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  • Voyager9 - 9x26: Apokalypse

    Das Finale, Teil 2
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    • TheOssi
    Neun Jahre. - Neun Staffeln. - 224 Episoden. - Ein grandioses Finale!

    Noch immer sind Janeway und ihre Crew damit beschäftigt, die Galaxie zu retten. Doch diesmal ist der Preis höher denn je...

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    09x26 Voyager9 - Apokalypse
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    Prolog

    Janeway sah aus dem Fenster ihres Bereitschaftsraumes. Obwohl sehen das falsche Wort war. Sie starrte nur ins Leere und ließ ihren Gedanken freien Lauf. Ironischerweise saß sie in diesem Moment genau so an ihrem Schreibtisch, wie es auch ihre Wachsfigur im Kabinett von Madame Tussouds in London tat.
    Endlich zeigte sie eine Regung. Wie in Zeitlupe glitt ihr Finger zu den Kontrollen.
    PERSÖNLICHES COMPUTERLOGBUCH
    CAPTAIN JANEWAY
    STERNZEIT…

    Janeway legte ein kurze Pause ein. Sie wusste nicht genau, wie spät es war. Zu lange war sie mit anderen Dingen beschäftigt gewesen. „Computer: Ändern auf Logbuch Nachtrag.“ Dann fuhr sie fort mit ihrem eigentlichen Eintrag.
    Man beginnt, das Zeitgefühl zu verlieren, wenn man nur auf Sterne starrt. Und die technische Sternzeit vermittelt einem keinen realen Eindruck vom Wandel der Zeit. Es ist November. Vielleicht der 10. Das Jahr 2379 neigt sich bald dem Ende. Und ich wünschte, dem wäre nicht so. Nicht aus Eitelkeit oder der unbegründeten Angst, wieder ein Jahr älter zu werden. Im Gegenteil, ich wünsche mir sogar, dass ich ein Jahr älter werde. Aus einem einfachen Grund: die Omniponier sagen für das Jahr 2380 das Ende der uns bekannten Welt voraus.
    Die Omniponier. Was sind sie? Sind sie Götter?
    Wie kann ich sicher gehen, dass... Was bedeutet das alles? Diese Frage gibt es wahrscheinlich seitdem es Menschen gibt. Seitdem es jemanden gibt, der es wagt, weiter zu denken, als es nur für die nächste Mahlzeit erforderlich ist. Doch eine Antwort konnte keiner finden.
    Gibt es Gott? Wo kann man ihn sehen? Manche sagen überall, andere sagen, dass er in den Herzen ist. Viele schrieben ihrer Erfahrungen nieder, gaben sogar an, mit dem Sohn Gottes zusammen gewesen zu sein. Die Bibel, der Koran und wie sie alle heißen sind einmalige Werke der Geschichte der Menschen. Keine anderen Bücher schafften es, so lange und so komplett die Zeiten zu überstehen. Alle handeln von Gott.

    Janeway stoppte kurz und überlegte. Wieder sah sie aus dem Fenster. Der Computer würde warten, bis sie weiter sprach. Neben der Außenwand der Raumstation sah sie die Sterne funkeln. Durch das abgeschaltete Licht, eigentlich rechnete keiner von der Reparaturmannschaft damit, dass noch jemand an Bord war, zeigten sich ihr die Sterne in all ihrer Pracht. Hier und dort sah sie Formen, Sternbilder.
    Ist Gott die Hauptperson in diesen Büchern? In diesen alten Worten auf inzwischen vertrocknetem Papyrus. Oder sind es die Menschen? Wie oft verwenden wir Redewendungen wie „Gott sei Dank“? Wann habe ich diese Worte das letzte Mal bewusst gesagt? Wenn es jetzt zum ersten Mal geschah, was bedeuten sie dann? Könnte ich nicht auch „Cochrane sei Dank“ sagen? Schließlich verdanken wir es ihm, dass die Menschen sich befinden, wo sie sind. Oder vielleicht „Picard sei Dank“, da er uns davor bewahrte, dass uns die Borg überrannten.
    Wieso danken wir jemandem, den wir nicht kennen, nie gesehen haben, nur Gerüchte über ihn wissen und wahrscheinlich nie sehen werden?
    Und ist ein Gespräch mit einem Computer auch schon ein Selbstgespräch?
    Wo verläuft die Grenzen zwischen Fassbarem und Unfassbarem? Zwischen Fakten und Glauben? Ich habe viel gesehen. Der Delta-Quadrant war voll Unbekanntem.
    Die erste fremde Spezies die wir im Delta Quadranten trafen war der Fürsorger. Auch er war ein Gott, für die Ocampa. Und jetzt stehe ich meinem vermeintlichen Gott gegenüber. Wo ist der Unterschied? Werde ich einem Omniponier gegenüberstehen, wenn meine Zeit gekommen ist und ich mich vor dem Jüngsten Gericht verantworten muss?

    Wieder eine kleine Pause. Janeway trank einen Schluck Kaffe aus der Tasse auf ihrem Tisch. Sie hatte die Tasse auf einem kleinen Wärmefeld stehen, damit der Kaffe nicht abkühlte. Wenn Janeway etwas noch weniger mochte als temporale Paradoxien dann war es definitiv kalter Kaffe.
    Glaube ich an Gott? Ich habe eine zu große Bekanntschaft mit Wesen gemacht, die scheinbar allmächtig sind und mit jenen, die versuchten Gott zu spielen. Die Vorstellung, dass mich eines jener Wesen bis ins Jenseits verfolgt, erschreckt mich, wenn ich ehrlich bin. Vor einigen Jahren habe ich an einem Ritual teilgenommen um Kes vor dem Tod zu retten. Meine Erwartungen haben dabei das Ergebnis gesteuert und mich blind gemacht. Die Lösung fand ich dann, weil ich an etwas glaubte.
    Wo ist der Unterschied?
    Was sind die Omniponier? Zum ersten Mal sehe ich mich jemandem gegenüber, der nicht nur Trumpfkarten im Ärmel hat, sondern gegen jemanden, der mir haushoch überlegen ist. Wenn die Omniponier alles Wissen, wie kann ich dann siegen?
    Vermögen es die Menschen, das Universum zu zerstören, wie sie es voraussagen? Doch wieso ausgerechnet die Menschen? Sind die Borg oder das Dominion nicht mächtiger?
    Es gibt wahrscheinlich nur einen Weg, herauszufinden was die Omniponier sind.
    Ich muss ihnen noch einmal ins Auge sehen. Die Augen sind der Spiegel unseres Lebens. Sind deren die Spiegel des Universums?
    Ich fürchte mich. Doch wieso? Wenn ich meinem Herrn – was immer das sein mag – gegenüber stehe, sollte ich dann nicht glücklich sein?

    Verwirrt rieb sich Janeway die Stirn und schloss per Tastendruck den Eintrag in ihr Logbuch. Noch nie sah sie sich mit einer Situation konfrontiert, bei der sie so wenige wusste wie jetzt. Schließlich war alles Wissen über Gott nur Mutmaßung. Man konnte es sich in den meisten Fällen so zurechtlegen, wie es einem passte. In der menschlichen Geschichte gab es genug Beispiele. Die Bandbreite reichte von Mahatma Ghandi zu Osama bin Laden.
    Und auch Kathryn Janeway hatte eine Entscheidung getroffen, der Mensch in ihr und nicht der rationale Sternenflotten-Captain. Doch dazu musste sie einen Weg einschlagen, den sie allein gehen musste.
    Sie würde den Omniponiern einen Strich durch die Rechnung machen. Sie wollte nicht warten, bis die Zeit sie vor das Jüngste Gericht zerrte. Diesmal wollte sie die „Götter“ vors Gericht zerren.

    I

    Die Arbeiten an der Voyager verliefen nach Plan. Reg Barclay hatte in den letzten vier Tagen das Warptriebwerk und alle anderen lebenswichtigen Systeme wieder aktivieren können. Alles was jetzt folgte, war praktisch nur noch „Kosmetik“. Geborstene Hüllenteile wurden wieder zusammengebaut, damit das Schiff wieder so sauber wurde, dass man sich darin spiegeln konnte.
    An Bord befanden sich nur noch einige wenige Techniker. Die Crew wartete auf der Raumstation auf die nächsten Befehle. Dort ließ es sich weitaus besser warten. Schließlich funktionierte auf der Voyager kaum ein Replikator, kein Holodeck und auch das Recyclingsystem war defekt. Reg hatte alle Energie zuerst in die Hauptsysteme umgeleitet, um mit denen besser arbeiten zu können.
    Sein Zimmer auf der Station hatte Barclay nur zum schlafen betreten. Die Omniponier blieben ihm ein Rätsel und er bekam nur Bauchkrämpfe, wenn er über sie nachdachte. Aus diesem Grund lenkte er sich mit dem einzigen Wesen ab, das er vollkommen verstand. Der USS Voyager NCC-74656-A.
    Reg schloss gerade eine Verkleidung im Maschinenraum, als plötzlich der Rote Alarm ausgelöst wurde.
    Vor Schreck wäre ihm die Abdeckplatte beinahe auf den Fuß gefallen.
    Verwirrt sah er sich um und sah nur, dass die anderen anwesenden Techniker genau so ratlos waren. Die Situation wurde dann jedoch von der Computerstimme geklärt.
    „Warnung. Antimaterieeindämmung ist zusammengebrochen. Warpkernbruch in 5 Minuten.“
    Geschockt sah Barclay zum Warpkern, der direkt vor ihm stand. Im Grunde sah er ganz normal aus. Doch das konnte natürlich täuschen.
    „Also, Sie haben die Dame gehört, alle raus hier.“ Die Techniker folgten der Anweisung ohne zu zögern. Sie ließen alles stehen und liegen und liefen zur Tür. Barclay wartete auf alle und blickte dabei auf die Anzeigen. Auf den ersten Blick konnte er nichts erkennen, was diesen Kernbruch hätte auslösen können. Doch diese Sache war im Moment zweitrangig. Zuerst mussten alle in Sicherheit und die Voyager in eine sichere Entfernung gebracht werden. Dies konnte von der Raumstation aus geschehen.
    Als auch der Letzte den Maschinenraum verlassen hatte, verriegelte Barclay hinter sich die Tür und begab sich zu einem der Turbolifte.
    Soweit er wusste, war er der ranghöchste Offizier an Bord. Also lag seine Pflicht darin, alle von Bord zu bringen, damit er als Letzter die Tür schließen konnte. „Computer, sind alle Techniker von Bord?“ fragte er die Decke.
    „Positiv“, lautete die schlichte Antwort der kühlen Computerstimme.
    „Gut.“ Murmelte Barclay zu sich und trat in den nächsten Turbolift. „Andockluken.“ Spezifizierte der Chefingenieur das Ziel. „Zwei Schiffe innerhalb eines Jahres. Ich muss Deanna anrufen.“ Flüsterte er wieder zu sich, als sich die Türen gerade schlossen.

    Die Türen öffneten sich nur kurze Zeit später wieder. Immer noch ertönte die Sirene durch die Korridore. „Noch drei Minuten bis Kernbruch.“
    Ohne zurückzuschauen und ohne Zeit zu verlieren trat Barclay zu der Andockluke. Ein Tastendruck genügte und das erste Schott schloss sich hinter ihm. Er lief durch den Verbindungstunnel zur Raumstation und wurde auch hier noch vom Roten Alarm verfolgt. Dann schloss er die zweite Andockluke, die die Außenwand der Voyager darstellte. Der Schriftzug USS Voyager war deutlich zu lesen.
    Dann trat er durch das Schott der Raumstation und schloss auch dieses. Mit einigen Befehlen, die er in die Konsole eingab, löste er die Verbindung zu seinem Raumschiff.
    Im selben Moment sah er Chakotay, der zu ihm gerannt kam.
    „Commander, was ist passiert?“, fragte der Erste Offizier.
    „Ein Warpkernbruch. Ich weiß aber nicht, wie der verursacht wurde. Wir müssen die Voyager fernsteuern und sie so schnell wie möglich weg bringen.“
    Apathisch sah Chakotay zu Reg. Es schien, als hätte er die Antwort gar nicht gehört. „Reg, wo ist der Captain?“
    „I-Ist sie nicht hier?“
    Noch bevor Chakotay antworten konnte, hörten sie, wie sich die Voyager von der Raumstation löste. Beide sahen durch die Türen. Ungläubig starrten beide hinaus. Das Fenster war nicht groß. Doch sie konnten deutlich erkennen, wie sich das Schiff um neunzig Grad drehte und den Warptransfer einleitete.
    Der Warpblitz blendete die beiden kurzzeitig. Und dann war die Voyager auch schon verschwunden in der Stille des Subraums.

    Wenige Momente später hatte Janeway den Autopiloten programmiert. Auf den Karten war keine Störung, bis zum Senat der Transgalaktischen Union zu erkennen, also konnte sie das Schiff gefahrlos sich selbst überlassen. Wenn es etwas gab, an das sie glaubte, dann war es die Voyager.
    Sie sah auf die Anzeigen.
    „Noch 8 Stunden.“ Janeway stand von der Pilotenkonsole auf und lief auf der Brücke umher. Das Licht war wegen des Roten Alarms noch gedämpft. Doch für sie war es immer noch zu hell. Sie setzte sich auf ihren Stuhl.
    Acht Stunden langweiliger Flug lagen vor ihr. Ein Nickerchen konnte mit Sicherheit nicht schaden. Ruhe war etwas, dass sie in letzter Zeit nicht sehr oft gehabt hatte. Erst jetzt bemerkte sie, dass ihr ganzer Körper angespannt war und jeder Muskel schmerzte. Doch bald würde sie die Antworten erhalten, nach denen es ihrer Seele dürstete.
    Leicht wie eine Feder sank ihr Kopf zurück. Sie genoss die Vertrautheit der Voyager. Das fast unbemerkbare Vibrieren des Subraumfeldes für den Warpantrieb – Reg hatte offenbar die Stabilisatoren noch nicht richtig kalibriert – das Summen des Computers und die regulierte Temperatur der Lebenserhaltung.
    Doch plötzlich war dort mehr. Ein Murmeln, leise Stimmen.
    Janeway schreckte hoch. Und sah neben sich Chakotay, wie er in seinem Stuhl saß. Hinter sich standen Harry Kim und Tuvok an ihren Konsolen, sowie Tom Paris, der mit Harry wieder in ein Gespräch über Frauen beschäftigt war. Vor ihr saß Tema'na. An der technischen Station rechts daneben gab Reg Barclay etwas in den Computer ein und an der wissenschaftlichen war Annika Hansen in das Studieren von Karten vertieft. Alle waren hier. Doch wie konnten sie das nur sein?
    Sprachlos stand sie auf und trat in die Mitte der Brücke, um sie sich alle anzusehen. Alle schienen ihrer normalen Arbeit nachzugehen.
    „Stimmt etwas nicht Kathryn? Du siehst etwas blass aus.“
    Diese Stimme!
    „Ridan“, flüsterte, freute sie sich. Janeway drehte sich zu ihm um, doch da stand niemand. Und plötzlich war es ihr, als hätte jemand ihr mitten in den Bauch geschlagen.
    Verzweifelt wollte sie sich an Chakotay wenden, doch er war nicht da. Natürlich nicht, Janeway war die ganze Zeit allein gewesen.
    War das alles nur ein Traum gewesen?
    Sie nahm es an und setzte sich deshalb wieder. Vielleicht würde sie dann daraus erwachen. Doch dem war nicht so. Gerade als sie das Leder spürte, veränderte sich die Umgebung in einem Herzschlag.
    Sie befand sich nicht länger an Bord eines Raumschiffes, sondern war im Freien.
    Sie saß auf einer Bank. Vor ihr lag ein flacher See. Perplex sah sie sich um. Sie wusste, wo sie war. Washington D.C. Links von ihr thronte Abraham Lincoln in seinem Memorial. Und als sie den Blick zum anderen Ende des rechteckigen Sees schweifen ließ, entdeckte sie das Washington Monument. Und zwar in der Originalfassung. Dies war nicht die Erde der Gegenwart. Dies hier musste die, vor dem dritten Weltkrieg sein.
    „Die Krähen fallen um 12 Uhr ein.“
    Erschrocken drehte sie sich um. Sie hätte den Mann hinter ihr auch so erkannt. „Q. Ich hätte wissen müssen, dass sie dahinter stecken.“
    „Na, na Kathryn, warum denn so zornig. Kommen Sie, gehen Sie ein paar Schritte mit mir. Die frische Luft lässt sie auf andere Gedanken kommen.“
    Q lief los, ohne auf sie zu warten. Er trug einen hellgrauen Trenchcoat mit hochgekrempelten Kragen und einen dunklen Hut, die sein Gesicht fast vollständig verdeckten. Und was sie nicht verbergen konnten, machte eine große Sonnenbrille, die angesichts des Wetters – der Himmel war mit grauen Wolken behangen und es hatte offenbar gerade geregnet – vollkommen unnötig. Doch als Janeway aufstand und Q nacheilte bemerkte sie, dass auch sie so gekleidet war. Sie trug einen langen schwarzen Mantel, hatte jedoch um ihr Gesicht zu verdecken nur ihr Haar.
    „Wieso bin ich in Washington?“, fragte sie Q. „Nichts gegen Washington, aber da will ich nicht hin.“
    „Sie sind hier, damit wir nicht gestört werden. Es gibt einiges über das wir reden müssen.“
    „Sie meinen die Omniponier. Wir sind nicht wirklich auf der Erde, nicht wahr. Es ist nur eine Nachbildung“, stellte sie fest.
    „Kathryn, ihre Scharfsinnigkeit überrascht mich jedes mal“, konterte Q scharf, schärfer als er es beabsichtigt hatte. „Wir befinden uns tatsächlich in einem Zwischenraum der Zeiten, das hier habe ich nur erschaffen um es für sie etwas erträglicher zu machen. Nichtsdestotrotz haben wir nicht viel Zeit.“
    „Q, wenn Sie etwas gegen die Omniponier tun können, dann helfen Sie mir. Sie versuchen die Föderation auszulöschen, das kann doch nicht mal an ihnen spurlos vorbeigehen.“
    Q blieb stehen, blickte einige Sekunden zum Monument und dem dahinter liegenden Capitol. Dann nahm er die Brille ab und sah ihr direkt in die Augen. Und Janeway war geschockt. Denn sie zeigten soviel Gefühl, wie sie es für Q nicht für möglich gehalten hätte.
    „So gern ich auch etwas tun wollte, ich kann es nicht.“ Er lief weiter, schnurstracks auf das Parlamentsgebäude zu. „Sie werden es nicht glauben, aber die Omniponier waren uns bis vor einiger Zeit unbekannt. Sie haben uns in der Tat überrascht. Sie müssen es sich vorstellen. Gerade war etwas Ruhe in das Kontinuum gekehrt, ich erfreute mich des Lebens mit meiner Familie und da rollten die Panzer der Omniponier ein. Ohne Vorwarnung, ohne Kriegserklärung.“
    Als Janeway bemerkte, dass er stockte, ließ sie ihm etwas Zeit. „Es ist gut Q, sagen Sie mir, was passiert ist.“
    „Sie sind so mächtig, dass sie uns mit dem Überraschungsangriff beinahe überrannt hätten. Viele gute Q sind tot. Und jetzt erst beginnt unser Verteidigungskampf. Doch mehr als einen Waffenstillstand können wir nicht erreichen. Sie sind uns zahlenmäßig überlegen.“
    „Das heißt...“
    „Sie haben uns ein Ultimatum gestellt. Wir dürfen überleben, wenn wir uns nicht in die Geschehnisse einmischen.“
    Geschockt sah Janeway zu Boden. Sie hätte nie erwartet, Q hilflos zu sehen.
    „Doch glücklicherweise sehen nicht alle Q das so. Einige wollen eine aktivere Rolle übernehmen, als nur die Fronten zu schützen. Aus diesem Grund bin ich hier. Ich will Ihnen helfen Kathryn, so gut ich kann. Denn die Omniponier wollen vor allem Ihnen ans Leder.“
    „Ich will nur eins wissen: Sind die Omniponier Götter?“
    „Pah“, antwortete Q wie aus der Pistole geschossen. „Ich hätte mehr von Ihnen erwartet, Kathryn. Gott ist Definitionssache.“
    „Wie meinen Sie das?“
    „Ist Ben Sisko für Sie ein Gott?“
    Janeway überlegte. Sie wusste, dass Sisko im Anfang des Jahres beim Kampf gegen Spezies 8472 eine bedeutende Rolle gespielt und der Föderation mit übernatürlichen Kräften geholfen hatte… aber ein Gott? „Nein, er ist ein Mensch“, antwortete sie schließlich.
    „Wieso? Er ist ein Prophet. Und die sind bekanntermaßen die Götter der Bajoraner.“
    „Die Propheten sind anders. Es sind intelligente Wesen, die...“
    Q unterbrach sie schnell. „...die den lieben langen Tag in ihrem Tempel sitzen und was tun? Essen Sie vielleicht Ambrosia? Kathryn, wenn sie ihren Gott definieren, wo wäre dann der Unterschied. Er sitzt auch nur den lieben langen Tag im Himmel. Die Propheten sandten 10 Tränen, ihr Gott 12 Apostel und ihr Teufel 7 Todsünden.“
    „Es gibt doch einen Unterschied zwischen Ben Sisko und einem Gott.“
    „Wir sind den Propheten nicht zu unähnlich. Mit dem wichtigen Unterschied, dass wir keine so lahme Truppe sind, wie die. Die regten sich nicht mal über meine Scherze auf, als ich das letzte Mal da war.“
    „Q, wir haben größere Probleme als den Charakter der Propheten.“
    „Sehen Sie es nicht, Kathryn. Genau das ist das Problem. Wenn sich diese Wesen schon so unterscheiden. Was passiert dann, wenn diejenigen, die am aktivsten sind, zu Satanen werden?“
    Janeway sah um sich. Sie wusste nicht, was sie denken sollte. Q hatte sie schon eine Weile nicht mehr gesehen. Und das letzte Mal war er so glücklich gewesen mit seiner kleinen Familie. Wieso sollte er dann ohne sie hierher kommen – wo auch immer das sein mochte – und Spielchen mit ihr abziehen. Noch merkwürdiger war, dass Q zum ersten Mal etwas von seiner Selbstsicherheit verloren hatte. Er schien wirklich aufgeregt und nervös zu sein.
    Gerade als sie ihn etwas fragen wollte, entdeckte sie etwas Glitzerndes auf dem Boden. Mit einem fragenden Blick bückte sie sich und hob es auf. Es war ein altes Geldstück. Auf der einen Seite war ein Gebäude abgebildet, umrandet vom Schriftzug: United States of America und One Cent.
    Irgendwie verschreckt drehte sie die Münze um. Und sah dort einen Omniponier unter dem Titel: In God we trust.
    Auch Q hatte sich neugierig die Münze angesehen. Sie glänzte sogar jetzt, im matten Licht des verregneten Tages. „Die Omniponier haben schon mehr Einfluss als Ihnen klar ist, und auch mir klar war. Lassen Sie uns zur Sache kommen. Einiges, was wir über die Omniponier in Erfahrung gebracht haben. Sie haben eine große Schwäche. In den verschiedenen Subraumebenen und Kontinuen, in denen wir Q, die Propheten, die Calamarain, die Sporozystischen und wie sie alle heißen, leben, mögen die Omniponier eine Vormacht haben. Da sie dort seit Äonen leben. Jedoch haben Sie den Umgang mit den Humanoiden etwas verlernt. Sie brauchen den Kontakt zu den Menschen um ihre Macht mit jedem einzelnen zu vergrößern.“
    „Ich verstehe. Und die Schar um sie herum wächst von Minute zu Minute. Also werden sie genau so schnell mächtiger“, fasste Janeway zusammen. „Und bald unaufhaltbar. Allerdings macht sie dies auch abhängig.“
    Q sprach einfach in seinem Gedankengang weiter, ohne auf Janeways Worte einzugehen. „Wenn Sie die Omniponier in die Knie zwingen wollen, dann nur, wenn Sie mehr in der Hinterhand haben. Ihre Idee, die Omniponier anzuklagen ist gewagt, aber vielleicht genau das, was sie nicht erwarten. Jedoch müssen sie dazu komplett sein Kathryn. Sehen Sie mich an. Seitdem ich in Angst um meine Familie lebe, kann ich kaum noch richtig denken. Und Ihnen geht es genau so.“
    „Ich werde es allein nicht schaffen, nicht wahr?“
    „Ich werde das Schicksal des Universums nicht bereitwillig in die Hände von irgendwelchen fehlermachenden Wesen legen. Und was noch viel wichtiger ist, das von meiner Familie erst recht nicht.“
    „Aber Sie legen es in meine Hände. Danke für die Vorschusslorbeeren, aber wenn nicht einmal das Kontinuum sie aufhalten kann...“
    „Deshalb werde ich Ihnen helfen.“ Ohne zu zögern hob er seien Hand und riss sich ein Haar vom Kopf. Es verwandelte sich in seiner Hand zu einem silbernen Anhänger. Die Form des Haares war noch immer unverkennbar, mit dem Unterschied, dass es jetzt so hell strahlte wie das Münzstück in seiner anderen Hand. Die kleinen Kristalle im Innern des Anhänger spiegelten die gesamte Palette der Farben wieder, sogar solche, die Janeway bisher noch nie gesehen hatte. Doch diese erfüllten sie so mit Zauber und Verwunderung, dass sie den Blick gar nicht mehr davon abwenden konnte.
    „Dies hier wird Ihnen etwas von uns Q geben. Gehen Sie sorgsam damit um. Es könnte vielleicht schon zu viel sein. Doch die Omniponier wird es vielleicht überraschen.“ Beinahe schon zärtlich legte Q es in ihre Hand und schloss diese dann wieder.
    Die Kommandantin der Voyager musste mehrere Male blinzeln um sich wieder aus dem Bann zu lösen. Dann sah sie in Q’s Augen. „Sie sehen, welche Kraft es haben kann. Retten Sie das Universum. Retten Sie uns alle.“
    In diesem Moment hörte sie Schreie, jedoch nicht von Menschen. Es war mehr ein dumpfer Krählaut. Sie sah zum Himmel und entdeckte dort einen riesigen Vogelschwarm. Hunderte, tausende Krähen, die den Himmel verdunkelten. Und deren Schreie immer eindringlicher, schmerzlicher und aggressiver wurden.
    Verängstigt sah sie in Q’s Augen. Erhoffte sie sich dort Halt und Zuversicht? Egal was es war, sie sah dort nur die selben Gefühle, die sich auch in ihr tummelten. Waren auch bei den Q die Augen die Spiegel ihres Lebens?
    „Sehen Sie auf die Uhr, Kathryn.“
    Ohne zu wissen warum, tat sie es. An ihrem linken Handgelenk war auch tatsächlich eine kleine, unauffällige Damenuhr. „11 Uhr 59“, murmelte sie.
    Und stand dann wieder auf der Brücke der Voyager. Der silberne Anhänger hing an ihrem Gürtel. Sein Gewicht war kaum spürbar, doch sie war sich dessen unbeschreiblicher Macht bewusst. Jetzt fehlte nur noch eines um das Bild zu komplettieren.
    „Wir werden gerufen“, meldete die Computerstimme.
    Wie aus einer Trance erwachend sah Janeway zur Decke. Hatte sie dies wirklich vernommen?
    „Verbindung aufbauen und auf den Hauptschirm schalten.“
    Die Warpsterne wichen einem charmant wirkenden Betazoiden.
    „Captain Price von der USS Monitor. Es tut mir leid, wenn wir Sie so überfallen Captain, aber wir haben hier jemanden, der unbedingt mit Ihnen sprechen will.“
    Ohne eine Reaktion Janeways abzuwarten trat Chakotay ins Bild. „Sie dachten doch nicht, dass Sie damit durchkommen. Entführung von Föderationseigentum wird hart bestraft. Ich werde es nicht verhindern können. Wir werden an Bord kommen müssen um das Schiff wieder unter Kontrolle zu bringen.“ Der Ernst war ihm mit jedem Wort weiter aus seiner Stimme gewichen.
    „Chakotay, Sie kommen wie gerufen. Wir haben viel zu tun.“
    „Dann werden wir den Transport vorbereiten. Die Monitor ist gut ausgerüstet, wir brauchen nicht einmal unter Warp zu gehen“, verkündete Chakotay stolz. Niemals im Leben konnte er es zulassen, dass die Familie in einer ihrer schwersten Stunden getrennt war.
    „Captain Janeway“, meldete sich Price noch einmal. „Wir könnten Ihnen mit Rat und Tat zu Seite stehen. Die Monitor ist ein gutes Schiff...“
    „Captain Price“, wehrte sie gleich den jungen, stürmischen Captain ab. „Nicht einmal die Voyager ist zu diesem Einsatz befugt. Bringen Sie ihr Schiff in den sicheren Föderationsraum zurück.“ Sie war sich nicht sicher, ob das ihn überzeugen konnte. Allerdings konnte sie ihn nicht brauchen. Wozu sollte auch noch ein weiteres Schiff genügen, das nicht zu ihrer Familie gehörte und nicht mit den Einzelheiten vertrau war. So gut es Price auch meinte, er konnte ihr nicht helfen. Dazu hätte sie ihm zuviel erzählen wollen. Und dazu war sie nicht bereit, dass hatte sie mit Chakotay so abgemacht.
    Price schien sich damit zufrieden zu geben. Vielleicht schien er zu spüren, wie sie fühlte. „Gut, wir werden an der Raumbasis warten. Price Ende.“
    Dann präsentierten sich Janeway wieder die unendlichen Sterne. Und sie machte sich auf den Weg zum Transporterraum um ihre Familie zu empfangen. Auf dem Weg dorthin fühlte sie sich zum ersten mal wieder wohl und erleichtert. Und sie spürte, dass es gut war.

    II

    Janeway betrat den Transporterraum II der Voyager etwas zögerlich. Sie wusste, dass sie einen Fehler gemacht hatte, als sie die Crew – ihre eigene Crew – ihre Familie überrumpelt und auf der Station zurück gelassen hatte.
    Mit einem Zischen schlossen sich die Türen hinter der Kommandantin wieder und Kathryn stellte sich an die Transporterkontrollen. Sie gab die Koordinaten des Transporterraumes der Monitor ein und… Energie!
    Auf der Plattform des Transporters nahmen – im Licht des Teleportationsstrahles – acht Gestalten langsam aber sicher Form an.
    Kathryn Janeway standen derweil Tränen in den Augen. Sie hatte ihre Crew gewissermaßen verraten, sich in gewisser Weise gegen sie gestellt, und trotzdem… trotzdem waren sie jetzt hier. Alle Führungsoffiziere.
    Chakotay, seine Frau Annika, Tuvok, Reg Barclay, Harry Kim, der Doktor… und auch Tom Paris materialisierten nun auf den Transporter-Padds.
    Janeway sah ihre Offiziere, ihre Freunde, ihre Familie, mit einem Blick an, der eine Mischung aus Freude und Trauer darstellte. Freude darüber, dass die Crew wieder an Bord zurück gekehrt war und Trauer darüber, dass sie sie weggeschickt hatte.
    Chakotay sah seinen Captain mit einem ausdruckslosen Gesichtsausdruck an. Doch an seinen Augen sah Janeway, dass er zutiefst enttäuscht war. Von ihr. „Captain“, sagte er formal.
    Janeway blickte ihm in die Augen. „Chakotay… Sie müssen doch nicht so förmlich s…“
    „Unter den gegebenen Umständen halte ich eine vertraute Anrede für unangebracht“, unterbrach Chakotay sie. „Dazu bedarf es nämlich einem: Vertrauen.“
    Janeway sah ihn entsetzt an. Hatte sie es sich mit Chakotay verspielt? Sie konnte nicht anders. Sie schnellte herum und verließ im Laufschritt den Transporterraum.
    „Nun“, meinte Tom laut, „ich schätze das war etwas hart, Chakotay.“
    Der Erste Offizier sah ihn an. „Denken Sie mir ist es leicht gefallen?“
    Nach einem kurzen Zögern schüttelte Tom den Kopf. Dann verließen die acht den Transporterraum. Schweigend.

    Mit ausdruckslosem Blick stand Captain Kathryn Janeway in ihrem Bereitschaftsraum auf Deck 1 und blickte aus den Fenstern hinaus zu den still stehenden Sternen.
    Der Türmelder summte. Und noch ein weiteres Mal, erst dann reagierte Janeway. „Herein!“
    Mit einem Zischen glitten die zwei Türhälften, die den Bereitschaftsraum von der Brücke abtrennten, kurz auseinander. Nur so lange, um Chakotay den Durchgang zu gewähren.
    Kathryn sah die Reflektion ihres Ersten Offiziers im transparenten Aluminium der Fenster. „Was ist los, Chakotay?“, fragte sie monoton.
    Chakotay zögerte und atmete einmal tief durch. „Kathryn, ich….“ Er sprach nicht weiter.
    Janeway drehte sich nun zu ihm. Und in ihrem Blick zeigte sich ein Funken Hoffnung.
    „Es tut mir leid“, sprach Chakotay weiter. „Vorhin im Transporterraum…“
    Janeway schüttelte den Kopf. „Sie müssen sich nicht entschuldigen, Chakotay. – Nein, wenn sich hier jemand entschuldigen muss, dann bin ich das. Ich war es doch, die die Familie auseinander gerissen und auf der Raumstation ausgesetzt hat.“
    Ihr Erster Offizier sah sie an. „Sie taten, was Sie für das Richtige hielten, Kathryn.“
    Janeway nickte. „Ja… ja, das tat ich… aber es war falsch, das habe ich jetzt eingesehen, Chakotay. – Und wenn sie der Meinung sind, dass sie mir nicht länger vertrauen können, dann… dann verstehe ich das, Chakotay…“ Sie seufzte.
    Der Indianer trat an seinen Captain heran und legte seine Hände auf ihre Schultern. „Ich vertraue ihnen, Kathryn. – Seit dem ersten Tag, ich habe ihnen immer getraut und das werde ich auch immer.“
    Janeway sah ihn glücklich an, doch Chakotays finstere Miene zog ihre Stimmung wieder etwas herunter.
    „Aber wenn sie so etwas noch einmal wagen…“, fuhr Chakotay drohend fort. „Egal, ob sie mein Captain sind, oder nicht, wenn se so etwas noch einmal wagen, mache ich se so fertig, dass Sie denken, se wären wieder Kadett im ersten Jahr, verstanden?“
    Janeway nickte.
    „Gut“, meinte Chakotay. „Nun da das geklärt ist… Wie lauten Ihre Befehle, Captain?“

    COMPUTERLOGBUCH DER VOYAGER
    CAPTAIN JANEWAY
    STERNZEIT 56863,2
    Mit nur den Führungsoffizieren an Bord ist die Voyager nun mit maximaler Warpgeschwindigkeit wieder auf dem Weg zum Senat der Transgalaktischen Union. – Dieser Konflikt muss beendet werden… ein für alle Mal.

    „Wir erreichen jetzt den Planeten, Captain“, meldete Tema'na am Steuer.
    Janeway konnte es nicht glauben. Sogar die Halb-Romulanerin war auf die Voyager zurückgekehrt. Janeway hätte alles erwartet, aber nicht das! Aber andererseits… in den letzten Monaten hatte Tema'na eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Beinahe eine Kehrtwende um einhundertachtzig Grad, wenn man es so umschreiben wollte. Seit diesem schrecklichen Ereignis mit Admiral Sela war Tema'na immer… menschlicher geworden. Und wie Janeway fand: Es stand der jungen Frau.
    „Auf Impuls verlangsamen“, befahl Chakotay. „Bringen sie uns in den Orbit, Fähnrich.“
    „Nein!“, widersprach Kathryn. „Ich werde ein Shuttle nehmen.“
    „Captain, ich dachte wir hätten geklärt, dass sie keinen Alleingang mehr…“
    Janeway unterbrach ihren Ersten Offizier: „Es geht hier nicht um einen Alleingang, Chakotay. – Sie haben doch gehört, was mit Botschafter Worf und den anderen passiert ist. – Je näher wir diesem Planeten kommen, desto schwieriger wird es für uns, uns dem Einfluss der Omniponier zu entziehen.“
    „Ach und wie wollen sie sich deren Einfluss entziehen, Kathryn?“
    Janeways Hand griff an ihre Hüfte. Und dort zu dem Anhängern, den Q ihr gegeben hatte. Sie löste ihn von ihrem Gürtel und sah ihn an. Dann hängte sie ihn dahin zurück, wo sie ihn her hatte: An ihren Gürtel. „Vertrauen sie mir, Chakotay.“
    Der Erste Offizier blickte sich hilfesuchend um. Schließlich traf sein Blick auf den von Tuvok. Und der Vulkanier nickte.
    „Also gut“, meinte Chakotay schließlich. „Aber nur unter einer Bedingung.“
    „Und die wäre, Commander?“, wollte Janeway wissen.
    „Wir fliegen in einen hohen Orbit“, antwortete ihr Erster Offizier. „Dann können wir Sie notfalls an Bord beamen.“
    Janeway dachte kurz nach. „Ihr letztes Angebot?“
    Chakotay nickte.
    „Also gut“, gestand die Kommandantin ihm zu. „Tun wir’s.“ Janeway blickte ihre Offiziere an. „Gehen Sie keine unnötigen Risiken ein. – Wenn die Union versucht die Voyager anzugreifen, werden Sie sofort fliehen, verstanden?“
    Alle nickten. Doch alle – einschließlich Janeway – wussten sie, dass sie diesen Befehl niemals befolgen würden. Die Voyager würden den Orbit nicht ohne Janeway verlassen.

    Im Summen und Glitzern des Transporterstrahles materialisierte Janeway mit einem Phasergewehr in den Händen in der gigantischen Senatskammer.
    Sogleich löste sich von der Wand eine bläulich schimmernde Energieerscheinung und näherte sich Janeway. Und mit jedem Schritt wurde die Erscheinung menschlicher. Es war der Omniponier aus dem Shuttle. Jedenfalls nahm er dessen Gestalt an. Dessen menschliche Gestalt, wohl gemerkt.
    „Ich hatte nicht erwartet, Sie hier wieder zu sehen, Captain Janeway“, dröhnte die Stimme des Omniponiers durch die Hallen des Senats.
    „Da sehen Sie mal, wie wenig sie über die Geschöpfe, deren Geschicke sie angeblich leiten wissen“, erwiderte die Kommandantin.
    „Wir haben…“
    „… lange geruht“, vollendete Janeway den Satz. „Mir scheint, als hätten wir die Rollen nun umgekehrt.“
    „Ganz und gar nicht!“, erwiderte der Omniponier. Er richtete seine Hand auf sie. „Runter mit der Waffe.“
    Janeway zuckte mit den Schultern. „Ich denke nicht.“
    „Was!? Wie ist das…“
    „… möglich? - Tja, das werden sie schon selbst herausfinden müssen“, meinte Kathryn.
    „Was wollen sie jetzt tun, Captain?“, wollte der Omniponier wissen. Seine Stimme klang noch immer genau so selbstsicher, wie zuvor. „Mich töten?“
    Janeway schüttelte den Kopf. „Nicht, wenn ich es irgendwie vermeiden kann.“
    „Darf ich sie daran erinnern, was geschieht, wenn ein Omniponier stirbt!?“
    „Das ist nicht nötig, Sie haben es mir beim letzten Mal recht deutlich geschildert. – Ich bin hier, um Ihnen etwas vorzuschlagen.“
    Der Omniponier sah sie an und machte eine Handgeste, die es ihr erlaubte, fortzufahren.
    „Ich denke ich kenne die Lösung für all unsere gemeinsamen Probleme“, erklärte Janeway.
    „Das bezweifle ich“, erwiderte das Wesen.
    Die Kommandantin der Voyager ignorierte dies. „Sie haben mir doch von ihren so genannten Zeitaltern erzählt. Und dass wir an der Schwelle des Zeitalters der Vernichtung stehen würden.“
    Das Wesen nickte. „So ist es.“
    „Ich will nicht behaupten, dass ich ein Genie auf dem Gebiet Geschichte bin“, fuhr Janeway fort, „aber ich denke, ich kann doch sagen, dass ich dies und das weiß.“
    „Auch das bezweifle ich.“
    „Sie haben mir erzählt, sie hätten lange geruht.“
    „Zu lange, wie es scheint.“
    Janeway zuckte mit den Schultern. „Vielleicht nicht lange genug.“
    Das Wesen sah sie mit einem vernichtenden Blick an.
    „Sagen sie mir doch bitte – in Erdenjahren – wann sind sie wieder ‚erwacht’? – Vor etwa einhundert Jahren? Einhundertfünfzig?“
    Das Wesen nickte. „In Ihren dreidimensionalen Begriffen dürfte dies zutreffen.“
    „Das ist aber interessant“, meinte Kathryn. „Sie sind also ‚erwacht’, begannen sich wieder in die Geschehnisse einzumischen und – siehe da – schon bald begann das Zeitalter des Chaos…. Haben sie schon einmal daran gedacht, dass sie vielleicht dafür verantwortlich sind?“
    Mit seinem linken Arm holte der Omniponier aus und schleuderte Janeway eine Druckwelle entgegen. Die Kommandantin wurde mehrere Meter durch die Luft geschleudert und verlor bei der harten Landung auf dem noch härteren Boden des Senats ihr Phasergewehr. „Neeeeiiiiiiiiiiiiiin!“, schrie der Omniponier.
    Janeway rappelte sich langsam auf, während der Omniponier, der nun wieder in seine natürliche Gestalt überging und größer und größer wurde, sich ihr immer weiter näherte. „Wir sind die einzige Hoffnung für das Universum!“, hallte es von dem Wesen. „Sehen sie, was passieren würde, wenn wir uns nicht eingemischt hätten!!!
    Wenige Meter neben Janeway erschienen zwei blutüberströmte, tote Körper auf dem Boden. Chakotay und Tuvok! Oder besser: Ihre Leichen!!!
    Sehen sie es sich an, Captain!!!“, brüllte der Omniponier.
    Janeway sah die beiden Leichen und schloss ihre Augen.
    Der Boden begann zu vibrieren und ein Brummen wurde hörbar. Dasselbe Brummen, wie damals, als sie, Chakotay und der Doktor das erste Mal auf einen Omniponier gestoßen waren.
    Janeway drehte ihren Kopf nun wieder zu dem Omniponier und öffnete ihre Augen. Das Wesen war noch größer geworden und stand nun direkt vor ihr.
    Wir werden uns auch weiterhin einmischen, Captain Janeway“, brüllte es. „Wir werden tun, was nötig ist, um das Universum zu schützen. Es gibt nur eins, was uns im Weg steht und das sind sie!
    Das Wesen wollte nach Janeway greifen. Der Kommandantin wurde klar, dass ihre letzte Stunde geschlagen hatte.
    „Nutzen Sie es!“, hörte sie plötzlich die Stimme von Q in ihrem Kopf. „Nutzen sie es, Kathryn!“
    Janeway blickte zu dem Anhänger an ihrem Gürtel, dann wieder zu dem Omniponier, der sie jeden Augenblick ergreifen und töten würde…. Kathryn konzentrierte sich so sehr sie konnte und… der Omniponier flog durch die Luft und knallte gegen die Wand, wurde wieder zu einem Teil von ihr und verschwand. Und mit ihm verschwanden auch das Brummen und die Leichen von Tuvok und Chakotay.
    Janeway rappelte sich auf und wollte ihren Kommunikator berühren. Plötzlich jedoch setzte das Brummen wieder ein, in einer nie für möglich gehaltenen Lautstärke. Und mit ihr erschien eine große Anzahl Humanoider im Saal. Wie Zombies marschierten sie auf Janeway zu und umzingelten sie.
    Kathryn blickte sich nervös um. Kein Fluchtweg. Schnell tippte sie ihren Kommunikator an, doch statt des üblichen Zirpens, geschah nichts. Keine Verbindung zur Voyager.
    Sie kommen hier nicht heraus, Captain“, sagte der Omniponier. Er stand wieder direkt hinter ihr, in seiner natürlichen Gestalt.
    Janeway drehte sich zu ihm herum. – Um sie herum kam die Menge näher. Kathryn wurde zunehmend nervöser. Sie blickte hilfesuchend in die Menge und… und fand Worf. Den Botschafter, den Spion innerhalb der Transgalaktischen Union. „Worf!“, rief sie, doch er reagierte nicht.
    Sie sind unter unserer Kontrolle“, erklärte der Omniponier. „Sie alle.
    Geschockt sah Janeway den Klingonen an, der ihr immer näher und näher kam. Dann fielen ihr Q’s Worte wieder ein. Nutzen Sie es! – Wieder konzentrierte sich Janeway. Diesmal auf sich, Worf und die Voyager.
    Und in einem plötzlichen Lichtblitz verschwanden Kathryn und Worf aus der gigantischen Halle…

    … und erschienen in einem weiteren Lichtblitz auf der Brücke der Voyager.
    „Fähnrich Tema'na, bringen Sie uns hier weg, Maximum Warp!“, befahl Janeway sogleich.
    Die Halb-Romulanerin führte den Befehl augenblicklich aus und das Schiff sprang auf Warpgeschwindigkeit. – Binnen weniger Augenblicke brachte es enormen Abstand zwischen sich und den Senat der Transgalaktischen Union.
    Und nach einigen Augenblicken: „Was ist passiert?“, fragte Worf verwirrt. „Wo bin ich?“

    III

    Wenn das überhaupt noch ging, bei Worfs Bergmassiv auf seiner Stirn, dann hätte man fast sagen können, dass der klingonische Botschafter und Sternenflottenoffizier seine Stirn runzelte.
    Er hätte nie gedacht, dass jemand seine Sinne schwächen und seinen Kriegergeist einfach so außer Funktion setzen könnte. Doch diese Götter – Gott war für ihn gleichbedeutend mit Kahless – hatten es geschafft.
    Er und Janeway saßen in dem Bereitschaftraum des Captains.
    „Es sind bereits über 6000 Völker in diesem gigantischen Senat, aus allen Winkeln der Galaxis, die fremdartigsten und unfassbarsten Wesen gibt es dort, die die Föderation oder die Klingonen noch nie gesehen haben. Es handelt sich bei dem Senat um eine riesige Weltraumstadt... Und wenn die Omniponier ankommen, bricht das Chaos aus. Alle sind ganz fanatisch auf ihre Retter, auf die Retter der Galaxis. Wenn man sich bei den Abgeordneten mal umhört, hört man immer wieder eine Abneigung gegen die Föderation, gegen die Menschen und gegen sie, Captain... Sie haben eine elementare Bedeutung, denn durch irgendeine Handlung werden sie diesen Krieg, der alles Leben vernichtet, entfachen... Man will sie vernichten, aber das ist schon oft fehlgeschlagen.“
    „Ja“, stimmte Janeway zu. „Mal wollte man mich ertrinken lassen, dann mich einfach so erschießen oder aus der Zeit eliminieren... Was wissen sie über dieses Zeitalter?“
    Worf grunzte ein wenig. „Die Omniponier haben ihren Roman, wie sie es nennen, in zehn Zeitalter eingeteilt. Wir befinden uns im sechsten Zeitalter des Chaos. Chaos, weil die Omniponier geruht haben. Damit das Buch aber nicht umgeschrieben werden muss und ihre großartige Schöpfung hier in der Milchstraße nicht vernichtet wird, mischen sie sich ein. Sie wollen verhindern, dass es zu dem siebten Zeitalter kommt...“
    Er gab ihr ein klingonisches PADD, welches Janeway entgegennahm und an der Seite ihres kleinen Tischcomputers entlang zog. Sofort wurden die übersetzen klingonischen Schriftzeichen auf ihrer Bildschirm angezeigt. Dort war zu lesen:



    „Die Aufteilung ergibt Sinn“, fuhr Worf fort. Das Leben in dieser Galaxie entsteht, vernichtet sich selbst und die Überlebenden verlassen dieses Universum in ferner Zukunft. Das alles wollen die Omniponier verhindern. Sie sehen sich selbst als Schöpfer und Gott und haben diese Transgalaktische Union gegründet, um alle Völker von der Föderation abzukapseln. Besser gesagt von den Menschen.“
    „Und um ganz genau zu sein, Botschafter, von mir und der Voyager...“, führte der Captain Worfs Aussagen zu Ende. „Ich kann mir auch nicht helfen, aber es scheint mir so zu sein, dass wir nur eine Chance haben, die Galaxie zu retten...“
    „Die wäre?“
    „Das, was Klingonen am liebsten tun: kämpfen. Den Einfluss der Omniponier bekämpfen, diese verdammte Transgalaktische Union zu zersplittern und den Zustand wieder herzustellen, der vor dem Eingreifen der Omniponier herrschte! Wir müssen alle Völker dazu bringen, dass sie sich von Gott beziehungsweise den Omniponiern abwenden!“
    „Das wird aber nicht so einfach sein“, meinte Worf, sichtlich interessiert an Janeway Vorschlag.
    „Wann ist die nächste Tagung dieses Senats?“ fragte Janeway.
    „Heute. Man wird wohl die nächsten Tage beraten, was als Nächstes zu tun ist. Aber wenn Sie zum Senat fliegen wollen...“
    „Ich weiß!“ unterbrach Janeway Worf, „Dort sind mehrere tausend Schiffe stationiert. Aber wir werden es schaffen!“ Da tippte sie auf ein Berührfeld ihres Schreibtisches: „Janeway an alle! Verlassen Sie das Schiff! – Janeway an Tuvok: Sie bleiben an Bord!“
    Worf sah sie verdutzt an.
    „Ich werde diese Schlacht alleine schlagen! Gehen Sie, Botschafter!“
    Worf nickte, während er sich erhob und auf seine linke Schulter mit der geballten Faust schlug. „Qua’pla! Heute ist ein guter Tag zum...“
    „Sagen Sie es nicht!“ blockte Janeway ab.
    Dann ging Worf, und Tuvok und Chakotay kamen herein.
    „Captain, was soll das?“ fragte Chakotay.
    „Keine Fragen, Chakotay! Ich hab einen Befehl gegeben ... und den Sinn meines Lebens gefunden. Ich dachte schon, das Leben an sich hätte keinen Sinn, aber ich habe mich geirrt. Ich werde diesen verdammten Senat in die Luft jagen. Nur so können wir diesen Krieg verhindern, der alles auslöschen wird. Dieser Omniponier, der ihn anführt, muss sterben. Das er nicht unsterblich ist, das haben wir vor sechs Jahren gesehen, oder, Chakotay?“
    Tuvok hob eine Braue, offensichtlich verstand er nicht, was Janeway meinte.
    „Worauf warten Sie, Commander?“
    Chakotay blieb stur. „Ich weigere mich, zu gehen, denn ich habe das Gefühl, dass wir uns nie wieder sehen werden.“
    „Da könnten sie Recht haben... Tuvok, gehen sie auf Roten Alarm und kontrollieren sie den Abflug der Rettungskapseln.“
    Der Vulkanier nickte und verließ den Bereitschaftsraum. Chakotay und Janeway blieben zurück, von Angesicht zu Angesicht. Sie standen sich gegenüber, beide waren auf eine merkwürdige Weise beunruhigt und gerührt.
    „Erinnern Sie, was ich Ihnen vor ein paar Wochen gesagt hatte, als wir auf der Titanic waren, im Holodeck?“ fragte Kathryn.
    Chakotay nickte. „Ja, dass sie genauso sterben wollen wie Kapitän Smith. In Erfüllung Ihrer gottverdammten Pflicht!“
    Janeway nickte. „Ja, auf dem untergehenden Schiff. Und der Eisberg ist der Senat dieser Union. Dieser Vereinigung, die bereits zu viel verändert hat. – Die letzten neun Jahre waren eine wichtige Lektion für mich, Chakotay. Sie sind mein engster Vertrauter nach Tuvok geworden. Ich werde Sie vermissen...“
    „Ich Sie auch. Sie haben mir den richtigen Weg gezeigt. Das werde ich niemals vergessen...“
    Mit diesen Worten ging er und Janeway meinte, zum ersten Mal in seinen Augen Tränen gesehen zu haben.
    „Ich habe Euch Menschen unterschätzt!“
    Ruckartig drehte sich Janeway um neunzig Grad und sah auf Ihrem Stuhl Q sitzen.
    „Ich denke, ich sollte ,Danke!’ sagen, oder? So etwas aus Ihrem Munde.“
    Q stand ebenfalls auf. „Ich werde Sie vor den Eingriffen der Omniponier schützen. Mehr aber auch nicht, Kathy. Das ist die Erfüllung Ihrer Lebensaufgabe, vermasseln Sie es nicht.“ Er hob bereits den Finger, um sich wegzuschnipsen, sagte aber vorher noch: „Sie waren immer besser als Jean-Luc!“
    Janeway schmunzelte leicht. Dann ging sie auf die Brücke, vorbei an dem golden glänzenden Schild mit dem Schriftzug „U.S.S. Voyager“. Ja, eine Reise war es wirklich gewesen.

    Die Voyager flog majestätisch über die Golden Gate Bridge, begleitet von zwei anderen Sternenflottenschiffen. Ein großer, länglicher Schatten legte sich über San Fransisco. Das Schiff war nach sieben Jahren im Delta-Quadranten zurückgekehrt.
    Begrüßt wurde sie von unzähligen Menschen und Offizieren, die die Nachricht gerade gehört hatten und auf die Straßen gestürmt waren.
    Alle winkten dem Schiff zu, das schon jetzt eine Legende war. Die Voyager flog vor der Sonne und verlieh dem Ereignis so eine ganz besondere, epochale Stimmung.
    Es würde viel zu erzählen geben...

    „Und so ist es mir eine ganz besondere Ehre, die Crew der Voyager hier begrüßen zu dürfen.“
    Die Massen zu Hause, auf den Straßen und die Anwesenden im Föderationsrat jubelten, als Janeway und ihre Crew auf der Bühne erschienen, neben dem Föderationspräsidenten, mitten auf dem Gelände des Sternenflottenrates...


    Das war vor zwei Jahren gewesen, als sie nach Hause gekommen waren. Alles schien so gekommen zu sein, wie gewünscht. Doch dann starb beziehungsweise verschwand Tom, B’Elanna starb, eine interne und dann externe Krise, die den ganzen Alpha-Quadranten an den Rande der Vernichtung brachte. Wie jetzt und abermals lag es an ihr, das zu verhindern.
    Das hätte sie sich, als kleines Mädchen in Iowa, nie vorstellen können, dass sie eines Tages das Schicksal der gesamten Galaxis auf ihren Schultern tragen würde. War das nicht Geschenk genug? War das nicht wirklich die Erfüllung, der Sinn ihres... Lebens.

    Janeway verließ ihren Bereitschaftsraum, um auf die Brücke zu gehen. Im Kommandozentrum ihres Schiffes angekommen, blieb sie abrupt stehen. „Was soll das?“, fragte sie.
    Chakotay und die restlichen Führungsoffiziere sahen ihre Kommandantin an. Niemand sagte etwas. Doch schließlich brach Tom Paris das Schweigen: „Ist das nicht offensichtlich, Captain?“
    „Wir helfen Ihnen dies durchzustehen“, fuhr Harry fort.
    Janeway sah wütend zu Chakotay. „Welchen Teil von ‚Gehen Sie von Bord’ haben Sie nicht verstanden, Chakotay?“
    „Wir hatten das Ganze doch schon, Kathryn“, entgegnete der Erste Offizier. „Es ist keine zwei Tage her und ich nehme an, Sie wissen noch, was ich Ihnen danach gesagt habe, Captain.“
    Janeway ging gar nicht darauf ein. „Sie könnten umkommen.“
    Chakotay blickte jeden der Anwesenden an. „Wir sind bereit dieses Risiko einzugehen, Captain.“
    Janeway schüttelte den Kopf. „Ich aber nicht.“
    „Nun ja, es läuft so, oder gar nicht.“
    Janeway dachte nach. Schließlich nickte sie. „Okay. – Aber dann lassen Sie uns einen Pakt schließen…“
    Chakotay nickte. „Wir kommen alle von diesem Flug zurück.“
    Janeway nickte und lächelte. Doch sie wusste genau so gut, wie die anderen, dass ihre Überlebenschancen so ziemlich bei null lagen.

    Einen Tag später
    Ein Tag des Kampfes gegen die Truppen der Union und des Fluges zum Senat der Transgalaktischen Union lagen hinter ihr. Sie und ihre Crew hatten gegen Andorianer, Romulaner... gegen alle erdenklichen Rassen gekämpft. Nun befanden sie sich mit ihrem Schiff nur noch wenige tausend Kilometer von dem Senat entfernt befand.
    „Computer, sind alle Crewmitglieder von Bord?“, fragte Janeway, während eine weitere Explosion das Schiff erschütterte und ein großer Deckenträger hinter ihr zerbarst. Funken sprühten aus der Taktischen Konsole und schleuderten Tuvok zu Boden. Der Vulkanier war sofort tot.
    Sofort stellte Tom Paris, der an der Statuskonsole hinter Janeway und Chakotay stand, die Taktischen Kontrollen zu seiner Station durch.
    Durch das große Loch in der Brückedecke konnten sie sehen, wie eines der klingonischen Schiffe aus seinem Torpedorohr ein weiteres grün fackelndes Explosivgeschoss entließ.
    Nach wenigen Sekunden bebte das Schiff erneut. Es war so stark, dass Janeway das Gefühl hatte, die Brücke wäre vom Schiff losgerissen worden. Der gewaltige Stoß warf sie zu Boden.
    Für wenige Sekunden versagte das Kraftfeld, welche die Atmosphäre auf der Brücke halten sollte. Alle Offiziere wurden in Richtung des Lochs geblasen. Glücklicherweise reaktivierte sich das Feld wieder, bevor einer der Offiziere im kalten All sein kaltes Grab finden würde.
    Hart fielen alle zu Boden. Tema'na landete härter, als die anderen und verlor das Bewusstsein… oder?
    Chakotay rappelte sich auf und eilte zu ihr. Er suchte ihren Puls. „Sie ist tot.“
    Janeway spürte die Wut in ihrem Magen. Das musste nun ein Ende haben. Es gab nur eine Möglichkeit, all das zu beenden. Einen drohenden Krieg, der alles Leben in der Galaxie auslöschen würde, zu verhindern. Sie und der Senat der Union, oder wie auch immer sie sich nannten, musste vernichtet werden. Sie, Kathryn Janeway, und die Voyager waren die Auslöser dieses drohenden Krieges, der Dominostein, der die Ereignisse im Zeitalter der Zerstörung zum Rollen bringen würde.
    Sie fasste einen Entschluss. Sie würde so oder so nicht überleben. Und war das Leben für sie überhaupt noch lebenswert?
    Nein. Nein, das war es nicht mehr. Die Erkenntnis, dass alles nur ein Spiel ist, das alles was sie je getan hatte, so sein sollte, wie es eine gottesgleiche Spezies wollte, hatte sie nicht verkraftet.
    Und Chakotay hatte Recht. Die Omniponier waren böse. Daran bestand kein Zweifel. Denn wenn „Gott“ die Kontrolle über alles hatte, dann hatte er auch Kontrolle über ein noch so chaotisches Zeitalter. Dann konnte er auch einen Krieg abwenden. „Gott“ hätte sich nie zur Ruhe gesetzt, die Macht genossen, und dann plötzlich übereilt versucht, einen Krieg zu vermeiden.
    Es lag an ihr und dem überlebenden Rest ihrer Crew, diesen Krieg nicht ausbrechen zu lassen. Denn wenn alles vorherbestimmt war, bis auf die Ereignisse im Zeitalter des Chaos, dann konnten sie im Chaos etwas Unerwartetes tun. Tatsächlich war dieses sich dem Ende neigende Zeitalter die einzige Zeit, in der scheinbar das Leben im Universum seine eigenen Wege gegangen war, sich der Kontrolle der Omniponier vorübergehend entzogen hatte.
    Und da der Krieg ausbrechen würde, offensichtlich auch mit dem Einwirken der Omniponier, gab es nur die Möglichkeit, dass sie, Kathryn Janeway, ihn verhindern konnte.
    War das der Sinn ihres Lebens? Wenn ja, dann würde sie jetzt ihr Leben beenden. Sie würde sich für alles opfern, was in dieser Galaxie Bestand hatte. Denn, auch wenn die Omniponier alles erschaffen hatten, so war es Leben.
    War das nicht ein ehrenwerter Tod?
    „Computer! Steuere die Voyager in den vor uns liegenden Komplex!“
    Die Voyager setzte sich in Bewegung. Mit vollem Impuls flog sie auf den Senat zu. Auf den Senat tausender von Völkern, die sich von der Föderation abgewandt hatten. Die an das, was die Omniponier sagten, glaubten. Doch „Gott“ hatte keine Macht mehr. „Gott“ war hilflos. Ja, die Omniponier hatten den Garten Eden, die Galaxie, gar das ganze Universum, Adam und Eva anvertraut. Und nun war ihre Schöpfung bedroht und sie wollten Adam und Eva verbannen. Die Föderation, die Menschheit, isolieren.
    Janeway sah zu Chakotay, der sie mit einem „Es tut mir Leid“-Blick ansah.
    „Noch zwanzig Sekunden bis zum Aufschlag!“ meldete der Computer mit verzerrter Stimme. Sogar die Lautsprecher ihrer Brücke waren angeschlagen.
    Ein weitere Treffer ließ alle nach vorne rasen. Vor Schmerz brach Janeway an der Rückenlehne von Tema’nas Sessel kurzzeitig zusammen.
    Nun wusste Janeway, wie sie sterben würden: Die Trägheitsdämpfer waren außer Funktion. Sie würden mit voller Wucht gegen ihre Sessel gedrückt und dann zerquetscht werden. Es war grausam. Aber sie wusste, dass es das Beste war, was sie tun konnten. Das einzige... Das Schicksal der ganzen Galaxis lag in ihren Händen.
    Blut tropfte von ihrer Wange auf den Teppichboden.
    Sie musste ein wenig lächeln, als sie an Barclay dachte, dem das gleiche in der Krankenstation passiert war. Er würde jetzt noch dabei sein, den Teppichboden im Korridor zu schrubben.
    „Noch zehn Sekunden! – Schilde ausgefallen!“
    Mit aller Kraft, die sie aufbieten konnte, drückte sie sich in den Sessel, als ein weitere Torpedoeinschlag das Schiff durchschüttelte. Plötzlich erstreckte sich ein Riss durch den Boden der Brücke. Die Voyager würde nicht mehr lange durchhalten.
    Die absurdesten Gedanken kamen ihr in den Kopf. Sie würde aus dem Leben treten, ohne sich richtig von Chakotay oder den Menschen und Lebewesen, die sie liebten, verabschiedet zu haben. Hatte sie noch Zeit dazu?
    „Noch fünf Sekunden!“
    Nur noch fünf Sekunden? Wie sollte sie da alles sagen, was noch gesagt werden… Ein Bild ihrer Mutter entstand vor ihren Augen.
    „Noch vier Sekunden!“
    Unaufhaltsam flog das Schiff zusammen mit seinem Captain in seine Vernichtung. Aber wie sagte Captain Jean-Luc Picard? „Das Alphabet hat noch viele Buchstaben!“ Ja, gewiss hatte es das. Und diese Voyager war erst beim A angelangt. Und bald würde es eine weitere Voyager geben.
    „Noch drei... zwei ...“
    Das Ende war da. Zwei Sekunden trennten sie vom Tod... und von der Apokalypse? Oder würde sie sie verhindern können?
    „Es tut mir Leid!“, brüllte Janeway gegen den Lärm an und die Überlebenden hörten sie.
    „Noch eine Sekunde.“
    Das „Aufschlag!“ konnte man nicht mehr hören.
    Metall knirschte, Luft entwich, alles um Janeway herum schien zu explodieren.
    Nach den ersten Sekunden fand sie sich auf der vibrierenden Brücke wieder. Sie spürte, wie sich die Voyager immer weiter in den Komplex hineinbohrte.
    Sie lebte noch, aber sie konnte fast nur noch denken. Doch auch ihre Gedanken wurden von dem unsäglichen Schmerz übertönt. Sie lag auf der Steuerkonsole.
    Sie konnte ihre Beine nicht mehr spüren...
    Das Schiff brach immer weiter auseinander...

    Im Weltraum war zu sehen, wie die Voyager aufplatzte. Glühende Trümmer lösten sich, während das Sternenflottenschiff sich in den großen Senat dieser Vereinigung hineinbohrte.
    Und im Senat brach das Chaos aus, als die Voyager in den gigantischen Versammlungsraum vordrang. Man hörte verzerrte Schreie, aber dann war es plötzlich still. Das Schiff steckte fest...

    Auch Janeway spürte, wie die Voyager aufhörte, weiter in den Senat vorzudringen. Es hatte nicht geklappt...
    „Computer... ah...“ Schmerzerfüllt öffnete sie ihren Mund. Blut lief heraus. Es näherte sich dem Ende.
    „Warpkern abwerfen...“, brachte sie heraus. Das war die letzte Chance...
    Es kam nur ein Krächzen als Antwort. Und es tat sich nichts. Nach wie vor lag sie auf der Konsole.
    „Selbstzerstörung aktivieren...“
    Janeway konnte sich noch erinnern, dass sie jetzt eine Bestätigung abgeben musste.
    Doch es reichte auch, eine Notfallsituation anzukündigen. Und das tat sie...
    „Notfall – Alpha Eins Sieben Vier Sechs Fünf Sechs. Bestätigen!“
    Das waren ihre letzten Worte.
    Im Zeitraffer schien alles um sie herum zu zerbersten. Alles fing langsam Feuer. Sie wurde wie auf einer Woge getragen weggedrückt. Und dann verlor sie auf alle Zeiten das Bewusstsein.
    Es war vorbei.
    Doch es würde erst beginnen.
    Nichts würde mehr so sein wie vorher. Eine Welle der Vernichtung und des Todes würde sich mit diesem Ereignis über die Galaxie ausbreiten.
    Janeway hatte das Zeitalter der Zerstörung eingeläutet.
    Die Apokalypse würde beginnen...

    IV

    Feuer!
    Feuer und Flammen der Zerstörung!
    Überall brannte es, Trümmerteile lagen herum. – Hier und da war noch ein etwas größeres Teil dabei. „U.S.S. VOYAGER NCC-74656-A“ war noch mehr oder weniger deutlich auf einem von ihnen zu lesen. Verbrannt… verkohlt… vernichtet….
    Das einst so stolze Sternenflottenschiff war vernichtet. Die größten Trümmerteile, die noch von ihr übrig waren, maßen zehn Quadratmeter. Die Crew – die acht, die noch an Bord gewesen waren…
    In Mitten des qualmenden und brennenden Trümmerhaufens, bestehend aus Resten der Voyager und des Senats der Transgalaktischen Union befand sich der Omniponier. Das bläuliche Leuchten des Energiewesens begann langsam aber sicher zu verblassen, die Energieteilchen verloren ihren Verbund und begannen auseinander zu driften…
    „Das siebte Zeitalter“ stammelte das Wesen. Seine Stimmer wurde leiser und leiser, das Leuchten schwächer und schwächer. „Die Zerstörung… sie hat begonnen…“
    Brennende Reste der Decke der gigantischen Senatskammer fielen auf das Wesen herab und durch seine sich langsam auflösende Energie hindurch.
    Immer dunkler wurde das Strahlen des Omniponiers… und schließlich hörte es ganz auf… das Wesen verschwand. Zurück blieb nur eines: Spuren der totalen Vernichtung!
    Die letzten Teile der noch stehenden Wände des Senates gaben der Hitze nach….

    … „wir sind auf der anderen Seite der Galaxie“… … „Sie sind nicht allein, Kathryn“…
    … „Ich werde ihn zur Strecke bringen. Egal wie viel es kostet und egal wie lang es dauert“…
    … „Sie werden assimiliert werden.“ – „Nicht heute und nicht von Ihnen!“…
    … „Setzen Sie einen Kurs… nach Hause“… … „Das Wohl von vielen wiegt schwerer, als das von Wenigen“…
    … „Wir helfen ihnen eine Verteidigung gegen Spezies 8472 zu finden“…
    … „So fängt es an. Medizinische Bagatellfälle sind jetzt mein Gebiet“…
    … „Das ist ein Sternenflottenausdruck für ‚Raus hier!'“…
    … „Ich nähe alle Gliedmaßen wieder an. Wenn sie sie mitbringen“…
    … „Kaffee. Noch eine Tasse und ich springe auf Warp“…
    … „Dann wünschen sie zu kopulieren“… … „Ich schätze die Borg lernen eine Menge Leute kennen“…
    … „Der frühe Vogel bekommt den Gagh“…
    … „Warnung: Warpkernbruch viel früher als sie denken“…
    … „Als ich das letzte Mal die Worte 'Meinen Geist zu deinen Geist' hörte, hatte ich zwei Wochen lang Kopfschmerzen“…
    … „Der einigste Klingone vor dem ich mich fürchte ist meine Frau, nachdem sie eine Doppelschicht absolviert hat“…
    … „Vulkanier erleben niemals Angst“… … „Warum übergeben wir ihn dann nicht gleich den Borg?“…
    … „Danke für Ihre Hilfe, Admiral Janeway“… … „Ich bin es Ihnen schuldig!“… … „Tom!“…
    … „Oh Scheiße!“… … „Computer, das KHN aktivieren!“…
    … „Das geht diesmal nicht gut, Chakotay. – Das habe ich im Gefühl“…
    … „Die Zerstörung unseren Einflusses auf die Galaxie“…


    August 2374
    COMPUTERLOGBUCH DER VOYAGER
    CAPTAIN JANEWAY
    STERNZEIT 51649,2
    Der Doktor, Commander Chakotay und ich machen uns mit einem Shuttle auf den Weg zu einem mysteriösen Planeten in einem Sternensystem, das vier Lichtjahre von uns entfernt liegt. Die Voyager unternimmt während unserer Nachforschungen eine Reise als Handelsschiff. Die friedfertigen Kivonianer haben uns gebeten, ihnen Daten über die Verteidigungssysteme der Kazon zu geben. Im Gegenzug gewähren sie der Crew freien Aufenthalt auf ihrem Planeten. In drei Tagen werden wir uns mit der Voyager treffen und unsere Reise fortsetzen.


    „Glauben Sie das, was die Kivonianer über diesen Planeten gesagt haben?“ fragte der Doktor, während er und Commander Chakotay vorne im Shuttle saßen und das kleine Schiff steuerten.
    „Nun ja, ich weiß nicht... Sie meinten ja, dass wir in allen Zeiten verschollen sein würden, wenn wir dort hin fliegen. Aber wenn Sie mich fragen: Die Kivonianer sind so gläubig, dass sie bis vor kurzem sogar keinen Widerstand gegen die Kazon geleistet haben, in der Hoffnung, dass ihre ,Schutznachbarn’ sie vor ihnen beschützen. Ich denke, wir sollten auf ihr Urteil nicht allzu viel Wert legen.“
    In dem Moment wachte Janeway auf, die auf einer der beiden Bänke im Hinterraum lag. Müde setzte sie sich auf und rieb sich die Augen.
    „Uah...“, gähnte sie. „Wie lange habe ich geschlafen?“
    „Sechs Stunden. Dieser Schlaf war aber auch bitter nötig. Sie waren völlig überarbeitet, Captain!“ mahnte der Doktor und erhob sich vom Stuhl in Richtung der zweiten Bank. Dort öffnete er einen schmalen Koffer und holte eine wenige Millimeter dickes, silbernes Gerät heraus.
    „Das hier ist eine Holokamera, Captain. Ich habe vor, ein paar Bilder zu ,knipsen’.“
    „Ein neues Hobby?“ fragte der Captain interessiert.
    Sie hatte in den letzten Monaten beobachtet, wie der Doktor immer mehr Persönlichkeit entwickelte. Noch vor einem Jahr war er ein sturer und unfreundlicher Computer gewesen, langsam aber passte er sich an seine Umgebung an. Das spiegelte sich auch darin wieder, dass immer mehr Crewmitglieder bei Problemen die Krankenstation aufsuchten. Früher hatte jeder selbst mit 42 Grad Fieber den Doktor gemieden, doch das hatte sich geändert. Erfreulicherweise.
    „Ja, Captain, ein neues Hobby!“ riss das MHN Janeway aus ihren Gedanken.
    „Nun, Commander, wie sieht’s aus?“ fragte Janeway ihren Ersten Offizier, um einem längeren Gespräch mit dem Doktor aus dem Weg zu gehen.
    „Nun ja, nicht schlecht. Wir... werden in etwa zwanzig Sekunden am Ziel sein. Sie sind pünktlich aufgewacht, Kathryn.“
    Janeway lächelte. Chakotay brachte sie erstaunlicherweise oft zum Lächeln. Er gab ihr Halt, wie einst Mark auf der Erde.
    „Und da ist er“, sagte Chakotay nun.
    Janeway blickte aus den Fenstern. Vor ihnen lag ein wunderschöner Planet. Blaue Ozeane und saftig grüne Kontinente.
    „Ich orte eine Struktur auf der Oberfläche“, meldete der Erste Offizier. „Auf dem nördlichen Kontinent.“
    „Das klingt interessant“, meinte Kathryn. „Wie würden Sie es finden, wenn sie auf der Oberfläche ein paar Bildchen schießen könnten, Doktor?“
    Das MHN strahlte.
    „Also dann, Chakotay… bringen Sie uns runter.“
    Gekonnt landete Chakotay das kleine Shuttle auf der Oberfläche des Planeten und die drei Offiziere verließen es. Sie befanden sich nur wenige Duzend Meter von dem Gebäude, dass Chakotay aus dem Orbit entdeckt hatte, entfernt. – Es war ein riesiger, alter und deutlich verfallener Palast. Aber dennoch… er schien nichts von seiner ursprünglichen Schönheit verloren zu haben.
    „Sehen sie sich das an“, staunte Janeway. „Haben sie jemals etwas so…“ Sie suchte nach den passenden Worten, fand aber keine.
    „… Prachtvolles?“, half ihr der Doktor.
    Janeway nickte. „Haben sie jemals so etwas Prachtvolles gesehen?“
    Beide schüttelten den Kopf.
    Der Doc zückte seine Holokamera und begann damit einige Bilder zu schießen, während Chakotay seinen Tricorder hervor holte.
    „Das Gebäude scheint über zwölftausend Jahre alt zu sein“, berichtete der Erste Offizier.
    „Dafür hat es sich aber ziemlich gut gehalten“, kommentierte Janeway. „Ich hoffe, das schaffe ich auch.“
    Chakotay schmunzelte, fuhr dann mit seinem Bericht fort. „Sonst scheint aber nichts Besonderes an diesem Gebäude zu sein.“
    Janeway nickte. „Tja. – Abgesehen von der schönen Ansicht, war das hier Zeitverschwendung, würde ich sagen. – Doktor, schießen Sie noch ein paar Holobilder… dann fliegen wir zur Voyager zurück.“
    „Aye, Captain.“
    „Nicht wirklich verschollen bis in alle Zeiten“, meinte Chakotay. Dann gingen die drei zurück zu ihrem Shuttleschiff…

    V

    Oktober 2379
    Captain Kathryn Janeway. Captain. Die Kommandantin der Voyager stand vor dem großen Spiegel, der an dem Kleiderschrank in ihrem Quartier angebracht war. Seit bereits etwa fünf Minuten stand Kathryn hier und begutachtete sich in ihrer Uniform. Ihr Blick fiel dabei hauptsächlich auf die vier Sterne an ihrem roten Kragen. Vier Sterne. Vier goldene Rangabzeichen. Captain.
    Neun Jahre lang hatte sie diese vier Sterne getragen. Tag für Tag dieselben vier. Sie hatte es nie gewagt auch nur einen von ihnen gegen einen neuen einzutauschen. Janeway wusste nicht genau wieso, vielleicht war es ja so etwas, wie Aberglaube… Doch nun, heute, war der Tag gekommen, an denen sie diese vier Sterne ablegen würde und gegen eine Rangleiste, mit einem goldenen Stern auf schwarzem Untergrund, eintauschen.
    Lange noch stand sie vor dem Spiegel und erinnerte sich an die vergangenen neun Jahre zurück. Wie sie Kes vor den Kazon rettete, Annika von den Borg befreite… zusah, wie diese eine Beziehung zu Chakotay aufbaute und sie schließlich heirateten… ihre Begegnung mit Admiral Janeway aus der Zukunft. Einer grauenhaften Zukunft, in der Chakotay, ihr engster Vertrauter, und Annika beide tot waren… Und heute… heute trat sie einen entscheidenden Schritt näher an diese mögliche Zukunft heran, indem sie die Voyager verließ und die ihr angebotene Beförderung annahm. Oft schon hatte sie dieses Angebot erhalten und genauso oft hatte sie es bisher ausgeschlagen…. Doch diesmal nicht. Sie fühlte, dass es an der Zeit war, nach vorn zu sehen und weiter zu gehen.
    Nach geschlagenen dreißig Minuten wandte sich Kathryn endlich vom Spiegel ab und holte einen Koffer unter ihrem Bett hervor. Sie legte ihn auf selbiges, öffnete ihn, und ging zurck zum Kleiderschrank, wo sie damit begann, Sachen aus diesem heraus und in den Koffer hinein zu packen.
    Es war wirklich vorbei. Die Voyager war ein Kapitel ihres Lebens, das sie nun hinter sich lassen würde. Und das machte sie traurig. – Neun Jahre lang hatten sie und ihre Crew eine Familie gebildet… doch nun begann diese Familie zu zerfallen. Sie würde auf die Erde gehen, Harry und Jenny würden auf die Rhode Island versetzt werden, Tuvok übernahm die Sternenflottenakademie auf Vulkan und der Doktor… der Doktor würde ebenfalls das Schiff verlassen. Man hatte ihm die Leitung der Medizinischen Abteilung der Sternenflotte angeboten, in San Fransisco auf der Erde.
    Ein letztes Mal griff Kathryn in ihren Schrank hinein und holte die letzte Uniform aus diesem heraus. Sie nahm sie vom Bügel und legte sie sorgfältig zusammen. Natürlich würde sie diese Uniform nicht wieder tragen, da es für die Admiralität eigene Uniformen gab, aber dennoch… sie wollte sie behalten. Behalten, um immer eine Erinnerung an ihre Zeit auf der Voyager, an die guten, sowie die schlechten Zeiten, haben zu können.
    Plong!
    Kathryn blickte überrascht zu Boden. Etwas hatte sich von der Uniform gelöst und war auf den harten Boden, direkt vor ihre Füße gefallen.
    Janeway legte die Uniform neben ihren Koffer auf das Bett und kniete sich nieder. Nun sah sie, was sie verloren hatte: Ein Anhänger, der unverkennbar die Form einer Haarsträhne hatte und auch deutlich als Haar zu erkennen war, mit dem Unterschied, dass es so hell strahlte wie ein Münzstück im Sonnenschein. Kleine Kristalle im Innern des Anhänger spiegelten die gesamte Palette der Farben wieder, sogar solche, die Janeway bisher noch nie gesehen hatte. Doch diese erfüllten sie so mit Zauber und Verwunderung, dass sie den Blick gar nicht mehr davon abwenden konnte… sie hatte diesen Anhänger noch niemals zuvor gesehen und doch… doch kam er ihr auf merkwürdige Weise bekannt vor.
    Ohne zu zögern hob er seien Hand und riss sich ein Haar vom Kopf. Ein einzelner Erinnerungsfetzen….
    Kathryn löste ihren Blick von dem Anhänger und steckte ihn behutsam in ihre Tasche. Schließlich legte sie auch noch ihre letzte Uniform in ihren Koffer, bevor sie ihn schloss. – Ein letztes Mal sah sie sich in ihrem Quartier, welches anderthalb Jahre lang ihr Zuhause gewesen war, um. Dann nahm sie ihren Koffer und verließ es ein für alle Mal.
    Was war das nur für ein Anhänger? schoss es ihr durch den Kopf, schob aber diesen Gedanken schnell beiseite. Es wird wohl ein Abschiedsgeschenk von Chakotay gewesen sein….

    Janeway und Chakotay schritten durch die endlosen Korridore der Voyager, unterwegs zum Transporterraum II.
    „Ich weiß, ich frage das bestimmt zum einhundertsten Mal, Kathryn…“, sagte Chakotay, „aber haben sie sich das auch gut überlegt?“
    Janeway rollte mit den Augen. „Ja, Chakotay, das habe ich“, antwortete Kathryn. „Und ich werde es diesmal auch durchziehen.“
    Chakotay nickte. „Und ich kann ihnen das ganz sicher nicht ausreden?“
    Janeway schüttelte den Kopf. „Es kommt ein Punkt im Leben eines jeden Menschen, in dem man nach vorn gehen muss…“
    Chakotay seufzte.
    „Kommen Sie schon, Chakotay. – Ich mache einen Schritt vorwärts und Sie tun das auch.“
    Chakotay blieb stehen und sah Janeway traurig in die Augen. „Ich würde mein Leben lang nur Erster Offizier und Commander bleiben, wenn sie dafür auf der Voyager bleiben würden…“
    Janeway erwiderte seinen Blick. „Es tut mir wirklich weh dieses Schiff zu verlassen, Chakotay, aber… Ich spüre, dass es das Richtige ist.“
    Chakotay lächelte gezwungen. Dann gingen die beiden weiter zum Transporterraum… und betraten ihn.
    Alle waren sie hier. Tuvok, Barclay, Annika, Harry, der Doktor, Tom,… sogar Tema'na… sie alle waren hier.
    Janeway sah sie an. Einen nach dem anderen, eine nach der anderen.
    „Sie haben doch nicht wirklich gedacht, dass sie stillschweigend vom Schiff flüchten könnten, oder, Captain?“, fragte Harry Kim.
    Janeways Augen wurden feucht und eine Träne rann ihre Wange herunter. „Sie wissen doch, wie sehr ich Abschiede hasse, Harry“, meinte sie.
    Der junge Lieutenant nickte.
    Janeway sah ihre Offiziere an….
    Tuvok trat an sie heran und formte die Finger seiner rechten Hand zum traditionellen vulkanischen Gruß. „Ich wünsche Ihnen alles Gute auf der Erde, Captain… leben sie lang und in Frieden,… Kathryn.“
    Eine weitere Träne lief Janeways Wange herunter… gefolgt von einer weiteren. Sie wollte etwas erwidern, doch sie konnte nicht. Sie konnte nur eines, sie umarmte Tuvok.
    Sie umarmte Tuvok, sie umarmte Harry, Annika, dann Tom, Barclay und den Doktor. Kathryn umarmte Chakotay. – Als sie schließlich wieder von ihrem jahrelangen Ersten Offizier abließ, wandte sie sich der einzigen Person zu, von der sie sich noch nicht verabschiedet hatte: Tema’na.
    „Ich weiß“, flüsterte Janeway, „dass wir nicht immer einer Meinung waren, Fähnrich…“
    Für einen Sekundenbruchteil erschien ein Lächeln auf Tema’nas Gesicht. „Das ist untertrieben“, entgegnete die Romulanerin.
    Janeway nickte. „Das ist wohl wahr…. Aber trotzdem… trotz allem werden sie mir schrecklich fehlen, Tema’na.“
    Und dann geschah, was niemand der anwesenden – einschließlich Tema’na – jemals für möglich gehalten hatten: Die Romulanerin umarmte Janeway. Und als sie sie wieder losließ, hatte die Romulanerin Tränen in den Augen. „Danke, Captain“, stammelte Tema’na. „Danke für alles.“
    Janeway sah ihr kurz tief in die dunkel Augen. Dann drehte sie sich um und trat auf die Transferplattform.
    „Mr. Barclay, würden sie bitte die Kontrollen übernehmen“, bat Chakotay.
    Reg nickte und stellte sich hinter die Transporterkonsole. Er berührte einige Sensorflächen.
    Chakotay sah zu Janeway hinauf. „Unter ihnen gedient zu haben, war eine Ehre, Captain. – Viel Glück.“
    Janeway lächelte gequält. Mittlerweile standen ihr nicht nur Tränen in den Augen, sie flossen wie ein Wasserfall, eine nach der anderen.
    „Achtung!“, sprach Chakotay aus und alle Offiziere im Transporterraum nahmen Haltung an.
    Janeway warf einen letzten Blick auf ihre alte Crew… ihre Familie. Schließlich schloss sie die Augen, um das Bild – dieses eine Bild – in ihrem Gedächtnis zu behalten. Mit zitternder Stimme gab Janeway ihren letzten Befehl als Kommandantin der Voyager: „Energie!“
    Barclay berührte eine letzte Sensorfläche an den Transporterkontrollen. Das Summen setzte ein und das Transporter-Padd erhellte sich.
    Ein blauer Schein legte sich über Janeway und sie begann sich in seinem Licht aufzulösen. Der Transporter der Voyager… wahrscheinlich ein letztes Mal….

    COMPUTERLOGBUCH DER VOYAGER
    CAPTAIN CHAKOTAY
    STERNZEIT 56910,2
    Nach fünf Wochen im Raumdock sind die Nachrüstungsarbeiten an der Voyager abgeschlossen und die Crew wartet sehnsüchtig auf ihren nächsten Befehl, den ich heute vom Sternenflottenkommando erhalten werde.

    Chakotay trat aus dem Turbolift heraus und in das Kommandozentrum der Voyager hinein. Er sah sich um. Harry stand an der OPS, Tuvok an der Taktik und Tema’na saß am Steuer. – Der Kommandant ging zu seinem Stuhl, zu seinem Kommandantensessel. Er zögerte lange, bevor er sich endlich in ihm niederließ.
    Piep, Piep! Das Komm-System zirpte.
    „Wir empfangen eine Transmission vom Sternenflottenkommando, Captain“, meldete Harry.
    Captain. Wie ungewöhnlich die für Chakotay noch klag. „Stellen sie sie bitte in meinen Raum, Harry.“
    „Aye, Sir“, bestätigte der Koreaner.
    Chakotay stand aus seinem Sessel auf und ging über die Brücke zu den Türen des Bereitschaftsraums, seines Bereitschaftsraums. Er betrat ihn und setzte sich hinter den Schreibtisch. Dort aktivierte er den Desktop-Viewer. Das Föderationslogo erschien und wich wenig später Admiral Kathryn Janeway. „Hallo, Chakotay.“
    „Kathryn, das ist ja eine Überraschung“, begrüßte Chakotay sie. Es war nicht zu übersehen, wie sehr er sich freute.
    „Nun, Captain. Wie läuft es so an Bord der Voyager?“
    „Alles Bestens, Admiral“, antwortete Chakotay. „Alle Systeme laufen. – Wir sind startklar, Ma´am.“
    „Ich würde ja gerne noch etwas plaudern, Chakotay, aber ich habe auch einen neuen Auftrag erhalten“, erklärte Kathryn.
    „Einen Auftrag für den frischen Admiral?“, scherzte Chakotay.
    Janeway nickte. „Erinnern Sie sich noch an den Planeten Logloko, Captain? – Offenbar haben sie jetzt doch entschieden, der Föderation beizutreten. Ich werde als Verbindungsoffizierin dort hinfliegen und ihnen bei den wichtigsten Vorbereitungen helfen.“
    „Natürlich nur, um den Embusko bei der Eingliederung zu helfen“, neckte Chakotay.
    „Natürlich.“ Janeway lächelte. „Sie kennen mich einfach zu gut, Chakotay. – Aber reden wir nicht von meinem Auftrag, lassen sie uns lieber über ihren reden.“
    „Nur zu“, meinte Chakotay.
    „Glauben sie es, oder nicht, Chakotay, aber es ist diesmal tatsächlich eine Routine-Mission. – Im Sektor 552 haben Langstreckensonden einen Kometen aus dunkler Materie entdeckt. Sie können aber nicht nah genug heran, um ihn zu untersuchen. – Das wird ihr Job sein, Chakotay.“
    „Glauben sie mir, Kathryn“, meinte der Kommandant der Voyager, „nach fünf Wochen im Raumdock nehmen wir jeden Job an.“
    Janeway lächelte ihren ehemaligen Offizier an.
    „Haben wir noch genug Zeit für einen kurzen Abstecher nach Vulkan, um dort Tuvok, Harry und Jennifer Delany abzusetzen?“
    Kathryn nickte. „Natürlich. – Wünschen sie den dreien bitte alles Gute von mir.“
    „Das werde ich tun, Kathryn.“
    Die Admiralin lächelte. „Janeway Ende.“
    Die Darstellung Janeways auf dem Display des Desktop-Viewers wich nun wieder der Darstellung des Föderationslogos.
    Chakotay schaltete den kleinen Computer ab und kehrte auf die Brücke zurück. Dort angekommen ließ er sich in seinem Sessel nieder. „Fähnrich Tema’na, bereiten Sie das Verlassen des Raumdocks vor.“
    Die Finger der Romulanerin flogen über die Sensorflächen. „Aye, Captain.“
    Chakotay sah sich noch einmal auf der Brücke um. Schon bald würde es hier völlig anders aussehen. Die Brücke selbst natürlich nicht, aber die Personen, die auf ihr ihren Dienst verrichten würden.
    Harry Kim hatte man den Posten des Zweiten Offiziers auf dem Nova-Klasse-Raumschiff U.S.S. Rhode Island angeboten und der Lieutenant hatte den Posten – auf Janeways Drängen hin und ihrem aufrichtigem Wunsch, dass er eine erfolgreiche Karriere in der Sternenflotte haben würde – angenommen. Zusammen mit seiner Freundin Jenny Delany würde er auf Vulkan die Voyager verlassen und dort auf die Rhode Island wechseln.
    Auch Tuvok würde auf Vulkan das Schiff verlassen. Nicht jedoch, um auf ein anderes Schiff zu wechseln, nein. Vor einigen Monaten hatte die Sternenflotte dem Vulkanier die Stelle als Leiter des Außenpostens der Sternenflottenakademie auf seinem Heimatplaneten angeboten. Und da der Vulkanier der Meinung war, dass er langsam in ein Alter kam, in dem er sich für den aktiven Dienst auf einem Raumschiff nicht mehr eignete und weil er – sofern dies für einen Vulkanier möglich war – seine Familie vermisste, hatte auch er seine Versetzung akzeptiert.
    Wie gesagt, bald würde sich hier einiges ändern. Denn es würden auf Vulkan nicht nur diese drei Offiziere von Bord gehen, es würden auch vier neue an Bord kommen. Unter anderem ein neuer Erster Offizier, von dem Chakotay bisher nur gehört hatte, dass er extrem By-the-Book war.
    „Fähnrich Tema’na“, sprach der Captain der Voyager und holte einmal tief Luft. „Bringen sie uns raus.“
    Die Romulanerin nickte und befolgte den Befehl.
    Nur mit Manöverdüsen flog das Raumschiff aus dem Raumdock heraus. Binnen wenigen Augenblicke hatte es die Stahlkonstruktion von seinen „Schultern“ abgestreift und befand sich im offenen Raum.
    Tema’na steuerte das Raumschiff aus dem Orbit der Erde und setzte einen Kurs auf Vulkan. – Mit vollem Impuls trat die Voyager eine weitere lange Reise in die dunkle, unendliche Nacht des Kosmos an.
    Den Omniponiern war sie niemals begegnet.

    - Ende -



    ...und hier endet die Reise der U.S.S. Voyager

    Ältere Episoden findet ihr in unserem Episodearchiv...



    APOKALYPSE
    based upon "STAR TREK" created by GENE RODDENBERRY
    produced for TREKNews NETWORK
    created by RICK BERMAN & MICHAEL PILLER and JERI TAYLOR
    executive producers SEBASTIAN OSTSIEKER & MARKUS RACKOW
    co-executive producers NADIR ATTAR & CHRISTIAN GAUS
    producers MILA FRERICHS & STEPHAN DINGER
    co-producer OLIVER DÖRING
    written by NADIR ATTAR & CHRISTIAN GAUS and SEBASTIAN OSTSIEKER & MARKUS RACKOW

    TM & Copyright © 2003 by TREKNews Network. All Rights Reserved.
    "STAR TREK" is a registered trademark and related marks are trademarks of PARAMOUNT PICTURES
    This is a FanFiction-Story for fans. We do not get money for our work!
    Production-Code #9ABX26



    Letzte Worte
    des Teams

    Hiermit liefere ich offiziell meine letzte schriftliche Arbeit für das Projekt ab. Ich möchte euch jetzt schon einmal für zwei wundervolle Jahre danken und hoffentlich bleiben wir durch weitere Projekte

    Letzte Worte...
    Das war es also, unser großes Abenteuer, welches zwei Jahre gedauert und uns so viel Freude bereitet hat. Wobei es für mich nicht mal volle zwei Jahre waren, denn von den vier Köpfen dieses Projekts war ich der, der als letztes zu Voyager Virtual Seasons gestoßen bin. Aber wie fing eigentlich alles an?

    Es begab sich eines Tages während meines Surfens durch das Netz, dass ich auf ein Projekt aufmerksam wurde, welches als Voyager Season 8 bekannt war. TREKNews hatte dafür extra eine Newsmeldung verfasst und dieses Projekt vorgestellt. Bis dato war er es aus meiner Sicht nur eines von vielen Fan Fiction-Projekten, welches durch das Netz geisterte. Wenige Tage später jedoch entdeckte ich, dass dieses Projekt auf einmal in die große Familie von TREKNews aufgenommen worden war und so wurde mein Leseinteresse doch geweckt, denn so schlecht konnte eine Serie, die auf Deutschlands größer Star Trek Page erscheint, ja nicht sein, oder? Ich erinnere mich noch an den großen Wirbel, den die Pilotepisode gemacht hat. Abgesehen davon dass wie immer das alte Voyager-Problem, nämlich zu viel Action, immer noch existent war, spaltete ein weiteres Ereignis die Leser: der ( vermeintliche ) Tod von Tom Paris. Ich will ehrlich sein, als Fan des alten Haudegens war ich auch ziemlich fassungslos darüber, dass man ausgerechnet diese Figur aus der Serie streichen wollte. Hinzu kam, dass dann auch B´Ellana das Schiff verlies. Für viele war dies wohl zu viel, sie lasen leider nie wieder eine Episode. Auch ich schwankte lange Zeit, entschied mich dann jedoch dafür, der Serie noch etwas Zeit zu geben. Wochen vergingen, in denen ich die Episoden las und in einem anderen Forum meinen Senf dazu abgab. Sebastian Ostsieker hatte irgendwie auch den Weg dorthin gefunden und Woche für Woche sprachen wir über die neuen Folgen. Die Qualität war damals noch recht schwankend, irgendwo zwischen „Toll“ und „Na ja“. Eines bescheidenen Tages, ich weiß immer noch nicht wieso, bekam ich eine Mail von Sebastian, in der er mich bat, mal ein Auge auf kommende Episoden zu werfen und sie gegebenenfalls leicht zu modifizieren. Dies war wohl der Beginn der Zusammenarbeit zwischen mir und Sebastian. Schon damals schrieb ich schon meine eigen Serie namens Monitor und ich empfand es als recht erfrischend, mal etwas völlig anderes zu machen. Nach kurzem Hin und Her fragte ich schließlich an, ob ich auch mal eine eigene Folge schreiben dürfte und mit dem „Ja“ von Sebastian war ich offiziell ein freier Autor des Projekts. Ich war sehr aufgeregt angesichts dieser Aufgabe. Wenn es hochkam, lasen damals vielleicht 30 Leute meine eigene Serie, nun würde das Ergebnis meiner Arbeit von mehreren Hundert Lesern bewertet werden. Im hartumkämpften Bereich der Fan Fiction war dies geradezu ein Quantensprung. Ziemlich schamlos benutzte ich meine Episode 8x15 „Freiheit“, um ein wenig Werbung für Monitor zu machen. Im Nachhinein kommt mir diese Plan doch sehr idiotisch vor und ich hatte Glück, dass die Leser mir dies nicht zu Last gelegt haben. Wahrscheinlich wollte ich den wenigen Monitor-Lesern auch etwas Dank geben, indem ich einen in meiner Serie begonnen Plot hier fortsetzte. Und noch etwas rief positive Kritiken hervor: als Fan von Tom habe ich ihn als Hologramm in die Folge integriert, wobei ich mich immer gefragt habe, wieso niemand vorher schon auf diese Idee gekommen ist. Der Gastauftritt von Tom kam an und zeigte, wie schwer wohl Sebastian die Entscheidung gefallen haben mag, ihn zu streichen. Dies war quasi meine einzige Episode der achten Staffel gewesen, bis auf ein paar kleine Co-Produktionen, die ich mit Sebastian Ostsieker gemacht habe. Meine Aufgaben beschränkten sich in der Folgezeit darauf, ein paar Tipps und Anregungen zu geben, was man noch in der Serie alles machen konnte.

    Dies mag eine ziemlich subjektive Einschätzung von mir sein, aber das wahre Projekt ging für mich erst mit der neunten Staffel los. Nun war ich ein fester Teil des Aufgebots, welches sich dazu aufmachte, den Lesern spannende und unterhaltsame Aufgaben zu präsentieren. Das Team, dies möchte ich jetzt schon einmal sagen, war super und ich vermisse jetzt schon den Spaß, den wir zusammen gehabt haben. Ich kann nur hoffen, dass wir durch weitere Projekte verbunden bleiben werden. Season 8 war in meinen Augen nur eine Aufwärmphase gewesen, denn nun hatte sich das Team etabliert, unser Stil war deutlich geworden und die Staffel war nun mehr durchstrukturiert. Nach einem sensationellen Auftakt mit „Showdown“ war es an mir, meinen Traum wahr zu machen: die Episode um Tom Paris Rückkehr zu verfassen. Schon ein ganzes Jahr früher war ich Sebastian damit auf die Nerven gegangen, dass ich diese Folge machen wollte und ich war in einem solchen Eifer, dass sie weit vor dem angepeilten Abgabetermin fertig war. Rückblickend war es wohl die beste Episode, die ich jemals gemacht habe. Zum allerersten Mal hatte ich vollkommen auf Action verzichtet und mich nur den Charakterelementen gewidmet. Ich wollte all das in die Folge hineinpacken, was wir in den letzten neun Jahren mit Tom erlebt haben. Die Reaktionen des Publikums waren sehr positiv und ich zufrieden. Die Staffel ging mit weiten Höhepunkten weiter und abermals verfasste ich eine Tom Paris-Folge, die den Titel „Loyalität“ trug. Ich schien mich zu der Person zu entwickeln, die persönlich für unseren guten Tom verantwortlich war und diese Aufgabe gefiel mir. Mein dauerndes Rumgelaber schien sogar Eindruck gemacht zu haben, denn Christian Gaus und ich wurden zum Co- Executive Producer ernannt. Schon wieder eine lohnenswerte Erfahrung. Als Autor hält man sich nur an die Vorgaben der Charaktere und versucht diese zu erfüllen. Als Mit-Produzent jedoch hat man die schwierige Aufgabe, die Charakterentwicklung zu definieren und dabei nicht die vorhandenen Leser mit völlig unrealistischen Wendungen zu verprellen.

    Es hat lange gedauert, bis mir klar wurde, dass es nun zu Ende war. Es geschah, als ich die letzte von Christian Gaus und mir verfasste Episode „Verabschiedungen“ las, die einen Abschluss meiner persönlichen Tom Paris-Trilogie darstellte. Ich las einige Zeilen und dachte mir „das muss ich beim nächsten Mal besser machen“ oder „das kann ich später mal aufgreifen“. Dann wurde mir jedoch schmerzlich bewusst, dass es kein nächstes Mal geben würde. Dies war die letzte Episode gewesen, der Schlussstrich unter meine persönlichen zwei Jahre dieses Projekts.

    Bis heute habe ich nicht einen einzigen Tag bereut, selbst dann nicht, wenn wir alle mögliche Kritik abbekommen haben. Dieses wach-im-Bett liegen und sich Gedanken um die Episode machen, das Schreiben, die Vorfreude, weil man weiß, dass die eigene Folge bald online geht, das anschließende Diskutieren mit den Kritikern und die Zusammenarbeit mit dem Team, um sich immer neue Überraschungen auszudenken, dies war der größte Spaß meines Lebens. Zwei Jahre lang war die Voyager-Crew ein Teil meines Lebens gewesen. Wir saßen nicht mehr vor dem Fernseher und beobachten die Charaktere, nein, wir machten die Charaktere. Ich glaube, die Arbeit an Voyager Virtual Seasons hat mich zu einem besseren Autor gemacht. Natürlich wäre eine zehnte Staffel schön gewesen. Aber man soll aufhören, wenn es am schönsten ist und was hätten wir noch machen können? Alle Geschichten sind erzählt worden, alle Abenteuer sind überstanden. Die Crew verdient nun ihre Ruhe.

    Ich möchte euch allen für eurer Interesse danken, dafür dass ihr uns den Mut gemacht habt, weiterzumachen. Ich danke allen, denen meinen Episoden gefallen haben und dadurch vielleicht auf meine eigene Serie aufmerksam geworden sind. Und ich danke dem besten Team, dass man sich vorstellen kann, Leute die zu Freunden geworden sind, die sich in Ausnahmen sogar im realen Leben treffen konnten.

    Danke,
    euer Nadir Attar


    Einige kurze Worte dazu, wie dieses Projekt mein Leben verändert hat. Es hört sich etwas dramatisch an, ist aber keineswegs untertrieben. Man entwickelt, wenn man eine Star Trek Geschichte schreibt, ein Feingefühl für Geschichten, dass über alles Erlernbare hinausgeht. Man beginnt sich zu fragen, wie die Gegenseite denkt, welche Gründe ihr Handeln antreibt. Die Bösewichte sind nicht einfach Böse, damit sie Böse sind und die Geschichte vorantreiben, nein, sie haben alle ihren Hintergrund. Besonders wenn man die Verflechtungen ansieht, die in der fast vierzigjährigen Star Trek Geschichte entstanden sind. Es ist nicht so einfach für Star Trek zu schreiben, wie man es sich als Leser denkt. Es gibt soviel, dass wichtig ist und eingearbeitet werden muss, Prinzipien, die nicht übertreten werden dürfen.
    Am Ende des Projektes, das mich – uns – nun beinahe zwei Jahre begleitet hat muss ich eines feststellen: Ich ärgere mich immer wieder, weil ich feststelle, dass ich nie mehr einfach so Geschichten schreiben werden kann. Weil ich immer wieder bei Star Trek lande und der Genialität, mit der in diesem Phänomen Stories nicht einfach nur aufgebaut sind, sondern entstehen. Diese Erfahrungen haben mich zu einem besseren Schriftsteller gemacht und daher ein großes Dankeschön an die drei Menschen, mit denen ich die Ehre hatte, in diesem fantastischen Team zu wirken: Sebastian Ostsieker, Markus Rackow und Nadir Attar. Die Arbeit hat mit euch immer Spaß gemacht, besonders das Finale am Ende. Wir mussten sechs Folgen aus der Erde stampfen, von denen jeder eine andere verfasste und wir es trotzdem schafften, wenigstens hoffe ich das, eine gewisse Kontinuität und Konstanz beizubehalten. Das allein ist ja nicht das Unfassbare, sondern die Tatsache, dass ich Nadir bisher nur von Fotos, Sebastian nur vom Telefon und Markus ausschließlich nur von seinen Beiträgen im Forum kenne!!
    Vor einem guten halben Jahr haben wir im Schulunterricht die Aufgabe erhalten, unsere Lebensziele auf einen kleinen Zettel zu schreiben. Eines meiner Ziele war, eine Geschichte zu veröffentlichen. Erst nachdem ich dieses notiert hatte, fiel mir auf, dass ich dieses schon erreicht hatte. Ich war gerade 18 und hatte eines meiner Lebensziele erreicht, dass mir keiner mehr nehmen kann.
    Seitdem ich das erste Mal Star Trek im Fernsehen sah wusste ich, dass dieses Universum mir eine Menge bedeuten würde. Doch das ich eines Tages sagen könnte: Ich bin ein Teil von Star Trek, erfüllt mich mit mehr Glück, als ich bisher zu begreifen imstande bin.
    Als Letztes möchte ich den Menschen danken, die uns, Star Trek und das Voyager 8 und 9 Projekt groß gemacht haben, den Lesern. Vielen Dank, dass wir nach der achten Staffel, die schon unsere kühnsten Erwartungen übertraf, etwas nachliefern durften, dass mit jedem Maßstab einzigartiges Star Trek war.
    Es gibt nur wenige Dinge, auf die man wirklich stolz sein kann. Auf diese Staffel bin ich es.
    Und nach diesem sechsteiligen Finale kann ich nur eins sagen: Danke Gott, für diese Erfahrung, dieses erstaunliche Abenteuer...

    In bester Star Trek Manier: …to be continued

    Christian Gaus


    Auch ein paar Worte von mir sollen nicht fehlen. Da meine Person nur ein kleiner “Co-Producer“ sprich Korrektur-Leser gewesen bin und ausschließlich mit Sebastian Kontakt hatte, machte mir die Arbeit an dem Projekt doch sehr viel Spaß. Mein erster Kontakt mit Star Trek war, so glaube ich zumindest, als Star Trek mit Kirk & Co. Noch einen Sendeplatz am Anfang der Neunziger beim ZDF hatte. Da ich aus den neuen Bundesländer, genauer Sachsen, komme, sog ich wie jeder andere auch alles Neue in mir auf. Da ich schon seit frühester Jugend mit Technik gut umgehen konnte und mir etwas an Astronomie lag, blieb mir nichts anderes übrig, sich diese Serie mal anzuschauen. Und bis heute hat sich an der für andere nicht vorstellbaren Bewunderung für das Star Trek-Universum nichts geändert. In dieser Hinsicht habe ich eine sehr gute Phantasie, dass einiges oder die ganze Sache davon tatsächlich einmal Realität werden könnte. Und falls mich jemand einmal fragen sollte, wann oder als was ich mal wiedergeboren werden will, dann als lebender Zeitgenosse einer solchen Epoche. Dabei unterstützten die 52 Episoden dieses Projektes meine Phantasie ganz ungemein. Als Personen nicht mehr da waren oder neue auftauchten, ob Romantik oder Action, alles was im Leben vorkommt und in einer solchen Zeit ganz bestimmt auch da sein wird. So sprach ich: ,Was will mein Herz mehr’. Manchmal hatte ich wirklich das Gefühl, dass ich dachte, gerade eine Episode im Fernsehen gesehen zu haben. Alle Episoden waren von sehr guter Qualität hinsichtlich Story und Wortwahl. Kompliment an die Autoren. Ich kann nur noch eines sagen, dass es mir eine Ehre und ein Vergnügen war, bei einem solchen Projekt auch ein wenig mitgewirkt zu haben. Einige dieser Menschen werden wir wohl mal im Vor- oder Abspann des einen oder anderen Streifens zu lesen bekommen, um die Worte von Markus aufzunehmen. Danke an alle Fans für euer Vertrauen in die Autoren. Mit vier Worten aus Star Trek möchte ich mich von diesem Projekt verabschieden und darauf vertrauen, dass man sich irgendwann und irgendwo einmal wieder sieht oder -liest. Live long and prosper!

    Oliver Döring


    „Hi! Ich würde gerne bei deinem Projekt mitmachen!“ – So fing alles an. Alles ist meine anfangs bescheidene Mitarbeit an Voyager 8. Das Projekt war eine kleine Internetseite, auf die ich zufälligerweise gestoßen bin. Da war ich noch dreizehn Jahre alt.

    Sebastian Ostsieker hieß derjenige, der das Projekt leiten wollte, das „Star Trek: Voyager“ in Romanform fortsetzen wollte, und nach einer Weile hatten sich auch schließlich genug Leute gefunden. Es konnte los gehen. Doch nicht etwa auf dieser kleinen Seite – sondern auf TREKNews.de. Diese ST-Newsseite war mir damals noch unbekannt, daher sah ich sie mir mal an und dachte: ,Hey, das ist ja nicht schlecht!’ Da hatte ich noch keine Ahnung, welches Ausmaß dieses „Projekt“ annehmen sollte. Oder sollte ich lieber sagen, welche Dimension?

    Während ich an meiner ersten Folge schrieb (meine bis dahin längste, sie hieß „Temporale Gefahren“ und hatte sieben Seiten, eine Zahl, über die ich heute lache), wurde der Pilot mit überwältigendem Erfolg auf die Besucher der Seite losgelassen. Über 400 Downloads, noch mehr Leser in der ersten Woche. Ich hatte ja mit vielem gerechnet, aber weit über die 100 gingen meine kühnsten Vorstellungen nicht. Dann brachen die Quoten ein und plötzlich schnellten sie mit der elften Folge nach oben. Warum war ich stolz? Weil es meine Folge war, jene „Temporale Gefahren“. Seitdem war mir dieses Projekt immens wichtig. Und es sollte mir an Herz wachsen.

    Das tat es erst recht, als mich Sebastian (es war so um den Zeitpunkt der Veröffentlichung von 8x16) fragte, ob ich nicht Ausführender Produzent bei einer neunten Staffel sein wollte. Die Quoten der aktuellen Folgen waren immens, ich war Tag und Nacht (ich übertreibe ein wenig) am Schreiben, da 8x20, 8x21, 8x25 und 8x26 meine Folgen waren. Ich sagte „Ja!“ und genau das dachte ich auch. JAAAAAAAAAAAAAAAA! Das war wie... ich weiß es nicht. Ich kann es nicht in Worte fassen, wie ich mich da gefreut hatte. Ich wusste auch nicht, warum die Wahl gerade auf mich gefallen war, aber irgendetwas sagte mir, dass Voyager9 mir noch wichtiger werden würde – und das eine große Chance war, meine Stories, meine Phantasie und meine eigenen Worte einer wachsenden Anzahl an Lesern, an StarTrek-Fans, zu präsentieren. 360 Leser kamen mir vor, wie 3,6 Millionen. Und von diesen „3,6 Millionen“ waren sehr viele stinksauer, als ich in „Am Abgrund“ B’Elanna Torres sterben ließ. Wenn ich mir es recht überlege: Ich würde es jetzt nicht mehr machen, zumal wir viele Leser verärgert und verjagt haben.

    Alle Planungen wurden umgeschmissen, die anfangs nicht kalkulierte neunte Season wurde geplant. Ich und Sebastian entwickelten ein Ende der begonnenen Storyline, begann mit dem Schreiben von Folgen für die neunte Staffel. Unzählige Ideen schwirrten in meinen Kopf herum. Ich übertreibe wirklich nicht: Ich hatte sage und schreibe 24 Stories entwickelt. Und 10 davon musste ich mir aussuchen.

    Die neunte Staffel sollte zu einem noch größeren Erfolg werden. Der von mir verfasste Opener der Staffel stärkte mich ungemein in meinem Selbstbewusstsein: Ich hatte mich auf vernichtende Kritiken gefasst gemacht, dass die Folge viel zu düster wäre, etc. Und was war? Alle waren begeistert. Dann ging es mit dem dritten Teil des „Showdown“ weiter, dann kam eine sehr gefühlvolle Episode von Nadir Attar. Egal welche Art von Folge, es wurde gelesen. Besonders glücklich war ich, dass mein Doppelteiler „Geplante Vernichtung“ gut ankam. Die Folge hatte ursprünglich bereits am Anfang der achten Staffel erscheinen sollen, doch da noch eine neunte kam, wurde sie in selbige verschoben. Beide Teile hatten die bis dato größte Arbeit verschlungen, „Geplante Vernichtung, Teil II“ hatte annähernd 15000 Wörter, was mein absoluter Rekord war. So lange hatte ich noch nie an zwei Folgen geschrieben. Das sollte der Blockbuster werden.

    Nach diesen Folgen erschienen zwei weitere von mir, „Der Diktator“ und „Die Konstruktion“. Obwohl ich ernsthaft Werte vermitteln wollte, gefielen mir die Resultate nicht. Aber erneut den Lesern, auch wenn die Zahl der gerade genannten gesunken war. Weitere Folgen kamen, von denen mir „Virus“ am besten gefällt. Die Folge war der erste Versuch meinerseits, eine anspruchsvolle, spannende, actionreiche und humorvolle Geschichte zu erzählen. Also eine Folge, die irgendwie alles verband, was ich bisher in einzelnen Folgen versucht hatte.

    In diesen Wochen lernte ich meine Kollegen besser kennen: Christian, Nadir und Sebastian. Ich sage es schon mal vorweg: Ich werde unsere Zusammenarbeit sehr vermissen. Auch, wenn ich beim Schreiben von „Flüchtlinge, Teil I“ oder „Der Spion, der mich liebte“ vorübergehend eine Zeit der Voyager9-Müdigkeit hatte und es etwa zehn Folgen vorm Ende ziemlich viel Streitereien und Diskussionen gab, konnten wir uns am Ende einigen und alles in zeitlicher und qualitativer Hinsicht meistern. Und eines habe ich bei den eben erwähnten Streitereien auch gelernt: Man muss auf seiner Meinung beharren, am Ende gefällt es ihnen doch! ? Zwar war bei der Verfeinerung meiner Storyidee für die letzten Folgen mein Dickkopf dann im Weg, aber letztendlich habe wir einen Kompromiss gefunden, mit dem alle zufrieden waren. Wir begannen mit der Arbeit an den letzten beiden Folgen, die auch als Hörspiel erscheinen sollte. Auch ich tat das, nachdem ich die Arbeiten an „Titanic“ – der Folge, bei der mir am Ende fast Tränen kamen, weil sie wirklich auf das Ende zusteuerte - beendet hatte. Dies war die letzte (Einzel-)Folge und mit ihr wollte ich mich von der Voyager-Crew verabschieden. Diese Leute haben mir viel bedeutet und ich wollte noch einmal jedem einige besondere Momente widmen. Und jedem Leser dürfte es aufgefallen sein: Das Ende war nah. Fünfzig Episoden hatte es bis zu dieser Folge gedauert, viel hatte sich im „Voyager“-Universum – wenn es auch unser eigenes war – verändert.
    Nun ist das Ende zu Ende. Voyager9 ist vorbei und die Arbeit hat mich beflügelt. Ich sitze gerade an der Story zu einem elften Kinofilm, den ich Paramount zuschicken will (wer mich größenwahnsinnig nennt, der hat Recht) und arbeite mit Sebastian an einer neuen Serie, deren Name ich hier noch nicht verraten will/darf.

    Ja, die Arbeit an zwei „Voyager“-Staffeln hat mich geprägt. Ich habe viel gelernt, einen (auch wenn es nur per E-Mail-Kontakt ist) Freund gewonnen, drei nette und gleichgesinnte Menschen kennen gelernt. Wir alle haben etwas gemeinsam: Wir haben viel Zeit in unsere Fortsetzung einer Science-Fiction-Serie investiert, die – ob sie nun gutes „Star Trek“ war oder nicht, einige der hervorragendsten und bedeutendsten Momente der „Star Trek“-Geschichte gezeigt hat – sieben Jahre lang ziemlich erfolgreich war. Getreu dem Sprichwort „Jeder fängt mal klein an...“ hat sich diese Fan Fiction binnen zwei Staffeln in das Hirn vieler TREKNews-Besucher eingebrannt und sich stetig verbessert. Und wie heißt es doch so schön? Voyager8 & Voyager9 waren erst der Anfang.

    Diese Worte widme ich Sebastian Ostsieker, Nadir Attar und Christian Gaus. Auf eine mögliche weitere Zusammenarbeit und zwei wundervolle Jahre! See you later... in Hollywood! ?

    Markus Rackow


    Ich denke es war irgendwann während ich „Ein Schritt vor dem Abgrund“ geschrieben habe, meiner letzten Episode vor dem Finale, da schoss mir plötzlich durch den Kopf: „Tja, das war’s dann wohl… scheiße!“ Ich hatte bis dahin immer gedacht, dass mir der Abschied von Voyager Virtual Seasons wesentlich leichter fallen würde, weil es mir bei der Folge „Flüchtling II“ schon keinen Spaß mehr gemacht hatte, zu schreiben und da ich zuvor schon zwei Serien beendet hatte… dann fing ich an „Und so beginnt es…“ zu schreiben. Es war eine echte Herausforderung nach Langem mal wieder eine richtig große Geschichte zu erzählen und ich hatte wieder richtig Spaß am Schreiben. Anderthalb Monate saß ich an meinen letzten drei Episoden vor dem Finale und mit jedem Tag, eigentlich sogar mit jedem Buchstaben, den ich tippte, wurde mir klarer, dass dies das Ende war. Das Ende von zwei nicht immer ganz einfachen, aber auf jeden Fall unglaublichen Jahren…. Aber ich denke, ich sollte beim Anfang anfangen:
    Als ich im Juni 2001 bei TREKNews über die Newsmeldung über die amerikanischen Virtual Season 8 gestolpert war hatte ich mir gedacht „Hey, das ist doch eine gute Idee. Wieso macht hier keiner so was?“ Okay, eine Antwort darauf mag gewesen sein, dass zu dieser Zeit Voyager in Deutschland noch nicht zu Ende ausgestrahlt worden war. Aber die Idee gefiel mir. Ich setzte mich also hin und bastelte in einer Rekordzeit von etwa zehn Minuten eine Web-Site zusammen, die – zugegebenermaßen – relativ scheiße aussah und stellte sie online. Ich schickte Mails mit der Bitte um Newsmeldungen an verschiedene Star Trek-Newsseiten (von denen nur TREKNews und der DSi reagierten) und wartete ab. Es dauerte nicht lange, bis sich die ersten Interessenten für das Projekt meldeten. Das anfängliche Ein-Mann-Team wuchs und wuchs und hatte zu seiner Bestzeit knapp 20 Mitarbeiter. Wir fingen also an eine Storyline für Season 8 zu entwickeln (in der wir einige schwerwiegende Fehler gemacht haben) und begannen mit dem Schreiben der ersten Episoden.
    Ich schickte eine zweite Mail an TREKNews und bittete wieder um eine Newsmeldung. Daniel Räbiger lud sie hoch und meldete sich einige Tage später bei mir. Er wollte Voyager8 für TREKNews. Das war der Tag, an dem ich meinen ersten Herzanfall hatte ;-). Ich konnte nicht glauben, dass eine so große und bekannte Seite ein so kleines Projekt von Hobby-Autoren bei sich aufnehmen wollte. Ohne lange groß zu überlegen sagte ich zu. Wer wäre schon so blöde sich so eine Gelegenheit entgehen zu lassen?
    Am 24.10.2001 war es dann schließlich soweit und unsere erste Folge ging bei TREKNews online. Es war wie ein Traum. Doch was mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht klar war, war die enorme Anzahl von Lesern und das enorme Interesse… und die Kritiken die auch uns niederregnetten, dazu die Mails, die ich bekam. Der Traum wurde zum Albtraum. Es dauerte eine Weile, bis wir uns bei TREKNews eingewöhnt hatten und den Albtraum langsam aber sicher wieder zu einem Traum werden ließen. Ich denke es geschah mit Markus Folge „Temporale Gefahren“. Zehn Folgen hatten wir gebraucht, um uns einzugewöhnen, mit 8x11 hatten wir die Kurve gekriegt und es ging aufwärts. VVS wurde wieder der Traum, der es anfangs war. Wegen der unglaublichen Resonanz beschlossen wir entgegen aller Bedenken unsere Pläne über den Haufen zu werfen und noch eine neunte Season zu machen.
    Toll! Jetzt habe ich fast eine Seite über das Projekt geschwafelt, ohne auch nur ein Wort über das Team zu verlieren… Also (@Team: Ich weiß, dass ich gesagt habe „schreibt nicht mehr, als eine Seite“, aber ich denke, damit komme ich nicht ganz hin) fange ich jetzt mal damit an. – Ich könnte mir kein besseres Team für eine solch lange Zusammenarbeit vorstellen, als ich es während der letzten zwei Jahre hatte. Gut, es ist nicht immer alles glatt gelaufen und wir hatten mit Sicherheit mehr als nur eine Meinungsverschiedenheit im Laufe der Zeit und ich möchte mich beim Team (besonders bei Markus) für meinen gelegentlichen Dickkopf entschuldigen.
    Über das Team möchte ich nur eines sagen: Es war das beste Team, das man sich für so ein Projekt wünschen kann. Zu jedem einzelnen werde ich dann einen Kommentar auf der DVD abgeben ;-). Ich denke, jeder hat in seinen letzten Worten genau das gesagt, was ich über sie sagen wollte.
    Mir bleibt jetzt also nur noch eines zu sagen: Danke!
    Danke an alle, die an dem Projekt beteiligt waren und natürlich auch ein ganz großes Danke, an all die Leser, die uns über die vergangenen 52 Episoden begleitet haben. – Die Zeit bei VVS war wundervoll für mich und es wird eine lange Zeit dauern, bis ich realisiert haben werde, dass es nun vorbei ist. – Ich hoffe, wir sehen uns alle irgendwo wieder….
    Danke.

    Sebastian Ostsieker


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    Quelle: treknews.de
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    • Hallo Gast - Aufgrund des vielen Spams müssen leider ein paar Fragen beantwortet werden.

      Bitte der Reihe nach durchführen, sonst kann das Captcha nicht erfolgreich abgeschlossen werden...
      Schritt 1: Wenn Picard ein Captain ist, sollte hier ein Haken rein...
      Schritt 2: und wenn es in der Nacht nicht hell ist, sollte hier der Haken raus!
      Schritt 3:

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