Zum Inhalt springen
...ist deine Mudder!

Steven J. Harrison: ED – Die Ankunft (Teil 1 von 5)


einz1975

Empfohlene Beiträge

Menschen neigen dazu, andere vorschnell in Schubladen zu stecken. Ed ist dabei schnell einsortiert. Er gilt als einfacher Mann, still, zurückgezogen und von der Dorfgemeinschaft gemieden. Er lebt für sich, arbeitet auf seinem Feld und verbringt seine Tage in ruhiger Einsamkeit, einzig begleitet von seinem Hund Spike. Für viele ist Ed einfältig, naiv und weltfremd. Doch genau dieses unscheinbare Leben gerät aus den Fugen, als über Nacht etwas Unfassbares in seinem Garten landet. Eine gigantische, leuchtende Kugel, die an eine überdimensionale Erdkugel erinnert. Natürlich bleibt ein solches Ereignis nicht unbemerkt. Die US-Behörden registrieren die Landung umgehend und machen sich auf den Weg. Für Ed bedeutet das einen radikalen Umbruch. Innerhalb kürzester Zeit steht er im Zentrum eines internationalen Konflikts. Sein bislang stilles Leben wird vollständig auf den Kopf gestellt und nichts ist mehr so, wie es einmal war.

Steven J. Harrison nimmt sich zu Beginn erfreulich viel Zeit, um Ed und Spike als Figuren einzuführen. Der Autor schildert ihr einfaches, beinahe idyllisches Dasein und versucht, eine emotionale Nähe zum Leser aufzubauen. Erst im weiteren Verlauf treten zusätzliche Figuren auf. Ein Militärangehöriger und eine Wissenschaftlerin erweitern das Geschehen und bringen unterschiedliche Perspektiven auf das mysteriöse Objekt ein. Parallel dazu wird die politische Dimension deutlich. Der Präsident der Vereinigten Staaten will die Kugel unbedingt in seinen Besitz bringen, während auch die Russen von dem Phänomen erfahren haben. Dort vermutet man jedoch weniger außerirdisches Leben als vielmehr eine potenzielle Atomwaffe. Das Setting bedient nahezu jedes bekannte Science-Fiction- und Kalter-Krieg-Klischee. Militärischer Alarmzustand, machtpolitische Interessen und gegenseitiges Misstrauen bestimmen das Geschehen. Entsprechend eindimensional handeln viele der Figuren. Lediglich die Wissenschaftlerin fällt etwas aus dem Rahmen, allerdings eher auf befremdliche Weise als durch echte Tiefe.

Während das Militär keinen Zugang zu Ed und der Kugel findet, gelingt es ihr überraschend schnell, Vertrauen aufzubauen. Sowohl zu Ed als auch zu Spike. Ihre übertriebene Freundlichkeit wirkt dabei stellenweise unglaubwürdig. Sie übernachtet bei Ed, gibt ihm einen Gute-Nacht-Kuss und plant gemeinsame Picknicks. All das fühlt sich wenig organisch an und eher wie ein erzählerisches Hilfsmittel. Sollte die Kugel ihr Verhalten beeinflussen, bleibt dies in diesem Band offen. Falls nicht, erscheint sie in ihrer Naivität fast ebenso einfältig wie Ed selbst. Immerhin erhält der Leser erste Hinweise darauf, worum es sich bei dem fremden Objekt handeln könnte oder zumindest, was darüber vermutet wird. Eine echte Auflösung bleibt jedoch bewusst aus und wird auf die folgenden vier Bände verschoben. Zurück bleibt ein merkwürdiges Dreiergespann, umgeben von einem Militär, das entschlossen ist, die Kontrolle über das Objekt zu übernehmen.

Die Dialoge erfüllen ihren Zweck, wirken jedoch nicht ausgereift genug, um der Geschichte Tiefe zu verleihen. Humor und Charme sind erkennbar gewollt, zünden jedoch nur stellenweise. Besonders irritierend ist Eds beinahe vollständige Gleichgültigkeit gegenüber dem außerirdischen Objekt. Weder Neugier noch Furcht scheinen ihn wirklich zu bewegen. Selbst als sein Hund plötzlich Gegenstände ins Haus bringt, die dort unmöglich herkommen können, bleibt Ed erstaunlich ruhig. Dadurch wirkt vieles konstruiert und emotional flach. Insgesamt fehlt es der Geschichte an Tiefe und Konsequenz, um als anspruchsvolle Science Fiction zu überzeugen. Möglich ist jedoch, dass genau das beabsichtigt ist. In seiner Einfachheit könnte der Roman durchaus als Jugendbuch funktionieren.

Fazit:
Ob Ed bewusst von den Außerirdischen ausgewählt wurde oder lediglich zufällig in diese Situation geraten ist, lässt sich nach dem ersten Band noch nicht sagen. Sicher ist nur, dass die Aliens da sind und dass Ed der einzige Mensch zu sein scheint, der sich ihnen wirklich nähern kann. Das US-Militär steht in Alarmbereitschaft, der Präsident ist wütend und die Russen stehen kurz davor, eine folgenschwere Entscheidung zu treffen. Geboten wird ein stark klischeebehaftetes Szenario mit seltsamen Charakteren und fragwürdigen Handlungen. Alles wirkt zu einfach, zu direkt und ohne nachhaltige Bilder oder emotionale Tiefe. Wer leichte Unterhaltung sucht und nicht allzu viel nachdenken möchte, kann hier durchaus einen Blick riskieren. Für erfahrene Science-Fiction-Leser hingegen bietet der Auftakt zu wenig Substanz und dürfte eher ein sehr junges Publikum ansprechen.

Matthias Göbel

Autor: Steven J. Harrison
Taschenbuch: 79 Seiten
Verlag: Bookrix / Selfpublisher
Veröffentlichung: 20.12.2023
ISBN: 9783736804470
 

71iWUp1FweL._SL1500_.jpg

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Bitte melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen

Du kannst nach der Anmeldung einen Kommentar hinterlassen



Jetzt anmelden
  • Bilder

×
×
  • Neu erstellen...

Wichtige Information

Diese Seite verwendet Cookies um Funktionalität zu bieten und um generell zu funktionieren. Wir haben Cookies auf Deinem Gerät platziert. Das hilft uns diese Webseite zu verbessern. Du kannst die Cookie-Einstellungen anpassen, andernfalls gehen wir davon aus, dass Du damit einverstanden bist, weiterzumachen. Datenschutzerklärung Beim Abensden von Formularen für Kontakt, Kommentare, Beiträge usw. werden die Daten dem Zweck des Formulars nach erhoben und verarbeitet.