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...denn im Dunkeln ist gut munkeln

Allan Rexword - Rachevirus


einz1975

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Wie wird die Welt in einigen Jahrzehnten aussehen? Autor Allan Rexword präsentiert in „Rachevirus“ seine Vision der Zukunft. Europa hat sich abgeschottet. Es ist nahezu unmöglich, in diesen Staatenbund zu gelangen. Die Landwege sind blockiert, und der Seeweg wird durch eine scheinbar undurchdringliche Barriere aus Stahl und Stacheldraht geschützt. Die Menschen leben hochtechnologisch, mit künstlichen Intelligenzen, Drohnen, Roboter und virtuellen Realitäten ihre Existenz. Doch im Rest der Welt sieht es weniger rosig aus. Als Leser lernen wir Jacques kennen. Er lebt in Algerien und kämpft ums Überleben. Dürre und Armut prägen das Land und er sieht kaum eine Zukunft für sich und seine Verlobte Kara. Als eines Tages seine Mutter verschwindet, begibt er sich auf die Suche nach ihr. Damit nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Auf der anderen Seite lernen wir den Computerexperten Diego kennen. Er gründet mit einigen Freunden eine kleine Firma, die jedoch schnell von einem großen Unternehmen auf illegale Weise übernommen wird, was viele Jahre später noch Konsequenzen hat. Zunächst folgen wir jedoch Jacques. Ich muss gestehen, dass ich nicht ganz verstanden habe, warum der Autor diesen Teil der Geschichte so sehr in die Länge gezogen hat. Schon mit wenigen Sätzen wird deutlich, wie erschütternd arm er und das Land sind, in dem er lebt. Um die Figuren später zu verbinden, wird Kara entführt, und Jacques begibt sich auf die Suche nach ihr. Dabei fällt auf, dass er kaum Anhaltspunkte hat und dennoch die richtigen Leute trifft, um weiterzukommen. Hier hätte ich mir mehr Details gewünscht, denn auch wenn es im echten Leben Zufälle gibt, sollten sie sich in fiktiven Geschichten nicht so häufen.

Danach entfaltet sich eine rasante Geschichte. Die Suche nach Kara und das Zusammentreffen mit Diego, der jahrelang an seinem Racheplan gearbeitet hat, kommen endlich zusammen. Zuvor spielt der Autor ein wenig mit der Zeit und lässt uns Diego näher kennenlernen. Einige andere Figuren treten ebenfalls auf, bleiben jedoch nicht wirklich im Gedächtnis. Ein Beispiel ist ein Polizist, der einen Einbruch untersuchen soll, aber es wirkt, als ob er kaum etwas tut und der Fall sich fast von selbst löst, da ihm ein Hinweis nach dem anderen in den Schoß fällt. Hier gibt es meiner Meinung nach zu viele unnötige Perspektivwechsel. Vielleicht hat der Autor einige Begebenheiten absichtlich so offensichtlich gestaltet, um die Misere der Menschlichkeit als zentrales Thema hervorzuheben.

Die Flucht aus einem Land, in dem man aufgewachsen ist, ist keine spontane oder impulsive Entscheidung. Armut, Unterdrückung, Angst und Vertreibung sind schon heute die Geißeln vieler Länder. Die Politik dieser Länder, die dazu führt, dass die eigene Bevölkerung hungert und stirbt, ist schwer nachzuvollziehen. Sich abzuschotten und wegzusehen ist sicherlich nicht der richtige Weg, ein Punkt, den der Autor deutlich macht. Dabei verliert er meiner Meinung nach die Handlung etwas aus den Augen. Die Geschichte verläuft sehr geradlinig und es fehlt oft an Spannung. Allan Rexword bringt einige Sci-Fi-Elemente ein, wobei besonders virtuelle Realitäten und Drohnen seine Faszination wecken.

Fazit:
Europa wird sich in den nächsten Jahrzehnten sicherlich stark verändern. Ob die Grenzen, wie im Buch beschrieben, geschlossen werden und Milliarden für Barrieren ausgegeben werden oder ob der technische Fortschritt unser normales Leben stark beeinflusst - es bleibt spannend. Allan Rexword bringt das Thema der Flüchtlinge in die Zukunft und beschreibt ausführlich die Armut, die er dem unbegrenzten Kapitalismus Europas gegenüberstellt. Dadurch wirkt dieser Thriller fast wie ein Spiegel unserer Zeit. Allerdings entfaltet sich die Story nicht überall überzeugend. Es gibt für meinen Geschmack zu viele Zufälle, unnötige Umwege und verschiedene Erzählperspektiven. Die Hauptfiguren sind sehr unterschiedlich angelegt, vom einfachen Bauern bis hin zum Hacker-Genie. Man kann selbst entscheiden, ob man diese Mischung mag oder nicht. Der titelgebende Name „Rachevirus“ spielt übrigens nur eine Nebenrolle. Allan Rexword appelliert vielmehr an die Zukunft und fordert Europa auf, über sich hinauszuwachsen.

Matthias Göbel

Autor: Allan Rexword
Taschenbuch: 460 Seiten
Verlag: 8280-edition.ch Verlag
Veröffentlichung: 21.03.2024
ISBN: 9783039770021

www.rexword.de

 

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