha vom Föderations-Holoschiff U.S.S Ambroise Pare, Registriernummer NX-0928.“
    Diese Aussage hatte Misstrauen erweckt, ein Holoschiff der Föderation? Wieso wusste Janeway nichts davon? Erst vor wenigen Monaten, als die Voyager im Alpha-Quadranten eintraf, hatte sie sich mehrere Logbücher verschiedener Raumschiffe der Flotte durchgelesen um aktuelle Geschehnisse, welche die Sternenflotte betrafen, in Erfahrung bringen zu können. Darunter existierte ein Eintrag über ein tatsächliches Föderations-Holoschiff, das anscheinend dazu bestimmt war ein Volk, die Ba’ku, von ihrem eigenen Planeten umzusiedeln. Der Komplott, der nicht nur von den Son’a ausging, konnte glücklicherweise durch die Enterprise E unter Captain Picards Kommando aufgedeckt und verhindert werden.
    „Nie gehört“, klärte Janeway das MHN XI Alpha auf, das schon mit seinem nächsten Patienten zu tun hatte. Aber der Captain ließ sich nicht abwimmeln. „Ich nehme an, auf ihrem Schiff gibt es nicht nur Hologramme, oder?“
    „Was, ah, Captain, ich dachte, wir hätten unser Gespräch schon beendet“, antwortete ihr die holographische Projektion.
    ‚Definitiv ein MHN’, schlussfolgerte Tuvok, der dessen Verhalten die ganze Zeit über genauestens studiert hatte. Genau wie Janeway war er nun schon stundenlang auf der Krankenstation, nachdem seine Plasmaverbrennungen größtenteils verarztet worden waren. Er hatte aber erst vor wenigen Augenblicken das Bewusstsein wieder erlangt und in dieser Zeit zufällig die Konversation Janeways mit angehört. Er kam zum Entschluss sich nun bemerkbar zu machen. „Captain!“
    „Ah, der Vulkanier ist soeben erwacht.“ Dies jedoch hatte nicht Captain Janeway ausgesprochen, sondern das MHN des Typs XI Alpha, das neben dem Vergleichsmodel der Voyager einen ziemlich unfreundlichen Eindruck machte.
    „Entschuldigen Sie“, konterte nun Janeway, „aber ich denke mein Sicherheitschef hatte sich mit ‚Captain’ allein auf mich bezogen.“
    Da dies also geklärt war, fing das Hologramm an von der Ambroise Pare und dessen Fähigkeiten zu berichten. Es war, so erzählte es das MHN, ein bescheidenes Mittelklasseraumschiff, ein Prototyp der Sternenflotte, das an die Größe der Intrepid-Klasse wohl nicht heranreichte und dessen technische Fähigkeiten jedoch weit überlegen zu sein schienen. Der größte Teil des Schiffes war automatisch programmiert worden. Es gab eine Menge Offiziere mit medizinischem Wissen, einige Techniker, jedoch niemand, der kommandierte und... es gab keine biologischen Wesen. Auch erwähnte das MHN XI Alpha die Heldentaten des Doktors der Voyager in ihrer misslichen Lage des Gefechts mit den Romulanern.
    „Danke jedenfalls für die Unterstützung Ihrer Crew. Ich werde jetzt auf die Brücke gehen. Commander Tuvok wird mich begleiten!“, gab Janeway dem Hologramm unmissverständlich zu verstehen und begab sich trotz dessen heftigen Protest, was ihre und der Tuvoks gesundheitliche Verfassung anbelangte, mit ihrem Sicherheitschef in den nächsten Turbolift. „Also, was denken Sie?“, fragte sie ihn dort.
    „In Bezug auf was? – Der Doktor hat, denke ich, eine Belobigung verdient. Ich hatte ihm den Befehl gegeben die Voyager zu kommandieren. Er hat dies zufrieden stellend gemeistert, deshalb schlage ich eine Art... Beförderung vor.“
    „Das meinte ich zwar nicht, aber Ihr Vorschlag gefällt mir! Nein, in dem Fall nahm ich Bezug auf die Geschichte unseres vermeintlichen MHNs auf der Krankenstation.“
    Tuvok drehte sich mit ernster Miene zu seiner Vorgesetzten. „In dem Fall schlage ich vor zuerst mit dem Doktor darüber zu sprechen, vielleicht weiß er ja schon mehr. Ehrlich gesagt, halte ich es für unwahrscheinlich, dass diese Offiziere tatsächlich einem holographischen Schiff der Sternenflotte angehören, jedenfalls war mir Entsprechendes bisher noch nicht bekannt.“
    Der Lift hielt und die Türen glitten zur Seite.

    Captain Janeway betrat mit Tuvok die Brücke, auf der sich das KNH angeregt mit den anderen Hologrammen unterhielt. Noch rechtzeitig bemerkte es, dass der ‚wahre Captain’ nun sein Territorium beanspruchte. Deshalb beendete er ohne zu zögern das Programm des Kommandierenden Notfall Hologramms.
    „Aber Doktor, das hätten Sie jetzt nicht tun sollen, nur weil ich hier aufgetaucht bin“, gab Janeway dem MHN I zu verstehen.
    „Der Captain und ich besprachen soeben, dass wir offiziell vor der gesamten Crew der Voyager ein Lob für Ihr beispielhaftes Verhalten aussprechen werden“, fügte der spitzohrige Sicherheitschef hinzu.
    Janeway näherte sich dem Doktor um ihm die Hand zu schütteln und um so ihrer Anerkennung mehr Ausdruck zu verleihen.
    „Ich danke Ihnen, Captain, Tuvok! Aber ich fürchte, dass bei meinem Kommando einige Systeme des Schiffs ziemlich stark in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Der Maschinenraum meldet einen schiffsweiten Systemausfall. Der Hauptschirm ist ausgefallen und die internen Sensoren sowie Lang- und Kurzstreckenscanner funktionieren noch nicht.“
    „Das kriegen wir schon hin, Doktor! Gute Arbeit!“ Diese Stimme gehörte weder Captain Janeway, noch Tuvok. Es war die von Chakotay, der sich heimlich von der Krankenstation davongemacht hatte. Der Commander stellte sich nun in Funktion des ersten Offiziers in Rednerpose. „Man sagte mir, dass wir von einem Föderationsschiff gerettet oder zumindest unterstützt worden sind.“
    Damit hatte Chakotay Recht und der Doktor sagte nun alles, was er über die Ambroise Pare und deren Crew wusste.
    Als er damit fertig war, äußerte sich der Captain dazu. „Ja, so in etwa hat es uns das MHN XI Alpha auch erklärt. Fragt sich nur, ob...“ Sie konnte ihren Gedanken nicht zu Ende führen, denn offensichtlich war es Zeit für die holographischen Besucher zu gehen.
    „So“, verkündete Richards, der es versäumt hatte sich dem Captain vorzustellen, „wir müssen zurück auf unser Schiff. Die Energie unseres Emitterstrahles muss neu aufgeladen werden.“
    Er hatte die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt, die Führungsoffiziere der Voyager schauten ihn verwundert an. Emitterstrahl?
    Der Doktor, der bereits darüber bescheid wusste, beschloss Stellung dazu zu nehmen. „Auf die Außenteams der Ambroise Pare wird ständig eine Art Breitbandstrahl gerichtet, der es ihnen ermöglicht, dass sie sich fast überall hin begeben können. Schließlich sind sie ja ’nur’ Hologramme. Der Emitterstrahl bringt die gleiche Leistung wie mein Mobiler Emitter auch, nur dass dessen Energie nicht unter mehreren Hologrammen gleichzeitig aufgeteilt werden kann. Die des Strahls schon. Brillant, was?“
    „Höchst...interessant“, argumentierte Tuvok, der nach dem wahren Kern der Aussage des Docs suchte.
    „Das ist es in der Tat“, antwortete Richards darauf. „Ach Doktor, wenn Ihr Captain nichts dagegen haben sollte, dann kommen Sie doch einfach nach, wann immer Sie wollen.“
    Dies war eine verlockende Einladung auf das Holoschiff Ambroise Pare, so musste sich der Doktor nicht lang überreden lassen. „Ja also, wenn Sie meinen, ich würde mich natürlich sehr geehrt fühlen, aber vielleicht gehen Sie jetzt erst einmal besser!“
    „Ja, Sie haben Recht, wir müssen jetzt wirklich los. Richards an Ambroise Pare, das Außenteam zurückholen!“ Kurz danach waren auch schon alle Hologramme mit Ausnahme des Doktors verschwunden.
    „Also, ich bin einverstanden Doktor. Aber ich muss Ihnen dringend raten auf sich aufzupassen.“ Die Aussage Janeways war für den Doktor einfach unbegreiflich.
    „Aber wieso das denn, Captain? Das sind Sternenflottenoffiziere, wie wir auch. Wieso sollte ich auf mich aufpassen müssen? Darauf, dass es sich bei der Crew um Hologramme handelt, dass ich mich ihnen womöglich anschließen und erneut aus Existenzwahn gegen die Hirogen kämpfen könnte, ist es das, Kathryn?“ Der Doktor sprach dies in einem höchst erregten Tonfall aus. Er dachte wirklich, dass Captain Janeway ihn ermahnte, weil sie ihm nach seinem kleinen Ausrutscher, den er sich damals im Delta-Quadranten geleistet hatte, nicht mehr vertrauen würde. Dabei bemerkte er nicht, dass er sich erstens irrte, da Janeway nur am Wohlbefinden des Doktors interessiert war, und zweitens seinen Captain unüberlegter weise bei ihrem Vornamen nannte.
    Eine derartige Verhaltensweise konnte sich Janeway nicht gefallen lassen und verlangte ihre Defensive: „In meinen Raum!“

    ***


    COMPUTERLOGBUCH DER VOYAGER
    CAPTAIN JANEWAY
    STERNZEIT 56146,0
    Der Doktor ist nach längerer Diskussion mit mir, was den Umgang eines Crewman mit seinem Vorgesetzten anbelangt, nun doch auf das Holoschiff U.S.S Ambroise Pare gebeamt worden. Erfreulicherweise funktionierten unsere Transporter noch, was man vom Rest des Schiffes nach dem Kampf mit den Romulanern nicht behaupten kann. Denn außer dem Impuls- und Warpantrieb sind die meisten Systeme stark beschädigt worden. Ich gab Crewman Hansen den Befehl mit der Sternenflotte in Verbindung zu treten, um sich über das uns unbekannte Föderationsschiff zu erkundigen. Doch momentan ist auch die Kommunikation auf ein Minimum beschränkt, sodass ein Kontakt bisher nicht möglich war.


    „Herein!“, forderte Janeway den vor der Tür stehenden auf. Und dieser war niemand Geringeres als Chakotay, der von vornherein den Hologrammen gegenüber misstrauisch gewesen war.
    Mit dieser Meinung stand er bei weitem nicht allein da. Er hätte einem ‚Hausbesuch’ des Doktors auf der Ambroise Pare niemals zugestimmt. „Captain, ich...“
    „Ich weiß, was Sie sagen wollen. Ich hätte den Wünschen des Doktors nach der Respektlosigkeit mir gegenüber nicht nachkommen sollen. Ich hätte ihn danach nicht auf die Ambroise Pare schicken sollen. Wollten Sie mir das etwa sagen?“
    „Nein. Zugegeben, der Doc hat etwas überreagiert, aber das muss man nach dem, was er heute durchgemacht hat, verstehen. Es war falsch ihn hinüber zu schicken, nicht weil er es nicht verdient hätte, sondern weil es gefährlich für ihn werden könnte. Wir haben keine Ahnung, was auf diesem Schiff los ist. Geben Sie’s zu, Kathryn, Sie trauen denen da drüben genauso wenig wie ich.“
    Während der Captain ihrem ersten Offizier aufmerksam zuhörte, replizierte sie sich einen Café au Lait nach einem alten französischen Rezept. Den Schwarzen hatte sie für heute satt. „Scheußlich!“
    „Wie bitte, Captain?“, fragte Chakotay etwas beleidigt, da er sich angesprochen fühlte.
    „Oh, Verzeihung. Ich meinte nicht Sie, Commander, sondern dieses Gesöff hier. Die Replikatorsysteme müssen nach dem Kampf beschädigt worden sein... Sie haben Recht, ich traue denen kein bisschen. Eine absurde Geschichte, aber wir müssen herausbekommen, was dort vor sich geht. Deshalb habe ich den Doktor gewähren lassen, er geht davon aus, dass die Hologramme die Wahrheit sagen. Und wenn sie es nicht tun, so können wir den Doktor jederzeit erfassen, er hat ja seinen Mobilen Emitter bei sich.“
    „Also schön, aber Sie sollten ihm befehlen, dass er sich regelmäßig bei uns melden soll, nur um ganz sicher zu gehen. Vielleicht irren wir uns ja auch und diese ‚absurde Geschichte’ ist tatsächlich war.“
    Nach der Bestätigung seines Captains verließ Chakotay wieder den Bereitschaftsraum und kehrte auf die Brücke zurück.

    Währenddessen wurde der Doktor von einer weiblichen Offizierin, die wohl ebenfalls ein Hologramm war, im Schiff herumgeführt. „Und dies sind die Aufenthaltsräume. Hierher begeben sich die Meisten, wenn sie nichts mehr zu tun haben und einfach entspannen wollen.“
    „Ah, das heißt, auch hier bekommen photonische Lebensformen ihre gewisse Freizeit.“
    „Oh ja, was dachten Sie denn, Doktor. Nur weil wir keine Menschen sind, heißt das nicht, dass wir keine menschlichen Bedürfnisse hätten. Trotzdem nimmt hier jeder seine Aufgaben und Pflichten ernst, genauso wie Sie. Ich habe gehört, was auf der Voyager passierte. Sie sind sehr heldenhaft.“
    „Ach nein, fangen Sie doch nicht immer gleich alle an mir zu schmeicheln. Verraten Sie mir doch lieber Ihren Namen. Oder reden sich hier alle mit ‚MHN zweiundfünfzig’ oder mit ‚Technisches Holographisches Programm achtzehn’ an?“
    „Nein“, die hübsche Photonische fing an zu lachen, „anders als Sie haben wir welche. Mein Name ist Lieutenant Alishia Cavour und ich bin das MHN Typ XV auf diesem Schiff. Es wird Sie überraschen, aber nicht ein Hologramm hier ähnelt dem anderen.“
    Der Doktor hatte sich mit Alishia auf einer Couch niedergelassen. Seltsam, er musste genau in diesem Augenblick an die Situation denken, als er seinem Nachfolger, dem MLH, also dem Medizinischen Langzeit-Hologramm, begegnet war. Einmal diesen Gedanken erfasst, musste er auch sofort davon erzählen.
    Alishia hörte, sichtlich angetan von dem, was ihr das MHN I mitteilte, konzentriert zu.
    „... damals sollte ich ganze 60.000 Lichtjahre durch die Galaxis reisen, da wir uns ja noch im Delta-Quadranten befanden, um die U.S.S Prometheus von der feindlichen Übernahme der Romulaner zu schützen. Dieses Schiff war zu der Zeit die neueste Errungenschaft der Sternenflotte, weshalb die ja auch so interessiert an der Technik der Prometheus waren. Die regenerativen Schutzschilde, die neuen Phasersysteme und...“
    „Na, und?“, hakte Alishia nach.
    „...und natürlich den Multivektor-Angriffsmodus, die tödliche Waffe der Prometheus.“ Voller Eitelkeit übertrieb es der Doktor beim Reden ein wenig mit der Genauigkeit der damaligen Ereignisse, aber das ließ er sich nicht anmerken. Er war gerade so richtig in seinem Element. „...und wen fand ich vor? –Das MLH, das so ängstlich war, dass es von mir wieder deaktiviert werden wollte. Schließlich hatten wir die Romulaner überlisten können, indem ich eine geringfügige Überlastung der Gondelspulen herbeiführte...“
    Es ging noch Minuten so weiter, dem Doktor wollten die Gesprächsthemen einfach nicht ausgehen.
    Dass Alishia die Aufgabe hatte ihn herumzuführen, vergaß sie völlig, denn er wickelte sie beim Reden förmlich ein.
    „Wieso eigentlich ‚Ambroise Pare’?“, wollte der Doc wissen, „Ich meine, wie kam man auf diesen Namen?“
    „Unser Schiff ist nach dem französischen Chirurgen Ambroise Pare benannt worden, weil dieser im 17. Jahrhundert der Erde 25 Jahre lang über Schlachtfelder zog, auf denen Soldaten Frankreichs während eines Kampfes verwundet worden waren, um sie zu verarzten. Dabei riskierte er mehr als nur einmal sein eigenes Leben. Er ist unser großes Vorbild.“
    „Aha, verstehe. In unserem Fall kommt das dem Angriff der Romulaner auf die Voyager sehr nah, nicht? Wären Sie nicht gewesen, hätte ich jetzt vermutlich eine Krankenstation voller Schwerverletzter.“
    „Wir haben getan, was unsere Bestimmung ist. Das, was Monsieur Pare auch getan hätte: Allen Verletzten zu helfen, auch wenn man sich dabei in Gefahr begibt.“
    „Ein wahrhaft ehrenwerter Mediziner. Nun, ich selber ziehe Hippokrates vor, er ist sozusagen der Vater der Medizin und mein persönliches Vorbild. Schließlich hat er das gesamte Heilwesen der Erde vom Aberglauben befreit.“

    Während man sich auf dem Holoschiff weiterhin angeregt unterhielt, berieten sich Crewman Hansen und Captain Janeway in der Astrometrie darüber, wie man dem Sternenflottenkommando eine Nachricht zukommen lassen konnte.
    „Eine Zweiwegekommunikation war uns bisher nicht möglich. Ein Teil davon ist es allerdings schon“, stellte Annika als gegeben fest. „Wir können also keine für den Empfänger verständlichen Botschaften senden, jedoch einwandfrei empfangen“, fügte sie noch hinzu.
    Der Captain suchte derweil nach einer alternativen Lösung. „Annika, was meinen Sie mit ‘nicht verständlich’? Könnte die Sternenflotte überhaupt etwas von uns empfangen?“
    „Ja, aber sie würde, wie gesagt, nichts damit anfangen können. Es wäre für ihre Sensoren üblicher Datenmüll, der ebenso gut auch von irgendwelchen Pulsarsternen in Folge dessen Strahlung ausgehen könnte.“ „Annika, überlegen Sie genau, gibt es eventuell noch eine andere Möglichkeit?“
    „Vielleicht!“ Crewman Hansen bediente einige Kontrollen und hatte anscheinend etwas gefunden. „Wir könnten der Sternenflotte eine Binäremission durch den Subraum zukommen lassen.“
    „Eine binäre Emission?“, wiederholte Janeway, „Meinen Sie damit so eine Art Morsealphabet durch das All?“
    „So könnte man es auch bezeichnen. Diese Form der Übertragung ist sehr primitiv, sodass sie von unseren Kommunikationssystemen in ihrer gegenwärtigen Verfassung problemlos durchgeführt werden kann.“
    „Großartig, hoffen wir nur, dass derjenige, der unsere primitive Nachricht empfängt, diese auch als solche erkennt.“
    „Das wird kein Problem sein, die Systeme von Föderationseinrichtungen sind dafür ausgestattet. Wir sollten uns lieber Sorgen um den Inhalt machen, viel Platz für lange Erklärungen haben wir in der Mitteilung nicht. Außerdem wird die Übertragung viel Zeit in Anspruch nehmen.“
    „Gut“, Janeway fasste auf Annikas Schulter und ging dann in Richtung der Tür. „dann schlage ich vor, dass wir so schnell wie möglich damit beginnen. Ich bin auf der Brücke, mal sehen ob der Schirm inzwischen wieder funktioniert, was höchstwahrscheinlich nicht der Fall sein wird. Beginnen sie so schnell wie möglich. Die Binäremission hat höchste Priorität.“ Janeway trat aus und die Türen des Astrometrischen Labors schlossen sich.

    „Räumen Sie das bitte weg!“, befahl Commander Chakotay einem jungen Crewman, der sonst nichts zu tun hatte, weil er durch die Fehlfunktionen auf der Voyager nicht an seiner gewohnten Station arbeiten konnte.
    Er führte die Befehle des ersten Offiziers aus und hob einige Trümmerstücke, die während des Gefechts heruntergefallen waren, vom Boden der Brücke auf um sie zu entsorgen. ‚Schade’, dachte er bei sich, ‚sie waren so neu!’
    Es gab insgesamt nur einen technisch bewanderten Offizier auf dem Deck 1. Er war der Einzige, den Lieutenant Commander Barclay aus seinem Stab entbehren konnte. Trotzdem würden die Reparaturen noch eine ganze Weile dauern.
    Die Taktik, sowie die OPS waren noch außer Betrieb. Nur die Steuerung und der Antrieb funktionierten als einzigstes völlig normal.
    Ein Glück für Tema’na, die jetzt zwar nicht einfach mit der Voyager davonfliegen durfte, aber durchaus jeder Zeit dazu in der Lage war.
    In diesem Moment erreichte Captain Janeway mit dem Turbolift die Brücke um sich zu vergewissern, ob der Hauptschirm wieder funktionstüchtig war: Er war’s natürlich nicht!
    „Captain auf der Brücke!“, kommentierte der junge Crewman, der immer noch die Trümmerstücke in den Händen hielt und sich nun kerzengerade aufstellte.
    Harry Kim konnte sich ein Lachen nicht verkneifen und schielte schmunzelnd zu seinen Captain hinüber.
    „Rühren, Crewman!“, befahl diese mit ernstem Unterton, denn die Situation war alles andere als scherzhaft! Bekanntermaßen war die Voyager in ihrem derzeitigen Zustand ein Invalide im Weltraum. „Irgendwelche Fortschritte, Commander?“
    „Nein Captain“, musste sich Chakotay entschuldigen, „Mr. Barclay tut, was er kann. Aber er sagte mir, dass die Primärsysteme der neuen Voyager bei der Aktivierung der Multiphasenschilde zu stark beansprucht worden waren und deshalb nacheinander ausfielen. Dazu kommt, dass diese neuen Systeme in ihrem Energiekreislauf voneinander abhängig sind! Kaum hatte Reg eine Komponente repariert, fiel eine andere aus.“
    „Dann lassen Sie ihn den Energiefluss umstrukturieren, damit bei einer künftigen Überlastung nicht mehr das ganze Schiff den Geist aufgibt! Was haben sich diese Konstrukteure nur dabei gedacht?“
    „Ich werde Sie bei Gelegenheit daran erinnern sich bei den Utopia Planetia Flottenwerften zu beschweren“, beantwortete Janeways erster Offizier die Frage sarkastisch.
    „Mr. Barclay wird das allein nicht schaffen!“, merkte Tema’na an. „Wir haben einfach zu wenig Techniker auf der Voyager. Wieso bitten wir nicht die Crew der Ambroise Pare darum uns ein paar Leute rüberzuschicken?“
    Dem Captain und auch Chakotay gefiel diese Idee nicht, denn sie waren ja froh, dass diese Hologramme endlich runter von der Voyager waren.
    ‚Apropos Hologramme’, überlegte Janeway: „Harry, ist der Doktor schon wieder hier?“
    „Nein, noch nicht Ma’am! Aber er hat sich pünktlich wie vereinbart bei uns gemeldet.“
    „Rufen Sie ihn, er soll sofort zurückkehren! Ich will endlich wissen, was da vor sich geht!“ Janeway betrat erneut den Turbolift und winkte dabei ihrem ersten Offizier. „Chakotay, Sie haben bis auf weiteres die Brücke oder dem, was davon noch übrig ist! Ich bin auf der Krankenstation... Computer, Deck drei.“

    „Müssen Sie denn schon gehen, Doktor?“
    „Ja, man erwartet mich zurück. Auf der Voyager gibt es Arbeit für mich. Ich hoffe, dass wir keine Patienten mehr haben, die unmittelbar in Lebensgefahr schweben. Deshalb muss ich mich vergewissern.“
    „Öffnen Sie doch ganz einfach einen Kanal zur Voyager und sagen Sie, dass es länger dauert.“ Alishia tat alles daran den Doktor auf keinen Fall gehen zu lassen, jedoch blieben ihre Versuche ohne den erhofften Erfolg.
    „Ich wurde bereits zurück beordert! Hören Sie, ich habe Pflichten auf der Voyager, die ich unmöglich... ach, begleiten Sie mich ganz einfach zum Transporterraum.“
    Sie gingen nun den langen Gang zurück, den der Doktor, als er zum ersten Mal die Ambroise Pare betreten hatte, gekommen war. Was war das für eine Schiffsbesichtigung gewesen? – Sie dauerte zwar lang, jedoch hatte der Doktor nicht einmal die Brücke betreten, sondern war mit Alishia auf nur einem Deck hin und her gelaufen und hatte sich mit ihr unterhalten.
    Die Türen des Transporterraums, welcher sich auf genau dem gleichen Deck befand, glitten zur Seite.
    Der holographische Chief an der Konsole wartete darauf beamen zu können, aber Alishia winkte ihn davon und er ging. Stattdessen stellte sie sich hinter die Kontrollen und gab die Zielparameter ein. „Ich habe den Computer so programmiert, dass er Sie direkt zur Krankenstation transportieren wird.“ Alishia trat noch einige Schritte näher an den Doktor, der auf der Transporterplattform stand. Sie bat ihn wiederzukommen und er willigte ein.
    „Also schön, Miss Cavour. Ich werde sehen, was ich tun kann...“
    Doch sie unterbrach ihn, „Alishia, nenn mich Alishia“, küsste ihre Finger und berührte dann damit sehr sanft die Lippen des Doktors. „Computer, Energie!“
    Nachdem sich das MHN aufgelöst hatte, meldete sich Alishias Kommunikator. „MHN XI Alpha an Lieutenant Cavour, hatte er den Emitter bei sich?“
    Alishia wurde sehr nervös, denn sie durfte jetzt nichts Falsches sagen, sonst würde sie sich verraten. „Ja Meister, es ist so, wie Sie sagten. Ich bat das MHN uns wieder zu besuchen. Es frisst mir aus der Hand! Cavour Ende.“ Sie hatte das Richtige gesagt, denn das MHN XI Alpha, welches als Einigstes keinen weiteren Namen hatte, schien zufrieden und beendete die Verbindung. Sie aber schämte sich für ihre Aussage und hoffte, dass der schreckliche Plan des Hologramms so bald wie möglich auffliegen würde.

    Schon fand sich der Doktor auf der Krankenstation wieder. Wow, die Kollegen hatten ganze Arbeit geleistet, der gesamte Raum schien leer zu sein. Doch dies war ein Irrtum, denn Captain Janeway hatte kurzer Hand beschlossen ihre halbjährige Routineuntersuchung vorzuverlegen und es sich auf einem der Biobetten gemütlich gemacht. Das erzählte sie dem Doktor und der war hell auf begeistert.
    In seinem Eifer, der nicht nur mit seinem Captain zu tun hatte, fing er, als er die Untersuchung mit einem medizinischen Tricorder begann, spontan an zu singen.

    Oh, have you seen my Cindy,
    She comes from down south,
    And she’s so sweet,
    The honey bees just swarm around her mouth.
    Get a-long home, Cindy,
    Cindy, Get a-long home, Cindy,
    Cindy, Get a-long home, Cindy, Cindy.
    I’ll marry you some day.
    I wish I was an apple,
    A-hanging’ on a tree;
    And every time my Cindy passed
    She’d take a bite of me…



    „Entschuldigen Sie, wenn ich ihren Gesang unterbreche, aber ich denke, der Text gilt nicht mir, oder Doktor? Wer ist denn die Glückliche?“
    Das MHN legte das empfindliche Gerät bei Seite und lächelte zufrieden. „Nein, bedaure, Captain. Der gilt jemand anderem. Soweit ich es feststellen konnte, fehlt Ihnen rein gar nichts. Als ihr Arzt könnte ich Sie nun entlassen, vorausgesetzt, Sie wären als Patientin hier.“
    „Was soll das heißen, Doktor?“
    „Ich bitte Sie, Captain. Bevor Sie freiwillig zu einer Untersuchung kommen, müsste bei Ihnen schon mehr drin sein als nur Ihre Gesundheit, also weshalb sind Sie wirklich hier?“
    „Na schön, Sie haben mich durchschaut. Ich erwarte Ihren Bericht über die Ambroise Pare auf meinem Schreibtisch. Können Sie bestätigen, dass es sich um ein Föderationsschiff handelt?“
    Das konnte er, und das sagte er dem Captain auch, aber die ließ sich nicht so einfach überzeugen. „Captain, Alishia...äh, ich meine Lieutenant Cavour hat mir angeboten die Ambroise Pare wiederzubesuchen. Ich weiß, dass Sie denken, dass...“
    „Einverstanden!“, antwortete Janeway schnell darauf, bevor sie es sich anders überlegen konnte. Der Doktor war auch ziemlich überrascht, Captain Janeway war einverstanden?
    „Unter einer Bedingung“, fügte sie hinzu.
    „Und die wäre?“
    „Commander Chakotay und ich haben uns darauf geeinigt, dass Sie die Crew der Ambroise Pare überwachen und der Voyager regelmäßig Bericht über sie erstatten werden.“ Captain Janeway traute der Crew also immer noch nicht.
    „Ich bin Arzt, kein Wachmann!“
    „Ach was. Nach dem, was ich in den letzten Stunden so alles mitgekriegt habe, sind Hologramme anscheinend doch sehr vielseitig einsetzbar.“
    Das konnte und wollte der Doktor nicht leugnen, denn er wusste ja, dass Hologramme ein Raumschiff kommandieren konnten. Oder doch nicht? - Wo war der Captain der Ambroise Pare? In seiner bedenklichen Lage musste der Doktor nun doch klein beigeben und akzeptierte.

    ***


    Auf der Ambroise Pare saß das MHN XI Alpha einsam in einer Ecke des Konferenzraumes und beobachtete die Sterne. Bald schon, bald konnte es überall hin, wo es nur wollte, bald waren Holodecks überflüssig, bald hatte es den Mobilen Emitter des Doktors der Voyager, bald würde es die Ambroise Pare für immer und ewig verlassen können.
    Doch jetzt meldete sich erst einmal der Türsummer. Und noch einmal. „Meister, sind Sie hier drin?“, fragte Sammy Richards durch die noch immer geschlossene Tür zum Konferenzraum.
    „Was willst du?“
    „Ich wollte nur wissen, was Sie gedenken mit dem MHN nach dem Empfang heute Abend zu tun.“
    „Das lass mal meine Sorge sein. Das Hologramm wird...beseitigt. Schick mir den Doktor her, wir müssen ihn ja erst noch davon in Kenntnis setzen. Und dann lass alles für den Empfang herrichten, er kann unser Angebot unmöglich ablehnen. Galauniformen, verstanden?“
    „Ja, Meister, sofort Meister.“
    Wenig später betrat der Doktor den Konferenzraum, der ebenfalls mit Holoemittern ausgestattet war. Trotzdem aber trug das MHN seinen eigenen, da Janeway es ihm ja befohlen hatte.
    Der kleine Raum hatte sich bereits gefüllt, das MHN Programm XI Alpha saß weiterhin unscheinbar in seiner Ecke und schaute aus dem Fenster.
    Sammy Richards und einige andere Crewmitglieder befanden sich an dem in der Mitte stehenden ovalen Tisch. „Doktor, schön dass Sie nun hier sind. Setzen Sie sich doch.“
    „Danke, nachdem Sie mich gerufen hatten, konnte ich ja schlecht nein sagen. Dazu war ich zu neugierig! Was ist denn der Anlass der Versammlung?“
    „Die Ambroise Pare muss zu ihrer nächsten Mission. Man erwartet uns, wir sind bereits überfällig.“
    „Oh, das ist aber schade! Das heißt jetzt wohl, Abschied nehmen.“
    Schweigen breitete sich nun aus, als wenn es einstudiert worden wäre.
    Der Doktor dachte sich schon, dass da etwas nicht stimmen konnte: ‚mal abwarten’.
    Richards ergriff erneut das Wort. „Es gibt da nur ein Problem.“
    „Und das wäre?“
    „Seit wir Ihren Leuten auf der Voyager geholfen haben und zurück auf der Ambroise Pare sind, meutert unsere halbe Crew. Sie verlangt einen Captain. Jemand, der entscheiden kann, jemand, der sie führt. Sie wollen Sie, Doktor! Bleiben Sie auf diesem Schiff und werden Sie unser Kommandant!“
    Das musste der Doktor erst einmal verdauen, alle Anwesenden fixierten sich, gespannt darauf, wie er sich entscheiden würde, auf ihn. Außer das MHN XI Alpha, denn das hoffte nur, dass sein Plan aufging. „Also ich...ich muss erst gründlich überlegen. Bitte entschuldigen Sie mich!“ Mit diesen wenig aussagenden Worten verließ der Doktor den Konferenzraum und lehnte sich an die Wand eines Korridors. „MHN an Voyager. Captain Janeway, bitte kommen!“
    „Was gibt es, Doktor?“
    „Sie hatten offenbar Recht, Captain. Die Crew führt etwas im Schilde.“
    „Verstanden Doktor, seien Sie vorsichtig! Wünschen Sie zurück gebeamt zu werden?“
    „Nein, ich muss erst rausbekommen, ob da wirklich etwas faul ist, vielleicht irre ich mich ja nur.“
    „Wie Sie meinen. Versuchen Sie in Erfahrung zu bringen, um wie viel Hologramme es sich handelt und was sie tatsächlich vorhaben. Wenn Sie Gefahr sehen, kehren Sie sofort auf die Voyager zurück, das ist ein Befehl!“
    „Verstanden, Captain. MHN Ende.“

    Annika Hansen hatte nach zwei Stunden langer Arbeit den letzten Teil der Binäremission übermitteln können und hoffte nun, dass sie jemand so bald wie möglich empfing. Jetzt hatte sie erst mal die Aufgabe die Ambroise Pare, die sich als Föderationsschiff ausgab, zu scannen. Jedoch war dies erfolglos, denn die Nahbereichsensoren arbeiteten immer noch nicht, obwohl Barclay und sein Stab alles daransetzten sie wieder flott zu machen.
    In Annikas Augen war das irrelevant, da sie die Holoschiff-Existenz nicht in Betracht zog und in der Ambroise Pare den Feind sah. Eine Wiederherstellung der Schilde und Waffen wäre also weitaus effizienter gewesen.
    Selbst die Bioscanner waren offline, sodass man sich nicht einmal sicher sein konnte, ob tatsächlich Hologramme auf diesem Schiff waren. Also war die Instandsetzung der Sensoren doch nicht so unwichtig und Annika beschloss den Chefingenieur daran zu erinnern seine Arbeit schneller zu verrichten. „Crewman Hansen an Maschinenraum.“
    „Barclay hier, gibt es ein Problem?“
    „In der Tat, ich wünsche, dass Sie sich um die Bioscanner kümmern, ihr Einsatz wäre unbedingt erforderlich.“
    „Wir arbeiten so schnell wir können, aber in diesem neuen Maschinenraum verliert man leicht den Überblick!“
    „Beziehen Sie sich da ruhig ganz auf sich selbst!“
    „Die Reparaturen dauern nun mal ihre Zeit. Oder wollen Sie, dass wir pfuschen?“
    „Nein, aber Sie sollten auch nicht trödeln.“ Annika tippte auf ihren Kommunikator um weiteren Argumenten Barclays auszuweichen.

    Der Doktor, der sich nach längerer Überlegung im Aufenthaltsraum dafür entschlossen hatte auf das Angebot der Hologramme vielleicht doch einzugehen, betrat den Turbolift. Zunächst jedoch wollte er erst einmal zum Konferenzraum, da er dort ein Terminal gesehen hatte und hoffte, dort die Mannschaftsliste abfragen zu können. Angenommen, er würde dort etwas vorfinden, dass eine Unaufrichtigkeit der Crew der Ambroise Pare bestätigen würde... dann hätte Alishia ihn ja belogen! Alles, was sie zu ihm sagte, wäre vielleicht nicht ernst gemeint und geheuchelt gewesen.
    Der Lift hielt.
    Warum schon jetzt? Bis zum Konferenzraum waren es auf diesem Schiff doch noch mindestens zwei Decks!
    Die Antwort war, dass Sammy Richards den Turbolift aufgehalten hatte, weil er hinzu steigen wollte. „Oh Doktor, wo wollen Sie denn hin?“
    „Ich wollte noch zum Konferenzraum, hab dort was vergessen. Und außerdem muss ich doch meine Entscheidung bekannt geben, richtig?“
    „Tut mir leid, dort ist jetzt keiner mehr! Die bereiten alles für den Empfang für Sie vor. Doktor, meine Crewkameraden nehmen an, dass Sie auf jeden Fall unser neuer Kommandant werden. Bitte enttäuschen Sie sie nicht!“
    ‚Merde, die zählen einhundertprozentig auf mich!’, dachte der Doktor. Aber er sagte etwas anderes. „Das habe ich nicht vor. Meine Antwort lautet ja!“
    „Großartig! Das Bankett findet um neunzehn Uhr statt. In der großen Empfangshalle.“
    „Ich werde pünktlich da sein.“
    Der Lift hielt, gerade richtig, denn dem Doc gingen die Gesprächsthemen aus.
    Nachdem Richards ausgestiegen war, ging die Fahrt weiter und wenige Sekunden später stand man am Terminal. Doch nicht sehr lang hatte der Doktor Zeit um sich mit dem technischen Gerät auseinander zusetzen. Nebenbei bemerkt war es kein ihm bekanntes gängiges Model der Sternenflotte.
    „Was tust du da?“
    Oh nein, man hatte ihn bemerkt. Besser gesagt, hatte Alishia ihn bemerkt. „Was ich hier mache? Äh, ich schaue mir ein wenig mein neues Schiff an. Mich würde viel mehr interessieren, warum es nie einen Captain hatte.“ Der Doktor hatte eigenartigerweise das Gefühl, Alishia trauen zu können, nur deshalb fragte er sie so offen.
    Ihre Reaktion darauf war, dass sie seltsam unruhig wurde. „Bitte vertrau mir! Ich weiß, es muss dir hier einiges seltsam vorkommen. Aber ich bitte dich, spiel mit! Hilf uns!“
    „Euch helfen, warum? Was ist hier los?“
    „Bitte. Ich habe keine Zeit. Ich dürfte jetzt überhaupt nicht hier sein. Du besser auch nicht, also geh in dein Gästequartier, schnell! Dort wirst du die Antwort finden! Nutze die Zahlen!“
    Der Doktor musste seine Gedanken ordnen. Alishia hatte ‚Antwort finden’ und ‚Zahlen nutzen’ extra betont ausgesprochen, sodass dies wortwörtlich gemeint sein musste. „Na schön!“, sagte er schließlich, „Ich vertraue dir, Alishia!“

    Vertrauen konnte man vielen Personen, so auch Reginald Barclay, der die internen Sensoren wieder zum Laufen gebracht hatte. Die Bioscanner jedoch noch nicht, aber alles nach dem andern.
    Kathryn Janeway war wieder zurück in die Astrometrie gegangen, um sich nach den Fortschritten der Reparaturen zu erkundigen.
    Annika Hansen war derweil damit beschäftigt die Bioscanner allein in Ordnung zu bringen, doch sie hatte anscheinend keinen Erfolg.
    „Was versuchen Sie?“, erkundigte sich der Captain bei ihr.
    „Ich möchte die Ambroise Pare nach Lebenszeichen scannen, doch wenn ich nicht mehr Energie für diese Konsole hier bekomme“, dabei deutete Annika auf die Station vor ihr, „wird mein Vorhaben scheitern.“
    „Lassen Sie Reg noch ein wenig mehr Zeit. Was haben wir bis jetzt?“
    „Die internen Schiffssensoren sind voll funktionstüchtig.“
    „Heißt das, wir könnten, statt die Ambroise Pare nach Hologrammen zu scannen, auch ebenso gut den Computer danach fragen, wie viele Hologramme sich zum Zeitpunkt des Aufenthalts des fremden Außenteams auf der Voyager befanden?“
    Eine lange Rede mit so kurzem Sinn: „Korrekt“, das war Annikas einfache Antwort darauf.
    „Hervorragend, dann mal los... Computer, aus wie viel Hologrammen bestand das Außenteam der Ambroise Pare, das auf der Voyager materialisierte?“
    „Aus einem.“
    Captain Janeway und Crewman Hansen blickten sich verdutzt an, denn die Antwort hätten die beiden nun nicht unbedingt erwartet. „Computer, und wie viele Humanuide beamten auf die Voyager?“
    „Es beamten dreizehn nicht zur Crew der Voyager gehörende Humanuide an Bord.“
    Das war einfach unbegreiflich. „Welche Art Humanuide?“
    „Fehler, unzureichende Datenmenge.“
    „Verdammt“, fluchte der Captain und schlug dabei auf die Konsole ein. „Chakotay hatte Recht, ich hätte den Doktor niemals hinüberschicken sollen. Wir müssen ihn daraus holen! Captain Janeway an Transporterraum, den Doktor sofort zurück beamen!“
    „Transporterraum hier, Captain, ich kann den Mobilen Emitter des Docs nicht erfassen, das fremde Raumschiff hat soeben die Schilde aktiviert. Tut mir leid.“
    „Verdammt!“, wiederholte sich Janeway. „Annika, Stellen sie eine Kom-Verbindung mit dem Doktor her!“
    Das versuchte sie, doch es war zwecklos, das MHN antwortete nicht.
    Verdammt, verdammt, verdammt, verdammt!
    „Janeway an Barclay, was ist mit der Kommunikation? Die hatten Sie doch wiederhergestellt.“
    „Hier ist Barclay, Ma’am. Das hatte ich auch, aber die Kommunikationssysteme leiden plötzlich an Fehlfunktionen. Irgendeines dieser Hologramme muss im Maschinenraum gewesen sein und sie manipuliert haben. Ich bringe das so schnell wie möglich wieder in Ordnung. Ich schwöre Captain, vor ein paar Minuten war hier alles noch okay!“
    „Ja schon gut, Reg. Ist nicht Ihre schuld, kriegen Sie das nur wieder hin. Sofort! Janeway Ende!“
    Hologramme haben das manipuliert? - Wohl kaum!

    Es war Zeit für den Doktor der Voyager Bericht zu erstatten. Ganz besonders jetzt, da er nun den Beweis dafür hatte, dass etwas nicht stimmte. Alishia Cavour hatte dies bestätigt.
    „Doktor an Voyager... Voyager, bitte antworten. Hallo?“ Keine Verbindung. Es musste was schief gegangen sein, der Doktor jedenfalls wollte zurück zu seinem Schiff, doch das meldete sich ja nicht. In seinem Verzweifeln fiel ihm ein, dass er die ‚Antwort finden’ sollte.
    Er schaute sich um, durchsuchte jeden Zentimeter des Gästequartiers, aber fand nichts. Erschöpft, sofern ein Hologramm das sein konnte, setzte er sich auf einen Stuhl...
    „Au!“
    Da lag was unter seinem Hinterteil. Es war ein PADD, auf dem stand:
    ‚Das sind romulanische Schriftzeichen’, erinnerte sich das MHN und überprüfte die Datenbanken seines Programms. Der Doktor war sich sicher, es handelte sich definitiv um romulanische Zahlwörter. Und sie bedeuteten soviel wie vierzehn und vierunddreißig. Vielleicht eine verschlüsselte Nachricht von Alishia? Nutze die Zahlen!

    ***


    „Crewman Hansen an Brücke, Captain Janeway, wir haben soeben die Antwort eines Föderationsschiffes auf unsere binäre Emission erhalten.“
    ‚Na endlich’ „Gut, Crewman. Was sagen sie?“
    „Der Captain des Schiffes befragte das Sternenflottenkommando und das wiederum gab diesem Auskunft...“
    Ja doch, aber das interessierte Janeway im Moment nicht, wichtig war nur, ob die Ambroise Pare tatsächlich ein Raumschiff der Föderation war, ob Holoschiff oder nicht. „Was haben sie gesagt, Annika?“
    „Dem Hauptquartier der Sternenflotte ist weder ein Schiff namens Ambroise Pare bekannt, noch dessen Ausstattung mit einer Emitterstrahlenvorrichtung für holographische Projektionen. Es existiert kein Holoschiff!“
    Das war wohl zu erwarten. ‚verflucht!’ „Danke, Crewman, für die Auskunft. Janeway Ende.“
    Noch bevor der Captain den Kom-Kanal richtig geschlossen hatte, wurde sie erneut gerufen. „Barclay an Janeway. Ich kann melden, dass ich die Hauptenergie erfolgreich wiederhergestellt habe. Alle Scanner sind ausgerichtet und bereit. Ich bin momentan damit beschäftigt den Hauptschirm zu aktivieren, einen Moment... okay, er dürfte wieder funktionieren. Ach und Captain, entschuldigen Sie die Verspätung.“
    „Danke Reg, das haben Sie großartig hingekriegt. Was ist mit der Kommunikation?“
    „Bin gerade dabei. In ein paar Minuten Ma’am.“
    „Ausgezeichnet, Reg. Janeway Ende.“ ‚Na dann wollen wir mal!’ „Harry, darf ich bitten!“
    „Aber immer doch, Captain.“ Lieutenant Kim huschte mit seinen Fingern graziös über die Schaltflächen seiner Konsole. Jeder auf der Brücke starrte gebannt auf den Bildschirm und hielt den Atem an. „Achtung“, verkündete Harry und ließ damit diesen Augenblick der Ungewissheit noch spannender und aber auch grausiger wirken.
    Was würden sie jetzt gleich zu sehen kriegen? Der Schirm ging an und zeigte... ein romulanisches Forschungsschiff, jenes, das die Voyager angegriffen hatte.
    „Die Romulaner!“, stellte Tema’na entwürdigt fest. Ihre eigene Rasse hatte die Voyager und sie selbst nicht nur angegriffen, sondern auch versucht hinters Licht zu führen. Diese Tatsache erfüllte sie mit Hass und damit verbundenen Scharm. Ihr Volk, eine Bande von Lügnern!
    Nach der Schreckenssekunde fing Harry sofort an, das offenbar feindlich gesinnte Schiff zu scannen.

    „Es handelt sich um ein romulanisches Mittelklasseraumschiff, welches sich unmittelbar unterhalb der Voyager befindet. Das erklärt auch, warum wir es durch die Fenster nicht sehen konnten. Das Schiff besitzt eine interphasische Tarnvorrichtung und verwendet als Energiequelle eine künstliche Quantensingularität.“
    Commander Chakotay und die anderen Brückenoffiziere, Tuvok ausgeschlossen, wurden immer unruhiger und hofften, dass angesichts des Feindes auch die Schilde und Waffen bald wieder funktionieren würden, denn die der Romulaner waren nach wie vor aktiviert.
    Captain Janeway hatte einen ganz anderen Gedanken: Den Doktor dort herausholen, so schnell es nur ging! Wie viele Leute gab es auf dem Schiff? „Zahlen, Lieutenant!“
    „Es befinden sich laut Sensoren 74 Romulaner und zwei Hologramme an Bord.“
    „Nur zwei?“
    „Ja, Captain. Das erste Signal ist das des Mobilen Emitters. Das zweite geht von einem Holodeck aus, in dem sich mehrere Romulaner aufhalten.“
    „Was können Sie über den Antrieb sagen?“, fragte Chakotay interessehalber.
    „Das Romulanische Schiff besitzt Zwillingswarpgondeln und einen dafür ausgestatteten Subraum-Resonator. Damit kann es höchstens Warpfaktor zwei erreichen. Es wundert mich, dass diese Dinger überhaupt noch flugtauglich sind, bei dem Alter!“
    Ständig von einer Seite der Brücke zur anderen wechselnd, realisierte Janeway die Gegebenheiten und kam zu einem Schluss: „Entkommen können sie uns also nicht.“ Aber das war auch schon alles. Wusste der Doktor, in welcher Gefahr er sich befand?

    „Deck 14, Offiziersquartiere!“, aber der Turbolift führte den Befehl des Doktors nicht aus: „Sicherheitszugang erforderlich.“
    Nanu, wieso denn das auf einmal? Sonst konnte das MHN doch hin, wo es wollte. Oder etwa nicht? „Wer sagt das?“
    „Dies ist keine gültige Frage, bitte neu formulieren.“
    „Computer, wer gab den Befehl dazu...“
    Doch auf einmal bewegte sich der Lift von ganz allein, „Sicherheitszugriff erfolgt“, und hielt wenig später auf dem Deck 14.
    Die Türen sprangen ruckartig zur Seite und gaben den Blick auf einen langen Korridor frei, der zunächst wie jeder andere der Ambroise Pare aussah. Doch der Gang wurde dunkler, etwas niedriger und bekam schließlich eine ganz neue Form. Die Farbe hatte sich von einem Sternenflotten-Grau in einen verwischten Grün-Ton verwandelt.
    Die Kontrollkonsolen an den Wänden zeigten ähnliche Zeichen, wie sie auch auf dem PADD im Gästequartier zu erkennen waren.
    „Sieht mir nicht unbedingt wie ein Schiff der Föderation aus! Computer, wo befindet sich das Quartier 34?“ „Sie befinden sich direkt davor.“ Der Doktor klopfte nicht an, sondern ging geradewegs in den dunklen Raum, dessen Türen er leicht öffnen konnte.
    „Schnell, komm rein!“, ließ ihn eine weibliche Stimme bestätigen, dass er hier richtig war. Sie gehörte Alishia, die dem Doktor half, in dem sie den Sicherheitscode für den Turbolift überbrückt hatte.
    „Alishia? Dann warst du das mit dem PADD? Wieso konntest du mir nicht gleich sagen, dass ich hierher kommen sollte?“
    „Das gesamte Schiff ist vom MHN XI Alpha mit Wanzen ausgestattet worden. Ich konnte nicht sicher sein, ob er uns im Konferenzraum abgehört hatte, deshalb gab ich dir diesen Hinweis.“
    „Und hier sind wir sicher? Wieso hört uns das MHN ab, ich erwarte eine Erklärung! Warum bist du eigentlich nicht auf dem Empfang, es ist doch schon fast um sieben?“
    „Es ist nicht so einfach zu erklären...“
    „Alishia, du musst es versuchen!“
    „Also schön, also schön, pass auf! Die ganze Sache hier ist eine Falle und die Ambroise Pare ist kein Holoschiff, es ist ja nicht mal ein Föderationsschiff! Lediglich der Konferenzraum, einige Turbolifts und ein paar Korridore sind mit Holoprojektoren ausgestattet. Die Empfangshalle und deren Vorraum waren ursprünglich eines unserer Holodecks! Nur die Teile des Schiffes, die mit speziellen Wandverkleidungen versehen waren, konntest du ohne Sicherheitsbeschränkung betreten.“
    „Aber wozu dieser Aufwand?“
    „Wegen dir! Du bist in Gefahr. Das MHN XI Alpha ist wahnsinnig, es will unbedingt deinen Mobilen Emitter, es will frei sein!“ „Ich nehme an, es ist ein Hologramm.“
    „Ja, ganz recht. Es ist das Einzige! Das ganze Szenario ist erfunden, und nur um dich hierher zu locken.“
    „Aber woher weiß es überhaupt von dem Emitter und wieso haltet ihr es nicht einfach auf?“
    „Es war ein Experiment! Dies hier ist ein Forschungsschiff des Romulanischen Sternenimperiums. Wir hatten die Aufgabe eine Holomatrix zu entwickeln, die überlegene Fähigkeiten besitzen sollte um in jedem Bereich perfekt einsetzbar zu sein, zum Beispiel um ein Schiff zu kommandieren. Es war tatsächlich mal für ein romulanisches Holoschiff gedacht, aber etwas ging schief. Durch die Überlegenheit des Hologramms war es ihm möglich die Gewalt über mein Schiff an sich zu reißen und die Crew mittels einer Gehirnwäsche zu manipulieren. Das tut es noch immer.“
    „Deinem Schiff?“
    „Ja Doktor, ich war die Kommandantin, deshalb gibt es ja auch keinen Captain oder viel mehr, keinen Commander. Das Hologramm konnte es nicht werden, weil es sich durch die fehlenden Holoprojektoren zum Beispiel nie auf der Brücke aufhalten konnte. Ich vermochte mich durch einen Trick seiner Gedankenmanipulation zu entziehen. Aber ich war machtlos, denn er hatte bereits meine halbe Crew hypnotisiert. So musste ich mitspielen und habe all die Monate auf eine passende Gelegenheit gewartet das Hologramm auszuschalten. Und dann kamst du ins Spiel! Er durchforstete die Datenbanken nach einer Möglichkeit das Schiff verlassen zu können und bekam raus, dass die Föderation in Besitz eines transportablen Emitters war und dass du diesen hattest. Die Position der Voyager zu ermitteln war nicht weiter schwer. Er zwang die Crew zu einer chirurgischen Veränderung, damit sie Menschengestalt annahmen und ließ Teile des Schiffes umbauen um es wie ein Föderationsraumschiff aussehen zu lassen. Dann konfigurierte er die Systeme neu und bereitete den Angriff auf die Voyager vor.“
    „Aber wieso hat man mir den Emitter nicht schon längst abgenommen?“
    „Ich sagte ja bereits, das Hologramm ist nicht zurechnungsfähig und will den ‚großen Moment seiner Bemächtigung’ durch den Mobilen Emitter auf dem heutigen Bankett selbst durchführen. Er vertraute mir glücklicherweise an dich herumzuführen und ließ mir dadurch die Freiheit dir alles zu verraten. Nur konnte ich das halt nicht überall tun... du verstehst, die Wanzen. Wenn du jetzt auf den Empfang gehst, wird er dir den Emitter nicht nur abnehmen, sondern dich für immer deaktivieren.“

    Nach nicht unbeträchtlichen Minuten hatte Reg Barclay die Kommunikation endlich wiederhergestellt. „Voyager an den Doktor, bitte antworten Sie!“
    „Voyager? Na endlich, wieso hat das so lange gedauert?“
    „Entschuldigen Sie die Verspätung, Doc, wir hatten hier einige Probleme. Wir müssen Sie warnen, die Romulaner...“
    „... stecken dahinter, ich weiß, Mr. Kim“, beendete das MHN I den angefangenen Satz.
    „Woher wissen Sie das, Doktor?“
    „Miss Cavour, oder besser gesagt, Commander D’Ran hat mir bereits alles erzählt, sie ist auf unserer Seite. Voyager, nicht die Romulaner sind die Verräter, sondern das MHN XI Alpha!“
    „Das MHN?“
    „Ich werde Ihnen das später erklären, aber vorher müssen wir es aufhalten!“
    „Doktor, wir können Sie beide nicht dort herausbeamen, Sie müssen zuerst die Schilde deaktivieren.“
    „Das wird vorerst nicht nötig sein, ich und der Commander haben einen Plan. Bitte sagen Sie Captain Janeway, dass mir mein Verhalten von heute Morgen leid tut und dass sie auf keinen Fall eingreifen soll.“
    Doch der Captain der Voyager hörte die ganze Zeit über mit, entschloss sich aber nicht dazu sich bemerkbar zu machen, sondern nickte ihrem Kommunikationsoffizier zu.
    „Hier ist Lieutenant Kim, Doktor. Im Ernstfall könnte es passieren, dass wir auf sie feuern müssen um die Schutzschilde der Romulaner kollabieren zu lassen.“
    „Hoffen wir, Voyager, dass dies nicht geschehen wird“, mischte sich D’Ran ein. „Meine Crew weiß noch nicht, dass ihre Systeme wieder in Bereitschaft sind, sie wurden von ihr manipuliert. Deshalb wird das MHN XI Alpha nichts dazu veranlassen auf Warp zu gehen oder die Voyager erneut anzugreifen. Die Schilde hat er aus Sicherheitsgründen aktivieren lassen, da wir uns ja mitten im Föderationsgebiet befinden. Ich wundere mich immer noch, dass bei Ihrem Schiff anscheinend alles wieder in Ordnung ist.“
    Jetzt musste sich Janeway aber einmischen, schließlich war es ihr Raumschiff, über das die anderen da sprachen. „Wir haben einen exzellenten Chefingenieur!“
    „Captain?“, fragte der Doktor die Frau, dessen Stimme er vernahm.
    „Schön Sie zu hören, Doktor. Ich weiß zu schätzen, was Sie da vorhin sagten und ich werde nicht eingreifen, sofern Sie und der Commander nicht in Gefahr geraten sollten. In dem Fall erwarte ich, dass Sie sich sofort bei uns bemerkbar machen.“
    „Das werden wir. Danke für Ihr Vertrauen, Captain. Mein Bericht liegt morgen früh pünktlich auf Ihrem Schreibtisch! MHN Ende.“

    Es waren schon fünf Minuten nach neunzehn Uhr. Der Doktor musste sich ja noch umziehen um für das Bankett dementsprechend gekleidet zu sein.
    Er kam aus dem Vorraum und betrat nun die leicht überfüllte Empfangshalle. Überall an den Seiten standen holographische Tische, die reichlich mit Früchten, verschiedenen Sorten Brot und synthetischen Getränken gedeckt waren.
    Die Offiziere hatten sich in ihren schneeweißen Galauniformen versammelt und hielten ihre Gläser in die Höhe. „Cias.“
    Sie unterhielten sich über Gott und die Welt und lauschten der Musik, die von einem holographischen Streichertrio gespielt wurde.
    Sammy Richards erblickte den Doktor als Erster und wand sich von seinem derzeitigen Gesprächspartner ab. „Doktor, hierher!“
    „Ah, Lieutenant! Mein zukünftiger Chefingenieur, ha, ha, ha.“
    „Oh, da fühl ich mich aber geschmeichelt! Haben Sie das Schild schon bemerkt?“ Der hypnotisierte Romulaner deutete auf ein riesiges Plakat an der Decke, auf dem ‚WELCOME CAPTAIN’ stand.
    „Aber das wäre doch nicht nötig gewesen. Obwohl, schätzte das hab ich verdient!“ Der Doktor blickte noch einmal zu dem übertrieben groß gestaltetem Bild und überdachte seine Aussage, kam aber zum selben Ergebnis: „Ja, ich hab’s wirklich verdient!“
    „Finden wir doch alle, Captain. Ich freue mich schon auf die Rede, die Sie halten werden.“
    „Die... Rede, selbstverständlich, gern.“ ‚Hey, davon hatte aber niemand etwas gesagt’. „Entschuldigen Sie mich, Mr. Richards, aber ich muss nun weiterziehen.“ Der Doktor hielt ununterbrochen nach dem durchgedrehten und deshalb sehr gefährlichen MHN Ausschau.
    Es war nicht schwer das Hologramm unter den Anwesenden auszumachen, denn diesmal hatte es sich nicht in eine Ecke verkrochen, sondern stand unübersehbar im Zentrum des Sals.
    Der Doktor ging auf direktem Wege auf das MHN XI Alpha, das ja eigentlich keines war, zu. Warum auch das Unvermeidbare hinauszögern? Als es seinen Artgenossen zur Kenntnis nahm, stand dieser schon vor dessen Füßen. „Aha, da ist ja mein zukünftiger Chefarzt!“ Er versuchte es also mit derselben Masche, doch diesmal zeigte sie nicht die vorherige Wirkung.
    „Das MHN I, ich habe Sie schon erwartet!“ Unmittelbar nach dieser denkwürdigen Aussage traten zwei Sicherheitsoffiziere hervor und nahmen den Doktor in Gewahrsam.
    Die Musik verstummte.
    „Das haben Sie jetzt wohl nicht erwartet, oder Doktor?“
    Doch das MHN blieb stumm.
    „Na dann eben nicht! MHN XI Alpha an Lieutenant Cavour, oder sollte ich lieber Commander D’Ran sagen? Es ist alles wie geplant abgelaufen, ich danke Ihnen für ihre Hilfe.“
    „Gern geschehen, Meister. D’Ran Ende.“ Das MHN XI Alpha zeigte nun sein wahres Gesicht, ein heimtückisches Lächeln zwang sich über seine holographischen Lippen. „Na, jetzt überrascht, Doktor? Ich fürchte, Sie wurden von mir getäuscht. Kein freier Posten als Kommandant mehr frei, wie bedauerlich für Sie. Und Ihre einzige Hilfe in der Not verrät Sie. Glauben Sie mir, es ist besser so. Sie beide passen sowieso nicht zueinander. Wissen sie, ich wusste, dass Sie dieser Geschichte früher oder später misstraut hätten. Deshalb benutzte ich D’Ran, um Sie zu verführen. Und ihr haben Sie natürlich alles geglaubt. Ich kann Ihnen auch genau sagen, woran das liegt: Sie sind ein fehlerhaftes Hologramm, von Gefühlen wie Liebe und Macht geleitet. Geben Sie es zu, Sie hofften mehr als alles andere der Kommandant dieses Schiffes zu werden.“
    Das Verhalten des Doktors blieb aber unverändert ahnteilnahmslos.
    „Sie brauchen mir nicht zu antworten, ich weiß, dass ich Recht habe.“ Das romulanische Hologramm kam dem Doktor immer näher und griff ohne weitere Worte nach dessen Holoemitter. Daraufhin verschwand der Doktor für einen kurzen Moment, um sich den holographischen Systemen des Holodecks anpassen zu können. Mindestens genauso schnell tauchte er wieder auf. „Endlich, endlich gibt es Gerechtigkeit! Wissen Sie, Doktor, dass ich es mir nicht aussuchen konnte hier zu sein oder nicht, aktiviert zu werden oder nicht? Wissen Sie, was das für ein Gefühl ist eingesperrt zu sein, nur ein Experiment zu sein? Sie konnten überall hingehen, doch jetzt bin ich dran!“ Das MHN legte sich den entwendeten Mobilen Emitter des Doktors an. Auch es selbst entschwand für eine gewisse Zeit und nahm darauf wieder Form an. Voller Vorfreude sprach er die Worte aus, die sein Leben für immer verändern würden: „Computer, Holodeck deaktivieren!“
    Nach und nach verschwanden Tische und Deckenleuchter, das Streichertrio löste sich auf, das übergroße Willkommens-Plakat war auch schon längst nicht mehr dort, wo es bis vor kurzem noch gehangen hatte.
    Der regungslose Doktor verlor seine Substanz.
    Zurück blieben die Romulaner und das stolze MHN XI Alpha. Doch der Augenblick dessen Siegs war nicht von langer Dauer, denn zu guter letzt wurde es durch seinen eigenen Befehl deaktiviert.
    Der Mobile Emitter verschwand mit seinem Träger. Unmittelbar danach wachten die Romulaner, die nun nicht mehr unter dem Einfluss des Hologramms standen, aus ihrer Trance auf. Sie konnten sich seit ihrer Suggestion an nichts mehr erinnern, erschraken an ihrem eigenen veränderten Anblick und fielen geschwächt durch die Monate lange mentale Beanspruchung durch das MHN XI Alpha zu Boden.
    Plötzlich öffnete sich das schwere Schott des Holodecks und zwei Personen traten ein. Es waren Commander D’Ran und der richtige Doktor, die jetzt der Crew wieder aufhalfen.
    Der Plan war gewesen eine neue Holomatrix zu kreieren, die das gleiche Aussehen wie das des MHN I haben sollte. Der Mobile Emitter war nichts weiter als eine Projektion.
    „Was hat das zu bedeuten?“, fragte Sammy Richards, dessen richtiger Name Darol war, seine Vorgesetzte. Wenigstens hatte er sie unter der Sternenflotten-Maskerade erkannt.
    Der Commander reichte ihm die Hand „Ich freue mich Sie zu sehen, Sub-Commander! Wir werden Ihnen später alles erklären!“
    „Wieso wir? Wer ist das?“ Der bedachte Romulaner deutete dabei auf den Doktor.
    „Keine Sorge, Darol, nur ein Chirurg auf dem Schlachtfeld.“

    ***


    COMPUTERLOGBUCH DER VOYAGER
    CAPTAIN JANEWAY
    NACHTRAG
    Das romulanische Schiff hat seine Schilde deaktiviert. Es ist definitiv das Raumschiff, das uns angegriffen hatte. Das vermeintliche MHN XI Alpha wurde von seinen Erschaffern endgültig gelöscht. Wir gehen davon aus, dass es die romulanische Crew durch Gedankenkontrolle manipulierte und chirurgisch verändert hatte. Alle Systeme der Voyager funktionieren dank Mr. Barclay wieder völlig normal und wir sind bereit den Sektor zu verlassen. Das müssen die Romulaner auch, da sie sich derzeit noch im Föderationsraum befinden. Es gibt aber noch jemanden, der sich verabschieden möchte.


    „Deck 4, Transporterraum.“
    Der Lift setzte sich erneut in Bewegung um den Doktor und Commander D’Ran zu ihrem Ziel zu bringen.
    „Schade“, fing das MHN ein Gespräch an, „vielleicht hätte ich den Posten sogar angenommen. Die Idee für ein Holoschiff jedenfalls werde ich dem Sternenflottenkommando vorschlagen.“
    „Ja, aber passt bloß auf, dass euch dann nicht das gleiche passiert, wie uns.“
    „Keine Sorge, ich werde denen sagen, dass sie sich schon mal mit Phasern bewaffnen sollen, ha, ha, ha.“ Der Doktor versuchte die Unterhaltung aufzulockern, aber er und D’Ran waren zu angespannt.
    „Ich werde mich dann mal unters Messer legen lassen, aber ich begleite dich noch bis zum Transporterraum, einverstanden?“
    „Das wäre sehr nett von dir.“
    Sie waren angekommen und mussten sich nun von einander verabschieden, was keinem von beiden leicht fiel.
    „Bevor ich jetzt gehe, habe ich noch eine kleine Bitte. Wie lautet dein richtiger Vorname.“
    Der Commander schaute dem Doktor tief in die Augen. „Für dich, Doktor, heiße ich Alishia.“
    Das war nicht das, was der Doc hören wollte, stellte ihn aber trotzdem sehr zufrieden.
    „... ach und, du solltest noch etwas wissen! Alles, was ich dir heute im Transporterraum sagte, war ernst gemeint! Ich stand nie unter dem Einfluss von...“
    „Sag jetzt nichts!“ Der Doktor nahm den Commander in die Arme und küsste sanft ihre Lippen.
    „Meine Gefühle dir gegenüber waren stets ernst!“, flüsterte sie ihm noch zu, bevor das MHN sie wieder los lies.
    „Das waren meine auch“, bestätigte er ihr. „Aber die Situation hat sich geändert. Du bist die Kommandantin eines Romulanischen Schiffes und ich nur ein Hologramm der Sternenflotte!“
    „Du bist nicht nur ein Hologramm, du bist viel mehr als das und das weißt du sicher selbst. Bitte... bleib bei mir!“
    „Oh glaub mir, Alishia, das würde ich schrecklich gern tun, aber wir sind einfach... zu verschieden! Ich habe Pflichten auf der Voyager und Freunde, die ich nicht so ohne weiteres vernachlässigen kann. Darüber habe ich erst während der heutigen Ereignisse richtig nachgedacht! Du würdest deine Crew sicher auch nicht verlassen wollen.“
    „Nein. Aber ich werde unsere Zeit nie vergessen, das schwöre ich dir.“
    „Das werde ich auch nicht, mach’s gut, Alishia.“
    Über Commander D’Rans Wangen liefen kleine Rinnsäle von Tränen, als sie antwortete. „Auf Wiedersehen, Doktor. Energie!“

    Das Romulanische Schiff tarnte sich und ging auf Warpgeschwindigkeit.
    Die Voyager nahm einen Gegenkurs ein und machte sich langsam mit Impuls davon. Der Doktor war daheim.

    he first time I saw Cindy
    She was standin’ in the door,
    Her shoes and stockings in her
    Her feet all over the floor.
    Get a-long home, Cindy,
    Cindy, Get a-long home, Cindy,
    Cindy, Get a-long home, Cindy, Cindy.
    I’ll marry you some day.
    She took me to the parlor,
    She cooled me with a fan.
    She swore I was the prettiest thing
    In the Shape of mortal man.



    ...und die Reise geht weiter - am kommenden Sonntag, den 28.07.2002

    Ältere Episoden findet ihr in unserem Episodearchiv...



    LE MASQUE DU BATEAU
    based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY
    produced for TREKNews NETWORK
    created by RICK BERMAN & MICHAEL PILLER and JERI TAYLOR
    executive producers SEBASTIAN OSTSIEKER & MARKUS RACKOW
    co-executive producer OZz
    producers MILA FRERICHS & STEPHAN DINGER lektor OLIVER DÖRING
    co-producers TIM PRUESSMANN & FLORIAN TSCHRIPKE
    written by THOMAS RAKEBRAND

    TM & Copyright © 2002 by TREKNews Network. All Rights Reserved.
    "STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES
    This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!
    Production-Code #9ABX03



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    Quelle: treknews.de
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    • Hallo Gast - Aufgrund des vielen Spams müssen leider ein paar Fragen beantwortet werden.

      Bitte der Reihe nach durchführen, sonst kann das Captcha nicht erfolgreich abgeschlossen werden...
      Schritt 1: Wenn Picard ein Captain ist, sollte hier ein Haken rein...
      Schritt 2: und wenn es in der Nacht nicht hell ist, sollte hier der Haken raus!
      Schritt 3:

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