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  • Interview mit Florian Clever

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    Ein Interview mit dem deutschen Autor Florian Clever aka Clark C. Clever über seinen neuen Roman: "Sonntags kommt das Alien(Soontown 1).

    Schaut man in die er 80er Jahre zurück, sind viele der großen Klassiker bereits auf der Leinwand gelaufen und auch als Buch haben sie sich über Ländergrenzen hinweg verbreitet. Als Autor fand Florian Clever aka Clark C. Clever seine ersten Geschichten im Fantasy-Genre und von da aus war es nicht mehr weit zur Science Fiction. Mit seinem neuen Roman „Sonntags kommt das Alien(Soontown 1) beschreibt er eine zeitnahe Geschichte und verarbeitet darin einige spannende Ideen, wie unsere Zukunft aussehen könnte. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt, so dass ihr das Buch und den Autor besser kennenlernen könnt:

    Wie bist du zum Schreiben gekommen?
    Über RPGs. Von Mitte der Achtziger bis 2015 war ich Pen-&-Paper-Rollenspieler. In dem Rahmen habe ich mit Prosatexten angefangen, habe Intros/Erzähltexte für meine RPG-Kampagnen geschrieben. Es folgten Kurzgeschichten. Irgendwann dann ein erster Roman.

    Erzähle ein wenig über deine ersten Gehversuche als Autor.
    Aller Anfang ist schwer. Bei den Texten für die Rollenspielrunden war das Dankbare, dass ich die live vorlesen konnte & sofort Feedback bekam. Wer mit dem Schreiben anfängt, hat im Zweifel ja erst mal ein Motivationsproblem. Endlose Stunden, Tage, Wochen alleine vor einem Manuskript verbringen – das liegt nicht jedem. Da braucht man viel intrinsische Begeisterung, viel Vertrauen in sich selbst. Das muss man erst mal entwickeln.

    Clark_C._Clever_2.jpgDu bist beruflich auch als Werbetexter unterwegs, in wie weit kannst du das Autorensein dabei ausleben?
    Ich wurde Werbetexter, um Geld mit Buchstaben zu verdienen. So, wie ich es als Autor heute auch tue, nur eben mit meiner Prosa. Ich sah die harte Werbetext-Schule damals als bezahltes Training für eine spätere Autorentätigkeit. Damals habe ich gesagt: "Werbetext machst du maximal fünf Jahre. Dann wirst du bestsellender Schriftsteller." Das war natürlich naiv. Am Ende habe ich über zwölf Jahre Vollzeit in Agenturen in Frankfurt, Köln und Düsseldorf gearbeitet. Parallel habe ich nebenberuflich meine Prosa geschrieben. So rasend viel lebst du deine Autorenträume bei solchen Rahmenbedingungen aber nicht aus. In Werbeagenturen gehst du in der Regel nicht nach acht Stunden nach Hause. Auf die Dauer war das unbefriedigend. Ich ging in Teilzeit, wurde 2017 Freelancer, um mehr Zeit fürs eigene Schreiben zu haben. Seit Anfang diesen Jahres läuft der Selbstversuch: 'existenztragend ausschließlich als freier Autor leben'.

    Dein neustes Buch „Sonntags kommt das Alien (Soontown 1) - Wie kam es zum Namen des Buches?
    Die Story 'Sonntags kommt das Alien' zu nennen war ein spontaner Einfall. Wie alle meine Buchtitel. Dieser Titel fängt den Stoff gut ein. Mir ist bewusst, dass so ein Titel im Science Fiction Genre eher ungewöhnlich ist. Ich hatte erwogen, ihn aus Marketing-Gesichtspunkten später noch zu ändern, vielleicht was Englisches zu nehmen. Und habe das dann verworfen, weil er einfach so gut zu der Geschichte passt. Als Kompromiss habe ich dann einen englischen Serientitel gewählt: 'Soontown'. Es wird ja eine Trilogie, und der Duktus zieht sich durch alle drei Bücher durch: 'Täglich grüßt der Cyborg' (Band 2), 'Ewig lockt der Android' (Band 3).

    Wie geht es mit den anderen Teilen voran?
    Ja, es wird eine Trilogie. Soontown 2, 'Täglich grüßt der Cyborg', wird im Sommer erscheinen. Die Rohfassung ist fast fertig, der Titel ist bereits für den Kindle vorbestellbar. Und, so viel sei verraten: Es hat mir ebenso viel Laune gemacht, den Cyborg zu schreiben, wie das Alien.

    Ich fand die Idee mit dem synthetischen Menschen sehr interessant. Denkst du, dass es irgendwann wirklich so etwas geben könnte?
    Davon bin ich überzeugt. Schon heute wird künstliches menschliches Gewebe in Laboren gezüchtet. Für die Notfallchirurgie. Für die plastische Chirurgie. Bioprinting ist bereits Realität, wenn auch noch nicht mit alltagstauglichen Resultaten. In der Zukunft, in der 'Soontown' spielt (im Jahr 2068), werden diese Technologien weiter fortgeschritten sein. Wie weit, das hängt davon ab, wie viel Geld die Menschheit in solche Forschungen investiert. Fortschritt ist immer auch eine Geldfrage. Wir könnten heute bereits viel mehr im All unterwegs sein, wenn mehr Kapital in Space-Programme gepumpt worden wäre. Wurde es aber nicht, im Gegenteil: Die Programme wurden eingestellt, eingefroren oder zurückgestutzt. Wirtschaftliche und politische Erwägungen diktieren den Fortschritt, so ist es nun einmal.

    Warum der Schwenk zum Zombie/Horror-Genre?
    Ich weiß, die Horror-Anteile in Soontown haben dir nicht so gefallen, das konnte ich deiner Rezi entnehmen. Das ist auch völlig okay. Ich kann und will gar nicht jedem gefallen mit dem, was ich schreibe. Ein Schwenk war das gar nicht. Der Titel war von Anfang an als bunter Mix aus Science Fiction mit Horroranteilen und einem kräftigen Schuss Humor angelegt. Das bedeutet keineswegs, dass ich den Stoff nicht ernst nehme. Ich wollte einfach genau so einen Mix machen – einzig und allein, weil ich da Lust zu hatte. Mit allem, was ich schriftstellerisch tue, folge ich lediglich meiner eigenen Vorstellung davon, was unterhaltsam, packend, lesenswert ist. Dass ich mit dieser Vorstellung nicht immer jeden überzeuge, ist mir klar. Wie immer bei solchen Kontroversen gibt es auch bereits Leser, denen gerade die Horroranteile in Soontown 1 besonders viel Spaß gemacht haben.

    Mehr ein Buch für Teenager oder gibt es keine genaue Zielgruppe?
    Meiner Intention nach ist 'Sonntags kommt das Alien' All-Age-Science-Fiction. Nur, weil die Protagonistin sechzehn ist, ist es noch lange kein Teenie-Roman. Ich bin ganz sicher, dass Fünfzigjährige genauso viel Freude an der Story haben können wie Fünfzehnjährige.

    image.jpgDu schreibt auch im Fantasy-Genre, was fasziniert dich an Sci-fi und Fantasy?
    Das liegt in meiner Kindheit begründet, in der mich Fantasy als Genre gepackt und lange nicht wieder losgelassen hat. Science Fiction lief bei mir lange eher so mit. Ich habe die einschlägigen Spielfilme gesehen, auch ein bisschen Star Trek ('Next Generation'). Habe auch mal kurz Cyberpunk als RPG gespielt. Auch ein bisschen was in dem Genre gelesen – Gibson, Lem ... Früher hatte ich sogar mal eine Mark-Brandis-Phase. Das war geiles Zeug (für mich als damals Zwölfjährigen). Mit dreißig plus habe ich mich dann etwas stärker für Science Fiction zu interessieren begonnen. Es sind beides faszinierende Spielwiesen. In meiner Kindheit haben wir viel Urlaub in den Alpen gemacht. Ich konnte nicht über das Bergpanorama blicken, ohne über den schroffen Gipfeln mindestens einen Drachen fliegen zu sehen. Hinter jeder Wegbiegung, hinter jedem knorrigen Baum wartete für mich das Abenteuer. Die Brandis-Sachen haben mir dann früh gezeigt, dass es noch eine weitere Welt gibt. Eine ferne Welt in den Sternen, mindestens aber in der Zukunft. Das spannende an Science Fiction ist ja auch, dass sie noch mal ganz anders als Fantasy mit unserer Gegenwart verknüpft ist. Die Frage, wie könnte unsere Welt in zehn, hundert, tausend Jahren aussehen, ist in dem Genre ja immanent. Das Visionäre ist etwas besonderes an der Science Fiction. Und unsere Zukunftsfragen werden ja immer drängender. Insofern ist es kein Wunder, dass das Genre boomt.

    Hast du Lieblingsautoren/Vorbilder?
    Lem (Solaris) und Gibson (Neuromancer) waren toll. 'Die Feuerschneise' von James Tiptree Jr. war klasse. Den Titel kennen glaube ich nicht so viele. Zieht euch den rein, gibt's gebraucht bei Amazon oder bei Booklooker (lasst euch von dem albernen Cover nicht abschrecken). Als Vorbild für richtig cooles Worldbuilding in der Science Fiction kann ich noch Ralph Edenhofer und seine C23-Reihe nennen.

    Gibt es schon neue Projekte an denen du arbeitest?
    Derzeit an der Soontown-Reihe (noch bis zum Sommer einschließlich). In der zweiten Jahreshälfte wende ich mich dann wieder der Fantasy zu. Freue mich schon drauf. Die Abwechslung hält den Geist frisch – auch beim Schreiben. Das ist wie mit Süßem und Salzigem: Im Wechsel kann ich von beidem nicht genug kriegen.

    Hast du noch einen Lesetipp?
    Zuletzt fiel mir 'Die drei Sonnen' von Liu Cixin in die Hände. Ich fand das gut. Ach, und rein erdgebundene Science Fiction (wie Soontown ja auch), da kann ich noch 'Little Brother' von Cory Doctorow nennen. Auch schon was älter. Aber in seiner Aussage aktueller denn je.

    www.florianclever.de

    Danke!

     

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    Quelle: Florian Clever aka Clark C. Clever
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