Zum Inhalt springen
...der Brand in der Felsung!

Andreas Röger – Strahlende Stadt


einz1975

Empfohlene Beiträge

Eine Stadt für alle – zumindest war das einst die große Idee. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Nach einem folgenschweren Zwischenfall ist die Welt in verschiedene Gesellschaftsschichten geteilt. Die Privilegierten leben in einer gigantischen Metropole, die mehreren Millionen Menschen ein Zuhause bietet. Außerhalb der Stadtmauern kämpfen die weniger Begünstigten unter deutlich schlechteren Bedingungen ums tägliche Überleben. Noch weiter entfernt befinden sich jene Menschen, die vollständig aus dem gesellschaftlichen System herausgefallen sind und am Rand der Zivilisation existieren. Die Kriminalbeamten Janus Tarchtel und Noel Yukiawa werden mit einem heiklen Fall betraut. Weit außerhalb der Stadt ist der Sohn eines der einflussreichsten Vertreter des Systems ums Leben gekommen. Die zentrale Frage lautet: Handelt es sich um einen tragischen Unfall oder um Mord? Während ihrer Ermittlungen stoßen die beiden auf immer mehr Ungereimtheiten. Doch was zunächst wie ein gewöhnlicher Kriminalfall erscheint, entwickelt sich nach und nach zu etwas weitaus Größerem. Schon bald geraten sie auf die Spur einer Wahrheit, die besser verborgen geblieben wäre.

Andreas Röger beginnt seinen Roman zunächst recht klassisch. Der Leser begleitet zuerst Janus Tarchtel, der als Hauptfigur eingeführt wird. Sein Kollege Noel Yukiawa tritt deutlich später in Erscheinung. Interessant ist dabei, dass der Autor anfangs bewusst sparsam mit Informationen über seine Protagonisten umgeht. Erst im Verlauf der Handlung gewinnen beide Figuren zunehmend an Tiefe und Kontur. Zwar gibt es bereits früh kleinere Hinweise auf ihre Vergangenheit und ihre persönlichen Konflikte, doch das Gesamtbild setzt sich erst nach und nach zusammen. Gerade bei Janus wird erst später deutlich, welche Belastungen und Hintergründe ihn tatsächlich prägen. Dieser zurückhaltende Umgang mit den Figuren sorgt gleichzeitig dafür, dass der Leser immer wieder eigene Theorien entwickeln kann. Man beginnt früh damit, über die Hintergründe der Welt und die Motivationen der Charaktere zu spekulieren, wird von der späteren Auflösung aber dennoch mehrfach überrascht. Der Science-Fiction-Anteil des Romans konzentriert sich dabei weniger auf technische Spielereien oder futuristische Alltagsdetails. Stattdessen betrachtet Röger seine Zukunftsvision eher aus einer gesellschaftlichen und politischen Perspektive.

Dennoch finden sich immer wieder interessante Ideen und Konzepte, die der Welt Glaubwürdigkeit verleihen und neugierig auf weitere Entwicklungen machen. Besonders überzeugend gelingt die eigentliche Ermittlungsarbeit. Von Beginn an gehen Janus und Noel systematisch und detailliert vor. Da es zunächst kaum konkrete Hinweise gibt, wird jede noch so kleine Spur untersucht. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Fundort der Leiche sowie das Tatmotiv. Schritt für Schritt setzen die Ermittler die einzelnen Puzzleteile zusammen, während gleichzeitig immer mehr Figuren eingeführt werden und die sozialen Strukturen dieser Gesellschaft beleuchtet werden. Natürlich hilft gelegentlich auch der Zufall dabei, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Das wirkt jedoch selten konstruiert, sondern eher wie ein realistischer Bestandteil kriminalistischer Arbeit. Mit jeder neuen Spur wächst das Bild einer Welt, die deutlich komplexer ist, als sie zunächst erscheint. Besonders spannend wird es, als plötzlich Informationen auftauchen, die sämtliche bisherigen Annahmen infrage stellen. Haben Außerirdische tatsächlich erneut Kontakt mit der Erde aufgenommen? Sind sie womöglich sogar für die Entstehung der Stadt und die gesellschaftliche Aufteilung der Menschheit verantwortlich? Oder handelt es sich lediglich um Gerüchte, Verschwörungstheorien und gezielte Manipulationen? Hier zeigt sich eine der größten Stärken des Romans. Der Autor hält lange offen, welche Informationen glaubwürdig sind und welche nicht. Dadurch entsteht eine permanente Unsicherheit, die den Spannungsbogen über weite Strecken aufrechterhält.

Im späteren Verlauf verändert der Roman seinen Schwerpunkt teilweise. Die klassische Polizeiarbeit tritt etwas in den Hintergrund, während die Untersuchung alter Aufzeichnungen, historischer Ereignisse und eines geheimnisvollen Wracks zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dieser Wechsel sorgt dafür, dass die Handlung frisch bleibt und sich nicht in einer reinen Kriminalgeschichte erschöpft. Allerdings wirft die Geschichte dabei auch einige Fragen auf, auf die der Autor bislang keine vollständigen Antworten liefert. Können tatsächlich Menschen verschwinden, ohne dass jemand ernsthaft nachfragt? Warum wird die Vergangenheit so wenig hinterfragt? Sind die Institutionen und ihre Vertreter wirklich bereit, fragwürdige oder sogar illegale Maßnahmen mitzutragen? Und welchen Zweck verfolgt die umfassende Vertuschung überhaupt? Viele dieser Fragen bleiben bewusst offen. Das kann stellenweise frustrierend sein, deutet aber gleichzeitig darauf hin, dass Strahlende Stadt nur der Auftakt zu einer größeren Geschichte ist. Zahlreiche Zusammenhänge sind offensichtlich noch nicht vollständig enthüllt worden. Gerade deshalb entsteht der Eindruck, dass hier langfristig etwas deutlich Größeres vorbereitet wird. Trotz der offenen Fragen funktioniert der Roman bereits für sich genommen sehr gut. Die Ermittlungen sind spannend, die Welt interessant und die Enthüllungen sorgen immer wieder für überraschende Wendungen. Wer aufmerksam liest, wird zahlreiche Hinweise entdecken, ohne die endgültigen Antworten bereits zu kennen.

Fazit:
Mit „Strahlende Stadt“ legt Andreas Röger einen gelungenen Science-Fiction-Krimithriller vor, der klassische Ermittlungsarbeit mit einer geheimnisvollen Zukunftswelt verbindet. Besonders die detaillierte Polizeiarbeit, die glaubwürdigen Ermittlungen und die geschickte Strukturierung der Hinweise wissen zu überzeugen. Die Handlung entwickelt sich kontinuierlich weiter und schlägt gegen Ende sogar eine deutlich größere Richtung ein, als man zunächst erwartet hätte. Zwar bleiben viele der zentralen Fragen noch unbeantwortet, insbesondere die langfristigen Ziele der Gegenseite und die wahren Hintergründe der gesellschaftlichen Ordnung. Dennoch weckt genau das die Neugier auf die Fortsetzung. Man möchte erfahren, wie diese Welt entstanden ist, weshalb so vieles vergessen oder verdrängt wurde und welche Kräfte tatsächlich hinter den Ereignissen stehen. Für Leserinnen und Leser, die spannende Kriminalermittlungen mit einer dystopischen Science-Fiction-Welt verbinden möchten, ist Strahlende Stadt eine klare Empfehlung. Der Roman liefert nicht nur einen packenden Fall, sondern eröffnet zugleich ein faszinierendes Mysterium, dessen vollständige Auflösung vermutlich erst in den kommenden Bänden erfolgen wird.

Matthias Göbel

Autor: Andreas Röger
Taschenbuch: 348 Seiten
Verlag: Buchschmiede von Dataform Media GmbH - Selfpublisher
Veröffentlichung: 14.08.2025
ISBN: ‎9783991815747

www.amazon.de

41oHZ+M-zCL.jpg

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Bitte melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen

Du kannst nach der Anmeldung einen Kommentar hinterlassen



Jetzt anmelden
  • Bilder

×
×
  • Neu erstellen...

Wichtige Information

Diese Seite verwendet Cookies um Funktionalität zu bieten und um generell zu funktionieren. Wir haben Cookies auf Deinem Gerät platziert. Das hilft uns diese Webseite zu verbessern. Du kannst die Cookie-Einstellungen anpassen, andernfalls gehen wir davon aus, dass Du damit einverstanden bist, weiterzumachen. Datenschutzerklärung Beim Abensden von Formularen für Kontakt, Kommentare, Beiträge usw. werden die Daten dem Zweck des Formulars nach erhoben und verarbeitet.