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...der Grund den man braucht

Juliane Müller-Kranepohl - Das Alienkind


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In einer düsteren, stickigen Umgebung, durchdrungen vom Geruch verbrannten Plastiks, entbrennt ein erbitterter Kampf ums Überleben. Ein verheerendes Feuer bricht am Antrieb des Raumschiffs aus, und nur eine junge Frau ist wach, um sich dem entgegenzustellen. Während alle anderen noch in ihren Schlafkammern ruhen, obliegt es ihr, sie so schnell wie möglich zu wecken. Der Computer allein kann nicht alle Probleme lösen; einige Reparaturen müssen von ihr selbst durchgeführt werden. Die Zeit rinnt ihr davon, während sie durch die Korridore des havarierten Raumschiffs eilt. Dieser fesselnde Auftakt zieht den Leser mit seiner faszinierenden Sci-Fi-Atmosphäre unweigerlich in seinen Bann. Doch dies ist nicht die Geschichte der jungen Frau selbst, sondern vielmehr die ihrer Tochter - und damit beginnt der eigentliche Handlungsstrang.

Diese außerirdischen Wesen ähneln den Menschen, sind jedoch innerlich anders. Durch einen implantierten Computerchip können sie bereits im Säuglingsalter Erinnerungen wahrnehmen und speichern. Diese Fähigkeit erweist sich später als entscheidend, als sich das Schiff auf dem Weg zur Erde befindet und erneut ein Unglück passiert. Die kleine Sarah wird von ihren Eltern getrennt und verliert dabei so gut wie alles, was sie in ihrem kurzen Leben bisher kannte. Die Geschichte nimmt einen ungewöhnlichen Verlauf: Die Babyjahre vergehen schnell und auch ihre Schulzeit scheint sie, weitgehend unbemerkt von ihrer wahren Herkunft, in der DDR zu verbringen.

Später wird die Handlung schneller erzählt und es tauchen Sex und wilde Erlebnisse auf, die von Ägypten über Tempel bis zur Ausbildung in einer Geheimbasis in den USA reichen. Es wird schnell offensichtlich, dass der Roman einige Lücken aufweist. Der Dreh- und Angelpunkt ist die Hauptfigur Sarah, später auch bekannt als Mila. Obwohl man miterlebt, was in ihrem Leben geschieht, lernt man sie nicht wirklich kennen. Zum Beispiel zeigt sie kaum Ängstlichkeit, als sie plötzlich etwas erbt und nach Ägypten fliegen soll. Vermisst sie nicht ihre Eltern? Möchte sie niemandem etwas mitteilen? Es gibt weitere Momente mit ähnlich emotionslosen Reaktionen, die selbst ihre Neugier und ihren Wissensdurst nicht übertreffen können. Alle anderen Figuren wirken leider völlig irrelevant und am Ende hinterlässt keine der Figuren einen bleibenden Eindruck.

Hinzu kommen unnötige Details zu intimen Momenten, die weder die Handlung vorantreiben noch eine emotionale Bindung zu den Charakteren schaffen. Die unerwarteten Wendungen mögen das innere Chaos und die Suche nach Identität eines heranwachsenden Kindes reflektieren, wirken jedoch oft abrupt und schwer nachvollziehbar. Die Science-Fiction-Elemente sind zurückhaltend eingesetzt und bieten keine bahnbrechenden Innovationen. Dennoch ist die Idee des implantierten Chips faszinierend, der bereits im Babyalter Erinnerungen aufzeichnet, die später abgerufen werden können. Wie von Juliane Müller-Kranepohl erwähnt, basiert diese Idee auf einem Traum und die Geschichte liest sich genauso sprunghaft und surreal.

Fazit:
Das Alien aus der DDR! Man kann sich außerhalb seiner vertrauten Umgebung manchmal selbst wie ein Alien fühlen. Neue Gerüche, Eindrücke, Sprachen, Essen oder Musik können das Gefühl verstärken. Kinder sind oft schnell dabei, sich an Neues anzupassen und zu lernen. In dieser Geschichte wird aus einem kleinen Außerirdischen ein heranwachsendes Mädchen, das Freude am Entdecken hat und herausfindet, wer es wirklich ist. Bei einem Debütroman gibt es immer Raum für Verbesserungen und das ist hier nicht anders. Die Hauptfigur wirkt etwas oberflächlich. Obwohl sie ihre Gefühle erwähnt, bleibt es oft nur dabei. Die abrupte Erzählweise und die unnötige Erotik ausbaufähig oder weglassbar. Dennoch ist der Anfang gemacht und es ist viel Potenzial für neue Geschichten vorhanden. Ich wünsche Juliane Müller-Kranepohl alles Gute, mach weiter und gerne wieder mit Science Fiction.

Matthias Göbel

Autor: Juliane Müller-Kranepohl
eBook: 178 Seiten
Verlag: ePubli
Veröffentlichung: 20.03.2024
ISBN: 9783758490286

 

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  • Hallo Gast - Aufgrund des vielen Spams müssen leider ein paar Fragen beantwortet werden.

    Bitte der Reihe nach durchführen, sonst kann das Captcha nicht erfolgreich abgeschlossen werden...
    Schritt 1: Wenn Picard ein Captain ist, sollte hier ein Haken rein...
    Schritt 2: und wenn es in der Nacht nicht hell ist, sollte hier der Haken raus!
    Schritt 3:
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