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Diane Carey - Star Trek: Der Verräter


einz1975

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Noch kann Commander Piper kaum glauben, dass sie schon in wenigen Tagen ihr eigenes Kommando übernehmen soll. Doch bevor dieser Karriereschritt Wirklichkeit wird, muss sie zunächst die Nachwirkungen der sogenannten Schlachtschiffkrise verarbeiten und sich einem eher ungewöhnlichen Abenteuer stellen. Gemeinsam mit Captain Kirk begibt sie sich auf einen Segeltörn über den Ozean. Für Piper, die mit Sternenschiffen deutlich vertrauter ist als mit Wind, Wellen und Segeln, wird dieser Ausflug schnell zur Herausforderung. Schließlich wirkt ein hölzernes Segelschiff im 23. Jahrhundert beinahe wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Die Reise nimmt jedoch abrupt ein Ende, als ein Sicherheitstrupp Captain Kirk festsetzt. Einer seiner Wissenschaftsoffiziere, der Vulkanier Sarda, steht unter Verdacht, geheime Transwarp-Technologie gestohlen zu haben. Gemeinsam mit der ehrgeizigen und skrupellosen Wissenschaftlerin Ursula Mornay befindet er sich auf der Flucht. Piper bleibt keine Wahl: Sie macht sich auf die Suche nach den Flüchtigen, denn die neue Technologie besitzt ein derart gewaltiges Potential, dass sie unter keinen Umständen in die falschen Hände geraten darf.

Diane Carey gelingt es bereits auf den ersten Seiten, eine ungewöhnliche Atmosphäre aufzubauen. Statt sofort auf Raumschlachten und Phasergefechte zu setzen, lässt sie den Leser zunächst Seeluft schnuppern. Wind, Wasser und nautische Fachbegriffe prägen den Einstieg und verleihen dem Roman einen erfrischend anderen Ton. Kirk, McCoy und Scotty sind zwar mit von der Partie, bleiben diesmal jedoch bewusst im Hintergrund. Carey richtet den Fokus klar auf Commander Piper. Diese Entscheidung funktioniert überraschend gut, denn Piper trägt den Roman problemlos und entwickelt sich zu einer sympathischen Identifikationsfigur. Die Handlung orientiert sich stark an klassischen Elementen der alten Star Trek-Serie. Verfolgungsjagden, Tarnungen, Kneipenschlägereien, Intrigen und Kämpfe im All gehören selbstverständlich dazu. Das sorgt zwar für ein angenehm nostalgisches Gefühl, wirkt stellenweise jedoch etwas zu vertraut. Manche Dialoge dienen eher dazu, bereits bekannte Informationen erneut zu betonen, anstatt die Handlung wirklich voranzubringen. Dennoch bleibt die Geschichte durch ihr hohes Tempo jederzeit unterhaltsam. Besonders interessant ist, dass Piper eben nicht das Kommando über ein gigantisches Flaggschiff übernimmt. Stattdessen rückt ein deutlich kleineres Schiff mit minimalistischer Besatzung in den Mittelpunkt. Gerade dieser reduzierte Rahmen verleiht dem Roman Charme und hebt ihn angenehm von den üblichen Enterprise-Abenteuern ab.

Weniger gelungen sind allerdings manche Namensgebungen, die teilweise unfreiwillig komisch oder unpassend wirken. Die Suche nach Sarda führt schließlich auf einen abgelegenen Planeten, wo Piper und ihre Begleiter undercover ermitteln müssen. Dass dort auch Klingonen und Romulaner auftauchen, lässt bereits früh ahnen, dass eine friedliche Lösung kaum möglich sein wird. Erwartungsgemäß eskaliert die Situation in einer Bar, ein Szenario, das man aus Star Trek nur allzu gut kennt. Hier verschenkt Carey etwas Potential, da sie lieber auf vertraute Muster setzt, anstatt kreativere Wege einzuschlagen. Interessant ist dagegen der Blick in Pipers Vergangenheit. In kleinen Rückblenden wird ihre Freundschaft zum Vulkanier Sarda vertieft, wodurch dessen Motivation vielleicht etwas nachvollziehbarer wird. Gleichzeitig interpretiert Carey die vulkanische Kultur und Erziehung teilweise sehr frei. Einige dieser Ideen wirken spannend, andere wiederum stehen eher im Widerspruch zu etablierten Darstellungen aus anderen Romanen oder der Serie selbst.

Mit Ursula Mornay präsentiert der Roman leider eine recht stereotype Gegenspielerin. Sie entspricht dem klassischen Bild der überheblichen Wissenschaftlerin, die ihre Pläne ausführlich erklärt und letztlich an ihrer eigenen Selbstüberschätzung scheitert. Gerade hier hätte man sich eine vielschichtigere Antagonistin gewünscht. Auch die faszinierende Transwarp-Technologie bleibt letztlich eher vage umrissen. Zwar wird ihr enormes Potential mehrfach betont, technische Details oder tiefere Erklärungen bleiben jedoch Mangelware. Technikfans dürften sich hier deutlich mehr Substanz wünschen. Trotz dieser Schwächen überzeugt der Roman durch sein konstant hohes Erzähltempo. Es passiert beinahe ununterbrochen etwas, wodurch kaum Leerlauf entsteht. Besonders der ausgedehnte Schlusskonflikt bietet zahlreiche Wendungen und sorgt für Spannung bis zum Ende. Gleichzeitig lässt Carey die Geschichte offen genug ausklingen, um Commander Piper weitere Abenteuer zu ermöglichen. Umso bedauerlicher ist es, dass diese Figur später keine große Rolle mehr spielen durfte, denn das Potential dafür wäre definitiv vorhanden gewesen.

Fazit:
Während in „Das Schlachtschiff“ noch eine groß angelegte Verschwörung innerhalb der Sternenflotte im Mittelpunkt stand, konzentriert sich „Der Verräter“ auf die Jagd nach gestohlener Transwarp-Technologie. Obwohl diese Technik noch unausgereift ist, besitzt sie genug strategische Bedeutung, um einen interstellaren Krieg auslösen zu können. Commander Piper erhält erneut die Gelegenheit, sich als loyale und fähige Sternenflottenoffizierin zu beweisen und meistert diese Aufgabe mit Bravour. Besonders positiv fällt auf, dass Kirk und die klassische Enterprise-Crew diesmal bewusst Nebenfiguren bleiben. Dadurch erhält der Roman eine angenehm frische Perspektive und zeigt, dass Star Trek auch ohne den permanenten Fokus auf Kirk funktionieren kann. Gleichzeitig leidet die Geschichte darunter, dass sie sich oft zu stark an bekannten Mustern orientiert. Viele Situationen wirken wie bewusst eingesetzter Fanservice und weniger wie eigenständige Ideen. Dennoch bleibt „Der Verräter“ ein unterhaltsamer und solide geschriebener Classic-Star-Trek-Roman mit hohem Tempo, sympathischer Hauptfigur und einer gelungenen Mischung aus Abenteuer, Intrigen und Science Fiction.

Matthias Göbel

Autorin: Diane Carey
Übersetzung: Andreas Brandhorst
Taschenbuch: 280 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Veröffentlichung: 25.02.2014
Erstveröffentlichung: 1986
ISBN: ‎9783641114732

 

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