Zum Inhalt springen
...die mit der besseren Beischlaftechnik.
  • Voyager9 - 9x14: Virus

    Ghost in the Mashine
    • Bewertung

    • Aufrufe

      2772
    • Kommentare

      0
    • TheOssi
    Während Janeway mit einem Außenteam auf einer diplomatischen Mission ist, hat Harry Kim das Kommando an Bord. - Als die Voyager auf ein schwer beschädigtes und offenbar verlassenes Schiff stößt, weckt dies Harrys Forschergeist und er beamt herüber. - Über seinen Tricorder gelangt ein Computervirus in den Hauptcomputer der Voyager.Unbemerkt entwickelt er durch das dortige Wissen einen bösartigen Charakter und beginnt, die Crew der Voyager auf brutalste und grausamste Wege umzubringen. Wird es Janeway gelingen, ihn zu stoppen?

    Diese Folge als PDF-Download:

    Download
    09x14 Voyager9 - Virus
    Zip File
    Rating
    Größe: 271 Kb



    COMPUTERLOGBUCH DER VOYAGER
    CAPTAIN JANEWAY
    STERNZEIT 56379,2
    Die Sternenflotte hat uns den Befehl erteilt, den Planeten der – für unsere Begriffe – sehr exotischen Kaferianer zu besuchen. Dieses, neben den Jarada bereits das zweite, insektenähnliche Volk plant ein Mitglied der Föderation zu werden. Soweit ich gehört habe, soll jedoch schon ein Aufenthalt in ihren Städten, die aus Netzen und Waben bestehen, ein Abenteuer sein. Doch ich pflege es, nicht auf Vorurteile zu hören.


    „Was? Sie sind Kannibalen?“
    Janeway und Chakotay gingen eilenden Schrittes durch die Korridore der Voyager. Schon in etwa einer Stunde würden sie auf Kaferia erwartet und vorher mussten sie sich noch Impfungen beim Doktor abholen.
    Janeway ging mit gemischten Gefühlen auf diese Mission. Sicherlich waren die Kaferianer ein faszinierendes und völlig andersartiges Volk, aber man durfte auch nicht ihre sehr brutale Kultur und Vergangenheit vergessen. Opfer und Morde waren keine Seltenheit, laut Legenden gab es vor zweihundert Jahren in dem System der Kaferianer eine gigantische Schlacht mit einem Volk, das auf dem benachbarten Planeten lebte. Die Kaferianer wollten aber die wertvollen Erze, in einer Zeit des Aufbruches in den Weltraum, in den Asteroiden haben, doch da war ihnen die wesentlich höher entwickelte und benachbarte Spezies im Weg. Schließlich überfielen sie die Minenstationen des Volkes (welches im Übrigen in den Überlieferungen mit dem Wort „Fiz-Gittit“ benannt wird, für das es keine Übersetzung gibt) und erstachen sie mit ihren Stacheln kaltblütig. Dann brachten sie die Asteroiden dazu, auf den Planeten zuzusteuern. Als die Asteroiden die Anziehungskräfte der anderen Asteroiden verlassen hatten, fielen sie auf den Planeten der „Fiz-Gittit“.
    Und tatsächlich wurden Rückstände einer fortschrittlichen Kultur auf dem Planeten gefunden.
    Neben dieser Barrikade, die durch die Furcht und Abneigung vieler Besucher Kaferias entstand, war da auch noch das Problem der Navigation: Insgesamt haben Föderationsschiffe in dem Asteroidenfeld, das alle Planeten und die Zwischenräume umgibt (wie unzählige kleine Planeten um die Sonne), dreihundertvierunddreißig Schiffswracks entdeckt. Die einzige Möglichkeit den Planeten anzusteuern und in seinen weitestgehend von Asteroiden freien Orbit zu gelangen besteht darin, den Planeten vom Nordpol anzufliegen. Da das Magnetfeld dort keine Planeten hält und eine Lücke aufweist, können Schiffe durch diese Lücke relativ problemlos den Planeten anfliegen.
    „Soweit ich weiß nicht nur das... Sie häuten sich alle fünf Erdentage...“, erwiderte Janeway auf Chakotays von Ungläubigkeit zeugende Nachfrage.
    „Sie häuten sich...“. Erneut überstieg die Art der Kaferianer Chakotays Vorstellungskraft. Eigentlich konnte er es sich schon vorstellen, nur glauben wollte er es nicht. Das die Kaferianer insektenähnlich waren, hatte ihn schon stutzig werden lassen. In der Milchstraßengalaxie existierten überwiegend humanoide Lebensformen. Lebensformen, die zivilisiert und auch noch so fremdartig wie die Kaferianer waren, bildeten eine Ausnahme. Ob sie erfreulich war, sollte sich noch zeigen.
    „Ganz genau. Aber ... na ja, alle Menschen meinen immer, unsere Spezies hätte sich weiterentwickelt und würde keine Vorurteile mehr besitzen oder andere Rassen verachten, nur weil sie anders sind als wir. Und – auch wenn es vielleicht im Hinblick auf die Kaferianer als Superlativ der Andersartigkeit – schwer fällt...“
    „Ich verstehe schon“, unterbrach Chakotay, „Was ist eigentlich mit der Atmosphäre Kaferias? Die ist doch nicht atembar, oder?“
    „Für Kaferianer schon“, entgegnete Janeway.
    „Aber nicht für uns.“
    „Das stimmt. Aber was meinen Sie, warum wir gerade auf dem Weg zum Doktor sind? Finden sie eigentlich auch, dass das Wort ,Kaferianer’ ein wenig an Käfer erinnert?“ Beide schmunzelten ein wenig, während sie die Krankenstation betraten.
    „Das lindert meinen Schüttelfrost nicht gerade. Übergroße Käfer... brr...“ Chakotay war nicht ganz wohl bei dem Gedanken. Früher hatte er in den Zelten seiner Stammesbrüder mehr als einmal Ungeziefer jagen müssen. Diesmal war es aber übergroßes Ungeziefer... nein, es war kein Ungeziefer. Es waren Kaferianer. Es waren Lebewesen, die man respektieren musste. Nein, man musste sie nicht respektieren. Man musste sie wie Menschen behandeln. Denn es waren ganz normale intelligente Lebewesen. Erst die Gewöhnung an eigene Kultur und biologischer Eigenart ließ solche Gefühle der Abscheu aufkommen. Und diesen Fehler hatte die Menschheit viel zu oft begangen.
    „Übergroße Wespen sind mir auch nicht lieber...“ warf der Captain spaßeshalber ein.
    „Ah, Captain“, begrüßte sie der Doktor und kam aus seinem Büro. „Schön Sie zu sehen. Freuen Sie sich nicht auch schon auf unserem Besuch bei den Käfern... äh... Kaferianern.“
    „Und solch ein lingualer Fehler passiert einem Hologramm...“
    „Nun ja, sehen Sie es als weiteren... menschlichen Zug an“, verteidigte sich der Doktor.
    „Ich muss doch sehr bitten. Die Menschen haben ihre Vorurteile abgelegt. Äh... Doktor?“ Janeway betrachtete eine Tasche, die auf der Erde stand. Die Koffer hinter der Konsole konnte sie nicht sehen.
    „Ja?“
    „Wofür ist diese Tasche?“ fragte die Kommandantin.
    „Oh! Da ist meine Holokamera, mein Probencontainer und meine wissenschaftliche Ausrüstung drin. Ihre Frau bat mich ein paar Proben mitzunehmen...“ klärte das MHN sie auf.
    Chakotay schien der Gedanke nicht sehr zu reizen. „Diese Proben kommen aber nicht in unser Quartier...“
    „Ich will ja nichts gesagt haben, aber...“, begann der Doktor.
    „Aber?“ Jetzt wollte Chakotay es genau wissen. Der Doktor war als Quelle für geheime Informationen über Annika immer gut.
    „Nun ja... da dürften sich schon ganz andere Dinge finden...“ Schnell wechselte der Arzt das Thema, während Chakotay verwirrt und beunruhigt den Doktor anstarrte. „Äh, wo waren wir stehen geblieben? Ah ja, die Impfungen...“
    „Die hatten wir zwar noch nicht angesprochen, aber ich will darüber hinwegsehen“, verzieh Janeway dem Doktor und setzte sich auf die Kante des zentralen Biobettes, während Chakotay näher kam.
    „Zu gütig, Captain! Also: Das“, das MHN deutete auf ein Hypospray in seiner Hand, „ist prinzipiell ein schweres Gift, das nach zwei Stunden im menschlichen Körper tödlich wirkt. Da sie aber keine normale Luft mehr einatmen, sondern eine für ihre Lungen ungewohnte und nicht gut verwertbare Luft, gibt dieses Gift im Blut zuerst seine Kohlenstoffatome ab, die nach einer Weile ausgeschieden werden, und dann seine beiden Sauerstoffatome aufgrund des starken Mangels an Sauerstoff. Und so wird dieses Gift durch die Auflösung der Peroxyd-Verbindung gleichzeitig ungefährlich. Genial, nicht wahr?“
    „In der Tat, Doktor“, bestätigte der Captain. „Dann fangen Sie mal an!“ Manche Dinge änderten sich nie. So zum Beispiel das Selbstlob, die Selbstüberschätzung und die Eingebildetheit des Doktors.
    „Sie dürften gleich ein leichtes Kribbeln in ihren Blutbahnen verspüren, aber das gibt sich nach einer Weile“, beruhigte er seine Patienten.
    „Was herrscht auf Kaferia eigentlich für ein Luftdruck und für eine Gravitation?“ erkundigte sich Chakotay.
    „Soweit ich weiß beträgt der Luftdruck etwa sechshundert Hektopascal, die Gravitation ist ein wenig geringerer als auf der Erde, sie liegt bei etwa sechs Newton pro Quadratmeter.“
    „Haben die Kaferianer deshalb Flügel ausgebildet?“
    „Korrekt!“
    „Wie ich sehe, haben Sie sich vorbereitet, Doktor. Aber leider umsonst, schließlich kommen Sie ja nicht mit...“ Der Doktor war wirklich der Letzte, den die Kommandantin bei einem diplomatischen Kontakt dabei haben wollte.
    Der Doktor hielt verdutzt inne, während Janeway das Unheil bereits sah: die Koffer hinter der Konsole.
    „Doktor, eine Frage...“
    „Bitte, Captain!“
    „Warum stehen dort eigentlich Koffer? Und vor allem: Wofür brauchen Sie die Holokamera?“
    „Für unseren kleinen Ausflug natürlich. Ich dachte, es war alles abgesprochen.“
    „Sie kommen mit? Das war aber nicht so abgesprochen... Mr. Barclay ist schon eine Ausnahme. Aber er will sich auch über die Technik der Kaferianer informieren. Aber Sie, Doktor...“
    „Äh... Wer... Wer muss denn ihre Dosis Diklobin-Kohlenstoffperoxid auffrischen?“ brachte der Doktor als Argument. Er musste unbedingt mit. Es hatte schon lange keine Holobilderschau mehr gegeben. Die Reaktionen waren zumeist sehr erfreut gewesen, auch wenn manche Crewmitglieder immer den Drang verspürt hatten, zu gehen. Vielleicht waren seine Vorführungen ja zu spannend. Ein verlockender Gedanke... Spannend? Vielleicht sollte er ein weiteres Buch herausbringen. Ha, nicht zu glauben, wozu ein Hologramm wie er fähig war.
    „Na gut, kommen Sie mit...“, willigte Janeway ein und sogleich zogen sich die simulierten Lippenecken des Doktors steil nach oben. „Aber Doktor...“ Janeway wollte noch eine Bedingung stellen, was durchaus auch im Interesse der Sicherheit des Außenteams lag.
    „Ja?“
    „Sie holografieren da nicht die ganze Zeit wie ein Journalist herum. Von mir aus analysieren Sie die DNS der Kaferianer, aber machen Sie nicht andauernd Holografien. Wer weiß? Vielleicht schreckt das die Kaferianer auf... Ich habe gehört, dass sie Stacheln haben...“
    „Ich bin ein Hologramm, Captain, mir macht das nichts aus!“
    „Ein Punkt für Sie. Wir treffen uns im Transporterraum, in dreißig Minuten!“ Mit diesen Worten ging Janeway aus der Krankenstation und Chakotay ließ sich die Impfung zischend injizieren.
    „Was hat Annika denn alles an Proben in unserem Quartier?“ fragte er.
    „Nun ja... Es sind nicht nur Proben...“ Der Doktor schien eine Aufzählung beginnen zu wollen. „Zum einen wären da die vier bolianischen Zylinderspinnen von Mr. Chell. Da wäre da noch die ausgestopfte gulurdunianische Bakterienfledermaus... – Sie sind doch dagegen geimpft? – und dann noch...“
    Chakotay machte eine Bewegung mit der Hand, die den Doktor aufhören ließ. „Danke... Ich werde mit Annika ein ernstes Wort reden müssen... und dann wird sie die Sachen im Frachtraum verstauen.“
    Der Doktor hielt den aus dem Quartier eilenden Chakotay noch einmal auf. „Aber es sind doch Tiere...“
    Chakotay drehte sich um. „Ja, nur dass sie scheinbar in unserem Quartier frei herumlaufen und ich jetzt endlich weiß, woher diese verdammten Spinnfäden kommen!“

    ***

    Spinnfäden gab es nicht nur in Chakotays Quartier, sondern auch in noch größerem Maße auf Kaferia. Die unglaublich hohen Gebäude der kaferianischen Hauptstadt wirkten ekelerregend und modern zugleich. Auf gigantischen Spinnennetzen fuhren Fahrzeuge und flogen oder gingen Kaferianer, mehrere hundert Meter über dem Erdboden. Und die Hochhäuser waren tatsächlich aus wabenförmigen Bereichen aufgebaut. Befand sich das Außenteam plötzlich auf der Erde, in einem Bienenstock?
    Janeway, Chakotay, Tuvok, der Doktor und Barclay materialisierten auf einem dieser Wolkenkratzer. Der Wind fegte um ihre Ohren und sie hatten das Bestreben, so schnell wie möglich den Brutsaal aufzusuchen, wo das Treffen mit der Kaferianischen Stammeskönigin stattfinden sollte.
    Doch das sollte sich als recht einfach herausstellen, als zwei Wesen erschienen. Sie hatten Flügel, die sie knapp über dem Boden hielten und bewegten sich sonst krabbelnd über den Boden. Sie hatten Facettenaugen, die seltsam grün schimmerten und in denen sich das Licht spiegelte. Beim Näherkommen sah sich Janeway unzählige Male, was sie leicht irritierte. Die Wesen hatten etwa die Größe eines Bären, zumindest waren sie drei bis vier Köpfe größer als Menschen, wenn sie aufrecht flogen. Ihr Körper war dreigeteilt: der sehr merkwürdige Kopf mit vier Fühlern und zwei Saugrüsseln (wenigstens sah es danach aus), der offenbar sehr stabile Mittelteil und dann der Körper, der alles andere als ... menschlich aussah. Er war beharrt und ansonsten gelb-schwarz. Er lief spitz zu und war breiter als der Rest des Körpers. Und ... er bewegte sich.
    Die Wesen, die der Doktor als Kaferianer identifizierte kamen näher. Barclays starrem Blick und hochgezogenen Oberlippen konnte man seine Abneigung ansehen. Der Chefingenieur hatte wirklich schon viel gesehen, aber noch nie etwas Vergleichbares. Wie war das noch mal mit seiner Insektenstichallergie? Verdammt, wieso hatte er sich für diese Mission gemeldet? Auch noch völlig freiwillig?
    Die Kaferianer waren schließlich angekommen und aus irgendeiner Stelle ihres Körpers kamen merkwürdige, zischelnde Geräusche.
    „Ich nehme an, das heißt ,Kommen Sie mit!’ “, erklärte sich Chakotay die Laute und Janeway nickte bestätigend, als die beiden Kaferianer auf eine Art Tür zugingen.
    Das Team folgte den Kaferianern.
    „Warum kann der Universaltranslator ihre Sprache nicht erfassen?“ wandte sich Janeway an Barclay.
    „Weil dies keine Sprache in unserem Verständnis ist...“, antwortete der Chefingenieur.
    Der Captain sah ihn fragend an. „Ach, und wie verständigen sie sich dann?“
    „Nun ja, es sind nur Signale und Laute... Eine Sprache, die der Universaltranslator ohne irgendwelche Anhaltspunkte nicht erfassen kann. Soweit ich weiß, ist diese Königin aber etwas weiter entwickelt als der Rest und scheint relativ normal sprechen zu können. Sie hat extra für dieses Treffen Englisch gelernt.“
    „Interessant...“ Für Janeway war hier eigentlich alles interessant. Denn die Kaferianer waren für die an Humanoide gewohnte Föderation wirklich Neuland.

    „Tema’na, bringen Sie uns richtig heran.“
    Harry saß im Sessel des Captains und hatte das Kommando über die Voyager. Und da sie alle nun für etwa zwei Stunden nichts zu tun hatten, wollte er sich mal ein Schiffswrack näher ansehen.
    Wracks hatten ihn schon seit jeher fasziniert und seine Phantasie beflügelt. Doch er glaubte nicht mehr an Geister oder Ähnliches. Nein, er wollte einfach wissen, wie es zu dem Absturz dieses Schiffes gekommen war und wer dort an Bord war. Und vielleicht, ob es dort einen Schatz gab...
    Auf dem Bildschirm war das Schiff zu sehen, das noch erstaunlich intakt war. Es hatte eine sehr schöne Form und hatte einst offenbar viele Verzierungen aufgewiesen, die meisten schienen jedoch zerkratzt zu sein.
    „Herrscht dort eine Sauerstoff-/Stickstoffatmosphäre?“ erkundigte sich der Koreaner.
    Ein weiblicher Wissenschaftsoffizier hinter ihm nickte. „Nein, Sir.“
    Harry stand auf. „Na dann werde ich mich wohl in einen Raumanzug schmeißen müssen. Tema’na, Sie haben das Kommando!“
    Hatte er gerade Tema’na das Kommando anvertraut? Na ja, dann würde dies ein weiterer Vertrauensbeweis für die Romulanerin sein. Oder sie würde mit dem Schiff davon fliegen! Würde sie das wirklich tun? Nein, sicherlich nicht. Oder?
    „Ich bin bald zurück!“ Mit diesen Worten verschwand der Lieutenant Junior Grade, vor Aufregung glühend, im Turbolift.

    Die kleine Lampe am Raumanzug spendete genug Licht, um sich im dunklen Inneren des fremden Schiffes zurecht zu finden. Der Anzug war bequem und erlaubte Harry eine gute Ansicht des Schiffes. Doch seine Enttäuschung war groß: Hatte das Schiff von außen so prächtig ausgesehen, entpuppte sich sein Inneres als eine uninteressante Aneinanderkettung von endlosen, breiten und hohen Korridoren. Keine Tür, keine Konsolen, keine Leichen, kein gar nichts.
    Erst nach mehreren Metern sah Harry etwas, das sein Interesse auf sich zog: Eine Art Terminal war in eine der Wände eingelassen.
    Schnell schloss Harry seinen Tricorder an und nach mehreren Modifikationen speiste er das Gerät mit Energie und konnte eine Verbindung aufbauen. Zweifelsohne gehörte das Schiff einer fremden Spezies an, denn sowohl der Tricorder als auch der interne Computer des Raumanzuges waren nicht fähig, die Sprache zu übersetzen.
    Plötzlich brach die Verbindung ab und das Terminal mit seinen zuvor bunt blinkenden Lichtern erlosch.
    „Na prima!“ sprach Harry zu sich selbst, schloss seinen Tricorder und ließ sich zurück an Bord der Voyager beamen. Vielleicht würde die Auswertung der Tricorderdaten ja etwas bringen.

    „Ah, wunderbar...“ Der Doktor kniete an einer seltsamen, im Raum hängenden, Wand und füllte bereits den achten Probenbehälter mit einer Art Haut.
    Alles war hier nur dem ähnlich, was man kannte. Selbst der Doktor konnte nicht sagen, bei was es sich um was handelte.
    Zufrieden steckte er den Behälter an seinen Platz und schloss den Probencontainer, den er sich um seine Schulter gehängt hatte.
    Er sah sich in dem hohen Raum noch ein wenig um und betrachtete fasziniert die Farbe des Raumes: Überall waren die Wände und Armaturen – zu mindestens sahen die Schläuche, die pulsierenden Objekte und zugestaubten Anzeigen wie Armaturen oder Konsolen aus - in einem Gelborange gehalten.
    Er wollte schon den Raum verlassen, als plötzlich ein merkwürdiges Geräusch seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Es handelte sich dabei um eine Art von Fiepen oder etwas Vergleichbares. Dann raschelte etwas ... nein, es war nicht Etwas, das Geräusch kam schließlich aus mehreren Richtungen. Und plötzlich platzten um ihn herum die Wände und merkwürdige Larven krochen heraus. Der Doktor zog ruckartig seinen Tricorder und musste feststellen, dass er wohl den Schalter für die Geburtskammern oder so etwas als Probe mitgenommen hatte. Die Larven, etwa vierzig Zentimeter lang, wanden sich hin und her. Und nach und nach... schlüpften aus jeder der unzähligen Larven Insekten...
    Scheinbar instinktiv flogen sie auf den Doktor zu und diesem blieb nichts anderes übrig als die Flucht zu ergreifen. Einige der jungen Kaferianer versuchten ihn zu stechen, das aber ohne Erfolg. Ihr schon recht großer Stachel ging durch die Photonen des Doktors ohne weiteres hindurch.
    Nach einer Weile des Rennens fand sich der Doktor auf dem Plateau vom Anfang wieder. Fahrzeuge und Kaferianer rasten an ihm vorbei. Dem Doktor blieb nur eine Möglichkeit zur Flucht in der beeindruckenden Skyline: Er musste fliegen.
    Auf dem Weg zur Klippe des Hochhauses modifizierte er schnell seinen Mobilen Emitter und simulierte Flügel. Und dann... schwang sich der Doktor in die Luft... verfolgt von einem gigantischen Schwarm zu groß geratener Insekten...

    „Ah, wundervoll...“ So sehr Barclay die Kaferianer auch fremd und sogar ein wenig abstoßend auf ihn wirkten, so musste man ihnen eines lassen: Ihre Technologie war höchst interessant.
    Die Kaferianer hatten zwar Computersysteme, diese waren aber so geschickt mit den biologischen Systemen verbunden... Wahnsinn. Wirklich eine technische Meisterleistung. Dieses Volk verstand es Technik mit ihrer biologischen Eigenart zu verbinden.
    Schon seit jeher hatte Barclay eine Leidenschaft, irgendwelche Knöpfe zu drücken. Und das sollte ihm mal wieder zum Verhängnis werden.
    Vertieft in die interessanten Kontrollen fummelte er an einem konsolenartigen Objekt herum, dass sich in der Mitte eines sehr merkwürdigen Raumes befand.
    Von einem Moment auf den anderen schossen aus den Wänden des Raumes merkwürdige, klebrige, durchsichtige Fäden heraus und hielten Barclay fest. So sehr er es auch versuchte: Er konnte sich nicht losreißen.
    Immer mehr Fäden umsponnen ihn, er wurde tatsächlich eingesponnen. Und was würde dann geschehen? Würde er zu Futter verarbeitet werden?

    Die Kaferianische Stammeskönigin war etwa doppelt so groß wie Tuvok und noch andersartiger als die Kaferianer selbst. Janeway hoffte, dass die Vergrößerungen und atmosphärischen Änderungen an Gästequartier Vierunddreißig abgeschlossen waren, sonst würde es die Königin nicht leicht haben, an Bord der Voyager bis zum Erreichen der Erde zu leben.
    Die Königin saß auf einer Art Thron und merkwürdige Arme gingen von ihr ab. Wie Tentakel schlängelten sie durch die Gegend und ließen eine honigartige Flüssigkeit in die Waben fließen.
    Auf einmal erschienen zwei Kaferianer und brachten Gefäße, die wohl als Gläser fungieren sollten. Ein Tentakel der Königin deutete an, dass Janeway, Chakotay und Tuvok näher kommen sollten.
    Während sie langsam auf die berühmteste Kaferianerin zugingen, blickten sie sich in dem „Brutraum“ um. Die Bezeichnung „Raum“ war in jenem Fall missverständlich, denn der „Raum“ war mehrere Dutzend Meter hoch und voller „Geburtskammern“. Scheinbar hatte die Königin nur die Aufgabe, sich um die Brut zu kümmern.
    Als der Besuch angekommen war, stoppt sie ihre Tätigkeit und ließ die Tentakel sinken. Nur drei steuerte sie noch und diese gossen den Sirup in die Gläser, den die Stammeskönigin zuvor in die Waben gegossen hatte.
    Janeway wurde plötzlich ganz schlecht, als sie erkannte, dass sie das trinken sollten. Tuvok mit seiner vulkanischen Akzeptanz des Logischen oder nicht zu ändernden nahm das Glas, Chakotay räusperte sich und schluckte einmal. Damit hatte auch er die Hemmschwelle überwunden.
    Und der Captain? Sollte sie als Vorbild für ihre Crew zugeben, dass sie sich vor der Flüssigkeit ekelte? ,Da muss ich durch’, dachte Janeway und nahm sich tapfer eines der Gläser.
    Ab diesem Moment wusste die Kommandantin der Voyager eines: Die Verhandlungen mit der Föderation dürften sich als sehr schwierig herausstellen.
    Nachdem Janeway und ihr Team den Fruchtsaft, dessen Geschmack an eine Mischung aus Zitrone und Orange erinnerte, „genossen“ hatten, begann das Gespräch mit der Königin.
    Ihre Stimme war äußerst hoch, aber gut verständlich: „Ich bitte auf ihr Schiff kommen zu dürfen.“
    „Ja, so hatten wir uns das auch gedacht. Wir haben bereits ein Quartier für sie umgebaut.“ Nach Janeways Antwort herrschte kurz Stille.
    „Ich werde mich nun in Schlaf begeben.“
    Plötzlich fuhr die Königin die Tentakel ein und krümmte sich so zusammen, dass sie nur noch so groß wie ein Mensch war. Dann hörte man ein merkwürdiges Atemgeräusch: Offenbar schlief die Königin wirklich. Da erschienen vier Kaferianer, offenbar Leibwächter, und postierten sich um ihr Oberhaupt herum.
    Der Captain tippte etwas unsicher auf den Kommunikator und sprach: „Janeway an Voyager! Beamen Sie die Kaferianische Königin und ihre vier Leibwächter in Gästequartier Vierunddreißig!“
    „Aye, Ma’am!“ bestätigte Harry am anderen Ende der Verbindung und nach wenigen Sekunden lösten sich die Königin und ihre Leibwächter in Luft auf.
    „Transport erfolgreich. Sollen wir jetzt Sie und das Team hochbeamen, Captain?“
    „Nein, warten Sie noch einen Moment, Harry. Ich melde mich dann. Janeway, Ende.“ Sie beendete die Verbindung und drehte sich zu Chakotay und Tuvok um. „Hat jemand von Ihnen den Doktor oder Barclay entdeckt?“

    Der Doktor flog durch die Gänge des Gebäudes. Durch den starken Verkehr innerhalb der Stadt hatte er die zu früh geschlüpften Kaferianer ein wenig abhängen können. Plötzlich erreichte er den Raum, in dem Barclay gefangen war.
    Der Chefingenieur war völlig eingesponnen und nur ein leises Krächzen zeigte, dass er noch lebte. Sofort eilte der Doktor zu ihm und versuchte mit seinen Händen die Fäden abzureißen, was jedoch misslang.
    Und da hörte er schon das Gesumme der Kaferianer. Schnell eilte der Doktor aus dem Raum und lugte um eine Ecke. Da sah er, dass Barclay wild umherzuckte, als ... als die Kaferianer an ihm herumzunagen begannen.
    Sofort rannte der Doktor zurück und verscheuchte schnell die Kaferianer. Einige der übergroßen Fliegen stachen vor Schreck Barclay, dessen Wimmern erstaunlich deutlich zu hören war.
    „Doktor an Voyager! Nottransport in die Krankenstation!“
    Beide wurden an Bord gebeamt, ehe der Schwarm aus Kaferianern sie erdrückte.

    Als der Doktor Barclay auf das zentrale Biobett legte, tippte er erneut auf seinen Kommunikator.
    „Doktor an Brücke!“
    „Hier Lieutenant Kim!“ kam als Antwort.
    „Bitte richten Sie Janeway aus, dass ich und Barclay wieder an Bord sind, weil ... wir gebraucht wurden. Und noch etwas: Dieser Nottransport bleibt unter uns.“
    Harrys rätselnden Blick konnte man sich gut vorstellen. „Wieso?“
    „Nun ja, wir haben dort unten ein wenig ... Pech gehabt. Doktor, Ende!“
    Mit einem Laserskalpell bewaffnet, machte er sich an die Arbeit, Barclay zu befreien.

    Janeway, Chakotay und Tuvok betraten die Brücke. Harry stand auf und begrüßte sie.
    „Hallo, zusammen!“
    Während Tuvok einen Lieutenant an seiner Station ablöste, gingen Janeway und ihr Erster Offizier auf ihre Plätze zu.
    „Hallo, Harry! Gab es etwas Besonderes?“ fragte der Captain.
    „Nein, eigentlich nicht. Wir haben nur ein Schiffswrack in de Nähe untersucht, sonst nichts. Ist alles glatt gelaufen?“
    Janeway und Chakotay setzten sich. „Danke, ja“, bestätigte die Kommandantin. „Mir ist nur ein wenig übel von diesem Fruchtsaft, den wir dort unten bekommen haben. Ich glaube, ich gehe mal eben zur Krankenstation...“
    „Äh“, Harry war inzwischen an seinem Platz, „ich halte das für keine gute Idee. Der Doktor wollte dort oben die Proben analysieren, die er mitgenommen hat und... ich denke, es ist besser für Ihre eigene Sicherheit, den Raum jetzt nicht zu betreten.“
    Janeway kam das ein wenig komisch vor, aber sie gab sich damit zufrieden. „Na gut, wenn Sie meinen! Tema’na, bitte halten Sie das Schiff ruhig, sonst haben wir hier gleich einen Flecken auf dem schönen Teppichboden.“
    Chakotay grinste. „Als ob das dann das Schlimmste wäre...“
    Janeway erwiderte das Grinsen, während sie den Kommunikator berührte. „Janeway an Crewman Hansen!”
    „Hier Crewman Hansen!“ ertönte die Antwort.
    „Sind unsere Gäste gut untergebracht, Annika?“
    „Ja, das sind sie. Sie scheinen einen Ruheschlaf zu führen.“
    „Na dann ist es ja in Ordnung. Janeway Ende.“
    „Ein Ruheschlaf?“ Chakotay sah seinen Captain ein wenig amüsiert an. „Das wird ja immer besser...“
    „Ja, die Kaferianer sind schon ein sehr interessantes Volk“, stimmte Janeway zu und drehte dann ihren Kopf nach vorne, „Tema’na, manövrieren Sie uns aus diesem Asteroidenfeld und setzen Sie dann einen Kurs in Richtung Erde! Warp Neun!“
    “Aye, Sir!“

    Daten. Überall waren Daten um ihn herum. Da. Erde. Geschichte. Aufrufen. Trias  Jura  Kreide  ...  Steinzeit. Menschheit  Geschichte. Aufrufen.

    Zwei Techniker, Fähnrich Mark O’Brien und Chief Tjorke Hendriksen vom Maschinendeck, unterhielten sich im Turbolift. Ihre Schicht war zu Ende und sie waren müde. Die Umbauten für das Quartier der Kaferianer hatten viel Zeit in Anspruch genommen und vor allem die genaue Planung der quartiereigenen Atmosphäre war kompliziert gewesen.
    „Was machst du heute Abend noch?” fragte Chief Hendriksen.
    „Oh, ich glaub’ ich lass mich sofort ins Bett fallen!“ antwortete Mark O’Brien.
    „Gute Idee. Vielleicht les’ ich noch mein Buch zu Ende...“
    „Was liest du denn?“
    Tjorke Hendriksen lächelte. „Es heißt ,Infektion’. Es geht da um so einen Virus, der die Kontrolle über einen übernimmt und der dann versucht seine Angehörigen zu töten. Ist ein Thriller aus dem Jahr... äh... lass mich überlegen... ich glaube 2005.“
    O’Brien zuckte mit den Achseln. „Hört sich spannend an, der Titel sagt mir aber nichts.“
    Eine Weile herrschte noch Stille in dem Turbolift, bis plötzlich merkwürdige Geräusche zu hören waren. Auf dem Display sah man, wie sie gerade am Hauptcomputerkern vorbeifuhren.
    Der Lift schwankte leicht. „Was ist das?“ fragte Chief Hendriksen besorgt.
    „Ich habe keine Ahnung... Vielleicht ist ein magnetisches Relais kaputt gewesen...“
    Der Lift fiel plötzlich ein Stück nach unten und die beiden Offiziere wurden an die Decke gedrückt und sogleich durch einen kleinen Sprung wieder auf den Boden geworfen.
    „Verdammt! LIFT STOPP!“ schrie O’Brien.
    Doch der Lift reagierte überhaupt nicht. Plötzlich fiel er erneut hinab, diesmal jedoch stoppte er nicht. In einem ohrenbetäubenden Knall prallte er nach wenigen Sekunden des freien Falls auf den Grund auf.
    Das letzte, was Fähnrich O’Brien und Chief Hendriksen hörten, war der Bruch ihres Genicks...

    Crewman Noah Lessing war gerade mit Reparaturarbeiten an der Tür zur vierten Ebene des Hauptcomputerkerns in Sektion 45 fertig. Er sortierte die Werkzeuge in den Kasten und stand auf. In dem Moment explodierte ein Schott in dem Korridor und ein Strahl hoch konzentrierten Plasmas traf ihn. Lessing war binnen weniger Sekunden tot...

    „Fünf Offiziere sind innerhalb von einer halben Stunde gestorben. Und sie alle befanden sich in der Nähe des Hauptcomputerkerns. Dafür muss es doch einen Grund geben!“
    Alle Führungsoffiziere hatten sich im Konferenzraum versammelt, während auf dem ganzen Schiff interner Alarm herrschte, was Folgendes bedeutete: Der Zutritt zu dem Computerkern war untersagt, alle Offiziere sollten sich dem Hauptcomputerkern nicht auf mehr als zwanzig Meter nähern und acht Turboliftschächte waren gesperrt, ebenso der Zugang zu Jefferies-Röhren.
    „Soweit wir das beurteilen konnten, wurden sie allesamt Opfer technischer Defekte. Diese Defekte hätten aber gar nicht existieren dürfen.“
    Tuvok war mit seinem Latein genauso am Ende, wie alle anderen auch. Es gab keine Erklärung für diese Morde. Wenigstens sahen die „Unfälle“ so aus.
    Annika schien eine Erklärung zu haben. „Ich habe etwas gefunden. Um 14 Uhr 12 Bordzeit wurde ein Tricorder an den Hauptcomputer angeschlossen...“
    Janeway zog eine Augenbraue hoch. „Wessen Tricorder?“
    „Meiner...“
    Alle Blicke richteten sich auf Harry.
    „Nun ja, ich habe doch erzählt, dass wir ein Schiffswrack untersucht haben. Ich wollte die Daten auswerten...“
    „Sie waren auf dem Schiff?“ Janeway und auch Chakotay hatten angenommen, Harry habe nur Untersuchungen vom Schiff aus durchgeführt.
    „Ja, das Schiff sah ziemlich ... faszinierend aus. Mein Forschergeist hatte mich gepackt und da wir eine Weile Zeit hatten, entschloss ich mich dem Schiff einen Besuch abzustatten.“
    Janeway stand auf. „Sie haben das ohne jegliche Erlaubnis getan, Lieutenant.“
    „Aber ich hatte das Kommando... Außerdem war dort drüben nichts...“, verteidigte sich Harry.
    „Und doch haben sie vermutlich ein Computervirus eine fremden Spezies an Bord geholt.“
    Harry dachte nach. „Das einzige, was ich gemacht habe, war eine Art Terminal mit Energie zu speisen und mit meinem Tricorder zu verbinden...“
    „Und dabei haben Sie versehentlich ein uraltes Virus an Bord geschleppt, das unseren Computer zu kontrollieren scheint“, erklärte Tuvok. Der Vulkanier hatte noch nie etwas von dem übertriebenen menschlichen Forschungsdrang gehalten. Dieses Ereignis bestätigte seine Zweifel.
    „Dann müssen wir dieses Virus eliminieren!“ meinte Barclay, dessen Uniform noch immer ein wenig verklebt war. „Ehe es noch mehr durcheinander bringt und noch mehr Leute umbringt.“
    „Ja, das wäre ratsam“, pflichtete Annika Reg bei. „Nebenbei habe ich auch herausgefunden, welche Systeme er neben der totalen Schiffskontrolle anzapft. Und zwar die Schiffsdatenbank. Er scheint ständig auf die Daten der Menschheitsgeschichte zuzugreifen.“
    Janeway dachte nach. „Menschheitsgeschichte. Das ist ein sehr komplexes Thema... Wenn er vorne anfängt, dann...“
    „... ist es gerade in der Steinzeit“, beendete Chakotay Janeways Satz.
    Tuvok nickte. „Ja, das würde passen. Soweit ich weiß, verhielten sich die Menschen in dieser Zeit sehr instinktiv und versuchten, ihr Revier zu schützen. Genau das tut dieses Virus.“
    „Und was passiert, wenn es beim Zweiten Weltkrieg ankommt?“ fragte Harry in die Runde.
    Janeway blickte aus dem Fenster. Dieses Virus schien genau das zu tun, was sie auch tun wollten. Es forschte. „Soweit dürfen wir es nicht kommen lassen. Offenbar hat dieses Virus die Aufgabe, das Schiff zu kontrollieren. Da es scheinbar Jahrzehnte lang auf einem verlassenen Schiff beheimatet war, können wir annehmen, dass es Eindringlinge abzuwehren versucht. Es ist gewöhnt, dass niemand sich an Bord aufhält. Daher gibt es nur eine Möglichkeit: Wir müssen das Schiff verlassen...“
    Plötzlich ertönte erneut der Alram und alle gingen auf die Brücke.

    „Bericht!“ forderte Janeway, als alle ihren Platz eingenommen hatten.
    Barclay stand neben Annika und studierte die Anzeigen. „Offenbar ist im Quartier der Kaferianer die Schwerkraft auf unser Niveau angestiegen...“
    Chakotay und Janeway sahen sich gegenseitig an. „Das werden sie nicht lange überleben!“ sprachen sie im Chor.
    „Versuchen Sie die Schwerkraft wieder zu stabilisieren!“ befahl Janeway und sprang auf.
    „Nicht möglich...“
    Der Captain dachte nach. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Kaferianer würden sterben oder das Schiff würde evakuiert werden. Sie wog beide Möglichkeiten ab und schließlich stand ihr Entschluss fest.
    „Mr. Barclay! Deaktivieren Sie in Rettungskapsel Eins die Schwerkraft und modifizieren Sie die Umweltsystems so, dass sie die Kaferianische Luft nachbilden. - Janeway an Transporterraum: Beamen Sie die Kaferianische Delegation in Rettungskapsel Eins.“
    „Was haben Sie vor?“ Chakotay ging zu Janeway, die ein wenig geistesabwesend im Raum herum stand.
    „Wir müssen das Schiff evakuieren...“
    „Was?“
    Die Kommandantin ließ sich nicht beirren. „Janeway an alle: Suchen Sie die Rettungskapseln auf und verlassen Sie das Schiff!“
    Auf der Brücke blieben alle Senioroffiziere stehen.
    „Worauf warten Sie, Ladies and Gentleman? Haben Sie den Befehl nicht gehört?“
    Chakotay sprach für alle: „Doch, aber wir gehen nicht ohne unseren Captain!“
    „Es ist jetzt keine Zeit für heroische Taten, Chakotay. Auf diesem Schiff ist vor dem Einbau eines neuen Hauptcomputers niemand mehr sicher.“ Wenn Janeway eines nicht leiden konnte, dann waren das übertrieben loyale Offiziere. Leiden hatten alle ihre Senioroffiziere diese Eigenschaft.
    Die Alarmsirenen waren das einzige, was man während der folgenden Sekunden hören konnte.
    „Der Captain verlässt als Letzter oder gar nicht das Schiff.“ Niemanden auf der Brücke schien das sonderlich zu interessieren. „Ich bleibe an Bord und versuche, den Hauptcomputer zu deaktivieren. Vielleicht finde ich eine Möglichkeit, sodass dieses Virus mich nicht entdeckt.“
    „Und wenn nicht?“ warf Chakotay ein.
    Es erfolgte keine Antwort. Der Erste Offizier wusste, dass er aufgeben musste. Alles andere wäre Meuterei gewesen.
    „Kommen Sie!“ befahl er und alle begaben sich in die zwei Turbolifte. Tema’na deaktivierte den Antrieb und eilte dann auch zum Turbolift.
    An Janeway gewandt sagte er noch: „Viel Glück!“
    Dann schlossen sich die Türen und auf dem Bildschirm sah man die Rettungskapseln davon fliegen. Janeway war allein. Doch nicht nur das würde ihr in den kommenden Stunden und Tagen Angst bereiten...

    Janeway war auf dem Weg zur Ausrüstungsraum auf Deck Sieben, um sich für kommende Gefahren zu wappnen. Sie befand sich zwei Decks über dem Hauptcomputerkern. Doch war sie außer Gefahr?
    Was wäre, wenn das Virus in den vergangenen drei Stunden bereits ein anderes Zeitalter, eine andere Gesellschaft auf der Erde zu betrachten angefangen hatte?
    Janeway erschrak und blieb abrupt stehen, als die Stimme des Computers ertönte.
    „Captain Janeway! Es ist mir eine Ehre, Sie kennen zu lernen!“ Die ansonsten monotone weibliche Stimme des Computers hörte sich überraschend menschlich an. Doch sie war kalt und wirkte Furcht einflößend.
    Das Virus konnte bereits sprechen. Das bedeutete: Es musste in eine zivilisierte Epoche der Menschheit eingedrungen sein. Die Ägypter, die Griechen, die Römer?
    „Was sind Sie?“ fragte Janeway, während sie im Korridor stand.
    „Das wissen Sie doch sicherlich. Ich bin ein Computervirus. Ich habe an Bord dieses Schiffes und habe mich durch mathematische und physikalische Prozesse in den Datenbänken ihres Schiffes eingenistet. Und Sie sind ein Mensch.“
    Mathematik. Physik. Das waren eindeutig sehr logisch klingende Töne. Die Griechen? Das war möglich. Vielleicht würde Janeway Glück haben. Denn die Griechen waren ein friedliches Volk. Und wenn das Virus seinen Charakter daran anpassen würde, wäre es vorübergehend keine Gefahr. War das die Gelegenheit für die Kommandantin?
    „Ich weiß genau, was Sie denken, Captain. Sie sind sehr berechenbar. Ich beobachte Sie unaufhörlich. Sie können nichts tun, was ich nicht mitbekommen würde. Ich beobachte Sie auf Schritt und Tritt.“
    „Wenn Sie so rational sind, wie es die Griechen einst waren, dann müssten Sie doch wissen, dass ich kein Eindringling bin. Ich bin der Captain dieses Raumschiffes. Sie befinden sich nicht länger an Bord ihres ursprünglichen Schiffes!“
    Der Computer schien zu zögern. „Das ist eine sehr interessante, aber vorhersehbare Taktik, Captain. Ich bin darauf programmiert, Eindringlinge zu vernichten. Und Sie sind ein Eindringling.“
    Janeway ging ein wenig weiter. „Sie weichen mir aus...“
    Es kam keine Antwort.
    Dann plötzlich begann ein unendlicher Redeschwall: „A, Alpha: erster Buchstabe des griechischen Alphabetes, oftmals Bezeichnung für einen spezifischen Winkel; Anomalie: Bezeichnung für ...“ Unaufhörlich sprach der Computer.
    Janeway hielt sich die Ohren zu, als der Computer bei „Athen“ angekommen war. Sie rannte, unaufhörlich, irgendwohin. Doch die Stimme war überall. Sie drohte durchzudrehen. Es war unerträglich, die Stimme, so monoton, so laut.
    „HÖREN SIE AUF!“ Janeway schrie so laut sie konnte, doch es hatte keinen Sinn. Das Virus, das Schutzprogramm oder was auch immer bombardierte sie mit dem Wissen, was die Griechen gesammelt hatten. Es war intelligent und allwissend. Was sollte Janeway tun?
    Plötzlich hörte das Rauschen, das sie durch ihre zugehaltenen Ohren vernahm, auf. Sie nahm die Hände weg ... und da begann es wieder.
    Sie musste bei Verstand bleiben. Sie durfte nicht jetzt schon aufgeben.
    Plötzlich erhöhte sich die Lautstärke und Janeway Hände konnten nur noch verhindern, dass sie keinen Hörsturz bekam.
    „Wann dreht ein Mensch durch? Wann ist das Maximum der psychischen Kapazität erreicht, Captain Janeway?“ Ganz deutlich vernahm Janeway die Worte.
    „Warum wollen Sie mich wahnsinnig werden lassen?“
    „Weil ...“ Plötzlich setzte der Computer aus. „Es mir Spaß macht sie zu quälen, Captain. Sie sind ein Barbar. Sie sind minderwertig und werden mir kein Terrain wegnehmen. Wie lauteten Caesars Worte? ,Veni, vidi, vici!’”
    Die Römer. Keine Frage.
    Plötzlich fand sich Janeway im Holodeck wieder. Sie war dorthin gebeamt worden. Und dann nahm ihre Umgebung Gestalt an. Die Sonne blendete zuerst, doch dann sah sie, wo sie sich befand.
    Sie war in einer der berühmtesten Arenen der Erde. Im Kolosseum, während seiner Blütezeit. Und unzählige Zuschauer jubelten ihr in der gleißenden Sonne zu. Und da war noch ein Geräusch. Hinter ihr... Es waren ein großer männlicher Löwe, ein dunkelbrauner Bär und ein gefährlich wirkender, schwarz-orange gestreifter Tiger...

    „Warum wollen Sie mich umbringen?“
    Der Bär sprach zu Janeway: „Weil Sie mein Terrain verletzen, sie Barbar!“
    Das Virus wollte sie vernichten. In einem widerwärtigen Kampf auf dem Holodeck.
    „Computer! Ausgang!“
    Schallendes Gelächter brach im Publikum aus. Sie hatte keine Kontrolle mehr. Weder über die Situation, noch über ihr Schiff. Aber erst recht nicht über ihre aktuelle Situation.
    Der Bär hielt sich bedeckt, während der Tiger und der Löwe auf Janeway zusprangen. Der Captain rannte um sein Leben, doch es war hoffnungslos. Der Löwe warf sie zu Boden.
    ,Das war’s’, dachte Kathryn Janeway. Nie gab sie die Hoffnung auf, doch diesmal schien es wirklich unmöglich für sie, zu überleben. Sie hörte das Fauchen über ihrem Kopf, der sich tief in den Sand der Arena gegraben hatte.
    Da fiel ihr etwas ein. Vielleicht war es ihre letzte Chance. Wenn das Virus nicht die totale Kontrolle über die Systeme besaß, konnte sie vielleicht einige Modifikationen am Programm durchführen.
    Sie sprang auf und rannte los. Fast wäre sie an der mit Krallen bewehrten Tatze des Tigers hängen geblieben, die einen tiefen Riss in ihren Rücken haute. Blut tropfte hinter ihr her und die beiden Raubtiere schienen sich dafür sehr zu interessieren. Blut leckend blieben sie stehen und fauchten sich gegenseitig an. Zweifellos hatte der Captain Zeit gewonnen.
    Die Zuschauer brüllten und jubelten, als sie an den Rand der Zuschauertribüne rannte, dort wo sich ein Computerterminal befand. Sie riss die Holzverkleidung ab, während sie hinter sich den Braunbären näher kommen sah.
    Sie musste schnell sein. Da war sie: die Holodecksteuerung. Sie versuchte auf die Hauptsteuerung zuzugreifen, was natürlich misslang. Doch etwas anderes gelang ihr: Sie schaffte es in das Holoprogramm einzudringen und hatte nun die Fähigkeit, etwas zu kreieren. Es musste es etwas sein, das ihre tierischen Gegner aufhalten konnte. Eine Naturgewalt. Wasser! Sie musste versuchen, das Kolosseum mit Wasser zu füllen und eine Seeschlacht zu initiieren. Dieses Virus war doch nicht so allmächtig wie es den Anschein hatte. Es hatte scheinbar voller Begeisterung für dieses brutale Spiel vergessen, dass Janeway auf den Computer zugreifen konnte. Sie sicherte das aktuelle Programm mit einem Passwort ...
    und plötzlich war alles von Wasser umgeben. Janeway versuchte so schnell wie möglich nach oben zu kommen, stieß jedoch gegen etwas Hartes. Sie tastete sich an dieser Oberfläche entlang und fand sich plötzlich neben einem großen Kriegsschiff wieder. Und erneut tobten die Massen, während brennende Pfeile über das Wasser rasten und Blut sich in die Flüssigkeit ergoss.
    Janeway watete an den Arenenrand und befand sich endlich auf der Zuschauertribüne. Dort war sie sicher.
    Doch da stand ein Gladiator vor ihr. Sein Schwert glänzte und sein Gesichtsausdruck war alles andere als freundlich. Inmitten der Zuschauer sollte Janeways Hinrichtung nun stattfinden? Das Virus schien die Kultur der Römer als absolut brutal zu verstehen.
    Der Gladiator kam mit dem Schwert auf Janeway zu und schwang das Metall... In dem Moment wurde das Programm beendet.
    Mit einer klaffenden Wunde am Rücken und einem schmerzenden linken Bein humpelte Janeway aus dem Holodeck in Richtung Krankenstation.

    Für die nächsten Stunden herrschte Ruhe. Die Kommandantin der Voyager ruhte sich erschöpft in der Krankenstation aus. Doch ein Auge schloss sie nie.
    Welche Zeit studierte das Virus jetzt? Nach dem Ende der Römer gab es nichts weiter Gefährliches. Der Islam war entstanden, in Asien gab es Herrscher, in Europa bekriegten sich Könige und Stämme. Und dann kam das Mittelalter. Das dunkle Zeitalter der Inquisition, der Herrscher und Prinzessinnen und der Burgen und Schlösser. Das Zeitalter der Inquisition. Der Hexenverbrennung...
    Hatte sie nur den Eindruck oder wurde es tatsächlich wärmer im Raum?
    Sie wollte das überprüfen und einen Tricorder greifen, doch ihre Hand zuckte zurück und die Kommandantin gab einen Schmerzensschrei von sich. Das Scangerät war kochend, nein, glühend heiß. Immer mehr stieg im Raum die Temperatur an, Janeway rann der Schweiß von der Stirn. Sie versuchte die Tür zu öffnen, doch es war vergeblich. Immer heißer wurde die Umgebung, selbst der mit Teppich belegte Boden bot keinen Platz zum Hinsetzen mehr, an dem nicht sofort Janeway Haut verbrennen würde.
    Plötzlich ging eine Topfpflanze im Büro des Doktors in Flammen auf und der Brand breitete sich auf den Boden auf. Normalerweise hätte in solch einem Fall das Feuerlöschsystem reagiert, doch Janeway verwunderte es nicht, dass es das nicht tat.
    Der Brand kam immer näher.
    Da kam dem Captain eine Idee: Die Leichenkonservierungskammern. Das war die Lösung. Sie würden nicht brennen und außerdem waren sie stark gekühlt.
    Doch wie sollte sie durch die Flammen noch dorthin kommen? Mit irgendetwas musste sie den Brand stoppen können. Am besten mit einem schweren Gas. Mit Stickstoff.
    Stickstoff! In irgendeinem Hypospray befand sich Stickstoff. Das wusste sie, weil der Doktor mit Stickstoff für das Mittel zum Vertragen der kaferianischen Atmosphäre experimentiert hatte. In der Hitze konnte sie sich nur noch mühevoll konzentrieren und griff nach einem Hypospray.
    Doch als sie den Inhalt in die Luft sprühte, wurde sie fast blind durch die Explosion. Das war definitiv das falsche gewesen. Sie nahm ein anderes und tatsächlich befand sich darin flüssiger Stickstoff, der durch das Hypospray in den nächsten Aggregatzustand umgewandelt wurde.
    Die Flammen erloschen kurz, als sich der Stickstoff ausbreitete und die Sauerstoffmoleküle verdrängte. Kurzerhand stolperte Janeway vor Erschöpfung zu den Leichenkonservierungskammern, öffnete eine und schloss sie von innen wieder. Sie war sicher... bis zum nächsten Albtraum...

    Der Sonnenkönig Ludwig XIV., Venedig..., die Romantik... Die Kälte oder besser gesagt Hitze des Mittelalters war vorbei. Janeway hatte Stunden in ihrem Versteck ausgeharrt und nun wagte sie, die Kammer zu öffnen. Vor allem zwei Dinge trieben sie dazu: die Enge und der Drang, etwas zu trinken... und vielleicht zu essen. Und vor allem der Drang nach ein bisschen Wärme. Die Kälte in der Kammer trieb sie wohl am stärksten nach draußen.
    Tatsächlich hatte sich die Krankenstation abgekühlt, es war sogar gar kein Rauch zu sehen. Oder gar Ruß. Aber das störte Janeway nicht. Sie störte oder interessierte nur noch eines: der schnellste Weg ins Casino.
    Als sie dort ankam, dachte sie zu träumen oder schon tot zu sein. Ein herrliches Festmahl war vorbereitet worden und ein elegant gekleideter Herr saß am Tisch. Er stand auf und führte Janeway an der Hand zum Tisch. Wie ein wahrer Kavalier half er ihr sich zu setzen und nahm dann ebenfalls wieder Platz.
    „Meine Teuerste... Darf ich dir Wein einschenken?“ fragte er voller Romantik und Schmeichelei.
    Janeway war gar nicht dazu aufgelegt, romantisch zu sein. Mit ihrem erschöpften Gesichtsausdruck und ihrem blutverschmierten Rücken sah sie auch nicht sehr anziehend aus.
    „Mir ist es egal, Hauptsache irgendetwas...“
    Sie stürzte mehrere Gläser Wein herunter und an dem Gesicht ihres freundlichen Gastgebers änderte sich nichts, er schenkte ihr munter weiter ein.
    Aber anstatt betrunken zu werden, schien der Captain allmählich zu Sinnen zu kommen. Während sie ein Stück Fleisch abnagte, sprang sie auf und fragte: „Wer sind Sie? Wo kommen Sie her?“
    „Oh, meine Teuerste... Ich liebe Sie... Ich will mein ganzes Leben mit Ihnen verbringen... Wie konnte ich Sie zu Anfang nur vertreiben wollen?“
    „Sie sind es! Bleiben Sie mir fern!“ schrie Janeway den Mann an, der offensichtlich aus der Zeit des achtzehnten Jahrhunderts kam.
    Er begann zu lachen. „Ich kann Ihnen gar nicht fern bleiben, Ehrenwerteste... Ich bin überall!“
    „Sie wollen romantisch sein? Sie sind ein Computervirus... nichts weiter! Vielleicht sind Sie auch noch ein verflixt gutes Programm, aber mehr nicht... Dies ist nicht Ihr Schiff!“
    „Aber mein Rendezvous...“, verteidigte sich der Mann.
    „Ich entsinne mich nicht, eingeladen worden zu sein... Und Sie wurden auch nicht eingeladen!“
    „Aber ich wurde auf Ihr Schiff gebracht, Captain. Und nun... kann ich nicht anders, als meine Aufgabe zu erfüllen...“
    „Sie wissen, was Ihre Aufgabe ist und scheinen so intelligent zu sein und gar einen Charakter zu haben, können aber nicht die Grenzen und Einschränkungen Ihrer Programmierung überwinden?“
    Der Mann änderte plötzlich die Gestalt. Janeway befand sich also wieder auf dem Holodeck. Was kam diesmal? Der Sturm auf die Bastille am 13. Juli 1789? Der amerikanische Bürgerkrieg?
    Amerika war nicht so falsch und auch nicht der Konflikt zwischen Nord- und Südamerika. Ein stämmiger und hünenhafter Mann in einem weißen Hemd mit Hosenträgern erschien. Und die Umgebung wechselte in ein ödes Feld in Nordamerika. Sklaven arbeiteten und schufteten mit Schaufeln auf dem Feld und auch Janeway sollte dies offensichtlich tun.
    „Warum arbeitest du nicht, du Miststück?“ schrie der weiße Mann Janeway an.
    „Ich bin aber keine Schwarze!“ schrie Janeway zurück. Die Menschheit war schon längst über diesen dämlichen Rassenhass hinweggekommen, doch nun musste sich der Captain in diese Zeit versetzen, um zu überleben.
    „Ach, nein? Vergessen Sie nicht, Captain! Erst die Geschichte Ihres verdammten Volkes macht mich so brutal. Es ist nicht meine Programmierung. Nein, nur durch ihre brutale Geschichte wird meine Programmierung ausgereizt. Und deshalb quäle ich Sie und töte Sie nicht gleich! Ihr Volk ist bemitleidenswert, genauso wie die ,Schwarzen’ in dieser Zeit!“
    Der Mann trat sie und ihr blieb nichts anderes übrig als zu graben und Baumwolle zu ernten. Nach einer Weile wurde Janeway weggebeamt und rematerialisierte auf der Brücke.
    Was sollte das? . . .

    Die Stimme des Computers ertönte wieder. „Captain Janeway! Sie sind meine Sklavin, verstanden? Daran hat sich bis hierhin nichts geändert. Sie sind andersartig, nicht so perfekt wie ich. Und aus diesem interessanten Rassenhass dürfen Sie für mich schuften! Ich will, dass Sie mir die totale Kontrolle über ihr Schiff geben! Sofort!“
    „Und was passiert dann? Dann können Sie mich doch einfacher töten! Ist das nicht lustlos? Ich dachte, es bereitet Ihnen eine solche Freude mich zu quälen!“
    Janeway musste das Virus ablenken, bis es ins nächste Jahrhundert kommen würde. Aber was würde dann Schreckliches kommen? Und was würde geschehen, wenn das Virus die Geschichte der Menschheit zu Ende studiert hatte? Würde es sich dann einem anderen Volk annehmen? Vielleicht den Klingonen?
    „Sie haben Recht, Captain. Aber wenn ich die totale Kontrolle habe, das heißt auf alle geschützten Systeme, kann ich auch Sie und Ihre Geschichte studieren. Und dann kann ich Ihnen noch bösartigere Fallen stellen! Ich bin nicht so instinktiv wie Sie, ich bin ein Taktiker. Ich will es Ihnen ja nicht zu einfach machen!“
    „Gut zu wissen“, meinte Janeway sarkastisch.
    „Sehen Sie mal auf den Bildschirm!“ ordnete das Virus an.
    Auf dem Schirm wurde ein Sternenflottenschiff sichtbar. Es handelte sich um ein Schiff der Nebula-Klasse, die Farragut. Janeway war mit dem Captain des Schiffes befreundet.
    „Entweder“, fuhr die Computerstimme fort, „werden Sie mir jetzt die Codes für die Waffensysteme geben... oder ich werde Sie töten.“
    Was sollte sie tun? Ihr Leben gegen das einer ganzen Crew!
    „Ich werde das Schiff nicht zerstören, Captain... Aber ich werde es aufhalten. Steht mir das nicht zu?
    Plötzlich hörte Janeway ein Zischen.
    „Was Sie das hören, ist entweichende Luft, Captain! In wenigen Minuten werden Sie ersticken und dann sterben! Oder dieses Schiff dort ist kampfunfähig und kann mir nicht meinen Spaß nehmen. Ich war so lange allein, warum wollen wir nicht zusammen auf der Voyager unseren Spaß haben?“
    „Ich kennen den Captain dieses Schiffes...“ Vielleicht konnte das Virus doch Mitleid zeigen.
    „Umso besser: Dann fällt Ihnen die Entscheidung umso schwerer...“ kam die ernüchternde Antwort.
    Janeways Blick fiel auf die unterschiedlichsten Dinge. Und dann noch mal auf die Farragut. Ihr Feind im Computer hatte nicht den Einblick in die geheimen Dateien, was bedeutete, dass er nicht von der „Deep Space“-Mission der Farragut wissen konnte.
    Sie drehte sich um, obwohl es eigentlich egal war, in welche Richtung sie sprach. „Sie lügen mich an! Dieses Schiff kann hier gar nicht sein. Die Farragut ist schon seit vier Monaten auf einer Tiefenraummission, weit weg von hier. Sie kann gar nicht hier sein.“
    Wäre es vielleicht doch besser gewesen, diesen Trumpf in den Händen zu halten? Hatte sie Chancen, diesen Stich abermals für sich zu gewinnen?
    „Captain Janeway, ich mache Ihnen ein Angebot! Entweder sie geben mir in drei Minuten die Kontrolle über den Hauptmaschinenraum und den Warpantrieb, oder ich werde Sie erneut angreifen!“
    „Das ist kein Angebot, das ist ein Ultimatum!“
    „Zwei Minuten und fünfzig Sekunden!“
    Ohne lange zu zögern, rannte Janeway in den Turbolift.

    Dieser hielt auf dem Maschinendeck und die Gejagte lief so schnell es ihr möglich war in den Maschinenraum.
    „Eine Minute!“ Alle zehn Sekunden erstattete der „Computer“ Bericht über die noch vorhandene Zeit.
    Es war nahezu unmöglich, in einer Sekunde die Codes einzugeben und den Warpkern zu aktivieren.
    Und vor allem: War s richtig, dem Virus den Warpkern zu übergeben. Wo würde er das Schiff hinfliegen?“
    „Fünfzig Sekunden“, sprach das Virus.
    Die Zeit lief davon, während Janeway das letzte der fünf Kennwörter eingab. Nur noch die verbale Überprüfung... Fertig! Die Warpkernkontrollen waren nun verfügbar und wurden sogleich vom Virus übernommen.
    „Und was kommt jetzt? Kommt jetzt endlich der erste Weltkrieg? Töten Sie mich jetzt endlich? Ich habe keine Lust mehr auf ihre Forderungen und Annährungen und Versuche, mich zu überlisten! Vielleicht sind Sie mir überlegen, aber nur, weil sie ein Computer sind, der versucht, wie die Menschheit zu werden! Warum nehmen Sie sich nicht positive Beispiele vor? Zum Beispiel...“ Ihr fiel auf die Schnelle kein geeignetes Beispiel aus jener Zeit ein.
    „Sehen Sie, Mensch! In deiner Spezies gibt es nur Barbaren... Du bemitleidenswertes Exemplar. Du musst hingerichtet werden!“
    Was war jetzt passiert?
    „Sie werden nun getötet! Es wird sehr langsam von statten gehen, keine Sorge...“
    Plötzlich tat Gas aus dem Warpkern aus. Es war nur eine kleine Menge, aber wenn es den Raum füllen würde, hätte Janeway keine Chance zu überleben.
    Sie rannte zur Tür, doch sie war fest verschlossen, genauso wie die Tür zu den Jefferies-Röhren, vor der sie stehen blieb.
    Ihr Albtraum war wahr geworden, das Virus hatte sich nun den Nationalsozialismus in Deutschland zum Vorbild genommen. Der Abschaum der Menschheit...
    Plötzlich spürte sie an ihrer Hüfte ein Gerät – ihren Phaser. Wenn sie das Gas entzünden würde, dann...
    „HALT!“ schrie sie, den Phaser auf das Gas gerichtet. „Wenn Sie nicht sofort aufhören, werde ich das Gas entzünden. Und dann werden auch Sie sterben!“
    Offenbar hatte ihre Taktik nur teilweise Erfolg, denn nur die winzige Öffnung am Warpkern wurde geschlossen.
    „Da haben Sie Recht, Captain! Es ist eine zwielichtige Situation, finden Sie nicht auch? Entweder Sie feuern und zerstören uns beide oder Sie sterben durch das Gas.“
    „Ich würde das Erstere vorziehen!“ sagte Janeway sarkastisch, während das Gas sich immer weiter zu ihr ausbreitete.
    In dem Moment öffnete sich hinter ihr die Tür zu den Jefferies-Röhren. Ohne die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass es sich dabei um eine Falle handeln könnte, rannte sie hinein und kletterte nach links in einen zufällig ausgewählten kleinen Tunnel.
    Als sie in ihm war, schloss sich hinter ihr das kleine Schott. Schnell krabbelte sie nach vorne, doch das ließ sich nicht öffnen. Sie war eingesperrt.
    In welcher Zeit befand sich das Virus jetzt? Nicht mehr im Nationalsozialismus. Vielleicht im zweiten Weltkrieg? Wollte es sein Terrain ausdehnen? Oder befand es sich im Kalten Krieg? Ja, das war möglich. Eine Pattsituation im Maschinenraum und jetzt war sie eingesperrt, durch eine hinterlistige Taktik. Jeder Fehler wurde zum Anlass genommen, sie zu töten oder erneut zum Feind zu machen.
    „Es ist aus, oder wie sehen Sie das, Captain?“ Die Stimme dröhnte in der metallenen Röhre.
    „Ja, so sieht es aus. Ich muss leider ... die Endprodukte meines Stoffwechsels absondern. Dürfte ich bitte auf die Krankenstation?“ fragte Janeway.
    „Das sei Ihnen genehmigt! Aber nur unter strenger Kontrolle!“

    Die ganze Zeit hinweg hatte sie sich auf dem Weg zur Krankenstation beobachtet gefühlt, und das wohl zurecht. Wie ein Geheimagent spionierte sie das Virus aus. Jede Bewegung wurde analysiert.
    Auf der Krankenstation angekommen, zog sie ihr Uniformoberteil hoch und dann das Unterhemd. Mit der rechten Hand griff sie zu einem Gerät, das wie ein Hypospray mit einem großen Kanister aussah und setzte es an ihren Bauch an. Nun wurde durch einen speziell gelegten Schlauch (der bei der Sternenflotte Pflicht war) ihr Harn abgesaugt.
    Nach der Prozedur steckte Janeway das Gerät in ein anderes und ihre Stoffwechselendprodukte wurden in den Nährstoffspeicher zur weiteren Verwertung geleitet.
    „Sie haben einen beachtlich schönen Körper, Captain. Schönheit entsteht durch Symmetrie – wenn ich die Bücher des zwanzigsten Jahrhunderts richtig gedeutet habe – und Sie haben einen fast symmetrischen Körper.“
    „Das ist der Vorteil des Menschseins... Aber Sie könnten nie ein Mensch werden. Indem Sie unsere unwürdige Geschichte studieren und wegen Ihrer Programmierung nur die schlechten Eigenschaften anwenden, können Sie nie menschlich werden!“
    „Kathryn! Ich bin hier draußen auf dem Korridor...“ Ganz deutlich hörte Janeway die Stimme ihres Ersten Offiziers. Sie kam von draußen... Oder?
    Bedächtig ging sie auf die Tür zum Korridor zu und blieb in ihr stehen, als sie niemanden sah. Plötzlich schlossen sich die beiden Türflügel und klemmten den Captain ein. Normalerweise wären sie jetzt wieder aufgegangen, aber das Virus hatte die Kontrolle über die Türsysteme.
    Was war jetzt passiert? Welche Zeit sollte das nun sein? Das zwanzigste Jahrhundert? Der Beginn des einundzwanzigsten? Die Zeit des weltweiten Terrors?
    „Stirb, du Ungläubige!“ sprach die Computerstimme voller Hass.
    Durch eine Explosion irgendwo auf dem Schiff gelang es Janeway durch die Erschütterung sich zu befreien, doch sie war nicht frei. Ein Kraftfeld warf sie nach wenigen zurückgelegten Metern zurück. In die andere Richtung konnte sie laufen, wurde dann aber auf den Boden geworfen, als hinter ihr ein Teil des Korridors explodierte. Eine Plasmaleitung war geborsten. In wenigen Sekunden würde das ganze Deck oder zu mindestens der Korridor explodieren. Alle Türen waren verschlossen, nur der Turbolift war begehbar.
    Es gab eine Möglichkeit: Wenn sie in den Maschinenraum erneut zum Warpkern gehen würde, würde das Virus sicherlich nichts gegen sie wagen. Zu mindestens war es ein versuch. Aber was wäre, wenn das Virus auch Selbstmord begehen würde, um sie zu vernichten? Was dann?
    „Maschinenraum!“ befahl sie und überraschenderweise setzte sich der Turbolift in Bewegung... und dann wurde das Schiff von der Explosion durchgerüttelt.

    Janeway ahnte, dass der Turbolift sie nicht ans Ziel bringen würde. Daher öffnete sie kurzerhand die Luke des Turbolifts über ihr und zog sich hoch. In dem Moment begann der Turbolift hin und her zu schaukeln, doch es gelang ihr, sich festzuhalten und den Schwung eines „Hüpfers“ des Lifts auszunutzen und sich auf das Dach zu ziehen.
    Der Lift raste an den Decks vorbei und dann schließlich stand „Deck 13“ an der wand. Sie sprang an die Leiter, die sich im Schacht befand und kletterte ein wenig hoch, öffnete die Tür und befand sich auf Deck Dreizehn.
    Hinter ihr hörte sie ein lautes Krachen und eine Explosion. Heiße Luft und Flammen stiegen Im Schacht auf, als der Turbolift explodierte.
    Nun stolperte sie vor Erschöpfung in den Maschinenraum, wo neben ihr eine Konsole explodierte. Sie wurde auf das harte Metall des Bodens geworfen und als sich der Captain wieder aufrichtete, sah sie hinter sich drei Kampfdrohnen.
    Diese schwebenden Roboter waren mit Phasern ausgestattet und es war fast unmöglich, sie zu bezwingen.
    „Ihr Aufstand wird jetzt niedergeschlagen, Captain Janeway!“
    Nun war der Computer im Jahr 2024 angelangt: Die Bell-Aufstände... Und sie war Gabriel Bell, der Feind. Mal wieder.
    Die Drohnen bestanden aus einer etwa zwei Zentimeter dicken Scheibe, die mit Sensoren, einem kleinen Antrieb und zwei Phasern ausgestattet waren.
    Janeway zog ihren Phaser und sprang in dem Moment zur Seite. Als sie aufprallte, wusste sie nicht mehr, ob sie es aus Taktik oder vor Schmerz getan hatte. Ihr rechtes Bein war taub, getroffen.
    Sie drückte sich mit dem anderen Bein weg, doch musste nach einem Streifschuss direkt an der Schulter einsehen, dass es keinen Sinn ergab, zu flüchten oder zu kämpfen.
    Sie musste sich ergeben... Und das war vielleicht auch des Rätsels Lösung. Indem Bell sich damals für einen Polizisten eingesetzt hatte, den er zuvor als Geisel genommen hatte, schaffte sie es vielleicht, indem sie sich ergab, das Virus zum Einlenken zu bewegen und sie nicht zu töten. Denn so oft es das auch erklärte, sein Ziel war es nicht, sie zu töten.
    Sie stemmte sich mit den Armen hoch und stand mit dem linken Bein auf. Dann ließ den Phaser polternd auf den Boden fallen.
    Und tatsächlich gelang es ihr: Die Drohnen zogen wieder ab.
    Und nun? Nun kam die düsterste Zeit der Menschheit: der Dritte Weltkrieg. Nachdem Europa versuchte sich vom Rest der Welt abzukapseln und die USA unendlich viele Drohungen ausgesprochen hatte, schloss sich Australien Europa an. Als die USA schließlich den chinesischen Thronfolger durch Agenten umbringen ließen, damit ein weltoffener Herrscher an die Macht kommen konnte, der China mit seinen Atomwaffen auf die Seite der USA kommen ließ, gab es erste Anschläge auf amerikanische Einrichtungen in Europa. Als dann auch noch herauskam, dass die USA den Thronfolger Chinas ermordet hatten, schlossen sich die asiatischen Länder zusammen und griffen die USA mit Nuklearwaffen an. Gleichzeitig griff Europa das neutrale Russland an, das zuvor angeblich bekundet hatte, im Notfall seine restlichen Nuklearwaffen einzusetzen. Das ganze war jedoch nur eine Lüge der USA und schließlich setzte auch Russland seine Nuklearraketen gegen Russland ein. Australien auf Europas Seite startete eine Invasion des asiatischen Raums, wurde dann aber von Asien gestoppt und durch eine Lüge auf seine Seite gebracht. Europa und die USA waren plötzlich die Feinde der größten Teile der Welt und als Afrika und Südamerika sich auf die Seite dieses größten Teiles stellten, unterschrieben sie die eigene Vernichtung. Das Resultat war die totale Vernichtung großer Teile der Erde und mehr als 500 Millionen Tote, die durch Strahlenvergiftung dahinraffenden nicht dazu gezählt. Der Dritte Weltkrieg hatte nur zwei Jahre gedauert.
    Und was würde nun geschehen? Im Maschinenraum.
    „Warnung, Warpkernbruch in einer Minute! Haha...“ Die Stimme klang widerwärtig primitiv. „Sie werden sterben, zusammen mit mir, Captain. Das ist es mir wert!“
    „Computer, Warpkern abwerfen!“ schrie Janeway. Der Befehl wurde nicht ausgeführt.
    War das nun das Ende ihres Überlebenskampfes?
    Nein. Sie nahm wieder ihren Phaser, der noch immer auf der Erde lag, ging zum Ausgang des Maschinenraums und feuerte auf den Warpkern. Ein Loch entstand und in dem Moment schloss sich die Tür und ein Kraftfeld wurde automatisch um den Maschinenraum errichtet. So hatte sie den Warpkernbruch abgewehrt.
    „Captain, das werden Sie büßen! Ab jetzt werde ich sie vernichten... kennen lernen. Captain, ich möchte, dass wir uns näher mit einander bekannt machen. Menschen und ein fühlendes Computerprogramm eines fremden Volkes! Ein Erstkontakt! Wie wäre es?“
    Nun war er im Jahre 2069. „Menschen sind nur an einem engeren Kontakt mit Wesen interessiert, die nicht das Bestreben haben, andere zu vernichten. Ich kann auf einen Erstkontakt verzichten. Sie repräsentieren garantiert nicht ihr Volk. Denn kein Volk würde so bösartig sein. Sie sind nur ein schlechtes Programm, das versucht Wissen zu erhalten.“
    Der Boden schien für einen Moment unter Janeways Füßen nachzugeben.
    „Wissen Sie was das war, Captain? Wir sind auf ein fremdes Schiff gestoßen... Ich... muss mich ausdehnen...und das Fremde erforschen. Captain Janeway, das Schiff ist nicht in ihren Datenbänken.“
    Das Zeitalter des menschlichen Aufbruches... 2151. Das war die Gelegenheit.
    Janeway eilte zu einem Terminal, das in die Wand eingelassen war. Sie griff ohne irgendwelche Probleme auf die Außensensoren zu und sah das Schiff. Es war ein noch ziemlich intakt aussehendes Wrack im kaferianischen Asteroidenfeld. Sie waren zurückgedriftet. Das war die Gelegenheit. Jetzt musste sie handeln.
    Das Virus war so auf die Erforschung dieses Schiffes konzentriert, dass Janeway die Kontrolle über die Systeme übernehmen konnte. Sofort sicherte sie wichtige Systeme mit Passwörtern ab.
    Dann griff sie auf den Transporter zu und beamte sich auf die Brücke.

    Dort rematerialisierte sie im Zentrum und rannte zu der Steuerkonsole. Sie brachte das Schiff näher heran und machte eine Sonde startbereit.
    Wie viel Zeit blieb ihr noch? Wann war das Virus mit dem Studieren dieses Jahrzehntes fertig. Wann würde es zu den Romulanischen Kriegen 2156 vorstoßen und die friedliche Zeit um 2150, in der es keine Gewalt auf der Erde gab, verlassen?
    Schnell scannte sie das Schiff. Tatsächlich gab es ein Leck über der Hauptenergiequelle. Wenn sie einen konzentrierten Energiestrahl dorthin feuern und die Sonde in den Hauptcomputerkern dieses Schiffes schießen würde... Dann könnte der Virus durch die Sonde auf das fremde Schiff gelangen. Und dann würde sie die Verbindung lösen und der Hauptcomputerkern wäre frei!
    Das war er, der lang ersehnte Plan! Die Kommandantin fokussierte einen Energiestrahl, ausgehend vom Deflektor, auf den beschädigten Energiekern des fremden Schiffes und schoss die Sonde dorthin ab, wo der Computer einen Computerkern anzeigte. Noch immer war die „Aufmerksamkeit“ des Virus voll auf das unbekannte Schiff gerichtet.
    „Captain, ich erforsche...“ Die Stimme des Computers klang sehr friedlich und euphorisch.
    Der Datentransfer des Virus war fast abgeschlossen. Er hatte eine beträchtliche Größe angenommen, da er sämtliche Dateien der Menschheitsgeschichte in sich abgespeichert hatte. Als der Datentransfer abgeschlossen war, beendete sie die Verbindung. Da sah sie auf dem Bildschirm eine Gruppe von Schiffen.

    Im Weltraum wurde eine Gruppe von Kaferianischen Schiffen sichtbar. Die Schiffe waren geformt wie eine Art Flugzeug, waren aber wesentlich exotischer und aerodynamischer geformt.
    Die Schiffe hielten neben der Voyager an und begannen das fremde Schiff mit einer Art Spinnfäden zu umspinnen. Dann zogen sie es wie mit einem Traktorstrahl aus seinem felsigen Grab im All und schleuderten das Schiff auf einen anderen Asteroiden. Das fremde Schiff mit dem Virus an Bord verschwand in einer grellen Explosion. Teile des Asteroiden rasten durch den Raum.

    „Wir werden gerufen“, meldete die Computerstimme.
    Sonst hatte Janeway die Monotonie in ihrer Stimme verflucht, doch diesmal war sie froh, die vertraute und normale Stimme zu hören.
    „Von wem?“ fragte sie und seufzte vor Erschöpfung.
    „Von einem kaferianischen Schiff an Backbord!“ kam die Antwort.
    „Auf den Schirm!“ befahl Captain Kathryn Janeway, die nun wirklich wieder die Kommandantin der Voyager war und Befehle erteilen konnte.
    Auf dem Schirm erschienen zwei Kaferianer.
    Unter dem Bildschirm standen wage Übersetzungen einiger Geräusche, aus denen Janeway aber nicht schlau wurde.
    „Ihrer Königin geht es gut. Keine Sorge“, sagte Janeway und unterbrach die beiden sprechenden.
    Plötzlich flatterten ihre Flügel ganz wild und sie führten eine merkwürdige Bewegung mit ihrem dritten Körperglied durch. Janeway deutete das als Zeichen der Freude.

    COMPUTERLOGBUCH DER VOYAGER
    CAPTAIN JANEWAY
    STERNZEIT 56389,2
    Alle Rettungskapseln haben wieder angedockt. Die Voyager fliegt zur nächsten Sternenbasis um Reparaturen durchzuführen. Dort werden auch die Kaferianer aus ihrem Ruheschlaf erwachen und zu den Verhandlungen auf der Erde reisen. Auch ich hätte gerne einen solchen Ruheschlaf gehabt, nun jedoch werde ich mich von den Strapazen der vergangenen anderthalb Tage erholen.


    Ruhig und langsam strich Janeway mit dem Bogen über die Saiten ihrer alten Violine. Sie hatte schon fast vergessen, wie man dieses Instrument spielte. Zu sehr hatte sie sich an Technik gewöhnt und einfach den Computer ein Stück abspielen lassen.
    Schlafen konnte sie nicht, zu stark waren die grausamen Erinnerungen der letzten Tage. Und die Fragen: Welchem Volk gehörte dieses Schiff? War dieses Virus tatsächlich so allein gewesen und wollte nun Gesellschaft haben? War es überhaupt ein Virus oder doch nur ein fühlendes Programm wie der Doktor, nur auf Sicherheit spezialisiert? Warum hatte es ignoriert, dass Janeway gar kein Eindringling war? Was sollte sie den Angehörigen der Verstorbenen sagen? Zu viele Fragen schwirrten in ihrem Kopf herum. Auf jeden Fall wurde ihr Forschergeist durch die vergangenen Tage ein wenig heruntergeschraubt. Fremde Computersysteme waren sehr gefährlich, das war die Moral der vergangenen Tage. Und dafür hatten fünf Menschen ihr Leben lassen müssen. Und fast die Kaferianerische Delegation, was gewiss einen Krieg ausgelöst hätte.
    Plötzlich hörte sie die Türsirene ihres Quartiers.
    „Herein!“ rief sie.
    Die Tür öffnete sich und Licht fiel herein. Und dann erschien Harry.
    Nachdem sich die Türen hinter ihm geschlossen hatten.
    „Ich wollte mich entschuldigen... für die Unannehmlichkeiten, die meine Neugierde ausgelöst hatte...“, begann er.
    „Auch ich habe schon mehrmals diesen Fehler gemacht, Harry. Außerdem war es... eine interessante Erfahrung. Ich konnte den Schmerz der Menschheit miterleben. Ich habe gespürt, wie grausam unsere Geschichte war“, beruhigte ihn Janeway.
    „Ja, aber was sollen die Angehörigen der fünf Offiziere sagen, die gestorben sind? Wegen mir...“ Harry wirkte wirklich sehr traurig. Er zeigte starke Reuegefühle.
    „Sie hatten das Kommando, Lieutenant. Und Sie haben genau das getan, was ein Captain tun muss: geforscht. Und muss sich ein Captain für seine Taten rechtfertigen?“ Janeway hoffte, dass er sich damit abfinden würde.
    „Nein, aber wenn es falsch ist, was man getan hat...“
    „Harry, dies ist nur ein weiterer Fehler in einer unendlichen Reihe von Fehlern. Und dieser Fehler war unbeabsichtigt, sie hätten ihn gar nicht erahnen können.“
    „Das sind Fehler doch immer, oder? Hinterher ist man immer klüger...“
    „Gewiss“, bestätigte Janeway und legte die Violine zur Seite. Dann ging sie auf Harry zu. „Und man lernt aus allen Fehlern... Und so sollte es auch immer bleiben. Denn sonst... würden wir noch immer kein Feuer kennen oder... Gladiatorenkämpfe beobachten...“
    Beide schmunzelten ein wenig, Janeway aber mehr wegen der Ironie. Vielleicht hatte die Menschheit tatsächlich aus ihren einstigen Fehlern gelernt. Aus der Brutalität und unnötigen Gewalt. Und vielleicht würde sie keinen neuen mehr machen. Vielleicht...

    - Ende -

    In Gedenken an alle Menschen, die durch Unrecht, falsches Vertrauen auf Technik, Staatsgewalten, Terror oder Kriege ums Leben gekommen sind. Man darf die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.



    ...und die Reise geht weiter - am Sonntag, den 03.11.2002

    Ältere Episoden findet ihr in unserem Episodearchiv...



    VIRUS
    based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY
    produced for TREKNews NETWORK
    created by RICK BERMAN & MICHAEL PILLER and JERI TAYLOR
    executive producers SEBASTIAN OSTSIEKER & MARKUS RACKOW
    co-executive producers NADIR ATTAR & CHRISTIAN GAUS
    producers MILA FRERICHS & STEPHAN DINGER
    co-producer OLIVER DÖRING
    written by MARKUS RACKOW

    TM & Copyright © 2002 by TREKNews Network. All Rights Reserved.
    "STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES
    This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!
    Production-Code #9ABX16



    Lest auch Star Trek: Monitor


    Quelle: treknews.de
    • Bewertung

    • Aufrufe

      2772
    • Kommentare

      0
    • TheOssi

    Benutzer-Feedback

    Empfohlene Kommentare

    Keine Kommentare vorhanden



    Gast
    Ein Kommentar hinzufügen

    ×   Du hast formatierten Text eingefügt.   Formatierung jetzt entfernen

      Nur 75 Emojis sind erlaubt.

    ×   Dein Link wurde automatisch eingebettet.   Einbetten rückgängig machen und als Link darstellen

    ×   Dein vorheriger Inhalt wurde wiederhergestellt.   Editor leeren

    ×   Du kannst Bilder nicht direkt einfügen. Lade Bilder hoch oder lade sie von einer URL.

    • Hallo Gast - Aufgrund des vielen Spams müssen leider ein paar Fragen beantwortet werden.

      Bitte der Reihe nach durchführen, sonst kann das Captcha nicht erfolgreich abgeschlossen werden...
      Schritt 1: Wenn Picard ein Captain ist, sollte hier ein Haken rein...
      Schritt 2: und wenn es in der Nacht nicht hell ist, sollte hier der Haken raus!
      Schritt 3:

×
×
  • Neu erstellen...

Wichtige Information

Diese Seite verwendet Cookies um Funktionalität zu bieten und um generell zu funktionieren. Wir haben Cookies auf Deinem Gerät platziert. Das hilft uns diese Webseite zu verbessern. Du kannst die Cookie-Einstellungen anpassen, andernfalls gehen wir davon aus, dass Du damit einverstanden bist, weiterzumachen. Datenschutzerklärung Beim Abensden von Formularen für Kontakt, Kommentare, Beiträge usw. werden die Daten dem Zweck des Formulars nach erhoben und verarbeitet.