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...the imperial Empire

einz1975

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Selbst wenn Weltraumhotels derzeit noch überwiegend aus Konzepten, Visionen und Zukunftsplänen bestehen, erscheint ihre Verwirklichung längst nicht mehr unmöglich. Schon heute zahlen wohlhabende Menschen Millionenbeträge für wenige Minuten oder Stunden im All. Warum also nicht irgendwann zwei Wochen Urlaub mit einem spektakulären Blick auf die Erde verbringen? Genau diese Idee greift Joe Pitkin in seinem Thriller Exit Black auf. Schauplatz der Handlung ist die Imperium-Station, eine luxuriöse Raumstation, die vor allem als exklusives Hotel für Millionäre und Milliardäre dient. Zwar befinden sich an Bord auch einige wissenschaftliche Labore, doch der Schwerpunkt liegt eindeutig auf Unterhaltung und Luxus. Zu den Forschenden gehört die Biophysikerin Chloe, die Experimente mit Pflanzen durchführt. Schließlich stellt die Schwerelosigkeit Wissenschaftler noch immer vor zahlreiche Herausforderungen, und Pflanzen wachsen unter diesen Bedingungen nicht einfach wie auf der Erde. Zu Beginn ihrer Mission blickt Chloe optimistisch in die Zukunft. Sie ist überzeugt, dass ihr Freund diesmal alles richtig gemacht hat und die Station ein Erfolg werden wird. Die ersten Gäste treffen ein, die Stimmung ist ausgelassen und die Eröffnung scheint reibungslos zu verlaufen. Doch die Idylle hält nicht lange an. Schon kurz nach dem Empfang wird deutlich, dass auf der Imperium-Station etwas ganz und gar nicht stimmt.

Pitkin lässt sich zunächst Zeit, seine Welt aufzubauen. Er beschreibt die Station ausführlich, erklärt ihre Funktionen und stellt nach und nach die wichtigsten Figuren vor. Dabei fällt schnell auf, dass der Autor gerne ausschweift. Die zahlreichen Hintergrundinformationen und Rückblenden liefern zwar zusätzliche Details, tragen jedoch nicht immer dazu bei, den Charakteren tatsächlich mehr Tiefe zu verleihen. Manche Passagen wirken dadurch eher wie eine Bremse für die Handlung. Bis die eigentliche Geiselnahme beginnt, vergeht einige Zeit. Die reichen und berühmten Gäste genießen zunächst ihren Aufenthalt und sind von der Station begeistert. Doch plötzlich kippt die Situation. Alle Passagiere werden in den Ballsaal beordert und dort mit den Forderungen der Entführer konfrontiert. Die Gruppe nennt sich „Die Gerechten“ und verlangt nicht weniger als acht Milliarden Dollar Lösegeld. Bereits an dieser Stelle offenbaren sich einige Schwächen der Handlung. Zwar haben sich die Entführer offenbar über die Vermögensverhältnisse ihrer Geiseln informiert, doch die Frage, wie schnell solche Summen überhaupt verfügbar gemacht werden können, scheint keine Rolle gespielt zu haben. Acht Milliarden Dollar mögen auf dem Papier existieren, aber selbst Milliardäre verfügen nicht über derartige Geldbeträge auf Knopfdruck.

Noch problematischer ist jedoch, dass die Motive der Terroristen weitgehend im Dunkeln bleiben. Die Organisation behauptet, ein Zeichen gegen die ungerechte Verteilung von Macht und Reichtum setzen zu wollen. Doch darüber hinaus erfährt man erstaunlich wenig. Was treibt die einzelnen Mitglieder an? Welche persönlichen Beweggründe haben sie? Sind sie ideologisch motiviert oder lediglich Söldner, die einen Auftrag ausführen? Gerade bei einer Gruppierung, die eine so drastische Aktion plant, hätte ich mir deutlich mehr Hintergrundinformationen gewünscht. Auch Chloe wirft Fragen auf. Sie ist die einzige Person, die sich der Geiselnahme entzieht, und entwickelt sich schnell zur zentralen Gegenspielerin der Terroristen. Dabei wirkt sie weniger wie eine Biophysikerin als vielmehr wie eine Mischung aus John McClane aus „Stirb langsam“ und MacGyver. Natürlich können Menschen in Extremsituationen über sich hinauswachsen, doch Chloe agiert stellenweise eher wie eine speziell ausgebildete Elitekämpferin als wie eine Wissenschaftlerin. Dass sie sich in Notwehr verteidigt und dabei sogar jemanden tötet, erscheint durchaus nachvollziehbar. Dass sie jedoch aktiv die Jagd auf die Terroristen eröffnet und ihnen systematisch entgegentritt, wirkt deutlich weniger glaubwürdig. Hier geraten Charakterzeichnung und Handlung mehrfach in Konflikt miteinander.

Ebenso stellte sich mir die Frage, warum die Geiseln nicht wesentlich stärker auf Kooperation setzen. Natürlich ist niemand begeistert, erpresst zu werden. Doch letztlich geht es um ihr eigenes Überleben. Geld lässt sich ersetzen, ein Menschenleben nicht. Viele der Passagiere verfügen über enorme Vermögen. Warum also nicht zahlen und die Situation entschärfen? Hinzu kommt, dass die meisten Gäste keinerlei Erfahrung mit Raumstationen oder dem Leben im All besitzen. Fluchtversuche erscheinen unter diesen Bedingungen kaum realistisch und würden das Risiko nur weiter erhöhen. Trotz dieser Kritikpunkte besitzt Exit Black durchaus seine Stärken. Besonders die Atmosphäre gelingt dem Autor stellenweise ausgesprochen gut. Flackernde Beleuchtung, versperrte Korridore, dunkle Gänge und Schreie aus der Finsternis erzeugen eine intensive Spannung. Die ohnehin beengte Umgebung einer Raumstation verstärkt das Gefühl von Isolation und Ausweglosigkeit zusätzlich. Gerade diese klaustrophobische Stimmung gehört zu den größten Pluspunkten des Romans. Auch an Action mangelt es nicht. Kämpfe, Verfolgungsjagden und Konfrontationen sorgen dafür, dass die Handlung immer wieder Fahrt aufnimmt. Durch verschiedene Zeitebenen, Rückblenden und Perspektivwechsel versucht Pitkin außerdem, zusätzliche Dynamik zu erzeugen. Das funktioniert mal besser, mal schlechter, sorgt aber grundsätzlich für Abwechslung. Allerdings wirft auch die Action einige Fragen auf. Feuergefechte, Explosionen und der Einsatz von Sprengstoff erscheinen auf einer Raumstation nicht unbedingt als die klügsten Entscheidungen. Dass die Terroristen hier nicht immer rational handeln, mag noch erklärbar sein. Doch auch Chloe trifft mehrfach Entscheidungen, die angesichts der Umgebung fragwürdig wirken. Dadurch entstehen zusätzliche Ungereimtheiten, die das Leseerlebnis gelegentlich beeinträchtigen.

Fazit:
Die Grundidee von „Exit Black“ ist zweifellos reizvoll. Ein „Stirb langsam“ auf einer Raumstation hat man in dieser Form bislang nur selten gesehen. Das Setting wirkt frisch und bietet enormes Potenzial. Die Atmosphäre überzeugt über weite Strecken, und Freunde actionreicher Thriller kommen definitiv auf ihre Kosten. Leider scheitert der Roman jedoch daran, seine spannenden Ansätze konsequent zu Ende zu denken. Die Terrororganisation bleibt oberflächlich, ihre Forderungen wirken unrealistisch und viele ihrer Entscheidungen erscheinen wenig durchdacht. Gleichzeitig entwickelt sich die Hauptfigur zunehmend zu einer überzeichneten Actionheldin, deren Fähigkeiten nicht immer zu ihrer eigentlichen Rolle passen. Während des Lesens entstehen immer wieder Fragen, auf die der Roman keine überzeugenden Antworten liefert. Manche Logiklücken lassen sich noch ignorieren, andere fallen jedoch zu deutlich ins Gewicht. Das ist besonders schade, weil die Grundidee durchaus das Potenzial für einen wirklich starken Science-Fiction-Thriller gehabt hätte. Am Ende bleibt ein rasanter, atmosphärischer Actionroman mit einem außergewöhnlichen Schauplatz, der spannende Unterhaltung bietet, aber gleichzeitig unter zahlreichen Ungereimtheiten und unausgereiften Ideen leidet.

Matthias Göbel

Autor: Joe Pitkin
Übersetzung: Jürgen Langowski
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Piper Verlag
Veröffentlichung: 02.10.2025
ISBN: ‎9783492706865

 

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