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  • Voyager9 - 9x22: Verabschiedungen

    Tom's Erlösung...
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    • TheOssi
    Tuvok berichtet bei einer Stabsbesprechung von dem merkwürdigen Gespräch mit seinem alten Bekannten bei den Ferengi. Man weiß damit nichts mit dessen Informationen anzufangen und kommt auf den Doktor zu sprechen: Entweder man findet seine Erinnerungsdateien oder man muss ihn mit einem Backup-Programm neu starten.Unterdessen versucht Sektion 31 von der gefangenen Janeway Informationen über die Reise der Voyager durch den Deltaquadranten zu erhalten. Informationen, die die Crew unterschlagen hat…

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    Gewidmet den tapferen Männern und Frauen aus verschiedensten Nationen, die beim tragischen Unglück der Columbia ums Leben gekommen sind. Sie durchstießen gemeinsam für alle Menschen, gleich welcher Hautfarbe, Religion oder Nationalität, die unendlichen Weiten des Universums, öffneten uns ein kleines Fenster in den riesigen Kosmos und erweiterten die Grenzen unseres Seins.
    Sie zeigten uns, dass es möglich ist.



    Space – the final frontier...

    Vielleicht haben wir gemeint, dass wir das Universum beherrschen könnten, dass es ein weiterer Teil der Erde sei. Doch dort oben lauern mehr Gefahren, als es der menschliche Geist je für möglich halten könnte.
    Beinahe auf den Tag genau vor 17 Jahren wurde die Welt schon einmal geschockt, als die Raumfähre Challenger am 28. Januar 1986 nicht einmal in den Orbit kam. Und jetzt dies. Die sieben Astronauten waren schon fast zu Hause, eine gute Viertel Stunde vom Raumhafen entfernt. Es ist seltsam. Noch vor ein paar Wochen las ich ein Buch, in dem ebenfalls ein Shuttle verunglückte. In diesem Buch „Die Rückkehr“ verunglückte – wie kann es anders sein – auch die Columbia.
    Als Fan von Star Trek war mir immer klar, dass das Universum sich niemals würde beherrschen lassen. Doch das so etwas wirklich einmal passieren könnte hätte ich nie für möglich gehalten. Ein fataler Trugschluss.
    William Shatner sagte einst, dass der Sendeplatz von „Raumschiff Enterprise“ vom Erfolg des US Raumfahrtprogramms abhing. Lief alles gut, liefen sie zu den besten Zeiten. Wenn die Russen vorne lagen liefen sie spät nachts.
    Was soll nun mit unserem kleinen Projekt geschehen, an diesem heutigen Tag? Auch während ich die Nachrichten in diesem Moment mitverfolge kann ich es immer noch nicht glauben. Wie am 11.September bin ich des Glaubens, einen schlechten Film zu sehen.

    Was sagt uns Star Trek? Der Mensch ist klein, geradezu winzig im Vergleich zu den Sternen über uns. Wir können nicht vorsichtig genug sein. Und dürfen nie zu selbstsicher werden.
    Ein Staubkorn genügt, um alles zu zerstören und riesige Löcher in die Aluminiumwände der Space Shuttle zu schlagen. Sollen wir deshalb aber zurückschrecken und uns auf der sicheren Erde verkriechen?
    Der Mensch hat aus seinen Fehlern viel gelernt. Und er wird noch mehr lernen. Wird es lernen müssen.
    Denken wir an die sieben Leben die durch dieses Unglück verloren gingen.
    Aber nicht nur an dieses, sondern auch an alle, die durch solche Tragödien Tag für Tag sterben.

    Lebt lang und in Frieden

    - Christian Gaus


    Prolog


    Kathryn Janeway hatte gerade ihre Uniform ausgezogen und sich zum Schlafen bereit gemacht, da summte der Türmelder. Müde zog sie sich noch einmal ihren Bademantel über und schleppte sich zur Tür. Das Gästezimmer der Basis war nicht all zu groß, als dass sie sich hätte verlaufen können. Außerdem ähnelten sich die Sternenflottenquartiere. Hatte man eines gesehen kannte man die restlichen auch.
    Sie betätigte einen Lichtschalter und wandte sich der Tür zu.
    „Wer ist da?“
    „Es tut mir leid Captain, wenn ich Sie störe. Es eine Fehlfunktion in der Energieverteilung. Mir wurde angeordnet, dies sofort zu reparieren.“ Antwortete eine männliche Stimme von draußen.
    Janeway seufzte und rieb sich die Stirn. „Gut, kommen Sie rein.“
    Die Tür öffnete sich und Licht fiel vom Korridor in das dunkle Zimmer. Ein junger Techniker trat ein.
    „Danke Ma’am.“ Die Tür schloss sich wieder.
    „Sie wissen mit Sicherheit, wo der Energieverteiler ist.“ Antwortete sie nur. Am Ende dieses Tages und mit dem Bankett vor Augen hatte sie nicht viel Lust, sich auch noch mit irgendwelchen technischen Problemen zu beschäftigen. Sie wandte sich von dem jungen Mann ab und wollte schon wieder in ihre Schlafzimmer gehen, als sie plötzlich ein Zucken in ihrem Rücken spürte.
    Blitzartig drehte sie sich um und sah, dass der Mann eine Projektilwaffe in den Händen hielt. Da verschwamm auch schon alles vor ihren Augen. Ihre Beine gaben nach und sie sackte in sich zusammen.
    Das Nächste, an das sie sich erinnerte war, dass sie festgeschnallt wurde.
    Die Formen um sie herum nahmen Konturen an. Sie saß auf einem Stuhl, in einem dunklen Raum. Eine helle Lampe beleuchtete sie von oben, sie war daher unfähig etwas zu erkennen.
    Schritte hallten in diesem dunklen Raum.
    Ein Mann stellte sich vor sie. Janeway spürte dessen Anwesenheit.
    „Wer sind Sie?“
    „Das ist unwichtig,“ antwortete er Doch seine Stimme schien von allen Richtungen zu kommen, während ihre Frage keinen solchen Effekt hervorgerufen hatte. „Wichtig ist nur, dass Sie jetzt hier sind. Und dass sie mir ein paar Fragen beantworten werden. Wenn Ihnen etwas an ihrem Leben liegt.“
    Janeway wollte antworten, als sie ein Hypospray an ihrem Hals spürte. Kurze Zeit später wurde es ihr wieder schwindlig und sie fiel in Bewusstlosigkeit.

    „Sternzeit 50425,1. Mit welcher Spezies hatten Sie Erstkontakt?“ Der Mann ihr gegenüber schrie sie an. Nicht irgendein Mann. Es war Sheridan, der sich ihr vor noch nicht all zu langer Zeit als Botschafter ausgegeben hatte. Im Moment war ihr dies egal, sie erkannte ihn nicht einmal genau.
    Seit einigen Stunden schrie er sie schon so an und er schien dem nicht müde zu werden. Doch Janeway war dem nicht gewachsen. Immer wieder rief er Daten ab, die sie nicht zuordnen konnte. Die sie nicht wissen konnte. Doch er fragte erbarmungslos weiter.
    „Die Tak Tak,“ antwortete sie gequält. Immer wieder gab sie Antworten, obwohl sie sich eigentlich dagegen wehren wollte. Doch die Mittel, die ihr immer wieder injiziert wurden, lösten einen solchen Stress und eine solche Übermüdung aus, dass sie nur noch wollte, dass es vorbei war.
    „Sternzeit 54557,9. Mit welcher Spezies hatten Sie Erstkontakt?“
    Janeway drehte ihren Kopf hin und her, soweit dies möglich war.
    „Ich kann nicht mehr, ich brauche Wasser,“ stöhnte sie.
    „Sie kriegen gar nichts, solange ich nicht habe, was ich will!“ schrie sie Sheridan an. Seine Stimme klang autoritär und kraftvoll. Und in keinster Weise verzweifelt. Er schien alle Zeit der Welt zu haben.
    Erschöpft wandte sie sich ihm wieder zu, doch sie konnte kaum ihre Augen aufhalten. Und noch bevor sie noch mal etwas sagen konnte, fiel ihr Kopf zu Seite. Sofort drang wieder ein Hypospray aus der Dunkelheit an ihren Hals. Wenige Sekunden später schreckte sie auf und sah mit großen Augen und kleinen Pupillen nach vorne.
    „Nun Janeway? Sind Sie bereit mir zu gehorchen?“
    „Die Quarren.“
    „Sternzeit 51367,2. Erstkontakt mit wem?“ Er schien sich die Sternzeiten immer auszudenken, er hatte kein PADD in der Hand, sondern richtete seinen durchdringenden Blick die ganze Zeit auf die festgekettete Janeway, die nichts anderes an ihrem Körper trug, als ihr Nachthemd und eine leichte Hose.
    Es dauerte eine Weile, bis sich Janeway erinnerte. Die Drogen vernebelten einiges in ihrem Gehirn. Sie wartete nur darauf, dass sie mit einem Nierenschaden zusammenbrach.
    Sie hatte Gesichter vor Augen, doch Namen wollten ihr nicht einfallen.
    Sie weinte. „Nein, nein, ich kann nicht mehr.“
    „Dann Sternzeit 50639,2.“
    „Nein! Ich werde nichts mehr sagen.“ Schrie sie. Zu niemand bestimmten, vielleicht auch zu sich.
    „Sie verstehen den Ernst der Lage wohl nicht Janeway. Sie sind ein Wurm, der sich mir unmöglich entziehen kann. Sagen Sie was Sie wissen und es wird bald vorbei sein.“
    „Verdammt ich weiß nichts,“ antwortete sie. „Was sind Sie für ein Folterknecht? Sie zeigen sich nicht einmal.“
    Und noch bevor sie ausgesprochen hatte, spürte sie einen Druck an ihrer Kehle. Sie bekam keine Luft mehr.
    Sheridan hatte sich dicht über sie gebeugt. Und allein die Kraft einer Hand reichte für ihn, um ihr das Leben nehmen zu können. „Hier bin ich! Geht es Ihnen jetzt besser oder sollen wir weiter machen wie bisher?“ Er flüsterte ihr diese Worte zu. Doch dabei verloren sie nichts an ihrer Bedrohlichkeit.
    Er wich zurück. Wieder an seinen alten Platz.
    „Sie sollten es sich genau überlegen mit wem Sie sich anlegen, Kathy.“
    Janeway röchelte. Wieder wurde sie bewusstlos, doch dieses Mal weckte man sie nicht wieder.

    I


    Das kleine Raumschiff flog eine scharfe Linkskurve und ging dann sogleich in einen Sturzflug über, der viel extremer als das war, was man sonst hätte fliegen dürfen. Unter normalen Umständen hätte jedes Raumgefährt schwere Schäden von einem solchen Manöver davon getragen, doch dies war kein Schiff wie jedes andere. Das neu entworfene Modell namens Anaconda stellte einen Höhepunkt in der Konstrukteurstechnik der Sternenflotte dar. Mit diesem neuen Shuttletyp waren Flugmanöver möglich, die jahrelang als unmöglich gegolten hatten und nun Wirklichkeit wurden. Doch ein solches Raumschiff, welches bei solchen Flugmanövern derartig hohe Geschwindigkeiten erreichen konnte, musste von einem erfahrenen, sehr kompetenten Piloten geflogen werden. Immerhin konnte es, wie bei jedem Prototyp, Macken geben. Fehler, die im Falle eines Falls zu großen Gefahren führen konnten. Nur eine Person mit ausreichender Flugerfahrung wäre dann in der Lage, das Gefährt unter Kontrolle zu behalten. Und genau aus diesem Grunde hatte die Sternenflotte den besten engagiert: Tom Paris, den ehemaligen Navigator der Sternenflotte, der nun als Testpilot für eine Firma in Australien arbeitete, die übrigens einen entscheidenden Anteil an der Konstruktion von Anaconda geleistet hatte.
    „Wohoo!“ rief Paris, als er eine weitere Wende einleitete und auf die Voyager zuraste. Er fühlte sich gut, er fühlte sich wohl. Natürlich war es ein herrliches Angebot gewesen, ein solch neuartiges Schiff, welches bald zum Standard innerhalb der gesamten Föderation werden könnte, als erstes zu fliegen. Die Anaconda an ihre Belastungsgrenzen und sogar darüber hinaus zu bringen, das war sein Ziel. Es galt auszutesten, wie weit ein Pilot mit dem Schiff gehen konnte. Doch dies war nicht allein der Grund gewesen, das Engagement anzunehmen. Dieser Auftrag bot ihm auch eine willkommene Aufgabe, wieder an Bord der USS Voyager zurückzukehren, um seine alten Freunde zu besuchen. Vor einem knappen halben Jahr hatte er sie das letzte Mal gesehen und damals hatte er noch nicht einmal so richtig seinen Aufenthalt genießen können Denn immerhin hatte es gegolten, nebenbei das Schiff und damit das Leben von über 150 Besatzungsmitgliedern vor einem Bombenanschlag von Sektion 31 zu bewahren. Dass er damals fälschlicherweise von seinen Kameraden für den Täter gehalten worden war, hatte ihn nicht allzu viel Kopfzerbrechen bereitet gehabt. Der Geheimdienst, der ihn vor seiner Urlaubsreise angeworben hatte, hatte ihn auf diese Erfahrung vorbereitet, ja ihm sogar klar gemacht, dass diese Reaktion wahrscheinlich sei und ihm Mittel und Wege zur Verfügung gestellt, wie er trotzdem freikommen und den wahren Täter identifizieren konnte. Zu dumm, dass Fähnrich Ruzov, falls dies überhaupt ihr richtiger Name war, rechtzeitig vor ihrer Festnahme entfliehen konnte. Nun gut, man konnte nicht alles haben und sicher würden sie sie früher oder sicher aufspüren und zur Verantwortung ziehen können.
    Tom atmete tief durch und fuhr mit den Fingern über die Tastatur seines Fluggerätes. Routiniert beantragte er Landeerlaubnis und flog dann das Schiff sanft in den Hangar der Voyager. Sanft, geradezu zärtlich setzte die Anaconda im Hangar auf und Tom Paris begann die Geräte abzuschalten und das Schiff zu verlassen. Draußen erwartete ihn sein bester und langjährigster Freund Harry Kim, der es endlich, nach neun viel zu langen Jahren zum Lieutenant Senior Grade gebracht hatte. Ganz ehrlich gesagt, hatte Paris es doch sehr seltsam gefunden, dass der junge Mann trotz seines exzellenten Dienstes niemals von Captain Janeway während ihrer Zeit im Delta-Quadranten befördert worden war. Sicher hatte die Kommandantin, die nun bei einem festlichen Bankett abseits der Voyager weilte, ihre Gründe gehabt. Denn, wie wir alle wissen, Kommandanten irren nie und wissen immer, was das Beste für ihre Mannschaft war.
    „Wie war es?“ fragte Kim freundlich und konnte sich schon die Antwort denken, als er das zufriedene Gesicht seines Freundes sah.
    „Exzellent. Das Fluggefühl ist immer noch hervorragend und sie fühlt sich toll unter meinen Fingern an. Wenn du mich fragst, kann dieses Schiff neue Standards innerhalb der Flotte setzen.“
    „Zu dumm, dass nicht dein Gefühl entscheidend für die Frage nach einer Serienproduktion ist!“
    „Da hast du Recht. Die Sternenflotte würde weitaus besser mit einem kompetenten Mann wie mir, der alle Entscheidungen in dieser Hinsicht trifft, fahren.“ gab Tom lachend zu. „Hast du die Flugdaten?“
    Der Einsatzoffizier hielt ein Padd in die Höhe.
    „Alles hier drauf gespeichert. Ich schlage vor, dass wir es später mal gemeinsam durchgehen. Du solltest dich aber erst einmal ausruhen.“
    Der Vater einer kleinen Tochter winkte ab und wandte sich wieder in Richtung des Raumschiffes, welches er fast schon ebenfalls als Kind, als ein Objekt, welches seiner Fürsorge bedurfte, ansah.
    „Du kannst ruhig Pause machen,“ meinte Tom, „aber ich möchte noch ein wenig an der Anaconda herumschrauben. Vielleicht kann ich das Schiff noch einen Tick wendiger machen, wenn ich das Backbordtriebwerk ein wenig anders justiere.“
    Harry schüttelte den Kopf, trotzdem war es keine missbilligende Geste. Immerhin gönnte er seinem Freund, nach diesem harten Jahr in romulanischer Gefangenschaft, diese Freude. Sollte er doch jeden Moment seines Lebens auskosten, so lange er nicht seine Gesundheit zu sehr gefährdete. Und Thomas Eugene Paris sah nicht so aus, als würde er im nächsten Moment einen Herzanfall erleiden. Kim nickte, verließ die Shuttlerampe und vernahm dabei noch das leise, fröhliche Pfeifen seines Freundes.

    Der große Konferenztisch wirkte seltsam leer. Chakotay saß auf dem Platz des Kommandanten, bis Janeway von ihrem Bankett zurück sein würde. Rechts von ihm saßen Tuvok und Kim. Links von ihm Tema’na, seine Frau Annika und Reg Barclay.
    „Was wissen wir Neues Tuvok?“ begann Chakotay.
    „Ich sprach mit Molk, einem alten Freund von mir auf Ferenginar. Und was er mir berichtete war äußerst unlogisch.“
    „Das ist bei den Ferengi nichts Neues.“ Fügte Tema’na an. Sie betrachtete diese Spezies als kleine Käfer, die zu nichts gut waren.
    „Bitte Fähnrich, lassen Sie ihn aussprechen.“ Richtete Chakotay sie zu Recht.
    Tuvok fuhr unbeeindruckt fort. „Anscheinend haben die Ferengi ihr Verlangen nach Profit und Geld aufgegeben. Molk konnte keine Gier mehr feststellen. Manche verschenkten sogar ihren Besitz.“
    „Bei einer Spezies, die sogar ihren Leichnam verhökert ist das wirklich seltsam.“ Ergänzte Harry Kim. Nur zu gut konnte er sich noch an Quark erinnern. Vor neun Jahren wollte er ihn schon über den Tisch ziehen. Seither hütete er sich vor den Ferengi.
    „Kann dies nicht an diesem Nagus Rom liegen?“ fragte Barclay nach.
    Chakotay schüttelte den Kopf. „Rom hat zwar einiges reformiert, jedoch traue ich ihm nicht zu, dass er die ganze Gesellschaft über Nacht reformieren kann. Dies kann niemand. Besonders nicht bei solchen Dingen, die sich seit Jahrtausenden in das Leben eingebrannt haben.“
    „Es wäre, als würden wir plötzlich aufhören zu essen oder zu atmen.“ Verglich Kim die Situation.
    „Molk erwähnte einen neuen, mir bisher unbekannten Bündnispartner. Eine Vereinigung mit dem Namen Transgalaktische Union. Was es mit dieser Union jedoch auf sich hat, konnte er mir nicht mehr mitteilen.“
    Der erste Offizier lehnte sich zurück und sah in die Runde. „Transgalaktische Union. Sagt mir nichts. Könnten die eine Art von Übermächtigen sein, die in der Lage sind, andere Spezies zu kontrollieren?“
    „Bei so vielen? Da müssten sie schon Q sein,“ mutmaßte Annika Hansen.
    „Und dass sich Q so geheimnisvoll an uns heranschleicht halte ich für äußerst unwahrscheinlich,“ gab Harry zu bedenken.
    Chakotay dacht nach. Hatte diese Union etwas mit der Sache zu tun? Doch wo war dann der Zusammenhang zwischen dieser Union und den Vorkommnissen auf der Erde? Waren Sie schon im Begriff, auch die Erde zu übernehmen? „Es ergibt keinen Sinn. So wie vieles, das wir in letzter Zeit erlebt haben. In Ordnung.“ Er raffte sich wieder auf und setzte sich gerade hin. „Tuvok, führen sie ihre Untersuchungen weiter. Aber unauffällig.“
    „Aye Sir.“
    „Und Sie Harry, überwachen die diplomatischen Kanäle. Wenn das so weiter geht werden wir bald isoliert sein.“
    „Ich werde meine Augen und Ohren Tag und Nacht aufhalten.“
    „Überanstrengen Sie sich nicht. Ich möchte nicht, dass sie noch beim Doc auf der Krankenstation landen.“ Erst als er den Satz zu Ende gesprochen hatte fiel ihm auf, was er gesagt hatte. Der Doc funktionierte immer noch nicht. Und sein Lächeln verwandelte sich in eine steinerne Miene.
    „Mr. Barclay, wie steht es mit den Reparaturen des Docs?“
    Barclay überlegte gut, bevor er eine Antwort gab. „Ähm, nun, es ist so. Nein, lassen Sie mich es so ausdrücken...“
    „Sie kommen nicht weiter, ist es das Commander?“ kam ihm Chakotay zuvor.
    „Ja, so ist es.“ Gestand Reg hilflos.
    „Haben Sie Dr. Zimmerman schon kontaktet?“ fragte Kim.
    „Habe ich. Er ist jedoch zurzeit auf Risa. Außerdem hat er vor mehr als einem Jahr gesundheitsbedingt aufgehört zu arbeiten. Er ist nicht mehr fit in dem Bereich der Holotechnik.“
    „Also auch keine Hilfe. Was haben wir für Möglichkeiten Mr. Barclay?“ stellte Chakotay fest.
    „Ohne diese Engramme fehlen ihm nicht nur die letzten Jahre, sondern auch die Erfahrungen und die Persönlichkeit. Ich könnte versuchen ihn so zu reaktivieren, wie er momentan ist. Ich glaube jedoch, dass seine Matrix dann so hohl und ausgelöchert wäre, dass er kollabieren würde. Auch wenn die Möglichkeit besteht, dass er wieder der Doc wird, den wir kennen, nur eben mit einer Amnesie. Die andere Möglichkeit, die ich bevorzugen würde, da sie sicher ist, ist die, ihn mit einem Backup-Programm neu zu starten.“
    „Sie meinen, so wie wir es schon einmal gemacht haben, als der Doc an Gedächtnisschwund litt?“ fragte Chakotay nach.
    Auch Barclay erinnerte sich an diesen Vorfall vor sieben Jahren, natürlich nur aus Aufzeichnungen. „Nein, diesmal ist es etwas anderes. Die Matrix ist theoretisch stabil. Es fehlt ihm ein Großteil seiner Datenbank. Damals zersetzte sich ja seine Matrix, da sich ein Fehler in seinem Programm eingeschlichen hatte. Er wurde damals praktisch bei lebendigem Leibe aufgefressen.“
    „Was wären demnach die Auswirkungen?“
    „Es wäre weitaus dramatischer als vor sieben Jahren. Es käme einem kompletten Reset gleich. Alles was wir vom Doc kennen, würde gelöscht werden.“
    Chakotay stöhnte. „Dann heben wir uns diese Möglichkeit bis zum Schluss auf. Ich will nichts Unnötiges riskieren.“
    „Wir sollten aber nicht zu lange warten. Seine übrige Programmierung zersetzt sich bereits. Lange kann ich die Matrix nicht mehr aufrechterhalten.“
    „Wie lange?“
    „Ich weiß es nicht. Der Zerfall ist unregelmäßig.“
    „Dann können wir ja gleich das MHN Typ 10 einbauen, bevor diese Matrix zusammenbricht. So viel ich weiß, ist dieses nach einer andorianischen Ärztin gestaltet worden...“
    „Das kommt nicht in Frage Fähnrich Tema’na.“ Chakotay sah genervt zu ihr. „Wenn Sie nichts Konstruktives zu unserer Runde beitragen können, bleiben Sie besser ruhig. Der Doktor wird nicht aufgegeben. Er ist ein Kollege wie jeder andere und hat uns auch schon das Leben gerettet. Das sind wir ihm schuldig.“
    Einen Moment kehrte Stille in die Runde ein. Dann sah Chakotay zu Kim.
    „Wann erreichen wir das Testgebiet für die Anaconda?“
    „Wir sind in 3 Stunden da.“
    „Sagen Sie Tom bescheid. Er soll sich bereit machen,“ wies Chakotay an.
    Harry lächelte. „So viel ich weiß, hat er die Shuttlerampe seit heute morgen nicht verlassen. Er ist bereit.“
    „OK, dann bedanke ich mich. Wegtreten.“
    Die Crew stand auf und verließ den Raum in Richtung Brücke. Der erste Offizier der Voyager blieb noch etwas und schaute aus dem Fenster. „Gut, dass Sie sich nicht mit solchen Problemen rumärgern müssen Kathryn. Wahrscheinlich genießen Sie gerade Musik und Essen. Und ich spreche mit mir selbst.“
    Dann schob er die Gedanken an Janeway beiseite und begab sich ebenfalls auf die Brücke.

    II


    Sheridan begab sich aus dem Verließ, dass sie für Janeway - und Personen wie sie - errichtet hatten. Und noch immer hatte er von ihr nicht das erfahren, was sie wollten. Anscheinend hatte sie einen härteren Willen als er angenommen hatte und ihre geistige Konzentration und Verschwiegenheit grenzte an die eines Vulkaniers.
    Durch einen dunklen, kurzen Gang gelangte er in das Observationszimmer, von welchem aus Janeway überwacht wurde.
    „Sie ist stur,“ sagte Koshic.
    „Kann man wohl sagen. Sie beschwört sogar von einigen Spezies noch nie etwas gehört zu haben, die wir in den Erinnerungen des Doktors gefunden haben.“ So leise wie möglich, was eigentlich unnötig war, da Janeway ihn nicht hören konnte, trat er an das Fenster, durch das sie Janeway von der Seite sehen konnten.
    „Wie weit können wir noch gehen?“ fragte Sheridan.
    „Nicht mehr so weit. Sie muss in etwas zwanzig Stunden wieder an Bord der Voyager sein. Von den Medikamenten sind wir an der Obergrenze. Ansonsten könnten sie etwas beim Beamen merken. Auch vom Körperlichen her ist es kompliziert. Es könnte bei einer genaueren Untersuchung auffliegen.“ antwortete Koshic, der Janeway unter Drogen gesetzt hatte und sie überwachte.
    „Dann werden wir die nächsten Stunden weitermachen wie bisher.“
    „Da ist noch was.“
    „Und was?“
    „Wir haben eine Subraumverbindung von der Voyager abfangen können. Anscheinend sprach der Sicherheitschef, Lieutenant Commander Tuvok mit einem Ferengi Namens Molk auf Ferenginar.“
    Sheridan verstand nicht ganz. „Sie wissen doch genau, dass mich solche Privatgespräche nicht interessieren. Wieso nerven Sie mich damit?“
    „Weil Molk die Transgalaktische Union erwähnte.“
    Entsetzt, als hätte er einen Geist gesehen, wandte sich Sheridan wieder Koshic zu. „Die Union? Was hat er gesagt? Sie existiert also doch.“
    „Offenbar. Molk erwähnte, dass die Ferengi ein Bündnis mit ihr eingegangen sind.“
    „Das letzte Teil in unserem Puzzle. Koshic, wir dürfen keine Zeit verlieren. Wir müssen jemanden hinschicken und sie infiltrieren. Wir haben doch noch die ungefähren Koordinaten?“
    „Ja, die haben wir. Aber wen sollen wir schicken? Die werden nicht erfreut sein, wenn ein Mensch oder Vulkanier dort erscheint.“
    „Es muss jemand sein, der der Föderation nahe steht, aber kein Angehöriger der Föderation ist. Und er muss verfügbar sein.“ überlegte er. Nur wenig später kam ihm die rettende Idee. „Machen Sie alles startklar. Sie werden zu Erde fliegen.“

    Zu dieser späten Stunde war das Casino, der übliche Treffpunkt für die Besatzungsmitglieder des Raumschiffs Voyager leer. Es war später Abend und die meisten Crewleute hatten ihren Dienst beendet, oder, wenn man zur Nachtschicht gehörte, ihren gerade begonnen. Inmitten dieser Einsamkeit saßen Lieutenant Harry Kim und Tom Paris an einem der Esstische, die in Richtung der Fenster, welche die Schlieren des Warpfluges zeigten, gerichtet und gingen einige Aufzeichnungen durch. Leise wurden im Hintergrund mehrere klassische Kompositionen gespielt, die zur Entspannung der beiden Herren beitragen sollten. Dutzende von PADDs unterschiedlicher Größe lagen auf dem Tisch vor ihnen verstreut. Dazwischen einige Teller mit Essensresten und Kaffeetassen, denn von ihm hatten sie reichlich zu sich genommen. Es war nicht so, dass sie verpflichtet waren, gerade jetzt die weiteren Versuchsergebnisse der Anaconda-Flüge durchzugehen, doch sie taten es freiwillig. Oder, um etwas genauer zu werden, Tom tat es freiwillig. Er war so sehr von seinem Testschiff begeistert, dass er solche Kleinigkeiten wie Dienstschluss oder Feierabend gar nicht zur Kenntnis nahm. Da er nicht mehr Mitglied der Sternenflotte war, hatte er ohnehin nur einen eher vagen Zeitplan, nach dessen Ende er selbst sich eigentlich seine Zeit einteilen konnte. Er arbeitete, wenn er die Lust dazu verspürte und dies war gerade nun der Fall. Harry Kim half ihm dabei, denn erstens war die Anaconda-Flugreihe nicht nur ihr Aufgabengebiet, sondern Harry wollte auch in der Nähe seines Freundes sein, denn immerhin hatten sie sich ein halbes Jahr lang nicht mehr gesehen gehabt. Daher machte es auch dem Einsatzoffizier nichts aus, mal etwas länger zu arbeiten als üblich.
    „Die letzten Flüge waren sehr viel versprechend,“ meinte Kim, nachdem er das Padd mit den letzten Aufzeichnungen durchgesehen hatte. „Deine Verbesserungen machen Sinn und helfen dabei, noch mehr an die Belastungsgrenze des Schiffes zu gehen.“
    „Freut mich zu hören. Was hältst du davon, wenn wir beim nächsten Testflug folgende Modifikationen durchführen?“ fragte Paris und reichte seinem Freund ein weiteres Padd.
    Harry überflog die vorgeschlagenen Spezifikationen und runzelte die Stirn.
    „Ich weiß nicht, ob wir das machen sollten,“ gab er zu, „dies könnte zu sehr ins Extrem gehen.“
    „Ist das nicht unser Ziel?“
    „Natürlich sollen wir dafür sorgen, dass noch mehr Leistung aus dem Shuttle rauszuholen ist, doch wir müssen dabei auch immer bedenken, dass immer noch ein gewisser Toleranzbereich bestehen bleiben muss. Nicht alle Piloten haben dieselben Fähigkeiten wie du, Tom. Hinzu kommen die zivilen Piloten, die auch gerne eine Anaconda kaufen möchten. Wir dürfen nicht nur ein Schiff für absolute Profis entwickeln.“
    „Danke für die Blumen,“ gab Paris grinsend zu und trank seinen Kaffee leer. Kurz musterte er den Berg an Flugdaten, den sie zusammengesucht hatten. Eine beeindruckende Sammlung. Die Testreihe verlief an Bord der Voyager weitaus besser als erwartet und höchstwahrscheinlich konnten sie die Endergebnisse früher bei ihrem Auftraggeber abliefern als vorgesehen. Was wollte man mehr? Dies würde der Firma seines Freundes zusätzliche Reputationen einbringen und ihm selbst natürlich auch. Wer weiß, vielleicht würde er ja schon bald zum bevorzugten Testpilot der Föderation werden? Eine schönere Karriere konnte er sich gar nicht vorstellen.
    „Wie läuft es mit der Wiederherstellung des Doktors?“ fragte Tom, um mal seine Gedanken auf ein anderes Thema zu fokussieren und ihnen so eine dringend benötigte Pause zu gönnen.
    „Schwer zu sagen.“ gab Kim schulterzuckend zu. „Wir haben eine Möglichkeit, wie wir ihn wiederherstellen könnten, aber deren Konsequenzen wären recht drastisch.“
    „Aber?“ hakte Paris nach, der den Unterton in der Stimme seines Freundes bemerkt hatte.
    Der Asiat seufzte.
    „Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass es eine Möglichkeit ohne irgendwelche Verluste geben wird. Ich schätze, wir werden uns für das kleinere Übel entscheiden müssen. Wie auch immer wir uns entscheiden, es sollte auf jeden Fall schnell geschehen. Seine Matrix destabilisiert sich zusehends. Wenn wir zu lange zögern, ist er unwiderruflich weg.“
    „Da bin ich endlich mal wieder an Bord und dann lässt sich der Doc einfach nicht blicken,“ meinte Tom trocken, wobei ihm natürlich der Ernst der Lage klar war.
    Kurz schwiegen die beiden, schauten nur vor sich hin.
    „Wird wohl Zeit, dass ich langsam mal Chell von Miral befreie. Ich weiß, unser guter Chefkoch ist zwar sehr kinderlieb, aber meine kleine Maus kann manchmal etwas anstrengend sein. Hat sie wohl von ihrer Mutter.“
    Der Navigator machte Anstalten, sich von seinem Platz zu erheben, da schluckte Harry und nahm seinen Mut für eine Frage zusammen, die ihm schon lange unter den Nägeln brannte.
    „Tom, darf ich dich etwas fragen?“
    „Klar!“
    „Bist du inzwischen über B´Ellanas Tod hinweg?“
    Paris stutzte und antwortete mit einer Gegenfrage:
    „Hast du mich das nicht schon vor einem halben Jahr gefragt?“
    „Möglicherweise. Und, hat sich was an der Antwort geändert?“
    „Nein. Es ist alles... Bestens.“
    Harry erhob sich mit seinem Freund, so als befürchtete er, dass Tom einfach davonrennen und ihm einer ordentlichen Antwort schuldig bleiben würde.
    „Bist du dir da auch ganz sicher? Immerhin war es eine harte Zeit für dich...“
    „Das Gespräch hatten wir schon einmal, Harry.“ entgegnete Tom mit einem merkwürdigen Unterton und machte tatsächlich Anstalten, zu gehen.
    „Ich weiß und trotzdem habe ich das Gefühl, dass du es noch nicht ganz verarbeitet hast.“
    „Da musst du dich irren,“ raunte Tom und verschwand aus dem Casino, um seine Tochter abzuholen. Diese Reaktion war Antwort genug für Lieutenant Kim.

    Der warme Herbsttag nahte dem Ende. Die perfekte Kulisse für einen Sieg. Worf sah vor sich. Der Gegner lauerte überall und die Zeit lief davon. Er nahm die warme Luft und den Duft des Getreides in sich auf. Spürte das Gras unter seinen blanken Füßen, sah den Kontrahenten vor sich.
    Um ihn herum, außerhalb des Spielfeldes, der Arena, jubelten die Zuschauer und feuerten ihn an, ihn und seine Mannschaft.
    Blitzschnell erfassten seine Augen den Ball und mit einem gekonnten Sprung nahm er den Pass an. Es war ein wundervolles Gefühl wieder hier zu sein. Das Leder des Balles erinnerte ihn an seine Jugendzeit. Hier hatte er auch schon als Teenager Fußball gespielt. Auf dem kleinen Platz in einer der Vorstädte von Minsk, nicht weit von seinem Zuhause entfernt. Ja, hier fühlte er sich zu Hause.
    Worf sprintete und schoss den Ball auf das Tor. Das Spiel war hart gewesen, die Herausforderung hatte sich als würdig ergeben. Und er spürte, dass er noch immer einige Tricks drauf hatte.
    Wäre er auf Qo’nos aufgewachsen, hätte er nie im Leben Fußball erlernt. Teamspiele waren noch die Stärke der Klingonen gewesen. Als Junge lernte man zu Erst, dass man nur überleben konnte, wenn man nur sich vertraute. Als Einzelkämpfer wie Kahless es einer war. Doch er war seinen Eltern dankbar, dass sie ihm diese Möglichkeit gegeben hatten, dieses Spiel zu erlernen. Es verlangte viel von einem Krieger. Man musste den Gegner täuschen und überlisten können. Nicht mit roher Gewalt, sondern mit Feingefühl und Perfektion. Nur so gelangte man zum Sieg.
    Doch jetzt stand er nur eisern da und verfolgte die Flugbahn des Balles.
    Der Torwart hechtete dem Ball entgegen, doch es war vergebens, er konnte ihn nicht mehr erreichen.
    Die Menge schrie, war nicht mehr zu bändigen. Etwa 100 Menschen hatten sich hier versammelt und verfolgten das Spiel. Zuerst hatte man Worf angeboten gehabt, in der AH Mannschaft zu spielen. Doch schnell war den Veranstaltern klar geworden, dass ein Klingone die „Alten Herren“ im Nu überrennen würde. Also spielte er bei den Aktiven mit. In einem Freundschaftsspiel gegen einen benachbarten Ort.
    Der Schiedsrichter pfiff laut mit seiner Pfeife. Das Spiel war zu Ende. Und Worf hatte soeben den Siegtreffer erzielt.
    Seine Mannschaft kam auf ihn zugerannt und nahmen in alle in den Arm. Berührungsängste kannten sie nicht. Worf war ein anerkanntes Mitglied der Stadt Minsk und die meisten hier waren mit ihm aufgewachsen.
    Der Jubel flaute nicht ab. Nach der Siegerehrung würde ein rauschendes Fest folgen. Aus diesem Grund hatte Worf extra ein Fass Blutwein mitgebracht. Auch wenn jeder Mensch hier wohl nicht all zu viel davon vertragen würde.
    Jetzt mussten sie allerdings erst das Spielfeld räumen. Die Kindermannschaft würde nun noch ein Spiel austragen. Worfs Team ging in Richtung Umkleidekabinen. Am Spielfeldrand sah er seine Eltern stehen. Sie strahlten vor Stolz und jubelten ihm zu.
    Lachend traten sie in die Porthalle ein, in der die Kabinen waren. Da entdeckte Worf auch schon zwei Sternenflottenoffiziere. Und so wie sie aussahen, hatten sie etwas Wichtiges zu erledigen. Der Klingone blieb stehen und schaute zu ihnen. Sie nickten ihm zu. Sie waren also wegen ihm hier.
    „Kommst du jetzt Worf?“ fragte einer seiner Mannschaftsmitglieder.
    „Ja, gleich.“ antwortete er mehr geistesabwesend und trat auf die beiden Offiziere, eine Mann und eine Frau, beide menschlich, zu.
    Sie gingen in eine leere Kabine um ungestört zu reden.
    „Botschafter Worf, wir sind wegen eines offiziellen Auftrags hier.“ begann der Mann.
    „Wer sind Sie?“ fragte Worf schnell.
    „Wir sind vom Geheimdienst. Ihnen ist klar, dass wir nicht mehr sagen dürfen.“ Der Mann war Koshic und natürlich wollte er seine Identität nicht verraten.
    „Natürlich.“ antwortete Worf.
    „Wir bitten Sie, für die Föderation die Vorkommnisse der letzten Tage und Wochen zu erklären. Wie sie wissen, haben sich nicht nur die Klingonen von der Föderation abgewandt.“ Natürlich wusste Worf dies. Wegen des Einreiseverbots in das Reich saß er ja auf der Erde fest. „Wir denken, dass ein neuer Bündnispartner, die Transgalaktische Union damit zu tun hat.“
    „Klingt plausibel.“ gab Worf zu. „Was hätte ich zu tun?“
    „Sie sollen sich als klingonischer Senator ausgeben und diese Union infiltrieren.“ erklärte Koshic. „Wir wollen wissen, was dort vor sich geht und was sie planen. Allerdings wollen wir auch ehrlich sein. Wir wissen nicht, was sie dort erwartet. Es könnte gefährlich werden.“
    „Die Flotte braucht sie Botschafter.“ appellierte die Frau.
    Worf überlegte kurz. Wen er hier auf der Erde bliebe, könnte er vermutlich daran schuld tragen, dass die Föderation ein für alle mal allein bleiben würde, wenn nicht gar noch Schlimmeres geschah.
    „Ich mache es. Wann geht es los?“ beschloss er.
    Koshic lachte. Es hatte geklappt. „Sie werden in wenigen Stunden auf die Voyager gebeamt werden.“ Er kramte in einer Tasche und holte dann ein PADD heraus. Er gab es Worf. „Befehle an dem Kommandanten der Voyager. Wenn Sie die übergeben würden.“ Schnell erinnerte er sich an die weiteren Anweisungen. „Sie werden dann von der Voyager zu einer Raumbasis gebracht, wo Sie in ein Deep Space Raumschiff umsteigen. Sie erhalten dort alle Anweisungen.“
    Worf richtete sich zufrieden auf. Endlich konnte er der Sache auf den Grund gehen und musste nicht noch länger tatenlos herumsitzen. Doch dann fiel ihm etwas ein. Es gab da jemanden, den er auf der Voyager kannte.

    Wenn es etwas gab, was die meisten Mitglieder der Sternenflotte hassten, dann waren es Gespräche mit Counsellors, den Schiffsberatern und -psychologen, die jedes noch so kleine Detail aus dem eigenen Leben wissen und daraus Rückschlüsse ziehen wollten. Zu solchen Sitzungen, die man meistens jährlich abhalten musste, konnte man auch nicht mit dem Gedanken ,wird schon nicht so lange dauern’ hingehen, denn erfahrungsgemäß waren Psychologen noch niemals in der Geschichte in der Lage gewesen, sich kurz zu fassen. Oft kam es vor, dass man Stunden auf der Couch eines Counsellors verbrachte. Böswillige Gerüchte, die geschickt von Offizieren auf der Akademie in Umlauf gebracht worden waren, sprachen sogar davon, dass einige Unglücksraben sich sogar tagelang in solchen Sitzungen aufgehalten und wahrscheinlich erst dadurch in den Wahnsinn getrieben worden waren. Doch wie es so oft mit Gerüchten war, man konnte nicht so recht belegen, ob sie tatsächlich war, erlogen oder zumindest einen realen Kern hatten. An all das dachte Lieutenant Kim, als er in seinem Quartier vor dem Kombildschirm saß und darauf wartete, dass eine Verbindung hergestellt wurde. Der Bildschirm zeigte bisher nur das Symbol der Föderation und einen blinkenden Schriftzug, dass man sich bitte einen Moment gedulden sollte. Kim seufzte. Dass nur alles so kompliziert sein musste. Auf der USS Voyager gab es keinen Counsellor. Der Grund dafür war, dass die Voyager an sich nur als Mittelstreckenforschungsschiff mit einer relativ kleinen Besatzung von 150 Mann gedacht war, was zur Folge hatte, dass Missionen nie recht lange dauerten und man nie allzu lang von der lieben Familie getrennt war. Solche Trennungen, die manchmal zu Einsamkeiten und Depressionen führen konnten, waren der Hauptgrund für die Besuche einiger Unerschrockener bei den Schiffsberatern. Hätte die Sternenflotte jedoch gewusst, was das Schicksal des Raumschiffs Voyager kurz nach seinem Stapellauf gewesen wäre, sie hätten ihr zehn oder sogar noch mehr Psychologen mit an Bord gegeben. Das Verschwinden im Delta-Quadranten war in den ersten Wochen, sogar Monaten ein Trauma für die Crew gewesen, vor allem für solch jungen Menschen wie Harry Kim. Zum ersten Mal hatte er sich wirklich jemanden gewünscht, mit dem er ganz vertraulich hätte über seine Gefühle reden können. Immerhin war es damals seine erste Mission gewesen und die hatte ihn gleich ans andere Ende der Galaxis befördert. Sein Eltern und seine Verlobte waren für lange Zeit verloren gewesen und dass jene Personen annahmen, dass er ums Leben gekommen war, war ein noch viel schlimmerer Gedankengang. Harry seufzte kurz, als er an diese Emotionen, an diese Zeiten zurückdachte. Er war damals ein junger Mann gewesen, praktisch gerade der Phase eines Jugendlichen entsprungen. Und nun, neun ganze Jahre später, konnte er sich nicht vorstellen, dass sein Leben hätte anders verlaufen sollen. Durch diese Erfahrungen, in denen er oft genug Initiative hatte zeigen müssen, war er zu einem Mann, einem Sternenflottenoffizier durch und durch geworden, der sehr gute Beurteilungen bekommen hatte. Er hatte inzwischen viele Anfragen von anderen Posten bekommen, sogar von berühmten Schiffen. Doch er hatte es vorgezogen, hier auf der Voyager zu bleiben. Ebenso wie viele andere wollte er noch etwas Zeit mit seiner Crew, die ihm zu einer Familie geworden war, verbringen und hier, in vertrauter Atmosphäre Erfahrungen sammeln.
    Herrje, da will ich nur mit einem Counsellor sprechen und schon lasse ich mein ganzes Leben, meine Beweggründe Revue passieren, dachte der Lieutenant amüsiert. Wenigstens würde es bei dem folgenden Gespräch nicht um ihn gehen, denn sonst hätte er es gar nicht gewagt, überhaupt nur die Tasten zur Erreichung eines Psychologen zu betätigen.
    Endlich erhellte sich der Bildschirm und zeigte statt des Föderationslogos das Gesicht einer brünetten Frau mit beruhigend wirkenden dunklen Augen. Oder besser gesagt: ihre Augen waren vollkommen schwarz, denn sie war eine Betazoidin.
    „Commander Deanna Troi hier, was kann ich für sie tun?“
    Kim räusperte sich kurz und begann dann, sich vorzustellen.
    „Guten Tag, Commander, ich hoffe ich störe sie nicht. Mein Name ist Lieutenant Harry Kim, ich diene auf dem Raumschiff Voyager.“
    „Voyager? Auf ihrem Schiff dient doch Reginald Barclay oder irre ich mich?“
    Kim nickte.
    „Dies ist korrekt, Ma´am. Lieutenant Commander Barclay ist unser Chefingenieur...“
    Da begann der Counsellor die Augen zu rollen und gab einen ermüdeten Seufzer von sich.
    „Was ist?“ fragte der Lieutenant irritiert, „Habe ich etwas Falsches gesagt?“
    Counsellor Troi winkte schnell mit den Händen ab, so als befürchtete sie, mit ihrer Reaktion Harry beleidigt zu haben.
    „Nein, das haben sie nicht. Aber ich habe das ungute Gefühl, dass ich schon genau weiß, was sie von mir möchten. Also kommen wir gleich zum Punkt: was ist diesmal mit Reg geschehen?“
    Der Einsatzoffizier der Voyager brauchte einen Moment, um zu realisieren, was die Frau mit ihrer Frage gemeint haben könnte, dann war es an ihm, hektisch abzuwinken:
    „Oh nein, sie haben einen falschen Eindruck erhalten, Commander. Es geht bei meiner Anfrage nicht um Commander Barclay, sondern um eine anderen Person.“
    „Da bin ich ja beruhigt.“ gab die Betazoidin von sich, „Wissen sie, wie schwer es war, aus Reginald einen selbstbewussten Menschen ohne seine Manien zu machen?“
    „Das weiß ich zwar nicht, Ma´am,“ erwiderte Harry, „doch ich kann es mir wirklich vorstellen. Aber ich möchte sie wirklich nicht allzu lange belästigen, sicherlich haben sie auf der Enterprise noch einiges zu tun. Darf ich ihnen kurz eine Frage stellen?“
    „Gerne, nur zu!“
    Harry räusperte sich und hoffte, dass er sich die richtigen Worte für seine Frage zu Recht gelegt hatte. Er konnte es sich nicht leisten, einen Fehler basierend auf einer möglicherweise falsch formulierten Frage zu begehen.
    „Nun, wir haben einen... Patienten an Bord, der vor einiger Zeit einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften hatte. Seine Frau kam leider auf tragische Art und Weise ums Leben und wir wissen ja beide, dass dies für jedermann ein schwerer Schlag ist. Dieses Ereignis liegt nun gut anderthalb Jahre zurück. Inzwischen macht der Patient, der ein sehr guter Freund von mir ist, wieder einen sehr normalen, gefassten Eindruck.“
    „Was doch gut ist!“ kommentierte Deanna und lehnte sich in ihrem Sessel zurück, um weiter konzentriert zuzuhören.
    „Dies habe ich auch gedacht, Counsellor, doch... sie müssen wissen, ich kenne diesen Freund nun schon sehr lange. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, seine verschiedenen Emotionen, seine Sprechweise zu deuten und ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich das Gefühl habe, er hat den Tod seiner Frau nicht überwunden, sondern nur verdrängt.“
    „Eine recht typische Verhaltensweise, würde ich sagen. Doch wie sicher sind sie sich in ihrer Annahme?“
    „Sehr, Counsellor. In dieser Hinsicht können sie mir vollkommen vertrauen. Nun hatte ich eine Idee. Es ist nämlich so gewesen, dass seine Frau in seiner Abwesenheit von ihm gegangen ist und eines nicht natürlichen Todes starb. Wie sie ja wohl selbst aus ihrem Beruf wissen müssten, halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass er sich in seinem tiefsten Innersten wohl eine Mitschuld an dem Tod gibt, weil er nicht da war, um ihn zu verhindern.“
    „Soweit stimme ich ihnen zu, Lieutenant. Bitte fahren sie fort,“ forderte ihn Deanna Troi auf.
    „Ich weiß, wie gefährlich die Holosucht sein kann, Commander. Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie verlockend es sein kann, sich dieser künstlichen Welt und seinen künstlichen Personen hinzugeben. Doch ich beginne mich zu fragen, ob nicht das Holodeck genau das richtige Mittel ist, um meinen Freund von seinem Schmerz zu befreien.“
    „Was schwebt ihnen vor?“
    „Eine Simulation seiner Frau. Einen ruhigen Ort, an dem er etwas Zeit mit ihr verbringen und sich dann persönlich von ihr verabschieden kann, so dass er in der Lage ist, einen definitiven, aber friedlichen Abschied zu nehmen.“
    Deanna nickte. Sie verstand das Dilemma und die Idee war nicht schlecht. Doch auch sie wusste um die Gefahren des Holodecks. Reginald Barclay selbst war eine der Personen gewesen, die sich damals nicht von dem Bann der künstlichen Welt hatten lösen können. Und nun war er auch noch der Chefingenieur des Raumschiffs Voyager. Mit einem Kopfschütteln verscheuchte Deanna diese Gedanken. Begann sie paranoid zu werden? Nur weil Reg auf diesem Schiff seinen Dienst versah, musste er doch nicht das Pech anderer Leute anziehen, oder?
    „Mr. Kim, ich verstehe ihre Anfrage sehr gut und ich kann sie nachempfinden. Es ist schwer, einen Freund leiden zu sehen und seine persönliche Geschichte ist sehr tragisch. Doch als Psychologin mit einer solch langen Berufserfahrung wie ich, muss ich ihnen dringendst von ihrer Idee abraten. Sie scheinen zu glauben, dass sie einer möglichen Holosucht vorbeugen können, doch glauben sie mir, die Trennlinie ist zu dünn. Bitte suchen sie einen anderen Weg.“
    „Ich habe verstanden. Danke für ihre Zeit, Counsellor.“
    „Keine Ursache. Ich hoffe, sie können ihrem Freund auf eine andere Art und Weise helfen.“
    Die Verbindung wurde unterbrochen. Harry überlegte recht lange. Was hatte er sich dabei nur gedacht? Mit einer solchen Antwort hatte er doch rechnen müssen! Doch wie konnte man Tom sonst helfen? Gab es überhaupt eine andere Lösung? Immerhin war Tom Paris eine Person, die niemanden in privaten Angelegenheiten nahe an sich herankommen lies.
    Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, so lautete ein altes Sprichwort von der Erde. Vielleicht war es wirklich an der Zeit, doch den ganzen Einsatz in die Wagschale zu legen.

    III


    Den pulsierenden Warpkern im Hintergrund zu sehen, machte Commander Barclay glücklich. Alle Systeme liefen ohne Probleme, kein Replikator spinnte und es gab keinerlei Anfragen bezüglich Reparaturen. Die Ingenieure der Voyager hatten sehr gute Arbeit geleistet und dies machte Reg stolz. Endlich, nach all den Jahren sah er sich als fähigen Techniker, als einen Mann, der auch einmal anpacken und dabei Sachen entscheidend verbessern konnte. Er stand einfach nur in der Mitte des Maschinenraums da und genoss es, alles reibungslos funktionieren zu sehen. Seine Untergebenen wuselten wie Ameisen an ihm vorbei und verrichteten mit großer Effizienz ihre Aufgaben. Der sie alle umgebende Computer und die Schiffssysteme summten beruhigend vor sich hin. Perfektion war erreicht worden. Alles lief so reibungslos, dass er das Gefühl hatte, er würde derzeit nicht benötigt werden. Also setzte sich Reginald auf einen Ingenieursstuhl in der Ecke und hatte, wie von magischer Hand, das Bedürfnis, sich bei einer Person zu melden. Einer Person, mit der er eine lange Zeit verbracht und bei der er sich trotzdem seit einiger Zeit nicht mehr gemeldet hatte. Und obwohl so etwas noch nie seine Stärke gewesen war, öffnete der Chefingenieur ein Briefformular und begann die Worte fließen zu lassen:

    Sehr geehrter Lieutenant Commander LaForge,
    ...
    lieber Geordi,
    ...
    bitte verzeihen sie mir die vielleicht zu persönliche Anrede zu Beginn, doch ich bin mir nicht sicher, welche Form nun die korrekte wäre. Ich habe ehrlich gesagt auch überhaupt keine Ahnung, wie ich sie adressieren soll. Als Kollegen? Als Bekannten? Als Freund? Wir haben eine lange Zeit gemeinsam auf der Enterprise verbracht und nicht immer war ich eine positive Lichtgestalt in ihrem Leben gewesen. Manchmal, sogar öfters als mir lieb war, haben sie sich über mich geärgert, über meine Marotten, mein Gestotter. In dieser Hinsicht kann ich sie beruhigen, denn raten sie mal: ich stottere nicht mehr! Ja, sie haben richtig gehört. Seit einem guten Jahr ist diese unangenehme Fähigkeit, die mir bisher mein Leben so erschwert hat, verschwunden! Ich denke, dies hat mit dieser wundervollen Umgebung zu tun, diesen netten Menschen, mit denen ich täglich zusammen arbeite und die zu meinen Freunden geworden sind.
    ...
    Oh...
    Ich weiß was sie jetzt denken, bitte verzeihen sie. Ich wollte damit nicht ausdrücken, dass es auf der Enterprise keine nette Umgebung gegeben und nicht sie und Commander Riker, Counsellor Troi, Data und die anderen nicht auch nett zu mir gewesen sind. Ich habe es so genossen, in ihrer Nähe zu sein und insbesondere von ihnen zu lernen, Geordi. Ihnen über die Schulter zu schauen und ihre geheimen Kniffe zu lernen, war die lohnenswerteste Erfahrung, die ich jemals gemacht habe und dies hat mir mehr beigebracht, als ich jemals hätte auf der Akademie lernen können. Doch verstehen sie? Auf der Enterprise war ich nur einer von vielen; ich war einer der Ingenieure in ihrem Stab. Stimmt, ich war auf dem Flaggschiff der Föderation, oftmals waren wir an vorderster Front, in jeglicher Hinsicht, aber erst hier, auf dem Raumschiff Voyager, stach ich wirklich aus der Menge heraus. Ich habe so viel Zeit meines Lebens in dieses Schiff und diese Crew investiert. Erst die jahrelange Arbeit im Kommunikationszentrum der Sternenflotte auf der Erde, wo wir versucht hatten, einen Kontakt zur verschollenen Voyager herzustellen und dann die Arbeit, die ich inzwischen persönlich auf diesem Schiff verrichten darf. Ich weiß nicht, ob ihnen Deanna davon erzählt hat, also verzeihen sie, wenn ich mich wiederhole: ich bin nun Chefingenieur dieses Schiffes! Sie haben richtig gehört, ich bin jetzt nicht nur ranggleich mit ihnen, sondern bekleide auch denselben Posten wie sie.
    ...
    Verdammt...
    Also, ich möchte jetzt nicht, dass sie denken, sie wären so schlecht, dass selbst so einer wie ich sie einholen könnte und sie im Gegenzug überhaupt nicht vorwärts kommen. Nein, nein, nein, so ist es nicht...
    Ich denke, ich sollte besser gar nichts mehr sagen, da ich das Gefühl habe, dass ich so wahrscheinlich noch mehr in Probleme reinreiten werde. Ja, diese Marotte konnte ich leider immer noch nicht abstellen, doch ich hoffe, dies wird mir auch noch gelingen. Mit der Zeit wird dies auch gelingen.
    Wieso ich mich bei ihnen melde, fragen sie? Tja, ich habe heute realisiert, dass ich all dies ohne ihre Hilfe, ohne die Hilfe der Offiziere auf der Enterprise, niemals hätte erreichen können. Ich wäre niemals Chefingenieur eines Schiffes geworden und ich hätte niemals diesen persönlichen Frieden empfunden, wenn sie nicht für mich da gewesen und mir geholfen hätten. Dies möchte ich nun hiermit tun:
    Danke!

    Hiermit verbleibe ich,
    Lieutenant Commander Reginald Barclay
    USS Voyager NCC-74656-A

    PS: Bitte grüßen sie alle von mir!!!!!


    Barclay beendete die Aufzeichnung und sendete den Brief sofort los. Er atmete ein, zweimal tief durch. Er fühlte sich befreit, endlich einmal die Worte gesagt zu haben, die nötig gewesen waren.
    Lieutenant Harry Kim betrat den Maschinenraum und begab sich sofort zu ihm, wobei der Einsatzoffizier einen wahrlich enthusiastischen Eindruck machte.
    „Reg, kann ich sie etwas fragen?“ begann er.
    „Sicherlich. Was gibt es denn?“
    „Wie läuft die Rettung des Doktors?“
    Kurz blickte der Chefingenieur an die Decke, da er anscheinend nach den richtigen Worten suchte.
    „Schleppend,“ meinte er schließlich, „doch ich gebe nicht auf. Wir sind es dem Doc schuldig.“
    Kim nickte.
    „Wäre es möglich, dass ich Holodeck 2 für die nächsten Tage komplett reservieren darf?“
    „Sicherlich, aber es liegt nicht an mir, dies zu entscheiden. Meine Zeiten können sie haben, ich komme eh nicht dazu, sie einzulösen, doch ob andere so spendabel sind...“
    „Nun,“ schlug Harry vor, „sie können als Chefingenieur die Decks für technische Zwecke beschlagnahmen.“
    „Und?“ fragte Barclay misstrauisch, „geht es um technisch Zwecke?“
    „Oh, sicher! Ich brauche das Holodeck zur Rettung einer Seele.“
    „Wenn das so ist, dann tue ich ihnen den Gefallen.“
    „Reg, sie sind spitze.“
    Ich weiß, dachte der Commander mit neuem Selbstbewusstsein, als Harry Kim ging und sich auf dem Weg in die Holokammern machte. Barclay kam gerade noch dazu, die entsprechenden Räume als Chefingenieur in Beschlag zu nehmen, da wurde er auch schon von Commander Chakotay gerufen.

    „Kommt das nicht etwas plötzlich?“ Reg Barclay lief neben Chakotay, auf dem Weg zum Transporterraum.
    „In letzter Zeit bin ich daran gewöhnt. Allerdings bin ich nicht mehr so gut auf Botschafter zu sprechen.“ antwortete Chakotay. Schnell hatte man die Voyager von ihrer Mission abgezogen. Doch den ersten Offizier wunderte in letzter Zeit nichts mehr.
    „Hat man Ihnen wenigstens gesagt, wer es ist?“
    „In letzter Zeit...“
    „Ich weiß, ich weiß man sagt uns recht wenig.“ Barclay kannte die Geschichte. In seinem, man konnte sagen, paranoiaanfälligen Verstand entwickelten sich schon wieder Verschwörungstheorien. Und hätte er nicht eingeplant, dass der Präsident zu dieser „Verschwörung“ gehören würde, hätte er sich schon längst an ihn gewandt.
    Die beiden Offiziere traten in den Transporterraum. Chakotay gab dem Transporterchief einen stummen Befehl und der bediente die Kontrollen. Schon materialisierte sich der Klingone Worf.
    „Worf. Sir?“ Barclay kam aus dem staunen nicht heraus.
    Der jedoch trat zuerst zu Chakotay.
    „Commander Chakotay erbitte Erlaubnis an Bord kommen zu dürfen.“ erbat Worf die Erlaubnis formgerecht. Die Zeit als Botschafter hatte ihn noch mehr mit dem Protokoll vertraut gemacht. Es schockierte ihn schon beinahe, dass es eine unliebsame Angewohnheit war.
    „Erlaubnis erteilt Botschafter Worf. Willkommen an Bord der Voyager. Das ist...“ Chakotay wollte ihm gerade Barclay vorstellen. Doch Worf kam ihm zuvor.
    „Ich weiß, Commander Barclay. Wir kennen uns von der Enterprise.“
    „Na dann ist er ja der beste Mann, um Ihnen ihr Quartier zu zeigen. Entschuldigen Sie mich nun, ich muss auf die Brücke.“ Mit einem Lächeln wollte sich Chakotay schon verabschieden, als ihn Worf nochmals aufhielt.
    „Einen Moment noch.“ Er holte das PADD heraus, das ihm Koshic gegeben hatte. „Befehle für den Kommandanten des Schiffes.“
    „Danke.“ Chakotay nahm es entgegen. Schnell gab er seinen Code ein und er überflog die Befehle. Es waren nur wenige Zeilen. Man solle den Botschafter zu dieser Raumbasis bringen und nicht stören, da er sich in Vorbereitung einer Mission befand. Doch im Anhang fand er eine große Datenmenge, mit der er auf den ersten Blick nichts anfangen konnte. Aber Harry und Annika würden es.
    „Commander Barclay. Zeigen Sie doch dem Commander sein Quartier.“

    Aufgrund der geänderten Reiseroute fielen die Testflüge, sofern man diese Metapher im Vakuum des Weltalls benutzen durfte, ins Wasser. Die theoretischen Berechnungen und Veränderungen waren auch abgeschlossen und so hatte Tom Paris beschlossen, dass er sich mal etwas Ruhe gönnen sollte. Aus diesem beschaulichen Grund also saß er auf dem Boden seines Quartiers und schaute zu, wie seine Tochter, die kleine Miral, durch die Räume wanderte, ab und an stehen blieb, um ein Objekt zu begutachten, nur um dann ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu richten. Wie bei so vielen kleinen Kindern fehlte auch ihr die Fähigkeit, sich über einen längeren Zeitraum auf eine einzige Sache zu konzentrieren. Es gab so viel zu entdecken in der Natur, so viele neue Erfahrungen. Melancholie erfasste Tom, als er seine Tochter, das letzte Überbleibsel seiner Ehe, betrachtete. So war nun mal das Leben: nicht immer gerecht, doch keiner von ihnen hatte eine andere Wahl als weiterzumachen.
    Es läutete an der Tür und mit einem lauten Rufen bat Tom, den Gast einzutreten. Wie er es erwartet hatte, handelte es sich um Lieutenant Kim, der ihn erst grinsend begrüßte und dann für einen kurzen Moment Miral hochhob und sie begutachtete.
    „Na, wie geht es dir denn, mein kleiner Schatz?“
    „Gut, danke der Nachfrage,“ entgegnete Tom neckisch und auch Harry schmunzelte aufgrund dieses Scherzes, wenn man ihn denn so nennen durfte. Der Einsatzoffizier ließ das kleine Mädchen wieder herunter und gesellte sich zu seinem Freund, nahm jedoch damit vorlieb, sich auf die Couch zu setzen.
    „Wieso sitzt du hier auf dem Boden, Tom?“
    Paris nahm einen Bissen von dem Apfel, den er schon seit geraumer Zeit in der Hand hielt und bisher aufgrund seiner Faszination für seine Tochter nicht angerührt hatte, und erwiderte:
    „Ich mache das, was mir der Doc schon immer geraten hat: neue Perspektiven entdecken. Die Welt mal aus einer ungewöhnlichen Position betrachten. Wie Recht der Kerl doch hat. Wie läuft seine Rettung?“
    Harry seufzte.
    „Es könnte besser laufen, aber es besteht zumindest Hoffnung und die nicht mal in einem so geringen Maße. Es heißt einfach abwarten, was Reg zu Stande bringt. Er kennt sich mit Holotechnologie besser aus als irgendein anderer an Bord und ich bin zuversichtlich, dass er schon noch eine Lösung finden wird.“
    „Okay... warten wir.“
    Miral stolperte zurück in den Hauptwohnbereich des Zimmers und setzte sich auf den Boden, um mit ihrem kleinen Raumschiffmodell zu spielen, welches eine Replik der S.S. Enterprise NX-01 war, welches das erste Deep Space-Schiff der Menschheit überhaupt gewesen war, noch bevor man überhaupt an eine Gründung einer Vereinigten Föderation gedacht hatte. Paris konnte es nicht fassen, dass man sich mit solchen „Rostlauben“ überhaupt getraut hatte, Monate lang in den Tiefen des Weltalls umherzufliegen. Er konnte nicht anders, als den Wagemut dieser Pioniere zu bewundern.
    „Ich nehme mal an,“ griff Tom den Gesprächsfaden wieder auf, „dass du nicht hierher gekommen bist, um mich über neue philosophische Lebensweihseiten auszufragen?“
    „Das ist korrekt,“ räusperte sich Harry und wirkte auf einmal sehr vorsichtig. Paris registrierte sofort diese neue Atmosphäre.
    „Was gibt es?“
    „Darf ich dich etwas fragen, Tom?“
    „Oh je,“ meinte der ehemalige Sternenflottenpilot und rollte mit den Augen, „gestern begann dieses Gespräch auf dieselbe Art und Weise. Ich möchte jedoch nicht schon wieder über B´Ellanas Tod sprechen.“
    Lieutenant Kim erkannte sofort dieses Verhalten wieder und preschte im literarischen Sinne hervor:
    „Siehst du? Das ist genau das, was ich meinte: du verschließt dich diesem Thema! Anstatt das du dich ihrem Tod stellst, darüber nachdenkst und dieses Kapitel abschließt, verdrängst du es nur. Das kann jedoch nicht der richtige Weg sein.“
    „Ich weiß nicht, ob du jetzt unter die Betazoiden gegangen bist, Harry.“ entgegnete Paris und wirkte mit einem mal deutlich angespannter, „Aber ich tue nichts dergleichen. Ich verschließe mich nicht.“
    „Dann sprich mit mir darüber! Öffne dich deinem besten Freund! Seit deiner Ankunft, ach was, seit deiner Freilassung aus dem romulanischen Senat, hast du nicht einmal mit mir ernsthaft ein Gespräch über dieses Thema geführt.“
    „Ich komme damit klar!“
    Nun erhob sich der Einsatzoffizier und blickte kurz durch das große Panoramafenster auf die Sterne, bewunderte deren Konstellation, ihr Funkeln.
    „Mit diesem Verlauf der Diskussion habe ich gerechnet, Tom,“ fuhr Kim nun mit sanfter Stimme fort. „Ich bin dein Freund, Tom, und ich fühle mich verpflichtet, dir zu helfen. Wenn schon ich nicht mit dir darüber reden kann, dann muss es jemand anderes tun.“
    „Jemand anderes?“ Paris verstand nun überhaupt nicht mehr.
    „Ich habe auf dem Holodeck eine Simulation von B´Ellana entworfen. Für dich habe ich das Holodeck mehrere Tage lang gemietet und eine so lebensechte Simulation deiner Frau wie nur möglich entworfen.“
    „Du hast was?“
    Nun begann Tom Paris wütend zu werden und erhob sich, so dass er in Augenhöhe mit seinem besten Freund war. Wie konnte dieser es nur wagen, eine Simulation seiner Frau anzufertigen? Dies war ein klarer Eingriff in seine Privatsphäre.
    „Ich bedauere, dass diese Eingriff in dein Privatleben nötig war, Tom,“ erklärte Harry, so als hätte er die Gedanken seines Freundes gelesen, „aber ich halte es für den einzig richtigen Weg.“
    „Und was bitte schön soll mit deinem Geschenk anfangen?“ presste Paris zwischen zusammengekniffenen Zähnen hervor.
    „Das, wozu du keine Gelegenheit erhalten hattest: verabschiede dich von deiner Frau. Sage leb wohl und danach wirst du befreit sein.“
    „Aber die Holosucht...“
    „Du bist doch ein erwachsener Mann, oder? Ich denke, du kannst mit dieser Sache vernünftig umgehen.“
    Paris wandte sich ab und beobachtete seine Tochter, wie sie auf dem Boden saß und mit dem Modell spielte. Seine Tochter, die gezwungen war, ohne eine Mutter aufzuwachsen. Langsam ging Harry. Kurz bevor er das Quartier verließ, sagte er:
    „Das Programm ist als Harry-3 gespeichert. Falls du das Angebot annimmst... mein Freund.“
    Und dann ging er, ließ einen nachdenklichen Testpiloten zurück.

    „Ich wusste gar nicht, dass Sie Chefingenieur geworden sind.“ Sie befanden sich auf einem Korridor und gingen langsam auf Worfs Quartier zu.
    „Seit nun fast zwei Jahren. Ich muss sagen, diese Position ist wirklich einzigartig. Es füllt mich aus. Wie ist es bei Ihnen.“
    Worf schaute gerade aus. Er sprach ungern über sein Seelenheil. Und das aus Prinzip nicht mit Barclay. „Der Posten ist einen Herausforderung. Etwas total anderes als auf der Enterprise oder auf DS Nine.“
    Barclay blieb plötzlich stehen und betätigte einen Türknopf. „Ihr Quartier.“
    Schnell trat Worf ein und sah sich um. „Es wird reichen.“ kommentierte er es schnell.
    „Nun dann Worf, will ich sie auch nicht länger aufhalten. Es wartet auch noch genug Arbeit auf mich. Ich muss mich um unser MHN kümmern und einige Nachrichten mit Lieutenant Kim abfangen. Verschwörung hier, Transgalaktische Union da. Na ja, der übliche Kram.“
    „Was sagten Sie da?“ Worf sah ihn entsetzt an. Und Barclay zuckte sogleich entsetzt zusammen. Sein Körper bereitete sich gar darauf vor, im nächsten Moment von dem Klingonen zerfleischt zu werden.
    „Was meinen Sie?“
    „Woher wissen Sie von der Transgalaktischen Union?“
    „Einen Moment. Sie kennen die auch?“
    Worf überlegte, richtete seinen Aufmerksamkeit dann der Decke zu. „Computer, abhörsicherer Modus Stufe 1, interne Sensoren deaktivieren. Bestätigung Worf Botschafter Kappa.“
    „Modi bestätigt.“ Antwortete die weibliche Computerstimme. Für Barclay klang auch sie plötzlich verschwörerisch. Und Worfs Tonfall machte ihm sowieso immer Angst.
    Der Klingone trat nah an Barclay heran. Dazu flüsterte er noch. „Ich bin auf dem Weg zu dieser Union. Ich soll dort beobachten.“
    Barclay verstand „Dann sind wir offenbar an der selben Sache interessiert.“
    „So ist es.“ Worf nickte. „Wir sollten aber die Gruppe der Wissenden gering halten. Und erwähnen Sie die Transgalaktische Union nie wieder.“
    „Ich werde natürlich die Führungsoffiziere informieren müssen. Doch sie haben unsere Verschwiegenheit.“ Barclay wusste, dass er nur mit der Einwilligung Janeways oder Chakotays handeln konnte. Sie hielten die Fäden in der Hand. Er allein wäre damit überfordert, das wusste er genau.
    „Dann haben wir einen Pakt.“
    Worf bot ihm den Arm an. Barclay ergriff seinen Unterarm und sie bekräftigten den Schwur auf diese alte Weise. „Wir haben einen Pakt.“

    IV


    Das Summen der Hintergrundgeräusche wirkte normalerweise auf jeden, der eine lange Zeit in der Sternenflotte verbracht hatte, beruhigend. Irgendwann, in vielen Jahren, wenn für viele die Zeit gekommen war, um aufgrund ihres Alters den Dienst zu beenden und in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen, geschah es sogar, dass viele nachts nicht mehr einschlafen konnten, eben weil ihnen dieses beruhigende Geräusch fehlte.
    Tom Paris fühlte sich noch nicht zu alt, um auf Raumschiffen zu dienen und so plante er nicht, in nächster Zukunft zu gehen. Aber nichtsdestotrotz lag er wach da, unfähig, seine Augen zum erholsamen Schlaf zu schließen. Er starrte die Decke an, eine Tat, die schon seit Jahrtausenden Schlaflose in der gesamten Galaxis verrichteten, aber noch nie geholfen hatte, um das Problem zu lindern. Paris hörte das leise Atmen seiner Tochter, welche in ihrem Kinderbett schlief und träumte. Doch wovon? Von ihrer Mutter? Hatte Miral überhaupt eine irgendwie Erinnerung an sie? Oder war B´Ellana für sie nur irgendein Name, der in einem Geschichtsbuch auftauchte? Er wusste es nicht. Tom grübelte. Was sollte er nur machen? Dieses Angebot Harrys war natürlich verlockend, doch er wusste, wie gefährlich das Holodeck war. Man konnte sich darin verlieren, jeglichen Bezug zur Realität verlieren.
    Plötzlich schrie Miral. Tom warf die Decke zur Seite und erhob sich aus seinem Bett, um bei seiner Tochter nach dem Rechten zu sehen. Er hob sie hoch, wiegte sie hin und her, doch sie hörte nicht auf zu schreien. Sie weinte und ihre Finger suchten Toms Rücken nach etwas ab, was sie nicht finden konnte. Sie hatte keinen Hunger, sie war nicht krank, sie schrie einfach nur und Paris wusste nicht, wieso? Er versuchte Miral zu beruhigen, doch jede ihm bekannte Möglichkeit misslang. Und er traf ein Entscheidung. Er begab sich zum Turbolift, wobei er hoffte, dass das Geschrei nicht zu viele schlafende Crewmitglieder aufweckte und ließ sich auf das Holodeck fahren. Auf einmal wirkten seine Schritte sehr selbstsicher, als ob es keinen Zweifel mehr an der Richtigkeit seiner Tat geben würde. Seine kleine Tochter brüllte und schluchzte immer noch, was ein herzzerreißender Anblick war. Die Schotts des Holodecks öffneten sich und wie Harry versprochen hatte, war das Deck leer. Ehrlich gesagt hätte es den Testpiloten auch gewundert, wenn zu dieser nächtlichen Zeit überhaupt jemand das Holodeck nutzen würde.
    „Computer,“ stellte Tom eine Verbindung her, „starte Programm Harry-3.“
    Aus dem Nichts erschien vor ihm eine Person, bei deren Anblick Tom der Atem stockte. Vor ihm stand seine tote Frau, B´Ellana Torres. Alles an ihr war authentisch, die Größe, ihre Haare, ihre Augen, ihr rollender Blick und dann ihr Lächeln, als sie das Problem erkannte und dem verdutzten Tom das Mädchen aus der Hand nahm.
    „Was ist denn mit dir los, mein Schätzchen?“ fragte sie mit sanfter Stimme und wiegte ihre vermeintliche Tochter zärtlich hin und her. „Tom, was ist geschehen? Hast du sie wieder koffeinhaltige Getränke trinken lassen?“
    Doch Paris war nicht in der Lage zu antworten. Er stand einfach nur da und starrte auf diese holografische Projektion, die seine Frau zu perfekt nachahmte. Es war, als sei sie nie tot gewesen, als wäre die ganze Zeit ohne sie nur ein böser Albtraum gewesen, der nun endlich verschwand. Tom verlor sich in ihren Augen und er kam auf sie zu, umarmte sie und schluchzte.
    „Was ist mir dir, Tom? Ist etwas geschehen?“ fragte die holografische Torres und wirkte verwirrt.
    „Nein, alles ist bestens,“ erwiderte Paris mit zitternder Stimme und er spürte, wie gegen seinen Willen seine Augen feucht wurden. „Zum ersten Mal seit einiger Zeit ist wieder alles in Ordnung.“
    Er löste sich von seiner ( vermeintlichen ) Frau und bewunderte, was sie geschafft hatte. Miral war wieder sanft eingeschlafen. Zum ersten Mal seit langer Zeit konnte sie wieder an der Schulter ihrer Mutter sich ausweinen und nun schlafen.
    „Ich denke, wir sollten sie nun besser ins Bett legen“, flüsterte B´Ellana und Tom nickte.
    „Computer, erstelle eine Simulation des Paris-Appartements in San Francisco!“
    Die Streben des Holodecks wichen einer Simulation der Wohnung des ebenfalls verstorbenen Admiral Owen Paris, in der B´Ellana nach dem vermeintlichen Tod von Tom Paris gelebt hatte. Draußen war es tiefste Nacht und man erkannte durch eines der Fenster die San Francisco Bay samt der Golden Gate Bridge. Paris wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er vernahm, wie seine Frau Miral in ihr Bettchen legte. Eine so zärtliche Geste, dass Tom abermals schluchzte. Die Halbklingonin trat aus dem Kinderzimmer heraus und verschloss leise die altmodische Tür.
    Es ist Zeit, mahnte eine Stimme in Toms Hinterkopf und er machte einen Schritt nach vorne.
    „B´Ellana... wir müssen reden,“ begann er, doch er hatte Probleme, weitere Worte zu formulieren. Er war von der Anwesenheit seiner Frau, die schon so lange tot und die er so schrecklich vermisst hatte, geblendet.
    „Was ist denn, Thomas?“ fragte sie so unschuldig, dass neue Tränen aus seinen Augen hervorschossen.
    Er konnte es einfach nicht sagen. Stattdessen nahm sie seine Hand und führte ihn in ihr gemeinsames Bett. Nicht, um sich irgendwelchen Liebschaften oder ehelichen Freunden hinzugeben, sondern nur um einfach für ihn dazu sein, damit auch er seinen Frieden im Schlaf finden konnte. Einem Frieden, dem sich Tom nicht verschließen wollte.

    Die Raumstation wirkte alt. Und in der Tat war sie eine der ersten, die von der Föderation errichtet worden war. Und im letzten Jahrhundert ständig vergrößert wurde.
    Die Voyager dockte an einer der Ankerarme an. Tema’na manövrierte das Föderationsschiff mit Perfektion hin, nicht eine Korrektur musste durchgeführt werden.
    Sogleich machten sich Chakotay und Barclay auf, Worf zu der Schleuse zu begleiten. Barclay hatte den Offizieren von Worfs Mission berichtet. Jetzt, da sie wussten, dass sie einen weiteren Verbündeten hatten, sah auch der erste Offizier der Situation gelassener entgegen. Immerhin hatte er nun Einiges, das er Janeway berichten konnte.
    „Botschafter Worf. Es war uns einen Freude, Sie an Bord zu haben. Ich wünsche Ihnen alles Gute.“ Verabschiedete sich Chakotay, natürlich in Anspielung auf Worfs Mission bei der Union. „Qapla’“
    „Qapla’ Commander Chakotay. Commander Barclay.“
    Reg nickte seinem ehemaligen Kollegen zu und sie sahen, wie er durch den kurzen Verbindungsgang in die Raumstation trat und nur wenige Luftschleusen nebenan in das Deep Space Schiff stieg, dass ihn innerhalb einiger Wochen zu dieser Union bringen sollte.
    Kaum hatten sie diesen Abschied verdaut, stellten sie sich auf die Begrüßung ein. Janeway trat durch den Korridor hindurch. Und ihre Laune war alles andere als erfreulich.
    „Kathryn, willkommen an Bord. Ich hoffe es war nicht zu schlimm.“
    „Sehe ich so aus Chakotay?“ fuhr sie ihn etwas barsch an, als gewollt. Sie rieb sich die Stirn. „Entschuldigen Sie. Es war furchtbar. Mir tut alles weh. Das Bankett war so langweilig, dass ich mich mit Alkohol vollgeschüttet habe. Daher habe ich, Gott sei Dank, einiges davon vergessen. Offenbar auch, wie man mich in mein Quartier gebracht hat. Eins steht fest. Ich will nie wieder die Worte Admiralsbankett hören. Und ich will auch nie wieder etwas darüber lesen oder erfahren. Sie haben mich schon zum Nachtreff eingeladen. Sollten wir eine solche Nachricht bekommen, löschen Sie sie gleich wieder.“
    Bemitleidenswert sah Chakotay zu seinem Captain. „Ich werde es tun. Hätte ich gewusst, dass es so schlimm ist, wären wir doch früher gekommen.“
    „Nun, ich war so fertig, dass ich zu nichts in der Lage war. Aber jetzt brauche ich ein Bad.“ Janeway lief in Richtung ihres Quartiers los. Schwerfällig öffnete sie ihre Uniformjacke und holte tief Luft.
    „Es ist schön wieder hier zu sein. Gibt es Neuigkeiten? Wie geht es dem Doc?“ sie sah zu Barclay.
    „Ich konnte ihn immer noch nicht reaktivieren.“ gestand er ein.
    „Allerdings haben wir erfahren, dass der Geheimdienst wohl auch hinter der Sache her ist. Botschafter Worf wurde auf eine Mission geschickt, um den neuen Bündnispartner der Klingonen, die Transgalaktische Union zu durchleuchten. Er wird uns einige Informationen zukommen lassen, sobald er da ist.“
    „Das sind gute Nachrichten.“ antwortete Janeway.
    „Kim an Chakotay.“ ertönte die Stimme des jungen Koreaners aus dem Kom.
    „Hier Chakotay, was gibt’s Harry?“ fragte er, nachdem er seinen Kommunikator betätigt hatte.
    „Es geht um die Daten, die Sie mir gegeben haben. Wir haben Sie decodiert. Könnten Sie in die Astrometrie kommen?“
    „Wir sind unterwegs.“ Bestätigte der erste Offizier und machte sich in Begleitung des Captains und des Chefingenieurs auf den Weg zu Harry.

    V


    In der Astrometrie angekommen sahen sie Harry und Annika, die fieberhaft an den Station arbeiteten. Kim sah als Erster auf. „Ah Captain, Sie sind schon wieder hier. Willkommen zurück.“
    „Danke Harry. Nun, was haben Sie so wichtiges?“
    „Ich habe von Worf ein PADD mit Befehlen und einem großen Anhang bekommen. Diese Daten seien Ergänzungen, stand in den Befehlen. Jedoch waren sie sehr gut codiert.“ informierte Chakotay sie.
    „Um genauer zu sein, zu gut. Bei dem letzten Versuch, die Daten zu entschlüsseln sind wir etwas zu grob vorgegangen und haben etwa 17% der Daten beschädigt. Den Rest konnten wir jedoch entschlüsseln.“
    „Was ist es nun?“ fragte Barclay.
    „Sehen Sie selbst.“ Harry betätigte eine Taste und schaltete die Infos auf die Halbkuppel.
    Eine riesige Flut an Daten, Statistiken und Bildern ergoss sich dort. Barclay trat näher heran und erkannte es sofort.
    „Ist das möglich? Wie kommt der Geheimdienst an die Daten? Und wieso sollten Sie sie uns zurückgeben?“ Barclay war komplett verwirrt.
    „Es ist unter Umständen möglich, dass es eine Verzahnung des Geheimdienstes und von Sektion 31 gibt. Wieso sie uns jedoch die Erinnerungen des Docs zurückgegeben haben ist mir unklar. Es ergibt keinen Sinn.“
    „Sind es tatsächlich die Erinnerungen des Doktors?“ fragte Janeway und trat an eine Konsole. Sie musste die Daten selbst überprüfen.
    „Wir haben alles kontrolliert. Sie sind es.“ bestätigte Annika.
    „Kann es sein, dass Viren oder Abhörmechanismen drin sind?“ fragte die Kommandantin.
    „Nein, die Daten sind sauber. Jedoch weiß ich nicht, wie sich die verloren gegangenen Segmente auf den Doc auswirken.“ Antwortete Chakotays Frau.
    „Dann lassen Sie uns nicht zuviel Zeit verlieren. Spielen Sie Daten in den Rechner. Kommen Sie Chakotay, gehen wir auf die Krankenstation.“
    Auch Harry schickte sich an, mit ihnen zu gehen. Bevor er dies jedoch tat, klopfte er auf seinen Kommunikator:
    „Kim an Paris.“
    Keine Antwort.
    „Tom, bist du da?“
    Nach langer Wartezeit vernahm er ein leises Rascheln von einem Bettlaken, aus dem sich Tom anscheinend hervorkämpfte.
    „Ja?“
    „Hallo Tom! Du scheinst ja tief und fest geschlafen zu haben. Es hat etwas gedauert, bis du an den Apparat gegangen bist!“
    Tom blickte sich um und erblickte seine Frau, die tief und fest neben ihm schlief. Zärtlich strich er ihr eine Strähne aus dem Gesicht und bewunderte ihre Schönheit. Die Stimme im Hinterkopf, die ihn warnte, dass dies hier alles nur eine Simulation war, hatte er inzwischen verdrängt. Er hatte so vieles durchgemacht, hatte er also nicht auch das Recht, sich etwas Gutes zu gönnen?
    „Ich habe fantastisch geschlafen. Du weißt gar nicht, wie gemütlich mein Bett ist.“
    Mit dieser Aussage hatte der Pilot nicht einmal gelogen. Immerhin befand er sich in einer holografischen Simulation seines eigenen Bettes.
    „Freut mich zu hören. Du, wir versuchen gleich den Doc zu reaktiveren. Ich wollte nur Bescheid sagen, da ich mir denke, dass du dabei sein willst!“
    Paris blickte kurz auf den Kommunikator, den er in der Hand hielt und dann auf seine Frau. Unten wusste er, dass seine Tochter schlief. Das erste gemeinsame Frühstück seit so langer Zeit wartete auf sie...
    „Negativ, ich schaffe es nicht mehr. Fangt ohne mich an. Ich bin eh kein Glücksbringer, also bleibe ich dem Ereignis lieber fern. Viel Glück!“
    „Verstanden.“
    Harry wölbte kurz die Augenbrauen. Etwas seltsam war die Reaktion seines Freundes schon, aber immerhin war Tom kein Techniker und schon gar kein Sternenflottenoffizier mehr. Weder konnte er ihm befehlen zu kommen, noch war seine Präsenz von Wichtigkeit bei dieser Sache. Nun gut, Commander Chakotay konnte nicht mehr länger warten. Lieutenant Kim machte sich auf den Weg auf die Krankenstation.

    „Nennen Sie die Art des medizinisches Notfalls.“ Da war er. Mit den gleichen Worten wie immer baute sich das holografische Muster des Doktors auf. Verwirrt sah er durch die Runde. Janeway, Chakotay, Barclay, Annika und Harry Kim sahen ihn erwartungsvoll an.
    „Ist etwas?“ fragte er vorsichtig und mit vielen Runzeln auf seiner Stirn.
    „Was ist das Letzte, an das sie sich erinnern können Doc?“
    „Was soll dieses seltsame Frage Captain?“ dann sah er zu Chakotay. „Wieso sind sie schon wieder auf den Beinen Commander? Hatte ich ihnen nicht strikte Ruhe für die nächsten Wochen verordnet?“
    Der Doc schien wirklich etwas böse zu sein. Doch die Mannschaft verstand nicht.
    „Was meinen Sie Doc?“
    „Na, nachdem Sie von diesem Cardassianer gefoltert...“ plötzlich erblickte er etwas Glitzerndes an Annikas Hand. Schnell trat er vor und sah sich dieses etwas genauer an. „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dies wäre ein Ehering.“
    „Es ist einer.“
    Erschrocken ließ der Doc die Hand wieder fallen und trat zurück. „Was geht hier vor? Bin ich wieder auf dem Holodeck und zerstöre meine Matrix?“ Er erinnerte sich an einen Vorfall im zweiten Jahr im Delta Quadranten, als er schon glaubte, seinen Verstand zu verlieren.
    „Doc, man hat Ihnen einige Erinnerungsengramme gestohlen. Es ist alles in Ordnung. Seit diesem Ereignis, bei dem Chakotay gefoltert wurde, ist mehr als ein Jahr vergangen.“ versuchte Janeway zu erklären.
    „Wieso stahl man meine Erinnerungsdateien?“
    „Das ist eine lange Geschichte. Wir werden Sie Ihnen später in Ruhe erklären.“
    „Gut Captain. Ich bin gespannt.“
    Janeway nickte zufrieden und lächelte. Ein Erfolg auf dieser langen Straße der Rätsel. „Führen Sie noch eine Ebene 1 Diagnose des Doktors durch, Reg. Ich will auf Nummer Sicher gehen.“
    „Natürlich Captain, ich mache mich gleich dran.“
    „Schön dass Sie wieder hier sind Doc.“
    Gequält lächelte der Doc. So ganz verstand er noch nicht, was sich hier abspielte. Doch er musste sich wohl noch etwas gedulden, um dies zu erfahren.
    Janeway, Chakotay und Annika verließen die Krankenstation. Sie brauchte unbedingt ein Bad. Chakotay hingegen musste das Kommando wieder übernehmen. Es waren sicher schon neue Befehle eingetroffen. Und Annika musste auf ihr Kind aufpassen.
    „Seit wann sind sie verheiratet?“ fragte der Doc vorsichtig. Er wusste noch, dass die beiden einen Beziehung hatte, doch dass die soweit ging.
    „Es ist etwa ein Jahr her.“
    „Oh mein Gott.“ Verzweifelt ließ er seinen Kopf in die Hände sinken. Trösten trat Harry an ihn heran, während Reg die Diagnose vorbereitete.
    „Sie haben einiges verpasst. Die beiden haben auch noch ein Kind bekommen.“
    „Ein Kind? Das ist unmöglich. Annikas Physiologie...“
    „Sie haben alles vorbereitet. Sie waren sogar der Pate des Kindes.“
    Kopfschüttelnd lief er durch die Krankenstation. Als hätte er noch nie eine gesehen, beobachtete er alle Einzelheiten. Einiges hatte sich verändert.
    Schließlich blieb er an der Konsole neben der Tür stehen und rief dort einige Daten ab. Er begann, sich mit seinen letzten Experimenten und Behandlungen wieder vertraut zu machen, damit er wenigstens in medizinischer Sicht wieder auf dem Laufenden war. Während er auf eine grundlegende Analyse des Computers wartete, fragte der Doktor, der sich immer noch nicht für einen Namen entschieden hatte:
    „Habe ich sonst noch etwas Bedeutsames verpasst? Ist jemand von den Toten auferstanden oder was?“
    Kim grinste, als er sich vorstellte, was für ein Gesicht das Hologramm gleich machen würde:
    „Klar. Tom Paris weilt wieder unter uns!“
    „Was?“
    Nun war der Doc endgültig geschafft. Er zog auf die ihm so typische Art und Weise die Stirn kraus und schien fast einen Heulanfall ob der Daten zu bekommen, die er verloren hatte.
    „Wie? Ich meine, wie ist es möglich, dass Mr. Paris noch lebt? Wir haben selbst gesehen, wie sein Shuttle explodierte?“
    „Ein getarntes romulanisches Schiff hat in rechtzeitig von Bord gebeamt. Danach verbrachte er ein Jahr lang in romulanischer Gefangenschaft, bevor er freigelassen wurde. Nun ist er als Pilot einer neuen Testreihe auf die Voyager zurückgekehrt.“
    „Ich würde zu gern Mr. Paris ein zweites Mal begrüßen,“ meinte der Arzt und verzog seine Lippen zu einem schiefen Lächeln.
    „Zu gerne, Doc,“ meinte Harry. „Computer, wo befindet sich Thomas Paris?“
    „Thomas Paris befindet sich auf Holodeck 2.“
    Immer noch? fragte sich der Lieutenant, doch seine Bedenken zerstreuten sich. Wahrscheinlich geht er gerade neue Berechnungen für die Anaconda durch. So kenne ich ihn, gleich am weiterarbeiten!
    „Ich denke, dass sich unser guter Tom sehr über ihren Besuch freuen wird. Schauen sie doch mal vorbei!“
    „Das werde ich“, meinte der Doc und marschierte gleich aus seiner Krankenstation, um seinem alten Freund mal wieder Hallo zu sagen.

    Nachdem der Doktor für ihn scheinbar nach einem langen Jahr zum ersten Mal Thomas Eugene Paris wieder sehen würde, war er mehr als gespannt darauf, das Holodeck zu betreten. Er hatte mit allem gerechnet, Testmaschinen, Raumschiffdaten, Projektionen von Sternenkarten, doch was er nach seinem Eintreten zu Gesicht bekam ließ ihm wahrlich den Atem stocken: Eher befand sich in einer holografischen Simulation des Paris-Appartements und sah, wie die Familie Paris am Frühstückstisch saß. Mit Familie meinte der Doktor nicht nur Tom und seine Tochter selbst, sondern auch B´Ellana Torres und Admiral Owen Paris. Harry hatte ihm, während er versucht hatte, in einem Crashkurs ihm so viele neue „alte“ Informationen wie möglich zu geben, erzählt, dass im letzten Jahr ebenfalls B´Ellana und Owen Paris verstorben waren oder sollte man besser ermordet sagen. Dies zu hören war ein schwerer Schlag für den Doc gewesen. Zu wissen, dass eine liebe Freundin von ihnen gegangen war, schmerzte ihn sehr. Doch er wusste, dass er schon einmal diese Trauer überstanden hatte und er würde es auch ein zweites Mal schaffen. Ein kurze Überprüfung seiner internen Sensoren bestätigte die Informationen Kims: Paris Senior und die Halbklingonin waren nur holografische Projektionen. Tom Paris, anscheinend jovial wie immer, blickte den Doktor, der für den neutralen Beobachter scheinbar aus dem Nichts erschienen war, freudig an.
    „Doc! Sie leben! Mann, bin ich froh, dass man ihre Daten hat reparieren können. B´Ellana, sieh nur, der Doktor ist wieder da.“
    Irritiert musste der Doktor zur Kenntnis nehmen, wie die Projektion Torres´ aufstand und ihn herzlich umarmte.
    „Gut, dass sie wieder bei uns sind, Doktor. Tom und ich waren letzte Nacht in Sorge um sie. Wir hatten das Schlimmste befürchtet.
    „Letzte...Nacht?“ fragte der Doktor völlig irritiert. Befand er sich in einem skurrilen Schauspiel oder was ging hier vor? Tom deutete auf die Brotschale und bot an:
    „Setzen sie sich doch, Doc! Ich weiß zwar, dass sie keine Nahrung zu sich nehmen, aber sie können doch uns etwas Gesellschaft leisten. Mein Vater hier würde sie ganz gerne kennen lernen.“
    Owen Paris nickte ihm freundlich zu, doch der Doc war nur geschockt. Welche unverantwortliche Person hatte dies nur getan? Er deutete dem Testpilot an, dass er kurz unter vier Augen mit ihm sprechen wollte. Tom erhob sich, gab seiner Frau kurz einen liebevollen Kuss und ging dann mit dem Arzt in den vorderen Bereich des Wohnzimmers. Während des folgenden Gespräches würde Paris weiterhin seine Familie fixiert haben.
    „Also Doc, wie geht es ihnen?“
    „Die Frage sollte wohl eher lauten, wie es ihnen geht?“ erwiderte das Hologramm und machte keinen Hehl aus seinem Entsetzen.
    „Bestens,“ sprach Paris aus und strahlte, „ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal in meinem Leben so glücklich gewesen bin. Die Tage mit meiner Familie zu verbringen ist einfach wundervoll. Dies sollten sie auch einmal machen, Doc! Gründen sie eine Familie.“
    „Mr. Paris, sie wissen doch hoffentlich, dass sowohl ihre Frau als auch ihr Vater tot sind, oder?“
    Mit einem seltsamen, ja fast überraschten Gesichtsausdruck musterte Tom kurz den Arzt und lachte dann.
    „Sie sollten ihre optischen Sensoren überprüfen lassen, Doc. Immerhin steht meine Familie leibhaftig vor ihnen. Harry hatte Recht. Ich hätte sie nicht so lange warten lassen sollen. Ein Besuch war von Nöten!“
    „Harry? Besuch?“ stutze der Doktor. „War das hier alles Harrys Idee?“
    „Ja. Er sagte mir, ich müsse mal wieder meine Frau besuchen und er hat Recht. Ich kann nicht die ganze Zeit wie all diese anderen Fliegerjungs die Zeit im Weltraum vertrödeln. Immerhin habe ich eine Familie zu Hause, die auf mich wartet und mich braucht. Es wäre unverantwortlich von mir, wenn Miral nur mit einem Elternteil aufwachsen würde. Und sie wissen es ja selbst als Hobbypsychologe, auch die Großeltern spielen eine wichtige Rolle. Ich bin so froh, dass mein Vater mit uns seine Wohnung teilt. Dieses Familiengefühl ist wichtig für eine intakte Kindheit.“
    Tom seufzte ob dieses Glücks, doch der Doktor war verzweifelt. Er erinnerte sich zwar nicht mehr an das, was vor einem Jahr geschehen war, doch dieser Fall hier lag glasklar auf der Hand. Wie hatte Harry dies nur tun können? Er würde auf jeden Fall noch ein ernstes Gespräch mit dem Lieutenant führen müssen.
    „Tom, wissen sie wo sie sind?“ fragte der Doktor.
    „Natürlich. In San Francisco, auf der Erde!“
    Nun reichte es dem Doc. Er musste dieser Farce ein Ende bereiten. Er packte den ehemaligen Offizier an den Armen und zwang ihn, seinen Blick auf ihn zu fixieren.
    „Nein, dies stimmt nicht! Sie sind nicht auf der Erde, sondern sie befinden sich auf dem Holodeck der USS Voyager! Haben sie mich verstanden? Sie leiden unter Holosucht!“
    „Holosucht? Unmöglich, ich habe das alles unter Kontrolle. Ich bin vollkommen in Ordnung.“
    „Das glaubt jeder Kranke,“ sagte der Doktor mitfühlend, „aber sie sind krank. Dies ist nicht ihre Familie, sondern nur eine Simulation. B´Ellana Torres, ihre Frau, und Owen Paris, ihr Vater, sind schon seit gut anderthalb Jahren tot!“
    Paris war von diesen Worten geschockt. Er versuchte sich loszureißen und zu seiner Familie, die noch glücklich weiterfrühstückte, zu gelangen Doch dem starken Griff des holografischen Doktors konnte er nicht entfliehen. Auch wenn es ihm zutiefst peinlich war, begann Tom wieder zu schluchzen und erste Tränen begannen, ihm über die Wangen zu rennen.
    „Nein, das ist nicht wahr!“
    „Doch, das ist es. Ich kann nur über Mr. Kims Motive, die sicherlich ehrenhaft, nichtsdestotrotz jedoch falsch waren, spekulieren Doch ich denke, er hat ihnen diese Simulation nur zur Verfügung gestellt, damit sie einen Schlussstrich ziehen können.“
    Immer noch versuchte Tom sich zu befreien, doch es gelang ihm nicht, wobei sein Widerstand schwächer wurde.
    „Ich kann ohne sie nicht leben,“ flüsterte er, „Miral braucht ihre Mutter.“
    „Und sie braucht ihren Vater, sowie die reale Welt. Ihr ist nicht geholfen, wenn sie eine Lüge lebt. Und... ich brauche sie!“
    Überrascht musterte Paris das Hologramm.
    „Sie?“
    „Ja, Mr. Paris. Meine Gedächtnisengramme sind beschädigt. Ich kann mich nicht mehr an die Ereignisse des letzten Jahres erinnern. Ich bin hierher gekommen, weil von meinem Standpunkt aus sie noch bis vor 10 Minuten tot gewesen sind. Ich wollte sie begrüßen. Stellen sie sich meinen Schock vor, als ich erfuhr, dass wir alle einen Irrglauben gelebt haben. Genau dasselbe ist es bei ihnen. Ich möchte sie nicht noch einmal verlieren, obwohl sie noch leben, Tom! Wir beide haben so lange so gut zusammengearbeitet. Ich brauche sie auch diesmal, um mich an die neuen Konstellationen, die dieses Jahr hervorgebracht hat, zu gewöhnen. Bitte helfen sie mir.“
    Tom blickte zwischen seiner vermeintlichen Familie und seinem Freund hin und her. Langsam schien er wie aus einem Traum aufzuwachen. Nein, es war ein Traum gewesen, nichts weiter. Es musste nun zu Ende gehen.
    „Okay,“ meine Tom.
    „Verabschieden sie sich.“
    Und damit ging Tom, ganz langsam, auf seine Frau und seinen Vater zu. Er drückte beide und schaute ihnen in die Augen. Beide wussten nicht, was los war.
    „Ich muss nun gehen,“ meinte Tom und wirkte überaus traurig. „Es ist an der Zeit.“
    „Ich verstehe,“ meinte B´Ellana und lächelte ihm zu. Sein Vater klopfte ihm auf die Schulter.
    „Ich werde euch nie vergessen. Ich hoffe, wir sehen uns wieder!“
    „Natürlich, wo denkst du hin?“ erwiderte Owen und er und B´Ellana lachten. Kurz blickte Tom sie noch
    an und dann befahl er: „Computer, Programm Harry-3 löschen.“
    Stück für Stück löste sich die Illusion auf. Das Letzte was er sah, war das Gesicht seiner Frau. Und dann trat er heraus, in das wahre Leben.

    - Ende -



    ...und die Reise geht weiter - am nächsten Sonntag, den 09.02.2003

    Ältere Episoden findet ihr in unserem Episodearchiv...



    VERABSCHIEDUNGEN
    based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY
    produced for TREKNews NETWORK
    created by RICK BERMAN & MICHAEL PILLER and JERI TAYLOR
    executive producers SEBASTIAN OSTSIEKER & MARKUS RACKOW
    co-executive producers NADIR ATTAR & CHRISTIAN GAUS
    producers MILA FRERICHS & STEPHAN DINGER
    co-producer OLIVER DÖRING
    written by NADIR ATTAR & CHRISTIAN GAUS

    TM & Copyright © 2003 by TREKNews Network. All Rights Reserved.
    "STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES
    This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!
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    Quelle: treknews.de
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