Zum Inhalt springen
Der Geschmack den Ihr Gaumen verlangt!

Dennis Geier – Der Krieg um die Magistrale 1: Das verborgene Substrat


einz1975

Empfohlene Beiträge

Es ist inzwischen genau 70 Jahre her, dass Fasilis Firaan im Krieg gegen die Magistrale gefangen genommen wurde. Für einen Großadmiral des Großreichs ist das eine schwere Niederlage. Doch nicht nur seine Gefangenschaft macht ihm zu schaffen. Als er wieder zu Bewusstsein kommt, fehlen ihm wesentliche Erinnerungen. Wer ist er wirklich? Was ist damals geschehen, und warum befindet er sich noch immer in den Händen des Feindes? Nach und nach kehren seine Erinnerungen zurück, und Firaan muss sich einer unangenehmen Wahrheit stellen: Die Magistrale hat ihn jahrzehntelang in einer Kryokapsel aufbewahrt. Doch warum wurde er ausgerechnet jetzt aufgeweckt? Steht ihm ein Prozess bevor, oder verfolgt sein Feind ganz andere Pläne?

Dennis Geier gelingt ein spannender Einstieg, denn die Erinnerungslücken seines Protagonisten wecken schnell die Neugier. Stück für Stück erfahren wir mehr über die Vergangenheit des Großadmirals und die Umstände seiner Gefangennahme. Gerade die Frage, wie ein hochdekorierter Militär in eine solche Lage geraten konnte, sorgt für einen gelungenen Spannungsbogen. Dabei ist es reizvoll, die Ereignisse zunächst ausschließlich aus der Perspektive eines Gefangenen zu erleben. Firaan kennt weder die Absichten seiner Bewacher noch die politischen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte. Seine Erinnerungen sind unvollständig, und auch sein Selbstbild gerät zunehmend ins Wanken. Obwohl er die Magistrale weiterhin als Feind betrachtet, muss er sich mit seiner neuen Situation arrangieren. Natürlich denkt er über eine Flucht nach, doch das gestaltet sich schwieriger als erwartet. Nicht nur befindet er sich in der Gewalt seiner Gegner, auch seine eigene Vergangenheit ist ihm nur teilweise zugänglich. Der Roman nutzt diese Ausgangslage geschickt, um die Spannung aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die Persönlichkeit seiner Hauptfigur näher zu beleuchten. Denn hinter der militärischen Handlung verbirgt sich ein weiteres Thema: die Frage nach der eigenen Identität. Wer einst ein bedeutender Großadmiral war, muss nach 70 Jahren nicht zwangsläufig noch derselbe Mensch sein. Firaan ist gezwungen, seine Überzeugungen, seine Vergangenheit und sein Selbstverständnis zu hinterfragen. Dabei geht es nicht allein darum, was ihm widerfahren ist, sondern auch darum, welche Person er künftig sein möchte. Als er schließlich verlegt wird, ergibt sich für ihn die Gelegenheit, Kontakt zu einem alten Kameraden aufzunehmen.

Doch auch hier wartet eine unangenehme Überraschung. Im Großreich gilt Firaan nicht mehr nur als gescheiterter Militär, sondern auch als einer der meistgesuchten Männer. Das Reich hat offenbar gute Gründe, ihn nicht wieder in Freiheit zu sehen, denn er könnte Geheimnisse kennen, die keinesfalls an die Öffentlichkeit gelangen dürfen. Damit wird seine Situation noch komplizierter. Er kann sich weder auf seine ehemaligen Vorgesetzten verlassen noch darauf hoffen, dass seine früheren Verdienste ihn schützen. Er steht weitgehend allein da und muss sich neue Verbündete suchen. Dabei bewahrheitet sich einmal mehr das bekannte Prinzip, dass der Feind des eigenen Feindes zumindest vorübergehend zum Verbündeten werden kann. Die weiteren Figuren fügen sich gut in die Handlung ein. Manche begleiten Firaan nur für kurze Zeit, andere erhalten mehr Raum. Dass der Autor den Fokus dennoch weitgehend auf seiner Hauptfigur belässt, halte ich für eine gute Entscheidung. So bleibt die Geschichte übersichtlich und Firaans Entwicklung steht im Mittelpunkt, ohne dass die militärischen und politischen Zusammenhänge zu kurz kommen. Als ehemaliger Großadmiral versteht Firaan sein Handwerk natürlich noch immer. Entsprechend gibt es im Roman auch einige Kämpfe und militärische Auseinandersetzungen. Hier zeigt sich, dass er trotz der vergangenen Jahrzehnte nichts von seinem taktischen Geschick verloren hat. Er kann Situationen einschätzen, strategisch denken und seine Gegner mitunter durch unerwartete Entscheidungen überraschen. Die Kampfszenen sind nachvollziehbar aufgebaut und bieten einige gelungene Momente. Besonders dann, wenn taktische Überlegungen und clevere Manöver den Ausschlag geben, entfaltet die Geschichte ihren Reiz.

Noch interessanter als die Kämpfe ist allerdings die persönliche Veränderung des Protagonisten. Im Laufe der Handlung muss Firaan erkennen, dass seine bisherigen Überzeugungen nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen. Seine Erfahrungen zwingen ihn dazu, alte Feindbilder zu überdenken und sich mit Fragen auseinanderzusetzen, die er als Offizier des Großreichs vermutlich lange ausgeblendet hat. Dadurch gewinnt die Geschichte eine zusätzliche Ebene, die über reine Militär-Science-Fiction hinausgeht. Auch die Welt, die Dennis Geier entwirft, bietet interessante Ansätze. Unterschiedliche außerirdische Spezies leben und arbeiten miteinander, und gerade die Magistrale scheint eine Form des Zusammenlebens erreicht zu haben, die im Großreich undenkbar wäre. Während dort offenbar strenge Grenzen zwischen den Völkern gezogen werden, zeigt die Gegenseite, dass Kooperation über die eigenen Speziesgrenzen hinaus möglich ist. Das ist ein interessanter gesellschaftlicher Gegenentwurf, der die politischen Konflikte um eine weitere Dimension ergänzt. Beim titelgebenden Substrat finden sich gewisse thematische Anklänge an bekannte Science-Fiction-Konzepte, etwa aus Star Trek. Diese Ähnlichkeiten betreffen vor allem einzelne inhaltliche Ideen, während Geier seine Geschichte ansonsten aus unterschiedlichen Elementen der Space Opera und der militärischen Science Fiction zusammensetzt. Entscheidend ist dabei weniger die technische Ausgestaltung als die Frage, welche Gesellschaftsordnung sich langfristig als tragfähig erweist und welchen Preis die jeweiligen Machtansprüche fordern. Allerdings steht die Auseinandersetzung zwischen dem Großreich und der Magistrale noch am Anfang. Viele Hintergründe und Zusammenhänge sind bislang nicht vollständig geklärt. Das passt zum Auftakt eines Mehrteilers, bedeutet aber auch, dass einige größere Fragen vorerst offenbleiben. Umso wichtiger wird sein, wie der Autor die politischen und gesellschaftlichen Konflikte in den folgenden Bänden weiterentwickelt.

Fazit:
Mit „Der Krieg um die Magistrale 1: Das verborgene Substrat“ legt Dennis Geier einen gelungenen Auftakt zu einer militärisch geprägten Science-Fiction-Reihe vor. Die Geschichte überzeugt vor allem durch ihren ungewöhnlichen Einstieg, denn die Erinnerungslücken des ehemaligen Großadmirals sorgen für Spannung und machen neugierig auf die Hintergründe seiner Gefangenschaft. Besonders gelungen ist die Entwicklung Firaans. Er bleibt nicht einfach der erfahrene Militär, der seine alten Fähigkeiten wieder unter Beweis stellt, sondern muss sich auch mit seiner Vergangenheit und seinen Überzeugungen auseinandersetzen. Dadurch erhält die Geschichte trotz ihrer Kämpfe und taktischen Manöver eine menschliche Dimension. Die militärischen Auseinandersetzungen sind nachvollziehbar gestaltet, und auch die gesellschaftlichen Gegensätze zwischen dem Großreich und der Magistrale bieten Stoff für weitere Entwicklungen. Einige Fragen bleiben noch offen, was bei einem Reihenauftakt nicht überrascht. Entscheidend wird sein, wie Dennis Geier die angedeuteten Konflikte und das Geheimnis um das titelgebende Substrat weiter ausarbeitet. Die Grundlage dafür ist jedenfalls vorhanden. Wer militärische Science Fiction mit taktischen Gefechten, politischen Konflikten und einer Hauptfigur mag, die sich im Laufe der Handlung grundlegend verändern muss, sollte einen Blick auf diesen ersten Band werfen. „Das verborgene Substrat“ ist ein spannender Einstieg, der nicht nur auf weitere Kämpfe hoffen lässt, sondern auch darauf, dass Firaan seinen Blick auf die Welt und seine einstigen Feinde weiter hinterfragt.

Matthias Göbel

Autor: Dennis Geier
Taschenbuch: 228 Seiten
Verlag: BoD - Selfpublisher
Veröffentlichung: 24.10.2026
ISBN: 9783695742721

 

260806 0211 Cover - Das Substrat.jpg

Bearbeitet von einz1975
Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Bitte melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen

Du kannst nach der Anmeldung einen Kommentar hinterlassen



Jetzt anmelden
  • Bilder

×
×
  • Neu erstellen...

Wichtige Information

Diese Seite verwendet Cookies um Funktionalität zu bieten und um generell zu funktionieren. Wir haben Cookies auf Deinem Gerät platziert. Das hilft uns diese Webseite zu verbessern. Du kannst die Cookie-Einstellungen anpassen, andernfalls gehen wir davon aus, dass Du damit einverstanden bist, weiterzumachen. Datenschutzerklärung Beim Abensden von Formularen für Kontakt, Kommentare, Beiträge usw. werden die Daten dem Zweck des Formulars nach erhoben und verarbeitet.