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Das Propagandawerkzeug der Reichen

Johannes Hartmann - Raumschiff Vanguard: Band 1


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Ein Raumschiff ist nur so gut wie seine Besatzung. Das gilt insbesondere dann, wenn es sich um ein völlig neues, experimentelles Schiff handelt, auf dem die Hoffnungen der gesamten Menschheit ruhen. Im Jahr 2201 startet die SCS Vanguard zu ihrer ersten Mission. Bevor es jedoch überhaupt losgehen kann, muss zunächst die Crew zusammenkommen. Nach und nach treffen die Besatzungsmitglieder ein, lernen sich kennen und stellen sich gegenseitig vor. Dabei zeigt sich schnell, dass einige von ihnen bereits eine gemeinsame Vergangenheit verbindet. Ausgestattet mit dem revolutionären Plasmastream-Antrieb soll die Vanguard weiter fliegen als jedes andere Raumschiff zuvor und die Menschheit erstmals über die Grenzen des eigenen Sonnensystems hinausbringen. Ziel der Expedition ist ein geheimnisvolles Signal aus den Tiefen des Alls, dessen Ursprung bislang ungeklärt ist. Handelt es sich um ein natürliches Phänomen oder vielleicht doch um den Beweis für intelligentes außerirdisches Leben? Doch noch bevor die eigentliche Mission beginnt, muss sich die Crew mit ganz anderen Problemen auseinandersetzen. Die separatistischen Gruppierungen auf der Erde sind weiterhin aktiv und stellen eine ernsthafte Bedrohung dar.

Johannes Hartmann nutzt die ersten Kapitel fast ausschließlich dazu, die wichtigsten Crewmitglieder vorzustellen. Dabei erhält insbesondere der Erste Offizier und Kampfpilot Eric von Bargen besonders viel Aufmerksamkeit. Die übrigen Figuren werden zwar ebenfalls eingeführt und erhalten einen eigenen Hintergrund, bleiben zunächst aber etwas blasser. Interessant ist die Verbindung zwischen Eric und einer weiteren Hauptfigur, denn die beiden kennen sich bereits aus ihrer Jugend. Damals hatten sie Gefühle füreinander, doch aus einer Beziehung wurde nie etwas. Dass diese alte Zuneigung nach Jahren der Funkstille praktisch sofort wieder aufflammt, wirkt allerdings wenig glaubwürdig. Später werden die zahlreichen Liebesbekundungen zudem sehr häufig betont, sodass die Romanze stellenweise etwas zu aufgesetzt und kitschig erscheint. Da nicht nur irdische Separatisten, sondern auch feindliche Alienvölker eine Rolle spielen, mangelt es dem Roman nicht an Action.

Die Gefechte sind abwechslungsreich beschrieben und lassen sich gut nachvollziehen. Taktische Kommandos, technische Details und die Beschreibung der Kampfhandlungen sorgen dafür, dass gerade Fans militärischer Science-Fiction auf ihre Kosten kommen. Auch die ausführlichen Erklärungen zur Technik der Vanguard zeigen, dass sich der Autor viele Gedanken über seine Welt gemacht hat. Zwar wiederholen sich einige Erklärungen im Verlauf des Romans, insgesamt wirken sie jedoch schlüssig und tragen zum Worldbuilding bei. Dass die Crew im Verlauf der Geschichte auf außerirdische Lebensformen trifft, überrascht kaum. Weniger überzeugend ist jedoch, wie schnell sich daraus Freundschaften, Bündnisse oder sogar offizielle Abkommen entwickeln. Innerhalb kürzester Zeit wird sogar eine Kolonie gegründet, obwohl die Menschheit in dieser Zukunft den Mars offenbar noch nicht vollständig besiedelt hat. Dieser Umstand wirkt etwas konstruiert. Hinzu kommen weitere kleinere Logiklücken. So erscheint es beispielsweise fragwürdig, einer Konfliktpartei sofort zu vertrauen, ohne sich zuvor die Sichtweise der Gegenseite anzuhören.

Vor und nach den Einsätzen finden, ganz im Stil von Star Trek, Briefings, Einsatzbesprechungen und Lageanalysen statt. Überhaupt sind die Einflüsse klassischer Science-Fiction-Serien deutlich zu erkennen. Gleichzeitig bringt Johannes Hartmann aber auch einige eigene Ideen ein, die das Universum interessant erweitern. Weniger gelungen sind dagegen manche pathetischen Dialoge und heldenhaften Monologe, die stellenweise etwas übertrieben wirken. Auch Reparaturen oder die Heilung schwerer Verletzungen erfolgen oftmals erstaunlich schnell und lassen die Spannung etwas leiden. Obwohl der Roman viele klassische Science-Fiction-Elemente bietet, fehlt gelegentlich das Gefühl des Staunens. Die Figuren begegnen den Wundern des Universums und den ersten Kontakten mit fremden Spezies erstaunlich nüchtern und kontrolliert. Gerade angesichts solcher Entdeckungen hätte ich mir mehr Emotionen, Faszination und Ehrfurcht gewünscht. Auch die Dialoge wirken häufig etwas steif. Zwar reden die Figuren viel miteinander, doch die Gespräche bestehen oft mehr aus Fragen und Informationsaustausch als aus echten, lebendigen Unterhaltungen. Dadurch bleiben manche Charaktere emotional auf Distanz. Insgesamt fehlt dem Roman an einigen Stellen die erzählerische Ruhe, um Figuren und Handlung mehr Tiefe zu verleihen.

Fazit:
Der erste Schritt hinaus ins All ist bekanntlich der schwierigste. Genau diesen schildert Raumschiff Vanguard durchaus unterhaltsam. Noch bevor die eigentliche Mission beginnt, muss sich die Crew mit separatistischen Angriffen auseinandersetzen. Allerdings bleibt unklar, weshalb ausgerechnet dieses Schiff für solche Aufgaben eingesetzt wird und welche Motivation die Gegenspieler letztlich antreibt. Die Hauptfiguren arbeiten zwar glaubwürdig zusammen und kommunizieren viel miteinander, doch viele Dialoge wirken eher funktional als natürlich. Stärken besitzt der Roman vor allem bei den Actionszenen und den technischen Ideen, die Science-Fiction-Fans gefallen dürften. Weniger überzeugend ist dagegen die Liebesgeschichte, die zu viel Raum einnimmt und teilweise etwas erzwungen wirkt. Trotz einiger logischer Schwächen und einer stellenweise unausgereiften Figurenzeichnung bietet Johannes Hartmann mit seinem Debüt einen soliden Auftakt seiner Reihe. Das Potenzial des Universums ist deutlich erkennbar, und gerade in den Folgebänden dürfte noch reichlich Raum für Weiterentwicklung bestehen. Die Reise der Vanguard hat gerade erst begonnen. Da draußen warten sicherlich noch viele unbekannte Welten und faszinierende Begegnungen.

Matthias Göbel

Autor: Johannes Hartmann
Taschenbuch: 500 Seiten
Verlag: ‎BoD – Books on Demand - Selfpublisher
Veröffentlichung: 28.04.2,26
ISBN: ‎9783695713097

www.Hartmann-Autor.de

www.amazon.de
 

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