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...ich lass mich doch von Ihnen nicht anlügen!

Michael McCollum – Sternenfeuer


einz1975

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Nachdem die Menschheit den Sprung ins All geschafft hat, beginnt die Suche nach einer zweiten Erde oder zumindest nach einem Planeten, der für die Spezies Mensch bewohnbar wäre. Doch bei der schier unüberschaubaren Anzahl von Sternensystemen und Planeten gleicht diese Aufgabe der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Zu viele Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Leben, wie wir es kennen, überhaupt möglich wird. Eines Tages scheint die Suche jedoch erfolgreich zu sein. Ein Planet wird entdeckt, der nahezu paradiesische Bedingungen bietet: eine lebensfreundliche Atmosphäre, vielfältige Pflanzenwelt und sogar tierisches Leben. Alles deutet darauf hin, dass die Menschheit endlich eine neue Heimat gefunden haben könnte. Doch die Euphorie hält nicht lange an. Plötzlich erscheinen zwei fremde Raumschiffe und liefern sich über dem Planeten einen erbitterten Kampf. Die Menschen, die sich bislang für die einzige intelligente Spezies im Universum gehalten haben, werden Zeugen eines Ereignisses, das ihr gesamtes Weltbild erschüttert. Die Existenz außerirdischer Zivilisationen ist nun nicht länger Theorie, sondern Realität. Sofort stellt sich die Frage: Werden die Menschen als Nächste in diesen Konflikt hineingezogen?

Michael McCollum setzt besonders zu Beginn stark auf Spannung und Action. Der Einstieg gelingt ihm ausgesprochen gut und sorgt dafür, dass man als Leser neugierig bleibt und den Ereignissen aufmerksam folgt. Die fremden Raumschiffe werden anschaulich beschrieben, ebenso die außerirdischen Wesen, die später in den Mittelpunkt der Handlung rücken. Dabei hält der Autor sogar eine kleine Überraschung bereit, die das Interesse zusätzlich steigert. Da einer der Außerirdischen den Kampf überlebt, eröffnet sich den Menschen die einmalige Gelegenheit, mehr über die fremde Spezies zu erfahren. Es wird ein multidisziplinäres Team zusammengestellt, das sich sowohl um den Überlebenden als auch um die Untersuchung der außerirdischen Technologie kümmern soll. Neben Technikern und Wissenschaftlern gehört auch eine Linguistin dazu, denn die Verständigung mit dem Fremden stellt eine der größten Herausforderungen dar. Diese Aspekte gehören zu den stärkeren Teilen des Romans, da sie den klassischen Reiz von Science-Fiction ausmachen: das Zusammentreffen mit dem Unbekannten und der Versuch, es zu verstehen.

Parallel dazu erzählt McCollum jedoch die Geschichte eines Mannes, der zunächst seine Eltern und kurz darauf auch seine Schwester verliert. Dieser Handlungsstrang wirkt leider etwas deplatziert und fügt sich nur schwer in die eigentliche Geschichte ein. Statt die Haupthandlung sinnvoll zu ergänzen, entsteht der Eindruck, dass diese Ereignisse eher erzwungen wurden, um zusätzliche emotionale Tiefe zu erzeugen. Ähnlich verhält es sich mit der Liebesgeschichte, die sich im Verlauf des Romans entwickelt. Sie erfüllt zwar einen erzählerischen Zweck, wirkt jedoch wenig überzeugend und bleibt letztlich oberflächlich. Auch ein weiterer Nebenstrang über einen Vertreter einer Organisation, die gegen die Expansion der Menschheit ins All kämpft, erscheint zunächst eher fehl am Platz. Die Argumentation dieser Gruppierung ist durchaus interessant: Statt immense Ressourcen für die Raumfahrt auszugeben, sollten die Probleme auf der Erde gelöst werden. Obwohl dieser Konflikt zunächst nur am Rande behandelt wird, gewinnt er gegen Ende des Romans noch einmal an Bedeutung. Generell verteilt McCollum seinen Fokus auf zahlreiche Figuren und Handlungsstränge. Dadurch fehlt der Geschichte ein klarer emotionaler Mittelpunkt. Die verschiedenen Perspektiven liefern zwar zusätzliche Informationen über die Welt und ihre politischen sowie gesellschaftlichen Strukturen, bremsen jedoch stellenweise den Erzählfluss aus.

Manche Exkurse wirken unnötig ausführlich und füllen den Roman eher mit Hintergrundmaterial, als dass sie die Handlung vorantreiben. Besonders interessant wäre die Frage gewesen, wie die Menschheit insgesamt auf den Nachweis außerirdischen Lebens reagieren würde. Würde die Entdeckung Begeisterung auslösen? Angst? Religiöse oder politische Krisen? Vielleicht sogar gesellschaftliche Unruhen? Diese spannenden Überlegungen streift der Autor zwar, vertieft sie jedoch kaum. Stattdessen konzentriert sich die Handlung schnell wieder auf die Erforschung der Aliens und ihrer Technologie. Dabei haben die Menschen häufig erstaunlich viel Glück. Nicht selten scheint der Zufall auf ihrer Seite zu stehen, während echtes Verständnis der fremden Vorgänge erst langsam entsteht. Dennoch bleibt eine zentrale Frage ständig präsent: Sollte die Menschheit den Kontakt suchen und den Außerirdischen offen begegnen, oder wäre Vorsicht die klügere Strategie? Schließlich deuten viele Hinweise darauf hin, dass die fremden Spezies keineswegs friedlich sind. Andererseits könnte die Menschheit einem Kontakt auf Dauer ohnehin nicht ausweichen. Interessant ist zudem die unterschwellige Aussage des Romans, dass auch die Menschen selbst noch weit davon entfernt sind, ihre eigenen Konflikte zu überwinden. Trotz aller technologischen Fortschritte bleiben alte Verhaltensmuster bestehen: Machtstreben, Misstrauen, Konkurrenzdenken und politische Interessen prägen weiterhin das Handeln. Die Entdeckung fremden Lebens verändert diese Eigenschaften nicht automatisch.

Fazit:
Mit Sternenfeuer erzählt Michael McCollum nicht nur eine klassische Erstkontakt-Geschichte, sondern versucht gleichzeitig zu beleuchten, wie die Menschheit auf eine solche Entdeckung reagieren könnte. Dabei greift er verschiedene gesellschaftliche, politische und persönliche Perspektiven auf. Nicht alle dieser Ansätze überzeugen gleichermaßen. Einige Nebenhandlungen wirken konstruiert oder lenken von den interessanteren Aspekten der Geschichte ab. Die Figuren bleiben insgesamt etwas oberflächlich und treiben die Handlung eher mit, als dass sie sie aktiv prägen. Dafür gelingt es dem Autor, eine glaubwürdige Science-Fiction-Welt zu erschaffen. Besonders die Beschreibungen der fremden Raumschiffe, Technologien und einiger futuristischer Konzepte sorgen für Atmosphäre und wecken Neugier. Auch der eigentliche Erstkontakt gehört zu den stärkeren Elementen des Romans. Das Ende wirkt weniger wie ein Abschluss als vielmehr wie der Auftakt zu etwas Größerem. Viele Fragen bleiben offen, und man hat das Gefühl, dass die eigentliche Geschichte gerade erst begonnen hat. Trotz einiger Schwächen bietet Sternenfeuer ein interessantes und ungewöhnliches Szenario, das Fans klassischer Science-Fiction durchaus ansprechen dürfte.

Matthias Göbel

Autor: Michael McCollum
Übersetzung: Martin Gilbert
Taschenbuch: 361 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Veröffentlichung: 29.02.2012
ISBN: ‎9783641081423

 

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