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  • "Darum solltest du 'Star Trek: Picard' unbedingt gesehen haben"

    Sebastian Küpper verrät, warum es sich lohnt einzuschalten
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    Zwei Jahre nach der Rückkehr von Star Trek im Serienformat will Star Trek Picard inhaltlich und erzählerisch an alte Stärken anknüpfen. Darum ist für Star Trek-Fans der Serienstart verheißungsvoll!

    (Achtung: Spoiler!)

    Die Entwicklung von Star Trek seit dem Ende von Star Trek Enterprise hat mich gefühlt in einen alten Mann verwandelt. Egal ob im Kino oder zuletzt in Star Trek Discovery,  die Enttäuschung war mein stetiger Begleiter und ich habe mich zunehmend in einen Greis verwandelt, der von den guten alten Tagen schwärmt, verwandelt. Entsprechend groß war meine Sorge im Vorfeld von Star Trek Picard. Würde das aktuelle Schreiberteam von Star Trek nun auch noch das Vermächtnis von Captain Picard beflecken? Oder kann Star Trek Picard wenigstens als nostalgischer Fanservice unterhalten?

    Über den Autor

    Sebastian Küpper aka @Yoshi

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    Sebastian ist seit früher Kindheit Science-Fiction-Fan und ist in der Schule mit nachmittäglichen Wiederholungen aller Star Trek-Serien zum Trekkie sozialisiert worden.

    Mit einem nostalgischen Pokerspiel zwischen Picard und Data gelingt der Pilotfolge ein in den letzten Jahren ungewohnt ruhiger Einstieg, der es langjährigen Fans ermöglicht, sich zunächst einmal wieder in die Welt des 24. Jahrhunderts einzufinden. Wir erleben einen Picard, der am liebsten in der Zeit stehen geblieben wäre, der sich in seiner eigenen Traumwelt wohler fühlt, als in der Realität. Zurückgezogen auf dem Picardschen Weingut, das uns noch aus der Folge Familienbegegnung der vierten Staffel von Star Trek – Das nächste Jahrhundert bekannt ist, hat Admiral Picard seinen Ruhestand fernab der Öffentlichkeit verbracht. Patrick Stewart mag bereits deutlich über das Renteneintrittsalter hinaus sein, aber seine schauspielerische Leistung wird mit dem Alter nur noch besser. Es gelingt Stewart auf überzeugende Weise einen enttäuschten, ja, beinahe gebrochenen Mann zu spielen, der seine Ideale verraten fühlt und sich von der Welt und dem Leben verabschiedet hat.

    Zwei Ereignisse schaffen es aber, Picards Lebensmut wieder zu wecken. Da wäre einerseits eine junge Frau namens Dahj, die Picard um Hilfe bittet und Picard an einen besonderen Freund erinnert, andererseits ein Interview, das eine Doppelfunktion erfüllt. Es klärt uns als Zuschauer auf, was zwischen Star Trek Nemesis und Star Trek Picard passiert ist und ortet Picards Haltung zur Sternenflotte ein. In dem Interview werden zwei tragische Ereignisse rekapituliert, die die Föderation nachhaltig geändert und Picard in den Ruhestand getrieben haben. Da wäre einerseits die bereits in Star Trek (11) angesprochene Zerstörung Romulus, die zunächst zu einer großen Solidaritätswelle und einer enormen Rettungsaktion geführt hat, dann aber schnell mit einer Abschottung und Ablehnung der ehemaligen Feinde der Föderation geendet ist. Eng verzahnt damit ist die Zerstörung der Mars-Kolonie durch künstliche Lebensformen, die zu einer großen Furcht vor künstlichem Leben geführt haben.

    Beide Entwicklungen gehen Picard sichtlich an die Substanz und haben aus einem meinungsstarken und aufrechten Sternenflottenadmiral einen zurückgezogenen alten Mann gemacht, der sich von der Sternenflotte entfremdet hat und sich in einen ruhigen Alltag und eine in die Vergangenheit gerichtete Traumwelt flieht. Im Zuge des Interviews findet sich auch ein Moment, wie man ihn in Star Trek seit nunmehr zwanzig Jahren vergebens sucht. Eine flammende Rede Picards für Offenheit, dafür Schwächeren zu helfen und Menschen nicht auf Grund ihrer Herkunft - sei es ein anderer Planet oder ein künstlicher Ursprung – zu verurteilen. Gerade in Anbetracht aktueller politischer Entwicklungen hat diese Rede natürlich eine besondere Brisanz und Wirkungskraft. Dennoch gelingt es den Schreibern, die Rede abstrakt genug zu halten, dass sie zeitlos ist und die Grundwerte der Star Trek Reihe gekonnt betont.

    Es ist auch just diese Szene, die zeigt, welches Potential in Star Trek Picard steckt. Die Frage nach der Menschlichkeit, in interessante inhaltliche Kontexte verwoben, die perfekt mit dem Star Trek Kanon harmonieren und in einem Zukunftssetting auf angemessen abstrakte Weise besprochen werden kann, wird zur Grundlage der Gesamtgeschichte gemacht. So ist es nur natürlich, dass Star Trek Picard gemessen an vielen aktuellen Serien im Streaming-Kosmos eine niedrigere Schlagzahl fährt und den Charakteren und Situationen die Zeit gibt, zu wirken und sich zu entfalten. Es gibt zwar zwei schnelle Action-Szenen, doch das Gros der Folge ist bodenständig, durchdacht, fein abgestimmt und vor allem exzellent gespielt.

    Die weitere Geschichte führt Picard an das Daystrom Institut, zeigt den ernüchternden Zustand der Forschung am künstlichen Leben in der Föderation und schickt Picard schließlich auf eine abenteuerliche Reise nach Datas Tochter – sowie der Essenz seines verloren geglaubten Freundes. Auch abseits der politisch-philosophischen Gedankenspiele wird die Geschichte sorgfältig und in einem überschaubaren Tempo erzählt, das näher an der Erzählweise klassischer Star Trek-Serien als an dem Effektfeuerwerk in Star Trek Discovery ist. Dennoch wurden natürlich einige Konzessionen an die veränderte Zuschauerschaft gemacht, die dem Unterhaltungswert für langjährige Fans aber keinen Abbruch tut.

    Es ist geradewegs erstaunlich, welches Fingerspitzengefühl die Schreiber bewiesen haben, um die philosophischen Aspekte von Star Trek: Das nächste Jahrhundert auf angemessene Weise in ein moderneres Gewand zu packen. Die Pilotfolge von Star Trek Picard ist meines Erachtens die beste Pilotfolge einer Star Trek-Serie überhaupt und steckt voller Ideen, Liebe zum Detail und vor allem Potential für die weitere Entwicklung der Serie. Ich traue es mich kaum zu sagen, aber mit Star Trek Picard stehen alle Zeichen auf Grün für eine Rückkehr zur alten Form für Star Trek. Kein Star Trek- oder Science-Fiction-Fan sollte sich die erste Folge von Star Trek Picard entgehen lassen.

     

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